Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Rhythms in the Cosmos and in the Human Being
GA 350

28 June 1923, Dornach

Translate the original German text into any language:

8. Ausbildung eines selbständigen Denkens und des Rückwärtsdenkens

The Development of Independent Thinking and the Ability to Think Backward

[ 1 ] Es sind einige Fragen da, die mir das letzte Mal gegeben wurden und die ich in einer etwas anderen Reihenfolge beantworten werde, als sie hier gestellt worden sind. Die Fragen sind also:

[ 1 ] A few questions were put to me last time. I will now answer them, but in a somewhat different order than they were asked. The questions are:

[ 2 ] Wie kann man in bezug auf Welt- und Lebensanschauung zum Schauen der Weltgeheimnisse kommen?

[ 2 ] What is the relationship between coming to see the secrets of the universe and one's conception of the world and of life?

[ 3 ] Wie weit hat der Mensch zu gehen, bis er auf dem Weg der Naturwissenschaften höhere Welten finder?

[ 3 ] How far must one go before one finds higher worlds on the path of natural science?

[ 4 ] Haben die Kräfte in dem Weltenall auf die ganze Menschheit Einfluß?

[ 4 ] Do the forces from the cosmos influence the whole of humanity?

[ 5 ] Welche Beziehung haben die Pflanzen zum Menschen, zum menschlichen Leib?

[ 5 ] What connection do plants have with the human being and the human body?

[ 6 ] Nun, ich möchte das so einrichten — es sind natürlich sehr komplizierte Fragen —, daß die Antwort sozusagen nach und nach herauskommt. Anders kann man das nämlich nicht machen bei so komplizierten Fragen. Denn wenn zum Beispiel gefragt wird: Wie kommt man zum Schauen der Weltengeheimnisse? — so heißt das ja: Wie kommt man zu der wirklichen geistigen Wissenschaft. — Nun, das ist etwas, was Sie sich heute natürlich nicht leicht vorstellen müssen. Denn die Sache ist ja so, daß die meisten Menschen, wenn sie davon hören, daß es so etwas wie eine Anthroposophie oder eine geistige Wissenschaft gibt, denken: Nun werde ich mir auch einmal die Fähigkeit aneignen, das Geistige zu schauen. In acht Tagen werde ich damit wohl fertig sein, und dann werde ich alles das ja wohl auch selber wissen können.

[ 6 ] These are, of course, very complicated questions and so I would like to organize my remarks in such a way that the answers emerge gradually. One cannot do otherwise with such complicated questions because if you ask, How can I come to see the secrets of the universe?—this means, How can I arrive at a true spiritual science? Now, you must not imagine that this is something easy to do nowadays. Most people, when they hear that something like Anthroposophy or spiritual science exists, think to themselves: Very well, if that is so, I too will acquire for myself the capacity to see the spirit. I will manage it within a week then I will be able to know everything for myself.

[ 7 ] Nun, so einfach verhält sich die Sache natürlich nicht, sondern man muß sich darüber klar sein: Zu der gewöhnlichen Naturwissenschaft gehört doch im Grunde recht viel. Schon wenn man die allereinfachsten Beobachtungen anstellen will in der Naturwissenschaft, so gehört dazu zuerst, daß man lernt, wie man die Instrumente gebraucht. Es ist natürlich verhältnismäßig leicht, ein Mikroskop zu gebrauchen, aber um mit einem Mikroskop in der richtigen Weise etwas zu erforschen, kann man ja nicht einfach sagen: Ich werde jetzt ein Stück Muskel oder so etwas unters Mikroskop legen und dann werde ich hineinschauen, und dann weiß ich, was da drinnen vorgeht. — Wenn Sie es so machen würden, so würden Sie natürlich gar nichts sehen. Denn es handelt sich darum, daß man, wenn man unter einem Mikroskop etwas sehen will, zuerst feine Schnitte machen muß. Also ein Stück Muskel nützt gar nichts, sondern es handelt sich darum, daß man mit einem feinen Rasiermesser einen dünnen Schnitt macht, dann ganz wenig manchmal entfernt und wiederum einen feinen Schnitt macht, so daß man eine ganz dünne Schichte kriegt. Und zumeist kann man auch damit noch gar nichts erreichen. Denn wenn Sie so eine ganz dünne, sagen wir, Muskel- oder Zellschichte unters Mikroskop legen und hineinschauen, sehen Sie auch meistens gar nichts. Dasjenige, was Sie tun müssen, ist, sich zu fragen: Wie kann ich das, was ich unter dem Mikroskop gar nicht sehe, sichtbar machen? — Und da muß man es oftmals mit gewissen Farbstoffen durchdringen, so daß man es erst sichtbar macht dadurch, daß man Farbstoffe hineinbringt. Und dann muß man sich klar darüber sein, jetzt hat man die Sache etwas verändert. Man muß wiederum wissen, wie die Sache ist, wenn man sie nicht verändert. Das sind aber alles noch sehr einfache Sachen. Auch wenn Sie mit dem Teleskop die Sterne untersuchen wollen, müssen Sie erst die Handhabung des Teleskopes lernen. Allerdings, das ist ja noch einfacher. Sie wissen, daß es herumziehende Leute gibt, die einem auf der Straße ein Fernrohr aufstellen. Allein das hilft Ihnen auch nicht viel, Es hilft Ihnen nur, wenn Sie wissen: da müssen Sie wieder ein Mikroskop dazu haben und eine Uhr, die Sie erst handhaben müssen und so weiter. — Also das sind nur Beispiele, durch die ich Ihnen veranschaulichen möchte, wie kompliziert es ist, die einfachsten Dinge in der sinnlich-physischen Welt zu untersuchen.

[ 7 ] Needless to say, it is not as simple as that. One has to realize that a great deal is required to master even ordinary science. In order to undertake the simplest observations, one must first learn how to use the instruments. Of course it is comparatively easy to use a microscope, but if one wants to investigate something with the help of a microscope one cannot simply say: I will now put a piece of muscle or the like under the microscope and look into it; then I will know what goes on in the muscle. If you were to proceed like that, you would see nothing. To see something under a microscope, one must first prepare the slides. A piece of muscle is no use by itself: one must make very thin slices with a fine razor, and sometimes a little must be removed and another cut made so that finally one has a very thin film. And very often even then the microscope does not help. For if you have such a sliver of muscle or cell under the microscope, you will probably still see nothing. What one must do is ask oneself: How can I make visible what is under the microscope? Then, often, what one must next do is color what one wants to see with certain dyes to make it visible. But then one must realize one has changed something. One has to know how it would be if one had not changed it. But these things are still really quite simple. If one wants to observe the stars with a telescope one must first learn how to handle a telescope, although this is much simpler than a microscope. You know there are people who set up telescopes in the streets for people to look through. By itself, this does not help much. For this again requires lenses and a clock, which in turn one must then also learn to handle, etc. These are only examples to show you how complicated it is to investigate the simplest things in the physical world.

[ 8 ] Nun ist es für die Forschungen in der geistigen Welt wahrhaftig noch viel schwerer. Da muß man viel mehr Vorbereitungen dazu machen. Die Leute stellen sich so vor, das könne man in acht Tagen lernen. Das ist eben nicht der Fall. Sondern da muß der Mensch vor allen Dingen darauf bedacht sein, daß er ja etwas, was in ihm ist, erst in Tätigkeit bringen muß. Was fortwährend eigentlich nicht in Tätigkeit ist, das muß er erst in Tätigkeit bringen.

[ 8 ] Now, to investigate the spiritual world is really much more difficult, for more preparation is necessary. People imagine they can learn to do it in a week. But this is not so. Above all, one must realize that one has to activate something one has within oneself. What ordinarily is not active must be made active.

[ 9 ] Damit Sie sehen, wie die Dinge eigentlich sind, möchte ich Ihnen zunächst folgendes sagen. Sie wissen ja, gerade bei solchen Forschungen, die in die geistige Welt hineingehen, und auch in der gewöhnlichen Wissenschaft, muß man vielfach von der Erkenntnis dessen ausgehen, was nicht normal ist. Sie lernen die Dinge erst richtig kennen, wenn Sie das Nicht-Normale kennengelernt haben. Ich habe Ihnen das ja schon einmal an bestimmten Beispielen gezeigt. Wir müssen das schon deshalb betrachten, weil ja die Menschen in der Welt draußen oftmals denjenigen, der in der geistigen Welt forscht, auch wenn er noch'so normal ist, doch verrückt nennen. Also wir müssen uns schon darauf einlassen, die Dinge ein bißchen so zu untersuchen, daß wir zuletzt eben auf die Wahrheit kommen. Sie müssen natürlich nicht glauben, daß man dadurch etwas erreichen kann, daß man ins Nicht-Normale, ins Krankhafte hineinschaut, aber lernen kann man daran viel.

[ 9 ] To make things clear for you I must explain that in all investigation of the spiritual world, as in normal science, one must frequently start with some knowledge of what is not normal. You can only learn how things really are if you know how they are when they are not normal. I once gave you a particular example of this. We have to consider this because people in the outside world call people mad who investigate the spiritual world, however normal they may be. We must therefore set about our investigations in such a way that in the end we arrive at the truth. Of course one must not think one can achieve anything by concerning oneself overmuch with what is diseased and abnormal, but one can learn much from it.

[ 10 ] Es handelt sich zum Beispiel darum, daß es ja Leute gibt, die dadurch nicht normal sind, daß man sagt, sie seien geistesgestört. Was heißt das eigentlich, ein Mensch sei geistesgestört? Es gibt kein schlechteres Wort auf der Welt als dieses «geistesgestört», weil der Geist ja niemals gestört sein kann. Der Geist kann nämlich gar nicht gestört sein! Nehmen Sie zum Beispiel folgenden Fall: Wenn ein Mensch, wie man sagt, zwanzig Jahre geistesgestört ist — solche Dinge kommen vor — und nachher wird er wiederum normal, was tritt da eigentlich ein? — Nun, nicht wahr, es kann eintreten, daß dieser Mensch zwanzig Jahre hindurch behauptet, er würde von anderen verfolgt; er leidet, wie man sagt, an Verfolgungswahn. Oder aber es tritt das ein, daß er, sagen wir, allerlei Gespenster sieht, die nicht da sind und so weiter. Das kann also zwanzig Jahre dauern. Nun, meine Herren, es kann einer, der zwanzig Jahre in dieser Weise geistesgestört ist, durchaus wiederum gesund werden. Aber Sie werden immer eines bemerken: Wenn einer drei, fünf oder zwanzig Jahre, wie man sagt, geistesgestört ist und er wird nachher wieder gesund, so ist er nicht mehr ganz derselbe wie früher. Vor allen Dingen werden Sie folgendes bemerken. Er sagt Ihnen, nachdem er wieder gesund geworden ist: Ja, ich habe in der Zeit, in der ich krank war, fortwährend in die geistige Welt hineinschauen können. — Er erzählt Ihnen alle möglichen Wahrnehmungen aus der geistigen Welt. Und geht man dann mit den Erkenntnissen, die man als ein vollständig Gesunder von der geistigen Welt erlangt, seinen Erzählungen nach, so ist es zwar so, daß er manchen Kohl sagt, aber anderseits auch viel Richtiges. Also das ist das Merkwürdige: Es kann einer durch Jahre hindurch geistesgestört sein, wieder gesund werden, und dann erzählt er einem, er ist da in der geistigen Welt drinnen gewesen, hat das und das erlebt. Und wenn man selbst die Sache kennt als gesunder Mensch, so muß man ihm für vieles recht geben.

[ 10 ] For instance, there are people who are not normal because they are, as is said, mentally deranged. What does this mean? There is no worse word in the world than "mentally deranged" (geistesgestört) for the spirit can never be deranged. Consider the following case for instance: If somebody is deranged for twenty years—this happens—and afterward recovers, what has occurred? Perhaps for twenty years this person says that he is being persecuted by others—that he suffers, as one says, from paranoia—or he says that he sees all kinds of specters and apparitions which are not there, etc. This can continue for twenty years. Now somebody who has been deranged for twenty years can become normal again. But in these cases you will always notice one thing. If someone was deranged for three, five or twenty years and recovers, he will not be quite the same as he was before. Above all you will notice that he will tell you, after he has recovered, that throughout the time he was ill he was able to look into the spiritual world. He will tell you all sorts of things that he saw in the spiritual world. If one then pursues the matter with the knowledge one has gained of the spiritual world as a completely healthy person, one finds that some of what he says is rubbish but. that also much of it is correct. This is what is so strange, someone can be deranged for twenty years, recover, and then tell you that he has been in the spiritual world and has experienced these things. And if one knows the spiritual world as a healthy, normal person, one must admit that he is right in many instances.

[ 11 ] Wenn Sie mit einem reden während der Zeit, in der er geistesgestört ist, wird er Ihnen niemals irgend etwas Vernünftiges erzählen können. Da erzählt er Ihnen eben den Kohl, den er da erlebt. Es ist nämlich gar nicht so, daß solche Menschen, die durch Jahre hindurch geistesgestört sind, während ihrer sogenannten Geisteskrankheit diese Dinge erlebt haben. Da haben sie gar nichts von der geistigen Welt erlebt. Aber hinterher, wenn sie wieder gesund geworden sind und in einer gewissen Weise zurückschauen können in die Zeit, wo sie nicht gesund waren, da kommt ihnen dasjenige, was sie gar nicht erlebt haben während der Krankheit, dann vor wie Blicke in die geistige Welt hinein. Eigentlich tritt also dieses Bewußtsein: Ich habe viel von der geistigen Welt gesehen —, erst ein in dem Momente, wo die Leute wieder gesund werden.

[ 11 ] If you speak to him during his mental ill-ness, he will never be able to tell you anything sensible. He will tell you the nonsense he experiences. People who are mentally disturbed over a long period do not actually experience the spiritual world during their illness. They have not experienced anything of the spiritual world. But after they have recovered they can, in a certain way, look back to the time they were ill, and what they have not experienced appears to them like glimpses into the spiritual world. This conviction that they have seen much of the spiritual world only appears when they have recovered.

[ 12 ] Sehen Sie, daraus kann man nämlich außerordentlich viel lernen. Daraus kann man lernen, daß der Mensch etwas in sich hat, was er während der Zeit, in der er geistig krank war, überhaupt nicht benutzt hat. Aber das war da, das hat gelebt. Und wo war das? Er hat nichts gesehen von der äußeren Welt, denn er kann Ihnen erzählen: Der Himmel ist rot, und die Wolken sind grün — alles mögliche. Er sieht gar nichts ordentlich in der äußeren Welt. Aber dieser tiefere Mensch, der in ihm sitzt, den er gar nicht gebrauchen kann während seiner Krankheit, der ist in der geistigen Welt. Und wenn er dann selber wiederum sein Gehirn gebrauchen kann und zurücksehen kann auf dasjenige, was dieser geistige Mensch erlebt hat, dann kommen ihm die geistigen Erlebnisse.

[ 12 ] One can learn much from this. One can learn that the human being contains something that is not used at all during the time he or she is insane. But it was there, it was alive. And where was it? It was not in the outer world for the person told you that the sky was red and the clouds green—all kinds of things. The sick one saw nothing properly in the outer world, But the inner being, which the person cannot use in the deranged state, is in the spiritual world. When he or she can use the brain again and can look back on what the spiritual being lived through, then spiritual experiences come.

[ 13 ] Wir sehen daraus, daß der Mensch, während er in dem Zustand ist, den man geisteskrank nennt, da mit seinem geistigen Teil gerade in der geistigen Welt lebt. Der ist sehr gesund, der geistige Teil. Was ist denn krank bei einem Geisteskranken? Ja, bei einem Geisteskranken ist nämlich der Körper krank, und der Körper kann die Seele und den Geist eben nicht benützen. Bei einem, von dem man sagt, er ist geisteskrank, ist immer irgend etwas im Körper krank, und wenn das Gehirn krank ist, kann man natürlich nicht ordentlich denken. Man kann auch nicht ordentlich fühlen, wenn die Leber krank ist.

[ 13 ] From this we see that a human being who is mentally ill lives spiritually in the spiritual world. The spirit in the person is perfectly healthy. What, then, is ill in a mentally ill patient? It is, in fact, the body: the body cannot use the soul and spirit. When a person is called mentally ill, there is always something ill in the body, and obviously when the brain is ill one cannot think properly. In the same way, when the liver is ill, one cannot feel properly.

[ 14 ] Und so kommt es, daß eigentlich «geisteskrank» der schlechteste Ausdruck ist, den man wählen kann, denn «geisteskrank» heißt nicht, der Geist ist krank, sondern geisteskrank heißt: Der Körper ist so krank, daß er den Geist, der immer gesund ist, nicht benützen kann. Vor allem müssen Sie sich klar sein darüber, daß der Geist immer gesund ist. Nur der Körper kann krank werden und den Geist dann nicht in richtiger Weise benützen. Wenn einer ein krankes Gehirn hat, so ist es gerade so, wie wenn einer einen Hammer hat, der bei jedem Schlag abbricht. Wenn ich zu dem, der keinen Hammer hat, sage: Du bist ein fauler Kerl, du kannst überhaupt nicht klopfen — so ist das natürlich ein Unsinn, Der kann ganz gut klopfen, aber er hat keinen Hammer zum Klopfen. So ist es ein Unsinn, wenn man sagt, jemand sei geisteskrank. Der Geist ist vollkommen gesund, aber er hat nicht den Körper, durch den er wirken kann.

[ 14 ] This is why "mentally ill" (geisteskrank) is the most incorrect expression that one can use, for "mentally ill" does not mean that the spirit (geist) is ill. It means the body is so ill that it cannot use the spirit which is always healthy. Above all you must be quite clear that the spirit is always healthy. Only the body can become ill, with the result that it cannot use the spirit in the right way. When someone has a diseased brain it is like having a hammer that breaks with every blow. If I say to someone who does not have a hammer, You are a lazy fellow, you are not even able to strike a blow—then this is, of course, nonsense. He could well strike a blow but he does not have a hammer. It is therefore nonsense to say someone is mentally ill. The spirit is perfectly healthy, only it lacks the body through which to act.

[ 15 ] Dasjenige, was man auf diese Weise lernen kann, das zeigt sich nun ganz besonders dann, wenn man nachdenkt darüber, wie es sich eigentlich mit unserem Denken verhält. Aus dem, was ich Ihnen gesagt habe, werden Sie ersehen, daß man zwar den Geist hat, aber zum Denken ein Werkzeug braucht, das Gehirn. Zum Denken in der physischen Welt braucht man das Gehirn. Es ist gar keine Kunst, wenn der Materialismus sagt, man brauche das Gehirn. Selbstverständlich braucht man das Gehirn. Aber es besagt nichts über den Geist, wenn er es so behauptet. Außerdem ersehen Sie daraus, daß sich der eigentliche Geist im Menschen ganz zurückziehen kann. Beim Geisteskranken zieht sich der eigentliche Geist ganz zurück. Und es ist wichtig, daß man das weiß, weil man dadurch erst einsehen lernt, daß die Menschen in der heutigen Zeit — jetzt werde ich Ihnen etwas sagen, was Sie sehr erstaunen wird, aber es ist so — überhaupt nicht denken können. Sie bilden sich ein, daß sie denken können, aber sie können es gar nicht. Ich will ihnen zeigen, warum die Menschen nicht denken können.

[ 15 ] A good example of what one can learn in this way comes from considering how our thinking works. From what I have told you, you will see that, though one has the spirit, one needs a tool for thinking, and this is the brain. In the physical world one needs the brain. It is not particularly clever of materialism to say one needs a brain. Obviously one needs a brain. But this postulate explains nothing about the spirit. We can also learn that the spirit can completely withdraw itself. In the case of mental illness the spirit does withdraw completely. And it is important to know this, because this shows that people today—and now I am going to tell you something that will really surprise you—cannot think at all. They delude themselves that they can think, but they cannot. I will show you why people cannot think.

[ 16 ] Sie werden sagen: Ja, die Menschen gehen doch auf die Schulen, heute lernt man in der Volksschule schon ganz wunderbar denken! Gewiß, das schaut so aus. Dennoch können die heutigen Menschen gar nicht denken. Es sieht nur so aus, als ob sie denken könnten. Nicht wahr, in der Volksschule haben wir Volksschullehrer. Die Volksschullehrer haben wiederum etwas gelernt, angeblich haben sie auch denken gelernt. Diejenigen, von denen sie wieder gelernt haben, sind, wie man in Stuttgart sagt, «Großkopfete»; also das sind ganz furchtbar weise Menschen nach der heutigen Ansicht. Die haben Hochschulstudium durchgemacht. Bevor sie Hochschulstudium gemacht haben, haben sie das Gymnasium oder etwas ähnliches durchgemacht, und da haben sie Latein gelernt. Wenn Sie nämlich so ein bißchen herumgucken, werden Sie zwar sagen können: Ja, mein Lehrer, der hat nicht Latein gekonnt! — Aber der hat ja wiederum von einem gelernt, der doch Latein gekonnt hat! Daher ist auch das, was Sie gelernt haben, abhängig von der lateinischen Sprache, und alles, was man heute lernt, ist abhängig von der lateinischen Sprache. Sie können das schon daraus sehen, daß, wenn Ihnen einer ein Rezept ausstellt, er es lateinisch schreibt. Das rührt noch her von den Zeiten, wo man überhaupt alles lateinisch geschrieben hat. Es ist noch nicht lange her, dreißig, vierzig Jahre, da wurde verlangt, daß jeder, der an der Hochschule war, seine Prüfungsarbeit in der lateinischen Sprache schrieb.

[ 16 ] You will object: But people go to school; nowadays one already learns to think quite well even in grade school. So it seems, at least. Nevertheless, people today cannot think at all. It only appears as if they could. In grade school we have grade school teachers. These have also learned something; ostensibly they have also learned to think. Those from whom they have learned have, as one says in Stuttgart, "swollen heads." These are very clever people according to present ideas. They have been to a university. Before they went to university they went to high school. There they learned Latin. If you think back a bit you might say: But my teacher did not know Latin. Perhaps not, but he learned from teachers who did. And what they learned was entirely under the influence of the Latin language. Everything one learns today is under the influence of the Latin language. You can see this from the fact that when someone gives you a prescription, he writes it in Latin, It stems from the time when everything was written in Latin. It is not so long ago, only thirty to forty years, that if one went to university one was obliged to write one's thesis in Latin.

[ 17 ] Also alles, was man heute lernt, ist abhängig von der lateinischen Sprache. Und das ist dadurch so geworden, daß man im Mittelalter, wenn man zurückgeht ins 14., 15. Jahrhundert — das ist also noch gar nicht so lange her —, alles lateinisch vorgetragen hat. Der erste, der zum Beispiel deutsch in Leipzig vorgetragen hat, ist ein gewisser Thomasins. Das ist noch nicht lange her, das war im 17. Jahrhundert. Überall wurde lateinisch vorgetragen. Derjenige, der etwas gelernt hat, ging durch die lateinische Sprache hindurch, und im Mittelalter war überhaupt all das, was man lernen konnte, nur lateinisch. Wenn man irgend etwas anderes lernen wollte, mußte man erst Lateinisch lernen. Sie werden sagen: Aber nicht in der Volksschule. — Aber Volksschulen gibt es ja erst seit dem 16. Jahrhundert. Erst allmählich, als die Volkssprache auch die Wissenschaft aufnahm, gab es Volksschulen. Also dasjenige, wovon unser ganzes Denken beeinflußt ist, ist die lateinische Sprache. Sie alle, meine Herren, denken so, wie die Menschen denken gelernt haben durch die lateinische Sprache. Und wenn Sie auch zum Beispiel anführen, sagen wir, die Amerikaner lernten nicht so früh Lateinisch — ja, aber die Amerikaner von heute sind ja von Europa eingewandert! Das hängt alles von der lateinischen Sprache ab.

[ 17 ] Everything one learns today is under the influence of Latin. This is because in the Middle Ages, up to the fourteenth and fifteenth centuries—this is not so long ago—all teaching was in Latin. For instance the first person to lecture in German was a certain Thomasius1Christian Thomasius (1655-1728), philosopher and jurist, delivered the first lectures in the German language at Leipzig University in 1687. in Leipzig. This was not long ago, it was in the seventeenth century. Everywhere lectures were given in Latin. Everybody who learned anything had to go through the Latin language and in the Middle Ages everything one could learn was in Latin. If one wanted to learn anything new one had to learn Latin first. You may protest: But surely not in the grade schools. But there were no grade schools before the sixteenth century. Only gradually, as the vernacular was adopted by science, did grade schools come into existence. So, you see, Latin influences our whole thinking. All of you think like people who have learned to think under the influence of Latin. And if you were to say that the Americans, for instance, could not have learned Latin so long ago—well, today's Americans emigrated from Europe! They too depended on the Latin language.

[ 18 ] Die lateinische Sprache hat aber eine ganz bestimmte Eigentümlichkeit, Sie ist nämlich so ausgebildet worden im alten Rom, daß sie selber denkt. Es ist interessant, wie der lateinische Unterricht in den Gymnasien gegeben wird. Er wird so gegeben, daß man also Latein lernt, und dann lernt man das Denken, das richtige Denken an dem lateinischen Satze. So daß also das ganze Denken abhängig wird von etwas, was gar nicht der Mensch macht, sondern was die lateinische Sprache macht. Verstehen Sie das nur, meine Herren, daß das etwas ganz Wichtiges ist! Also die Menschen, die heutzutage irgend etwas gelernt haben, denken nicht selber, sondern bei denen, wenn sie auch niemals die lateinische Sprache gelernt haben, denkt die lateinische Sprache. Deshalb ist es ja so, daß man selbständiges Denken, so kurios das ist, eigentlich heute nur noch bei manchen Menschen trifft, die nicht viel gelernt haben.

[ 18 ] Latin has a certain peculiarity. It was developed in ancient Rome in such a way that it thinks by itself. It is interesting how Latin is taught in high schools. One learns Latin; and then one learns thinking, correct thinking according to Latin syntax. So one's whole way of thinking does not depend on anything one does, but on what the Latin language does. You understand, don't you, that this is something quite significant. Anybody today who has learned something does not think for himself: the Latin language thinks in him, even if he has not learned Latin. Strange as it is, one meets independent thinking today only in the few people who have not been to school very much.

[ 19 ] Ich will damit ja nicht etwa sagen, wir sollen wiederum in den Analphabetismus zurück. Das können wir nicht. Ich will nirgends einen Rückschritt; aber dasjenige, was ist, muß man verstehen. Deshalb ist es ja so wichtig, daß man manchmal auch zurückgehen kann zu dem, was der einfache Mensch, der wenig gelernt hat, noch weiß. Er kann es ja gar nicht mehr herausbringen, weil man ihn natürlich auslacht. Aber trotzdem, es ist außerordentlich wichtig, daß man weiß: Die Menschen denken heute nicht selbst, sondern die lateinische Sprache denkt in ihnen.

[ 19 ] I am not suggesting that we return to illiteracy. We cannot do this. In no realm do I advocate going backward, but one must understand how things have become as they are. Therefore it is important to be able to go back to what the simple person knows, though he has not had much schooling. He is not very forthcoming because he is used to being laughed at. In spite of everything, it is important to know that contemporary human beings do not think for themselves, but that the Latin language thinks in them.

[ 20 ] Sehen Sie, solange man nicht selber denken kann, solange kann man überhaupt nicht in die geistige Welt hineinkommen. Jetzt haben Sie den Grund, warum sich die heutige Erkenntnis auflehnt gegen alles geistige Erkennen: weil die Leute durch die lateinische Erziehung dazu gekommen sind, nicht selber zu denken. Das ist das erste, was man lernen muß: selber denken. Die Leute haben heute ganz recht, wenn sie sagen: Das Gehirn denkt. — Warum denkt das Gehirn? Weil die lateinischen Sätze ins Gehirn hereingehen, und das Gehirn denkt ganz automatisch bei dem heutigen Menschen. Das sind Automaten der lateinischen Sprache, die herumlaufen und gar nicht selber denken.

[ 20 ] You see, as long as one cannot think for oneself, one can in no way enter the spiritual world. This is the reason why modern science is opposed to all spiritual knowledge; because through Latin education people can no longer think for themselves. This is the first thing to learn—independent thinking. People are quite right when they say: the brain thinks. Why does the brain think? Because Latin syntax goes into the brain and the brain thinks quite automatically in modern humanity. What we see running round the world are automatons of the Latin language who do not think for themselves.

[ 21 ] In der letzten Zeit ist nämlich etwas geschehen, was ganz merkwürdig ist. Ich habe es Ihnen schon das letzte Mal angedeutet, aber Sie werden es nicht bemerkt haben, weil es nicht so leicht zu bemerken ist. In der letzten Zeit ist nämlich etwas ganz Besonderes geschehen. Nicht wahr, wir haben in uns unseren physischen Körper, außerdem unseren Ätherkörper und die anderen auch noch, davon will ich jetzt nicht reden. Nun, das Gehirn gehört natürlich zum physischen Körper, aber es ist der Ätherkörper auch im Gehirn darin, und selbst denken kann man nur mit dem Ätherkörper. Man kann nicht mit dem physischen Körper selbst denken. Aber denken kann man mit dem physischen Körper, wenn es so ist wie bei der lateinischen Sprache: daß das Gehirn wie ein Automat benutzt wird, wenn man mit dem Gehirn denkt. Aber solange man bloß mit dem Gehirn denkt, kann man ja nichts Geistiges denken. Da muß man anfangen mit dem Ätherkörper zu denken, mit dem Ätherkörper, der bei dem, der geisteskrank ist, durch viele Jahre oft nicht benutzt wird. Das muß man in innere Tätigkeit bringen.

[ 21 ] In recent years something remarkable has happened. I hinted at it last time, but you may not have noticed it, because it is not easy to see. Something remarkable has happened in recent years. Now, as you know, besides the physical body, we have the etheric body. (I will not speak for the moment of the rest.) The brain belongs to the physical body. The etheric body is also in the brain and one can only think independently with the etheric body. One cannot think independently with the physical body. One can think with the physical hotly only when—as with Latin—the brain is used like an automaton. But as long as one only thinks with the brain, one cannot think anything spiritual. To think something spiritual one must start to think with the etheric body—with the etheric body which, in the case of the mentally ill, is often not used for years. It has to be awakened to an inner activity.

[ 22 ] Aber das ist es, worauf es zuallererst ankommt: daß man selbständig selber denken lernt. Ohne daß man selbständig selber denken kann, kann man nicht in die geistige Welt hineinkommen. Dazu ist natürlich notwendig, daß man überhaupt zuallererst darauf kommt: Donnerwetter, du hast ja in deiner Jugend gar nicht selber denken gelernt! Du hast nur gelernt, das zu denken, was seit Jahrhunderten durch den Gebrauch der lateinischen Sprache gedacht worden ist. — Und wenn man dies in der richtigen Weise weiß, dann weiß man, daß die allererste Bedingung, auf die es ankommt zum Hineinkommen in die geistige Welt, ist: Lerne selbständig denken.

[ 22 ] This is the first thing one has to learn: to think independently. Without independent thinking, one cannot enter the spiritual world. But it is, of course, necessary first of all to find out that one has not learned to think for oneself in one's youth! One has only learned to think what has been thought for centuries through the use of the Latin language. And if one really grasps this then one knows that the first condition for entry into the spiritual world is this: Learn to think independently!

[ 23 ] Aber jetzt kommt das, worauf ich hindeuten wollte, indem ich sagte, in der letzten Zeit ist etwas Merkwürdiges vorgekommen. Diejenigen Menschen, die am meisten nur nach dem Lateinischen gedacht haben, das waren ja die Gelehrten, und die Gelehrten haben zum Beispiel die Physik gemacht. Die Physik haben sie ausgedacht, sie haben sie gedacht ganz im Sinne der lateinischen Sprache mit dem physischen Gehirn. Als wir klein waren, als ich so alt war wie zum Beispiel da der junge Erbsmehl, da haben wir nur eine Physik gelernt, die ausgedacht worden ist mit dem lateinischen Gehirn. Nur das haben wir ja gelernt, was ausgedacht worden ist mit dem lateinischen Gehirn. Aber seither, meine Herren, ist ja ungeheuer viel geschehen. Sehen Sie, als ich klein war, kam eben das Telephon auf. Es war ja vorher nicht da. Nachher kamen alle die anderen großen Erfindungen, in die heute der Mensch schon so hineinwächst, als wenn sie immer dagewesen wären. Die sind ja erst in den allerletzten Jahrzehnten gekommen. Dadurch sind immer mehr Leute in die Wissenschaft hineingekommen, die nicht lateinisch dressiert worden sind. Das ist solch eine merkwürdige Geschichte. Wenn man nämlich dem wissenschaftlichen Leben in den letzten Jahrzehnten nachgeht, so findet man, daß immer mehr solche Techniker hineinkommen in die Wissenschaft. Die haben sich nicht viel mit dem Lateinischen befaßt. Dadurch ist ihr Denken nicht so automatisch geworden. Und dieses nichtautomatische Denken ist dann auch auf die anderen übergegangen. Daher ist es heute so, daß die Physik lauter Begriffe, Ideen hat, die zerfallen. Die sind höchst interessant. Da ist zum Beispiel der Professor Gruner in Bern, der vor zwei Jahren über die Neuorientierung der Physik gesprochen hat. Da hat er gesagt: Alle Begriffe sind anders geworden in den letzten Jahren.

[ 23 ] Now we come to what I wanted to point out when I said that in recent times something remarkable has happened. The people who, more than anyone else, thought along Latin lines were the people of learning—those who, for instance, created physics. They worked it out with thoughts derived from Latin and with the physical brain. When we were small, when I was about as old as young E. here, we learned physics which was worked out with a Latin brain. We only learned what was thought out with a Latin brain. Since then a lot has happened. When I was small the telephone was just being invented. Until then it did not exist. After this followed all the other great inventions that everyone now takes for granted as if they had always been there. They only appeared in the last decades. This caused more and more people to become involved in science who were not Latin trained. This is rather a strange thing. When one looks into the scientific life of the last decades one finds more and more technicians of this kind involved in science. These people had not had much to do with Latin and so their thinking did not become so automatic. And this non-automatic thinking was then picked up by others. This is why today physics is full of concepts and ideas that fall apart. They are most interesting. There is, for instance, Professor Gruner2Dr. P. Gruner, Professor of Theoretical Physics, gave the Presidential Address, entitled New Guidelines for Physics (1922)," at the eighty-seventh Founder's Day celebration of the University of Bern on the 26 November, 1921. in Bern who two years ago spoke about the new direction in physics. He said that all the concepts have changed in the last years.

[ 24 ] Daß man das nicht bemerkt, kommt eben nur davon her, daß, wenn Sie heute in populäre Vorträge gehen, Ihnen die Leute noch das erzählen, was man vor zwanzig Jahren gedacht hat! Das was heute gedacht wird, das können sie Ihnen nicht erzählen, weil sie selber noch nicht denken können. Es ist nämlich gerade so, wenn man die Begriffe nimmt, die man noch vor dreißig Jahren hat gelten lassen, wie wenn man ein Stückchen Eis hat und das zerschmilzt: die Ideen zerschmelzen. Sie sind nicht mehr da, wenn man sie genau denken will. Wir müssen das eben einsehen. Es ist ja so: Wenn einer vor dreißig Jahren Physik gelernt hat und heute sich anschaut, wie es geworden ist, möchte er sich die Haare ausraufen, weil er sich sagen muß: Ja, da komme ich nicht zu Rande mit den Begriffen, die ich gelernt habe! — Dies ist eben so. Und woher rührt das? Ja, das rührt eben davon her, weil in den letzten Jahren die Menschen durch die Entwickelung der Menschheit dazu gebracht worden sind, daß der Ätherleib anfangen soll zu denken. Und das wollen sie nicht, sie wollen mit dem physischen Leib weiter denken. Aber im physischen Leib fallen einem die Begriffe ganz auseinander. Und mit dem Ätherleib wollen sie nicht denken lernen. Selbständig denken wollen sie nicht lernen.

[ 24 ] The reason that one does not notice this is because if you listen to lectures on popular science people tell you what was thought twenty years ago. They cannot tell you what is thought today because they themselves cannot think yet. If you take the thoughts of thirty years ago as valid, it is just like taking a piece of ice and melting it; the ideas melt away. They are no longer there if one wants to follow them exactly. We must see this. If someone learned physics thirty years ago, and sees what has become of it today, he wants to tear his hair out, because he has to confess: I cannot handle all this with the concepts I have learned. This is how it is. And why? Because in recent years, through the development of humanity, the human being has reached the point when the etheric body is supposed to begin to think, and human beings do not want this to happen. They want to go on thinking with the physical body. The concepts fall apart in the physical body, and yet human beings do not want to learn to think with the etheric body. They do not want to think independently.

[ 25 ] Nun, sehen Sie, da ist es eben so, daß es notwendig geworden ist, daß ich im Jahre 1893 dieses Buch geschrieben habe über die Philosophie der Freiheit. Dieses Buch, «Die Philosophie der Freiheit», ist nicht so wichtig durch das, was drinnen steht. Natürlich, das, was drinnen steht, das wollte man schon auch dazumal der Welt sagen, aber das ist nicht das Allerwichtigste, sondern das Wichtige bei diesem Buche «Die Philosophie der Freiheit» ist, daß zum ersten Mal ganz und gar selbständiges Denken in diesem Buche ist. Kein Mensch kann das Buch verstehen, der nur unselbständig denkt. Er muß sich Seite für Seite, ganz von Anfang an, daran gewöhnen, zurückzugehen zu seinem Ätherleib, um solche Gedanken überhaupt haben zu können, wie sie in diesem Buche sind. Deshalb ist dieses Buch ein Erziehungsmittel — es ist ein schr wichtiges Erziehungsmittel —, und als solches muß man es auffassen.

[ 25 ] Now you see why, in the year 1893, it became necessary for me to write the book The Philosophy of Spiritual Activity,3The Philosophy of Spiritual Activity (also called The Philosophy of Freedom). First published in German in 1894 and in English in 1916, this basic work of Rudolf Steiner exists at present in two English editions: Anthroposophic Press, Hudson, New York, 1986 (translated by William Lindemann) and Rudolf Steiner Press, London, 1988 (translated by Rita Stebbing). It is not the contents of this book that are so important, though obviously at that time one wished to tell the world what is said in it, but the most important thing is that independent thinking appeared in this book for the first time. No one can possibly understand this book who does not think independently. From the beginning, page by page, a reader must become accustomed to using his etheric body if he would think the thoughts in this book at all. Hence this book is a means of education—a very important means—and must be taken up as such.

[ 26 ] Als das Buch erschienen war in den neunziger Jahren, da haben die Leute überhaupt nicht gewußt, was sie mit ihm machen sollen. Das ist für sie so gewesen, wie wenn einer in Europa chinesisch schreibt und kein Mensch das verstehen kann. Es war ja natürlich deutsch geschrieben, aber es war in Gedanken geschrieben, die den Leuten gar nicht gewohnt waren, weil in dieser Beziehung alles Lateinische ganz absichtlich abgestreift ist. Es ist zum ersten Male ganz bewußt Rücksicht darauf genommen: Da drinnen sollen keine Gedanken sein, die noch durchs Lateinische beeinflußt sind, sondern nur ganz selbständige Gedanken. Ein Lateiner ist ja nur das physische Gehirn. Der Ätherleib des Menschen ist kein Lateiner. Daher muß man sich erst bemühen, in einer Sprache solche Gedanken auszudrücken, wie man sie dann hat, wenn man sie im Ätherleib hat.

[ 26 ] When this book appeared in the nineties people did not know at all what to make of it. It was as if someone in Europe wrote Chinese and no one could understand it. It was of course written in German, but people were completely unaccustomed to the thoughts expressed in it, because all connection with Latin was purposely cast off. For the very first time, quite consciously, it was intended that there should be no thoughts in it that are influenced by Latin, but only independent thoughts. Only the physical brain is a Latin scholar. The etheric body is no Latin scholar. And therefore one has to try to express such thoughts in a language one can only have in the etheric body.

[ 27 ] Ich will Ihnen noch etwas sagen. Natürlich bemerkten die Menschen, daß in den letzten Jahrzehnten die Begriffe alle anders geworden sind. Als ich eben noch jung war, da kam der Professor, schrieb die ganze Tafel voll. Das mußte man lernen, und dann machte man ein gutes Examen. Na, schön! Und jetzt, in den letzten Jahren sind die Leute darauf gekommen, was eben dieser Gruner gesagt hat bei seiner Rektoratsrede: Alle unsere Begriffe hätten ja keinen Sinn mehr, wenn es keine festen, sondern nur flüssige Körper geben würde. — Er stellt sich vor, daß die ganze Welt ein flüssiger Körper wäre. Dann aber hätten die Begriffe alle keinen Sinn mehr, dann müßte man ganz anders denken, sagt er.

[ 27 ] I will tell you something else. People have noticed, of course, that concepts have changed in the last decades. When I was young the professor filled the whole blackboard with writing. You had to learn it all and then you did well in your exams. But recently, people have begun to notice what Gruner said in his inaugural lecture: none of our concepts would remain valid if there were no solid bodies, only fluids. If the whole world were liquid, as Gruner imagined in his lecture, then our concepts would be invalid and we would have to think quite differently.

[ 28 ] Ja, natürlich müßte man anders denken, wenn kein fester Körper mehr da wäre! Dann könnten Sie mit all den Begriffen, die Sie in der Schule gelernt haben, nichts mehr anfangen. Wenn Sie also, sagen wir, als Fisch plötzlich ganz gescheit würden und es käme Ihnen die Idee, Sie sollten als Fisch auf eine menschliche Hochschule gehen, dann würden Sie da etwas lernen, was es überhaupt für den Fisch nicht gibt, weil der Fisch im Wasser lebt. Er hat feste Körper nur an der Grenze, wo er antippt und gleich wieder zurückprallt. Also wenn der Fisch anfangen würde zu denken, müßte er ja ganz andere Gedanken haben als der Mensch. Aber solche Gedanken, die braucht der Mensch heute auch, weil ihm die anderen Gedanken entfallen, und er muß sich selber sagen: Donnerwetter, wenn alles flüssig wäre, müßten wir ganz andere Gedanken haben.

[ 28 ] Yes, of course one would have to think differently if there were no solid bodies. In that case you, as you sit here, could do nothing with the concepts you learned in school. If you, say, as a fish, suddenly became clever and had the idea that, as a fish, you wanted to attend a human university, then you would learn something that does not exist for a fish, because it lives in water. A fish only has a boundary sensation of a solid body; the moment it touches the body, it is immediately repulsed. So, if a fish began to think, it would have to have thoughts quite different from those a human being has. But a human being likewise needs such different thoughts, because other thoughts escape him, so that he has to say to himself: If everything were liquid I would have to have quite different thoughts.

[ 29 ] Ja aber, meine Herren, habe ich Ihnen nicht erzählt von einem Zustand der Erde, wo es noch keine festen Körper gegeben hat, wo alles flüssig war, wo selbst die Tiere so waren, daß sie flüssig waren? Ich habe Ihnen ja erzählt von diesem Zustande. Ist es Ihnen nicht begreiflich, daß das heutige Denken in diese Zustände überhaupt nicht zurückkommt? Die kann es ja nicht denken! Also kann das heutige Denken über den Weltanfang überhaupt nichts ausmachen. Und, so muß man sagen, die heutigen Menschen fangen an, sich zu denken: Donnerwetter, wenn die Welt flüssig wäre, müßten wir ganz andere Begriffe haben! — Aber in der geistigen Welt sind keine festen Körper! Also mit all den Begriffen, die die lateinische Sprache in die Menschen nach und nach hineindressiert hat, kann man überhaupt nicht in die geistige Welt hineinkommen. Die muß man sich erst abgewöhnen, diese Begriffe.

[ 29 ] Well, have I not told you about the condition of the earth when there were no solid bodies and when everything was fluid, even the animals? I have told you of this condition. Can you not then understand that present day thinking cannot reach back to these conditions? It cannot think them. So present day thinking cannot make anything of the beginning of the world. Naturally, then, a human being today begins to say to himself: Good heavens! If the world were fluid we would have to have quite different concepts. But in the spiritual world there are no solid bodies. So, with all the concepts with which Latin has gradually schooled us, we are unable to enter the spiritual world. We must wean ourselves of these concepts.

[ 30 ] Sehen Sie, das ist ja ein großes Geheimnis: Im Griechentum, das vorangegangen ist dem Lateinertum — das Lateinertum, das entstand erst fünf, sechs Jahrhunderte vor Christi Geburt, aber das Griechentum ist viel älter —, im Griechentum, da gab es noch eine Erkenntnis des Geistigen. Da konnte man noch in die geistige Welt hineinschauen. Als das Römertum gekommen ist mit der lateinischen Sprache, da wurde der Geist allmählich ausgerottet. Jetzt muß ich wiederum etwas sagen, was Ihnen sehr kurios vorkommen wird, aber Sie werden das begreifen. Wer hat sich denn der lateinischen Sprache durch die Jahrhunderte bedient, nur die lateinische Sprache gebraucht? — Die Kirche selber hat am meisten dazu beigetragen! Das ist es gerade, daß die Kirche, die vorgibt, den Menschen den Geist beizubringen, gerade am meisten dazu beigetragen hat, den Geist auszutreiben. Und im Mittelalter waren alle Hochschulen kirchlich. Natürlich muß man der Kirche dankbar sein, daß sie überhaupt die Hochschulen begründet hat im 13., 14., 15. Jahrhundert, aber sie hat sie begründet aus dem Lateinertum heraus, und das Lateinertum hat niemals die Möglichkeit, zum Geist zu kommen. Und so ist es eben gekommen, daß die Menschen allmählich nur Begriffe gehabt haben für feste Körper. Sehen Sie sich das einmal bei den Römern an: Die Römer haben diese ganz trockenen, nüchternen, ungeistigen Begriffe in die Welt eingeführt. Das hat gemacht, daß dann alles so materiell vorgestellt worden ist. Was glauben Sie, wenn noch die Griechen solch eine Handlung wie das Abendmahl geschildert hätten — ja, die hätten doch das nicht so geschildert, als ob das Materielle, das man da hat, Blut und Fleisch wäre! Das kommt ja vom Materialismus. Sogar die Abendmahlsauffassung ist materialistisch geworden, weil alles das zusammenhängt mit der lateinischen Sprache.

[ 30 ] Here is another hidden truth. In Greek times, which preceded the Latin era (the Latin era only began in the fifth or sixth century B.C. but the Greek period is much older), in Grecian times there was still a knowledge of the spirit, One could still see into the spiritual world. When Rome emerged with the Latin language, this was gradually extinguished. Now I must again say something you will find curious, but you will understand it. Who has used Latin, only Latin, throughout the centuries? More than anyone, the Church. It is precisely the Church that claims to teach humanity about the spirit that has contributed the most to drive out the spirit. In the Middle Ages all universities were ecclesiastical. Of course one must be grateful to the Church for founding the universities in the thirteenth and fourteenth centuries, but it founded them in Latin, and Latin thought has no possibility of attaining the spirit. And so it gradually came about that human beings only have concepts relating to solid bodies. Just look at the Romans, they only introduced dry, prosaic and unspiritual concepts into the world. And this was the reason that all ideas became so material. How would the Greeks have described the sacrament of the Eucharist? They would certainly not have described it as if the elements were actually blood and flesh. This stems from materialism. So even the concept of the Eucharist has become materialistic and this is connected with the Latin language.

[ 31 ] Die lateinische Sprache ist ganz nur logisch. Sehen Sie, ich habe ja mit vielen solchen Menschen gearbeitet, die eine ganz lateinische Kultur gehabt haben, trotzdem sie deutsch geredet haben. Wollte man irgend etwas klar haben, dann übersetzte man geschwind die Geschichte ins Lateinische, weil man im Lateinischen nur logisch denkt in der neueren Zeit. Aber dieses logische Denken, das bezieht sich ja eben nur auf feste Körper. Will man in die geistige Welt hinein, so braucht man flüssige Begriffe.

[ 31 ] Latin is entirely logical. I have worked with many people who were Latin in their whole attitude to life, although they spoke German. If one wanted to make something clear one quickly translated it into Latin, because since the time of Christ only in Latin does one think logically. But this logical thinking only applies to solid bodies. If one wants to enter the spiritual world one needs fluid concepts.

[ 32 ] Da gibt es zum Beispiel die Theosophische Gesellschaft. Die wollte ja auch in die geistige Welt hinein. Diese Theosophische Gesellschaft, die redet auch davon: Der Mensch hat einen physischen Leib, einen Ätherleib und so weiter — aber die sind materialistisch, denn sie denken ja nur: Der physische Leib, der ist dick, der Ätherleib ist etwas dünner und der astralische Leib noch dünner. — Aber das bleibt ja lauter Körper, das wird ja niemals Geist, weil man zu solchen Begriffen kommen muß, wenn man in den Geist hinein will, die fortwährend sich verändern. Sehen Sie, wenn ich zeichne, dann werden Sie bemerken, daß ich das selbst beim Zeichnen berücksichtige. Ich zeichne meinetwillen den physischen Leib auf; da versuche ich nachzuahmen, wie der Mensch als physischer Mensch ist. Wenn ich aber nun versuche den Ätherleib zu zeichnen, da wird es mir gar nicht einfallen, Ihnen in derselben Weise eine Figur hinzuzeichnen, sondern da versuche ich so darzustellen: Der Mensch hat auch einen Ätherleib, der dehnt sich so aus (siehe Zeichnung). — Aber Sie müssen wissen: Das ist nicht so sehr der Ätherleib, nicht so sehr, wenn ich ihn so aufzeichne, seine Abbildung, sondern das ist nur die Abbildung eines Augenblicks. Im nächsten Augenblick ist er wieder anders. — Also wenn ich den Ätherleib zeichnen wollte, müßte ich jetzt aufzeichnen, geschwind auslöschen, wieder anders aufzeichnen, wieder löschen, wieder aufzeichnen, wieder löschen. Das ist in fortwährender Bewegung. Der Mensch kommt da mit seinen Begriffen, wie er sie heute hat, diesen Bewegungen gar nicht nach. Das ist es, was Sie vor allen Dingen berücksichtigen müssen: daß die Begriffe beweglich werden müssen. Daran müssen sich die Menschen erst gewöhnen. Daher ist es notwendig, daß man heute zu ganz selbständigem Denken kommt.

[ 32 ] There is for instance the Theosophical Society. It also wanted to reach the spiritual world. The Theosophical Society says that man has a physical body, an etheric body, etc. But these people are materialistic because they think the physical body is dense, the etheric body is a little thinner and the astral body thinner still. But all these are still bodies, they never become spirit. If one wants to reach the spirit one has to find concepts which are constantly changing. Even when I draw something on the blackboard you will notice that I take this into consideration. When I draw the physical body I try to portray physical man as he is. But if I try to draw the etheric body, I would never dream of representing it in the same way. I would do it like this. The human being has an etheric body which expands. But you must know that this is not so much the etheric body, but the picture of one instant. In the next moment it is different. So if I wish to draw the etheric body, I would have to draw, quickly wipe it off, draw differently, again wipe it off, draw again and wipe it off. It is in constant movement. With the concepts we have today, we cannot catch up with these movements. This is what you have to keep in mind, concepts must become mobile. People must get into the habit of it, This is why it is necessary that thinking become completely independent.

Blackboard 1Blackboard 1

[ 33 ] Aber das genügt noch nicht, meine Herren. Ich will Ihnen noch etwas anderes sagen. Sie wissen ja: Der Mensch entwickelt sich. Nun, man beachtet gewöhnlich diese Entwickelung im Leben des Menschen nicht; aber wenn der Mensch noch ganz jung ist, beachtet man es. Man weiß ganz gut: Ein vierjähriges Kind kann noch nicht schreiben und rechnen und lesen, ein achtjähriges Kind kann es vielleicht. Da sieht man die Entwickelung. Aber im späteren Leben, wenn wir einmal «gemachte Menschen» sind, da sind wir ja überhaupt so hochnäsig, daß wir es nicht mehr zugeben, daß wir uns entwickeln. Aber wir entwikkeln uns eigentlich durch das ganze Leben, und es ist sehr eigentümlich, wie wir uns entwickeln. Sehen Sie, unsere Entwickelung, die geht nämlich so: Nehmen Sie an, wir haben den Menschen — ich will ihn ganz schematisch zeichnen —: Wenn das Kind ganz jung ist, dann geht alle Entwickelung vom Kopfe aus. Wenn man dann den Zahnwechsel durchgemacht hat, also älter geworden ist, dann geht alle Entwickelung von der Brust aus. Deshalb muß man so achtgeben, wie die Kinder vom siebenten bis vierzehnten Jahre atmen; daß sie genügend atmen und so weiter. Also das ist das Alter von dem größeren Kind — heute müßte man ja eigentlich schon anders sagen, heute lassen sich das die Kinder nicht mehr gefallen; vom vierzehnten Jahr an muß man heute schon «junge Damen» und «junge Herren» sagen. Also sagen wir: das ist das Alter der größeren Kinder. Und erst, wenn der Mensch geschlechtsreif geworden ist, geht vom ganzen Menschen, von den Gliedmaßen die Entwickelung aus. So daß wir sagen können: Wenn der Mensch geschlechtsreif geworden ist, da erst ist der Mensch selber in voller Entwickelung. — Das bleibt jetzt. Da entwickeln wir uns durch die Zwanzigerjahre, Dreißigerjahre noch hindurch. Aber, sehen Sie, meine Herren — einige von Ihnen können das ja schon an sich selbst sehen —, wenn man älter wird, dann geht manches wiederum zurück. Da geht wirklich manches zurück. Nun, das braucht ja nicht der Fall zu sein, wenn man ein geistiges Leben aufgenommen hat, aber so im normalen menschlichen Leben geht schon die Sache zurück, wenn man älter geworden ist. Das ist gerade die Aufgabe der Anthroposophie, dafür zu sorgen, daß die Menschen in der Zukunft mit dem Alter nicht mehr zurückgehen. Aber das muß natürlich auch langsam und allmählich geschehen.

[ 33 ] But this is not enough. I will tell you something more. As you know a human being develops, but one does not usually notice it. However, when a person is quite young, one does notice it. One knows that a child who is only four years old can neither write nor read nor do sums. An eight year old child can perhaps do these things. Here one can see development. But in later life when we have made our way, we are so terribly superior that we don't admit that we can still develop. But we do, throughout our lives, and it is remarkable how we develop. Our development goes like this: Imagine this is man: I will draw him diagrammatically. When the child is quite young its development proceeds from the head. After the change of teeth, the development proceeds from the chest. Therefore one must watch how a child between seven and fourteen breathes—that it breathes adequately, etc. So this is a picture of the older child. (Nowadays one would have to say it differently. Children do not like to be called children any more. From fourteen onward one must call them "young ladies" and "young gentlemen.") Only at puberty does the development proceed from the limbs and from the whole human being. So one can say that only when one has reached puberty is one developing from the whole being. And this goes on throughout our twenties and thirties. But when one becomes older—some of you can already see it in yourselves—there is a certain retrogression. This need not be the case if one has adopted a spiritual mode of life, but in normal life there is a certain retrogression as one gets older. It is just the task of Anthroposophy to see to it that in the future one does not regress as one gets older. Slowly and gradually this must happen.

Diagram II
Diagram II

[ 34 ] Nun ist es ja so, daß es Menschen gibt, bei denen die geistigen Kräfte, wie man sagt, ganz furchtbar zurückgehen. Nun kann der Geist aber nicht zurückgehen, sondern es ist wieder nur der Körper, der zurückgeht. Es ist nun interessant, daß gerade sehr geistreiche Menschen oftmals im Alter furchtbar zurückgehen. So zum Beispiel werden Sie schon gehört haben, daß die Menschen ja den Kant zu den besonders großen Weisen rechnen. Kant war aber in seinem Alter blödsinnig. Also sein Körper ist so zurückgegangen, daß er seinen weisen Geist nicht mehr benützen konnte. Und so ist es bei vielen. Gerade sehr gescheite Leute sind im Alter ja richtig blödsinnig geworden. Das ist natürlich wieder nur ein starker, intensiver Ausdruck für das, was bei jedem Menschen eintritt. Allmählich kann man ja im Alter den physischen Körper nicht mehr gebrauchen. Man kann ihn ja dann schon aus dem Grunde nicht gebrauchen, weil sich ungeheuer viel Kalk einlagert, namentlich in die Adern. Und je mehr sich Kalk in die Adern einlagert, desto weniger kann man den physischen Körper gebrauchen. Aber in demselben Maße, in dem, sagen wir zum Beispiel bis zum vierzigsten Jahre vom Kopfe herunter die Entwickelung in den ganzen Körper hineingeht, in demselben Maße geht es wiederum zurück. Kommt man von den Vierziger- in die Fünfzigerjahre hinauf, so muß man wiederum die Brust mehr gebrauchen, und im Alter muß man wieder mehr den Kopf gebrauchen. Wenn man also ganz alt geworden ist, muß man wieder mehr den Kopf gebrauchen. Aber jetzt müßte man im Alter nicht den physischen Kopf gebrauchen, sondern den feineren Kopf, den Ätherkopf da oben muß man gebrauchen. Aber das lernen die Leute in der lateinischen Erziehung nicht. Und gerade diejenigen, die in den letzten Jahrzehnten materialistische lateinische Erziehung genossen haben, die sind am meisten diesem Altersblödsinn ausgesetzt gewesen.

[ 34 ] Now there are people whose mental capacities diminish alarmingly. But the mind, the spirit, cannot diminish. It is again only the body. It is interesting that often it is the most brilliant people who regress very much in old age. You may have heard that Kant was reckoned to be one of the wisest men, but in old age he became feeble-minded. His body regressed so much that he could not express his wise mind any more. And so it often is. Especially the very intelligent become feeble-minded in old age. It is an exaggerated form of what happens to everybody. Eventually in old age there comes a point when one can no longer use the physical body. The reason for this is mainly be-cause the arteries harden with excessive deposits of calcium, And the more this happens, the less one can make use of the physical body. As, up to the fortieth year, development proceeds from the head into the whole body, so, in the same degree, the process reverses. As one proceeds from the forties to the fifties one comes back to using the chest more, and in old age one goes back to using the head. So if one becomes really old, one again has to use one's head much more. But now one would have to use the finer head—the etheric head. But this is not learned in Latin education. And it is just those who, in the last decades, had a materialistic Latin education who were most strongly affected by senility.

[ 35 ] Man muß im Alter wiederum auf die Kindheitsstufe zurück. Es gibt ja Leute, bei denen das sehr stark eintritt. Sie werden, wie man sagt, geistig immer schwächer und schwächer. Der Geist bleibt aber ganz erhalten, der Körper wird nur immer schwächer und schwächer. Solche Leute können zuletzt das nicht mehr, was sie zuallererst fertig gebracht haben. Solche Dinge kommen durchaus vor. Sagen wir, ein Mensch ist alt geworden. Das, was er zuletzt getrieben hat, das kann er gar nicht mehr. Er kann nur noch dasjenige, was er als größeres Kind getrieben hat. Zuletzt kann er auch das nicht mehr, sondern er kann nur noch spielen und versteht auch nur noch diejenigen Begriffe, die er während des Spielens aufgenommen hat. Es hat sogar Leute gegeben, die konnten im höchsten Alter nur noch dasjenige verstehen, was ihnen die EItern oder die Amme in den allerersten Kindheitsjahren gesagt haben. Der Ausdruck: Im Alter wird man kindisch — der hat nämlich eine sehr gute Begründung. Man gelangt wirklich wiederum in die Kindheit zurück.

[ 35 ] In old age one must go back to childhood. There are people in whom this is very noticeable. They become mentally weaker and weaker. The mind, the spirit, however, remains completely intact. Only the body becomes weaker and weaker. In the end such people can no longer do the things they first learned to do in life. Such things happen. Let us say somebody gets old. He can no longer do the work he used to do. He can only do what he did as an older child. Finally he cannot even do this. He can only play and can only understand ideas he learned when playing. There are even very old people who can only understand what their parents or their nurse told them in the very first years of their lives. The saying about returning to second childhood is well founded. One really does return to childhood.

[ 36 ] Aber das ist, sobald man Geistesleben in sich hat, kein Unglück, gar kein Unglück, sondern es ist eigentlich ein Glück; denn wenn man noch Kind ist, da kann man nämlich den Ätherleib benützen. Wenn das Kind herumtobt und schreit und alles mögliche macht, ja, das macht nicht der physische Leib — höchstens nur dann, wenn es Bauchweh hat, aber dann muß auch erst der Bauchschmerz übertragen werden auf den Ätherleib und astralischen Leib, damit das Kind sich infolge des Bauchwehs bewegt —; aber das, was da tobt, das ist eben nicht der physische Leib. Nun ist man alt und kommt wiederum auf die Kindheitsstufe zurück; dann hat man sich allmählich angewöhnt, nicht mehr zu toben, und benützt denselben Ätherleib, den man als Kind zum Toben benützt hat, dann im Alter zu etwas Gescheiterem. Also das kann ein Glück werden, daß man wiederum so zurückkommt.

[ 36 ] Actually it is not a misfortune, that is, if one has developed a spiritual life. In fact it is rather fortunate, for as long as one is a child, one can use one's etheric body. If a child tears around and shouts and does all kinds of things, this is not done by the physical body—except if it has a stomachache, but even then the stomachache has to be transferred to the etheric and astral bodies so that the child throws itself about as a result. What tears around is not the physical body. Now one grows old and returns to childhood. Gradually one has learned not to tear around any more, but one no longer uses the etheric body like a child, but for something more sensible. So it can be fortunate that one returns to childhood.

[ 37 ] Da haben Sie das zweite. Das erste, was man lernen muß, um in die geistige Welt hineinzukommen, ist ein richtiges Denken. Wie man dazu kommt, darüber werden wir noch weiter reden; die Fragen sind sehr kompliziert. Wir müssen heute erst einmal darauf kommen, einzusehen, wie das ist. Das erste ist ein ganz selbständiges Denken. Da muß man mit vielem brechen, was heutige Erziehung ist, denn die heutige Erziehung ist eben unselbständiges Denken, das vom Latein herrührt. Denken Sie nicht, daß dasjenige Denken, das heute an sozialistischen Theorien entwickelt wird, ein freies Denken ist! Die haben ja alle von dem gelernt, was aus dem Latein herausgekommen ist; die haben es nur nicht gewußt. Nicht wahr, der Arbeiter mag in seinem Wollen das oder jenes sich vornehmen können; aber wenn er anfängt zu denken, so denkt er ganz nach Bourgeoisbegriffen, und die sind ja aus lateinischem Denken hervorgegangen. Also das erste, das man haben muß, ist selbständiges Denken.

[ 37 ] This is the second point. The first was that in order to enter the spiritual world one has to learn to think in the right way. We shall have to speak further about how one achieves this. The matter is very complicated. Today we have to concentrate on the question why there has to be independent thinking. One must break away from much in modern education, for what one learns in modern education is not independent thinking, it is Latin thinking. Do not imagine that the thinking emerging from socialist theories being developed today is free thinking! It has all been learned from what originally came from Latin, but people do not know it. The worker may have this or that intention in his will, but when he begins to think he thinks in bourgeois concepts and these originate in Latin thinking. So the first thing one has to learn is independent thinking.

[ 38 ] Das zweite aber, das ist, daß man lernen muß, nicht bloß in dem gegenwärtigen Augenblick zu leben, sondern immer wiederum zurückgehen zu können in das Leben, das man bis in die Kindheit hinein geführt hat. Sehen Sie, wer in die geistige Welt eindringen will, der muß oftmals sich vornehmen: Jetzt mußt du darauf kommen, wie es war, als du ein zwölfjähriger Junge warst. Was hast du da getan? — Und das muß man nun nicht oberflächlich, nur äußerlich, sondern ganz im einzelnen sich vorstellen. Es ist zum Beispiel nichts nützlicher, als wenn man anfängt sich zu sagen: Ja, da war ich ein zwölfjähriger Junge — ich kann es ganz gut übersehen —, da war ein Steinhaufen am Weg, auf den bin ich draufgestiegen. Einmal bin ich heruntergepurzelt. Da war irgendeine Haselnußstaude, da habe ich mein Messer herausgenommen, Zweige abgeschnitten, mich in den Finger geschnitten. — Dieses wiederum so richtig sehen, was man vor vielen Jahren selber gemacht hat: dadurch kommt man in das hinein, daß man eigentlich nicht bloß im Gegenwärtigen lebt. Wenn Sie denken, so wie man es heute gelernt hat, da denken Sie mit Ihrem gegenwärtigen physischen Leib. Aber wenn Sie auf das zurückkommen, was Sie mit zwölf Jahren waren, da können Sie nicht mit Ihrem damaligen physischen Leib denken, denn der ist nicht mehr da — ich habe Ihnen das gesagt, der physische Leib ist alle sieben Jahre neu —, da müssen Sie mit Ihrem Ätherkörper denken. Deshalb rufen Sie diesen Ätherleib auf, wenn Sie zurückdenken an etwas, was im Alter von zwölf, vierzehn Jahren zurückliegt. Dadurch kommen Sie in diese innere Ttätigkeit hinein.

[ 38 ] The second thing is that one must learn not only to live in the present moment, but to be able to turn back into the life one led in childhood. If you want to penetrate into the spiritual world you must continually remember to ask yourself how it was when you were twelve years old. What did you do? One must not do this superficially, but imagine it in great detail. Nothing is better than to begin to try to picture: Oh yes, there I was twelve years old—I can see it quite clearly—there was a pile of stones by the roadside and I climbed up on it. Once I fell off it. There was a hazel bush and I took out my pocket knife and cut off some branches and cut my finger. It is important really to visualize what one did so many years ago; in this way one gets away from just living in the present. If you think the way one learns to think today, you think with your present physical body. But if you turn back to when you were twelve, you cannot think with your physical body as it then was, for it is no longer there (I told you the physical body is renewed every seven years) so you have to think with your etheric body. If you think back to something that happened twelve or fourteen years ago, you call on your etheric body. This is the way to call up inner activity.

[ 39 ] Und ganz besonders kann man sich angewöhnen, überhaupt anders zu denken, als man gewöhnlich denkt. Sehen Sie, wie denken Sie? Nicht wahr, wir haben uns heute um neun Uhr getroffen. Da habe ich angefangen Ihnen zuerst die Zettel vorzulesen, auf denen Fragen stehen. Dann habe ich allerlei Betrachtungen angestellt, und wir sind jetzt dazu gelangt, zu sagen: Wir müssen zurückdenken an ein früheres Leben, das wir durchgemacht haben, als wir zwölf, vierzehn Jahre alt waren. Jetzt können Sie, wenn Sie heimkommen, vielleicht, wenn es Ihnen besonders interessant ist, diese Gedanken noch einmal durchdenken. Nun ja, das kann man. So machen es ja die meisten Menschen: sie gehen das noch einmal durch. Aber Sie können etwas anderes machen. Sie können sagen: Was hat er zuletzt gesagt? Er hat zuletzt gesagt, daß man also an sein früheres Leben, bis ins Alter von zwölf, vierzehn Jahren zurück, denken soll. Noch früher, da hat er davon gesprochen, daß man freies Denken haben muß. Noch früher hat er ausgesprochen, wie das Lateinische allmählich hereingekommen ist. Noch früher, wie der Mensch, wenn er eine Zeitlang geistig nicht gesund gewesen ist, dann zurückschaut und sagt, er hätte da etwas Besonderes erfahren. Da hat er auseinandergesetzt, wie der innere Mensch nicht geistig krank wird, sondern nur der Körper krank wird. Sehen Sie, jetzt hätten Sie den ganzen Vortrag rückwärts gedacht.

[ 39 ] Above all, one should get accustomed to think in a new way, different from one's usual thinking. How do you think? You know we met here at nine o'clock. I began by reading to you the questions on the slips of paper. Then I proceeded with various observations and we have now arrived at saying: We have to think back into the life we lived when we were twelve or fourteen years old. Now when you get home, you can, if you find it really interesting, think through these thoughts again. One can do this. Most people do it. They go through it once again. But you can do something different. You can ask yourself: What did he say last? The last thing he said was that one should think back to one's early life, to the age of twelve or fourteen years. Before that he said one has to have independent thinking. Earlier still he described how Latin gradually took over. Before that, how a person who was mentally ill for a time and then looks back on it, says he has experienced extraordinary things. It was further explained to us how the inner being cannot be mentally ill—only the body can be ill. Now you have run backward through the whole lecture.

[ 40 ] Ja, meine Herren, rückwärts laufen die Dinge draußen nicht! Ich könnte Ihnen ja allenfalls auch gleich im Anfang den Vortrag rückwärts halten, aber Sie würden ihn nicht verstehen, denn man fängt eben vom Anfang an und baut so auf, daß man es allmählich versteht. Hat man es aber verstanden, dann kann man es auch rückwärts denken. Aber rückwärts gehen doch die Tatsachen nicht vor sich! Da reiße ich mich los von den Tatsachen. Da denke ich so, daß ich sage: Justament denke ich so, wie es nicht draußen vorgeht, sondern ich denke rückwärts. — Dazu gehört nämlich eine gewisse Kraft. Da muß ich mich innerlich regsam machen, wenn ich rückwärts denke. Geradeso wie derjenige, der durch ein Teleskop sieht, lernen muß, das Teleskop zu handhaben, so muß derjenige, der in die geistige Welt hineinschauen will, oftmals rückwärts denken, immer wieder rückwärts denken. Da kommt schon eines Tages die Zeit, wo er weiß: Ah, jetzt gehe ich in die geistige Welt hinein,

[ 40 ] But in the world things do not run backward. I could possibly have given you the lecture backward in the first place, but then you would not have understood it. One has to begin at the beginning and then look at the whole as it gradually unfolds, but once one has understood it, one can think it backward. But things do not run backward. So I tear myself free from things. I say: Just to be contrary, I will think things exactly not the way they go in the outer world, but I will think them backward. This requires a certain strength. When I think backward I have to make myself inwardly active. A person who wants to look through a telescope has to learn how to handle it. In the same way a person who wants to see into the spiritual world must learn how to handle it. He must think backward many times. One day the moment will come when he knows: Ah, now I am entering the spiritual world.

[ 41 ] Daran können Sie wieder sehen, meine Herren: Ihren physischen Körper haben Sie Ihr ganzes Leben daran gewöhnt, vorwärts zu denken. Wenn Sie jetzt anfangen rückwärts zu denken, da tut der physische Körper nicht mit. Da kommt etwas Eigentümliches zustande. Das ist ja, was man denen, die immer wiederum fragen: Ja, wie komme ich in die geistige Welt hinein? — als ersten Ratschlag gibt — er steht auch in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» —, daß man ihnen sagt: Lernet wenigstens zunächst die Tagesereignisse zurückgehen; dann anderes. — Nun haben die Leute natürlich zunächst bloß mit ihrem physischen Körper denken gelernt. Das beobachten sie. Sie strengen sich nun an, rückwärts zu denken, aber sie haben nur gelernt mit dem physischen Leib zu denken, nicht mit dem Ätherkörper. Und jetzt kommt der «Generalstreik» vom Ätherkörper. Ja, es ist ein richtiger Generalstreik! Und wenn die Leute beim Rückwärtsdenken nicht so viel einschlafen würden, dann würden sie nämlich wissen: Wenn ich anfange rückwärts zu denken, müßte ich ankommen bei der geistigen Welt. — Aber gerade in dem Moment, wo das Schauen beginnt, schlafen die Leute ein, weil ihnen die Anstrengung zu groß ist. Also muß man den ganzen guten Willen und die ganze Kraft haben, nicht einzuschlafen. Dazu muß man Geduld haben. Das dauert sogar oft jahrelang; aber man muß dazu Geduld haben.

[ 41 ] You see, throughout your whole life you have accustomed your physical body to thinking forward, not backward. When you begin to think backward your physical body does not take part in it. Something strange happens. This is the first advice to those who ask: How can I reach the spiritual world? You can also read this in Knowledge of the Higher Worlds and its Attainment.4Knowledge of the Higher Worlds and its Attainment. First published in book form in German in 1909. English editions appeared in 1909 and 1910. Two versions are currently available in English: Anthroposophic Press, Hudson, New York, 1983 (translated by Henry B. and Lisa D. Monges); and Rudolf Steiner Press, London, 1985 (translations by Max Gysi (1909) and Clifford Bax (1910) revised by D.S. Osmond and C. Davy). What is said there repeatedly is: At least learn to go backward through the course of the day; then other things, People have, of course, only learned to think with their physical body. They notice this and have to make a great effort to think backward, but they have only learned to think with the physical body, not with the etheric body. Now there is an all-out strike by the etheric body; yes, a real "general strike." And if people would not fall asleep so easily, they would know that, if they began to think backward, they would arrive at the spiritual world. But the moment the vision begins, they fall asleep. People fall asleep, because the effort is too great. So one must exert one's entire will and all one's strength not to fall asleep. In addition, one must have patience. Sometimes it takes years, but one must have patience.

[ 42 ] Sehen Sie, wenn Ihnen einer erzählen könnte, was Sie, wenn Sie rückwärts gedacht haben, nach dem Einschlafen unbewußt erleben, da würden Sie sehen, wie das ein furchtbar Gescheites ist! Die dümmsten Menschen fangen dann an, im Schlaf außerordentlich gescheite Gedanken zu haben, nur wissen sie nichts davon.

[ 42 ] If somebody could tell you what you experienced unconsciously when you went to sleep after thinking backward, you would see that it was something very wise. The most stupid people begin to have extraordinarily wise thoughts in their sleep, but they do not know anything about it.

[ 43 ] Also darauf habe ich Sie zuerst aufmerksam gemacht: Erst muß man überhaupt lernen, selbständig zu denken. Nun, das kann man. Ich will nicht sagen zum Beispiel, weil ich ja nicht ein eingebildeter Tropf bin, daß nur meine «Philosophie der Freiheit» dazu dient, aber die ist bewußt dazu geschrieben, daß man sich selbständiges Denken angewöhnt. Also: Selbständiges Denken; über Dinge, die im Alter von zehn, zwölf Jahren zurückliegen, oder Dinge, die man erlebt hat, ganz genau rückwärts denken. — Damit haben wir zunächst wenigstens einmal darauf aufmerksam gemacht, wie man sich losreißt vom physischen Leib, wie man hineinkommt in die geistige Welt. Und davon wollen wir dann am Samstag weitersprechen, wollen das weiter so verfolgen, daß alle diese vier Fragen allmählich herauskommen.

[ 43 ] So today I have drawn your attention to the fact that one must first learn to think independently. Well, one can do this. I do not want to say—for I am not a conceited fool—that only my Philosophy of Spiritual Activity serves this purpose, but it was quite consciously written in a way that would lead to independent thinking. Independent thinking; thinking backward accurately over things that happened when you were ten or twelve years old, or over other things one has experienced—with these we have at least begun to describe how one tears oneself free from the physical body and how one finds one's way into the spiritual world. We will pursue this further and eventually deal with all four questions.

Wandtafel 1
Wandtafel 1