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The Rudolf Steiner Archive

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Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen
GA 350

25 Juni 1923, Dornach

7. Die Einwirkung der Gestirnkonstellationen auf die Erde und auf den Menschen

[ 1 ] Fragestellung bezüglich Erdbeben.

[ 2 ] Dr. Steiner: Sie meinen wohl die Erdbeben, die jetzt in Amerika sind? Von ganz besonderer Bedeutung in bezug auf solche Fragen sind immer jene vulkanischen Erscheinungen, die, ich möchte sagen, nicht so intensiv, nicht so stark gleich auftreten, sondern die im einzelnen zeigen, daß auch im Laufe der Zeit von der Weltumgebung der Erde aus etwas geschieht. Und da möchte ich Sie auf etwas anderes aufmerksam machen, das ja vielleicht weniger auffällig ist, aber das doch für viele Menschen noch mehr erlebbar ist als diese einzelnen Erscheinungen, die ja natürlich diejenigen, die in der Nähe waren, furchtbar trafen, die aber für den größeren Teil der Menschheit eben doch die geringere Bedeutung haben. Und da erinnern Sie sich doch nur, daß man schon in den letzten Jahren davon sprechen konnte, daß außerordentliche Witterungsverhältnisse herrschen. Wir können nicht ableugnen, daß in den letzten Jahren so richtig ordentliche, andauernde Sommer nicht vorhanden waren, besonders nicht in unseren Gegenden. Aber das breitet sich aus über einen großen Teil von Europa und weiter darüber hinaus.

[ 3 ] Nun sprechen die Leute, wenn von so etwas die Rede ist, gewöhnlich davon, wie in den nördlichen Meeresgebieten große Eisberge schwimmen und wie sogenannte Kältewellen dann ausgehen von diesen mächtigen schwimmenden Eisbergen. Sie werden sich ja vielleicht auch erinnern, daß bei der vorjährigen sogenannten Kältewelle dann gemeldet worden ist von den Schiffen, daß wenn sie nur ein wenig diesen Kurs nordwärts nehmen, überall im Atlantischen Ozean diese riesigen schwimmenden Eisberge anzutreffen seien.

[ 4 ] Wir müssen uns aber klar sein, daß die Dinge, die in dieser Weise auftreten, durchaus nicht von der Erde allein herkommen, sondern daß sie zusammenhängen mit der ganzen Weltenentwickelung. Und da müssen wir uns fragen: Wie steht es denn überhaupt mit der Wärme- und Kälteverteilung auf unserer Erde?

[ 5 ] Da möchte ich Sie auf etwas aufmerksam machen, was ich vielleicht schon einmal erwähnt habe, aber in einem anderen Zusammenhange, was uns aber bei der Betrachtung dieser Frage wichtig sein kann. Sie werden vielleicht schon gehört haben, daß sich namentlich im Norden von Sibirien, also in Asien drüben, in dem Erdboden ganz besondere Verhältnisse finden. Damit Sie orientiert sind, möchte ich nur das Folgende bemerken. Wenn wir also die Karte von Europa so haben (es wird gezeichnet), so ist hier Norwegen, hier die Nordküste von Deutschland, hier geht es dann herüber nach Holland und so weiter, da wäre Irland, England, und da kämen wir dann über die große Halbinsel nun schon herüber nach Asien. Da ist die Grenze zwischen Asien und Europa. Da ist Rußland. Hier kommen wir herüber nach Asien und haben hier Sibirien. Da drüben ist das sogenannte Nördliche Eismeer. Das ist nur gezeichnet, damit Sie sich orientieren. Nun hat man in diesem Boden von Sibirien vor langer Zeit schon elefantenartige Tiere gefunden, die heute nicht mehr vorkommen, die also vor sehr, sehr langer Zeit auf der Erde vorgekommen sind. Und Sie wissen ja auch, daß elefantenartige Tiere heute nicht mehr da oben am Eismeere leben. Elefantenartige Tiere gehören viel wärmeren Gegenden an. Aber das Kuriose ist, daß diese elefantenartigen Tiere, die da tief im Erdboden drinnen sind, im eisigen Erdboden drinnen so frisch waren, daß man das Fleisch noch hätte essen können, wenn man gerade gern Elefantenfleisch ißt. Gerade so waren diese Tiere in dem eisigen Erdboden drinnen, wie wenn man das Fleisch noch hätte essen wollen und man die Tiere dazu drinnen aufbewahrt hätte. Da sind also durch viele, viele Jahrtausende diese Tiere da im Norden von Sibirien einfach konserviert worden, wie man sagt, also im Fleisch frisch erhalten worden.

Wandtafel 1
Wandtafel 1

[ 6 ] Nun, sehen Sie, meine Herren, es ist unmöglich, daß sich das irgendwie langsam einmal vollzogen hat. Denn wenn die Tiere da oben gelebt hätten, einfach gestorben und in den Boden hineingekommen wären, so müßten sie natürlich längst verfault sein und man könnte höchstens Knochenüberreste, wie man sie ja sonst auch findet, haben. Nun findet man da ganze frische Tiere. Das ist gar nicht anders möglich, als daß da einmal diese Tiere gelebt haben und riesig schnell eine Eiswelle gekommen ist, die sich über diese Tiere hinüber ergossen hat, sie eingeschlossen hat, so daß sie Jahrtausende in demselben Zustand mit dem frischen Fleisch erhalten bleiben konnten. Sie können also sehen: Es muß einmal auf der Erde einen Zustand gegeben haben, daß einfach von Süden her ein mächtiger Stoß gekommen ist, der da in die Eisregion hinauf das Wasser geworfen hat. Das Wasser ist momentan gefroren, diese Tiere sind momentan in diesen riesigen sibirischen Eiskeller hineingekommen und haben sich da jahrtausendelang erhalten können.

[ 7 ] Nun werden Sie alle zugeben, natürlich hat die Erde gar keine Veranlassung dazu, plötzlich so etwas zu tun. Denn wo sollten in der Erde selber die Kräfte herkommen, daß sie so etwas ausführen könnte? Diese Dinge können nur kommen von den außerirdischen Gestirneinflüssen. Wenn Sie sich also vorstellen, daß da die Erde ist (es wird gezeichnet), “da hier die südlichen Gegenden, die Äquatorgegenden sind — südlich natürlich nur in bezug auf den Norden —, so muß hier einmal eine solche Gestirnkonstellation gewesen sein, die einfach das Wasser wieder heraufgeworfen hat. Also durch die Gestirnkonstellation, durch die Stellung der Gestirne ist dieses Wasser hinaufgeworfen worden, ist da sofort gefroren und hat diese Tiere begraben. Sie sehen gerade aus solchen Dingen, daß die Gestirnkonstellation auf die Verteilung von Land und Wasser und Eis auf der Erde einen mächtigen Einfluß hat.

[ 8 ] Nun habe ich Ihnen ja neulich einmal dargestellt, wie auch die Vulkane herrühren von dem, was außer der Erde ist, wie sozusagen dasjenige, was da unter der Erde ist, herausgeholt wird aus dem Inneren der Erde. So daß wir auch sagen können, daß wenn zum Beispiel jetzt der mächtige Ätna-Ausbruch ist, nicht von unten her die Dinge herausgeschleudert werden, sondern von oben herunter wirkt eine Gestirnstellung, und diese bringt diese feurigen Massen aus dem Inneren der Erde heraus.

[ 9 ] Daraus sehen wir, daß heute sehr vieles zusammenwirkt, und das bewirkt auf der einen Seite, daß wir diese Kältewellen haben. Die Kältewellen sind also durchaus auch von dem Außerirdischen bewirkt. Auch daß wir diese Vulkanausbrüche und Erdbeben haben, rührt von dem Außerirdischen her. Nun aber kann man eine solche Erscheinung niemals ganz beurteilen, wenn man sich nicht klar darüber ist, daß der Mensch selber mit diesen ganzen außerirdischen Verhältnissen in einem innigen Zusammenhange steht.

[ 10 ] Sehen Sie, Sie haben gewiß schon etwas gehört von sogenannten Blutstürzen, wo also der Mensch dazu kommt, daß das Blut in ihm nicht mehr den richtigen Weg nimmt, daß er aus dem Munde heraus Blut speit, statt daß das Blut im ganzen Körper sich verteilen könnte. Man nennt das einen Blutsturz. Solche Blutstürze kommen ja namentlich dann leicht vor, wenn der Mensch in bestimmten Lebensabschnitten ist. Wir müssen uns fragen: Welche Beziehung ist denn nun eigentlich zwischen einem Blutsturze und dem, was außerhalb vorgeht? — Nun, wenn Sie sich erinnern, daß der Mensch nicht bloß aus seinem physischen Körper besteht, den wir mit Händen angreifen können, sondern daß der Mensch aus dem physischen Körper, dem Ätherkörper und dem Astralkörper und Ich-Körper besteht, dann werden Sie sich sagen müssen: Gewiß, den physischen Körper, den können wir ablegen. Der ist schwer, der ist schwere Masse, der steht mit der Erde in Zusammenhang. Aber der Ätherkörper steht mit der Umgebung in Zusammenhang. — Und wenn nun beim Menschen die Dinge angeschaut werden, dann ist es so, daß auf den Menschen namentlich der Mond einen riesigen Einfluß hat. Aber nicht so sehr hat der Mond, wie er jetzt ist, einen Einfluß auf den Menschen, sondern da werden wir wiederum zurückgeführt in sehr alte Zeiten. In alten Zeiten hatte auf den Menschen der Mond einen ungeheuer starken Einfluß. Der Mensch mußte bei zunehmendem Mond etwas Bestimmtes tun, bei abnehmendem Mond etwas Bestimmtes tun und so weiter. Und namentlich richtete sich in jenen älteren Zeiten durchaus die Fortpflanzung der Menschheit nach dem Monde, Da ist so interessant zu sehen, wie solche Menschen, die noch Überlieferungen aus alten Zeiten haben, über diese Dinge denken. Die denken durchaus, daß es von einer großen Bedeutung ist, ob ein Mensch bei zunehmendem Mond oder abnehmendem Mond empfangen ist zum Beispiel. Das ist in alten Überlieferungen eine sehr wichtige Sache. Und der Mond übt dann seinen Einfluß auch aus auf die ganze Entwickelung des Menschen, aber so, daß der Mensch diese Mondeneinflüsse in sich trägt. Also nicht, daß das unmittelbar auf den Menschen einen Einfluß hat, wenn jetzt Vollmond ist oder so etwas; aber wir sehen den Mond zunehmen, abnehmen; das hat einmal einen Einfluß auf den Menschen gehabt, und das ist geblieben und setzt sich fort. Also nicht der jetzige Mondenlauf hat einen großen Einfluß, aber etwas, was ähnlich ist dem alten Mondenlauf und was ein altes Erbstück ist, das hat einen großen Einfluß. Und so kann man schon sagen: Der Mond hat einen gewissen Einfluß.

[ 11 ] Aber wir würden in unserem Kopf überhaupt kein Blut haben, wenn nicht dieser Mond da wäre. Wir würden alle herumgehen mit ganz blassen Gesichtern, scheußlich blassen Gesichtern, wenn kein Mondeneinfluß da wäre. Der Mond zieht unser Blut in unserem Körper nach unserem Kopf hinauf. Das ist der Mondeneinfluß, daß das Blut sich überhaupt bequemt, in den Kopf zu gehen. Das ist außerordentlich interessant. Das Blut geht nur dadurch in den menschlichen Kopf hinauf, daß der Mondeneinfluß da ist. Sonst würde das Blut immer heruntergehen. Wenn nun ein Mensch so schwach wird in seinem ganzen Körper, daß er diesen Kräften des Mondes, die da das Blut hinaufziehen, nicht mehr genügend Widerstand leisten kann, so stürmt das Blut zu stark in den menschlichen Kopf, und dadurch entsteht der Blutsturz. Diesen Einfluß müssen wir immer haben, aber wenn er zu stark wird, stürmt das Blut zu stark nach dem menschlichen Kopf und dadurch kommt das Blut heraus.

[ 12 ] Und sehen Sie, was der Blutsturz beim einzelnen Menschen ist, das ist eine solche Geschichte, wie zum Beispiel, daß da Wasser heraufschlägt [auf Sibirien deutend] oder das Herauskommen aus einem Vulkan in der großen Natur draußen. Nur ist es da nicht der Mondeneinfluß, sondern der Einfluß der weiteren Gestirne. Sie müssen sich vorstellen, daß wir ja, wenn wir einfach als Menschen uns entwickeln, fortwährend anderen Einflüssen ausgesetzt sind. Ich will Ihnen das einmal veranschaulichen. Denken Sie sich noch einmal, hier wäre die Erde (es wird gezeichnet), hier geht um die Erde der Mond herum. Ich will es so zeichnen, wie es aussieht. Da geht also um die Erde der Mond herum, der hat seinen großen Einfluß auf den Menschen zunächst, Aber außerhalb des Mondes sind dann die anderen Sterne, Venus, Merkur, da ist die Sonne, Mars, Jupiter und so weiter und dann die Fixsterne. Nun müssen Sie sich ja darüber klar sein: Es ist etwas anderes, ob, sagen wir, der Mars hinter der Sonne steht, oder ob der Mars schon weitergegangen ist und er schon neben der Sonne steht. Wenn der Mars hinter der Sonne steht, dann wirkt er auf die Erde weniger, weil die Sonne seine Wirkung zudeckt. Wenn der Mars so steht [neben der Sonne], wirkt er stärker auf die Erde. Und so hängt es immer von der Stellung der Sterne ab, wie stark auf die Erde gewirkt wird. Diese Wissenschaft von der Stellung der Sterne ist ja heute fast gar nicht ausgebildet, und daher sehen die Menschen nur auf das, was auf der Erde vor sich geht, Eisberge und so weiter, aber sie sehen nicht auf die Sterne hinaus.

[ 13 ] Nun kann man auch nicht von der Erde aus diese Dinge erforschen, sondern man muß sich klar darüber sein, daß man diese Dinge vom Menschen aus erforschen muß. Diese Dinge muß man durchaus vom Menschen aus erforschen.

[ 14 ] Nun möchte ich Ihnen etwas sagen: Wenn Sie die Entwickelung der Menschheit in der neueren Zeit durchgehen, dann finden Sie ja riesige Veränderungen in dieser Menschheitsentwickelung. Wir wollen nicht weit zurückgehen, aber wir wollen zurückgehen, sagen wir, sechshundert Jahre nur. Wenn wir sechshundert Jahre zurückgehen — heute haben wir 1923 —, so haben wir 1323. Da müssen Sie bedenken: Wenn Sie da gelebt hätten, so hätten Sie noch keine Ahnung davon gehabt, daß es Amerika gibt, Australien gibt. Das alles wußten die Menschen nicht, sie wußten nur von Europa und Asien und einem Stückchen von Afrika, ganz wenig von Afrika. Also sechs Jahrhunderte vor unserer Zeit, denken Sie sich, da wußten die Menschen nur von einem kleinen Fleck Erde. Und über dieser Erde sahen sie den Mond auf— und untergehen, die Sonne auf- und untergehen, die Sterne, und alles war so, daß sich das ganze Leben nur auf einem kleinen Raum abgespielt hat. Ja, meine Herren, dazumal haben die Menschen wenig von der Erde gewußt und haben auch keine Ahnung gehabt von der Bewegung der Gestirne. Aber sie haben etwas gewußt von den geistigen Einflüssen der Sterne. Das hängt damit zusammen, daß die Menschen in kleinen Verhältnissen lebten. Die Menschen bekamen ihren Einfluß von diesen kleinen Verhältnissen.

[ 15 ] Nun, Sie wissen ja, es dauerte nicht lange: 1492 machte sich der Genuese Christoph Kolumbus auf mit einer kleinen Anzahl von Schiffen, und er hatte die Ansicht, man kann um die Erde herumfahren. Christoph Kolumbus hat nämlich gar nicht Amerika entdecken wollen, sondern er bekam die Ansicht, die Erde muß kugelig sein. Vorher hatte man die Erde für eben gehalten. Nun bekam er die Ansicht, die Erde muß kugelig sein. Und da hat er sich mit einer Anzahl von Schiffen ausgerüstet. Es gab ja Widerstände, aber er hat dann doch von der Regierung diese Schiffe bekommen, sie ausgerüstet, hat geglaubt, er kann um die Erde herumfahren. So hat er gedacht. Er hat sich gesagt: Wenn wir von Europa da herübergehen nach Osten, da finden wir (auf die Zeichnung deutend) Asien, da unten ist Vorderindien, da ist Hinterindien. — Also er wußte, wenn man da hinübergeht auf dem Landweg, da kommt man nach Indien. Nun wollte er von Spanien aus um die Kugel der Erde herumfahren und von der anderen Seite nach Indien kommen. Das wollte der Kolumbus. Er wollte um die Erde herumfahren, weil er sozusagen die erste praktische Anwendung von der Rundheit der Erde erhofft hat. Er wollte herumfahren und wollte Indien von der anderen Seite entdecken. Nun ist er da fortgefahren und auf Amerika gestoßen, hat überhaupt geglaubt: Das ist die andere Seite von Indien. — Daher hat man diese Gegend auch Westindien genannt, wie sie heute noch zum Teil heißt.

[ 16 ] Also Sie sehen, wie eigentlich ganz allmählich durch das Denken der Menschen die Kugelgestalt der Erde für die Erkenntnis erobert worden ist, wie man allmählich erst darauf gekommen ist, daß man nach der anderen Seite von Amerika gekommen ist und gemerkt hat, daß da nicht Indien ist, sondern ein neues Land ist. Also 1492, das ist ja erst 431 Jahre her, daß überhaupt die Leute Amerika entdeckt haben.

[ 17 ] Aber die Entdeckung von Amerika bedeutet noch etwas ganz, ganz anderes. Und wenn Sie verstehen wollen, was die Entdeckung von Amerika bedeutet, dann bitte überlegen Sie sich das Folgende. Sehen Sie, 1492, sagte ich Ihnen, hat also Christoph Kolumbus sich zuerst aufgemacht und hat Amerika entdeckt. 1543 trat Kopernikus auf und hat zuerst die Weltanschauung aufgestellt, daß die Sonne stillstehe und die Erde sich um die Sonne bewege wie die anderen Planeten. Also dasjenige, was heute jedes Kind in der Schule lernt, das ist ja erst seit dieser Zeit da. Denken Sie sich, wieviele Jahre sind das wiederum? Das sind ja erst 380 Jahre! Seit der Zeit ist es erst so, daß die Menschen überhaupt eine Ahnung haben von dem, was man heute schon in der Volksschule lernt. Vorher haben die Menschen ja von all diesen Verhältnissen nichts gewußt. Aber sie haben um so mehr darüber nachgedacht, was der Mond für einen Einfluß auf den Menschen hat. Das haben die Leute gewußt, was ich Ihnen jetzt gesagt habe, daß der Mond das Blut nach dem Kopfe treibt. Den Einfluß auf den Menschen haben die Leute erkannt.

[ 18 ] Jetzt müssen Sie sich überlegen, was die Entdeckung von Amerika eigentlich bedeutet. Sehen Sie, man redet so gedankenlos und die Geschichte stellt das auch so dar: Entdeckung Amerikas, die Menschen haben doch Genie besessen! — Ja, meine Herren, Sie müssen sich das aber noch ganz anders vorstellen. Was glauben Sie, was für Leute gelebt haben in Amerika in der Zeit, als Kolumbus darauf gestoßen ist? Also vor nicht einmal fünfhundert Jahren haben da drüben die kupferroten Indianer gelebt, und diese Indianer, die haben nicht etwa so gedacht, wie Sie heute in Europa denken. Die haben viel gewußt von dem Einfluß der Gestirne. Also da lebte in ganz Amerika in der Zeit eine Bevölkerung, die außerordentlich viel wußte von dem Einfluß der Gestirne. Die richteten sich ganz nach dem Einfluß der Gestirne. Und dann kamen die Europäer, die zivilisierte Menschheit. Nun, sehen Sie, noch im 19. Jahrhundert haben die Indianer gesagt, daß die Europäer immer so etwas Komisches mitbrächten, das wäre etwas Weißes und darauf seien kleine Geister. Aber das seien sehr schädliche Geister, furchtbar schädliche Geister, und mit denen würden die Europäer die Amerikaner beschwören. So meinten die Indianer. Und wissen Sie, was das war, was die Indianer so furchtbar gefürchtet haben, weswegen sie meinten, daß die Europäer so gräßliche Kerle seien, die mit dem so viel Unheil anrichteten? Das waren die Bücher, die weißen Papierblätter mit den Buchstaben darauf! Das haben die Indianer angeschaut, für Zauber gehalten und haben gesagt: Damit verzaubern uns diese Menschen.

[ 19 ] So stießen die Menschen aufeinander. Und dann kam die Ausrottung der Indianer. Aber woher kamen denn die Menschen, die die Indianer ausgerottet haben? Die kamen ja von Europa! Und wenn die Menschen, die noch 1323 in Europa gelebt haben, da hinübergekommen wären, da wären ihre Anschauungen viel ähnlicher gewesen denen der Indianer. Denn diese Menschen haben 1323 in Europa auch noch gewußt von dem Einfluß der Gestirne. Die hätten sich noch viel besser verstehen können. Aber jene Menschen, die dann hinüberkamen, die verstanden sich gar nicht mehr mit den Indianern, die konnten sie nur ausrotten. Und auf der Stelle, wo die ausgerotteten Indianer waren, entwickelte sich ja die europäische Menschheit. Sie müssen nur bedenken: Die Amerikaner, die sich dort entwickelt haben, sind ja Europäer. — Nicht wahr, die Vorstellungen überhaupt, die sich die Menschen oftmals machen nach dem, was sie in der Schule gelernt haben, die sind ja wirklich manchmal ganz blödsinnig dumm.

[ 20 ] Ich möchte Sie nur auf eines aufmerksam machen. Heute reden die Leute so viel von den Franzosen. Aber um Nürnberg herum heißen die Leute heute noch immer Franken. Die Franzosen sind ja nur die eingewanderten Germanen, die dann die lateinische Sprache in einer Veränderung angenommen haben. Also alles das, was man so redet, wenn man nicht weiß, wie die Dinge gekommen sind, und so wütet, weil es ja so in der Geschichte dargestellt wird, das ist manchmal so grenzenlos töricht, so grenzenlos dumm. Und so ist es grenzenlos dumm auch da. Man bedenkt gar nicht, daß die Menschen von Europa, die da in den letzten drei Jahrhunderten in Europa sich entwickelt haben, daß die nach Amerika hinübergewandert sind. Die hauptsächlichste Einwanderung geschieht ja erst viel später, geschieht erst im 18., 19. Jahrhundert. Da wird Amerika erst besiedelt. Und was sind denn da für Menschen hinübergekommen? Nun, die Analphabeten sind zwar auch hinübergekommen, aber die haben keinen großen Einfluß gehabt. Diejenigen, die hinübergekommen sind und einen großen Einfluß gehabt haben, das sind diejenigen, die in Europa ausgebildet worden sind, namentlich in der Wissenschaft, die die Kopernikanische Lehre gelernt haben, die die ganz anderen Ansichten über die Gestirne gehabt haben.

[ 21 ] Denken Sie sich, wie das überhaupt zusammenstimmt in der Weltgeschichte. Auf der einen Seite wird die Kugelgestalt der Erde bewiesen, indem man überhaupt herumfahren kann um die Erde, und auf der anderen Seite, daß da nicht die Sonne aufgeht, untergeht, sondern daß da überall Raum ist und die Erde um die Sonne herumgeht, daß die Erde nicht eine Ebene ist, daß die Sonne nicht am Abend im Wasser untertaucht, sondern daß da die Erde herumgeht um die Sonne.

[ 22 ] Sehen Sie, es denken die Menschen gar nicht nach, was da eigentlich für ein Zusammenhang ist zwischen der Entdeckung Amerikas, die 1492 stattfindet, und 1543, wo Kopernikus mit der neuen Sternenansicht auftritt. Da ist ja ein inniger Zusammenhang. Glauben Sie nur ja nicht, daß das, was sich da zugetragen hat, hat kommen können, ohne daß ein Gestirneinfluß auf die Menschen stattgefunden hat. Nicht ohne den Gestirneinfluß hat der Kolumbus gedacht: Jetzt will ich da nach Westen hinüberziehen. — Sie müssen ja nur bedenken, wie nebelig das vor sich ging. Der hat gar nicht gewußt, daß er Amerika entdeckt. Er wollte nur überhaupt um die Erde herumfahren. Es ist ja so, wie wenn eine blinde Henne ein Korn findet. Da kann man auch nicht sagen, daß das sein eigener Verstand war, sondern da werden eben die Menschen getrieben durch die Einflüsse. Und was sie treibt, sind eben die Gestirneinflüsse. So daß wir uns auch sagen müssen, wenn wir uns fragen: Warum hat denn Kopernikus gerade so gedacht über die Gestirneinflüsse? — dann müssen wir selber bei den Sterneneinflüssen die Ursachen suchen.

[ 23 ] Wir haben eine Zeit im Mittelalter — ich habe Ihnen gesagt, es war vor sechshundert Jahren noch so —, da haben die Menschen noch Begriffe, die sich auf eine ganz kleine Welt beziehen. Dann bekommen sie plötzlich Begriffe, die auf der Erde rundherum gehen und am Himmel rundherum gehen. Alle Begriffe schwimmen auseinander. Ja, meine Herren, da muß man schon ein bißchen tiefer über dasjenige nachdenken, was im Menschen vor sich geht. Man muß da in diese Dinge mit wirklicher Wissenschaft eindringen. Man muß also den Menschen studieren. Nun habe ich Ihnen ja schon viele Dinge über den Menschen erzählt. Ich will Ihnen jetzt eine gut beglaubigte Sache noch einmal erzählen, damit Sie sehen, wie die Dinge sind.

[ 24 ] Es gab einen österreichischen Dichter, Robert Hamerling, der ist in einer bestimmten Zeit, 1855, nach Triest als Mittelschullehrer versetzt worden, und er hat sich sehr interessiert für alles, was vorgeht. Dieser Robert Hamerling hat sich dazumal auch sehr stark interessiert dafür, wie durch Triest immer durchgekommen sind zum Teil allerlei Schwindler, zum Teil aber auch solche Menschen, die Abnormes produzierten, sogenannte Medien. Nun hat er alle solche Versammlungen sehr gern besucht, war durchaus nicht abergläubisch, sondern hat wirklich gesehen, wie bei den meisten dieser Dinge Schwindelhaftigkeit vorliegt. Aber einmal dachte er sich, als er gesehen hat, da ist ein Mensch mit einem besonders merkwürdigen Medium: Jetzt will ich mich überzeugen. — Nun hat Hamerling — bevor er nach Triest gekommen war, lebte er in Graz — in Graz ein junges Mädchen gekannt, das sehr bald darnach gestorben ist, von dem er eine Haarlocke bekommen hatte. Diese Haarlocke von dem jungen Mädchen hat er zu einem kleinen Kranze gemacht, zusammengebunden aufgeheftet auf ein kleines Papierstückchen und dann in ein Schächtelchen hineingetan. Das hat er als ein Andenken bewahrt. Es war ihm besonders wertvoll geworden, als die betreffende Persönlichkeit schon gestorben war. Das hat er nach Triest mitgenommen unter seinen anderen Sachen. Kein Mensch wußte etwas davon. Er hat nie jemandem etwas davon erzählt — dessen erinnerte er sich ganz genau —, überhaupt niemals jemandem das Kästchen gezeigt. Die Verhältnisse waren außerdem so, daß er es gar nicht gern gezeigt hätte. Es war dies etwas, worüber er sich sehr geniert hat. Er hat also sozusagen ein geheimes Kästchen gehabt, wo das drinnen war. Das steckte er sich ein, als er in die Versammlung zu dem Medium ging. Und bei dem Medium war es so, daß die Leute allerlei Gegenstände gaben, die sie in Kuverts oder Schachteln taten, das Medium nahm das in die Hand, berührte es und sagte dann, was in der Schachtel drinnen ist. Nun, solche Dinge sind sehr häufig mit Schwindeleien durchsetzt; man muß in diesen Dingen durchaus einen offenen Kopf haben.

[ 25 ] Ich war zum Beispiel einmal in einer Versammlung, da wurde auch ein Medium gebracht, und der Mensch, den man den Impresario nennt, der ging im Publikum herum und ließ sich allerlei aufschreiben auf Zettel. Die nahm er, blieb aber stehen. Das Medium hatte verbundene Augen. Und während er noch stand — er sagte nur: Sag mir, was habe ich in meiner Hand? — sagte das Medium sofort, was er in seiner Hand hatte. Wenn also einer seinen eigenen Namen aufschrieb, gab er das dem Impresario, der las es und dann knüllte er den Zettel zusammen. Das Medium konnte nichts sehen, aber sagte dann, was darauf stand. Nun, sehen Sie, die Leute am Tisch, an dem ich damals saß, die waren furchtbar neugierig — denn die Leute waren furchtbar verwundert — und man sagte, jetzt solle man einmal etwas aufschreiben, wo der Kerl nicht gescheit genug sei, wo er sich nicht verständigen könne, denn die glaubten alle, er verständige sich durch allerlei Zeichen mit dem Medium. Nun, da schrieb ich den Namen Spinoza auf und ein Werk von Spinoza, die «Ethik», weil die Leute glaubten, daß der Impresario dann natürlich nicht wisse, wer Spinoza sei. Er übernahm aber geradesogut den Spinoza und die «Ethik», und das Medium antwortete pünktlich darauf ganz richtig. Die Leute waren furchtbar erstaunt darüber. Aber, sehen Sie, da war die Sache sehr einfach. Der Impresario war ein Bauchredner und das Medium machte nur so, als ob es antwortete, und der Impresario sagte aus dem Bauch mit der Stimme des Mediums! Also die Dinge sind so, daß man gar nicht hereinfallen darf. Ich muß immer wieder betonen, hereinfallen darf man auf diese Dinge nicht. Das ist gerade der Unterschied zwischen abergläubischen, leichtgläubigen Leuten und denjenigen, die diese Dinge beurteilen können.

[ 26 ] Aber Hamerling nahm sich die kleine Schachtel mit und kein Mensch wußte etwas davon. Dann gab er diese kleine Schachtel, von deren Inhalt kein Mensch wußte, unter den anderen Gegenständen hinauf. Das Medium saß vor einem Tisch. Er gab die Schachtel hinauf. Nun, zunächst wurden die anderen Dinge bestimmt. Das Medium machte das ziemlich rasch. Und in dem Augenblick, wo sie an sein Schächtelchen kam, nahm sie es in die Hand und schleuderte es weg. Jetzt dachte Hamerling schon: Jetzt ist das so, daß das natürlich bei den anderen allen Verabredung ist; bei mir kann es keine Verabredung sein, da kommt das Medium nicht darauf und schleudert es weg! — Nun ging er hin und sagte, er wolle aber doch wissen, was da drinnen sei. Da wurde das Schächtelchen noch einmal aufgenommen. Das Medium schleuderte es wieder weg. Es wurde noch einmal aufgenommen. Da sagte das Medium sehr stotternd: Eine Haarlocke und ein Papierstückchen! — Nun, jetzt war natürlich die Verwunderung auf seiner Seite. Da war jeder Schwindel ausgeschlossen, absolut ausgeschlossen. Dann fragte er, warum sie es aber immer wieder weggeschleudert habe. Da sagte sie: Weil es von einer Toten herrührt. — Nun, da war die Verwunderung noch größer. Also das ist ein Fall, wo jetzt — ich erwähne nicht andere Fälle als solche, die Sie in der Literatur verfolgen können, sonst könnte ich Hunderte andere erwähnen —, jeder Schwindel ausgeschlossen ist. Und was liegt da zugrunde? Das Medium darf nicht wissen in dem Momente, was da ist, sondern es muß das aus dem Unbewußten heraus suchen. Da liegt ein ganz bestimmter Einfluß zugrunde.

[ 27 ] Ich habe Ihnen einmal erzählt, daß manchmal der Einfluß von Buchweizengrütze unten im Keller sich noch im dritten Stock äußert. Erinnern Sie sich, wie ich Ihnen das erzählt habe. Solch ein Einfluß liegt zugrunde, der sich nur auf den Kopf äußert. Und das Medium sagt dann, was da drinnen ist — warum? Weil das Medium ein Mensch ist, bei dem das Blut dem Mondeneinfluß mehr unterliegt als bei anderen Menschen. Er wirkt nicht so stark, daß ein Blutsturz kommt — er könnte auch eintreten bei einem solchen wirklich nichtschwindelhaften Medium —, aber es wird das Blut gegen den Kopf gezogen, stärker als bei anderen Menschen. Dadurch kommt ein starker Einfluß zustande, dadurch kann ein Einfluß von dieser Art da sein.

[ 28 ] Wenn Sie das ins Auge fassen, dann werden Sie sich sagen: Ja, die mächtigen Gestirneinflüsse, die wirken natürlich fortwährend auf den Menschen. Und alles das, was Europa seit vierhundert Jahren mit Amerika und mit der ganzen Erde zusammen erlebt hat, das steht unter Gestirneinfluß. Aber wie ist dieser Gestirneinfluß? Nun, meine Herren, da müssen Sie sich folgendes denken. Denken Sie sich jetzt, hier wäre die Erde (es wird aufgezeichnet). Da war das Stückchen Erde, das die Menschen früher nur gekannt haben. Darüber sind irgendwie die Sterne, ich zeichne es Ihnen natürlich nur schematisch. Die Menschen stehen unter dem Einfluß dieser Gestirne. Das ist die Zeit vor der Entdekkung Amerikas. Die Menschen haben Begriffe, die festgefügt sind. Wenn Sie die Bilder und Porträts der alten Ratsherren anschauen, so werden Sie schon den Leuten ihre festen Begriffe ansehen, wie sie mit beiden Beinen fest auf der Erde stehen. Das ist, weil dazumal eine Gestirnkonstellation vorhanden war, wo die Gestirne sehr nahe aneinander standen. Seither haben wir eine andere Sternkonstellation. Wenn da die Erde ist, stehen die Sterne sozusagen viel schiefer, natürlich wieder ganz schematisch gezeichnet. Wenn man ausführlich zeichnen würde, würde natürlich jeder sozusagen herausragen. Sie werden sagen: Aber die Fixsterne haben sich doch nicht geändert? — Sie haben sich aber auch geändert, wenn auch nicht in so starkem Maße. Also Sie sehen daran: Die Zwischenräume sind im 15., 16., 17., 18., 19. Jahrhundert größer geworden. Die Begriffe haben sich aufgelöst. Und jetzt kommt wiederum eine Zeit, wo die Zwischenräume geringer werden, wo die Sterne sich wieder zusammenziehen. Das ist bei den Fixsternen nur ganz wenig, aber es ist doch der Fall. Auch wenn man die Fixsterne aufzeichnet, sieht man, daß sich die Fixsterne verschieben müssen. Und nun sind die Menschen dem ausgesetzt, daß sie sich Begriffe angeeignet haben durch den Einfluß von weit auseinanderstehenden Sternen. Jetzt müssen sie aber Begriffe bekommen unter dem Einflusse der wieder nahe zusammenstehenden Sterne. Es ist eine ganz neue Sternkonstellation da in der Welt. Das kann man sehen, wenn man wach gelebt hat vom vorigen Jahrhundert in dieses Jahrhundert herein. Sehen Sie, ich bin 1861 geboren, habe also bewußt erlebt die Zeit in den siebziger, achtziger, neunziger Jahren und jetzt das 20. Jahrhundert. Ja, in meiner Knabenzeit war es ganz anders als heute! In meiner Knabenzeit haben die Menschen einfach ganz anders gedacht als heute. Alles ist nun anders geworden, und namentlich auf einem Gebiete ist es ganz anders geworden. Als ich ein kleiner Junge mit zwölf Jahren war, hatte ich ja nicht sehr viel Geld dazumal, um mir Bücher zu kaufen, aber wir bekamen jedes Jahr ein Schulprogramm geschenkt; darin waren die wichtigsten physikalischen Begriffe von dazumal enthalten. Nun, an denen habe ich ja zunächst herumgenagt. Sie waren schon schwer zu begreifen. Ich mußte schon dazumal die Differentialrechnung lernen, um die Dinge zu begreifen. Aber ich weiß, wie dazumal die physikalischen Begriffe waren.

[ 29 ] Aber heute ist das ganz anders. Wenn heute einer auf der Hochschule Physik lernt, lernt er etwas ganz anderes, als was wir als Buben gelernt haben. Und das, was da geschehen ist, daran kann man sehen: Die physikalischen Begriffe haben sich aufgelöst. Heute weiß überhaupt kein Physiker mehr, mit welchen Begriffen er hantieren soll. Dazumal sprach man von Raum und Zeit als von zwei verschiedenen Dingen. Heute redet der Physiker von vier Dimensionen und nimmt die erste, zweite, dritte als Dimensionen des Raumes und die vierte Dimension gleichwertig mit der Zeit. Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie heute der Unterricht ist. Die Leute, die außerhalb der Schulen sind, leben immer noch mit den Begriffen, die ich als Bub gelernt habe. Aber in der eigentlichen Physik redet man heute schon von etwas ganz anderem. Das zeigt, daß die Begriffe ganz. durcheinandergekommen sind. Heute weiß der Physiker am allerwenigsten, was er tun soll. Es ist alles durcheinandergekommen.

[ 30 ] Ja, meine Herren, da zeigt sich Ihnen im menschlichen Kopf, daß eine andere Sternkonstellation da ist. Denn die Geschichte ist so, daß die heutigen Menschen alle mehr Blut im Kopfe haben, als die Menschen durch alle Jahrhunderte im Kopfe gehabt haben, weil der Mond unterstützt wird von den wiederum näher aneinanderstehenden Sternen. Wenn man also die Menschenentwickelung studiert, dann findet man, daß eine Blutwelle nach dem Kopfe hinaufgegangen ist durch die Sternkonstellation. Aber diese Welle geht nicht nur im Menschen vor sich, sondern auf der ganzen Erde. Und dieser selbe Einfluß ist es, durch den einstmals die Kälte vom Süden nach dem Norden geworfen worden ist und der die Mammuts, die heute noch in Sibirien eben Frischfleisch sind, begraben hat wie in einer großen Eiskellerei. Wie das dazumal hinaufgeworfen worden ist, so wie das Blut durch den Mond in den Kopf hinaufgetrieben wird, so werden heute diese Vulkanausbrüche von den Sternen hinaufgeworfen. So haben wir heute die Wirkung einer Sternkonstellation, die von der anderen Seite der Erde kommt. Die geht ja durch Nordamerika herüber, durch Grönland, wirft die kalte Luft herüber, so daß heute infolge der Sternkonstellation fortwährend große Massen von kalter Luft von Westen nach Osten geworfen werden.

[ 31 ] Und nun habe ich Ihnen gesagt: Wenn man nach Italien geht, so braucht man an gewissen Stellen des Erdbodens nur ein Papier anzuzünden, dann raucht es von unten herauf. — Da wirft nicht die Erde die Rauchdämpfe herauf, sondern dadurch, daß ich die Luft oben warm und dadurch dünn mache, dringen diese Dämpfe hinauf. Nun wirft also die Sternkonstellation diese Luftmassen von Westen nach Osten. Denen sind wir hier ausgesetzt, dadurch haben wir jetzt dieses Klima. Hier geht es von Westen nach Osten. Dadurch aber wird unten der Boden veranlaßt, seine Massen, seine Feuermassen herauszuwerfen. Zuerst wurden sie drüben in Amerika herausgeworfen bei den riesigen Vulkanen, bei den riesigen Erdbeben. Jetzt geht es immer weiter nach Osten. Der Ätna, der Vesuv fangen alle an, tätig zu sein, weil ja die Welle da herüberfließt, und unten wird das elastisch. Das wird nicht von unten herausgedrängt, sondern das wird durch die Sternkonstellationen an die Oberfläche gebracht. Beim Menschen wird das Blut in das Gehirn gedrängt, und auf der Erde werden die Luftmassen herübergeworfen und die feurigen Gasmassen unter der Erde herausgeworfen und nach anderen Stellen befördert. Das ist dieselbe Geschichte. Das geht alles von den Sternen aus.

[ 32 ] Würden die Menschen verstehen, warum sie jetzt anders denken, dann würden sie auch verstehen, warum der Ätna Feuer speit. Aber dazu muß der Mensch erst wiederum wissen: er ist nicht etwas, was für sich betrachtet werden kann, sondern er muß im Zusammenhang mit dem ganzen Weltenall betrachtet werden. Das ist es eben. Und das haben die Menschen ganz verlernt, die Dinge im Weltenall drinnen zu betrachten. Das ist ja wirklich ganz interessant, wie die Tiere in dieser Beziehung eben, wie ich Ihnen auch einmal gesagt habe, viel gescheiter sind als die Menschen. Die Tiere wandern ja gewöhnlich sogar aus, bevor ein Vulkanausbruch oder so etwas kommt, die Menschen bleiben sitzen. Warum wandern die Tiere aus? Ja, wenn der andere Einfluß kommt, der andere Gestirneinfluß, dann ist es bei dem Tiere so: Das Tier ist ja so gebaut, daß es da seine Beine hat (siehe Zeichnung $. 138), da sein Rückgrat, die Rückenwirbel, da den Kopf. Wenn da die Sterne darübergehen, dann ist das ganze Rückgrat fortwährend den Sternen ausgesetzt, Wirbel für Wirbel den Sternen ausgesetzt, und die gehören zusammen, so stark gehören die zusammen, daß wir hier 28 bis 31 Wirbel im Rücken haben und der Mond braucht 28 bis 31 Tage, um herumzugehen. So eng hängt das zusammen.

Wandtafel 2
Wandtafel 2

[ 33 ] Aber der Mensch geht aufrecht. Bei ihm ist nur der Kopf, dieses Stückchen Kopf, ausgesetzt dem Sternenhimmel. Er hat seine Wirbelsäule herausgehoben. So daß beim Menschen nur das Blut ausgesetzt ist dem Sterneneinfluß, nicht das Nervensystem. Beim Tier aber ist das Nervensystem dem Sterneneinfluß ausgesetzt. Daher merkt das Tier den Sterneneinfluß viel eher als der Mensch und wandert aus, wenn Erdbeben und Vulkanausbrüche kommen. Der Mensch bleibt sitzen. Schon daß das Tier auswandern kann und so uns zeigt, daß der Sterneneinfluß auf das Tier wirkt, schon das ist ein Beweis dafür, daß wir es da zu tun haben nicht mit beliebig aus der Erde kommenden Wellen, sondern daß von außen her der Sterneneinfluß wirkt. Das ist das, was uns also diesen ganzen interessanten Zusammenhang mit dem ganzen Weltenall zeigt. DerMensch ist nicht bloß ein Erdenwesen, sondern der Mensch ist ein Wesen, das in die ganze Gestirnwelt hineingestellt ist.

[ 34 ] Nun, natürlich wird man dadurch auch darauf geführt, zu begreifen, daß, nachdem die Menschen ihr altes Gestirnwissen vergessen haben, sie es wiederum bekommen müssen. Also, ich möchte sagen: Es ist schon so, daß man mit der Anthroposophie auf eine neue Art der Menschheit das wieder geben muß, was sie braucht, sonst bleibt die Menschheit in Verwirrung. Denn die näher zusammengestellten Sterne passen nicht mehr für die Begriffe aus anderen Zeiten, da passen nur wiederum die Begriffe, wie die Anthroposophie sie bringen kann.

[ 35 ] Nun sind mir heute schon vier Fragen gegeben worden. Wir werden sehen, daß wir dann das nächste Mal weiterkommen. Ich muß eventuell am Mittwoch wegsein. Ich lasse Ihnen dann sagen, wann wir die nächste Stunde haben.

[ 36 ] Wie kommt man zum Schauen der geistigen Welt?