Rhythms in the Cosmos and in the Human Being
GA 350
28 June 1923, Dornach
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Rhythms in the Cosmos and in the Human Being, tr. SOL
8. Ausbildung eines selbständigen Denkens und des Rückwärtsdenkens
8. Developing Independent Thinking and Backward Thinking
[ 1 ] Es sind einige Fragen da, die mir das letzte Mal gegeben wurden und die ich in einer etwas anderen Reihenfolge beantworten werde, als sie hier gestellt worden sind. Die Fragen sind also:
[ 1 ] There are a few questions that were sent to me last time, and I’ll answer them in a slightly different order than they were asked here. So, the questions are:
[ 2 ] Wie kann man in bezug auf Welt- und Lebensanschauung zum Schauen der Weltgeheimnisse kommen?
[ 2 ] How can one come to perceive the mysteries of the world in terms of one's worldview and outlook on life?
[ 3 ] Wie weit hat der Mensch zu gehen, bis er auf dem Weg der Naturwissenschaften höhere Welten finder?
[ 3 ] How far must a person go before finding higher realms on the path of the natural sciences?
[ 4 ] Haben die Kräfte in dem Weltenall auf die ganze Menschheit Einfluß?
[ 4 ] Do the forces in the universe influence all of humanity?
[ 5 ] Welche Beziehung haben die Pflanzen zum Menschen, zum menschlichen Leib?
[ 5 ] What is the relationship between plants and humans, and the human body?
[ 6 ] Nun, ich möchte das so einrichten — es sind natürlich sehr komplizierte Fragen —, daß die Antwort sozusagen nach und nach herauskommt. Anders kann man das nämlich nicht machen bei so komplizierten Fragen. Denn wenn zum Beispiel gefragt wird: Wie kommt man zum Schauen der Weltengeheimnisse? — so heißt das ja: Wie kommt man zu der wirklichen geistigen Wissenschaft. — Nun, das ist etwas, was Sie sich heute natürlich nicht leicht vorstellen müssen. Denn die Sache ist ja so, daß die meisten Menschen, wenn sie davon hören, daß es so etwas wie eine Anthroposophie oder eine geistige Wissenschaft gibt, denken: Nun werde ich mir auch einmal die Fähigkeit aneignen, das Geistige zu schauen. In acht Tagen werde ich damit wohl fertig sein, und dann werde ich alles das ja wohl auch selber wissen können.
[ 6 ] Well, I’d like to structure this—these are, of course, very complicated questions—so that the answer emerges, so to speak, bit by bit. That’s the only way to approach such complex questions. For example, if someone asks, “How does one come to perceive the mysteries of the world?”—that really means, “How does one come to true spiritual science?” — Well, that is something you naturally cannot easily imagine today. For the fact is that when most people hear that there is such a thing as anthroposophy or spiritual science, they think: “Now I, too, will acquire the ability to perceive the spiritual. I’ll probably have it figured out in eight days, and then I’ll surely be able to know all of this for myself.”
[ 7 ] Nun, so einfach verhält sich die Sache natürlich nicht, sondern man muß sich darüber klar sein: Zu der gewöhnlichen Naturwissenschaft gehört doch im Grunde recht viel. Schon wenn man die allereinfachsten Beobachtungen anstellen will in der Naturwissenschaft, so gehört dazu zuerst, daß man lernt, wie man die Instrumente gebraucht. Es ist natürlich verhältnismäßig leicht, ein Mikroskop zu gebrauchen, aber um mit einem Mikroskop in der richtigen Weise etwas zu erforschen, kann man ja nicht einfach sagen: Ich werde jetzt ein Stück Muskel oder so etwas unters Mikroskop legen und dann werde ich hineinschauen, und dann weiß ich, was da drinnen vorgeht. — Wenn Sie es so machen würden, so würden Sie natürlich gar nichts sehen. Denn es handelt sich darum, daß man, wenn man unter einem Mikroskop etwas sehen will, zuerst feine Schnitte machen muß. Also ein Stück Muskel nützt gar nichts, sondern es handelt sich darum, daß man mit einem feinen Rasiermesser einen dünnen Schnitt macht, dann ganz wenig manchmal entfernt und wiederum einen feinen Schnitt macht, so daß man eine ganz dünne Schichte kriegt. Und zumeist kann man auch damit noch gar nichts erreichen. Denn wenn Sie so eine ganz dünne, sagen wir, Muskel- oder Zellschichte unters Mikroskop legen und hineinschauen, sehen Sie auch meistens gar nichts. Dasjenige, was Sie tun müssen, ist, sich zu fragen: Wie kann ich das, was ich unter dem Mikroskop gar nicht sehe, sichtbar machen? — Und da muß man es oftmals mit gewissen Farbstoffen durchdringen, so daß man es erst sichtbar macht dadurch, daß man Farbstoffe hineinbringt. Und dann muß man sich klar darüber sein, jetzt hat man die Sache etwas verändert. Man muß wiederum wissen, wie die Sache ist, wenn man sie nicht verändert. Das sind aber alles noch sehr einfache Sachen. Auch wenn Sie mit dem Teleskop die Sterne untersuchen wollen, müssen Sie erst die Handhabung des Teleskopes lernen. Allerdings, das ist ja noch einfacher. Sie wissen, daß es herumziehende Leute gibt, die einem auf der Straße ein Fernrohr aufstellen. Allein das hilft Ihnen auch nicht viel, Es hilft Ihnen nur, wenn Sie wissen: da müssen Sie wieder ein Mikroskop dazu haben und eine Uhr, die Sie erst handhaben müssen und so weiter. — Also das sind nur Beispiele, durch die ich Ihnen veranschaulichen möchte, wie kompliziert es ist, die einfachsten Dinge in der sinnlich-physischen Welt zu untersuchen.
[ 7 ] Well, of course, it’s not quite that simple; rather, one must be clear about this: There is, after all, quite a lot involved in ordinary natural science. Even if one wants to make the simplest of observations in natural science, the first step is to learn how to use the instruments. Of course, it’s relatively easy to use a microscope, but to properly investigate something with a microscope, you can’t simply say: “I’ll put a piece of muscle or something like that under the microscope, look inside, and then I’ll know what’s going on in there.” — If you were to do it that way, you wouldn’t see anything at all, of course. The point is that if you want to see something under a microscope, you first have to make fine cuts. So a piece of muscle is of no use at all; rather, you have to use a fine razor blade to make a thin cut, then remove just a tiny bit—sometimes—and make another fine cut, so that you end up with a very thin layer. And even then, most of the time, you still won’t see anything. Because if you place such a very thin—let’s say, a muscle or cell layer—under the microscope and look at it, you usually won’t see a thing. What you have to do is ask yourself: How can I make visible what I can’t see at all under the microscope? — And often you have to stain it with certain dyes, so that you make it visible only by introducing dyes into it. And then you have to be aware that you’ve now altered the specimen somewhat. You also have to know what the object is like when it hasn’t been altered. But these are all still very simple things. Even if you want to observe the stars with a telescope, you first have to learn how to operate the telescope. Of course, that’s even easier. You know there are people who go around setting up telescopes for you on the street. But that alone doesn’t help you much; it only helps if you realize that you’ll also need a microscope and a clock, which you’ll have to learn to use, and so on. — So these are just examples I’m using to illustrate how complicated it is to investigate even the simplest things in the sensory-physical world.
[ 8 ] Nun ist es für die Forschungen in der geistigen Welt wahrhaftig noch viel schwerer. Da muß man viel mehr Vorbereitungen dazu machen. Die Leute stellen sich so vor, das könne man in acht Tagen lernen. Das ist eben nicht der Fall. Sondern da muß der Mensch vor allen Dingen darauf bedacht sein, daß er ja etwas, was in ihm ist, erst in Tätigkeit bringen muß. Was fortwährend eigentlich nicht in Tätigkeit ist, das muß er erst in Tätigkeit bringen.
[ 8 ] Now, research into the spiritual world is truly much more difficult. It requires a great deal more preparation. People imagine that this is something one can learn in eight days. That is simply not the case. Rather, a person must first and foremost be mindful that they must first activate something that is already within them. That which is not actually active on a continuous basis must first be brought into activity.
[ 9 ] Damit Sie sehen, wie die Dinge eigentlich sind, möchte ich Ihnen zunächst folgendes sagen. Sie wissen ja, gerade bei solchen Forschungen, die in die geistige Welt hineingehen, und auch in der gewöhnlichen Wissenschaft, muß man vielfach von der Erkenntnis dessen ausgehen, was nicht normal ist. Sie lernen die Dinge erst richtig kennen, wenn Sie das Nicht-Normale kennengelernt haben. Ich habe Ihnen das ja schon einmal an bestimmten Beispielen gezeigt. Wir müssen das schon deshalb betrachten, weil ja die Menschen in der Welt draußen oftmals denjenigen, der in der geistigen Welt forscht, auch wenn er noch'so normal ist, doch verrückt nennen. Also wir müssen uns schon darauf einlassen, die Dinge ein bißchen so zu untersuchen, daß wir zuletzt eben auf die Wahrheit kommen. Sie müssen natürlich nicht glauben, daß man dadurch etwas erreichen kann, daß man ins Nicht-Normale, ins Krankhafte hineinschaut, aber lernen kann man daran viel.
[ 9 ] So that you can see how things really are, I’d like to start by telling you the following. As you know, especially in research that delves into the spiritual world—and even in conventional science—one often has to begin by understanding what is not normal. You only truly come to know things once you have become acquainted with what is not normal. I have already shown you this using specific examples. We must consider this simply because people in the outside world often call those who conduct research in the spiritual world “crazy”—even if they are as normal as can be. So we really must be willing to examine things in this way, so that we ultimately arrive at the truth. Of course, you don’t have to believe that anything can be achieved by looking into the abnormal or the pathological, but you can learn a great deal from it.
[ 10 ] Es handelt sich zum Beispiel darum, daß es ja Leute gibt, die dadurch nicht normal sind, daß man sagt, sie seien geistesgestört. Was heißt das eigentlich, ein Mensch sei geistesgestört? Es gibt kein schlechteres Wort auf der Welt als dieses «geistesgestört», weil der Geist ja niemals gestört sein kann. Der Geist kann nämlich gar nicht gestört sein! Nehmen Sie zum Beispiel folgenden Fall: Wenn ein Mensch, wie man sagt, zwanzig Jahre geistesgestört ist — solche Dinge kommen vor — und nachher wird er wiederum normal, was tritt da eigentlich ein? — Nun, nicht wahr, es kann eintreten, daß dieser Mensch zwanzig Jahre hindurch behauptet, er würde von anderen verfolgt; er leidet, wie man sagt, an Verfolgungswahn. Oder aber es tritt das ein, daß er, sagen wir, allerlei Gespenster sieht, die nicht da sind und so weiter. Das kann also zwanzig Jahre dauern. Nun, meine Herren, es kann einer, der zwanzig Jahre in dieser Weise geistesgestört ist, durchaus wiederum gesund werden. Aber Sie werden immer eines bemerken: Wenn einer drei, fünf oder zwanzig Jahre, wie man sagt, geistesgestört ist und er wird nachher wieder gesund, so ist er nicht mehr ganz derselbe wie früher. Vor allen Dingen werden Sie folgendes bemerken. Er sagt Ihnen, nachdem er wieder gesund geworden ist: Ja, ich habe in der Zeit, in der ich krank war, fortwährend in die geistige Welt hineinschauen können. — Er erzählt Ihnen alle möglichen Wahrnehmungen aus der geistigen Welt. Und geht man dann mit den Erkenntnissen, die man als ein vollständig Gesunder von der geistigen Welt erlangt, seinen Erzählungen nach, so ist es zwar so, daß er manchen Kohl sagt, aber anderseits auch viel Richtiges. Also das ist das Merkwürdige: Es kann einer durch Jahre hindurch geistesgestört sein, wieder gesund werden, und dann erzählt er einem, er ist da in der geistigen Welt drinnen gewesen, hat das und das erlebt. Und wenn man selbst die Sache kennt als gesunder Mensch, so muß man ihm für vieles recht geben.
[ 10 ] For example, there are people who are considered abnormal—that is, people who are said to be mentally disturbed. What does it actually mean for a person to be mentally disturbed? There is no worse word in the world than “mentally disturbed,” because the mind can never be disturbed. The mind simply cannot be disturbed! Take the following case, for example: If a person, as they say, has been mentally disturbed for twenty years—such things do happen—and then subsequently becomes normal again, what is actually happening there? — Well, it’s true that it can happen that this person claims for twenty years that he is being persecuted by others; he suffers, as they say, from a delusion of persecution. Or it may be that he, let’s say, sees all sorts of ghosts that aren’t there, and so on. So this can go on for twenty years. Well, gentlemen, someone who has been mentally ill in this way for twenty years can certainly recover. But you will always notice one thing: If someone is, as they say, mentally ill for three, five, or twenty years and then recovers, they are no longer quite the same as they were before. Above all, you will notice the following. After they have recovered, they will tell you: “Yes, during the time I was ill, I was able to look into the spiritual world continuously.” — He’ll tell you all sorts of things he perceived in the spiritual world. And if you then examine his accounts in light of the insights into the spiritual world that a fully healthy person would have, you’ll find that while he does say some nonsense, he also says a great deal that is true. So that’s the strange thing: someone can be mentally ill for years, recover, and then tell you that they’ve been inside the spiritual world and experienced this and that. And if you yourself are familiar with the matter as a healthy person, you have to agree with him on many points.
[ 11 ] Wenn Sie mit einem reden während der Zeit, in der er geistesgestört ist, wird er Ihnen niemals irgend etwas Vernünftiges erzählen können. Da erzählt er Ihnen eben den Kohl, den er da erlebt. Es ist nämlich gar nicht so, daß solche Menschen, die durch Jahre hindurch geistesgestört sind, während ihrer sogenannten Geisteskrankheit diese Dinge erlebt haben. Da haben sie gar nichts von der geistigen Welt erlebt. Aber hinterher, wenn sie wieder gesund geworden sind und in einer gewissen Weise zurückschauen können in die Zeit, wo sie nicht gesund waren, da kommt ihnen dasjenige, was sie gar nicht erlebt haben während der Krankheit, dann vor wie Blicke in die geistige Welt hinein. Eigentlich tritt also dieses Bewußtsein: Ich habe viel von der geistigen Welt gesehen —, erst ein in dem Momente, wo die Leute wieder gesund werden.
[ 11 ] If you talk to someone while they’re mentally disturbed, they’ll never be able to tell you anything sensible. They’ll just tell you the nonsense they’re experiencing. The fact is, it’s not at all the case that people who have been mentally ill for years actually experienced these things during their so-called mental illness. They didn’t experience anything from the spiritual world at all. But afterward, when they have recovered and can, in a certain sense, look back on the time when they were not well, what they did not actually experience during their illness then appears to them as glimpses into the spiritual world. So, in fact, this awareness—“I have seen a great deal of the spiritual world”—only arises at the moment when people recover.
[ 12 ] Sehen Sie, daraus kann man nämlich außerordentlich viel lernen. Daraus kann man lernen, daß der Mensch etwas in sich hat, was er während der Zeit, in der er geistig krank war, überhaupt nicht benutzt hat. Aber das war da, das hat gelebt. Und wo war das? Er hat nichts gesehen von der äußeren Welt, denn er kann Ihnen erzählen: Der Himmel ist rot, und die Wolken sind grün — alles mögliche. Er sieht gar nichts ordentlich in der äußeren Welt. Aber dieser tiefere Mensch, der in ihm sitzt, den er gar nicht gebrauchen kann während seiner Krankheit, der ist in der geistigen Welt. Und wenn er dann selber wiederum sein Gehirn gebrauchen kann und zurücksehen kann auf dasjenige, was dieser geistige Mensch erlebt hat, dann kommen ihm die geistigen Erlebnisse.
[ 12 ] You see, there is an extraordinary amount to be learned from this. From this, one can learn that a person has something within them that they did not use at all during the time they were mentally ill. But it was there; it was alive. And where was it? They saw nothing of the external world, for they can tell you: “The sky is red, and the clouds are green”—all sorts of things. He doesn’t see anything clearly in the external world. But this deeper human being within him—whom he cannot use at all during his illness—is in the spiritual world. And when he is once again able to use his brain and look back on what this spiritual human being has experienced, then those spiritual experiences come to him.
[ 13 ] Wir sehen daraus, daß der Mensch, während er in dem Zustand ist, den man geisteskrank nennt, da mit seinem geistigen Teil gerade in der geistigen Welt lebt. Der ist sehr gesund, der geistige Teil. Was ist denn krank bei einem Geisteskranken? Ja, bei einem Geisteskranken ist nämlich der Körper krank, und der Körper kann die Seele und den Geist eben nicht benützen. Bei einem, von dem man sagt, er ist geisteskrank, ist immer irgend etwas im Körper krank, und wenn das Gehirn krank ist, kann man natürlich nicht ordentlich denken. Man kann auch nicht ordentlich fühlen, wenn die Leber krank ist.
[ 13 ] We can see from this that a person, while in the state known as mental illness, lives with their spiritual part right in the spiritual world. That spiritual part is very healthy. So what, then, is sick in a mentally ill person? Well, in a mentally ill person, it is actually the body that is sick, and the body is simply unable to make use of the soul and the spirit. In someone who is said to be mentally ill, there is always something wrong with the body, and if the brain is sick, one naturally cannot think properly. Nor can one feel properly if the liver is sick.
[ 14 ] Und so kommt es, daß eigentlich «geisteskrank» der schlechteste Ausdruck ist, den man wählen kann, denn «geisteskrank» heißt nicht, der Geist ist krank, sondern geisteskrank heißt: Der Körper ist so krank, daß er den Geist, der immer gesund ist, nicht benützen kann. Vor allem müssen Sie sich klar sein darüber, daß der Geist immer gesund ist. Nur der Körper kann krank werden und den Geist dann nicht in richtiger Weise benützen. Wenn einer ein krankes Gehirn hat, so ist es gerade so, wie wenn einer einen Hammer hat, der bei jedem Schlag abbricht. Wenn ich zu dem, der keinen Hammer hat, sage: Du bist ein fauler Kerl, du kannst überhaupt nicht klopfen — so ist das natürlich ein Unsinn, Der kann ganz gut klopfen, aber er hat keinen Hammer zum Klopfen. So ist es ein Unsinn, wenn man sagt, jemand sei geisteskrank. Der Geist ist vollkommen gesund, aber er hat nicht den Körper, durch den er wirken kann.
[ 14 ] And so it is that “mentally ill” is actually the worst term one can choose, because “mentally ill” does not mean that the mind is ill; rather, it means that the body is so ill that it cannot make use of the mind, which is always healthy. Above all, you must be clear about the fact that the mind is always healthy. Only the body can become sick and then fail to use the mind properly. If someone has a sick brain, it is just like someone who has a hammer that breaks with every blow. If I say to someone who doesn’t have a hammer, “You’re a lazy guy; you can’t hammer at all”—that’s obviously nonsense. He can hammer just fine, but he doesn’t have a hammer to use. So it’s nonsense to say that someone is mentally ill. The mind is perfectly healthy, but it doesn’t have the body through which it can function.
[ 15 ] Dasjenige, was man auf diese Weise lernen kann, das zeigt sich nun ganz besonders dann, wenn man nachdenkt darüber, wie es sich eigentlich mit unserem Denken verhält. Aus dem, was ich Ihnen gesagt habe, werden Sie ersehen, daß man zwar den Geist hat, aber zum Denken ein Werkzeug braucht, das Gehirn. Zum Denken in der physischen Welt braucht man das Gehirn. Es ist gar keine Kunst, wenn der Materialismus sagt, man brauche das Gehirn. Selbstverständlich braucht man das Gehirn. Aber es besagt nichts über den Geist, wenn er es so behauptet. Außerdem ersehen Sie daraus, daß sich der eigentliche Geist im Menschen ganz zurückziehen kann. Beim Geisteskranken zieht sich der eigentliche Geist ganz zurück. Und es ist wichtig, daß man das weiß, weil man dadurch erst einsehen lernt, daß die Menschen in der heutigen Zeit — jetzt werde ich Ihnen etwas sagen, was Sie sehr erstaunen wird, aber es ist so — überhaupt nicht denken können. Sie bilden sich ein, daß sie denken können, aber sie können es gar nicht. Ich will ihnen zeigen, warum die Menschen nicht denken können.
[ 15 ] What one can learn in this way becomes particularly evident when one reflects on the nature of our thinking. From what I have told you, you will see that although we have a spirit, we need a tool for thinking—the brain. To think in the physical world, one needs the brain. It is no great feat for materialism to claim that one needs the brain. Of course one needs the brain. But such a claim says nothing about the spirit. Furthermore, you can see from this that the true spirit within a human being can withdraw completely. In the case of the mentally ill, the true spirit withdraws completely. And it is important to know this, because only then can one begin to understand that people today—now I am going to tell you something that will astonish you greatly, but it is true—are completely incapable of thinking. They imagine that they can think, but they cannot do so at all. I want to show you why people cannot think.
[ 16 ] Sie werden sagen: Ja, die Menschen gehen doch auf die Schulen, heute lernt man in der Volksschule schon ganz wunderbar denken! Gewiß, das schaut so aus. Dennoch können die heutigen Menschen gar nicht denken. Es sieht nur so aus, als ob sie denken könnten. Nicht wahr, in der Volksschule haben wir Volksschullehrer. Die Volksschullehrer haben wiederum etwas gelernt, angeblich haben sie auch denken gelernt. Diejenigen, von denen sie wieder gelernt haben, sind, wie man in Stuttgart sagt, «Großkopfete»; also das sind ganz furchtbar weise Menschen nach der heutigen Ansicht. Die haben Hochschulstudium durchgemacht. Bevor sie Hochschulstudium gemacht haben, haben sie das Gymnasium oder etwas ähnliches durchgemacht, und da haben sie Latein gelernt. Wenn Sie nämlich so ein bißchen herumgucken, werden Sie zwar sagen können: Ja, mein Lehrer, der hat nicht Latein gekonnt! — Aber der hat ja wiederum von einem gelernt, der doch Latein gekonnt hat! Daher ist auch das, was Sie gelernt haben, abhängig von der lateinischen Sprache, und alles, was man heute lernt, ist abhängig von der lateinischen Sprache. Sie können das schon daraus sehen, daß, wenn Ihnen einer ein Rezept ausstellt, er es lateinisch schreibt. Das rührt noch her von den Zeiten, wo man überhaupt alles lateinisch geschrieben hat. Es ist noch nicht lange her, dreißig, vierzig Jahre, da wurde verlangt, daß jeder, der an der Hochschule war, seine Prüfungsarbeit in der lateinischen Sprache schrieb.
[ 16 ] You’ll say: Yes, people do go to school; these days, even in elementary school, they’re already learning to think wonderfully well! Certainly, it looks that way. Yet people today can’t think at all. It only looks as if they can think. Isn’t that right? In elementary school, we have elementary school teachers. The elementary school teachers, in turn, have learned something; supposedly, they’ve also learned to think. Those from whom they, in turn, learned are, as they say in Stuttgart, “big-headed people”; that is, they’re terribly wise people by today’s standards. They’ve gone through college. Before they went to college, they attended high school or something similar, and that’s where they learned Latin. If you look around a bit, you’ll be able to say: “Yes, my teacher didn’t know Latin!” — But he, in turn, learned from someone who did know Latin! That’s why what you’ve learned is also dependent on the Latin language, and everything we learn today is dependent on the Latin language. You can see this from the fact that when someone writes you a prescription, they write it in Latin. This dates back to the times when everything was written in Latin. It wasn’t that long ago—thirty or forty years—that everyone attending university was required to write their thesis in Latin.
[ 17 ] Also alles, was man heute lernt, ist abhängig von der lateinischen Sprache. Und das ist dadurch so geworden, daß man im Mittelalter, wenn man zurückgeht ins 14., 15. Jahrhundert — das ist also noch gar nicht so lange her —, alles lateinisch vorgetragen hat. Der erste, der zum Beispiel deutsch in Leipzig vorgetragen hat, ist ein gewisser Thomasins. Das ist noch nicht lange her, das war im 17. Jahrhundert. Überall wurde lateinisch vorgetragen. Derjenige, der etwas gelernt hat, ging durch die lateinische Sprache hindurch, und im Mittelalter war überhaupt all das, was man lernen konnte, nur lateinisch. Wenn man irgend etwas anderes lernen wollte, mußte man erst Lateinisch lernen. Sie werden sagen: Aber nicht in der Volksschule. — Aber Volksschulen gibt es ja erst seit dem 16. Jahrhundert. Erst allmählich, als die Volkssprache auch die Wissenschaft aufnahm, gab es Volksschulen. Also dasjenige, wovon unser ganzes Denken beeinflußt ist, ist die lateinische Sprache. Sie alle, meine Herren, denken so, wie die Menschen denken gelernt haben durch die lateinische Sprache. Und wenn Sie auch zum Beispiel anführen, sagen wir, die Amerikaner lernten nicht so früh Lateinisch — ja, aber die Amerikaner von heute sind ja von Europa eingewandert! Das hängt alles von der lateinischen Sprache ab.
[ 17 ] So everything we learn today depends on the Latin language. And this came about because in the Middle Ages—if we go back to the 14th and 15th centuries, which wasn’t that long ago—everything was presented in Latin. The first person, for example, to give a lecture in German in Leipzig was a certain Thomasins. That wasn’t so long ago—it was in the 17th century. Lectures were given in Latin everywhere. Anyone who wanted to learn anything had to go through the Latin language, and in the Middle Ages, everything one could learn was taught exclusively in Latin. If you wanted to learn anything else, you first had to learn Latin. You might say: But not in elementary school. — But elementary schools haven’t existed until the 16th century. It was only gradually, as the vernacular began to be used in scholarship, that elementary schools emerged. So what influences our entire way of thinking is the Latin language. All of you, gentlemen, think the way people have learned to think through the Latin language. And even if you cite, for example, the fact that Americans did not learn Latin so early—yes, but today’s Americans are, after all, immigrants from Europe! It all depends on the Latin language.
[ 18 ] Die lateinische Sprache hat aber eine ganz bestimmte Eigentümlichkeit, Sie ist nämlich so ausgebildet worden im alten Rom, daß sie selber denkt. Es ist interessant, wie der lateinische Unterricht in den Gymnasien gegeben wird. Er wird so gegeben, daß man also Latein lernt, und dann lernt man das Denken, das richtige Denken an dem lateinischen Satze. So daß also das ganze Denken abhängig wird von etwas, was gar nicht der Mensch macht, sondern was die lateinische Sprache macht. Verstehen Sie das nur, meine Herren, daß das etwas ganz Wichtiges ist! Also die Menschen, die heutzutage irgend etwas gelernt haben, denken nicht selber, sondern bei denen, wenn sie auch niemals die lateinische Sprache gelernt haben, denkt die lateinische Sprache. Deshalb ist es ja so, daß man selbständiges Denken, so kurios das ist, eigentlich heute nur noch bei manchen Menschen trifft, die nicht viel gelernt haben.
[ 18 ] The Latin language, however, has a very specific characteristic: it was developed in ancient Rome in such a way that it thinks for itself. It is interesting to note how Latin is taught in high schools. It is taught in such a way that one first learns Latin, and then one learns to think—to think correctly—through Latin sentences. Thus, one’s entire way of thinking becomes dependent on something that is not at all the result of human action, but rather the result of the Latin language itself. Just understand this, gentlemen: this is something very important! So people today who have learned anything do not think for themselves; rather, even if they have never studied Latin, it is the Latin language that does the thinking for them. That is why, strange as it may seem, independent thinking is actually found today only among certain people who have not learned much.
[ 19 ] Ich will damit ja nicht etwa sagen, wir sollen wiederum in den Analphabetismus zurück. Das können wir nicht. Ich will nirgends einen Rückschritt; aber dasjenige, was ist, muß man verstehen. Deshalb ist es ja so wichtig, daß man manchmal auch zurückgehen kann zu dem, was der einfache Mensch, der wenig gelernt hat, noch weiß. Er kann es ja gar nicht mehr herausbringen, weil man ihn natürlich auslacht. Aber trotzdem, es ist außerordentlich wichtig, daß man weiß: Die Menschen denken heute nicht selbst, sondern die lateinische Sprache denkt in ihnen.
[ 19 ] I’m not saying, of course, that we should go back to illiteracy. We can’t do that. I don’t want any kind of regression; but we have to understand what is. That is why it is so important that we can sometimes go back to what the ordinary person, who has had little education, still knows. They can’t really express it anymore, because people naturally laugh at them. But nevertheless, it is extremely important to realize: People today do not think for themselves; rather, the Latin language thinks within them.
[ 20 ] Sehen Sie, solange man nicht selber denken kann, solange kann man überhaupt nicht in die geistige Welt hineinkommen. Jetzt haben Sie den Grund, warum sich die heutige Erkenntnis auflehnt gegen alles geistige Erkennen: weil die Leute durch die lateinische Erziehung dazu gekommen sind, nicht selber zu denken. Das ist das erste, was man lernen muß: selber denken. Die Leute haben heute ganz recht, wenn sie sagen: Das Gehirn denkt. — Warum denkt das Gehirn? Weil die lateinischen Sätze ins Gehirn hereingehen, und das Gehirn denkt ganz automatisch bei dem heutigen Menschen. Das sind Automaten der lateinischen Sprache, die herumlaufen und gar nicht selber denken.
[ 20 ] You see, as long as one cannot think for oneself, one cannot enter the spiritual world at all. Now you have the reason why today’s thinking rebels against all spiritual knowledge: because people, through their Latin-based education, have come to the point where they no longer think for themselves. That is the first thing one must learn: to think for oneself. People today are quite right when they say: “The brain thinks.” — Why does the brain think? Because Latin sentences enter the brain, and the brain thinks entirely automatically in modern people. They are automatons of the Latin language, walking around without thinking for themselves at all.
[ 21 ] In der letzten Zeit ist nämlich etwas geschehen, was ganz merkwürdig ist. Ich habe es Ihnen schon das letzte Mal angedeutet, aber Sie werden es nicht bemerkt haben, weil es nicht so leicht zu bemerken ist. In der letzten Zeit ist nämlich etwas ganz Besonderes geschehen. Nicht wahr, wir haben in uns unseren physischen Körper, außerdem unseren Ätherkörper und die anderen auch noch, davon will ich jetzt nicht reden. Nun, das Gehirn gehört natürlich zum physischen Körper, aber es ist der Ätherkörper auch im Gehirn darin, und selbst denken kann man nur mit dem Ätherkörper. Man kann nicht mit dem physischen Körper selbst denken. Aber denken kann man mit dem physischen Körper, wenn es so ist wie bei der lateinischen Sprache: daß das Gehirn wie ein Automat benutzt wird, wenn man mit dem Gehirn denkt. Aber solange man bloß mit dem Gehirn denkt, kann man ja nichts Geistiges denken. Da muß man anfangen mit dem Ätherkörper zu denken, mit dem Ätherkörper, der bei dem, der geisteskrank ist, durch viele Jahre oft nicht benutzt wird. Das muß man in innere Tätigkeit bringen.
[ 21 ] Something quite strange has happened recently. I already hinted at it last time, but you may not have noticed it because it’s not that easy to notice. Something quite special has happened recently. After all, we have our physical body within us, as well as our etheric body and the others—but I don’t want to talk about those right now. Now, the brain naturally belongs to the physical body, but the etheric body is also present within the brain, and one can think only with the etheric body. One cannot think with the physical body itself. But one can think with the physical body if it is like in the case of the Latin language: that the brain is used like an automaton when one thinks with the brain. But as long as one thinks only with the brain, one cannot think anything spiritual. One must begin to think with the etheric body—the etheric body that, in the case of someone who is mentally ill, is often not used for many years. One must bring this into inner activity.
[ 22 ] Aber das ist es, worauf es zuallererst ankommt: daß man selbständig selber denken lernt. Ohne daß man selbständig selber denken kann, kann man nicht in die geistige Welt hineinkommen. Dazu ist natürlich notwendig, daß man überhaupt zuallererst darauf kommt: Donnerwetter, du hast ja in deiner Jugend gar nicht selber denken gelernt! Du hast nur gelernt, das zu denken, was seit Jahrhunderten durch den Gebrauch der lateinischen Sprache gedacht worden ist. — Und wenn man dies in der richtigen Weise weiß, dann weiß man, daß die allererste Bedingung, auf die es ankommt zum Hineinkommen in die geistige Welt, ist: Lerne selbständig denken.
[ 22 ] But that is what matters most of all: learning to think for oneself independently. Without the ability to think for oneself independently, one cannot enter the spiritual world. Of course, this requires that one first realize: Good heavens, you never actually learned to think for yourself in your youth! You’ve only learned to think what has been thought for centuries through the use of the Latin language. — And when you understand this correctly, you realize that the very first condition necessary for entering the spiritual world is: Learn to think independently.
[ 23 ] Aber jetzt kommt das, worauf ich hindeuten wollte, indem ich sagte, in der letzten Zeit ist etwas Merkwürdiges vorgekommen. Diejenigen Menschen, die am meisten nur nach dem Lateinischen gedacht haben, das waren ja die Gelehrten, und die Gelehrten haben zum Beispiel die Physik gemacht. Die Physik haben sie ausgedacht, sie haben sie gedacht ganz im Sinne der lateinischen Sprache mit dem physischen Gehirn. Als wir klein waren, als ich so alt war wie zum Beispiel da der junge Erbsmehl, da haben wir nur eine Physik gelernt, die ausgedacht worden ist mit dem lateinischen Gehirn. Nur das haben wir ja gelernt, was ausgedacht worden ist mit dem lateinischen Gehirn. Aber seither, meine Herren, ist ja ungeheuer viel geschehen. Sehen Sie, als ich klein war, kam eben das Telephon auf. Es war ja vorher nicht da. Nachher kamen alle die anderen großen Erfindungen, in die heute der Mensch schon so hineinwächst, als wenn sie immer dagewesen wären. Die sind ja erst in den allerletzten Jahrzehnten gekommen. Dadurch sind immer mehr Leute in die Wissenschaft hineingekommen, die nicht lateinisch dressiert worden sind. Das ist solch eine merkwürdige Geschichte. Wenn man nämlich dem wissenschaftlichen Leben in den letzten Jahrzehnten nachgeht, so findet man, daß immer mehr solche Techniker hineinkommen in die Wissenschaft. Die haben sich nicht viel mit dem Lateinischen befaßt. Dadurch ist ihr Denken nicht so automatisch geworden. Und dieses nichtautomatische Denken ist dann auch auf die anderen übergegangen. Daher ist es heute so, daß die Physik lauter Begriffe, Ideen hat, die zerfallen. Die sind höchst interessant. Da ist zum Beispiel der Professor Gruner in Bern, der vor zwei Jahren über die Neuorientierung der Physik gesprochen hat. Da hat er gesagt: Alle Begriffe sind anders geworden in den letzten Jahren.
[ 23 ] But now comes what I was trying to get at when I said that something strange has been happening lately. The people who thought most exclusively in terms of Latin were, of course, the scholars, and the scholars were the ones who developed physics, for example. They devised physics; they conceived of it entirely in the spirit of the Latin language, using their “physical brain.” When we were little—when I was about the same age as, say, young Erbsmehl—we learned only a form of physics that had been devised with the “Latin brain.” That’s all we learned—what had been conceived with the Latin mind. But since then, gentlemen, an enormous amount has happened. You see, when I was a child, the telephone was just coming into use. It hadn’t existed before. After that came all the other great inventions, which people today take for granted as if they’d always been there. These have only emerged in the very last few decades. As a result, more and more people who haven’t been trained in Latin have entered the world of science. It’s such a curious story. If you trace the development of scientific life over the last few decades, you’ll find that more and more of these technicians are entering the field of science. They haven’t dealt much with Latin. As a result, their thinking hasn’t become so automatic. And this non-automatic way of thinking has then spread to others as well. That’s why physics today is full of concepts and ideas that are breaking down. They’re extremely interesting. Take, for example, Professor Gruner in Bern, who spoke two years ago about the reorientation of physics. He said: “All concepts have changed in recent years.”
[ 24 ] Daß man das nicht bemerkt, kommt eben nur davon her, daß, wenn Sie heute in populäre Vorträge gehen, Ihnen die Leute noch das erzählen, was man vor zwanzig Jahren gedacht hat! Das was heute gedacht wird, das können sie Ihnen nicht erzählen, weil sie selber noch nicht denken können. Es ist nämlich gerade so, wenn man die Begriffe nimmt, die man noch vor dreißig Jahren hat gelten lassen, wie wenn man ein Stückchen Eis hat und das zerschmilzt: die Ideen zerschmelzen. Sie sind nicht mehr da, wenn man sie genau denken will. Wir müssen das eben einsehen. Es ist ja so: Wenn einer vor dreißig Jahren Physik gelernt hat und heute sich anschaut, wie es geworden ist, möchte er sich die Haare ausraufen, weil er sich sagen muß: Ja, da komme ich nicht zu Rande mit den Begriffen, die ich gelernt habe! — Dies ist eben so. Und woher rührt das? Ja, das rührt eben davon her, weil in den letzten Jahren die Menschen durch die Entwickelung der Menschheit dazu gebracht worden sind, daß der Ätherleib anfangen soll zu denken. Und das wollen sie nicht, sie wollen mit dem physischen Leib weiter denken. Aber im physischen Leib fallen einem die Begriffe ganz auseinander. Und mit dem Ätherleib wollen sie nicht denken lernen. Selbständig denken wollen sie nicht lernen.
[ 24 ] The reason people don’t notice this is simply that when you go to popular lectures today, people are still telling you what people thought twenty years ago! They can’t tell you what people think today, because they themselves aren’t yet capable of thinking for themselves. It’s just like this: if you take the concepts that were still accepted thirty years ago, it’s as if you have a piece of ice that’s melting—the ideas melt away. They’re no longer there when you try to think them through carefully. We simply have to recognize this. It’s like this: If someone studied physics thirty years ago and looks today at how things have turned out, they’d want to tear their hair out because they have to admit to themselves: “Yes, I can’t make head or tail of the concepts I learned!” — That’s just how it is. And where does this come from? Well, it stems precisely from the fact that in recent years, through the evolution of humanity, people have been led to a point where the etheric body is supposed to begin thinking. And they don’t want that; they want to continue thinking with the physical body. But in the physical body, the concepts completely fall apart. And they don’t want to learn to think with the etheric body. They don’t want to learn to think independently.
[ 25 ] Nun, sehen Sie, da ist es eben so, daß es notwendig geworden ist, daß ich im Jahre 1893 dieses Buch geschrieben habe über die Philosophie der Freiheit. Dieses Buch, «Die Philosophie der Freiheit», ist nicht so wichtig durch das, was drinnen steht. Natürlich, das, was drinnen steht, das wollte man schon auch dazumal der Welt sagen, aber das ist nicht das Allerwichtigste, sondern das Wichtige bei diesem Buche «Die Philosophie der Freiheit» ist, daß zum ersten Mal ganz und gar selbständiges Denken in diesem Buche ist. Kein Mensch kann das Buch verstehen, der nur unselbständig denkt. Er muß sich Seite für Seite, ganz von Anfang an, daran gewöhnen, zurückzugehen zu seinem Ätherleib, um solche Gedanken überhaupt haben zu können, wie sie in diesem Buche sind. Deshalb ist dieses Buch ein Erziehungsmittel — es ist ein schr wichtiges Erziehungsmittel —, und als solches muß man es auffassen.
[ 25 ] Well, you see, the fact is that it became necessary for me to write this book on The Philosophy of Freedom in 1893. This book, The Philosophy of Freedom, is not so important because of what it contains. Of course, what is written in it was something I wanted to convey to the world even back then, but that is not the most important thing; rather, what is important about this book, The Philosophy of Freedom, is that for the first time, it contains thinking that is entirely independent. No one who thinks only in a dependent way can understand this book. Page by page, right from the very beginning, the reader must accustom themselves to returning to their etheric body in order to be able to have thoughts at all like those found in this book. That is why this book is an educational tool—it is a very important educational tool—and as such, it must be understood.
[ 26 ] Als das Buch erschienen war in den neunziger Jahren, da haben die Leute überhaupt nicht gewußt, was sie mit ihm machen sollen. Das ist für sie so gewesen, wie wenn einer in Europa chinesisch schreibt und kein Mensch das verstehen kann. Es war ja natürlich deutsch geschrieben, aber es war in Gedanken geschrieben, die den Leuten gar nicht gewohnt waren, weil in dieser Beziehung alles Lateinische ganz absichtlich abgestreift ist. Es ist zum ersten Male ganz bewußt Rücksicht darauf genommen: Da drinnen sollen keine Gedanken sein, die noch durchs Lateinische beeinflußt sind, sondern nur ganz selbständige Gedanken. Ein Lateiner ist ja nur das physische Gehirn. Der Ätherleib des Menschen ist kein Lateiner. Daher muß man sich erst bemühen, in einer Sprache solche Gedanken auszudrücken, wie man sie dann hat, wenn man sie im Ätherleib hat.
[ 26 ] When the book was published in the 1890s, people had absolutely no idea what to make of it. For them, it was like someone in Europe writing in Chinese that no one could understand. Of course, it was written in German, but it was written in terms of ideas that people were not at all accustomed to, because in this regard, all Latin elements have been deliberately stripped away. For the first time, this was done quite consciously: there should be no thoughts in it that are still influenced by Latin, but only entirely independent thoughts. A “Latinist” is, after all, merely the physical brain. The human etheric body is not a “Latinist.” Therefore, one must first strive to express in a language the kinds of thoughts one has when they arise in the etheric body.
[ 27 ] Ich will Ihnen noch etwas sagen. Natürlich bemerkten die Menschen, daß in den letzten Jahrzehnten die Begriffe alle anders geworden sind. Als ich eben noch jung war, da kam der Professor, schrieb die ganze Tafel voll. Das mußte man lernen, und dann machte man ein gutes Examen. Na, schön! Und jetzt, in den letzten Jahren sind die Leute darauf gekommen, was eben dieser Gruner gesagt hat bei seiner Rektoratsrede: Alle unsere Begriffe hätten ja keinen Sinn mehr, wenn es keine festen, sondern nur flüssige Körper geben würde. — Er stellt sich vor, daß die ganze Welt ein flüssiger Körper wäre. Dann aber hätten die Begriffe alle keinen Sinn mehr, dann müßte man ganz anders denken, sagt er.
[ 27 ] I want to tell you something else. Of course, people have noticed that concepts have all changed in recent decades. When I was still young, the professor would come in and fill the entire blackboard with writing. You had to learn that, and then you’d do well on the exam. Well, fine! And now, in recent years, people have come to realize what this Gruner said in his inaugural address as rector: All our concepts would no longer make any sense if there were no solid bodies, only liquid ones. — He imagines that the whole world were a liquid body. But then all the concepts would no longer make any sense; then we’d have to think in a completely different way, he says.
[ 28 ] Ja, natürlich müßte man anders denken, wenn kein fester Körper mehr da wäre! Dann könnten Sie mit all den Begriffen, die Sie in der Schule gelernt haben, nichts mehr anfangen. Wenn Sie also, sagen wir, als Fisch plötzlich ganz gescheit würden und es käme Ihnen die Idee, Sie sollten als Fisch auf eine menschliche Hochschule gehen, dann würden Sie da etwas lernen, was es überhaupt für den Fisch nicht gibt, weil der Fisch im Wasser lebt. Er hat feste Körper nur an der Grenze, wo er antippt und gleich wieder zurückprallt. Also wenn der Fisch anfangen würde zu denken, müßte er ja ganz andere Gedanken haben als der Mensch. Aber solche Gedanken, die braucht der Mensch heute auch, weil ihm die anderen Gedanken entfallen, und er muß sich selber sagen: Donnerwetter, wenn alles flüssig wäre, müßten wir ganz andere Gedanken haben.
[ 28 ] Yes, of course you’d have to think differently if there were no solid body left! Then you wouldn’t be able to make sense of any of the concepts you learned in school. So if, let’s say, you were a fish and suddenly became very intelligent, and it occurred to you that you should attend a human university as a fish, you would learn something there that doesn’t exist at all for a fish, because a fish lives in water. It encounters solid bodies only at the boundary, where it touches them and immediately bounces right back. So if the fish were to start thinking, it would have to have thoughts completely different from those of a human. But humans need such thoughts today, too, because they’ve forgotten the other kinds of thoughts, and they have to say to themselves: “Good grief, if everything were liquid, we’d have to have completely different thoughts.”
[ 29 ] Ja aber, meine Herren, habe ich Ihnen nicht erzählt von einem Zustand der Erde, wo es noch keine festen Körper gegeben hat, wo alles flüssig war, wo selbst die Tiere so waren, daß sie flüssig waren? Ich habe Ihnen ja erzählt von diesem Zustande. Ist es Ihnen nicht begreiflich, daß das heutige Denken in diese Zustände überhaupt nicht zurückkommt? Die kann es ja nicht denken! Also kann das heutige Denken über den Weltanfang überhaupt nichts ausmachen. Und, so muß man sagen, die heutigen Menschen fangen an, sich zu denken: Donnerwetter, wenn die Welt flüssig wäre, müßten wir ganz andere Begriffe haben! — Aber in der geistigen Welt sind keine festen Körper! Also mit all den Begriffen, die die lateinische Sprache in die Menschen nach und nach hineindressiert hat, kann man überhaupt nicht in die geistige Welt hineinkommen. Die muß man sich erst abgewöhnen, diese Begriffe.
[ 29 ] Yes, but gentlemen, haven’t I told you about a state of the Earth when there were no solid bodies yet, when everything was liquid, when even the animals were liquid? I have indeed told you about this state. Don’t you find it incomprehensible that today’s thinking cannot even conceive of such states? It simply cannot conceive of it! So modern thinking cannot make sense of the beginning of the world at all. And, one must say, people today are beginning to think to themselves: Good heavens, if the world were liquid, we would have to have entirely different concepts! — But there are no solid bodies in the spiritual world! So with all the concepts that the Latin language has gradually drilled into people, one cannot enter the spiritual world at all. One must first unlearn these concepts.
[ 30 ] Sehen Sie, das ist ja ein großes Geheimnis: Im Griechentum, das vorangegangen ist dem Lateinertum — das Lateinertum, das entstand erst fünf, sechs Jahrhunderte vor Christi Geburt, aber das Griechentum ist viel älter —, im Griechentum, da gab es noch eine Erkenntnis des Geistigen. Da konnte man noch in die geistige Welt hineinschauen. Als das Römertum gekommen ist mit der lateinischen Sprache, da wurde der Geist allmählich ausgerottet. Jetzt muß ich wiederum etwas sagen, was Ihnen sehr kurios vorkommen wird, aber Sie werden das begreifen. Wer hat sich denn der lateinischen Sprache durch die Jahrhunderte bedient, nur die lateinische Sprache gebraucht? — Die Kirche selber hat am meisten dazu beigetragen! Das ist es gerade, daß die Kirche, die vorgibt, den Menschen den Geist beizubringen, gerade am meisten dazu beigetragen hat, den Geist auszutreiben. Und im Mittelalter waren alle Hochschulen kirchlich. Natürlich muß man der Kirche dankbar sein, daß sie überhaupt die Hochschulen begründet hat im 13., 14., 15. Jahrhundert, aber sie hat sie begründet aus dem Lateinertum heraus, und das Lateinertum hat niemals die Möglichkeit, zum Geist zu kommen. Und so ist es eben gekommen, daß die Menschen allmählich nur Begriffe gehabt haben für feste Körper. Sehen Sie sich das einmal bei den Römern an: Die Römer haben diese ganz trockenen, nüchternen, ungeistigen Begriffe in die Welt eingeführt. Das hat gemacht, daß dann alles so materiell vorgestellt worden ist. Was glauben Sie, wenn noch die Griechen solch eine Handlung wie das Abendmahl geschildert hätten — ja, die hätten doch das nicht so geschildert, als ob das Materielle, das man da hat, Blut und Fleisch wäre! Das kommt ja vom Materialismus. Sogar die Abendmahlsauffassung ist materialistisch geworden, weil alles das zusammenhängt mit der lateinischen Sprache.
[ 30 ] You see, this is a great mystery: In Greek civilization, which preceded Roman civilization—Roman civilization did not emerge until five or six centuries before the birth of Christ, but Greek civilization is much older—in Greek civilization, there was still an understanding of the spiritual. Back then, one could still look into the spiritual world. When Roman civilization arrived with the Latin language, the spirit was gradually eradicated. Now I must say something else that will seem very strange to you, but you will understand it. Who, after all, has made use of the Latin language throughout the centuries, using nothing but Latin? — The Church itself has contributed the most to this! That is precisely the point: the Church, which claims to teach people about the spirit, has in fact contributed the most to driving the spirit out. And in the Middle Ages, all universities were under the Church’s control. Of course, we must be grateful to the Church for having founded the universities in the 13th, 14th, and 15th centuries, but it founded them out of a culture of Latin, and that culture of Latin never has the capacity to reach the spirit. And so it came to pass that people gradually came to have concepts only for solid bodies. Just look at the Romans: The Romans introduced these very dry, sober, unspiritual concepts into the world. That is what led to everything being conceived of in such material terms. What do you think—if the Greeks had described a ritual such as the Lord’s Supper—well, they certainly wouldn’t have described it as if the material elements present there were actually blood and flesh! That stems from materialism. Even the understanding of the Lord’s Supper has become materialistic, because all of this is connected to the Latin language.
[ 31 ] Die lateinische Sprache ist ganz nur logisch. Sehen Sie, ich habe ja mit vielen solchen Menschen gearbeitet, die eine ganz lateinische Kultur gehabt haben, trotzdem sie deutsch geredet haben. Wollte man irgend etwas klar haben, dann übersetzte man geschwind die Geschichte ins Lateinische, weil man im Lateinischen nur logisch denkt in der neueren Zeit. Aber dieses logische Denken, das bezieht sich ja eben nur auf feste Körper. Will man in die geistige Welt hinein, so braucht man flüssige Begriffe.
[ 31 ] The Latin language is entirely logical. You see, I have worked with many people who were steeped in Latin culture, even though they spoke German. If one wanted to clarify something, one would quickly translate the story into Latin, because in modern times, people think only logically in Latin. But this logical thinking applies only to solid objects. If one wants to enter the spiritual world, one needs fluid concepts.
[ 32 ] Da gibt es zum Beispiel die Theosophische Gesellschaft. Die wollte ja auch in die geistige Welt hinein. Diese Theosophische Gesellschaft, die redet auch davon: Der Mensch hat einen physischen Leib, einen Ätherleib und so weiter — aber die sind materialistisch, denn sie denken ja nur: Der physische Leib, der ist dick, der Ätherleib ist etwas dünner und der astralische Leib noch dünner. — Aber das bleibt ja lauter Körper, das wird ja niemals Geist, weil man zu solchen Begriffen kommen muß, wenn man in den Geist hinein will, die fortwährend sich verändern. Sehen Sie, wenn ich zeichne, dann werden Sie bemerken, daß ich das selbst beim Zeichnen berücksichtige. Ich zeichne meinetwillen den physischen Leib auf; da versuche ich nachzuahmen, wie der Mensch als physischer Mensch ist. Wenn ich aber nun versuche den Ätherleib zu zeichnen, da wird es mir gar nicht einfallen, Ihnen in derselben Weise eine Figur hinzuzeichnen, sondern da versuche ich so darzustellen: Der Mensch hat auch einen Ätherleib, der dehnt sich so aus (siehe Zeichnung). — Aber Sie müssen wissen: Das ist nicht so sehr der Ätherleib, nicht so sehr, wenn ich ihn so aufzeichne, seine Abbildung, sondern das ist nur die Abbildung eines Augenblicks. Im nächsten Augenblick ist er wieder anders. — Also wenn ich den Ätherleib zeichnen wollte, müßte ich jetzt aufzeichnen, geschwind auslöschen, wieder anders aufzeichnen, wieder löschen, wieder aufzeichnen, wieder löschen. Das ist in fortwährender Bewegung. Der Mensch kommt da mit seinen Begriffen, wie er sie heute hat, diesen Bewegungen gar nicht nach. Das ist es, was Sie vor allen Dingen berücksichtigen müssen: daß die Begriffe beweglich werden müssen. Daran müssen sich die Menschen erst gewöhnen. Daher ist es notwendig, daß man heute zu ganz selbständigem Denken kommt.
[ 32 ] Take, for example, the Theosophical Society. It, too, sought to enter the spiritual world. This Theosophical Society also speaks of this: that human beings have a physical body, an etheric body, and so on—but they are materialistic, because they think only: The physical body is dense, the etheric body is somewhat thinner, and the astral body even thinner. — But that’s all just bodies; it will never become spirit, because if you want to enter into the spirit, you have to arrive at concepts that are constantly changing. You see, when I draw, you’ll notice that I take this into account even while drawing. For my own sake, I sketch the physical body; there I try to imitate what a human being is like as a physical being. But when I try to sketch the etheric body, it would never occur to me to draw a figure for you in the same way; instead, I try to depict it like this: The human being also has an etheric body, which expands like this (see drawing). — But you must know: this is not so much the etheric body—not so much, when I sketch it this way, its representation—but rather it is only the representation of a single moment. In the next moment, it is different again. — So if I wanted to draw the etheric body, I would have to sketch it now, quickly erase it, sketch it differently again, erase it again, sketch it again, and erase it again. It is in constant motion. With the concepts people have today, they simply cannot keep up with these movements. That is what you must take into account above all else: that concepts must become flexible. People must first get used to this. That is why it is necessary today to develop completely independent thinking.


[ 33 ] Aber das genügt noch nicht, meine Herren. Ich will Ihnen noch etwas anderes sagen. Sie wissen ja: Der Mensch entwickelt sich. Nun, man beachtet gewöhnlich diese Entwickelung im Leben des Menschen nicht; aber wenn der Mensch noch ganz jung ist, beachtet man es. Man weiß ganz gut: Ein vierjähriges Kind kann noch nicht schreiben und rechnen und lesen, ein achtjähriges Kind kann es vielleicht. Da sieht man die Entwickelung. Aber im späteren Leben, wenn wir einmal «gemachte Menschen» sind, da sind wir ja überhaupt so hochnäsig, daß wir es nicht mehr zugeben, daß wir uns entwickeln. Aber wir entwikkeln uns eigentlich durch das ganze Leben, und es ist sehr eigentümlich, wie wir uns entwickeln. Sehen Sie, unsere Entwickelung, die geht nämlich so: Nehmen Sie an, wir haben den Menschen — ich will ihn ganz schematisch zeichnen —: Wenn das Kind ganz jung ist, dann geht alle Entwickelung vom Kopfe aus. Wenn man dann den Zahnwechsel durchgemacht hat, also älter geworden ist, dann geht alle Entwickelung von der Brust aus. Deshalb muß man so achtgeben, wie die Kinder vom siebenten bis vierzehnten Jahre atmen; daß sie genügend atmen und so weiter. Also das ist das Alter von dem größeren Kind — heute müßte man ja eigentlich schon anders sagen, heute lassen sich das die Kinder nicht mehr gefallen; vom vierzehnten Jahr an muß man heute schon «junge Damen» und «junge Herren» sagen. Also sagen wir: das ist das Alter der größeren Kinder. Und erst, wenn der Mensch geschlechtsreif geworden ist, geht vom ganzen Menschen, von den Gliedmaßen die Entwickelung aus. So daß wir sagen können: Wenn der Mensch geschlechtsreif geworden ist, da erst ist der Mensch selber in voller Entwickelung. — Das bleibt jetzt. Da entwickeln wir uns durch die Zwanzigerjahre, Dreißigerjahre noch hindurch. Aber, sehen Sie, meine Herren — einige von Ihnen können das ja schon an sich selbst sehen —, wenn man älter wird, dann geht manches wiederum zurück. Da geht wirklich manches zurück. Nun, das braucht ja nicht der Fall zu sein, wenn man ein geistiges Leben aufgenommen hat, aber so im normalen menschlichen Leben geht schon die Sache zurück, wenn man älter geworden ist. Das ist gerade die Aufgabe der Anthroposophie, dafür zu sorgen, daß die Menschen in der Zukunft mit dem Alter nicht mehr zurückgehen. Aber das muß natürlich auch langsam und allmählich geschehen.
[ 33 ] But that’s not enough, gentlemen. I want to tell you something else. As you know, people develop. Now, people usually don’t pay attention to this development in a person’s life; but when a person is still very young, they do. We know full well that a four-year-old child cannot yet write, do arithmetic, or read, whereas an eight-year-old might be able to. That’s where we see development. But later in life, once we’ve become “established adults,” we’re so full of ourselves that we no longer admit we’re still developing. But we actually develop throughout our entire lives, and it is very peculiar how we develop. You see, our development proceeds as follows: Suppose we have a human being—I’ll sketch him out very schematically—: When the child is very young, all development originates from the head. Once a child has gone through the change of teeth—that is, once they’ve grown older—all development proceeds from the chest. That’s why one must pay such close attention to how children breathe from the ages of seven to fourteen—to ensure they breathe sufficiently and so on. So that is the age of the older child—today we’d actually have to put it differently; children no longer put up with that kind of language; from the age of fourteen onward, we have to refer to them as “young ladies” and “young gentlemen.” So let’s say: that is the age of the older children. And only when a person has reached sexual maturity does development emanate from the whole person, from the limbs. So we can say: Only when a person has reached sexual maturity is the person themselves in full development. — That remains the case. We continue to develop through our twenties and thirties. But, you see, gentlemen—some of you can already observe this in yourselves—as one gets older, certain things begin to decline again. Indeed, many things do decline. Well, that need not be the case if one has embraced a spiritual life, but in normal human life, things do indeed decline as one grows older. It is precisely the task of anthroposophy to ensure that, in the future, people no longer decline with age. But of course, this must also happen slowly and gradually.
[ 34 ] Nun ist es ja so, daß es Menschen gibt, bei denen die geistigen Kräfte, wie man sagt, ganz furchtbar zurückgehen. Nun kann der Geist aber nicht zurückgehen, sondern es ist wieder nur der Körper, der zurückgeht. Es ist nun interessant, daß gerade sehr geistreiche Menschen oftmals im Alter furchtbar zurückgehen. So zum Beispiel werden Sie schon gehört haben, daß die Menschen ja den Kant zu den besonders großen Weisen rechnen. Kant war aber in seinem Alter blödsinnig. Also sein Körper ist so zurückgegangen, daß er seinen weisen Geist nicht mehr benützen konnte. Und so ist es bei vielen. Gerade sehr gescheite Leute sind im Alter ja richtig blödsinnig geworden. Das ist natürlich wieder nur ein starker, intensiver Ausdruck für das, was bei jedem Menschen eintritt. Allmählich kann man ja im Alter den physischen Körper nicht mehr gebrauchen. Man kann ihn ja dann schon aus dem Grunde nicht gebrauchen, weil sich ungeheuer viel Kalk einlagert, namentlich in die Adern. Und je mehr sich Kalk in die Adern einlagert, desto weniger kann man den physischen Körper gebrauchen. Aber in demselben Maße, in dem, sagen wir zum Beispiel bis zum vierzigsten Jahre vom Kopfe herunter die Entwickelung in den ganzen Körper hineingeht, in demselben Maße geht es wiederum zurück. Kommt man von den Vierziger- in die Fünfzigerjahre hinauf, so muß man wiederum die Brust mehr gebrauchen, und im Alter muß man wieder mehr den Kopf gebrauchen. Wenn man also ganz alt geworden ist, muß man wieder mehr den Kopf gebrauchen. Aber jetzt müßte man im Alter nicht den physischen Kopf gebrauchen, sondern den feineren Kopf, den Ätherkopf da oben muß man gebrauchen. Aber das lernen die Leute in der lateinischen Erziehung nicht. Und gerade diejenigen, die in den letzten Jahrzehnten materialistische lateinische Erziehung genossen haben, die sind am meisten diesem Altersblödsinn ausgesetzt gewesen.
[ 34 ] Now, it is true that there are people whose mental faculties, as they say, decline terribly. But the mind cannot decline; rather, it is once again only the body that declines. It is interesting that it is precisely very intelligent people who often decline terribly in old age. For example, you’ve probably heard that people count Kant among the particularly great sages. But Kant was senile in his old age. His body had deteriorated to such an extent that he could no longer make use of his wise mind. And so it is with many people. It is precisely very intelligent people who have become downright senile in old age. Of course, this is again merely a strong, intense expression of what happens to every human being. Gradually, in old age, one can no longer make use of the physical body. One cannot use it then, for the simple reason that an enormous amount of calcium deposits build up, particularly in the arteries. And the more calcium deposits build up in the arteries, the less one can rely on the physical body. But to the same extent that—let’s say, for example, up to the age of forty—development flows from the head down into the entire body, to that same extent it flows back again. As one moves from one’s forties into one’s fifties, one must once again make greater use of the chest, and in old age, one must once again make greater use of the head. So when one has grown quite old, one must once again make greater use of the head. But in old age, one should not be using the physical head, but rather the finer head—one must use the etheric head up there. But people don’t learn this in a Latin-based education. And it is precisely those who have enjoyed a materialistic Latin-based education in recent decades who have been most exposed to this nonsense about aging.
[ 35 ] Man muß im Alter wiederum auf die Kindheitsstufe zurück. Es gibt ja Leute, bei denen das sehr stark eintritt. Sie werden, wie man sagt, geistig immer schwächer und schwächer. Der Geist bleibt aber ganz erhalten, der Körper wird nur immer schwächer und schwächer. Solche Leute können zuletzt das nicht mehr, was sie zuallererst fertig gebracht haben. Solche Dinge kommen durchaus vor. Sagen wir, ein Mensch ist alt geworden. Das, was er zuletzt getrieben hat, das kann er gar nicht mehr. Er kann nur noch dasjenige, was er als größeres Kind getrieben hat. Zuletzt kann er auch das nicht mehr, sondern er kann nur noch spielen und versteht auch nur noch diejenigen Begriffe, die er während des Spielens aufgenommen hat. Es hat sogar Leute gegeben, die konnten im höchsten Alter nur noch dasjenige verstehen, was ihnen die EItern oder die Amme in den allerersten Kindheitsjahren gesagt haben. Der Ausdruck: Im Alter wird man kindisch — der hat nämlich eine sehr gute Begründung. Man gelangt wirklich wiederum in die Kindheit zurück.
[ 35 ] In old age, one must return to the stage of childhood. There are, after all, people in whom this occurs very strongly. They become, as they say, mentally weaker and weaker. The mind, however, remains fully intact; it is only the body that grows weaker and weaker. Such people eventually can no longer do what they were able to do at the very beginning. Such things certainly happen. Let’s say a person has grown old. They can no longer do what they were doing most recently. They can only do what they used to do as an older child. Eventually, they can’t even do that anymore; instead, they can only play and understand only those concepts they absorbed while playing. There have even been people who, in their very old age, could understand only what their parents or nannies had told them in the very earliest years of childhood. The expression “In old age, one becomes childlike”—well, there is actually a very good reason for it. One truly does return to childhood.
[ 36 ] Aber das ist, sobald man Geistesleben in sich hat, kein Unglück, gar kein Unglück, sondern es ist eigentlich ein Glück; denn wenn man noch Kind ist, da kann man nämlich den Ätherleib benützen. Wenn das Kind herumtobt und schreit und alles mögliche macht, ja, das macht nicht der physische Leib — höchstens nur dann, wenn es Bauchweh hat, aber dann muß auch erst der Bauchschmerz übertragen werden auf den Ätherleib und astralischen Leib, damit das Kind sich infolge des Bauchwehs bewegt —; aber das, was da tobt, das ist eben nicht der physische Leib. Nun ist man alt und kommt wiederum auf die Kindheitsstufe zurück; dann hat man sich allmählich angewöhnt, nicht mehr zu toben, und benützt denselben Ätherleib, den man als Kind zum Toben benützt hat, dann im Alter zu etwas Gescheiterem. Also das kann ein Glück werden, daß man wiederum so zurückkommt.
[ 36 ] But as soon as one has a spiritual life within oneself, this is no misfortune—not at all—but is actually a blessing; for when one is still a child, one can make use of the etheric body. When a child runs around, screams, and does all sorts of things—well, that’s not the physical body doing it—at most only when the child has a stomachache, but even then the stomach pain must first be transmitted to the etheric body and the astral body so that the child moves as a result of the stomachache—but what is actually running around like that is not the physical body. Now one is old and returns once more to the stage of childhood; by then one has gradually become accustomed to no longer running wild, and uses the same etheric body that one used as a child for running wild for something more sensible in old age. So it can be a blessing to return to that state once more.
[ 37 ] Da haben Sie das zweite. Das erste, was man lernen muß, um in die geistige Welt hineinzukommen, ist ein richtiges Denken. Wie man dazu kommt, darüber werden wir noch weiter reden; die Fragen sind sehr kompliziert. Wir müssen heute erst einmal darauf kommen, einzusehen, wie das ist. Das erste ist ein ganz selbständiges Denken. Da muß man mit vielem brechen, was heutige Erziehung ist, denn die heutige Erziehung ist eben unselbständiges Denken, das vom Latein herrührt. Denken Sie nicht, daß dasjenige Denken, das heute an sozialistischen Theorien entwickelt wird, ein freies Denken ist! Die haben ja alle von dem gelernt, was aus dem Latein herausgekommen ist; die haben es nur nicht gewußt. Nicht wahr, der Arbeiter mag in seinem Wollen das oder jenes sich vornehmen können; aber wenn er anfängt zu denken, so denkt er ganz nach Bourgeoisbegriffen, und die sind ja aus lateinischem Denken hervorgegangen. Also das erste, das man haben muß, ist selbständiges Denken.
[ 37 ] There you have the second point. The first thing one must learn in order to enter the spiritual world is to think correctly. We will discuss how to achieve this later; the issues are very complicated. Today, we must first come to understand how this works. The first thing is completely independent thinking. This requires breaking with much of what constitutes modern education, for modern education is, in fact, dependent thinking that stems from Latin. Do not think that the kind of thinking developed today in socialist theories is free thinking! They have all learned from what emerged from Latin; they just didn’t realize it. Isn’t it true that a worker may be able to set this or that goal for himself; but when he begins to think, he thinks entirely in bourgeois terms, and those have emerged from Latin thought. So the first thing one must have is independent thinking.
[ 38 ] Das zweite aber, das ist, daß man lernen muß, nicht bloß in dem gegenwärtigen Augenblick zu leben, sondern immer wiederum zurückgehen zu können in das Leben, das man bis in die Kindheit hinein geführt hat. Sehen Sie, wer in die geistige Welt eindringen will, der muß oftmals sich vornehmen: Jetzt mußt du darauf kommen, wie es war, als du ein zwölfjähriger Junge warst. Was hast du da getan? — Und das muß man nun nicht oberflächlich, nur äußerlich, sondern ganz im einzelnen sich vorstellen. Es ist zum Beispiel nichts nützlicher, als wenn man anfängt sich zu sagen: Ja, da war ich ein zwölfjähriger Junge — ich kann es ganz gut übersehen —, da war ein Steinhaufen am Weg, auf den bin ich draufgestiegen. Einmal bin ich heruntergepurzelt. Da war irgendeine Haselnußstaude, da habe ich mein Messer herausgenommen, Zweige abgeschnitten, mich in den Finger geschnitten. — Dieses wiederum so richtig sehen, was man vor vielen Jahren selber gemacht hat: dadurch kommt man in das hinein, daß man eigentlich nicht bloß im Gegenwärtigen lebt. Wenn Sie denken, so wie man es heute gelernt hat, da denken Sie mit Ihrem gegenwärtigen physischen Leib. Aber wenn Sie auf das zurückkommen, was Sie mit zwölf Jahren waren, da können Sie nicht mit Ihrem damaligen physischen Leib denken, denn der ist nicht mehr da — ich habe Ihnen das gesagt, der physische Leib ist alle sieben Jahre neu —, da müssen Sie mit Ihrem Ätherkörper denken. Deshalb rufen Sie diesen Ätherleib auf, wenn Sie zurückdenken an etwas, was im Alter von zwölf, vierzehn Jahren zurückliegt. Dadurch kommen Sie in diese innere Ttätigkeit hinein.
[ 38 ] The second point, however, is that one must learn not only to live in the present moment, but also to be able to return again and again to the life one led all the way back to childhood. You see, anyone who wants to enter the spiritual world must often resolve: Now you must recall what it was like when you were a twelve-year-old boy. What did you do back then? — And you must imagine this not superficially, merely on the surface, but in every detail. For example, there is nothing more helpful than when you begin to say to yourself: “Yes, back then I was a twelve-year-old boy—I can picture it quite clearly—there was a pile of rocks by the path, and I climbed up on it. Once I tumbled down. There was a hazelnut bush there; I took out my knife, cut off some twigs, and cut my finger.” — To see this, in turn, so clearly—what you yourself did many years ago—is what allows you to realize that you do not actually live solely in the present. When you think in the way we’ve learned today, you’re thinking with your present physical body. But when you go back to who you were at the age of twelve, you cannot think with the physical body you had back then, because it is no longer there—as I’ve told you, the physical body is renewed every seven years—so you must think with your etheric body. That is why you call upon this etheric body when you think back on something that happened when you were twelve or fourteen years old. Through this, you enter into this inner activity.
[ 39 ] Und ganz besonders kann man sich angewöhnen, überhaupt anders zu denken, als man gewöhnlich denkt. Sehen Sie, wie denken Sie? Nicht wahr, wir haben uns heute um neun Uhr getroffen. Da habe ich angefangen Ihnen zuerst die Zettel vorzulesen, auf denen Fragen stehen. Dann habe ich allerlei Betrachtungen angestellt, und wir sind jetzt dazu gelangt, zu sagen: Wir müssen zurückdenken an ein früheres Leben, das wir durchgemacht haben, als wir zwölf, vierzehn Jahre alt waren. Jetzt können Sie, wenn Sie heimkommen, vielleicht, wenn es Ihnen besonders interessant ist, diese Gedanken noch einmal durchdenken. Nun ja, das kann man. So machen es ja die meisten Menschen: sie gehen das noch einmal durch. Aber Sie können etwas anderes machen. Sie können sagen: Was hat er zuletzt gesagt? Er hat zuletzt gesagt, daß man also an sein früheres Leben, bis ins Alter von zwölf, vierzehn Jahren zurück, denken soll. Noch früher, da hat er davon gesprochen, daß man freies Denken haben muß. Noch früher hat er ausgesprochen, wie das Lateinische allmählich hereingekommen ist. Noch früher, wie der Mensch, wenn er eine Zeitlang geistig nicht gesund gewesen ist, dann zurückschaut und sagt, er hätte da etwas Besonderes erfahren. Da hat er auseinandergesetzt, wie der innere Mensch nicht geistig krank wird, sondern nur der Körper krank wird. Sehen Sie, jetzt hätten Sie den ganzen Vortrag rückwärts gedacht.
[ 39 ] And in particular, you can train yourself to think differently from the way you usually do. See, how do you think? We met at nine o’clock today, didn’t we? I started by reading you the slips of paper with the questions on them. Then I offered all sorts of reflections, and we’ve now come to the conclusion that we need to think back to a previous phase of life we went through when we were twelve or fourteen years old. Now, when you get home—perhaps if you find this particularly interesting—you can go over these thoughts again. Well, yes, you can do that. That’s what most people do: they go over it again. But you can do something else. You can ask: What was the last thing he said? The last thing he said was that one should think back to one’s earlier life, all the way back to the age of twelve or fourteen. Even earlier, he spoke about the need for free thinking. Even earlier, he explained how Latin gradually made its way in. Even earlier, he described how a person, after having been mentally unwell for a time, looks back and says they experienced something special. There he explained how the inner person does not become mentally ill, but only the body becomes ill. You see, now you’ve thought through the entire lecture in reverse.
[ 40 ] Ja, meine Herren, rückwärts laufen die Dinge draußen nicht! Ich könnte Ihnen ja allenfalls auch gleich im Anfang den Vortrag rückwärts halten, aber Sie würden ihn nicht verstehen, denn man fängt eben vom Anfang an und baut so auf, daß man es allmählich versteht. Hat man es aber verstanden, dann kann man es auch rückwärts denken. Aber rückwärts gehen doch die Tatsachen nicht vor sich! Da reiße ich mich los von den Tatsachen. Da denke ich so, daß ich sage: Justament denke ich so, wie es nicht draußen vorgeht, sondern ich denke rückwärts. — Dazu gehört nämlich eine gewisse Kraft. Da muß ich mich innerlich regsam machen, wenn ich rückwärts denke. Geradeso wie derjenige, der durch ein Teleskop sieht, lernen muß, das Teleskop zu handhaben, so muß derjenige, der in die geistige Welt hineinschauen will, oftmals rückwärts denken, immer wieder rückwärts denken. Da kommt schon eines Tages die Zeit, wo er weiß: Ah, jetzt gehe ich in die geistige Welt hinein,
[ 40 ] Yes, gentlemen, things don’t happen in reverse out there! I could, if anything, give you this lecture in reverse right from the start, but you wouldn’t understand it, because one starts at the beginning and builds on it in such a way that one gradually comes to understand it. But once you’ve understood it, you can also think it through in reverse. But the facts don’t unfold backward! That’s when I detach myself from the facts. That’s when I think in such a way that I say: I’m thinking exactly the opposite of how things happen out there—I’m thinking backward. — This requires a certain amount of strength. I have to mobilize my inner energy when I think backward. Just as someone who looks through a telescope must learn to handle the telescope, so too must someone who wants to look into the spiritual world often think backward, think backward again and again. Then one day the time comes when they know: Ah, now I am entering the spiritual world,
[ 41 ] Daran können Sie wieder sehen, meine Herren: Ihren physischen Körper haben Sie Ihr ganzes Leben daran gewöhnt, vorwärts zu denken. Wenn Sie jetzt anfangen rückwärts zu denken, da tut der physische Körper nicht mit. Da kommt etwas Eigentümliches zustande. Das ist ja, was man denen, die immer wiederum fragen: Ja, wie komme ich in die geistige Welt hinein? — als ersten Ratschlag gibt — er steht auch in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» —, daß man ihnen sagt: Lernet wenigstens zunächst die Tagesereignisse zurückgehen; dann anderes. — Nun haben die Leute natürlich zunächst bloß mit ihrem physischen Körper denken gelernt. Das beobachten sie. Sie strengen sich nun an, rückwärts zu denken, aber sie haben nur gelernt mit dem physischen Leib zu denken, nicht mit dem Ätherkörper. Und jetzt kommt der «Generalstreik» vom Ätherkörper. Ja, es ist ein richtiger Generalstreik! Und wenn die Leute beim Rückwärtsdenken nicht so viel einschlafen würden, dann würden sie nämlich wissen: Wenn ich anfange rückwärts zu denken, müßte ich ankommen bei der geistigen Welt. — Aber gerade in dem Moment, wo das Schauen beginnt, schlafen die Leute ein, weil ihnen die Anstrengung zu groß ist. Also muß man den ganzen guten Willen und die ganze Kraft haben, nicht einzuschlafen. Dazu muß man Geduld haben. Das dauert sogar oft jahrelang; aber man muß dazu Geduld haben.
[ 41 ] This shows you once again, gentlemen: You have spent your entire lives training your physical body to think forward. If you now begin to think backward, the physical body does not go along with it. Something peculiar happens. That is, in fact, the first piece of advice given to those who keep asking, “How do I enter the spiritual world?”—it’s also in How to Gain Knowledge of the Higher Worlds—namely, that one should tell them: “At least learn, to begin with, to retrace the events of the day; then move on to other things.” Now, of course, people have initially learned to think only with their physical body. That is what they observe. They now try to think backward, but they have only learned to think with the physical body, not with the etheric body. And now the “general strike” of the etheric body begins. Yes, it’s a real general strike! And if people didn’t fall asleep so much while thinking backward, they would know: When I start thinking backward, I should arrive at the spiritual world. — But just at the moment when the vision begins, people fall asleep because the effort is too great for them. So one must have all the good will and all the strength not to fall asleep. To do this, one must have patience. It often takes years; but one must have patience for it.
[ 42 ] Sehen Sie, wenn Ihnen einer erzählen könnte, was Sie, wenn Sie rückwärts gedacht haben, nach dem Einschlafen unbewußt erleben, da würden Sie sehen, wie das ein furchtbar Gescheites ist! Die dümmsten Menschen fangen dann an, im Schlaf außerordentlich gescheite Gedanken zu haben, nur wissen sie nichts davon.
[ 42 ] Look, if someone could tell you what you unconsciously experience after falling asleep—when you’ve been thinking in reverse—you’d see just how incredibly clever that is! Even the dumbest people start having extraordinarily clever thoughts in their sleep; they just don’t know it.
[ 43 ] Also darauf habe ich Sie zuerst aufmerksam gemacht: Erst muß man überhaupt lernen, selbständig zu denken. Nun, das kann man. Ich will nicht sagen zum Beispiel, weil ich ja nicht ein eingebildeter Tropf bin, daß nur meine «Philosophie der Freiheit» dazu dient, aber die ist bewußt dazu geschrieben, daß man sich selbständiges Denken angewöhnt. Also: Selbständiges Denken; über Dinge, die im Alter von zehn, zwölf Jahren zurückliegen, oder Dinge, die man erlebt hat, ganz genau rückwärts denken. — Damit haben wir zunächst wenigstens einmal darauf aufmerksam gemacht, wie man sich losreißt vom physischen Leib, wie man hineinkommt in die geistige Welt. Und davon wollen wir dann am Samstag weitersprechen, wollen das weiter so verfolgen, daß alle diese vier Fragen allmählich herauskommen.
[ 43 ] That’s what I pointed out to you first: First of all, one must learn to think for oneself. Well, that is possible. I don’t want to say, for example—since I’m not some conceited fool—that only my Philosophy of Freedom serves this purpose, but it was deliberately written to help people develop the habit of independent thinking. So: independent thinking; thinking back very precisely on things that happened when you were ten or twelve years old, or on things you’ve experienced. — With that, we have at least once drawn attention to how one detaches oneself from the physical body, how one enters the spiritual world. And we’ll continue discussing this on Saturday, pursuing it further so that all four of these questions gradually emerge.
