On Health and Illness
GA 348
27 January 1923, Dornach
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Health and Illness II, tr. St. Goar
Sechzehnter Vortrag
16. The Relationship Between the Breathing and the Circulation of the Blood—Jaundice—Smallpox—Rabies
[ 1 ] Guten Morgen, meine Herren! Ist Ihnen vielleicht noch etwas eingefallen, das Sie fragen wollen?
[ 1 ] Dr. Steiner: Good morning, gentlemen. Have you thought of something else you would like to ask me?
Fragestellung: Es wird gefragt, wie es sich verhalte mit dem Zusammenhang der menschlichen Atmung mit den Pulsschlägen; das müsse doch in früherer Zeit ganz anders gewesen sein.
A question is asked concerning the relationship between human breathing and the pulse. Wouldn't this have been completely different in earlier times?
[ 2 ] Dr. Steiner: Sie meinen beim Menschen selber?
[ 2 ] Dr. Steiner: You mean in the human being himself?
[ 3 ] Nun, wollen wir uns noch einmal kurz ins Bewußtsein rufen, wie die Sache heute ist. Nicht wahr, wir haben auf der einen Seite die Atmung. Durch die Atmung hängt der Mensch mit der Außenwelt zusammen, denn er nimmt fortwährend die Luft auf und atmet sie wieder aus. So daß man also sagen kann: Der Mensch ist heute so, daß er die gesunde Atemluft aufnimmt und die krankmachende Atemluft ausstößt, In der ausgestoßenen Atemluft ist Kohlensäure enthalten. Die Blutzirkulation, die ist ein innerlicher Vorgang. Das Blut läuft im Körper selber herum. Ich will heute nicht davon sprechen, ob der Ausdruck ganz richtig ist: das Blut läuft im Körper herum - aber die Kraft des Blutes läuft im Körper herum. Und wenn man nun die Anzahl der Atemzüge nimmt, die der Mensch in einer Minute macht, so sind das ungefähr - es ist ja bei jedem Menschen anders — achtzehn Atemzüge. Und wenn man den Blutumlauf nimmt, so kann man den ja am Pulsschlag beobachten; der ergibt in der Minute zweiundsiebzig Stöße. So daß man sagen kann: Die Atmung verhält sich zu der Blutzirkulation so, daß die Blutbewegung beim heutigen erwachsenen Menschen viermal schneller vor sich geht als die Atmung.
[ 3 ] Well, let's quickly review how things stand today. We have on the one hand the breathing. Man is connected to the outer world through breathing, because he is constantly inhaling and exhaling air. It can thus be said that man today is constituted in such a way that he absorbs the healthy air and expels the air that would make him ill. The expelled air contains carbon dioxide. The circulation of the blood, on the other hand, is an internal process in which the blood flows through the body itself. I shall not discuss whether it is accurate to say that the blood circulates in the body, but the force of the blood circulates through the body. Now, although it varies slightly in each individual, a person takes approximately eighteen breaths per minute. As for the blood, the pulse rate is seventy-two beats per minute. So, one can say that breathing is related to blood circulation in an adult today in such a way that his pulse is four times faster than his breathing.
[ 4 ] Nun müssen wir uns einmal klarmachen, wie es heute beim Menschen eigentlich ist, wenn die Atmung mit der Blutzirkulation in Verbindung tritt. Sehen Sie, da müssen wir uns darüber klar sein, daß der Mensch hauptsächlich durch die Lunge atmet: Nase, Mund, Lunge. Das ist aber nur hauptsächlich so. Das ist überhaupt beim Menschen so, daß der Mensch mit irgendeinem Teil seines Körpers hauptsächlich etwas ausübt, daß er aber dasjenige, was er hauptsächlich ausübt mit einem Teil seines Körpers, eigentlich wiederum mit dem ganzen Körper in geringerem Maße ausübt. So daß man durch die ganze Haut fortwährend auch die Luft beziehungsweise den Sauerstoff der Luft aufnimmt. Man atmet also auch durch die Haut, und man kann ganz gut neben der gewöhnlichen Lungenatmung von einer Hautatmung sprechen. Wenn also zum Beispiel die Löcher der Haut, die man Poren nennt, zu stark verstopft sind beim Menschen, so nimmt er durch die Haut zu wenig Luft auf. Es ist also die Hautatmung dadurch nicht in Ordnung. Überhaupt muß die Haut immer so weit in Ordnung sein, daß der Mensch durch die Haut auch atmen kann.
[ 4 ] Now, we must be clear what is really involved in the human being when breathing is considered in relation to his blood circulation. First, we must be clear that man breathes chiefly through the lungs—the nose, mouth, and lungs—but this is only his primary way of breathing. Indeed, with the human being, functions primarily carried out by one part of his body are also actually carried out to a lesser degree by his whole body. Hence, air, or particularly the oxygen in the air, is constantly absorbed through the surface of his skin. Man therefore also breathes through his skin, and along with the ordinary breathing process of his lungs one can also speak of his skin's breathing. If, for example, the holes of his skin, called pores, are clogged, the skin absorbs too little air. Something is not right with the skin's breathing. Man's skin must always be in such shape that he can breathe through it.
[ 5 ] Nun ist es beim Menschen so, daß er alles dasjenige, was er äußerlich hat - ich habe das schon einmal erwähnt -, gewissermaßen auch innerlich hat. Also wenn ich Ihnen einen Menschen aufzeichne - ich will ihn nur graphisch aufzeichnen —, so können wir sagen: Da durch die ganze Haut durch geht eine Atmung, und hauptsächlich geht aber diese Atmung durch die Lunge und bewirkt die achtzehn Atemzüge in der Minute. Dieses alles, was da geschieht, das braucht aber beim Menschen ein Gegengewicht. Und da kommt etwas sehr Interessantes zum Vorschein. Der Mensch kann nicht ordentlich atmen, weder durch die Lunge, noch durch die Haut, namentlich aber durch die Haut nicht, wenn nicht ein Gegengewicht da ist.
[ 5 ] Now, in the case of human beings, all outer processes can, as it were, also be found to exist inwardly. Making a sketch of a human being, we can say that breathing occurs through the entire surface of the skin but most particularly through the lungs in eighteen breaths per minute. All this, however, requires a counterbalance in the human being, and something quite interesting makes its appearance. Man cannot breathe properly through his lungs nor through his skin, but especially not through his skin, if this counterbalance is not present.
[ 6 ] Sie wissen, wenn man einen Magneten hat, dann hat man nicht nur einen Nordpol, einen positiven Magnetismus, sondern auch einen Südpol, einen negativen Magnetismus. Und der Mensch braucht, wenn er Lunge und Haut zum Atmen hat, auch das Gegenteil, und das Gegenteil liegt in der Leber. Wir haben die Leber schon von verschiedenen Seiten kennengelernt. Jetzt müssen wir sie auch kennenlernen als das Gegenteil von der Haut-Lungen-Tätigkeit. So daß sich die Leber- und die Haut-Lungen-Tätigkeit ausgleichen. Man möchte sagen: Die Leber ist dazu da, immerfort zu bewirken, dasjenige, was der Mensch in seiner Beziehung zur Außenwelt hat durch die Atmung, auch innerlich in Ordnung zu bringen. Dazu ist die Leber da.
[ 6 ] You know that a magnet has not only a north pole, a positive pole, but also a south pole, a negative pole. If man has his lungs and skin for breathing, then he also needs an opposite, and that opposite is located in the liver. We have already familiarized ourselves with the liver from various standpoints; now we must learn to view it as the opposite of the skin-lung activity; the liver and the skin-lung activity balance each other. One could say that the liver's constant purpose is to bring into order internally what man acquires through breathing in his relation with the outer world. That is what the liver is for.
[ 7 ] Nun denken Sie sich, die Leber ist in irgendeiner Zeit des menschlichen Lebens — es kommt auch bei älteren Menschen vor — nicht ganz in Ordnung. Das ist sehr schwer zu konstatieren, wenn die Leber nicht ganz in Ordnung ist. Das weiß man nämlich meistens nicht, weil die Leber dasjenige Organ ist, das einzige Organ, das einem nicht weh tut, wenn es nicht in Ordnung ist. Darauf beruht das, daß der Mensch lange an einer Leberkrankheit leiden kann, und er weiß nichts davon. Niemand konstatiert es, weil einem die Leber gerade nicht weh tut. Sehen Sie, das kommt eben davon her, daß die Leber ein solches Organ ist, das mit dem Alleräußersten des Menschen, mit der Haut und mit der Lungentätigkeit zusammenhängt. Die Leber ist innerlich eigentlich eine Art Außenwelt. Der Mensch spürt nicht, wenn ein Stuhl zerstört wird, und der Mensch spürt nicht, wenn die Leber zerstört wird. Es ist gerade so, wie wenn sie ein Stück Außenwelt wäre. Und trotzdem ist sie furchtbar wichtig für den Menschen.
[ 7 ] Consider a disorder of the liver that may occur at any time, even in older people. It is quite difficult to diagnose when the liver is not in order, and frequently one is unaware of it because the liver is the organ, the single organ, that doesn't hurt when something is wrong with it. Man can suffer for a long time from a liver ailment without knowing of it. No one can diagnose it, because there is no pain. This is because the liver is related to the most outer aspects of the human being, the skin and lungs. Internally, the liver is really something like an outer world. Man does not sense it within when a chair is broken, nor does he sense it when the liver is being destroyed. It is as if the liver were a segment of the outer world. In spite of this, it is of terrible importance to the human being.
[ 8 ] Nun denken Sie sich, es kommt die Leber in Unordnung. Wenn die Leber in Unordnung kommt, dann kommt die ganze Lungen- und Hauttätigkeit auch in Unordnung, und dann geschieht etwas ganz Besonderes. Sehen Sie, überall in die Lunge und Haut gehen die Adern vom Herzen hinein. Also in ganz feinen Adern geht die Blutzirkulation überall in die Haut hinein, in die Lungen auch, aber auch in die Leber. Nun kann folgendes geschehen. Es kann die Leber nicht in Ordnung sein. Die Folge davon ist, daß das Blut in der Leber nicht in der richtigen Weise aus- und einlaufen kann. Wenn das Blut dadurch, daß die Leber nicht in Ordnung ist, zu stark in die Leber einläuft und die Lebertätigkeit dadurch eine zu große wird, dann wird zu viel Galle erzeugt, und der Mensch bekommt die Gelbsucht. Die Gelbsucht bekommt der Mensch, wenn zu viel Galle erzeugt wird, wenn also die Lebertätigkeit eine zu große, eine zu starke wird. Die Gelbsucht also bekommt der Mensch, wenn zu viel Lebertätigkeit sich in den ganzen Körper hineinergießt.
[ 8 ] Now imagine that the liver malfunctions. When this happens, all the activity of the lungs and skin is also thrown out of balance, and then a specific problem arises. You see, from the heart, the veins reach everywhere into the lungs and the skin. Through quite delicate blood vessels, the blood circulation reaches everywhere into the skin, into the lungs, and also into the liver. The following now takes place. If the liver's function is impaired, the blood cannot flow properly in and out of the liver. If, because of a liver problem, the blood flows into it too strongly and the liver becomes overactive, too much bile is produced and the person becomes jaundiced. Jaundice occurs in man when too much bile is produced, when, therefore, the activity of the liver is too strong. Jaundice therefore results when overactivity of the liver pervades the body.
[ 9 ] Nun denken Sie sich aber, die Lebertätigkeit wird zu schwach, die Leber will nicht recht — was geschieht dann? Dann ist das Blut nicht an der Haut und an der Außenfläche schadlos gehalten. Das Blut, das überall hineinfließt, will sich schadlos halten, und es probiert gewissermaßen das Blut in der Leber, ob die Leber richtig verfährt. Wenn die Leber nicht richtig verfährt, geht das Blut flugs in die Außenseite des Körpers und will sich dort versorgen. Und was entsteht? Es entstehen die Pocken, die Blattern. Da haben Sie den Zusammenhang zwischen den Pocken und zwischen der Blutzirkulation, die durch einemangelnde Lebertätigkeit nicht in Ordnung ist.
[ 9 ] What happens, however, when the liver's activity is too weak? The blood's activity on the surface of the skin is not compensated for. The blood, which flows everywhere, wishes to be compensated, and the blood in the liver investigates, as it were, whether or not the liver is behaving properly. If the liver isn't behaving properly, the blood rushes to the surface of the body to replenish itself there. What happens? Smallpox is the result. This is the connection between smallpox and the blood circulation, which, due to a defective liver, has something wrong with it.


[ 10 ] Aber da überall, wo das Blut hinkommt (siehe Zeichnung), da, wo ich die bläuliche Linie gezeichnet habe, da ist auch die rötliche Linie, und die bezeugt, daß dort überall mit dem Sauerstoff die Luft hinkommt. Da berührt sich in einer richtigen Weise die Blutzirkulation mit der Atmung. Ob das nun in der Lunge ist oder in der Haut, das ist ziemlich gleichgültig, denn es gleicht sich aus. Aber wenn die Luft, die durch die Atmung einläuft, sich mit dem Blut nicht in der richtigen Weise berührt, dann kommen dadurch die Blattern zustande, die Pocken. Was sind also eigentlich die Pocken? Die Pocken bestehen eigentlich darinnen, daß an der Außenfläche des Körpers oder in der Lunge zu viel geatmet wird, daß dort zu viel Tätigkeit entwickelt wird. Der Mensch wird ganz tätig an der Oberfläche. Dadurch entzündet sich alles, durch diese Tätigkeit.
[ 10 ] The blood reaches everywhere where I have drawn a line in blue (see sketch); there is also a red line signifying that oxygen from the air reaches everywhere. The circulation of the blood rightly makes a point of contact there with the breathing, and whether this occurs in the lungs or the skin really does not matter, because it balances itself out. If the air that enters through the breathing process does not make contact with the blood in the correct way, however, smallpox results. What is smallpox? Smallpox is really the result of the development of too much respiratory activity on the body's surface or in the lungs. A person becomes too active on his surface area, and this activity causes inflammation everywhere.
[ 11 ] Und was kann man da unter Umständen machen? Nun ja, die Leute machen ja schon dasjenige, was sie allein machen können. Das ist nämlich, daß sie nun Kuhpockenlymphe einimpfen. Ja, was wird durch die Kuhpockenlymphe eigentlich bewirkt? Wenn ich sie ins Blut einimpfe, so bringe ich sie in das Innere des Körpers hinein, weil das Blut überall herumgeht. Und während sich sonst das Blut an der Außenseite schadlos hält, hat es dann etwas zu tun mit der eingeimpften Lymphe, und dadurch wird dieses Tätigsein an der Oberfläche verhindert. Also die Kuhpockenimpfung hat schon eine gewisse Bedeutung. Es wird dasBlut, das an der Leber nicht richtig beschäftigt wird, durch die Lymphe selber beschäftigt. Überhaupt ist das so, daß alle Impfungsmethoden eine ganz gute Bedeutung haben, und Sie haben ja vielleicht gehört, daß ein großer Teil unserer Heilmittel auch auf Einimpfung beruhen, weil man dadurch die Tätigkeit, die an einer falschen Stelle ist, an eine andere Stelle im menschlichen Körper hindirigieren kann.
[ 11 ] What can be done under these circumstances? Well, people already do the only thing that can be done in such cases. They vaccinate with cowpox vaccine. What is really accomplished through cowpox vaccine? The vaccine inwardly permeates the body, because the blood circulates everywhere. Whereas the blood is otherwise compensated for on the body's surface, it now has to cope with the vaccine. The overactivity on the surface thus is prevented. Smallpox inoculation does indeed have a certain significance. The blood, which is not properly engaged by the liver, is now busy with the vaccine. Generally, there is good reason for all methods of inoculation. You have perhaps heard that a large part of our healing is based on inoculation, because an activity occurring in the wrong place can thereby be directed to another part of the human body.
[ 12 ] Da ist ja ganz besonders interessant die sogenannte Hundswutimpfung. Die Hundswut beruht zwar auf etwas ganz anderem, aber im Grunde genommen ist sie doch dasselbe, was ich Ihnen gerade erklärt habe. Nicht wahr, denken Sie sich, der Mensch wird von einem tollen Hund oder von einem tollen Wolf gebissen. Ja, solch ein tolles Tier hat in seinem Speichel schon wirkliches Gift drinnen. Dieses Gift wird nun in den Menschen hineinfließen beim Biß, und der Mensch ist damit beschäftigt, dieses Gift zu entgiften. Da kann er zu schwach sein dazu, und er kann daran zugrundegehen. Aber diesem Zugrundegehen liegt eigentlich noch etwas anderes zugrunde. Sie wissen, der Mensch bekommt ja zuerst selber die Hundswut. Er geht nicht nur an dem Wutgift zugrunde, sondern bekommt selber die Hundswut. Worauf beruht das?
[ 12 ] Inoculation against rabies is especially interesting. Though rabies comes from something altogether different, it is basically the same response as that I explained concerning smallpox. Imagine that a person is bitten by a rabid dog or wolf. Such an animal has actual poison in its saliva. This poison now enters the victim through the bite, and the person becomes involved in detoxifying the poison. He may be too weak to do it, and he might succumb to the poison, but something else is really the basis for death. You know that a man first develops rabies before he succumbs to the poison. What is the reason for this?
[ 13 ] Nehmen Sie an, ich werde von einem tollen Hund hier gebissen. Jetzt muß ich meine innere Tätigkeit an die Stelle dahier herlenken, muß sie da herströmen lassen, damit das Gift verbraucht wird. Diese Tätigkeit, die wird empfunden von meinem Rückenmark, und es ist gerade so, wie wenn ich durch irgend etwas einen Schreck kriege. So ist es für mein Rückenmark. Weil ich plötzlich eine so starke Tätigkeit durch den Hundebiß entwickeln muß, erschrickt mein Rückenmark, kriegt, wie man sagt, einen Schock, und durch dieses Erschrecken werde ich selber krank.
[ 13 ] Let us assume that I am bitten by a rabid dog. Now I must direct all my inner activities to this spot, and I must let them flow here to use up the poison. This surge of activity is sensed by my spinal cord as though I had received a shock. This is how it affects my spinal cord. Since my body must suddenly develop such extreme activity because of the dog's bite, my spinal cord suffers a shock through which I become ill.
[ 14 ] Was muß man eigentlich jetzt tun, damit dieser Schreck aufhört? Sie wissen ja, wenn einer starr vor Schreck wird, so kommt er wieder zu sich, wenn man ihm ordentlich Püffe gibt. Also man muß dem Rückenmark ordentliche Püffe geben. Aber man muß erst ans Rückenmark herankommen. Und man kann ans Rückenmark herankommen, wenn man rasch ein Kaninchen tötet, das Rückenmark vom Kaninchen herausnimmt und bei etwa zwanzig Grad Celsius trocknet. Das Kaninchen muß man aber zuerst selber wütend gemacht haben; man muß ihm Wutgift gegeben haben. Dann nimmt man sein Rückenmark heraus, trocknet es so durch zwanzig Minuten bei zwanzig Grad Celsius. Und dieses getrocknete Rückenmark, das man hat, das impft man nun dem wutkranken Menschen ein.
[ 14 ] What must now be done to offset this shock? You know that when a person freezes in horror, he can be brought to his senses by being slapped a few times. The spinal cord also needs to be slapped, but one must first get to the spine. This can be accomplished by giving a rabbit rabies. It is then killed and its spinal cord removed and dried for approximately twenty minutes at about 20° C. This substance is then injected into the rabid person.
[ 15 ] Nun haben die Stoffe die merkwürdige Art, daß jeder Stoff im Körper an eine bestimmte Stelle hingeht. Und dieses getrocknete Kaninchenrückenmark, das das Wutgift in sich enthält kurze Zeit es enthält nur etwa fünfzehn Minuten, eine Viertelstunde, das Wutgift in sich, dann ist es verraucht, aber in diesen fünfzehn Minuten, da ist es gut, da impft man es dem Menschen ein. Dann geht es in sein eigenes Rückenmark, und das kriegt einen Gegenschock. Es ist gerade so, wie wenn man den Menschen im Schreck ganz durchrüttelt, und der Mensch fängt nun wiederum an, nicht wütend zu sein, beziehungsweise er kann auch behütet werden dadurch, daß man sein Rückenmark vom Schreck heilt durch das eingeimpfte, vergiftete und ausgetrocknete Kaninchenrückenmark.
[ 15 ] Now, oddly enough, all substances have a way of going to specific parts of the body. The dried spinal cord of the rabbit, which retains the rabies poison for a short time—about fifteen minutes—before becoming ineffective, is quickly injected into the human being. It goes into his own spinal cord, which thereby suffers a countershock. It is just as if you shake a person who is paralyzed with fear and he snaps out of it. In the case of rabies, man's spinal cord recovers from the shock by means of an inoculation with the rabid rabbit's dehydrated spinal cord.
[ 16 ] Also Sie sehen, man muß den Menschen, wenn er an einer falschen Stelle eine Tätigkeit entwickelt und dadurch krank ist, dadurch heilen, daß man an einer anderen Stelle fast dieselbe Tätigkeit entwickelt. Das sind so die komplizierten Zusammenhänge im menschlichen Organismus.
[ 16 ] You see, therefore, that when an activity develops in the human being in the wrong place and he becomes ill, he can be cured if almost the same process is developed in a different place. These are some of the complicated relationships of the human organism.
[ 17 ] Nun aber, wenn Sie jetzt die Luftatmung und die Bluttätigkeit betrachten, so klingen gewissermaßen im heutigen erwachsenen Menschen fortwährend durcheinander im Tempo eins zu vier Atmungsströmung, Blutströmung. Der Blutstrom fließt schneller, und nachdem drei vergangen ist, stößt der Atem ein, nachdem wieder drei vergangen ist, stößt wieder der Atem ein, und so geht es in unserem Körper zu. Das Blut rollt durch den Körper: eins, zwei, drei — bei vier stößt der Atem ein; eins, zwei, drei — bei vier stößt wieder der Atem ein. So geht es durch unseren Körper durch,
[ 17 ] Now, if you consider respiration and the activity of the blood, these two processes are related in today's adult in a ratio of one breath to four pulse beats. The blood stream flows faster; after three pulsations man inhales, and after three more, he inhales again. This is how air goes through his body. The blood moves through the body: one, two, three, and with the fourth we inhale; one, two, three, and with the fourth we inhale again. This goes on throughout our body.
[ 18 ] Nun, dadurch aber wird Kohlensäure erzeugt. Ja, meine Herren, diese Kohlensäure, die geht zum größten Teile heraus. Aber wenn alle Kohlensäure aus uns herausgehen würde, dann wären wir Menschen wirklich die größten Dummköpfe. Denn ein Teil der Kohlensäure muß fortwährend gerade in unser Nervensystem hereingehen. Das braucht die Kohlensäure, denn das muß fortwährend gerade abgetötet werden. Das Nervensystem braucht diese totmachende Kohlensäure. Also ein Teil steigt als Kohlensäure einfach durch meine Innenluft fortwährend in mir auf und versorgt mein Nervensystem.
[ 18 ] All this produces carbon dioxide. Now, most of this carbon dioxide is exhaled, but if all of it were exhaled, we would be the worst dopes. A part of the carbon dioxide must continuously enter our nervous system, which needs carbon dioxide, because it must be continuously deadened. The nervous system requires this deadening carbon dioxide. Through inhaling air it therefore rises up continuously in me and supplies my nervous system.
[ 19 ] Ja, was heißt denn das aber, meine Herren? Das heißt nichts anderes, als: Ich muß, weil Kohlensäure ein Gift ist, zu meinem Denken fortwährend Gift in mir haben. Das ist eine sehr interessante Sache. Ich könnte, ohne daß fortwährend eine Vergiftung in mir stattfindet, die ich nur fortwährend bekämpfen muß, gar nicht mein Nervensystem gebrauchen. Ich könnte nicht denken. Der Mensch ist wirklich in der Lage, daß er durch die Atemluft fortwährend sich vergiften muß, und durch das Atemgift denkt er. Fortwährend strömt ja in meinen Kopf die Kohlensäure ein, das Atemgift, und mit diesem Atemgift denke ich.
[ 19 ] What does this mean? Nothing other than this, that since carbon dioxide is a poison, I continually require a poison in my system for my thinking. This is a most interesting point. Unless a continuous poisoning process took place in me, with which I must continuously struggle, I could not use my nervous system. I would be unable to think. Man is really in the position of having constantly to poison himself by inhaling air, and by means of the poison in the breath, he thinks. Carbon dioxide constantly streams into my head, and with this poisonous air I think.
[ 20 ] Heute ist das so, daß der Mensch einfach durch die Luft atmet. Die Luft enthält Sauerstoff und Stickstoff. Der Mensch nimmt den Sauerstoff auf, den Stickstoff läßt er weg.
[ 20 ] Today, man simply breathes air. The air contains oxygen and nitrogen. Man absorbs the oxygen, omitting the nitrogen.
[ 21 ] Meine Herren, wenn man jetzt den Menschen studiert, so kommt man nämlich auf folgendes. Der heutige Menschenkopf, der braucht die Kohlensäure. Die Kohlensäure ist eine Verbindung von Kohlenstoff, der ja im menschlichen Körper erzeugt wird, und Sauerstoff. Den Stickstoff aus der Luft läßt der Mensch weg. Studiert man nun den menschlichen Kopf heute, so kommt man darauf, daß dieser menschliche Kopf so veranlagt ist, daß er durch die Aufnahme von Kohlensäure, also Kohlenstoff und Sauerstoff, ganz gut denken kann. Aber wissen Sie, fortwährend wird dieser menschliche Kopf auch durch die Kohlensäure, weil die ja ein Gift ist und der menschliche Kopf schließlich auch aus Organen besteht, wieder ruiniert. Es ist gerade so, wie wenn Sie doch immer ein bißchen Kohlensäure statt Sauerstoff atmen würden. In den Kopf hinein atmen Sie wirklich immer ein bißchen Kohlensäure. Das ist von ungeheurer Bedeutung, denn wir atmen in unseren Kopf fortwährend dasjenige ein, was eigentlich unser Leben zerstört. Und das ist auch ein Grund, warum wir schlafen müssen, warum wir eine Zeit brauchen, wo der Kopf eben nicht dieses bißchen Kohlensäure so stark aufnimmt und seine Organe wieder herstellt.
[ 21 ] When we study man today, the following is discovered. The human head today requires carbon dioxide. Carbon dioxide is a combination of carbon that is produced in the human body and oxygen. Man omits the nitrogen contained in the air. If one studies the human head today, one discovers that this human head is so organized that it can think quite well because of the absorption of carbon dioxide and therefore of carbon and oxygen. This human head, through the carbon dioxide, which is a poison and rises fleetingly to the human head from the organs, is constantly exposed to damage. It is as if we were always to inhale a bit of carbon dioxide instead of oxygen. You really always inhale a bit of carbon dioxide into your head. This is of great significance, because we constantly take in something that actually destroys life. This is also the reason that we must sleep, that we require a time during which the head does not absorb this minute amount of carbon dioxide as vigorously and thereby is able to restore its organs.
[ 22 ] Wenn man nun aber diesen Menschenkopf studiert, so sagt man sich: So wie er heute einmal ist, so kann er dieses Gift, die Kohlensäure, dazu verwenden, daß er immer ein bißchen zerstört wird, durch den Schlaf wieder aufgebaut wird, wieder ein bißchen zerstört wird, durch den Schlaf wieder aufgebaut wird und so weiter. Aber in sehr alten Zeiten hatte ja der Mensch noch keinen Kopf. Das ist ja alles in der Entwickelung begriffen gewesen. Wenn der Mensch nun immer nur Kohlensäure geatmet hätte, so hätte er nie einen Kopf gekriegt. Der fertige Kopf, der verträgt die Kohlensäure. Aber wenn der Mensch immer Kohlensäure geatmet hätte, so hätte er niemals einen Kopf gekriegt. Er muß also früher etwas anderes geatmet haben. Nun müssen wir uns fragen, was der Mensch früher eben geatmet haben kann. Und wenn man nun wirklich die ganze menschliche Entwickelung eingehend studiert, so kommt man darauf, daß der Mensch zum Beispiel schon während des Keimlebens im Leibe der Mutter noch etwas anderes braucht als bloß Kohlensäure. Und das Interessante ist: im Leibe der Mutter ist der Mensch fast ganz Kopf. Es ist ja so, daß der Menschenkeim, wenn Sie ihn in einem sehr frühen Stadium betrachten — ich habe Ihnen das schon vor längerer Zeit einmal aufgezeichnet -, fast ganz Kopf ist. Das andere ist ja furchtbar klein (siehe Zeichnung S. 291). Und das, was da hier noch dran ist, das ist auch fast Kopf, das ist umgeben dann von den Mutterhäuten.
[ 22 ] Studies of the head show that in its present condition it can make use of this poison, carbon dioxide, by repeatedly sustaining a little damage and then restoring itself through sleep, then again being damaged, again restoring itself, and so on. In very ancient times, however, man did not as yet have a head. It came about through evolution. Man would never have acquired a head if he had inhaled only carbon dioxide. The fully evolved head can tolerate carbon dioxide, but if man had always inhaled carbon dioxide, he would never have acquired a head. Therefore, he must have breathed something else long ago. Now we must ask ourselves what man used to breathe. If all human evolution is studied in detail, one discovers that during embryonic development in the womb, the human being uses something other than mere carbon dioxide. It is an interesting fact that in the mother's womb man is almost all head. The rest of the embryo, if you study it in the early stages, is minute (see sketch) and still is almost all part of the head; the rest is terribly small. The whole embryo is then surrounded by the walls of the womb.


[ 23 ] Ja, sehen Sie, da ist der Mensch fast ganz Kopf. Aber er muß erst werden. Da braucht er auch den Stickstoff. Da braucht er den Stickstoff, der ihm aus dem Leibe der Mutter geliefert wird. Wenn der Mensch nicht im Mutterleibe den Stickstoff hätte, den er später in der Luft verschmäht, nicht an sich herankommen läßt, dann könnte er sich unmöglich entwickeln. Wir kriegten einfach keinen ordentlichen Kopf, wenn wir nicht durch den Stickstoff einen kriegten. Der Mensch muß also in einem früheren Erdenentwickelungszustande, wo sein Kopf sich erst entwickelt hat, nicht den Sauerstoff aufgenommen haben, sondern den Stickstoff. Es müssen also, statt daß Kohlenstoff und Sauerstoff für ihn das Wesentliche sind, wie heute, Kohlenstoff und Stickstoff das Wesentliche gewesen sein.
[ 23 ] You see, man is almost all head, but he must still develop, and for that he requires nitrogen. He requires nitrogen, and this is supplied by the mother's body. If man did not have access to nitrogen in the womb, a substance he later rejects in the air, not allowing it to enter him, it would be impossible for him to develop. We would not acquire a proper head if it were not for nitrogen. In an early stage of evolution, when his head was only beginning to develop, man must not have absorbed oxygen but nitrogen. The essential elements for man must, therefore, have been carbon and nitrogen instead of today's carbon and oxygen.
[ 24 ] Also muß der Mensch einmal, so wie er heute atmet, Kohlenstoff mit dem Stickstoff verbunden geatmet haben, also den Stickstoff aufgenommen haben. Aber Kohlenstoff und Stickstoff, was ist denn das? Das ist nämlich Zyan. Und wenn es als Säure auftritt, so ist es die Blausäure, Zyansäure. Das heißt mit anderen Worten: Einmal muß es so gewesen sein, daß der Mensch aus der Luft nicht den Sauerstoff, sondern den Stickstoff aufgenommen hat, in sich Zyan entwickelt hat, ein noch stärkeres Gift. Und dieses noch stärkere Gift hat ihn befähigt, heute mit Kohlensäure zu denken. Dazumal hat er sich durch das noch stärkere Gift die Organe erst gemacht.
[ 24 ] Just as man inhales oxygen today, he once must have inhaled carbon combined with nitrogen—in other words, he must have absorbed nitrogen. But what is carbon plus nitrogen? It is cyanogen, and when it is present as an acid, it is hydrocyanic acid. This means that conditions must have been such at one time that man did not absorb oxygen from the air but nitrogen, with which he internally produced cyanogen, an even stronger poison. This even stronger poison is what has enabled man to think today with carbon dioxide. At that time he fashioned the organs with an even stronger poison.
[ 25 ] Wir kommen also jetzt zu einer alten Entwickelung, wo der Mensch, statt wie heute Kohlensäure zu entwickeln, Zyan entwickelt hat. Und wie er heute Kohlensäure ausatmet, so hat er dazumal Blausäure ausgeatmet, ein noch stärkeres Gift. Und da kommen wir von dem Menschen und seiner heutigen Atmung zu einem alten Zustande, wo die Luft ebenso, wie sie heute Kohlensäure enthält durch das Leben, dazumal voller Blausäure, voller Zyan war.
[ 25 ] Going back in time, we come to a point in ancient evolution when, unlike today, man produced cyanogen, and instead of exhaling carbon dioxide as he does today, he exhaled hydrocyanic acid, a much stronger poison. Thus, from man and his present-day respiration, we go back to an ancient condition in which the air was filled with hydrocyanic acid just as it is today permeated with carbon dioxide.
[ 26 ] Sehen Sie, meine Herren, es war 1906, da habe ich in Paris Vorträge gehalten, und da bin ich durch verschiedene Andeutungen, die von den Zuhörern gekommen sind, dazu gekommen, den Leuten zu sagen, daß es auch heute noch solche Weltkörper gibt, die statt der Erdenluftatmosphäre die alte Zyanatmosphäre haben, die alte Zyanluft haben. Nämlich, wenn man heute die Erde anschauen würde vom Mond oder namentlich vom Mars, so würde man in der Erdenluft überall drinnen die Kohlensäurespuren wahrnehmen können durch das sogenannte Spektroskop. Nun aber, wenn man die alte Erde, wo der Mensch seinen Kopf erst gekriegt hat, von ferne ansehen würde, würde man Zyan, Blausäurespuren statt Kohlensäurespuren wahrnehmen. Nun gibt es heute noch Körper, die in dem Zustande sind, wie die Erde dazumal war. Das sind nämlich die Kometen. Die Kometen sind so, wie die Erde damals war, als der Mensch seinen Kopf gekriegt hat. Also müssen die Kometen Zyan enthalten. Und ich sagte dazumal 1906: Das Wesentlichste an den Kometen ist dasjenige, daß sie Zyan enthalten; wenn man also das Spektroskop auf sie richtet, muß man die Zyanlinie sehen. Und gleich darauf ist ein Komet erschienen. Die erscheinen ja selten. Und das Kuriose war, als ich dann nach einiger Zeit nach Norwegen kam und dort von dem erscheinenden Kometen viel die Rede war, haben die Leute tatsächlich die Zyanlinie bemerkt.
[ 26 ] In 1906, I gave lectures in Paris, and because of various suggestions from the listeners I was prompted to tell them that even today there are cosmic bodies that possess the ancient cyanogen atmosphere rather than that of the earth. If the earth were viewed from the moon or particularly from Mars, one would be able to perceive traces of carbon dioxide everywhere in the earth's atmosphere by means of the spectroscope. Had the ancient earth been viewed from space when man was only beginning to acquire his head, however, one would have perceived traces of hydrocyanic acid instead of carbon dioxide. To this day there are cosmic bodies that have retained the earth's condition of former ages; these are the comets. The comets are what the earth was like when man acquired his head. Hence, they must contain cyanogen. I said in 1906 that the main characteristic of comets is that they contain cyanogen; if one studies a comet with a spectroscope, one must see lines of cyanogen. Soon after this a comet appeared; they only appear rarely. I was in Norway at the time, and there was much talk about it—curiously enough, people actually observed the cyanogen line.
[ 27 ] Sehen Sie, immer sagen die Leute, wenn Anthroposophie etwas weiß aus dem Geiste heraus, so müßte man es nachher bestätigen können. Solche Dinge sind nämlich viele da, die nachher bestätigt worden sind. Nur wenn die Bestätigung kommt, dann gehen die Leute darüber hinweg, dann unterschlagen sie sie. Aber tatsächlich ist das so, daß ich auf Grundlage dieser Umänderung der Atmung eben, bevor es mit dem Spektroskop gesehen worden ist, gesagt habe, daß die Kometen Zyan enthalten, dasselbe Zyan, das einstmals, als die Erde selber noch in einem Kometenzustand war, der Mensch gebraucht hat, damit er seinen Kopf kriegte.
[ 27 ] People always say that when anthroposophy becomes aware of something that is based on spiritual insight, one should be able to prove it afterward. There are indeed numerous things that have later been proved. When proof arises, however, people overlook or suppress it. The truth is that, on the basis of this change in the breathing process, I stated prior to its having been observed with the spectroscope that comets contain cyanogen. This is the same substance that man needed in order to acquire his head at a time when the earth was still in a comet-like condition.
[ 28 ] Nun denken Sie sich einmal, wenn ich Stickstoff atme statt Sauerstoff, dann entsteht natürlich etwas anderes als das menschliche Blut. Denn Sie wissen, in der Lunge verbindet sich gerade das Blut, das blau geworden ist, mit dem Sauerstoff und wird zu dem roten Blut. Nun ist das so, daß wenn der Mensch Sauerstoff atmet, dann nimmt er ins Blut den Sauerstoff auf. Wenn er aber Stickstoff einatmet, dann nimmt er ins Blut den Stickstoff auf. So wie unser Blut, das richtige Blut, wirkt, in dem beim gesunden Menschen niemals Harnsäure ist, so kriegt man durch Aufnahme von Stickstoff ins Blut, wenn das nur ein bißchen nicht recht stimmt beim Menschen, Harnsäure ins Blut hinein.
[ 28 ] Now, imagine for a moment that I were to breathe nitrogen instead of oxygen; something other than human blood would naturally arise. As you know, the blood that has become blue combines in the lungs with oxygen and becomes red. Now, when man inhales oxygen he absorbs oxygen into his blood; when he inhales nitrogen, he absorbs the nitrogen into his blood. The way our blood functions today in a healthy person, it never contains uric acid, but if even a little nitrogen is absorbed into the blood, if something is only slightly amiss with the human being, uric acid appears in the blood.
[ 29 ] Damals, als der Mensch seinen Kopf gekriegt hat, war sein Blut eigentlich nur Harnsäure, weil der Stickstoff also da fortwährend sich damit verbunden hat statt Sauerstoff. Sein Blut war nur Harnsäure. Und der Mensch, der heute noch als Menschenkeim da in dem schwimmt, was die Mutter um ihn herum bildet, schwimmt da gewissermaßen in dem, wo die Harnsäure leicht hinein kann. Da ist überall Harnsäure in seiner Umgebung. Die braucht er in seinem Keimzustande. Ja, früher, wo er seinen Kopf gekriegt hatte und Blausäure ausatmete, also die Blausäure für sich verwendete, und Stickstoff und Kohlenstoff verband, also innerlich Harnsäure hatte, da schwamm er ja in Harnsäure. Da war Harnsäure überall außer ihm. Die Welt war einmal so, daß Harnsäure und Blausäure eigentlich eine ebenso große Rolle gespielt haben wie heute etwa Wasser und Luft.
[ 29 ] In the age when man acquired his head, his blood consisted completely of uric acid, since nitrogen continuously combined with the blood instead of oxygen. His blood was only uric acid. As an embryo today, the human being swims in the amniotic fluid and thus has uric acid readily accessible. Uric acid is everywhere in his environment. In this early state the embryo needs uric acid for its development. In the past, when man was acquiring his head and exhaled hydrocyanic acid, he swam around in uric acid. In other words, he made use of cyanic acid, combining nitrogen and carbon and inwardly producing uric acid. Hydrocyanic acid surrounded him everywhere. The world was once in a condition in which uric and hydrocyanic acids actually played as big a role as water and air do today.
[ 30 ] Daß Lebewesen nicht bloß von Sauerstoff leben können, das zeigt sich noch heute. Es gibt zum Beispiel Lebewesen - sie sind allerdings winzig klein, weil alles das, was früher im Großen war, heute klein geworden ist, und die kleinsten, winzigsten Lebewesen von heute waren einstmals Riesen, heute sind es also winzige, kleine Lebewesen -, die können den Sauerstoff überhaupt nicht mehr vertragen, gar nicht vertragen, und die verkriechen sich überall vor dem Sauerstoff, und die nehmen in sich statt den Sauerstoff Schwefel auf. Das sind dieSchwefelbakterien; die leben vom Schwefel. Also man braucht zum Leben nicht unbedingt Sauerstoff. So hat man zum Leben früher nicht Sauerstoff gebraucht, sondern eben gerade Stickstoff, und dadurch ist der Mensch erst gebildet worden. Der Mensch ist also in einer kometenartigen Erdbildung gebildet worden. So daß also die Beziehung zwischen Atem und Blut in früheren Zeiten eine ganz andere war.
[ 30 ] Even today, living creatures exist that can survive on something other than oxygen. There are, for example, creatures that are minute, since everything that was formerly large has become small today. The tiniest, smallest living creatures were once giants. But there are living creatures that cannot tolerate oxygen at all. They avoid oxygen and absorb sulphur instead. They are the sulphur bacteria that live by means of sulphur. This shows that oxygen is not the only necessity for life. Likewise, man didn't need oxygen to stay alive in earlier ages but instead required nitrogen, and through that he was formed. Man was fashioned during a comet-like formation of the earth, and the relationship between breathing and the blood was completely different in those earlier ages.
[ 31 ] Und nun wollen wir einmal das, was man auf diese Weise kennenlernt, im Zusammenhang mit der Welt selbst betrachten. Wenn wir dieses ins Auge fassen, daß wir einen Atemzug haben auf vier Pulsschläge — also eins, zwei, drei, Atemzug; eins, zwei, drei, Atemzug; eins, zwei, drei, Atemzug -, ja, sehen Sie, diesen selben Rhythmus, den kann ich auch für die Natur Ihnen sagen: Frühling, Sommer, Herbst, Winter. Eins: Frühling, zwei: Sommer, drei: Herbst, vier: Winter. Da haben Sie draußen im Weltenall dieses Verhältnis, das Sie innerlich im Menschen haben. So daß wir sagen können: Wenn wir die ganze Erde anschauen, so haben wir unseren inneren Rhythmus auch draußen auf der Erde. Und was es eigentlich in dieser Beziehung mit der Erde für eine Bewandtnis hat, das beobachten die Leute gar nicht.
[ 31 ] Let's now consider what we have learned in connection with the world itself. If we focus on the fact that we take one breath to four pulse beats—one, two, three, breath of air; one, two, three, breath of air—the same rhythm can also be found in nature: spring, summer, fall, winter. One: spring; two: summer; three: fall; four: winter. Here we have the correlation between what's outside in the universe and what you have within man. So we can say, if we behold the entire earth, that our inner rhythm can be found outside on earth as well. People pay no heed at all to these circumstances regarding the earth.
[ 32 ] Sehen Sie, jetzt liegt Schnee draußen. Im Sommer liegt kein Schnee draußen. Was heißt denn das? Ja, sehen Sie, das, was jetzt als Schnee draußen ist, das treffen Sie sonst auch als Wasser. Das Wasser ist ganz und gar von der Erde abhängig. Das muß ja der Mensch spüren. Nicht wahr, wenn man hier im Jura lebt, so haben wir im Jura kalkhaltiges Wasser. Alles, was in der Erde drinnen ist, ist im Wasser drinnen. Und Menschen, die dafür besonders empfindlich sind, bekommen von dem, was in der Juragegend im Wasser drinnen ist, ihre Kröpfe. Also das Wasser ist von der Erde abhängig. Im Frühling fängt es an, abhängig zu werden. Im Sommer ist es am abhängigsten. Im Herbst hört es ein bißchen auf. Und im Winter — ja, meine Herren, die Erde bildet nicht den Schnee; der Schnee, der aus lauter ganz feinen Kristallen besteht, der wird vom Weltenall, vom Kosmos herein gebildet. Da ist die Erde nicht wie im Sommer der Wärme der Welt hingegeben, sondern den Bildungskräften. Das Wasser entzieht sich der Erde im Winter, bekommt die Kälte vom Weltenraum. So daß wir sagen können: Da haben wir einen interessanten Rhythmus im Weltenall: eins: Frühling, zwei: Sommer, drei: Herbst, vier: Winter; das Wasser richtet sich nach dem Weltenall, nicht mehr nach der Erde. Wiederum eins, zwei, drei — Frühling, Sommer, Herbst; vier: das Wasser richtet sich nach dem Weltenall, nicht mehr nach der Erde.
[ 32 ] You see, there is snow outside now. In summer there is no snow. What does that really mean? What is outside as snow now you find at other times as water. Water is completely dependent on the earth, and man must certainly sense that. The water around here in the Jura mountains contains calcium. Everything within the earth is also in the water. People who are especially sensitive to this develop goiters from what is contained in the water in the Jura region. The water is dependent on the earth. In spring, it begins to become dependent, it is most dependent in summer, and it ceases somewhat to be dependent in fall. In winter—well, gentlemen, the earth does not form the snow! The snow, consisting of myriads of delicate crystals, is formed by the universe, from out of the cosmos. Unlike in summer, the earth in winter doesn't abandon itself to the warmth of the world but rather to the formative forces. The water turns away from the earth in winter and receives the coldness of universal space. So we have discovered an interesting rhythm in the universe. One: spring; two: summer; three: fall; four: winter, and the water no longer directs itself to the earth but to the universe. Again, one, two three—spring, summer, fall; then four: the water follows the universe, no longer the earth.
[ 33 ] Jetzt probieren wir das beim Blut und bei der Atmung. Eins, zwei, drei: Blut, das Blut richtet sich nach dem Inneren des Körpers; vier: Atmung, das Blut richtet sich nach dem, was draußen ist. Eins, zwei, drei Blut-Pulsschläge: das Blut richtet sich nach dem Inneren des Körpers; vier: Atemzug, das Blut richtet sich nach außen. Da haben Sie bei der Erde dieselbe Tätigkeit wie beim Menschen. Wenn Sie das Blut nehmen, und das Wasser der Erde, so richtet sich das Blut darnach. Nehmen wir jetzt eins, zwei, drei Pulsschläge: innerlich ein bißchen Frühling, Sommer, Herbst; vier: jetzt kommt der Winter, aha, da atmen wir. Jetzt kommt der Atemzug, so wie bei der Erde selber. Der Mensch ist also innerlich ganz nach der Erdenatmung abgestimmt. Und die Sache ist so, daß wir sagen können: Beim Menschen geht das natürlich riesig schnell vor sich, achtzehnmal in einer Minute, was bei der Erde in einem Jahr vor sich geht. In einer Minute geht bei dem Menschen achtzehnmal das vor sich, was bei der Erde in einem Jahr vor sich geht.
[ 33 ] Now compare this rhythm with the blood and the breathing process. One, two, three pulse beats, the blood is directed to the body's interior; four: breath of air, the blood is directed to what is outside. Here you have the same activity with the earth as in the human being. If you compare the blood with the earth's water, the blood directs itself accordingly. The first three pulse beats are inwardly a little like spring, summer, and fall; four, now comes earthly winter, and aha, we breathe, now comes the breath, just as with the earth itself. Inwardly, man is attuned completely to the earth's breathing process. It can therefore be said that what runs its course in one year in the earth takes place quickly, eighteen times in one minute, in man. What takes a year for the earth takes place eighteen times in one minute in man.
[ 34 ] Nun ist der Mensch eigentlich immer voll von diesem Rhythmus, den die Erde auch vollzieht. Aber recht schnell macht er diesen Rhythmus. Wenn wir heute aber die Erde betrachten und durch das, was wir heute besprochen haben, darauf kommen, daß sie früher in einem ganz anderen Zustande war, dann bekommt die Erde für uns eine gewisse Ähnlichkeit mit den Kometen. Das haben Sie ja gerade gesehen. Die Kometen aber — das zeigt sich dann, wenn ein Komet zerfällt - fallen als Meteorsteine, als Eisen herunter. So ein ganzer Komet, der fällt als Eisenstücke herunter, wenn er zersplittert, enthält also Eisen.
[ 34 ] Man actually is always filled with this rhythm, but it is much faster than with the earth. When we consider the earth in the light of our discussion today, we realize that the condition of the earth was formerly quite different, and it comes to acquire for us a certain similarity to the comets. Now, when a comet disintegrates, the pieces, which contain iron, fall to earth as meteors. An entire comet, which falls to earth when it splinters, therefore contains iron.
[ 35 ] Das ist etwas, was wir auch noch in uns haben. Wenn wir als Leichen zerfallen, so sind die Eisenteilchen unseres Blutes auch da und bleiben. Da haben wir noch etwas bewahrt von unserer alten Kometennatur. Wir machen es eigentlich da geradeso wie der Komet. Das Eisen haben wir dadurch im Blut, daß wir die alte Zyantätigkeit entfalten. Das ist der äußere Körper, der darf nur nicht ins Blut herein, hat aber einstmals ins Blut hereindürfen. Das heißt aber nichts anderes als: Wir entziehen heute unserem inneren Frühling, Sommer, Herbst, Winter den äußeren Frühling, Sommer, Herbst, Winter. Und nur wenig sind wir heute abhängig von dem äußeren Frühling, Sommer, Herbst, Winter.
[ 35 ] This is also something that we still contain within ourselves. When our corpses disintegrate, the iron from our blood is left behind. Here we have retained something of our ancient comet nature, and we actually act as comets do. We have iron in our blood through developing the ancient cyanogen activity in ourselves—that is, our external bodies, the blood of which it may no longer enter though it was once allowed to. This means nothing more than that today we withdraw our inner spring, summer, fall, and winter from the outer spring, summer, fall, and winter. Our dependency on the outer seasons has become minimal.
[ 36 ] Aber Sie brauchen gar nicht furchtbar weit zurückzugehen. Jetzt nehmen ja diese Dinge ganz anderen Charakter an, aber wenn man auf dem Dorfe aufgewachsen ist wie ich, dann weiß man, daß es da Leute gegeben hat früher — jetzt werden sie immer seltener, weil sich alles uniformiert in der Erdenwelt -, die sehr abhängig waren von Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Das hat man sogar an ihrem ganzen Seelenleben bemerkt. Sie waren im Sommer ganz anders gestimmt als im Winter. Im Winter kamen sie einem entgegen und waren eigentlich immer so ein bißchen außerhalb ihres Menschen; viel mehr Gespenster als Menschen waren sie da. Und im Sommer, da kamen sie erst so recht zu sich. Das heißt, sie waren so, daß sie abhängig waren von dem äußeren Frühling, Sommer, Herbst und Winter.
[ 36 ] You need not go terribly far back into the past, however, to find that things had a totally different character then. Although things are changing now, if one grew up in a country village as I did, one knows that there used to be people who were very dependent on spring, summer, fall, and winter; there are fewer now because everything is becoming more uniform in the world. One could even notice it in their whole life of soul. They were in a totally different mood in summer than in winter. When they encountered you in winter they were always a little outside their beings; they were much more like apparitions than people. They came into their own only in summer and then were really themselves. This means that they were dependent upon the outer spring, summer, fall, and winter.
[ 37 ] Das aber weist uns darauf hin, wie der Mensch früher war. Der Mensch war früher, als er noch Stickstoff geatmet hat statt Sauerstoff, ganz abhängig von der äußeren Umgebung; er machte den Pulsschlag und die Atmung seines Kometenkörpers mit, den ich in meinem Buche «Geheimwissenschaft im Umriß» Mond genannt habe. Das war eine Art Kometenkörper. Das machte er mit. Er war ein Teil eines ganzen großen Organismus gewesen, der da auch atmete. Es ist so, wie wenn der Mensch ganz plötzlich heute anfangen würde, richtig im Frühling einen Pulsschlag, im Sommer einen Pulsschlag, im Herbst einen Pulsschlag zu haben, dann im Winter einen Atemzug und so weiter. So war aber der Mensch einmal, als er Stickstoff atmete: er war ein Glied des ganzen Erdenorganismus.
[ 37 ] This demonstrates to us what man was like in earlier ages. When he breathed nitrogen instead of oxygen, he was completely dependent on the outer surroundings; he participated in the pulse beat and breathing of his comet body, which in my book, An Outline of Occult Science, I called the ancient Moon. The ancient Moon was a sort of comet-like body, and, as a participant in it, man was a part of a large organism that also breathed. It was as if man today were suddenly to have one pulse beat in spring, one in summer, one in fall, and would then take a breath in winter, and so on. This is the way man was when he breathed nitrogen; he was a member of the entire earthly organism.
[ 38 ] Sie sehen, wir kommen jetzt auf einem ganz anderen Weg auf dasselbe, worauf wir früher gekommen sind, als wir Megatherien und Saurier und so weiter betrachtet haben. Wir kommen auf ganz dasselbe auf einem ganz anderen Wege.
[ 38 ] So, you see, we come from a completely different direction and again reach the point we arrived at earlier when we considered the megatheria, sauria, and so forth. We arrive at the same point by a different path.
[ 39 ] Das ist gerade das Merkwürdige bei der Geisteswissenschaft. Nicht wahr, die heutige andere Wissenschaftstätigkeit, die fängt irgendwo an, geht Schritt vor Schritt, Trott, Trott, Trott, weiß nicht wohin zwar, geht aber in der geraden Linie weiter. Das ist bei der anthroposophischen Wissenschaft nicht der Fall. Die kann von verschiedenen Ausgangspunkten gehen, bald da gehen, bald da gehen und so weiter, und sie kommt immer wieder, so wie ein Wanderer, der von verschiedenen Punkten unten am Berge ausgehen kann, immer zum Gipfel kommt, so kommt sie immer zu demselben. Das ist gerade das Merkwürdige. Je mehr man die Welt ehrlich betrachtet, desto mehr schließen sich alle die einzelnen Betrachtungen zusammen zu einem Einzigen.
[ 39 ] This is the remarkable thing about spiritual science. Ordinary present-day scientific activity begins at some point and proceeds step by step, trotting along in a straight line without knowing where it is going. That is not the case with anthroposophical science. It can proceed in one or another direction from various points of departure, but just as a hiker always reaches the same summit regardless of where he starts at the foot of a mountain, so anthroposophy always arrives at the same goal. This is what is so remarkable. The more one honestly examines the world, the more the individual considerations fit together into a unity.
[ 40 ] So haben Sie heute ein Beispiel durch Ihre Frage herausgefordert. Wir sind ausgegangen von ganz anderen Dingen, als wir einstmals ausgegangen sind, und wir kommen ebenso dazu, daß der Mensch im ganzen Erdenorganismus drinnen, wie der selber noch kometartig war, seinen Rhythmus gehabt hat, ihn nur herausgenommen hat. In der Erde war der Mensch einstmals, wie er heute als Keim in der Mutter ist. Da macht er auch Puls- und Atemtätigkeit mit.
[ 40 ] We have an example of this in exploring your question today. We proceeded from matters quite different from the earlier subjects, yet once again we arrived at the conclusion that man had his rhythm within the entire earthly organism when it was still comet-like; only now has he made it his own. Man existed as part of the earth just as he does today when he is still a germ within his mother. There he also takes part in her pulse and breathing activity.
[ 41 ] Nun ist das zu beweisen, daß der Mensch eben heute in der Mutter die Mutter-Puls- und Atmungstätigkeit mitmacht. Das ist dadurch zu beweisen, daß ich Ihnen vorhin gesagt habe: von der Atemtätigkeit, die in Verbindung mit der Bluttätigkeit kommt, entwickeln sich die Pokken. Nun ist das Interessante: Wenn der Mensch im Mutterleibe wirklich die Blut- und Atemtätigkeit der Mutter mitmacht, so muß ein Kind schon im Mutterleibe, wenn die Mutter Pocken hat, auch die Pocken kriegen als Menschenkeim. Und die kriegt es auch. Wenn eine Mutter schwanger ist und pockenkrank ist, Blattern hat, so bekommt das Kind schon im Mutterleibe die Blattern, weil das Kind das alles mitmacht.
[ 41 ] Can it be proven that man today takes part in his mother's pulse and breathing activity? This is proven by what I said before, that smallpox develops from the blood's activity coming into connection with the breathing activity. This is interesting. If man does share the maternal blood and breathing activities while in the womb, a child in the womb should contract smallpox if the mother has it, and it does. When a pregnant woman contracts smallpox, her unborn child already has smallpox in the womb, because the child takes part in everything.
[ 42 ] Und so hat der Mensch einstmals, als die Erde noch seine Mutter war - allerdings war die Erde dazumal eine Art Komet -, alles mitgemacht, was die Erde gemacht hat. Da war sein Puls- und Atemschlag der Puls- und Atemschlag der Erde. Und deshalb kann man sagen: Es ist wiederum höchst merkwürdig, daß, wenn wir in alte Zeiten zurückgehen, wo die Menschen instinktiv gewußt haben, nicht so gescheit wie heute, sondern instinktiv gewußt haben, die Menschen die Erde ja immer die Mutter genannt haben, die Mutter Erde und so weiter. Sie haben von dem Uranos, das heißt vom Weltenall, und von der Gäa gesprochen, der Erde, und haben den Uranos als den Vater im Weltenall draußen betrachtet und die Erde als die Mutter.
[ 42 ] In the same way, when the earth was still the mother of the human being—although the earth was then a kind of comet—he participated in all that the earth underwent. His pulse beat and breathing were that of the earth's pulse beat and breathing. It therefore can be said that it is most remarkable when, if we go back into ancient times when human beings knew instinctively and were not clever as they are today, they always called the earth “mother”—Mother Earth and so forth. They spoke of Uranus, meaning the universe, and Gaea, the earth, and they viewed Uranus as the father in the universe outside an11 the earth as the mother.


[ 43 ] So daß man sagen kann: Der Teil des menschlichen Organismus, wo das Kind gedeiht, der Uterus, der ist eigentlich eine kleine Erde, nur noch zurückgeblieben in dem alten Kometenstadium.
[ 43 ] So one can say that the part of the human organism in which the child develops, the womb, is really like a miniature earth that has remained behind and is still in the ancient comet-like state.
[ 44 ] Und in diesem alten Kometenstadium, da war die Atmung sowohl beim Menschen wie auch bei der Erde selber, sie war eine Atmung im Weltenall draußen. Nicht nur der Mensch hat den Stickstoff aufgenommen, sondern die ganze Kometenerde hat aus dem Weltenall den Stickstoff aufgenommen. Und damals war die Atmung zugleich eine ArtBefruchtung. Und von dieser Befruchtung ist die heutigeMenschenbefruchtung und Tierbefruchtung übriggeblieben. So daß wir sagen können: Beim Befruchten, da geschieht immer noch etwas vom Stickstoffatmen, denn das Wichtigste im menschlichen Samen ist der Stickstoff. Der wird da hineingetragen in den weiblichen Organismus und bewirkt als Stickstoffanregung eben dasjenige, was der Sauerstoff nie bewirken könnte: die Bildung der Organe. Denn später müssen sie da sein, wenn der Sauerstoff kommt. So sehen Sie, daß wir eigentlich unsere Atmung richtig aus dem Weltenall haben.
[ 44 ] In that ancient comet-like state, man's breathing and that of the earth were together a breathing in the great universe. Not only did man absorb nitrogen, but the whole comet-earth received the nitrogen from the universe. Breathing in that age was also a form of fertilization. Only the process of fertilization in humans and animals remains of that today. In fertilization, therefore, something of the nitrogen breathing process still takes place, because the most important element in the human sperm is nitrogen. This is transmitted to the female organism and, as a nitrogen stimulus, brings about what oxygen could never accomplish, that is, the formation of the organs that must be present later when man is exposed to oxygen. So you see that we actually receive our breathing from the universe.
[ 45 ] Nun, meine Herren, jetzt wollen wir einmal etwas probieren. Sehen Sie, der Jahreslauf wird ja im Tageslauf schon ein bißchen nachgeahmt: 18 Atemzüge haben wir in der Minute, also in der Stunde sechzigmal so viel = 1080; und in 24 Stunden, im Tag, haben wir vierundzwanzigmal so viel = 25 920; also 25 920 Atemzüge haben wir in einem Tage.
[ 45 ] Now, let's try exploring something else. You see, the year's course is followed somewhat in the course of the day: 18 breaths per minute; 60 times that much per hour = 1,080; in 24 hours, one day, we have 24 times that much = 25,920. Hence, we take 25,920 breaths per day.
[ 46 ] Jetzt will ich Ihnen etwas anderes ausrechnen. Ich will Ihnen ausrechnen, wieviele Tage wir im durchschnittlichen Menschenalter leben. Nicht wahr, das Jahr hat etwa 360 Tage. Das durchschnittliche Menschenalter rechne ich auf 71 oder 72 Jahre. Also sagen wir, 72 mal 360 = 25920.
[ 46 ] Now let me figure something else for you—the number of days in an average human life. As you know, the year has about 360 days. The average number of years a man lives is between 71 and 72. 72 times 360 makes 25,920.
[ 47 ] Wir machen im Tag so viel Atemzüge als wir Tage im Menschenleben haben. Aber ein Tag ist auch in einem gewissen Sinne eine Atmung. Ein Tag ist auch eine Atmung. Nämlich ich atme meine Seele aus, wenn ich einschlafe, und ziehe sie wiederum herein, wenn ich aufwache: Ausatmung, Einatmung. Das Geistige atme ich aus und atme ich ein. Also dieser Rhythmus, den ich im Atem habe, den habe ich mein ganzes Erdenleben hindurch im Schlafen und im Wachen. Das ist furchtbar interessant: 25 920 Atemzüge im Tag, 25920 Lebenstage durchschnittlich in einem Menschenleben.
[ 47 ] We take as many breaths per day as we have days in our human life. But a day, too, is in a certain sense a breathing. One day is also a breathing. When I go to sleep, I exhale my soul, and I draw it back in again when I awake: exhalation, inhalation. I exhale the spiritual and inhale it again. This rhythm in my breathing I therefore have throughout my life on earth in sleeping and waking. This is most interesting: 25,920 breaths per day, 25,920 days in the average human life.
[ 48 ] Und jetzt sehen wir auf die Sonne. Wenn Sie die Sonne im Frühling heute beobachten, so geht sie im Frühling in den Fischen auf. Aber sie geht nicht jedes Jahr im Frühling an derselben Stelle auf. Am 21.März im Frühling nächstes Jahr ist sie wieder ein Stückchen verschoben. Wenn heute die Sonne im Sternbilde der Fische aufgeht, so geht sie nächstes Jahr ein Stückchen verschoben auf, das nächste Jahr wieder ein Stückchen verschoben, und dann wieder. Da verschiebt sich ja die Sonne in ihrem Aufgehen fortwährend. Und nach einer gewissen Zeit muß sie ja doch wieder da herum sein. Wenn also heute die Sonne im Sternbild der Fische aufgeht - die Astronomen denken: im Widder, weil sie heute noch nicht nachgekommen sind in ihren Bezeichnungen, früher ist sie im Widder aufgegangen —, dann muß sie in uralten Zeiten auch da aufgegangen sein. Und diese Stückchen Jahr, wenn man sie ausrechnet, so kriegt man heraus: 25920 Jahre. Es ist dieselbe Sache. So daß also auch der Weltenrhythmus zusammenstimmt mit dem schnellen Rhythmus von Atmung und Blutzirkulation. Denken Sie, wie der Mensch da im Weltenall drinnensteht! Der Mensch ist ganz herausgeboren aus dem Weltenall. Im Weltenall ist ursprünglich Vater und Mutter.
[ 48 ] Now we turn and look at the sun. When you observe the sun in spring today, it rises in the sign of Pisces, but it does not rise every year in spring in exactly the same spot. On March 21 in the spring of next year the sun will have moved a fraction. Year by year it moves a little. The point where it rises moves constantly and eventually comes full circle. Therefore, if the sun rises in the constellation of Pisces today—the astronomers think it is still in Aries where it was formerly, because they have not yet caught up with their notations—then it must have risen in primordial times in Pisces, too! When the number of years that it takes the sun to come full circle is calculated, the result is 25,920 years. It is the same ratio. Even the cosmic rhythm harmonizes with the faster rhythms of breathing and blood circulation. Just imagine how man stands with the cosmos! He is born completely from out the universe. His father and mother are originally in the universe.
[ 49 ] Da kommt man natürlich darauf, den Menschen auf eine ganz andere Art im Zusammenhang mit dem Weltenall zu sehen, als wenn einem einer einfach sagt: Gott hat die Welt geschaffen, hat den Menschen geschaffen — alles Begriffe, bei denen man sich nichts denken kann. Aber Anthroposophie will damit anfangen, bei allem sich etwas zu denken. Das verübelt man ihr. Warum? Ja, um Worte zu sagen, bei denen man nichts zu denken braucht, braucht man sich nicht anzustrengen. Aber bei der Anthroposophie muß man sich anstrengen. Das macht die Leute fuchsteufelswild. Bei der heutigen Wissenschaft braucht man sich nicht anzustrengen. Nun, auf einmal kommt dieser Balg Anthroposophie, und man kann sich nicht ins Kino setzen und einfach gedankenlos den Film ablaufen lassen! Sie möchten selbst in die Schulen, damit die Kinder sich nicht anzustrengen brauchen, den Film hineinbringen. Ich wundere mich, daß sie noch nicht das Rechnen mit dem Film hineingebracht haben! Und nun kommt die Anthroposophie und verlangt: Ihr sollt überhaupt nicht so untätig dasitzen, sondern mit euren verflixten Schädeln mitmachen! — Und das will man nicht.
[ 49 ] One arrives at a completely different way of viewing man in relation to the universe than when one simply says that God created the world and man—a concept that doesn't require much thinking. But anthroposophy wishes to begin to think something in every instance. This is held against it. Why? Well, it takes no effort to say words that don't require thinking. In anthroposophy, however, one must exert oneself, and this makes people angry. One needn't strain oneself in today's science. All of a sudden here comes this upstart, anthroposophy, and one cannot sit as if in the cinema thoughtlessly watching a movie. People would even like to introduce movies into schools so that children wouldn't have to make an effort to learn. I am surprised that arithmetic has not been made into movies yet! Then along comes anthroposophy demanding that you don't sit around so idly but put your confounded skulls to use! And, that, no one wants to do.
