Understanding Human Beings
in Terms of Body, Soul, and Spirit.
Early Conditions on Earth
GA 347
16 September 1922, Dornach
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Understanding Human Beings in Terms of Body, Soul, and Spirit, tr. SOL
6. Der Ernährungsvorgang, physisch-materiell- und geistig-seelisch betrachtet
6. The Process of Nutrition: A Physical, Material, and Spiritual-Emotional Perspective
[ 1 ] Damit Sie, meine Herren, ein mehr vollständiges Bild bekommen, will ich noch genauer betrachten, was eigentlich im menschlichen Leibe jeden Tag bei gewissen Vorgängen vor sich geht. Denn man kann höhere Vorgänge nur verstehen, wenn man gewisse niedrige Vorgänge wirklich erkennt. Ich will daher heute noch einmal sowohl von der physischen, materiellen Seite her, wie auch von der seelischen Seite her den ganzen Ernährungsvorgang betrachten.
[ 1 ] So that you, gentlemen, may gain a more complete picture, I would like to examine in greater detail what actually takes place in the human body every day during certain processes. For one can only understand higher processes if one truly recognizes certain lower processes. I would therefore like to examine the entire process of nutrition once again today, both from the physical, material perspective and from the psychological perspective.
[ 2 ] Wir essen; wenn wir essen, dann nehmen wir zunächst die Nahrungsmittel in den Mund. Wir genießen feste und flüssige Nahrungsmittel, die luftförmigen Nahrungsmittel nehmen wir ja durch das Atmen, durch die Lunge auf. Also wir genießen feste und flüssige Nahrungsmittel. Aber wir können in unserem Leib nur Flüssigkeiten brauchen. Daher muß das Feste schon im Munde zu einer Flüssigkeit aufgelöst werden. Das wird zunächst im Munde geleistet. Das kann im Munde, im Gaumen nur dadurch geleistet werden, daß im ganzen Gaumen und überhaupt in der Mundhöhle sich kleine Organe befinden, sogenannte Drüsen, und diese Drüsen, die geben fortwährend den Speichel von sich.
[ 2 ] We eat; when we eat, we first put food into our mouths. We consume solid and liquid foods, while we take in gaseous foods through breathing, via the lungs. So we consume solid and liquid foods. But our bodies can only utilize liquids. Therefore, solid food must be broken down into a liquid state in the mouth. This process begins in the mouth. It is made possible in the mouth—specifically on the palate—by the presence of small organs, known as glands, throughout the palate and the entire oral cavity; these glands continuously secrete saliva.
[ 3 ] Also Sie müssen sich vorstellen, daß da zum Beispiel an der Seite der Zunge solche kleinen Drüsen sind. Das sind kleine Gebilde, die so angeordnet sind, daß sie, wenn man sie genau unter dem Mikroskop ansieht, so aussehen wie kleine Weintrauben; sie sind so aus Zellen zusammengelagert. Diese Drüsen, die geben den Speichel von sich. Der Speichel löst die Nahrungsmittel auf und durchdringt sie. Die Nahrungsmittel müssen im Munde eingespeichelt werden, sonst taugen sie nichts im menschlichen Organismus.
[ 3 ] So you have to imagine that, for example, there are these small glands on the side of the tongue. These are small structures arranged in such a way that, when viewed closely under a microscope, they look like little clusters of grapes; they’re composed of cells arranged in that way. These glands secrete saliva. The saliva breaks down and penetrates the food. Food must be mixed with saliva in the mouth; otherwise, it is of no use to the human body.
[ 4 ] Nun, da wird eine Tätigkeit ausgeübt — das ist ja eine Tätigkeit, dieses Einspeicheln, dieses Durchdringen der Nahrungsmittel mit dem Speichel —, und diese Tätigkeit nehmen wir wahr, die fassen wir auf im Geschmack. Wir schmecken die Nahrungsmittel während des Einspeichelns durch den Geschmackssinn. So wie wir durch das Auge Farben wahrnehmen, so nehmen wir durch den Geschmackssinn den Geschmack der Speisen wahr.
[ 4 ] Well, an action is taking place here—this is indeed an action, this salivation, this permeation of the food with saliva—and we perceive this action; we experience it through taste. We taste the food through our sense of taste as we salivate. Just as we perceive colors through our eyes, we perceive the taste of food through our sense of taste.
[ 5 ] Also wir können sagen: Im Munde werden die Speisen eingespeichelt, und sie werden geschmeckt. Mit dem Geschmack bekommt man also ein Bewußtsein von den Speisen. Und durch das Einspeicheln werden sie so hergerichtet, daß sie dann vom anderen Leib aufgenommen werden können. Aber im Speichel des Mundes muß ein gewisser Stoff sein, sonst könnten die Nahrungsmittel nicht so zubereitet werden, daß sie dann brauchbar für den Magen sind. Da muß ein gewisser Stoff drinnen sein. Dieser Stoff, der ist auch wirklich drinnen und den nennt man Ptyalin. Also im Munde wird aus den Speicheldrüsen das Ptyalin herausgetrieben. Und dieses Ptyalin ist derjenige Stoff, der zuerst die Nahrungsmittel bearbeitet, damit sie für den Magen brauchbar werden.
[ 5 ] So we can say: Food is mixed with saliva in the mouth, and it is tasted. Through taste, we become aware of the food. And through the action of saliva, it is prepared in such a way that it can then be absorbed by the rest of the body. But there must be a certain substance in the saliva of the mouth; otherwise, the food could not be prepared in such a way that it is then usable by the stomach. There must be a certain substance in it. This substance is indeed present, and it is called ptyalin. So, in the mouth, ptyalin is secreted from the salivary glands. And this ptyalin is the substance that first processes the food so that it becomes usable for the stomach.
[ 6 ] Dann gehen durch die Speiseröhre, durch den Schlund, die eingespeichelten, vom Ptyalin bearbeiteten Nahrungsmittel in den Magen hinein. Im Magen müssen sie weiter bearbeitet werden. Dazu muß es im Magen wiederum einen Stoff geben. Der wird vom Magen ausgesondert, hervorgebracht. So wie im Munde der Speichel mit dem Ptyalin, so wird im Magen auch eine Art Speichel hervorgebracht. Nur ist in diesem Speichel des Magens schon ein etwas anderer Stoff drinnen. Der speichelt im Magen noch einmal die Nahrungsmittel ein. So daß wir sagen können: Im Magen, da ist statt des Ptyalin das Pepsin drinnen.
[ 6 ] Then the food, which has been mixed with saliva and broken down by ptyalin, passes through the esophagus and into the stomach. In the stomach, it must be further broken down. For this to happen, there must be a substance present in the stomach. This substance is secreted by the stomach. Just as saliva containing ptyalin is produced in the mouth, a kind of saliva is also produced in the stomach. However, this gastric saliva contains a slightly different substance. It further breaks down the food in the stomach. So we can say: In the stomach, pepsin is present instead of ptyalin.
[ 7 ] Nun, sehen Sie, im Magen entwickelt sich beim erwachsenen Menschen und auch schon beim siebenjährigen Kinde kein Geschmack mehr. Aber der Säugling, der schmeckt noch im Magen ebenso die Speisen, wie der Erwachsene im Mund die Speisen schmeckt. Da muß man also schon auf das Seelische des Säuglings eingehen, wenn man den Menschen durchschauen will. Der erwachsene Mensch, der bekommt höchstens einen Begriff von diesem Geschmack im Magen, wenn der Magen schon ein bißchen ruiniert ist und die Geschichte aus dem Magen statt nach unten nach oben geht. Dann kriegt der Mensch schon eine Vorstellung davon, daß es im Magen einen Geschmack gibt. Ich setze voraus, daß wenigstens einige von Ihnen das schon durchgemacht haben, daß wiederum etwas, was im Magen schon war, in den Mund herauf zurückkommt, und die werden wissen, daß das dann wirklich schlechter schmeckt als alles dasjenige oder wenigstens das meiste von demjenigen, was man ißt. Und dasjenige, was so schmecken würde wie das, was vom Magen zurückkommt, würde man gewiß nicht außerordentlich geschmackvoll finden. Man ißt ja solche Dinge nicht, die so schmecken würden wie das, was vom Magen wieder zurückkommt. Aber der Geschmack, der da im Speisebrei ist, der wieder zurückkommt, muß sich doch gebildet haben. Er bildet sich eben im Magen. Nicht wahr, im Munde sind die Speisen bloß einptyalinisiert; im Magen werden sie einpepsinisiert. Und die Folge davon ist, daß sie eben anders schmecken. Mit dem Geschmack ist es überhaupt so eine Sache.
[ 7 ] Well, you see, in adults—and even in seven-year-old children—the sense of taste no longer develops in the stomach. But an infant still tastes food in the stomach just as an adult tastes food in the mouth. So one must take the infant’s psychological state into account if one wants to understand a person. An adult, at most, gets a sense of this taste in the stomach when the stomach is already somewhat impaired and the contents travel upward instead of downward. Then the person begins to realize that there is a taste in the stomach. I assume that at least some of you have already experienced this—that something which was already in the stomach comes back up into the mouth—and you will know that it really does taste worse than everything, or at least most of what, one eats. And anything that tasted like what comes back up from the stomach would certainly not be considered particularly palatable. After all, you don’t eat things that would taste like what comes back up from the stomach. But the taste present in the chyme that comes back up must have formed somehow. It forms in the stomach. Isn’t that right? In the mouth, food is merely ptyalinized; in the stomach, it is pepsinized. And the result of that is that it simply tastes different. Taste is a strange thing in general.
[ 8 ] Nehmen Sie einmal an, Sie sind sehr empfindlich und Sie trinken Wasser, so wird das Wasser im allgemeinen, wenn es nicht gerade verdorbenes Wasser ist, keinen schlechten Geschmack haben. Wenn Sie aber — Sie müssen natürlich etwas dafür empfindlich sein — viel Zucker auf der Zunge zerfließen lassen und die Zunge darauf eingerichtet haben, so kann es Ihnen vorkommen, daß das Wasser säuerlich schmeckt. Mit dem Geschmack ist es eine eigene Sache. Aber so, wie ihn der erwachsene Mensch kennt, bildet er sich nicht im Munde aus, sondern im Magen. Das Kind fühlt, denkt aber natürlich noch nicht; daher kennt es den Geschmack nicht so, wie der erwachsene Mensch seinen Mundgeschmack kennt. Das Kind muß daher solche Nahrungsmittel kriegen, die im Magen drinnen nicht allzuschlecht schmecken. Und das ist eben die Muttermilch oder die Milch überhaupt, aus dem Grunde, weil sie einen nicht allzuschlechten Geschmack im Magen bekommt, weil das Kind verwandt ist mit der Milch. Es ist ja aus dem Leibe heraus geboren, der Milch hervorbringen kann. Also das Kind fühlt sich verwandt mit der Milch. Daher bereitet ihm die Milch keinen schlechten Geschmack. Das Kind würde aber, wenn es zu früh andere Nahrungsmittel bekommen würde, diese ekelig finden. Der Erwachsene tut das nicht mehr, weil sein Geschmack vergröbert ist. Aber das Kind würde es ekelig finden, weil es nicht mit ihnen verwandt ist, weil das äußere Nahrungsmittel sind.
[ 8 ] Suppose you have a very sensitive palate and you drink water; generally speaking, unless the water is spoiled, it won’t taste bad. But if—and of course you have to be somewhat sensitive to it—you let a lot of sugar melt on your tongue and your tongue has become accustomed to it, you may find that the water tastes sour. Taste is a matter of its own. But as adults experience it, it does not develop in the mouth but in the stomach. A child feels, but of course does not yet think; therefore, it does not perceive taste the way an adult perceives the taste in its mouth. A child must therefore be given foods that do not taste too bad once they are in the stomach. And that is precisely what breast milk—or milk in general—is, for the reason that it does not taste too bad in the stomach, because the child is kindred to milk. After all, the child is born from a body capable of producing milk. So the child feels a kinship with milk. That is why milk does not taste bad to the child. However, if the child were given other foods too early, it would find them disgusting. Adults no longer react this way because their sense of taste has become coarsened. But the child would find them repulsive because it has no affinity for them—they are external foods.
[ 9 ] Nun, sehen Sie, von dem Magen, nachdem die Speisen eingespeichelt sind in dem Magen mit dem Pepsin, gehen die Speisen in den Darm hinein, in den Dünndarm, Dickdarm und so weiter, und der Speisebrei breitet sich im Darm aus.
[ 9 ] Well, you see, after food has been mixed with saliva and pepsin in the stomach, it passes into the intestines—the small intestine, large intestine, and so on—and the chyme spreads throughout the intestines.
[ 10 ] Ich kann hierher schreiben beim Magen: Kindlicher Geschmack.
[ 10 ] I can write here, speaking from the heart: a childlike taste.
[ 11 ] Wenn sich nun da der Speisebrei ausbreitet und es geschähe gar nichts mitihm, ja, da würde er in den Därmen eine harte, steinige Masse werden und er würde den Menschen zugrunde richten. Da wird etwas anderes mit diesem Speisebrei vorgenommen.
[ 11 ] If the chyme were to simply remain there without anything happening to it, it would turn into a hard, stony mass in the intestines and cause the person’s death. So something else is done with this chyme.
[ 12 ] Was da vorgenommen wird, das geschieht zunächst wiederum durch eine Drüse. Im Munde haben wir Drüsen, im Magen Drüsen, und jetzt gibt es eine große Drüse hinter dem Magen. Also wenn der Magen da ist, so ist hinter dem Magen, wenn man den Menschen von vorne anschaut, eine ziemlich große Drüse, und vor dieser Drüse ist dann der Magen. Diese Drüse ist also hinter dem Magen. Und diese Drüse, die man die Bauchspeicheldrüse nennt, die sondert nun wiederum eine Art Speichel ab, und der Speichel geht durch feine Kanäle in die Gedärme. So daß also in den Gedärmen die Speisen ein drittes Mal eingespeichelt werden. Und der Stoff, der da in dieser Bauchspeicheldrüse abgesondert wird, der verwandelt sich sogar im Menschen. Zunächst sondert ihn die Bauchspeicheldrüse ab. Da ist er fast so wie das Pepsin des Magens. Dann aber, auf dem Wege in die Gedärme hinein, verändert er sich. Er wird schärfer. Die Speisen müssen ja jetzt schärfer angefaßt werden als früher. Und diese schärfere Art von einem Speichelstoff, der von der Bauchspeicheldrüse abgesondert wird, den nennt man Trypsin. Also wir haben als drittes die Bauchspeicheldrüse. Die sondert ab das Trypsin — wenigstens sondert sie etwas ab, was in den Gedärmen zu dem scharfen Saft des Trypsins wird. Damit wird der Speisebrei ein drittes Mal eingespeichelt. Da geschieht mit ihm also wiederum etwas Neues.
[ 12 ] What takes place there is, once again, initially carried out by a gland. We have glands in the mouth, glands in the stomach, and now there is a large gland behind the stomach. So when the stomach is there, behind the stomach—if you look at a person from the front—is a fairly large gland, and in front of this gland is the stomach. This gland is therefore behind the stomach. And this gland, which is called the pancreas, secretes a kind of saliva, and this saliva flows through fine ducts into the intestines. Thus, the food is salivated a third time in the intestines. And the substance secreted by the pancreas actually undergoes a transformation within the human body. First, the pancreas secretes it. At that point, it is almost like the pepsin in the stomach. But then, on its way into the intestines, it changes. It becomes more potent. After all, the food now needs to be broken down more thoroughly than before. And this more potent type of digestive enzyme secreted by the pancreas is called trypsin. So, thirdly, we have the pancreas. It secretes trypsin—or at least it secretes something that turns into the potent trypsin juice in the intestines. This means the chyme is subjected to salivation a third time. So something new happens to it once again.
[ 13 ] Das kann nicht mehr wahrgenommen werden von dem Bewußtsein des Menschen im Kopfe, wie ich Ihnen das letzte Mal gesagt habe, sondern das, was da aus dem Speisebrei entsteht, das wird jetzt wahrgenommen, geschmeckt oder gefühlt von der Leber und gedacht von den Nieren. Also alles dasjenige, was da drinnen in den Gedärmen vor sich geht, das wird gedacht von den Nieren und wahrgenommen von der Leber. Da sitzt also ein Seelisches drinnen in Nieren und Leber, und das nimmt so wahr, wie der Mensch durch den Kopf wahrnimmt. Nur weiß er nichts davon. Höchstens, wie ich Ihnen das letzte Mal gesagt habe, wenn er träumt; dann kommt eben in einer bildlichen Form die Geschichte zum Bewußtsein. Wie da der Speisebrei sich schlangenartig durchwindet durch die Gedärme und sich immer mit dem Trypsin mischt, das übt einen Reiz aus, und das nimmt der Mensch dann im Traum als Schlangen wahr. Das ist also eine Umsetzung in ein undeutliches, unklares Seelisches, was da der Mensch wahrnimmt.
[ 13 ] As I told you last time, this can no longer be perceived by the human consciousness in the head; rather, what arises from the chyme is now perceived, tasted, or felt by the liver and thought by the kidneys. So everything that takes place in the intestines is thought by the kidneys and perceived by the liver. There is, therefore, a spiritual element within the kidneys and liver, and it perceives in the same way that a person perceives through the head. Only, the person is unaware of it. At most, as I told you last time, when he dreams; then the process comes to consciousness in a pictorial form. Just as the chyme winds its way like a snake through the intestines and constantly mixes with trypsin, this exerts a stimulus, and the person then perceives this as snakes in a dream. So what the person perceives there is a transformation into an indistinct, unclear psychological experience.
[ 14 ] Nun, die Leber, die nimmt also da die Geschichte wahr mit dem Ptyalin, Pepsin, Trypsin — ich muß das schon so aussprechen, weil die Wissenschaft leider den Sachen so scheußliche Namen gegeben hat, und wenn man schon recht unsympathisch aufgenommen wird von der Wissenschaft, wenn man die Sachen klarlegen will, so würde die Wissenschaft schon ganz kopfstehen, wenn man den Sachen neue Namen geben wollte; man könnte es auch, aber damit die Wissenschaft nicht unnötig kopfsteht, tut man es nicht, gebraucht die alten Namen Ptyalin, Pepsin, Trypsin weiter fort. Es ist also so, daß nun die Sachen zum dritten Mal eingespeichelt werden. Und da liegt ein Leberfühlen zugrunde (siehe Schema Seite 104).
[ 14 ] Well, the liver—it’s the one that handles the whole business with ptyalin, pepsin, and trypsin—I have to say it that way because science has, unfortunately, given these things such awful names, and if you’re already met with such hostility by the scientific community when you try to clarify these matters, science would be turned completely upside down if you were to give them new names; one could do that, but so as not to turn the scientific world upside down unnecessarily, one doesn’t; instead, one continues to use the old names ptyalin, pepsin, and trypsin. So it is that these substances are now being mixed with saliva for the third time. And underlying this is a sensation in the liver (see diagram on page 104).
[ 15 ] Was das mit diesem Leberfühlen ist, meine Herren, das machen Sie sich dadurch klar, daß Sie sich einmal erinnern, wie es ist — wenn Sie es vielleicht schon einmal getan haben —, wenn man sich eine recht scharfe Zwiebel vor die Nase bringt. Nicht wahr, da kommen die Tränen. Auch wenn Sie Meerrettich vor die Nase bringen, kommen die Tränen. Woher kommt denn das? Das kommt davon her, daß der Meerrettich oder die Zwiebel auf die Tränendrüsen wirken, und die Tränendrüsen sondern dann die bitteren Tränen ab. Ja, sehen Sie, meine Herren, so ungefähr wie die Zwiebel oder der Meerrettich ist dieser in den Gedärmen verlaufende Speisebrei, und die Leber sondert die Galle ab, so wie die Augen die Tränen absondern. Die Zwiebel muß wahrgenommen werden, wenn sie Tränen hervorrufen soll; man muß sie fühlen. So fühlt die Leber diesen Speisebrei und sondert die Galle ab, die ihm zugesetzt wird. Das ist das vierte.
[ 15 ] To understand what this “feeling the liver” is all about, gentlemen, just think back to what it’s like—if you’ve ever done it—when you hold a really pungent onion up to your nose. Doesn’t it make your eyes water? Even when you hold horseradish up to your nose, tears come to your eyes. Where does that come from? It comes from the fact that the horseradish or the onion stimulates the lacrimal glands, and the lacrimal glands then secrete bitter tears. Yes, you see, gentlemen, the chyme passing through the intestines is much like an onion or horseradish, and the liver secretes bile just as the eyes secrete tears. The onion must be perceived if it is to cause tears; one must feel it. In the same way, the liver perceives this chyme and secretes the bile that is added to it. That is the fourth.
[ 16 ] Nun wird in den Gedärmen, nachdem der Mund durch das Ptyalın, der Magen durch das Pepsin, die Bauchspeicheldrüse durch das Trypsin gewirkt hat, von der Leber aus die Galle dem Speisebrei zugesetzt. Und dann kommt erst das Denken durch die Nieren.
[ 16 ] Now, in the intestines—after the mouth has acted through ptyalin, the stomach through pepsin, and the pancreas through trypsin—bile from the liver is added to the chyme. And only then does the kidneys take over.
[ 17 ] Wenn nun der Speisebrei auf diese Weise zubereitet ist, viermal eingespeichelt ist, dann geht er erst durch die Darmwände in die Lymphröhren hinein und von da in das Blut. Also wir können sagen: Im menschlichen Körper ist ein außerordentlich komplizierter Lebensprozeß vorhanden. Vom Mund, bis der Speisebrei in das Blut hineingeht, immerfort wird der Speisebrei umgeändert, damit er in der richtigen Weise nicht nur vom Magen, sondern vom ganzen menschlichen Körper verdaut werden kann.
[ 17 ] Once the chyme has been prepared in this way and mixed with saliva four times, it first passes through the intestinal walls into the lymphatic vessels and from there into the blood. So we can say: There is an extraordinarily complex life process at work in the human body. From the mouth until the chyme enters the bloodstream, it is constantly being transformed so that it can be properly digested not only by the stomach but by the entire human body.
[ 18 ] Jetzt wird aber das wiederum in einer verschiedenen Weise bewirkt. Nicht wahr, Sie können sich sagen, wenn Sie selber — denken Sie nur, meine Herren —, wenn Sie selber im chemischen Laboratorium, selbst wenn Sie ein noch so gescheiter Professor wären, das alles so machen müßten, Sie würden es nicht können, wenn Sie zuerst die Speise mit dem Mundspeichel durchkauen müßten, dann mit dem Magenspeichel, dann mit dem Darmspeichel und zuletzt mit der Galle! Das geschieht alles in Ihnen, Sie machen es fortwährend jeden Tag. Aber wenn Sie es im Laboratorium machen sollten, Sie würden es nicht können. Der Mensch hat zwar einen Verstand, aber dasjenige, was in seinem Bauch verständigerweise zugeht, das geschieht viel gescheiter, als die Menschen überhaupt auf der Erde sind. Und das ist ein sehr weiser, ein sehr gescheiter Prozeß, der sich da abspielt. Den kann man nicht so ohne weiteres nachmachen.
[ 18 ] But this, in turn, is achieved in a different way. Isn’t that right? Just imagine, gentlemen—if you yourselves were in a chemistry lab, even if you were the most brilliant professor, and had to do all of this—you wouldn’t be able to do it if you first had to chew the food with saliva from your mouth, then with gastric juice, then with intestinal juice, and finally with bile! All of this happens inside you; you do it continuously every day. But if you had to do it in a laboratory, you wouldn’t be able to. Humans do have a mind, but what takes place intelligently in their stomachs happens far more intelligently than any human on Earth could ever manage. And that is a very wise, very intelligent process that is taking place there. It cannot be easily replicated.
[ 19 ] Aber Sie werden noch mehr Respekt kriegen vor diesem Prozeß, wenn ich Ihnen seine Einzelheiten schildere. Was ißt denn der Mensch? Der Mensch ißt Pflanzenstoffe, Tierstoffe, Mineralstoffe, und dadurch kriegt er ganz verschiedene Stoffe in seinen Mund und seinen Magen und seine Gedärme hinein, die umgewandelt werden müssen, verändert werden müssen durch die Einspeichelung.
[ 19 ] But you’ll have even more respect for this process once I explain the details to you. What does a person eat? A person eats plant matter, animal matter, and minerals, and as a result, a wide variety of substances enter their mouth, stomach, and intestines, which must be converted and transformed through the action of saliva.
[ 20 ] Denken Sie sich, Sie essen Kartoffeln. Woraus besteht die Kartoffel? Die Kartoffel besteht hauptsächlich aus dem, was Sie in der Stärke haben. Sie wissen ja auch, Stärke wird aus der Kartoffel bereitet. Also Sie essen eigentlich Stärke, wenn Sie Kartoffeln essen. Das ist also eines von dem ersten, was Sie essen; Stärke essen wir. Es gibt viele stärkeähnliche Dinge. Die Kartoffel besteht fast ganz aus Stärke, nur mit einzelnen Flüssigkeiten ist die Stärke durchsetzt, namentlich mit Wasser. Und dadurch sieht die Kartoffel eben — weil sie außerdem lebendig ist, nicht tot — so aus, wie sie ist. Sie ist eigentlich lebendige Stärke, die Kartoffel. Aber darum muß sie, wie ich Ihnen gesagt habe, abgetötet werden. Da ist sie also reine Stärke. In den Pflanzen ist überall Stärke drinnen; was Sie aus dem Pflanzenreich essen — überall ist Stärke drinnen.
[ 20 ] Imagine you’re eating potatoes. What are potatoes made of? Potatoes consist mainly of what you find in starch. As you know, starch is made from potatoes. So when you eat potatoes, you’re actually eating starch. That’s one of the first things you eat; we eat starch. There are many starch-like substances. The potato consists almost entirely of starch, interspersed only with small amounts of liquid, namely water. And that is why the potato looks the way it does—because it is also alive, not dead. The potato is actually living starch. But that is why, as I have told you, it must be killed. So there it is: pure starch. Starch is found everywhere in plants; whatever you eat from the plant kingdom—it contains starch everywhere.
[ 21 ] Was essen Sie noch? Ob Sie es aus dem Pflanzenreich oder aus dem Tierreich nehmen, Sie essen Eiweiß. Eiweiß essen Sie in dem gewöhnlichen Ei; da haben Sie es so, wie es ist, nur etwas abgetötet. Sie essen aber Eiweiß, das beigemischt ist dem Muskelfleisch oder den Pflanzen. Sie essen eigentlich fortwährend Eiweiß. Also das zweite ist Eiweiß und eiweißähnliche Stoffe.
[ 21 ] What else do you eat? Whether you get it from the plant kingdom or the animal kingdom, you’re eating protein. You eat protein in a regular egg; there you have it just as it is, just slightly inactivated. But you also eat protein that is mixed in with muscle meat or plants. You’re actually eating protein all the time. So the second category is protein and protein-like substances.
[ 22 ] Und das dritte, was Sie essen, und was von der Stärke und von dem Eiweiß verschieden ist, das sind Fette. Fette sind andere Stoffe als Stärke und Eiweiß. Fette sind in den Pflanzen weniger als in den Tieren. Es gibt sogenannte Pflanzenfette. Der Mensch braucht entweder aus dem Pflanzenreich oder aus dem Tierreich die Fette, wenn er sich ordentlich nähren soll. Also die Fette sind als drittes da drinnen in dem, was der Mensch als Nahrungsmittel aufnimmt.
[ 22 ] And the third thing you eat—which is different from starch and protein—is fat. Fats are substances distinct from starch and protein. Plants contain less fat than animals. There are what are known as plant fats. Humans need fats from either the plant kingdom or the animal kingdom in order to maintain a proper diet. Thus, fats are the third component of what humans consume as food.
[ 23 ] Und als viertes sind drinnen die Salze. Der Mensch muß immer entweder schon solche Nahrungsmittel zu sich nehmen, die von Natur aus genügend Salze haben oder Salze wenigstens enthalten, oder Sie wissen ja, die Menschen stellen sich ein Salzfaß auf den Tisch, und je nachdem nehmen sie entweder mit den Fingern oder mit dem kleinen Hornlöffel oder mit der Messerspitze das Salz aus dem Salzfaß und setzen es der Suppe oder den anderen Nahrungsmitteln zu. Das wird gegessen. Das haben wir nötig. Das ist das vierte, was gegessen wird; Salze muß ich schreiben, weil es eben verschiedene Salze sind.
[ 23 ] And fourth, there are the salts. People must always either eat foods that naturally contain sufficient salts or at least contain some salts, or—as you know—people place a salt shaker on the table, and depending on the situation, they take the salt from the shaker with their fingers, a small horn spoon, or the tip of a knife and add it to the soup or other foods. That is what is eaten. We need that. That is the fourth thing that is eaten; I must write “salts” because there are, in fact, different kinds of salts.
[ 24 ] Das kommt eben alles in den Darm hinein, und das wird alles verändert im Darm.
[ 24 ] All of that ends up in the gut, and it’s all transformed there.
[ 25 ] Nun, meine Herren, was entsteht aus dem allem? Dadurch, daß die Speisen gut vorbereitet sind durch den Mundspeichel und Magenspeichel, können sie im Darm zum dritten Male eingespeichelt werden, und sie verhärten nicht, sondern sie verwandeln sich, sie werden etwas anderes.
[ 25 ] Well, gentlemen, what comes of all this? Because the food has been well prepared by saliva from the mouth and the stomach, it can be salivated a third time in the intestines, and it does not harden, but rather it transforms; it becomes something else.
[ 26 ] Was wird die Stärke? Die Stärke wird Zucker. So daß Sie also, wenn Sie Stärke essen, daraus in Ihrem Magen Zucker bekommen. Zucker brauchen wir, wenn wir ihn in uns haben wollen, gar nicht zu essen, aus dem einfachen Grunde nicht — wenn wir genügend viel entwickeln würden —, weil wir ihn selbst machen. Aber es ist schon beim Menschen so, daß er nicht alles machen kann, trotzdem die menschliche Natur sehr viel kann. Und so entwickelt sie eben zu wenig Zucker, bei manchen Menschen sogar viel zu wenig Zucker. Und da muß dann noch extra Zucker zugesetzt werden zu den Speisen, oder da wird zugesetzt, damit das schon in die Gedärme vorbereitet hineinkommt, was sonst im normalen Leben die Gedärme selber machen. Und die Gedärme machen aus Stärke Zucker. Das ist eine große Kunst.
[ 26 ] What happens to starch? Starch turns into sugar. So when you eat starch, it turns into sugar in your stomach. If we want to have sugar in our bodies, we don’t even need to eat it, for the simple reason that—if we produced enough of it—we make it ourselves. But it’s a fact of human nature that we can’t produce everything, even though the human body is capable of a great deal. And so it simply doesn’t produce enough sugar—in some people, far too little. That’s why extra sugar has to be added to meals, or it’s added so that what the intestines would normally produce on their own is already prepared when it enters the digestive tract. And the intestines convert starch into sugar. That is a great art.
[ 27 ] Noch eines: Sie wissen ja, es bekommt Menschen mit schwachem Magen besser, wenn sie kernweiche Eier essen, als wenn sie ganz harte Eier essen. Und noch dazu, wenn die Eier schon etwas stinkig geworden sind, bekommen sie erst recht schlecht. Das Eiweiß ist zwar ein gutes Nahrungsmittel, aber wenn wir es in einem belebten Zustand da in die Gedärme hineinbringen, würde dieses Eiweiß auch in uns stinkig und unbrauchbar. Wir können das Eiweiß in unserem Darm nicht so gebrauchen, wie es da draußen ist. Dieses Eiweiß muß auch umgewandelt werden, und vor allem, es muß aufgelöst werden. Wenn Sie es ins Wasser hineingeben, löst es sich nicht auf. Es muß etwas ganz anderes da sein, damit es sich auflöst. Und ganz besonders stark löst das Trypsin das Eiweiß auf. Also aus Eiweiß entsteht flüssiges Eiweiß.
[ 27 ] One more thing: As you know, people with sensitive stomachs are better off eating soft-boiled eggs than hard-boiled ones. What’s more, if the eggs have already started to smell a bit off, they’ll make you feel even worse. Egg whites are indeed a good food, but if we introduce them into our intestines while they’re still in an active state, those egg whites would also become foul-smelling and unusable inside us. We cannot utilize egg white in our intestines in the form it exists outside the body. This egg white must also be converted, and above all, it must be dissolved. If you put it in water, it does not dissolve. Something else entirely must be present for it to dissolve. And trypsin dissolves egg white particularly effectively. Thus, egg white is transformed into liquid egg white.
[ 28 ] Und während flüssiges Eiweiß entsteht, bildet sich im menschlichen Organismus noch etwas; durch die Einwirkung dieses Darmspeichels der Bauchspeicheldrüse, da bildet sich noch etwas. So spaßig es ist, aber es bildet sich nämlich Alkohol. Der Mensch entwickelt in sich Alkohol. Man braucht gar keinen Alkohol zu trinken, man hat in sich selber einen Quell von Alkohol. In den Gedärmen entsteht Alkohol. Und wenn die Menschen zum Säufer werden, dann ist das nur aus dem Grunde, weil ihre Leber zu gierig wird. Sie begnügt sich nicht, indem sie wahrnimmt den Alkohol, der da ein bißchen gebildet wird in den Gedärmen; sie verlangt mehr Alkohol, und da werden die Menschen zum Säufer.
[ 28 ] And while liquid protein is being produced, something else is forming in the human body; under the influence of this pancreatic “intestinal saliva,” something else is formed. As funny as it may sound, what is actually formed is alcohol. The human being produces alcohol within himself. You don’t need to drink any alcohol at all; you have a source of alcohol within yourself. Alcohol is produced in the intestines. And when people become alcoholics, it is only because their liver becomes too greedy. It is not satisfied with the alcohol that is produced in small amounts in the intestines; it demands more alcohol, and that is how people become alcoholics.
[ 29 ] Sehen Sie, Leute, die das gewußt haben, die haben das sogar als Grund angeführt für das Wein- und Biertrinken. Sie haben gesagt: Da sind solche Antialkoholiker; aber der Mensch kann gar nicht Antialkoholiker sein, weil er selber Alkohol in seinen Gedärmen macht. — Nun, aber das begründet natürlich nicht, daß man deshalb zum Säufer werden muß und zu viel Alkohol trinken soll. Denn wenn man nun zu viel Alkohol trinkt, das heißt, der Leber nachgibt in ihrer Gier nach Alkohol, dann wird siekrank, dann entartet sie durch das alles, wuchert. Die Leber muß doch tätig sein. Die Leber vergrößert sich und die kleinen Drüsen werden aufgeblasen. Und wenn dann die Leber arbeiten muß in der Gallenerzeugung, so erzeugt sie keine ordentliche Galle. Der Speisebrei wird nicht ordentlich in den Gedärmen mit Galle durchsetzt. Er geht als unrichtiger Speisebrei in die Lymphgefäße und in die Blutgefäße. Das kommt ins Herz und greift auch das Herz an. Deshalb haben diejenigen Menschen, die zu viel Bier trinken, eine krankhafte, eine ganz anders aussehende Leber, als diejenigen, die wenig trinken oder sich gar mit dem bißchen Alkohol begnügen in den menschlichen Gedärmen selber, das eigentlich in der Hauptsache schon genügt. Die entartete Leber und das entartete Herz sind eine Folge von zu großem Alkoholgenuß. Daher das Bierherz, das eine große Anzahl der Münchner Bevölkerung hat. Aber es ist immer auch die Leber mit entartet. Sehen Sie, man versteht die Entartung und die verschiedenen Krankheiten, wenn man in dieser Weise hineinschaut in den verschiedenen Verlauf des Speisebreies im Organismus.
[ 29 ] Look, people who knew this even cited it as a reason for drinking wine and beer. They said: There are these so-called teetotalers; but a person can’t really be a teetotaler, because the body produces alcohol in the intestines on its own. — Well, but of course that doesn’t mean you have to become a drunkard and drink too much alcohol. Because if you drink too much alcohol—that is, if you give in to the liver’s craving for alcohol—then it becomes diseased; it degenerates and becomes overgrown as a result of all that. The liver has to be active, after all. The liver enlarges, and the small glands become swollen. And when the liver then has to work to produce bile, it does not produce proper bile. The chyme is not properly mixed with bile in the intestines. It enters the lymphatic vessels and blood vessels as improper chyme. This reaches the heart and also attacks the heart. That is why people who drink too much beer have a diseased liver that looks completely different from those who drink little or who are content with the small amount of alcohol produced in the human intestines themselves—which is actually sufficient for the most part. The degenerated liver and heart are a consequence of excessive alcohol consumption. Hence the “beer heart,” which affects a large portion of Munich’s population. But the liver is always degenerated as well. You see, one can understand degeneration and the various diseases by examining in this way the different pathways of the chyme through the organism.
[ 30 ] Nun habe ich Ihnen gesagt, was entsteht, wenn das Eiweiß flüssig gemacht wird. Da dringt Alkohol in das Eiweiß hinein, und er verhindert das Stinkigwerden. Sie wissen ja, wenn man Lebendiges aufbewahren will, bewahrt man es auch in Spiritus auf, weil der Alkohol, wie man sagt, die Sache konserviert. Es kann sich erhalten. Das Eiweiß kann sich auch im Organismus dadurch erhalten, daß es in Spiritus gesetzt wird durch den Organismus selber. Das ist außerordentlich gescheit.
[ 30 ] Now I have told you what happens when the protein is liquefied. Alcohol penetrates the protein and prevents it from becoming foul-smelling. As you know, when you want to preserve living matter, you also preserve it in alcohol, because alcohol, as they say, preserves it. It can be preserved. The protein can also be preserved within the organism by being placed in alcohol by the organism itself. That is extraordinarily clever.
[ 31 ] Aber es sind so feine Vorgänge, die da geschehen, daß der Mensch das alles nicht machen könnte, Wenn er, sagen wir, irgendein menschliches Glied oder einen kleinen Organismus bewahren will, ein kleines Lebewesen bewahren will, so setzt er es in Spiritus und stellt es in seinem naturwissenschaftlichen Kabinett auf. Aber in einer viel feineren, geistreicheren Art macht das in dem menschlichen Darm das Trypsin; das setzt Alkohol ab und setzt das Eiweiß in Alkohol.
[ 31 ] But the processes taking place there are so delicate that a human being could not possibly replicate them. If, say, a person wants to preserve a human limb or a small organism—a tiny living creature—he places it in alcohol and displays it in his natural history cabinet. But in the human intestine, trypsin accomplishes this in a much more subtle and ingenious way; it releases alcohol and converts the protein into alcohol.
[ 32 ] Und was geschieht mit den Fetten? Ja, meine Herren, die Fette gehen in den Darm hinein und werden wiederum von dem, was von der Bauchspeicheldrüse abgesondert wird, in Verbindung mit der Galle umgewandelt. Und da entstehen aus dem Fett zweierlei Stoffe. Der eine Stoff ist Glyzerin. Glyzerin kennen Sie von außen, aber Sie erzeugen täglich das Glyzerin in sich. Der andere Stoff ist Säure. Also aus den Fetten entstehen Glyzerin und Säuren, allerlei Fettsäuren.
[ 32 ] And what happens to the fats? Yes, gentlemen, the fats enter the intestine and are in turn broken down by substances secreted by the pancreas, in combination with bile. And from the fat, two types of substances are produced. One substance is glycerin. You are familiar with glycerin from external sources, but you produce glycerin within your own body every day. The other substance is acid. So, glycerin and acids—all kinds of fatty acids—are produced from the fats.
[ 33 ] Und nur die Salze, die bleiben ähnlich so, die werden wenig verändert; höchstens aufgelöst werden sie, so daß sie besser verdaulich gemacht werden. Aber die bleiben eigentlich so, wie sie aufgenommen werden. Also die Salze bleiben Salze (siehe Schema Seite 106).
[ 33 ] And only the salts remain essentially the same; they undergo very little change. At most, they are dissolved so that they become more easily digestible. But they essentially remain as they are when ingested. Thus, the salts remain salts (see diagram on page 106).
[ 34 ] So also essen wir mit den entsprechenden Nahrungsmitteln stärkeartige Stoffe, eiweißartige Stoffe, fettartige Stoffe und Salzstoffe. Und nachdem wir verdaut haben, haben wir in uns statt dieser Stärke und des Eiweißes und der Fette: Zucker, aufgelöstes, flüssiges Eiweiß, Glyzerin, Säuren und Salze.
[ 34 ] So, by eating the appropriate foods, we consume starchy substances, protein-like substances, fatty substances, and salts. And after digestion, instead of these starches, proteins, and fats, we have within us: sugar, dissolved liquid protein, glycerin, acids, and salts.
[ 35 ] Und was geht nun mit dem vor sich, was wir da in uns haben? Wir haben etwas ganz anderes, als wir gegessen haben, in uns. Wir haben richtig die Geschichte umgewandelt.
[ 35 ] And what is happening now with what we have inside us? We have something completely different inside us than what we ate. We have truly transformed the story.
[ 36 ] Sehen Sie, es hat noch vor einigen Jahrhunderten in der Schweiz hier — aber er ist weit gewandert gewesen — einen Arzt gegeben, den die Wissenschaft heute ziemlich verachtet, der aber noch eine Ahnung hatte von all diesen Vorgängen. Das war der Paracelsus. In Basel war er Professor. Aber die Kerle haben ihn herausgeschmissen, weil er mehr gewußt hat als sie. Er wird heute noch allgemein verschimpft. Es ist ihm ja passiert, trotzdem er ein sehr gescheiter Mensch war, daß er über einen Felsen heruntergefallen ist und sich den Kopf zerschmettert hat. Er hat seine letzte Lebenszeit in Salzburg verbracht. Er war Arzt. Wäre er, wie man es heute nennt, ein ehrenhafter Bürger, Stadtrat von Salzburg gewesen, so hätte man ihm das beste Andenken bewahrt. Aber er war ein Mensch, der mehr gewußt hat als die anderen. Und da haben sie gesagt: Er war ein Säufer, war besoffen und ist über den Felsen heruntergestürzt. — Nun, das ist schon einmal so in der Welt. Der hat also noch etwas gewußt von der Welt und hat immer in starker Weise hingewiesen darauf, wie im Inneren des Menschen eine Umwandlungskraft ist. Aber das ist ja seit jener Zeit für Jahrhunderte vergessen worden.
[ 36 ] You see, a few centuries ago here in Switzerland—though he traveled far and wide—there was a doctor whom science today holds in rather low regard, but who still had some inkling of all these processes. That was Paracelsus. He was a professor in Basel. But those guys kicked him out because he knew more than they did. He’s still generally reviled today. Even though he was a very intelligent man, he happened to fall off a cliff and smashed his head open. He spent the last years of his life in Salzburg. He was a doctor. If he had been, as they say today, an honorable citizen or a city councilman in Salzburg, he would have been remembered in the best possible light. But he was a man who knew more than the others. And so they said: He was a drunkard, he was drunk, and he fell off the cliff. — Well, that’s just the way of the world. So he did know something about the world and always pointed out forcefully how there is a transformative power within the human being. But that has been forgotten for centuries since that time.
[ 37 ] Und was geschieht nun mit alledem, was da drinnen ist? Da gibt sich die Wissenschaft wiederum einer großen Illusion hin. Denn sehen Sie, die Wissenschaft sagt: Alles das, was da jetzt entsteht als Zucker, flüssiges Eiweiß, Alkohol, Glyzerin, Fettsäuren und Salze, all das geht in die Blutadern hinein und von da ins Herz, und vom Herzen aus durch die Blutadern wird es erst in den übrigen Organismus getrieben. — Gewiß, ich möchte sagen, mit dem Dicksten, was noch da ist — flüssig ist alles, aber auch unter dem Flüssigen sind dickliche Flüssigkeiten —, aber mit dem Dicksten, was da noch ist, kann es so sein, ist es auch so: das geht in die Adern über und versorgt von da aus den Körper. Aber, meine Herren, haben Sie denn nicht schon einmal bemerkt, daß wenn ein Glas Wasser da war und Sie Zucker ins Glas hineingegeben haben und Sie haben es nachher getrunken, daß es nicht bloß unten, wo der Zucker gelegen hat, süß ist? Das ganze Glas Wasser ist süß, nicht wahr! Der Zucker, wenn er flüssig gemacht wird, löst sich ja im ganzen Wasser auf. Und ebenso das Salz. In diesem Wasserglas da drinnen, da sind nicht erst Adern, damit der Zucker oder das Salz in alle Teile hineinkommen können, sondern das wird aufgesogen.
[ 37 ] And what happens now to everything that’s inside there? Here, science is once again succumbing to a great illusion. For you see, science says: Everything that is now being produced—sugar, liquid protein, alcohol, glycerin, fatty acids, and salts—all of that enters the blood vessels and from there goes to the heart, and from the heart, through the blood vessels, it is then carried out to the rest of the organism. — Certainly, I would say, with the thickest substance that remains—everything is liquid, but even among liquids there are thicker ones—but with the thickest substance that remains, it may be so, and indeed it is so: it passes into the veins and from there supplies the body. But, gentlemen, haven’t you ever noticed that when there was a glass of water and you put sugar into the glass and then drank it, it wasn’t just sweet at the bottom, where the sugar had settled? The whole glass of water is sweet, isn’t it! When sugar is dissolved in liquid, it dissolves throughout the entire water. And the same goes for salt. In that glass of water right there, there aren’t just veins to allow the sugar or salt to reach all parts—rather, it’s absorbed.
[ 38 ] Nun habe ich Ihnen vor einiger Zeit gesagt, daß der Mensch eigentlich zu 90 Prozent aus Wasser besteht, wenigstens aus Flüssigkeit. Es ist lebendiges Wasser, aber es ist Wasser. Nun, brauchen die Stoffe, die da sind, alle erst die Adern, um in den ganzen Körper überzugehen? Wenn da drinnen in den Gedärmen Zucker gemacht wird, hat das die Adern erst nötig, damit es in den ganzen Körper übergehe? Der Mensch besteht aus Wasser, damit sich der Zucker in ihm verbreiten kann.
[ 38 ] Well, I told you some time ago that the human body is actually 90 percent water—or at least fluid. It’s living water, but it’s water. Well, do all the substances present there first need the veins to be distributed throughout the entire body? When sugar is produced in the intestines, does it first need the veins so that it can be distributed throughout the entire body? The human body consists of water so that the sugar can spread throughout it.
[ 39 ] Ja, da haben die Leute gesagt: Wenn der Mensch ein Säufer wird, dann gehen alle Alkoholmengen, die der Mensch zu sich nimmt, auf dem Weg durch die Gedärme ins Herz und von da aus in den ganzen Körper. — Ich kann Ihnen die Versicherung geben, meine Herren, wenn der ganze Alkoholgehalt, den ein solcher Säufer in sich hineinsäuft, erst durchs Herz hindurchgehen würde, dann würde er am Alkohol nicht nach Jahren zugrunde gehen, sondern nach Tagen. Man kann das nämlich nachweisen, daß dasjenige, was man auf diese Weise flüssig zu sich nimmt, nicht erst durch die Adern in den ganzen Körper übergeht, sondern so in den Körper übergeht, wie der Zucker in einem Glas Wasser ins ganze Glas Wasser übergeht. Wenn jemand, der einen ziemlich gesunden Organismus hat, ein Glas Wasser trinkt und er trinkt es aus Durst, so wird dieses erste Glas Wasser wirklich nun von den Gedärmen verarbeitet, wird dem Speisebrei zugesetzt und geht von da aus tatsächlich in die Adern und durch das Herz in den Körper über. Aber wenn die Adern und das Herz einmal genug haben, dann können Sie Wasser trinken so viel Sie wollen: das geht nicht mehr von den Adern über, weil man das nicht braucht. Wenn Sie ein oder eineinhalb Glas Wasser trinken, nur soviel Sie gerade dem Durst entsprechend brauchen, dann läßt das Ihren Körper ungeschoren; wenn Sie aber zu viel Wasser trinken, schon beim dritten, vierten Glas, da geht das Wasser rasch durch den Urin ab. Das nimmt sich nicht erst Zeit, durchs Herz abzugehen, sondern geht einfach, weil der Mensch eine Wassersäule ist und es zu viel Wasser wäre, durch den Urin ab, Denken Sie nur einmal nach, was da geschieht, wenn die Leute am Stammtisch zusammensitzen und es zum dritten, vierten Glas Bier kommt; da können Sie wahrnehmen, wie da der eine und der andere anfängt zu laufen! Dieses Bier, das hat sich gar nicht Zeit genommen, erst ins Herz hereinzugehen, das geht auf einem viel kürzeren Wege wieder ab, weil der Mensch eben ein flüssiger Körper ist.
[ 39 ] Yes, people used to say: When a person becomes an alcoholic, all the alcohol that person consumes travels through the intestines to the heart and from there throughout the entire body. — I can assure you, gentlemen, that if all the alcohol a drunkard like that consumes were to pass through the heart first, he wouldn’t die from alcoholism after years, but after days. For it can be proven that whatever is ingested in liquid form in this way does not first pass through the veins into the entire body, but rather enters the body just as sugar dissolves into a glass of water. If someone with a fairly healthy body drinks a glass of water—and drinks it because they’re thirsty—that first glass of water is actually processed by the intestines, added to the chyme, and from there does indeed enter the veins and pass through the heart into the body. But once the veins and the heart have had enough, you can drink as much water as you want: it no longer passes through the veins, because the body doesn’t need it. If you drink one or one and a half glasses of water—just as much as you need to quench your thirst—it leaves your body unscathed; but if you drink too much water—as early as the third or fourth glass—the water is quickly excreted through the urine. It doesn’t even take the time to pass through the heart; it simply leaves through the urine because the human body is essentially a column of water, and there would be too much water otherwise. Just think for a moment about what happens when people are sitting together at a regulars’ table and they get to their third or fourth glass of beer—you can see how one after another starts to urinate! This beer didn’t even take the time to enter the heart in the first place; it leaves again via a much shorter route, because the human body is, after all, a fluid body.
[ 40 ] So können wir sagen: Der Speisebrei, der jetzt besteht aus Zucker, flüssigem Eiweiß, Glyzerin, Säuren, Salzen, der geht in den ganzen Körper über; nur der dickste Teil geht durch die Adern in den ganzen Körper über. Und so kommt es, daß im Kopf Salze abgelagert werden, daß in allen übrigen Organen Salze abgelagert werden, die gar nicht durchs Blur kommen, sondern die direkt in diese Organe hereingehen.
[ 40 ] So we can say: The chyme, which now consists of sugar, liquid protein, glycerin, acids, and salts, is distributed throughout the entire body; only the thickest part is distributed throughout the body via the veins. And this is why salts are deposited in the head and in all the other organs—salts that do not pass through the blood at all, but enter these organs directly.
[ 41 ] Nun, sehen Sie, wenn die Geschichte so wäre, daß der Mensch all das Salz, das in seinem Kopfe abgelagert wird, immerfort spüren würde, dann würde er fortwährend Kopfschmerz haben. Zuviel Salze im Kopf gibt Kopfschmerzen. Sie haben vielleicht schon etwas gehört von der Migräne. Ich habe auch schon hier davon gesprochen. Man kann auf den verschiedenen Stufen verschieden über die Dinge aufklären. Worin besteht denn die Migräne? Die Migräne besteht darinnen, daß diese ganze Verteilung nicht in Ordnung ist und im Kopf zu viel Salze, nämlich Harnsäuresalze abgelagert werden. Statt daß die Harnsäuresalze mit dem Harn, mit dem Urin abgingen, bleiben sie im Kopf liegen bei der Migräne, weil die anderen Speisen nicht ordentlich zubereitet sind und die Salze zurückhalten. Die Migräne ist nämlich gar keine so noble Krankheit, obwohl gerade meistens noble Leute sie haben. Die Migräne ist eine recht unanständige Krankheit. Dasjenige, was durch den Urin abgesondert werden sollte, das bleibt auf der rechten Seite des Kopfes liegen, weil es schon im Magen verdirbt. Also dasjenige, was im Organismus auf der linken Seite wirkt, wirkt im Kopf auf der rechten Seite. Ich werde noch in der nächsten Zeit zeigen, warum das so ist.
[ 41 ] Well, you see, if it were the case that a person constantly felt all the salt that accumulates in their head, then they would have a constant headache. Too much salt in the head causes headaches. You may have already heard something about migraines. I’ve also spoken about them here before. You can explain things differently at different levels. What exactly is a migraine? A migraine occurs when this entire distribution is out of balance and too many salts—specifically uric acid salts—are deposited in the head. Instead of being excreted in the urine, the uric acid salts remain in the head during a migraine because the other foods are not properly prepared and retain the salts. A migraine is actually not such a “noble” illness, even though it is most often suffered by people of high social standing. Migraine is a rather unsavory illness. What should be excreted in the urine remains on the right side of the head because it already spoils in the stomach. Thus, what acts on the left side of the body acts on the right side of the head. I will explain why this is so in the near future.
[ 42 ] Und so kommt es dazu, daß die Geschichte, die eigentlich durch den Urin abgehen sollte, da auf der rechten Seite des Kopfes abgelagert wird.
[ 42 ] And that is why the waste that should actually be excreted through urine ends up being deposited on the right side of the head.
[ 43 ] Wieviel Salz kann denn der Mensch ertragen? Nun ja, erinnern Sie sich daran, was ich Ihnen schon einmal gesagt habe. Erinnern Sie sich daran, daß ich gesagt habe: Im Kopf ist ja das Gehirnwasser. Dadurch allein, daß das Gehirnwasser drinnen ist, wird das Gehirn so leicht, daß es überhaupt im Menschen bestehen kann. Denn ein Körper, der einfach in der Luft ist, der hat eine gewisse Schwere, ein gewisses Gewicht. Wenn wir ihn aber ins Wasser hereinsenken, da wird er leichter. Wenn das nicht der Fall wäre, könnte man nicht schwimmen. Und sehen Sie, das Gehirn, das wäre, wenn es nicht im Wasser wäre, ungefähr 1500 Gramm schwer. Ich habe Ihnen das schon einmal gesagt: Dadurch, daß das Gehirn im Wasser drinnen schwimmt, ist es nur 20 Gramm schwer. So viel wird das leichter; 20 Gramm ist es nur schwer! Aber je mehr Salze im Gehirn abgelagert werden, desto schwerer wird es, weil die Salze eben das Gewicht des Gehirnes vergrößern. Es wird dann einfach zu schwer durch die Salze.
[ 43 ] How much salt can a person actually tolerate? Well, remember what I’ve told you before. Remember that I said: The head contains cerebrospinal fluid. Simply because that fluid is inside, the brain becomes so light that it can exist within the human body at all. Because a body that’s simply in the air has a certain heaviness, a certain weight. But when we submerge it in water, it becomes lighter. If that weren’t the case, we wouldn’t be able to swim. And you see, the brain—if it weren’t in water—would weigh about 1,500 grams. I’ve told you this before: Because the brain floats in water, it weighs only 20 grams. That’s how much lighter it becomes—it weighs only 20 grams! But the more salts that are deposited in the brain, the heavier it becomes, because the salts increase the brain’s weight. It then simply becomes too heavy due to the salts.
[ 44 ] Nun können wir also sagen: Beim Menschen ist das so, daß dann, wenn er die Salze im Gehirn ablagert, das Salz leichter gemacht wird — das ganze Gehirn wird (durch den Auftrieb) leichter gemacht. Aber nun denken Sie einmal, wie das beim Menschen anders ist als beim Tier. Sie müssen sich ja denken, daß der Mensch seinen Kopf auf seinen ganzen Organismus draufgesetzt hat. Da hat der Kopf eine ordentliche Unterstützungsfläche. Beim Tier ist das anders. Da hat der Kopf nicht diese Unterstützungsfläche, sondern da ist der Kopf rein nach vorne gerichtet. Was folgt daraus? Nun, beim Menschen wird also der Druck, den der Kopf da ausübt, obwohl er sehr leicht ist, vom Körper aufgefangen. Beim Tier wird er nicht vom Körper aufgefangen. Sehen Sie, darinnen besteht der Hauptunterschied des Menschen vom Tier.
[ 44 ] So we can say: In humans, when salts are deposited in the brain, the salt is made lighter—the entire brain is made lighter (due to buoyancy). But now consider how this differs in humans from animals. You must realize that humans have placed their head on top of their entire organism. There, the head has a proper support surface. It’s different with animals. Their heads don’t have this support surface; instead, the head is directed purely forward. What follows from this? Well, in humans, the pressure exerted by the head—even though it is very light—is absorbed by the body. In animals, it is not absorbed by the body. You see, this is the main difference between humans and animals.
[ 45 ] Die Naturforscher denken immer nach, wie sich der Mensch aus den Tieren heraus entwickelt hat. Es ist ja ganz gut, so nachzudenken, aber man kann den Menschen nicht so betrachten. Man kann nicht sagen: Das Tier hat so und so viele Knochen, und der Mensch hat ebenso viele Knochen. Der Affe hat so und so viele Knochen, der Mensch ebenso viele. Also ist das einerlei. — Das kann man nicht sagen. Beim Affen bleibt noch immer vorhanden, daß der Kopf vorne überhängt, wenn er noch so aufrecht geht, selbst wenn er ein Orang-Utan oder ein Gorilla ist. Der Mensch ist schon so eingerichtet, daß der Kopf aufsitzt auf dem Körper, daß der ganze Druck aufgefangen wird vom Körper. Was geschieht da?
[ 45 ] Naturalists are always pondering how humans evolved from animals. It’s certainly fine to think that way, but you can’t view humans in that light. You can’t say: “This animal has so many bones, and humans have just as many.” “Monkeys have so many bones, and humans have just as many.” So it doesn’t matter. — You can’t say that. In apes, the head still protrudes forward, no matter how upright they walk—even if they are orangutans or gorillas. Humans, however, are built in such a way that the head sits on top of the body, so that the entire weight is supported by the body. What is happening here?
[ 46 ] Nun, da geschieht etwas höchst Eigentümliches. Wir haben in uns Zucker, flüssiges Eiweiß, Glyzerin, Säuren, Salze. Die Salze, die gehen vom Bauch herauf in den Kopf und lagern sich dort ab, müssen wiederum zurück, gehen dann durch den Körper wieder zurück, wenn sie zu viel sind. Aber in bezug auf die übrigen Stoffe muß noch etwas anderes geschehen im Körper. Und da geschieht, während die Stoffe heraufgehen, eine neue Umwandlung. Die geschieht einfach dadurch, daß der Körper dieSchwerkraft abfängt. Die Stoffe werden immer leichter und leichter, ein gewisser Teil; ein anderer Teil setzt sich als Dickliches ab. Wie sich, wenn man etwas auflöst, auch ein Satz absetzt, so bildet sich gewissermaßen überall auf dem Weg vom Bauch zum Kopf Satz; die feinsten Teile, die gehen nach oben und werden durch diese leichter gemachte Schwerkraft umgewandelt. Und was entsteht da, wenn die leichtesten Teile der Speisen, die bis zum Kopfe gehen, umgewandelt werden? Da entsteht aus den Speisen eine Art von Phosphor. Und das ist tatsächlich der Fall, daß aus den Speisen eine Art von Phosphor entsteht, so daß die Speisen nicht einfach in den Kopf hinaufdringen. Es dringt viel herauf, Zucker, Glyzerin und so weiter, alles mögliche dringt herauf, aber ein Teil davon wandelt sich, bevor er heraufkommt, in Phosphor um.
[ 46 ] Now, something very peculiar happens here. We have sugar, liquid protein, glycerin, acids, and salts within us. The salts, which travel up from the abdomen to the head and are deposited there, must return; they then travel back through the body when there are too many of them. But with regard to the other substances, something else must happen in the body. And as the substances rise, a new transformation takes place. This happens simply because the body counteracts gravity. The substances become lighter and lighter—a certain portion of them; another portion settles as a thick substance. Just as when you dissolve something, a sediment settles out, so too, in a sense, sediment forms everywhere along the path from the abdomen to the head; the finest particles rise and are transformed by this lightened gravity. And what is produced there when the lightest particles of food, which travel all the way to the head, are transformed? A kind of phosphorus is produced from the food. And it is indeed the case that a kind of phosphorus is produced from the food, so that the food does not simply rise up into the head. Much rises up—sugar, glycerin, and so on; all sorts of things rise up—but a portion of it is transformed into phosphorus before it reaches the head.
[ 47 ] Sehen Sie, meine Herren, so haben wir in unserem Kopfe Salze, die fast unverändert von der Außenwelt aufgenommen sind, heraufgedrungen sind, und so haben wir in luftförmig fein verteiltem Zustande, eigentlich viel feiner noch als die Luft, Phosphor ausgebreitet. Und das sind die hauptsächlichsten Stoffe, die im menschlichen Kopf sind: Salze und Phosphor. Die anderen sind nur da, damit er sich als Lebewesen erhalten kann. Aber die wichtigsten sind Salze und Phosphor. So daß wir also sagen können: Im Kopfe des Menschen ist das Wichtigste Salz und Phosphor.
[ 47 ] You see, gentlemen, we have salts in our heads that have been absorbed from the outside world almost unchanged and have made their way up here, and we have phosphorus spread out in a state finely dispersed like air—actually much finer than the air itself. And these are the principal substances found in the human head: salts and phosphorus. The others are there only so that the human being can sustain itself as a living organism. But the most important ones are salts and phosphorus. So we can say: In the human head, the most important substances are salt and phosphorus.
[ 48 ] Nun kann man auf eine Art, die ich Ihnen nächstens auch noch zeigen werde, nachweisen, daß wenn der Mensch nicht eine richtige Menge Salz im Kopfe hat, er dann nicht ordentlich denken kann. Man muß eine richtige Menge Salz im Kopf haben, damit man ordentlich denken kann. Salz im Kopf, das ist dasjenige, dessen man sich bedienen muß zum Denken. Das kommt zu dem noch hinzu, was ich Ihnen schon für das Denken gesagt habe. Die Dinge im Menschen sind eben kompliziert.
[ 48 ] Now, in a way that I will show you shortly, it can be demonstrated that if a person does not have the right amount of salt in their head, they cannot think properly. You have to have the right amount of salt in your head to be able to think properly. Salt in the head—that is what you need to use for thinking. This is in addition to what I’ve already told you about thinking. Things inside a person are just complicated.
[ 49 ] Und wenn. wir einfach zu viel Phosphor in uns haben, das heißt, zu feurige Speisen essen, dann werden wir ein furchtbarer Zappelfritz, der alles angreifen will, der immer wollen will. Dadurch, daß wir den Phosphor haben, ist der Wille da. Und wenn wir zu viel Phosphor haben, dann fängt dieser Wille an zu zappeln. Und wenn dann der Organismus so ist, daß er überhaupt durch seine ganze Zusammensetzung zu viel Phosphor in den Kopf hinaufschickt, dann fängt der Mensch nicht nur an zu zappeln, und wie man sagt, nervös — das hat nichts mit den Nerven, sondern mit dem Phosphor zu tun — herumzuzappeln in der Welt, sondern er fängt an zu toben und wird ein Verrückter, wird tobsüchtig. Wir müssen ein klein wenig Phosphor in uns haben, damit wir überhaupt wollen können. Aber wenn wir zu viel Phosphor machen in uns selber, dann werden wir verrückt.
[ 49 ] And if we simply have too much phosphorus in our bodies—that is, if we eat foods that are too fiery—then we become a terrible fidgeter who wants to attack everything, who always wants more. It is because we have phosphorus that the will is present. And when we have too much phosphorus, that will begins to fidget. And if the organism is such that, due to its entire composition, it sends too much phosphorus up to the head, then the person not only begins to fidget—and, as they say, to act nervously—which has nothing to do with the nerves but with the phosphorus—but also begins to rage and becomes a madman, becomes raving mad. We need a little bit of phosphorus within us so that we can have any will at all. But if we produce too much phosphorus within ourselves, then we go mad.
[ 50 ] Nun, meine Herren, denken Sie jetzt einmal darüber nach, wenn Ihnen jemand Salz gibt, wie Sie das zum Denken bringen. Ich möchte Ihnen schon raten, einmal ein Salzfaß zu nehmen und zu versuchen, das zum Denken zu bringen! Sie tun es fortwährend; in Ihrem Kopfe drinnen tun Sie fortwährend das, daß Sie das Salz verwenden zum Denken. Und dann, nicht wahr, bitte reiben Sie ein bißchen Phosphor ab von einem Zündholz, lösen Sie es ein wenig ab, daß er ganz fein wird, dann zünden Sie den unten an und versuchen Sie ihn zu verbrennen. Der soll nun wollen! Verbrennen, das heißt, verflüchtigen tut er sich, aber wollen tut er nicht! Das aber machen Sie fortwährend in sich. Sagen Sie sich jetzt nicht, daß da etwas in Ihnen ist, was wahrhaftig gescheiter ist als unser dummer Kopf, der sehr wenig kann, der nicht aus dem Salz ein Denkwesen machen kann, aus dem Phosphor ein Willenswesen? Und das ist dasjenige in uns, was man das SeelischGeistige nennen kann. Das ist das Lebende, Webende, was man das Seelisch-Geistige nennen kann. Das steckt da drinnen in uns, bedient sich des Salzes im Kopfe zum Denken, und bedient sich des Phosphors, der da heraufgeht wie ein Rauch, ganz fein, um zu wollen.
[ 50 ] Well, gentlemen, just think about it for a moment: when someone gives you salt, how do you make it “think”? I’d advise you to take a salt shaker and try to make it “think”! You do it all the time; inside your head, you’re constantly using salt to “think.” And then—don’t you think—please scrape a little phosphorus off a match, grind it down a bit so it becomes very fine, then light the end and try to burn it. Let’s see if it will! It burns—that is, it vaporizes—but it doesn’t “will” to do so! Yet that is exactly what you do constantly within yourselves. Don’t you tell yourself now that there is something within you that is truly smarter than our foolish head, which can do very little, which cannot turn salt into a thinking being or phosphorus into a willing being? And that is the very thing within us that can be called the soul-spiritual. That is the living, weaving force that can be called the soul-spiritual. It lies within us, making use of the salt in the head for thinking, and making use of the phosphorus, which rises up like smoke, very finely, for willing.
[ 51 ] So kommt man aus dem Körperlichen ins Seelische und ins Geistige herein, wenn man richtig betrachtet. Aber was tut die heutige Wissenschaft? Die hört beim Bauch auf. Die weiß höchstens, daß im Bauch Zucker und so weiter entsteht; nachher verliert sie aber die Spuren, wenn die Dinge da weiter sich verteilen, weiß nichts davon, was da weiter geschieht. Deshalb kann die Wissenschaft vom Seelischen und Geistigen nichts erzählen. Diese Wissenschaft muß ergänzt, erweitert werden. Man muß nicht auf den Bauch sich beschränken und den Kopf nur höchstens aufgesetzt sich denken. Aber das sieht man ja nicht, wie da Salze und Phosphor heraufgekommen sind. Da glaubt man, es gehe im Kopfe auch so zu wie im Bauch. Die ganze Sache ist davon abhängig, daß die heutige Wissenschaft nur etwas weiß über den Bauch, aber auch nur, daß da etwas entsteht, aber nicht weiß, daß die Leber wahrnimmt und die Nieren denken. Das weiß sie schon nicht. Das weiß sie aus dem Grunde nicht, weil sie auch vom Kopfe nichts weiß. Da sucht sie es natürlich gar nicht, hält dasjenige schon für vollständig, was auf dem Seziertisch von der Leber liegt. Es ist aber nicht das Vollständige, denn das hat die Seele verloren, als es in dem Zustande war, in dem man es aus dem Leibe einfach herausgeschnitten hat. Solange das Seelische drinnen ist, können Sie es nicht aus dem Leibe herausschneiden. Also Sie sehen, daß eine ernsthafte Wissenschaft da weiter arbeiten muß, wo die heutige Wissenschaft aufhören muß. Das ist das, worauf es ankommt. Deshalb haben wir hier das Goetheanum gebaut, damit die Wissenschaft nicht bloß über den Bauch etwas Unvollständiges weiß, sondern über den ganzen Körper etwas erklären kann. Dann wird das auch eine wirkliche Wissenschaft sein.
[ 51 ] This is how one moves from the physical to the soul and the spiritual, if one looks at it correctly. But what does modern science do? It stops at the stomach. At most, it knows that sugar and so on are produced in the stomach; but then it loses track of things as they spread out from there, and knows nothing about what happens next. That is why science cannot say anything about the soul and the spirit. This science must be supplemented and expanded. One must not limit oneself to the stomach and think of the head as merely an appendage. But one cannot see how salts and phosphorus have risen up there. People believe that things in the head work the same way as in the stomach. The whole matter hinges on the fact that modern science knows only something about the abdomen—and even then, only that something arises there—but does not know that the liver perceives and the kidneys think. It certainly does not know that. It does not know this fundamentally because it knows nothing about the head either. Naturally, it does not even look for it there, considering what lies on the dissection table from the liver to be complete. But that is not the whole picture, for the soul has been lost when the body was in the state in which it was simply cut out of the body. As long as the soul is inside, you cannot cut it out of the body. So you see that a serious science must continue working where modern science must stop. That is what matters. That is why we built the Goetheanum here—so that science does not merely know something incomplete about the abdomen, but can explain something about the entire body. Then it will truly be a science.

