Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Human History and the
World Views of Civilized Nations
GA 353

12 March 1924, Dornach

Translate the original German text into any language:

4. Sternenweisheit, Monden- und Sönnenrelieion

4. Wisdom of the Stars, Moon, and Sun

[ 1 ] Nun, meine Herren, wir wollen in der Betrachtung des Mysteriums von Golgatha fortfahren. Ich sagte Ihnen: die weitere Entwickelung muß nun davon ausgehen, daß dasjenige, was auf der Erde geschieht, nicht allein von der Erde abhängt, sondern von der ganzen Welt. Diese Abhängigkeit der Erdenereignisse von der ganzen Welt, das ist ja eine Vorstellung, die dem gegenwärtigen Menschen besonders schwer eingeht. Aber man kann schon das einfachste menschliche Ereignis nicht begreifen, wenn man nicht weiß, daß vom Weltenraum aus fortwährend Einflüsse auf die Erde geschehen. Nun, das habe ich Ihnen für die verschiedensten Dinge schon dargestellt. Heute muß ich es Ihnen in dem Zusammenhang mit dem Mysterium von Golgatha darstellen.

[ 1 ] Well, gentlemen, let us continue our reflection on the Mystery of Golgotha. I told you: our further discussion must now proceed from the premise that what happens on Earth does not depend solely on Earth, but on the entire world. This dependence of earthly events on the entire world is, after all, a mental image that is particularly difficult for people today to grasp. But one cannot even comprehend the simplest human event unless one knows that influences are constantly acting upon the Earth from outer space. Well, I have already illustrated this to you in connection with a wide variety of things. Today I must present it to you in the context of the Mystery of Golgotha.

[ 2 ] Ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß die Juden, die ich als das vierte der Völker im Entwickelungsgange angeführt habe, eigentlich das vierte Wesensglied des Menschen, das Ich des Menschen, entdeckt haben. Sie haben diesen vierten Bestandteil, als das göttliche Innere des Menschen aufgefaßt, Jahve genannt. Und sie haben auch diesen Jahve in eine gewisse Beziehung zum Weltenall und Sternenhimmel gebracht.

[ 2 ] I have pointed out to you that the Jews, whom I have cited as the fourth of the peoples in the course of development, actually discovered the fourth essential element of the human being—the human ego. They understood this fourth element as the divine inner essence of the human being and called it Yahweh. And they also placed this Yahweh in a certain relationship to the universe and the starry heavens.

[ 3 ] Nun wissen Sie ja, daß das Christentum seinen Ursprung in Palästina genommen hat. Jesus von Nazareth hat in Palästina gelebt, und die Umgebung des Jesus von Nazareth war eine jüdische. Die jüdische Religion herrschte dort in Palästina als Religion; die politische Herrschaft war schon die römische, aber die Römer waren in bezug auf diese weit entfernten Länder nicht in der Lage, etwa auch die Religion dort abzuschaffen. Also es herrschte um Jesus von Nazareth herum die jüdische Religion.

[ 3 ] As you know, Christianity has its origins in Palestine. Jesus of Nazareth lived in Palestine, and the environment in which Jesus of Nazareth lived was a Jewish one. The Jewish religion was the dominant religion there in Palestine; political rule was already in Roman hands, but the Romans were not in a position to, for example, abolish the religion there in these distant lands. So the Jewish religion prevailed in the community surrounding Jesus of Nazareth.

[ 4 ] Was war eigentlich die jüdische Religion? Sie werden es noch besser verstehen, wenn ich Ihnen noch einiges sage über dasjenige Volk, das ich vor den Juden genannt habe, das in Mesopotamien gelebt hat, also etwas weiter in Asien drinnen: die Babylonier, Assyrier. Diese Völker, die da weiter in Asien drüben lebten, allerdings Nachbarn der Juden waren, sie hatten eine ausgesprochene Sternenreligion. Nun sagen die Leute jetzt: Ja, die Menschen da in Assyrien haben die Sterne angebetet. - Sie haben aber gar nicht die Sterne angebetet, sondern sie haben nur nach der instinktiven Weisheit der damaligen Zeit mehr noch gewußt von den Sternen, als die heutigen Menschen von den Sternen wissen. Es ist ja so, daß die heutigen Menschen glauben, alles über die Sterne zu wissen.

[ 4 ] What, exactly, was the Jewish religion? You will understand it even better if I tell you a little more about the people I mentioned before the Jews—the ones who lived in Mesopotamia, that is, a little further inland in Asia: the Babylonians and Assyrians. These peoples, who lived further over in Asia—though they were neighbors of the Jews—had a distinct star-based religion. Now people say: Yes, the people over in Assyria worshipped the stars. - But they didn’t worship the stars at all; rather, guided by the instinctive wisdom of their time, they knew even more about the stars than people today do. The fact is that people today believe they know everything about the stars.

[ 5 ] Nun werden Sie vielleicht in diesen Tagen gelesen haben, daß sogar dieses sichere Wissen von den Sternen droht zugrunde zu gehen. Es ist in diesen Tagen bekanntgeworden, daß eine Entdeckung gemacht worden ist, wonach tatsächlich die Erde umgeben ist nicht von dem leeren Weltenraum, sondern wenn man hinaufkommt in eine Höhe von vierhundert Kilometern, so ist die Erde umgeben von festen Stickstoffkristallen! So daß man also annehmen muß, daß der alte Kristallhimmel, von dem im griechischen Altertum gesprochen worden ist, heute von der Wissenschaft nach und nach wiederum gerechtfertigt wird. Aber das will ich nur nebenbei erwähnen. An solchen Dingen können die ganz gescheiten Leute der Gegenwart sehen, wie wenig eigentlich über die Sternenwelt bekannt ist.

[ 5 ] You may have read recently that even this certain knowledge derived from the stars is in danger of being lost. It has recently come to light that a discovery has been made indicating that the Earth is in fact not surrounded by empty space, but rather—if one ascends to an altitude of four hundred kilometers—the Earth is surrounded by solid nitrogen crystals! So one must assume that the ancient crystal sky, spoken of in Greek antiquity, is now gradually being vindicated by science once again. But I’ll just mention that in passing. From such things, the very intelligent people of our time can see how little is actually known about the world of the stars.

[ 6 ] Aber Sie brauchen ja nur das Folgende zu bedenken. Denken Sie sich einmal einen Marsbewohner - es wird ja in der Astronomie auch angenommen, daß der Mars bewohnt ist. Nun, wenn der herunterschaut, so sieht er auch nicht die Menschen auf der Erde; wenn der Marsbewohner nicht schon ganz fortgeschrittene Fernrohre hat, sieht er nicht die Menschen, sondern er sieht die Erde mit einem grünlichen Schein in den Weltenraum hinaus leuchten. Aber auf der Erde wimmelt es von Menschen, und diese Menschen stehen in Verbindung mit geistigen Wesenheiten. Ebenso die anderen Sterne. Und geradeso wie die physischen Kräfte der Sterne auf die Erde einen Einfluß haben, so haben natürlich auch die geistigen Kräfte der Sterne auf die Erde einen Einfluß, namentlich auf das Menschenwesen. Das hat nämlich die alte Weisheit, die instinktive Weisheit der Morgenländer gut gewußt, daß die Sterne auch geistige Wesenheiten in sich haben, und diese geistigen Wesenheiten, die haben sie verehrt auf ihre Art, nicht die äußeren physischen Sterne. In diesem Sinne war die Religion dadrüben in Vorderasien eine Sternenreligion. Das heißt, die Menschen haben angenommen, der Saturn zum Beispiel hat geistige Wesenheiten, die haben einen gewissen Einfluß auf die Menschen. Der Jupiter hat geistige Wesenheiten und so weiter, und alle diese Wesenheiten haben einen gewissen Einfluß auf das irdische Menschenleben.

[ 6 ] But you just need to consider the following. Imagine a Martian—after all, it is assumed in astronomy that Mars is inhabited. Well, when he looks down, he doesn’t see the people on Earth; unless the Martian has highly advanced telescopes, he doesn’t see the people, but rather sees Earth glowing with a greenish hue out into space. But Earth is teeming with people, and these people are connected to spiritual beings. The same is true of the other stars. And just as the physical forces of the stars exert an influence on Earth, so too, of course, do the spiritual forces of the stars exert an influence on Earth—namely, on human beings. For the ancient wisdom—the instinctive wisdom of the peoples of the East—knew well that the stars also contain spiritual beings, and it was these spiritual beings that they worshiped in their own way, not the outward, physical stars. In this sense, the religion over there in the Near East was a star religion. That is to say, people believed that Saturn, for example, has spiritual entities that exert a certain influence on human beings. Jupiter has spiritual entities, and so on, and all these entities have a certain influence on human life on Earth.

[ 7 ] Nun, die Juden haben sich um die anderen Sterne wenig gekümmert; aber dasjenige, was sie aus den alten Religionen genommen haben, das war der Einfluß des Mondes. Und sie haben ihren Jahve, ihren Jehova in Zusammenhang gebracht mit dem Geistigen im Mond. Das ist also eigentlich die ursprüngliche jüdische Religion, daß der Jahve, der im menschlichen Ich lebt, abhängig ist vom Mond.

[ 7 ] Well, the Jews paid little attention to the other stars; but what they did take from the ancient religions was the influence of the moon. And they associated their Yahweh, their Jehovah, with the spiritual aspect of the moon. So this is actually the original Jewish religion: that Yahweh, who lives in the human “I,” is dependent on the moon.

[ 8 ] Nun, meine Herren, das ist nicht eine bloße Sage, das ist auch nicht eine bloße religiöse abergläubische Vorstellung, sondern das ist etwas, was sich wissenschaftlich gut nachweisen läßt. Die Sache ist nämlich so, daß der Mensch tatsächlich in der Zeit, die auch wichtig ist für sein irdisches Dasein, in der Zeit während der Schwangerschaft der Mutter, also während er noch ein Menschenkeim, ein Embryo ist, ganz vom Monde abhängig ist. Diese Abhängigkeit des Menschen vom Monde während seiner Embryonalzeit, während seiner Keimeszeit, die hat man lange gewußt, und man hat darnach sogar die Zeit der Schwangerschaft berechnet auf zehn Mondmonate. Erst in der allerletzten Zeit ist es aufgekommen, die Mondenmonate auf Sonnenmonate zu rechnen, auf neun Monate. Aber in diesen zehn Mondmonaten, die man für die Zeit der Schwangerschaft mit Recht angenommen hat, da steckt noch drinnen, daß der Mensch in seiner Embryonalzeit, also als Menschenkeim, im Leibe der Mutter, abhängig ist vom Mond. Nun, inwieferne ist er abhängig vom Mond? Ich habe auch darauf schon aufmerksam gemacht.

[ 8 ] Well, gentlemen, this is not merely a legend, nor is it merely a religious superstition; rather, it is something that can be scientifically proven. The fact is that human beings are, in fact, entirely dependent on the Moon during a period that is also crucial for their earthly existence—namely, during the mother’s pregnancy, that is, while they are still a human germ, an embryo. This dependence of the human being on the moon during its embryonic stage—its formative period—has long been known, and the duration of pregnancy was even calculated accordingly as ten lunar months. Only very recently has the practice emerged of converting lunar months into solar months—that is, nine months. But these ten lunar months—which have rightly been assumed to be the duration of pregnancy—also imply that the human being, during its embryonic stage—that is, as a human germ in the mother’s womb—is dependent on the Moon. Now, to what extent is it dependent on the Moon? I have already drawn attention to this as well.

[ 9 ] Sehen Sie, die Sache ist so, daß dasjenige, was der erste befruchtete Eikeim ist, eigentlich zerstörte Erdenmaterie enthält, pulverisierte Erdenmaterie, und aus dem würde nie etwas, wenn nur Erdenkräfte auf ihn wirken würden - niemals! Aus diesem Menschenkeim wird lediglich dadurch etwas, daß vom Monde her der Einfluß auf die Erde stattfindet. Und man kann sagen: Der Mensch kommt ins Erdenleben durch die Kräfte des Mondes. - So daß also die Juden, die Jahve als eine Mondgottheit angesehen haben, eigentlich haben hinweisen wollen auf diese Abhängigkeit des Menschen von Mondenkräften, wenn er auf die Erde hereintritt.

[ 9 ] You see, the fact is that what constitutes the first fertilized embryonic germ actually contains destroyed earth matter—pulverized earth matter—and nothing would ever come of it if only earth forces were acting upon it—never! This human germ only becomes something through the influence exerted on Earth by the Moon. And one can say: The human being enters earthly life through the forces of the Moon. — So the Jews, who regarded Yahweh as a lunar deity, actually intended to point out this dependence of the human being on lunar forces when he enters the Earth.

[ 10 ] Nun gewiß, die Leute weiter in Asien drüben, Babylonier, Assyrier, die haben auch noch andere Einflüsse als nur Mondeneinflüsse angenommen. Sie haben zum Beispiel gesagt: Der Jupiter, der hat einen gewissen Einfluß darauf, ob der Mensch in seiner weiteren Entwickelung gescheit wird oder dumm bleibt oder dergleichen. Aber auf solche nebensächlichen Einflüsse haben sich die Juden nicht eingelassen. Sie haben nur den einen Gott verehrt, und das war eben eine Mondengottheit. Das wird ja gewöhnlich als ein großer religiöser Fortschritt angesehen, daß die Juden von vielen Göttern zu einem Gotte fortgeschritten sind.

[ 10 ] Now, certainly, the people further over in Asia—the Babylonians, the Assyrians—also accepted influences other than just those of the moon. For example, they said: Jupiter has a certain influence on whether a person, in the course of their further development, will become intelligent or remain stupid, or something of that sort. But the Jews did not engage with such secondary influences. They worshiped only one God, and that was precisely a lunar deity. It is generally regarded as a great religious advancement that the Jews progressed from many gods to one God.

[ 11 ] Diesen einen Gott, den die Juden verehrten, den Jahvegott, den hat auch Jesus von Nazareth angetroffen in der umliegenden jüdischen Religion. Und darin ist er gewissermaßen unterrichtet worden.

[ 11 ] This one God whom the Jews worshiped—the God Yahweh—is the same God that Jesus of Nazareth encountered in the surrounding Jewish religion. And in a sense, that is where he was taught about Him.

[ 12 ] Nun, Sie können sich denken, wenn man nur den Mondengott verehrt, von dem der Mensch abhängig ist in der Zeit, wo er im Mutterleib getragen wird, dann führt man eigentlich alles darauf zurück, daß der Mensch schon sein ganzes Wesen, wie er ist und so weiter, auf die Erde mitbringt. Und das drückt sich auch aus in der alten jüdischen Religion, in der Jahvereligion. Wenn Sie irgendeinen alten Juden gefragt haben, der, sagen wir, krank geworden ist: Warum bist du krank geworden? - dann sagte er: Jahve hat es so gewollt. - Wenn ihm sein Haus angezündet worden ist und man fragte ihn: Warum ist dir dein Haus angezündet worden? - sagte er: Jahve hat es so gewollt - und so weiter. Er hat eben nur diesen einen Gott, durch den der Mensch in die Erdenwelt hereintritt, anerkannt, und alles führte er auf diesen Jahve zurück. Dadurch hat die jüdische Religion etwas von einer starren Religion. Der Mensch fühlte sich sozusagen sein ganzes Leben hindurch abhängig von dem, was er sich da mitgebracht hat auf die Erde.

[ 12 ] Well, you can imagine that if one worships only the moon god—on whom human beings depend during the time they are carried in the womb—then one actually attributes everything to the fact that human beings bring their entire being, just as they are and so on, with them to Earth. And this is also expressed in the ancient Jewish religion, the religion of Yahweh. If you had asked any old Jew who, let’s say, had fallen ill: “Why did you fall ill?”—he would have said: “Yahweh willed it so.”—If his house had been set on fire and you asked him: “Why was your house set on fire?”—he would have said: ‘Yahweh willed it’—and so on. They recognized only this one God, through whom human beings enter the earthly world, and they attributed everything to this Yahweh. As a result, the Jewish religion has something of a rigid nature. Throughout their entire lives, people felt, so to speak, dependent on what they had brought with them to Earth.

[ 13 ] Der Jesus von Nazareth lernte nun außer der jüdischen Religion andere Religionen kennen, die da sagten: Es findet nicht bloß ein Einfluß vom Monde auf den Menschen statt, sondern auch von den anderen Sternen. Sehen Sie, die Sache wird ja in den Evangelien auch angedeutet, daß schon eine Beziehung war zwischen den Sternenreligionen des Ostens, Asiens, und den von Juden bewohnten Ländern, in denen Jesus von Nazareth geboren worden ist. Es wird gesagt, daß die Weisen aus dem Morgenlande einen Stern gesehen haben, der sie hingeführt hat zur Geburtsstätte von Jesus von Nazareth.

[ 13 ] Jesus of Nazareth came to learn about other religions besides the Jewish faith, which taught that humans are influenced not only by the moon, but also by the other stars. You see, the Gospels also hint at this: that there was already a connection between the star-based religions of the East—of Asia—and the Jewish lands where Jesus of Nazareth was born. It is said that the Magi from the East saw a star that led them to the birthplace of Jesus of Nazareth.

[ 14 ] Nun ist das natürlich so, wie es heute in den Evangelien steht, ja ein Mißverständnis. Die Sache ist vielmehr so, daß die Weisen aus dem Morgenlande von ihrer Sternenwissenschaft herkamen und aus der Sternkonstellation, aus der Stellung der Sterne gesehen hatten: ein ganz wichtiges Ereignis tritt ein. Und so kommt schon die Sternenweisheit des Ostens, die Sternenweisheit von Asien, bei der Geburt des Jesus von Nazareth in Berührung mit ihm selber. Diese Verbindung ist ja auch immer aufrechterhalten geblieben.

[ 14 ] Now, of course, the way it is written in the Gospels today is, in fact, a misunderstanding. The fact is rather that the Magi from the East drew upon their knowledge of the stars and, based on the constellations and the positions of the stars, had foreseen that a very important event was about to take place. And so the astrological wisdom of the East, the astrological wisdom of Asia, came into contact with Jesus of Nazareth himself at the time of his birth. This connection has, in fact, always been maintained.

[ 15 ] Und nun war das Hauptziel des Jesus von Nazareth, dem Menschen auch dann noch, wenn er schon auf der Erde herumgeht, eine innere Wesenheit zu geben. Der Jude sagte: Alles kommt von Jahve. - Aber der Jahve hat eben den entscheidenden Einfluß nur bis zur Geburt, und wenn der Mensch geboren ist, setzt er als ein auf der Erde herumgehender Mensch nicht einfach den Jahve-Impuls fort. Und Christus Jesus brachte vor allen Dingen in die Welt, daß der Mensch während seines Lebens nicht nur so eine abrollende Kugel ist, die gerade nur fortsetzt den Stoß, den Jahve im Mutterleibe gegeben hat, sondern daß der Mensch auch während seines Lebens noch einen inneren Willen hat, durch den er sein eigenes Wesen, seine Persönlichkeit besser oder schlechter machen kann. Das war für die damalige Zeit eine ganz große Idee. Denn, sehen Sie, die Sternenweisheit, die war eigentlich ganz geheimgehalten worden, und in Palästina selber wußte niemand etwas davon; in Rom erst recht nicht. Die Sternenweisheit war ganz geheimgehalten worden. Und es war eine sehr bedeutende Tat, als der Jesus von Nazareth, zunächst auf die Sonne und nicht auf die anderen Sterne hinweisend, sagte: Nicht bloß vom Monde her kommt ein Einfluß auf den Menschen, sondern es kommt ein Einfluß auch von der Sonne.

[ 15 ] And now the main goal of Jesus of Nazareth was to give human beings an inner essence even while they are still walking the earth. The Jew said: Everything comes from Yahweh. — But Yahweh’s decisive influence extends only up to birth, and once a human being is born, as a person walking the earth, he does not simply continue the impulse of Yahweh. And Christ Jesus brought into the world, above all else, the realization that during his life, a human being is not merely a rolling ball that simply continues the momentum Yahweh imparted in the womb, but that a human being also possesses an inner will throughout his life, through which he can improve or worsen his own nature and personality. That was a truly great idea for that time. For, you see, the wisdom of the stars had actually been kept entirely secret, and no one in Palestine itself knew anything about it; certainly not in Rome. The wisdom of the stars had been kept entirely secret. And it was a very significant act when Jesus of Nazareth, pointing first to the sun and not to the other stars, said: “It is not only from the moon that an influence comes upon human beings, but an influence also comes from the sun.”

[ 16 ] Damit war damals außerordentlich viel getan. Aber man muß nur bedenken, daß man solche Dinge nicht bloß als Theorien betrachten kann, sondern man muß sie der Wirklichkeit nach betrachten. Was geschieht denn eigentlich, während der Mensch im Leibe der Mutter ist, durch den Einfluß des Mondes? Ja, meine Herren, da ist es das Seelische, das Geistig-Seelische, das vom Monde her in den physischen Menschen hineinkommt. Der Mensch kommt als Seele aus der Himmelswelt herunter vom Monde her. Und was bedeutete es denn, daß die Juden sagten: Jahve hat Einfluß auf den Menschen während der Schwangerschaft der Mutter? - Das bedeutete, daß die Juden meinten: Alles, was im Menschen seelisch-geistig ist, das stammt vom Monde her; im Monde, da ist der Schöpfer der Menschenseele. - Wenn also die Menschen herumgehen auf der Erde, da sagt der Jude: Nun, das, was physisch am Menschen ist, was stofflich ist, das hat er von der Erde; dasjenige, was geistig-seelisch ist, das hat er durch den Mond aus der weiten Welt. - Da fährt also wirklich der Geist des Menschen durch den Mond in den Menschen hinein. Und damit ist eigentlich das gesagt: Begegne ich einem Menschen, so muß ich der Meinung sein: Deine Seele ist durch den Mond in dich hineingefahren, und was in dieser Seele drinnen lebt, das hast du auf dem Wege durch die Mondengötter erhalten.

[ 16 ] That was an extraordinary amount of work at the time. But one must remember that such things cannot be regarded merely as theories; rather, they must be viewed in light of reality. What actually happens, under the influence of the Moon, while the human being is in the mother’s womb? Yes, gentlemen, it is the soul, the spiritual-soul aspect, that enters the physical human being from the moon. The human being descends as a soul from the heavenly world, coming from the moon. And what did it mean when the Jews said: “Yahweh has an influence on the human being during the mother’s pregnancy”?—It meant that the Jews believed: Everything in the human being that is soul-spiritual originates from the Moon; in the Moon resides the Creator of the human soul. — So when human beings walk about on Earth, the Jew says: Well, what is physical in the human being, what is material, comes from the Earth; that which is spiritual-soul-related comes through the Moon from the outer world. - So the human spirit truly enters into the person through the moon. And this actually means: When I meet a person, I must think: Your soul has entered into you through the moon, and what lives within that soul, you have received on your journey through the moon gods.

[ 17 ] Der Jesus von Nazareth lehrte: Ja, das ist richtig, der Mensch hat diese Seele; aber in seinem späteren Leben kann diese Seele noch verändert werden. Der Mensch hat etwas von einem freien Willen. Die Seele des Menschen kann im späteren Leben verändert werden.

[ 17 ] Jesus of Nazareth taught: Yes, that is correct, human beings have this soul; but in their later life, this soul can still be transformed. Human beings possess a measure of free will. The human soul can be transformed in later life.

[ 18 ] Wie kam der Jesus von Nazareth dazu, so etwas zu behaupten? Das ist die große Frage. Und wenn man diese Frage beantworten will, dann kommt man auf das Folgende.

[ 18 ] How did Jesus of Nazareth come to make such a claim? That is the big question. And if one wants to answer this question, one arrives at the following conclusion.

[ 19 ] Sie wissen ja, daß man den Juden unterscheidet von der andern irdischen Bevölkerung. Und dieser Unterschied rührt schon davon her, daß durch Jahrhunderte hindurch die Juden in der Mondtreligion erzogen worden sind und jeden anderen Einfluß in ihrer Seele abgewiesen haben. Sehen Sie, man muß da schon auf gewisse Eigentümlichkeiten des Judentums eingehen, wenn man diese Dinge verstehen will. Sie können überall nachforschen: die Juden haben eine große Begabung für Musik, dagegen eine sehr geringe Begabung für Bildhauerei, Malerei und dergleichen. Die Juden haben eine große Begabung für den Materialismus, aber wenig Begabung für die Anerkennung der geistigen Welt, weil sie von der ganzen außerirdischen Welt einzig den Mond eigentlich verehrt haben und das kaum mehr gewußt haben. Der jüdische Charakter und der griechische Charakter sind vollständige Gegensätze. Die Griechen waren vorzugsweise auf die Bildhauerei, Malerei aus, auf die Baukunst wenigstens bildhauerisch aus. Die Juden sind das musikalische Volk, das PriesterVolk, das vorzugsweise das Innere ausbildet, was aus der ursprünglichen Begabung vom Mutterleibe herrührt.

[ 19 ] You know, of course, that Jews are distinguished from the rest of the world’s population. And this distinction stems from the fact that, for centuries, Jews have been raised in the lunar religion and have rejected every other influence in their souls. You see, one must take into account certain peculiarities of Judaism if one wishes to understand these things. You can investigate this anywhere: the Jews have a great talent for music, but very little talent for sculpture, painting, and the like. The Jews have a great talent for materialism, but little talent for recognizing the spiritual world, because of the entire extraterrestrial world they have actually worshiped only the Moon—and they were scarcely even aware of that. The Jewish character and the Greek character are complete opposites. The Greeks were primarily focused on sculpture and painting, and on architecture—at least in its sculptural aspect. The Jews are the musical people, the priestly people, who primarily cultivate the inner self, which stems from their original endowment from the womb.

[ 20 ] Nun, in der Zeit, als der Jesus von Nazareth lebte, war diese Eigenschaft ganz außerordentlich stark ausgebildet. Nicht wahr, die Juden, die man heute in Europa kennenlernt, die haben ja schon unter den anderen Völkern gelebt, und da haben sie sich manches angeeignet. Aber derjenige, der unterscheiden kann, kann immer noch die besondere Geistesart der Juden von der Geistesart der anderen Menschen unterscheiden. Damit ist gar nicht gesagt, daß sie schlechter ist, aber sie ist unterscheidend. Nun, wie war das bei den Juden? Das war so: Sie haben ihr ganzes Gemüt, die ganze Seele auf den Mond hingelenkt. Dadurch hat sich bei ihnen alles das ausgebildet, was sich auf den Mond bezieht, aber gar nicht dasjenige, was sich auf die Sonne bezieht. Die Sonne ist vollständig vergessen gewesen. Und wäre der Jesus von Nazareth ein Jude geblieben, so hätte er auch nichts anderes lehren können als die Mondenreligion. Aber er blieb nicht bloß Jude, sondern er bekam im Laufe seines Lebens einen anderen Impuls: ein direkter geistiger Einfluß wurde ihm zuteil von der Sonne her.

[ 20 ] Well, during the time when Jesus of Nazareth lived, this trait was exceptionally pronounced. After all, the Jews one encounters in Europe today have already lived among other peoples, and in doing so, they have adopted certain customs. But anyone with discernment can still distinguish the unique mindset of the Jews from that of other people. This is not to say that it is inferior, but it is distinctive. Now, how was this the case with the Jews? It was like this: They directed their entire mind, their entire soul, toward the moon. As a result, everything related to the moon developed within them, but not at all that which relates to the sun. The sun had been completely forgotten. And if Jesus of Nazareth had remained a Jew, he would not have been able to teach anything other than the religion of the moon. But he did not remain merely a Jew; rather, in the course of his life, he received a different impulse: a direct spiritual influence was bestowed upon him from the sun.

[ 21 ] Sehen Sie, dadurch ist er gewissermaßen zweimal geboren. Dieses Zweimal-Geborenwerden, das haben die früheren morgenländischen Religionen alle noch gehabt. Aber es ist vergessen worden; heute ist es nur vorhanden als Nachricht. Da versteht man es nicht mehr. - So daß also der Jesus von Nazareth in einem bestimmten Momente gefühlt hat: Jetzt bin ich gewissermaßen noch einmal geboren; geradeso wie ich im Mutterleib durch den Mond meine Seele bekommen habe, habe ich jetzt eine Auffrischung meiner Seele bekommen von der Sonne her. - Und in Eingeweihtenkreisen nannte man von dem Momente an denjenigen, der Jesus von Nazareth war, den Christus Jesus. Und man sagte: Nun, der Jesus von Nazareth ist eben geradeso Mensch, Jude geworden durch die Mondenkräfte, wie die anderen Juden; aber dadurch, daß er in einem bestimmten Zeitpunkt seines Lebens den Einfluß von der Sonne bekommen hat, ist er ein zweites Mal geboren als Christus.

[ 21 ] You see, in a sense, he was born twice through this. This concept of being born twice was still present in all the earlier Eastern religions. But it has been forgotten; today it exists only as a legend. People no longer understand it. - So at a certain moment, Jesus of Nazareth felt: Now I have, in a sense, been born again; just as I received my soul in the womb through the moon, I have now received a renewal of my soul from the sun. - And from that moment on, in initiatic circles, the one who was Jesus of Nazareth was called Christ Jesus. And it was said: Well, Jesus of Nazareth became a human being, a Jew, through the forces of the Moon, just like the other Jews; but because he received the influence of the Sun at a specific point in his life, he was born a second time as Christ.

[ 22 ] Natürlich, der heutige Mensch, der solche Sachen nicht geistig nehmen kann, der kann sich bei all diesen Sachen überhaupt nichts denken. Er denkt sich schon nichts dabei, daß der Mensch vor der Geburt im Mutterleibe durch den Mond mit seiner Seele vereinigt wird, diese also von der Außenwelt bekommt. Und er denkt sich erst recht nichts dabei, daß der Jesus von Nazareth einen Sonneneinfluß bekommen hat, daß gewissermaßen eine zweite Persönlichkeit in ihn hineingezogen ist. Wie die erste Persönlichkeit in den Mutterleib hineinzieht, so zieht in den Jesus von Nazareth als zweite Persönlichkeit eben das Sonnenwesen hinein.

[ 22 ] Of course, people today, who cannot take such things spiritually, cannot make any sense of all this at all. They don’t even give it a second thought that, before birth in the womb, a human being is united with the moon through their soul—which thus receives it from the outside world. And they certainly don’t give it a second thought that Jesus of Nazareth received a solar influence—that, so to speak, a second personality was drawn into him. Just as the first personality enters the womb, so too does the solar being enter Jesus of Nazareth as a second personality.

[ 23 ] Sehen Sie, die römisch-katholische Religion, die hat in ihren Worten das, was ich Ihnen jetzt erzählt habe, vollständig vergessen. Aber gehen Sie einmal in eine Messe; da werden Sie, wenn es eine feierliche Messe ist, auf dem Altar stehen sehen und damit auch den Segen erteilen sehen das sogenannte Sanktissimum, die Monstranz (siehe Zeichnung S. 80); hier drinnen die Hostie, hier nun Strahlen. Ja, was ist denn das? Das ist die Sonne, und darin der Mond. Und die ganze Monstranz, das ganze Sanktissimum sagt durch seine Gestalt, daß das Christentum abstamme von einer Anschauung, die nicht, wie die Juden, bloß den Mond anerkannt habe, sondern auch die Sonne. Und wie der Mensch bei seiner Geburt den Einfluß hat vom Monde, so der Christus von der Sonne her.

[ 23 ] You see, the Roman Catholic Church has, in its teachings, completely forgotten what I have just told you. But go to Mass sometime; there, if it is a solemn Mass, you will see standing on the altar—and thereby also bestowing the blessing—the so-called Santissimum, the monstrance (see illustration on p. 80); inside it is the Host, and around it are rays. Yes, what is that? It is the sun, and within it the moon. And the entire monstrance, the entire Sanctissimum, expresses through its form that Christianity stems from a worldview that—unlike that of the Jews—recognized not only the moon but also the sun. And just as human beings are influenced by the moon at birth, so too is Christ influenced by the sun.

early Earthdie frühe Erde

[ 24 ] Nun kann man sagen: Da könnte ja jeder Mensch nun zweimal geboren werden und den Einfluß von der Sonne auch bekommen im Laufe seines Lebens. - Das ist aber nicht so; die Sache ist doch etwas anders. Die Sache ist nämlich so: Der Christus Jesus hat einen Einfluß bekommen, der direkt auf das menschliche Ich ging. Worauf geht der Einfluß vom Monde her, der im Mutterleibe besteht? Nun, meine Herren, ich habe Ihnen gesagt: Der Mensch besteht aus dem physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Der Mondeneinfluß, der geht auf den astralischen Leib, und der astralische Leib, der im Menschen unbewußt ist, der wird vom Monde beeinflußt. Dagegen der Sonneneinfluß des Christus, der ging auf das Ich. Aber das Ich, das ist selbständig!

[ 24 ] Now one might say: Well, then every person could be born twice and also receive the influence of the Sun in the course of their life. — But that is not the case; the matter is actually somewhat different. The fact is this: Jesus Christ received an influence that acted directly upon the human “I.” What, then, is the nature of the influence from the Moon that is present in the womb? Well, gentlemen, I have told you: The human being consists of the physical body, the etheric body, the astral body, and the “I.” The influence of the Moon acts upon the astral body, and the astral body—which is unconscious within the human being—is influenced by the Moon. In contrast, the solar influence of Christ acted upon the “I.” But the “I” is independent!

[ 25 ] Wenn der Sonneneinfluß auf den Menschen ebenso wäre wie der Mondeneinfluß, was würde da geschehen? Nun, meine Herren, auf unsere Geburt haben wir als einzelner Mensch nicht gerade einen sehr starken Einfluß; wir werden halt in die Welt hereingeschickt durch unsere Geburt. Wenn nun der Sonneneinfluß genau so wäre wie der Mondeneinfluß, da würden wir, sagen wir, mit dem dreißigsten Lebensjahr diesen Sonneneinfluß erfahren, und wir würden gar nichts dazu machen können, geradeso wie wir zu unserer Geburt nichts machen können. Wir wären mit dreißig Jahren plötzlich ein anderer Mensch, würden sogar das vergessen, was wir früher getan haben. Denken Sie sich, wenn Sie als junge Leute bis zum neunundzwanzigsten Jahre alle herumgehen würden, und dann käme meinetwillen Ihr dreißigstes Jahr, und da würden Sie alle wiedergeboren. Nun begegnet Ihnen einer, der noch nicht das dreißigste Jahr erreicht hat, wenn Sie wiedergeboren worden sind, und sagt zu Ihnen: Guten Morgen, Erbsmehl! - Was? Ich, ich weiß nichts von dem! Ich bin ja erst seit heute da! Was gehst du mich an? - So würde es sein, wenn tatsächlich auf jeden Menschen der Sonneneinfluß, sagen wir, im dreißigsten Jahre stattfinden würde. Ja, meine Herren, es wird Ihnen ganz unwahrscheinlich erscheinen, und dennoch ist es wahr. Es ist nur vergessen worden, weil fortwährend eine Geschichtsfälschung stattfindet; daher erfährt man nichts davon. Etwas ganz Ähnliches war nämlich in älteren Zeiten vorhanden, wenn auch nicht so drastisch stark, wie ich es Ihnen jetzt geschildert habe. Aber in ganz alten Zeiten, sagen wir, vor sieben- bis achttausend Jahren, wenn wir hinsehen zum Beispiel nach Indien, da ist es wirklich so gewesen, daß die Menschen dreißig Jahre alt geworden sind, nichts mehr gewußt haben von ihrem früheren Leben, ganz neue Menschen geworden sind. Und dann nahm sich ihrer ihre Umgebung an und sagte ihnen: Jetzt mußt du zum «Amt» gehen - ich gebrauche moderne Ausdrücke -, und da wurde dem Betreffenden erst wiederum gesagt, wie er heißt, wer er ist. Das ist natürlich immer schwächer und schwächer geworden, diese Umwandlung, aber sie war doch eben vorhanden. Und noch bei den Ägyptern war es zum Beispiel so, daß einfach die Menschen, wenn sie fünfzig Jahre alt waren, sich nicht zurückerinnerten an ihre Kindheit, sondern sich nur zurückerinnerten bis zu ihrem dreißigsten Jahr; das andere erfuhren sie von ihrer Umgebung, wie wir heute erfahren von unserer Umgebung, was wir getrieben haben, als wir ein Baby waren oder zwei Jahre alt. - Daß sich die Menschheit auf der Erde so verändert hat, das erzählt eben die Geschichte nicht, aber das ist dennoch so. Nun war der Jesus von Nazareth durch besondere Ereignisse der letzte Mensch, der, während die anderen alle schon keinen Sonneneinfluß mehr erlangt haben, noch den Sonneneinfluß erlangt hat. Es steht auch dieses von dem Sonneneinfluß in den Evangelien, nur legen das die Menschen immer falsch aus. Sehen Sie, es wird in den Evangelien erzählt, daß der Jesus sich im Jordan taufen ließ von Johannes. Dabei kam eine Taube herab. Diese Taube deutet eben den Sonneneinfluß an. Und da kam dieses Sonnenwesen in den Jesus. - Und jetzt war Schluß; er war der letzte, der dieses Sonnenwesen in sich bekam. Die anderen waren schon zu seiner Zeit durch ihre körperliche Beschaffenheit nicht mehr dazu reif. Er war der letzte.

[ 25 ] If the Sun’s influence on human beings were the same as the Moon’s, what would happen? Well, gentlemen, as individual human beings, we don’t exactly have a very strong influence over our birth; we are simply sent into the world through our birth. If the influence of the sun were exactly like that of the moon, then—let’s say—at the age of thirty we would experience this solar influence, and we wouldn’t be able to do anything about it, just as we can’t do anything about our birth. At the age of thirty, we would suddenly be different people; we would even forget what we had done before. Imagine if, as young people, you all went about your lives until the age of twenty-nine, and then—for the sake of argument—your thirtieth year arrived, and you were all reborn. Now, once you’ve been reborn, you meet someone who hasn’t yet reached the age of thirty, and he says to you: “Good morning, Erbsmehl!”—“What? I don’t know anything about that! I’ve only been here since today! What business is it of yours?”—That’s how it would be if the influence of the sun were indeed to affect every human being, let’s say, at the age of thirty. Yes, gentlemen, it will seem quite unbelievable to you, and yet it is true. It has simply been forgotten because historical falsification is constantly taking place; that is why one learns nothing about it. Something quite similar did exist in earlier times, though not as drastically intense as I have just described to you. But in very ancient times—let’s say, seven to eight thousand years ago—if we look, for example, at India, it was indeed the case that people, upon reaching the age of thirty, knew nothing more of their former lives and became entirely new people. And then those around them would take them in and say: “Now you must go to the ‘office’”—I’m using modern terms—and only then would the person in question be told again what his name was and who he was. Of course, this transformation has become weaker and weaker over time, but it did indeed exist. And even among the Egyptians, for example, it was the case that when people reached the age of fifty, they simply did not remember their childhood, but only remembered events up to the age of thirty; they learned the rest from those around them, just as we today learn from those around us what we were doing when we were babies or two years old. - History does not recount that humanity on Earth has changed in this way, but it is nevertheless true. Now, Jesus of Nazareth, through special events, was the last human being who—while all the others had already ceased to receive the influence of the Sun—still received that influence. This is also mentioned in the Gospels regarding the influence of the Sun, but people always misinterpret it. You see, the Gospels recount that Jesus was baptized by John in the Jordan River. At that moment, a dove descended. This dove symbolizes the influence of the Sun. And then this solar being entered Jesus. —And that was the end of it; he was the last to receive this solar being within himself. The others, even in his time, were no longer ready for this due to their physical constitution. He was the last.

[ 26 ] Gehen wir zurück zu den Menschen im alten Orient; da konnte ein jeder sagen: Im Laufe des Lebens hat die Sonne einen Einfluß auf den Menschen; da kommt ein neues Wesen in den Menschen hinein. - In der Zeit, in der der Christus Jesus lebte, konnte man das im allgemeinen nicht mehr sagen, und die Priester wußten es nur aus der äußeren Wissenschaft, nicht durch innere Anschauung.

[ 26 ] Let us return to the people of the ancient Orient; there, anyone could say: Over the course of a person’s life, the sun has an influence on the human being; a new being enters into the human being. - By the time that Jesus Christ lived, this could generally no longer be said, and the priests knew it only through external science, not through inner intuition.

[ 27 ] Nun, was mußte denn jetzt an die Stelle der Verehrung der Sonne treten? In alten Zeiten haben die Leute die Sonne verehrt, vor der Judenzeit, weil sie gewußt haben: Von der Sonne kommt dieser große, mächtige Einfluß während der Zeit des Lebens. - Jetzt konnten sie die Sonne nicht mehr verehren, weil sie ja keinen Einfluß mehr bekamen. Wer trat denn an die Stelle der Sonne? Der Christus Jesus selber! Und so wurde das Christentum so begründet, daß man mit der Sternenreligion auch eine Sonnenreligion hatte und direkt auf die Sonne hindeutete; als der Christus Jesus als der letzte diesen Sonneneinfluß erlangt hatte, konnte man nur auf den Christus hindeuten und konnte sagen: In dem steckt ja der Sonnengeist.

[ 27 ] Well, what was to take the place of sun worship now? In ancient times, before the Jewish era, people worshipped the sun because they knew that this great, powerful influence during the course of life comes from the sun. - Now they could no longer worship the sun, since they no longer received any influence from it. Who, then, took the place of the sun? Christ Jesus himself! And so Christianity was founded in such a way that, along with the religion of the stars, there was also a religion of the sun that pointed directly to the sun; since Christ Jesus was the last to have attained this solar influence, one could only point to Christ and say: “The spirit of the sun dwells within him.”

[ 28 ] Und das ist nämlich der große Umschwung. Das ist die ungeheuerlichste Revolution im Denken, daß der Christus Jesus dasjenige, was man früher auf der Sonne gesehen hat, auf die Erde heruntergeholt hat. Und in alten Zeiten oder in den ersten Zeiten des Christentums hat man deshalb den Christus immer die Sonne genannt. Sie finden noch in den Evangelien überall den Ausdruck: «die Sonne, der Christus», weil man eben gewußt hat, um was es sich handelt. Das ist später ganz und gar vergessen worden. Bei jeder feierlichen Messe kann man es in dem Sanktissimum, in der Monstranz sehen. Aber wenn irgendeiner das dann auch wirklich sagt, daß es so ist, was man ja sehen kann, dann ist er ein großer Ketzer, dann wird er verfolgt als ein Irrgläubiger. Denn man hat es in der christlichen Kirche immer als gefährlich betrachtet, die Wahrheiten über die Sterne, also auch über die Sonne zu verkündigen.

[ 28 ] And that, in fact, is the great turning point. It is the most tremendous revolution in thought: that Jesus Christ brought down to Earth what people used to see in the sun. And in ancient times, or in the early days of Christianity, that is why Christ was always called the Sun. You can still find the expression “the Sun, the Christ” everywhere in the Gospels, because people knew exactly what it meant. This was later forgotten entirely. At every solemn Mass, you can see it in the Blessed Sacrament, in the monstrance. But if anyone were to actually say that this is the case—which is, after all, visible—then he would be considered a great heretic and persecuted as a misbeliever. For the Christian Church has always regarded it as dangerous to proclaim the truths about the stars, and thus also about the sun.

[ 29 ] Ja, meine Herren, warum ist denn das? Da muß man wiederum zurückgehen auf die alten Mysterien und sie vergleichen mit dem Christentum. Sehen Sie, in den alten Mysterien wurden ja nicht alle Leute zugelassen. Ich habe Ihnen gesagt, wie die Grade waren; die Eingeweihten waren Rabe, Okkulter, Verteidiger, Sphinxe und so weiter. Die wußten, daß von den Sternen der Einfluß kommt; die wußten das. Und deshalb hat auch die eingeweihte Priesterschaft streng gewacht darüber, daß nicht alle Leute gescheit wurden, daß nur bei ihnen in den Mysterien die Gescheitheit vorhanden sei. Denn Wissen ist schon eine Macht, wenn es auch oftmals unterdrückt wird. Aber wenn die Priesterschaft noch mächtig ist, dann ist eben das Wissen eine Macht.

[ 29 ] Yes, gentlemen, why is that? To answer that, we must go back to the ancient mysteries and compare them with Christianity. You see, not everyone was admitted to the ancient mysteries. I have told you what the degrees were; the initiates were Ravens, Occultists, Defenders, Sphinxes, and so on. They knew that influence came from the stars; they knew that. And that is why the initiated priesthood strictly ensured that not everyone became wise, that wisdom was present only among them in the mysteries. For knowledge is indeed a power, even if it is often suppressed. But as long as the priesthood remains powerful, knowledge is precisely that: a power.

[ 30 ] Diese Sternenweisheit war aber zugrunde gegangen. Und nun kam der Christus Jesus. Der brachte sie neuerdings auf, allerdings in der verwandelten Gestalt, daß er sagte: Man muß den Sonnengott auf die Erde herunterholen. - Er brachte die Sonnenreligion neuerdings auf. Und wenn das nun geschehen wäre, daß der Christus ganz durchgedrungen wäre mit seiner Lehre, dann wäre die ganze alte Sternenreligion wiederum dagewesen als Sonnenwirkung! Das war auch in den ersten Zeiten des Christentums vielfach der Fall. Die alten Mysterien haben wieder aufgeblüht. Aber nun kam das, daß der Christus Jesus die ungeheure Revolution durchführte: Dasjenige, was früher eingeschlossen in den Mysterien war, hat er vor alle Welt hingestellt. Es wäre also für alle Menschen dagewesen. Nun, keine Bemühung konnte durchdringen, das, was ich Ihnen jetzt sage, unter die Menschen zu bringen.

[ 30 ] But this star-based wisdom had perished. And then Christ Jesus came. He revived it, albeit in a transformed form, saying: “One must bring the Sun God down to Earth.” - He revived the sun religion. And if it had come to pass that Christ had fully permeated the world with his teaching, then the entire ancient star religion would have reappeared as a solar influence! This was indeed often the case in the early days of Christianity. The ancient mysteries flourished once more. But then came the moment when Christ Jesus carried out the immense revolution: He brought what had previously been confined to the mysteries out into the open for the whole world to see. It would thus have been available to all people. Yet no effort could succeed in bringing what I am now telling you to the people.

[ 31 ] Da war im 4. Jahrhundert ein römischer Kaiser, Julianus, den man den Abtrünnigen, den Apostaten nennt; der wollte seine alte Sternenreligion wiederum einführen. Er ist auf einem Zuge nach Persien ermordet worden! Dasjenige, was in Rom geschehen ist, das kann man nur in der folgenden Weise erzählen.

[ 31 ] In the 4th century, there was a Roman emperor named Julian, known as the Apostate; he wanted to reintroduce his old star-worshiping religion. He was assassinated during a campaign against Persia! What happened in Rome can only be recounted in the following way.

[ 32 ] In Rom geschah das, daß der Sternendienst, der eigentlich mit dem Christus Jesus wiederum gegeben war, verleumdet wurde als Aberglaube, ja, nicht nur als Aberglaube, sondern als Teufelsglaube verleumdet wurde. Also gerade das, was zum wirklichen Erkennen, zur Erkenntnis des Geistigen in der Welt führt, das wurde verleumdet, das wurde gewissermaßen sogar abgeschafft. Dagegen sollte man nur an das äußere geschichtliche Ereignis mit dem Christus Jesus in Palästina glauben, so wie die Kirche es verkündet. Dadurch wurde die Kirche für alle diejenigen, die die Gläubigen wurden, die höchste Macht in dem, was man denken soll. Sehen Sie, das Christentum als solches ist eigentlich nicht über Rom nach Europa gekommen, sondern ein verändertes Christentum, das nur dieses äußere Ereignis von Palästina genommen hat, nicht den ganzen Weltzusammenhang. Und wodurch ist das gekommen?

[ 32 ] In Rome, the study of the stars—which had actually been restored once again through Christ Jesus—was slandered as superstition; indeed, it was slandered not only as superstition but as a belief in the devil. So precisely that which leads to true recognition, to the knowledge of the spiritual in the world—that was slandered; it was, in a sense, even abolished. Instead, one was to believe only in the external historical event involving Christ Jesus in Palestine, just as the Church proclaims it. As a result, the Church became the highest authority on what one should think for all those who became believers. You see, Christianity as such did not actually come to Europe via Rome, but rather a distorted form of Christianity that took only this external event from Palestine, not the entire global context. And how did this come about?

[ 33 ] Nun, sehen Sie, eigentlich stammt Rom ab von einer Schar von Räubern, die ursprünglich sich da zusammengesammelt haben. Und etwas von dieser Gesinnung ist eben lange eingeflossen damals. Und so hat Rom immer darnach gestrebt, mit der weltlichen Herrschaft zugleich die religiöse Herrschaft an sich zu reißen. Das ist geradezu ein Zug von Rom, mit der weltlichen Herrschaft auch die geistige Herrschaft an sich zu ziehen. Und an die Stelle des alten, noch heidnischen Hohepriesters, des Pontifex Maximus, von dem er nur den Namen angenommen hat, ist der Papst getreten. Der Papst ist eigentlich im Laufe des Mittelalters an die Stelle der römischen Cäsaren, der römischen Kaiser getreten, hat die Weltherrschaft angetreten zugleich mit der Herrschaft über die Gedanken. Nur einmal war es, im Anfange des 11. Jahrhunderts, als in Mitteleuropa ein sehr bedeutender deutscher Kaiser etwas ähnliches machen wollte wie damals Julian, den man den Apostata, den Abtrünnigen nannte; das war Heinrich II. Es ist sehr interessant! Heinrich II. wurde zunächst angesehen wie eine Art Heiliger, weil er die christliche Anschauung sehr gut vertrat. Von 1002 bis 1024 regierte er. Wie eine Art Heiliger regierte er. Er hat auch in der Geschichte den Beinamen: der Heilige. Ja, sehen Sie, wenn man heute noch bei katholischen Priestern das Brevierbuch, wo alle Heiligen drinnenstehen, sich anschaut, so steht auch dieser Heinrich II., der Heilige, drinnen. Aber dieser Heinrich II. war eben auch einer, der auf so etwas wie die alte Wahrheit hindeuten wollte. Er wollte retten für das Christentum die Anschauung, daß in dem Christus Jesus der Sonnengeist gelebt hat. Und da hat er angestrebt eine Ecclesia catholica non romana, das heißt, eine katholische Kirche, die nicht römisch ist. Bedenken Sie die Jahreszahl: anfangs des 11. Jahrhunderts! Erst später ist das Luthertum gekommen. Wäre das dazumal gelungen, was Heinrich II. angestrebt hat, eine katholische Kirche, die nicht römisch ist, so wäre das Christentum in seiner Weltbedeutung in Europa aufgetreten, und man hätte durch das religiöse Leben dazumal schon eine wirkliche Geisteswissenschaft bekommen. Aber Rom hat dazumal gesiegt, das heißt das religiös-cäsaristische Rom. Es kam eben keine Ecclesia catholica non romana, sondern es lebte die Ecclesia catholica romana weiter. Ganz trennen wollte der Kaiser Heinrich II. die katholische Kirche von der weltlichen Herrschaft.

[ 33 ] Well, you see, Rome actually traces its origins to a band of robbers who originally gathered there. And some of that spirit had long since seeped in back then. And so Rome has always strived to seize religious dominion along with secular dominion. It is a defining trait of Rome to claim spiritual dominion alongside secular dominion. And the Pope has taken the place of the old, still pagan high priest, the Pontifex Maximus, from whom he has adopted only the name. In the course of the Middle Ages, the Pope effectively took the place of the Roman Caesars, the Roman emperors, assuming world domination along with dominion over people’s thoughts. There was only one occasion, at the beginning of the 11th century, when a very significant German emperor in Central Europe sought to do something similar to what Julian—who was called the Apostata, the Apostate—had done; that was Henry II. It is very interesting! Henry II was initially regarded as a kind of saint because he represented the Christian worldview so well. He reigned from 1002 to 1024. He reigned like a saint. He is also known in history by the epithet “the Saint.” Yes, you see, if you look today at the breviary used by Catholic priests—the book listing all the saints—you’ll find Henry II, “the Saint,” listed there as well. But this Henry II was also someone who sought to point toward something like the ancient truth. He wanted to preserve for Christianity the belief that the Spirit of the Sun lived within Jesus Christ. And so he strove for an *Ecclesia catholica non romana*—that is, a Catholic Church that is not Roman. Consider the date: the beginning of the 11th century! Lutheranism did not come until later. If what Henry II had strove for—a Catholic Church that was not Roman—had succeeded back then, Christianity would have emerged in Europe with global significance, and through the religious life of that time, people would have already attained a true Spiritual Science. But Rome prevailed at that time—that is, religious-Caesarist Rome. There was no “Ecclesia catholica non romana”; instead, the “Ecclesia catholica romana” continued to exist. Emperor Henry II wanted to completely separate the Catholic Church from secular rule.

[ 34 ] Nun werden Sie ja alle zugeben müssen: Es wäre eine ungeheuer große Tat gewesen, denn all dasjenige, was dann nachgekommen ist an Verfolgungen von Ketzern, von Irrgläubigen, hätte dann nicht kommen können. Denn alle diese Verfolgungen kommen nur von der Herrschaft über die Gedanken. Aber in Wirklichkeit kann man ja die Gedanken nicht beherrschen. Denken Sie nur einmal nach darüber! Kann man denn Ihre Gedanken in Wirklichkeit beherrschen? Nein, man kann sie nicht beherrschen! Man kann sie nur beherrschen, wenn man den Menschen beherrscht von der weltlichen Seite her, wenn man den Menschen dazu zwingt, in bestimmte Schulen zu gehen, ihm da gewisse Dinge eintrichtert, wenn man ihn dazu bestimmt, in eine gewisse Klasse zu gehören. Mit der Klasse bekommt er dann seine Anschauung und so weiter. Die Gedanken lassen sich nicht beherrschen! Niemals hätte eine Kirche schädlich werden können, wenn ihr die weltliche Herrschaft nicht geholfen hätte, indem sie die Herrschaft über den Menschen als physisches Wesen ausübt. Denn die Kirche kann nur lehren, und der Mensch muß das, was sie lehrt, selber annehmen. Und das wollte Heinrich II. herstellen. Nur eben, wie gesagt, siegte der alte Cäsar, der alte Kaiser in dem Papst damals. Und Sie wissen ja: damals war die weltliche Herrschaft sehr stark. Man mag das schlimm finden, aber jedenfalls war die weltliche Herrschaft in der Zeit, als Heinrich I. wirkte, sehr stark. Und würde es damals gelungen sein, eine katholische Kirche einzurichten, die nicht römisch ist, so wäre eben außerhalb der weltlichen Herrschaft die Lehre der Kirche dagewesen.

[ 34 ] Now you will all have to admit: It would have been an immensely great deed, for all the persecutions of heretics and those of false faith that followed could not have taken place. For all these persecutions stem solely from control over the mind. But in reality, one cannot control thoughts. Just think about it for a moment! Can one really control your thoughts? No, one cannot control them! You can control them only if you control people from a worldly perspective—if you force people to attend certain schools, drill certain ideas into them there, and assign them to a particular class. Through that class, they then acquire their worldview and so on. Thoughts cannot be controlled! A church could never have become harmful if secular authority hadn’t aided it by exercising dominion over human beings as physical beings. For the church can only teach, and people must accept what it teaches on their own. And that is what Henry II sought to establish. But, as I said, the old Caesar, the old emperor, prevailed in the pope at that time. And as you know: at that time, secular rule was very strong. One may find that regrettable, but in any case, secular rule was very strong during the time when Henry I was active. And if it had been possible back then to establish a Catholic Church that was not Roman, then the Church’s doctrine would have existed outside of secular rule.

[ 35 ] Sehen Sie, im Grunde genommen verfolgten ja die Kreuzzüge dasselbe. Von den Kreuzzügen wird immer gesagt, daß sie im Dienste von Rom geführt worden seien. Die Kreuzzüge werden gewöhnlich so geschildert: Weil diese entsetzlichen Türken Jerusalem erobert hatten, da konnten die Pilger in Jerusalem nicht mehr in Ruhe ihre Gebete verrichten, wenn sie dahin wallfahrteten. Da setzte sich Rom ein, schickte den Peter von Amiens überall hin; der predigte in Europa den Kreuzzug. Das heißt, es sollten viele Leute zum Kreuzzug zusammenströmen, sollten hinüberwandern nach Asien, nach Jerusalem. Nun kam ja allerdings auch durch die Predigten des Peter von Amiens ein großes Kreuzfahrerheer zustande, stand auch unter dem Kommando des Peter von Amiens und des Walther von Habenichts. Warum er von Habenichts geheißen hat, können Sie sich vielleicht denken. Nun, er war eben solch ein Habenichts wie wir alle. Wir könnten auch nicht aufbringen das ganze, was ein Kreuzzug nach Asien hinüber kostet. - Dieses ganze Kreuzzugheer ging aber schon auf dem Wege zugrunde. Es hat gar nichts erreicht.

[ 35 ] You see, essentially, the Crusades were pursuing the same goal. It is always said that the Crusades were waged in the service of Rome. The Crusades are usually described this way: Because those dreadful Turks had conquered Jerusalem, pilgrims could no longer pray in peace when they made their pilgrimage there. So Rome stepped in, sending Peter of Amiens everywhere; he preached the Crusade throughout Europe. That is to say, many people were supposed to flock to the Crusade and make the journey to Asia, to Jerusalem. Now, it is true that a large crusader army did come into being as a result of Peter of Amiens’s sermons, and it was under the command of Peter of Amiens and Walter of Have-Noth. You can perhaps guess why he was called “Have-Noth.” Well, he was just as much a “Have-Noth” as the rest of us. We, too, could not afford all that a crusade to Asia would cost. — But this entire crusader army perished along the way. It achieved absolutely nothing.

[ 36 ] Dagegen machten sich dann andere Leute auf unter der Führung des Gottfried von Bouillon. Die waren nicht im Dienst von Rom, sondern die wollten wiederum etwas Ähnliches wie Heinrich II. Die wollten die weltliche Herrschaft ausschalten. - Hier ist Italien (es wird gezeichnet), hier Griechenland, das Schwarze Meer, Asien, hier Palästina, hier Jerusalem: und da sollte das Kreuz ja hinübergehen, und Jerusalem sollte der Hauptsitz der christlichen Religion werden. Rom sollte abgesägt werden von dem wirklichen ersten Kreuzzug an. Es waren die Kreuzzüge eigentlich gegen Rom geführt. Und wiederum wollte man die Ecclesia, die Kirche, unabhängig machen von der weltlichen Herrschaft.

[ 36 ] In response, other people set out under the leadership of Godfrey of Bouillon. They were not in the service of Rome; rather, they sought something similar to what Henry II had done. They wanted to eliminate secular rule. - Here is Italy (it is drawn), here is Greece, the Black Sea, Asia, here is Palestine, here is Jerusalem: and that is where the Cross was supposed to go, and Jerusalem was to become the seat of the Christian religion. Rome was to be overthrown from the very first Crusade onward. The Crusades were actually waged against Rome. And once again, the aim was to make the Ecclesia—the Church—independent of secular rule.

[ 37 ] Nun, alle diese Dinge sind ja nicht gelungen. In die späteren Kreuzzüge haben sich wiederum die romanischen Fürsten hineingemischt. Die Sache ist ja auch in der Kreuzzugsgeschichte zu lesen.

[ 37 ] Well, none of these things actually worked out. The Roman princes once again interfered in the later Crusades. This can also be read about in the history of the Crusades.

[ 38 ] So ist es eigentlich dann gekommen, daß diese ganze Grundlage des Christentums, die die großartige Idee enthält, daß die Sonnenkraft heruntergeholt worden ist durch den Christus Jesus auf die Erde, und daß jeder Mensch, der das einsieht, dadurch frei werden kann - «Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen», aber es wurde nicht die Wahrheit erkannt -, diese ganze Sache, die ist im Grunde genommen durch die ganze menschliche Entwickelung hindurch unbekannt geblieben, und erst heute muß man wieder durch Geisteswissenschaft das wirkliche Christentum entdecken. Es ist gar nicht wunderbar, daß diejenigen, die das heute bestehende Christentum vertreten, sich wenden gegen das Christentum, das nun wirklich an den Christus Jesus anknüpft und dasselbe lehrt, was der Christus Jesus gelehrt hat. Aber das geschieht in der Anthroposophie. Daher ist es auch nicht zu verwundern, daß bei denjenigen, die das Christentum heute nur kennen von dem, was da ist, eine große Abneigung gegen das Christentum ist. Aber die Abneigung bezieht sich nicht auf das Christentum. Das Christentum hat ja in sozialer Beziehung einen ungeheuren Fortschritt gebracht, nämlich den, daß die Sklaverei nach und nach verschwunden ist. Gäbe es kein Christentum, ja, meine Herren, dann wäre auch die ganze Wissenschaft von heute nicht da. Denn schauen Sie nach: Die meisten wirklich großen Entdeckungen sind ja eigentlich von den Mönchen gemacht worden. Bloß die Luftpumpe ist vom braven Bürgermeister Guericke von Magdeburg; aber die meisten großen Entdeckungen sind von Mönchen gemacht worden. Und derjenige, der das Kopernikanische System gefunden hat, Ko‚pernikus, das war ja ein Domherr, ein katholischer Domherr. Und die Schulen waren eigentlich alle abhängig von den Mönchen.

[ 38 ] That is actually how it came to be that this entire foundation of Christianity—which embodies the magnificent idea that the power of the sun was brought down to Earth by Christ Jesus, and that every person who recognizes this can thereby become free— “You will know the truth, and the truth will set you free”—but the truth was not recognized—this whole matter has, in essence, remained unknown throughout human evolution, and only today must we rediscover true Christianity through Spiritual Science. It is hardly surprising that those who represent Christianity as it exists today turn against the Christianity that truly connects to Jesus Christ and teaches the very same things that Jesus Christ taught. But this is happening in anthroposophy. Therefore, it is also not surprising that among those who today know Christianity only from what currently exists, there is a great aversion to Christianity. But this aversion does not pertain to Christianity itself. Christianity has, after all, brought about tremendous progress in the social sphere—namely, the gradual abolition of slavery. If there were no Christianity, yes, gentlemen, then all of today’s science would not exist either. For consider this: most of the truly great discoveries were actually made by monks. Only the air pump was invented by the good Mayor Guericke of Magdeburg; but most of the great discoveries were made by monks. And the man who developed the Copernican system, Copernicus, was, after all, a canon—a Catholic canon. And the schools were, in fact, all dependent on the monks.

[ 39 ] Aber da kommt eben etwas anderes dazu. Sehen Sie, die Sache ist ja so, daß man die Klöster eigentlich nicht gern gesehen hat in der alten Kirche, weil die Mönche noch viel bewahrt hatten von der alten Wissenschaft. Und bei den Mönchen - die durften nur nicht den Mund aufmachen - findet man schon ein Wissen von der alten Sternenweisheit. Das ist schon durchaus zu finden, wenn man es nur suchen will. Dinge, die ich Ihnen erzählt habe - ich habe Ihnen das letzte Mal aufgezeichnet, wie man Weib und Mann noch im 17. Jahrhundert unterschieden hat -, ja, die haben sich fortgepflanzt in alten Zeiten über das Mönchtum, nicht über das äußere weltliche Regiment, sondern über das Mönchtum, und im Grunde ist es erst im 17., 18. Jahrhundert gelungen, damit vollständig aufzuräumen. Das Mittelalter ist gar nicht so finster, wie man gewöhnlich glaubt. Nur dasjenige ist finster, was die Leute gewöhnlich sehen. Aber im Geheimen haben die Leute viel Weisheit gehabt; nur versteht man sie heute nicht, selbst wenn man in alten Schriften liest. Ich habe Ihnen ja beim Ausdruck «Mumie» gezeigt, daß kein Mensch heute bedenkt, was Mumie ist. Ich habe es Ihnen erklärt.

[ 39 ] But there’s something else to consider here. You see, the thing is that monasteries were actually not very welcome in the early Church, because the monks had preserved so much of the ancient knowledge. And among the monks—who were simply not allowed to speak out—one can indeed find knowledge of the ancient wisdom of the stars. It is certainly there to be found, if one is only willing to look for it. The things I’ve told you—I wrote down for you last time how men and women were still distinguished in the 17th century—well, these traditions were passed down in ancient times through monasticism, not through the external secular government, but through monasticism, and essentially it wasn’t until the 17th and 18th centuries that they were completely eradicated. The Middle Ages are not nearly as dark as is commonly believed. Only what people usually see is dark. But in secret, people possessed a great deal of wisdom; it’s just that we don’t understand it today, even when we read ancient writings. I showed you, after all, with the term “mummy,” that no one today gives any thought to what a mummy is. I explained it to you.

[ 40 ] Und so ist es schon, daß also die größte Idee des Christentums diese ist von dem Herunterfahren der Sonnenkraft auf die Erde.

[ 40 ] And so it is indeed that the greatest idea of Christianity is that of the descent of the sun's power to Earth.

[ 41 ] Sehen Sie, meine Herren, dadurch ist eigentlich erst das gekommen, was man Geschichte nennt. Denn im Morgenlande drüben hat man eine große Sternenweisheit gehabt, aber auf die Geschichte hat man nichts gegeben. Diejenigen, die im Morgenlande die Gelehrten, die Wissenden waren, die haben immer darauf hingewiesen: In den Himmelsweiten ist die Schöpfung. Aber was die Menschen auf der Erde gemacht haben, darum haben sie sich nicht viel gekümmert. Bei den Juden tritt etwas ein von Geschichte, aber das ist eine Geschichte, die ja auch mit der Sternenweisheit beginnt, denn die «sieben Schöpfungstage» sind Sternenweisheit. Und dann wird es chaotisch, dann geht es durcheinander. Eine richtige Geschichte, die die ganze Entwickelung auf der Erde einteilte in das Vorchristliche und das Nachchristliche, trat eben erst mit dem Christentum ein.

[ 41 ] You see, gentlemen, it was actually this that gave rise to what we call history. For in the Orient, they possessed a great wisdom of the stars, but they paid no heed to history. Those in the East who were the scholars, the wise ones, always pointed out: Creation lies in the vastness of the heavens. But they did not concern themselves much with what people on Earth were doing. Among the Jews, something resembling history emerges, but it is a history that also begins with astrological wisdom, for the “seven days of creation” are astrological wisdom. And then it becomes chaotic; things get mixed up. A true history, which divided the entire development on Earth into the pre-Christian and post-Christian eras, only emerged with the advent of Christianity.

[ 42 ] Das ist dasjenige, was ich Ihnen heute sagen konnte. Einige Ergänzungen dazu will ich dann noch am nächsten Samstag geben.

[ 42 ] That is all I could tell you today. I will provide some additional information next Saturday.