On Health and Illness
GA 348
30 December 1922, Dornach
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On Health and Illness, tr. SOL
Zehnter Vortrag
Tenth Lecture
Es wird eine Frage gestellt in bezug auf Schwangerschaft und Beeinflussungsmöglichkeiten während der Schwangerschaft.
A question is asked regarding pregnancy and ways to influence it during pregnancy.
[ 1 ] Dr. Steiner: Diese Dinge, meine Herren, sind Angelegenheiten des Lebens, die als außerordentlich wichtig behandelt werden müssen. Es ist ja im allgemeinen so, daß man auf das Kind während der Schwangerschaft nicht einen außerordentlich großen Einfluß anders nehmen kann als auf dem Umweg durch die Mutter, denn das Kind hängt ja, wie Sie aus manchem ersehen werden, was ich hier schon gesagt habe, durch zahlreiche feine Blutgefäße mit der Mutter so zusammen, daß es von der Mutter Nahrungsstoffe bekommt, auch eine ganz andere Atmung später, und daß es die Dinge, die es braucht, von der Mutter bekommt.
[ 1 ] Dr. Steiner: These matters, gentlemen, are matters of life that must be treated as extraordinarily important. It is generally the case that one cannot exert a particularly strong influence on the child during pregnancy other than indirectly through the mother, for the child—as you will see from some of what I have already said here—is so closely connected to the mother through numerous fine blood vessels that it receives nutrients from the mother, as well as a completely different way of breathing later on, and that it receives the things it needs from the mother.
[ 2 ] Nicht wahr, die Dinge, die Sie jetzt berührt haben, die können wir am besten betrachten, wenn wir uns ein bißchen noch beschäftigen, gerade mit Rücksicht auf Ihre zwei Fragen, mit dem Krankwerden und Gesundsein des Menschen überhaupt. Denn bei der Schwangerschaft ist es so, daß es wirklich noch schwerer als beim gewöhnlichen Hunger und Durst zu sagen ist, wo die Hinneigung zur Krankheit schon anfängt und wo sie aufhört.
[ 2 ] Isn't it true that the issues you've just touched on can best be examined if we spend a little more time—especially in light of your two questions—on the topics of human illness and health in general? For in the case of pregnancy, it is actually even harder than with ordinary hunger and thirst to say where the tendency toward illness begins and where it ends.
[ 3 ] Außerdem kommen bei der Schwangerschaft Dinge in Betracht, die schlagend beweisen, wie das Seelische der Mutter auf das künftige Kind einen außerordentlichen Einfluß hat. Sie brauchen nur einmal zu verfolgen, was geschieht, wenn zum Beispiel die Mutter, namentlich in den ersten Monaten der Schwangerschaft, einen großen Schreck bekommt. Das trägt das Kind in der Regel das ganze Leben hindurch. Da könnten Sie nicht sagen, daß natürlich von vornherein eine physische Veränderung am Kind vorgegangen ist, sondern die Mutter hat einen Schreck bekommen. Wie kann ein Schreck bei der Mutter auf das Kind wirken?
[ 3 ] Furthermore, certain aspects of pregnancy provide compelling evidence of how the mother’s emotional state has an extraordinary influence on her unborn child. You need only observe what happens when, for example, the mother experiences a great shock, particularly during the first months of pregnancy. As a rule, the child carries this with them throughout their entire life. You couldn’t say that a physical change occurred in the child from the outset; rather, it was the mother who experienced a shock. How can a shock experienced by the mother affect the child?
[ 4 ] Sehen Sie, darauf gibt die heutige Wissenschaft im Grunde genommen nur ganz unzureichende Antwort, weil sie von dem, was seelisch und geistig im Menschen wirkt, überhaupt nichts weiß, oder wenigstens nichts zu wissen vorgibt. Man kann zu diesen schwierigen Fragen — denn schwer sind gerade diese Fragen, die jetzt der Herr Dollinger gestellt hat - am besten kommen, wenn man zwei Lebenserscheinungen, die in der Krankheit hauptsächlich auftreten, einmal scharf ins Auge faßt. Das sind erstens das Fieber, und zweitens der Kollaps. Das sind zwei entgegengesetzte Erscheinungen, welche der Mensch durchmacht, das Fieber und der Kollaps.
[ 4 ] You see, modern science essentially offers only a very inadequate answer to this, because it knows absolutely nothing about what is at work in the human soul and spirit—or at least pretends to know nothing. The best way to approach these difficult questions—for these are indeed difficult questions, the ones Mr. Dollinger has just raised—is to take a close look at two phenomena that occur most prominently during the course of the illness. These are, first, fever, and second, collapse. These are two opposing phenomena that a person experiences: fever and collapse.
[ 5 ] Was ist das Fieber? Nun ja, das kennen Sie ja: es zeigt sich äußerlich dadurch, daß der Mensch bei der gewöhnlichen Messung nicht mehr als 36 bis 37 Grad Körpertemperatur hat; wenn die Körpertemperatur höher hinaufgeht, so sagt man, der Mensch habe Fieber. Äußerlich sichtbar ist das Fieber dadurch, daß der Mensch heißer wird.
[ 5 ] What is a fever? Well, you know the answer: it manifests itself externally in that a person’s body temperature, when measured in the usual way, does not exceed 36 to 37 degrees; if the body temperature rises above that, we say the person has a fever. A fever is outwardly visible in that the person becomes hotter.
[ 6 ] Was ist der Kollaps? Der Kollaps ist eigentlich der entgegengesetzte Zustand. Der Kollaps tritt dann ein, wenn der Mensch nicht imstande ist, sich genügend Wärme in seinem Innern zu entwickeln. Wenn Sie zum Beispiel, sagen wir, von einem gewissen Giftstoff, der aber auch als Heilmittel verwendet wird, eine gewisse Menge einnehmen, wenn Sie zum Beispiel den Giftstoff nehmen, den man in der Medizin Hyoscyamin nennt — das ist also vom Bilsenkraut — und geben den in einer zu großen Menge, über eine bestimmte Menge hinaus, so setzt man den Menschen der Gefahr aus, daß er einen Kollaps kriegt.
[ 6 ] What is collapse? Collapse is actually the opposite state. Collapse occurs when a person is unable to generate sufficient internal warmth. For example, if you take a certain amount of a particular toxin—one that is also used as a remedy—if, for instance, you take the toxin known in medicine as hyoscyamine—which comes from henbane—and administer it in an excessive amount, beyond a certain limit, you expose the person to the risk of going into shock.
[ 7 ] Der Vorgang ist ja der, daß gerade im Unterleib der Mutter, wo ja auch das Kind ausgebildet werden muß, durch den Kollaps alle die Häute, die da sind - also die Häute von den Gedärmen, aber auch die Häute von denjenigen Organen, in denen das Kind während der Schwangerschaft drinnen liegt, die Häute des sogenannten Uterus, der Gebärmutter —, also alle die Häute im Unterleibe dadurch, daß solch ein Gift zum Beispiel eingeführt wird, weit werden. Es ist gerade so, wie wenn ich einen Sack ausdehne über seine eigene Haltekraft, dann wird er schleißig, und er kann dann die Dinge nicht mehr halten. Und so schoppen sich allerlei Stoffe, die durch die Nahrungsmittel zugeführt werden, bei solcher Zuführung von Bilsenkrautgift an, und der Mensch hat nicht mehr die Möglichkeit, ordentlich in seinem Unterleib zu arbeiten, in der Art, wie ich es Ihnen gerade das vorige Mal erzählt habe. Es häuft sich in seinem Unterleib eine Menge von Sachen an, die er nicht verarbeiten kann.
[ 7 ] The process is, in fact, that precisely in the mother’s lower abdomen—where the child must also develop—the collapse causes all the membranes present there—that is, the membranes of the intestines, but also the membranes of those organs within which the child lies during pregnancy, the membranes of the so-called uterus— —in other words, all the membranes in the lower abdomen—become stretched as a result of, for example, the introduction of such a toxin. It is exactly as if I were to stretch a sack beyond its own tensile strength; it then becomes frayed and can no longer hold things. And so all sorts of substances supplied through food accumulate when henbane poison is introduced in this way, and the person is no longer able to function properly in the lower abdomen, in the manner I just described to you last time. A great many things accumulate in the lower abdomen that the body cannot process.
[ 8 ] Nun, meine Herren, um zu verstehen, wie da eigentlich gearbeitet wird, muß man wiederum tiefer in den menschlichen Organismus hineinschauen. Was geschieht denn da eigentlich, wenn im Unterleib nicht ordentlich gearbeitet wird? Da wird nicht nur im Unterleib nicht ordentlich gearbeitet, sondern man wird jedesmal finden, wenn im Unterleib nicht ordentlich gearbeitet wird, daß das Gehirn gerade in seinem vordersten Teil nicht in Ordnung ist. Ein sehr interessanter Zusammenhang!
[ 8 ] Well, gentlemen, to understand how this actually works, one must once again look deeper into the human organism. What actually happens when the lower abdomen isn’t functioning properly? Not only is the lower abdomen not functioning properly, but you will find every time that when the lower abdomen isn’t functioning properly, the brain—particularly its frontal lobe—is also not functioning properly. A very interesting connection!


[ 9 ] Nehmen Sie an, Sie haben den Menschen: Unterleib, Brustleib, hier etwa das Zwerchfell (siehe Zeichnung), also Unterleib, Brust, Kopf. Gerade wenn im Unterleib etwas nicht in Ordnung ist, so ist im vordersten Teil des Gehirns auch etwas nicht in Ordnung. Also diese gehören zusammen. Die gehören innerlich im Menschen zusammen: vorderes Gehirn und Unterleib. Und wiederum, wenn hier etwa das Herz ist mit den Adern, so wie ich es Ihnen beschrieben habe, so gehört das Herz und das mittlere Gehirn zusammen. Und wenn da dann die Atmung ist, das Obere mit den Lungen, so gehören die Lungen mit dem hintersten Teile des Gehirns zusammen.
[ 9 ] Suppose you have the human body: the lower abdomen, the chest, and here, roughly, the diaphragm (see drawing)—that is, the lower abdomen, the chest, and the head. Especially when something is wrong in the lower abdomen, something is also wrong in the front part of the brain. So these belong together. They belong together internally within the human being: the front part of the brain and the abdomen. And again, if, for example, the heart is here with the veins, as I have described to you, then the heart and the middle part of the brain belong together. And when it comes to breathing—the upper part with the lungs—then the lungs belong together with the rearmost part of the brain.
[ 10 ] Jedesmal, wenn etwas mit der Atmung nicht in Ordnung ist, ist auch etwas nicht in Ordnung im hintersten Teil des Gehirnes. Man kann das schon dadurch verfolgen, daß, wenn jemand an Atemnot leidet, wenn er zu wenig Sauerstoff bekommt, immer im hintersten Teile seines Gehirns etwas nicht in Ordnung ist. Wenn jemand an Herzunordnung leidet, namentlich wenn die Herztätigkeit nicht rhythmisch vor sich geht, so daß der Puls nicht in Ordnung ist, findet man immer auch, daß etwas nicht in Ordnung ist im Mittelgehirn. Und wenn im Unterleib etwas nicht in Ordnung ist, findet man immer etwas Unregelmäßiges auch im Vordergehirn. So wunderbar hängt alles im Menschen zusammen. So daß man sagen kann: Gerade das, was in seinem Unterleib vor sich geht, hängt zusammen mit seiner vorderen Gehirnkonfiguration.
[ 10 ] Whenever there is something wrong with breathing, there is also something wrong in the deepest part of the brain. You can see this from the fact that when someone suffers from shortness of breath—when they’re not getting enough oxygen—there’s always something wrong in the rearmost part of their brain. When someone suffers from a heart disorder—namely, when the heart isn’t beating rhythmically, so that the pulse is irregular—you’ll always find that something is wrong in the midbrain as well. And if something is wrong in the lower abdomen, one always finds something irregular in the forebrain as well. Everything in the human being is so wonderfully interconnected. So one can say: Precisely what is happening in the lower abdomen is connected to the configuration of the forebrain.
[ 11 ] Sehen Sie, manchmal wollen die Leute das nicht wahrhaben, weil sie in der Stirnbildung das Alleredelste sehen und im Unterleib das weniger Edle. Und wenn man ihnen dann die Wahrheit sagt, so finden sie das für den Menschen unwürdig. Aber aus meinen Vorträgen werden Sie schon gesehen haben, daß schließlich das Ernährungssystem so zusammenhängt wiederum mit dem Gliedmaßensystem, daß das etwas sehr Wichtiges ist beim Menschen.
[ 11 ] You see, sometimes people don’t want to admit this because they view the forehead as the noblest part of the body and the lower abdomen as the least noble. And when you tell them the truth, they consider it unworthy of a human being. But as you will have seen from my lectures, the digestive system is ultimately so closely connected to the limb system that this is something very important in human beings.
[ 12 ] Ich habe einmal einen Herrn gekannt, der hatte eine solche Stirnbildung, eine sehr seltene Stirnbildung (siehe Zeichnung S. 179, links). Eine griechische Stirne ist anders. Die ist so (siehe Zeichnung, rechts). Bei allen griechischen Statuen finden wir diese Stirnbildung, die gerade entgegengesetzt, nach rückwärts geht. Bei diesem Herrn war tatsächlich hier ein mächtiger Bug, und oben stand das vordere Gehirn ganz heraus. Ich bin überzeugt, der Mensch, der dieses Gehirn so weit vorgerückt hatte, der hatte einen furchtbar gut ausgebildeten Unterleib und litt nie an Durchfällen oder an Verstopfung zum Beispiel; niemals litt er auch an Bauchschmerzen und dergleichen. Der Betreffende war tatsächlich ein Mensch, der ungemein feine Empfindungen hatte. Aber diese Empfindungen waren so, daß er eigentlich immer darauf angewiesen war, sich innerlich behaglich zu fühlen. Das deutete etwas darauf hin, daß seine mächtige, nach vorn gebeugte Stirn niemals zuließ, daß in seinem Unterleib etwas nicht in Ordnung war. Also Sie sehen daraus, daß in merkwürdiger Weise der Mensch in bezug auf seine Kopforgane zusammenhängt mit seinem Unterleib.
[ 12 ] I once knew a gentleman who had this kind of forehead—a very rare type of forehead (see drawing on p. 179, left). A Greek forehead is different. It looks like this (see drawing, right). In all Greek statues we find this forehead shape, which slopes straight backward. This gentleman, in fact, had a powerful bulge right here, and the frontal lobe of his brain protruded completely at the top. I am convinced that the man whose brain had protruded so far forward had an exceptionally well-developed abdomen and never suffered from diarrhea or constipation, for example; nor did he ever suffer from stomachaches or the like. This man was, in fact, a person with extraordinarily refined sensibilities. But these sensibilities were such that he was actually always dependent on feeling comfortable internally. This suggested that his powerful, forward-leaning forehead never allowed anything to go wrong in his lower abdomen. So you can see from this that, in a remarkable way, the human being is connected to his lower abdomen through his head organs.


[ 13 ] Wenn ich nun einem Menschen zu viel Saft vom Bilsenkraut gebe, bekommt er also einen Kollaps. Worauf beruht dieser Kollaps? Ja, es ist nämlich in seinem Vordergehirn dann etwas nicht in Ordnung, weil alles mögliche sich in seinem Unterleib ablagert. Das Merkwürdige ist aber: Wenn ich nun einen Menschen habe, der mir über eine bestimmte Art von Bauchweh klagt, das vielleicht davon herkommt, daß er eine kleine Verstopfung in den Gedärmen hat, dann kann ich mit gutem, mit allerbestem Gewissen den Bilsenkrautsaft, sehr, sehr stark verdünnt, geben, und dann wird er gesund. Er kriegt ein bißchen Fieber und wird gesund.
[ 13 ] If I give a person too much henbane juice, they will go into shock. What causes this shock? Well, something is wrong in their forebrain because all sorts of things are accumulating in their abdomen. But here’s the strange thing: If I have a person who complains of a certain kind of abdominal pain—which may stem from a slight blockage in the intestines—then I can, with a clear, indeed the very best, conscience, give them henbane juice, very, very strongly diluted, and they will recover. They’ll develop a slight fever and then get well.
[ 14 ] Also Sie sehen, die merkwürdige Tatsache liegt vor: Wenn ich einem Menschen, der meinetwillen sogar gesund ist, zu viel Bilsenkrautsaft gebe, so kriegt er einen Kollaps, und sein Unterleib kommt in eine furchtbare Unordnung; sein Kopf wird kalt, sein Unterleib wird auf Tafel 13 gedunsen und die Gedärme werden weit, und der Unterleib arbeitet nicht mehr. Was sehen Sie daraus? Sie sehen daraus, daß ich in den Magen hinein zu viel Bilsenkrautsaft gegeben habe. Dadurch habe ich den Magen in die Notwendigkeit versetzt, den Magen dazu angeregt, daß er recht viel verdauen sollte, denn Bilsenkraut ist furchtbar schwer zu verdauen. Giftig sein heißt nichts anderes als: schwer zu verdauen. Also der Magen soll furchtbar viel tun. Das Gehirn ist nicht stark genug dazu, das vordere Gehirn. So hängen die Dinge zusammen im menschlichen Leibe. Das Gehirn ist nicht stark genug, daß es den Magen anregt, diese furchtbar starke Tätigkeit auszuführen, und das Gehirn wird kalt, und der Mensch bekommt den Kollaps.
[ 14 ] So you see, here is the strange fact: If I give a person—who is even healthy because of me—too much henbane juice, he goes into shock, and his abdomen becomes terribly disordered; his head grows cold, his abdomen swells as shown in Plate 13, his intestines dilate, and his abdomen ceases to function. What do you make of this? You can see from this that I have administered too much henbane juice into the stomach. By doing so, I have forced the stomach—stimulated it—to digest a great deal, for henbane is terribly difficult to digest. To be poisonous means nothing other than: difficult to digest. So the stomach is expected to do an enormous amount of work. The brain—specifically the forebrain—is not strong enough for this. This is how things are interconnected in the human body. The brain is not strong enough to stimulate the stomach to carry out this incredibly intense activity, and the brain grows cold, and the person goes into shock.
[ 15 ] Was geschieht nun, wenn ich dem Menschen eine ganz kleine Dosis, das heißt, ganz verdünnt den Bilsenkrautsaft gebe? Da hat der Magen wenig zu tun, das Gehirn ist stark genug dazu, diese kleine Tätigkeit zu regeln, zu regulieren, und dadurch, daß ich doch ein wenig Bilsenkraut hineinbringe, was verarbeitet werden kann, rege ich gerade das Gehirn an, stärker zu arbeiten als früher. Wenn das Gehirn es bewältigen kann, so ist es gerade so, wie wenn ich einem Menschen eine Arbeit gebe, die er bewältigen kann. Gebe ich ihm eine Arbeit, die er bewältigen kann, so macht er es gut; gebe ich ihm einen Haufen für einen Tag, der eigentlich zehn Tage in Anspruch nimmt, so geht er dabei zugrunde. So ist es mit dem Gehirn. Da drin ist der Arbeiter für den Unterleib. Mute ich dem Gehirn zu wenig zu, wird er faul; wird er angeregt durch seine Tätigkeit, geht es gut; mute ich dem Unterleib aber zu viel zu, dann beteiligt er sich nicht mehr, und der Mensch kriegt den Kollaps.
[ 15 ] What happens, then, if I give a person a very small dose—that is, a highly diluted solution of henbane juice? The stomach has little to do with it; the brain is strong enough to manage and regulate this minor activity, and by introducing just a little henbane—which can be processed—I actually stimulate the brain to work harder than before. If the brain can handle it, it’s just like when I give a person a task they can handle. If I give them a task they can handle, they do it well; if I give them a mountain of work for one day that actually takes ten days, they’ll be overwhelmed by it. It’s the same with the brain. Inside it is the worker for the lower abdomen. If I don’t challenge the brain enough, it becomes lazy; if it is stimulated by its activity, things go well; but if I overburden the lower abdomen, it stops participating, and the person suffers a breakdown.
[ 16 ] Worauf beruht das Fieber? Das Fieber beruht darauf, daß eigentlich das Gehirn in eine überwiegende Tätigkeit kommt und den ganzen Menschen durchdringt. Nehmen Sie an, der Mensch bekommt in irgendeinem Organ, sagen wir in der Leber oder Niere, oder namentlich in den Lungen, irgendwie eine Unordnung auf die Weise, wie ich es Ihnen neulich erzählt habe. Da fängt nun das Gehirn an, dagegen zu revoltieren. Wenn die Lunge nicht mehr recht will, so fängt das Hintergehirn an, zu revoltieren und regt wiederum das Vordergehirn an, mitzurevoltieren gegen dieses Kranksein der Lunge, und dadurch entsteht das Fieber.
[ 16 ] What causes a fever? A fever is caused by the brain becoming highly active and permeating the entire body. Suppose a person develops some kind of disorder in an organ—say, the liver or the kidneys, or specifically the lungs—in the manner I described to you the other day. The brain then begins to revolt against it. If the lungs are no longer functioning properly, the hindbrain begins to revolt and, in turn, stimulates the forebrain to join the revolt against this illness of the lungs, and this is what causes the fever.
[ 17 ] Das heißt aber, der Mensch wird von oben herunter, von seinem Kopfe aus erwärmt, von unten herauf erkaltet. Das ist gerade sehr interessant. Der Mensch wird wirklich von oben herunter erwärmt. Das Fieber machen wir mit unserem Kopf. Und wenn eine Entzündung in der großen Zehe auftritt - das Fieber, das wir kriegen, machen wir mit dem Kopf. Es ist sogar interessant, daß dasjenige, was am weitesten unten liegt, durch die allervordersten Teile des Gehirnes reguliert wird. Wie beim Hund das, was am allerweitesten hinten liegt, durch die Nase reguliert wird, so ist es auch beim Menschen. Wenn er in der großen Zehe Fieber kriegt, so liegt die Tätigkeit, die das Fieber erzeugt, ganz vorn. Der Mensch muß es schon mit seiner Würde vereinbar halten, daß, wenn er in der großen Zehe eine Entzündung kriegt, dann ihm sein Fieber von ganz da vorne kommt, da gerade über der Nase; so daß der Mensch immer von oben erwärmt wird und von unten erkaltet wird.
[ 17 ] But that means a person is warmed from the top down, starting from the head, and cooled from the bottom up. That is actually very interesting. A person is truly warmed from the top down. We create fever with our head. And when an inflammation occurs in the big toe—the fever we develop is generated by our head. It is even interesting that what lies farthest down is regulated by the very front parts of the brain. Just as in a dog, what lies farthest back is regulated by the nose, so it is with humans as well. When a person develops a fever in the big toe, the activity that generates the fever is located right at the front. A person must accept—in keeping with their dignity—that when they develop an inflammation in the big toe, their fever comes from right at the front, just above the nose; so that a person is always warmed from above and cooled from below.
[ 18 ] Damit hängt es auch zusammen, daß wir, wenn wir eben gewisse Stoffe in den Menschen in zu großer Menge einführen, Kollaps erzeugen, daß wir aber ein heilsames Fieber erzeugen können, wenn wir dem Gehirn nicht so viel zumuten, und durch geringe Mengen von Stoff eben die Gehirntätigkeit anregen. Aber die Gehirntätigkeit wird ja den ganzen Tag nicht nur durch Stoffe, die wir hineinbringen ins Gehirn, angeregt, das Gehirn wird immer angeregt, wenn Sie sehen, wenn Sie hören. Und auch indem Sie essen, stopfen Sie ja nicht bloß die Nahrungsmittel in den Magen hinein, sondern sie schmecken Ihnen. Der Geschmack wird angeregt. Der Geruch wird angeregt. Das sind alles Anregungen vom Gehirn aus.
[ 18 ] This is also why, when we introduce certain substances into the human body in excessive amounts, we cause a collapse; yet we can induce a healing fever if we do not overburden the brain and instead stimulate brain activity with small amounts of the substance. But brain activity is not stimulated throughout the day solely by substances we introduce into the brain; the brain is constantly stimulated whenever you see or hear something. And even when you eat, you’re not just stuffing food into your stomach—you’re tasting it. Your sense of taste is stimulated. Your sense of smell is stimulated. These are all stimuli originating in the brain.
[ 19 ] Nun denken Sie sich einmal, eine Frau ist schwanger. Das Kind ist in der ersten Zeit der Schwangerschaft. Ja, das ist eine ungeheure Erhöhung der Unterleibstätigkeit. Das, was da vorgehen muß im Unterleib, braucht ja alles außerhalb der Schwangerschaft nicht, und bei Männern überhaupt niemals vorzugehen. Da wird also die Unterleibstätigkeit in ungeheurer Weise erhöht. Und wenn die Unterleibstätigkeit erhöht wird, werden die Sinnesnerven vor allen Dingen angeregt, denn Unterleib und vorderer Teil des Gehirns gehören zusammen.
[ 19 ] Now imagine a woman who is pregnant. The child is in the early stages of pregnancy. Yes, this causes a tremendous increase in abdominal activity. What has to take place in the lower abdomen there is something that doesn’t need to happen at all outside of pregnancy—and never happens at all in men. So abdominal activity is increased tremendously. And when abdominal activity increases, the sensory nerves are stimulated above all else, because the lower abdomen and the frontal part of the brain are connected.
[ 20 ] Wenn der Mensch bloß Hunger hat, was bedeutet das? Ich habe Ihnen gesagt, da kann eine gewisse Tätigkeit nicht ausgeführt werden, die eigentlich fortwährend ausgeführt werden soll. Der Mensch sehnt sich, wenn er Hunger hat, nach Nahrung. Das heißt aber zu gleicher Zeit: es sollen seine Geschmacksorgane angeregt werden. Er sehnt sich nach einer Anregung seiner Geschmacksorgane. Nun schön, dem kann er abhelfen eben durch Essen.
[ 20 ] If a person is simply hungry, what does that mean? I have told you that a certain activity—one that is actually supposed to be carried out continuously—cannot be performed. When a person is hungry, he longs for food. But that also means that his taste buds need to be stimulated. He longs for stimulation of his taste buds. Well, he can satisfy that need simply by eating.
[ 21 ] Aber wenn die Frau schwanger ist, dann wird, wenn sie im Unterleib etwas zu besorgen hat zum heranwachsenden Kinde, auch im Gehirn, vorzugsweise in den Sinnesnerven, Geschmacksnerven, Geruchsnerven allerlei angeregt. Da hilft es dann für die Geschmacksnerven und für die Geruchsnerven nicht viel, daß man zu essen gibt, denn das kommt nicht unmittelbar in das Kind, sondern zunächst nur in den Magen, weil eine Übertätigkeit auszuüben ist. Gewissermaßen muß der Unterleib Überstunden machen. So tritt auch im Kopf ein Bedürfnis auf, Übergeschmäcke und Übergerüche zu haben. Und da handelt es sich darum, daß man für das Kind natürlich am besten sorgt, wenn man Verständnis hat für diese Dinge.
[ 21 ] But when a woman is pregnant, if there is something in her abdomen that concerns the developing child, all sorts of sensations are also stimulated in the brain—particularly in the sensory nerves, taste nerves, and olfactory nerves. In that case, it doesn’t do much good for the taste and smell nerves to be given food, because it doesn’t go directly to the child but first only into the stomach, since the digestive system has to work overtime. In a sense, the abdomen has to work overtime. Consequently, a need arises in the head for heightened tastes and smells. And the point is that the best way to care for the child, of course, is to have an understanding of these things.
[ 22 ] Es wird sogar bei sehr vielen schwangeren Frauen vorkommen, daß sie gar nicht befriedigt sind, wenn man ihnen das verschafft, wonach gerade ihr Geschmack geht, denn wenn sie es haben, dann haben sie einen andern Geschmack. Sie sind nämlich zu gleicher Zeit außerordentlich launisch, haben dann schon wieder einen anderen Geschmack. Aber man befriedigt sie, wenn man nett zu ihnen ist, wenn man eingeht auf dasjenige, was sie eigentlich nach der Meinung, die man hat, in der Phantasie ausbilden. Denn es sind Geschmacks- und Geruchsphantasien, in denen die Schwangeren namentlich in den ersten Monaten leben. Und wenn man einfach nun sagt: Ach was, das ist alles eine Phantasie! — dann ist das wirklich schon für die Schwangere wie ein seelischer Schlag. Man stößt nämlich zurück das, was in ihr ganz natürlich sich bildet durch den Zusammenhang von Unterleib und Gehirn, Kopf. Wenn man ihr irgendwie Freude macht, indem man eingeht auf die Dinge, dann tritt viel leichter eine Befriedigung ein, als wenn man eben gerade, ich möchte sagen, entweder es zurückschlägt oder wörtlich darauf eingeht, daß, wenn also meinetwillen Vanillegeschmack verlangt wird, man gleich Vanille herbeischafft. Das ist manchmal gar nicht das Richtige; denn wenn man es verschafft hat, dann sagt sie: Ja, jetzt will ich aber Sauerkohl! Das ist schon so. Man muß sich schon bekanntmachen damit, daß, wenn so etwas Außerordentliches im Unterleib vorgehen soll, dann ganz besonders die Kindesentwickelung gefördert werden muß, und daß dann eben auch in einer besonderen Weise auf die Schwangere eingegangen werden muß.
[ 22 ] It will even happen with a great many pregnant women that they are not at all satisfied when you give them exactly what they happen to want at that moment, because once they have it, their tastes have already changed. They are, in fact, extremely fickle at the same time, and their tastes have already shifted again. But you can satisfy them by being kind to them, by responding to what you believe they are actually imagining. For it is fantasies of taste and smell that pregnant women live in, especially during the first few months. And if you simply say, “Oh, come on, it’s all just a fantasy!”—then that really is like an emotional blow to the pregnant woman. You’re essentially rejecting what forms quite naturally within her through the connection between her lower abdomen and her brain and mind. If you bring her joy in some way by responding to these things, satisfaction comes much more easily than if you—I would say—either brush it off or take it literally, so that if, for example, she asks for vanilla for my sake, you immediately go and get vanilla. Sometimes that’s not the right thing at all; because once you’ve provided it, she’ll say, “Yes, but now I want sauerkraut!” That’s just how it is. One must come to terms with the fact that when something so extraordinary is taking place in the lower abdomen, the child’s development must be particularly supported, and that the pregnant woman must also be addressed in a special way.
[ 23 ] Ja, meine Herren, das zeigt uns ja viel mehr. Das zeigt uns, daß auf das Kind die ganze Art und Weise, wie die Mutter geistig und seelisch leben kann, einen ungeheuren Einfluß hat. Derjenige, der einen Blick hat für gewisse Dinge, die im Leben einmal vorgehen, der kann zum Beispiel folgendes wissen. Es gibt Kinder, die werden mit einem Wasserkopf, Hydrozephalus, geboren. Man wird in den meisten Fällen, wo Kinder mit einem Wasserkopf geboren werden, darauf zurückgehen können, daß die Mutter, die vielleicht für recht viel Anregungen im Leben veranlagt war, sich während der ersten Monate der Schwangerschaft, namentlich während der ersten Wochen, scheußlich gelangweilt hat. Der Mann ist ins Wirtshaus gegangen und so weiter. Die Mutter hat sich scheußlich gelangweilt, und die Folge davon war, daß sie nicht die nötige Kraft gehabt hat, die Gehirngefäße zu beeinflussen. Die Langeweile macht ihren Kopf leer; der leere Kopf macht auch den Unterleib leer. Der entwickelt sich nicht stramm, daß er die Kräfte des Kopfes ordentlich zusammenhält. Der Kopf schwillt auf, wird ein Wasserkopf. Und manche Kinder wiederum werden mit zu kleinen Köpfen, namentlich mit zu kleinen Oberköpfen, mit sogenannten Spitzköpfen geboren. Man wird sehen, daß dies in den meisten Fällen damit zusammenhängt, daß die Mutter in den ersten Wochen der Schwangerschaft zu ausgelassen war, sich zu viel amüsiert hat. So daß man immer den Zusammenhang zwischen dem, wie das Kind wird, und der Art und Weise, wie die Mutter in den ersten Wochen der Schwangerschaft seelisch sein kann, wird bemerken können, wenn man dazu veranlagt ist, solche Sachen richtig zu sehen.
[ 23 ] Yes, gentlemen, this shows us much more than that. It shows us that the entire way in which a mother lives—mentally and emotionally—has an immense influence on the child. Anyone who has an eye for certain things that occur in life can, for example, understand the following. There are children who are born with hydrocephalus. In most cases where children are born with hydrocephalus, it can be traced back to the fact that the mother—who may have been predisposed to quite a lot of stimulation in life—was terribly bored during the first months of pregnancy, especially during the first few weeks. The husband went to the tavern and so on. The mother was terribly bored, and as a result, she lacked the necessary strength to influence the cerebral vessels. Boredom empties her head; an empty head also empties the abdomen. It does not develop firmly enough to properly hold the head’s forces together. The head swells up, becoming a hydrocephalic head. And some children, on the other hand, are born with heads that are too small—specifically, with upper heads that are too small, so-called “pointed heads.” One will see that in most cases this is related to the fact that the mother was too exuberant during the first weeks of pregnancy, having too much fun. Thus, one will always be able to notice the connection between how the child turns out and the mother’s emotional state during the first weeks of pregnancy, provided one is predisposed to perceive such things correctly.
[ 24 ] Natürlich, man kann da ja medizinisch viel machen, aber mit Bezug auf solche Sachen haben wir heute noch keine richtige Medizin, sondern mehr eine Medikasterei, weil die Zusammenhänge nicht richtig gesehen werden in der bloß materialistischen Wissenschaft. Diese Zusammenhänge muß man aber zumeist im einzelnen sehen, und man kann sie gerade beim Keimesleben des Menschen, beim Embryonalleben, also während der mütterlichen Schwangerschaft, am allerbesten bemerken.
[ 24 ] Of course, there is a lot that can be done medically in this regard, but when it comes to such matters, we still do not have true medicine today—rather, it is more like quackery—because the connections are not properly understood in purely materialistic science. However, these connections must usually be viewed in detail, and they can be observed most clearly in the human embryonic life—that is, during the mother’s pregnancy.
[ 25 ] Nehmen Sie also an, die Unterleibstätigkeit wird während der Schwangerschaft ganz besonders erhöht, der Unterleib muß furchtbar stark tätig sein. Das bedingt, daß namentlich auch das Vordergehirn möglichst stark tätig ist. Man braucht sich deshalb nicht zu verwundern, daß manche Mütter in den ersten Zeiten der Schwangerschaft geradezu ein bißchen verrückt werden. Sie werden zuweilen ein bißchen verrückt, weil eben der Unterleib und das Vordergehirn, das gerade denkt, innig zusammenhängen — wie es überhaupt sehr merkwürdig ist, wenn man die Zusammenhänge sucht zwischen dem Unterleib und demjenigen, was die Menschheit geistig leistet; dann kommt man zu interessanten Resultaten. Es ist etwas Kurioses, Komisches, daß gerade die Geisteswissenschaft auf diese Dinge aufmerksam machen muß, während die materialistische Wissenschaft da eben ganz versagt.
[ 25 ] So suppose that abdominal activity increases significantly during pregnancy; the abdomen must be working incredibly hard. This means that the forebrain, in particular, must also be working as hard as possible. It is therefore no surprise that some mothers go a little bit crazy in the early stages of pregnancy. They sometimes go a little crazy precisely because the lower abdomen and the forebrain—which is responsible for thinking—are intimately connected—and it is, in fact, very remarkable when one seeks the connections between the lower abdomen and humanity’s spiritual achievements; one then arrives at interesting results. It is somewhat curious and amusing that it is precisely Spiritual Science that must draw attention to these things, while materialistic science completely fails in this regard.
[ 26 ] Es wäre zum Beispiel einmal außerordentlich interessant, folgendes zu machen. Sehen Sie, in England hat es eine ganze Reihe von Philosophen gegeben, Hobbes, Bacon, Locke, Hume. Diese Philosophen, bis herauf zu John Stuart Mill, haben eigentlich den Anlaß gegeben, daß der Materialismus so sehr grassiert, so ganz groß geworden ist. Diese Philosophen haben alle solche schweren Gedanken gehabt. Sie konnten nicht mit ihren Gedanken in das Geistige eindringen. Sie hafteten mit ihren Gedanken am Stoffe. Nun würde ich es außerordentlich interessant finden, wenn man einmal untersuchen würde, was alle diese Philosophen, diese ganze Reihe von Philosophen, für eine Verdauung gehabt haben. Ich bin nämlich überzeugt davon, die litten allean Verstopfung! Und diese ganze Philosophie, von Hobbes, vom 17. Jahrhundert an bis ins 19. Jahrhundert hinein, die uns den Materialismus gebracht hat, die kommt eigentlich von der Verstopfung einzelner Philosophen! Und man hätte diesen Materialismus verhüten können - ich sage nicht, daß das Ernst ist, was ich jetzt sage, ich will nur einen Spaß machen -, aber man hätte ihn verhindern können, wenn man Hobbes, Bacon, Locke und anderen in der Jugend möglichst viel Abführmittel eingeführt hätte. Dann wäre dieser ganze Materialismus wahrscheinlich gar nicht gekommen!
[ 26 ] For example, it would be extraordinarily interesting to do the following. You see, in England there has been a whole series of philosophers—Hobbes, Bacon, Locke, Hume. These philosophers, right up to John Stuart Mill, are actually the reason why materialism has become so widespread and so dominant. These philosophers all had such heavy thoughts. They were unable to penetrate into the spiritual realm with their thoughts. Their thoughts were fixated on matter. Now, I would find it extraordinarily interesting if someone were to investigate what kind of digestion all these philosophers—this entire line of philosophers—had. For I am convinced that they all suffered from constipation! And this entire philosophy—from Hobbes, from the 17th century on through the 19th century—which brought us materialism, actually stems from the constipation of individual philosophers! And this materialism could have been prevented—I’m not saying what I’m about to say is serious; I’m just joking around—but it could have been prevented if Hobbes, Bacon, Locke, and others had been given as many laxatives as possible in their youth. Then all this materialism probably wouldn’t have come about at all!
[ 27 ] Ja, sehen Sie, es ist merkwürdig, daß gerade in der Geisteswissenschaft auf solches hingewiesen werden muß, was die Leute sehr häufig materialistisch nennen. Aber das rührt ja davon her, daß eben gerade, wenn man den Menschen nun betrachtet, sich da, wo die anderen nur Materie sehen, eben der Geist enthüllt. In der Anthroposophie steht man eben gar nicht auf dem Boden, daß im Unterleib nur eine chemische Fabrik ist, sondern ich habe Ihnen einmal gesagt, daß die Leber ein wunderbares Organ ist, die Niere und so weiter ebenfalls ein wunderbares Organ ist. Nur dadurch begreift man die Organe, daß man überall den Geist findet. Hört man einmal auf, irgendwo den Geist zu finden, ist einem einmal die Verdauung zu materialistisch, um sie recht zu studieren auf geistige Art, so wird man gerade dadurch Materialist. Der Materialismus ist nämlich nur durch einen geistigen Hochmut gekommen. Es ist merkwürdig, sehen Sie, ich habe Ihnen das schon einmal gesagt: Wenn die alten Juden im Alten Testament in der Nacht schlechte Gedanken gehabt haben, so haben sie diese schlechten Gedanken, ungesunden Gedanken nicht auf den Kopf geschoben, sondern auf die Nieren: Gott hat in dieser Nacht meine Nieren geplagt, haben sie gesagt, und sie haben mehr recht gehabt als die heutige Medikasterei. Und die alten Juden haben auch gesagt: Gott gibt sich dem Menschen nicht durch seinen Kopf kund, sondern Gott gibt sich dem Menschen gerade durch seine Nierentätigkeit kund, überhaupt durch seine Unterleibstätigkeit kund.
[ 27 ] Yes, you see, it is strange that it is precisely in Spiritual Science that one must point out what people very often call materialistic. But that stems from the fact that, precisely when one observes the human being, the spirit reveals itself where others see only matter. In anthroposophy, we do not at all take the view that the abdomen is merely a chemical factory; rather, as I have told you before, the liver is a marvelous organ, and the kidney and so on are also marvelous organs. One can only understand the organs by finding the spirit everywhere. Once one stops finding the spirit anywhere—once one’s view of digestion is too materialistic to study it properly in a spiritual way—one becomes a materialist precisely because of that. Materialism, you see, has arisen solely from spiritual arrogance. It’s remarkable—you see, I’ve told you this before: When the ancient Jews in the Old Testament had bad thoughts at night, they didn’t attribute these bad, unhealthy thoughts to their heads, but to their kidneys: “God afflicted my kidneys that night,” they said, and they were more right than today’s quackery. And the ancient Jews also said: God does not reveal Himself to man through his head, but God reveals Himself to man precisely through the activity of his kidneys—indeed, through the activity of his lower abdomen.
[ 28 ] Von diesem Gesichtspunkte aus ist es außerordentlich interessant, meine Herren: Ich weiß nicht, ob Sie schon einen alten Juden beten gesehen haben. Wenn ein alter, frommer Jude betet, so nimmt er seine Gebetsrolle nicht etwa von einer Tasche, die auf dem Herzen ist, heraus, oder gar von irgend etwas, was er sich an den Kopf hängt, sondern der hat seine Gebetsrolle am Unterleib, und betet mit der Gebetsrolle am Unterleib. Heute natürlich wissen die Leute das nicht mehr, wie der Zusammenhang ist; aber diejenigen, die einstmals den alten Juden so etwas als Gebote gegeben haben, die wußten den Zusammenhang.
[ 28 ] From this perspective, it is extremely interesting, gentlemen: I don’t know if you’ve ever seen an old Jew praying. When an elderly, devout Jew prays, he does not take his prayer scroll out of a pouch over his heart, or even from something he hangs on his head; rather, he keeps his prayer scroll on his lower abdomen and prays with it there. Today, of course, people no longer understand the context; but those who once gave such commandments to the ancient Jews knew the context.
[ 29 ] Natürlich macht das einen besonderen Eindruck, wenn man in östlichen Gegenden Europas - in westlichen Gegenden haben ja die Leute gar nicht so viel Gelegenheit, das zu beobachten — die alten Juden beten sieht. Wenn sie sich zum Gebet herrichten, nehmen sie zuerst aus ihrem Hosenschlitz die Gebetsrolle heraus, und die hängt dann an ihnen. Ja, dann beten sie.
[ 29 ] Of course, it makes quite an impression when you see elderly Jews praying in the eastern parts of Europe—in the western parts, people don’t really have much opportunity to observe this. When they prepare for prayer, they first take the prayer scroll out of their fly, and it then hangs from them. Yes, and then they pray.
[ 30 ] Also dieses, was einstmals gewußt worden ist, allerdings auf Grundlage von allerlei traumhaften, alten hellseherischen Kräften, das ist der Menschheit verlorengegangen, und heute ist sie noch nicht so weit, wiederum in aller Materie das Geistige zu finden. Denn man kann ja nichts begreifen, wenn man bloß die Gedanken hereinbringt, wenn man bloß in das Laboratorium hineingeht und mechanisch die Experimente macht und so weiter. Da denkt man ja nichts dabei. Man muß so experimentieren, daß einem der Geist überall entgegenspringt. Dazu müssen schon die Experimente eingerichtet werden.
[ 30 ] So this knowledge, which was once possessed—albeit based on all sorts of fantastical, ancient clairvoyant powers—has been lost to humanity, and today humanity is not yet ready to rediscover the spiritual in all of matter. For one cannot truly understand anything by merely applying one’s thoughts, by merely entering the laboratory and mechanically conducting experiments, and so on. One doesn’t give it any thought that way. One must experiment in such a way that the spirit leaps out at one from everywhere. To achieve this, the experiments must be set up accordingly.
[ 31 ] Und so kann man sagen: Es ist zwar etwas komisch, daß gerade die Geisteswissenschaft, die Anthroposophie, aufmerksam darauf machen muß, wie das Gehirn des Menschen, und zwar der sogenannte edelste Teil, zusammenhängt mit dem Unterleib; aber das ist eben so. Und man kommt erst durch eine wirkliche Wissenschaft auf die Dinge drauf. Wenn einer zum Beispiel im Herzen etwas nicht in Ordnung hat, so kann das von allem möglichen kommen; es kann natürlich schon dadurch kommen, daß er, sagen wir, irgend etwas von innerer Unregelmäßigkeit hat, aber meistens wird eine unregelmäßige Herztätigkeit gerade darauf zurückzuführen sein, daß der Mensch - ich habe das hier (siehe Zeichnung S. 177) gelb gemacht, da ist wieder gelb —, daß der Mensch etwas nicht in Ordnung hat im Mittelgehirn. Auf dem Mittelgehirn beruhen nämlich auch die Gefühle. Nun ist es interessant: Sehen Sie, geradeso wie der Unterleib zusammenhängt mit dem vorderen Gehirn, so hängt wiederum seelisch zusammen dieses vordere Gehirn mit dem Wollen, und das mittlere Gehirn hängt mit dem Fühlen zusammen. Und eigentlich erst der hinterste Teil des Gehirnes hängt mit dem Denken zusammen. Wenn wir auf das Gehirn hinschauen, (so sehen wir, daß der hinterste Teil des Gehirns zusammenhängt) mit dem Atmen und mit dem Denken — das Atmen hat sogar einen sehr starken Bezug zum Denken.
[ 31 ] And so one might say: It is indeed somewhat strange that it is precisely the Spiritual Science of anthroposophy that must draw attention to how the human brain—and specifically its so-called noblest part—is connected to the lower abdomen; but that is simply the way it is. And it is only through true science that one arrives at these insights. If, for example, someone has a heart problem, it can stem from all sorts of causes; it could, of course, be due to some kind of internal irregularity, but in most cases, irregular heart activity can be traced precisely to the fact that the person—I’ve highlighted this here in yellow (see drawing on p. 177); there’s yellow again—has a problem in the midbrain. For feelings are also based in the midbrain. Now here’s the interesting part: You see, just as the lower abdomen is connected to the forebrain, so too is this forebrain psychologically connected to the will, and the midbrain is connected to feeling. And it is actually the rearmost part of the brain that is connected to thinking. When we look at the brain, (we see that the rearmost part of the brain is connected) to breathing and to thinking—breathing even has a very strong connection to thinking.
[ 32 ] Nun aber stellen Sie sich einmal vor: Ein Mensch entwickelt sich in seiner Jugend dadurch, daß man nicht eine solche Pädagogik anwendet, wie wir sie anraten aus der Waldorfschulpädagogik, wo über diese Dinge viel gesprochen wird, sondern ein Mensch entwickelt sich in seiner Jugend so, daß er eine Art Bosnickel wird. Da ist sein Fühlen nicht in Ordnung, denn wenn man bei jeder Gelegenheit boshaft wird, so ist das Fühlen nicht in Ordnung. Was heißt das? Das heißt, die Seele wirkt nicht ordentlich im Mittelgehirn. Wenn die Seele nicht ordentlich genährt wird, dann wird das Herz in unregelmäßigen Rhythmus versetzt, und Sie können einfach einen unregelmäßigen Herzrhythmus, alle möglichen Herzkrankheiten dadurch hervorrufen, daß Sie zu einem Bosnickel sich entwickelt haben.
[ 32 ] But now create a mental image of this: A person develops during their youth not through the kind of educational approach we recommend—based on Waldorf pedagogy, where these matters are discussed at length—but rather in such a way that they become a sort of scoundrel. Their emotional life is out of balance, because if one acts maliciously at every opportunity, the emotional life is out of balance. What does that mean? It means that the soul is not functioning properly in the midbrain. If the soul is not properly nourished, the heart’s rhythm becomes irregular, and you can easily cause an irregular heart rhythm—and all kinds of heart diseases—simply by becoming a mischievous little rascal.
[ 33 ] Natürlich, wenn die schwangere Frau, sagen wir, in den ersten Monaten der Schwangerschaft in den Wald geht und ihr das Unglück passiert, daß sie just in dieser Zeit einen Erhängten, einen, der an einem Baume sich erhängt hat und schon tot ist, findet - wenn er noch zappelt, ist es noch schlimmer -, wenn sie den dort trifft, so schrickt sie furchtbar zusammen. Das wird in ihr ein Bild, und wahrscheinlich, wenn nicht andere Maßregeln ergriffen werden können, die meistens durch das Leben, gar nicht einmal durch die Kunst ergriffen werden können, wird sie ein Kind gebären, das bleich ist, das ein spitziges Kinn hat, das seine Glieder dünn hat und sich nicht recht bewegen kann. Bei einer schwangeren Frau genügt ein einziger solcher Anblick. Im späteren Leben, wenn man schon achtzehn, neunzehn, zwanzig Jahre alt ist, da genügt natürlich nicht, daß man einmal ein Bosnickel ist, sondern da muß man es schon gewohnheitsmäßig sein, und dann muß es längere Zeit dauern. Aber bei der schwangeren Frau genügt eben der einzige Anblick.
[ 33 ] Of course, if a pregnant woman—let’s say—goes into the woods during the first few months of her pregnancy and has the misfortune of finding, at that very moment, a man who has hanged himself from a tree and is already dead—if he’s still twitching, it’s even worse—if she comes across him there, she’ll be terribly startled. This becomes an image imprinted on her mind, and most likely—unless other measures can be taken, measures that are usually taken by life itself and not even by art—she will give birth to a child who is pale, has a pointed chin, has thin limbs, and cannot move properly. For a pregnant woman, a single such sight is enough. Later in life, when one is already eighteen, nineteen, or twenty years old, it is of course not enough to be a scoundrel just once; rather, one must be one by habit, and it must last for a considerable time. But for a pregnant woman, that single sight is enough.
[ 34 ] Es kann das viel weiter gehen. Sehen Sie, es kann folgendes geschehen: Eine Mutter ist mit irgendeiner Arbeit beschäftigt, und in der Nähe — man hat ihr es nicht gesagt — ist gerade ein Manöver: die Kanonen fangen furchtbar an zu donnern; sie schrickt in ihrem Hören zusammen. Das Hören hängt außerordentlich stark zusammen mit dem, was im Hinterkopf ist; es hängt auch mit der Atmung zusammen, und wenn die Mutter zum Beispiel durch ein Manöver erschreckt wird, wird das Kind gerade in seinem Atmungssystem irgend etwas nicht in Ordnung haben.
[ 34 ] It can go much further than that. You see, the following can happen: A mother is busy with some kind of work, and nearby—she hasn’t been told—a military exercise is taking place: the cannons start thundering terribly; she flinches at the sound. Hearing is extremely closely linked to what’s in the back of the mind; it’s also linked to breathing, and if, for example, the mother is startled by a military exercise, the child will experience some kind of disturbance in its respiratory system.
[ 35 ] Sie können jetzt sagen: Was erzählt uns der? Der erzählt uns eigentlich Dinge, die uns sagen, da müßte man ja eigentlich im Leben auf alles einzelne achtgeben! Ja, aber meine Herren, wenn eine gesunde Erziehung schon da ist, und überhaupt gesunde Lebensverhältnisse da sind, dann braucht man über viele Dinge nicht erst nachzudenken, sondern das entwickelt sich gewohnheitsmäßig, so wie sich andere Dinge auch gewohnheitsmäßig entwickeln. Ich glaube nicht, daß viele Männer furchtbar stark nachdenken, wenn sie in der zweiten Woche [des Monats] ihre Frau prügeln; sie tun es gewohnheitsmäßig. Es gibt ja solche. Warum prügeln sie sie? Weil ihnen da das Geld ausgegangen ist; sie können sich nicht mehr im Wirtshaus unterhalten; da unterhalten sie sich zu Hause und prügeln ihre Frau! Das sind solche Gewohnheiten, die sich herausbilden. Ja, meine Herren, hätten wir einmal eine ganz gesunde Volkserziehung, so gäbe es auch andere Gewohnheiten. Es könnte zum Beispiel die Gewohnheit geben, daß derjenige, der weiß, morgen ist ein Manöver, da wird es in der Gegend furchtbar böllern, daß er da eine schwangere Frau darauf aufmerksam macht, ganz gewohnheitsmäßig. So etwas kann Gewohnheit sein. Durch gesunde Erziehung und gesunde volksmäßige Verhältnisse könnten sich eben allerlei Gewohnheiten herausbilden, über die man dann gar nicht mehr nachzudenken braucht, sondern die man eben gewohnheitsmäßig befolgt. Das ist es ja, worauf hingearbeitet werden muß: den Menschen andere Gewohnheiten zu geben. Das kann eben eigentlich in der Grundlage nur durch eine ordentliche Erziehung gemacht werden.
[ 35 ] You might say now: What is he telling us? He’s actually telling us things that suggest we really ought to pay attention to every single detail in life! Yes, but gentlemen, if a healthy upbringing is already in place—and healthy living conditions exist in general—then there’s no need to think about many things in the first place; instead, they develop out of habit, just as other things develop out of habit. I don’t think many men give it a great deal of thought when they beat their wives in the second week [of the month]; they do it out of habit. There are men like that, after all. Why do they beat them? Because they’ve run out of money; they can no longer entertain themselves at the tavern; so they entertain themselves at home and beat their wives! These are the kinds of habits that develop. Yes, gentlemen, if we had a truly sound system of public education, there would be different habits. For example, there could be the habit that someone who knows there’s a military exercise tomorrow—and that there will be terrible explosions in the area—would point this out to his pregnant wife, quite out of habit. Something like that can become a habit. Through sound education and healthy social conditions, all sorts of habits could develop—habits that one no longer even needs to think about, but simply follows out of habit. That is precisely what we must strive for: to instill different habits in people. Fundamentally, this can only be achieved through a proper education.
[ 36 ] Sehen Sie, so kann man sagen: Gerade die Geisteswissenschaft wird das Materielle wiederum in der richtigen Weise erklären können. Der Materialismus, der guckt ja das Materielle nur an, der weiß eben nicht, was in dem Materiellen alles drinnen lebt. Der guckt das Fieber an, weiß aber nicht, daß das Fieber auf Gehirnarbeit beruht, die sich ungeheuer ausdehnt. Der Materialismus ist ungeheuer erstaunt über den Kollaps, weiß aber doch nicht richtig, daß dieser Kollaps von dem Kaltwerden kommt, weil keine ordentliche Verbrennung mehr besorgt wird. Und so können wir sagen: Mit der Art und Weise, wie gerade der Kopf angeregt wird bei schwangeren Frauen, hängt es ungeheuer stark zusammen, wie das Kind ausgebildet wird.
[ 36 ] You see, one could say this: It is precisely the Spiritual Science that will be able to explain the material world in the right way. Materialism, which looks only at the material world, simply does not know what is living within it. It looks at a fever but does not realize that the fever is caused by brain activity that is expanding enormously. Materialism is immensely astonished by the collapse, yet it does not truly understand that this collapse stems from the body getting cold because proper metabolism is no longer taking place. And so we can say: The way the mind is stimulated in pregnant women is incredibly closely connected to how the child develops.
[ 37 ] Und wenn man an diese Dinge richtig denken würde - ich sage Ihnen jetzt etwas, was Sie vielleicht überraschen wird, was aber trotzdem angestrebt werden muß -, so würde auch etwas anderes entstehen, als heute entsteht. Sehen Sie, wenn heute eine schwangere Frau gerade fragen würde, was man ihr zu lesen geben will es gibt ja nichts! Man kann auch eigentlich schon zu gar nichts raten! Neulich bin ich in Basel in eine Buchhandlung gekommen, da fand ich das neueste Programm dessen, was gedruckt wird: ein Negerroman, wie überhaupt jetzt die Neger allmählich in die Zivilisation von Europa hereinkommen! Es werden überall Negertänze aufgeführt, Negertänze gehüpft. Aber wir haben ja sogar schon diesen Negerroman. Er ist urlangweilig, greulich langweilig, aber die Leute verschlingen ihn. Ja, ich bin meinerseits davon überzeugt, wenn wir noch eine Anzahl Negerromane kriegen, und wir geben diese Negerromane den schwangeren Frauen zu lesen, in der ersten Zeit der Schwangerschaft namentlich, wo sie heute ja gerade solche Gelüste manchmal entwickeln können - wir geben diese Negerromane den schwangeren Frauen zu lesen, da braucht gar nicht dafür gesorgt zu werden, daß Neger nach Europa kommen, damit Mulatten entstehen; da entsteht durch rein geistiges Lesen von Negerromanen eine ganze Anzahl von Kindern in Europa, die ganz grau sind, Mulattenhaare haben werden, die mulattenähnlich aussehen werden!
[ 37 ] And if one were to think about these things properly—I’m going to tell you something now that might surprise you, but which must nevertheless be strived for—then something different from what is happening today would emerge. You see, if a pregnant woman were to ask today what she should read—there’s nothing! You can’t really recommend anything at all! The other day I went into a bookstore in Basel, where I found the latest catalog of what’s being published: a “Negro novel”—just as Negroes are now gradually entering European civilization! Black dances are being performed everywhere; people are hopping around to Black dances. But we’ve even got this “Black” novel already. It’s incredibly boring, horribly boring, but people are devouring it. Yes, for my part, I’m convinced that if we get a number more “Negro novels” and give these “Negro novels” to pregnant women to read—especially in the early stages of pregnancy, when they can sometimes develop just such cravings—if we give these “Negro novels” to pregnant women to read, there’s no need to ensure that Negroes come to Europe to produce mulattoes; simply through the mental act of reading “Negro novels,” a whole host of children will be born in Europe who are completely fair-skinned, will have mulatto-like hair, and will look like mulattos!
[ 38 ] So daß man sagen kann: Man beachtet eben heute gar nicht dasjenige, was in der geistigen Kultur enthalten ist. Es ist eben so, daß eine gesunde Erziehung auch allmählich in alles hineingehen wird, was wir lesen oder was wir uns erzählen lassen. Und da werden zum Beispiel einmal vielleicht, wenn man das beachtet, was Anthroposophie sagt, Romane entstehen für Schwangere. Wenn die Schwangeren diese lesen werden, werden sie schöne Menschen wieder vor sich haben, und die schönen Menschen werden aber auch geboren werden zu starken und schönen Menschen. Denn während der Schwangerschaft ist das Weib zugleich durch das, was sie im Kopfe tut, die Veranlassung zu der Tätigkeit, die in ihrem Unterleib vor sich geht. Sie macht die Formen des Kindes aus dem, was sie sich vorstellt, was sie empfindet, was sie will.
[ 38 ] So one can say: Today, people simply do not pay any attention to what is contained in spiritual culture. The fact is that a healthy upbringing will gradually permeate everything we read or are told. And so, for example, if we take to heart what anthroposophy teaches, novels for pregnant women might one day be written. When pregnant women read these, they will once again see beautiful people before them, and these beautiful people will also be born as strong and beautiful human beings. For during pregnancy, a woman is simultaneously, through what she does in her mind, the cause of the activity taking place in her womb. She shapes the child’s form from the mental images she creates, the feelings she experiences, and the wishes she has.
[ 39 ] Und da, meine Herren, wird Geisteswissenschaft überhaupt handgreiflich. Da wird es so, daß man nicht mehr sagen kann: das Geistige hat keinen Einfluß auf den Menschen. Denn er steht sein ganzes Leben, wenn nicht später eine Erziehung das reguliert, unter dem Einfluß eigentlich desjenigen, was seine Mutter getrieben hat namentlich in den ersten Monaten der Schwangerschaft. In der späteren Zeit ist es nicht mehr so von besonderer Wichtigkeit, weil da der Mensch schon gebildet ist, in bestimmte Formen gebracht ist. Aber die ersten Monate sind ganz besonders wichtig und bedeutungsvoll. Gerade wenn man auf den physischen Ursprung des Menschen im Mutterleibe sieht, offenbart sich einem dasjenige, was einen am allermeisten zur Geisteswissenschaft hindrängt.
[ 39 ] And there, gentlemen, is where Spiritual Science really comes into its own. It reaches a point where one can no longer say: the spiritual has no influence on human beings. For throughout his entire life—unless later education regulates this—he is under the influence of what his mother did, particularly during the first months of pregnancy. Later on, this is no longer of such particular importance, because by then the human being has already been formed and shaped into certain patterns. But the first few months are especially important and significant. It is precisely when one looks at the physical origin of the human being in the womb that what draws one most strongly toward Spiritual Science is revealed.
[ 40 ] Ja, meine Herren, wenn einer nun wirklich vernünftig denkt, dann sagt er sich eben: Im Unterleibe muß in der richtigen Weise zusammenkommen die von oben strömende Wärme und die von unten strömende Kälte. Die müssen sich im Unterleib des Menschen immer in der richtigen Weise treffen. Das ist überhaupt etwas, worauf gesehen werden muß, daß sich dasjenige, was von oben kommt, in der richtigen Weise trifft mit dem, was von unten kommt.
[ 40 ] Yes, gentlemen, if one really thinks rationally, then one simply says to oneself: In the lower abdomen, the warmth flowing from above and the cold flowing from below must come together in the right way. They must always meet in the right way in the human abdomen. This is something that must be taken into account: that what comes from above must meet in the right way with what comes from below.
[ 41 ] Und wenn wir uns klar sind darüber, daß der Mensch von dem, was die Mutter einfach geistig-seelisch erlebt, in dieser starken Weise beeinflußt wird, daß er einen großen oder einen kleinen Kopf haben kann, daß sein Herz ruiniert werden kann, seine Atmung ruiniert werden kann, dann sehen wir: So wie der Mensch vor uns steht, ist er eigentlich ganz vom Geistig-Seelischen beeinflußt.
[ 41 ] And when we realize that a human being is so strongly influenced by what the mother simply experiences spiritually and emotionally—to the point that the child may have a large or small head, or that the child’s heart or breathing may be damaged—then we see: Just as a person stands before us, he is in fact entirely influenced by the spiritual and soul aspects.
[ 42 ] Aber, sehen Sie, das kommt nämlich auch vor: Wenn zum Beispiel die Mutter noch nie einen Menschen mit einer auffallend schiefen Nase gesehen hat und sie begegnet einem solchen gerade in den ersten Monaten der Schwangerschaft, so wird in den meisten Fällen, wenn nicht eine Regulierung eintritt, das Kind eine schiefe Nase bekommen. Und Sie werden sogar sehen können, daß in den meisten Fällen, wenn die Mutter überrascht wird durch einen, der die Nase schief nach rechts hat, so wird das Kind mit der Nase schief nach links geboren. Geradeso wie beim Menschen die rechte Hand mit dem linken Sprachzentrum zusammenhängt, wie sich im Menschen alles umdreht, so dreht sich auch da die Sache um. Wir können verfolgen: Wenn einer eine schiefe Nase hat, so hat er ganz sicher seine schiefe Nase davon, daß die Mutter einmal durch einen Menschen irgendwie erschreckt worden ist, der nach der andern Seite eine schiefe Nase hatte! Sehen Sie, so trägt der Mensch noch viele andere Merkmale an sich. Die materialistische Wissenschaft redet immer bei allem, von dem sie nicht weiß, woher es kommt, vom Vererben. Hat einer eine schiefe Nase - nun, er hat es halt geerbt; hat einer eine rote Gesichtsfarbe — er hat es halt geerbt; aber so liegen die Dinge eben nicht. Es kommt eben von solchen Dingen, wie ich sie Ihnen erzählt habe. Der Begriff der Vererbung ist einer der allerunklarsten, den die moderne Wissenschaft hat.
[ 42 ] But, you see, this also happens: If, for example, the mother has never seen a person with a noticeably crooked nose and she encounters someone like that during the first few months of pregnancy, then in most cases—unless a corrective effect occurs—the child will be born with a crooked nose. And you’ll even be able to see that in most cases, if the mother is startled by someone whose nose is crooked to the right, the child will be born with a nose crooked to the left. Just as in humans the right hand is connected to the left speech center—just as everything is reversed in humans—so, too, is the situation reversed here. We can see that if someone has a crooked nose, it is most certainly because the mother was once startled in some way by a person who had a crooked nose on the other side! You see, human beings carry many other such characteristics within them. Materialistic science always speaks of heredity when it comes to anything whose origin it does not understand. If someone has a crooked nose—well, they must have inherited it; if someone has a red complexion—they must have inherited it; but that’s simply not how things are. It actually stems from things like the ones I’ve told you about. The concept of heredity is one of the most obscure concepts modern science has.
[ 43 ] Wenn Sie nun hinschauen auf den Menschen, und Sie sehen eine schiefe Nase, Sie sehen Muttermale, da braucht die Mutter nicht gerade ein Muttermal gesehen zu haben, sondern sie kann irgend etwas anderes gesehen haben, wodurch sie das Blut des Kindes in eine falsche Richtung gebracht hat. Wenn Sie das sehen, so sind es immer Abweichungen von der normalen Menschengestalt. Aber es gibt ja auch eine normale Menschengestalt.
[ 43 ] Now, when you look at a person and see a crooked nose or birthmarks, the mother doesn’t necessarily have to have seen a birthmark herself; she may have seen something else that caused the child’s blood to flow in the wrong direction. When you see this, these are always deviations from the normal human form. But there is, of course, such a thing as a normal human form.
[ 44 ] Man kann nicht einfach sagen: Die Abweichungen von der normalen Menschengestalt kommen nicht vom Körperlichen, sondern von geistigen Erlebnissen; der ganze Mensch aber kommt bloß aus dem Bauch der Mutter, von dem, was da drinnen materiell ist. Wenn man schon die Abweichungen geistig erklären muß, so muß man doch den ganzen Menschen erst recht geistig erklären! Aber die Mutter kann natürlich ebensowenig wie der Vater den Menschen geistig hervorbringen. Da müßte ja die ganze Menschenkunst da sein, und die gibt es überhaupt nicht, weil sie unendlich ist. Also führt uns das dazu, daß der Mensch vor seiner Geburt als geistiges Wesen schon da ist, und sich mit demjenigen, was ihm körperlich gegeben wird, als Seele vereint. Und bloß noch für die abnormen Merkmale bleibt übrig, daß der Embryo geistig beeinflußt werden kann. Aber seine normalen Merkmale: daß ich überhaupt die Nase mitten im Gesicht habe, daß ich zwei Augen habe — das ist ja alles viel mehr! Wenn ich bloß mit einer schiefen Nase geboren werde, so ist das ein abnormes Merkmal. Aber denken Sie, die Nase ist mitten im Gesicht, hat die wunderbare normale Gestalt, die ich Ihnen neulich aufgezeichnet habe, das Auge ist eine wunderbare Sache — das wächst nicht aus dem Mutterleibe heraus; das ist etwas, was überhaupt schon da ist im Seelischen, bevor der Mensch im Mutterleibe entsteht.
[ 44 ] One cannot simply say: The deviations from the normal human form do not stem from the physical, but from spiritual experiences; yet the whole human being comes solely from the mother’s womb, from what is materially present there. If one must explain these deviations in spiritual terms, then one must certainly explain the whole human being in spiritual terms as well! But of course, the mother—just as little as the father—can bring forth a human being spiritually. That would require the existence of the entire art of humanity, and that does not exist at all, because it is infinite. This leads us to the conclusion that the human being already exists as a spiritual being before birth and unites with what is given to him physically as a soul. And it is only in the case of abnormal characteristics that the embryo can be spiritually influenced. But his normal characteristics—that I have a nose in the middle of my face at all, that I have two eyes—that is all so much more! If I am born with just a crooked nose, that is an abnormal characteristic. But consider: the nose is in the middle of the face, has the wonderful normal shape that I sketched for you the other day; the eye is a marvelous thing—it does not grow out of the womb; it is something that is already present in the soul before a human being is formed in the womb.
[ 45 ] Und da kommt man gerade, wenn man richtig Naturwissenschaft versteht, zu dem, was menschliches Leben vor der Befruchtung in der geistigen Welt ist. Da sagen natürlich die heutigen Materialisten: Ja, das ist eine Phantasie. Warum sagen sie das? Ja, meine Herren, alle die alten Leute, die in uralten Menschheitszeiten noch gewisse traumhafte Erkenntnisse hatten, die wir nicht mehr haben können, die wußten, daß der Mensch da ist, bevor er auf der Erde ist. Aber das ganze Mittelalter hindurch war verboten, durch ein Verbot von der Kirche, an die sogenannte Präexistenz, das heißt an das vorirdische Sein zu denken. Das hat die Kirche verboten. Und wenn heute der materialistische Agitator am Rednerpult steht, so ist bei dem das Rednerpult nur die Fortsetzung der mittelalterlichen Kanzel, denn er redet nur dasjenige - wenn er auch nicht mehr im Kanzelpredigerton, sondern im Agitatorenton redet —, er redet nur dasjenige, was die mittelalterlichen Kanzelreden schon brachten. Der Materialismus hat auch nur die mittelalterlichen Kanzelreden übernommen. Und die heutigen Materialisten, die eigentlich nichts wissen, sondern nur das nachsagen, was schon im Mittelalter gelehrt worden ist durch Kirchengebote, die sind im Grunde genommen nicht diejenigen, die auf irgendeiner Wissenschaft aufbauen, sondern die gerade auf demjenigen aufbauen, was die Kirche lehrt. Der Materialismus kommt im Grunde genommen von der Kirche im Mittelalter. Da durfte nämlich keine Seele vor ihrem irdischen Dasein existent sein, weil man den Menschen lehren wollte, irgendein beliebiger Gott schöpfe halt die Seele, wenn eine Befruchtung eintritt. Inzwischen haben die Menschen die Laune gehabt, eine Befruchtung eintreten zu lassen - man weiß ja, daß das in sehr vielen Fällen eine Laune sein kann — und der Herrgott muß flugs hergehen und eine Seele dazu erschaffen! — Das ist schon das, was eigentlich im Grunde genommen Gebot war, daß man das richtig glaubte.
[ 45 ] And that is precisely where, if one truly understands the natural sciences, one arrives at an understanding of what human life is in the spiritual world before fertilization. Of course, today’s materialists say: Yes, that’s just a fantasy. Why do they say that? Well, gentlemen, all those ancient people who, in the earliest times of humanity, still possessed certain dreamlike insights—insights we can no longer have—knew that the human being exists before coming to Earth. But throughout the entire Middle Ages, it was forbidden—by a decree of the Church—to think about so-called pre-existence, that is, about pre-earthly existence. The Church forbade that. And when today the materialist agitator stands at the lectern, that lectern is for him merely a continuation of the medieval pulpit, for he speaks only what—even if he no longer speaks in the tone of a pulpit sermon but in the tone of an agitator—he speaks only what the medieval pulpit sermons already proclaimed. Materialism, too, has merely adopted the medieval pulpit sermons. And today’s materialists, who actually know nothing but merely parrot what was already taught in the Middle Ages through church precepts, are—in essence—not those who build upon any science, but rather those who build precisely upon what the Church teaches. Materialism essentially stems from the Church in the Middle Ages. For at that time, no soul was permitted to exist prior to its earthly existence, because the intention was to teach people that some arbitrary god would simply create the soul once conception took place. Meanwhile, people have had the whim to allow conception to occur—as we know, in many cases this can be nothing more than a whim—and the Lord God must immediately step in and create a soul for it! —That is, in essence, what was actually the commandment: that one should believe this to be true.
[ 46 ] Ja, meine Herren, eine vernünftige Anschauung ist das aber nicht, wenn man den Herrgott bloß zum Diener macht der Laune der Menschen, daß der schnell eine Seele schaffen muß, wenn man hier auf der Erde die Laune einer Befruchtung gehabt hat! Wenn man über die Dinge nachdenkt, so findet man erst heraus, was eigentlich in der materialistischen Anschauung liegt, welch ein Untergraben der ganzen Würde des Menschen. Dagegen führt uns eine wirkliche, eine wahre Erkenntnis des Menschen dazu, daß wir sagen: Die Seele ist eben durchaus schon da, hat immer gelebt, und steigt eben einfach herunter zu dem, was ihr geboten wird durch den Menschenkeim und seine Befruchtung.
[ 46 ] Yes, gentlemen, but that is not a reasonable view if one merely makes the Lord God a servant to human whims, so that He must quickly create a soul whenever one here on earth has felt the whim to conceive! When one reflects on these things, one begins to realize what the materialistic view actually entails—what an undermining of the entire dignity of the human being. In contrast, a genuine, true understanding of the human being leads us to say: The soul is indeed already there, has always lived, and simply descends to what is offered to it by the human germ and its fertilization.
[ 47 ] Auf diese Weise muß man sagen: Anthroposophie ist nicht deshalb zum Geist wiederum gekommen, weil sie das aus irgendeiner Phantasterei heraus gewollt hat, sondern einfach aus dem Grunde, weil sie muß, weil sie ernst nimmt die wissenschaftlichen Erkenntnisse, während die andern sie gar nicht ernst nehmen. Auf der einen Seite lernen sie Naturwissenschaft — die gerade zum Geist führen würde -, aber auf der anderen Seite sind sie zu faul, aus der Naturwissenschaft heraus selber zum Geist zu kommen, weil man da ein bißchen seine Grütze anstrengen muß im Kopf. Sie lassen sich von den alten Lehrern den Geist wegnehmen, und können daneben noch fromm sein! Aber sie sind dann eben unehrlich. Das ist zweierlei Rechnung geführt. Derjenige, der einerlei Rechnung führt, muß von der Natur zum Geist aufsteigen. Dazu führen uns gerade richtig solche Dinge, wie wir sie heute zum Beispiel betrachtet haben.
[ 47 ] In this way, one must say: Anthroposophy has not returned to the spirit because it sought to do so out of some fanciful notion, but simply because it must—because it takes scientific findings seriously, whereas others do not take them seriously at all. On the one hand, they study the natural sciences—which would lead directly to the spirit—but on the other hand, they are too lazy to arrive at the spirit on their own through the natural sciences, because that requires a bit of mental effort. They allow the old teachers to take the spirit away from them, and can still be pious at the same time! But then they are simply being dishonest. That is keeping two different accounts. The one who keeps a single account must ascend from nature to the spirit. Things such as those we have considered today, for example, lead us precisely there.
