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Rhythms in the Cosmos and in the Human Being
GA 350

28 June 1923, Dornach

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8. Ausbildung eines selbständigen Denkens und des Rückwärtsdenkens

8. Ausbildung eines selbständigen Denkens und des Rückwärtsdenkens

[ 1 ] Es sind einige Fragen da, die mir das letzte Mal gegeben wurden und die ich in einer etwas anderen Reihenfolge beantworten werde, als sie hier gestellt worden sind. Die Fragen sind also:

[ 1 ] Es sind einige Fragen da, die mir das letzte Mal gegeben wurden und die ich in einer etwas anderen Reihenfolge beantworten werde, als sie hier gestellt worden sind. Die Fragen sind also:

[ 2 ] Wie kann man in bezug auf Welt- und Lebensanschauung zum Schauen der Weltgeheimnisse kommen?

[ 2 ] Wie kann man in bezug auf Welt- und Lebensanschauung zum Schauen der Weltgeheimnisse kommen?

[ 3 ] Wie weit hat der Mensch zu gehen, bis er auf dem Weg der Naturwissenschaften höhere Welten finder?

[ 3 ] Wie weit hat der Mensch zu gehen, bis er auf dem Weg der Naturwissenschaften höhere Welten finder?

[ 4 ] Haben die Kräfte in dem Weltenall auf die ganze Menschheit Einfluß?

[ 4 ] Haben die Kräfte in dem Weltenall auf die ganze Menschheit Einfluß?

[ 5 ] Welche Beziehung haben die Pflanzen zum Menschen, zum menschlichen Leib?

[ 5 ] Welche Beziehung haben die Pflanzen zum Menschen, zum menschlichen Leib?

[ 6 ] Nun, ich möchte das so einrichten — es sind natürlich sehr komplizierte Fragen —, daß die Antwort sozusagen nach und nach herauskommt. Anders kann man das nämlich nicht machen bei so komplizierten Fragen. Denn wenn zum Beispiel gefragt wird: Wie kommt man zum Schauen der Weltengeheimnisse? — so heißt das ja: Wie kommt man zu der wirklichen geistigen Wissenschaft. — Nun, das ist etwas, was Sie sich heute natürlich nicht leicht vorstellen müssen. Denn die Sache ist ja so, daß die meisten Menschen, wenn sie davon hören, daß es so etwas wie eine Anthroposophie oder eine geistige Wissenschaft gibt, denken: Nun werde ich mir auch einmal die Fähigkeit aneignen, das Geistige zu schauen. In acht Tagen werde ich damit wohl fertig sein, und dann werde ich alles das ja wohl auch selber wissen können.

[ 6 ] Nun, ich möchte das so einrichten — es sind natürlich sehr komplizierte Fragen —, daß die Antwort sozusagen nach und nach herauskommt. Anders kann man das nämlich nicht machen bei so komplizierten Fragen. Denn wenn zum Beispiel gefragt wird: Wie kommt man zum Schauen der Weltengeheimnisse? — so heißt das ja: Wie kommt man zu der wirklichen geistigen Wissenschaft. — Nun, das ist etwas, was Sie sich heute natürlich nicht leicht vorstellen müssen. Denn die Sache ist ja so, daß die meisten Menschen, wenn sie davon hören, daß es so etwas wie eine Anthroposophie oder eine geistige Wissenschaft gibt, denken: Nun werde ich mir auch einmal die Fähigkeit aneignen, das Geistige zu schauen. In acht Tagen werde ich damit wohl fertig sein, und dann werde ich alles das ja wohl auch selber wissen können.

[ 7 ] Nun, so einfach verhält sich die Sache natürlich nicht, sondern man muß sich darüber klar sein: Zu der gewöhnlichen Naturwissenschaft gehört doch im Grunde recht viel. Schon wenn man die allereinfachsten Beobachtungen anstellen will in der Naturwissenschaft, so gehört dazu zuerst, daß man lernt, wie man die Instrumente gebraucht. Es ist natürlich verhältnismäßig leicht, ein Mikroskop zu gebrauchen, aber um mit einem Mikroskop in der richtigen Weise etwas zu erforschen, kann man ja nicht einfach sagen: Ich werde jetzt ein Stück Muskel oder so etwas unters Mikroskop legen und dann werde ich hineinschauen, und dann weiß ich, was da drinnen vorgeht. — Wenn Sie es so machen würden, so würden Sie natürlich gar nichts sehen. Denn es handelt sich darum, daß man, wenn man unter einem Mikroskop etwas sehen will, zuerst feine Schnitte machen muß. Also ein Stück Muskel nützt gar nichts, sondern es handelt sich darum, daß man mit einem feinen Rasiermesser einen dünnen Schnitt macht, dann ganz wenig manchmal entfernt und wiederum einen feinen Schnitt macht, so daß man eine ganz dünne Schichte kriegt. Und zumeist kann man auch damit noch gar nichts erreichen. Denn wenn Sie so eine ganz dünne, sagen wir, Muskel- oder Zellschichte unters Mikroskop legen und hineinschauen, sehen Sie auch meistens gar nichts. Dasjenige, was Sie tun müssen, ist, sich zu fragen: Wie kann ich das, was ich unter dem Mikroskop gar nicht sehe, sichtbar machen? — Und da muß man es oftmals mit gewissen Farbstoffen durchdringen, so daß man es erst sichtbar macht dadurch, daß man Farbstoffe hineinbringt. Und dann muß man sich klar darüber sein, jetzt hat man die Sache etwas verändert. Man muß wiederum wissen, wie die Sache ist, wenn man sie nicht verändert. Das sind aber alles noch sehr einfache Sachen. Auch wenn Sie mit dem Teleskop die Sterne untersuchen wollen, müssen Sie erst die Handhabung des Teleskopes lernen. Allerdings, das ist ja noch einfacher. Sie wissen, daß es herumziehende Leute gibt, die einem auf der Straße ein Fernrohr aufstellen. Allein das hilft Ihnen auch nicht viel, Es hilft Ihnen nur, wenn Sie wissen: da müssen Sie wieder ein Mikroskop dazu haben und eine Uhr, die Sie erst handhaben müssen und so weiter. — Also das sind nur Beispiele, durch die ich Ihnen veranschaulichen möchte, wie kompliziert es ist, die einfachsten Dinge in der sinnlich-physischen Welt zu untersuchen.

[ 7 ] Nun, so einfach verhält sich die Sache natürlich nicht, sondern man muß sich darüber klar sein: Zu der gewöhnlichen Naturwissenschaft gehört doch im Grunde recht viel. Schon wenn man die allereinfachsten Beobachtungen anstellen will in der Naturwissenschaft, so gehört dazu zuerst, daß man lernt, wie man die Instrumente gebraucht. Es ist natürlich verhältnismäßig leicht, ein Mikroskop zu gebrauchen, aber um mit einem Mikroskop in der richtigen Weise etwas zu erforschen, kann man ja nicht einfach sagen: Ich werde jetzt ein Stück Muskel oder so etwas unters Mikroskop legen und dann werde ich hineinschauen, und dann weiß ich, was da drinnen vorgeht. — Wenn Sie es so machen würden, so würden Sie natürlich gar nichts sehen. Denn es handelt sich darum, daß man, wenn man unter einem Mikroskop etwas sehen will, zuerst feine Schnitte machen muß. Also ein Stück Muskel nützt gar nichts, sondern es handelt sich darum, daß man mit einem feinen Rasiermesser einen dünnen Schnitt macht, dann ganz wenig manchmal entfernt und wiederum einen feinen Schnitt macht, so daß man eine ganz dünne Schichte kriegt. Und zumeist kann man auch damit noch gar nichts erreichen. Denn wenn Sie so eine ganz dünne, sagen wir, Muskel- oder Zellschichte unters Mikroskop legen und hineinschauen, sehen Sie auch meistens gar nichts. Dasjenige, was Sie tun müssen, ist, sich zu fragen: Wie kann ich das, was ich unter dem Mikroskop gar nicht sehe, sichtbar machen? — Und da muß man es oftmals mit gewissen Farbstoffen durchdringen, so daß man es erst sichtbar macht dadurch, daß man Farbstoffe hineinbringt. Und dann muß man sich klar darüber sein, jetzt hat man die Sache etwas verändert. Man muß wiederum wissen, wie die Sache ist, wenn man sie nicht verändert. Das sind aber alles noch sehr einfache Sachen. Auch wenn Sie mit dem Teleskop die Sterne untersuchen wollen, müssen Sie erst die Handhabung des Teleskopes lernen. Allerdings, das ist ja noch einfacher. Sie wissen, daß es herumziehende Leute gibt, die einem auf der Straße ein Fernrohr aufstellen. Allein das hilft Ihnen auch nicht viel, Es hilft Ihnen nur, wenn Sie wissen: da müssen Sie wieder ein Mikroskop dazu haben und eine Uhr, die Sie erst handhaben müssen und so weiter. — Also das sind nur Beispiele, durch die ich Ihnen veranschaulichen möchte, wie kompliziert es ist, die einfachsten Dinge in der sinnlich-physischen Welt zu untersuchen.

[ 8 ] Nun ist es für die Forschungen in der geistigen Welt wahrhaftig noch viel schwerer. Da muß man viel mehr Vorbereitungen dazu machen. Die Leute stellen sich so vor, das könne man in acht Tagen lernen. Das ist eben nicht der Fall. Sondern da muß der Mensch vor allen Dingen darauf bedacht sein, daß er ja etwas, was in ihm ist, erst in Tätigkeit bringen muß. Was fortwährend eigentlich nicht in Tätigkeit ist, das muß er erst in Tätigkeit bringen.

[ 8 ] Nun ist es für die Forschungen in der geistigen Welt wahrhaftig noch viel schwerer. Da muß man viel mehr Vorbereitungen dazu machen. Die Leute stellen sich so vor, das könne man in acht Tagen lernen. Das ist eben nicht der Fall. Sondern da muß der Mensch vor allen Dingen darauf bedacht sein, daß er ja etwas, was in ihm ist, erst in Tätigkeit bringen muß. Was fortwährend eigentlich nicht in Tätigkeit ist, das muß er erst in Tätigkeit bringen.

[ 9 ] Damit Sie sehen, wie die Dinge eigentlich sind, möchte ich Ihnen zunächst folgendes sagen. Sie wissen ja, gerade bei solchen Forschungen, die in die geistige Welt hineingehen, und auch in der gewöhnlichen Wissenschaft, muß man vielfach von der Erkenntnis dessen ausgehen, was nicht normal ist. Sie lernen die Dinge erst richtig kennen, wenn Sie das Nicht-Normale kennengelernt haben. Ich habe Ihnen das ja schon einmal an bestimmten Beispielen gezeigt. Wir müssen das schon deshalb betrachten, weil ja die Menschen in der Welt draußen oftmals denjenigen, der in der geistigen Welt forscht, auch wenn er noch'so normal ist, doch verrückt nennen. Also wir müssen uns schon darauf einlassen, die Dinge ein bißchen so zu untersuchen, daß wir zuletzt eben auf die Wahrheit kommen. Sie müssen natürlich nicht glauben, daß man dadurch etwas erreichen kann, daß man ins Nicht-Normale, ins Krankhafte hineinschaut, aber lernen kann man daran viel.

[ 9 ] Damit Sie sehen, wie die Dinge eigentlich sind, möchte ich Ihnen zunächst folgendes sagen. Sie wissen ja, gerade bei solchen Forschungen, die in die geistige Welt hineingehen, und auch in der gewöhnlichen Wissenschaft, muß man vielfach von der Erkenntnis dessen ausgehen, was nicht normal ist. Sie lernen die Dinge erst richtig kennen, wenn Sie das Nicht-Normale kennengelernt haben. Ich habe Ihnen das ja schon einmal an bestimmten Beispielen gezeigt. Wir müssen das schon deshalb betrachten, weil ja die Menschen in der Welt draußen oftmals denjenigen, der in der geistigen Welt forscht, auch wenn er noch'so normal ist, doch verrückt nennen. Also wir müssen uns schon darauf einlassen, die Dinge ein bißchen so zu untersuchen, daß wir zuletzt eben auf die Wahrheit kommen. Sie müssen natürlich nicht glauben, daß man dadurch etwas erreichen kann, daß man ins Nicht-Normale, ins Krankhafte hineinschaut, aber lernen kann man daran viel.

[ 10 ] Es handelt sich zum Beispiel darum, daß es ja Leute gibt, die dadurch nicht normal sind, daß man sagt, sie seien geistesgestört. Was heißt das eigentlich, ein Mensch sei geistesgestört? Es gibt kein schlechteres Wort auf der Welt als dieses «geistesgestört», weil der Geist ja niemals gestört sein kann. Der Geist kann nämlich gar nicht gestört sein! Nehmen Sie zum Beispiel folgenden Fall: Wenn ein Mensch, wie man sagt, zwanzig Jahre geistesgestört ist — solche Dinge kommen vor — und nachher wird er wiederum normal, was tritt da eigentlich ein? — Nun, nicht wahr, es kann eintreten, daß dieser Mensch zwanzig Jahre hindurch behauptet, er würde von anderen verfolgt; er leidet, wie man sagt, an Verfolgungswahn. Oder aber es tritt das ein, daß er, sagen wir, allerlei Gespenster sieht, die nicht da sind und so weiter. Das kann also zwanzig Jahre dauern. Nun, meine Herren, es kann einer, der zwanzig Jahre in dieser Weise geistesgestört ist, durchaus wiederum gesund werden. Aber Sie werden immer eines bemerken: Wenn einer drei, fünf oder zwanzig Jahre, wie man sagt, geistesgestört ist und er wird nachher wieder gesund, so ist er nicht mehr ganz derselbe wie früher. Vor allen Dingen werden Sie folgendes bemerken. Er sagt Ihnen, nachdem er wieder gesund geworden ist: Ja, ich habe in der Zeit, in der ich krank war, fortwährend in die geistige Welt hineinschauen können. — Er erzählt Ihnen alle möglichen Wahrnehmungen aus der geistigen Welt. Und geht man dann mit den Erkenntnissen, die man als ein vollständig Gesunder von der geistigen Welt erlangt, seinen Erzählungen nach, so ist es zwar so, daß er manchen Kohl sagt, aber anderseits auch viel Richtiges. Also das ist das Merkwürdige: Es kann einer durch Jahre hindurch geistesgestört sein, wieder gesund werden, und dann erzählt er einem, er ist da in der geistigen Welt drinnen gewesen, hat das und das erlebt. Und wenn man selbst die Sache kennt als gesunder Mensch, so muß man ihm für vieles recht geben.

[ 10 ] Es handelt sich zum Beispiel darum, daß es ja Leute gibt, die dadurch nicht normal sind, daß man sagt, sie seien geistesgestört. Was heißt das eigentlich, ein Mensch sei geistesgestört? Es gibt kein schlechteres Wort auf der Welt als dieses «geistesgestört», weil der Geist ja niemals gestört sein kann. Der Geist kann nämlich gar nicht gestört sein! Nehmen Sie zum Beispiel folgenden Fall: Wenn ein Mensch, wie man sagt, zwanzig Jahre geistesgestört ist — solche Dinge kommen vor — und nachher wird er wiederum normal, was tritt da eigentlich ein? — Nun, nicht wahr, es kann eintreten, daß dieser Mensch zwanzig Jahre hindurch behauptet, er würde von anderen verfolgt; er leidet, wie man sagt, an Verfolgungswahn. Oder aber es tritt das ein, daß er, sagen wir, allerlei Gespenster sieht, die nicht da sind und so weiter. Das kann also zwanzig Jahre dauern. Nun, meine Herren, es kann einer, der zwanzig Jahre in dieser Weise geistesgestört ist, durchaus wiederum gesund werden. Aber Sie werden immer eines bemerken: Wenn einer drei, fünf oder zwanzig Jahre, wie man sagt, geistesgestört ist und er wird nachher wieder gesund, so ist er nicht mehr ganz derselbe wie früher. Vor allen Dingen werden Sie folgendes bemerken. Er sagt Ihnen, nachdem er wieder gesund geworden ist: Ja, ich habe in der Zeit, in der ich krank war, fortwährend in die geistige Welt hineinschauen können. — Er erzählt Ihnen alle möglichen Wahrnehmungen aus der geistigen Welt. Und geht man dann mit den Erkenntnissen, die man als ein vollständig Gesunder von der geistigen Welt erlangt, seinen Erzählungen nach, so ist es zwar so, daß er manchen Kohl sagt, aber anderseits auch viel Richtiges. Also das ist das Merkwürdige: Es kann einer durch Jahre hindurch geistesgestört sein, wieder gesund werden, und dann erzählt er einem, er ist da in der geistigen Welt drinnen gewesen, hat das und das erlebt. Und wenn man selbst die Sache kennt als gesunder Mensch, so muß man ihm für vieles recht geben.

[ 11 ] Wenn Sie mit einem reden während der Zeit, in der er geistesgestört ist, wird er Ihnen niemals irgend etwas Vernünftiges erzählen können. Da erzählt er Ihnen eben den Kohl, den er da erlebt. Es ist nämlich gar nicht so, daß solche Menschen, die durch Jahre hindurch geistesgestört sind, während ihrer sogenannten Geisteskrankheit diese Dinge erlebt haben. Da haben sie gar nichts von der geistigen Welt erlebt. Aber hinterher, wenn sie wieder gesund geworden sind und in einer gewissen Weise zurückschauen können in die Zeit, wo sie nicht gesund waren, da kommt ihnen dasjenige, was sie gar nicht erlebt haben während der Krankheit, dann vor wie Blicke in die geistige Welt hinein. Eigentlich tritt also dieses Bewußtsein: Ich habe viel von der geistigen Welt gesehen —, erst ein in dem Momente, wo die Leute wieder gesund werden.

[ 11 ] Wenn Sie mit einem reden während der Zeit, in der er geistesgestört ist, wird er Ihnen niemals irgend etwas Vernünftiges erzählen können. Da erzählt er Ihnen eben den Kohl, den er da erlebt. Es ist nämlich gar nicht so, daß solche Menschen, die durch Jahre hindurch geistesgestört sind, während ihrer sogenannten Geisteskrankheit diese Dinge erlebt haben. Da haben sie gar nichts von der geistigen Welt erlebt. Aber hinterher, wenn sie wieder gesund geworden sind und in einer gewissen Weise zurückschauen können in die Zeit, wo sie nicht gesund waren, da kommt ihnen dasjenige, was sie gar nicht erlebt haben während der Krankheit, dann vor wie Blicke in die geistige Welt hinein. Eigentlich tritt also dieses Bewußtsein: Ich habe viel von der geistigen Welt gesehen —, erst ein in dem Momente, wo die Leute wieder gesund werden.

[ 12 ] Sehen Sie, daraus kann man nämlich außerordentlich viel lernen. Daraus kann man lernen, daß der Mensch etwas in sich hat, was er während der Zeit, in der er geistig krank war, überhaupt nicht benutzt hat. Aber das war da, das hat gelebt. Und wo war das? Er hat nichts gesehen von der äußeren Welt, denn er kann Ihnen erzählen: Der Himmel ist rot, und die Wolken sind grün — alles mögliche. Er sieht gar nichts ordentlich in der äußeren Welt. Aber dieser tiefere Mensch, der in ihm sitzt, den er gar nicht gebrauchen kann während seiner Krankheit, der ist in der geistigen Welt. Und wenn er dann selber wiederum sein Gehirn gebrauchen kann und zurücksehen kann auf dasjenige, was dieser geistige Mensch erlebt hat, dann kommen ihm die geistigen Erlebnisse.

[ 12 ] Sehen Sie, daraus kann man nämlich außerordentlich viel lernen. Daraus kann man lernen, daß der Mensch etwas in sich hat, was er während der Zeit, in der er geistig krank war, überhaupt nicht benutzt hat. Aber das war da, das hat gelebt. Und wo war das? Er hat nichts gesehen von der äußeren Welt, denn er kann Ihnen erzählen: Der Himmel ist rot, und die Wolken sind grün — alles mögliche. Er sieht gar nichts ordentlich in der äußeren Welt. Aber dieser tiefere Mensch, der in ihm sitzt, den er gar nicht gebrauchen kann während seiner Krankheit, der ist in der geistigen Welt. Und wenn er dann selber wiederum sein Gehirn gebrauchen kann und zurücksehen kann auf dasjenige, was dieser geistige Mensch erlebt hat, dann kommen ihm die geistigen Erlebnisse.

[ 13 ] Wir sehen daraus, daß der Mensch, während er in dem Zustand ist, den man geisteskrank nennt, da mit seinem geistigen Teil gerade in der geistigen Welt lebt. Der ist sehr gesund, der geistige Teil. Was ist denn krank bei einem Geisteskranken? Ja, bei einem Geisteskranken ist nämlich der Körper krank, und der Körper kann die Seele und den Geist eben nicht benützen. Bei einem, von dem man sagt, er ist geisteskrank, ist immer irgend etwas im Körper krank, und wenn das Gehirn krank ist, kann man natürlich nicht ordentlich denken. Man kann auch nicht ordentlich fühlen, wenn die Leber krank ist.

[ 13 ] Wir sehen daraus, daß der Mensch, während er in dem Zustand ist, den man geisteskrank nennt, da mit seinem geistigen Teil gerade in der geistigen Welt lebt. Der ist sehr gesund, der geistige Teil. Was ist denn krank bei einem Geisteskranken? Ja, bei einem Geisteskranken ist nämlich der Körper krank, und der Körper kann die Seele und den Geist eben nicht benützen. Bei einem, von dem man sagt, er ist geisteskrank, ist immer irgend etwas im Körper krank, und wenn das Gehirn krank ist, kann man natürlich nicht ordentlich denken. Man kann auch nicht ordentlich fühlen, wenn die Leber krank ist.

[ 14 ] Und so kommt es, daß eigentlich «geisteskrank» der schlechteste Ausdruck ist, den man wählen kann, denn «geisteskrank» heißt nicht, der Geist ist krank, sondern geisteskrank heißt: Der Körper ist so krank, daß er den Geist, der immer gesund ist, nicht benützen kann. Vor allem müssen Sie sich klar sein darüber, daß der Geist immer gesund ist. Nur der Körper kann krank werden und den Geist dann nicht in richtiger Weise benützen. Wenn einer ein krankes Gehirn hat, so ist es gerade so, wie wenn einer einen Hammer hat, der bei jedem Schlag abbricht. Wenn ich zu dem, der keinen Hammer hat, sage: Du bist ein fauler Kerl, du kannst überhaupt nicht klopfen — so ist das natürlich ein Unsinn, Der kann ganz gut klopfen, aber er hat keinen Hammer zum Klopfen. So ist es ein Unsinn, wenn man sagt, jemand sei geisteskrank. Der Geist ist vollkommen gesund, aber er hat nicht den Körper, durch den er wirken kann.

[ 14 ] Und so kommt es, daß eigentlich «geisteskrank» der schlechteste Ausdruck ist, den man wählen kann, denn «geisteskrank» heißt nicht, der Geist ist krank, sondern geisteskrank heißt: Der Körper ist so krank, daß er den Geist, der immer gesund ist, nicht benützen kann. Vor allem müssen Sie sich klar sein darüber, daß der Geist immer gesund ist. Nur der Körper kann krank werden und den Geist dann nicht in richtiger Weise benützen. Wenn einer ein krankes Gehirn hat, so ist es gerade so, wie wenn einer einen Hammer hat, der bei jedem Schlag abbricht. Wenn ich zu dem, der keinen Hammer hat, sage: Du bist ein fauler Kerl, du kannst überhaupt nicht klopfen — so ist das natürlich ein Unsinn, Der kann ganz gut klopfen, aber er hat keinen Hammer zum Klopfen. So ist es ein Unsinn, wenn man sagt, jemand sei geisteskrank. Der Geist ist vollkommen gesund, aber er hat nicht den Körper, durch den er wirken kann.

[ 15 ] Dasjenige, was man auf diese Weise lernen kann, das zeigt sich nun ganz besonders dann, wenn man nachdenkt darüber, wie es sich eigentlich mit unserem Denken verhält. Aus dem, was ich Ihnen gesagt habe, werden Sie ersehen, daß man zwar den Geist hat, aber zum Denken ein Werkzeug braucht, das Gehirn. Zum Denken in der physischen Welt braucht man das Gehirn. Es ist gar keine Kunst, wenn der Materialismus sagt, man brauche das Gehirn. Selbstverständlich braucht man das Gehirn. Aber es besagt nichts über den Geist, wenn er es so behauptet. Außerdem ersehen Sie daraus, daß sich der eigentliche Geist im Menschen ganz zurückziehen kann. Beim Geisteskranken zieht sich der eigentliche Geist ganz zurück. Und es ist wichtig, daß man das weiß, weil man dadurch erst einsehen lernt, daß die Menschen in der heutigen Zeit — jetzt werde ich Ihnen etwas sagen, was Sie sehr erstaunen wird, aber es ist so — überhaupt nicht denken können. Sie bilden sich ein, daß sie denken können, aber sie können es gar nicht. Ich will ihnen zeigen, warum die Menschen nicht denken können.

[ 15 ] Dasjenige, was man auf diese Weise lernen kann, das zeigt sich nun ganz besonders dann, wenn man nachdenkt darüber, wie es sich eigentlich mit unserem Denken verhält. Aus dem, was ich Ihnen gesagt habe, werden Sie ersehen, daß man zwar den Geist hat, aber zum Denken ein Werkzeug braucht, das Gehirn. Zum Denken in der physischen Welt braucht man das Gehirn. Es ist gar keine Kunst, wenn der Materialismus sagt, man brauche das Gehirn. Selbstverständlich braucht man das Gehirn. Aber es besagt nichts über den Geist, wenn er es so behauptet. Außerdem ersehen Sie daraus, daß sich der eigentliche Geist im Menschen ganz zurückziehen kann. Beim Geisteskranken zieht sich der eigentliche Geist ganz zurück. Und es ist wichtig, daß man das weiß, weil man dadurch erst einsehen lernt, daß die Menschen in der heutigen Zeit — jetzt werde ich Ihnen etwas sagen, was Sie sehr erstaunen wird, aber es ist so — überhaupt nicht denken können. Sie bilden sich ein, daß sie denken können, aber sie können es gar nicht. Ich will ihnen zeigen, warum die Menschen nicht denken können.

[ 16 ] Sie werden sagen: Ja, die Menschen gehen doch auf die Schulen, heute lernt man in der Volksschule schon ganz wunderbar denken! Gewiß, das schaut so aus. Dennoch können die heutigen Menschen gar nicht denken. Es sieht nur so aus, als ob sie denken könnten. Nicht wahr, in der Volksschule haben wir Volksschullehrer. Die Volksschullehrer haben wiederum etwas gelernt, angeblich haben sie auch denken gelernt. Diejenigen, von denen sie wieder gelernt haben, sind, wie man in Stuttgart sagt, «Großkopfete»; also das sind ganz furchtbar weise Menschen nach der heutigen Ansicht. Die haben Hochschulstudium durchgemacht. Bevor sie Hochschulstudium gemacht haben, haben sie das Gymnasium oder etwas ähnliches durchgemacht, und da haben sie Latein gelernt. Wenn Sie nämlich so ein bißchen herumgucken, werden Sie zwar sagen können: Ja, mein Lehrer, der hat nicht Latein gekonnt! — Aber der hat ja wiederum von einem gelernt, der doch Latein gekonnt hat! Daher ist auch das, was Sie gelernt haben, abhängig von der lateinischen Sprache, und alles, was man heute lernt, ist abhängig von der lateinischen Sprache. Sie können das schon daraus sehen, daß, wenn Ihnen einer ein Rezept ausstellt, er es lateinisch schreibt. Das rührt noch her von den Zeiten, wo man überhaupt alles lateinisch geschrieben hat. Es ist noch nicht lange her, dreißig, vierzig Jahre, da wurde verlangt, daß jeder, der an der Hochschule war, seine Prüfungsarbeit in der lateinischen Sprache schrieb.

[ 16 ] Sie werden sagen: Ja, die Menschen gehen doch auf die Schulen, heute lernt man in der Volksschule schon ganz wunderbar denken! Gewiß, das schaut so aus. Dennoch können die heutigen Menschen gar nicht denken. Es sieht nur so aus, als ob sie denken könnten. Nicht wahr, in der Volksschule haben wir Volksschullehrer. Die Volksschullehrer haben wiederum etwas gelernt, angeblich haben sie auch denken gelernt. Diejenigen, von denen sie wieder gelernt haben, sind, wie man in Stuttgart sagt, «Großkopfete»; also das sind ganz furchtbar weise Menschen nach der heutigen Ansicht. Die haben Hochschulstudium durchgemacht. Bevor sie Hochschulstudium gemacht haben, haben sie das Gymnasium oder etwas ähnliches durchgemacht, und da haben sie Latein gelernt. Wenn Sie nämlich so ein bißchen herumgucken, werden Sie zwar sagen können: Ja, mein Lehrer, der hat nicht Latein gekonnt! — Aber der hat ja wiederum von einem gelernt, der doch Latein gekonnt hat! Daher ist auch das, was Sie gelernt haben, abhängig von der lateinischen Sprache, und alles, was man heute lernt, ist abhängig von der lateinischen Sprache. Sie können das schon daraus sehen, daß, wenn Ihnen einer ein Rezept ausstellt, er es lateinisch schreibt. Das rührt noch her von den Zeiten, wo man überhaupt alles lateinisch geschrieben hat. Es ist noch nicht lange her, dreißig, vierzig Jahre, da wurde verlangt, daß jeder, der an der Hochschule war, seine Prüfungsarbeit in der lateinischen Sprache schrieb.

[ 17 ] Also alles, was man heute lernt, ist abhängig von der lateinischen Sprache. Und das ist dadurch so geworden, daß man im Mittelalter, wenn man zurückgeht ins 14., 15. Jahrhundert — das ist also noch gar nicht so lange her —, alles lateinisch vorgetragen hat. Der erste, der zum Beispiel deutsch in Leipzig vorgetragen hat, ist ein gewisser Thomasins. Das ist noch nicht lange her, das war im 17. Jahrhundert. Überall wurde lateinisch vorgetragen. Derjenige, der etwas gelernt hat, ging durch die lateinische Sprache hindurch, und im Mittelalter war überhaupt all das, was man lernen konnte, nur lateinisch. Wenn man irgend etwas anderes lernen wollte, mußte man erst Lateinisch lernen. Sie werden sagen: Aber nicht in der Volksschule. — Aber Volksschulen gibt es ja erst seit dem 16. Jahrhundert. Erst allmählich, als die Volkssprache auch die Wissenschaft aufnahm, gab es Volksschulen. Also dasjenige, wovon unser ganzes Denken beeinflußt ist, ist die lateinische Sprache. Sie alle, meine Herren, denken so, wie die Menschen denken gelernt haben durch die lateinische Sprache. Und wenn Sie auch zum Beispiel anführen, sagen wir, die Amerikaner lernten nicht so früh Lateinisch — ja, aber die Amerikaner von heute sind ja von Europa eingewandert! Das hängt alles von der lateinischen Sprache ab.

[ 17 ] Also alles, was man heute lernt, ist abhängig von der lateinischen Sprache. Und das ist dadurch so geworden, daß man im Mittelalter, wenn man zurückgeht ins 14., 15. Jahrhundert — das ist also noch gar nicht so lange her —, alles lateinisch vorgetragen hat. Der erste, der zum Beispiel deutsch in Leipzig vorgetragen hat, ist ein gewisser Thomasins. Das ist noch nicht lange her, das war im 17. Jahrhundert. Überall wurde lateinisch vorgetragen. Derjenige, der etwas gelernt hat, ging durch die lateinische Sprache hindurch, und im Mittelalter war überhaupt all das, was man lernen konnte, nur lateinisch. Wenn man irgend etwas anderes lernen wollte, mußte man erst Lateinisch lernen. Sie werden sagen: Aber nicht in der Volksschule. — Aber Volksschulen gibt es ja erst seit dem 16. Jahrhundert. Erst allmählich, als die Volkssprache auch die Wissenschaft aufnahm, gab es Volksschulen. Also dasjenige, wovon unser ganzes Denken beeinflußt ist, ist die lateinische Sprache. Sie alle, meine Herren, denken so, wie die Menschen denken gelernt haben durch die lateinische Sprache. Und wenn Sie auch zum Beispiel anführen, sagen wir, die Amerikaner lernten nicht so früh Lateinisch — ja, aber die Amerikaner von heute sind ja von Europa eingewandert! Das hängt alles von der lateinischen Sprache ab.

[ 18 ] Die lateinische Sprache hat aber eine ganz bestimmte Eigentümlichkeit, Sie ist nämlich so ausgebildet worden im alten Rom, daß sie selber denkt. Es ist interessant, wie der lateinische Unterricht in den Gymnasien gegeben wird. Er wird so gegeben, daß man also Latein lernt, und dann lernt man das Denken, das richtige Denken an dem lateinischen Satze. So daß also das ganze Denken abhängig wird von etwas, was gar nicht der Mensch macht, sondern was die lateinische Sprache macht. Verstehen Sie das nur, meine Herren, daß das etwas ganz Wichtiges ist! Also die Menschen, die heutzutage irgend etwas gelernt haben, denken nicht selber, sondern bei denen, wenn sie auch niemals die lateinische Sprache gelernt haben, denkt die lateinische Sprache. Deshalb ist es ja so, daß man selbständiges Denken, so kurios das ist, eigentlich heute nur noch bei manchen Menschen trifft, die nicht viel gelernt haben.

[ 18 ] Die lateinische Sprache hat aber eine ganz bestimmte Eigentümlichkeit, Sie ist nämlich so ausgebildet worden im alten Rom, daß sie selber denkt. Es ist interessant, wie der lateinische Unterricht in den Gymnasien gegeben wird. Er wird so gegeben, daß man also Latein lernt, und dann lernt man das Denken, das richtige Denken an dem lateinischen Satze. So daß also das ganze Denken abhängig wird von etwas, was gar nicht der Mensch macht, sondern was die lateinische Sprache macht. Verstehen Sie das nur, meine Herren, daß das etwas ganz Wichtiges ist! Also die Menschen, die heutzutage irgend etwas gelernt haben, denken nicht selber, sondern bei denen, wenn sie auch niemals die lateinische Sprache gelernt haben, denkt die lateinische Sprache. Deshalb ist es ja so, daß man selbständiges Denken, so kurios das ist, eigentlich heute nur noch bei manchen Menschen trifft, die nicht viel gelernt haben.

[ 19 ] Ich will damit ja nicht etwa sagen, wir sollen wiederum in den Analphabetismus zurück. Das können wir nicht. Ich will nirgends einen Rückschritt; aber dasjenige, was ist, muß man verstehen. Deshalb ist es ja so wichtig, daß man manchmal auch zurückgehen kann zu dem, was der einfache Mensch, der wenig gelernt hat, noch weiß. Er kann es ja gar nicht mehr herausbringen, weil man ihn natürlich auslacht. Aber trotzdem, es ist außerordentlich wichtig, daß man weiß: Die Menschen denken heute nicht selbst, sondern die lateinische Sprache denkt in ihnen.

[ 19 ] Ich will damit ja nicht etwa sagen, wir sollen wiederum in den Analphabetismus zurück. Das können wir nicht. Ich will nirgends einen Rückschritt; aber dasjenige, was ist, muß man verstehen. Deshalb ist es ja so wichtig, daß man manchmal auch zurückgehen kann zu dem, was der einfache Mensch, der wenig gelernt hat, noch weiß. Er kann es ja gar nicht mehr herausbringen, weil man ihn natürlich auslacht. Aber trotzdem, es ist außerordentlich wichtig, daß man weiß: Die Menschen denken heute nicht selbst, sondern die lateinische Sprache denkt in ihnen.

[ 20 ] Sehen Sie, solange man nicht selber denken kann, solange kann man überhaupt nicht in die geistige Welt hineinkommen. Jetzt haben Sie den Grund, warum sich die heutige Erkenntnis auflehnt gegen alles geistige Erkennen: weil die Leute durch die lateinische Erziehung dazu gekommen sind, nicht selber zu denken. Das ist das erste, was man lernen muß: selber denken. Die Leute haben heute ganz recht, wenn sie sagen: Das Gehirn denkt. — Warum denkt das Gehirn? Weil die lateinischen Sätze ins Gehirn hereingehen, und das Gehirn denkt ganz automatisch bei dem heutigen Menschen. Das sind Automaten der lateinischen Sprache, die herumlaufen und gar nicht selber denken.

[ 20 ] Sehen Sie, solange man nicht selber denken kann, solange kann man überhaupt nicht in die geistige Welt hineinkommen. Jetzt haben Sie den Grund, warum sich die heutige Erkenntnis auflehnt gegen alles geistige Erkennen: weil die Leute durch die lateinische Erziehung dazu gekommen sind, nicht selber zu denken. Das ist das erste, was man lernen muß: selber denken. Die Leute haben heute ganz recht, wenn sie sagen: Das Gehirn denkt. — Warum denkt das Gehirn? Weil die lateinischen Sätze ins Gehirn hereingehen, und das Gehirn denkt ganz automatisch bei dem heutigen Menschen. Das sind Automaten der lateinischen Sprache, die herumlaufen und gar nicht selber denken.

[ 21 ] In der letzten Zeit ist nämlich etwas geschehen, was ganz merkwürdig ist. Ich habe es Ihnen schon das letzte Mal angedeutet, aber Sie werden es nicht bemerkt haben, weil es nicht so leicht zu bemerken ist. In der letzten Zeit ist nämlich etwas ganz Besonderes geschehen. Nicht wahr, wir haben in uns unseren physischen Körper, außerdem unseren Ätherkörper und die anderen auch noch, davon will ich jetzt nicht reden. Nun, das Gehirn gehört natürlich zum physischen Körper, aber es ist der Ätherkörper auch im Gehirn darin, und selbst denken kann man nur mit dem Ätherkörper. Man kann nicht mit dem physischen Körper selbst denken. Aber denken kann man mit dem physischen Körper, wenn es so ist wie bei der lateinischen Sprache: daß das Gehirn wie ein Automat benutzt wird, wenn man mit dem Gehirn denkt. Aber solange man bloß mit dem Gehirn denkt, kann man ja nichts Geistiges denken. Da muß man anfangen mit dem Ätherkörper zu denken, mit dem Ätherkörper, der bei dem, der geisteskrank ist, durch viele Jahre oft nicht benutzt wird. Das muß man in innere Tätigkeit bringen.

[ 21 ] In der letzten Zeit ist nämlich etwas geschehen, was ganz merkwürdig ist. Ich habe es Ihnen schon das letzte Mal angedeutet, aber Sie werden es nicht bemerkt haben, weil es nicht so leicht zu bemerken ist. In der letzten Zeit ist nämlich etwas ganz Besonderes geschehen. Nicht wahr, wir haben in uns unseren physischen Körper, außerdem unseren Ätherkörper und die anderen auch noch, davon will ich jetzt nicht reden. Nun, das Gehirn gehört natürlich zum physischen Körper, aber es ist der Ätherkörper auch im Gehirn darin, und selbst denken kann man nur mit dem Ätherkörper. Man kann nicht mit dem physischen Körper selbst denken. Aber denken kann man mit dem physischen Körper, wenn es so ist wie bei der lateinischen Sprache: daß das Gehirn wie ein Automat benutzt wird, wenn man mit dem Gehirn denkt. Aber solange man bloß mit dem Gehirn denkt, kann man ja nichts Geistiges denken. Da muß man anfangen mit dem Ätherkörper zu denken, mit dem Ätherkörper, der bei dem, der geisteskrank ist, durch viele Jahre oft nicht benutzt wird. Das muß man in innere Tätigkeit bringen.

[ 22 ] Aber das ist es, worauf es zuallererst ankommt: daß man selbständig selber denken lernt. Ohne daß man selbständig selber denken kann, kann man nicht in die geistige Welt hineinkommen. Dazu ist natürlich notwendig, daß man überhaupt zuallererst darauf kommt: Donnerwetter, du hast ja in deiner Jugend gar nicht selber denken gelernt! Du hast nur gelernt, das zu denken, was seit Jahrhunderten durch den Gebrauch der lateinischen Sprache gedacht worden ist. — Und wenn man dies in der richtigen Weise weiß, dann weiß man, daß die allererste Bedingung, auf die es ankommt zum Hineinkommen in die geistige Welt, ist: Lerne selbständig denken.

[ 22 ] Aber das ist es, worauf es zuallererst ankommt: daß man selbständig selber denken lernt. Ohne daß man selbständig selber denken kann, kann man nicht in die geistige Welt hineinkommen. Dazu ist natürlich notwendig, daß man überhaupt zuallererst darauf kommt: Donnerwetter, du hast ja in deiner Jugend gar nicht selber denken gelernt! Du hast nur gelernt, das zu denken, was seit Jahrhunderten durch den Gebrauch der lateinischen Sprache gedacht worden ist. — Und wenn man dies in der richtigen Weise weiß, dann weiß man, daß die allererste Bedingung, auf die es ankommt zum Hineinkommen in die geistige Welt, ist: Lerne selbständig denken.

[ 23 ] Aber jetzt kommt das, worauf ich hindeuten wollte, indem ich sagte, in der letzten Zeit ist etwas Merkwürdiges vorgekommen. Diejenigen Menschen, die am meisten nur nach dem Lateinischen gedacht haben, das waren ja die Gelehrten, und die Gelehrten haben zum Beispiel die Physik gemacht. Die Physik haben sie ausgedacht, sie haben sie gedacht ganz im Sinne der lateinischen Sprache mit dem physischen Gehirn. Als wir klein waren, als ich so alt war wie zum Beispiel da der junge Erbsmehl, da haben wir nur eine Physik gelernt, die ausgedacht worden ist mit dem lateinischen Gehirn. Nur das haben wir ja gelernt, was ausgedacht worden ist mit dem lateinischen Gehirn. Aber seither, meine Herren, ist ja ungeheuer viel geschehen. Sehen Sie, als ich klein war, kam eben das Telephon auf. Es war ja vorher nicht da. Nachher kamen alle die anderen großen Erfindungen, in die heute der Mensch schon so hineinwächst, als wenn sie immer dagewesen wären. Die sind ja erst in den allerletzten Jahrzehnten gekommen. Dadurch sind immer mehr Leute in die Wissenschaft hineingekommen, die nicht lateinisch dressiert worden sind. Das ist solch eine merkwürdige Geschichte. Wenn man nämlich dem wissenschaftlichen Leben in den letzten Jahrzehnten nachgeht, so findet man, daß immer mehr solche Techniker hineinkommen in die Wissenschaft. Die haben sich nicht viel mit dem Lateinischen befaßt. Dadurch ist ihr Denken nicht so automatisch geworden. Und dieses nichtautomatische Denken ist dann auch auf die anderen übergegangen. Daher ist es heute so, daß die Physik lauter Begriffe, Ideen hat, die zerfallen. Die sind höchst interessant. Da ist zum Beispiel der Professor Gruner in Bern, der vor zwei Jahren über die Neuorientierung der Physik gesprochen hat. Da hat er gesagt: Alle Begriffe sind anders geworden in den letzten Jahren.

[ 23 ] Aber jetzt kommt das, worauf ich hindeuten wollte, indem ich sagte, in der letzten Zeit ist etwas Merkwürdiges vorgekommen. Diejenigen Menschen, die am meisten nur nach dem Lateinischen gedacht haben, das waren ja die Gelehrten, und die Gelehrten haben zum Beispiel die Physik gemacht. Die Physik haben sie ausgedacht, sie haben sie gedacht ganz im Sinne der lateinischen Sprache mit dem physischen Gehirn. Als wir klein waren, als ich so alt war wie zum Beispiel da der junge Erbsmehl, da haben wir nur eine Physik gelernt, die ausgedacht worden ist mit dem lateinischen Gehirn. Nur das haben wir ja gelernt, was ausgedacht worden ist mit dem lateinischen Gehirn. Aber seither, meine Herren, ist ja ungeheuer viel geschehen. Sehen Sie, als ich klein war, kam eben das Telephon auf. Es war ja vorher nicht da. Nachher kamen alle die anderen großen Erfindungen, in die heute der Mensch schon so hineinwächst, als wenn sie immer dagewesen wären. Die sind ja erst in den allerletzten Jahrzehnten gekommen. Dadurch sind immer mehr Leute in die Wissenschaft hineingekommen, die nicht lateinisch dressiert worden sind. Das ist solch eine merkwürdige Geschichte. Wenn man nämlich dem wissenschaftlichen Leben in den letzten Jahrzehnten nachgeht, so findet man, daß immer mehr solche Techniker hineinkommen in die Wissenschaft. Die haben sich nicht viel mit dem Lateinischen befaßt. Dadurch ist ihr Denken nicht so automatisch geworden. Und dieses nichtautomatische Denken ist dann auch auf die anderen übergegangen. Daher ist es heute so, daß die Physik lauter Begriffe, Ideen hat, die zerfallen. Die sind höchst interessant. Da ist zum Beispiel der Professor Gruner in Bern, der vor zwei Jahren über die Neuorientierung der Physik gesprochen hat. Da hat er gesagt: Alle Begriffe sind anders geworden in den letzten Jahren.

[ 24 ] Daß man das nicht bemerkt, kommt eben nur davon her, daß, wenn Sie heute in populäre Vorträge gehen, Ihnen die Leute noch das erzählen, was man vor zwanzig Jahren gedacht hat! Das was heute gedacht wird, das können sie Ihnen nicht erzählen, weil sie selber noch nicht denken können. Es ist nämlich gerade so, wenn man die Begriffe nimmt, die man noch vor dreißig Jahren hat gelten lassen, wie wenn man ein Stückchen Eis hat und das zerschmilzt: die Ideen zerschmelzen. Sie sind nicht mehr da, wenn man sie genau denken will. Wir müssen das eben einsehen. Es ist ja so: Wenn einer vor dreißig Jahren Physik gelernt hat und heute sich anschaut, wie es geworden ist, möchte er sich die Haare ausraufen, weil er sich sagen muß: Ja, da komme ich nicht zu Rande mit den Begriffen, die ich gelernt habe! — Dies ist eben so. Und woher rührt das? Ja, das rührt eben davon her, weil in den letzten Jahren die Menschen durch die Entwickelung der Menschheit dazu gebracht worden sind, daß der Ätherleib anfangen soll zu denken. Und das wollen sie nicht, sie wollen mit dem physischen Leib weiter denken. Aber im physischen Leib fallen einem die Begriffe ganz auseinander. Und mit dem Ätherleib wollen sie nicht denken lernen. Selbständig denken wollen sie nicht lernen.

[ 24 ] Daß man das nicht bemerkt, kommt eben nur davon her, daß, wenn Sie heute in populäre Vorträge gehen, Ihnen die Leute noch das erzählen, was man vor zwanzig Jahren gedacht hat! Das was heute gedacht wird, das können sie Ihnen nicht erzählen, weil sie selber noch nicht denken können. Es ist nämlich gerade so, wenn man die Begriffe nimmt, die man noch vor dreißig Jahren hat gelten lassen, wie wenn man ein Stückchen Eis hat und das zerschmilzt: die Ideen zerschmelzen. Sie sind nicht mehr da, wenn man sie genau denken will. Wir müssen das eben einsehen. Es ist ja so: Wenn einer vor dreißig Jahren Physik gelernt hat und heute sich anschaut, wie es geworden ist, möchte er sich die Haare ausraufen, weil er sich sagen muß: Ja, da komme ich nicht zu Rande mit den Begriffen, die ich gelernt habe! — Dies ist eben so. Und woher rührt das? Ja, das rührt eben davon her, weil in den letzten Jahren die Menschen durch die Entwickelung der Menschheit dazu gebracht worden sind, daß der Ätherleib anfangen soll zu denken. Und das wollen sie nicht, sie wollen mit dem physischen Leib weiter denken. Aber im physischen Leib fallen einem die Begriffe ganz auseinander. Und mit dem Ätherleib wollen sie nicht denken lernen. Selbständig denken wollen sie nicht lernen.

[ 25 ] Nun, sehen Sie, da ist es eben so, daß es notwendig geworden ist, daß ich im Jahre 1893 dieses Buch geschrieben habe über die Philosophie der Freiheit. Dieses Buch, «Die Philosophie der Freiheit», ist nicht so wichtig durch das, was drinnen steht. Natürlich, das, was drinnen steht, das wollte man schon auch dazumal der Welt sagen, aber das ist nicht das Allerwichtigste, sondern das Wichtige bei diesem Buche «Die Philosophie der Freiheit» ist, daß zum ersten Mal ganz und gar selbständiges Denken in diesem Buche ist. Kein Mensch kann das Buch verstehen, der nur unselbständig denkt. Er muß sich Seite für Seite, ganz von Anfang an, daran gewöhnen, zurückzugehen zu seinem Ätherleib, um solche Gedanken überhaupt haben zu können, wie sie in diesem Buche sind. Deshalb ist dieses Buch ein Erziehungsmittel — es ist ein schr wichtiges Erziehungsmittel —, und als solches muß man es auffassen.

[ 25 ] Nun, sehen Sie, da ist es eben so, daß es notwendig geworden ist, daß ich im Jahre 1893 dieses Buch geschrieben habe über die Philosophie der Freiheit. Dieses Buch, «Die Philosophie der Freiheit», ist nicht so wichtig durch das, was drinnen steht. Natürlich, das, was drinnen steht, das wollte man schon auch dazumal der Welt sagen, aber das ist nicht das Allerwichtigste, sondern das Wichtige bei diesem Buche «Die Philosophie der Freiheit» ist, daß zum ersten Mal ganz und gar selbständiges Denken in diesem Buche ist. Kein Mensch kann das Buch verstehen, der nur unselbständig denkt. Er muß sich Seite für Seite, ganz von Anfang an, daran gewöhnen, zurückzugehen zu seinem Ätherleib, um solche Gedanken überhaupt haben zu können, wie sie in diesem Buche sind. Deshalb ist dieses Buch ein Erziehungsmittel — es ist ein schr wichtiges Erziehungsmittel —, und als solches muß man es auffassen.

[ 26 ] Als das Buch erschienen war in den neunziger Jahren, da haben die Leute überhaupt nicht gewußt, was sie mit ihm machen sollen. Das ist für sie so gewesen, wie wenn einer in Europa chinesisch schreibt und kein Mensch das verstehen kann. Es war ja natürlich deutsch geschrieben, aber es war in Gedanken geschrieben, die den Leuten gar nicht gewohnt waren, weil in dieser Beziehung alles Lateinische ganz absichtlich abgestreift ist. Es ist zum ersten Male ganz bewußt Rücksicht darauf genommen: Da drinnen sollen keine Gedanken sein, die noch durchs Lateinische beeinflußt sind, sondern nur ganz selbständige Gedanken. Ein Lateiner ist ja nur das physische Gehirn. Der Ätherleib des Menschen ist kein Lateiner. Daher muß man sich erst bemühen, in einer Sprache solche Gedanken auszudrücken, wie man sie dann hat, wenn man sie im Ätherleib hat.

[ 26 ] Als das Buch erschienen war in den neunziger Jahren, da haben die Leute überhaupt nicht gewußt, was sie mit ihm machen sollen. Das ist für sie so gewesen, wie wenn einer in Europa chinesisch schreibt und kein Mensch das verstehen kann. Es war ja natürlich deutsch geschrieben, aber es war in Gedanken geschrieben, die den Leuten gar nicht gewohnt waren, weil in dieser Beziehung alles Lateinische ganz absichtlich abgestreift ist. Es ist zum ersten Male ganz bewußt Rücksicht darauf genommen: Da drinnen sollen keine Gedanken sein, die noch durchs Lateinische beeinflußt sind, sondern nur ganz selbständige Gedanken. Ein Lateiner ist ja nur das physische Gehirn. Der Ätherleib des Menschen ist kein Lateiner. Daher muß man sich erst bemühen, in einer Sprache solche Gedanken auszudrücken, wie man sie dann hat, wenn man sie im Ätherleib hat.

[ 27 ] Ich will Ihnen noch etwas sagen. Natürlich bemerkten die Menschen, daß in den letzten Jahrzehnten die Begriffe alle anders geworden sind. Als ich eben noch jung war, da kam der Professor, schrieb die ganze Tafel voll. Das mußte man lernen, und dann machte man ein gutes Examen. Na, schön! Und jetzt, in den letzten Jahren sind die Leute darauf gekommen, was eben dieser Gruner gesagt hat bei seiner Rektoratsrede: Alle unsere Begriffe hätten ja keinen Sinn mehr, wenn es keine festen, sondern nur flüssige Körper geben würde. — Er stellt sich vor, daß die ganze Welt ein flüssiger Körper wäre. Dann aber hätten die Begriffe alle keinen Sinn mehr, dann müßte man ganz anders denken, sagt er.

[ 27 ] Ich will Ihnen noch etwas sagen. Natürlich bemerkten die Menschen, daß in den letzten Jahrzehnten die Begriffe alle anders geworden sind. Als ich eben noch jung war, da kam der Professor, schrieb die ganze Tafel voll. Das mußte man lernen, und dann machte man ein gutes Examen. Na, schön! Und jetzt, in den letzten Jahren sind die Leute darauf gekommen, was eben dieser Gruner gesagt hat bei seiner Rektoratsrede: Alle unsere Begriffe hätten ja keinen Sinn mehr, wenn es keine festen, sondern nur flüssige Körper geben würde. — Er stellt sich vor, daß die ganze Welt ein flüssiger Körper wäre. Dann aber hätten die Begriffe alle keinen Sinn mehr, dann müßte man ganz anders denken, sagt er.

[ 28 ] Ja, natürlich müßte man anders denken, wenn kein fester Körper mehr da wäre! Dann könnten Sie mit all den Begriffen, die Sie in der Schule gelernt haben, nichts mehr anfangen. Wenn Sie also, sagen wir, als Fisch plötzlich ganz gescheit würden und es käme Ihnen die Idee, Sie sollten als Fisch auf eine menschliche Hochschule gehen, dann würden Sie da etwas lernen, was es überhaupt für den Fisch nicht gibt, weil der Fisch im Wasser lebt. Er hat feste Körper nur an der Grenze, wo er antippt und gleich wieder zurückprallt. Also wenn der Fisch anfangen würde zu denken, müßte er ja ganz andere Gedanken haben als der Mensch. Aber solche Gedanken, die braucht der Mensch heute auch, weil ihm die anderen Gedanken entfallen, und er muß sich selber sagen: Donnerwetter, wenn alles flüssig wäre, müßten wir ganz andere Gedanken haben.

[ 28 ] Ja, natürlich müßte man anders denken, wenn kein fester Körper mehr da wäre! Dann könnten Sie mit all den Begriffen, die Sie in der Schule gelernt haben, nichts mehr anfangen. Wenn Sie also, sagen wir, als Fisch plötzlich ganz gescheit würden und es käme Ihnen die Idee, Sie sollten als Fisch auf eine menschliche Hochschule gehen, dann würden Sie da etwas lernen, was es überhaupt für den Fisch nicht gibt, weil der Fisch im Wasser lebt. Er hat feste Körper nur an der Grenze, wo er antippt und gleich wieder zurückprallt. Also wenn der Fisch anfangen würde zu denken, müßte er ja ganz andere Gedanken haben als der Mensch. Aber solche Gedanken, die braucht der Mensch heute auch, weil ihm die anderen Gedanken entfallen, und er muß sich selber sagen: Donnerwetter, wenn alles flüssig wäre, müßten wir ganz andere Gedanken haben.

[ 29 ] Ja aber, meine Herren, habe ich Ihnen nicht erzählt von einem Zustand der Erde, wo es noch keine festen Körper gegeben hat, wo alles flüssig war, wo selbst die Tiere so waren, daß sie flüssig waren? Ich habe Ihnen ja erzählt von diesem Zustande. Ist es Ihnen nicht begreiflich, daß das heutige Denken in diese Zustände überhaupt nicht zurückkommt? Die kann es ja nicht denken! Also kann das heutige Denken über den Weltanfang überhaupt nichts ausmachen. Und, so muß man sagen, die heutigen Menschen fangen an, sich zu denken: Donnerwetter, wenn die Welt flüssig wäre, müßten wir ganz andere Begriffe haben! — Aber in der geistigen Welt sind keine festen Körper! Also mit all den Begriffen, die die lateinische Sprache in die Menschen nach und nach hineindressiert hat, kann man überhaupt nicht in die geistige Welt hineinkommen. Die muß man sich erst abgewöhnen, diese Begriffe.

[ 29 ] Ja aber, meine Herren, habe ich Ihnen nicht erzählt von einem Zustand der Erde, wo es noch keine festen Körper gegeben hat, wo alles flüssig war, wo selbst die Tiere so waren, daß sie flüssig waren? Ich habe Ihnen ja erzählt von diesem Zustande. Ist es Ihnen nicht begreiflich, daß das heutige Denken in diese Zustände überhaupt nicht zurückkommt? Die kann es ja nicht denken! Also kann das heutige Denken über den Weltanfang überhaupt nichts ausmachen. Und, so muß man sagen, die heutigen Menschen fangen an, sich zu denken: Donnerwetter, wenn die Welt flüssig wäre, müßten wir ganz andere Begriffe haben! — Aber in der geistigen Welt sind keine festen Körper! Also mit all den Begriffen, die die lateinische Sprache in die Menschen nach und nach hineindressiert hat, kann man überhaupt nicht in die geistige Welt hineinkommen. Die muß man sich erst abgewöhnen, diese Begriffe.

[ 30 ] Sehen Sie, das ist ja ein großes Geheimnis: Im Griechentum, das vorangegangen ist dem Lateinertum — das Lateinertum, das entstand erst fünf, sechs Jahrhunderte vor Christi Geburt, aber das Griechentum ist viel älter —, im Griechentum, da gab es noch eine Erkenntnis des Geistigen. Da konnte man noch in die geistige Welt hineinschauen. Als das Römertum gekommen ist mit der lateinischen Sprache, da wurde der Geist allmählich ausgerottet. Jetzt muß ich wiederum etwas sagen, was Ihnen sehr kurios vorkommen wird, aber Sie werden das begreifen. Wer hat sich denn der lateinischen Sprache durch die Jahrhunderte bedient, nur die lateinische Sprache gebraucht? — Die Kirche selber hat am meisten dazu beigetragen! Das ist es gerade, daß die Kirche, die vorgibt, den Menschen den Geist beizubringen, gerade am meisten dazu beigetragen hat, den Geist auszutreiben. Und im Mittelalter waren alle Hochschulen kirchlich. Natürlich muß man der Kirche dankbar sein, daß sie überhaupt die Hochschulen begründet hat im 13., 14., 15. Jahrhundert, aber sie hat sie begründet aus dem Lateinertum heraus, und das Lateinertum hat niemals die Möglichkeit, zum Geist zu kommen. Und so ist es eben gekommen, daß die Menschen allmählich nur Begriffe gehabt haben für feste Körper. Sehen Sie sich das einmal bei den Römern an: Die Römer haben diese ganz trockenen, nüchternen, ungeistigen Begriffe in die Welt eingeführt. Das hat gemacht, daß dann alles so materiell vorgestellt worden ist. Was glauben Sie, wenn noch die Griechen solch eine Handlung wie das Abendmahl geschildert hätten — ja, die hätten doch das nicht so geschildert, als ob das Materielle, das man da hat, Blut und Fleisch wäre! Das kommt ja vom Materialismus. Sogar die Abendmahlsauffassung ist materialistisch geworden, weil alles das zusammenhängt mit der lateinischen Sprache.

[ 30 ] Sehen Sie, das ist ja ein großes Geheimnis: Im Griechentum, das vorangegangen ist dem Lateinertum — das Lateinertum, das entstand erst fünf, sechs Jahrhunderte vor Christi Geburt, aber das Griechentum ist viel älter —, im Griechentum, da gab es noch eine Erkenntnis des Geistigen. Da konnte man noch in die geistige Welt hineinschauen. Als das Römertum gekommen ist mit der lateinischen Sprache, da wurde der Geist allmählich ausgerottet. Jetzt muß ich wiederum etwas sagen, was Ihnen sehr kurios vorkommen wird, aber Sie werden das begreifen. Wer hat sich denn der lateinischen Sprache durch die Jahrhunderte bedient, nur die lateinische Sprache gebraucht? — Die Kirche selber hat am meisten dazu beigetragen! Das ist es gerade, daß die Kirche, die vorgibt, den Menschen den Geist beizubringen, gerade am meisten dazu beigetragen hat, den Geist auszutreiben. Und im Mittelalter waren alle Hochschulen kirchlich. Natürlich muß man der Kirche dankbar sein, daß sie überhaupt die Hochschulen begründet hat im 13., 14., 15. Jahrhundert, aber sie hat sie begründet aus dem Lateinertum heraus, und das Lateinertum hat niemals die Möglichkeit, zum Geist zu kommen. Und so ist es eben gekommen, daß die Menschen allmählich nur Begriffe gehabt haben für feste Körper. Sehen Sie sich das einmal bei den Römern an: Die Römer haben diese ganz trockenen, nüchternen, ungeistigen Begriffe in die Welt eingeführt. Das hat gemacht, daß dann alles so materiell vorgestellt worden ist. Was glauben Sie, wenn noch die Griechen solch eine Handlung wie das Abendmahl geschildert hätten — ja, die hätten doch das nicht so geschildert, als ob das Materielle, das man da hat, Blut und Fleisch wäre! Das kommt ja vom Materialismus. Sogar die Abendmahlsauffassung ist materialistisch geworden, weil alles das zusammenhängt mit der lateinischen Sprache.

[ 31 ] Die lateinische Sprache ist ganz nur logisch. Sehen Sie, ich habe ja mit vielen solchen Menschen gearbeitet, die eine ganz lateinische Kultur gehabt haben, trotzdem sie deutsch geredet haben. Wollte man irgend etwas klar haben, dann übersetzte man geschwind die Geschichte ins Lateinische, weil man im Lateinischen nur logisch denkt in der neueren Zeit. Aber dieses logische Denken, das bezieht sich ja eben nur auf feste Körper. Will man in die geistige Welt hinein, so braucht man flüssige Begriffe.

[ 31 ] Die lateinische Sprache ist ganz nur logisch. Sehen Sie, ich habe ja mit vielen solchen Menschen gearbeitet, die eine ganz lateinische Kultur gehabt haben, trotzdem sie deutsch geredet haben. Wollte man irgend etwas klar haben, dann übersetzte man geschwind die Geschichte ins Lateinische, weil man im Lateinischen nur logisch denkt in der neueren Zeit. Aber dieses logische Denken, das bezieht sich ja eben nur auf feste Körper. Will man in die geistige Welt hinein, so braucht man flüssige Begriffe.

[ 32 ] Da gibt es zum Beispiel die Theosophische Gesellschaft. Die wollte ja auch in die geistige Welt hinein. Diese Theosophische Gesellschaft, die redet auch davon: Der Mensch hat einen physischen Leib, einen Ätherleib und so weiter — aber die sind materialistisch, denn sie denken ja nur: Der physische Leib, der ist dick, der Ätherleib ist etwas dünner und der astralische Leib noch dünner. — Aber das bleibt ja lauter Körper, das wird ja niemals Geist, weil man zu solchen Begriffen kommen muß, wenn man in den Geist hinein will, die fortwährend sich verändern. Sehen Sie, wenn ich zeichne, dann werden Sie bemerken, daß ich das selbst beim Zeichnen berücksichtige. Ich zeichne meinetwillen den physischen Leib auf; da versuche ich nachzuahmen, wie der Mensch als physischer Mensch ist. Wenn ich aber nun versuche den Ätherleib zu zeichnen, da wird es mir gar nicht einfallen, Ihnen in derselben Weise eine Figur hinzuzeichnen, sondern da versuche ich so darzustellen: Der Mensch hat auch einen Ätherleib, der dehnt sich so aus (siehe Zeichnung). — Aber Sie müssen wissen: Das ist nicht so sehr der Ätherleib, nicht so sehr, wenn ich ihn so aufzeichne, seine Abbildung, sondern das ist nur die Abbildung eines Augenblicks. Im nächsten Augenblick ist er wieder anders. — Also wenn ich den Ätherleib zeichnen wollte, müßte ich jetzt aufzeichnen, geschwind auslöschen, wieder anders aufzeichnen, wieder löschen, wieder aufzeichnen, wieder löschen. Das ist in fortwährender Bewegung. Der Mensch kommt da mit seinen Begriffen, wie er sie heute hat, diesen Bewegungen gar nicht nach. Das ist es, was Sie vor allen Dingen berücksichtigen müssen: daß die Begriffe beweglich werden müssen. Daran müssen sich die Menschen erst gewöhnen. Daher ist es notwendig, daß man heute zu ganz selbständigem Denken kommt.

[ 32 ] Da gibt es zum Beispiel die Theosophische Gesellschaft. Die wollte ja auch in die geistige Welt hinein. Diese Theosophische Gesellschaft, die redet auch davon: Der Mensch hat einen physischen Leib, einen Ätherleib und so weiter — aber die sind materialistisch, denn sie denken ja nur: Der physische Leib, der ist dick, der Ätherleib ist etwas dünner und der astralische Leib noch dünner. — Aber das bleibt ja lauter Körper, das wird ja niemals Geist, weil man zu solchen Begriffen kommen muß, wenn man in den Geist hinein will, die fortwährend sich verändern. Sehen Sie, wenn ich zeichne, dann werden Sie bemerken, daß ich das selbst beim Zeichnen berücksichtige. Ich zeichne meinetwillen den physischen Leib auf; da versuche ich nachzuahmen, wie der Mensch als physischer Mensch ist. Wenn ich aber nun versuche den Ätherleib zu zeichnen, da wird es mir gar nicht einfallen, Ihnen in derselben Weise eine Figur hinzuzeichnen, sondern da versuche ich so darzustellen: Der Mensch hat auch einen Ätherleib, der dehnt sich so aus (siehe Zeichnung). — Aber Sie müssen wissen: Das ist nicht so sehr der Ätherleib, nicht so sehr, wenn ich ihn so aufzeichne, seine Abbildung, sondern das ist nur die Abbildung eines Augenblicks. Im nächsten Augenblick ist er wieder anders. — Also wenn ich den Ätherleib zeichnen wollte, müßte ich jetzt aufzeichnen, geschwind auslöschen, wieder anders aufzeichnen, wieder löschen, wieder aufzeichnen, wieder löschen. Das ist in fortwährender Bewegung. Der Mensch kommt da mit seinen Begriffen, wie er sie heute hat, diesen Bewegungen gar nicht nach. Das ist es, was Sie vor allen Dingen berücksichtigen müssen: daß die Begriffe beweglich werden müssen. Daran müssen sich die Menschen erst gewöhnen. Daher ist es notwendig, daß man heute zu ganz selbständigem Denken kommt.

Blackboard 1Blackboard 1

[ 33 ] Aber das genügt noch nicht, meine Herren. Ich will Ihnen noch etwas anderes sagen. Sie wissen ja: Der Mensch entwickelt sich. Nun, man beachtet gewöhnlich diese Entwickelung im Leben des Menschen nicht; aber wenn der Mensch noch ganz jung ist, beachtet man es. Man weiß ganz gut: Ein vierjähriges Kind kann noch nicht schreiben und rechnen und lesen, ein achtjähriges Kind kann es vielleicht. Da sieht man die Entwickelung. Aber im späteren Leben, wenn wir einmal «gemachte Menschen» sind, da sind wir ja überhaupt so hochnäsig, daß wir es nicht mehr zugeben, daß wir uns entwickeln. Aber wir entwikkeln uns eigentlich durch das ganze Leben, und es ist sehr eigentümlich, wie wir uns entwickeln. Sehen Sie, unsere Entwickelung, die geht nämlich so: Nehmen Sie an, wir haben den Menschen — ich will ihn ganz schematisch zeichnen —: Wenn das Kind ganz jung ist, dann geht alle Entwickelung vom Kopfe aus. Wenn man dann den Zahnwechsel durchgemacht hat, also älter geworden ist, dann geht alle Entwickelung von der Brust aus. Deshalb muß man so achtgeben, wie die Kinder vom siebenten bis vierzehnten Jahre atmen; daß sie genügend atmen und so weiter. Also das ist das Alter von dem größeren Kind — heute müßte man ja eigentlich schon anders sagen, heute lassen sich das die Kinder nicht mehr gefallen; vom vierzehnten Jahr an muß man heute schon «junge Damen» und «junge Herren» sagen. Also sagen wir: das ist das Alter der größeren Kinder. Und erst, wenn der Mensch geschlechtsreif geworden ist, geht vom ganzen Menschen, von den Gliedmaßen die Entwickelung aus. So daß wir sagen können: Wenn der Mensch geschlechtsreif geworden ist, da erst ist der Mensch selber in voller Entwickelung. — Das bleibt jetzt. Da entwickeln wir uns durch die Zwanzigerjahre, Dreißigerjahre noch hindurch. Aber, sehen Sie, meine Herren — einige von Ihnen können das ja schon an sich selbst sehen —, wenn man älter wird, dann geht manches wiederum zurück. Da geht wirklich manches zurück. Nun, das braucht ja nicht der Fall zu sein, wenn man ein geistiges Leben aufgenommen hat, aber so im normalen menschlichen Leben geht schon die Sache zurück, wenn man älter geworden ist. Das ist gerade die Aufgabe der Anthroposophie, dafür zu sorgen, daß die Menschen in der Zukunft mit dem Alter nicht mehr zurückgehen. Aber das muß natürlich auch langsam und allmählich geschehen.

[ 33 ] Aber das genügt noch nicht, meine Herren. Ich will Ihnen noch etwas anderes sagen. Sie wissen ja: Der Mensch entwickelt sich. Nun, man beachtet gewöhnlich diese Entwickelung im Leben des Menschen nicht; aber wenn der Mensch noch ganz jung ist, beachtet man es. Man weiß ganz gut: Ein vierjähriges Kind kann noch nicht schreiben und rechnen und lesen, ein achtjähriges Kind kann es vielleicht. Da sieht man die Entwickelung. Aber im späteren Leben, wenn wir einmal «gemachte Menschen» sind, da sind wir ja überhaupt so hochnäsig, daß wir es nicht mehr zugeben, daß wir uns entwickeln. Aber wir entwikkeln uns eigentlich durch das ganze Leben, und es ist sehr eigentümlich, wie wir uns entwickeln. Sehen Sie, unsere Entwickelung, die geht nämlich so: Nehmen Sie an, wir haben den Menschen — ich will ihn ganz schematisch zeichnen —: Wenn das Kind ganz jung ist, dann geht alle Entwickelung vom Kopfe aus. Wenn man dann den Zahnwechsel durchgemacht hat, also älter geworden ist, dann geht alle Entwickelung von der Brust aus. Deshalb muß man so achtgeben, wie die Kinder vom siebenten bis vierzehnten Jahre atmen; daß sie genügend atmen und so weiter. Also das ist das Alter von dem größeren Kind — heute müßte man ja eigentlich schon anders sagen, heute lassen sich das die Kinder nicht mehr gefallen; vom vierzehnten Jahr an muß man heute schon «junge Damen» und «junge Herren» sagen. Also sagen wir: das ist das Alter der größeren Kinder. Und erst, wenn der Mensch geschlechtsreif geworden ist, geht vom ganzen Menschen, von den Gliedmaßen die Entwickelung aus. So daß wir sagen können: Wenn der Mensch geschlechtsreif geworden ist, da erst ist der Mensch selber in voller Entwickelung. — Das bleibt jetzt. Da entwickeln wir uns durch die Zwanzigerjahre, Dreißigerjahre noch hindurch. Aber, sehen Sie, meine Herren — einige von Ihnen können das ja schon an sich selbst sehen —, wenn man älter wird, dann geht manches wiederum zurück. Da geht wirklich manches zurück. Nun, das braucht ja nicht der Fall zu sein, wenn man ein geistiges Leben aufgenommen hat, aber so im normalen menschlichen Leben geht schon die Sache zurück, wenn man älter geworden ist. Das ist gerade die Aufgabe der Anthroposophie, dafür zu sorgen, daß die Menschen in der Zukunft mit dem Alter nicht mehr zurückgehen. Aber das muß natürlich auch langsam und allmählich geschehen.

Diagram II
Diagram II

[ 34 ] Nun ist es ja so, daß es Menschen gibt, bei denen die geistigen Kräfte, wie man sagt, ganz furchtbar zurückgehen. Nun kann der Geist aber nicht zurückgehen, sondern es ist wieder nur der Körper, der zurückgeht. Es ist nun interessant, daß gerade sehr geistreiche Menschen oftmals im Alter furchtbar zurückgehen. So zum Beispiel werden Sie schon gehört haben, daß die Menschen ja den Kant zu den besonders großen Weisen rechnen. Kant war aber in seinem Alter blödsinnig. Also sein Körper ist so zurückgegangen, daß er seinen weisen Geist nicht mehr benützen konnte. Und so ist es bei vielen. Gerade sehr gescheite Leute sind im Alter ja richtig blödsinnig geworden. Das ist natürlich wieder nur ein starker, intensiver Ausdruck für das, was bei jedem Menschen eintritt. Allmählich kann man ja im Alter den physischen Körper nicht mehr gebrauchen. Man kann ihn ja dann schon aus dem Grunde nicht gebrauchen, weil sich ungeheuer viel Kalk einlagert, namentlich in die Adern. Und je mehr sich Kalk in die Adern einlagert, desto weniger kann man den physischen Körper gebrauchen. Aber in demselben Maße, in dem, sagen wir zum Beispiel bis zum vierzigsten Jahre vom Kopfe herunter die Entwickelung in den ganzen Körper hineingeht, in demselben Maße geht es wiederum zurück. Kommt man von den Vierziger- in die Fünfzigerjahre hinauf, so muß man wiederum die Brust mehr gebrauchen, und im Alter muß man wieder mehr den Kopf gebrauchen. Wenn man also ganz alt geworden ist, muß man wieder mehr den Kopf gebrauchen. Aber jetzt müßte man im Alter nicht den physischen Kopf gebrauchen, sondern den feineren Kopf, den Ätherkopf da oben muß man gebrauchen. Aber das lernen die Leute in der lateinischen Erziehung nicht. Und gerade diejenigen, die in den letzten Jahrzehnten materialistische lateinische Erziehung genossen haben, die sind am meisten diesem Altersblödsinn ausgesetzt gewesen.

[ 34 ] Nun ist es ja so, daß es Menschen gibt, bei denen die geistigen Kräfte, wie man sagt, ganz furchtbar zurückgehen. Nun kann der Geist aber nicht zurückgehen, sondern es ist wieder nur der Körper, der zurückgeht. Es ist nun interessant, daß gerade sehr geistreiche Menschen oftmals im Alter furchtbar zurückgehen. So zum Beispiel werden Sie schon gehört haben, daß die Menschen ja den Kant zu den besonders großen Weisen rechnen. Kant war aber in seinem Alter blödsinnig. Also sein Körper ist so zurückgegangen, daß er seinen weisen Geist nicht mehr benützen konnte. Und so ist es bei vielen. Gerade sehr gescheite Leute sind im Alter ja richtig blödsinnig geworden. Das ist natürlich wieder nur ein starker, intensiver Ausdruck für das, was bei jedem Menschen eintritt. Allmählich kann man ja im Alter den physischen Körper nicht mehr gebrauchen. Man kann ihn ja dann schon aus dem Grunde nicht gebrauchen, weil sich ungeheuer viel Kalk einlagert, namentlich in die Adern. Und je mehr sich Kalk in die Adern einlagert, desto weniger kann man den physischen Körper gebrauchen. Aber in demselben Maße, in dem, sagen wir zum Beispiel bis zum vierzigsten Jahre vom Kopfe herunter die Entwickelung in den ganzen Körper hineingeht, in demselben Maße geht es wiederum zurück. Kommt man von den Vierziger- in die Fünfzigerjahre hinauf, so muß man wiederum die Brust mehr gebrauchen, und im Alter muß man wieder mehr den Kopf gebrauchen. Wenn man also ganz alt geworden ist, muß man wieder mehr den Kopf gebrauchen. Aber jetzt müßte man im Alter nicht den physischen Kopf gebrauchen, sondern den feineren Kopf, den Ätherkopf da oben muß man gebrauchen. Aber das lernen die Leute in der lateinischen Erziehung nicht. Und gerade diejenigen, die in den letzten Jahrzehnten materialistische lateinische Erziehung genossen haben, die sind am meisten diesem Altersblödsinn ausgesetzt gewesen.

[ 35 ] Man muß im Alter wiederum auf die Kindheitsstufe zurück. Es gibt ja Leute, bei denen das sehr stark eintritt. Sie werden, wie man sagt, geistig immer schwächer und schwächer. Der Geist bleibt aber ganz erhalten, der Körper wird nur immer schwächer und schwächer. Solche Leute können zuletzt das nicht mehr, was sie zuallererst fertig gebracht haben. Solche Dinge kommen durchaus vor. Sagen wir, ein Mensch ist alt geworden. Das, was er zuletzt getrieben hat, das kann er gar nicht mehr. Er kann nur noch dasjenige, was er als größeres Kind getrieben hat. Zuletzt kann er auch das nicht mehr, sondern er kann nur noch spielen und versteht auch nur noch diejenigen Begriffe, die er während des Spielens aufgenommen hat. Es hat sogar Leute gegeben, die konnten im höchsten Alter nur noch dasjenige verstehen, was ihnen die EItern oder die Amme in den allerersten Kindheitsjahren gesagt haben. Der Ausdruck: Im Alter wird man kindisch — der hat nämlich eine sehr gute Begründung. Man gelangt wirklich wiederum in die Kindheit zurück.

[ 35 ] Man muß im Alter wiederum auf die Kindheitsstufe zurück. Es gibt ja Leute, bei denen das sehr stark eintritt. Sie werden, wie man sagt, geistig immer schwächer und schwächer. Der Geist bleibt aber ganz erhalten, der Körper wird nur immer schwächer und schwächer. Solche Leute können zuletzt das nicht mehr, was sie zuallererst fertig gebracht haben. Solche Dinge kommen durchaus vor. Sagen wir, ein Mensch ist alt geworden. Das, was er zuletzt getrieben hat, das kann er gar nicht mehr. Er kann nur noch dasjenige, was er als größeres Kind getrieben hat. Zuletzt kann er auch das nicht mehr, sondern er kann nur noch spielen und versteht auch nur noch diejenigen Begriffe, die er während des Spielens aufgenommen hat. Es hat sogar Leute gegeben, die konnten im höchsten Alter nur noch dasjenige verstehen, was ihnen die EItern oder die Amme in den allerersten Kindheitsjahren gesagt haben. Der Ausdruck: Im Alter wird man kindisch — der hat nämlich eine sehr gute Begründung. Man gelangt wirklich wiederum in die Kindheit zurück.

[ 36 ] Aber das ist, sobald man Geistesleben in sich hat, kein Unglück, gar kein Unglück, sondern es ist eigentlich ein Glück; denn wenn man noch Kind ist, da kann man nämlich den Ätherleib benützen. Wenn das Kind herumtobt und schreit und alles mögliche macht, ja, das macht nicht der physische Leib — höchstens nur dann, wenn es Bauchweh hat, aber dann muß auch erst der Bauchschmerz übertragen werden auf den Ätherleib und astralischen Leib, damit das Kind sich infolge des Bauchwehs bewegt —; aber das, was da tobt, das ist eben nicht der physische Leib. Nun ist man alt und kommt wiederum auf die Kindheitsstufe zurück; dann hat man sich allmählich angewöhnt, nicht mehr zu toben, und benützt denselben Ätherleib, den man als Kind zum Toben benützt hat, dann im Alter zu etwas Gescheiterem. Also das kann ein Glück werden, daß man wiederum so zurückkommt.

[ 36 ] Aber das ist, sobald man Geistesleben in sich hat, kein Unglück, gar kein Unglück, sondern es ist eigentlich ein Glück; denn wenn man noch Kind ist, da kann man nämlich den Ätherleib benützen. Wenn das Kind herumtobt und schreit und alles mögliche macht, ja, das macht nicht der physische Leib — höchstens nur dann, wenn es Bauchweh hat, aber dann muß auch erst der Bauchschmerz übertragen werden auf den Ätherleib und astralischen Leib, damit das Kind sich infolge des Bauchwehs bewegt —; aber das, was da tobt, das ist eben nicht der physische Leib. Nun ist man alt und kommt wiederum auf die Kindheitsstufe zurück; dann hat man sich allmählich angewöhnt, nicht mehr zu toben, und benützt denselben Ätherleib, den man als Kind zum Toben benützt hat, dann im Alter zu etwas Gescheiterem. Also das kann ein Glück werden, daß man wiederum so zurückkommt.

[ 37 ] Da haben Sie das zweite. Das erste, was man lernen muß, um in die geistige Welt hineinzukommen, ist ein richtiges Denken. Wie man dazu kommt, darüber werden wir noch weiter reden; die Fragen sind sehr kompliziert. Wir müssen heute erst einmal darauf kommen, einzusehen, wie das ist. Das erste ist ein ganz selbständiges Denken. Da muß man mit vielem brechen, was heutige Erziehung ist, denn die heutige Erziehung ist eben unselbständiges Denken, das vom Latein herrührt. Denken Sie nicht, daß dasjenige Denken, das heute an sozialistischen Theorien entwickelt wird, ein freies Denken ist! Die haben ja alle von dem gelernt, was aus dem Latein herausgekommen ist; die haben es nur nicht gewußt. Nicht wahr, der Arbeiter mag in seinem Wollen das oder jenes sich vornehmen können; aber wenn er anfängt zu denken, so denkt er ganz nach Bourgeoisbegriffen, und die sind ja aus lateinischem Denken hervorgegangen. Also das erste, das man haben muß, ist selbständiges Denken.

[ 37 ] Da haben Sie das zweite. Das erste, was man lernen muß, um in die geistige Welt hineinzukommen, ist ein richtiges Denken. Wie man dazu kommt, darüber werden wir noch weiter reden; die Fragen sind sehr kompliziert. Wir müssen heute erst einmal darauf kommen, einzusehen, wie das ist. Das erste ist ein ganz selbständiges Denken. Da muß man mit vielem brechen, was heutige Erziehung ist, denn die heutige Erziehung ist eben unselbständiges Denken, das vom Latein herrührt. Denken Sie nicht, daß dasjenige Denken, das heute an sozialistischen Theorien entwickelt wird, ein freies Denken ist! Die haben ja alle von dem gelernt, was aus dem Latein herausgekommen ist; die haben es nur nicht gewußt. Nicht wahr, der Arbeiter mag in seinem Wollen das oder jenes sich vornehmen können; aber wenn er anfängt zu denken, so denkt er ganz nach Bourgeoisbegriffen, und die sind ja aus lateinischem Denken hervorgegangen. Also das erste, das man haben muß, ist selbständiges Denken.

[ 38 ] Das zweite aber, das ist, daß man lernen muß, nicht bloß in dem gegenwärtigen Augenblick zu leben, sondern immer wiederum zurückgehen zu können in das Leben, das man bis in die Kindheit hinein geführt hat. Sehen Sie, wer in die geistige Welt eindringen will, der muß oftmals sich vornehmen: Jetzt mußt du darauf kommen, wie es war, als du ein zwölfjähriger Junge warst. Was hast du da getan? — Und das muß man nun nicht oberflächlich, nur äußerlich, sondern ganz im einzelnen sich vorstellen. Es ist zum Beispiel nichts nützlicher, als wenn man anfängt sich zu sagen: Ja, da war ich ein zwölfjähriger Junge — ich kann es ganz gut übersehen —, da war ein Steinhaufen am Weg, auf den bin ich draufgestiegen. Einmal bin ich heruntergepurzelt. Da war irgendeine Haselnußstaude, da habe ich mein Messer herausgenommen, Zweige abgeschnitten, mich in den Finger geschnitten. — Dieses wiederum so richtig sehen, was man vor vielen Jahren selber gemacht hat: dadurch kommt man in das hinein, daß man eigentlich nicht bloß im Gegenwärtigen lebt. Wenn Sie denken, so wie man es heute gelernt hat, da denken Sie mit Ihrem gegenwärtigen physischen Leib. Aber wenn Sie auf das zurückkommen, was Sie mit zwölf Jahren waren, da können Sie nicht mit Ihrem damaligen physischen Leib denken, denn der ist nicht mehr da — ich habe Ihnen das gesagt, der physische Leib ist alle sieben Jahre neu —, da müssen Sie mit Ihrem Ätherkörper denken. Deshalb rufen Sie diesen Ätherleib auf, wenn Sie zurückdenken an etwas, was im Alter von zwölf, vierzehn Jahren zurückliegt. Dadurch kommen Sie in diese innere Ttätigkeit hinein.

[ 38 ] Das zweite aber, das ist, daß man lernen muß, nicht bloß in dem gegenwärtigen Augenblick zu leben, sondern immer wiederum zurückgehen zu können in das Leben, das man bis in die Kindheit hinein geführt hat. Sehen Sie, wer in die geistige Welt eindringen will, der muß oftmals sich vornehmen: Jetzt mußt du darauf kommen, wie es war, als du ein zwölfjähriger Junge warst. Was hast du da getan? — Und das muß man nun nicht oberflächlich, nur äußerlich, sondern ganz im einzelnen sich vorstellen. Es ist zum Beispiel nichts nützlicher, als wenn man anfängt sich zu sagen: Ja, da war ich ein zwölfjähriger Junge — ich kann es ganz gut übersehen —, da war ein Steinhaufen am Weg, auf den bin ich draufgestiegen. Einmal bin ich heruntergepurzelt. Da war irgendeine Haselnußstaude, da habe ich mein Messer herausgenommen, Zweige abgeschnitten, mich in den Finger geschnitten. — Dieses wiederum so richtig sehen, was man vor vielen Jahren selber gemacht hat: dadurch kommt man in das hinein, daß man eigentlich nicht bloß im Gegenwärtigen lebt. Wenn Sie denken, so wie man es heute gelernt hat, da denken Sie mit Ihrem gegenwärtigen physischen Leib. Aber wenn Sie auf das zurückkommen, was Sie mit zwölf Jahren waren, da können Sie nicht mit Ihrem damaligen physischen Leib denken, denn der ist nicht mehr da — ich habe Ihnen das gesagt, der physische Leib ist alle sieben Jahre neu —, da müssen Sie mit Ihrem Ätherkörper denken. Deshalb rufen Sie diesen Ätherleib auf, wenn Sie zurückdenken an etwas, was im Alter von zwölf, vierzehn Jahren zurückliegt. Dadurch kommen Sie in diese innere Ttätigkeit hinein.

[ 39 ] Und ganz besonders kann man sich angewöhnen, überhaupt anders zu denken, als man gewöhnlich denkt. Sehen Sie, wie denken Sie? Nicht wahr, wir haben uns heute um neun Uhr getroffen. Da habe ich angefangen Ihnen zuerst die Zettel vorzulesen, auf denen Fragen stehen. Dann habe ich allerlei Betrachtungen angestellt, und wir sind jetzt dazu gelangt, zu sagen: Wir müssen zurückdenken an ein früheres Leben, das wir durchgemacht haben, als wir zwölf, vierzehn Jahre alt waren. Jetzt können Sie, wenn Sie heimkommen, vielleicht, wenn es Ihnen besonders interessant ist, diese Gedanken noch einmal durchdenken. Nun ja, das kann man. So machen es ja die meisten Menschen: sie gehen das noch einmal durch. Aber Sie können etwas anderes machen. Sie können sagen: Was hat er zuletzt gesagt? Er hat zuletzt gesagt, daß man also an sein früheres Leben, bis ins Alter von zwölf, vierzehn Jahren zurück, denken soll. Noch früher, da hat er davon gesprochen, daß man freies Denken haben muß. Noch früher hat er ausgesprochen, wie das Lateinische allmählich hereingekommen ist. Noch früher, wie der Mensch, wenn er eine Zeitlang geistig nicht gesund gewesen ist, dann zurückschaut und sagt, er hätte da etwas Besonderes erfahren. Da hat er auseinandergesetzt, wie der innere Mensch nicht geistig krank wird, sondern nur der Körper krank wird. Sehen Sie, jetzt hätten Sie den ganzen Vortrag rückwärts gedacht.

[ 39 ] Und ganz besonders kann man sich angewöhnen, überhaupt anders zu denken, als man gewöhnlich denkt. Sehen Sie, wie denken Sie? Nicht wahr, wir haben uns heute um neun Uhr getroffen. Da habe ich angefangen Ihnen zuerst die Zettel vorzulesen, auf denen Fragen stehen. Dann habe ich allerlei Betrachtungen angestellt, und wir sind jetzt dazu gelangt, zu sagen: Wir müssen zurückdenken an ein früheres Leben, das wir durchgemacht haben, als wir zwölf, vierzehn Jahre alt waren. Jetzt können Sie, wenn Sie heimkommen, vielleicht, wenn es Ihnen besonders interessant ist, diese Gedanken noch einmal durchdenken. Nun ja, das kann man. So machen es ja die meisten Menschen: sie gehen das noch einmal durch. Aber Sie können etwas anderes machen. Sie können sagen: Was hat er zuletzt gesagt? Er hat zuletzt gesagt, daß man also an sein früheres Leben, bis ins Alter von zwölf, vierzehn Jahren zurück, denken soll. Noch früher, da hat er davon gesprochen, daß man freies Denken haben muß. Noch früher hat er ausgesprochen, wie das Lateinische allmählich hereingekommen ist. Noch früher, wie der Mensch, wenn er eine Zeitlang geistig nicht gesund gewesen ist, dann zurückschaut und sagt, er hätte da etwas Besonderes erfahren. Da hat er auseinandergesetzt, wie der innere Mensch nicht geistig krank wird, sondern nur der Körper krank wird. Sehen Sie, jetzt hätten Sie den ganzen Vortrag rückwärts gedacht.

[ 40 ] Ja, meine Herren, rückwärts laufen die Dinge draußen nicht! Ich könnte Ihnen ja allenfalls auch gleich im Anfang den Vortrag rückwärts halten, aber Sie würden ihn nicht verstehen, denn man fängt eben vom Anfang an und baut so auf, daß man es allmählich versteht. Hat man es aber verstanden, dann kann man es auch rückwärts denken. Aber rückwärts gehen doch die Tatsachen nicht vor sich! Da reiße ich mich los von den Tatsachen. Da denke ich so, daß ich sage: Justament denke ich so, wie es nicht draußen vorgeht, sondern ich denke rückwärts. — Dazu gehört nämlich eine gewisse Kraft. Da muß ich mich innerlich regsam machen, wenn ich rückwärts denke. Geradeso wie derjenige, der durch ein Teleskop sieht, lernen muß, das Teleskop zu handhaben, so muß derjenige, der in die geistige Welt hineinschauen will, oftmals rückwärts denken, immer wieder rückwärts denken. Da kommt schon eines Tages die Zeit, wo er weiß: Ah, jetzt gehe ich in die geistige Welt hinein,

[ 40 ] Ja, meine Herren, rückwärts laufen die Dinge draußen nicht! Ich könnte Ihnen ja allenfalls auch gleich im Anfang den Vortrag rückwärts halten, aber Sie würden ihn nicht verstehen, denn man fängt eben vom Anfang an und baut so auf, daß man es allmählich versteht. Hat man es aber verstanden, dann kann man es auch rückwärts denken. Aber rückwärts gehen doch die Tatsachen nicht vor sich! Da reiße ich mich los von den Tatsachen. Da denke ich so, daß ich sage: Justament denke ich so, wie es nicht draußen vorgeht, sondern ich denke rückwärts. — Dazu gehört nämlich eine gewisse Kraft. Da muß ich mich innerlich regsam machen, wenn ich rückwärts denke. Geradeso wie derjenige, der durch ein Teleskop sieht, lernen muß, das Teleskop zu handhaben, so muß derjenige, der in die geistige Welt hineinschauen will, oftmals rückwärts denken, immer wieder rückwärts denken. Da kommt schon eines Tages die Zeit, wo er weiß: Ah, jetzt gehe ich in die geistige Welt hinein,

[ 41 ] Daran können Sie wieder sehen, meine Herren: Ihren physischen Körper haben Sie Ihr ganzes Leben daran gewöhnt, vorwärts zu denken. Wenn Sie jetzt anfangen rückwärts zu denken, da tut der physische Körper nicht mit. Da kommt etwas Eigentümliches zustande. Das ist ja, was man denen, die immer wiederum fragen: Ja, wie komme ich in die geistige Welt hinein? — als ersten Ratschlag gibt — er steht auch in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» —, daß man ihnen sagt: Lernet wenigstens zunächst die Tagesereignisse zurückgehen; dann anderes. — Nun haben die Leute natürlich zunächst bloß mit ihrem physischen Körper denken gelernt. Das beobachten sie. Sie strengen sich nun an, rückwärts zu denken, aber sie haben nur gelernt mit dem physischen Leib zu denken, nicht mit dem Ätherkörper. Und jetzt kommt der «Generalstreik» vom Ätherkörper. Ja, es ist ein richtiger Generalstreik! Und wenn die Leute beim Rückwärtsdenken nicht so viel einschlafen würden, dann würden sie nämlich wissen: Wenn ich anfange rückwärts zu denken, müßte ich ankommen bei der geistigen Welt. — Aber gerade in dem Moment, wo das Schauen beginnt, schlafen die Leute ein, weil ihnen die Anstrengung zu groß ist. Also muß man den ganzen guten Willen und die ganze Kraft haben, nicht einzuschlafen. Dazu muß man Geduld haben. Das dauert sogar oft jahrelang; aber man muß dazu Geduld haben.

[ 41 ] Daran können Sie wieder sehen, meine Herren: Ihren physischen Körper haben Sie Ihr ganzes Leben daran gewöhnt, vorwärts zu denken. Wenn Sie jetzt anfangen rückwärts zu denken, da tut der physische Körper nicht mit. Da kommt etwas Eigentümliches zustande. Das ist ja, was man denen, die immer wiederum fragen: Ja, wie komme ich in die geistige Welt hinein? — als ersten Ratschlag gibt — er steht auch in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» —, daß man ihnen sagt: Lernet wenigstens zunächst die Tagesereignisse zurückgehen; dann anderes. — Nun haben die Leute natürlich zunächst bloß mit ihrem physischen Körper denken gelernt. Das beobachten sie. Sie strengen sich nun an, rückwärts zu denken, aber sie haben nur gelernt mit dem physischen Leib zu denken, nicht mit dem Ätherkörper. Und jetzt kommt der «Generalstreik» vom Ätherkörper. Ja, es ist ein richtiger Generalstreik! Und wenn die Leute beim Rückwärtsdenken nicht so viel einschlafen würden, dann würden sie nämlich wissen: Wenn ich anfange rückwärts zu denken, müßte ich ankommen bei der geistigen Welt. — Aber gerade in dem Moment, wo das Schauen beginnt, schlafen die Leute ein, weil ihnen die Anstrengung zu groß ist. Also muß man den ganzen guten Willen und die ganze Kraft haben, nicht einzuschlafen. Dazu muß man Geduld haben. Das dauert sogar oft jahrelang; aber man muß dazu Geduld haben.

[ 42 ] Sehen Sie, wenn Ihnen einer erzählen könnte, was Sie, wenn Sie rückwärts gedacht haben, nach dem Einschlafen unbewußt erleben, da würden Sie sehen, wie das ein furchtbar Gescheites ist! Die dümmsten Menschen fangen dann an, im Schlaf außerordentlich gescheite Gedanken zu haben, nur wissen sie nichts davon.

[ 42 ] Sehen Sie, wenn Ihnen einer erzählen könnte, was Sie, wenn Sie rückwärts gedacht haben, nach dem Einschlafen unbewußt erleben, da würden Sie sehen, wie das ein furchtbar Gescheites ist! Die dümmsten Menschen fangen dann an, im Schlaf außerordentlich gescheite Gedanken zu haben, nur wissen sie nichts davon.

[ 43 ] Also darauf habe ich Sie zuerst aufmerksam gemacht: Erst muß man überhaupt lernen, selbständig zu denken. Nun, das kann man. Ich will nicht sagen zum Beispiel, weil ich ja nicht ein eingebildeter Tropf bin, daß nur meine «Philosophie der Freiheit» dazu dient, aber die ist bewußt dazu geschrieben, daß man sich selbständiges Denken angewöhnt. Also: Selbständiges Denken; über Dinge, die im Alter von zehn, zwölf Jahren zurückliegen, oder Dinge, die man erlebt hat, ganz genau rückwärts denken. — Damit haben wir zunächst wenigstens einmal darauf aufmerksam gemacht, wie man sich losreißt vom physischen Leib, wie man hineinkommt in die geistige Welt. Und davon wollen wir dann am Samstag weitersprechen, wollen das weiter so verfolgen, daß alle diese vier Fragen allmählich herauskommen.

[ 43 ] Also darauf habe ich Sie zuerst aufmerksam gemacht: Erst muß man überhaupt lernen, selbständig zu denken. Nun, das kann man. Ich will nicht sagen zum Beispiel, weil ich ja nicht ein eingebildeter Tropf bin, daß nur meine «Philosophie der Freiheit» dazu dient, aber die ist bewußt dazu geschrieben, daß man sich selbständiges Denken angewöhnt. Also: Selbständiges Denken; über Dinge, die im Alter von zehn, zwölf Jahren zurückliegen, oder Dinge, die man erlebt hat, ganz genau rückwärts denken. — Damit haben wir zunächst wenigstens einmal darauf aufmerksam gemacht, wie man sich losreißt vom physischen Leib, wie man hineinkommt in die geistige Welt. Und davon wollen wir dann am Samstag weitersprechen, wollen das weiter so verfolgen, daß alle diese vier Fragen allmählich herauskommen.

Wandtafel 1
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