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Social Ideas, Social Reality
and Social Practice I
GA 337a

16 June 1920, Stuttgart

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Social Ideas, Social Reality and Social Practice I, tr. SOL
  1. Soziale Ideen, Soziale Wirklichkeit, Soziale Praxis I

6. Die Bodenfrage vom Standpunkt der Dreigliederung

6. The Land Question from the Perspective of the Threefold Social Order

[ 1 ] Rudolf Steiner: Meine sehr verehrten Anwesenden! Ich möchte heute über Dreigliederung des sozialen Organismus in der Weise sprechen, daß durch die Gesichtspunkte, von denen meine Ausführungen handeln werden, einiges Licht fallen kann auf dasjenige, was man aus den volkswirtschaftlichen Tatsachen heraus in der neueren Zeit die Bodenfrage genannt hat. Es ist ja eine Eigentümlichkeit der Dreigliederungsidee, daß man durch sie einsehen lernt, daß gewisse Diskussionen und Agitationen im alten Stile aufhören müssen, wenn wir überhaupt in fruchtbarer Weise weiterkommen wollen — denn diese Diskussionen und Agitationen haben sich ja herausentwickelt aus den Verhältnissen, welche uns in den Niedergang hineingeführt haben.

[ 1 ] Rudolf Steiner: Ladies and gentlemen! Today I would like to speak about the threefold social order in such a way that the perspectives I will be discussing may shed some light on what, based on economic realities in recent times, has come to be called the land question. It is, after all, a distinctive feature of the idea of threefolding that it helps us realize that certain old-style discussions and agitations must come to an end if we are to make any fruitful progress at all—for these discussions and agitations have, in fact, developed out of the conditions that led us into decline.

[ 2 ] Die Bodenfrage ist ja etwas, was breite Kreise sehr interessiert, weil der Preis, auch die Erwerbbarkeit und Verwertbarkeit von Grund und Boden mit dem menschlichen Schicksal, mit den menschlichen Lebensverhältnissen eng zusammenhängt. Nicht wahr, wie man dasjenige, was Bodenpreise sind, sich einrechnen lassen muß in das, was man für seine Wohnung bezahlen muß, sich einrechnen lassen muß in die Lebensmittelpreise — das ist ja etwas, was jeder unmittelbar verspürt. Man braucht nur ein wenig nachzudenken, und man wird finden, daß das, was von Grund und Boden ausgeht, in wirtschaftlicher Beziehung seine Wirkungen hat auf alle übrigen Verhältnisse. Je nachdem, aus welchen Bodenpreisen heraus man seine Lebensmittel bezahlen muß, je nachdem muß man für irgendeinen Beruf, in dem man drinnensteht, vergütet werden und so weiter. Aber nicht nur diese den Menschen unmittelbar berührenden Lebensfragen hängen mit dem Verhältnis der Menschheit zu Grund und Boden zusammen, sondern auch viele weitergehende Kultur- und Zivilisationsverhältnisse. Wir brauchen ja nur daran zu denken, wie mit Grund und Boden zusammenhängt das Verhältnis des Landes zur Stadt, wie zusammenhängt dasjenige, was dann die Schwierigkeit oder Leichtigkeit der Lebensverhältnisse in den Städten ist, mit den Verhältnissen auf dem Lande. Aus diesen wird hervorgehen wiederum, was in der Stadt selbst sich entwickeln kann. Je nachdem, wie in einer Stadt Reichtumsverhältnisse oder Wohlstandsverhältnisse sich ergeben durch ein bestimmtes Verhältnis des Landes, des Umlandes zur Stadt, entwickelt sich ja auch vorzugsweise in der Stadt dasjenige, was wir unser öffentliches geistiges Leben nennen — wenigstens unter unseren neuzeitlichen Kulturverhältnissen. Ein einsamer Mystiker kann man ja allerdings auch auf dem Lande werden; aber in dem ganzen Zusammenhang neuzeitlichen Wissenschaftsbetriebes, technischen Betriebes, Kunstbetriebes kann man im Grunde nur stehen, wenn man irgendein Verhältnis zum Städteleben hat. Das ist ja etwas, was sich unmittelbar aus einer auch nur oberflächlichen Betrachtung des Lebens ergibt. Und noch manches andere könnte man anführen, was schon zeigen würde, wie die Bodenfrage - und damit die Frage nach dem Verhältnis der Stadt zum Land - tief einschneidet in unsere ganzen Kulturverhältnisse. Daher muß auch die Bodenfrage in irgendeiner Weise zusammenhängen mit dem, was uns in den Niedergang dieser Kulturverhältnisse hineingetrieben hat.

[ 2 ] The land issue is, after all, something that interests a wide range of people, because the price—as well as the affordability and usability—of land is closely linked to human destiny and living conditions. Isn’t it true that land prices must be factored into what one has to pay for housing and into food prices—this is something everyone feels directly. One need only think about it a little to realize that what stems from land has economic repercussions on all other conditions. Depending on the land prices that determine the cost of one’s food, one must be compensated accordingly for whatever profession one is in, and so on. But it is not only these practical issues of daily life that directly affect people that are linked to humanity’s relationship with land, but also many broader cultural and civilizational conditions. We need only consider how the relationship between the countryside and the city is connected to land, and how the difficulties or ease of living conditions in cities are linked to conditions in the countryside. From these, in turn, it becomes clear what can develop within the city itself. Depending on how conditions of wealth or prosperity arise in a city through a particular relationship between the countryside and the surrounding area and the city itself, what we call our public intellectual life tends to develop primarily in the city—at least under our modern cultural conditions. Of course, one can also become a solitary mystic in the countryside; but within the broader context of modern scientific, technical, and artistic endeavors, one can essentially only participate if one has some connection to urban life. This is something that becomes immediately apparent even from a merely superficial observation of life. And one could cite many other examples that would already demonstrate how the land question—and with it, the question of the relationship between city and countryside—deeply affects our entire cultural landscape. Therefore, the land question must also be connected in some way to what has driven us into the decline of this cultural landscape.

[ 3 ] Nun, die neuere Behandlung der Bodenfrage hängt ja insbesondere damit zusammen, daß die Ungerechtigkeit der Wert- oder Preissteigerungen des Bodens von einer großen Anzahl von Menschen bemerkt werden. Es wurde einfach bemerkt, wie wenig es mit menschlicher Arbeit zusammenhängt, ob das eine oder das andere Stück Boden in einem bestimmten Zeitraum seinen Wert steigern kann. Ich weiß, wie großen Eindruck ein sehr bekannter Bodenreformer immer wieder gemacht hat, wenn er seinem Publikum in grundlegenden Vorträgen folgendes vor Augen geführt hat: Man denke sich, jemand besitze irgendein Stück Boden, das er gekauft hat mit Rücksicht darauf, daß in der Nähe dieses Bodens eine Fabrik errichtet werde oder daß die Stadt sich nach diesem Stück Boden hin ausdehne oder daß dort eine Eisenbahn vorübergeführt werde oder dergleichen. Er hat dieses Stück Boden gekauft mit Rücksicht darauf, daß es durch solche Verhältnisse seinen Wert in den nächsten Jahren steigern werde um ein ganz Beträchtliches. Er hat das Stück Boden gerade in dem Moment gekauft, wo er in der Voraussicht leben mußte, die nächsten drei Jahre im Zuchthaus zu verbringen. Er wandert, nachdem er dieses Grundstück gekauft hat, ins Zuchthaus, bleibt drei Jahre drinnen, und wenn er herauskommt aus dem Zuchthaus, ist sein Stück Boden das Fünffache wert wie früher. Der Mann hat also zur Preissteigerung seines Besitzes um das Fünffache nichts anderes beigetragen, als daß er drei Jahre im Zuchthaus gesessen hat. — Das sind Dinge, meine sehr verehrten Anwesenden, die selbstverständlich außerordentlich stark wirken, wenn man dadurch etwas anschaulich machen will. Und man kann da nicht einmal sagen, daß diese Dinge mit Unrecht wirken. Hier wirkt etwas, was, ganz mit Recht, in bequemer Weise einleuchtend ist, denn es kann durchaus so sein. Und dann - man kann manches übergehen, möchte ich sagen -, dann ergibt sich aus solchen Erkenntnissen heraus, daß ja selbstverständlich die ganze [Art der] Einfügung des Bodenwertes in unseren wirtschaftlichen Prozeß etwas ist, was nicht weiter so bleiben kann, was in irgendeiner Weise einer Reform unterliegen muß.

[ 3 ] Well, the recent focus on the land question is, in particular, linked to the fact that a large number of people have become aware of the injustice inherent in increases in land value or price. It has simply been observed how little it has to do with human labor whether one piece of land or another can increase in value over a given period of time. I know what a profound impression a very well-known land reformer has repeatedly made when, in his fundamental lectures, he has presented the following scenario to his audience: Imagine that someone owns a piece of land that he purchased in anticipation that a factory would be built near it, or that the city would expand toward that piece of land, or that a railroad would be built there, or something similar. He bought this piece of land anticipating that, due to such circumstances, its value would increase quite substantially over the next few years. He bought the piece of land at the very moment when he had to face the prospect of spending the next three years in prison. After purchasing this property, he goes to prison, stays there for three years, and when he is released from prison, his plot of land is worth five times as much as before. The man, therefore, contributed nothing to the fivefold increase in the value of his property other than having spent three years in prison. — These are things, ladies and gentlemen, that naturally have an extraordinarily strong impact when one wishes to illustrate a point. And one cannot even say that these things have an unjust effect. What is at work here is something that, quite rightly, is readily understandable, for it may well be the case. And then—one can overlook many things, I would say—it follows from such insights that, of course, the entire [nature of] the incorporation of land value into our economic process is something that cannot remain as it is, something that must, in some way, be subject to reform.

[ 4 ] Und nun haben ja die verschiedensten, aber immer alle nach einer Richtung gehenden Reformen eingesetzt: Henry George, Adolf Damaschke, zwischen beiden noch viele andere. Das hat eingesetzt, und eigentlich läuft alles darauf hinaus, daß der Grund und Boden mehr oder weniger - die Form kommt da nicht so sehr in Betracht — etwas sein müsse, was gewissermaßen der Allgemeinheit gehöre. Nicht, als ob alle Bodenreformer etwa eine unmittelbare Verstaatlichung des Grund und Bodens wollten, aber sie wollen, daß von den besonders starken Wertsteigerungen eben ein ganz erheblicher Prozentsatz als «Werterhöhungssteuer» an die Gemeinschaft geliefert werde — ein Prozentsatz vielleicht, der den Boden fast auf seinen früheren Wert herunterbringt, wenn er sich ohne das Verdienst des Besitzers in seinem Wert gesteigert hat. Man kann sich auch andere Formen denken, unter denen der Boden gewissermaßen in eine Art von Gemeinbesitz übergeführt wird. Aber es ist ja zweifellos einleuchtend, daß derjenige, der seine Mitmenschen so geschädigt hat, daß sie sich veranlaßt fühlten, ihn ins Zuchthaus einzusperren, nun, wenn er nach drei Jahren zurückkommt, gerechterweise genötigt werden kann, dasjenige, um was sich sein Boden an Wert gesteigert hat, an diese Allgemeinheit abzuliefern.

[ 4 ] And now, a wide variety of reforms—all moving in the same direction—have begun: Henry George, Adolf Damaschke, and many others in between. This has begun, and it all essentially boils down to the idea that land—regardless of the specific form this takes—must, to a greater or lesser extent, be something that belongs, so to speak, to the general public. Not that all land reformers want, say, the immediate nationalization of land, but they do want a very substantial percentage of particularly sharp increases in value to be paid to the community as a “capital gains tax”—a percentage that might bring the land’s value down almost to its previous level if it has appreciated in value without any contribution from the owner. One can also imagine other forms under which land is, so to speak, transferred into a kind of communal ownership. But it is undoubtedly obvious that someone who has harmed his fellow human beings to such an extent that they felt compelled to lock him up in prison can, upon his return after three years, justly be required to surrender to the public the amount by which his land has increased in value.

[ 5 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, aber Damaschke betont ja gerade, daß er durchaus nicht daran denke, dasselbe Schicksal, das er dem Grund und Boden in einer solchen Weise zudenkt, etwa auch auszudehnen auf irgendwelche andere Produktionsmittel. Er beweist, wie die anderen Produktionsmittel in einer ganz anderen Weise innerhalb des menschlichen Besitzes ihren Wert steigern; er beweist, daß Wertsteigerungen der Produktionsmittel stattfinden in einem ganz anderen Verhältnis, das gar nicht zu vergleichen ist mit den oftmals eintretenden Wertsteigerungen des Grund und Bodens. Nun kann man sagen, so etwas ist ja ganz gewiß einleuchtend und kann eigentlich gar nicht anders behandelt werden, als daß man in einem gewissen Sinn zustimmt.

[ 5 ] Well, ladies and gentlemen, Damaschke is in fact emphasizing that he has absolutely no intention of extending the same fate—which he attributes to land in this way—to any other means of production. He demonstrates how other means of production increase in value in a completely different way within the context of human ownership; he demonstrates that increases in the value of the means of production occur in a completely different context, one that cannot be compared at all to the frequent increases in the value of land. Now one might say that this is certainly plausible and cannot really be treated in any other way than by agreeing with it in a certain sense.

[ 6 ] Aber, meine sehr verehrten Anwesenden, Sie haben ja wohl gesehen, daß es heute Verstaatlichungen gibt, das heißt Überführung desjenigen, was sonst rein privatwirtschaftlich erzeugt wird und wofür der Gegenwert privatwirtschaftlich entgegengenommen wird, in die Verwaltung einer gewissen Gesamtheit. Aber man kann ja nicht sagen, daß die Erfahrung, die die Menschheit in solchen Dingen in den letzten Jahren gemacht hat, schon eine allseitig befriedigende wäre. Denn ich glaube — wenigstens einige von Ihnen werden ja etwas davon bemerkt haben -, daß es nicht allen Menschen so gutging, wie es im Sinne der Rationierung, also in einem gewissen Sinne der Kommunisierung, zum Beispiel der Lebensmittel und anderer Dinge hätte gehen sollen. Von einem gewissen Hamstern haben ja einige Menschen in diesen Jahren, in denen sehr vieles kommunisiert war, etwas erfahren, wie ich glaube.

[ 6 ] But, ladies and gentlemen, you have surely seen that nationalizations are taking place today—that is, the transfer of what is otherwise produced purely by the private sector, and for which the equivalent value is received through private-sector transactions, into the administration of a certain collective entity. But one cannot say that the experience humanity has had in such matters in recent years has been entirely satisfactory for all parties. For I believe—and at least some of you will have noticed this—that not everyone fared as well as they should have under the system of rationing, that is, in a certain sense, the communalization of, for example, food and other goods. I believe that some people have experienced a certain amount of hoarding during these years, when so much was communized.

[ 7 ] Und derjenige soziale Impuls, der gegeben werden soll mit der Dreigliederung, der ist eben durchaus nicht des Willens, sich etwas vorzumachen und anderen etwas vorzumachen, sondern der ist des Willens, solche Anregungen zu geben, die nicht bloß auf dem Papier stehenbleiben und einer gewissen Sorte von Menschen dienen, während andere in der Lage sind, die betreffenden Dinge zu umgehen, und zwar in reichlichem Maße zu umgehen. Der Impuls, der durch die Dreigliederung des sozialen Organismus gegeben werden soll, soll eben ein Wirklichkeitsimpuls sein, der auch tatsächlich das verwirklicht, was er beabsichtigt. Wer das Leben kennt — und eigentlich nur der, der das Leben kennt -, kann wirklich verstehen, was der Impuls für die Dreigliederung im Ernste will. Wer sich bestrebt, das Leben zu verstehen, und wer das Leben wirklich versteht, der wird gar keinen Zweifel darüber haben, daß es auch eine Hamsterei der Bodenwertsteigerungen wird geben können, wenn man den Boden in der Weise kommunisiert, wie es die Bodenreformer wollen, die aus den alten Ideen heraus denken. Es ist eben durchaus möglich, sowohl im Leninschen Staatswesen wie auch im Damaschkeschen Staatswesen durch allerlei Hintertüren dasjenige wiederum unwirksam zu machen, was als Gesetz in die Welt tritt. Der Impuls für die Dreigliederung des sozialen Organismus kann einfach nicht, weil er etwas Wirkliches will, sich verschließen vor der Grunderkenntnis, daß ja die soziale Wirklichkeit wahrhaftig nicht von denjenigen Gesetzen gemacht werden kann, die entstehen, wenn man die alten sozialen und staatlichen Denkweisen und Vorstellungsarten fortsetzt. Auf die Menschen kommt es an und auf jene soziale Organisation, auf jenen sozialen Organismus, der einzig und allein bewirkt, daß die Menschen gar kein Mittel finden, um irgend etwas, was im Sinne dieses sozialen Organismus liegt, in ungerechter Weise oder in unmoralischer Weise zu umgehen wenigstens so nahe als möglich muß man einer solchen Lebensforderung kommen.

[ 7 ] And the social impulse that is to be provided through the threefold social order is by no means an impulse to deceive oneself or others, but rather an impulse to provide such inspiration that does not merely remain on paper and serve a certain type of people, while others are able to circumvent the matters in question—and to do so to a great extent. The impulse intended to be provided by the threefold social order is precisely meant to be an impulse toward reality, one that actually brings about what it intends. Anyone who knows life—and really, only those who know life—can truly understand what the impulse for the threefold social order seriously aims to achieve. Anyone who strives to understand life, and anyone who truly understands life, will have no doubt whatsoever that hoarding of land value gains will be possible if land is communalized in the way advocated by land reformers who think in terms of old ideas. It is indeed entirely possible, both in Lenin’s system of government and in Damaschke’s system of government, to render ineffective—through all sorts of back doors—that which comes into the world as law. The impulse for the threefold structure of the social organism—precisely because it seeks something real—simply cannot close itself off from the fundamental insight that social reality truly cannot be shaped by the laws that arise when one continues to adhere to the old ways of thinking and conceiving of society and the state. What matters are the people and that social organization—that social organism—which alone ensures that people find no means whatsoever to circumvent anything that lies within the spirit of this social organism in an unjust or immoral manner; one must come as close as possible to such a demand of life.

[ 8 ] Man kann ja das, was wir Dreigliederung des sozialen Organismus nennen, von den verschiedensten Gesichtspunkten her betrachten. Man kann dasjenige ins Feld führen, was ich zunächst einmal, gewissermaßen um einen ersten Schub zu geben, in den «Kernpunkten» ausgesprochen habe. Man kann auch von anderen Seiten her die Notwendigkeit der Dreigliederung charakterisieren, wie es ja seit mehr als einem Jahr gerade hier in Stuttgart von mir und einigen anderen getan worden ist. Man kann zum Beispiel aber auch folgende Gesichtspunkte geltend machen; man kann sagen: Wir sind im ganzen Verlauf der neueren Menschheitsentwicklung dazu gekommen, gewisse Einrichtungen einfach aus der Art, wie wir heute denken, nicht mehr zu ertragen und durch unseren ganzen menschlichen Seelenzustand andere Einrichtungen zu fordern. Daß wir solches Chaos durch die Welt hindurch haben, das entsteht ja gerade dadurch, daß einfach gewisse Zustände, die sich ergeben haben aus der Menschheitsentwicklung der letzten Jahrhunderte, von den Menschen der Gegenwart nicht mehr ertragen werden können. Der eine fühlt unbestimmt: die Verhältnisse können nicht mehr ertragen werden; er hört den Damaschke reden und hört, daß ungeheuer viel Unrechtes davon abhänge, daß ein Zuchthäusler seinen Bodenbesitz in drei Jahren ohne sein Verdienst verfünffachen kann. Einem anderen werden die marxistischen Theorien vorgetragen, und er nimmt sie an. Einem dritten wird gesagt: Wenn wir nicht die alten Einrichtungen und das alte sogenannte Junkertum schützen, dann wird die ganze Welt in ein Chaos hineingehen, also müssen wir es schützen.

[ 8 ] One can, of course, view what we call the threefold social order from a wide variety of perspectives. One can cite what I initially set forth in the “Key Points,” so to speak, to provide an initial impetus. One can also characterize the necessity of the threefold order from other perspectives, as I and a few others have been doing here in Stuttgart for more than a year now. One can, for example, also bring the following points to bear; one can say: Throughout the course of recent human development, we have reached a point where, simply because of the way we think today, we can no longer tolerate certain institutions and, due to our entire human state of mind, demand different ones. The fact that we have such chaos throughout the world arises precisely because certain conditions—which have arisen from human development over the last few centuries—can no longer be tolerated by people today. One person feels, vaguely, that the current conditions are no longer tolerable; he hears Damaschke speak and learns that an immense amount of injustice stems from the fact that a convict can increase his land holdings fivefold in three years through no merit of his own. Another is presented with Marxist theories and accepts them. A third is told: “If we do not protect the old institutions and the old so-called Junker class, the whole world will descend into chaos; therefore, we must protect them.”

[ 9 ] Im Grunde genommen liegen aber die Gründe dafür, daß die Menschen unbefriedigt sind von den gegenwärtigen Verhältnissen ganz einfach tief unten im menschlichen Wesen; und heute ist es schon so: das, was als Programme entwickelt wird, das sind im Grunde genommen nur Träume, nur Illusionen, die sich die Menschen vormachen. Sie kommen gar nicht darauf, was sie eigentlich wollen. Und so macht der eine aus dieser, der andere aus jener bisherigen Lebensgewohnheit irgendeine Theorie auf sozialem Gebiet, die er logisch nennt. Es ist heute schon so, daß im Grunde genommen es nur davon abhängt, ob einer gerade im Proletariat lebt oder ob er in einem preußischen Junkerhaus geboren ist, ob er nun aus den alten Lebensgewohnheiten heraus Marxist ist oder ob er Konservativer ist im Sinne des Herrn von Heydebrand und der Lasa. Diese Programme, die gemacht werden von links und von rechts, die haben eigentlich heute gar nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun. Und man kann sagen: Wenn sich heute so etwas abspielt wie eine Reichstagswahl, so ist das, was geredet wird bei dieser Gelegenheit, ungefähr so, wie wenn ein böser Weltendämon träumen würde und diese Träume in die Bewußtseine der Menschen, der Parteimitglieder und Parteiführer, übergingen und sich die Leute über etwas unterhielten, was im Grunde genommen gar nichts zu tun hat mit dem, was geschehen soll. Denn die Menschheit tendiert heute nach einem ganz bestimmten Ziel hin. Sie ist sich nur unklar über dieses Ziel.

[ 9 ] But fundamentally, the reasons why people are dissatisfied with current conditions lie quite simply deep within human nature; and today, the reality is this: what is developed as “programs” is, at its core, nothing more than dreams, mere illusions that people delude themselves with. They don’t even realize what they actually want. And so one person, based on this or that previous way of life, constructs some theory in the social sphere that he calls logical. It is already the case today that, fundamentally, it depends only on whether one happens to live among the proletariat or was born into a Prussian Junker household, whether one is a Marxist by virtue of old ways of life or a conservative in the sense of Mr. von Heydebrand and der Lasa. These programs, devised by the left and the right, actually have nothing to do with reality anymore. And one might say: When something like a Reichstag election takes place today, the talk on such occasions is roughly like a malevolent demon of the end of the world having a dream, and these dreams seeping into the consciousness of people—of party members and party leaders—so that people are discussing something that, in essence, has nothing to do with what is actually going to happen. For humanity today is moving toward a very specific goal. It is simply unclear about this goal.

[ 10 ] Zunächst einmal fühlt die Menschheit, daß es so mit den geistigen Angelegenheiten, mit der Ordnung der geistigen Angelegenheiten, nicht mehr so weitergeht, wie es bisher gegangen ist. Das kommt einfach daher, weil trotz alles Materialismus — der ganz, ganz in dem Stile da ist, wie ich das auch gestern im öffentlichen Vortrag auseinandergesetzt habe - filtrierte Geistigkeit in den Abstraktionen vorhanden ist, denen sich die Menschen heute hingeben, das Proletariiat zum Beispiel am allermeisten. Trotzdem dieses am allermeisten von «Realitäten», von «Produktionsverhältnissen» und dergleichen auszugehen scheint, gibt es sich geistigen Abstraktionen hin und kann damit niemals zu irgendwelchen Einrichtungen kommen, die die Wirklichkeit ergreifen. Die Menschen fühlen, sie müssen sich an etwas Geistigem halten und das Geistige muß auch da sein, um ins soziale Leben einzugreifen, um die soziale Struktur des ja vom Menschen belebten sozialen Organismus zu bilden. Was hat denn im Grunde genommen bis in unsere Tage herein die Struktur unseres sozialen Organismus gemacht? Der Geist? Nein, ich denke, es ist nicht der Geist. Wenn ich zum Beispiel ein großes Landgut von meinem Vater erbe, da ist es etwas anderes als der Geist; da ist es ein natürlicher Zusammenhang, da ist es das Blut. Und das Blut ist dasjenige, das zusammen mit allen möglichen anderen Verhältnissen, die sich daran geknüpft haben, einen Menschen heute noch in eine bestimmte Position hineinbringen kann. Von dieser Position hängt dann wiederum ab, wie er im geistigen Leben steht. Er kann gewisse Erziehungsinhalte rein dadurch aufnehmen, daß er aus alten Verhältnissen heraus, die zum großen Teil von Blutsbanden herrühren, in eine bestimmte soziale Position hineingestellt ist. Das fühlt die Menschheit im Grunde genommen gegenüber dem geistigen Leben zunächst als etwas, was nicht mehr ertragen werden kann. Instinktiv fühlt die Menschheit: Statt daß, wie von altersher, alles durch das Blut bestimmt wird, muß in sozialen Einrichtungen in der Zukunft der Geist mitsprechen. Nicht wahr, die Kirche hat ja, um Genosse desjenigen zu sein, was sich [auf diese Weise in der Vergangenheit] entwickelt hat und was so heute nicht mehr ertragen werden kann, sich wohl gefügt jenem Konzilbeschluß, der auf dem achten ökumenischen Konzil im Jahre 869 in Konstantinopel gefaßt wurde, wo gewissermaßen der Geist abgeschafft worden ist, wo bestimmt worden ist, daß die menschliche Seele zwar einzelne geistige Eigenschaften habe, daß der Mensch aber nur aus Leib und Seele bestehe, nicht aus Leib, Seele und Geist. Unter dem, was da als Weltanschauung über die zivilisierte Welt sich ausbreitete, konnte sich eben — weil zurückgehalten wurden die Forderungen des Geistes - in dem ganzen Betrieb des geistigen Lebens dasjenige entwickeln, was nicht vom Geiste bestimmt ist.

[ 10 ] First of all, humanity senses that things cannot continue as they have up to now when it comes to spiritual matters—to the order of spiritual matters. This is simply because, despite all the materialism—which is very much in the style I discussed yesterday in my public lecture—there is a filtered spirituality present in the abstractions to which people today devote themselves, the proletariat, for example, more than anyone else. Even though this seems to be based most of all on “realities,” “relations of production,” and the like, it indulges in spiritual abstractions and can thus never arrive at any structures that grasp reality. People feel they must hold fast to something spiritual, and the spiritual must also be present in order to intervene in social life, to form the social structure of the social organism, which is, after all, animated by human beings. What, fundamentally speaking, has shaped the structure of our social organism right up to the present day? The spirit? No, I don’t think it is the spirit. If, for example, I inherit a large estate from my father, that is something other than the spirit; it is a natural connection—it is blood. And it is blood that, together with all sorts of other circumstances that have become entwined with it, can still place a person in a certain position today. This position, in turn, determines how a person stands in spiritual life. He can absorb certain elements of education simply by virtue of being placed in a certain social position as a result of old circumstances that stem largely from blood ties. Deep down, humanity initially perceives this in relation to spiritual life as something that can no longer be tolerated. Instinctively, humanity feels: Instead of everything being determined by blood, as it has been since time immemorial, the spirit must have a say in social institutions in the future. After all, hasn’t the Church, in order to be a partner in what has [in this way in the past] and which can no longer be tolerated today, the Church had to acquiesce to that conciliar decision adopted at the Eighth Ecumenical Council in Constantinople in 869, where, so to speak, the spirit was abolished, where it was determined that although the human soul possesses certain spiritual qualities, human beings consist only of body and soul, not of body, soul, and spirit. Amid what spread throughout the civilized world as a worldview—precisely because the demands of the spirit were suppressed—what is not determined by the spirit was able to develop within the entire fabric of spiritual life.

[ 11 ] Und heute will der Mensch aus seinem tiefsten Innern heraus, daß der Geist mitspreche bei der Bestimmung der sozialen Struktur. Das kann aber nur geschehen, wenn das Geistesleben nicht mehr ein Anhängsel des aus alten Blutseroberungen hervorgegangenen Staates bleibt, sondern wenn das Geistesleben auf sich selbst gestellt wird, wenn das Geistesleben nur nach den Impulsen, die in ihm selbst liegen, wirkt. Dann kann man bei den führenden Menschen in diesem Geistesleben voraussetzen, daß sie das, was ihnen obliegt — wir werden gleich von einigem weiteren sprechen, was ihnen obliegt; in den «Kernpunkten» ist ja vieles angeführt -, nämlich die Menschen in die soziale Struktur hineinzuführen nach Erkenntnissen der Begabungen, des Fleißes und so weiter, daß sie das wirklich ohne Gesetze, rein durch die Erkenntnisse naturgemäßer Verhältnisse tun. Und man wird sagen müssen: Auf dem Gebiete des Geisteslebens, das für sich dastehen und aus seinen eigenen Impulsen wirken wird, da werden die Erkenntnisse des Tatsächlichen dasjenige sein, was bestimmend wirkt. Sagen wir also kurz: Das Geistesleben, der geistige Teil des sozialen Organismus, fordert als sein Recht Erkenntnisse [der tatsächlichen Kräfte], die aber Tatkraft-Erkenntnisse sind.

[ 11 ] And today, from the depths of his being, man wants the spirit to have a say in determining the social structure. But this can only happen if spiritual life ceases to be an appendage of the state that arose from ancient conquests based on blood ties, and instead stands on its own, acting solely according to the impulses inherent within it. Then one can assume that the leading figures in this spiritual life will carry out what is incumbent upon them—we will speak shortly of some further aspects of what is incumbent upon them; as much of this is, after all, outlined in the “Key Points”—namely, to guide people into the social structure based on an understanding of their talents, diligence, and so on—that they do this truly without laws, purely through an understanding of natural relationships. And one will have to say: In the realm of spiritual life, which will stand on its own and act from its own impulses, it is the knowledge of reality that will be the determining factor. So let us say briefly: Spiritual life, the spiritual part of the social organism, demands as its right a knowledge [of actual forces], which is, however, a knowledge based on active power.

[ 12 ] Sehen wir jetzt nach dem zweiten Gliede des sozialen Organismus, nach dem Rechts- oder Staatsgliede. Da kommen wir schon in etwas hinein, was gewissermaßen nicht so unterliegt dem Außerweltlichen wie das Geistesleben. Meine sehr verehrten Anwesenden, bis in die tatsächlichsten Verhältnisse hinein ist ja unser ganzer sozialer Organismus, insofern das Geistige in ihm wirkt, gebunden an das, was mit jeder neuen Generation erscheint, ja, was mit jedem neuen Menschen aus unbestimmten Tiefen in den sozialen Organismus neue Kräfte hineinführt. Nehmen Sie den jetzigen Zeitpunkt. Dürfen Sie irgendwie aus den Verhältnissen der jetzigen Zeit heraus, wenn Sie es ehrlich mit der Menschheit meinen, irgendeine Organisation einrichten, welche in einer ganz bestimmten Weise das Zusammenleben der Menschen bestimmt? Nein, das dürfen Sie nicht! Denn mit jedem einzelnen Menschen werden neue Kräfte aus unbekannten Tiefen heraus geboren; die haben wir zu erziehen, und wir haben zu warten, was sie hineintragen in das Leben. Wir haben nicht dasjenige, was da durch die geistigen Anlagen in das Leben getragen wird, zu tyrannisieren durch etwa schon bestehende Gesetze oder eine schon bestehende Organisation; wir müssen dasjenige, was uns hineingetragen wird aus geistigen Welten, unbefangen empfangen, wir dürfen es nicht tyrannisieren und dogmatisieren durch dasjenige, was schon da ist. Daher brauchen wir ein solches Glied des sozialen Organismus, das ganz aus der Freiheit heraus, aus der Freiheit der immer neu in die Menschheit hereingeborenen menschlichen Anlagen heraus wirkt.

[ 12 ] Let us now turn to the second member of the social organism, the legal or state member. Here we are already entering into something that, in a sense, is not as subject to the extra-worldly as the spiritual life. Ladies and gentlemen, right down to the most concrete circumstances, our entire social organism—insofar as the spiritual is at work within it—is bound to what emerges with each new generation, indeed, to what each new human being brings into the social organism from indeterminate depths as new forces. Take the present moment, for example. If you are sincere in your concern for humanity, can you, based on the circumstances of the present time, establish any kind of organization that determines human coexistence in a very specific way? No, you cannot! For with every single human being, new forces are born from unknown depths; we must nurture them, and we must wait to see what they bring into life. We must not tyrannize what is brought into life through spiritual endowments by means of, say, existing laws or an existing organization; we must receive impartially what is brought to us from the spiritual worlds; we must not tyrannize or dogmatize it through what already exists. That is why we need a component of the social organism that acts entirely out of freedom—out of the freedom of the human faculties that are constantly being born anew into humanity.

[ 13 ] Das zweite Glied des sozialen Organismus, das staatlich-rechtliche Leben, das ist schon etwas weniger abhängig von dem, was da hereinkommt aus geistigen Welten. Denn es betätigen sich, wie wir wissen, auf dem Gebiet des Rechtslebens, des Staatslebens die mündig gewordenen Menschen. Und, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn wir mündig geworden sind, hat uns eigentlich schon ergriffen ein großes Maß von Durchschnittlichkeit. Da hat gewissermaßen das Nivellement des Philisteriums uns ins Genick geschlagen. Und insofern wir als mündig gewordene Menschen alle gleich sind, sind wir schon - das soll gar nicht in schlimmem Sinne gesagt werden - in einem gewissen Sinne ein bißchen in den Scheuledern der Philistrosität drinnen. Wir sind in dem drinnen, was man regeln kann durch Gesetze.

[ 13 ] The second member of the social organism—the life of the state and law—is already somewhat less dependent on what comes in from the spiritual worlds. For, as we know, it is people who have reached maturity who are active in the realm of legal life and state life. And, ladies and gentlemen, once we have come of age, a great deal of mediocrity has already taken hold of us. In a sense, the leveling effect of philistinism has caught up with us. And insofar as we, as people who have come of age, are all the same, we are already—and this is not meant in a negative sense—in a certain sense a little caught up in the clutches of philistinism. We are caught up in that which can be regulated by laws.

[ 14 ] Sie werden aber sagen: Ja, wir können doch nicht alles geistige Leben von den Kindern abhängig machen; da muß doch auch die geistige Anlage, die geistige Fähigkeit und der geistige Fleiß über das Mündigkeitsalter hinausgehen. — Im Grunde genommen nicht, so paradox das klingt. Denn unsere über das Durchschnittsmaß hinausgehenden Fähigkeiten, wenn wir über die zwanziger Jahre hinausgekommen sind, die beruhen gerade darauf, daß wir uns das zeigt uns die ernste geisteswissenschaftliche Forschung auf Schritt und Tritt -—, daß wir uns bewahrt haben, was wir in der Kindheit als Anlage und so weiter gehabt haben. Und das größte Genie ist derjenige Mensch, der sich am meisten in die dreißiger, vierziger, fünfziger Jahre hineinträgt die Kräfte der Kindlichkeit. Man übt dann nur diese Kräfte der Kindlichkeit mit dem reifen Organismus, der reifen Seele und der reifen Geistigkeit aus, aber es sind die Kräfte der Kindlichkeit. Unsere Kultur hat ja nun leider die Eigentümlichkeit, daß sie diese Kräfte der Kindlichkeit schon durch die Erziehung möglichst totschlägt, so daß bei einer möglichst geringen Anzahl von Menschen die kindlichen Eigentümlichkeiten bis in das philiströse Alter hinein bleiben und die Menschen entphilistern. Denn eigentlich beruht alles Nicht-Philister-Sein darauf, daß einen die bewahrten Kindheitskräfte eben gerade entphilistern, daß sie durchschlagen durch das spätere Philistertum.

[ 14 ] But you will say: Well, we can’t make all intellectual life dependent on children; surely intellectual aptitude, intellectual ability, and intellectual diligence must extend beyond the age of majority. — Strictly speaking, no, as paradoxical as that may sound. For our abilities that exceed the average—once we have passed our twenties—are based precisely on the fact that, as serious research in Spiritual Science shows us at every turn, we have preserved what we possessed in childhood as predispositions and so on. And the greatest genius is the person who carries the forces of childhood into their thirties, forties, and fifties to the greatest extent. One then exercises only these forces of childhood with a mature organism, a mature soul, and a mature spirit, but they are the forces of childhood. Unfortunately, our culture has the peculiarity of stifling these powers of childlikeness as much as possible through education, so that in as few people as possible, the childlike qualities remain even into philistine adulthood and liberate people from philistinism. For in fact, everything that constitutes non-philistinism is based on the fact that the preserved forces of childhood are precisely what free one from philistinism—that they break through the later philistinism.

[ 15 ] Weil da aber nun etwas auftritt, was nicht gegenüber den gegenwärtigen Bewußtseinsbedürfnissen der Menschheit fortwährend erneuert werden muß, können in der neueren Zeit die Verhältnisse des Rechts- und Staatslebens ja nur auf demokratischem Boden durch Gesetze geregelt werden. Gesetze sind nicht Erkenntnisse. Bei Erkenntnissen müssen wir immer uns der Wirklichkeit gegenüberstellen, und aus der Wirklichkeit heraus müssen wir durch Erkenntnisse den Impuls zu dem bekommen, was wir tun sollen. So ist es bei der Erziehung und auch bei allem anderen, von dem ich gezeigt habe in den «Kernpunkten», daß es von dem geistigen Gliede des sozialen Organismus ausgehen muß. Bei Gesetzen, wie ist es denn da? Gesetze werden gegeben, damit das staatlich-politische Leben, das Rechtsleben, bestehen kann. Aber man muß warten, bis einer nötig hat, im Sinne eines Gesetzes zu handeln, erst dann muß er sich um dieses Gesetz kümmern. Oder man muß warten mit der Anwendung des Gesetzes, bis einer es übertritt. Kurz, es ist immer etwas da, das Gesetz, aber erst für den Fall, der eventuell eintreten kann. Immer ist das Wesen der Eventualität vorhanden, der casus eventualis. Das ist etwas, was immer dem Gesetz zugrundeliegen muß. Man muß warten, bis man mit den Gesetz etwas machen kann. Das Gesetz kann da sein; wenn es nicht einschlägt in meine Sphäre, dann interessiert mich das Gesetz nicht. Es gibt ja heute viele Menschen, die glauben, daß sie sich für das Gesetz im allgemeinen interessieren, aber es ist doch so, wie ich es jetzt angedeutet habe - wenn einer ehrlich ist, muß er das zugeben. Also: das Gesetz ist etwas, was da ist, was aber auf die Eventualität hin arbeiten muß. Das ist dasjenige, was nun zugrundezuliegen hat dem rechtlichen, dem staatlichen, dem politischen Teil des dreigegliederten Organismus.

[ 15 ] But since something has now emerged that does not need to be continually renewed in light of humanity’s current needs of consciousness, in modern times the conditions of legal and political life can only be regulated by laws on a democratic foundation. Laws are not insights. With insights, we must always confront reality, and from reality we must derive, through these insights, the impulse for what we are to do. This is true of education and also of everything else that I have shown in *The Key Points* must originate from the spiritual member of the social organism. But what about laws? Laws are enacted so that political and legal life can exist. Yet one must wait until someone needs to act in accordance with a law; only then must they concern themselves with that law. Or one must wait to apply the law until someone violates it. In short, the law is always there, but only for the eventuality that may arise. The essence of contingency—the *casus eventualis*—is always present. This is something that must always underlie the law. One must wait until one can do something with the law. The law may be there; if it does not affect my sphere, then I am not interested in the law. After all, there are many people today who believe they are interested in the law in general, but it is just as I have now indicated—if one is honest, one must admit this. So: the law is something that exists, but it must work toward eventuality. This is what must now underlie the legal, the state, and the political aspects of the threefold organism.

[ 16 ] Beim wirtschaftlichen Gliede kommt man mit dem Gesetz nicht aus, denn es reicht nicht aus, Gesetze bloß zu geben etwa darauf, ob einem aus diesen oder jenen Verhältnissen das oder jenes in einer bestimmten Weise geliefert werden soll. Da kann man nicht auf Eventualitäten hin arbeiten. Da tritt ein drittes neben der Erkenntnis und neben dem Gesetz auf, das ist der Vertrag, der bestimmte Vertrag, der geschlossen wird zwischen denen, die wirtschaften — den Korporationen und den Assoziationen -, der nicht wie das Gesetz auf das Eventuelle hin arbeitet, sondern der auf das ganz bestimmte Erfülltwerden hin arbeitet. Ebenso wie die Erkenntnis im geistigen Leben und wie das Gesetz im staatlich-politisch-rechtlichen Leben herrschen muß, so muß herrschen der Vertrag, das Vertragswesen in all seinen Verzweigungen im Wirtschaftsleben. Das Vertragswesen, das nicht auf Eventualität, sondern auf Verbindlichkeit hin vorhanden ist, das ist dasjenige, was bewirken muß alles das, was Sie in den «Kernpunkten» geschildert finden als das dritte Glied des sozialen Organismus.

[ 16 ] In the economic sphere, the law alone is not enough, for it is not sufficient merely to enact laws—for example, regarding whether this or that should be provided in a certain way under these or those circumstances. One cannot operate on the basis of contingencies. Here, a third element emerges alongside knowledge and the law: the contract—the specific contract concluded between economic actors—corporations and associations—which, unlike the law, does not operate on the basis of contingencies but rather aims at a very specific fulfillment. Just as knowledge must prevail in spiritual life and the law in political and legal life, so must the contract—the contractual system in all its ramifications—prevail in economic life. The contractual system, which exists not for the sake of contingency but for the sake of binding obligation—this is what must bring about everything you find described in the “Key Points” as the third member of the social organism.

[ 17 ] Wir können also sagen, wir haben da drei anschauliche Gesichtspunkte, aus denen heraus wir verstehen können, wie dem Wesen nach diese drei Glieder sein müssen. Alles, was im Leben unterliegt den Erkenntnissen, das muß verwaltet werden auf dem freien Boden des geistigen Gliedes. Alles, was im Leben in Gesetze eingespannt werden kann, gehört dem Staate an. All das, was dem verbindlichen Vertrag unterliegt, muß dem Wirtschaftsleben eingefügt werden.

[ 17 ] We can therefore say that we have three clear perspectives from which we can understand what these three elements must be like in essence. Everything in life that is subject to knowledge must be administered on the free ground of the spiritual element. Everything in life that can be governed by laws belongs to the state. Everything that is subject to a binding contract must be integrated into economic life.

[ 18 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, wenn die Leute glauben, daß dasjenige, was in den «Kernpunkten» ausgeführt worden ist, ein paar ausspintisierte Ideen sind, so irren sie sich gar sehr. Über das, was in den «Kernpunkten» ausgesprochen ist, kann man immerfort reden von den allerverschiedensten Gesichtspunkten aus, weil es aus dem Leben entnommen ist. Und das Leben können Sie so schildern, wie es bei einem Baum ist, den man photographiert: von der einen Seite hat man diesen Aspekt, von einer zweiten Seite einen anderen, von einer dritten, vierten Seite gibt es wieder ein anderes Bild und so weiter. Das ist das Eigentümliche: Wenn etwas aus dem Leben ist, wenn es nicht bloß eine vertrackte Utopie oder eine vertrackte Idee ist, sondern wirklich aus dem Leben, so kann man immer neue Gesichtspunkte finden, weil das Leben mannigfaltig reich in seinem Inhalte ist. [Mit dieser Mannigfaltigkeit des Lebens rechnet die Dreigliederung.] Man kann im Grunde genommen nicht auslernen, [überall in dieser Vielfalt] die Notwendigkeiten der Dreigliederung des sozialen Organismus zu sehen. Sie ist aber nicht irgend etwas Unbestimmtes, Nebuloses, sondern etwas, was in die schärfsten Begriffe gefaßt werden kann, wie ich sie Ihnen heute wieder zeigte mit Bezug auf Erkenntnis, Gesetz und Vertrag.

[ 18 ] Ladies and gentlemen, if people believe that what has been set forth in the “Key Points” is just a few far-fetched ideas, they are very much mistaken. One can always discuss what is expressed in the “Key Points” from a wide variety of perspectives, because it is drawn from life. And you can describe life in the same way as a tree being photographed: from one side you see one aspect, from a second side another, from a third and fourth side yet another image, and so on. That is the peculiar thing: when something comes from life—when it is not merely a convoluted utopia or a convoluted idea, but truly drawn from life—one can always find new perspectives, because life is richly diverse in its content. [This diversity of life is what the threefold social order takes into account.] Essentially, one can never stop learning to see [throughout this diversity] the necessities of the threefold structure of the social organism. Yet it is not something vague or nebulous, but rather something that can be expressed in the sharpest terms, as I have shown you again today with regard to knowledge, law, and contract.

[ 19 ] Nun handelt es sich darum, daß man sich sagt: Man muß in Richtung der Dreigliederung hinarbeiten, und man kann aus den gewöhnlichen realen Verhältnissen heute in der Richtung arbeiten, die gegeben ist dadurch, daß man nun endlich diesen sozialen Organismus in drei miteinander in Wechselwirkung stehende Verwaltungs-Unterorganismen zerlegt. Und man muß endlich sehen, daß alle Antworten, die man sich gibt aus alten Verhältnissen heraus und die eigentlich nur hinauslaufen auf eine Umgestaltung der alten Verhältnisse, heute überholt sind. Wenn daher die Bodenreformer sagen, derjenige, dessen Bodenbesitztum sich ohne sein Verdienst, ohne seine Arbeit an Wert gesteigert hat, der müsse einen so und so großen Teil als Steuertaxe dem Staate abliefern, so rechnen sie da mit der alten Form des Staates. Man denkt gar nicht daran, daß auch dieser Staat reformiert werden muß. Man denkt nicht daran, daß er bloß das eine Glied des sozialen Organismus sein kann. Das ist das Eigentümliche, daß selbst die radikalsten Reformer der Gegenwart sich eigentlich nicht denken können, daß aus den Tiefen der sozialen Menschheitsverhältnisse heraus etwas neu gestaltet werden muß. Und sie können sich nicht denken, daß man nicht alles, was heute erreicht werden muß, erreichen kann, wenn man doch wiederum das, um was es sich handeln müßte, hineinpreßt in die alten Formen. Der Staat bleibt ja doch, auch wenn er in seinen Säckel einsteckt, was er den Bodenspekulanten abnimmt, und es ihnen oder anderen Leuten vielleicht wieder zufließen läßt auf Wegen, die immerhin möglich sind. Prüfen Sie aber dasjenige, was Ihnen aus der Idee der Dreigliederung für die Einrichtung des sozialen Organismus folgt: Wenn Sie im Ernst den Gedanken der Dreigliederung aufnehmen, wenn Sie ernstmachen mit der Anwendung dessen, was der Dreigliederung zugrundeliegt, dann werden Sie finden, daß alles das zur Unmöglichkeit wird, was eben in der Richtung liegt, daß man nur den alten Unfug in eine andere Form gießt.

[ 19 ] The point is that we must tell ourselves: We must work toward this threefold structure, and we can work from today’s ordinary, real conditions in the direction dictated by the fact that we are now finally breaking down this social organism into three interacting administrative sub-organisms. And we must finally recognize that all the answers derived from old conditions—which essentially amount to nothing more than a reorganization of those old conditions—are now obsolete. Therefore, when land reformers say that anyone whose land has increased in value through no merit of their own and without their labor must pay a certain percentage to the state as a tax, they are basing their calculations on the old form of the state. They do not even consider that this state, too, must be reformed. They do not consider that it can be merely one link in the social organism. This is the peculiar thing: even the most radical reformers of the present day cannot really conceive that something new must be shaped from the depths of humanity’s social conditions. And they cannot conceive that not everything that must be achieved today can be achieved if, once again, what should be the focus is forced into the old forms. After all, the state remains the same, even if it puts into its coffers what it takes from the land speculators and perhaps allows it to flow back to them or to other people through channels that are, after all, possible. But consider what follows from the idea of threefolding for the organization of the social organism: If you seriously take up the idea of threefolding, if you get serious about applying what underlies threefolding, then you will find that everything that amounts to merely casting the old nonsense into a different form becomes impossible.

[ 20 ] Denn, was ist eigentlich Grund und Boden? Sehen Sie, Grund und Boden ist ja ganz offensichtlich ein Produktionsmittel. Mit dem Grund und Boden produzieren wir. Aber er ist ein Produktionsmittel anderer Art als die anderen Produktionsmittel. Die anderen Produktionsmittel müssen wir uns erst durch menschliche Arbeit zubereiten, und Grund und Boden ist, wenigstens der Hauptsache nach, da, ohne daß er erst von den Menschen zubereitet wird. Daher kann man sagen: Die Produktionsmittel gehen zunächst den Weg der Ware; dann, wenn sie fertig sind, wenn sie übergeben sind ihrer Aufgabe, dann sind sie nicht mehr Ware. Das haben wir ja wiederholt hervorgehoben - auch ich selber habe es ja von diesem Platze öfter betont -: Produktionsmittel dürfen nur solange im wirtschaftlichen Zirkulationsprozesse Ware sein, bis sie fertig sind und dem volkswirtschaftlichen Leben übergeben werden. Was sind sie dann nachher? Dann sind sie etwas, was unterliegt dem politischen oder Staatsleben, der Demokratie, und zwar mit Bezug auf die Arbeit, die die Menschen durch diese Produktionsmittel zu leisten haben, indem sie als mündige Menschen miteinander auskommen müssen. Die Produktionsmittel sind etwas, was unterliegt dem Staatsleben, indem sie übergehen von dem einen auf den anderen, so daß immer derjenige, der die Produktionsmittel gebraucht, sie wirklich auch hat. Aber sie sind auch etwas, was unterliegt den Einrichtungen der geistigen Arbeit. Denn nicht aus alten Erbschaftsverhältnissen heraus, sondern aus den Einrichtungen des geistigen Lebens [muß in der Zukunft] nun durch Erkenntnis — wie es das moderne Bewußtsein allein ertragen kann - [bestimmt werden], wie das Produktionsmittel, wenn einer es nicht mehr bearbeitet, an denjenigen übergeht, der durch seine Anlagen und Fähigkeiten das Produktionsmittel weiter versorgen kann. So kann man sagen: Liegt die Dreigliederung dem Leben zugrunde, so sind die Produktionsmittel nur solange Ware, als sie produziert werden. Dann hören sie auf, Ware zu sein und unterliegen den Gesetzen und den Erkenntnissen. Durch Gesetze und Erkenntnisse fügen sie sich ein in die soziale Struktur.

[ 20 ] For what, exactly, is land? You see, land is quite obviously a means of production. We use land to produce. But it is a means of production of a different kind than the other means of production. We must first prepare the other means of production through human labor, whereas land—at least for the most part—is already there without first having to be prepared by humans. Therefore, one can say: The means of production initially follow the path of a commodity; then, once they are ready—once they have been put to their intended use—they are no longer commodities. We have repeatedly emphasized this—and I myself have often stressed it from this very podium—: Means of production may only be commodities in the economic circulation process until they are ready and handed over to the national economy. What are they then afterward? Then they are something that is subject to political or state life, to democracy—specifically with regard to the work that people must perform using these means of production, as they must get along with one another as responsible individuals. The means of production are something that fall under the purview of state life, in that they pass from one person to another, so that the one who uses the means of production is the one who truly possesses them. But they are also something that fall under the institutions of intellectual labor. For it is not on the basis of old inheritance arrangements, but rather through the institutions of intellectual life [that must be determined in the future]—by means of insight, as modern consciousness alone can bear it—how the means of production, when someone no longer works with them, pass to the person who, through their aptitudes and abilities, can continue to maintain them. Thus one can say: If the threefold social order underlies life, then the means of production are commodities only as long as they are being produced. Then they cease to be commodities and are subject to laws and insights. Through laws and insights, they become integrated into the social structure.

[ 21 ] Grund und Boden kann nicht produziert werden; er ist also von Anfang an keine Ware. Er unterliegt also niemals dem Prinzip der Ware, über die man Verträge abschließt. Grund und Boden geht also überhaupt das, worüber man Verträge abschließt, nichts an. Er muß allmählich übergeleitet werden in die soziale Struktur so, daß zunächst die Verteilung von Grund und Boden im Hinblick auf die Bearbeitung durch die Menschen eine demokratische Angelegenheit des politischen Staates ist und daß der Übergang vom einen zum anderen eine Angelegenheit des geistigen Gliedes des sozialen Organismus ist. Das lebendige Verhältnis im demokratischen Staate entscheidet darüber, wer an einem Stück Boden arbeitet zugunsten der Menschen. Boden ist niemals Ware. Er ist von Anfang an etwas, was man nicht kaufen und verkaufen kann.

[ 21 ] Land cannot be produced; therefore, it is not a commodity from the outset. It is thus never subject to the principle of the commodity, which is the basis for contractual agreements. Land, therefore, has nothing to do with the very subject matter of contracts. It must be gradually integrated into the social structure in such a way that, first of all, the distribution of land with regard to its cultivation by people is a democratic matter for the political state, and that the transition from one to the other is a matter for the intellectual component of the social organism. The living relationship within the democratic state determines who works a piece of land for the benefit of the people. Land is never a commodity. From the very beginning, it is something that cannot be bought or sold.

[ 22 ] Danach hat man zunächst zu streben, daß man den Boden nicht kaufen und verkaufen kann, sondern daß dasjenige, was den Boden überführt in die Sphäre der Bearbeitung durch einen Menschen, rechtliche und geistige Verhältnisse, rechtliche und geistige Impulse sind. Nur derjenige, der sich diese Gedanken nicht klar macht, kann vermeinen, daß darin irgend etwas Utopisches liege. Denn im Grunde genommen ist es nur eine Umänderung von etwas, was heute [als Mißstand] vorliegt: daß man heute Grund und Boden bezahlt mit dem Geld, das man aus dem Erlöse von Waren hat; das ist keine Wahrheit, das ist eine soziale Lüge. Geld, das als Äquivalent angewendet wird für Grund und Boden, ist nämlich im volkswirtschaftlichen Prozesse etwas anderes als Geld, das angewendet wird als Äquivalent für eine Ware. Und sehen Sie, das ist etwas, was nun so schwer durchschaut wird in dem gegenwärtigen sozialen Chaos. Nehmen Sie einmal an, Sie kaufen Kirschen, so geben Sie dafür Geld. Sie kaufen irgendein Rittergut, so geben Sie dafür auch Geld. Jetzt, wenn die beiden Menschen, die Geld bekommen haben, der eine für Kirschen — eine genügende Menge Geld natürlich, es kommt hier nicht darauf an, ob in dieser Richtung die Sache auch möglich ist - und der andere für sein Rittergut, und wenn die ihr Geld durcheinanderschmeißen, so kann man nicht unterscheiden, welches Geld für die Kirschen und welches für das Rittergut bezahlt wurde. Aber eben dadurch, daß man das nicht unterscheiden kann, wird man in eine verderbliche, furchtbare Illusion geführt. Denn, sehen Sie, wenn ich hier Kreuzchen aufzeichne und dann kleine Kreise und würde diese durcheinanderschmeißen, so würde ich sie doch unterscheiden können.

[ 22 ] Accordingly, the first goal must be to ensure that land cannot be bought or sold, but rather that what brings land into the sphere of human cultivation are legal and intellectual relationships, as well as legal and intellectual impulses. Only those who do not clearly grasp these ideas can believe that there is anything utopian about this. For, fundamentally speaking, it is merely a transformation of something that exists today [as a social injustice]: that today, land is paid for with money derived from the proceeds of goods; that is not the truth—it is a social lie. Money used as an equivalent for land is, in fact, something different in the economic process from money used as an equivalent for a commodity. And you see, this is something that is so difficult to grasp amid the current social chaos. Suppose you buy cherries; you pay money for them. Suppose you buy a manor; you also pay money for it. Now, if the two people who received money—one for cherries (a sufficient amount of money, of course; it doesn’t matter here whether such a transaction is actually possible)—and the other for his manor, were to mix their money together, it would be impossible to distinguish which money was paid for the cherries and which for the manor. But it is precisely because one cannot distinguish between them that one is led into a pernicious, terrible illusion. For, you see, if I were to draw little crosses here and then little circles, and were to mix them all together, I would still be able to tell them apart.

Diagram 1Diagram 1

[ 23 ] Aber wenn ich keinen Sinn hätte für den Unterschied zwischen Kreuzchen und Ringelchen, dann würde ich nicht mehr unterscheiden können, was das eine oder andere ist. Mit anderen Worten: Wenn ich die Kreuzchen und Ringelchen so machen würde, daß ich aus den Kreuzchen Halbkreise und aus den Ringelchen wiederum Halbkreise machen und beides aufzeichnen würde, dann könnte man es nicht mehr unterscheiden. Aber wie ist es in der Wirklichkeit? Sehen Sie, nehmen Sie an, ich bekomme das Kirschengeld, und ich bekomme das Rittergutgeld. Schmeiße ich es durcheinander, dann kann ich ja nicht mehr unterscheiden, welches Geld von dem Rittergut und welches Geld von den Kirschen kommt. Man könnte nun glauben: Geld ist Geld. Das ist aber eben die furchtbare Illusion. Das ist nicht wahr. Im volkswirtschaftlichen Prozeß wirken nämlich die Ringelchen, die vom Rittergut kommen, anders im ganzen menschlichen Leben als die Kreuzchen, die von den Kirschen kommen. Nicht das Geld ist es, das in Wirklichkeit ausmacht, was geschieht, sondern die Nachwirkung, woher das Geld kommt, das ist es. Und darüber wird nun einfach ein Schleier gebreitet; das ist nicht mehr da für die menschliche Beobachtung. Und so bildet das Geld die lebendige Abstraktion. Alles kommt durch einander ohne Differenzierung. Der Mensch ist nicht mehr fähig, bei dem zu sein, wozu er gehört, woran er produziert, woran er arbeitet. Alles kommt durch das Geld durcheinander, wie bei den unklaren Mystikern alles durcheinanderfließt und zu ein paar abstrakten Begriffen wird. Und wie diese abstrakten Begriffe [der Mystiker] nicht zu brauchen sind in unserem Erkenntnisprozeß, so ist auch das nicht zu brauchen, was sich die Menschen vorstellen vom Geld, weil es auch bloß eine Abstraktion ist, eben etwas neben der Wirklichkeit, also nichts, was man im Leben brauchen kann.

[ 23 ] But if I didn't understand the difference between crosses and circles, then I wouldn't be able to tell one from the other anymore. In other words: If I were to draw the crosses and circles in such a way that I turned the crosses into semicircles and the circles into semicircles as well, and then drew both, then it would no longer be possible to tell them apart. But how is it in reality? Look, suppose I receive the money from the cherries, and I receive the money from the manor. If I mix them up, then I can no longer tell which money comes from the manor and which comes from the cherries. One might now think: Money is money. But that is precisely the terrible illusion. It is not true. For in the economic process, the little rings that come from the manor have a different effect on human life as a whole than the little crosses that come from the cherries. It is not the money itself that actually determines what happens, but the aftereffect of where the money comes from—that is what matters. And a veil is simply cast over this; it is no longer there for human observation. And so money forms the living abstraction. Everything becomes intermingled without differentiation. People are no longer able to remain connected to what they belong to, what they produce, or what they work on. Everything becomes jumbled up through money, just as with the obscure mystics, everything flows together and becomes a few abstract concepts. And just as these abstract concepts [of the mystics] are of no use in our process of cognition, so too is the mental image people have of money of no use, because it, too, is merely an abstraction—something separate from reality, and thus nothing that can be used in life.

[ 24 ] Wenn man sich so etwas überlegt, dann ist man sich klar darüber, welch ungeheure konkrete Bedeutung der Grund und Boden hat im Leben der Menschen. Man ist sich klar darüber, wie es niemals darauf ankommen sollte, daß ich ohne Interesse an Grund und Boden der Besitzer des Grund und Bodens bin und nur etwa meine Rente beziehe vom Grund und Boden, alles übrige aber mir gleichgültig ist. Wer das volkswirtschaftlich ordentlich überschaut, weiß, was das heißt: Ich lebe von Grund und Boden, aber im Grunde genommen ist es mir gleichgültig, ob ich von Grund und Boden lebe oder von den Erträgnissen, nun sagen wir, von CriCri- oder Pokerspiel; es ist mir im Grunde das alles ganz gleichgültig, es kommt mir nur darauf an, eine Summe Geld zu erwerben. - Daß es einem gleichgültig ist, wie man eine Summe Geld erwirbt, das kommt nicht so stark in Betracht, wenn es sich darum handelt, daß man sich diese Summe Geld wirklich nur erarbeitet. Wenn man sie aber erhält von etwas, was mit dem Wohl und Wehe, mit dem Schicksal der Menschen, ja mit der ganzen Kulturkonfiguration zusammenhängt, wie es der Grund und Boden tut, wenn man sich so etwas überlegt, dann ist es nicht möglich, daß man diesen Grund und Boden verwandelt in das gleichgültige, abstrakte Geld. Denn gerade Grund und Boden macht notwendig, daß derjenige, der ihn bearbeitet, der mit ihm etwas zu tun hat und der dasjenige, was vom Grund und Boden abhängt, in den volkswirtschaftlichen Prozeß} überführt - das ist ja nicht das Geld, das er einbringt, sondern die Frucht, die darauf gedeiht -, daß der [wirklich ganz] dabei ist.

[ 24 ] When one thinks about something like this, it becomes clear just how immense and concrete the significance of land is in people’s lives. One realizes that it should never be the case that I am the owner of land without any interest in it, merely collecting my rent from the land while remaining indifferent to everything else. Anyone who has a proper grasp of the economy knows what that means: I make my living from land, but fundamentally, it makes no difference to me whether I make my living from land or from the proceeds of, say, playing CriCri or poker; fundamentally, it’s all the same to me—all that matters is acquiring a sum of money. - The fact that one is indifferent to how one acquires a sum of money is not such a major consideration when it is a matter of actually earning that sum of money through one’s own labor. But if one receives it from something connected to the welfare and misfortune, to the fate of human beings, indeed to the entire cultural configuration—as land is—when one considers such a thing, then it is not possible to transform this land into indifferent, abstract money. For it is precisely land that necessitates that the person who works it, who has a stake in it, and who transfers what depends on the land into the economic process—which, after all, is not the money it yields, but the fruit that thrives upon it—be [truly and fully] involved in it.

[ 25 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, Grund und Boden ist ja innerhalb seines Gebietes durchaus nicht zu verwalten nach denjenigen volkswirtschaftlichen Kategorien, die sich nun einmal in der neueren Zeit herausgebildet haben. Bitte rechnen Sie bloß aus, wenn jemand auf seinem Gute mit dem Dünger düngt, der sich von selbst ergibt von seinem Vieh - rechnen Sie sich aus, wie man dazu kommen soll, nun eine Wertangabe zu machen über diesen Dung, wie man feststellen soll den Marktwert des Düngers, etwa, was der Dünger wert wäre, wenn er irgendwelche Märkte der Städte verstänkerte. Es ist das nur ein drastisches Beispiel. Wenn Sie den Gedankengang zu Ende führen, dann werden Sie finden, daß es ein gewaltiger Unterschied ist in der ganzen Art und Weise, wie sich dem volkswirtschaftlichen Prozeß das einfügt, was auf einem Gute entsteht. Man vergleiche einmal die Art und Weise, wie ein Gut wirkt, welches der sogenannten Selbstbewirtschaftung unterliegt, das heißt, wo derjenige, der auf dem Gute, sei es einem kleinen oder großen Gute, tatsächlich die Versorgung des Gutes aus seinen Fähigkeiten heraus als seine eigenste Angelegenheit betrachtet, und man vergleiche das mit der Art und Weise, wie ein Gut wirkt und wirken muß, welches nur darauf gestellt ist, das möglichste an Geldertrag zu ziehen, was man herausschinden kann. Aber so, wie wir heute im öffentlichen Leben stehen, müssen ja die Dinge sich ausgleichen, das heißt, derjenige, der Selbstbewirtschafter ist, kann nicht anders als sich anpassen demjenigen, der das Gut verpachtet und nur die Rente daraus bezieht. So wird dadurch, daß angepaßt wird das, was aus dem Konkreten hervorgeht — und aus dem Konkreten geht beim Gute, beim Grund und Boden dasjenige hervor, wie die einzelnen Produkte gegeneinander sich tragen müssen, wie das eine das andere unterstützen muß; das ist bei der Selbstbewirtschaftung aus ganz anderen Motiven heraus taxiert, als wenn die Dinge nur auf den Geldmarkt gebracht werden -, so wird nach und nach das, was aus dem Konkreten hervorgeht, die Selbstbewirtschaftung, abhängig von dem, was ganz abstrakte Geldverhältnisse sind. Das ist ja auch schon geschehen, deshalb haben wir heute die unnatürlichen Verhältnisse. Grund und Boden, die keine Ware sein können, werden zur Ware gemacht; dadurch wird eine reale Lüge in das Leben eingeführt. Es ist nicht bloß das, was gesagt wird, verlogen, auch das, was geschieht, ist verlogen. Sobald man Grund und Boden als Ware betrachtet, das heißt, sobald man ihn kaufen und verkaufen kann, lügt man durch seine Taten.

[ 25 ] Ladies and gentlemen, land within a given territory certainly cannot be managed according to the economic categories that have emerged in recent times. Just try to figure this out: if someone fertilizes their estate with manure produced naturally by their livestock—try to figure out how one is supposed to assign a value to this manure, how one is supposed to determine the market value of the fertilizer—for example, what the manure would be worth if it were sold on some urban market. This is merely a dramatic example. If you follow this line of reasoning to its conclusion, you will find that there is a tremendous difference in the very way in which what is produced on an estate fits into the economic process. Let us compare the way an estate operates that is subject to so-called self-management, that is, where the person managing the property—be it a small or large one—actually regards the management of the property, based on his own abilities, as his own personal responsibility, and compare that with the way a property functions—and must function—when it is geared solely toward extracting as much financial profit as can be squeezed out of it. But given the state of public life today, things must inevitably balance out; that is to say, the self-manager has no choice but to adapt to the person who leases the property and derives only a rental income from it. Thus, as what emerges from the concrete reality is adapted—and in the case of property, of land, what emerges from the concrete reality is how the individual products must support one another, how one must sustain the other; which, in the case of self-cultivation, is assessed on the basis of entirely different motives than when things are merely brought onto the money market—thus, little by little, what arises from the concrete reality—self-cultivation—becomes dependent on what are entirely abstract monetary relations. This has, in fact, already happened; that is why we have these unnatural conditions today. Land, which cannot be a commodity, is turned into a commodity; thereby, a real lie is introduced into life. It is not merely what is said that is false; what happens is also false. As soon as one regards land as a commodity—that is, as soon as one can buy and sell it—one lies through one’s actions.

[ 26 ] Wenn man aber die Dreigliederung des sozialen Organismus hat, kann man Grund und Boden nicht kaufen und verkaufen. Die [rechtlichen] Verhältnisse, durch die Grund und Boden von dem einen auf den anderen übergeht, unterliegen den staatlichen Gesetzen, die nichts mit dem Kauf und Verkauf von Waren zu tun haben. Die Bestimmung darüber, wie [im Einzelfall] Grund und Boden von einem auf den anderen Menschen übergeht, unterliegt dem geistigen Gliede des sozialen Organismus, das nichts zu tun hat mit Vererbung und Blutsverwandschaft, sondern mit solchen Dingen, wie ich sie in den «Kernpunkten» geschildert habe. So sehen Sie, man braucht nur richtig zu verstehen dasjenige, was Dreigliederung ist, und wenn man sich in diese Richtung begibt, so begibt man sich auf den Weg zur Lösung der sozialen Frage.

[ 26 ] However, once the threefold social order is in place, land cannot be bought and sold. The [legal] relationships through which land passes from one person to another are governed by state laws that have nothing to do with the buying and selling of goods. The determination of how [in individual cases] land passes from one person to another is governed by the spiritual element of the social organism, which has nothing to do with inheritance or blood kinship, but rather with the kinds of things I have described in the “Key Points.” So you see, one need only truly understand what the threefold social order is, and when one moves in this direction, one sets out on the path to solving the social question.

[ 27 ] Was will Damaschke? Er nimmt sich die Bodenfrage vor, er denkt darüber nach, und aus dem Nachdenken heraus soll die Bodenfrage gelöst werden. Meine sehr verehrten Anwesenden, aus dem Nachdenken heraus werden gar keine realen Dinge gelöst. Ich möchte bloß einmal wissen, wie Sie aus dem Nachdenken heraus Zucker zerschlagen, Holz hacken oder dergleichen wollen oder wie Sie aus dem Nachdenken heraus essen wollen. Ebensowenig, wie man aus dem Nachdenken heraus Zucker zerschlagen oder essen kann, ebensowenig kann man aus dem Nachdenken heraus die Bodenfrage lösen. Man kann nur sagen: Der Boden steht ja heute in bestimmten menschlichen Verhältnissen drinnen. Denken wir uns nun dasjenige, was Menschen aus ihrem besten Können heraus in dem sozialen Organismus tun, einlaufend in die Impulse von der Dreigliederung, dann lösen die Tatsachen, die dadurch entstehen, daß man sich dieser Dreigliederung widmet, die Bodenfrage nicht bloß in Gedanken, sondern [in praktischer Weise] gerade so, wie das Messer den Zucker zerschlägt, wie die Hacke das Holz zerhackt. Ebenso löst die Dreigliederung die Bodenfrage, indem der Boden einfach sich so einfügen wird in den dreigliedrigen Organismus, daß er nicht mehr - wie heute - als eine Ware behandelt wird. Er wird nicht mehr in ungerechtfertigter Weise in der Blutsverwandtschaft weitergehen, sondern allein dem unterliegen, was heute der Mensch als das einzig Erträgliche fühlt: daß der Übergang des Grund und Bodens von dem einen auf den anderen aus geistigen Erkenntnissen heraus geschieht, also aus dem Impuls des geistigen Gliedes des sozialen Organismus.

[ 27 ] What does Damaschke want? He takes on the land question, he thinks about it, and he believes the land question should be solved through reflection. Ladies and gentlemen, no real problems are solved through reflection alone. I’d just like to know how you intend to crush sugar, chop wood, or do anything of the sort through thinking alone—or how you intend to eat through thinking alone. Just as one cannot crush sugar or eat through thinking alone, one cannot resolve the land question through thinking alone either. One can only say: Land is, after all, embedded in certain human relationships today. Now let us imagine what people do to the best of their ability within the social organism, in harmony with the impulses of the threefold order; then the facts that arise from devoting oneself to this threefold order will solve the land question not merely in thought, but [in a practical way] just as the knife breaks up the sugar, just as the axe chops the wood. Likewise, the threefold social order resolves the land question by ensuring that land will simply fit into the threefold social organism in such a way that it is no longer—as it is today—treated as a commodity. It will no longer be passed down unjustifiably through blood ties, but will be subject solely to what people today feel is the only tolerable arrangement: that the transfer of land from one person to another takes place on the basis of spiritual insights, that is, out of the impulse of the spiritual element of the social organism.

[ 28 ] Sie sehen, nicht durch Programme, nicht durch irgendwelche abstrakte oder utopistische Begriffe, also nicht in ähnlicher Weise, wie das Damaschke mit der Bodenfrage tut, soll die Bodenfrage von der Dreigliederung gelöst werden, sondern so, daß man sagt: Wie vertrackt auch die heutigen Bodenverhältnisse sein mögen, widmet euch der Dreigliederung, führt die Tatsachen der Dreigliederung hinein ins soziale Leben, [greift die Dinge auf], die in der Richtung dieser Dreigliederung liegen; was dann geschieht, das führt den Grund und Boden in für die Menschen segensreiche Verhältnisse — soweit auf Erden überhaupt etwas segensreich sein kann. Dreigliederung will nicht durch Gedanken die brennenden Fragen lösen, sondern durch Tatsachen, in die sich die Menschen versetzen, wenn sie sich solchen Gedanken widmen, die von ihnen selber abhängen, und nicht solchen Gedanken, die mit alten Traditionen fortarbeiten. Es ist etwas anderes, wenn man sagt, man versucht zu wirken in der Richtung der Dreigliederung, oder wenn man sagt, der Staat ist ein braver Mensch, der kann alles, der macht alles recht. Durch die Dreigliederung löst sich die Bodenfrage, indem der Boden des Charakters der Ware, in den er so hineingesaust ist, entkleidet wird; der Staat verhindert nicht [die ungerechte Verteilung des Bodens], er rationiert bloß; er ist es, der die Ämter einsetzt, um die Wohnungen zu besetzen, er ist es, der feststellt, wieviel jeder haben darf, er ist es, der das Hamstern verhindert — das darf nicht mehr sein!

[ 28 ] You see, the land question is not to be resolved through programs, nor through any abstract or utopian concepts—that is, not in the same way that Damaschke approaches the land question—but rather by saying: No matter how complicated today’s land relations may be, devote yourselves to the threefold order, bring the realities of the threefold order into social life, [take up the matters] that lie in the direction of this threefold order; what then happens will lead land and property into conditions that are a blessing for human beings—insofar as anything on earth can be a blessing at all. Threefold social order does not seek to resolve burning issues through ideas, but through actions that people undertake when they devote themselves to ideas that depend on them, rather than to ideas that merely carry on old traditions. It is one thing to say that one is trying to work toward the threefold social order, and quite another to say that the state is a good person who can do everything and does everything right. Through the threefold social order, the land question is resolved by stripping land of the commodity character into which it has been so swept up; the state does not prevent [the unjust distribution of land]; it merely rations it; it is the state that appoints officials to allocate housing; it is the state that determines how much each person is allowed to have; it is the state that prevents hoarding—that must no longer be allowed!

[ 29 ] Nicht wahr, man könnte sagen, es ist ja ganz in der Ordnung, wenn die Menschen so denken, wie es Morgenstern [in einem Gedicht] angedeutet hat. Da wird einer vom Auto überfahren. Er wird krank nach Hause gebracht. Palmström — so heißt der Mann — hüllt sich in feuchte Tücher ein, er leidet, aber er gibt sich nicht seinen Schmerzen hin, denn er ist ein guter Staatsbekenner. Er findet in den Gesetzbüchern: Da, an der Stelle, wo ich überfahren worden bin, darf ja gar kein Auto fahren; also kann dort gar kein Auto gefahren sein, denn das widerspräche den Gesetzen, und da es den Gesetzen widerspricht, so bin ich eben nicht überfahren worden, denn: was nicht sein kann, das darf auch nicht geschehen sein. — Sehen Sie, ungefähr in dieser Art ist es, wenn man heute das, was in der Wirklichkeit wurzelt, so reformieren will, daß man sagt: Wenn sich der Bodenwert in unbestimmter Weise steigert, wird das dem Staat überliefert, der weiß dann schon zu verhindern, daß gehamstert wird -— denn Hamstern kommt nicht vor, wenn der Staat gesprochen hat. Es ist verboten, also gibt es das nicht.

[ 29 ] Isn’t it true that one could say it’s perfectly all right for people to think the way Morgenstern hinted at [in a poem]? A man gets hit by a car. He’s brought home, sick. Palmström—that’s the man’s name—wraps himself in damp towels; he’s suffering, but he doesn’t give in to his pain, because he’s a good citizen. He finds in the law books: Right there, at the spot where I was hit, no car is allowed to drive at all; so no car could have been driving there, because that would contradict the laws, and since it contradicts the laws, I simply wasn’t hit, because: what cannot be, cannot have happened. — You see, it’s roughly like this when, today, one wants to reform what is rooted in reality in such a way that one says: If land values rise in an indeterminate manner, this will be handed over to the state, which will then know how to prevent hoarding—for hoarding does not occur once the state has spoken. It is forbidden, so it does not exist.

[ 30 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, an diesem Beispiel gerade können Sie ersehen, wie anders die ganze Methode ist, die ganze Art der Lebensauffassung ist, in die die Dreigliederung alles soziale Leben bringt. Es handelt sich ja nicht darum - das habe ich oftmals gesagt -, daß man bloß denkt: Äußere Institutionen ändert man um; man nimmt dem, der zuviel Geld hat, durch eine Institution das Geld weg und gibt es dem Staat, sondern es handelt sich darum, daß die Menschen bis in ihr Innerstes hinein umdenken lernen. Das können sie so schwer, das wollen sie durchaus nicht. Gehen Sie im Sinne dessen vor, was wahrhaftig aus einem Wirklichkeitssinn heraus ist und was in den «Kernpunkten der Sozialen Frage» geschildert ist, dann würden Sie sehen, daß es sich darum handelt, daß überall die Assoziationen gestützt werden auf diejenigen, die mit dem, was sie produzieren oder konsumieren, innig verbunden sind — auf das letztere wird man ja weniger zu sehen haben, aber auf das erstere wird man gar schr zu sehen haben.

[ 30 ] Well, ladies and gentlemen, this very example shows you just how different the entire method is—how different the whole outlook on life is—that the threefold order brings to all social life. It is not a matter—as I have often said—of merely thinking: We’ll reform external institutions; we’ll take money away from those who have too much through an institution and give it to the state. Rather, it is a matter of people learning to rethink things right down to their innermost being. This is so difficult for them; they certainly do not want to do it. If you proceed in the spirit of what truly springs from a sense of reality and what is described in *The Key Points of the Social Question*, then you would see that the point is that associations everywhere should be based on those who are intimately connected to what they produce or consume—we will, of course, have less to do with the latter, but the former will be even less of a concern.

[ 31 ] Nun, sehen Sie, vor allen Dingen verhüllen sich ja, verschleiern sich ja alle Verhältnisse dadurch, daß wir in der Abstraktion der Geldwirtschaft drinnen leben, wie ich es heute und auch das letzte Mal an einem solchen Abend hier angedeutet habe. Da beobachtet man zum Beispiel nicht in einer richtigen Weise, wie das Verhältnis größerer Güter zu kleineren Gütern ist. Man wird, weil man heute alles bequem haben will, agitieren gegen große Güter oder für kleine Güter oder umgekehrt. Aber alles wird da in einen gewissen Monismus des abstrakten Denkens hineingeführt: entweder es sind nur große Güter gut, oder es sind nur kleine Güter gut für die Volkswirtschaft. Aber das entspricht nicht der Wirklichkeit. Es handelt sich darum, daß aus bestimmten Verhältnissen heraus gerade das Zusammenwirken von kleinen und großen Gütern, von großen Wirtschaften mit kleinen Wirtschaften, das Richtige ist, nur kommt das, wie es richtig ist, erst durch das Assoziative heraus, das als das Wesentliche im Wirtschaftsleben charakterisiert ist in den «Kernpunkten». Große Wirtschaften wirken mit kleinen zusammen und bewirken dadurch das Beste für die Volkswirtschaft. Nicht darum handelt es sich, daß man alles über einen Leisten schlägt, sondern darum, daß nach bestimmten Verhältnissen große und kleine Güter zusammenwirken. Glauben Sie, es entspricht nicht bestimmten realen Verhältnissen, daß die preußischen Rittergüter allein mit Bezug auf die Runkelrüben 54,8 % von der gesamten Produktion hervorgebracht haben - also über die Hälfte der Produktion -, während sie bei allen anderen Dingen im Verhältnis zu den kleinen Gütern weniger als die Hälfte, unter 50 %, hervorgebracht haben? Das alles ist in realen Verhältnissen begründet. Das kann nur fruchtbar hineinwirken in den realen volkswirtschaftlichen Prozeß, wenn die Menschen, die darinnenstehen in der Bewirtschaftung der Güter, Assoziationen nach diesen realen Verhältnissen begründen. Dann kommt heraus, wie das eine das andere tragen muß, denn dann arbeitet man nicht aus der Abstraktheit, sondern aus der Wirklichkeit heraus. Und dann kann man durch Verträge festsetzen, wie man einfach das, was nun auf der einen Seite ein Mehr an Produktion ist, auf der anderen Seite ausgleicht und so weiter. Deshalb war es berechtigt, daß ich [am Anfang] sagte: ich will zu Ihnen so von den Verhältnissen in der Dreigliederung sprechen, daß sie ein Licht werfen können auf die Bodenfrage. Ich wollte nicht so, wie es üblich ist, über die Bodenfrage sprechen, sondern ich wollte zeigen, wie irgendeine Frage des sozialen Lebens angefaßt werden muß, wenn man auf dem Boden der Dreigliederung steht. Und Sie können diese Frage schon sehr konkret anfassen, während Sie aus den alten Verhältnissen heraus niemals diese Frage in ordentlicher Weise anfassen können.

[ 31 ] Well, you see, first and foremost, all relationships are obscured and veiled by the fact that we live within the abstraction of the monetary economy, as I hinted at today and also last time on an evening like this here. For example, people do not properly observe the relationship between larger and smaller estates. Because people today want everything to be convenient, they will campaign against large estates or in favor of small ones—or vice versa. But everything is thereby drawn into a certain monism of abstract thinking: either only large estates are good, or only small estates are good for the national economy. But that does not correspond to reality. The point is that, given certain conditions, it is precisely the interaction of small and large goods—of large and small enterprises—that is the right approach; however, this correct outcome emerges only through association, which is characterized as the essential element of economic life in the “Key Points.” Large farms cooperate with small ones and thereby achieve the best results for the national economy. The point is not to treat everything the same, but rather that, under certain conditions, large and small estates work together. Do you believe it does not correspond to certain real conditions that the Prussian manors, with regard to sugar beets alone, accounted for 54.8% of total production—that is, more than half of production—while, in all other areas, they accounted for less than half, under 50%, relative to the small estates? All of this is grounded in real conditions. This can only have a fruitful impact on the real economic process if the people directly involved in managing the estates form associations based on these real conditions. Then it becomes clear how one aspect must support the other, for then one works not from abstraction but from reality. And then one can establish through contracts how to simply balance out, on the one hand, what is now a surplus of production, and on the other hand, and so on. That is why I was justified in saying [at the beginning]: I want to speak to you about the conditions in the threefold social order in such a way that they can shed light on the land question. I did not want to speak about the land question in the usual way, but rather I wanted to show how any question of social life must be approached when one stands on the foundation of the threefold social order. And you can already address this question very concretely, whereas from the perspective of the old conditions you can never properly address this question.

[ 32 ] Man muß ja schon fast so sein wie der Herr Stadtpfarrer Planck, wenn man denkt: sozialer Organismus, Dreigliederung — das sind drei Dreiecke nebeneinander, und von dem einen geht ins andere nichts hinein. Nein, der dreigegliederte soziale Organismus ist wirklich ein Organismus, und eines spielt immer in das andere hinein, so daß in jedem der drei Glieder wieder etwas ist von den anderen beiden. Im menschlichen Organismus ist es ja auch so: Im Kopfe wirkt nicht nur das Nerven-Sinnes-System, sondern da drinnen geschieht auch Rhythmus und Verdauung. So spielt in das Wirtschaftsleben auch das Staatsleben hinein, es hat nur sein eigenes Zentrum der Verwaltung, und so spielt in das Wirtschaftsleben auch das Geistige hinein, eben beim Übergang der Produktionsmittel von einem zum anderen.

[ 32 ] You’d almost have to be like Pastor Planck to think: “social organism,” “threefold social order”—these are three triangles side by side, and nothing from one flows into the other. No, the threefold social organism is truly an organism, and one aspect always influences the others, so that in each of the three parts there is something of the other two. It is the same in the human organism: not only does the nervous-sensory system function in the head, but rhythm and digestion also take place there. In the same way, political life influences economic life—it simply has its own center of administration—and spiritual life also influences economic life, particularly in the transfer of the means of production from one sector to another.

[ 33 ] Aber noch in viel alltäglicheren Dingen sehen wir dieses Ineinanderspielen. Nehmen wir zum Beispiel einen Tatbestand des öffentlichen Lebens, wo dreierlei ineinanderfließt zu einem: das ist der Verkehr. Der Verkehr hängt ja auf der einen Seite dadurch, daß er die Straße braucht, mit Grund und Boden zusammen. Aber man sieht, weil der Verkehrsboden, Straßen und so weiter nicht Privatbesitz sein kann, auch nicht Ware sein kann, daß man da heraus muß aus der Ware, daß also wenigstens dieser Teil von Grund und Boden nicht als Ware betrachtet werden kann. Aber mit dem Verkehrswesen hängt auch unsere ganze Kultur zusammen. Eigentlich steht der ganze Verkehr unter drei Gesichtspunkten. [Wir können fragen:] Was unterliegt dem Verkehr? Erstens Güter, Waren; zweitens Menschen; drittens Nachrichten. In irgendeiner der drei Kategorien können Sie alles unterbringen, was dem Verkehr unterliegt: Nachrichten, Menschen, Waren. Sehen Sie, dadurch daß im Verkehr Waren drinnenstehen, muß dasjenige, was sich auf den Warenverkehr bezieht, nach Verträgen, nach den Impulsen des Wirtschaftslebens geregelt sein. Dasjenige, was sich auf Menschen bezieht, ist aus dem Staatsleben heraus geregelt, das sind die Rechtsverhältnisse. Auch der Verkehr der Menschen muß nach Rechtsverhältnissen geregelt sein. Die Nachrichten unterliegen dem geistigen Leben; sie sind das geistige Leben im Verkehr. Und Sie werden schon finden, wie von den drei Seiten her das eigentlich dreigegliederte Verkehrswesen verwaltet werden muß - etwas, was die alten Einrichtungen nicht zustandegebracht haben. Rechnen Sie sich aus, was für ein Unding es ist, daß noch immer bei uns in derselben Weise durch dieselbe Institution Güter und Nachrichten besorgt werden, die Postpakete und die Nachrichten ausgetragen werden, was durchaus nicht zusammengehört und wozu auch keine Notwendigkeit vorliegt in den äußeren Einrichtungen. Aber die alten Staatseinrichtungen konnten es nicht dahin bringen, die Paketfahrt zu trennen vom Nachrichtendienst, so daß das eine das andere stört. Sehen Sie in das Posttarifwesen hinein, so werden Sie sehen, was für eine Unwirtschaftlichkeit darin liegt, daß die Post sowohl für Nachrichten- wie für Güterverkehr dient.

[ 33 ] But we see this interplay even in much more everyday things. Take, for example, a phenomenon of public life where three elements merge into one: traffic. On the one hand, transportation is linked to land because it requires roads. But since the land used for transportation—roads and so on—cannot be private property, nor can it be a commodity, it becomes clear that we must move beyond the concept of the commodity; that is, at least this part of land cannot be regarded as a commodity. Yet our entire culture is also intertwined with the transportation system. In fact, the entire transportation system can be viewed from three perspectives. [We might ask:] What is subject to commerce? First, goods; second, people; third, information. You can classify everything subject to commerce into one of these three categories: information, people, or goods. You see, because goods are involved in commerce, matters relating to the trade of goods must be regulated by contracts and in accordance with the dynamics of economic life. That which relates to people is regulated by the state; these are the legal relationships. The movement of people, too, must be regulated by legal relationships. Messages are subject to intellectual life; they are intellectual life in circulation. And you will see how the essentially threefold system of circulation must be administered from these three perspectives—something the old institutions failed to achieve. Just consider what an absurdity it is that, even today, goods and communications are still handled in the same way by the same institution—that postal packages and messages are delivered together—even though these things do not belong together at all and there is no necessity for this in the external structures. But the old state institutions were unable to separate parcel delivery from the mail service, with the result that one interferes with the other. If you examine the postal rate system, you will see just how inefficient it is for the postal service to handle both mail and parcel delivery.

[ 34 ] Gerade da, wo das Leben anfangen muß, praktisch zu werden, gerade da, wo das Leben heute uns zu eng geworden ist, weil es nicht mehr praktisch ist — an allen Ecken und Enden sitzt die Unpraxis -, da ist die Dreigliederung dazu berufen, wiederum das Praktische herzustellen. Nur eines gehört eben zu dieser Dreigliederung: ein wenig Mut. Wer sich allerdings nicht getraut, die Postpakete wegzunehmen dem Nachrichtendienst der Post und sie zu übergeben dem gewöhnlichen Eisenbahnverkehr, wer da immer seine Bedenken einwendet und nicht real nachrechnet, was das eine oder andere bedeutet, der wird die Dreigliederung ewig nicht verstehen. Denn die Dreigliederung beruht eben gerade nicht auf dem Festhalten an alten Einrichtungen, nicht auf dem Festhalten an Ideen von alten Menschenvignetten, von alten Staatsvignetten und so weiter, sondern es beruht diese Idee der Dreigliederung eben auf der Betrachtung der wirklichen Verhältnisse.

[ 34 ] Precisely where life must begin to become practical, precisely where life has become too confining for us today because it is no longer practical—impracticality is everywhere—that is where the threefold social order is called upon to restore practicality. Only one thing is needed for this threefold social order: a little courage. However, anyone who does not dare to take the postal packages away from the postal service’s intelligence division and hand them over to regular rail transport—anyone who always raises objections and does not realistically calculate what one thing or another entails—will never understand the threefold order. For the threefold order is based precisely not on clinging to old institutions, not on clinging to ideas of old social stereotypes, of old state structures, and so on, but rather this idea of the threefold order is based on an observation of actual conditions.

[ 35 ] Denn, meine sehr verehrten Anwesenden, man kann nicht verlangen, daß etwa der Dreigliederungs-Impuls sich so mit der Realität, mit der Praxis auseinandersetzt, daß er nun angibt, wie sich ein Geheimer Hofrat oder ein Regierungsrat in den dreigegliederten Organismus hineinstellen wird. Ja, so ungefähr sind ja viele Fragen, die gestellt werden. Es ist das nur eine der grotesken Fragen. Man kann eben nicht sagen, wie sich ein Geheimer Hofrat und ein Regierungsrat da hineinstellen, es ist aber auch gar nicht nötig, daß man das angibt. Es werden sich die geistigen, die rechtlichen, die wirtschaftlichen Verhältnisse der Menschen nach der Erkenntnis, nach dem Gesetz, nach dem Vertrag in ganz klarer Weise regeln, nur wird innerhalb dieser drei Gebiete manches von dem nicht mehr da sein, das früher sehr geschätzt wurde. Aber, meine verehrten Anwesenden, muß man denn nicht zugeben, daß man im alten Regime manchmal mehr darauf geschaut hat, ob einer ein Geheimer Hofrat war, als darauf, was er leistete, was er arbeitete für den sozialen Organismus? Aber in der Wirklichkeit kommt es eben nicht darauf an, daß einer ein Geheimer Hofrat ist, sondern darauf, was er leistet für den sozialen Organismus. Deshalb muß die Idee der Dreigliederung hinwegsehen über dasjenige, was als Vignette noch aus der alten Zeit herstammt, wenn wir nicht dem vollständigen Untergang des Abendlandes entgegengehen wollen. Sie muß sehen auf das, was aufgehen muß in der neuen Zeit als Frucht der Arbeit, die ein Mensch in irgendeiner Form vollbringt im Dienste des dreigegliederten, aber gesamten sozialen Organismus.

[ 35 ] For, my esteemed audience, one cannot expect the threefold impulse, for example, to engage with reality and practical life in such a way that it specifies exactly how a Privy Councilor or a State Councilor will position themselves within the threefold organism. Yes, many of the questions asked are along these lines. This is just one of the grotesque questions. One simply cannot say how a Privy Councilor or a State Councilor will fit into this framework, but nor is it at all necessary to specify that. People’s spiritual, legal, and economic circumstances will be regulated in a very clear manner according to knowledge, the law, and the social contract; it is just that within these three spheres, some things that were once highly valued will no longer exist. But, ladies and gentlemen, must we not admit that under the old regime, people sometimes paid more attention to whether someone was a Privy Councilor than to what he accomplished or what he contributed to the social organism? In reality, however, what matters is not whether someone is a Privy Councilor, but what he contributes to the social organism. Therefore, the idea of the threefold social order must look beyond what remains as a vestige from the old era, if we do not wish to head toward the complete downfall of the West. It must focus on what must emerge in the new era as the fruit of the work that a person accomplishes in whatever form in the service of the threefold, yet unified, social organism.

Nach der Ansprache von Rudolf Steiner melden sich verschiedene Persönlichkeiten mit Fragen zu Wort:

After Rudolf Steiner’s speech, various figures ask questions:

[ 36 ] Walter Johannes Stein: Grund und Boden ist eine unvermehrbare Totalität. Es gibt also nur eine bestimmte Menge von Grund und Boden. Darauf wohnt eine bestimmte Kopfzahl von Menschen. Man kann daher ausrechnen, wieviel Grund und Boden auf den einzelnen Menschen kommt. Nun möchte ich fragen, ob eine solche Rechnung einen Wirklichkeitswert hat, das heißt, ob man dadurch ein Maß gewinnt, mit dem man volkswirtschaftlich etwas anfangen kann. Oder ist das eine müßige Statistik?

[ 36 ] Walter Johannes Stein: Land is an indivisible totality. There is, therefore, only a certain amount of land. A certain number of people live on it. One can therefore calculate how much land falls to each individual. Now I would like to ask whether such a calculation has any practical value—that is, whether it provides a measure that can be used for economic purposes. Or is this merely idle statistics?

[ 37 ] Hans Kaltenbach: Herr Dr. Steiner hat nicht die ganzen Erkenntnisse der

[ 37 ] Hans Kaltenbach: Dr. Steiner does not have all the findings from

[ 38 ] deutschen Bodenreformer wiedergegeben; er hat in seinen Ausführungen nur die Steuer auf der Wertsteigerung des Bodens herausgenommen. Diese würde aber nur einen kleinen Teil der vorgeschlagenen Bodenreform ausmachen. Die Einführung einer Grundrentensteuer ist ein deutlicher Beweis dafür, daß die Bodenreformer keine Gesetze im Sinne des alten Staatswesens wollen. Was ihnen vorschwebt, ist eine vertragliche Entwicklung, die nichts mit alter Gesetzesmacherei zu tun hat. Sie ist herausgeboren aus der Idee, daß jeder eine Grundrentensteuer bezahlen muß dafür, daß er den Boden benützen darf, denn die Rente, die ihm durch die Benützung des Bodens zufällt, die soll er der Allgemeinheit spenden. Es handelt sich bei diesem Verfahren nicht um parlamentarische Gesetze oder überhaupt um Gesetze im alten Sinn, sondern um viele einzelne Verträge.

[ 38 ] reflects the views of German land reformers; in his remarks, he omitted only the tax on the appreciation of land value. However, this would constitute only a small part of the proposed land reform. The introduction of a ground rent tax is clear evidence that the land reformers do not want laws in the spirit of the old political system. What they have in mind is a contractual development that has nothing to do with the old way of making laws. It stems from the idea that everyone must pay a ground rent tax in exchange for the right to use the land, for the rent they receive from using the land should be donated to the public. This process does not involve parliamentary laws or laws in the old sense at all, but rather many individual contracts.

[ 39 ] Ein Diskussionsteilnehmer: Es ist aber letzten Endes doch der Staat, der die Grundrentensteuer einkassiert.

[ 39 ] A participant in the discussion: But ultimately, it is the government that collects the basic pension tax.

[ 40 ] Ein anderer Diskussionsteilnehmer: Man kann die Sache drehen, wie man will: Ohne Bodenreform geht es nicht weiter; sie muß als Grundlage für eine Weiterentwicklung unserer Gesellschaft vorhanden sein.

[ 40 ] Another participant in the discussion: No matter how you look at it, we can’t move forward without land reform; it must be in place as the foundation for the further development of our society.

[ 41 ] Walter Johannes Stein: Die Dreigliederung ist uns oftmals geschildert worden von Herrn Dr. Steiner als funktionelle Dreigliederung und nicht als eine Dreigliederung der Gebiete. Viele Menschen sind aber im Irrtum; sie denken sich jedes Gebiet für sich und an der Spitze eine Korporation. Das ist also ein Irrtum. Ich möchte fragen, wie eigentlich ein so falsch gegliederter sozialer Organismus aussehen würde.

[ 41 ] Walter Johannes Stein: Dr. Steiner has often described the threefold social order to us as a functional threefold division and not as a division of spheres. Many people, however, are mistaken; they imagine each sphere as separate, with a corporation at the head of each. That, then, is a mistake. I would like to ask what a social organism structured in such a flawed way would actually look like.

[ 42 ] Hermann Heisler: Wie kommt man zu einer Wohnung, und wie vollzieht sich ein Tausch der Wohnung? Wie vollzieht sich der Hausbau? Der Boden ist Produktionsmittel; er wird vom geistigen Organismus zur Verfügung gestellt. Wenn das Haus fertig ist, ist es dann kein Produktionsmittel mehr? Die meisten Menschen wünschen einen kleinen Garten zu besitzen. Wie soll das gemacht werden, es ist doch nicht soviel Boden da? Welche Rolle spielt bei der Verwaltung von Grund und Boden das Rechtsleben?

[ 42 ] Hermann Heisler: How does one acquire an apartment, and how does an apartment exchange take place? How does the construction of a house take place? Land is a means of production; it is made available by the spiritual organism. Once the house is finished, is it no longer a means of production? Most people would like to have a small garden. How is that supposed to work, since there isn’t that much land available? What role does the legal system play in the administration of land?

[ 43 ] Rudolf Steiner: Meine sehr verehrten Anwesenden! Es ist richtig, daß Grund und Boden nicht aus Kautschuk besteht und nicht in beliebiger Weise ausdehnbar ist, und es ist daher auch richtig, daß ein gewisser Zusammenhang bestehen muß zwischen einem abgeschlossenen Bodengebiet und den darauf wohnenden Menschen. Nun ist ja die Sache, die hier als ein ideal-reales Verhältnis spielt, die, daß in der Tat einfach dadurch, daß ein Mensch geboren wird, ein Stück des Grund und Bodens wirklich gewissermaßen okkupiert wird — das entspricht der gesamten verfügbaren Bodenfläche, dividiert durch die Anzahl der bisherigen Bewohner des Bodens plus eins. Es ist tatsächlich so, daß ideal-real jeder Mensch das ihm zufallende Bodenstück bei seiner Geburt beansprucht und daß sich einfach eine reale Beziehung bildet zwischen der verfügbaren Bodenfläche und dem, was eben der neugeborene Mensch auf diese Weise beansprucht. Das ist eine reale Beziehung. Aber nicht wahr, in der Tat geht in dieser sozialen Wirklichkeit nicht alles am Schnürchen. Die Gesetze — ich meine jetzt Naturgesetze, nicht Staatsgesetze — sind da, sie sind aber approximativ. Wenn zum Beispiel auf einem gewissen Gebiet verschiedene Pflanzen leben, und die eine Pflanzensorte entwickelt sich besonders stark, so verdrängt sie die andere Pflanzensorte; die kann nun nicht mehr wachsen. Wenn nun auf einem Bodengebiet es im wesentlichen so ist, daß in der Tat dieses eine Stückchen, von dem ich geredet habe, viel zu klein wird für einen neugeborenen Menschen, so wird gewissermaßen das Ventil aufgemacht, und es tritt ganz von selbst die Auswanderung, die Kolonienbildung und so weiter ein. Wenn die Bevölkerung sich in einem bestimmten Gebiet vermehrt, so kann man eben auch prüfen, ob dem Boden noch mehr Fruchtbringendes entnommen werden kann als in einer früheren Zeit. Das ist zum Beispiel bei dem Boden des ehemaligen Deutschland im wesentlichen der Fall gewesen.

[ 43 ] Rudolf Steiner: Ladies and gentlemen! It is true that land is not made of rubber and cannot be expanded at will, and it is therefore also true that there must be a certain connection between a defined area of land and the people living on it. Now, the point at issue here—which involves an ideal-real relationship—is that, in fact, simply by virtue of a person being born, a piece of land is truly, in a sense, occupied—this corresponds to the total available land area divided by the number of previous inhabitants of the land plus one. It is indeed the case that, in an ideal-real sense, every person claims the piece of land allotted to them at birth, and that a real relationship simply forms between the available land area and what the newborn person claims in this way. This is a real relationship. But isn’t it true that, in fact, not everything runs like clockwork in this social reality? The laws—I mean natural laws, not man-made laws—are there, but they are approximate. For example, if various plants grow in a certain area and one species develops particularly vigorously, it displaces the other species, which can no longer grow. Now, if the situation in a given area is essentially such that this one small patch I’ve been talking about becomes far too small for a newborn human, then, in a sense, the floodgates open, and emigration, colonization, and so on occur quite naturally. When the population increases in a given area, one can also examine whether more productive resources can be extracted from the land than in the past. This was essentially the case, for example, with the land of what was once Germany.

[ 44 ] Also das besteht, worauf Herr Dr. Stein hingedeuter hat: die Beziehung des Menschen auf ein gewisses Stück von Grund und Boden. Nur müssen wir uns klar sein, daß dieses Verhältnis eben ein ideal-reales ist, das aber dann, wenn die Dreigliederung Wirklichkeit wird, immer Verträge entscheiden, insofern auf dem Boden Waren erzeugt werden. Der Boden wird nämlich von den Menschen verwaltet, und die Menschen, die den Boden verwalten, müssen — einfach dadurch, daß nicht jeder die gleichen Produkte erzeugt — miteinander in Beziehung treten. Sie müssen eben Verträge schließen, und nachdem sie Verträge geschlossen haben, muß irgend etwas da sein, was sie daran hält, diese Verträge auszuführen. Also dasjenige, was im wechselseitigen Verkehr der Menschen auftritt, welche den Boden bewirtschaften, das unterliegt den Rechtsverhältnissen, den politischen, den Staatsverhältnissen. Dasjenige aber, was geschieht, wenn eine einzelne Bodenfläche übergeht von dem einen Menschen auf den anderen, das unterliegt dem geistigen Gesetz, das in einem selbständigen, sich emanzipierenden Geistesleben gebildet wird und einfließt in die Bodenverwaltung. Die Rechtsverhältnisse greifen ein in die Wechselbeziehungen der Menschen, die den Boden verwalten; das sind Verhältnisse, die nur rechtlich geregelt werden können. Wenn nun so die Dreigliederung eingreift, dann wird wirklich ersichtlich, ob der Boden noch ausreicht oder nicht oder ob man irgendwie — aber nicht durch den bloßen Instinkt, sondern durch einen durch Vernunft geleiteten Instinkt — Kolonisationsverhältnisse hervorruft.

[ 44 ] So what Dr. Stein was pointing to does exist: the relationship between human beings and a certain piece of land. We must simply be clear that this relationship is an ideal-real one; however, once the threefold social order becomes a reality, contracts will always be decisive insofar as goods are produced on the land. For the land is managed by people, and the people who manage the land must—simply because not everyone produces the same goods—enter into a relationship with one another. They must conclude contracts, and once they have concluded contracts, there must be something that compels them to fulfill these contracts. Thus, what occurs in the mutual interactions of the people who cultivate the land is subject to legal relationships, political relationships, and state relationships. But what happens when a single plot of land passes from one person to another is subject to the spiritual law that is formed within an independent, emancipating spiritual life and flows into land management. Legal relationships intervene in the interactions among people who manage the land; these are relationships that can only be regulated by law. When this threefold order comes into play, it becomes truly apparent whether the land is still sufficient or not, or whether one might somehow—not through mere instinct, but through an instinct guided by reason—bring about conditions conducive to colonization.

[ 45 ] Im ganzen wird man aber sehen, daß etwas Merkwürdiges eintritt. Es gibt etwas im ganz gewöhnlichen, alltäglichen Leben, das regelt sich merkwürdig schön, obwohl natürlich auch nur approximativ. Es regelt sich ganz gut, obwohl die Menschen nichts durch Staatsgesetze oder sonst irgend etwas dazu tun können: das ist nämlich das Verhältnis der auf der Erde vorhandenen Frauenzahl zur Männerzahl. Man ist nicht imstande bis jetzt - und in dem Sinne, wie es die Schencks träumen, wird es auch nicht sein -, durch irgendwelche Staatsgesetze oder durch etwas anderes zu regeln, daß annähernd soviel Männer wie Frauen die Erde bevölkern. Denken Sie, was das wäre, wenn einmal nur 1/5 Frauen und 4/5 Männer da wären oder umgekehrt.

[ 45 ] On the whole, however, one will see that something remarkable happens. There is something in completely ordinary, everyday life that regulates itself in a strangely beautiful way, although, of course, only approximately. It regulates itself quite well, even though people can do nothing about it through state laws or anything else: namely, the ratio of the number of women to the number of men on Earth. To date, it has not been possible—nor will it ever be, in the sense that the Schencks dream of it—to ensure, through any state laws or any other means, that the Earth is populated by approximately as many men as women. Just imagine what it would be like if there were only 1/5 women and 4/5 men, or vice versa.

[ 46 ] Es ist doch besser, man überläßt das den Gesetzen, die so harmonisch zusammenwirken wie die Naturgesetze. Ebenso harmonisch wird sich - wenn die Dreigliederung einmal wirklich läuft das, was entsteht, auch den Verhältnissen anpassen. Es werden zum Beispiel nicht alle Menschen Gelehrtenberufen nachlaufen und darin etwas Besonderes sehen. Es werden sich nun wirklich solche Verhältnisse herausbilden, die zum Beispiel auf eine bestimmte Bodenfläche eine geeignete Anzahl von Menschen bringen, so daß dem Dasein des einzelnen die Fruchtbarkeit desjenigen Gebietes entspricht, das ideal-real auf ihn entfällt. Wenn auch dann in übertragener Bedeutung fünf oder hundert solcher Flächen von einem einzigen, der die besondere Fähigkeit dazu hat, verwaltet werden, so kommt doch das, was angebaut wird auf diesen Flächen, den anderen zugute.

[ 46 ] It is certainly better to leave this to the laws that interact as harmoniously as the laws of nature. Once the threefold social order is truly in place, what emerges will adapt just as harmoniously to the circumstances. For example, not all people will pursue scholarly careers and see something special in them. Circumstances will indeed develop in such a way that, for example, a suitable number of people will be drawn to a particular area of land, so that the individual’s existence corresponds to the fertility of the area that, in an ideal-real sense, is allocated to him. Even if, in a figurative sense, five or a hundred such areas are managed by a single person who has the special ability to do so, what is cultivated on these areas will still benefit the others.

[ 47 ] Nun habe ich die zweite Frage von Herrn Dr. Stein nicht verstanden. Es scheint mir, als ob er gefragt hätte, was entstehen würde, wenn in falscher Weise die drei Gebiete des sozialen Organismus gegliedert würden.

[ 47 ] I did not understand Dr. Stein’s second question. It seems to me that he was asking what would happen if the three areas of the social organism were structured incorrectly.

[ 48 ] Ich habe ja schon erwähnt, daß heute die Leute sich eine große Force daraus machen, allerlei «Traubismus» zu treiben. Sie werfen der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft vor, daß von der Gnosis etwas entnommen sei, daß vom Indertum etwas entnommen sei, daß den ägyptischen Isis-Mysterien etwas entnommen sei. Ein Artikelschreiber hat sogar entdeckt, daß aus einem sehr alten Buche, das aus den atlantischen Gegenden stammen soll, dasjenige steht, was die Geisteswissenschaft abschreibt und so weiter. Das wird sozusagen nach und nach zu einer Technik, [so etwas zu behaupten], obwohl es eigentlich knüppeldicke Unwahrheiten, sogar in vielen Fällen wirkliche Lügen sind. Denn es ist selbstverständlich einfach so: Wenn ich heute ein mathematisches Lehrbuch schreibe und darin kommt der pythagoräische Lehrsatz vor und ich rechne auf Leser, die ihn nicht gelernt haben, so schreibe ich ihnen das Nötige hin. Aber wenn dann nach dem pythagoräischen Lehrsatz noch etwas dazukommt, was Pythagoras nicht hatte, so darf der Leser nicht sagen, das ganze sei entlehnt, nur weil ich genötigt war, auch das zu sagen, was schon da war. Es handelt sich doch immer darum, daß? man an Bekanntes anknüpft und dann das Unbekannte hinzufügt. Es ist unredlich, wenn die Traubisten dann kommen und sagen, es sei etwas von der Gnosis Entlehntes und so weiter. Man muß wissen, was gerade auf dieser Seite für ein knüppeldickes Unwahrheitswesen getrieben wird. Sehen Sie, ist man offizieller Vertreter eines heutigen Bekenntnisses, so ist man schon sehr, sehr veranlaßt, das Wahre nicht zu sagen. Als Professor ist man auch in einer sonderbaren Lage im Verhältnis zur wirklichen Wahrheit. Ist man aber nun gar beides und schreibt man dann ein Buch - ich will den Gedanken nicht weiter ausführen.

[ 48 ] I have already mentioned that people today make a big deal out of engaging in all sorts of “Traubism.” They accuse the anthroposophically oriented Spiritual Science of borrowing elements from Gnosticism, from Hinduism, and from the Egyptian Isis mysteries. One columnist has even “discovered” that a very old book, said to originate from the Atlantean regions, contains the very things that Spiritual Science borrows from it, and so on. This is gradually becoming, so to speak, a technique [for making such claims], even though they are actually blatant untruths—and in many cases, outright lies. For it is, of course, simply this: If I were to write a mathematics textbook today and the Pythagorean theorem were to appear in it, and I were to expect readers who have not learned it, I would include the necessary explanations for them. But if, after the Pythagorean theorem, something else is added that Pythagoras didn’t have, the reader must not say that the whole thing is borrowed, simply because I was compelled to include what was already there. After all, it’s always a matter of building on what is known and then adding the unknown. It is dishonest when the Traubists then come along and say that it is something borrowed from Gnosticism and so on. One must be aware of the sheer volume of falsehoods being peddled on this very page. You see, if one is an official representative of a contemporary creed, one is already very, very tempted not to speak the truth. As a professor, one is also in a peculiar position in relation to the real truth. But if one is both—and then writes a book—I don’t want to elaborate on that thought any further.

[ 49 ] Aber sehen Sie, dieselbe Geschichte wird auch mit der Dreigliederung losgehen. Da ich nun weder behaupte, daß ich die Zahl Drei entdeckt habe, noch auch, daß die Zahl Drei nicht in der verschiedensten Weise schon auf irgendwelche physischen Verhältnisse angewendet worden ist, zum Beispiel auf den Menschen, so können auch die Leute kommen und können sagen: Ja, in alten arabischen Schmökern findet sich auch eine Dreigliederung des Menschen, da hat man auch schon den Menschen in drei Glieder eingeteilt. Das aber, um was es sich bei unserer Dreigliederung handelt, das finden Sie in meinem Buche «Von Seelenrätseln», wo ich von Funktionsbegriffen ausgehe. Ich sage nicht: Der Mensch besteht aus drei Trakten. Ich sage: Da ist ein Nerven-Sinnes-Gebiet, da ist ein Luftund Blutgebiet, da ist ein Verdauungsgebiet. Aber ich sage ausdrücklich: Verdauung ist im ganzen Menschen; die drei Gebiete sind im ganzen Menschen. Ich unterscheide nach den Funktionen; da spreche ich von einer Nerven-Sinnes-Tätigkeit, nicht von irgendeinem Gebiet, und ich unterscheide davon die Funktion der rhythmischen Tätigkeit und drittens die Funktion des Stoffwechsels. Das ist der Mensch, gegliedert nach Funktionen. Sehen sie, wie ich streng als Funktionen in dem Buche «Von Seelenrätseln» gerade das alles charakterisiert habe.

[ 49 ] But you see, the same story will also unfold with the threefold division. Since I am not claiming that I have discovered the number three, nor that the number three has not already been applied in a wide variety of ways to certain physical relationships—for example, to human beings—people may come along and say: “Yes, in old Arabic tomes there is also a threefold division of the human being; there, too, the human being has already been divided into three parts.” But what our threefold division is actually about—you will find that in my book *On the Mysteries of the Soul*, where I proceed from functional concepts. I am not saying: The human being consists of three tracts. I am saying: There is a nervous-sensory region, there is a respiratory-circulatory region, and there is a digestive region. But I expressly state: Digestion is present throughout the entire human being; the three regions are present throughout the entire human being. I distinguish according to functions; I speak of a nervous-sensory activity, not of any particular region, and I distinguish from this the function of rhythmic activity and, thirdly, the function of metabolism. This is the human being, structured according to functions. See how I have strictly characterized all of this as functions in the book *On the Mysteries of the Soul*.

[ 50 ] Nun entdeckt einer in einem alten Schmöker, daß der Mensch in Arabien in drei Glieder geteilt werde, in drei Trakte. Der könnte nun auch sagen: Da spricht einer von der Dreigliederung des menschlichen Organismus; er hat ja das Wichtige, die Zahl Drei, aus uralten Traditionen entlehnt; das ist nicht originell. Und weiter wird in diesem alten Schmöker auch nach Analogien eingeteilt — das ist etwas, was ich gerade nur zu einer gewissen Interpretation angewendet habe; lesen Sie nach, was in den «Kernpunkten» über Analogien steht -, dort in diesem Schmöker wird gerade nach Analogien das äußere Staatswesen eingeteilt; es wird zwischen Gebieten unterschieden, und an der Spitze eines jeden Gebietes steht ein Fürst. Es stehen drei Fürsten an der Spitze, also auch in diesem Falle nichts anderes als die Dreizahl. Nun, Fürsten - wenn das einmal kommen sollte, dann können Sie selbst Stellung dazu nehmen. Es kommt nicht auf drei Fürsten an; sondern der innere Geist ist etwas ganz anderes in der sozialen Dreigliederung, [dort kommt es auf das Funktionsmäßige an]. Wenn man nicht auf das Funktionsmäßige sieht, so würde der Irrtum entstehen, daß man zwei oder drei Parlamente nebeneinander haben könnte, wie es einmal ein Tübinger Professor in der «Tribüne» geschrieben hat. Darauf kommt es in der Dreigliederung eben an, daß nicht drei Parlamente nebeneinander sein werden, auch nicht drei Fürsten, sondern nur ein Parlament, im demokratischen Staatsgebilde. Denn im Geistesleben wird nicht parlamentarisiert werden, sondern da wird eine sachgemäße Verwaltung aus der Sache heraus tätig sein, ebenso im Wirtschaftsgebiet. Also, man kann ja den Leuten ihr Vergnügen gönnen, die Dreigliederung auch schon in alten Schmökern nachzusehen. Aber wenn es sich um ein fruchtbares Wirken vom Dreigliederungsgedanken aus handeln soll, so muß man nun wirklich auf das eingehen, wie es in den «Kernpunkten» beschrieben ist.

[ 50 ] Now someone discovers in an old tome that human beings in Arabia are divided into three parts, into three sections. That person might also say: Here is someone speaking of the threefold division of the human organism; after all, he has borrowed the key element—the number three—from ancient traditions; that is not original. Furthermore, this old tome also classifies things according to analogies—which is something I have just applied to a certain interpretation; look up what is written about analogies in the “Key Points”—and in that very tome, the external political system is classified precisely according to analogies; a distinction is made between regions, and at the head of each region stands a prince. There are three princes at the head, so even in this case, it is nothing other than the number three. Well, princes—if that should ever come to pass, then you can take a stand on it yourself. It is not a matter of three princes; rather, the inner spirit is something entirely different in the social threefold order [there, what matters is the functional aspect]. If one does not look at the functional aspect, the misconception would arise that one could have two or three parliaments side by side, as a Tübingen professor once wrote in the *Tribüne*. This is precisely the point of the threefold social order: that there will not be three parliaments side by side, nor three princes, but only one parliament within the democratic state structure. For in spiritual life, there will be no parliamentary process; rather, an appropriate administration will operate based on the nature of the matter itself, just as in the economic sphere. So, one can certainly allow people the pleasure of looking up the threefold social order even in old books. But if the aim is to bring about fruitful work based on the idea of the threefold social order, then one must truly engage with it as it is described in the *Kernpunkte*.

[ 51 ] Nun zu den Fragen von Pfarrer Heisler: Wie kommt man zu einer Wohnung? — und so weiter.

[ 51 ] Now, regarding Pastor Heisler's questions: How does one find an apartment? — and so on.

[ 52 ] Diese Art Fragen sind eben gar zu starr. Ich will nicht sagen, daß sie nicht wichtig sind, sie sind ungeheuer wichtig. Es ist eine so große Wohnungsnot in der Welt, daß die Leute auf ganz groteske Weise zu Wohnungen zu kommen versuchen. Es ist sogar vorgekommen, daß jemand geheiratet hat, um eine Wohnung zu finden, um nicht auf der Straße zu sein. Es ist außerordentlich wichtig zu wissen, wie man zu einer Wohnung kommt, aber man soll nicht färben seine ganze Auffassung von der Dreigliederung mit etwas, was noch zu stark im Stile desjenigen denkt, was überwunden werden muß.

[ 52 ] These kinds of questions are just too rigid. I’m not saying they aren’t important—they’re incredibly important. There’s such a severe housing shortage in the world that people try to find places to live in all sorts of bizarre ways. There have even been cases where someone got married just to find a place to live, so as not to end up on the street. It is extremely important to know how to find a place to live, but one should not let one’s entire understanding of the threefold social order be colored by something that is still too much in the style of what must be overcome.

[ 53 ] Denken Sie sich realisiert die Dreigliederung des sozialen Organismus -— man muß ja nicht abstrakt denken, denn wenn es sich darum handelt, wie etwas gedacht werden soll, dann muß man auf diese Realisierung der Dreigliederung sehen, wenn sie auch noch so weit draußen steht; es kann nicht alles bloß nach Zielen beantwortet werden. In dem dreigliedrigen Organismus wird der Mensch nicht bloß eine Wohnung zu suchen haben, sondern er tut auch sonst noch etwas. Er wird irgend etwas sein, Fabrikdirektor oder Tischler oder sonst etwas. Dadurch, daß man Fabrikdirektor oder Tischler ist, kann man leben; dafür wird einem etwas vergütet. Dieses Zusammenbringen des Menschen mit seiner Arbeit muß aber im dreigliedrigen sozialen Organismus nach und nach auf die Verwaltung des geistigen Gliedes des Organismus übergehen: Eine Wohnung zu kriegen gehört dann zum Vergüten dazu; das schließt sich zusammen. Sie dürfen sich also nicht vorstellen: ich bin ein Mensch und muß zu einer Wohnung kommen, sondern Sie müssen davon ausgehen: ich bin nicht einfach nur ein Mensch, sondern ich habe auch etwas an einem Orte zu tun, und unter denjenigen Dingen, die mir dafür als Vergütung zukommen, ist — wenn normale soziale Verhältnisse sind — auch eine Wohnung. Nicht bloß darum handelt es sich, daß man abstrakt die Frage stellt: Wie komme ich zu einer Wohnung? -, sondern man muß fragen: Was geschieht, wenn die Dreigliederung da ist? - Da kriegt der Mensch eben, wenn er Mensch ist, an irgendeinem Ort — und das ist man gewöhnlich, wenn man nicht ein Engel ist, der überall ist —, da kriegt der Mensch, wie er sein Gehalt kriegt, auch eine Wohnung, und das unterliegt eben dem, was aus der Organisation des geistigen Lebens kommt. Oder - wenn es sich darum handelt, daß man zwar nicht in ein neues Gebiet hinein versetzt wird, aber sonst in einem anderen Arbeitszusammenhang wirkt, so unterliegt das dem Staat oder dem politischen Gebiet. Aber solche Fragen können nicht abstrakt gestellt werden.

[ 53 ] Imagine that the threefold structure of the social organism is realized—one need not think in abstract terms, for when it comes to how something should be conceived, one must look to this realization of the threefold structure, no matter how far off it may seem; not everything can be answered merely in terms of goals. In the threefold social organism, a person will not merely have to look for a place to live, but will also do other things. He will be something—a factory manager, a carpenter, or something else. By being a factory manager or a carpenter, one can make a living; one is compensated for this. However, in the threefold social organism, this bringing together of the human being with their work must gradually be transferred to the administration of the spiritual component of the organism: obtaining a home will then be part of the compensation; the two go hand in hand. So you must not form a mental image of yourself as a human being and needing a home, but rather you must start from the premise: I am not simply a human being, but I also have a role to play in a particular place, and among the things I receive as compensation for this—provided social conditions are normal—is also a place to live. It is not merely a matter of asking the question in the abstract: “How do I get a place to live?”—but rather one must ask: “What happens when the threefold social order is in place?” — Then a person, if they are a human being—and one usually is, unless one is an angel who is everywhere—will receive, just as they receive their salary, a place to live, and this is governed by what arises from the organization of spiritual life. Or—if the situation is such that one is not being transferred to a new region but is otherwise working in a different professional context—then this falls under the jurisdiction of the state or the political sphere. But such questions cannot be posed in the abstract.

[ 54 ] Es werden wirklich erst ein wenig die Verhältnisse abgewartet werden müssen, die durch die Dreigliederung kommen, oder man wird nötig haben, sich durch die Phantasie ein Bild zu machen, wie sich die Verhältnisse gestalten werden. Dann wird es sich ja wirklich auch beantworten lassen, wie man zu verhandeln hat, wenn man irgendwo eine Stelle antritt, also eine Arbeit verrichtet, damit man auch zu einem kleinen Gärtchen kommt und dergleichen. Das sind wirklich Dinge, die nicht an den Nerv der Dreigliederung gehen. Man kann sicher sein, daß sie sich so regeln werden, daß man wahrhaftig erst recht sein kleines Gärtchen vor dem Haus haben kann, wenn einmal die Verhältnisse da sind, die durch die Dreigliederung herbeigeführt werden.

[ 54 ] We will really have to wait and see, at least for a while, how the circumstances brought about by the threefold order will unfold, or we will need to use our imagination to picture how things will take shape. Then it will indeed be possible to determine how one should proceed when taking a job somewhere—that is, performing work—so that one can also have a little garden and the like. These are truly matters that do not touch on the essence of the threefold order. One can be certain that they will work out in such a way that one will truly be able to have one’s little garden in front of the house all the more once the conditions brought about by the threefold social order are in place.

[ 55 ] Ebenso handelt es sich ja darum, daß der Hausbau geregelt wird. Was ist er? Er hängt mit der Bodenfrage zusammen. Wenn aber diese Bodenfrage keine Frage der Ware mehr ist, sondern eine Frage des Rechts und des geistigen Lebens, dann ist die Hausbaufrage auch eine Frage, die zusammenhängt mit der ganzen Kulturentwickelung der Menschheit. Es ist ja selbstverständlich, daß Häuser gebaut werden aus denselben Impulsen heraus, aus denen heraus ein Mensch hineingestellt ist in seine Arbeit. Also darum handelt es sich, daß man all diese Fragen nicht abstrakt stellt, daß man sie nicht so stellt, daß der Mensch als ein abstraktes Wesen herausgerissen wird aus seiner ganzen Konkretheit. In einem lebendigen dreigegliederten sozialen Organismus ist es eben nicht so, daß man nur allein vor die Frage gestellt wird, wie man zu einer Wohnung kommt, sondern man wird mit der Frage in die ganze Konkretheit des Lebens hereingestellt, und da kommt alles darauf an, wirklichkeitsgemäß diese Dinge zu behandeln.

[ 55 ] Likewise, the issue at hand is that housing construction must be regulated. What is it? It is connected to the land question. But if this land question is no longer a matter of commodities, but rather a matter of law and spiritual life, then the issue of housing construction is also a matter connected to the entire cultural development of humanity. It goes without saying that houses are built out of the same impulses that place a person within their work. So the point is that we must not pose all these questions abstractly, that we must not pose them in such a way that the human being, as an abstract entity, is torn away from their entire concreteness. In a living, threefold social organism, it is not simply a matter of being confronted with the question of how to find a home; rather, one is placed within the full concreteness of life through this question, and everything depends on addressing these matters in a way that is true to reality.

[ 56 ] Da hat Herr Kaltenbach schon etwas Richtiges gesagt, [wenn er auf die Bedeutung der Grundrente hingewiesen hat]. Ich habe natürlich nur ein Beispiel herausgegriffen, gerade die Wertsteigerungstaxe. Aber ganz dasselbe hätte ich ja sagen müssen in bezug auf die Besteuerung der Grundrente. Aber, meine sehr verehrten Anwesenden, ich möchte nun wissen, ob denn das, was als Frage aufgeworfen wurde, nicht schon beantwortet wurde? Denn mir kam es nicht darauf an, ob es sich nun um eine Grundrente handelt oder um eine Wertsteigerung, sondern darauf, daß grundsätzlich eine Steuer dem Staate gegeben wird; Herr Kaltenbach hat ja deutlich gesagt «Steuer», und damit meint er etwas, was dem Staate gegeben wird. Welche Art Steuer es ist, die dem Staat gegeben werden soll, darauf kommt es nicht an. Aber darauf kommt es an, daß der Staat auf ein einziges Glied des sozialen Organismus eingeschränkt werde, nicht behalten werden soll die Struktur, in der er heute ist. Man kann nicht sagen, daß die Bodenreformer keine Gesetze im Sinne des alten Staatswesens wollen. Das wollen sie doch. Sie wollen dem alten Staat etwas aufbuckeln, wovon sie glauben, der alte Staat könne es. Er kann es niemals. Ich weiß selbstverständlich, was für eine Rolle es spielt, wenn jemand sich in eine Idee eingelebt hat; er kann nicht davon lassen. Aber ich denke, daß eigentlich alles das, was über die Grundrentensteuer gesagt worden ist, schon aus dem Geiste dessen, was über Wertsteigerung gesagt wurde, beantwortet ist.

[ 56 ] Mr. Kaltenbach did make a valid point there, [when he pointed out the significance of the land rent]. Of course, I only singled out one example—specifically, the tax on appreciation in value. But I should have said exactly the same thing with regard to the taxation of land rent. But, ladies and gentlemen, I would now like to know whether the question that was raised has not already been answered? For my point was not whether we are dealing with a ground rent or an increase in value, but rather that, in principle, a tax is paid to the state; Mr. Kaltenbach clearly said “tax,” and by that he means something that is paid to the state. What kind of tax is to be paid to the state is irrelevant. What matters is that the state be restricted to a single link in the social organism; the structure in which it exists today must not be preserved. One cannot say that the land reformers do not want laws in the spirit of the old state system. That is precisely what they want. They want to impose something on the old state that they believe it is capable of handling. It can never do so. I am, of course, aware of the role played by the fact that once someone has become accustomed to an idea, they cannot let it go. But I think that, in fact, everything that has been said about the ground rent tax has already been answered by the spirit of what was said about appreciation in value.

[ 57 ] Das möchte man so sehr, daß nicht wiederum das Alte auftaucht. Man möchte nicht, daß nur einer kommt und sagt: Ich will ja gar nicht, daß die Geheimen Regierungsräte geradeso sind wie die alten Geheimen Regierungsräte, aber ich will, daß der dreigegliederte Organismus neue Regierungsräte fabriziert. — [Es kommt auf das gleiche heraus], ob man das sagt oder ob man sagt: Ja, die Bodenreformer wollen ja gar nichts dem Staate geben. — Aber Steuern wollen sie doch geben, und Steuern kann man ja in der heutigen Form nur dem Staate zahlen. Damit steckt man ja in der Frage drinnen: Wem soll man denn Steuer zahlen? - Und wenn es sich um Verträge handelt - ja, wissen Sie, Verträge läßt wahrhaftig bis jetzt kein Staat mit sich über die Steuer schließen. Das nimmt sich doch anders aus, was da spielt zwischen Staat und Mensch, wenn Steuer gezahlt werden soll; da handelt es sich wahrhaftig nicht um Verträge.

[ 57 ] One wants this so much that the old ways don’t resurface. One doesn’t want just anyone to come along and say: “I don’t want the Secret Councilors to be exactly like the old Secret Councilors, but I do want the threefold social order to produce new Councilors.” — [It amounts to the same thing], whether one says that or whether one says: “Yes, the land reformers don’t want to give anything to the state at all.” — But they do want to pay taxes, and taxes, in their current form, can only be paid to the state. This brings us right to the heart of the matter: To whom, then, should one pay taxes? — And when it comes to contracts—well, you know, no state has ever actually allowed contracts to be concluded with it regarding taxes. The relationship between the state and the individual looks quite different when taxes are to be paid; that is truly not a matter of contracts.

[ 58 ] Es handelt sich darum, daß wir lebendig aufzunehmen versuchen, wie die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus ein Umdenken will. Aber dem steht eben entgegen —- auch wenn man mit gutem Willen oftmals zugibt, man soll und muß umdenken -, daß, wenn man dann versucht umzudenken, man eben am Worte kleben bleibt, zum Beispiel bei dem Worte «Gesetz». Ja, so habe ich auch schon die Frage gestellt bekommen: Wie soll der Staat die Dreigliederung einführen? Das ist es: Wir müssen hinauskommen über die Denkgewohnheiten, über die Wortgewohnheiten. Wir müssen zu scharf umrissenen Gedanken kommen, sonst wird der Impuls der Dreigliederung des sozialen Organismus doch nicht verstanden.

[ 58 ] The point is that we are trying to grasp, in a living way, how the idea of the threefold social order calls for a change in thinking. But what stands in the way of this—even though people often admit, with good will, that they should and must change their thinking—is that when they then try to do so, they get stuck on the words themselves, for example, the word “law.” Yes, I have even been asked this question: How is the state supposed to introduce the threefold social order? That is the point: We must move beyond our habitual ways of thinking and our habitual use of words. We must arrive at clearly defined ideas; otherwise, the impulse behind the threefold social order will not be understood.