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The Rudolf Steiner Archive

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Human History and the
World Views of Civilized Nations
GA 353

8 March 1924, Dornach

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3. Der Eintritt des Christentums in die antike Weit und die Mysterien

3. The Arrival of Christianity in the Ancient World and the Mysteries

[ 1 ] Guten Morgen, meine Herren! Ich werde nun also heute fortfahren in den Betrachtungen, die wir angefangen haben. Nicht wahr, die Situation machen Sie sich da ganz klar: Im Osten drüben ist Asien. Von Asien kam man im Altertum herüber nach Europa, nach Griechenland, direkt längs einer ganzen Reihe von Inseln. Die Sache war also so (es wird gezeichnet): Hier endete Asien; hier ging es hinüber nach Afrika; da war der Nil, von dem ich Ihnen viel gesprochen habe. Hier ist Griechenland, hier das Adriatische Meer, und hier ist Italien, hier dann die Insel Sizilien. Hier wären also eine Menge Inseln, Samos, Rhodos, Zypern und so weiter, und auf diesen Inseln kam man von Asien herüber nach Griechenland. Hier wäre Griechenland, hier das Römische Reich, das heutige Italien.

[ 1 ] Good morning, gentlemen! So today I will continue with the discussion we began. You surely understand the situation quite clearly: over there to the east is Asia. In ancient times, people came from Asia to Europe, to Greece, traveling directly along a whole chain of islands. So here’s how it was (drawing follows): Asia ended here; here it crossed over to Africa; there was the Nile, which I’ve told you a lot about. Here is Greece, here is the Adriatic Sea, and here is Italy, and here is the island of Sicily. So here there would be a number of islands—Samos, Rhodes, Cyprus, and so on—and people traveled from Asia to Greece via these islands. Here would be Greece, here the Roman Empire, which is present-day Italy.

early Earthearly Earth

[ 2 ] Nun müssen Sie sich einmal folgendes richtig ins Gedächtnis rufen, meine Herren. Sehen Sie, in Griechenland hat sich, man kann sagen, etwa vom Jahre 1000, 1200 vor Christi Geburt an, alles das entwickelt, wovon ich Ihnen erzählt habe, daß dadurch die Menschen eben gelernt haben, die Welt anzuschauen. Aber schon, man kann sagen, vom 4., 3. Jahrhundert vor Christus an ging allmählich in Griechenland die Herrschaft verloren, und sie ging über nach Rom. Das war ja die Hauptstadt. - Die Sache war so gegangen, daß in den ältesten Zeiten immer mehr Griechen, solche die mehr oder weniger unzufrieden waren in Griechenland, ausgewandert sind und hier, sowohl in Sizilien wie hier in Unteritalien, sich angesiedelt haben. Dadurch hat sich durch ein halbes Jahrtausend, vier- bis fünfhundert Jahre, die griechische Kultur ganz herübergezogen, so daß Unteritalien und Sizilien damals genannt wurden: Großgriechenland. Man bezeichnete sogar die alte griechische Heimat bloß als Griechenland, und das andere bezeichnete man als Großgriechenland. Es haben sich nicht etwa bloß Unzufriedene dorthin gewandt, sondern es sind Leute hingegangen wie der große Philosoph Plato, der dort einen Musterstaat begründen wollte. Und es haben eigentlich die wichtigsten Leute, die die Kultur gemacht haben, in Unteritalien gelebt. Und man muß schon sagen: Es ist in Unteritalien, hier im Süden, ein feines, gebildetes Leben gewesen, während sich von oben aus die brutale, später als Römertum bezeichnete Herrschaft verbreitet hat.

[ 2 ] Now, gentlemen, you must really take the following to heart. You see, in Greece—starting, one might say, around 1000 or 1200 B.C.—everything I have told you about developed, and through this, people learned to view the world. But as early as the 4th and 3rd centuries B.C., so to speak, Greece gradually lost its dominance, and power shifted to Rome. That was, after all, the capital. — What had happened was that, in the earliest times, more and more Greeks—those who were more or less dissatisfied in Greece—emigrated and settled here, both in Sicily and here in Southern Italy. As a result, over the course of half a millennium—four to five hundred years—Greek culture spread all the way over, so that Southern Italy and Sicily were called at that time: Magna Graecia. In fact, the ancient Greek homeland was referred to simply as “Greece,” while the other region was called “Greater Greece.” It wasn’t just the discontented who went there; people like the great philosopher Plato, who wanted to establish an ideal state there, also went. And, in fact, the most important figures who shaped that culture lived in Southern Italy. And it must be said: Here in Southern Italy, in the south, there was a refined, cultured way of life, while from above, the brutal rule—later known as Roman rule—spread.

[ 3 ] Sie wissen ja, daß die ursprüngliche Bevölkerung Roms auf eine sehr merkwürdige Art entstanden ist: Es wurde zusammengerufen von Häuptlingen, von denen der Name Romulus besonders bekannt geworden ist, alles dasjenige, was an Halunken in der Umgegend war. Alle Halunken von der Umgebung wurden zusammengerufen in Rom, und mit denen wurde ursprünglich der erste römische Räuberstaat gebildet. Es ist dann ja auch die Räubergesinnung noch fortgesetzt worden unter den ersten römischen Königen. Aber sehr bald machte sich geltend, schon unter dem vierten und fünften König, dann die Ansiedelung und Einwanderung eines nördlichen Stammes, der Etrusker. Das waren wiederum Menschen, man kann schon so sagen, die dann sich vermischten mit den Nachkömmlingen der Räuber, und es ist dadurch wiederum ein menschlicher Zug in das Römertum hineingekommen. Aber alles dasjenige, was Rom eigentlich später an Weltherrschaft begründet hat, was dann übergegangen ist bis in unsere Zeit in die Menschheit an Herrschaftsgelüsten, das stammt eigentlich - man darf sich darüber keinen Illusionen hingeben - aus dieser ursprünglichen Halunkenkolonie, die gegründet worden ist auf den sieben Hügeln von Rom. Nur hat sich da alles mögliche drüber gegossen; die Sache ist natürlich furchtbar verfeinert worden, aber man begreift eben die Sache, wie das später gemacht worden ist, nicht, wenn man nicht weiß, daß da eine ursprüngliche Räuberkolonie aus den Wäldern zusammengesammelt war. Daraus sind dann auch alle über Europa ausgeströmten Herrschaftsgelüste und dergleichen gekommen, die noch heute eine so große Rolle spielen. Es hat sich auch in Rom herausgebildet dasjenige, was dann immer mehr und mehr die Kirche verflochten hat mit der weltlichen Herrschaft. Und dadurch sind dann die Zeiten des Mittelalters entstanden und so weiter.

[ 3 ] As you know, Rome’s original population came into being in a very peculiar way: chieftains—among whom the name Romulus has become particularly well-known—gathered together all the scoundrels in the surrounding area. All the ruffians from the surrounding area were summoned to Rome, and it was with them that the first Roman state of bandits was originally formed. This bandit mentality then continued under the first Roman kings. But very soon—already under the fourth and fifth kings—the settlement and immigration of a northern tribe, the Etruscans, began to make itself felt. These were, in turn, people—one might say—who then intermingled with the descendants of the bandits, and through this, a more humane trait found its way into Roman culture. But everything that later actually laid the foundation for Rome’s world domination—everything that has carried over into our own time in humanity’s lust for power—actually stems—and we must not delude ourselves about this—from this original colony of scoundrels, which was founded on the seven hills of Rome. It’s just that all sorts of things have been layered on top of it; the whole thing has, of course, been terribly refined, but one simply cannot understand how it all unfolded later on unless one knows that an original colony of bandits had been gathered there from the forests. From this, too, sprang all the lust for power and the like that spread throughout Europe and still play such a major role today. What also took shape in Rome was the process that increasingly intertwined the Church with secular rule. And that gave rise to the Middle Ages and so on.

[ 4 ] Nun, sehen Sie, im Anfange unserer Zeitrechnung geschah das Mysterium von Golgatha. Nicht wahr, die römische Herrschaft wurde begründet, wie ich es Ihnen jetzt geschildert habe, im 8. vorchristlichen Jahrhundert. Damals also, sieben Jahrhunderte nach Begründung der römischen Herrschaft, war aber diese Herrschaft weit ausgebreitet, bildete ganze Gebiete bis hinüber nach Asien. Auch da, wo das Mysterium von Golgatha stattfand, war die römische Herrschaft überall ausgebreitet. Die in Palästina wohnenden Juden, unter denen Jesus von Nazareth auftrat, waren auch unter der römischen Herrschaft. Es wird gut sein, nach alldem, was wir über das Mysterium von Golgatha gesprochen haben, auch ein wenig Rücksicht zu nehmen auf dasjenige, was sich eigentlich auf der italienischen Halbinsel seit ältesten Zeiten abgespielt hat.

[ 4 ] Well, you see, at the beginning of our era, the Mystery of Golgotha took place. As I have just described to you, Roman rule was established in the 8th century B.C. At that time, then—seven centuries after the establishment of Roman rule—that rule had spread far and wide, encompassing entire regions all the way to Asia. Even in the place where the Mystery of Golgotha took place, Roman rule was widespread. The Jews living in Palestine, among whom Jesus of Nazareth appeared, were also under Roman rule. After all we have said about the Mystery of Golgotha, it would be good to also give some consideration to what has actually been taking place on the Italian Peninsula since the earliest times.

[ 5 ] Es ist tatsächlich so, daß man sagen muß : Europa versteht eigentlich nur noch dasjenige, was bis ins Römertum zurückgeht. Unsere sogenannten gebildeten Leute haben zwar immer Griechisch gelernt, aber vom Griechentum ist eigentlich in Europa sehr wenig verstanden worden. Sehen Sie, es ist nun sehr interessant, daß hundert Jahre, nachdem das Mysterium von Golgatha stattgefunden hatte, einer der allerbedeutendsten römischen Schriftsteller, nämlich Tacitus, einen einzigen Satz über den Christus Jesus in seinem umfangreichen Geschichtswerke schreibt! Dieser Tacitus hat in einer Art, wie man überhaupt später gar nicht mehr schreiben konnte, zum Beispiel die alten Germanen, die Vorfahren der Deutschen geschildert, hundert Jahre nach dem Mysterium von Golgatha. In seinen Schriften findet sich über den Christus Jesus nur ein einziger Satz, der heißt: Der sogenannte Christus hat unter den Juden eine Sekte gegründet, und ist dann nach gerichtlichem Urteil hingerichtet worden. - Das nur hat der gebildete Römer Tacitus, hundert Jahre nachdem in Palästina das Christentum begründet worden ist, gesagt! Sie können sich also denken: Die Schiffe sind fortwährend hin- und hergefahren, alles mögliche an Handelsbeziehungen, ja auch an Beziehungen geistiger Art hat sich entwickelt, und in Rom hat man hundert Jahre später nicht mehr Notiz genommen vom Christentum als diese Notiz, daß da eine Sekte begründet worden ist und der Begründer nach richtigem gerichtlichem Urteil hingerichtet worden ist!

[ 5 ] It is indeed the case that one must say: Europe really only understands what dates back to Roman times. Our so-called educated people have, to be sure, always studied Greek, but very little of Greek culture has actually been understood in Europe. You see, it is very interesting that a hundred years after the Mystery of Golgotha took place, one of the most significant Roman writers, namely Tacitus, wrote a single sentence about Jesus Christ in his extensive historical works! This Tacitus, in a style that later writers were simply unable to emulate, described, for example, the ancient Germanic tribes—the ancestors of the Germans—one hundred years after the Mystery of Golgotha. In his writings, there is only a single sentence about Christ Jesus, which reads: “The so-called Christ founded a sect among the Jews and was then executed following a court verdict.” - That is all the educated Roman Tacitus said, one hundred years after Christianity was founded in Palestine! So you can imagine: Ships were constantly sailing back and forth; all manner of commercial relations—and indeed, spiritual connections as well—had developed; and yet, a hundred years later in Rome, the only mention made of Christianity was this brief note stating that a sect had been founded there and that its founder had been executed following a proper judicial verdict!

[ 6 ] Nun, dazu kommt allerdings, daß bei den Römern, trotzdem man das Römische Reich noch nicht einen Staat nennen kann - der richtige Begriff des Staates kommt eigentlich erst im 16. Jahrhundert in Europa auf -, aber schon, ich möchte sagen, die staatliche Gesinnung da ist. Eigentlich ist aus dem Römertum herausgewachsen dasjenige, was dann Staatsgesinnung geworden ist. Man kann also sagen: Tacitus war schon von solcher Staatsgesinnung durchdrungen, daß ihm als das Wichtigste an dem Christus Jesus erschienen ist, daß er nach richtigem gerichtlichem Urteil hingerichtet worden ist. Das ist das eine.

[ 6 ] Well, what must be added, however, is that among the Romans—even though the Roman Empire cannot yet be called a state (the proper concept of the state did not actually emerge in Europe until the 16th century)—there was, I would say, already a sense of statehood. In fact, what later became a sense of statehood grew out of Roman culture. So one can say: Tacitus was already so imbued with this sense of statehood that what struck him as most important about Jesus Christ was that he had been executed following a proper judicial verdict. That is one thing.

[ 7 ] Dann aber müssen Sie bedenken: Das Christentum war anfangs durchaus nicht so, wie es sich später herausgebildet hat. Das Christentum hatte ursprünglich einen wirklich freien Zug. Und man kann schon sagen: Es waren die verschiedensten Ansichten da, die nur sich alle darinnen fanden, daß sie in dem Christus Jesus etwas Besonderes sahen; aber sie haben sonst die verschiedensten Ansichten gehabt.

[ 7 ] But then you must consider this: Christianity was by no means, in the beginning, what it later became. Christianity originally had a truly free spirit. And one can certainly say: There were a wide variety of views, all of which agreed only in that they saw something special in Christ Jesus; but otherwise, they held the most diverse views.

[ 8 ] Nun, meine Herren, Sie werden nur verstehen, was eigentlich mit dem Christus Jesus in die Welt gekommen ist, und warum es letzthin notwendig war, daß ich Sie hinwies darauf, wie die ErdenUmwelt einen Einfluß auf die Erde hat, selbst in der Sprache, Sie werden es nur verstehen, wenn ich jetzt versuche, Ihnen zu zeigen, wie eigentlich als Lehre, als Ansicht, als Weltansicht, als Lebensansicht das Christentum sich gebildet hat und wie der Christus Jesus in diese Bildung des Christentums eingegriffen hat. Es ist doch etwas ganz Besonderes, zu sehen: Da in Jerusalem, da wird das Christentum begründet; hundert Jahre darnach weiß der gebildetste Römer noch nicht mehr von ihm, als was ich Ihnen gesagt habe! Aber fortwährend wandern die Leute jetzt auch von Asien durch Afrika nach Italien hinüber. Und unter der Oberfläche, möchte ich sagen, dessen, was man in Rom als Menschheit betrachtet, breitet sich diese christliche Sekte aus. Und als der Tacitus das, was ich Ihnen sagte, schrieb, da waren in Rom die Christen, die Christianer, wie man sie nannte, schon längst da unter dem Volk, um das sich ein vornehmer Römer nicht kümmerte, ausgebreitet.

[ 8 ] Well, gentlemen, you will only understand what it actually means that Christ Jesus came into the world, and why it was ultimately necessary for me to point out to you how the Earth’s environment influences the Earth, even in language, you will only understand it if I now try to show you how Christianity actually took shape as a doctrine, a perspective, a worldview, and a way of life—and how Christ Jesus intervened in the formation of Christianity. It is, after all, quite remarkable to observe: Christianity is founded there in Jerusalem; a hundred years later, even the most educated Roman knows no more about it than what I have told you! But people are now constantly migrating from Asia through Africa to Italy. And beneath the surface, so to speak, of what is regarded as humanity in Rome, this Christian sect is spreading. And when Tacitus wrote what I told you, the Christians—the “Christianers,” as they were called—had long since been present among the common people in Rome, a group that a distinguished Roman paid no attention to.

[ 9 ] Aber was tat man denn mit den Christen? Ja, sehen Sie, die Nachkommen Romulus’, des Räubers, die waren mit der Zeit auch auf einem Standpunkt angekommen, wo sie «recht gebildet» geworden waren. Nämlich ihre Bildung bestand darinnen, daß sie unter anderem große Arenen bauten; da fanden Kämpfe mit wilden Tieren statt. Man hatte eine große Lust, diejenigen, die nicht im römischen Sinne zur Menschheit gerechnet wurden, den wilden Tieren vorzuwerfen und sich zu ergötzen daran, wie sie aufgefressen wurden, nachdem sie mit ihnen erst kämpfen mußten. Das war ein «feiner» Genuß zum Beispiel. Nun, die verachtete Sekte der Christen eignete sich da ganz besonders dazu, von den wilden Tieren aufgefressen zu werden, als man in Rom so dachte, wie ich es Ihnen angedeutet habe; sie eigneten sich auch ganz besonders gut dazu, mit Pech angestrichen zu werden, so daß man sie anzünden konnte und dann als Fakkeln im Zirkus ansehen konnte. Aber die Christen fanden Möglichkeiten, trotzdem zu leben. Und das konnten sie dadurch erreichen, daß sie unbemerkt ihre Zeremonien und so weiter abhielten. Das, was sie für das Richtige hielten zur Verbreitung, das verbreiteten sie unter der Erde, in den Katakomben. Katakomben sind weite Räume unter der Erde. In diesen weiten Räumen unter der Erde gruben die Christen diejenigen Toten ein, die sie gern hatten. Da waren die Gräber, und auf den Gräbern wurden die Gottesdienste, die gottesdienstlichen Handlungen abgehalten. - Das war überhaupt Sitte in der Zeit, daß man über den Gräbern die gottesdienstlichen Handlungen hielt. Daher können Sie heute noch sehen, wenn Sie sich einen Altar in einer katholischen Kirche anschauen: das ist ja in Wirklichkeit eine Grabstätte (es wird gezeichnet), und dadrinnen sind zum Beispiel noch sogenannte Reliquien, die Gebeine von Heiligen und so weiter. In der ältesten Zeit war der Altar überhaupt ein wirklicher Grabstein, und darauf hielt man die gottesdienstlichen Handlungen ab. Aber unter der Erde, in diesen Katakomben, konnten die Christen in den ersten Jahrhunderten verbergen, was sie zu tun hatten.

[ 9 ] But what did they do with the Christians? Well, you see, the descendants of Romulus, the bandit, had eventually reached a point where they had become “well-educated.” Namely, their “civilization” consisted, among other things, in building large arenas where fights with wild animals took place. People took great pleasure in throwing those who were not considered human in the Roman sense to the wild animals and in reveling in watching them get devoured after first having to fight them. That was a “refined” pleasure, for example. Well, the despised sect of Christians was particularly well-suited to being devoured by wild animals, given that people in Rome thought the way I have indicated to you; they were also particularly well-suited to being coated with pitch so that they could be set on fire and then viewed as torches in the circus. But the Christians found ways to survive nonetheless. And they were able to do so by holding their ceremonies and the like in secret. Whatever they considered right to spread, they spread underground, in the catacombs. Catacombs are vast underground chambers. In these vast underground chambers, the Christians buried the dead whom they loved. There were the graves, and on top of the graves, the religious services—the liturgical rites—were held. - It was a common custom at the time to hold liturgical services above the graves. That is why, even today, when you look at an altar in a Catholic church, you can see that it is, in fact, a burial site (it is depicted), and inside it there are, for example, so-called relics—the bones of saints and so on. In the earliest times, the altar was actually a real gravestone, and liturgical rites were performed on it. But underground, in these catacombs, Christians in the first centuries were able to conceal what they had to do.

[ 10 ] Und wenn man ein paar Jahrhunderte später schaut, dann verändert sich das Bild ganz bedeutend. Da geschieht das Folgende. Sehen Sie, die Römer, die saßen in den ersten Jahrhunderten nach der Begründung des Christentums oben und ergötzten sich so, wie ich es Ihnen erzählt habe, und unten in den Katakomben saßen die Christen. Nach ein paar Jahrhunderten sind die Römer verschwunden gewesen, und die Christen traten die Weltherrschaft an. Ob sie es besser gemacht haben oder schlechter, das wollen wir bei einer anderen Gelegenheit besprechen; aber sie traten die Weltherrschaft an. Und das ist dasjenige, was dem Christentum gerade zum größten Schaden gereicht hat, daß es verbunden wurde mit der Weltherrschaft; denn das religiöse Leben verträgt eben immer weniger in der Weltgeschichte die Verquickung mit der äußeren Staats- und Weltherrschaft.

[ 10 ] And if you look a few centuries later, the picture changes quite significantly. Here’s what happened. You see, in the first few centuries after the founding of Christianity, the Romans were up above, revelling as I’ve told you, while down in the catacombs were the Christians. After a few centuries, the Romans had disappeared, and the Christians assumed world domination. Whether they did better or worse, we’ll discuss that on another occasion; but they assumed world domination. And that is precisely what has done the greatest harm to Christianity—that it became linked to world domination; for religious life, in the course of world history, is increasingly unable to tolerate this entanglement with external state and world domination.

[ 11 ] Die Sache ist nun die folgende: Die Bildung des Christentums, die Teilnahme des Christus Jesus an der Bildung des Christentums kann man nur verstehen, wenn man weiß, wie das religöse Leben, das überhaupt alles durchdrungen hat, in den alten Zeiten war. Ich habe Ihnen schon gesagt: da bestanden in den alten Zeiten die sogenannten Mysterien. Nun, sehen Sie, die Mysterien, die waren - wenn ich ein modernes Wort gebrauchen würde, würde man sagen Anstalten -, die Mysterien waren die Anstalten, wo man alles, was überhaupt ein Mensch lernen konnte, lernte. Aber sie waren zugleich die Religionsanstalten und die Kunstanstalten. Alles geistige Leben ging von den Mysterien aus. Und das Lernen war in den ältesten Zeiten nicht so wie es heute ist. Wie ist denn schließlich das Lernen heute? Das Lernen ist heute so, nicht wahr, daß man im Gymnasium oder in der Realschule eingedrillt wird; nachher macht man Universitätsjahre durch, und man ist dadurch kein anderer Mensch geworden. Aber in den Mysterien, dawurde man ein anderer Mensch. Da mußte man zu der ganzen Welt ein anderes Verhältnis gewinnen. In den Mysterien, da mußte man weise werden. Heute wird durch die Anstalten, die in der Welt sind, überhaupt kein Mensch mehr weise; er wird höchstens gelehrt. Aber zwei Dinge sind miteinander vereinbar, und zwei Dinge sind nicht miteinander vereinbar: Weisheit mit Dummheit ist nicht gut vereinbar, aber Gelehrtheit ist mit großer Dummheit sehr gut vereinbar. Also das ist es einmal: In den alten Mysterien wurden ja Weise gemacht; man wurde ein Mensch, der vom Geistigen durchdrungen war. Man wurde ein Mensch, der das Geistige ernst nehmen konnte. Und man mußte sieben Stufen durchmachen. Bis zu der höchsten Stufe kamen die wenigsten Leute. Diese sieben Stufen, die hatten Namen, die man erst verstehen muß, damit man weiß, was die Menschen, die auf diesen Stufen waren, zu tun hatten.

[ 11 ] The matter is this: The formation of Christianity—and the role of Christ Jesus in that formation—can only be understood if one knows what religious life, which permeated absolutely everything, was like in ancient times. As I have already told you, in ancient times there were the so-called Mysteries. Well, you see, the Mysteries—if I were to use a modern term, one might call them “institutions”—the Mysteries were the institutions where people learned everything a human being could possibly learn. But they were at the same time religious institutions and artistic institutions. All spiritual life sprang from the Mysteries. And learning in the earliest times was not like it is today. What, after all, is learning like today? Learning today is such that—isn’t it true—one is drilled in high school or middle school; afterward, one goes through years at the university, and yet one has not become a different person as a result. But in the Mysteries, there one became a different person. There, one had to develop a different relationship to the whole world. In the Mysteries, one had to become wise. Today, through the institutions that exist in the world, no one becomes wise at all; at most, one becomes learned. But two things are compatible with one another, and two things are not compatible: wisdom and stupidity are not very compatible, but learning is very compatible with great stupidity. So that is one thing: In the ancient Mysteries, people were indeed made wise; one became a person imbued with the spiritual. One became a person who could take the spiritual seriously. And one had to pass through seven stages. Very few people reached the highest stage. These seven stages had names that one must first understand in order to know what the people on these stages were supposed to do.

[ 12 ] Wenn man dasjenige übersetzt, was der zu tun hatte, der in die Mysterien zuerst aufgenommen wurde, so kommt man auf den Ausdruck «Rabe». Also die erste Stufe waren die sogenannten Raben. Wer also aufgenommen wurde in die Mysterien, der wurde ein Rabe. Was hatte der Rabe zu tun? Nun, der Rabe, der hatte dies zu tun, daß er vor allen Dingen den Verkehr vermittelte zwischen der Außenwelt und den Mysterien. Zeitungen gab es ja dazumal noch nicht. Die ersten Zeitungen sind erst Jahrtausende später entstanden, als die Buchdruckerkunst gekommen war. Diejenigen, die in den Mysterien ihren Lehrberuf hatten, die mußten sich unterrichten durch vertrauensvolle Leute, die sie hinausschicken konnten und die die Welt beobachteten. Also man könnte auch sagen, die Raben waren einfach die Vertrauensleute derjenigen, die in den Mysterien waren. Und das mußte man zuerst lernen, wirklich ein Vertrauensmann zu sein. Heute werden viele Leute, insbesondere bei Parteien und so weiter, als Vertrauensleute angestellt, aber man frägt sich, ob diese Vertrauensleute auch immer vertrauenswürdig sind! Diejenigen, die hier - in den Mysterien - als Raben angestellt wurden, wurden nur dann, wenn sie ausgeprobt waren, als Vertrauensleute betrachtet. Sie mußten vor allen Dingen lernen, dasjenige, was sie sahen, recht ernst zu nehmen und es der Wahrheit gemäß in den Mysterien berichten. Also man mußte in jener Zeit auch erst lernen, was eigentlich die Wahrheit im Menschen bedeutet. Man kann gewiß sagen: Weniger verlogen als heute die Menschen sind, waren schon die Menschen im Altertum auch nicht. Aber heute trägt man die Verlogenheit überall hinein, dazumal aber mußte man erst lernen, ein wahrer Mensch zu sein. Und das mußte man sich aneignen, wenn man jahrelang Rabe war, ein Vertrauensmann der Mysterien.

[ 12 ] If one translates what the person who was first initiated into the Mysteries was supposed to do, one arrives at the term “raven.” So the first level consisted of the so-called ravens. So whoever was initiated into the Mysteries became a raven. What was the raven’s role? Well, the raven’s task was, above all, to facilitate communication between the outside world and the Mysteries. After all, there were no newspapers back then. The first newspapers didn’t appear until millennia later, when the art of printing was invented. Those who taught in the Mysteries had to rely on trusted individuals whom they could send out to observe the world. So one could also say that the Ravens were simply the trusted representatives of those within the Mysteries. And the first thing one had to learn was how to truly be a trusted representative. Today, many people—especially in political parties and the like—are hired as trusted representatives, but one wonders whether these representatives are always trustworthy! Those who were appointed here—in the mysteries—as ravens were only regarded as trusted representatives once they had been tested. Above all, they had to learn to take what they saw very seriously and to report it truthfully within the mysteries. So in those days, one also had to first learn what the truth actually means in a human being. One can certainly say: People in antiquity were no less dishonest than people are today. But today, dishonesty permeates everything; back then, however, one first had to learn to be a true human being. And one had to master this by spending years as a raven, a trusted representative of the Mysteries.

[ 13 ] Die zweite Stufe nun, die ist etwas, was dem heutigen Menschen ganz unsympathisch ist: die zweite Stufe ist diejenige der sogenannten «Okkulten». Okkult heißt: verborgen, geheim. Die wurden nicht mehr ausgeschickt, sondern die hatten jetzt durch eine gewisse Zeit hindurch etwas zu lernen, was der moderne Mensch nicht gern lernt, nämlich Schweigen. Und das war eine Lehrstufe in diesen alten Mysterien, das Schweigen zu lernen. Ja, es wird Ihnen selber ganz grotesk vorkommen, ganz spaßig vorkommen, daß man da durch ein Jahr mindestens, auch länger, einfach schweigen mußte! Aber es ist wahr. Durch das Schweigen lernt man ungeheuer viel; furchtbar viel lernt man durch das Schweigen. Heute ist das ja nicht mehr durchführbar. Denn denken Sie, wenn in unseren Schulen auferlegt würde - was wirklich ganz nützlich wäre zum Erreichen der Weisheit - den jungen Leuten zwischen dem achtzehnten und zwanzigsten Jahre, ein Jahr zu schweigen, statt zum Militär zu kommen, dann würden sie allerdings durch dieses Schweigen furchtbar weise werden! Doch man kann das heute nicht mehr durchführen. Aber etwas anderes ist schon durchführbar. Gewiß, man kann den Leuten das nicht abgewöhnen, die wollen heute nicht schweigen, sondern schwätzen, und jeder Mensch weiß alles sehr gut, und wenn man einen Menschen heute trifft, so hat er vor allen Dingen dasjenige, was man einen Standpunkt nennt. Jeder hat einen Standpunkt. Natürlich hat jeder einen Standpunkt; aber von jedem Standpunkt aus sieht auch die Welt anders aus, und das ist demjenigen, der das Leben kennt, nichts Neues, ganz selbstverständlich: Wenn Sie hier stehen, schaut dieser Berg anders aus, als wenn Sie drüben stehen würden. $o ist es auch im geistigen Leben. Jeder hat seinen Standpunkt und jeder kann etwas anderes sehen. Und wenn ein Dutzend Menschen beisammen sind, nun, heute haben sie natürlich dreizehn Meinungen! Das ist nicht notwendig. Aber daß sie zwölf Standpunkte haben, das braucht einen nicht zu verwundern; nur muß man das auch nicht für so wichtig nehmen. Aber es nimmt jeder seinen eigenen Standpunkt für sich meistens sehr wichtig, furchtbar wichtig! Früher aber mußten die Leute in den Mysterien über dasjenige, was sie lernen sollten, einfach schweigen, nur Zuhörer durften sie sein. Man konnte sie im Okkulten nur «Zuhörer» nennen, weil sie zuhören mußten. Heute nennt man nämlich diejenigen, die an unsere Hochschulen kommen - indem man das «Zu» weggelassen hat -, «Hörer», nicht mehr Schüler. Aber sie sind oftmals nicht mehr Hörer, sondern sie sind Schwätzer. Und mancher betrachtet auch das Schwätzen mit den Kameraden für viel wichtiger als das Zuhören in den Hörsälen. Manchmal ist auch das Zuhören nicht mehr dasjenige, was besonderen Ernst hervorbringt. - Nun, das war die zweite Stufe. Da konnten die Leute das Schweigen lernen. Und im Schweigen prägt sich besonders stark aus - wie Ursache und Wirkung hängt das zusammen -, daß das Innere des Menschen anfängt, zu ihm zu reden. Da kommt der Mensch eben darauf. Denken Sie sich, Sie haben ein Bassin mit Wasser; wenn Sie nun einen Schlauch anlegen und das Wasser, das im Bassin ist, ableiten, dann rinnt eben das Wasser fort - wenn es keine Quelle ist, sondern nur ein Bassin -, und es ist nichts mehr drinnen. Und so ist es, wenn der Mensch fortwährend schwätzt: da rinnt alles mit den Worten nach außen, da bleibt nichts drinnen. Das haben die Alten eingesehen, und deshalb waren ihre Zuhörer zunächst zum Schweigen bestimmt. Also nachdem man sich angewöhnt hatte, die Wahrheit zu schätzen, lernte man das Schweigen; erst dann lernte man das Schweigen.

[ 13 ] The second stage, now, is something that is quite unappealing to people today: the second stage is that of the so-called “occultists.” “Occult” means hidden, secret. They were no longer sent out; instead, for a certain period of time, they had to learn something that modern people do not like to learn—namely, silence. And learning silence was a stage of instruction in these ancient mysteries. Yes, it will seem quite grotesque to you, quite ridiculous, that one had to simply remain silent for at least a year—or even longer! But it is true. Through silence one learns an immense amount; one learns an incredible amount through silence. Today, of course, that is no longer feasible. Just imagine, if it were mandated in our schools—which would actually be quite useful for attaining wisdom—that young people between the ages of eighteen and twenty spend a year in silence instead of joining the military, then they would indeed become incredibly wise through this silence! Yet that can no longer be done today. But something else is indeed feasible. Certainly, you can’t break people of this habit; they don’t want to be silent today, but rather to chatter, and everyone knows everything very well, and when you meet a person today, the first thing they have is what is called a point of view. Everyone has a point of view. Of course, everyone has a point of view; but from every point of view, the world also looks different, and that is nothing new to those who know life—it’s perfectly natural: If you stand here, this mountain looks different than if you were standing over there. It’s the same in spiritual life. Everyone has their own point of view, and everyone can see something different. And when a dozen people are together—well, today they naturally have thirteen opinions! That’s not necessary. But the fact that they have twelve points of view shouldn’t surprise anyone; you just shouldn’t take it so seriously. But everyone usually takes their own point of view very seriously—terribly seriously! In the past, however, people in the Mysteries were simply required to remain silent about what they were to learn; they were allowed to be nothing more than listeners. In the occult, they could only be called “listeners” because they had to listen. Today, in fact, those who come to our universities—with the “Zu” omitted—are called “listeners,” no longer “students.” But they are often no longer listeners; rather, they are chatterers. And some even consider chatting with their peers to be far more important than listening in the lecture halls. Sometimes, even listening no longer inspires a sense of particular seriousness. - Well, that was the second stage. There, people could learn silence. And in silence, it becomes particularly clear—as cause and effect are interconnected—that a person’s inner self begins to speak to them. That’s when a person realizes it. Imagine you have a basin of water; if you now attach a hose and drain the water from the basin, then the water simply flows away—if it is not a spring but only a basin—and there is nothing left inside. And so it is when a person chatters incessantly: everything flows out along with the words, and nothing remains inside. The ancients understood this, and that is why their listeners were initially required to remain silent. So, after people had become accustomed to valuing the truth, they learned silence; only then did they learn silence.

[ 14 ] Und die dritte Stufe war diejenige, welche man nennen könnte, wenn man es übersetzen würde, die «Verteidiger». Jetzt durften die Leute zu reden anfangen. Jetzt durften sie die Wahrheit, die sie in den Mysterien gelernt hatten durch Schweigen, verteidigen. Namentlich war ihnen auferlegt die Verteidigung des Geistes. Die «Verteidigung» ist eben ein Wort, das schon gebraucht werden kann für diese dritte Stufe. Es mußten diejenigen, die dieser dritten Stufe angehörten, eben schon so viel wissen, daß das, was sie sagen konnten über das Geistige, Gewicht hatte, richtiges Gewicht hatte, Also man durfte nicht einfach in diesen Mysterien reden über den Geist, sondern man mußte es erst gelernt haben und erst richtiger Verteidiger geworden sein. Dann stieg man zu der vierten Stufe auf.

[ 14 ] And the third stage was the one that, if translated, could be called the “Defenders.” Now the people were allowed to begin speaking. Now they were allowed to defend the truth they had learned in the Mysteries through silence. Specifically, they were charged with defending the Spirit. “Defense” is indeed a word that can already be used for this third stage. Those who belonged to this third stage had to know enough that what they said about the spiritual realm carried weight—real weight. Thus, one was not simply allowed to speak about the spirit in these mysteries; one first had to have learned it and become a true defender. Then one ascended to the fourth stage.

[ 15 ] Die vierte Stufe, man kann sie übersetzen mit «Löwe». So wird es gewöhnlich übersetzt. Noch besser würde es sein, zu übersetzen mit dem Worte «Sphinx». Sphinx ist ein Wort, das ungefähr bedeutet, selber schon ein Geist geworden sein. Man geht natürlich noch mit menschlichem Leibe herum, aber man benimmt sich unter den Menschen, wie sich Götter benehmen. Die Menschen im Altertum haben gar nicht den großen Unterschied gemacht zwischen Menschen und Göttern, sondern in den Mysterien wurde man eben ein Gott nach und nach. Das ist der ungeheuer viel freiere Standpunkt der Alten. Die Neueren, ja, die sehen die Götter überall über der Menschheit stehen. So war aber nicht die Ansicht der Alten. Heute sagt man ja: Gut, der Mensch stammt vom Affen ab. - Der berühmte Naturforscher Du Bois-Reymond hat sogar den Ausspruch getan, es habe einmal ein riesiger Sprung in der Naturentwickelung zwischen dem Menschenaffen und dem Menschen stattgefunden, ein riesiger Sprung sogar in der Vergrößerung des Gehirns. Das Gehirn wurde plötzlich größer als beim Menschenaffen. - Sehen Sie, es ist ein merkwürdiger Ausspruch von einem heutigen Gelehrten! Denn man müßte eigentlich annehmen, daß, wenn er sagt, daß das Gehirn des heutigen Menschen viel größer ist als das vom Menschenaffen, er den Menschenaffen seziert hätte und wüßte, wie groß dessen Gehirn war. Aber wenn Sie wiederum nachlesen, so werden Sie finden, daß diese Gelehrten sagen mußten: Der Menschenaffe ist noch gar nicht entdeckt in Wirklichkeit! - Also der berühmte Naturforscher Du Bois-Reymond, der sprach über dasjenige, was noch gar nicht entdeckt ist, was noch keiner gesehen hat: vom Menschenaffen, der noch ein viel kleineres Gehirn hat als der Mensch. Mit solcher «Gewissenhaftigkeit» bildet man heute Wissenschaft aus. Und die Menschen denken gar nicht daran, daß der berühmte Naturforscher Du Bois-Reymond von etwas redet, von dem er nie etwas gesehen hat, sondern sie denken: Oh, das ist der berühmte Naturforscher, der weiß ja alles! - denn leichtgläubig ist heute die Menschheit viel mehr, als die Alten waren.

[ 15 ] The fourth stage can be translated as “Lion.” That is how it is usually translated. It would be even better to translate it as “Sphinx.” Sphinx is a word that roughly means to have become a spirit in one’s own right. Of course, one still walks around in a human body, but among humans, one behaves as gods behave. The people of antiquity did not make a great distinction between humans and gods; rather, in the mysteries, one gradually became a god. That is the immensely freer perspective of the ancients. Modern people, however, see the gods as standing above humanity everywhere. But that was not the view of the ancients. Today people say: Well, humans are descended from apes. — The famous naturalist Du Bois-Reymond even went so far as to say that there was once a huge leap in natural evolution between the great ape and humans—a huge leap even in the enlargement of the brain. The brain suddenly became larger than that of the great ape. - You see, that’s a strange statement from a modern scholar! For one would actually have to assume that, if he says the brain of modern humans is much larger than that of the great ape, he must have dissected a great ape and known how large its brain was. But if you look it up again, you’ll find that these scholars had to say: The great ape hasn’t actually been discovered yet! —So the famous naturalist Du Bois-Reymond spoke about something that hadn’t even been discovered yet, something no one had ever seen: the great ape, which still has a much smaller brain than humans. With such “conscientiousness” is science conducted today. And people don’t even stop to think that the famous naturalist Du Bois-Reymond is talking about something he has never seen, but instead they think: “Oh, that’s the famous naturalist—he knows everything!”—for humanity today is far more gullible than the ancients were.

[ 16 ] Nun also, die Alten hatten durchaus die Meinung, daß der Mensch sich entwickeln kann bis zum göttlichen Bewußtsein hin.

[ 16 ] Well then, the ancients certainly believed that human beings can develop to the point of divine consciousness.

[ 17 ] Derjenige, der auf der vierten Stufe war, der ein Sphinx war, der redete nun nicht mehr wie ein Verteidiger der dritten Stufe, sondern der redete in einer Sprache, in der er sich so ausdrückte, daß man ihn eigentlich schwer verstand; man mußte erst nachdenken, wie er zu verstehen ist. Von dieser Sprache, die da von den Sphinxen geredet worden ist, kann sich der heutige Mensch schwer eine Vorstellung machen, weil er gar nicht mehr richtig die Sache ansieht, wie sie da angesehen worden ist. Aber noch im Mittelalter, zum Beispiel noch im 17. Jahrhundert, also das ist erst zweihundert Jahre zurück, da war noch etwas vorhanden als eine Überlieferung von jener Sprache. So zum Beispiel gab es dazumal, vor zwei Jahrhunderten, sogenannte Rosenkreuzerschulen. Da sprachen auch gewisse Eingeweihte in einer Sprache, die etwas verhüllt war und die man erst studieren mußte; namentlich sprachen sie in einer bildhaften Sprache. Und so finden Sie zum Beispiel noch vor zwei Jahrhunderten ein Bild - das wird Sie vielleicht interessieren -, das überall den Menschen etwas erklären sollte. Dieses Bild war (es wird gezeichnet): eine menschliche Gestalt mit einem Löwenhaupt, und hier daneben eine menschliche Gestalt mit einem Ochsenkopf. Man sagte unter denjenigen Leuten, die man unterrichten wollte, indem man die Beziehung zwischen diesen zwei Wesen ausdrücken wollte, «das Wesen mit dem Ochsenkopf, das Wesen mit dem Löwenkopf» - man meinte Mann und Weib. Aber man sprach nicht die zwei Worte Mann und Weib, sondern man sagte: das Wesen mit dem Ochsenkopf -, und meinte den Mann; und man sagte: das Wesen mit dem Löwenkopf -, und meinte die Frau, weil man in der Beziehung zwischen Ochs und Löwe etwas sah, was die Beziehung war zwischen Mann und Frau. Heute erscheint das dem Menschen natürlich ganz paradox, spaßig; aber das hat sich als Überlieferung noch erhalten. Und die Sphinxe haben überall Tiernamen gebraucht, um deutlicher und charakteristisch dasjenige, was im Menschen lebt, zum Ausdruck zu bringen. Und in einer solchen Sprache, sehen Sie, womit man mehr aus dem Geistigen heraus redete, sprachen dann die Sphinxe. Die waren also schon so, daß sie mehr aus dem Geiste heraus redeten.

[ 17 ] The one who was on the fourth level—who was a sphinx—no longer spoke like a defender of the third level, but spoke in a language in which he expressed himself in such a way that it was actually difficult to understand him; one first had to think about how to interpret him. It is difficult for people today to form a mental image of this language spoken by the sphinxes, because they no longer view the matter in the same way it was viewed back then. But even in the Middle Ages—for example, as late as the 17th century, which was only two hundred years ago—there was still something remaining in the form of a tradition of that language. For example, back then—two centuries ago—there were so-called Rosicrucian schools. There, certain initiates also spoke in a language that was somewhat veiled and had to be studied first; specifically, they spoke in a figurative language. And so, for example, even two centuries ago, you’ll find an image—which might interest you—that was meant to explain something to people everywhere. This image was (it is drawn): a human figure with a lion’s head, and next to it a human figure with an ox’s head. Among the people they sought to instruct—by expressing the relationship between these two beings—they would say, “the being with the ox’s head, the being with the lion’s head”—meaning man and woman. But they did not use the two words “man” and “woman”; instead, they said, “the being with the ox’s head”—meaning the man—and they said, “the being with the lion’s head”—meaning the woman—because they saw in the relationship between the ox and the lion something that mirrored the relationship between man and woman. Today, of course, this seems quite paradoxical and amusing to people; yet this tradition has been preserved. And the sphinxes used animal names everywhere to express more clearly and characteristically what lives within human beings. And the sphinxes spoke in such a language—you see, one in which they spoke more from the spiritual realm. So they were already such that they spoke more from the spirit.

early Earthearly Earth

[ 18 ] Dann aber kam die fünfte Stufe. In der fünften Stufe waren diejenigen Menschen, die die Verpflichtung hatten, überhaupt nur noch aus dem Geiste heraus zu reden. Nun, man nannte sie, je nachdem sie dem oder jenem Volke angehörten, «Perser» oder «Inder» oder «Grieche». In Griechenland waren das erst die wirklichen Griechen. Denn man sagte sich so: Ja, wenn einer einem Volke angehört, so hat er seine Privatinteressen, dann will er das oder jenes, dann will er etwas anderes als einer, der einem andern Volk angehört! Erst wenn er so weit gekommen ist, daß er zu der fünften Stufe aufgestiegen ist, dann will er eigentlich nicht mehr etwas Besonderes, sondern er will dasjenige, was das ganze Volk will; das ist auch sein Interesse. Er ist so geworden wie der Geist des Volkes. Also, er ist ein Geist des Volkes geworden. Diese Geister des Volkes, die waren tatsächlich in den alten Mysterien, auch noch in Griechenland, sehr, sehr weise Leute. Sie haben nicht etwa gemeint: Wenn irgend etwas kommt, ich stelle mich hin und habe meinen Standpunkt, ich weiß alles -, sondern die haben sich, trotzdem sie schon zur fünften Stufe aufgestiegen waren, lange vorbereitet durch Übungen, um in irgendeiner Sache zum Urteil zu kommen. Sehen Sie, wenn heute einer ein Staatsmann ist, nun, dann wird im Reichstag vielleicht eine Interpellation eingebracht, und dann muß er antworten. Denken Sie sich einmal, wenn das so gemacht würde, wie es dazumal war! Wenn derjenige, der zu antworten hat, sagen würde: Ich muß erst acht Tage lang mich zurückziehen von der Welt, ganz zu mir kommen, um ein Urteil darüber zu haben - nun, ich möchte wissen, was die Reichstagsparteien, sagen wir, zu Herrn Stresemann sagen würden oder auch zu anderen Körperschaften, wenn ein Interpellant zur Antwort kriegen würde: Damit ich ein reifes Urteil habe über dasjenige, was Sie mich gefragt haben, muß ich mich erst acht Tage zurückziehen! - Aber das war dazumal so. Denn man glaubte dazumal an die geistige Welt, und man wußte: wenn man im Trubel des Lebens drinnen ist, da spricht die geistige Welt nicht; die geistige Welt spricht nur, wenn man sich zurückziehen kann. - Allerdings, man bekommt dann die Fähigkeit, sich auch zurückziehen zu können, wenn man mitten im Trubel der Welt drinnensteht; aber das muß man erst lernen. Und wenn man es gelernt hatte, stieg man in den alten Zeiten zu der sechsten Stufe auf.

[ 18 ] But then came the fifth stage. In the fifth stage were those people who were bound to speak solely from the spirit. Well, depending on which people they belonged to, they were called “Persians,” “Indians,” or “Greeks.” In Greece, these were the first true Greeks. For people reasoned as follows: Yes, if someone belongs to a particular people, he has his own private interests; he wants this or that; he wants something different from someone who belongs to another people! Only when he has reached the point where he has ascended to the fifth stage does he no longer actually want anything specific, but rather wants what the entire people want; that is also his interest. He has become like the spirit of the people. Thus, he has become a spirit of the people. These spirits of the people—who were, in fact, in the ancient mysteries, and even in Greece, very, very wise people—did not think: “When something comes up, I’ll stand my ground and state my position; I know everything.” Rather, even though they had already ascended to the fifth stage, they prepared themselves for a long time through exercises in order to reach a judgment on any given matter. You see, if someone is a statesman today, well, then perhaps an interpellation is brought before the Reichstag, and he must respond. Just imagine if things were done the way they were back then! If the person who has to answer were to say: “I must first withdraw from the world for eight days, gather my thoughts completely, in order to form a judgment on this”—well, I’d like to know what the Reichstag parties, let’s say, would say to Mr. Stresemann or to other bodies if an interpellant were to receive the following response: “In order to form a well-considered judgment on what you have asked me, I must first withdraw for eight days!”—But that’s how it was back then. For in those days people believed in the spiritual world, and they knew: when one is caught up in the hustle and bustle of life, the spiritual world does not speak; the spiritual world speaks only when one can withdraw. - Admittedly, one can eventually develop the ability to withdraw even while standing in the midst of the world’s turmoil; but that is something one must first learn. And once one had learned it, in ancient times one ascended to the sixth level.

[ 19 ] Die sechste Stufe, die war so, daß der Betreffende überhaupt nicht mehr einen irdischen Standpunkt hatte, auch nicht den des Volkes, sondern er sagte sich: Ich bin ein «Grieche», mein Bruder Eingeweihter drüben in der fünften Stufe in Assyrien ist ein «Assyrier, der weiter drüben wohnt, ist ein «Perser». Aber das ist ja alles ein einseitiger Standpunkt. Die Sonne kommt herüber über Persien nach Griechenland; die scheint über uns alle. - Und so wollten diejenigen, die in der sechsten Stufe Eingeweihte waren, nicht mehr von dem lernen, wasein Volk sagt, sondern sie wollten von dem lernen, was die Sonne sagt. Sie wurden «Sonnenmenschen» - nicht mehr Erdenmenschen, sondern Sonnenmenschen. Sehen Sie, solche Sonnenmenschen, die suchten alles vom Standpunkte der Sonne aus zu erforschen. Was dazumal alles gemacht worden ist, davon machen sich die heutigen Menschen gar nicht mehr einen Begriff, weil die heutigen Menschen gar nicht irgend etwas kennen von den Geheimnissen der Welt.

[ 19 ] The sixth stage was such that the person in question no longer had any earthly perspective at all—not even that of the people—but instead said to himself: “I am a ‘Greek’; my brother, the initiate over there in the fifth stage in Assyria, is an ‘Assyrian’; the one who lives further away is a ‘Persian.’ But that is all a one-sided point of view. The sun comes over from Persia to Greece; it shines upon us all. — And so those who were initiates at the sixth stage no longer wanted to learn from what a people says, but rather from what the sun says. They became “people of the sun”—no longer people of the earth, but people of the sun. You see, such “people of the sun” sought to explore everything from the sun’s perspective. People today have absolutely no concept of what was accomplished back then, because they know nothing at all about the mysteries of the world.

[ 20 ] Wenn man einen Einblick in solche Dinge haben will, dann muß man zum Beispiel folgendes überlegen. Zu mir kam vor einiger Zeit ein Mann, der sagte: Da ist doch ein merkwürdiges Buch erschienen, in diesem Buch wird nachgewiesen, daß die Evangelien nach einem Zahlenschlüssel geschrieben sind. Nämlich wenn irgendein Wort im Evangelium da ist, nehmen wir an den «Urbeginn» im JohannesEvangelium: «Im Urbeginn war das Wort. Und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort», dann, wenn man das Wort abteilt, und man bekäme heraus, irgendeine Abteilung ist zweimal so lang als die andere, und jedes Wort hat einen Zahlenwert: an der Stelle steht ein Wort, wo der Zahlenwert 50 ist, dann folgt 25, wiederum ein Wort, 50, wiederum ein Wort, 25. Und man kann ausrechnen, was für ein Wort an einer bestimmten Stelle stehen muß.

[ 20 ] If you want to gain insight into such matters, you need to consider the following, for example. Some time ago, a man came to me and said: “A strange book has been published; it proves that the Gospels were written according to a numerical code. Namely, whenever a certain word appears in the Gospel—let’s take the ‘beginning’ in the Gospel of John as an example: ‘In the beginning was the Word. And the Word was with God, and the Word was God”—then, if you divide the text into sections and find that one section is twice as long as the other, and each word has a numerical value: a word appears at a position where the numerical value is 50, followed by 25, then another word, 50, then another word, 25. And you can calculate what word must appear at a specific position.

[ 21 ] Nun ist es interessant, meine Herren, nachzusehen, wie solche Sachen stimmen. Nehmen wir also zum Beispiel irgendein Wort, sagen wir - ich will es Ihnen durch ein im Deutschen noch gebräuchliches Wort klarmachen -: nehmen wir das Wort Eva. Nehmen wir jetzt an, es hätte das E ebensolchen Wert wie eins, das v wie zwei, das a wie drei. Nehmen wir an, das wäre so. In alten Zeiten hatte jeder Buchstabe seinen Zahlenwert; er war nicht nur Buchstabe, sondern man wußte, wenn man zum Beispiel ein L hatte, so bedeutete das L diese oder jene Zahl. Sie können es ja bei den römischen Buchstaben noch verfolgen, wie die Zahlenwerte drinnen sind:

[ 21 ] Now, gentlemen, it is interesting to see how such things hold true. So let’s take any word as an example—let’s say—I’ll explain it to you using a word that’s still in common use in German—let’s take the word “Eva.” Now let’s assume that the “E” has the same value as one, the “v” as two, and the “a” as three. Let’s assume that were the case. In ancient times, every letter had its own numerical value; it wasn’t just a letter—people knew, for example, that if you had an “L,” that “L” stood for this or that number. You can still see this in the Roman letters, how the numerical values are embedded within them:

[ 22 ] I = eins, V = fünf, X = zehn

[ 22 ] I = one, V = five, X = ten

[ 23 ] es sind zugleich Buchstaben, aber die Buchstaben haben Zahlenwerte.

[ 23 ] They are also letters, but the letters have numerical values.

[ 24 ] Wir wollen nun einmal als Beispiel nehmen - es stimmt nicht mit 1, 2, 3 für Eva, aber als Beispiel, um es klarzumachen, können wir es so annehmen

[ 24 ] Let's take an example—it doesn't add up to 1, 2, 3 for Eva, but to make the point clear, we can assume it's like this

[ 25 ] 1 2 3 = Eva

[ 25 ] 1 2 3 = Eva

[ 26 ] ist die Mutter alles Lebendigen. Jetzt drehen wir es um:

[ 26 ] is the mother of all living things. Now let's turn it around:

[ 27 ] 3 2 1

[ 27 ] 3 2 1

[ 28 ] Ja, dann kriegen wir das Worte Ave, welches das Ende des Lebens bedeutet. Auseinandergehend, von rückwärts aus, umgekehrt gelesen:

[ 28 ] Yes, then we get the word “Ave,” which means the end of life. Broken down, read backward, or in reverse:

[ 29 ] Going in opposite directions, read in reverse from the back:

[ 29 ] Going in opposite directions, read in reverse from the back:

[ 30 ] 1 2 3 = Eva; 3 2 1 = ave

[ 30 ] 1 2 3 = Eva; 3 2 1 = ave

[ 31 ] So kann man, wenn man die Zahlen verändert, überall finden, wie Zahlen und Buchstaben übereinstimmen.

[ 31 ] So, if you change the numbers, you can find examples everywhere of how numbers and letters correspond.

[ 32 ] Und so gibt es einen Zahlenschlüssel. Und man kann sagen: Jetzt wollen wir uns einmal die erste Zeile des Johannes-Evangeliums ansehen. Das sind diese Zahlen. Schauen wir uns die zweite an: da sind die Zahlen nur umgestellt, und daß sie umgestellt sind, bedeutet etwas. - Sehen Sie, über solche Sachen sind die Leute heute sehr verwundert. Aber, meine Herren, ich habe einen Mann gekannt - er heißt Louvier -, der hat sich auf die «Sphinx» gestürzt: «Das Rätsel ist gelöst»; er hat den Goetheschen «Faust» nach diesem Zahlenverhältnis behandelt, und es hat auch gestimmt. - Goethe hat gar nicht daran gedacht, nach irgendeinem Zahlengesetz seinen «Faust» zu dichten. Aber dennoch stimmt es, weil in jedem Dichten etwas zahlenmäßig drinnen ist. Aber wenn Sie sich bemühen, irgendeinem etwas zu sagen und ich gebe mir Mühe, einen Zahlenschlüssel zu gebrauchen, so kann ich ihn auf Ihr Sprechen auch anwenden; das liegt schon in der Rede selber. In Ihrem Sprechen waltet schon ein Geistiges. Und das, meine Herren, ist das Außerirdische: das gibt der Sonneneinfluß. Daher haben diese Sonnenmenschen die Geheimnisse der Sonne erforscht. Die Pyramiden zum Beispiel sind ja wahrlich nicht bloß deshalb gebaut worden, um Königsgräber zu sein, sondern die Pyramiden hatten ganz bestimmte Öffnungen, zu denen nur zu einer ganz bestimmten Zeit im Jahr der Sonnenstrahl hereinkommen konnte. Der Sonnenstrahl hat auf der Erde eine Figur beschrieben. Diese Figur haben sich diese Leute betrachtet, haben sich inspirieren lassen von dieser Figur. Dadurch haben sie die Geheimnisse des Sonnenlebens erforscht. Also solch ein Mensch, der Sonnenmensch geworden ist, konnte sagen, er richte sich überhaupt nicht mehr nach Irdischem, sondern er richte sich nach der Sonne. Und dann, wenn er eine Zeitlang Sonnenmensch gewesen ist und den Menschen dasjenige gelehrt hatte, was Außerirdisches ist, dann wurde er emporgehoben zu der Würde des «Vaters». Das war die höchste Würde, zu der wenige kamen. Das waren diejenigen, die ganz reif geworden sind, denen man gehorchte, folgte. Man gehorchte ihnen, weil sie erstens schon an Jahren alt geworden sind - denn bis man diese sieben Stufen durchgemacht hatte, war man wirklich auch an Jahren alt geworden -, und man gehorchte ihnen, weil sie Lebensweisheit hatten, und weil sie außerdem auch Weltweisheit hatten.

[ 32 ] And so there is a numerical code. And one might say: Now let’s take a look at the first line of the Gospel of John. These are the numbers. Let’s look at the second one: there, the numbers are simply rearranged, and the fact that they are rearranged means something. - You see, people today are very puzzled by such things. But, gentlemen, I knew a man—his name was Louvier—who threw himself into the “Sphinx”: “The riddle is solved”; he analyzed Goethe’s “Faust” according to this numerical ratio, and it turned out to be correct. - Goethe never even thought of writing his *Faust* according to any numerical law. Yet it still holds true, because there is something numerical inherent in all poetry. But if you try to say something to someone and I make an effort to use a numerical code, I can apply it to what you say as well; that is already inherent in the speech itself. There is already a spiritual element at work in your speech. And that, gentlemen, is the extraterrestrial aspect: it comes from the influence of the sun. That is why these “sun people” explored the mysteries of the sun. The pyramids, for example, were certainly not built merely to serve as royal tombs; rather, the pyramids had very specific openings through which a ray of sunlight could enter only at a very specific time of year. The ray of sunlight traced a figure on the earth. These people observed this figure and drew inspiration from it. Through this, they explored the mysteries of the sun’s life. So such a person, who had become a “sun person,” could say that he no longer oriented himself at all toward earthly matters, but rather toward the sun. And then, after he had been a “sun person” for some time and had taught people what is of a transcendent nature, he was elevated to the dignity of “Father.” This was the highest dignity, attained by only a few. These were the ones who had reached full maturity, those whom people obeyed and followed. People obeyed them, first of all, because they had grown old in years—for by the time one had passed through these seven stages, one had indeed grown old in years—and they obeyed them because they possessed wisdom of life, and because they also possessed worldly wisdom.

Mysterien:

1. Rabe
2. Okkulter: Zuhörer
3. Verteidiger - Verteidigung des Geistes
4. Sphinx
5. Griechen: Geist des Volkes
6. Sonnenmenschen
7. Vater

Mysteries:

1. Raven
2. Occultist: Listener
3. Defender - Defense of the Spirit
4. Sphinx
5. Greeks: Spirit of the People
6. Sun People
7. Father

[ 33 ] Nun, meine Herren, jetzt denken Sie sich einmal, daß der Christus Jesus, der Jesus von Nazareth, doch in einer Zeit lebte, in der drüben in Asien überall noch etwas gewußt wurde von diesen Mysterien. Und gewußt wurde zum Beispiel noch, daß es Menschen gibt, die Sonnenweisheit verkündeten. Und das, was der Jesus von Nazareth wollte, war, daß nicht mehr bloß in den Mysterien, sondern außerhalb der Mysterien die Menschen aufgeklärt werden konnten, daß den Menschen klargemacht wurde: Dasjenige, was die Sonne an den Menschen tut, das ist auch im Menschen schon gelegen, liegt in jedem Menschen. Und das ist das Allerwichtigste an dem Christus Jesus, daß er die Sonnenwahrheit ist und daß er das Sonnenwort, wie man es nannte, als etwas, was allen Menschen gemeinschaftlich ist, lehrt.

[ 33 ] Well, gentlemen, just imagine for a moment that Christ Jesus—Jesus of Nazareth—lived at a time when, over in Asia, people still knew something about these mysteries everywhere. And people still knew, for example, that there were people who proclaimed solar wisdom. And what Jesus of Nazareth wanted was for people to be enlightened not merely within the Mysteries, but outside of them as well—for it to be made clear to people: What the sun does for human beings is already present within the human being; it lies within every human being. And this is the most important thing about Christ Jesus: that he is the truth of the sun and that he teaches the “Word of the Sun,” as it was called, as something common to all human beings.

[ 34 ] Nun müssen Sie nur den großen Unterschied betrachten zwischen dem Christus Jesus und den anderen Sonnenmenschen. Wenn Sie das nicht auffassen, so werden Sie niemals zu einem Verständnis des Mysteriums von Golgatha kommen. Denn sehen Sie, die Sache ist doch so: Was mußte man denn in alten Zeiten tun, um ein Sonnenmensch zu werden? Man mußte zuerst Rabe werden, dann Okkulter, Verteidiger, Sphinx, Volksseele - dann konnte man zum Sonnenmenschen aufsteigen. Einen anderen Weg gab es nicht. Man mußte sich in die Mysterien aufnehmen lassen. Was tat der Jesus von Nazareth? Er ließ sich taufen, nach der Sitte der damaligen Juden im Jordan; und bei dieser Gelegenheit, also nachdem er nicht erst in den Mysterien gewesen war, ging ihm auf dieselbe Weisheit, die sonst die Sonnenmenschen hatten. Was konnte er also sagen? Er konnte sagen: Mir ist von der Sonne selber diese Weisheit gekommen. - Er war also der erste, der ohne die Mysterien in Beziehung zum Himmel getreten ist. Was hat denn der, der in den Mysterien ein Sonnenmensch gewesen ist, gesagt, wenn er zu dem, der auf der siebenten Stufe gestanden ist, hinaufgeblickt hat? Da hat er gesagt: Siehe, das ist der Vater. - Der stand auf dem Altar in weißem Gewand, im Priesterornat. Das war der Vater. Das war der «Vater» unter denjenigen, die in den Mysterien diese verschiedenen Stufen durchgemacht hatten. Der Christus Jesus hatte das nicht in den Mysterien durchgemacht, sondern er hatte es empfangen von der Sonne selber. Daher sagte er: «Mein Vater ist nicht auf Erden» - er meinte, nicht in den Mysterien -, «sondern mein Vater ist oben in der geistigen Welt.» Er wies also zuerst im eminentesten Sinne auf den Vater hin in der geistigen Welt. Der Christus Jesus wollte also die Menschen, die früher noch von der Erde aus alles Geistige empfangen hatten, hinweisen auf die Quellen des Geistigen im Außerirdischen selber. Daher hat man immer mißverstanden, was der Christus Jesus eigentlich gemeint hat. Denn, sehen Sie, man sagte zum Beispiel, der Christus Jesus habe gelehrt, daß nun die Erde zugrunde gehen werde, wie es hieß, und ein geistiges tausendjähriges Reich kommen werde, sehr bald. Die heutigen gescheiten Leute, die in ihrer Gescheitheit manchmal auch gegen die Alten wohlwollend sein wollen, auch gegen den Jesus wohlwollend sein wollen, die sagen: Nun ja, das hat der Jesus damals von seiner Zeit übernommen; er war eben auch ein Kind seiner Zeit und hat es übernommen.

[ 34 ] Now you need only consider the great difference between Christ Jesus and the other Sun-Beings. If you do not grasp this, you will never come to an understanding of the Mystery of Golgotha. For you see, the matter is this: What did one have to do in ancient times to become a Sun-Being? One first had to become a raven, then an occultist, a defender, a sphinx, and a folk-soul—only then could one ascend to become a Sun Being. There was no other way. One had to be initiated into the mysteries. What did Jesus of Nazareth do? He was baptized in the Jordan, according to the custom of the Jews of that time; and on that occasion—that is, without having first been through the mysteries—the same wisdom dawned upon him that the Sun Beings otherwise possessed. So what could he say? He could say: “This wisdom has come to me from the Sun itself.” - He was thus the first to enter into a relationship with heaven without having gone through the Mysteries. What, then, did the one who had been a Sun-being in the Mysteries say when he looked up at the one who stood on the seventh level? He said: “Behold, this is the Father.” - He stood on the altar in a white robe, in priestly vestments. That was the Father. That was the “Father” among those who had passed through these various stages in the Mysteries. Christ Jesus had not passed through this in the Mysteries, but had received it from the Sun itself. Therefore, he said: “My Father is not on earth”—he meant, not in the Mysteries—“but my Father is above in the spiritual world.” ” He thus first pointed to the Father in the spiritual world in the most exalted sense. Christ Jesus therefore wanted to direct people—who had previously received everything spiritual from the Earth—toward the very sources of the spiritual in the extraterrestrial realm itself. That is why people have always misunderstood what Christ Jesus actually meant. For, you see, it was said, for example, that Christ Jesus taught that the Earth would now come to an end, as it was said, and that a spiritual millennial kingdom would come very soon. Today’s intelligent people, who in their cleverness sometimes want to be sympathetic toward the ancients—and toward Jesus as well—say: Well, Jesus adopted that view from his own time; he was, after all, a child of his time and simply adopted it.

[ 35 ] Aber das ganze, was da die Leute reden, ist ein Unsinn; denn das tausendjährige Reich ist ja wirklich gekommen - nur hat es nicht so ausgeschaut, wie es sich die Menschen in der Welt vorgestellt haben, sondern die Sache war so: In alten Zeiten hatte man durch die Art, wie ich es Ihnen geschildert habe, von der geistigen Welt Begriffe bekommen, auch Erlebnisse bekommen. Das war so Sitte in alten Zeiten, wo die Menschen anders waren. Das hörte auf in der Zeit, in der der Christus Jesus lebte, und die Menschen mußten auf eine andere Weise zum Geiste kommen. Es mußte der Geist direkt gefunden werden. Das hat der Christus Jesus gemacht. Und wenn nicht der Christus Jesus das, was er gemacht, getan hätte, dann wäre die Menschheit ganz verkommen. Sinnlos wäre das Leben geworden. Das widerspricht nicht dem, daß in späterer Zeit gerade durch viele christliche Einrichtungen viel Sinnloses herausgekommen ist; aber das war ursprünglich natürlich nicht darin. Und die Menschen wären verdummt. Die Mysterien wären ebenso zugrunde gegangen, wie sie da zugrunde gegangen sind; aber die Menschen hätten nichts gewußt von dem, was in den Mysterien gelehrt worden ist. Denn, nehmen Sie jetzt den alten Sonnenmenschen. Was sagte man von dem Sonnenmenschen? Man wußte ja: Der weiß das, was vom Standpunkt der Sonne da ist; der ist für das Erdenleben gestorben. Man sprach von einem für das Erdenleben Gestorbenen, wenn man vom Sonnenmenschen sprach. Und deshalb wurde auch, bevor einer Sonnenmensch wurde, in den Mysterien immer eine Zeremonie vorgenommen, die Tod und Begräbnis nachmachte. Und der Christus Jesus hat Tod und Begräbnis äußerlich vor alle Welt hingestellt; und dasjenige, was mit dem Tode Christi geschehen ist, das war vor allen Leuten der Welt nur eine Wiederholung dessen, was im Kultus durch die Mysterien immer geschehen ist. Nur war es damals Mysteriengeheimnis und dann stand es auf Golgatha vor aller Welt da. Sehen Sie, es war wirklich mit dem Sonnenmenschen so, daß er für die Erde abgestorben war. Dadurch war er aber auch zwischendrinnen, zwischen der untergehenden Welt des Todes und der Welt der Auferstehung, der Welt des Ewigen.

[ 35 ] But everything people are saying about this is nonsense; for the Thousand-Year Kingdom has indeed come—only it did not look the way people in the world had created a mental image of it, but rather it was like this: In ancient times, people had gained insights into the spiritual world—and even had spiritual experiences—through the methods I have described to you. That was the custom in ancient times, when people were different. This came to an end during the time when Jesus Christ lived, and people had to find their way to the spirit in a different way. The spirit had to be found directly. That is what Jesus Christ did. And if Jesus Christ had not done what he did, then humanity would have completely degenerated. Life would have become meaningless. This does not contradict the fact that in later times, precisely through many Christian institutions, a great deal of meaninglessness emerged; but that was, of course, not part of it originally. And people would have become dull-witted. The mysteries would have perished just as they did; but people would have known nothing of what was taught in the Mysteries. For take, for example, the ancient Sun-Man. What was said about the Sun-Man? It was known, after all: He knows what exists from the perspective of the Sun; he has died to earthly life. When speaking of the Sun-Man, one spoke of one who had died to earthly life. And that is why, before anyone became a Sun-Man, a ceremony was always performed in the Mysteries that reenacted death and burial. And Christ Jesus presented death and burial outwardly before the whole world; and what happened with the death of Christ was, in the eyes of all the people of the world, merely a repetition of what had always taken place in the worship of the Mysteries. Only, back then it was a mystery, and then on Golgotha it stood there before the whole world. You see, it was truly the case with the Sun-Man that he had died for the Earth. But through this, he was also in between—between the passing world of death and the world of resurrection, the world of the Eternal.

[ 36 ] Manchmal erinnern Dinge an die alten Sachen, von denen man gar nicht mehr den Sinn merken kann. Denken Sie sich zum Beispiel, es wird in Rom eine Heiligsprechung vollzogen. Irgend jemand wird heilig gesprochen in Rom. Das ist eine große Zeremonie, wenn einer nach seinem vor Hunderten von Jahren stattgefundenen Tode heilig gesprochen wird. Wie vollzieht sich denn diese Zeremonie? Diese Zeremonie vollzieht sich so, daß zuerst auftritt der Advocatus Dei, der göttliche Verteidiger. Der hebt alle Eigenschaften hervor, die gut waren an dem Betreffenden, der heilig gesprochen werden soll. Und dann tritt auf der sogenannte Advocatus diaboli, der teuflische Ankläger; der hebt hervor alle die schlechten Eigenschaften, die der Heilige gehabt hat. Und zwischen diesen zweien wird dann entschieden - ich will nicht sagen, daß immer gerecht entschieden wird, aber es wird entschieden. Die Zeremonie wird heute noch ausgeführt. Wenn irgend jemand, wie die Jungfrau von Orleans zum Beispiel, heilig gesprochen wird, dann treten auf der Advocatus Dei und der Advocatus diaboli. Zwischen demjenigen, der alles Gute und dem, der alles Böse anführt, steht der Heilige selber, geistig. Sie wissen, dasjenige, was immer als Bild von Golgatha ausgeführt wird, ist: der Christus Jesus am Kreuz in der Mitte, daneben die beiden sogenannten Schächer, Räuber nennt man sie. Aber das Merkwürdige ist, daß der Christus zu dem einen sagt: «Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein.» Der geht also nach oben, und der andere geht nach unten. Das sind Luzifer und Ahriman - Advocatus Dei und Advocatus diaboli.

[ 36 ] Sometimes things remind us of old matters whose meaning we can no longer recall. Imagine, for example, that a canonization is taking place in Rome. Someone is being canonized in Rome. It is a grand ceremony when someone is canonized centuries after their death. How does this ceremony take place? It begins with the appearance of the Advocatus Dei, the divine defender. He highlights all the good qualities of the person who is to be canonized. Then the so-called Advocatus diaboli, the devil’s advocate, appears; he points out all the bad qualities that the saint possessed. And a decision is then made between these two—I won’t say that the decision is always just, but a decision is made. The ceremony is still performed today. Whenever someone, such as the Virgin of Orléans for example, is canonized, the Advocatus Dei and the Advocatus diaboli appear. Between the one who cites all that is good and the one who cites all that is evil stands the saint himself, in spirit. You know that the image always depicted at Golgotha is this: Jesus Christ on the cross in the center, flanked by the two so-called thieves, whom people call robbers. But the remarkable thing is that Christ says to one of them: “Today you will be with me in Paradise.” So one goes up, and the other goes down. These are Lucifer and Ahriman—Advocatus Dei and Advocatus diaboli.

[ 37 ] Und so war es auch mit dem alten Sonnenmenschen. Er machte Bekanntschaft mit Luzifer und Ahriman, mit demjenigen, was den Menschen hinaufziehen will in die geistige Welt, daß er ganz geistig wird - was für den Menschen auch nicht paßt -, und demjenigen, was den Menschen hinunterbringen will zum Irdischen, was wiederum für den Menschen nicht paßt, denn der Mensch gehört in die Zwischenstufe hinein.

[ 37 ] And so it was with the ancient Sun-Man. He became acquainted with Lucifer and Ahriman—with the one who seeks to draw humanity upward into the spiritual world so that it may become entirely spiritual—which is not suitable for humanity—and with the one who seeks to draw humanity downward into the earthly realm, which is likewise not suitable for humanity, for humanity belongs to the intermediate stage.

[ 38 ] Und so steht vor der ganzen Welt dasjenige da durch das Mysterium von Golgatha, was früher nur in den Mysterien drinnengestanden hat, und auch nur bildlich vollzogen wurde, denn man starb nicht wirklich. Man wurde da Vater. Der Christus stirbt wirklich. Aber er sagt: Mein Geist stirbt nicht; der geht zum Vater, weil der Vater jetzt nicht als der Urvater hier unten wirkt, sondern in der geistigen Welt wirkt. - Diese Anschauung ist ganz aus den Mysterien heraus gekommen. Und will man den Vaterbegriff haben, muß man ihn in den alten Mysterien suchen. Nur dann versteht man richtig, wie eigentlich das Christentum gebildet worden ist.

[ 38 ] And so, through the Mystery of Golgotha, what was once confined to the innermost depths of the Mysteries—and was performed only symbolically, for one did not actually die—now stands before the whole world. There, one became a father. Christ truly dies. But he says: My spirit does not die; it goes to the Father, because the Father is not now active here below as the Primordial Father, but is active in the spiritual world. — This view has emerged entirely from the mysteries. And if one wants to understand the concept of the Father, one must seek it in the ancient mysteries. Only then can one truly understand how Christianity actually came into being.

[ 39 ] Nun, sehen Sie, meine Herren, all dasjenige, was ich Ihnen da geschildert habe, das war drüben in Asien ganz gebräuchlich. Das hat noch hineingespielt in die Begründung des Christentums. Von dem haben schon die Griechen außerordentlich wenig gewußt, weil sie die äußere Kultur aufgebaut haben. Und erst das von einer Kolonie der Halunken abstammende Romulusvolk, das hat schon gar nichts gewußt davon; das kannte nur äußere Weltherrschaft. Das kannte so gut nur äußere Weltherrschaft, daß die römischen Cäsaren, die Imperatoren, ja sich äußerlich auch als Eingeweihte benommen haben; aber es war das in einer Zeit, wo die Mysterien schon verfallen waren. So zum Beispiel gibt es einen römischen Cäsar der allerersten Kaiserzeit, Caligula ist sein Name. Nun, sehen Sie, ein deutscher Historiker hat in den neunziger Jahren einmal den deutschen Kaiser Wilhelm beschreiben wollen; aber das konnte man nicht, weil das nicht ging; man wäre eingesperrt worden, wenn man das niedergeschrieben hätte! Da hat denn der gute Mann ein Büchelchen geschrieben, das hieß: «Caligula». Er beschrieb den römischen Caligula, aber jeder Zug paßte auf Wilhelm II.! Jeder Mensch, der etwas davon verstand, wußte: der Caligula, das ist unser Wilhelm II.; nur so konnte man es machen. Dieser Caligula war nun zu gleicher Zeit ein Eingeweihter, weil alles schon äußerlich geworden war. Natürlich konnte man, was die Raben zu tun hatten, wenn es nicht sehr ernst genommen wurde, durch das begreifen, was die Fürsten auch taten. So war Caligula ein Sonnenmensch geworden, aber natürlich nur äußerlich, so wie einer, nun, sagen wir, ein «General» ist, der mit fünf oder sechs Jahren sich Soldatengewänder anzieht. So war der Caligula ein Eingeweihter geworden. Er hatte nur das Äußere genommen. Aber er sollte ja sogar andere einweihen! Da ist ihm bei einer Zeremonie die Geschichte passiert, wo man den sinnbildlichen Schlag ausführt mit dem Schwert bei einem der Sphinxe, daß er den Betreffenden wirklich erschlagen hat mit dem Schwert! Aber das hat natürlich bei dem Cäsar nichts gemacht. Bei den Römern war das so geworden, daß alles schon äußerlich geworden war; die haben nichts mehr von alledem innerlich verstanden. Kein Wunder, daß sie das Christentum erst recht nicht verstehen konnten.

[ 39 ] Well, you see, gentlemen, everything I have just described to you was quite common over there in Asia. That also played a role in the founding of Christianity. The Greeks knew remarkably little about it, because they had built up an external civilization. And the people of Romulus, descended from a colony of scoundrels, knew absolutely nothing about it; they knew only external world domination. They knew external world domination so well that the Roman Caesars, the emperors, even behaved outwardly as if they were initiates; but this was at a time when the mysteries had already fallen into decay. For example, there is a Roman Caesar from the very earliest imperial period named Caligula. Well, you see, a German historian once wanted to describe the German Emperor Wilhelm in the 1890s; but that was impossible—it simply couldn’t be done; one would have been imprisoned if one had written it down! So the good man wrote a little book called *Caligula*. He described the Roman Caligula, but every trait fit Wilhelm II! Anyone who understood the matter knew: Caligula—that’s our Wilhelm II; that was the only way to do it. This Caligula was, at the same time, an initiate, because everything had already become merely external. Of course, if one didn’t take it too seriously, one could understand what the ravens were supposed to do by observing what the princes themselves did. Thus Caligula had become a “sun-man,” but of course only outwardly, just as someone—well, let’s say—a “general” is, who puts on a soldier’s uniform at the age of five or six. That is how Caligula had become an initiate. He had taken only the outward form. But he was even supposed to initiate others! Then, during a ceremony in which the symbolic blow is struck with a sword against one of the sphinxes, he actually killed the person in question with the sword! But of course, that had no effect on Caesar. Among the Romans, things had come to such a point that everything had become merely external; they no longer understood any of it inwardly. No wonder they were all the more unable to understand Christianity.

[ 40 ] Und so ist denn das Christentum in Rom an die weltliche Herrschaft übergegangen. In Rom war es so, daß in den Zeiten, als das Christentum nach Rom kam, es den weltlichen Herrscher gab, der sich aber als Gott ansah - natürlich, man wurde ja Gott, wenn man Eingeweihter war. Augustus ist als Gott angesehen worden; seine Nachfolger auch. Aber außerdem gab es da den Pontifex maximus, den «großen Brückenbauer». Das war der geistige Herrscher. Aber der war nach und nach ein Schatten geworden in Rom, der hatte keine Bedeutung, und die einzige Bedeutung hatte der weltliche Herrscher. So entsprach es ja auch natürlich mehr einem Volke, das den Romulus zum Ahnen hatte, der alle Halunken aus der Umgebung zusammengesammelt hatte. Und nun, sehen Sie, wurde gerade durch Rom das Christentum verweltlicht.

[ 40 ] And so Christianity in Rome came to be under secular rule. In Rome, when Christianity first arrived, there was a secular ruler who regarded himself as a god—which was only natural, since one became a god upon being initiated. Augustus was regarded as a god, as were his successors. But there was also the Pontifex maximus, the “great bridge-builder.” He was the spiritual ruler. But he had gradually become a mere shadow in Rome; he held no significance, and the sole significance lay with the secular ruler. This, of course, was more in keeping with a people whose ancestor was Romulus, who had gathered together all the scoundrels from the surrounding area. And now, you see, it was precisely through Rome that Christianity became secularized.

[ 41 ] Und das ist dasjenige, was ich Ihnen zunächst heute zu sagen hatte über das Äußere des Christentums. Das Innere, wie jetzt wirklich der Einfluß der Sonne auf den Jesus war, das werde ich Ihnen dann das nächste Mal, am nächsten Mittwoch, auseinandersetzen.

[ 41 ] And that is what I had to say to you today, to begin with, about the outward aspects of Christianity. As for the inner aspects—specifically, the actual influence the sun had on Jesus—I will explain that to you next time, next Wednesday.