On Health and Illness
GA 348
13 December 1922, Dornach
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Health and Illness I, tr. St. Goar
Fünfter Vortrag
5. The Eye; Colour of the Hair
[ 1 ] Nun, meine Herren, vielleicht haben Sie heute einen besonderen Wunsch. Ist Ihnen etwas eingefallen, das Sie fragen wollen?
[ 1 ] Dr. Steiner: Well, gentlemen, perhaps one of you has a question you would like to ask me today.
Fragesteller: Ich möchte wissen, woher das rührt, daß die blonden Menschen immer seltener werden. In meiner Heimat hat es früher noch sehr viele blonde Menschen gegeben - jetzt immer weniger. Was hat es für eine Bewandtnis damit?
Question: I would like to know why people with blond hair are becoming increasingly scarce. Formerly, there were many fair-haired people in the region where I was born, but now there are far fewer. Why is this so?
[ 2 ] Dr. Steiner: Das paßt ja sehr gut zu unserer Betrachtung. Ich werde Ihnen das ganz gut erklären können, wenn ich Ihnen zuerst noch das Auge erkläre. Wir haben das Ohr betrachtet; jetzt werde ich Ihnen das Auge erklären. Sie werden bemerkt haben, daß die Blondheit sehr stark zusammenhängt mit den blauen Augen. Blonde Leute haben meistens, das ist schon eine Regel, blaue Augen. Mit dem hängt zusammen, was Sie fragen. Sie werden das ganz gut begreifen, wenn wir das Auge betrachten. Das Auge ist in der Tat im Menschen etwas außerordentlich Wichtiges. Denn, sehen Sie, man könnte zum Beispiel glauben, wenn Menschen blind geboren sind, dann hätten sie eigentlich vom Auge gar nichts. Gewiß, Menschen, die blind geboren sind, die haben von ihren Augen das nicht, daß sie sehen können — das können sie ja nicht, wenn sie blind geboren sind. Aber die ganze Augenorganisation steckt ja in ihnen. Und das Auge hat eben nicht bloß die eine Bedeutung, daß wir sehen, sondern das Auge hat auch die Bedeutung, daß es eigentlich unser ganzes Nervensystem, soweit das Nervensystem vom Gehirn ausgeht, beeinflußt. Das Auge kann zwar nicht sehen beim Blindgeborenen, aber es ist doch in der Augenhöhle drinnen, und es ist nur im Innern, besonders im Sehnerv, nicht in Ordnung. Aber die Muskeln, die bei jedem Menschen zum Auge hingehen, die sind auch beim Blinden vorhanden, und die beeinflussen eigentlich das Nervensystem fortwährend — auch beim Blinden. Und deshalb ist das Auge schon eines der wichtigsten Organe, die wir in unserem Organismus, in unseren Körper haben.
[ 2 ] Dr. Steiner: Your question fits quite well into our discussions, and I can consider it after I describe the human eye for you, as I promised to do earlier. We have already studied the ear; now we shall look at the eye. You may have noticed that blond hair is closely linked with blue eyes; as a rule, blonds have blue eyes. Your question relates to this matter, which you will understand fully when we examine the eye. Eyes have great significance, indeed, for the human being. It might be assumed that people born blind do not benefit at all from the eyes; nevertheless, they are still part of them, and they have the function not only of seeing but also of influencing the entire nervous system, inasmuch as this originates in the brain. The eyes are still there in one who is born blind even though they cannot see. It is placed in the socket but something is wrong internally, especially with the optic nerve. In addition, the muscles that control eye movements exist also in a blind person, and actually continuously influence the nervous system. Thus, the eye is, indeed, one of the most important organs of our body.
[ 3 ] Das Auge sitzt ja in einer Höhlung drinnen, die von den Kopfknochen, dem Kopfskelett aus gebildet wird, und das Auge ist tatsächlich so etwas wie eine kleine Welt. Es ist außerordentlich interessant, sich zu sagen: das Auge ist etwas wie eine kleine Welt. Denn, sehen Sie, wenn wir das Auge betrachten, so sitzt zunächst der Sehnerv in der Gehirnmasse drinnen. Also ich will die Gehirnmasse so andeuten (es wird gezeichnet); da geht dann das Gehirn ins Rückenmark über; da geht das Rückenmark herunter. Nun sitzt da der Sehnerv drinnen. Der füllt dann das Auge aus. Das Auge selbst will ich etwas größer hinzeichnen. Wenn das Auge so hinschaut, dann ist hier dieser Kanal, durch den der Sehnerv geht. Was ich hier rot gezeichnet habe, geht da durch; dann sitzt das Auge, wenn ich es von der Seite zeichne, so in der Augenhöhle drinnen. Da hier ist überall Fett, und da sind dann die Augenmuskeln; die sitzen hier; die gehen dann so da hinein, und da hier sind dann die Knochen. Das sitzt unmittelbar auf dem auf, was hier hinter dem Oberkiefer ist. Also so sitzt das Auge da drinnen.
[ 3 ] The eye, which is really like a miniature world, is placed in a cavity formed by the skull bones. You might tell yourself that it is something like a tiny world. The optic nerve fills out the retina and terminates in the brain, which I shall outline here (sketching). So, if this is the eye seen in profile and sitting in the eye-socket, then here on the right is a canal through which the optic nerve passes. The eyeball lies buried in fatty tissue and is surrounded by bony walls. Attached to it are six ocular muscles that extend back into the bony walls of the socket. These bones are directly behind the upper jawbone.
[ 4 ] Und wenn Sie das Auge von vorne anschauen, so sehen Sie zunächst durch eine ganz durchsichtige, glashelle Haut durch. Das, was ich hier grün mache, ist also diese Haut; die geht so durch; da ist sie überall undurchsichtig, aber hier ist sie ganz durchsichtig, so daß hier das Licht in das Auge herein kann. Das ist also, wenn Sie in das Schwarze hineinschauen. Das Schwarze, das ist nämlich gar nicht etwas. Das Schwarze, das ist nichts, sondern beim Schwarzen sehen Sie hindurch durch das ganze Auge, und dahinten am Auge, da ist es schwarz. Sie sehen also durch diese durchsichtige Haut bis an die hintere Wand des Auges, und deshalb erscheint Ihnen das, was man die Pupille nennt, schwarz. Geradeso wie wenn Sie zum Fenster hereinschauen und die Hinterwand schwarz wäre, so täuschen Sie sich und meinen, da vorne sei das Schwarze. Innen ist das Auge ganz durchsichtig. Und dieses hier ist tatsächlich eine hier undurchsichtige, hier durchsichtige harte Haut. Und innerhalb dieser harten Haut, da befindet sich ein Netz, das ganz feine Blutadern enthält. Da sind ganz feine Blutadern, und diese feinen Blutadern bilden hier einen Wulst. Wenn man es von vorne sieht, so sieht man es so, wie es die Zeichnung hier zeigt. Und was man da um den schwarzen Punkt herum sieht, das ist die sogenannte Regenbogenhaut oder Iris; und die ist - ich werde gleich ausführlicher darüber reden — bei manchen Menschen blau, bei manchen grau, bei manchen ganz schwarz, nicht wahr. Also das ist dasjenige, was um das Schwarze herum ist.
[ 4 ] In the anterior part of the eye is a completely transparent, clear tissue through which light passes. That the tissue looks black is an illusion; in reality, you see through the eye to its rear wall; you are looking through the transparent skin all the way to the back of the eye. The round blackness you see is the pupil, which looks black because the back of the eyeball is that colour. It is like looking through the window of a dark room; if you think the window itself is black, you are mistaken. The interior of the eye is completely transparent. This tissue is tough and opaque here and transparent in front. Within it and toward the rear is another layer of tissue possessing a network of fine, delicate blood vessels, which thicken here. Around the pupil is the iris, which in some people is blue and in others gray, green, brown or black.
[ 5 ] Zwischen dieser durchsichtigen Haut - Hornhaut nennt man sie — und dieser Iris, da ist drinnen ein hartes, man kann sagen, hartes Wasser. Das ist wieder ganz durchsichtig. Also wo Sie das Schwarze sehen, da ist zunächst die durchsichtige Haut, und hinter der durchsichtigen Haut liegt ein hartes Wasser, geradeso wie wenn Sie zum Fenster hereinschauen würden, und da wäre hartes Wasser liegend, — vordere Augenkammer nennt man es. Es ist lebendiges Wasser, was also so ist wie ein ganz kleinwinziges Glaslinschen. Wie eine kleine Linse sieht es aus, wenn man es herausnehmen könnte, nur nicht ganz wie eine Linse. Eine Linse ist so (es wird gezeichnet), während dieses so ist, daß es hinten mehr eben ist und vorne mehr gebogen ist; und da hier, wo diese feinen Adern hierhergehen und die Regenbogenhaut bilden, da ist die eigentliche Linse. Das ist wiederum ein, ich möchte sagen, lebendiges Wasser; das ist die Linse. Die äußere Haut dieser Linse ist wieder ganz durchsichtig, so daß Sie eben, wenn Sie hineinschauen, das Schwarze dahinten sehen können.
[ 5 ] Between the iris and the transparent tissue is a transparent fluid. Where you see the round blackness is the transparent skin, the cornea; behind that is the anterior chamber. It consists of living fluid and is shaped somewhat like a little glass lens. The actual lens of the eye is located here, where these delicate blood vessels come together and where the iris is formed. This structure, called the crystalline lens, also contains a living fluid. Its outer cover is transparent, permitting you to see the blackness behind it.
[ 6 ] Diese Linse, die ist also da von der Aderhaut eingefaßt; sie ist aber nicht so wie eine Glaslinse unbeweglich, sondern sie ist beweglich. Wenn Sie in der Nähe sehen, ganz in der Nähe, dann ist diese Linse so gebogen. Wenn Sie mehr in die Ferne sehen, dann ist diese Linse so gebogen. Also in der Mitte ist sie dick, wenn Sie in der Nähe sehen, und in der Mitte dünn, wenn Sie in die Ferne sehen.
[ 6 ] Unlike a glass lens, it is mobile; it moves especially when you need to focus on something nearby. In that event, it is shaped like this (sketching), thick in the middle. When you need to look into the distance, it is bent like this, thin in the middle.
[ 7 ] Und das da hier, was Regenbogenhaut ist, das enthält ganz feine Muskeln. Mit diesen feinen Muskeln machen Sie die Linse in der Mitte dick, wenn Sie in die Nähe sehen; oder wir machen die Muskeln schlaffer, dann wird sie so dünn. Der Mensch gewöhnt sich auch durch seine Lebensweise daran. Wenn einer also ein Bürokrat ist und immer schreibt, immer in der Nähe das Auge hat, dann wird seine Linse allmählich in der Mitte dick: er wird kurzsichtig. Wenn einer ein Jäger ist und immer in die Ferne sehen muß, wird seine Linse in der Mitte dünn, und er wird weitsichtig.
[ 7 ] Next to the iris are delicate little muscles, which we tense to make the lens thicker when looking at something close up, or relax to make the lens thinner. A person's living habits also affect the lenses. If you often use your eyes for close work, like reading or writing, gradually the lenses become permanently thick in the middle, and you become near-sighted. If you are a hunter, however, frequently looking into the distance, then the lenses become thin in the middle and you will become far-sighted.
[ 8 ] Aber die Sache ist auch so, daß in der Jugend diese Muskeln, diese kleinwinzigen, die da in dieser Iris, in der Regenbogenhaut drinnen sind, noch stark sind; da können wir uns noch anpassen an das, was wir sehen. Im Alter werden die Muskeln schlaffer. Daher werden wir im Alter fast alle weitsichtig. Darauf beruht es ja, daß wir abhelfen können. Wenn einer eine Linse hat, die in der Mitte zu dick ist, so geben wir ihm eine Brille, die solche Gläser hat im Durchschnitt (es wird gezeichnet); dadurch wird hier — da ist sie dick, da dünn - die Dicke der Linse ausgeglichen. Manche haben sogar zweierlei; je nachdem sie etwas ansehen wollen im Raume draußen, brauchen sie eine weitsichtige Brille; wenn sie in der Nähe sehen wollen, brauchen sie eine kurzsichtige Brille. Wenn einer also die Linse so hat (es wird auf die Zeichnung gewiesen), so müssen wir ihm eine solche Brille geben. Dann gleichen wir das aus. Dann kommt dadurch, daß es da dicker ist, diese Dicke der Brille zu unserer Augenlinse dazu, und es wird ausgeglichen.
[ 8 ] Another thing to consider is that in youth the tiny muscles located in and around the iris are still strong and elastic, and we can accommodate to our field of vision. In old age they become slack. This explains why many people become far-sighted with age, but this problem can be corrected. If a person's lenses are too thick in the middle, glasses are prescribed with lenses that are concave. These will compensate for the thickness of the eye's lenses. Some people even have a twofold problem, needing one set of glasses for clear distance vision and another set for close up. If the lenses of the eyes are too thin, the glasses will have convex lenses. Their thickness is added to the lens of the eye and compensates for the defect.
[ 9 ] Das ist nun eben so, daß man schon sagen kann: Weil man das ausgleichen kann, was die Linse im Auge schlecht hat, kann man sehen. Die Linse im Auge ist eine Linse wie unsere Brille. Jeder hat da eine Brille, mit der er weit und nah sehen kann. Da sind Sie allmählich jedem gewachsen. Die Brille bleibt natürlich wie sie ist, aber die Linse im Auge ist eine lebendige Linse; die paßt sich an.
[ 9 ] You could say that we are able to see because we can correct the defect of the lens. The lens in our eye is like that of our glasses: near- and far-sighted. But the lens in our glasses stays the same, while that in the eye is living and can adjust and accommodate itself.
[ 10 ] Und da, hinter der Linse, ist nun wiederum etwas, was wie ein lebendiges Wasser ist, und das ist wiederum ganz durchsichtig, so daß das Licht überall herein kann. Es füllt das ganze Innere des Auges aus, so daß wir eigentlich das Auge im Innern zunächst ganz durchsichtig haben. Hier (vordere Augenkammer) ist etwas wie ein hartes Wasser, durchsichtig; eine Linse, durchsichtig; ein Glaskörper, alles wieder durchsichtig.
[ 10 ] Behind the lens is also something like a living fluid. It, too, is completely transparent, permitting light to pass through everywhere. This gelatinous and crystalline substance completely fills the interior of the eyeball. So here in front is something like transparent “hard water,” the aqueous humour; next comes the transparent lens, and then comes the vitreous humour, which is also transparent.
[ 11 ] Der Sehnerv, der geht da ins Auge hinein, geht ungefähr bis hierher; und dieser Sehnerv, der ist nun ein furchtbar kompliziertes Ding. Ich habe ihn hier so gezeichnet, als ob sich einfach der Hauptstrang des Nervs in diese hier teilte; aber es ist nicht ganz so, sondern wenn wir diese Nerven studieren, so müßte ich eigentlich hier vier Schichten zeichnen. Also vier Nervenschichten umgeben unseren Glaskörper; es ist so wie ein Glas, aber das Glas hat dann zu seiner Wandung vier Schichten. Ich werde jetzt ein Stückchen von einem solchen Nerv zeichnen (es wird gezeichnet): Da ist eine äußere Schichte; diese äußere Schichte, die wirkt wie ein starker Spiegel. Also das Licht kommt da herein und fällt dann auch überall an diese Schichten hier und wird überall zurückgespiegelt. Das Licht geht nicht in das hier herein, sondern es bleibt im Auge. Aber das wirkt wie eine Spiegelwand. Das Licht wird hierher zurückgestoßen. Das ist die äußerste Schichte. In dieser ist dann weiter drinnen noch eine Schichte; die verstärkt noch den Spiegel. So daß wir diesen Nerv, der unser Auge auskleidet wie eine Blase, aus vier Schichten bestehend haben. Die äußerste Schichte und die zweitäußerste Schichte, die werfen alles Licht wiederum in das Auge zurück, so daß wir da drinnen in diesem Glaskörper eigentlich das ganze zurückgeworfene Licht haben. Dann ist eine dritte Schichte; das ist diese (es wird gezeichnet); die besteht aus derselben Substanz, aus der unser graues Hirn besteht. Ich habe Ihnen gesagt: außen ist das Gehirn grau, nicht weiß. Also da ist ein Stückchen Gehirn als die dritte Schichte drinnen. Und als die vierte Schichte haben wir noch extra da drinnen eine Haut. Also dieser Glaskörper ist eigentlich in einem sehr komplizierten Sack drinnen. Alles Licht, das in den Glaskörper hineinkommt durch die Pupille, wird in dem Glaskörper zurückgeworfen und lebt da nun darinnen.
[ 11 ] The optic nerve enters the eye here, and reaches approximately to here. This optic nerve is extremely complicated. I have drawn it as if the main nerve fibre simply divides here, but there's more to it than this. There are actually four layers of nerves surrounding the vitreous humour. This is the outer layer of the nerve (sketching), which acts like a strong mirror. When light enters the eye and hits the layers of the retina, it is reflected everywhere. It does not go into this (probably referring to the nerve canal) but stays in the eye. The outer layer acts like the wall of a mirror and reflects the light. A second layer of nerves intensifies this reflecting capacity. As we have said, the nerve that lines our eyeball consists of four layers. The outermost layer and the second outer layer reflect back all the light into the interior sphere. Thus, within the vitreous humour we have actually only reflected light. A third layer of nerves consists of the same substance that makes up the gray matter of our brain. The outer parts of our brain are gray matter, not white. Another “skin” constitutes the fourth layer. You see, the vitreous humour is placed within a complicated “sack.” This enables all the light that penetrates into the interior of the eyeball to be reflected within the vitreous humour and to live therein.
[ 12 ] Sie sehen, wir haben zunächst eigentlich im Auge etwas, was aussieht wie ein furchtbar komplizierter physikalischer Apparat. Wozu ist das alles? Nehmen Sie an: Hier irgendwo, da steht ein Mensch. Durch dieses, was da ist — diesen Glaskörper, diese Linse- wird da hinten, weil das alles gespiegelt wird, ein umgekehrtes Bild von diesem Menschen erzeugt. Also wenn da ein Mensch steht, so haben Sie im Menschen durch diesen ganzen Apparat einen kleinen Menschen, ein kleines Menschenbild, das aber auf dem Kopf steht; das haben Sie da hinten (im Auge), so wie bei einem photographischen Apparat. Es ist richtig wie ein photographischer Apparat: es wird abphotographiert, das Bild steht auf dem Kopf. Das haben wir in unserem Auge. Das kommt daher, weil das Auge ein Spiegelungsapparat ist. Es geht das Licht hinein, und es spiegelt hierher. So haben wir also einen kleinen Menschen im Auge drinnen.
[ 12 ] What we have in our eye is something that looks like a complicated physical apparatus. What is it for? Well, imagine that a man is standing somewhere. When you look at him, an inverted picture is produced in your eye because of the lens and vitreous humour. So, if a man stands there (sketching), you have a small image of him in the eye, but owing to this apparatus, it is an image that stands on its head. The eye is just like a camera in this respect; it is much like a photographic apparatus in which the object photographed appears in an image upside down. That also happens in the eye; since it is a mirroring device, when light enters, it is reflected. Thus, in the eye we have the image of a little man. Even with all our modern sophisticated machinery, something like the human eye can certainly not be manufactured. We must admit that it is altogether extraordinary and marvellous.
[ 13 ] Nun, sehen Sie, man kann sich wiederum sagen: So etwas, wie dieses Menschenauge, das könnten wir heute mit all unseren noch so komplizierten Apparaten natürlich nicht herstellen. Dieses Menschenauge, das ist überhaupt etwas außerordentlich Wunderbares. Wenn Sie sich das ganze Firmament vorstellen mit den Sternen, die das Licht auf die Erde hereinstrahlen, also einen, wie man sagt, lichtausgefüllten Raum denken, und das dann ganz klein denken, dann haben Sie eigentlich das Innere des Menschenauges. Es ist eigentlich eine ganze Welt im kleinen. Und diese Spiegelung dahier, die wirkt eigentlich, wie wenn lauter Sterne dastehen würden; denn diese äußeren Wände, die sind nicht so, daß sie gleichmäßig spiegeln, sondern ich müßte eigentlich so zeichnen: das sind lauter solche kleine Körperchen, wie kleine Sterne, und von diesen strahlt es ins Innere des Körpers herein. Wenn wir also selber ein so winzig kleiner Mensch sein könnten wie das Bildchen und könnten uns das Innere eines Auges betrachten — wenn wir solche winzigkleinen Zwerge wären, wenn wir nicht gewöhnt wären, solche großen Menschen zu sein, wie wir sind, so würden wir ja das, wenn wir so klein wären, für riesenhaft halten, wenn wir da drinnen selber dieses kleine Menschlein wären und das betrachten würden; wir würden uns gar nicht anders vorkommen als in der Nacht, wenn wir auf der Erde stehen und die strahlenden Sterne sehen. Es ist ganz so. Es ist dies furchtbar interessant, sich klarzumachen, daß eigentlich das Auge eine kleine Welt ist. Und wenn das, was erzeugt wird durch Spiegelung, das Bildchen, bewußt sein könnte, so würde das sich vorkommen, wie wir uns vorkommen in einer sternenhellen Nacht. Sehr interessant ist das.
[ 13 ] Now, picture to yourselves the starry heaven; form an image of the light-filled sphere around the earth, and then reduce this picture until it is quite small. What you then have is the interior of the human eye. The human eye is actually a world in miniature, and the reflections in the eye resemble myriad surrounding stars. You see, these outer walls do not reflect evenly. There are many tiny bodies, which, like miniature stars, radiate light toward the centre. If we were as small as the image of the human being in the eye and could examine it from inside, its interior would seem infinitely large. Our impression would be the same as when on earth we look up to the glittering stars at night. It is indeed so. It is interesting that the eye is like a miniature world and that the tiny human image produced in the eye by reflections would have the same feeling, if it were conscious, we have at night under a starry sky. It is really quite interesting!
[ 14 ] Nun, ich sage: wenn das sich bewußt sein könnte. Aber wenn wir nicht das Auge hätten, dann würden wir auch die sternenhelle Nacht ja nicht sehen. Wir sehen die sternenhelle Nacht eben dadurch, daß wir das Auge haben. Wenn wir es zumachen, ist die sternenhelle Nacht nicht da. Daß wir den ganzen Sternenhimmel sehen, das hängt eigentlich vom Auge ab, daß da zuerst diese kleinwinzige Welt drinnen ist, und wir uns sagen: Diese kleinwinzige Welt, die bedeutet eigentlich die große Welt. Das ist etwas, das Sie sich nur klarmachen müssen.
[ 14 ] Well, I said, “... if that image possessed consciousness.” But if we did not possess our eyes, we would not be able to view the starry night. We see the night sky and its brilliant stars only because we have eyes; if we close them, we do not see the stars. Nor could we see the starry firmament if the eye did not already contain within it a miniature world. We say to ourselves that this miniature universe really signifies a big world. This is something that must be clearly understood.
[ 15 ] Denken Sie, es zeigt Ihnen einer von Ihnen selber oder von einem anderen Menschen eine ganz winzig kleine Photographie. Sie werden sagen: Das ist ja so winzig klein und rührt von einem großen Menschen her. Den haben Sie aber gar nicht vor sich. Eigentlich haben Sie immer nur in sich diesen kleinen, winzigen Sternenhimmel, und Sie sagen sich: Was ich da vor mir habe, ist die Photographie vom großen Sternenhimmel. Das tun Sie immer, fortwährend. So daß Sie eigentlich in Wirklichkeit in sich den kleinen, winzigen Sternenhimmel des Auges haben und sich dann sagen: Das ist die Photographie vom großen Sternenhimmel. Sie stellen sich eigentlich den wirklichen Sternenhimmel immerfort nach dem kleinen Sternenhimmel im Auge vor. Das ist also nur eine Vorstellung, die Sie sich selber machen. Das, was Sie wirklich erleben, das ist der kleine Sternenhimmel im Auge.
[ 15 ] Imagine that a man shows you a small photograph of himself or another person. You will realize that even though it is small it was taken of a regular-sized man. You are not encountering the actual person in this picture and, likewise in the eye; in reality you have only this tiny miniature starry sky within you. You then say to yourself, “What I have here before me is the `photograph' of the immense starry sky.” You do this all the time. You have within you the little starry sky of the eye, and then you tell yourself, “This is the photograph of the great starry sky.” You actually always picture the real starry sky from the miniature firmament in your eye; you conceive of the universe by means of this picture within. What you really experience is the infinitesimal firmament in the eye.
[ 16 ] Nun können Sie sagen: Das wäre ja alles der Fall, wenn wir nur ein einziges Auge hätten wie die Zyklopen; aber wir haben ja zwei Augen. Warum haben wir eigentlich zwei Augen? Ja, sehen Sie, probieren Sie es einmal: Wenn Sie mit einem Auge irgendwohin schauen, da kommt es Ihnen vor, wie wenn alles auf der Rückwand aufgemalt wäre. Sie sehen die Körper nicht doppelt. Körperlich sehen Sie die Körper nur dadurch, daß Sie zwei Augen haben. Wenn Sie mit zwei Augen schauen, so ist das gerade so, wie wenn Sie Ihre linke Hand mit der rechten Hand angreifen. Dadurch, daß wir schon als Kinder gewöhnt worden sind, uns selbst zu berühren, dadurch sagen wir eigentlich zu uns «Ich», dadurch nehmen wir uns selber wahr. Wenn niemals unsere rechte Seite unsere linke wahrnehmen könnte, würden wir in der Sprache garnicht das Wörtchen «Ich» haben. Wir wüßten nichts von uns. Da gewöhnt man sich so hinein in die wichtigsten Dinge, daß man sie wie etwas Selbstverständliches anschaut.
[ 16 ] Now you might say, “Yes, but this would be true only if we possessed just one eye like the cyclops, whereas we have two eyes.” Well, why do we have two? Try this: Look at something with only one eye. It will appear to be painted on a backdrop. We do not have two images of an object, which we see in proportion and in the right dimensions only because we possess two eyes. Seeing with both eyes is like grabbing your right hand with your left. We are conscious of ourselves because from childhood we have been used to saying “I” to ourselves. The little word, “I,” would not be in the language if our right side were not aware of our left. We would not be conscious of ourselves. We become so accustomed to the most important things that we take them as a matter of course.
[ 17 ] Nun, irgendeiner, der heute so ein rechter Philister ist, der sagt: Ich werde doch nicht weiter nachdenken darüber, warum ich «Ich» sage. Das ist doch selbstverständlich, daß man «Ich» sagt! — Aber er ist dann eben ein Philister. Er weiß nicht, daß gerade die feinsten Dinge auf den kompliziertesten Sachen beruhen. Er weiß nicht, daß er sich als Kind angewöhnt hat, sich selber anzugreifen, namentlich mit der rechten Hand die linke anzugreifen, und dadurch zu sich «Ich» zu sagen.
[ 17 ] A hidebound philistine would say, “The question of why one says “I” to oneself does not interest me. It goes without saying that one says “I” to oneself!” Well, he is a narrow-minded and prosaic person. He does not realize that most subtle matters are based on the most complicated processes. He does not know that he became used to touching himself as a child, that is, touching his left hand with his right, and thus grew accustomed to saying “I” to himself.
[ 18 ] Sehen Sie, das geht bis in die Kultur hinein. Wenn wir in die ganz alten Menschheitszeiten gehen, meinetwillen nur bis in die Zeiten des Alten Testamentes, da haben die Priester, die in älteren Zeiten — verzeihen Sie den ketzerischen Ausspruch — oftmals viel gescheiter waren als in der neueren Zeit, gesagt: Wir wollen die Menschen zum Selbstbewußtsein bringen. Da haben sie die Hände falten lassen. Das ist der Ursprung des Händefaltens: sich selber berühren, um in sich das starke Ich zu finden, Wille zu entwickeln. Alles das sagt man ja heute nicht, weil man die Dinge nicht begreift. Heute sagen die Priester den Menschen, sie sollen die Hände falten zum Gebet, aber sie sagen ihnen nicht, was es für eine Bedeutung hat. Es ist tatsächlich so.
[ 18 ] This fact can be traced in human culture. If we go back to ancient times, to the days of the Old Testament, for instance, we find priests who—excuse me for voicing such a heretical opinion—often knew much more than the priests nowadays and who said, “We want to teach man self-awareness.” So they taught people to fold their hands. This is the origin of folding your hands. Man touched himself in order to find the strong ego within him and to develop his will. Things like this are not said today because they are not understood. Priests today simply tell members of the congregation to fold their hands in prayer; they do not give the meaning of this gesture because they themselves do not know it anymore.
[ 19 ] So ist es auch beim Auge. Wenn wir mit zwei Augen schauen, haben wir die Vorstellung, daß das, was im Licht ist, räumlich ist, nicht bloß Kräfte. Wenn wir ein Auge hätten, würden wir immer nur das Firmament sehen, und alles wäre auf dem Firmament aufgemalt. Daß wir die Vorstellung haben, daß alles räumlich ist, das rührt von unseren zwei Augen her. Und wir selbst fühlen uns dann drinnenstehend als den Mittelpunkt der Welt. Jeder fühlt sich als Mittelpunkt der Welt, mancher in schlechtem, mancher auch in gutem Sinne. So ist also, daß wir zwei Augen haben, von einer großen Bedeutung.
[ 19 ] When we see with our two eyes, we feel that what is there in the light is in fact spatial. If we had only one eye, everything would appear as if painted on the firmament. Our two eyes enable us to see things in three dimensions and to experience ourselves as standing within the centre of the world. In a good or bad sense, every man considers himself to be the centre of the world. Therefore, it is of great importance that we have two eyes.
[ 20 ] Und sehen Sie, daß wir durch das Auge sehen, das ist ja natürlich so etwas Wichtiges für den Menschen, daß man eigentlich immer nur das als das Einzige anschaut beim Auge.
[ 20 ] Now, since it is so important for man to use his eyes for seeing, we overlook something else about them.
[ 21 ] Beim Ohr verhalten wir uns nicht bloß so. Ich glaube, ich habe Ihnen schon das vorletztemal gesagt, daß wir ja nicht bloß hören, sondern auch sprechen, das heißt selber das, was wir hören, hervorbringen. Und wir verstehen das Gesprochene eigentlich nur dadurch, daß eine Verbindungsröhre — die Eustachische Röhre - vom Rachen aus ins Ohr hineinkommt. Sie wissen ja, daß Kinder, die nicht hören, auch nicht sprechen lernen können. Und Leute, die nicht sprechen lernen, können auch das Gehörte nicht verstehen. Da muß man dann künstliche Mittel anwenden, um das Gehörte zum Verständnis zu bringen.
[ 21 ] We are not so ignorant in the case of the ear. I believe I have mentioned already that when we hear we also speak; that is, we ourselves produce what we hear. We can understand a spoken language only because of the Eustachian tube, which runs from the mouth into the ear. You surely know that children born deaf cannot speak either, and that people who are not taught to speak a language cannot understand it either. Special means must be used to gain an understanding of what has been heard.
[ 22 ] Beim Auge schaut das so aus, als ob man es nur allein zum Sehen hätte. Aber das Kind lernt nicht nur sehen mit den Augen, sondern das Kind - nur beobachtet man das nicht so — lernt auch sprechen mit den Augen. Nur ist die Sprache der Augen nicht eine so brauchbare wie die Sprache, die für die Ohren ist. Sie werden aber finden, daß ein Unterschied ist, ob der eine Sie anlügt, oder ob der andere Ihnen die Wahrheit sagt. Wenn Sie ein bißchen feine Empfindung haben, dann werden Sie an der Art, wie er Sie anschaut, sogar erkennen, ob er Ihnen die Wahrheit sagt, oder ob er Ihnen den Buckel voll lügt. Die Augen sprechen schon. Und das Kind lernt ebenso mit den Augen sprechen, als mit dem Munde sprechen.
[ 22 ] It does indeed appear that seeing is the only purpose of the eye, but a child learns not only to see with its eyes but also to speak with them, even if we don't pay much attention to it. The language of the eyes is not as suitable for everyday use as is the language directed to the ears, but with it you can discover whether a person is telling a lie or the truth. If you are the least bit sensitive, you can discover in the way he looks at you whether or not he is telling you the truth. The eyes do speak, and the child learns to speak with them just as it does with its mouth.
[ 23 ] Nur ist diese Sprache beim Auge so, daß, während beim Lautesprechen, beim Tonsprechen der Kehlkopf getrennt ist vom Ohr und es zwei Dinge sind, es beim Auge so ist, daß da drinnen das sehende Auge ist, und da herum sind die Muskeln. Die Muskeln sind nun dasjenige, was das Auge auch zu einer Art sichtbarem Sprechorgan macht. Ob wir so blicken (geradeaus), oder falsch blicken, das hängt von den Muskeln ab, die ich hier gelb gezeichnet habe, und die so überall hineinkriechen, überall im Auge sind. Das ist gerade so, wie wenn wir so organisiert wären — bei den Fischen ist es so —, daß das Ohr in unserem Kehlkopf schon drinnen steckte und wir so sprächen. Nicht wahr, das Ohr ist abgetrennt vom Kehlkopf; bei einem Fisch ist es noch ganz eins. Da sprechen wir so, daß das Sprechen abgetrennt ist vom Hören. Beim Auge ist es so, als wenn der Kehlkopf selber das Ohr in den Muskeln umgibt. Da steckt das Auge drinnen im Sprachorgan, wie wenn das Ohr im Sprachorgan drinnen stecken würde. Beim Menschen ist es ja so — bei den Fischen ist es anders -: Da haben wir ja hier den Kehlkopf; da geht die Fortsetzung in die Lunge hinein; da ist der Kehlkopf, die Gaumenplatte, und dadurch sprechen wir. Das geht dann in den Mund herauf. Und dann geht vom Mund die Fortsetzung bis zum Ohr herüber.
[ 23 ] In the language of the ear the larynx, with its function of uttering sounds is separated from it, and thus there are here two separate aspects. In the case of the language of the eye, there are muscles right within the organ and also around it. It is the muscles that make the eye into a kind of visible organ of speech. Whether we look somebody straight in the eye, or have a shifty look, depends on the muscles that surround the eyeball. In the case of the ear, it is as if it were contained within the larynx, as in fishes. In man the ear is separated from the larynx, but in fishes they are joined to form one organ. The act of speaking is separated from hearing, but with the eye it is as if the larynx with its muscles surrounded the ear. The eye is situated within its speech organ as if the ear were placed within the larynx. In humans it is like this (sketching). Here we have the larynx, the voice box, which goes down through the windpipe into the lungs and up into the palate. It enables us to speak. From the mouth we have a connection with the ear.
[ 24 ] Nun denken Sie sich, es wäre nicht so, wie es beim Menschen ist, sondern so, daß der Kehlkopf weiter sich ausbreitet, so daß wir hier einen breiten Kehlkopf haben, wie das da drüben der Luzifer hat auf meiner Holzfigur; und dann steckt er so drinnen, so daß der Kehlkopf hier heraufgeht und das Ohr drinnen steckt; dann wäre das hier das Organ der Lautbildung, und wir würden mit demselben Organ sprechen und hören. Beim Auge ist es so: da sprechen wir durch die Muskeln, die ringsherum gehen, und wir sehen durch das Auge, das mitten drinnen steckt. Also das Auge ist schon sehr ähnlich dem Ohr gebaut und wiederum natürlich ganz verschieden. Also daher haben wir diese Muskeln, die ich da gelb gezeichnet habe.
[ 24 ] Now imagine that the larynx is not like it is in humans but that it spreads out much wider. Then we would have the broad larynx that Lucifer possesses in my wooden statue. The larynx is so large that the head fits in between, and it reaches up on both sides to surround the ear. With this organ we would both speak and hear. With the eye we do just that; we speak through the muscles that surround the eyeball, and through the eye we simultaneously see. So in some respects the eye is conceived like the ear, but in other respects it is, of course, quite different. This, then, is the purpose of the muscles I have drawn here.
[ 25 ] Wenn wir sprechen, kann man sagen: Beim Sprechen sagen wir eigentlich dasjenige, was wir wissen. Es gibt zwar auch Leute, die manches sagen, was sie nicht wissen. Aber die sehen wir ja eigentlich mehr oder weniger als Narren an. Man sagt dann: Die sprechen zu sich selber, sprechen aus dem Leibe heraus. Aber in der Regel, bei vernünftigen Menschen, bei besonnenen Menschen ist es so, daß der Mensch das sagt, was er weiß.
[ 25 ] We can say that we speak of what we know, and we consider those who say things of which they know nothing to be more or less fools. We say of such people that they are talking to themselves, shooting off their mouths. As a rule, however, sensible and rational people express what they know.
[ 26 ] Beim Auge ist es aber so, daß wir nicht bewußt sprechen. Wir müßten schon ganz raffinierte Kerle sein, wenn wir die Sprache des Auges bewußt sprechen. Das geht unbewußt und begleitet dasjenige, wie wir uns sonst verhalten. Aber es geht so weit, daß dann, wenn Sie zum Beispiel nach Süditalien kommen, die Leute noch von dem «bösen Blick» reden. Da wissen die Leute, daß allerdings ein Mensch, der einen gewissen Blick hat, falsch ist. Und die Leute in Süditalien, die reden durchaus noch von diesem falschen Blicke, weil sie empfinden: Das Auge spricht die ganze Menschennatur aus, von der eigentlich der Mensch nichts weiß. Und der Aberglaube in Süditalien geht sehr weit: da hat man kleine Amulette, solche Dinger, die man sich umhängt, die einen beschützen sollen vor dem bösen Blick, weil man sich fürchtet vor diesem bösen Blick der Menschen.
[ 26 ] We do not speak consciously with the eye, however, for we would have to be shrewd fellows, indeed, if we could consciously speak the language of the eyes. This process is unconscious and accompanies our other behaviour. The people in Southern Italy, for example, still speak of an “evil eye.” They still know that a person who has a certain look about him is false. They talk of an evil eye because they sense that the eye expresses the whole nature of a man without his being aware of it. This superstition in Southern Italy goes so far that some hang little charms or religious medals around their necks as protection from it.
[ 27 ] So sehen Sie, wie wunderbar eigentlich dieses Auge gebildet ist. Aber derjenige, der nun dieses Auge so studiert, der kann ganz unmöglich sagen: Ja, da ist nichts Seelisches im Auge drinnen. — Es ist einfach dumm und philiströs, wenn man sagt: Da ist nichts Seelisches im Auge drinnen. — Die Leute sagen: Da außen ist das Licht. Das Licht, das fällt da durch dieses Loch in das Auge ein, geht in die Linse, in den Glaskörper, der Glaskörper erzeugt hier ein Bild, geht weiter in das Gehirn hinein. - Und dann hört die heutige Wissenschaft auf. Die sagt dann noch: In dem Gehirn wird das Licht zum Denken, zum Vorstellen verwendet. - Und da kommt dann so ein allgemeiner Quatsch zustande, wenn man das beschreibt. Es ist eigentlich nichts.
[ 27 ] So you see how marvellously the eye is formed. A person who studies the eye in this way simply cannot say that there is nothing of the soul in it. It is simply stupid and philistine to say that the eye has no element of the soul. People say that light penetrates through the pupil into the eye, passes through the lens into the vitreous humour, produces an image here on the retina, and then is transmitted into the brain. Modern science stops right there, or it might state further that the light in the brain is used to produce thoughts. This description gives rise to all sorts of nonsensical statements that lead to nothing.
[ 28 ] Aber es ist eigentlich gar nicht so, daß das Licht bis ins Gehirn geht. Ich habe Ihnen ja gezeigt, wie das Licht hier überall wie ein Spiegel zurückgeworfen wird. Das Licht bleibt ja im Auge. Das bleibt; und das ist wichtig, meine Herren, daß man weiß: Das Licht bleibt im Auge. Das Auge ist innerlich wie ein erleuchteter Sternenraum. Das Licht bleibt im Auge drinnen, geht gar nicht ins Gehirn hinein unmittelbar, wie es als Licht ist. Wenn das Licht nämlich ins Gehirn hineinginge, würden wir nichts sehen. Sehen können wir nur dadurch, daß das Licht nicht ins Gehirn hineinkommt. Denken Sie sich einmal, meine Herren, Sie stehen hier in dem Raum, sind da ganz allein, keine Stühle, gar nichts, nur Wände, aber der Raum ist innerlich ganz erleuchtet. Sie sehen nichts darinnen. Sie wissen nur, er ist hell, aber Sie sehen nichts darinnen. Wenn das Gehirn bloß mit Licht ausgefüllt wäre, würden wir nichts sehen. Das Licht allein macht es nicht aus, daß man sieht. Und das Licht wird überhaupt im Auge aufgehalten, durchleuchtet nur das Auge. Und was ist es? Nun, denken Sie sich, hier liegt dieses Kästchen. Ich stelle mich so her. Früher habe ich es nicht gesehen. Dann muß ich hinter mich greifen, und dann kann ich wissen, daß das Kästchen da ist. Wenn das Auge innerlich erleuchtet ist, so muß ich erst das Licht fühlen, damit ich weiß, daß das Licht da ist. Ich muß erst das Licht fühlen. Und das tut man mit der Seele. Also dieser Augenapparat, der erzeugt das, was wir fühlen können. Die Seele geht dann durch die Muskeln und so weiter und fühlt, fühlt das kleine Männchen darinnen (es wird gezeichnet).
[ 28 ] In reality, the light does not reach the brain. I have explained how it is reflected in the eyeball as in a mirror. The light remains in the eye, and it is important to know that it stays there. The interior of the eyeball is like the illuminated starry expanse. The light remains within the eye and does not penetrate directly into the brain. If the light did enter the brain, we would not be able to see anything at all. We can see because it does not do so. Just imagine, gentlemen, that you are standing here in this room all by yourselves; there are no chairs, nothing but the walls. The room is completely illuminated within, but you see nothing. You know only that it is illuminated, but you can see no objects of any kind. If the brain were only filled with light, we would see nothing because it is not solely on account of light that we see. Everywhere the light is kept in the eye and illumines its interior. What does this mean? Well, imagine that we have a little box. I stand with my back to it; I have not seen it before. I must reach behind myself to be able to know that it is there. Likewise, when the eye is illuminated from within, I must first feel the light to know that it is there. I must first feel the light, and this is done with the soul. In other words, the apparatus of the eye produces something we can feel. The soul passes through the muscles and feels or senses the little man I have mentioned within the eye.
[ 29 ] Jedes Organ im Menschen zeigt uns, daß wir irgendwo sagen müssen: Die Seele, die nimmt das wahr, die fühlt das, was da drinnen ist. Gerade wenn man genau studiert, dann findet man überall das Seelische und das Geistige, besonders beim Auge, wo man sich eigentlich wirklich nach und nach so fühlt, wie wenn man vor einem Guckkasten sitzt. Da guckt man hinein. Und wenn ich nun hier einen Guckkasten habe, so ist da drinnen ein kleines Bild von Ihnen allen. Und wenn andere so hereinschauen, ja, dann sehe ich das da drinnen; aber ich bilde mir die Vorstellung: das, was da drinnen ist, ist das Große hier draußen. So ist es mit unserem Auge. Nehmen Sie an, das sei ein kleiner Guckkasten, und die Seele bildet sich die Vorstellung, daß das alles die große Welt ist. Man kommt gar nicht darüber hinweg, auf das Seelische zu sehen, wenn man die Sache in ihrer Wahrheit betrachtet.
[ 29 ] Every organ within the human being shows us that here we must say that the soul observes, feels or senses what is within. If we examine everything carefully, we discover the soul and the spirit everywhere, especially in the eye. After a while, we can get the feeling that we are sitting in front of a peephole here (referring to his eye). When I look at you, you appear within, but I form the conception that the image within is the person outside. This is how the eye works. Just imagine that it is a little peephole through which the soul forms the idea that what it observes is the vast world. We simply must recognize the soul's existence when we actually examine the matter.
[ 30 ] Nun, ich habe Ihnen gesagt: Hier, wo ich dieses Lila gezeichnet habe, sehen Sie, wo da die Aderhaut ist, die unter dem Sehnerv noch liegt. Der Sehnerv, der geht nicht ganz nach vorn, aber die Aderhaut geht mit den Muskeln zu-der Linse hin und hält eigentlich da die Linse. Und das, habe ich Ihnen gesagt, ist die Regenbogenhaut, die Iris, die man um die schwarze Pupille herum, die ja nur ein Loch ist, sieht. Diese Regenbogenhaut, das ist ein äußerst kompliziertes Ding. Ich will sie noch einmal etwas größer von der Seite zeichnen. Wir hätten hier diese Regenbogenhaut, wie sie von der Aderhaut her kommt; da sitzt dann diese Linse drinnen, wird gehalten von der Regenbogenhaut. Nun, diese Iris oder Regenbogenhaut hat —- wenn Sie den Menschen von vorne anschauen, so hat die Iris eine Vorderwand und eine Hinterwand -, die hat an der Hinterwand allerlei farbige Körnchen. Das sind kleine Säckchen, winzige Säckchen. Die sind mit blauem Farbstoff ausgefüllt. Bei jedem Menschen sind sie mit blauem Farbstoff ausgefüllt. Und auf diesen blauen Farbstoff schaut man, wenn man blauäugige Menschen sieht. Da ist also das, was da vorne ist, durchsichtig, und man schaut auf den hinteren blauen Farbstoff der Regenbogenhaut oder Iris, wenn man einen blauäugigen Menschen vor sich hat. Man schaut bei ihm eigentlich die hintere Wand an; das Vordere ist ja durchsichtig. Gibt es einen braunäugigen Menschen, dann hat der auch dasselbe Blau an der Hinterwand der Iris, aber außerdem sitzen bei ihm noch braune Körperchen hier vorne und bedecken die blauen hinten, und Sie sehen auf die braunen Körperchen. Und wenn es ein schwarzäugiger Mensch ist, so hat er da schwarze Säckchen. Sie sehen die blauen wiederum nicht, sondern Sie sehen die schwarzen Säckchen. Dasjenige, was den Menschen zu einem blauäugigen, braunäugigen oder schwarzäugigen Menschen macht, das ist also seine Regenbogenhaut, die an der Hinterfläche immer blau ist und an der Vorderfläche bei den Blauäugigen gar keine Säckchen hat; bei den Schwarzäugigen und Braunäugigen hat es auch an der Vorderseite solche Säckchen, so daß man die hinteren blauen Säckchen dann nicht sieht.
[ 30 ] Now, I said that here is the choroid (referring to his sketch of the eyeball). It contains tiny blood vessels and lies under the optic nerve and its network. The optic nerve does not reach all the way to the front of the eyeball but the choroid, with its muscles, does. It extends to the lens and actually holds it in place. Here, as I have mentioned, is the iris surrounding the black pupil, which is nothing but an aperture. The iris is quite complicated. I will draw it a little larger, as seen from the side. So here is the iris, attached to the ciliary muscle. The choroid and lens sit within, held in place by the iris. Seen from the front, the iris has a front wall and a back wall. On the back wall are little coloured granules, which are microscopically small sacks. In everyone they are filled with a blue substance, and this is what one sees in blue-eyed people. In their case, the front layer is transparent, so you see the back layer of the iris, which is filled with this blue substance. In a blue-eyed person you are really seeing the back wall of the iris; the front part is transparent. Brown-eyed people have the same blue substance in the back layer of their iris, but they possess also brown granules in front of it. These cover up the blue ones so that all you see are the brown. A black-eyed person has black granules. You see not the blue but the little black sacks. It is the iris that causes a person's eyes to be blue, brown or black. The iris is always blue in back, and in blue-eyed persons it possesses no coloured substance at all in front; in brown-eyed and black-eyed people, it contains coloured granules in front that obscure the blue granules in back.
[ 31 ] Woher kommt das? Ja, sehen Sie, diese Säckchen, die werden nämlich immerfort angefüllt und wiederum leer gemacht vom Blut. Da geht das Blut ganz fein herein. So daß also beim Blauäugigen diese Säckchen fortwährend ein bißchen angefüllt werden vom Blute, es geht wieder zurück und so weiter. Und ebenso ist es beim Braun- und Schwarzäugigen: Das Blut geht herein, setzt blauen oder schwarzen Farbstoff ab, geht wieder zurück, nimmt auch den Farbstoff wieder mit. Das ist fortwährend im Leben.
[ 31 ] Why is that? Well, you see, these tiny little sacks are constantly being filled with blood and then emptied. The blood penetrates the tiny granules in minute amounts. In a blue-eyed person, they are constantly being filled with and emptied of a little blood. The same thing happens with brown- and black-eyed persons. The blood enters, deposits blue or black coloured substance, then leaves again and takes the coloured substance with it. This is a continual process.
[ 32 ] Nun, denken Sie, es gibt Menschen, die haben in ihrem Blut eine ganz starke Kraft, eine Kraft, so daß sie die Nahrungsmittel bis in die Augen hinein treiben. Dann kriegen sie braune oder schwarze Säckchen. Diejenigen, die schwarze Säckchen haben, sind diejenigen, die ihr Blut stark bis in die Augen hinein treiben können, so daß die Nahrungsmittel noch ordentlich bis in die Augen hinein kommen, — diejenigen Menschen, die braunäugig sind, schon weniger. Diese, die braunen, sind weniger gut ernährt. Wenn aber einer blauäugig ist, dann treibt er überhaupt nicht die Nahrungssäfte so stark bis ins Auge hinein, daß auch die Vorderwand der Regenbogenhaut noch mit Nahrungssaft ausgefüllt wird. Dadurch bleibt das durchsichtig, und wir sehen noch auf die Hinterwand. Wenn der Mensch blauäugig ist, so hängt das davon ab, wie er seine Säfte durch den ganzen Körper treibt. Sehen Sie also einen Menschen, der blauäugig ist, so können Sie sich sagen: der hat geringere Stoßkraft in seinen Säften als ein Mensch, der schwarzäugig ist.
[ 32 ] Now, some people have a strong force in their blood that drives the substances from food all the way into the eyes. This gives them brown or black granules. Those with black granules are people whose organisms can drive the blood most strongly into the eyes; the substances from nourishment easily reach into the eyes. This is less the case with brown-eyed people. Their eyes are not so well-nourished, and a blue-eyed person's organism does not drive the nourishing substances far enough into the eyes to fill the front part of the iris with them. It remains transparent and all we can see is the back part. Thus, a person is blue-eyed because of the way all the substances circulate through his organism. If you observe such a blue-eyed person, you can say that he has less driving force in his circulation than one who is black-eyed.
[ 33 ] Ein recht nordischer Mensch muß viel verwenden von dem, was seine Nahrungsmittel sind, um die Kälte um sich herum zu bezwingen. Der hat nicht mehr die Kraft, das noch in die Augen hineinzutreiben. Er muß sie gegen die Kälte haben. Er wird blauäugig. Ein südlicher Mensch, der immer in der Wärme lebt, hat dagegen die Stoßkraft in seinem Blute, bis in die Augen hinein die Nahrungsmittel zu bringen. So hängt es in der gemäßigten Zone von der Menschennatur ab, ob man eben mehr oder weniger Stoßkraft hat.
[ 33 ] Consider the Scandinavians. Much of the nourishment must be utilized in fighting off the surrounding cold. A Nordic man does not have enough energy left to drive the nourishment all the way into the eyes; his energy is needed to ward off the cold. Hence, he is blue-eyed. A man who is born in a warm, tropical climate has in his blood the driving force to push the nourishing substances into his eyes. In the temperate zones it is an individual matter whether a man possesses more or less inner energy.
[ 34 ] Aber das hängt auch mit den Haaren zusammen. Wer starke Stoßkraft hat, der schiebt eben die Nahrungssäfte bis in die Haare hinein, hat schwarze oder braune Haare. Wer weniger Stoßkraft hat, schiebt die Nahrungssäfte nicht bis in die Haare hinein, und sie bleiben hell, werden nicht dunkel. Und so hängen blaue Augen und blonde Haare zusammen. Die Sache ist so, daß überhaupt einer, der die Nahrungssäfte stark durch seinen Körper treibt, dunkle Haare kriegt und dunkle Augen; derjenige, der sie weniger stark treibt, kriegt helle Augen und helle Haare. Das ist daraus zu begreifen, wie ich es Ihnen gesagt habe. Sehen Sie, die Leute denken nicht über die wichtigsten Dinge nach, Wenn man aber über die wichtigsten Dinge nachdenkt, dann kommt man darauf, wie alles lebt. Die Erde, auf der wir leben - Sie können das schon aus den Schilderungen entnehmen, die ich Ihnen früher gegeben habe -, die Erde war auch einmal ganz jung, als sie die RiesenmegÄtherien und Ichthyosaurier hervorgebracht hat. Sie war jung. Jetzt steht es mit der Erde so, daß sie im Grunde genommen über das Mannesalter hinaus ist; sie wird immer älter und wird einmal an Altersschwäche zugrunde gehen, nicht an den Dingen, wovon die heutigen Materialisten reden. Aber wir stehen heute tatsächlich schon ein bißchen in der Altersschwäche der Erde drinnen, meine Herren. Daher ist das ganze Menschengeschlecht in der Stoßkraft, die Nahrungsmittel durch den Körper zu treiben, schwächer geworden. Wer muß daher zuerst verschwinden von der Erde? Die Schwarzen halten es länger aus, haben die größere Stoßkraft; die Blonden haben die geringere Stoßkraft, sterben früher aus. Wir sind schon drinnen in der Altersschwäche der Erde! Das hat der Herr (der die Frage stellte) ja auch gesagt, daß es heutzutage nicht mehr so viele Blonde gibt wie in seiner Jugend. Deshalb, weil die Erde nicht mehr so starke Kraft hat zu stoßen, erreichen nur noch die schwarzen und die braunen Menschen die größere Stoßkraft; die Blonden und Blauäugigen, die sind eigentlich schon im AussterbeEtat, weil sie nicht mehr mit der nötigen Stoßkraft die Kräfte durch ihren Körper treiben können.
[ 34 ] This also affects the colour of hair. A person with strong forces drives food substances all the way into his hair, making it brown or black. A person with less driving force does not push these substances all the way into the hair, and thus it remains light. So we see that blue eyes and blond hair are related. The one who drives the food substances forcefully through his body gets dark hair and eyes; the one who does it less vigorously gets light hair and eyes. This can be understood from what I have told you. When you take into consideration the most important aspects, you can find meaning for everything. The earth on which we live was young when it brought forth those giant megatheria and ichthyosauria that I have described for you. The earth was once young. Now it is past its prime; it is growing older and some day will perish from old age, though not in the way described by the materialists. We are already faced with some of the signs of the earth's old age. Therefore, the entire human race has been weakened in regard to the driving force that moves the food substances through the body. So what part of the population is going to be the first to disappear from the earth? Dark people can last longer, for they possess greater driving force; blonds have less and become extinct sooner. The earth is indeed already into its old age. The gentleman who asked the question pointed out that there are fewer blonds around than in his youth. Because the earth has less vitality, only the black and brown peoples attain sufficient driving force; blonds and blue-eyed people are already marked for extinction because they can no longer drive nourishment with the necessary force through their bodies.
[ 35 ] Man kann also sagen: Die Blonden waren eigentlich körperlich immer die Schwächeren, sie waren eigentlich nur seelisch die Starken. Und in früheren Zeiten waren viele Menschen blond, waren aber seelisch stark, haben seelisch noch viel von dem gewußt, was heute viele nicht mehr wissen können. Daher habe ich Sie auch aufmerksam machen können, wie viel die Menschen gewußt haben.
[ 35 ] We can say that fair people were actually always weaker physically and that they were only mentally stronger. In former times many people were blond, but they were strong in spirit and knew much of what many today can no longer know. This is why I called your attention to how much people knew in olden days.
[ 36 ] Nehmen Sie zum Beispiel das alte Indien, so fünf- bis sechstausend Jahre vor Christi Geburt. Das hatte ja ursprünglich einheimische schwarze Bevölkerung; die waren ziemlich dunkel. Und dann waren Menschen eingewandert mit blonden Haaren, die vom Norden kamen. Daraus sind dann die Brahmanen geworden, die man besonders verehrte, die blonden Brahmanen. Aber mit der Zeit verliert sich die Blondheit, weil das Menschengeschlecht schwächer wird. Zuletzt würden nur mehr Braun- und Schwarzhaarige da sein können; aber wenn nicht nachgeholfen wird, so bleiben sie zugleich dumm. Denn je stärker die Körperkräfte sind, desto weniger stark sind die seelischen Kräfte. Und die Erdenmenschheit würde vor der Gefahr stehen, wenn die Blonden aussterben, daß die ganze Erdenmenschheit eigentlich dumm würde, wenn nicht das kommen würde, daß man eine Geisteswissenschaft haben wird, eine Anthroposophie, die nicht mehr auf den Körper Rücksicht nimmt, sondern die aus der geistigen Untersuchung selbst heraus die Gescheitheit wieder holt, wenn ich so sagen darf.
[ 36 ] Look at ancient India, five thousand years before the birth of Christ. The original inhabitants were black; they were quite dark. Then people with blond hair migrated from the north to the south. The Brahmans descended from those who were especially revered, the fair Brahmans. In time, however, blondness will disappear because the human race is becoming weaker. In the end, only brown- and black-haired people will be able to survive if nothing is done to keep them from being bound to matter. The stronger the body's forces, the weaker the soul's. When fair people become extinct, the human race will face the danger of becoming dense if a spiritual science like anthroposophy is not accepted. Anthroposophy does not have to take the body into consideration but can bring forth intelligence from spiritual investigation itself.
[ 37 ] Also Sie sehen, lernt man richtig Naturgeschichte, so muß man sagen: Donnerwetter, die Menschen auf der Erde würden ja dumm, indem sie immer stärker werden! Die Menschen würden ja, wenn die Blauäugigen und Blondhaarigen aussterben, immer dümmer werden, wenn sie nicht zu einer Art Gescheitheit kommen würden, die unabhängig ist von der Blondheit. Die blonden Haare geben eigentlich Gescheitheit. Geradeso wie sie wenig in das Auge hineinschicken, so bleiben sie im Gehirn mit ihren Nahrungssäften, geben ihrem Gehirn die Gescheitheit. Die Braunhaarigen und Braunäugigen, und die Schwarzhaarigen und Schwarzäugigen, die treiben das, was die Blonden ins Gehirn treiben, in die Augen und Haare hinein. Daher werden sie Materialisten, gehen nur auf dasjenige, was man sehen kann, und es muß das durch geistige Wissenschaft ausgeglichen werden. Man muß also eine Geisteswissenschaft haben in demselben Maße, als die Menschheit mit der Blondheit ihre Gescheitheit verliert. Wir haben nicht zum Spaß diesen Bau, das Goetheanum, hierhergebaut, sondern auf das hin, was aus dem Menschengeschlecht wird, wenn nicht aus dem Geiste heraus nachgeholfen würde dem, was aus der Natur heraus verschwindet.
[ 37 ] You see, when we really study science and history, we must conclude that if people become increasingly strong, they will also become increasingly stupid. If the blonds and blue-eyed people die out, the human race will become increasingly dense if men do not arrive at a form of intelligence that is independent of blondness. Blond hair actually bestows intelligence. In the case of fair people, less nourishment is driven into the eyes and hair; it remains instead in the brain and endows it with intelligence. Brown- and dark-haired people drive the substances into their eyes and hair that the fair people retain in their brains. They then become materialistic and observe only what can immediately be seen. Spiritual science must compensate for this; we must have a spiritual science to the same degree that humanity loses its intelligence along with its fair people. We have not built the Goetheanum as a joke, for no reason at all; we have built it because we anticipated what would happen to the human race if there were not spiritual compensation for what will disappear from the natural world.
[ 38 ] Sehen Sie, die Geschichte ist so ernst, daß man sagen kann: Es muß die Menschheit auf der Erde auf andere Weise als in alten Zeiten zu etwas kommen, was wiederum etwas hergibt. Denn es ist tatsächlich so, daß, je mehr die blonden Rassen aussterben, desto mehr auch die instinktive Weisheit der Menschen stirbt. Die Menschen werden dümmer. Und sie können nur wiederum gescheit werden, wenn sie nicht auf den Körper angewiesen sind, sondern wenn sie eine wirkliche geistige Wissenschaft haben. Das ist tatsächlich so. Und wenn heute die Leute darüber lachen, so mögen sie lachen. Aber sie haben ja über alles gelacht, was irgendwo aufgetreten ist und einen großen Umschwung hervorgebracht hat!
[ 38 ] The matter is so serious that we can say that mankind on this earth must once again attain something fruitful, though in a different form from what was produced in ancient times. It is indeed true that the more the fair individuals die out the more will the instinctive wisdom of humans vanish. Human beings are becoming denser, and they can regain a new wisdom only if they do not have to depend on their bodies, but possess, instead, a true spiritual science. It is really so, and if people today want to laugh about it, let them. But then they have always laughed about things that have brought about some great change.
[ 39 ] Natürlich, in der Zeit, in der es solche Riesenviecher gegeben hat, wie ich sie Ihnen beschrieben habe, die MegÄtherien, die Ichthyosaurier und so weiter, da hat es noch keine Kühe gegeben, Kühe, aus denen Milch für die Menschen genommen worden wäre. Das glauben Sie natürlich auch nicht, daß da Menschen da waren, die die Milch so gebraucht hätten. — Aber ich habe erst gestern bei jemandem gelesen, der nun eigentlich Angst hat vor dem Fortschritt, — der hat gesagt: Ja, wie es in alten Zeiten noch nicht Kühe hat geben können, so müssen auch die Menschen, die schon jetzt das sagen, was erst nach Jahrhunderten gesagt werden soll, verfolgt werden, denn es ist noch nicht an der Zeit, sondern erst nach Jahrhunderten soll das gesagt werden. — Das aber kommt mir so vor, wie wenn in der Zeit, wo die Kühe hätten entstehen sollen, keine Kuh die Courage gehabt hätte, nun Kuh zu werden! So könnte man sagen: Wenn man meint, das, was man heute als Anthroposophie lehrt, sollte erst nach Jahrhunderten kommen — dann würde sie überhaupt nicht kommen, wie keine Kühe gekommen wären. Na, da bleibe ich lieber ein altes Urschwein, statt daß ich mich zu einer Kuh umwandele!
[ 39 ] In the age when those giant beasts existed that I have described—the ichthyosauria, plesiosauria and megatheria—cows certainly did not yet exist, cows from whom milk is taken for human consumption. Of course, neither did human beings exist then who would have required such milk. But just yesterday I read a statement by somebody who is really afraid of progress. He thinks people who express ideas today that should be formulated only after many centuries have passed ought to be persecuted, because the time is not ripe for their utterances. Gentlemen, it seems to me that if this had been the case in the period when cows were supposed to come into existence, no creature would have had the courage to become a cow! It is like saying, “What is taught today as anthroposophy should emerge only after many centuries.” Well, then it wouldn't appear at all, just as no cows would have come into being. In effect, it is like saying, “I would rather remain an old primeval hog than transform myself into a cow!”
[ 40 ] Auf der Erde ist es eben so, daß man die Courage haben muß zum Umwandeln. Und jetzt muß man die Courage haben, von den Leuten, die eigentlich instinktiv noch etwas gewußt haben, bewußt zur Erkenntnis nun aufzusteigen. Deshalb trage ich Ihnen hier die Sachen auch so vor, daß Sie sie durchschauen können, daß Sie überall drinnen schauen können, wie der Hase läuft in den Dingen! Wenn Sie heute ein Buch in die Hand nehmen, oder hören von den Dingen draußen in der Welt, werden Sie nicht dahinterkommen, wie die Dinge laufen, wie die Geschichte eigentlich vor sich geht. Das wissen die Leute nicht.
[ 40 ] The situation on earth is such that we must have the courage to change and to ascend from those periods when mankind knew things instinctively, to one in which everything is known consciously. This is why I present everything to you here in such a way that you can comprehend fully what is really going on and know in what direction the wind is blowing. When you read a book nowadays, or when you hear about what goes on in the great wide world, you cannot actually get to the bottom of what makes everything tick. But people don't know that.
[ 41 ] Also selbst das, daß die Blondhaarigen aussterben, versteht man, wenn man begreift, wie die Nahrungssäfte bis in die Augen hinein kommen, und auch bis in die Haare hinein. Die Haare hängen nämlich sehr stark mit den Augen zusammen. Und wenn Sie zum Beispiel nach Mailand kommen und dort die Löwen sehen, dann werden Sie folgendes beobachten. Wenn das der Löwenkopf ist (es wird gezeichnet), dann sind die Mähnen, also die hauptsächlichsten Haare des Löwen, so gemacht, strahlenförmig gemacht. Das rührt noch von dem alten Wissen her, wo man gewußt hat, daß so, wie das Auge mit dem Licht zusammenhängt, auch die Haare mit dem Licht zusammenhängen.
[ 41 ] You can understand a phenomenon like the gradual extinction of blonds if you comprehend how nourishing substances penetrate into both the eyes and hair, the colouring of which is closely related. If you go to Milan, you will find that the head of the lion there is depicted in such a way that its mane, that is, the largest accumulation of hair the lion possesses, looks like rays of light. This rendering is based on an ancient wisdom in which it was known that both the eyes and hair are related to light and its rays.
[ 42 ] Die Haare sind nämlich tatsächlich wie Pflanzen, die dem Boden eingesetzt sind, und ihr Wachstum hängt mit dem Licht zusammen. Wenn daher das Licht nicht imstande ist, bis in die Haare hinein die Nahrungssäfte zu ziehen, so bleiben die Haare blond. Wenn einer mehr materiell ist, so kriegt er schwarze Haare, und die Nahrungssäfte gehen hinein, vertragen sich dann nicht mit dem Licht. Das haben die Alten noch gewußt, vor ein paar Jahrhunderten noch, und haben daher die Mähne des Löwen nicht kräuselig gemacht, sondern strahlend gemacht, so wie wenn die Sonne die Lichtstrahlen in seinen Kopf hineinsteckte. Das ist auch sehr interessant zu beobachten.
[ 42 ] Hair is indeed like plants, which are placed in the ground and whose growth is subject to light. If light is unable to draw the nourishing substances all the way into the hair, it remains blond. If a person is more closely tied to matter, the food substances penetrate the hair completely and counteract the light; then he gets black hair. Sages of old were still aware of this, just as were men even a few centuries ago. Thus, they did not depict the lion's mane as being curly but instead they gave it a radiating, straight form, as if the sun had placed its beams right into the lion's head. It is most interesting to observe such things.
