Understanding Human Beings
in Terms of Body, Soul, and Spirit.
Early Conditions on Earth
GA 347
13 September 1922, Dornach
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Understanding Human Beings in Terms of Body, Soul, and Spirit, tr. SOL
5. Wahrnehmen und Denken innerer Organe
5. Perception and Thought of the Internal Organs
[ 1 ] Meine Herren! Die Dinge, die wir in den letzten Betrachtungen besprochen haben, sind so wichtig auch zum Verständnisse dessen, was ich noch weiter zu sagen haben werde, daß ich wenigstens mit ein paar Worten diese wichtigen Dinge noch einmal vor Augen stellen will.
[ 1 ] Gentlemen! The points we have discussed in our recent reflections are so important for understanding what I have yet to say that I would like to briefly review these key points once more.
[ 2 ] Nicht wahr, wir haben gesehen, daß im wesentlichen das menschliche Gehirn aus kleinen Gebilden besteht, die sternförmig sind. Aber die Strahlen der Sterne sind sehr weit verlaufend. Die Ausläufer dieser kleinen Wesenheiten, die verschlingen sich ineinander, verweben sich ineinander, so daß das Gehirn eben eine Art von Gewebe ist, auf die Art entstanden, wie ich es Ihnen gesagt habe.
[ 2 ] Isn't it true that we have seen that, essentially, the human brain consists of small, star-shaped structures? But the rays of these stars extend very far. The extensions of these small entities intertwine and interweave with one another, so that the brain is, in fact, a kind of tissue, formed in the way I have described to you.
[ 3 ] Solche kleinen Wesen, wie sie im Gehirn sind, sind auch im Blut, nur mit dem Unterschiede, daß die Gehirnzellen — so nennt man ja diese kleinen Gebilde — nicht leben können, nur in der Nacht, beim Schlafen, etwas leben können. Sie können dieses Leben nicht ausüben. Sie können sich nicht bewegen, weil sie wie in einem Heringsfaß zusammengepfercht, zusammengeklumpt sind. Aber die Blutkörperchen, die weißen Blutkörperchen im roten Blute da drinnen, die können sich bewegen. Die schwimmen im ganzen Blut herum, bewegen ihre Ausläufer und kommen nur von diesem Leben etwas ab, ersterben etwas, wenn der Mensch schläft. So daß also der Schlaf und das Wachen zusammenhängen mit dieser Tätigkeit oder auch Untätigkeit der Gehirnzellen, überhaupt der Nervenzellen, und der Zellen,:die als weiße Blutkörperchen im Blute herumschwimmen, sich darinnen herumbewegen.
[ 3 ] Such tiny beings, like those found in the brain, are also present in the blood, with the sole difference that brain cells—as these tiny structures are called—cannot live; they can only live to some extent at night, while sleeping. They cannot fully exercise this life. They cannot move because they are crammed together and clumped up, as if in a barrel of herring. But the blood cells—the white blood cells in the red blood inside—can move. They swim around in the blood, moving their extensions, and only lose some of this vitality—dwindle somewhat—when a person sleeps. Thus, sleep and wakefulness are connected to this activity—or inactivity—of the brain cells, indeed of the nerve cells in general, and of the cells that swim around in the blood as white blood cells, moving about within it.
[ 4 ] Nun habe ich Ihnen auch gesagt, daß man gerade an einem solchen Organ, wie es die Leber ist, beobachten kann, wie der menschliche Körper im Laufe seines Lebens sich verändert. Ich habe Ihnen das letzte Mal gesagt, daß wenn beim Säugling etwa die Leber nicht in ordentlicher Weise wahrnimmt — es ist ja eine Art Wahrnehmungstätigkeit, die Leber nimmt wahr und ordnet die Verdauung —, wenn also die Leber gestört wird in ihrer Wahrnehmung, so daß sie eigentlich eine unrichtige Verdauung wahrnimmt während des Säuglingsalters, so zeigt sich das oftmals erst im allerspätesten Leben, ich sagte Ihnen, beim fünfundvierzig-, fünfzigjährigen Menschen. Der menschliche Organismus kann eben viel aushalten. Also wenn die Leber auch schon während des Säuglingsalters gestört wird, hält sie dies noch durch bis zum fünfundvierzigsten, fünfzigsten Lebensjahre. Dann zeigt sie sich innerlich verhärtet und es entstehen die Leberkrankheiten, die manchmal eben so spät beim Menschen auftreten und die dann eine Folge sind von dem, was während des Säuglingsalters verdorben worden ist.
[ 4 ] Now, I have also told you that it is precisely in an organ such as the liver that one can observe how the human body changes over the course of its life. I told you last time that if, for example, an infant’s liver does not function properly—it is, after all, a kind of sensory activity; the liver perceives and regulates digestion—if, therefore, the liver’s sensory function is disrupted so that it actually perceives digestion incorrectly during infancy, this often does not become apparent until very late in life, as I told you, in people aged forty-five or fifty. The human organism is simply capable of withstanding a great deal. So even if the liver is already impaired during infancy, it can still endure this until the age of forty-five or fifty. Then it becomes internally hardened, and liver diseases develop—diseases that sometimes appear so late in life and are the result of what was impaired during infancy.
[ 5 ] Am besten wird daher der Säugling mit der Milch der eigenen Mutter ernährt. Nicht wahr, das Kind geht ja hervor aus dem Leibe der Mutter. Man kann also begreifen, daß es in seinem ganzen Organismus, in seinem ganzen Leib verwandt ist mit der Mutter. Es muß daher am besten dann gedeihen, wenn es nicht gleich, wenn es zur Welt kommt, etwas anderes bekommt als dasjenige, was auch aus dem Leib der Mutter kommt, mit dem es also verwandt ist.
[ 5 ] It is therefore best for an infant to be fed its own mother’s milk. After all, the child comes forth from the mother’s body. One can therefore understand that the child is related to the mother in its entire organism, in its entire body. It must therefore thrive best if, immediately upon birth, it receives nothing other than that which also comes from the mother’s body—to which it is thus related.
[ 6 ] Allerdings, es kommt ja vor, daß die Muttermilch nicht geeignet ist durch ihre Zusammensetzung. Manche Menschenmilch ist zum Beispiel bitter, manche zu salzig. Da muß dann eine andere Ernährung, durch eine andere Persönlichkeit am besten, einsetzen.
[ 6 ] However, there are cases where breast milk is unsuitable due to its composition. For example, some breast milk tastes bitter, and some is too salty. In such cases, a different diet—ideally provided by another caregiver—must be introduced.
[ 7 ] Nun kann ja die Frage entstehen: Kann das Kind nicht gleich vom Anfange an mit Kuhmilch ernährt werden? — Nun, da muß man sagen: In den allerersten Zeiten des Säuglingsalters ist die Ernährung mit der Kuhmilch nicht sehr gut. Aber man braucht auch nicht zu denken, daß nun gleich eine furchtbar große Sünde gegen den menschlichen Organismus verrichtet wird, wenn man das Kind mit einer Kuhmilch nährt, die man in der entsprechenden Weise verdünnt und so weiter. Denn es ist ja natürlich die Milch bei den verschiedenen Wesen verschieden, aber nicht so stark, daß man nicht auch Kuhmilch statt der Menschenmilch zur Ernährung einführen könnte.
[ 7 ] Now the question may arise: Can’t the child be fed cow’s milk right from the start? — Well, it must be said that in the very earliest stages of infancy, feeding cow’s milk is not very good. But one need not think that feeding a child cow’s milk—which has been diluted appropriately and so on—constitutes a terrible sin against the human organism. For while milk naturally varies among different species, the differences are not so great that cow’s milk cannot be introduced as a substitute for human milk.
[ 8 ] Aber wenn nun diese Ernährung vor sich geht, so geht sie ja so vor sich, daß noch nichts, wenn das Kind nur Milch trinkt, zerkaut zu werden braucht. Dadurch sind gewisse Organe im Körper wesentlicher in Tätigkeit als später, wenn die feste Nahrung zubereitet werden muß. Die Milch ist im wesentlichen so, daß sie, ich möchte fast sagen, noch lebt, wenn das Kind sie bekommt. Es ist fast flüssiges Leben, was das Kind in sich aufnimmt.
[ 8 ] But when this feeding takes place, it happens in such a way that, as long as the child drinks only milk, nothing needs to be chewed. As a result, certain organs in the body are much more active than they will be later, when solid food must be prepared. Milk is essentially such that—I would almost say—it is still alive when the child receives it. It is almost liquid life that the child takes into itself.
[ 9 ] Nun wissen Sie ja, daß in den Gedärmen eine ganz wichtige Sache für den menschlichen Organismus vor sich geht, eine ganz außerordentlich wichtige Sache. Diese außerordentlich wichtige Sache ist diese, daß alles, was durch den Magen in die Gedärme hineinkommt, abgetötet werden muß, und wenn es durch die Darmwände dann in die Lymphgefäße und ins Blut kommt, muß es wieder belebt werden. Das ist schon einmal das Allerwichtigste, was man verstehen muß, daß der Mensch die Nahrung, die er aufnimmt, zuerst abtöten muß und nachher wiederum beleben muß. Das äußere Leben, unmittelbar vom Menschen aufgenommen, ist im menschlichen Leibe drinnen nicht brauchbar. Der Mensch muß alles, was er aufnimmt, durch seine eigene Tätigkeit ertöten und dann wieder beleben. Das muß man nur wissen. Das weiß die gewöhnliche Wissenschaft nicht, und daher weiß sie nicht, daß der Mensch die Kraft des Lebens in sich hat. Geradeso wie er Muskeln und Knochen und Nerven in sich hat, so hat er eine belebende Kraft, einen Lebensleib in sich.
[ 9 ] Now, as you know, something very important for the human organism takes place in the intestines—something extraordinarily important. This extraordinarily important process is this: everything that enters the intestines through the stomach must first be killed, and when it then passes through the intestinal walls into the lymph vessels and the blood, it must be revived. That is, first and foremost, the most important thing one must understand: that a person must first kill the food they consume and then revive it again. The external life, taken in directly by a person, is not usable within the human body. Human beings must kill everything they take in through their own activity and then revive it again. That is all one needs to know. Conventional science does not know this, and therefore it does not know that human beings possess the power of life within themselves. Just as they have muscles, bones, and nerves within themselves, so too do they have a vitalizing power, a life-body within themselves.
[ 10 ] Bei dieser ganzen Verdauungstätigkeit, bei der also abgetötet und wieder belebt wird, bei der das Abgetötete im neuen Leben innerlich aufsteigt und ins Blut hineingeht, schaut die Leber zu, so wie den äußeren Dingen das Auge zuschaut. Und wie im späteren Alter das Auge vom Star befallen werden kann, das heißt, dasjenige undurchsichtig wird, was früher durchsichtig war, wie sich das verhärtet, so kann auch die Leber sich verhärten. Und die Leberverhärtung ist eigentlich in der Leber dasselbe, was die Starkrankheit im Auge ist. Der Star kann auch in der Leber sich bilden. Dann entsteht eben am Ende des Lebens eine Leberkrankheit. Mit fünfundvierzig, fünfzig Jahren, auch später, entsteht eine Leberkrankheit. Das heißt, die Leber schaut nicht mehr das Innere des Menschen an. Es ist wirklich so: Mit dem Auge schauen Sie die Außenwelt an, mit dem Ohre hören Sie das, was in der Außenwelt klingt, und mit der Leber schauen Sie zuerst die eigene Verdauung an und dasjenige, was sich an die Verdauung anschließt. Die Leber ist ein inneres Sinnesorgan. Und nur wer die Leber als ein inneres Sinnesorgan erkennt, der versteht dasjenige, was im Menschen vor sich geht. So daß man also die Leber mit dem Auge vergleichen kann. Gewissermaßen hat der Mensch innen in seinem Bauch einen Kopf. Nur schaut der Kopf nicht nach außen hin, sondern der schaut nach innen. Und deshalb ist es, daß der Mensch mit einer Tätigkeit, die er sich nicht zum Bewußtsein bringt, im Inneren arbeitet.
[ 10 ] During this entire digestive process—in which matter is broken down and then revitalized, and in which the broken-down matter rises inwardly into new life and enters the blood—the liver observes, just as the eye observes external things. And just as the eye can be afflicted by cataracts in later life—that is, what was once transparent becomes opaque, and hardens—so too can the liver harden. And liver hardening is essentially the same thing in the liver as cataracts are in the eye. Cataracts can also form in the liver. Then, toward the end of life, liver disease develops. At the age of forty-five, fifty, or even later, liver disease develops. This means that the liver no longer observes the inner workings of the human being. It is truly the case that: with the eye, you observe the external world; with the ear, you hear the sounds of the external world; and with the liver, you first observe your own digestion and what follows from it. The liver is an internal sensory organ. And only those who recognize the liver as an internal sensory organ can understand what is going on within a person. So one can compare the liver to the eye. In a sense, a person has a head inside their abdomen. Only this head does not look outward; rather, it looks inward. And that is why a person works internally through an activity of which they are not consciously aware.
[ 11 ] Aber das Kind fühlt diese Tätigkeit. Im Kind ist das ganz anders. Das Kind guckt noch wenig nach der Außenwelt, und wenn es nach der Außenwelt guckt, kennt es sich nicht aus. Aber um so mehr guckt es nach innen im Fühlen. Das Kind fühlt ganz genau, wenn in der Milch etwas ist, was nicht hineingehört, was herausgeworfen werden muß in die Gedärme, damit es abgeführt wird. Und wenn etwas in der Milch nicht in Ordnung ist, so nimmt die Leber die Krankheitsanlage für das ganze spätere Leben in sich auf.
[ 11 ] But the child senses this activity. It is quite different for the child. The child pays little attention to the outside world, and when it does look at the outside world, it does not understand it. But all the more, it looks inward through its feelings. The child senses very precisely when there is something in the milk that does not belong there, something that must be expelled into the intestines so that it can be eliminated. And if something in the milk is not right, the liver absorbs the predisposition to illness for the rest of the child’s life.
[ 12 ] Nun, sehen Sie, Sie können sich ja denken, daß zum Auge, wenn es nach außen hin guckt, ein Gehirn gehört. Mit dem bloßen Anschauen der Außenwelt wäre uns als Menschen nicht gedient. Wir würden die Außenwelt anglotzen, rundherum anglotzen, aber wir würden nichts denken können über die Außenwelt. Es wäre geradeso wie ein Panorama, und wir säßen mit einem leeren Kopf davor. Wir denken mit unserem Gehirn, und denken über dasjenige, was draußen in der Welt ist, mit unserem Gehirn.
[ 12 ] Well, you see, you can imagine that when the eye looks outward, there’s a brain involved. Merely looking at the outside world wouldn’t be of any use to us as human beings. We would just stare at the outside world, staring all around us, but we wouldn’t be able to think anything about it. It would be just like a panorama, and we’d be sitting there with an empty mind. We think with our brain, and we think about what’s out there in the world using our brain.
[ 13 ] Ja, aber, meine Herren, wenn die Leber eine Art inneres Auge ist, das die ganze Darmtätigkeit abtastet, dann muß die Leber ja auch eine Art Gehirn haben, so wie das Auge das Gehirn zur Verfügung hat. Sehen Sie, die Leber kann zwar das alles anschauen, was im Magen vor sich geht, wie im Magen der ganze Speisebrei durchmischt wird mit Pepsin. Die Leber kann dann, wenn der Speisebrei durch den sogenannten Magenpförtner in den Darm eintritt, sehen, wie im Darm der Speisebrei weiterrückt, wie er in diesem Speisebrei aber immer mehr die brauchbaren Teile absondert durch die Wände des Darmes, wie dann die brauchbaren Teile in die Lymphgefäße übergehen und von diesen Gefäßen dann ins Blut eindringen. Aber von da ab kann die Leber nichts mehr tun. Geradesowenig wie das Auge denken kann, so wenig kann die Leber die weitere Tätigkeit tun. Da muß zu der Leber ein anderes Organ kommen, wie zum Auge das Gehirn kommen muß.
[ 13 ] Yes, but, gentlemen, if the liver is a kind of internal eye that monitors all intestinal activity, then the liver must also have a kind of brain, just as the eye relies on the brain. You see, the liver can observe everything that is happening in the stomach—how the entire chyme is mixed with pepsin. The liver can then, when the chyme enters the intestine through the so-called pylorus, see how the chyme moves further along in the intestine, how the useful components are increasingly absorbed from this chyme through the intestinal walls, and how these useful components then pass into the lymphatic vessels and from there enter the bloodstream. But from that point on, the liver can do nothing more. Just as the eye cannot think, so too can the liver not carry out any further activity. Another organ must come into play for the liver, just as the brain must come into play for the eye.
[ 14 ] Und geradeso wie Sie in sich die Leber haben, die fortwährend Ihre Verdauungstätigkeit anguckt, so haben Sie in sich auch eine Denktätigkeit, von der Sie im gewöhnlichen Leben gar nichts wissen. Diese Denktätigkeit — das heißt, Sie wissen von der Denktätigkeit nur nichts, von dem Organ wissen Sie schon —, diese Denktätigkeit, die geradeso hinzugefügt wird der Wahrnehmungstätigkeit, der Auffassungstätigkeit der Leber, wie durch das Gehirn der Wahrnehmungstätigkeit des Auges das Denken hinzugefügt wird, die haben Sie nämlich, so sonderbar es Ihnen scheint, durch die Niere, das Nierensystem.
[ 14 ] And just as you have a liver within you that constantly monitors your digestive activity, so too do you have a thought process within you of which you are completely unaware in everyday life. This thinking activity—that is to say, you are simply unaware of the thinking activity itself, though you are familiar with the organ—this thinking activity, which is just as closely linked to the liver’s perceptual and cognitive functions as thinking is linked to the eye’s perceptual activity through the brain, is, strange as it may seem to you, carried out by the kidney, the renal system.
[ 15 ] Das Nierensystem, das sonst für das gewöhnliche Bewußtsein nur das Urinwasser absondert, ist gar kein so unedles Organ, wie man es immer anschaut, sondern die Niere, die sonst eben nur das Wasser absondert, die ist dasjenige, was zur Leber gehört und was eine innere Tätigkeit ausübt, ein inneres Denken. Die Niere steht auch mit dem anderen Denken im Gehirn durchaus in Verbindung, so daß, wenn die Gehirntätigkeit nicht in Ordnung ist, auch die Tätigkeit der Niere nicht in Ordnung ist. Nehmen wir an, beim Kinde schon fangen wir an, das Gehirn nicht ordentlich arbeiten zu lassen. Es arbeitet nicht ordentlich, wenn wir zum Beispiel das Kind veranlassen, zu viel zu lernen — ich habe schon das letzte Mal darauf hingedeutet —, zu viel mit dem bloßen Gedächtnisse arbeiten zu lassen, wenn wir es zu viel auswendig lernen lassen. Etwas muß es auswendig lernen, damit das Gehirn beweglich wird; aber wenn wir es zu viel auswendig lernen lassen, dann muß sich das Gehirn so anstrengen, daß es zu viel Tätigkeit ausübt, die im Gehirn Verhärtungen hervorbringt. Dadurch entstehen Gehirnverhärtungen, wenn wir das Kind zu viel auswendig lernen lassen. Wenn aber im Gehirn Verhärtungen entstehen, dann wird durch das ganze Leben hindurch es so sein können, daß das Gehirn nicht ordentlich arbeiter. Es ist eben zu hart.
[ 15 ] The renal system, which to ordinary consciousness merely excretes urine, is not at all as base an organ as it is usually regarded; rather, the kidney—which otherwise merely excretes water—is that which belongs to the liver and which exercises an inner activity, an inner thinking. The kidney is also closely connected to the other form of thinking in the brain, so that if brain activity is not functioning properly, the activity of the kidney is also not functioning properly. Let’s suppose we start, even with a child, by preventing the brain from functioning properly. It does not function properly if, for example, we cause the child to study too much—as I already hinted at last time—or to rely too heavily on mere memory, or if we make the child memorize too much. They do need to memorize some things so that the brain becomes flexible; but if we make them memorize too much, then the brain has to exert itself so much that it engages in excessive activity, which causes hardening in the brain. This leads to hardening of the brain if we make the child memorize too much. But if stiffness develops in the brain, it may be the case throughout the child’s entire life that the brain does not function properly. It is simply too rigid.
[ 16 ] Aber das Gehirn steht mit der Niere in Verbindung. Und dadurch, daß das Gehirn mit der Niere in Verbindung steht, arbeitet dann auch die Niere nicht mehr ordentlich. Der Mensch kann eben viel aushalten; es zeigt sich erst später: Es arbeitet der ganze Leib nicht mehr ordentlich, es arbeitet auch die Niere nicht mehr ordentlich, und Sie finden im Urin Zucker, der eigentlich aufgearbeitet werden soll. Aber der Leib ist zu schwach geworden, um den Zucker zu verbrauchen, weil das Gehirn nicht ordentlich arbeitet. Er läßt den Zucker im Urinwasser. Der Körper ist nicht in Ordnung, der Mensch leidet an der Zuckerkrankheit.
[ 16 ] But the brain is connected to the kidneys. And because the brain is connected to the kidneys, the kidneys no longer function properly. The human body can endure a great deal; it only becomes apparent later: The entire body no longer functions properly, nor do the kidneys, and you find sugar in the urine that should actually be processed. But the body has become too weak to utilize the sugar because the brain is not functioning properly. It allows the sugar to remain in the urine. The body is not functioning properly; the person suffers from diabetes.
[ 17 ] Sehen Sie, das möchte ich Ihnen ganz besonders klarmachen, daß von der geistigen Tätigkeit, zum Beispiel von dem Zuviel-Auswendiglernen, eben etwas abhängt, wie der Mensch später ist. Haben Sie nicht gehört, daß die Zuckerkrankheit gerade so häufig ist bei reichen Leuten? Die können für ihre Kinder außerordentlich gut sorgen, auch materiell, auf physischem Gebiete; aber sie wissen nicht, daß sie dann auch für einen ordentlichen Schullehrer sorgen müßten, der das Kind nicht so viel auswendig lernen läßt. Sie denken: Nun, das macht ja der Staat, da ist alles gut, da braucht man sich nicht zu kümmern darum. — Das Kind lernt zu viel auswendig, wird später ein zuckerkranker Mensch! Man kann eben nicht durch die materielle Erziehung allein, durch dasjenige, was man durch Nahrungsmittel dem Menschen beibringt, den Menschen gesund machen. Man muß Rücksicht nehmen auf dasjenige, was sein Seelisches ist. Und sehen Sie, da fängt man allmählich an zu fühlen, daß das Seelische etwas Wichtiges ist, daß der Körper nicht das einzige ist am Menschen, denn der Körper kann von der Seele aus ruiniert werden. Denn wir können noch so gut essen als Kind und noch so stark nach dem essen, was der Chemiker im Laboratorium an den Nahrungsmitteln studiert — wenn das Seelische nicht in Ordnung ist, das Seelische nicht berücksichtigt wird, geht der menschliche Organismus doch kaputt. Da lernt man sich allmählich durch eine wirkliche Wissenschaft, nicht die heutige bloß materielle Wissenschaft, hineinleben in das, was beim Menschen schon vorhanden ist, bevor die Empfängnis kommt, und vorhanden ist nach dem Tode, weil man eben das kennenlernt, was sein Seelisches ist. Das muß man gerade in solchen Dingen besonders in Betracht ziehen.
[ 17 ] You see, I’d like to make this particularly clear to you: a person’s future development depends to some extent on their mental activities—for example, on memorizing too much. Haven’t you heard that diabetes is particularly common among wealthy people? They can provide exceptionally well for their children, materially and physically; but they don’t realize that they should also ensure their child has a proper schoolteacher who doesn’t make the child memorize so much. They think: Well, the state takes care of that; everything’s fine there, so there’s no need to worry about it. — The child memorizes too much and will later develop diabetes! You simply can’t make a person healthy through material upbringing alone—through what you teach them via food. One must take into account what constitutes the soul. And you see, that’s when one gradually begins to feel that the soul is something important, that the body isn’t the only thing that matters in a person, because the body can be ruined by the soul. For no matter how well we eat as children, and no matter how closely we follow the nutritional research that chemists conduct in laboratories—if the soul is not in order, if the soul is not taken into account, the human organism will still break down. Through a true science—not today’s purely material science—one gradually learns to delve into what is already present in a human being before conception and remains present after death, because one comes to know precisely what the soul is. This must be taken into special consideration, particularly in such matters.
[ 18 ] Aber nun denken Sie, woher kommt denn das eigentlich, daß die Menschen heute nichts wissen wollen von dem, was ich Ihnen da erzählt habe? Nun, Sie können heute an die Menschen mit einer sogenannten Bildung herankommen; da ist es «ungebildet», wenn man von der Leber redet, oder gar von der Niere redet. Es ist etwas Ungebildetes. Woher kommt es denn, daß es etwas «Ungebildetes» ist?
[ 18 ] But now think about it: where does this actually come from—the fact that people today don’t want to know anything about what I’ve just told you? Well, if you approach people today who are so-called “educated,” it’s considered “uneducated” to talk about the liver, or even the kidney. It’s something uneducated. Why is it considered “uneducated”?
[ 19 ] Sehen Sie, die alten Juden im hebräischen Altertum — und schließlich kommt ja unser Altes Testament von den Juden —, die alten Juden haben noch nicht das Reden von der Niere als etwas so furchtbar Ungebildetes angesehen. Denn die Juden sagten zum Beispiel nicht, wenn der Mensch in der Nacht quälende Träume hatte — das kann man im Alten Testament lesen; die heutigen Juden sind schon so gebildet, daß sie das nicht wieder vorbringen, was im Alten Testament steht, wenn sie in anständiger Gesellschaft sind, aber im Alten Testament steht es —, sie sagten nicht, wenn der Mensch böse Träume hatte in der Nacht: Meine Seele ist gequält. — Ja, meine Herren, das kann man leicht sagen, wenn man keine Vorstellung von der Seele hat; dann ist «Seele» bloß ein Wort — das ist ja nichts. Aber das Alte Testament sagte, wie es richtig ist aus einer Weisheit heraus, die einmal die Menschheit gehabt hat, wenn der Mensch böse Träume in der Nacht gehabt hat: Die Niere quält ihn. — Was da im Alten Testament schon gewußt worden ist, darauf kommt man wieder durch die neuere Anthroposophie, das neuere Forschen: Da ist die Nierentätigkeit nicht in Ordnung, wenn man böse Träume hat.
[ 19 ] You see, the ancient Jews in Hebrew antiquity—and after all, our Old Testament comes from the Jews—the ancient Jews did not yet regard talk of the kidney as something so terribly uncultured. For example, the Jews did not say—as one can read in the Old Testament; today’s Jews are already so educated that they do not repeat what is written in the Old Testament when they are in decent company, but it is written there—they did not say, when a person had bad dreams at night: “My soul is tormented.” — Yes, gentlemen, that is easy to say when one has no concept of the soul; then “soul” is merely a word—it means nothing. But the Old Testament said, as is correct, out of a wisdom that humanity once possessed, that when a person had bad dreams at night: “The kidney torments him.” — What was already known in the Old Testament is being rediscovered through modern anthroposophy and recent research: Kidney function is not right when one has bad dreams.
[ 20 ] Dann kam das Mittelalter, und im Mittelalter hat sich allmählich das herausgebildet, was bis heute noch gilt. Denn im Mittelalter, da war die Neigung, alles'nur zu loben, was man nicht wahrnehmen kann, was irgendwie außer der Welt ist. Am Menschen läßt man ja den Kopf frei; das andere bedeckt man. Man darf nur von dem reden, was eben frei ist. Allerdings, manche Damen gerade der gebildeten Welt gehen ja heute so herum, daß sie so viel frei lassen, daß man von dem Freigelassenen noch lange nicht reden darf. Aber immerhin, dasjenige, was dann im Inneren des Menschen ist, das ist für eine gewisse Sorte von Christentum im Mittelalter — in England hieß es später das Puritanertum — etwas geworden, wovon man nicht reden darf. Von der bloß materiellen Sinneswissenschaft darf man darüber nicht reden. Das ist nichts Geistiges, davon darf man nicht reden. Und damit hat man allmählich überhaupt den ganzen Geist verloren. Natürlich, wenn man nur redet von dem Geist, wo der Kopf sitzt, da kann man ihn nicht so leicht erhaschen. Aber wenn man ihn erhascht, wo er im ganzen menschlichen Leibe sitzt, da kann man das wohl.
[ 20 ] Then came the Middle Ages, and during the Middle Ages, what is still true today gradually took shape. For in the Middle Ages, there was a tendency to praise only that which one cannot perceive—that which is, in a sense, outside the world. One leaves the head uncovered; the rest is covered. One is only allowed to speak of what is actually exposed. Admittedly, some women—especially in the educated world—go about today leaving so much uncovered that one is still far from being allowed to speak of what is left uncovered. But in any case, that which is then within the human being became, for a certain kind of Christianity in the Middle Ages—later called Puritanism in England—something one must not speak of. One must not speak of it from the perspective of purely material sensory science. It is not something spiritual; one must not speak of it. And in this way, one has gradually lost the spirit altogether. Of course, if one speaks only of the spirit where the head is located, one cannot grasp it so easily. But if one grasps it where it resides in the entire human body, then one can certainly do so.
[ 21 ] Und sehen Sie, die Nieren, die sind dann dasjenige, was denkt zu der Wahrnehmungstätigkeit der Leber dazu. Die Leber schaut an, die Nieren denken; und die können dann denken die Herztätigkeit und können überhaupt alles das denken, was die Leber nicht angeschaut hat. Die Leber kann noch anschauen die ganze Verdauungstätigkeit und wie der Speisesaft ins Blut kommt. Aber dann, wenn es anfängt, im Blut zu kreisen, dazu muß gedacht werden. Und das tun die Nieren. So daß also der Mensch in sich tatsächlich so etwas wie einen zweiten Menschen hat.
[ 21 ] And you see, the kidneys are what contribute to the liver’s perceptual activity. The liver observes, the kidneys think; and they can then process the heart’s activity and, in fact, process everything that the liver has not observed. The liver can still observe the entire digestive process and how the digestive juices enter the blood. But once they begin to circulate in the blood, that requires thought. And that is what the kidneys do. So, in a sense, a person actually has something like a second person within themselves.
[ 22 ] Nun aber, meine Herren, werden Sie doch unmöglich glauben können, daß diejenigen Nieren, die Sie aus dem toten Körper herausschneiden und die Sie dann auf den Seziertisch legen — oder wenn es eine Rinderniere ist, so essen Sie sie sogar; die können Sie ja ganz bequem anschauen, bevor Sie sie essen oder kochen —, aber Sie werden doch nicht glauben, daß das Stück Fleisch mit all den Eigenschaften, von denen der Anatom spricht, daß das Stück Fleisch denkt! Das denkt natürlich nicht, sondern das vom Seelischen, was in der Niere drinnen ist, das denkt. Daher ist es auch so, wie ich Ihnen das letzte Mal gesagt habe: Das Stoffliche, das zum Beispiel an der Niere ist, sagen wir im Kindesalter, das ist nach sieben, acht Jahren ganz ausgewechselt. Da ist ein anderer Stoff drinnen. Geradeso wie Ihre Fingernägel nach sieben, acht Jahren nicht mehr dasselbe sind, sondern Sie immer das Vordere abgeschnitten haben, so ist in der Niere und Leber alles weggegangen, was da war und ist von Ihnen neu ersetzt worden.
[ 22 ] But now, gentlemen, surely you cannot possibly believe that those kidneys which you cut out of a dead body and then place on the dissection table—or, if it is a beef kidney, which you even eat; which you can, of course, examine quite comfortably before you eat or cook them—but surely you don’t believe that this piece of meat, with all the characteristics the anatomist describes, that this piece of meat thinks! It doesn’t think, of course; rather, it is the spiritual element within the kidney that thinks. That is why it is just as I told you last time: The physical substance, for example, in the kidney—let’s say during childhood—is completely replaced after seven or eight years. There is a different substance inside. Just as your fingernails are no longer the same after seven or eight years—because you’ve always cut off the tips—so too has everything that was in the kidney and liver been replaced by new material from you.
[ 23 ] Ja, da müssen Sie fragen: Wenn der Stoff gar nicht mehr da ist, der vor sieben Jahren in der Leber, in der Niere da war, und dennoch die Leber nach Jahrzehnten noch krank werden kann durch das, was man als Säugling an ihr versäumt hat, dann ist eben eine Tätigkeit da, die man nicht sieht, denn der Stoff pflanzt sich nicht fort. Das Leben pflanzt sich fort vom Säuglingsalter bis ins fünfundvierzigste Jahr. Krank werden kann nicht der Stoff — der wird ausgeschieden —, aber es pflanzt sich fort die nicht sichtbare Tätigkeit, die da drinnen ist und die beim Menschen durch das ganze Leben durchgeht. Da sehen Sie, wie der menschliche Körper eigentlich ein kompliziertes, ein ungeheuer kompliziertes Wesen ist.
[ 23 ] Yes, you have to ask: If the substance that was present in the liver and kidneys seven years ago is no longer there at all, and yet the liver can still become diseased decades later due to what was neglected in its development as an infant, then there is simply an activity at work that cannot be seen, because the substance does not propagate itself. Life continues from infancy into the forty-fifth year. The substance itself cannot become diseased—it is excreted—but the invisible activity that is present within and continues throughout a person’s entire life does persist. There you see how the human body is actually a complex, an immensely complex being.
[ 24 ] Nun möchte ich Ihnen noch etwas anderes sagen. Ich habe Ihnen gesagt: Die alten Juden haben noch etwas davon gewußt, wie die Nierentätigkeit beteiligt ist an einem solchen dumpfen, finsteren Denken, wie es die Träume sind in der Nacht. Aber in der Nacht ist es ja nun so, daß unsere Vorstellungen fort sind; da nimmt man wahr, was die Niere denkt. Bei Tag hat man den Kopf voll mit den Gedanken, die von außen kommen. Geradeso wie wenn ein starkes Licht da ist und ein schwaches Kerzenlicht, so sieht man das starke Licht, und das schwache Kerzenlicht verschwindet daneben. So ist es beim Menschen, wenn er wach ist: er hat den Kopf voll mit den Vorstellungen, die von der Außenwelt kommen, und was da unten die Nierentätigkeit ist, das ist eben das kleine Licht; das nimmt er nicht wahr. Wenn der Kopf aufhört zu denken, dann nimmt er das, was die Nieren denken und die Leber anschaut im Inneren, noch wahr als Träume. Deshalb schauen auch die Träume so aus, wie Sie sie manchmal sehen.
[ 24 ] Now I’d like to tell you something else. I told you: The ancient Jews still knew something about how kidney activity is involved in the kind of dull, dark thinking that dreams are at night. But at night, our conscious thoughts are gone; that is when we perceive what the kidneys are thinking. During the day, our heads are full of thoughts that come from the outside. Just as when there is a bright light and a dim candlelight, one sees the bright light, and the dim candlelight disappears beside it. So it is with a person when they are awake: their mind is full of the images that come from the outside world, and whatever activity is taking place down below in the kidneys is like that little light; they do not perceive it. When the mind stops thinking, they still perceive what the kidneys think and what the liver observes internally as dreams. That is why dreams look the way you sometimes see them.
[ 25 ] Denken Sie sich einmal, da ist im Darm etwas nicht in Ordnung; das schaut die Leber an. Bei Tag beachtet man das nicht, weil eben stärkere Vorstellungen da sind. Aber in der Nacht beim Einschlafen oder Aufwachen, da beachtet man das, wie die Leber das Nicht-in-Ordnung-Sein der Gedärme wahrnimmt. Nun aber ist die Leber nicht so schlau und die Niere auch nicht so schlau, wie der menschliche Kopf ist. Weil sie nicht so schlau sind, können sie nicht gleich sagen: Das sind die Därme, die ich da sehe. — Sie machen ein Bild daraus, und der Mensch träumt, statt daß er die Wirklichkeit sieht. Wenn die Leber die Wirklichkeit sehen würde, so würde sie die Därme brennen sehen. Aber sie sieht nicht die Wirklichkeit, sie macht ein Bild daraus. Da sieht sie züngelnde Schlangen. Wenn der Mensch von züngelnden Schlangen träumt, was er sehr häufig tut, dann schaut die Leber die Gedärme an, und daher kommen sie ihr wie Schlangen vor. Manchmal geht es ja dem Kopf geradeso wie der Leber und der Niere. Wenn der Mensch irgend etwas, zum Beispiel ein gebogenes Stück Holz in der Nähe sieht und noch dazu in einer Gegend, wo Schlangen sein könnten, so kann sogar der Kopf dieses gebogene Stück Holz für eine Schlange halten, wenn es fünf Schritte vorn ist. So hält das innere Anschauen und das Denken der Leber, der Niere die gewundenen Gedärme für Schlangen.
[ 25 ] Just imagine: something isn’t right in the intestines; the liver picks up on that. During the day, you don’t notice it because your mind is occupied with other, more dominant thoughts. But at night, as you fall asleep or wake up, you become aware of how the liver perceives that something is wrong with the intestines. But the liver isn’t as smart—and neither is the kidney—as the human mind is. Because they aren’t that smart, they can’t immediately say, “Those are the intestines I see there.”—They form an image out of it, and the person dreams instead of seeing reality. If the liver were to see reality, it would see the intestines burning. But it doesn’t see reality; it creates an image out of it. So it sees snakes flicking their tongues. When a person dreams of snakes flicking their tongues—which they do very often—the liver looks at the intestines, and that’s why they appear to it as snakes. Sometimes the mind behaves just like the liver and the kidneys. If a person sees something nearby—for example, a curved piece of wood—and, moreover, in an area where snakes might be, even the head can mistake this curved piece of wood for a snake if it is five steps ahead. In the same way, the inner perception and thinking of the liver and the kidneys mistake the coiled intestines for snakes.
[ 26 ] Manchmal träumen Sie von einem Ofen, der fest eingeheizt ist. Sie wachen auf und haben Herzklopfen. Was ist da geschehen? Ja, die Niere denkt nach über das stärkere Herzklopfen, aber sie denkt sich das so aus, als wenn das ein warm eingeheizter Ofen wäre, und Sie träumen von einem kochenden Ofen. Das ist dasjenige, was die Niere denkt von Ihrer Herztätigkeit.
[ 26 ] Sometimes you dream of a stove that’s burning hot. You wake up with your heart pounding. What happened there? Yes, the kidney interprets the stronger heart palpitations, but it imagines them as if they were a hot stove, and you dream of a blazing stove. That is how the kidney interprets your heart’s activity.
[ 27 ] Da drinnen im menschlichen Bauche also — trotzdem es wieder «nicht gebildet» ist, davon zu reden — sitzt ein seelisches Wesen. Die Seele ist ein kleines Mäuschen, das irgendwo einschlüpft in den menschlichen Körper und da drinnen hockt. Nicht wahr, so haben es früher die Leute gemacht. Die haben nachgedacht: Wo ist der Sitz der Seele? — Aber man weiß schon überhaupt nichts mehr von der Seele, wenn man frägt, wo der Sitz der Seele ist. Sie ist ebenso im «Ohrwaschel» wie in der großen Zehe, nur braucht die Seele Organe, durch die sie denkt, vorstellt und Bilder macht. Und in einer solchen Tätigkeit, die Sie sehr gut kennen, macht sie das durch den Kopf, und in der Art, wie ich es Ihnen beschrieben habe, wo das Innere angeschaut wird, macht sie es durch Leber und Niere. Man kann überall sehen, wie die Seele am menschlichen Körper tätig ist. Und das muß man sehen.
[ 27 ] So there, inside the human abdomen—even though it is once again “inappropriate” to speak of it in these terms—resides a spiritual being. The soul is a little mouse that slips into the human body somewhere and crouches there. Isn’t that right? That’s how people used to think about it. They would ask themselves: Where is the seat of the soul? — But you don’t really know anything about the soul at all when you ask where its seat is. It is just as much in the “ear lobe” as it is in the big toe; it’s just that the soul needs organs through which it thinks, imagines, and creates images. And in an activity like this—which you know very well—it does so through the head; and in the way I’ve described to you, where the inner world is observed, it does so through the liver and the kidneys. You can see everywhere how the soul is at work in the human body. And that is what you must see.
[ 28 ] Dazu gehört allerdings eine Wissenschaft, die nicht einfach tote Menschenleiber aufschneidet, auf den Seziertisch legt, Organe herausschneidet und sie materiell anschaut; dazu gehört, daß man wirklich sein ganzes inneres Seelenleben im Denken und in allem etwas tätiger macht, als die Leute haben wollen, die bloß anschauen. Natürlich ist es bequemer, Menschenkörper aufzuschneiden, die Leber herauszuschneiden und nachher aufzuschreiben, was man da findet. Da braucht man die innere Grütze nicht stark anzustrengen. Dazu hat man die Augen, und da braucht man bloß ein bißchen Denken dazu, wenn man die Leber nach allen Richtungen zerschneidet, kleine Stücke macht, unter das Mikroskop legt und so weiter. Das ist eine leichte Wissenschaft. Aber fast alle Wissenschaft ist heute eine leichte Wissenschaft. Man muß eben viel mehr das innere Denken in Tätigkeit bringen, und man muß vor allen Dingen nicht glauben, daß man von dem Augenblick an, wo man den Menschen auf den Seziertisch legt, ihm seine Organe ausschneidet und beschreibt, den Menschen kennenlernen kann. Denn da schneidet man eben die Leber einer fünfzigjährigen Frau oder eines fünfzigjährigen Mannes aus und weiß nicht, wenn man das anschaut, was beim Säugling schon geschehen ist. Man braucht eben eine ganze Wissenschaft. Das ist eben dasjenige, was eine wirkliche Wissenschaft anstreben muß. Das ist das Bestreben der Anthroposophie, eine wirkliche Wissenschaft zu haben. Und diese wirkliche Wissenschaft führt nicht bloß zum Körperlichen, sondern sie führt, wie ich Ihnen gezeigt habe, zum Seelischen und zum Geistigen.
[ 28 ] This, however, requires a science that does not simply cut open dead bodies, place them on the dissection table, remove organs, and examine them physically; it requires that one truly engage one’s entire inner spiritual life in thought and in everything to a greater extent than those who merely observe would like. Of course, it’s easier to cut open human bodies, remove the liver, and then write down what you find there. You don’t have to strain your inner faculties very much to do that. You have your eyes for that, and you only need a little thought when you cut the liver in all directions, make small pieces, place them under the microscope, and so on. That is an easy science. But almost all science today is an easy science. One simply has to engage one’s inner thinking much more, and above all, one must not believe that one can come to know a human being from the moment one places them on the dissection table, cuts out their organs, and describes them. For when one cuts out the liver of a fifty-year-old woman or a fifty-year-old man, one does not know—when looking at it—what has already taken place in an infant. One simply needs a whole science. That is precisely what a true science must strive for. That is the aim of anthroposophy: to have a true science. And this true science leads not only to the physical, but, as I have shown you, to the soul and to the spirit.
[ 29 ] Ich habe Ihnen das letzte Mal gesagt: In der Leber ist es so, daß die blauen Blutadern, also die Adern, in denen das Blut nicht als rotes Blut fließt, sondern als blaues Blut, also mit Kohlensäure in sich, daß solche besonderen Blutadern in die Leber hineingehen. Bei allen anderen Organen ist das nicht der Fall. Die Leber ist in dieser Beziehung ein ganz ausgezeichnetes Organ. Sie nimmt blaue Blutadern auf und läßt das blaue Blut geradezu in sich verschwinden (siehe Zeichnung $. 70).
[ 29 ] I told you last time: In the liver, the blue blood vessels—that is, the vessels in which the blood does not flow as red blood but as blue blood, meaning it contains carbon dioxide—such special blood vessels enter the liver. This is not the case with any other organs. In this respect, the liver is a truly remarkable organ. It receives blue blood vessels and causes the blue blood to virtually disappear within itself (see Figure $. 70).
[ 30 ] Das ist etwas außerordentlich Bedeutsames, Wichtiges. Wenn wir uns also die Leber vorstellen, so gehen natürlich die gewöhnlichen roten Adern auch in die Leber. Es gehen die blauen Adern aus der Leber heraus. Aber außerdem geht noch eine besondere blaue Ader, die Pfortader, also ganz kohlensäurehaltiges Blut, in die Leber hinein (siehe Zeichnung auf Tafel 4). Nun, die Leber nimmt das auf und läßt es nicht wieder heraus, was dann an Kohlensäure in die Leber durch dieses besondere blaue Blut hineinkommt.
[ 30 ] This is something extraordinarily significant and important. So when we think of the liver, the usual red veins naturally also enter the liver. The blue veins lead out of the liver. But in addition, there is a special blue vein, the portal vein—carrying blood rich in carbon dioxide—that enters the liver (see diagram on Plate 4). Now, the liver absorbs this and does not let it out again; the carbon dioxide that enters the liver through this special blue blood is retained.
[ 31 ] Ja, nicht wahr, die gewöhnliche Wissenschaft sieht, wenn sie die Leber herausgeschnitten hat, diese sogenannte Pfortader, denkt nun nicht weiter darüber nach. Aber derjenige, der zu einer wirklichen Wissenschaft kommen konnte, der vergleicht doch.
[ 31 ] Yes, isn't it true that conventional science, once it has removed the liver, observes this so-called portal vein and then doesn't give it any further thought? But someone who has been able to arrive at true science does make the comparison.
[ 32 ] Nun gibt es noch Organe am Menschenkörper, die etwas sehr Ähnliches haben, und das sind die Augen. Es ist bei den Augen etwas ganz klein, leise nur angedeutet, aber dennoch, es ist beim Auge auch so, daß nicht alles Blut, alles blaue Blut, das in das Auge hereingeht, wiederum zurückgeht. Es gehen da Adern hinein, es gehen rote Adern hinein, blaue heraus. Aber nicht alles blaue Blut, das in das Auge hineingeht, geht auch wiederum zurück, sondern es verteilt sich geradeso wie in der Leber. Nur, in der Leber ist das stark, im Auge ist das sehr schwach.
[ 32 ] Now there are other organs in the human body that have something very similar, and those are the eyes. In the case of the eyes, it is something very small, only faintly hinted at, but nevertheless, it is also true of the eye that not all the blood—all the blue blood—that enters the eye flows back out again. Veins enter the eye—red veins go in, blue veins come out. But not all the blue blood that enters the eye flows back out again; rather, it is distributed just as it is in the liver. The difference is that in the liver this process is strong, whereas in the eye it is very weak.
[ 33 ] Ist das nicht ein Beweis, daß ich die Leber mit dem Auge vergleichen darf? Natürlich kann man auf alles hindeuten, was da ist im menschlichen Organismus. So kommt man eben darauf, daß die Leber ein inneres Auge ist.
[ 33 ] Isn't that proof that I am justified in comparing the liver to the eye? Of course, one can draw parallels to everything that exists in the human organism. That is precisely how one comes to the conclusion that the liver is an inner eye.
[ 34 ] Aber das Auge ist nach außen gerichtet. Das guckt nach außen und verbraucht das blaue Blut, das es bekommt, um nach außen zu schauen. Die Leber verbraucht es nach innen. Daher läßt sie es im Inneren verschwinden, das blaue Blut, und verbraucht es zu etwas anderem. Nur manchmal, sehen Sie, da kommt das Auge auch so in die Neigung hinein, seine blauen Adern so ein bißchen zu verwenden. Das ist dann, wenn der Mensch traurig wird, wenn er weint; da quillt der bitter schmeckende Tränensaft aus den Augen heraus, aus den Tränendrüsen. Das kommt von dem bißchen blauen Blut her, das in dem Auge bleibt. Wenn das besonders belebt wird durch Traurigkeit, so kommen die Tränen als Absonderung.
[ 34 ] But the eye is directed outward. It looks outward and uses the blue blood it receives to look outward. The liver uses it inwardly. That is why it makes the blue blood disappear inside and uses it for something else. Only sometimes, you see, does the eye also develop a tendency to use its blue veins just a little bit. That happens when a person becomes sad, when they cry; then the bitter-tasting tear fluid wells up from the eyes, from the lacrimal glands. This comes from the small amount of blue blood that remains in the eye. When that is particularly stimulated by sadness, the tears are secreted.
[ 35 ] Aber in der Leber ist fortwährend diese Geschichte drinnen! Die Leber ist fortwährend traurig, weil so wie der menschliche Organismus schon einmal ist im Erdenleben, man traurig werden kann, wenn man ihn von innen anschaut, denn er ist zum Höchsten veranlagt, aber er schaut eben doch nicht so besonders gut aus. Die Leber ist eben immer traurig. Deshalb sondert sie immer einen bitteren Stoff ab, die Galle. Was das Auge mit den Tränen tut, das macht die Leber für den ganzen Organismus in der Gallenabsonderung. Nur — die Träne fließt nach außen und die Tränen sind, sobald sie aus dem Auge draußen sind, verweht; aber die Galle da im ganzen menschlichen Organismus verweht nicht, weil eben die Leber nicht nach außen, sondern nach innen schaut. Da tritt das Schauen zurück, und die Absonderung, die sich vergleichen läßt mit der Tränenabsonderung, die tritt hervor.
[ 35 ] But this story is constantly playing out inside the liver! The liver is constantly sad because, just as the human organism is in this earthly life, one can become sad when looking at it from the inside—for it is predisposed to the highest, yet it doesn’t look all that good. The liver is simply always sad. That is why it constantly secretes a bitter substance: bile. What the eye does with tears, the liver does for the entire organism through the secretion of bile. However—tears flow outward, and as soon as they leave the eye, they are blown away; but the bile within the entire human organism is not blown away, because the liver looks inward rather than outward. There, the act of looking recedes, and the secretion—which can be compared to the secretion of tears—comes to the fore.
[ 36 ] Ja, aber, meine Herren, wenn das wirklich wahr ist, was ich Ihnen sage, dann muß sich ja das auf einem anderen Gebiete erst recht zeigen. Es muß sich zeigen, daß diejenigen Erdenwesen, die mehr im Inneren leben, mehr in der inneren Denktätigkeit leben, daß also die Tiere nicht weniger denken als der Mensch, daß die Tiere mehr denken — also im Kopfe weniger als der Mensch, sie haben ein unvollkommenes Gehirn. Aber dann müssen sie mehr das Leberleben und das Nierenleben be 93 achten, müssen mehr mit der Leber nach innen gucken und mit den Nieren mehr nach innen denken. Das ist auch beim Tier der Fall. Dafür gibt es einen äußeren Beweis. Unsere menschlichen Augen sind so eingerichtet, daß eigentlich das blaue Blut, das da hineinkommt, schon sehr wenig ist, so wenig, daß die heutige Wissenschaft gar nicht davon redet. Früher hat sie davon geredet. Aber bei den Tieren, die mehr in ihrem Inneren leben, schauen die Augen nicht bloß an, sondern die Augen denken mit.
[ 36 ] Yes, but, gentlemen, if what I am telling you is truly true, then that must certainly be evident in another area as well. It must become evident that those earthly beings who live more in their inner world, who live more in their inner thought processes—that is, that animals do not think any less than humans, but rather that animals think more—though less so in their heads than humans, since they have an imperfect brain. But then they must pay more attention to the life of the liver and the life of the kidneys, must look inward more with the liver and think inward more with the kidneys. This is also the case with animals. There is external evidence for this. Our human eyes are structured in such a way that the amount of blue blood entering them is actually very small—so small that modern science does not even mention it. In the past, it did discuss this. But in animals, which live more within their inner being, the eyes do not merely look; rather, the eyes think as well.
[ 37 ] Wenn man so sagen könnte, die Augen sind eine Art Leber, so könnte man nun sagen: Beim Tier ist das Auge viel mehr Leber als beim Menschen. Beim Menschen ist das Auge vollkommener geworden und weniger Leber. Es zeigt sich das beim Auge. Da beim Tier läßt sich genau nachweisen, daß da drinnen nicht bloß das ist, was beim Menschen ist: ein glasiger, wäßriger Körper, dann die Augenlinse, wiederum ein glasig wäßriger Körper —, sondern bei gewissen Tieren gehen die Blutadern in das Auge hinein und bilden im Auge einen solchen Körper (siehe Zeichnung). Bis in diesen Glaskörper gehen die Blutadern hinein, bilden da drinnen einen solchen Körper, den man den Fächer nennt, den Augenfächer. Der ist bei diesen Tieren ... (Lücke in der Nachschrift.) Warum? Weil bei diesen Tieren das Auge noch mehr Leber ist. Und geradeso wie die Pfortader in die Leber hineingeht, so geht da dieser Fächer ins Auge hinein. Daher ist es beim Tiere so: Wenn das Tier etwas anguckt, denkt schon das Auge; beim Menschen guckt es nur, und er denkt mit dem Gehirn. Beim Tier ist das Gehirn klein und unvollkommen. Es denkt nicht so viel mit dem Gehirn, denkt schon im Auge drinnen, und es kann im Auge dadurch denken, daß es diesen Sichelfortsatz hat, also daß es das verbrauchte Blut, das kohlensaure Blut im Auge drinnen verwendet.
[ 37 ] If one could say, so to speak, that the eyes are a kind of liver, then one could say: In animals, the eye is much more like a liver than in humans. In humans, the eye has become more perfect and less like a liver. This is evident in the eye. For in animals, it can be clearly demonstrated that inside there is not merely what is found in humans—a vitreous, watery body, then the lens, which is again a vitreous, watery body—but in certain animals, the blood vessels enter the eye and form a structure within it (see drawing). The blood vessels extend all the way into this vitreous body, forming a structure inside it called the fan, the ocular fan. In these animals, this fan is... (gap in the postscript.) Why? Because in these animals, the eye is even more like the liver. And just as the portal vein enters the liver, so this fan enters the eye. That is why it is like this in animals: When the animal looks at something, the eye itself is already thinking; in humans, the eye merely looks, and the person thinks with the brain. In animals, the brain is small and imperfect. It does not think so much with the brain; it thinks already within the eye, and it is able to think within the eye because it has this crescent-shaped process—that is, because it utilizes the spent blood, the carbon dioxide-rich blood, within the eye.


[ 38 ] Ich kann Ihnen etwas sagen, was Sie wirklich nicht überraschen wird. Sie werden nicht voraussetzen, daß es dem Geier hoch oben in den Lüften mit seinem verdammt kleinen Gehirn gelingen würde, den ganz schlauen Entschluß zu fassen, gerade da herunterzufallen, wo das Lamm sitzt! Wenn es beim Geier auf das Gehirn ankäme, könnte er verhungern. Aber beim Geier sitzt im Auge drinnen ein Denken, das nur die Fortsetzung ist von seinem Nierendenken, und dadurch faßt er seinen Entschluß und schießt herunter und fängt das Lamm ab. So macht es der Geier nicht, daß er sich sagt: Da unten ist ein Lamm, jetzt muß ich mich in Positur setzen; jetzt werde ich gerade richtig in der Linie da herunterfallen, da werde ich auf das Lamm stoßen. — Diese Überlegung würde ein Gehirn machen. Wenn ein Mensch da oben wäre, so würde er diese Überlegung anstellen; nur wäre er nicht imstande, das auszuführen. Aber beim Geier denkt schon das Auge. Da ist die Seele schon im Auge drinnen. Das kommt ihm gar nicht so zum Bewußtsein, aber er denkt doch.
[ 38 ] I can tell you something that really won’t surprise you. You wouldn’t expect the vulture, high up in the sky with its damn tiny brain, to be able to make the very clever decision to drop down right where the lamb is sitting! If it were up to the vulture’s brain, it might starve to death. But the vulture has a way of thinking right there in its eye—which is simply an extension of its instinctive thinking—and through that it makes its decision, dives down, and snatches the lamb. The vulture doesn’t go about it by saying to itself: “There’s a lamb down there; now I have to get into position; now I’ll drop straight down along that line, and I’ll land right on the lamb.” — That’s the kind of reasoning a brain would do. If a human were up there, he would make that calculation; only he wouldn’t be able to carry it out. But with the vulture, the eye itself thinks. The soul is already inside the eye. He isn’t really conscious of it, but he does think.
[ 39 ] Sehen Sie, ich habe Ihnen gesagt, der alte Jude, der sein Altes Testament verstanden hat, der hat gewußt, was es heißt: Gott hat dich durch deine Nieren in der Nacht geplagt. — Damit wollte er ausdrücken die Wirklichkeit dessen, was der Seele als bloße Träume erscheint. Gott hat dich durch deine Nieren in der Nacht geplagt — so sagte er ja, denn er hat gewußt: Da ist nicht nur ein Mensch, der durch seine Augen hinausguckt in die äußere Welt, sondern da ist ein Mensch, der durch seine Nieren hereindenkt und durch seine Leber hereinschaut in das Innere.
[ 39 ] You see, I told you: the old Jew who understood his Old Testament knew what it meant when it said, “God tormented you through your kidneys in the night.” — By this he meant to express the reality of what appears to the soul as mere dreams. “God has tormented you through your kidneys at night”—that’s what he said, because he knew: There is not only a person who looks out into the outer world through his eyes, but there is also a person who thinks inward through his kidneys and looks inward through his liver.
[ 40 ] Und das haben die alten Römer auch noch gewußt. Die haben gewußt, daß es eigentlich doch zwei Menschen gibt: den einen, der durch seine Augen so herausguckt, und dann den anderen, der in seinem Bauche seine Leber hat und der in sein eigenes Innere hereinguckt. Nun ist es allerdings so, daß man bei der Leber — man kann das an der Verteilung der ganzen blauen Adern verfolgen —, wenn man den Ausdruck gebrauchen will, sagen muß: Die guckt eigentlich nach hinten. Daher kommt es auch, daß der Mensch so wenig von seinem Inneren wahr 95 nimmt; geradesowenig wie Sie das, was hinter Ihnen ist, wahrnehmen, sowenig nimmt die Leber ganz bewußt wahr, was sie eigentlich anguckt. Das haben die alten Römer gewußt. Nur haben sie es so ausgedrückt, daß man nicht gleich darauf kommt. Sie haben sich vorgestellt: Da hat der Mensch vorn einen Kopf, und im Unterkörper hat er wiederum einen Kopf; der ist aber nur ein undeutlicher Kopf, der guckt nach hinten. — Und dann haben sie die zwei Köpfe zusammengenommen und haben so etwas gebildet (siehe Zeichnung): einen Kopf mit zwei Gesichtern, von denen das eine nach hinten, das andere nach vorne schaut. Solche Bildsäulen findet man heute noch, wenn man nach Italien kommt. Man nennt sie Janusköpfe.
[ 40 ] And the ancient Romans knew that, too. They knew that there are actually two people: the one who looks out through his eyes, and the other who has his liver in his belly and looks into his own inner self. Now, however, the fact is that when it comes to the liver—as can be seen from the distribution of all the blue veins—one must say, if one wants to use the expression: It actually looks backward. That is why human beings perceive so little of their inner selves; just as you do not perceive what is behind you, the liver does not consciously perceive what it is actually looking at. The ancient Romans knew this. But they expressed it in such a way that one does not immediately grasp it. They imagined: Here, a person has a head in front, and in the lower body he has another head; but this is only a vague head that looks backward. — And then they combined the two heads and created something like this (see drawing): a head with two faces, one looking backward and the other looking forward. Such statues can still be found today when one visits Italy. They are called Janus heads.
[ 41 ] Sehen Sie, die Reisenden, die dazu das Geld haben, gehen mit ihrem Baedeker durch Italien, schauen sich auch diese Janusköpfe an, schauen in den Baedeker herein — da steht aber nichts Vernünftiges drinnen. Denn, nicht wahr, man muß sich doch fragen: Wie sind denn diese alten Römerkerle dazu gekommen, solch einen Kopf auszubilden? So dumm waren sie eigentlich nicht, daß sie geglaubt haben, wenn man irgendwo übers Meer fährt, dann gibt es Menschen mit zwei Köpfen auf der Erde. Aber so ungefähr, nicht wahr, muß es sich der Reisende denken, der durch seine Augen ja nicht belehrt wird, wenn er da sieht, daß die Römer einen Kopf mit zwei Gesichtern ausgebildet haben, eins nach hinten, eins nach vorne.
[ 41 ] You see, travelers who can afford it wander through Italy with their Baedeker guide, take a look at these Janus heads, and flip through the Baedeker—but there’s nothing sensible in there. Because, don’t you think, one has to ask oneself: How did those ancient Romans come to create such a head? They weren’t actually so stupid as to believe that if you sail across the sea somewhere, there are people with two heads on Earth. But that’s roughly what the traveler must think—since his eyes don’t enlighten him—when he sees that the Romans sculpted a head with two faces, one facing backward, one facing forward.
[ 42 ] Ja, nun, die Römer haben eben noch etwas gewußt durch ein gewisses natürliches Denken, was die ganze spätere Menschheit nicht gewußt hat, und worauf wir jetzt kommen, selbständig darauf kommen. So daß man jetzt wieder wissen kann, daß die Römer nicht dumm waren, sondern gescheit waren! Januskopf heißt Jänner, Januar. Warum haben sie ihn denn just in den Zeitanfang des Jahres gesetzt? Das ist auch noch ein besonderes Geheimnis.
[ 42 ] Yes, well, the Romans knew something through a certain kind of natural thinking that all of later humanity did not know, and which we are now discovering on our own. So now we can see once again that the Romans weren’t stupid—they were smart! Janus is the name for January. Why did they place him precisely at the beginning of the year? That, too, is a special mystery.
[ 43 ] Ja, meine Herren, wenn man schon einmal so weit gekommen ist, einzusehen, daß die Seele nicht nur im Kopfe, sondern auch in der Leber und Niere arbeitet, dann kann man auch verfolgen, wie das durch das Jahr hindurch verschieden ist. Wenn nämlich Sommer ist, warme Jahreszeit, da ist es so, daß die Leber außerordentlich wenig arbeitet. Da kommt die Leber und die Niere mehr in eine Art von seelischer Schlaftätigkeit, verrichtet nur ihre äußerlichen körperlichen Funktionen, weil der Mensch mehr an die Wärme der Außenwelt hingegeben ist. Es fängt das im Inneren an, mehr Stillstand zu haben. Das ganze Verdauungssystem ist im Hochsommer stiller als im Winter; aber im Winter fängt dieses Verdauungssystem an, sehr geistig-seelisch zu sein. Und wenn die Weihnachtszeit kommt, die Neujahrszeit, wenn der Januar kommt und anfängt, da ist am stärksten die seelische Tätigkeit in der Leber und in den Nieren drinnen.
[ 43 ] Yes, gentlemen, once one has come to realize that the soul is at work not only in the head but also in the liver and kidneys, one can also observe how this varies throughout the year. For in summer, the warm season, the liver is active to an exceptionally small degree. During this time, the liver and kidneys enter a sort of spiritual slumber, performing only their external physical functions, because the human being is more attuned to the warmth of the outside world. Things begin to come to a standstill within. The entire digestive system is quieter in midsummer than in winter; but in winter, this digestive system begins to take on a very spiritual and psychological character. And when the Christmas season arrives, the New Year’s season, when January begins, that is when psychological activity is at its strongest within the liver and the kidneys.
[ 44 ] Das haben die Römer auch gewußt. Deshalb haben sie den Menschen mit den zwei Gesichtern den Jännermenschen, den Januarmenschen genannt. Wenn man selbständig wieder darauf kommt, was für ein Gescheites eigentlich da hingestellt ist, so braucht man die Dinge nicht mehr anzuglotzen, sondern kann sie wieder verstehen. Man glotzt sie heute nur an, weil die heutige Wissenschaft nichts mehr ist. Sehen Sie, Anthroposophie ist wirklich nichts Unpraktisches. Sie kann nicht nur alles dasjenige erklären, was menschlich ist, sondern sogar das, was geschichtlich ist; sie kann zum Beispiel erklären, warum die Römer diese Janusköpfe gebildet haben! Eigentlich — ich sage das wirklich nicht, um Eitelkeit zu treiben —, eigentlich müßte man schon beim Baedeker, damit die Menschen die Welt verstehen, einen Anthroposophen hinsetzen, sonst gehen die Menschen eigentlich verschlafen durch die Welt, glotzen alles nur an, können nicht nachdenken.
[ 44 ] The Romans knew that, too. That is why they called the man with two faces the “January Man.” Once you come to realize on your own just how profound this concept actually is, you no longer need to stare at things in bewilderment, but can understand them again. People just stare at them today because modern science is nothing anymore. You see, anthroposophy is really not impractical at all. It can explain not only everything that is human, but even what is historical; for example, it can explain why the Romans created these Janus heads! Actually—and I’m really not saying this out of vanity—actually, to help people understand the world, we’d have to put an anthroposophist right in the Baedeker guidebook; otherwise, people just wander through the world in a daze, merely staring at everything, unable to think for themselves.
[ 45 ] Ja, meine Herren, daraus werden Sie ersehen, daß es wirklich ernst gemeint ist, wenn man sagt, man müsse vom Körperlichen ausgehen, um zum Seelischen zu gelangen. Nun, von diesem Seelischen werde ich Ihnen dann am nächsten Samstag weiterreden. Dann können Sie sich auch überlegen, was für Fragen Sie stellen wollen. Aber Sie werden gesehen haben, daß es wirklich nicht ein Spaß ist, wie man dazu kommen will, aus dem Körperlichen heraus das Seelische zu erkennen, sondern es ist das eine sehr ernste Wissenschaft.
[ 45 ] Yes, gentlemen, from this you will see that it is truly meant seriously when one says that one must start with the physical in order to reach the spiritual. Well, I will continue speaking to you about this spiritual aspect next Saturday. Then you can also think about what questions you would like to ask. But you will have seen that it is truly no trivial matter to learn how to recognize the spiritual through the physical; rather, it is a very serious science.
