Social Ideas, Social Reality
and Social Practice I
GA 337a
3 March 1920, Stuttgart
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Social Ideas, Social Reality and Social Practice I, tr. SOL
4. Wie soll die Dreigliederungsarbeit fortgeführt werden?
4. How should the work on the threefold social order be continued?
[ 1 ] Rudolf Steiner: Meine sehr verehrten Anwesenden! Das, was ich in diesen einleitenden Worten werde zu sagen haben, wird ja selbstverständlich etwas herausfallen aus den Gepflogenheiten, wie sie hier an diesen Abenden bisher waren, aus dem einfachen Grunde, weil ich gewissermaßen hereingeschneit bin und es daher nicht möglich ist, unmittelbar gerade da fortzusetzen, wo das letzte Mal aufgehört worden ist. So wird wohl heute vielleicht der Schwerpunkt liegen müssen in der Diskussion selbst, an der ich Sie bitte, sich zahlreich zu beteiligen.
[ 1 ] Rudolf Steiner: Ladies and gentlemen! What I have to say in these introductory remarks will, of course, deviate somewhat from the customary practice of these evenings, for the simple reason that I have, so to speak, dropped in unexpectedly, and it is therefore not possible to pick up exactly where we left off last time. So perhaps the focus today will have to be on the discussion itself, in which I ask you all to participate in large numbers.
[ 2 ] Als wir jetzt vor zehn Monaten hier in Stuttgart begonnen haben mit der Popularisierung jener Ideen, die der sozialen Dreigliederung zugrundeliegen, da war dieses Unternehmen durchaus gedacht im Sinne der damaligen Zeitereignisse. Wir standen damals als Angehörige der mitteleuropäischen Staats-, Geistes- und Wirtschaftsgebiete — unmittelbar nach dem furchtbaren Schlag, den die Schreckensereignisse der letzten vier bis fünf Jahre Mitteleuropa gebracht hatten —, wir standen dazumal eben vor all denjenigen Fragen, die aufgeworfen werden mußten unter dem Gesichtspunkt: Wie haben wir uns zu verhalten als Menschen Mitteleuropas, die nun, sagen wir es trocken — eben damals «die Besiegten» waren? Und da mußte die Anschauung zugrundegelegt werden, daß - angesichts der furchtbaren Erlebnisse, weniger jetzt der Kriegsereignisse als derjenigen des Kriegsausganges, die, natürlich in anderer Beziehung, nicht weniger schrecklich sind als die Kriegsereignisse selber — Verständnis erweckt werden müßte bei einer genügend großen Anzahl von Menschen für diejenigen Ideen von einer sozialen Neugestaltung, die gerade aus dem Kreise der Besiegten heraus zu einem Wiederaufbau der europäischen Angelegenheiten hätten führen können.
[ 2 ] When we began here in Stuttgart ten months ago to popularize the ideas underlying the threefold social order, this endeavor was very much conceived in light of the events of the time. At that time, as members of the Central European political, intellectual, and economic spheres—immediately following the terrible blow that the horrific events of the past four to five years had dealt to Central Europe—we were faced with all the questions that had to be raised from the perspective: How should we conduct ourselves as people of Central Europe who were now—to put it bluntly—precisely “the vanquished” at that time? And this had to be based on the view that—in light of the terrible experiences, not so much the events of the war as the outcome of the war, which, though in a different context, are no less horrific than the events of the war themselves — it was necessary to foster understanding among a sufficiently large number of people for those ideas of social restructuring that, emerging precisely from the ranks of the vanquished, could have led to a reconstruction of European affairs.
[ 3 ] Wenn man es zu tun hat, meine lieben Freunde, mit der Propagierung irgendeiner Idee, so hört man sehr häufig das Wort, das seien weittragende Ideen. Es wird gesagt, man könne vielleicht hoffen, daß solche weittragende Ideen sich in ferner Zeit einmal verwirklichen lassen werden - und je nach dem größeren oder geringeren Optimismus werden dann größere oder kleinere Zeiträume angegeben -, man könne nur dahin arbeiten, daß die Menschheit sich solchen Idealen annähere und so weiter. Aber zu Gedanken, die sich in dieser Richtung bewegen, forderte die Zeitlage bei Beginn unserer Arbeit eigentlich nicht heraus. Gemeint war dazumal, daß die nächste Notwendigkeit darin besteht, in möglichst vielen Köpfen Verständnis hervorzurufen für den Impuls der Dreigliederung des sozialen Organismus: für ein selbständiges Geistesleben, für ein selbständiges Staats- oder Rechtsleben und für ein selbständiges Wirtschaftsleben. Man hat hoffen können, daß die bitteren Ereignisse dieses Verständnis bei den Menschen hätten hervorbringen können. Es hat sich aber gezeigt, daß in der Zeit, in der es notwendig gewesen wäre, dieses Verständnis in einer genügend großen Anzahl von Menschen tatsächlich nicht hat hervorgebracht werden können — aus Gründen, die heute nicht weiter berührt werden sollen. Und heute wird mit Recht von mancher Seite her die Frage aufgeworfen: Kann denn eigentlich diese Idee der Dreigliederung in derselben Weise weitergepflegt werden wie dazumal? Sind wir denn heute nicht schon im Abbau unseres Wirtschaftslebens zu stark vorgerückt?
[ 3 ] When one is engaged, my dear friends, in promoting any idea, one very often hears the phrase that these are far-reaching ideas. It is said that one might perhaps hope that such far-reaching ideas will one day be realized in the distant future—and depending on the degree of optimism, longer or shorter time frames are then specified—that one can only work toward humanity drawing closer to such ideals, and so on. But the circumstances at the start of our work did not actually call for thoughts moving in this direction. The intention at that time was that the most immediate necessity lay in fostering understanding in as many minds as possible for the impulse toward the threefold social order: for an independent spiritual life, for an independent political or legal life, and for an independent economic life. One might have hoped that the bitter events of that time could have fostered this understanding among people. However, it has become apparent that, at the very time when it was necessary, this understanding could not in fact be fostered in a sufficiently large number of people—for reasons that need not be discussed further today. And today, the question is rightly being raised from many quarters: Can this idea of threefold social order actually be cultivated in the same way as it was back then? Have we not already progressed too far in the dismantling of our economic life?
[ 4 ] Wer allerdings dieses Wirtschaftsleben der Gegenwart durchschaut, der kann nicht so ohne weiteres — ich sage absichtlich «nicht ohne weiteres» — diese Frage verneinen. Denn, setzen wir einmal die Hypothese, man hätte dazumal, als wir im April des vorigen Jahres mit unserer Arbeit begonnen haben, durch das Entgegenkommen einer genügend großen Anzahl von Menschen - die ganz gewiß hätten herbeiführen können eine Änderung der Verhältnisse —, wir hätten in der Tat den nötigen Erfolg gehabt: dann stünde selbstverständlich heute unser Wirtschaftsleben auf einem ganz anderen Boden. Es mag manchem anmaßend erscheinen, wenn ich das sage, aber es ist doch so. Und die verschiedenen Artikel, die in unserer Dreigliederungszeitung gekommen sind, können ja als Beweis, als Beleg des soeben Gesagten dienen.
[ 4 ] However, anyone who truly understands the nature of today’s economic life cannot simply—and I say “cannot simply” on purpose—answer this question in the negative. For, let us suppose for a moment that back then, when we began our work in April of last year, thanks to the cooperation of a sufficiently large number of people—who certainly could have brought about a change in circumstances—we had in fact achieved the necessary success: then, of course, our economic life today would be based on an entirely different foundation. It may seem presumptuous to some when I say this, but it is nevertheless true. And the various articles that have appeared in our Threefold Order newspaper can certainly serve as proof, as evidence of what I have just said.
[ 5 ] Wenn wir, die wir in engerem Kreis an der Fortführung der Dreigliederungsideen arbeiten, dennoch durchaus glauben, daß die Arbeit fortgesetzt werden muß, so sind wir auf der anderen Seite auch gründlich davon überzeugt, daß der Weg, der eben zunächst eingeschlagen worden ist — eine genügend große Anzahl von Seelen zu überzeugen von der Notwendigkeit der Dreigliederung -, daß dieser Weg heute nicht rasch genug zum Erfolg führen kann. Deshalb müssen wir heute denken an unmittelbar praktische Unternehmungen, deren Gestalt ja schon in der nächsten Zeit vor unsere engere Zeitgenossenschaft hintreten soll. Wir müssen daran denken, unser Ziel zu erreichen durch gewisse Institutionen, die ersetzen können dasjenige, was bewirkt worden wäre durch das Zusammenwirken einer genügend großen Anzahl von überzeugten Menschen. Wir müssen wenigstens den Versuch machen, durch Institutionen, die wirtschaftliche Institutionen sind, erste Musterinstitutionen zu schaffen, an denen man sehen wird, daß in solchen wirtschaftlichen Institutionen unsere Ideen praktisch verwirklicht werden können. Diese können dann Nacheiferung finden in dem Sinne, daß man dann den Tatsachen dasjenige glaubt, was man vorher den uns überzeugend scheinenden Worten nicht glauben wollte. Auf der anderen Seite werden diese Musterinstitutionen auch tatsächlich solche wirtschaftlichen Folgen haben können, daß manches von dem, was schon eingetreten ist an wirtschaftlicher Helotisierung, wiederum gutgemacht werden kann. In der Tat ist ja eine große Anzahl von Menschen in diesem Mitteleuropa soweit gekommen, daß es ihnen ganz gleichgültig ist, woher sie ihre Profite beziehen. Sie lassen sich von den Siegern unter Umständen die Direktiven und auch die sachlichen materiellen Unterlagen geben, wenn das für sie nur möglich macht, entsprechende Profite zu haben. Die Art und Weise, wie man in manchen Kreisen heute daran denkt, sich wirtschaftlich aufzuhelfen in Mitteleuropa, ist ja geradezu beschämend. So muß gedacht werden, aus der Dreiglie A Am derungsidee selber heraus praktische Institutionen zu schaffen, welche den Beweis werden liefern können - selbst unter den schon recht schwierig gewordenen Verhältnissen —, daß diese Dreigliederungsidee tatsächlich nicht eine utopistische, sondern eine praktische ist.
[ 5 ] While we, who are working in a close-knit circle on the continuation of the ideas of the threefold social order, firmly believe that this work must continue, we are also thoroughly convinced that the path that has just been embarked upon—convincing a sufficiently large number of people of the necessity of the threefold social order—cannot lead to success quickly enough today. That is why we must now consider immediately practical undertakings, the form of which is already to be presented to our inner circle in the near future. We must consider achieving our goal through certain institutions that can replace what would have been accomplished through the cooperation of a sufficiently large number of convinced people. We must at least attempt, through economic institutions, to create initial model institutions that will demonstrate that our ideas can be put into practice within such economic institutions. These can then serve as examples to be emulated, in the sense that people will come to believe—based on the facts—what they previously refused to believe in the words that seemed convincing to us. On the other hand, these model institutions may indeed have such economic consequences that some of what has already occurred in terms of economic enslavement can be reversed. In fact, a large number of people in Central Europe have reached the point where they are completely indifferent as to where their profits come from. Under certain circumstances, they will allow the victors to provide them with directives and even the factual, material documentation, if that merely enables them to secure corresponding profits. The way in which some circles today conceive of improving their economic situation in Central Europe is downright shameful. We must therefore aim to create practical institutions based on the very idea of the threefold social order itself—institutions that will be able to demonstrate—even under conditions that have already become quite difficult—that this idea of the threefold social order is in fact not a utopian one, but a practical one.
[ 6 ] Sehen Sie, als wir mit unserer Arbeit begonnen haben, wurde vielfach gefragt: Ja, könnt ihr uns für einzelne Einrichtungen praktische Gesichtspunkte geben? Wie soll man das oder jenes machen? — Derjenige, der eine solche Frage aufgeworfen hat, der hat gewöhnlich ganz davon abgesehen, daß es sich nicht darum handeln konnte, die eine oder andere Institution, die gerade ihre Unbrauchbarkeit erwiesen hat, durch gute Ratschläge weiter zu erhalten, sondern daß es sich darum gehandelt hat, durch Umwandlung im großen einen völligen sozialen Neuaufbau zu bewirken, durch den dann die einzelnen Institutionen getragen worden wären. Dazu hätte es nicht der Ratschläge bedurft für das eine oder andere, sondern dazu hätte es bedurft, daß die Ideen im großen eingesehen worden wären, das heißt von einer genügend großen Anzahl von Menschen — denn zuletzt werden doch alle Institutionen von Menschen gemacht.
[ 6 ] You see, when we began our work, we were often asked: “Yes, can you provide us with practical guidance for individual institutions? How should we go about doing this or that?” — Those who raised such questions usually completely overlooked the fact that the issue was not about preserving one institution or another—which had just proven its uselessness—through good advice, but rather about bringing about a complete social reconstruction through large-scale transformation, which would then underpin the individual institutions. This would not have required advice on this or that specific matter, but rather it would have required that the ideas be understood in the broader sense—that is, by a sufficiently large number of people—for, in the end, all institutions are made by people.
[ 7 ] So stehen wir heute schon einmal vor einer Art von Kursänderung, die wahrhaftig nicht dadurch herbeigeführt worden ist, daß wir etwa glauben, daß wir uns in unseren Ideen geirrt hätten. Ideen dieser Art müssen immer rechnen mit den Zeiterscheinungen. Und wenn die Menschheit nicht auf diese Zeiterscheinungen eingeht, dann müssen eben die Ideen anders werden, müssen wenigstens einen anderen Kurs einschlagen. Damit haben wir darauf hingewiesen, daß unsere noch gar nicht alte Dreigliederungsbewegung tatsächlich schon eine in den heutigen Zeitverhältnissen begründete, arg sprechende Geschichte hat — eine Geschichte, die vielleicht doch für manchen lehrreich sein könnte, wenn er sie nur beachten möchte.
[ 7 ] So today we are already facing a kind of change of course that has truly not been brought about by our belief, for example, that we were mistaken in our ideas. Ideas of this kind must always take current trends into account. And if humanity does not respond to these contemporary phenomena, then the ideas must change; they must at least take a different course. In this way, we have pointed out that our threefold social order movement—which is by no means old—actually already has a history that is deeply rooted in today’s circumstances and speaks volumes—a history that might, after all, be instructive for some, if only they were willing to take notice of it.
[ 8 ] Das, was ich jetzt gesagt habe, möchte ich Ihnen anschaulich machen an einem Beispiel: Derjenige, welcher das Buch «Die Kernpunkte der Sozialen Frage», wie es vor jetzt einem Jahr entstanden ist, auf die wirtschaftlichen Ausführungen hin durchnimmt, der wird da finden gewisse Betrachtungen über die Organisation des Wirtschaftslebens, das eine gewisse notwendige Selbständigkeit erlangen soll, das nicht abhängig sein darf in der Zukunft von staatlichen Institutionen, staatlichen Verwaltungen, das durchaus gestellt sein muß auf seine eigenen Grundlagen, und das aufgebaut sein muß aus seinen eigenen Grundlagen auf dem Prinzip der Assoziationen. Ich kann natürlich heute nur einige Gesichtspunkte angeben, vielleicht wird die Diskussion das weitere liefern.
[ 8 ] I would like to illustrate what I have just said with an example: Anyone who reads through the book *The Key Points of the Social Question*—which was written a year ago—with a focus on the economic sections will find certain observations regarding the organization of economic life, which is to attain a certain necessary independence, which must not be dependent in the future on state institutions or state administrations, which must be firmly grounded on its own foundations, and which must be built upon its own foundations based on the principle of associations. Of course, I can only outline a few points today; perhaps the discussion will provide further insights.
[ 9 ] Was soll denn eigentlich der Sinn solcher Assoziationen sein im Wirtschaftsleben? Der Sinn dieser Assoziationen soll sein, daß sich zunächst verbinden Berufskreise, die irgendwie verwandt sind, die sachlich zusammenarbeiten müssen, die vollständig frei und selbständig, ohne irgendwelchen staatlichen Verwaltungen zu unterstehen, ihre Wirtschaft besorgen, daß sich die zusammenfinden. Und dann sollen sich diese Assoziationen von Berufskreisen wiederum assoziieren mit den entsprechenden Konsumenten, so daß das, was als Wechselverkehr eintritt erstens zwischen den verwandten Berufskreisen, dann aber auch [zweitens] zwischen den Produzenten- und Konsumentenkreisen, wiederum in Assoziationen zusammengeschlossen ist. Es soll an die Stelle der heutigen Wirtschaftsverwaltung dasjenige treten, was sich durch den freien Verkehr der wirtschaftlichen Assoziationen ergibt.
[ 9 ] What, exactly, is the purpose of such associations in economic life? The purpose of these associations is, first of all, to bring together professional groups that are in some way related, that must cooperate on a practical level, and that manage their economic affairs completely freely and independently, without being subject to any government administration—to bring these groups together. And then these associations of professional groups are to associate, in turn, with the corresponding consumer groups, so that the economic exchange that takes place—first between the related professional groups, but then also [secondly] between the producer and consumer groups—is in turn organized into associations. The current system of economic administration should be replaced by that which arises from the free interaction of economic associations.
[ 10 ] Selbstverständlich gehört zu diesem Gewebe von wirtschaftlichen Institutionen — mit Bezug auf das Wirtschaften — auch alles dasjenige, was sonst arbeitet im Rechtsleben, im Staatsleben, was arbeitet im geistigen Leben. Das geistige Leben als solches ist unabhängig auf seine eigenen Füße gestellt, aber diejenigen, die im geistigen Leben wirksam sind, die müssen essen, trinken, sich kleiden; sie müssen daher von sich aus auch wiederum Wirtschaftskorporationen bilden, die sich als solche dem Wirtschaftskörper einzuverleiben haben, die im Wirtschaftskörper sich assoziieren mit denjenigen Korporationen, die nun wiederum gerade ihren Interessen dienen können. Dasselbe muß geschehen mit der Korporation derjenigen Menschen, die im Staatsleben stehen. So wird im Wirtschaftsleben alles drinnen sein, was an Menschen überhaupt im sozialen Organismus drinnen ist — geradeso, wie in den beiden andern Gliedern, im Staatsleben und Geistesleben, alles drinnen ist an Menschen, was dem sozialen Organismus angehört. Nur sind die Menschen unter verschiedenen Gesichtspunkten in den drei Gliedern des sozialen Organismus drinnen. Das, worauf es ankommt, das ist ja, daß der soziale Organismus nicht gegliedert ist nach Ständen, sondern nach Gesichtspunkten, und daß in jedem Gliede des sozialen Organismus mit seinen Interessen ein jeder Mensch drinnensteht.
[ 10 ] Of course, this fabric of economic institutions—in terms of economic activity—also includes everything that functions in the legal sphere, in public life, and in intellectual life. Intellectual life as such stands independently on its own two feet, but those who are active in intellectual life must eat, drink, and clothe themselves; they must therefore, of their own accord, form economic corporations that, as such, must integrate themselves into the economic body and associate within it with those corporations that can in turn serve their specific interests. The same must happen with the corporation of those people who are engaged in public life. Thus, economic life will encompass all the people who are part of the social organism—just as, in the other two members—public life and spiritual life—all the people who belong to the social organism are encompassed. It is simply that people are included in the three members of the social organism from different perspectives. What matters, after all, is that the social organism is not structured according to estates but according to perspectives, and that every individual is included in each member of the social organism along with its interests.
[ 11 ] Was kann erreicht werden durch ein solches auf dem Assoziationsprinzip beruhendes Wirtschaftsleben? -— Das kann erreicht werden, daß die Schäden, die sich allmählich ergeben haben durch die Produktionsweise der letzten Jahrhunderte, besonders des 19. Jahrhunderts, aus dem Wirtschaftsleben und damit aus dem menschlichen Leben überhaupt beseitigt werden. Diese Schäden der Mensch erlebt sie ja heute zunächst an seinem eigenen Leibe, möchte ich sagen -, sie haben sich ergeben, weil im Laufe der neueren Jahrhunderte aus den früheren Bedingungen heraus sich andere Bedingungen ergeben haben in bezug auf die Produktion im Wirtschaftsleben.
[ 11 ] What can be achieved through an economic life based on the principle of association? — What can be achieved is the elimination from economic life—and thus from human life in general—of the harms that have gradually arisen as a result of the modes of production of the past centuries, particularly the 19th century. People experience this damage today—first and foremost, I would say, in their own bodies—and it has arisen because, over the course of recent centuries, conditions related to production in economic life have changed from what they were in the past.
[ 12 ] Wenn man zurückblickt auf die Zeit vom 17. bis 18. Jahrhundert, so findet man durchaus, daß die Art und Weise, wie produziert wurde, noch in einem gewissen Zusammenhang steht mit dem Menschen und seiner Organisation selbst. Man sieht, daß damals bei der Preisbestimmung dieser Preis abhängig war nicht von denjenigen Faktoren, von denen er heute einzig und allein abhängig ist, sondern zum Beispiel von den Fähigkeiten der Menschen, namentlich zum Beispiel davon, inwiefern ein Mensch befähigt ist, soundsoviele Stunden des Tages an dieser oder jener Produktion mit einer gewissen Hingebung und Freude zu arbeiten. Der Preis wurde also bestimmt durch das Zusammengewachsensein des Menschen mit seiner Produktion. Heute ist das allerdings höchstens noch in gewissen Zweigen des Geisteslebens der Fall. Wenn jemand ein Buch schreibt, kann man ihm nicht vorschreiben, wieviele Stunden des Tages er arbeiten soll und einen Lohn aussetzen für soundsoviele Stunden des Tages. Wenn zum Beispiel der achtstündige Arbeitstag eingeführt würde fürs Bücherschreiben, würde etwas Schönes dabei herauskommen, denn es könnte sehr leicht sein, daß Sie acht Stunden arbeiten und dafür einen Lohn bekommen sollen, daß Ihnen aber während vier Stunden durch drei Wochentage gar nichts einfällt. So wie hier ein inniges Band ist zwischen den menschlichen Befähigungen, zwischen der geistigen menschlichen Organisation und den hervorgebrachten Produkten, so war das auch so für viel materiellere Zweige - ja, je weiter wir zurückgehen in der menschlichen Entwickelung, überhaupt für alle materiellen Zweige. Erst in der neueren Zeit hat sich das Band gelöst zwischen dem Produkt und dem Produzierenden. Umfassend betrachtet ist es im Grunde genommen ein völliger Unsinn, daß man aufrechterhalten will diese Loslösung des Produktes von dem Produzierenden. In einzelnen Produktionszweigen kann sich das augenfällig zeigen. Nehmen Sie, jetzt bloß ökonomisch betrachtet, zum Beispiel das Buchfabrizieren. Bücher müssen geschrieben werden; das kann nicht unter die Gesetze der Entlohnung gestellt werden, wie sie zum Beispiel die heutige Sozialdemokratie für das Produzieren vertritt. Dabei würde nichts herauskommen. Aber Bücher müssen gedruckt werden, und derjenige, der sie setzt, der kann schon auf die Prinzipien der heutigen Sozialdemokratie sich stützen, auf das gewerkschaftliche Prinzip. Denn zum Setzen braucht einem nichts weiter einzufallen; da braucht man kein intimer geartetes Band zwischen Produzenten und Produktion. Aber wenn man auf die Quellen zurückgeht, wird man überall finden, daß gerade diejenige Arbeit, für die man ein solches Band nicht braucht, gar nicht da wäre, wenn nicht zuerst diejenigen Arbeiten da wären, von denen all diese äußere Arbeit abhängt. Wäre der Baumeister nicht da, so könnten alle Lohnarbeiter, die die Häuser bauen, nicht arbeiten. Wäre der Bücherschreiber nicht da, so könnte der Setzer keine Bücher setzen. Das sind doch Gedankengänge, die heute nicht angestellt werden, aber im eminentesten Sinne bei volkswirtschaftlichen Betrachtungen durchaus zugrundegelegt werden müssen.
[ 12 ] If one looks back at the period from the 17th to the 18th century, one certainly finds that the way in which production took place was still, to a certain extent, connected to human beings and their organization itself. One sees that back then, when prices were determined, they did not depend on the factors on which they depend solely today, but rather, for example, on people’s abilities—namely, to what extent a person is capable of working a certain number of hours a day on this or that production with a certain degree of dedication and joy. The price was thus determined by the close connection between the individual and his or her production. Today, however, this is still the case, at most, in certain branches of intellectual life. If someone writes a book, one cannot dictate how many hours a day he or she should work and offer a wage for a certain number of hours a day. If, for example, an eight-hour workday were introduced for writing books, something wonderful would come of it, because it could very easily be the case that you are supposed to work eight hours and receive a wage for them, yet for four hours over three weekdays, nothing at all comes to mind. Just as there is a close connection here between human abilities, between the human mind and the products it creates, so it was also the case for much more material branches of production—indeed, the further back we go in human development, for all material branches of production. It is only in recent times that the connection between the product and the producer has been severed. Viewed comprehensively, it is, in essence, utter nonsense to try to maintain this separation of the product from the producer. This can be clearly seen in individual branches of production. Take, for example—from a purely economic perspective—book production. Books must be written; this cannot be subject to the laws of remuneration as advocated, for example, by today’s social democracy with regard to production. Nothing would come of it. But books must be printed, and the person who sets them can indeed rely on the principles of today’s social democracy—on the trade union principle. For typesetting requires no further thought; it does not require a more intimate bond between producers and production. But if one goes back to the sources, one will find everywhere that precisely the kind of work for which such a bond is not needed would not exist at all if it were not for the prior existence of those tasks on which all this external work depends. If there were no master builder, all the wage laborers who build the houses would be unable to work. If there were no book writer, the typesetter could not set books. These are lines of thought that are not pursued today, but which must, in the most fundamental sense, form the basis of economic analysis.
[ 13 ] Ich konnte nicht alles, was an Lebenserfahrungen in die «Kernpunkte» eingeflossen ist, genau ausführen, denn sie sind ja auf denkende Leser berechnet. Und ich kann Ihnen die Versicherung geben, es ist doch heute ganz nützlich, wenn man beim Lesen eines Buches auch ein bißchen denkt und nicht immer sagt: Das ist ja so schwer verständlich, dabei muß man ja denken, das hätte viel populärer geschrieben sein müssen. — Aber durch die ja gerade in den Artikeln unserer Dreigliederungszeitung von den verschiedensten Gesichtspunkten aus beleuchteten Vorgänge ist ja immer mehr und mehr dieses Band gelockert worden zwischen Produzenten und Produktion. Und nur dadurch, daß wirklich in der neueren Zeit, unter dem Einfluß vor allem auch der materialistischen Denkweise, nur mehr auf die Produktionsart und nicht auf die Verfassung und Fähigkeit des Produzierenden gesehen worden ist, ist ja sogar die Anschauung entstanden der abstrakten, sozialistischen Agitatoren und Denker, daß die Produktion als solche überhaupt dasjenige sei, was die ganze Geschichte, das ganze Menschenleben beherrsche. Diese Anschauung ist aus dem Grunde entstanden, weil in der Tat durch die moderne Technik und durch andere gewisse soziale Verhältnisse eine Herrschaft des Produktes über die produzierenden Menschen eingetreten ist. So daß man sagen kann: Während früher, bis vor drei Jahrhunderten ungefähr, noch viel anderes vom Menschen herrschend war, ist [seitdem] im sozialen Leben der ökonomische Mensch derjenige geworden, der [heute] maßgebend erscheint - der ökonomische Mensch und der ökonomische Prozeß. Solche Menschen wie Renner zum Beispiel, der es sogar dahin gebracht hat, österreichischer Staatskanzler zu werden, haben es ja ausgesprochen, daß ferner nicht mehr geredet werden solle von dem «homo sapiens», der in den letzten Jahrhunderten spukte in den Köpfen der Menschen, sondern daß n nur noch geredet werden könne von dem «homo oeconomicus» — das sei die einzige Wirklichkeit. Nun, seit dem 19. Jahrhundert aber, weil die Dinge in der Wirklichkeit Verwandlungen eingehen durch ihre eigenen Gesetze, ist nicht einmal mehr maßgebend geblieben der homo oeconomicus, der ökonomische Mensch, der ökonomische Prozeß, sondern wir können sagen: ungefähr vom Jahre 1810 ab — um einen Zeitpunkt anzusetzen - ist der herrschende Mensch geworden der Bankier. Und mehr als man glaubt, ist in diesem 19. Jahrhundert im wirtschaftlichen Leben der zivilisierten Welt der Bankier herrschend geworden, der Geldwechsler, derjenige, der eigentlich bloß das Geld verwaltet. Alle Ereignisse, welche seit jener Zeit eingetreten sind, stehen mehr oder weniger unter dem Einfluß dieses geschichtlichen Umschwunges: daß im volkswirtschaftlichen Zusammenhang aus dem ökonomischen Menschen und ökonomischen Prozeß allmählich geworden ist der Bankier, der Geldwechsler, der Verleiher vor allen Dingen, und aus dem öffentlichen sozialen Prozeß die Finanzverwaltung, die Geldverwaltung.
[ 13 ] I couldn’t go into detail about all the life experiences that went into the “Key Points,” since they are, after all, intended for thoughtful readers. And I can assure you that it’s quite useful today to think a little while reading a book, rather than always saying: “This is so hard to understand—it really makes you think; it should have been written in a much more accessible way.” — But precisely because the events have been illuminated from a wide variety of perspectives in the articles of our threefold newspaper, the bond between producers and production has been loosened more and more. And it is precisely because, in recent times—under the influence, above all, of materialistic thinking—attention has been focused solely on the mode of production rather than on the constitution and capacity of the producer that the view of abstract, socialist agitators and thinkers has even arisen: that production as such is, in fact, what governs all of history and all of human life. This view arose because, in fact, modern technology and certain other social conditions have led to the product’s domination over the people who produce it. So one can say: Whereas in the past, up until about three centuries ago, many other aspects of human life were dominant, [since then] in social life the economic man has become the one who [today] appears to be decisive—the economic man and the economic process. People such as Renner, for example—who even rose to become Austrian State Chancellor—have explicitly stated that one should no longer speak of the “homo sapiens,” who haunted people’s minds in recent centuries, but that one can now speak only of the “homo oeconomicus”—that this is the only reality. Well, since the 19th century, however—because things in reality undergo transformations according to their own laws—not even “homo oeconomicus,” the economic man, or the economic process has remained the defining factor; rather, we can say that from around the year 1810 onward—to set a specific date—the banker has become the dominant figure. And more than one might think, in the 19th century the banker—the money changer, the one who actually merely manages money—became dominant in the economic life of the civilized world. All events that have occurred since that time have been more or less influenced by this historical shift: in the context of the national economy, the “homo oeconomicus” and the economic process have gradually given way to the banker, the money changer, and above all the lender; and the public social process has given way to financial administration and monetary management.
[ 14 ] Nun hat aber das Geld ganz gewisse Eigenschaften. Das Geld ist ein Repräsentant für Verschiedenes, aber das Geld als solches ist gleich. Ich kann eine Summe Geldes erwerben dadurch, daß ich ein Tonstück verkaufe - eine geistige Produktion. Oder ich kann eine Summe Geldes erwerben dadurch, daß ich Stiefel verkaufe. Die Summe Geldes kann immer gleich sein, dasjenige aber, was ich verkaufe, das kann sehr verschieden sein. Das Geld nimmt dadurch gegenüber dem wirklichen Lebensprozeß einen gewissen abstrakten Charakter an. Und so mußte entstehen unter dem Einfluß der Welt-Bankierwirtschaft die Auslöschung der konkreten Wechselwirkungen im menschlichen sozialen Verkehr, die Auslöschung der konkreten Wechselwirkungen [zwischen Produkt und Produzierendem, und es entstand] der Verkehr des bloßen Repräsentanten, des Geldes.
[ 14 ] But money does have certain distinct characteristics. Money represents various things, but money as such is the same. I can acquire a sum of money by selling a piece of music—a product of the mind. Or I can acquire a sum of money by selling boots. The sum of money may always be the same, but what I sell can vary greatly. Money thereby takes on a certain abstract character in relation to the real process of life. And so, under the influence of the global banking system, the concrete interactions in human social relations were eradicated—the concrete interactions [between the product and the producer—and in their place arose] the exchange of the mere representative, money.
[ 15 ] Das aber hat ganz bestimmte Folgen. Das hat die Folge, daß die drei wesentlichsten Bestandteile unseres wirtschaftlichen Prozesses — Grund und Boden, Produktionsmittel und Konsumtionsmittel —, die ihrer Natur nach im volkswirtschaftlichen Prozeß in ganz verschiedener Weise drinnenstehen, nicht etwa bloß gedanklich, sondern real unter dieselbe Macht gestellt werden, in derselben Weise behandelt werden. Denn demjenigen, dem es nur darauf ankommt, eine gewisse Summe Geldes zu erwerben oder zu verwalten, dem kann es gleichgültig sein, ob diese Summe Geldes repräsentiert Grund und Boden oder Produktionsmittel, das heißt Maschinen oder dergleichen, die für andere Produktionen dienen, aber von Menschen hergestellt worden sind, oder ob sie repräsentiert Konsumtionsartikel, unmittelbare Gebrauchsartikel. Dem kommt es nur darauf an, daß er eine bestimmte Summe Geldes für etwas erhält respektive daß, wenn er sie hat, sie sich verzinst, gleichgültig durch was. Es mußte so der Gesichtspunkt immer mehr und mehr heraufkommen, auszulöschen die Interessen, die man an den einzelnen Produkten und Produktionszweigen hat, und zu ersetzen diese Interessen durch das abstrakte Interesse am alle diese Differenzierungen auslöschenden Kapital, das heißt am Geldkapital. Dadurch aber kommen ganz gewisse Dinge heraus.
[ 15 ] But this has very specific consequences. The consequence is that the three most essential components of our economic process—land, means of production, and means of consumption—which by their very nature play entirely different roles in the economic process, are placed under the same authority, not merely in theory but in reality, and are treated in the same way. For those whose sole concern is to acquire or manage a certain sum of money, it makes no difference whether this sum represents land or means of production—that is, machines or the like, which serve other forms of production but have been manufactured by humans—or whether it represents consumer goods, items of immediate use. All that matters to such a person is that they receive a certain amount of money for something—or, if they already have it, that it yields interest, regardless of the source. Thus, this perspective had to come to the fore more and more, erasing the interests people have in individual products and branches of production, and replacing these interests with the abstract interest in capital—which obliterates all these distinctions—that is, in money capital. But this gives rise to very specific consequences.
[ 16 ] Nehmen wir einmal Grund und Boden. Der Grund und Boden ist ja nicht nur irgend etwas Beliebiges, sondern er ist an einem bestimmten Ort gelegen und steht in einem Verhältnis zu den Menschen dieses Ortes, und die Menschen dieses Ortes haben gerade an diesem Grund und Boden auch Interessen, die man als moralische Interessen bezeichnen kann, als Interessen seelischer Art. Es kann durchaus zum Beispiel ein wichtiger Punkt für die allgemeinen Kultur- und Menschheitsinteressen sein, daß auf diesem Grund und Boden ein gewisses Produkt gepflanzt wird. Ich will etwas radikal die Verhältnisse zeichnen, sie sind ja im gewöhnlichen Leben nicht so radikal, aber das Wesentliche, worauf es ankommt, kann damit dargestellt werden. Wer durch seine ganzen Lebensverhältnisse mit dem Grund und Boden zusammengewachsen ist, der wird eine Einsicht darin haben, wie zusammenhängt, sagen wir, die Hervorbringung von dem oder jenem aus dem Grund und Boden mit den ganzen Lebensverhältnissen. Er hat seine Erfahrungen gewonnen im Zusammensein mit Grund und Boden. Ob es zum Beispiel gut ist, eine Gegend abzuholzen oder nicht, dafür können Fragen bedeutsam sein, die durchaus nur zu beurteilen sind, wenn man zusammengewachsen ist mit den lokalen Verhältnissen einer Gegend.
[ 16 ] Let’s take land, for example. Land is not just any old thing; it is located in a specific place and has a relationship with the people of that place, and the people of that place have interests in this very land that can be described as moral interests—interests of a spiritual nature. For example, it may well be an important matter for the general interests of culture and humanity that a certain crop be grown on this land. I want to paint a somewhat radical picture of the circumstances—they are not, of course, so radical in everyday life—but the essential point at stake can be illustrated in this way. Anyone who has become deeply connected to the land through their entire way of life will have an understanding of how, let’s say, the production of this or that from the land is connected to their entire way of life. They have gained their experience through their connection to the land. Whether, for example, it is good to clear an area of trees or not—questions like this can be significant, and they can only be properly assessed if one has become deeply rooted in the local conditions of a region.
[ 17 ] Man kann solche Dinge nur durch Erfahrungen gewinnen. Man kann nun durchaus einsehen, daß es für die allgemeinen Menschheitsverhältnisse heilsam ist, wenn irgendein Grund und Boden in einer ganz bestimmten Weise verwertet wird, aber unter dieser Verwertung nur ein bestimmtes Erträgnis abwirft. Diese Gesichtspunkte verschwinden sofort, wenn an die Stelle des mit Grund und Boden zusammenhängenden Menschen das Prinzip des Geldkapitalismus tritt. Da handelt es sich darum, daß dann Grund und Boden einfach als eine Ware von einer Hand in die andere übergehen kann. Derjenige, der aber Grund und Boden einfach erwirbt dadurch, daß er das Geld hingibt, der hat nur das Interesse daran, daß sich das Geld in der entsprechenden Weise verzinst. Ein abstraktes Prinzip wird über alles das hinüber ergossen, was früher konkretes Menschheitsinteresse war. Und fragen tut sich der Betreffende, der bloß das Geldinteresse hat, ob denn — unter den Verhältnissen, die der andere Mensch, der mit dem Grund und Boden zusammengewachsen ist, als notwendig erkennt - die Sache für ihn genügend abwirft; wenn nicht, so müsse man den Boden zu etwas anderem verwenden. Damit zerstört man die notwendigen Menschenverhältnisse bloß unter dem Gesichtspunkte des Geldkapitalismus.
[ 17 ] One can only gain such insights through experience. One can certainly see that it is beneficial for the general welfare of humanity if a piece of land is utilized in a very specific way, but yields only a certain return from that utilization. These considerations disappear immediately when the principle of monetary capitalism replaces the human being connected to the land. The issue then is that land can simply pass from one hand to another as a commodity. But the person who acquires land simply by paying money has only an interest in ensuring that the money yields a corresponding return. An abstract principle is poured over everything that was once a concrete human interest. And the person in question, who has only a financial interest, asks himself whether—under the conditions that the other person, who has grown up with the land, recognizes as necessary—the venture yields a sufficient return for him; if not, then the land must be used for something else. In this way, the necessary human relationships are destroyed solely from the perspective of monetary capitalism.
[ 18 ] Und so sind über alle menschliche Verhältnisse die Gesichtspunkte des Geldkapitalismus gezogen worden. Sie haben in der Volkswirtschaft die Menschen abgelenkt von dem, was nur herauswachsen kann, wenn der Mensch verbunden ist mit der Produktion, verbunden ist mit Grund und Boden und verbunden ist mit den Konsumtionsprodukten, die in irgendeinem Gebiet unter den Menschen zirkulieren. Das war allerdings in früheren Jahrhunderten vorhanden. Das ist schon verschwunden unter dem Einfluß des ökonomischen Menschen, am meisten aber unter dem Einfluß des Bankiers im 19. Jahrhundert. Während ungefähr bis zum Jahre 1810 die Volkswirtschaft abhängig war von den Händlern und von den Industriellen, wurden im 19. Jahrhundert die Händler und die Industriellen, wenn sie sich das auch nicht gestanden, im wesentlichen abhängig von der nationalen und internationalen Geldwirtschaft, von den Bankiers.
[ 18 ] And so the principles of monetary capitalism have been imposed on all aspects of human life. In the national economy, they have diverted people’s attention from what can only flourish when people are connected to production, connected to the land, and connected to the consumer goods that circulate among people in any given region. This was, however, present in earlier centuries. It has already disappeared under the influence of the “economic man,” but most of all under the influence of the banker in the 19th century. While, up until about 1810, the national economy depended on merchants and industrialists, in the 19th century—even if they did not admit it—merchants and industrialists became essentially dependent on the national and international monetary economy, on the bankers.
[ 19 ] Vollständig in den wirtschaftlichen Egoismus hineingetrieben kann man nur werden durch diese Art von Geldwirtschaft. Aber diese Art von Geldwirtschaft sollte man, was heute vielfach geschieht, nicht verwechseln mit dem bloßen Kapitalismus. Der bloße Kapitalismus — Sie finden das näher ausgeführt in meinen «Kernpunkten» — der soll ermöglichen, daß nur derjenige große Kapitalmassen in den Händen haben kann, sei es an Produktionsmitteln, sei es an Geld, dem Repräsentanten von Produktionsmitteln, der befähigt ist und gerade deshalb mit der Produktion zusammenwächst. Und er soll auch nur solange mit ihr verbunden bleiben, als er seine Fähigkeiten im Dienste der Produktion verwenden kann. Dieser bloße Kapitalismus ist durchaus für die moderne Volkswirtschaft notwendig, und gegen ihn zu wettern ist Unsinn. Ihn abschaffen würde bedeuten: die gesamte moderne Volkswirtschaft untergraben. Darauf kommt es gerade an, daß man in die Wirklichkeit hineinsieht, daß man zum Beispiel den Unterschied einsieht, daß die Verwaltung eines großen Komplexes von Grund und Boden, bei der durchaus das Zusammengehören von Wald und Grund notwendig sein kann, in der Hand eines befähigten Menschen etwas anderes bedeuten wird, als wenn einer den Wald abtrennt und Grund und Boden absondert, dann den Grund und Boden parzelliert, in Kleinbesitz auflöst und dergleichen. Das kann für gewisse Gegenden gut sein, in anderen müßte es die Volkswirtschaft ruinieren. Überall kommt es auf die konkreten Verhältnisse an. Und wir müssen endlich den Weg zurückfinden zu den konkreten Verhältnissen.
[ 19 ] It is only through this type of monetary economy that one can be driven entirely into economic egoism. But this type of monetary economy should not be confused with mere capitalism, as is often the case today. Mere capitalism—you’ll find this explained in more detail in my “Key Points”—is intended to ensure that only those who are capable of managing large masses of capital, whether in the form of means of production or money, and who are representatives of the means of production—and who, precisely for that reason, grow together with production—can hold such capital. And they should remain connected to production only as long as they can apply their abilities in the service of production. This “mere capitalism” is absolutely necessary for the modern economy, and railing against it is nonsense. Abolishing it would mean undermining the entire modern economy. What matters most is looking at reality—for example, recognizing the difference between the management of a large complex of land and forest, where the integration of forest and land may well be necessary, in the hands of a capable person, and the situation where someone separates the forest from the land, then subdivides the land, breaking it up into small holdings, and so on. This may be beneficial for certain regions, but in others it would ruin the national economy. Everywhere, it depends on the specific circumstances. And we must finally find our way back to those specific circumstances.
[ 20 ] Aber das [Fehlen des Konkreten] äußert sich nicht nur in der nationalen Wirtschaft, in der einzelnen Volkswirtschaft, sondern das äußert sich immer mehr und mehr im internationalen wirtschaftlichen Wesen. Es zeigt sich - das ist für den, der die Dinge studiert, ganz klar —, daß die Menschen, auch wenn sie Kapitalisten sind, wenn sie auf sich gestellt und nach ihren Fähigkeiten irgendwelche Produktionszweige versorgen, daß sie einander nicht stören, sondern im Gegenteil einander in die Hände arbeiten. Das Schlimme beginnt erst, wenn die Menschen auf irgendeine Weise herauswachsen aus ihrem Zusammengebundensein mit den Produktionszweigen. Ich will nur ein Beispiel anführen, wo das unter dem Einfluß der Geldwirtschaft des 19. und 20. Jahrhunderts besonders hervorgetreten ist: bei Trustbildungen, bei Kartellbildungen. Nehmen wir an, eine Reihe von Produktionszweigen schließt sich zusammen zu einem Trust, zu einem Kartell. Was ist die Folge?
[ 20 ] But this [lack of concreteness] is not only evident in the national economy, in individual national economies; it is becoming increasingly apparent in the nature of the international economy. It becomes apparent—and this is quite clear to anyone who studies these matters—that people, even if they are capitalists, when they are left to their own devices and supply various branches of production according to their abilities, do not interfere with one another but, on the contrary, work in harmony with one another. The trouble only begins when people, in one way or another, grow out of their interconnectedness with the branches of production. I will cite just one example where this became particularly evident under the influence of the monetary economy of the 19th and 20th centuries: the formation of trusts and cartels. Let us assume that a number of branches of production join together to form a trust or a cartel. What is the consequence?
[ 21 ] Ein Trust, ein Kartell muß doch irgendeinen Zweck haben, und der ist selbstverständlich, daß die Menschen mehr gewinnen durch den Trust als ohne Trust. Das können sie aber nur, wenn sie Monopolpreise schaffen, das heißt über den gewöhnlichen Konkurrenzpreisen, die sich bilden würden, verkaufen. Man muß also die Möglichkeit schaffen, die Preise zu erhöhen, das heißt, Preise zu vereinbaren, die über den gewöhnlichen Konkurrenzpreisen liegen. Ja, solche Preise kann man schaffen, man hat sie auch vielfach geschaffen. Aber man kam nicht zum [gesunden] Produzieren. Man kann nämlich nicht unter dem Einfluß dieser Art des Profites auf eine gesunde Weise produzieren. Nicht wahr, wenn man nicht ein Mißverhältnis hervorrufen will zu den Kosten der Einrichtungen, die viel zu teuer kommen würden, wenn man nur dasjenige produziert, was man über dem Konkurrenzpreis produziert, dann muß man soviel [mehr] produzieren, daß die Kosten für die Maschinen und die ganze Einrichtung gedeckt werden, und zwar soviel, als man produzieren würde, wenn man nur den Konkurrenzpreis bekommen würde. Man kann aber nur soviel verkaufen, als verkauft wird zu Monopolpreisen. Denn man würde ja, wenn man zu Konkurrenzpreisen produzieren würde, viel mehr absetzen und dadurch auch viel mehr produzieren müssen, als man zu Monopolpreisen absetzt. Das ist eine Erfahrung der Volkswirtschaft: Man setzt weniger ab, wenn man zu Monopolpreisen verkauft, aber man kann nicht weniger produzieren, weil sonst die Produktion sich nicht trägt. Was ist die Folge? Man muß nach dem Nachbarland gehen und dort sich seinen Absatz verschaffen; da verkauft man unter dem Produktionspreis. Jetzt kommt man aber in internationale Konkurrenz hinein. Diese internationale Konkurrenz hat eine ungeheure Rolle gespielt. Wenn man bloß Rücksicht nimmt auf die durch die Geldwirtschaft bedingte Festsetzung des Preises, schafft man sich eine Konkurrenz, die sonst nicht da wäre, indem man verschieden verkauft: im unmittelbaren Absatzgebiet [über dem Produktionspreis] und im Nachbarland unter dem Produktionspreis. Das kann man; wenn man nur entsprechend kalkuliert, verdient man sogar noch immer mehr, aber man schädigt die entsprechenden Produzentenkreise im Nachbarland. Wenn man einmal aufsuchen wird die Ursachen jener Stimmungen, die zu den Kriegsursachen im Westen geführt haben, wird man in diesen Dingen die Ursachen finden. Dann wird man finden, welcher gewaltige Schritt in die [soziale] Schädigung hinein liegt auf dem Wege vom Kapitalismus zur Trustbildung, zur Kartellbildung, zu der Monopolisierung durch Kartelle. Der Kapitalist als solcher, der produziert zu Konkurrenzpreisen, der hat an Schutzzöllen nie ein Interesse. Der Schutzzoll ist auch wieder etwas, was in die Kriegsursachen hineingespielt hat. Da haben Sie die Schädigungen der Geldwirtschaft im internationalen Leben. Das alles ist so sonnenklar für den, der das moderne Wirtschaftsleben studiert, daß dagegen eigentlich nichts eingewendet werden kann. Die Frage muß daher notwendigerweise entstehen: Wie kommen wir über diese Schädigungen hinaus? Über die Schädigungen kommen wir auf keine andere Weise hinaus, als daß wir wiederum verbinden den Menschen mit dem Produkt, daß wir wiederum unmittelbar das Band herstellen zwischen Mensch und Produktion.
[ 21 ] A trust, a cartel, must surely serve some purpose, and that purpose is, of course, that people gain more from the trust than they would without it. But they can only do so if they set monopoly prices—that is, if they sell at prices above the normal competitive prices that would otherwise prevail. One must therefore create the possibility of raising prices—that is, agreeing on prices that exceed the usual competitive prices. Yes, such prices can be established, and indeed they have been established many times. But this did not lead to [sound] production. For one cannot produce in a sound manner under the influence of this kind of profit. Isn’t it true that, if one does not want to create a disparity with the costs of the facilities—which would become far too expensive if one produced only what is sold above the competitive price—then one must produce enough [more] to cover the costs of the machinery and the entire facility, namely as much as one would produce if one were to receive only the competitive price? But one can sell only as much as is sold at monopoly prices. For if one were to produce at competitive prices, one would sell much more—and consequently would have to produce much more—than one sells at monopoly prices. This is a well-established fact of economics: one sells less when selling at monopoly prices, but one cannot produce less, because otherwise production would not be profitable. What is the consequence? One must go to a neighboring country and secure sales there; there, one sells below the cost of production. But now one enters into international competition. This international competition has played an enormous role. If one takes into account only the price-setting dictated by the monetary economy, one creates competition that would not otherwise exist by selling at different prices: in the immediate sales area [above the cost of production] and in the neighboring country below the cost of production. This is possible; if one calculates accordingly, one can even earn more and more, but one harms the corresponding producer groups in the neighboring country. If one were to investigate the causes of the sentiments that led to the causes of war in the West, one would find the causes in these matters. Then one would discover what a tremendous step toward [social] harm lies on the path from capitalism to the formation of trusts, to the formation of cartels, to monopolization by cartels. The capitalist as such—who produces at competitive prices—has never had any interest in protective tariffs. Protective tariffs are also a factor that played a role in the causes of war. There you have the damage caused by the monetary economy in international life. All of this is so crystal clear to anyone who studies modern economic life that, in fact, no objection can really be raised against it. The question must therefore inevitably arise: How do we overcome these harmful effects? We can overcome these harmful effects in no other way than by reconnecting the human being with the product, by directly reestablishing the bond between the human being and production.
[ 22 ] Das ist in der wirtschaftlichen Idee der sozialen Dreigliederung angestrebt: Dasjenige, was früher unter ganz anderen Verhältnissen zwischen den einzelnen Menschen und der Produktion als Band bestand, kann heute nur dadurch herbeigeführt werden, daß sich die gleichartig Produzierenden miteinander verbinden und die aus Berufskreisen heraus zusammengeschlossenen Menschen sich wiiederum zu Kreisen, zu Assoziationen, zusammenschließen mit den übrigen Produktionszweigen und den entsprechenden Konsumenten. Dadurch werden die Assoziationen, die zusammengeschlossenen Menschen, wissen, wie man die Produktion in Zirkulation bringen kann - nicht bloß das Geld, das sich als ein Gleichartiges über die Produktion hin ergießt. Damit aber könnte in einer ganz wesentlichen Art dasjenige wiederum hervorgerufen werden, was erst eine gedeihliche Volkswirtschaft für die Menschheit wieder möglich macht.
[ 22 ] This is the goal of the economic concept of social threefolding: What once existed as a bond between individual people and production under entirely different circumstances can today be brought about only by those engaged in similar production joining together, and by people united within professional circles, in turn, forming circles—associations—with the other branches of production and the corresponding consumers. In this way, the associations—the united groups of people—will know how to bring production into circulation—not merely the money that pours over production as a homogeneous entity. This, in turn, could bring about, in a very fundamental way, what makes a thriving national economy possible for humanity once again.
[ 23 ] Sehen Sie, das war notwendig, daß heute einmal gründlich hineingeschaut wurde in die Wirklichkeit, denn all das sozialökonomische Zeug, was in der neueren Zeit geschwätzt worden ist, ist ja im Grunde genommen mit Ausschluß jedes Blickens auf die Wirklichkeit gesagt. Gewiß, einzelne Menschen haben treffende Bemerkungen über das eine oder andere gemacht. Aber das meiste von dem, was geäußert worden ist, und besonders alles dasjenige, unter dessen Einfluß der moderne Weltkapitalismus auf der einen und die Lohnkämpferei auf der anderen Seite sich entwickelt haben, dieser Krebsschaden des modernen Lebens ist entstanden dadurch, daß man nicht mehr wirklich hineingeschaut hat in den gesetzmäßigen Zusammenhang des Wirtschaftslebens, und daß einem auch gar nicht mehr vor Augen stand — indem man als Mensch im Wirtschaftsleben lebte -, wie die. Fäden herüber- und hinübergehen, weil das Geld alles ausgelöscht hat. Wenn aber die Assoziationen da sein werden, wird wiederum klar und offen daliegen, wie das eine oder andere produziert sein muß. Da wird derjenige, der etwas zu produzieren hat — weil Assoziationen da sind -, Kundschaft durch die Menschen erhalten, die in entsprechenden Assoziationen sind, [und es wird beraten und festgelegt werden,] ob soviel produziert werden kann von dem oder jenem. Da kann ohne Zwangswirtschaft Moellendorffscher Geschwätzigkeit etwas entstehen; da kann - in dem der eine durch den anderen in freiem Verkehr unterrichtet wird — alles so eingeteilt werden, daß wirklich der Konsum für alle das Maßgebende ist.
[ 23 ] You see, it was necessary to take a thorough look at reality today, because all that socio-economic stuff that’s been chattered about in recent times has, after all, been said without any regard for reality. Certainly, individual people have made apt remarks about one thing or another. But most of what has been said—and especially all that which has influenced the development of modern global capitalism on the one hand and wage struggles on the other—this cancerous affliction of modern life has arisen because people no longer truly looked into the lawful interrelationships of economic life, and that—as people lived within economic life—they no longer even had a clear picture of how the threads run back and forth, because money has obliterated everything. But once the associations are in place, it will once again be clear and evident how one thing or another must be produced. Then the person who has something to produce—because the associations exist—will find customers among the people who are members of the relevant associations, [and it will be discussed and determined] whether a certain amount of this or that can be produced. Then, without a command economy or Moellendorff’s idle chatter, something can emerge; then—as one person is informed by another through free exchange—everything can be organized in such a way that consumption truly is the determining factor for everyone.
[ 24 ] Darauf kam es bei der Idee der Dreigliederung an: Einmal aus der vollen Wirklichkeit heraus zu der Menschheit zu sprechen. Weil die Menschen so ungewohnt sind in der Gegenwart, an die Wirklichkeit heranzugehen, deshalb versteht man die Sache auch so schwer; die Menschen sind ungewohnt, an die Wirklichkeit heranzugehen. Was verstehen denn die Leute von einem Wirtschaftsleben als ganzem? Der Baumeister versteht etwas vom Bauen, der Tischlermeister versteht etwas vom Tischlern, der Schuhmacher vom Schuhemachen, der Friseur vom Bartschneiden, jeder versteht etwas von dem entsprechenden Wirtschaftlichen, mit dem er zusammenhängt. Aber das alles, was diese «Lebenspraktiker» irgendwie wissen über das wirtschaftliche Leben, hängt ja doch nur mit dem ihrem und nicht mit dem der anderen zusammen. Dadurch ist es so abstrakt. Es mußte einmal aus dem wirklichen Zusammenhang des gesamten sozialen Lebens heraus zu der Menschheit gesprochen werden. Weil es für die Menschen ungewohnt geworden ist, die Lebenserfahrungen zur Richtschnur zu benützen, sehen sie gerade das, was aus der Wirklichkeit geboren ist, als Utopie an. Darum aber handelt es sich, daß diese Idee von der sozialen Dreigliederung erkannt wird als das Gegenbild aller Utopie, daß sie erkannt wird als dasjenige, was aus dem wirklichen Leben heraus geboren ist, und daher auch in das wirkliche Leben sich hineinstellen kann. Und nur darum handelt es sich: daß die Menschen diese Dinge einsehen werden. Dann wird man finden, daß jeder — auf welchem Boden er auch immer stehen mag -, die Idee von der Dreigliederung des sozialen Organismus richtig verstehen wird, gerade wenn er etwas versteht von dem Zusammenhang seiner Produktion mit dem ganzen Wirtschaftsprozeß der Welt. Diese Idee von der Dreigliederung des sozialen Organismus schreckt nicht zurück vor einer genauen Prüfung durch diejenigen, die durch ihr ganzes Verhältnis zum Leben etwas vom Wirtschaftsleben verstehen. Aber es verstehen heute nicht viele Menschen vom Wirtschaftsleben oder sozialen Leben überhaupt etwas; sie lassen sich treiben und haben es am besten, wenn sie selber nicht teilzunehmen brauchen an irgendwelcher [Entscheidung über die soziale] Ordnung, sondern wenn das die Regierung für sie besorgt. Daher kommen die Menschen zu solch vertrackten Ideen, daß sie das, was lebenswirklich ist, als utopistisch ansehen. Allerdings, die Situation ist heute dadurch etwas verdunkelt, daß sich durch ihren Sieg die Westmächte die Möglichkeit erkämpft haben, nicht zur Höhe der Zeit heraufzukommen. Das, was heute in der Idee der Dreigliederung gefordert wird, das wird von der Zeit gefordert. An diesem Punkte ist heute die Menschheitsentwicklung angelangt. Der Sieg der Westmächte bedeutet nichts anderes als die Erkämpfung einer Galgenfrist, um unter den alten sozialen Verhältnissen noch bleiben zu können. Diesen Luxus können sich die Westmächte gönnen; sie haben ihn erkämpft. Die Mittelmächte aber können sich diesen Luxus nicht gönnen; sie sind darauf angewiesen, die Forderungen der Zeit zu befriedigen. Befriedigen sie sie, dann wird das auf die ganze Welt wirken. Befriedigen sie sie nicht, dann gehen sie unter.
[ 24 ] That was the crux of the idea of the threefold social order: to speak to humanity directly from the fullness of reality. Because people today are so unaccustomed to approaching reality, that is why it is so difficult to understand; people are unaccustomed to approaching reality. What do people really understand about economic life as a whole? The master builder understands something about building, the master carpenter understands something about carpentry, the shoemaker about shoemaking, the barber about cutting beards—everyone understands something about the specific economic activity with which they are connected. But everything these “practitioners of life” know in any way about economic life is, after all, connected only to their own lives and not to those of others. That is why it is so abstract. At some point, it was necessary to speak to humanity from within the real context of social life as a whole. Because people have become unaccustomed to using life experience as a guide, they regard precisely that which is born of reality as utopia. But that is precisely the point: that this idea of the threefold social order be recognized as the antithesis of all utopia, that it be recognized as that which is born out of real life, and can therefore also take its place within real life. And that is the only thing that matters: that people come to understand these things. Then people will find that everyone—no matter what their background—will correctly understand the idea of the threefold social order, precisely when they understand something of the connection between their own production and the entire economic process of the world. This idea of the threefold social order does not shy away from close scrutiny by those who, through their entire relationship to life, understand something of economic life. But today, not many people understand anything at all about economic or social life; they go with the flow and are happiest when they themselves do not have to participate in any [decisions regarding the social] order, but rather when the government takes care of that for them. That is why people arrive at such convoluted ideas that they regard what is a reality of life as utopian. Admittedly, the situation today is somewhat obscured by the fact that, through their victory, the Western powers have fought to secure the opportunity to avoid rising to the level demanded by the times. What is called for today in the idea of threefold social order is what the times demand. Human development has now reached this point. The victory of the Western powers means nothing other than that they have fought for a reprieve, allowing them to remain under the old social conditions. The Western powers can afford this luxury; they have fought for it. The Central Powers, however, cannot afford this luxury; they are compelled to meet the demands of the times. If they meet them, it will have an effect on the entire world. If they do not, they will perish.
[ 25 ] Das muß heute einmal ganz klipp und klar gesagt werden, denn heute handelt es sich um ein Entweder-Oder. Deshalb ist es auch so frivol, wenn immer wieder ganz kluge Leute auftreten und zum Beispiel sagen: Jetzt wird wiederum einmal eine Uneinigkeit entstehen zwischen Franzosen und Engländern. Denn die Engländer wollen aus ihren alten Traditionen keine militaristische Allianz mit den Franzosen schließen; sie wollen auch keine Kredite bewilligen; sie sind auch nicht ganz einverstanden mit den Absichten der Franzosen bezüglich der Rheingrenze und so weiter. — Das ist die Fortsetzung desjenigen, was schon im Krieg und vor dem Krieg so verheerend gewirkt hat. Da hat man auch immer spekuliert: Jetzt sind wieder einmal die Feinde uneins; vielleicht können wir mit jemandem einen Separatfrieden schließen. —- Mit dieser Diplomatie hat man es endlich dahin gebracht, fast die ganze Welt gegen sich zu haben. Wenn heute Leute von diesem Kaliber die Ideen der Menschen weiter verderben und weiter darauf spekulieren, daß die Franzosen und Engländer wieder einmal uneins sind, dann ist das ein richtiger Traum; das ist nicht ein Erfassen der Wirklichkeit. Das ist eine Fortsetzung derjenigen alten diplomatischen Denkweise, die Czernin so schön geschildert hat in seinem Buche, in dem er verlangt, daß die außerordentliche Bedeutung der Diplomaten anerkannt werden muß. Diese außerordentliche Bedeutung der Diplomaten hat aber darin bestanden, daß sie in den entsprechenden Salons verkehren konnten, die Stimmung da beobachteten und dann lange Briefe schrieben über diese Stimmung und so weiter. Im Krieg wurde das noch sehr schön fortgesetzt, soweit man konnte, nur hat man da die Stimmung mehr auf Schleichwegen beurteilt. Aus diesem Stimmungbeurteilen vor dem Kriege ist eben die Kriegskatastrophe mitentstanden. Und jetzt fangen die Leute wiederum an, auf dieselbe Weise zu spekulieren. Aber wenn die Leute aufwachen werden, werden sie sehen, daß sie es in Wirklichkeit nur dahin gebracht haben, selbst zwischen zwei Stühlen zu sitzen. Man spricht von einer tiefen Kluft, die sich auftut zwischen Franzosen und Engländern; die ganz Gescheiten reden heute davon. Wenn man aufwachen wird, wird man sehen, daß diese Kluft zwar da ist, aber über diese Kluft hinüber sind sich die Leute, [die Franzosen und Engländer,] einig, und selber sitzt man in der tiefen Kluft drinnen. Daß an die Stelle dieser für die Menschheit so verhängnisvollen Denkweise eine wirklichkeitsgemäße dringe, das ist die eigentliche Grundlage des Impulses der Dreigliederung des sozialen Organismus. Und wenn man das einsehen wird, wird man sich mit einer inneren Notwendigkeit zu dieser Dreigliederung wenden.
[ 25 ] This must be stated once and for all in no uncertain terms today, because today it is a matter of either/or. That is why it is so frivolous when, time and again, very intelligent people come forward and say, for example: “Now there will once again be a disagreement between the French and the English.” For the English, out of their old traditions, do not want to form a militaristic alliance with the French; nor do they want to grant loans; nor are they entirely in agreement with the French intentions regarding the Rhine border and so on. — This is a continuation of what already had such devastating effects during the war and before the war. Back then, people were always speculating: “Now the enemies are at odds once again; perhaps we can conclude a separate peace with one of them.” — With this kind of diplomacy, they have finally managed to turn almost the entire world against them. If today people of this caliber continue to corrupt people’s ideas and keep speculating that the French and the English are once again at odds, then that is nothing but a fantasy; it is not a grasp of reality. This is a continuation of that old diplomatic mindset that Czernin so beautifully described in his book, in which he insists that the extraordinary importance of diplomats must be recognized. But this extraordinary importance of diplomats consisted in their ability to mingle in the appropriate salons, observe the mood there, and then write long letters about that mood, and so on. During the war, this practice continued quite nicely, as far as possible, though the mood was assessed more through back channels. It was precisely this pre-war assessment of the mood that helped bring about the catastrophe of the war. And now people are once again beginning to speculate in the same way. But when people wake up, they will see that, in reality, they have only managed to end up caught between a rock and a hard place. People speak of a deep chasm opening up between the French and the English; even the most intelligent people talk about it today. When people wake up, they will see that while this chasm certainly exists, the people [the French and the English] are in agreement across it, and they themselves are sitting right in the middle of the deep chasm. That this way of thinking—so disastrous for humanity—be replaced by one grounded in reality: this is the very foundation of the impulse toward the threefold social order. And when people come to realize this, they will turn to this threefold social order out of an inner necessity.
Nach den einleitenden Worten von Rudolf Steiner wird die Diskussion eröffnet; es melden sich verschiedene Persönlichkeiten zu Wort:
Following Rudolf Steiner’s opening remarks, the discussion begins; various figures take the floor:
Georg Herberg glaubt, daß es angesichts der Preissteigerungen in den letzten Jahren - als Beispiel führt er den Preis für eine Tonne Eisen an, die früher 13 Mark gekostet habe, heute aber 1700 Mark koste — notwendig sei, das Preisproblem näher zu beleuchten. Es müsse dabei insbesondere der Gegenpol der Konsumenten, das heißt die Produzentenseite, ins Auge gefaßt werden.
Siegfried Dorfner möchte, bevor die eigentliche Diskussion beginnt, die Anwesenden auf drei grundsätzliche Sachverhalte aufmerksam machen, die man als typisch für die ganze Situation in der Dreigliederungsarbeit betrachten könne: Erstens seien für diesen Abend Parteiführer eingeladen worden; diese seien aber nicht da. Zweitens würden sie, wenn sie schon einmal kommen, in den Diskussionen meist schweigen; es gäbe keine Wortforderer. Drittens lasse sich bei den Anhängern der Anthroposophie sehr oft die Einstellung beobachten: «Anthroposophie mag ich, die Dreigliederung aber nicht.» Und so sei der fehlende Erfolg der ganzen Dreigliederungsbemühungen nicht weiter verwunderlich. Carl Unger möchte noch einmal auf das Vorangehende zurückkommen und weist auf die Bedeutung der Trusts im heutigen Wirtschaftsleben hin. Es sei das Beispiel des Eisens genannt worden; da müsse man eben davon ausgehen, daß man es auf diesem Gebiete mit einem Stahltrust zu tun habe. Eine ähnliche Monopolstellung nähmen auch die deutschen Zuckerfabriken ein; es gäbe zwar in Deutschland unendlich viele Rübenfelder, aber der Preis sei im Vergleich zu diesem großen Angebot überhöht.
Walter Johannes Stein ist der Meinung, daß die Situation in der deutschen Zuckerwirtschaft auf ein ganz zentrales Problem hinweise, auf das Verhältnis von Grund und Boden zu den Produktionsmitteln ganz allgemein. Es stelle sich nämlich die Frage, ob zum Beispiel die Kuh ein Produktionsmittel sei oder ob sie zu Grund und Boden gehöre. Komplizierter werde die Sache aber noch, wenn die Kuh schließlich geschlachtet werde; ob sie dann nicht den Charakter einer Ware annehme. So bitte er Rudolf Steiner, doch noch Genaueres über das Verhältnis zwischen Grund und Boden, Produktionsmittel und Ware auszuführen.
Georg Herberg believes that, in light of the price increases in recent years—he cites as an example the price of a metric ton of iron, which used to cost 13 marks but now costs 1,700 marks—it is necessary to examine the price issue more closely. In doing so, particular attention must be paid to the counterpart to consumers, that is, the producers’ side.
Before the actual discussion begins, Siegfried Dorfner would like to draw the attention of those present to three fundamental points that can be regarded as typical of the entire situation in the work on the threefold social order: First, party leaders had been invited for this evening; however, they are not here. Second, even when they do come, they usually remain silent during the discussions; no one asks to speak. Third, one very often observes the following attitude among followers of anthroposophy: “I like anthroposophy, but I don’t like the threefold social order.” And so the lack of success of the entire threefold social order effort is hardly surprising. Carl Unger would like to return once more to what was said earlier and points out the significance of trusts in today’s economic life. The example of iron has been mentioned; one must simply assume that in this field we are dealing with a steel trust. German sugar factories also occupy a similar monopoly position; although there are countless beet fields in Germany, the price is inflated in comparison to this large supply.
Walter Johannes Stein believes that the situation in the German sugar industry points to a central problem: the relationship between land and the means of production in general. The question arises, he notes, as to whether, for example, a cow is a means of production or whether it belongs to the category of land. However, the matter becomes even more complicated when the cow is eventually slaughtered; does it not then take on the character of a commodity? He therefore asks Rudolf Steiner to elaborate in more detail on the relationship between land, the means of production, and commodities.
[ 26 ] Rudolf Steiner: Meine lieben Freunde! Mit Bezug auf die Unterscheidung von Grund und Boden und Produktionsmitteln ist schon das Wesentliche, daß Grund und Boden etwas Begrenztes ist, nichts Elastisches ist, daß er in bestimmtem Sinne nicht vermehrt werden kann, während die Produktionsmittel, die selbst durch menschliche Arbeit entstehen, vermehrt werden können, und durch die Vermehrung der Produktionsmittel kann eben die Produktion wiederum erhöht werden.
[ 26 ] Rudolf Steiner: My dear friends! With regard to the distinction between land and means of production, the essential point is that land is a finite resource—it is not elastic—and in a certain sense cannot be increased, whereas the means of production, which are themselves created through human labor, can be increased; and it is precisely through the increase in the means of production that production itself can be increased.
[ 27 ] Nun, wenn man solche Unterscheidungen angibt, handelt es sich ja darum, daß man oftmals natürlich von verschiedenen Gesichtspunkten ausgehen muß. Indem man Grund und Boden vom Produktionsmittel unterscheidet, bezeichnet man dasjenige, was zunächst da ist und nicht durch Menschenhände hergestellt worden ist, als «Grund und Boden». Für den volkswirtschaftlich Betrachtenden gehört eine Kuh, die der Mensch durch seine Arbeit nicht selbst fabriziert, eben einfach zu «Grund und Boden», solange sie nicht geschlachtet wird; wenn sie geschlachtet wird, ist sie selbstverständlich eine Ware. Dann tritt sie aber in einer ganz bestimmten Weise auf dem Warenmarkte auf, und man hat es mit zwei Tatsachen zu tun: erstens mit der Tatsache, daß sie entzogen wird der Produktionskraft des Grund und Bodens, und zweitens mit der anderen Tatsache, daß sie als Ware auftritt; die Kuh ist in einem gewissen Sinne ein Grenzprodukt. Solche Grenzprodukte gibt es überall. Aber es handelt sich darum, daß man gewissermaßen das festhält, was man im Auge hat, indem man die Benennungen ja hernehmen kann von dem jeweils charakteristischen Repräsentanten.
[ 27 ] Well, when making such distinctions, the point is that one often has to start from different perspectives, of course. By distinguishing land from means of production, one refers to that which is already there and has not been produced by human hands as “land.” From an economic perspective, a cow—which humans do not produce themselves through their labor—simply belongs to “land” as long as it is not slaughtered; once it is slaughtered, it is, of course, a commodity. But then it appears on the commodity market in a very specific way, and we are faced with two facts: first, the fact that it is withdrawn from the productive power of land, and second, the fact that it appears as a commodity; the cow is, in a certain sense, a marginal product. Such marginal products exist everywhere. But the point is to, so to speak, capture what one has in mind by deriving the terms from the respective characteristic representative.
[ 28 ] Nicht wahr, im wirtschaftlichen Prozeß hat man es erstens zu tun mit dem, was notwendig ist zur Produktion, was aber nicht selbst produziert werden kann. Dazu gehört der Grund und Boden selbst und auch einiges andere; man faßt dies einfach zusammen unter «Grund und Boden». Zweitens gehört in den wirtschaftlichen Prozeß hinein alles, was dazu dient, anderes zu produzieren, was aber vorher selbst produziert werden muß, wie zum Beispiel Maschinen. Im volkswirtschaftlichen Zusammenhange gesehen fällt der Prozeß des Arbeitens, die Arbeit, die verwendet werden muß zur Herstellung der Produktionsmittel, bei Grund und Boden weg. Das ist das volkswirtschaftlich Wesentliche: Produktionsmittel sind nur so lange unter dem Gesichtspunkte des Arbeits-Äquivalents zu betrachten, bis sie als Produktionsmittel für die Produktion fertig sind. In dem Augenblick, in dem Produktionsmittel da sind, stellen sie sich eigentlich in den Wirtschaftsprozeß genauso hinein wie Grund und Boden. Solange man an Produktionsmitteln arbeitet und die Volkswirtschaft in Anspruch nehmen muß, um an den Produktionsmitteln arbeiten zu können, solange muß ein Unterschied gesehen werden, wie Produktionsmittel und Grund und Boden in die Volkswirtschaft hineingestellt sind. In dem Augenblick, wo die Produktionsmittel fertig sind, unterliegen sie derselben volkswirtschaftlichen Kategorie wie der Grund und Boden. Solange ich an der Lokomotive noch zu fabrizieren habe, muß ich den volkswirtschaftlichen Prozeß, in dem das Fabrizieren der Lokomotive vor sich geht, anders beurteilen als in dem Augenblick, wo sie fertig ist. Wenn sie [als fertiges Produktionsmittel] auf den Schienen steht und bewegt wird durch die Menschen für weitere Produktion, steht sie im volkswirtschaftlichen Prozeß ebenso drinnen wie Grund und Boden. Das ist die Schwierigkeit in der Unterscheidung, daß tatsächlich das fertige Produktionsmittel derselben Kategorie untersteht wie Grund und Boden. Was an Arbeit aufgewendet werden muß, um ein Produktionsmittel zu schaffen, ist das Wesentliche, und das kommt bei Produktionsmitteln dazu und das fehlt bei Grund und Boden. Das hängt natürlich mit folgendem zusammen. Würde der Grund und Boden elastisch sein, würde man ihn vermehren können, dann müßte er entweder selber wachsen oder aber die Menschen müßten ihn hervorbringen können. Ich will diese Frage aber nicht weiter erörtern. Daß eben der Grund und Boden in bestimmtem Ausmaß da ist, dadurch unterscheidet er sich von den Produktionsmitteln. Er kann nur stärker oder schwächer ausgenützt werden, wodurch er wieder den Produktionsmitteln ähnlich wird.
[ 28 ] Isn’t it true that, in the economic process, we are dealing first of all with what is necessary for production but cannot itself be produced? This includes land itself and a few other things; these are simply grouped together under the term “land.” Second, the economic process includes everything that serves to produce other things but must first be produced itself, such as machinery. Viewed in an economic context, the process of labor—the work that must be expended to produce the means of production—is eliminated in the case of land. This is the essential point in economics: means of production are to be regarded from the perspective of the labor equivalent only until they are ready for use as means of production. The moment the means of production are available, they actually enter the economic process in exactly the same way as land. As long as one is working on the means of production and must draw upon the national economy in order to do so, a distinction must be made regarding how the means of production and land are positioned within the national economy. The moment the means of production are finished, they fall under the same economic category as land. As long as I am still in the process of manufacturing the locomotive, I must assess the economic process in which the locomotive’s manufacture takes place differently than at the moment when it is finished. When it [as a finished means of production] stands on the tracks and is operated by people for further production, it is just as much a part of the economic process as land. The difficulty in making this distinction lies in the fact that the finished means of production actually belongs to the same category as land. The amount of labor required to create a means of production is the essential factor—and this is present in means of production but absent in land. This, of course, is related to the following. If land were elastic—if it could be multiplied—then it would either have to grow on its own, or people would have to be able to produce it. However, I do not wish to discuss this question further. The fact that land exists in a finite quantity is precisely what distinguishes it from the means of production. It can only be utilized to a greater or lesser extent, which in turn makes it similar to the means of production.
[ 29 ] Nun muß man natürlich auch das dritte Glied etwas ins Auge fassen, die eigentliche Ware. Sie ist dadurch charakterisiert, daß sie verbraucht wird. Dadurch ist sie im volkswirtschaftlichen Prozeß etwas wesentlich anderes als das Produktionsmittel, das selbst nicht unmittelbar verbraucht, sondern nur abgenützt wird. Damit ist Ware aber auch wieder etwas anderes als Grund und Boden, der ebenso wenig dem Verbrauch dient, sondern höchstens verbessert werden muß und so weiter.
[ 29 ] Now, of course, we must also consider the third element to some extent: the commodity itself. It is characterized by the fact that it is consumed. As a result, in the economic process, it is something fundamentally different from the means of production, which are not themselves directly consumed but merely wear out. This means, however, that a commodity is also different from land, which is equally not intended for consumption but, at most, must be improved, and so on.
[ 30 ] Damit sind diese drei Dinge als wesentlich verschieden im volkswirtschaftlichen Prozeß zu unterscheiden: 1. der Grund und Boden, der [vorhanden ist], ohne daß menschliche Arbeit darauf aufgewendet worden ist; 2. das Produktionsmittel, das beginnt, wenn menschliche Arbeit verwendet worden ist; beide - Grund und Boden und Produktionsmittel — sind nicht zum unmittelbaren Verbrauch da; 3. die Ware, die zum unmittelbaren Verbrauch da ist.
[ 30 ] Thus, these three things must be distinguished as fundamentally different within the economic process: 1. land, which [exists] without any human labor having been expended on it; 2. the means of production, which come into being when human labor has been applied to them; both—land and the means of production—are not intended for immediate consumption; 3. the commodity, which is intended for immediate consumption.
[ 31 ] Aber sehen Sie, die Sache liegt ja so, daß das Ganze wiederum auch eine Zeitfrage ist. Denn in dem Augenblick, wo Sie darüber nachdenken, daß ja Produktionsmittel, zum Beispiel maschineller Art, innerhalb einer gewissen Zeit aufgebraucht sind, in diesem Augenblick erscheinen Ihnen die Produktionsmittel als Ware - nur als Ware, die eben eine längere Zeit braucht, um verbraucht zu werden. Wenn man Unterscheidungen macht im Leben, so haben diese Unterscheidungen die Eigenschaft, daß sie höchst unbequem sind; sie sind überhaupt niemals so, daß man strikte einteilen kann. Man muß in diesen Fragen beweglich bleiben. Denn in der Tat, die Produktionsmittel haben in einer gewissen Weise auch Warencharakter. Diesen Warencharakter, wie ihn die Produktionsmittel haben können, hat Grund und Boden nicht in derselben Weise, weshalb man da wiederum einen strengeren Unterschied machen muß. Es ist überhaupt bei Grund und Boden ein Unfug, ihn unter rein geldkapitalistischen Gesichtspunkten mit dem Warencharakter auszustatten. Also Sie sehen, wenn man irgend etwas anwendet in der Wirklichkeit, so darf man nicht bei abstrakten Begriffen stehenbleiben. Das ist nämlich etwas, was die Leute beim Lesen der «Kernpunkte der Sozialen Frage» als Einwand geltend machen: sie möchten hübsch eingeschachtelte Begriffe haben. Dann ist das für sie schön, was sie lesen; dann weiß man doch, wenn man eine halbe Seite gelesen hat, was man gelesen hat. In der Wirklichkeit ist ein Produktionsmittel aber nur zu erfassen, wenn man weiß: es wird zunächst nicht verbraucht, aber wenn man es über einen längeren Zeitraum in Anspruch nimmt, ist es gleich einer Ware. Also muß man bedenken, daß das Produktionsmittel sowohl die Eigenschaft des Verbrauchtwerdens wie des Nichtverbrauchtwerdens hat und der Begriff dem entsprechen muß.
[ 31 ] But you see, the thing is that this whole matter is, in turn, also a question of time. For the moment you consider that means of production—such as machinery—are consumed within a certain period of time, at that very moment the means of production appear to you as commodities—merely as commodities that simply take a longer time to be consumed. When one makes distinctions in life, these distinctions have the characteristic of being highly inconvenient; they are never such that one can categorize them strictly. One must remain flexible in these matters. For in fact, the means of production do, in a certain sense, also possess the character of a commodity. Land does not possess this commodity character—in the sense that the means of production can—in the same way, which is why one must again make a stricter distinction here. It is sheer nonsense, in general, to ascribe the character of a commodity to land from a purely monetary-capitalist perspective. So you see, when applying anything to reality, one must not get stuck on abstract concepts. This is precisely the objection people raise when reading *The Key Points of the Social Question*: they want neatly packaged concepts. Then what they read is pleasing to them; then, after reading half a page, one knows exactly what one has read. In reality, however, a means of production can only be understood if one realizes: it is not consumed at first, but if one makes use of it over a longer period of time, it is equivalent to a commodity. So one must bear in mind that the means of production possesses both the characteristic of being consumed and that of not being consumed, and the concept must correspond to this.
[ 32 ] Man muß bewegliche Begriffe haben. Das wollen die Leute heute nicht; sie wollen eingeschachtelte Begriffe haben. Sie wollen überhaupt nicht hinausdenken in die Wirklichkeit. Solche Dinge könnten sonst nicht entstehen, daß zum Beispiel die Leute sagen: Anthroposophie gefällt mir ganz gut, aber von der Dreigliederung will ich nichts wissen. — Wer so spricht, gleicht ungefähr demjenigen, der sagt: Ja, für das Geistige interessiere ich mich, aber dieses Geistige darf nicht in das Politische übergreifen; dieses Geistige muß unabhängig sein von dem Politischen. Ja, meine lieben Freunde, das will ja gerade die Dreigliederung erreichen. Aber weil das Geistige heute nirgends unabhängig ist, so ist das eine Illusion, wenn Sie glauben, sich nur interessieren zu können für bloß Geistiges. Damit Ihr abstraktes Ideal konkret werden kann, damit Sie etwas haben, wofür Sie sich interessieren können, ohne daß es von Politik beeinflußt ist, muß die Dreigliederung erst ein solches Gebiet erkämpfen, damit ein Gebiet da ist, auf dem man sich nicht für Politik zu interessieren braucht. Die Dreigliederung kämpft gerade für dasjenige, in dem die schläfrigen Seelen sich wohlfühlen wollen, es aber nur als Illusion vor sich haben. Diese schläfrigen Seelen oh, man möchte sie so gerne aufwecken! -, sie fühlen sich so ungeheuer wohl, wenn sie innerlich Mystiker sind, wenn sie die ganze Welt erfassen innerlich, wenn sie den Gott in ihrer eigenen Seele entdecken und dadurch so vollkommene Menschen werden! Aber diese Innerlichkeit hat nur einen Wert, wenn sie heraustritt ins Leben. Ich möchte wissen, ob sie einen Wert hat, wenn jetzt, in der Zeit, wo alles drängt, wo die Welt in Flammen steht, der Mensch nicht den Weg findet, mitzusprechen in den öffentlichen Angelegenheiten. Das ist ein schönes Interesse für Anthroposophie, das sich nur für Anthroposophie interessieren will und nicht einmal die Möglichkeit findet, mitzureden bei dem, wozu Anthroposophie anregen will. Diejenigen Anthroposophen, die sich nur für Anthroposophie interessieren wollen und nicht für das, was aus Anthroposophie werden kann dem Leben gegenüber, die gleichen einem Menschen, der wohltätig ist nur mit dem Munde, aber sonst schnell die Taschen zumacht, wenn er wirklich wohltätig sein sollte. Deshalb ist das, was bei den Leuten zu finden ist, die sich nur in ihrer Art für Anthroposophie interessieren wollen, anthroposophisches Geschwätz. Die Wirklichkeit der Anthroposophie ist aber dasjenige, was in das Leben übergeht.
[ 32 ] One must have flexible concepts. People today don’t want that; they want rigid, boxed-in concepts. They have no desire at all to think beyond the confines of their own minds and into reality. Otherwise, things like this wouldn’t happen—for example, people saying: “I quite like anthroposophy, but I want nothing to do with the threefold social order.” — Anyone who speaks this way is much like someone who says: “Yes, I’m interested in the spiritual, but the spiritual must not encroach on the political; the spiritual must be independent of the political.” Yes, my dear friends, that is precisely what the threefold social order aims to achieve. But because the spiritual realm is not independent anywhere today, it is an illusion to believe that you can be interested only in purely spiritual matters. In order for your abstract ideal to become concrete, so that you have something in which you can take an interest without it being influenced by politics, the threefold social order must first fight to establish such a realm—so that there is a realm in which one need not be interested in politics. The threefold social order is fighting precisely for that very realm in which the sleepy souls wish to feel at ease, yet which exists for them only as an illusion. These sleepy souls—oh, how one would love to wake them up!—they feel so immensely at ease when they are mystics at heart, when they grasp the whole world inwardly, when they discover God within their own souls and thereby become such perfect human beings! But this inner life has value only if it steps out into life. I would like to know whether it has any value if, now, at a time when everything is pressing, when the world is in flames, people cannot find a way to have a say in public affairs. That is a fine kind of interest in anthroposophy—one that wants to be interested only in anthroposophy itself and cannot even find a way to have a say in the very matters that anthroposophy seeks to inspire. Those anthroposophists who wish to be interested only in anthroposophy itself—and not in what anthroposophy can become in relation to life—are like a person who is charitable only in words, but who otherwise quickly closes his wallet when he should truly be charitable. That is why what is found among people who wish to be interested in anthroposophy only in their own way is nothing but anthroposophical chatter. The reality of anthroposophy, however, is that which flows into life.
Anschließend findet eine Aussprache über die künftige Dreigliederungsarbeit mit den Leitern der Ortgruppen statt. Es sind drei hauptsächliche Fragen, die zur Diskussion stehen. Erstens: Darf man Kompromisse eingehen? Zweitens: Soll man sich an den Wahlen beteiligen? Drittens: In welcher Form soll Propaganda für die Dreigliederungsidee betrieben werden?
This is followed by a discussion with the leaders of the local groups about future work on the threefold social order. There are three main questions up for discussion. First: Is it permissible to make compromises? Second: Should we participate in elections? Third: In what form should we promote the idea of the threefold social order?
Paul Kretschmar, aus Köln, tritt dafür ein, daß man versuchen müßte, auf die bestehende Betriebsräteschaft und auf das Parlament Einfluß zu nehmen. Die Zeitungen würden in dieser Beziehung eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Man müßte deshalb eine Art journalistisches Büro bilden, um Artikel für Fachzeitschriften zu verfassen. Wichtig sei auch die Ausbildung von kompetenten Rednern; diese müßten sich auf eine Art Dreigliederungsfibel abstützen können - ähnlich wie Damaschke eine Bodenfibel herausgegeben habe. Die Gründung eines eigenen Verlages sei ebenfalls nötig, um die Zeitungspropaganda wirksam abzustützen. Im Grunde wäre sogar eine Beteiligung an den Wahlen ins Auge zu fassen.
Herr Klug, ebenfalls aus Köln, warnt dagegen vor einer ganz auf sich selbst gestellten Wahlbeteiligung. Diskutabel sei allenfalls, ob man mit anderen unabhängigen Parteien vereint vorgehen könne. Weiter müßte unbedingt diskutiert werden, ob nicht Konsumentenvereinigungen gebildet werden könnten.
Hermann Heisler meint, eigentlich müßte wirklich eine Art «Katechismus der Dreigliederung» vorliegen; dieser müßte den Leitfaden dafür abgeben, wie die Dreigliederung sich in das praktische Leben, insbesondere in das Wirtschaftsleben, hineinstelle. In der gegenwärtigen Situation würden sich insbesondere drei Fragen stellen. Erstens: Wie könnte Dreigliederung, wenn sie tatsächlich in Mitteleuropa verwirklicht wäre, der zu erwartenden europäischen Hungersnot entgegenwirken?. Zweitens: Was für ein Ziel muß der Arbeiterschaft jetzt gegeben werden? Drittens: Wie weit darf man in den praktischen Veranstaltungen der politischen Parteien gehen und sich zu den Zielsetzungen der Dreigliederung bekennen?
Siegfried Dorfner ist der Überzeugung, das beste Propagandamittel für Dreigliederung sei, aus der Partei herauszugehen.
Walter Conradt glaubt, was die Bearbeitung der Presse betreffe, so müsse davon ausgegangen werden, daß auf der Gegenseite eine Dezentralisation der Meinungen eingetreten sei. Was hingegen die Bearbeitung der proletarischen Partei betreffe, so hätten die Ereignisse des letzten Jahres — insbesondere im Zusammenhang mit der «Plakatmission» - gezeigt, daß das Proletariat seit einem Jahre sozusagen «verschoben» sei, also zunächst nicht mehr mit ihm zu rechnen sei.
Richard Seebohm meint, es sei durchaus schon vorgekommen, daß eine Zeitung auf einzelne Fragen eingegangen sei, aber man dürfe nicht vergessen, daß, wenn auch die staatliche Aufsicht jetzt aufgehoben sei, die Zeitungen doch unter dem Zwang der Industrie stehen würden. Und es dürfe auch nicht übersehen werden, daß es schließlich auch Dreigliederer gebe, die nichts mit Anthroposophie zu tun haben möchten. Aus diesen Gründen sei es wichtig, sich hinter die bestehende Dreigliederungszeitung zu stellen.
Paul Kretschmar erwähnt den Kölner «Generalanzeiger», in dem sicher auch Artikel über die Dreigliederung untergebracht werden könnten.
Ernst Uehli erwähnt einen ausländischen Freund, der ihm bestätigt habe, daß die Presse für große Ideen nicht gewonnen werden könne; allgemein lasse sich feststellen, daß die Dreigliederungsidee in den Zeitungen viel kritisiert würde. Das Streben nach wahrer «Menschheit» und das Pressewesen ließen sich nicht vereinbaren, wie ja schon der deutsche Philosoph Karl Christian Planck festgestellt habe.
Emil Molt weist darauf hin, daß vom Bund für Dreigliederung beabsichtigt sei, einen Agitatorenkurs — einen Kurs für Redner - unter der Leitung von Rudolf Steiner durchzuführen.
Paul Kretschmar, from Cologne, argues that we should try to influence the existing works councils and the parliament. The newspapers would play a significant role in this regard. We should therefore establish a kind of journalistic office to write articles for trade journals. It is also important to train competent speakers; they must be able to draw on a kind of “Threefold Social Order primer”—similar to the “Soil Primer” published by Damaschke. Establishing our own publishing house is also necessary to effectively support the newspaper campaign. In fact, participation in the elections should even be considered.
Mr. Klug, also from Cologne, warns against running in elections entirely on our own. At most, it is debatable whether we could join forces with other independent parties. Furthermore, it is essential to discuss whether consumer associations could be formed.
Hermann Heisler believes that, in fact, there really ought to be a kind of “Catechism of the Threefold Social Order”; this would serve as a guide for how the Threefold Social Order should be integrated into practical life, particularly into economic life. In the current situation, three questions in particular arise. First: How could the threefold social order, if it were actually realized in Central Europe, counteract the expected European famine? Second: What goal must now be set for the working class? Third: To what extent is it permissible, in the practical activities of political parties, to commit to the objectives of the threefold social order?
Siegfried Dorfner is convinced that the best means of promoting the threefold social order is to leave the party.
Walter Conradt believes that, as far as press relations are concerned, one must assume that a decentralization of opinions has taken place on the opposing side. As for dealing with the proletarian party, however, the events of the past year—particularly in connection with the “poster campaign”—have shown that the proletariat has, so to speak, been “displaced” for a year now, meaning it can no longer be counted on for the time being.
Richard Seebohm notes that it has certainly happened before that a newspaper has addressed individual issues, but one must not forget that, even though state supervision has now been lifted, the newspapers are still subject to the pressures of the industry. Nor should it be overlooked that, after all, there are also advocates of the threefold social order who wish to have nothing to do with anthroposophy. For these reasons, it is important to support the existing Threefold Order newspaper.
Paul Kretschmar mentions the Cologne-based “Generalanzeiger,” which could certainly also publish articles on the Threefold Order.
Ernst Uehli mentions a friend abroad who confirmed to him that the press cannot be won over to great ideas; in general, it can be observed that the idea of threefolding is heavily criticized in the newspapers. The pursuit of true “humanity” and the press industry are incompatible, as the German philosopher Karl Christian Planck had already noted.
Emil Molt points out that the Federation for Threefold Social Order intends to hold a course for campaigners—a course for public speakers—under the direction of Rudolf Steiner.
Nach Abschluß der Diskussion wird Rudolf Steiner gebeten, zu den verschiedenen darin aufgeworfenen Fragen — trotz der vorgeschrittenen Zeit Stellung zu nehmen.
After the discussion concluded, Rudolf Steiner was asked to comment on the various questions raised during it—despite the late hour.
[ 33 ] Rudolf Steiner: Meine sehr verehrten Anwesenden! Zunächst möchte ich nur sagen, daß ich genötigt sein werde, in kurzen Andeutungen zu sprechen, und ich bitte Sie, das durchaus zu berücksichtigen. Ausführlich läßt sich also über die einzelnen gestellten Fragen nicht mehr sprechen. Vielleicht können wir das ein nächstes Mal tun.
[ 33 ] Rudolf Steiner: Ladies and gentlemen! First of all, I would just like to say that I will be forced to speak in brief remarks, and I ask you to please take this into account. It is therefore no longer possible to speak at length about the individual questions that have been raised. Perhaps we can do that next time.
[ 34 ] Zunächst wollen wir die relativ wichtigste Frage herausgreifen, die Frage:
[ 34 ] First, let's focus on the most important question, namely:
Wie würde die Dreigliederung wirken bei der kommenden europäischen Hungersnot?
How would the threefold social order play out in the face of the coming European famine?
[ 35 ] Ich möchte, trotzdem das vielleicht manchem sonderbar erscheinen wird, sagen, daß hinter dieser Frage eine ganz andere steckt, die die Beantwortung schwierig macht. Aber so im allgemeinen muß gegenüber dieser Frage das folgende gelten. Nicht wahr, vor — sagen wir - zehn Jahren hatte die Welt nicht das, was man eine Hungersnot nennt, jedenfalls nicht das, was als Hungersnot in der nächsten Zeit kommen kann und wahrscheinlich, da ja die Seelen schlafen, auch kommen wird. Aber muß man doch die folgenden Erwägungen anstellen, so einfach und primitiv sie erscheinen: Rohstoffe sind nicht weniger da in der Erde als vor zehn Jahren; Felder sind nicht weniger da als vor zehn Jahren; menschliche Arbeitskräfte sind auch im wesentlichen nicht weniger vorhanden als vor zehn Jahren - es sind zwar Millionen im Kriege zugrunde gegangen, aber nicht nur als Produzenten, sondern auch als Konsumenten. Also im allgemeinen steht es mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten, mit den wirtschaftlichen Bedingungen genau so wie vor zehn Jahren.
[ 35 ] I would like to say—even though this may seem strange to some—that behind this question lies a completely different one, which makes it difficult to answer. But in general, the following must apply in response to this question. Isn’t it true that—let’s say—ten years ago, the world did not experience what is called a famine, at least not the kind of famine that could occur in the near future and, since people are complacent, will likely occur. But we must nevertheless consider the following points, however simple and basic they may seem: There are no fewer raw materials in the earth than there were ten years ago; there are no fewer fields than there were ten years ago; and there is essentially no fewer human labor available than there was ten years ago—millions have perished in the war, but not only as producers but also as consumers. So, in general, the economic possibilities and economic conditions are exactly the same as they were ten years ago.
[ 36 ] Es war vor vielleicht acht Wochen, als durch die Zeitungen ein Brief ging, den der bekannte Politiker, der russische Fürst Kropotkin, geschrieben hatte, in dem er zwei merkwürdige Mitteilungen macht. Die eine ist diese, daß er jetzt arbeite an einer Ethik - interessant, daß er nun anfängt eine Ethik zu schreiben. Die andere Mitteilung ist die, daß es jetzt nur das eine gebe, daß vom Westen nach Rußland Lebensmittel geliefert würden, daß Brot geliefert würde. Es ist ja natürlich das einfachste, wenn kein Brot da ist, es von der Seite zu nehmen, wo es gerade vorhanden ist. Nun, es haben ja auch andere Leute manchmal solche Ansichten. Vor vierzehn Tagen bekam ich einen Brief von einem mitteldeutschen Rechtsanwalt und Notar. Der Brief klang sehr rechtsanwaltlich und notarlich, denn er war grob und dumm. Aber da drinnen stand auch, man könne jetzt mit irgendwelchen Idealismen nicht einen Hund hinterm Ofen hervorlocken, es käme darauf an, um das nackte Brot zu kämpfen.
[ 36 ] It was perhaps eight weeks ago that a letter written by the well-known politician, the Russian Prince Kropotkin, appeared in the newspapers, in which he makes two remarkable statements. One is that he is now working on a treatise on ethics—it’s interesting that he is now beginning to write a treatise on ethics. The other announcement is that the only thing that matters now is that food is being delivered from the West to Russia—that bread is being delivered. Of course, it’s only natural that when there’s no bread, you take it from wherever it happens to be available. Well, other people sometimes hold similar views as well. Fourteen days ago, I received a letter from a lawyer and notary in central Germany. The letter sounded very much like something a lawyer or notary would write—because it was crude and stupid. But it also said that you couldn’t lure a dog out from behind the stove with any kind of idealism these days; what mattered was fighting for bare bread.
[ 37 ] Nun, sehen Sie, alles das, was ich eben ausgeführt habe, bedenkt eben nicht das Einfachste und Primitivste. Denn wer das bedenkt, der wird wissen, daß es nur darauf ankommt, die Menschen zu einer solchen Organisation zu bringen, so daf3 aus den jetzt wie vor zehn Jahren vorhandenen Antezedenzien gewirtschaftet werden kann und wird. Das wird ganz gewiß nicht erreicht werden, wenn die Leute abgefertigt werden entweder mit dem, was die alten «Czernine» als Staats-, und Volksweisheit ansehen, oder die alten «Bethmänner», mit h oder ohne h geschrieben, auch nicht was die alten Sozialdemokraten, diese besondere Art von «negativen Bethmännern», anregen; sondern darauf kommt es an, daß den Leuten wiederum Ziele gegeben werden, daß sie sehen, auf das arbeiten wir hinaus. Und das kann eben durch die Bewegung der Dreigliederung gegeben werden. Darauf kommt es an, daß man nicht das sagt, was heute viele sagen, auch wenn es ja relativ richtig ist: Wir werden keine Hungersnot haben oder wir können sie überwinden, wenn die Leute wiederum arbeiten. Ja, wenn! Wenn die Leute aber jene Aussichtslosigkeit der Arbeit vor sich haben, die sich ihnen aus den alten Programmen und alten Machinationen ergibt, dann wollen sie nicht arbeiten. Aber man bringe etwas in die Menschheit, das zündet, so daß die Leute etwas vor sich sehen, was sie zu einem menschenwürdigen Dasein führen kann, [dann wollen sie arbeiten], und dann wird auch Brot hergestellt werden können. Das ist eine wichtige Grundbedingung für das Herstellen von Brot: Vertrauen in die Menschheit. Wenn wir dieses Vertrauen nicht gewinnen, dann wird die Hungersnot mit Sicherheit kommen. Dazu aber, daß Vertrauen entstehe, dazu ist die Dreigliederung notwendig. Das kann ich in diesem Zusammenhang nur andeuten. Wenn Sie aber diesen Gedanken verfolgen, so werden Sie sehen, daß der Hungersnot sogar im wesentlichen vorgebeugt werden kann nur durch die Propagierung der Dreigliederung. Allerdings, eine Notwendigkeit liegt vor: daß. diese Dreigliederungsidee vor allen Dingen in möglichst vielen Köpfen Platz greifen muß, damit diese Köpfe nicht hereinfallen auf alles mögliche, was nur die Fortsetzung des alten Systems ist. Diese Fortsetzung des alten Systems, sie macht sich sehr, sehr breit — nur in einer scheinbar neuen Form. Denn sehen Sie, auf gewissen Seiten ist es heute so, als ob man sich unter den führenden Persönlichkeiten gerade die Aufgabe setzen würde, die Hungersnot herbeizuführen. Heute steigt alles mögliche im Preis in phantastischer Weise. Preise haben aber nur einen Sinn, wenn sie relativ zueinander sind. Die Preise der wichtigsten Lebensmittel werden heute künstlich niedergehalten. Ich will nicht sagen, daß sie hinaufgehen sollen, aber sie dürfen in keinem Mißverhältnis zu den Preisen der anderen Dinge stehen. Dieses Mißverhältnis verhindert, daß man nächstens noch in irgendeiner Weise sich wird widmen wollen der Erzeugung von Rohprodukten, von Lebensmitteln. Die Erzeugung einer Hungersnot ist somit geradezu Regierungsmaßregel geworden. Das muß durchschaut werden.
[ 37 ] Well, you see, everything I have just explained does not take into account the simplest and most basic aspects. For whoever considers these will know that what really matters is to bring people into such an organization that the antecedents—both those that exist now and those that existed ten years ago—can and will be put to use. This will certainly not be achieved if people are fobbed off either with what the old “Czernines” regard as state and popular wisdom, or with what the old “Bethmänner”—spelled with or without an “h”—propose, nor with what the old Social Democrats, that particular breed of “negative Bethmänner,” advocate; but what matters is that people are once again given goals, that they see what we are working toward. And this can be provided precisely through the threefold social order movement. What matters is that we do not say what many say today—even if it is relatively correct—that we will not have a famine or that we can overcome it if people start working again. Yes, if! But if people face the hopelessness of work that results from the old programs and old machinations, then they will not want to work. But if we bring something into humanity that ignites a spark, so that people see before them something that can lead them to a dignified existence, [then they will want to work], and then bread will also be able to be produced. This is a fundamental prerequisite for the production of bread: trust in humanity. If we do not gain this trust, then famine will certainly come. But for this trust to arise, the threefold social order is necessary. I can only hint at this in this context. But if you follow this line of thought, you will see that famine can in fact be prevented in essence only through the promotion of the threefold social order. However, one necessity remains: that this idea of the threefold social order must, above all, take root in as many minds as possible, so that these minds do not fall for all manner of things that are merely a continuation of the old system. This continuation of the old system is spreading very, very widely—only in a seemingly new form. For you see, in certain respects it is as if the leading figures today had set themselves the very task of bringing about famine. Today, the prices of all sorts of things are rising at a fantastic rate. But prices only make sense when they are relative to one another. The prices of the most essential foodstuffs are currently being kept artificially low. I am not saying that they should go up, but they must not be out of proportion to the prices of other goods. This imbalance will soon make it impossible for anyone to want to engage in the production of raw materials or foodstuffs in any way. Creating a famine has thus become a government policy in its own right. This must be seen for what it is.
[ 38 ] Zweitens ist das zu betonen, daß ja allerdings die Sache eine internationale Angelegenheit ist und die Frage aufgeworfen werden kann:
[ 38 ] Second, it must be emphasized that this is indeed an international matter, and the question may be raised:
Kann man in Mitteleuropa allein mit der Einführung der Dreigliederung — oder wie man es sonst nennen will — etwas erreichen?
Can anything be achieved in Central Europe simply by introducing the threefold social order—or whatever else one might call it?
[ 39 ] Da muß ich hinweisen auf dasjenige, was ich in der Dreigliederungszeitung geschrieben habe, und zwar immer wieder und wiederum von den verschiedensten Gesichtspunkten aus: Wenn man nur wirklich den Mut fassen würde, die Dreigliederung zu propagieren, selbst unter den ungünstigsten Verhältnissen, selbst bei einer Hungersnot — das würde wirken, wenn etwas Positives bei uns gesehen werden könnte von den Menschen in den westlichen oder östlichen Gebieten.
[ 39 ] Here I must refer to what I have written in the *Dreigliederungszeitung*, time and again and from a wide variety of perspectives: If only we could truly muster the courage to promote the threefold social order—even under the most unfavorable circumstances, even during a famine—that would have an impact if people in the western or eastern regions could see something positive in us.
[ 40 ] So stehen wir heute noch immer auf dem Standpunkt, auf dem die Welt gestanden hat, als das Friedensangebot 1916 in die Welt hinausgeschickt worden ist, wo Phrase über Phrase, aber nichts Konkretes gesagt worden ist vor der Welt. Man probiere doch einmal, wie es wirken würde im internationalen Leben, wenn man mit so etwas auftritt, was Hand und Fuß hat, was Substanz und Inhalt hat wie die Idee von der Dreigliederung des sozialen Organismus. Gegenwärtig sieht man, wie zum Beispiel gerade die englischen Staatsmänner von Woche zu Woche mehr Angst bekommen vor dem, was da in diesem Deutschland vorgeht. Es ist ihnen eigentlich etwas höchst Unbekanntes. Und weil sie nichts Richtiges daraus machen können, kriegen sie es mit der Angst zu tun, daß hier sogar schlimmerer Bolschewismus entstehen könnte als in Rußland. Wenn sie aber Bauer, Ebert und Noske genauer kennen würden, so wäre das sogar ein gutes Mittel, daß ihnen die Angst vergeht. Denn die Wahrheit ist diese, daß hier nichts geschieht, daß in Wirklichkeit Monat für Monat vergeht, ohne daß etwas geschieht. Man probiere es einmal, wie es aussehen würde im internationalen Leben, wenn gerade von Mitteleuropa etwas Substantielles in die Welt gesetzt würde. Erst wenn man sich über diese Dinge klar ist, kann man an eine solche Frage herantreten wie die, wie die Dreigliederung wirken wird bei einer hereinbrechenden Hungersnot; in bezug auf alles übrige ist das keine Frage. Es gilt, daß einzig und allein die Dreigliederung imstande ist, eine solche Organisation zu bewirken, daß wieder gearbeitet werden wird und daß wieder Vertrauen da sein kann. Dann wird die Hungersnot verhindert werden können.
[ 40 ] Thus, we still stand today at the same point where the world stood when the peace proposal was sent out to the world in 1916—a time when nothing concrete was said to the world, only one empty phrase after another. Just imagine what effect it would have on international affairs if one were to present something that makes sense, something with substance and content—such as the idea of the threefold social order. At present, we can see, for example, how British statesmen are growing more and more fearful from week to week about what is happening in Germany. It is, in fact, something utterly unfamiliar to them. And because they cannot make sense of it, they are gripped by the fear that an even worse form of Bolshevism might arise here than in Russia. But if they knew Bauer, Ebert, and Noske better, that would actually be a good way to allay their fears. For the truth is this: nothing is happening here; in reality, month after month passes without anything happening. Just imagine what it would look like in international life if something substantial were to come out of Central Europe. Only when one is clear about these things can one approach a question such as how the threefold order will function in the face of an impending famine; with regard to everything else, that is not an issue. The fact is that the threefold social order alone is capable of bringing about an organization in which work can resume and trust can be restored. Then the famine can be prevented.
[ 41 ] Um im Internationalen zu wirken, muß allerdings die Dreigliederungsidee in wirksamer Weise in den Köpfen Platz greifen. Dann wäre ich nicht besorgt, daß sie im internationalen Verkehr nicht wirken wird. Solange nur aus dem Chauvinismus heraus verhandelt wird, kommt man auf keinen grünen Zweig. Wenn hier in Mitteleuropa irgend etwas von Bedeutung erfunden würde, würde es sich schon internationale Geltung verschaffen. Wenn hier gesunde Ideen Platz greifen, werden die internationalen Schranken von selbst hinwegfallen; denn die Menschen handeln doch nach ihrem Interesse und nehmen das Gute dort, wo sie es finden können.
[ 41 ] To have an impact on the international stage, however, the idea of the threefold social order must take root effectively in people’s minds. Then I would not be concerned that it would fail to have an impact in international relations. As long as negotiations are conducted solely out of chauvinism, we won’t get anywhere. If anything of significance were to be developed here in Central Europe, it would certainly gain international recognition. If sound ideas take root here, international barriers will fall away of their own accord; for people act in their own interest and take what is good wherever they can find it.
[ 42 ] Und noch einige Andeutungen wollte ich Ihnen geben zu der Zeitungsfrage: Ich möchte nicht in Abrede stellen, daß manches sehr wichtig ist von dem, was gesagt worden ist. Und verdienstvoll wird es sein, wenn der eine oder andere der Freunde da oder dort in irgendeiner Zeitung einen Artikel unterbringt. Aber das Wesentlichste bleibt dabei, daß ebensowenig, wie man irgend etwas erreichen kann durch das Unterkriechen in den Parteien, man etwas erreichen kann durch das Unterkriechen in den anderen Zeitungen. Man kann es tun, aber es ist eigentlich dieselbe Sache, nur in einer anderen Farbe. Ich tadle es nicht, ich bin durchaus einverstanden, wenn es geschieht. Das Positive aber würde ich darin sehen, daß unsere Zeitung, unsere Dreigliederungszeitung propagiert würde von den Freunden - soviel als nur möglich. Sie können sagen: Schön, aber die Zeitungen, in die wir die Artikel hineinbringen wollen, die haben die Leute; die Dreigliederungszeitung müssen sie hinzuabonnieren. Sie müssen sie eben hinzuabonnieren. Alle werden es nicht tun, eine Anzahl aber wird es schon tun. Dann werden wir es dazu bringen, die Dreigliederungszeitung in eine Tageszeitung zu verwandeln. Dann erst können wir dasjenige an Artikeln unterbringen, was wir unterbringen wollen; das wird dann wirksam sein. Also es handelt sich darum, so viel für die Dreigliederungszeitung zu arbeiten, die jetzt noch ein Wochenblatt ist, daß durch die eigenen Erträgnisse diese Zeitung in eine Tageszeitung umgewandelt werden kann. Dann brauchen wir nicht «unterzukriechen» bei den anderen; darauf kommt es an. Warum sollte es nicht möglich sein, eine Sache, die von so eminenter Wichtigkeit ist, auf eigene Beine zu stellen!
[ 42 ] And I wanted to offer you a few more thoughts on the issue of newspapers: I do not deny that some of what has been said is very important. And it will be commendable if one or another of our friends manages to get an article published in a newspaper here or there. But the most essential point remains that just as one cannot achieve anything by kowtowing to the political parties, one cannot achieve anything by kowtowing to other newspapers. One can do it, but it is essentially the same thing, just in a different guise. I do not criticize it; I am perfectly fine with it if it happens. But I would see the positive aspect in the fact that our newspaper, our Threefold Order Newspaper, would be promoted by our friends—as much as possible. You might say: Fine, but the newspapers in which we want to place the articles are ones people already have; they would have to subscribe to the Threefold Order Newspaper in addition. They would simply have to subscribe to it. Not everyone will do it, but a number of them certainly will. Then we’ll be able to turn the Threefold Order Newspaper into a daily. Only then can we publish the articles we want to publish; that’s when it will be effective. So the point is to work so hard for the Threefold Newspaper—which is still a weekly—that its own revenues will enable it to be transformed into a daily newspaper. Then we won’t have to “crawl under the table” of the others; that’s what matters. Why shouldn’t it be possible to put something of such eminent importance on its own two feet!
[ 43 ] Dann ist noch auf verschiedenes andere hingewiesen worden. Bezüglich der Beteiligung an den Wahlen möchte ich nur das folgende sagen: Natürlich kann man in abstracto durchaus sagen, an der Wahl sich beteiligen und ins Parlament eintreten und dort wirken, das stütze den gegenwärtigen Staat. - Das kann man nicht so ohne weiteres sagen. Ich will nicht einmal so stark pro oder contra sprechen; das hängt von den verschiedenen konkreten Verhältnissen ab, ob man sich an der Wahl beteiligt oder nicht. Aber wenn man streng die Dreigliederung auffaßt, ist es prinzipiell nicht ganz richtig, sich nicht zu beteiligen am Parlament. Das prinzipiell Richtige, im Sinne der Dreigliederung konsequent gedacht, wäre: an den Wahlen sich beteiligen, soviele wählen lassen als gewählt werden können, ins Parlament eintreten und Obstruktion treiben bei allen Fragen, die sich auf Geistesleben und Wirtschaftsleben beziehen. Das würde konsequent im Sinne der Dreigliederung gedacht sein. Es handelt sich darum, abzugliedern den mittleren Teil, das Staatsleben. Das kann nur herausgeholt werden, wenn das andere links und rechts abgeworfen wird. Das kann man dann nicht anders tun, als indem man sich wirklich wählen läßt, eintritt und Obstruktion treibt bei alle dem, was verhandelt und beschlossen wird auf dem Gebiete des Geistes- und Wirtschaftslebens. Das wäre konsequent gedacht im Sinne der Dreigliederung des sozialen Organismus. Diese Idee ist etwas, was konsequent gedacht werden muß und auch konsequent in bezug auf konkrete Verhältnisse gedacht werden kann, weil sie aus der Wirklichkeit heraus gewonnen ist. — Das wäre in bezug auf die wichtigsten Fragen zu sagen.
[ 43 ] Various other points were also raised. Regarding participation in elections, I would just like to say the following: Of course, in the abstract, one could certainly argue that participating in an election, entering parliament, and working there supports the current state. — But one cannot simply say that. I do not even wish to take a strong stance for or against it; whether one participates in the election or not depends on the various concrete circumstances. But if one takes a strict view of the threefold social order, it is, in principle, not entirely correct to refrain from participating in parliament. What would be correct in principle, if the threefold social order were thought through consistently, would be: to participate in elections, to have as many people elected as possible, to enter Parliament, and to obstruct all matters relating to spiritual and economic life. That would be a consistent application of the threefold social order. The point is to separate out the middle part—political life. This can only be achieved by casting aside what lies to the left and right. The only way to do this is by actually standing for election, entering parliament, and obstructing everything that is debated and decided in the realms of spiritual and economic life. This would be a logical conclusion in the spirit of the threefold social order. This idea is something that must be thought through consistently and can also be applied consistently to concrete circumstances, because it is derived from reality. — That is what needs to be said regarding the most important questions.
[ 44 ] In bezug auf das neue Ziel, das man jetzt den Arbeitern geben soll, muß ich sagen, daß es mir nach den Erfahrungen mit den Betriebsräten mehr eine akademische Frage ist. Die Frage wird anders behandelt werden müssen; [es muß gefragt werden], ob man überhaupt solch ein Ziel geben soll. Die Betriebsrätefrage ist aufgeworfen worden. Man hat sich alle mögliche Mühe gegeben und überall versucht, die Betriebsräte in Schwung zu bringen. Die Arbeiter haben alles Mögliche versprochen und nichts gehalten. Zuerst sind sie in den Versammlungen erschienen, dann sind sie ausgeblieben. So würde es mit den nächsten neuen Zielen auch wiederum sein, wenn sie in die gegenwärtigen Arbeiterorganisationen hineingetragen würden.
[ 44 ] With regard to the new goal that is now supposed to be given to the workers, I must say that, based on my experience with the works councils, this is more of an academic question to me. The issue will have to be addressed differently; [we must ask] whether such a goal should be set at all. The issue of works councils has been raised. Every possible effort has been made, and attempts have been taken everywhere to get the works councils off the ground. The workers promised everything under the sun and delivered nothing. At first they showed up at the meetings; then they stopped coming. The same thing would happen again with the next new goals if they were introduced into the current workers’ organizations.
