Human History and the
World Views of Civilized Nations
GA 353
5 March 1924, Dornach
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Human History and the World Views of Civilized Nations, tr. SOL
2. Überphysische Zusammenhänge im Menschenleben — Griechentum und Christentum
2. Transcendental Connections in Human Life — Greek Culture and Christianity
[ 1 ] Nun, meine Herren, ist für heute jemandem noch etwas eingefallen?
[ 1 ] Well, gentlemen, has anyone else thought of anything else today?
[ 2 ] Fragesteller: Es wird nach dem Zweck der Fastnacht, des Faschings, gefragt, ob man darüber etwas von Dr. Steiner hören könne? Woher das Fastnachtsfest komme, was es bedeute?
[ 2 ] Questioner: The question is about the purpose of Carnival—whether we could hear something from Dr. Steiner on this topic? Where does the Carnival celebration come from, and what does it mean?
[ 3 ] Dr. Steiner: Also Sie meinen, was für einen Zweck die Fastnacht, der Fasching hat? Nun, sehen Sie, das Fastnachtsfest ist nicht gerade dadurch zu verstehen, daß man nach dem Zweck frägt, denn, mindestens nach der Art und Weise, wie man es heute feiert, werden Sie ja zugeben, daß schließlich die Menschheit mit den Jahren auch ohne Fasching auskommen könnte. Also man kann schon sagen, nach dem heutigen Anschauen ist das Faschingsfest im Grunde zwecklos. Aber es hat auch nicht mehr seine ursprüngliche Bedeutung. Es ist mit solchen Dingen wie Faschingsfesten geradeso gegangen, wie es mit den Orden gegangen ist, mit den Gewändern und so weiter. Die haben früher ihren guten Sinn gehabt; nach und nach haben sie diesen Sinn verloren. Nun, nicht wahr, es verschwinden nach und nach auch die anderen Feste des Jahres; allmählich, wenn sie nicht mehr aufgefrischt werden in ihrem Sinn, verlieren sie ihre Bedeutung. Für das Faschingsfest ist noch nicht außerordentlich viel getan, um seine Bedeutung wieder zu gewinnen. Denn eigentlich würde das Faschingsfest tief eingreifen in das ganze soziale Leben, wenn es den ursprünglichen Sinn, den es zum Beispiel im alten Rom gehabt hat, wo es etwas früher gefeiert worden ist, wieder bekommen hätte.
[ 3 ] Dr. Steiner: So you’re asking what the purpose of Carnival is? Well, you see, Carnival isn’t really something to be understood by asking about its purpose, because—at least the way it’s celebrated today—you’ll have to admit that, ultimately, humanity could get by just fine without Carnival over the years. So one could certainly say that, from today’s perspective, Carnival is essentially pointless. But it no longer has its original meaning either. Things like Carnival celebrations have gone the same way as orders of knighthood, ceremonial robes, and so on. They used to have a good purpose; little by little, they’ve lost that purpose. Well, haven’t the other festivals of the year also been gradually disappearing? Little by little, if their meaning isn’t revitalized, they lose their significance. Not much has been done yet to help Carnival regain its significance. For in fact, Carnival would have a profound impact on social life as a whole if it were to regain the original meaning it had, for example, in ancient Rome, where it was celebrated somewhat earlier.
[ 4 ] Gehen wir gerade ins alte Rom zurück, dann finden wir das Folgende. Die Leute waren damals auch, wenn man so sagen darf, so eingeteilt, wie hier in der jetzigen Zeit: der eine war Staatsbeamter, der andere war Krieger, der dritte war Arbeiter und so weiter, und die Einteilung war damals mindestens im sozialen Sinne noch härter als heute. Denn derjenige, der Sklave war, konnte ja sogar als Mensch gekauft werden! So daß man sagen kann: Es war der Unterschied der Menschen im alten Rom noch ein sehr, sehr bedeutender. Aber das Bewußtsein, daß man diese oder jene Stellung hat, das sollte wenigstens für einige Tage des Jahres verlorengehen. Nicht wahr, heute redet man von der Demokratie und meint, zunächst allerdings mehr im theoretischen Sinne, daß alle Menschen gleich seien. Nun, das haben die Römer durchaus nicht irgendwie geglaubt, sondern bei denen war derjenige, der in irgendeinem höheren Stand geboren worden war, erst ein richtiger Mensch. Sie wissen ja, daß bis in unsere Zeiten herein noch für gewisse Leute das Sprichwort gegolten hat: Der Mensch fängt erst beim Baron an. - Also diejenigen, die unter dem Baron sind, sind keine Menschen.
[ 4 ] If we go back to ancient Rome, we find the following. People back then were also—if I may put it that way—divided into classes just as they are here today: one was a government official, another was a soldier, a third was a laborer, and so on; and that division was, at least in a social sense, even more rigid back then than it is today. After all, a slave could even be bought as a human being! So one could say: The distinction between people in ancient Rome was still a very, very significant one. But the awareness of holding this or that position was supposed to be set aside, at least for a few days of the year. Don’t you agree? Today we speak of democracy and mean—admittedly, initially more in a theoretical sense—that all people are equal. Well, the Romans certainly did not believe that at all; rather, for them, only someone born into a higher class was a real human being. As you know, even down to our own times, the saying has held true for certain people: “Humanity begins with the baron.”—So those below the baron are not human beings.
[ 5 ] Im alten Rom war das natürlich außerordentlich stark. Wenn auch dazumal der Adel in der Weise nicht eingeführt war, wie er dann später erschien - denn das ist eine mittelalterliche Einrichtung aus der sogenannten Feudalzeit -, so war aber doch ein großer Unterschied der Stände im alten Rom üblich. Nun aber, ein paar Tage im Jahr hindurch sollten die Menschen gleich sein, sollte Demokratie herrschen. Das konnte man natürlich nicht so machen, daß die Menschen mit ihren gewöhnlichen Gesichtern kommen, sonst hätte man sie ja erkannt; da mußten sie Masken tragen. Da waren sie dann, was die Masken waren. Da gab es dann auch einen Menschen, der Faschingskönig war. Der konnte in diesen Tagen tun, was er wollte. Er konnte Befehle ausüben, während er sonst nur Befehle empfangen hat. Und das ganze Rom war in dieser Zeit ein paar Tage verrückt, von der Stelle gerückt; und die Menschen konnten sich auch ihren Vorgesetzten gegenüber anders benehmen, brauchten ihnen gegenüber nicht höflich zu sein - also für einige Tage, um die Menschen gleich zu machen! Und diese Einrichtung hat natürlich dazu geführt, daß die Leute in diesen Tagen nicht gerade geweint und getrauert haben; denn das hat sie gefreut, daß sie ein paar Tage so leben konnten. Aus dieser Freude heraus ist dann die Faschingslustbarkeit geworden: Die Leute haben nur tolle Streiche gemacht, wenn sie frei geworden sind für ein paar Tage. Und so ist die ganze Faschingsvergnüglichkeit entstanden.
[ 5 ] In ancient Rome, this was, of course, extremely pronounced. Even though the nobility at that time was not organized in the way it later came to be—for that is a medieval institution from the so-called feudal era—there was nonetheless a great distinction between the social classes in ancient Rome. But for a few days each year, people were supposed to be equal; democracy was supposed to reign. Of course, this couldn’t be done with people showing their usual faces—otherwise they would have been recognized—so they had to wear masks. And there they were, wearing their masks. There was also a man who served as the Carnival King. During those days, he could do whatever he wanted. He could issue orders, whereas normally he only received them. And all of Rome went a little crazy for a few days during this time, losing its usual composure; and people could also behave differently toward their superiors, didn’t have to be polite to them—at least for a few days, to make everyone equal! And this tradition naturally meant that people didn’t exactly cry or mourn during those days; for they were delighted that they could live like that for a few days. Out of this joy arose the revelry of Carnival: People played all sorts of wild pranks once they were set free for a few days. And that is how the whole spirit of Carnival came to be.
[ 6 ] Die Folge davon war, daß, weil das den Leuten sehr gut gefallen hat, es sich auch erhalten hat. Aber die Dinge erhalten sich, ohne daß man den ursprünglichen Sinn noch weiß. So bleibt nur der Fasching als die Zeit, in der man tolle Streiche macht - weil man da tolle Streiche machen durfte. Dann hat das Kirchentum gefunden, daß es notwendig ist, daß man just danach auch den Aschermittwoch folgen läßt, daß man sich als schuldiger Mensch fühlt, nicht alles darf, was man will und so weiter, und da das Christentum, wenigstens in früherer Zeit, den Brauch entwickelt hat, daß der Mensch entbehren soll, so wurde die Fastenzeit eingerichtet. Und es war natürlich zweckmäßig, gerade die Fastenzeit anzureihen an die Faschingszeit, weil da die Leute am wenigsten entbehrt haben; alles das, was ihnen wohlgefallen hat, haben sie eben, so gut es ging, gemacht. Und nachher ist es viel schlimmer, die Sachen nicht zu essen, die man da vorher gegessen hat. Es war dann, als ob die Zeit nicht vorangegangen wäre. Und so haben sich diese Feste zusammengestellt.
[ 6 ] The result was that, because people liked it so much, the tradition stuck. But traditions persist even when the original meaning is forgotten. So Carnival remains simply the time when people play wild pranks—because back then, they were allowed to play wild pranks. Then the Church decided that it was necessary for Ash Wednesday to follow immediately afterward, so that people would feel like sinners, realize they couldn’t do whatever they wanted, and so on; and since Christianity—at least in earlier times—had developed the custom that people should practice self-denial, Lent was established. And of course it made sense to schedule Lent right after Carnival, because that’s when people had gone without the least; they simply did whatever pleased them, as best they could. And afterward, it’s much harder to go without the foods you’d been eating before. It was then as if time had stood still. And that is how these festivals came to be.
[ 7 ] Nur war die Sache in Rom so, daß der Fasching viel früher war, ungefähr um unsere heutige Weihnachtszeit, denn alles ist etwas hinausgerückt worden in eine spätere Jahreszeit. Dadurch haben wir diesen heutigen Fasching eben erhalten. Das Datum des Faschings richtet sich ja, wie ich glaube, in allen übrigen Gegenden nach der Osterzeit, nur in Basel wird es um eine Woche später gefeiert, soviel mir bekannt ist. Aber das führt ja, wie ich höre, nur dazu, daß man es dann zweimal feiert!
[ 7 ] However, in Rome, Carnival used to be celebrated much earlier—around the time of what is now our Christmas season—because everything has been shifted slightly to a later time of year. That is how we came to have the Carnival we celebrate today. As far as I know, the date of Fasching in all other regions is based on the Easter season; only in Basel is it celebrated a week later, as far as I’m aware. But as I’ve heard, that just means they celebrate it twice!
[ 8 ] Nun, das ist also dasjenige, was in bezug auf diese Frage zu sagen wäre. Das kann man von vielen Sachen in der Menschheit sagen, daß sie ursprünglich schon einen Sinn hatten, aber diesen Sinn dann später verloren haben. Dann frägt man sich: Warum denn das alles?
[ 8 ] Well, that, then, is what needs to be said about this question. It can be said of many things in human life that they originally had a purpose, but later lost that purpose. Then one asks oneself: What is the point of it all?
[ 9 ] Nun, vielleicht hat jemand für heute noch etwas anderes zu fragen?
[ 9 ] Well, maybe someone has another question for today?
[ 10 ] Fragesteller: Ich möchte Herrn Doktor fragen, ob er vielleicht fortfahren würde mit der Geschichte vom letzten Mal?
[ 10 ] Questioner: I would like to ask the doctor if he might continue with the story from last time?
[ 11 ] Fragesteller: Ich möchte Herrn Doktor fragen, ob so etwas möglich wäre, daß Menschen einen anderen beleidigen oder ihm Schmerz zufügen können, also auf andere einwirken können? Frau A hatte ein dreijähriges Kind, das sah immer Wesenheiten zur Türe und zu den Fenstern hereinkommen. Das Kind hatte oft unruhige Nächte, und besonders wenn die Frau die Leibwäsche gewaschen hatte - die Frau entlehnte Sachen im Haus -, so wurde das Kind immer unruhig. Zuletzt hat es dann nichts mehr gegeben; dann ist die Frau später gestorben. Ich möchte Herrn Doktor fragen, ob so etwas möglich wäre?
[ 11 ] Questioner: I would like to ask the doctor whether it is possible for people to insult others or cause them pain—in other words, to influence others? Mrs. A had a three-year-old child who always saw entities coming in through the door and the windows. The child often had restless nights, and especially when the woman had washed her underwear—she borrowed items from the house—the child would always become restless. Eventually, the incidents stopped; the woman died later. I would like to ask the doctor whether something like this is possible?
[ 12 ] Dr. Steiner: Das sind natürlich Dinge, die in allerlei Gebiete hineinschlagen, in denen ebenso stark mitspielen kann - weil die Leute leichtgläubig sind - der Aberglaube, aber auch die Tatsachen. Sie müssen sich nur klar darüber sein, daß in der Welt Zusammenhänge vorhanden sind, die physisch nicht ohne weiteres zu verfolgen sind. Ich will von ganz einfachen Zusammenhängen ausgehen.
[ 12 ] Dr. Steiner: These are, of course, matters that cut across all sorts of fields, in which—because people are gullible—superstition can play just as significant a role as facts. You just have to realize that there are connections in the world that cannot be readily traced through physical means. I want to start with some very simple connections.
[ 13 ] Nehmen Sie einmal die Sache so: nehmen Sie eine Weinernte. Sie ernten Wein und Sie pressen ihn aus, richten ihn zu, geben ihn in Fässer, kellern ihn ein. Nun, Sie werden bemerken, daß er in der Zeit, in der dann der nächste Wein herankommt - wenn die Zeit herankommt, wo der Wein wieder gärt -, unruhig wird. Er bleibt, ohne daß er physisch einen Zusammenhang hat, noch in Verbindung. Das ist eine einfache Tatsache, die Ihnen zeigt, daß es in der Natur selbst solche Verbindungen gibt, die man nicht ohne weiteres mit dem Auge und so weiter verfolgen kann.
[ 13 ] Think of it this way: take a grape harvest. You harvest the grapes, press them, process them, put them in barrels, and store them in the cellar. Now, you’ll notice that by the time the next vintage comes around—when the time comes for the wine to ferment again—it becomes restless. It remains connected, even though there is no physical link. This is a simple fact that shows you that there are such connections in nature itself that cannot be readily observed with the naked eye or otherwise.
[ 14 ] Nun gibt es aber heute schon, wie Sie wissen, eine Möglichkeit, die gewöhnliche Sichtbarkeit zu überbrücken. Sie brauchen nur daran zu denken, daß also selbst in der leblosen Natur heute Einrichtungen vorhanden sind, wo man das gewöhnliche Sichtbare - nicht das feiner Sichtbare, aber das gewöhnlich Sichtbare - überwindet; Sie brauchen nur an die Funktelegraphie zu denken! Worauf beruht denn die Funktelegraphie? Sie beruht darauf, daß Sie irgendwo einen Elektrizitätserreger haben; an den schließt sich zunächst gar kein Draht an, sondern der steht für sich da. Irgendwo anders, ohne Verbindung damit, findet sich ein Apparat, in dem gewisse feine Scheibchen drinnen sind, die in Bewegung kommen können. Man nennt einen solchen Apparat einen Kohärer. Sie haben gar keine physische Verbindung zunächst, wie es scheint, sondern wenn Sie hier die Elektrizität erregen, so kommt es dazu, daß sich dort die Zeichen bewegen; und wenn Sie es da mit einem Apparat in Zusammenhang bringen, so können Sie dort die Depeschen aufnehmen, geradeso wie Sie mit den Drähten Elektrizität aufnehmen können. Gewiß, es beruht darauf, daß sich die Elektrizität ausbreitet, aber die kann man eben nicht sehen; sie breitet sich ohne eine gröbere physische Verbindung aus. Da haben Sie also selbst in der leblosen Natur eine Verbindung, die durchaus so ist, daß man sagen kann: Es ist das Sichtbare wenigstens bis zu einem gewissen Grade überwunden.
[ 14 ] But as you know, there is already a way today to transcend ordinary visibility. You need only consider that even in inanimate nature there are devices today that allow us to transcend the ordinary visible—not the more subtle visible, but the ordinary visible; You need only think of wireless telegraphy! On what, then, is wireless telegraphy based? It is based on the fact that you have an electrical generator somewhere; at first, no wire is connected to it at all—it simply stands there on its own. Somewhere else, without any connection to it, there is a device containing certain delicate discs that can be set in motion. Such a device is called a coherer. At first, it seems they have no physical connection at all; but when you generate electricity here, the signals move there; and when you connect it to a device there, you can receive the messages, just as you can receive electricity via wires. Certainly, this is based on the fact that electricity propagates, but it is simply invisible; it propagates without any gross physical connection. So even in inanimate nature, you have a connection that is such that one can say: The visible has been overcome, at least to a certain degree.
[ 15 ] Nun kann ja die Sache weitergehen. Nehmen Sie einmal gewisse Zwillingsgeschwister an. Zwillingsgeschwister stehen auch nicht mehr in einem physischen Zusammenhange, wenn sie ein späteres Alter erreicht haben. Der eine ist vielleicht da, der andere dort. Dennoch kann man gerade bei Zwillingsgeschwistern wahrnehmen, wie der eine zu einer bestimmten Zeit zum Beispiel eine Krankheit kriegt; der andere, der weiter entfernt ist, auch! Oder der eine wird in einer bestimmten Zeit durch irgend etwas traurig; der andere auch. Alle solche Dinge zeigen Ihnen, daß es schon Wirkungen in der Welt gibt, wo man nicht gleich von einer physischen Einwirkung sprechen kann.
[ 15 ] Now we can take this further. Let’s consider a pair of twins. Even when they reach adulthood, twins are no longer physically connected. One might be here, the other there. Yet, especially with twins, one can observe how, for example, one of them falls ill at a certain time—and the other, who is farther away, does too! Or one becomes sad about something at a certain time—and the other does as well. All such things show you that there are already effects in the world where one cannot immediately speak of a physical influence.
[ 16 ] Wenn man aber nun ans Tierreich herankommt, dann merkt man sehr bald, daß es zum Beispiel Wahrnehmungen gibt bei den Tieren, die der Mensch nicht hat. Nehmen Sie zum Beispiel an, in irgendeiner Gegend käme ein Erdbeben oder ein Vulkanausbruch, der sehr schädlich wird für die Menschen. Die Menschen bleiben ruhig sitzen; die Tiere sieht man manchmal schon tagelang vorher wegziehen, die Gegend verlassen! Auch aus dem können Sie sehen, daß für die Tiere eine Empfindung von etwas da sein kann, was man nicht physisch wahrnimmt. Würde man es physisch wahrnehmen, so würde auch der Mensch in der Lage sein, die Sache wahrzunehmen.
[ 16 ] But when you turn your attention to the animal kingdom, you very soon realize that animals, for example, have perceptions that humans do not have. Suppose, for instance, that an earthquake or a volcanic eruption were to occur in a certain area, one that would be very harmful to humans. People remain calmly seated; but you can sometimes see animals moving away and leaving the area days in advance! From this, too, you can see that animals may have a sense of something that cannot be physically perceived. If it could be physically perceived, then humans would also be able to perceive it.
[ 17 ] Aus alledem sehen Sie, daß es eben Verbindungen gibt, die außer dem Physischen in der Welt möglich sind. Nun, wenn wir auf solche feinere Verbindungen eingehen, so kommen wir dazu, daß zuweilen Menschen etwas in sich spüren, was sie ganz gewiß nicht physisch haben wahrnehmen können. Ich will zum Beispiel sagen: Es gibt irgendwo einen Menschen - die Dinge sind ja in Hunderten und Tausenden von Fällen vorgekommen -, der zuckt plötzlich zusammen und sieht etwas vor sich wie ein Bild - es ist natürlich nur ein Traum - und er schreit und sagt: Mein Freund! - der Freund ist aber vielleicht weit weg; der kann das in Europa erleben, der Freund ist vielleicht in Amerika -, mein Freund! Dem ist jetzt etwas passiert! - Es stellt sich heraus: Der ist gestorben. Also solche Dinge sind durchaus vorhanden. Man kann da wiederum konstatieren, wie solche Wirkungen stattfinden können, ohne daß eine physische Verbindung da ist.
[ 17 ] From all this you can see that there are indeed connections in the world that go beyond the physical. Now, when we consider such more subtle connections, we come to the conclusion that people sometimes sense something within themselves that they certainly could not have perceived physically. Let me give an example: There is a person somewhere—and this has happened in hundreds and thousands of cases—who suddenly flinches and sees something before him like a vision—it is, of course, only a dream—and he cries out, “My friend!”—but the friend may be far away; he may be experiencing this in Europe while the friend is perhaps in America—“My friend!” Something has happened to him now!”—It turns out: He has died. So such things definitely exist. Here, too, one can observe how such effects can occur without any physical connection being present.
[ 18 ] Ja, man muß nun aber schon sagen: Für unsere Menschheit ist es gut, daß diese Dinge nicht allzu verbreitet sind; denn denken Sie nur, wenn Ihr Kopf geeignet wäre, all dasjenige wahrzunehmen, was der eine oder andere Mensch zum Beispiel Schlimmes über Sie denkt oder sagt, dann wäre das eine schlimme Geschichte! Nicht wahr, Sie wissen ja, wenn man einen Telegraphenapparat hat, dann muß erst die Einrichtung erfolgt sein, der Draht muß erst eingeschaltet sein, dann geschieht die Übertragung. Ebenso muß bei der drahtlosen Telegraphie das hier in Ordnung sein, darf nicht weggenommen sein (auf die Zeichnung deutend), dann geschieht die Übertragung. Nun, im allgemeinen, beim voll gesunden Menschen ist es so, daß der Mensch eben nicht eingeschaltet ist in all die Strömungen, die da gehen; er ist ausgeschaltet; aber in speziellen Fällen kann es allerdings geschehen, daß man eingeschaltet ist in irgend etwas.
[ 18 ] Yes, but one really has to say: It’s a good thing for humanity that these things aren’t all too widespread; just think, if your mind were capable of perceiving everything that one person or another thinks or says—especially bad things—about you, for example, that would be a terrible situation! Isn’t that right? You know, when you have a telegraph machine, the setup has to be in place first—the wire has to be connected—before the transmission can take place. Similarly, with wireless telegraphy, this part here has to be in order—it mustn’t be disconnected (pointing to the diagram)—then the transmission takes place. Well, generally speaking, a fully healthy person isn’t connected to all the currents that are flowing there; they are disconnected; but in specific cases, it can certainly happen that one is connected to something.


[ 19 ] Nehmen Sie also zum Beispiel an - auf Ihren Fall kann ich aus dem guten Grunde nicht gut eingehen, weil Sie wahrscheinlich nicht wissen, wie stark er beglaubigt ist; aber ich will auf ähnliches eingehen, dann werden Sie auch dieses sich erklären können. Ich möchte immer nur über Dinge reden, die absolut beglaubigt sind, weil man sonst sehr leicht in die bloße Rederei hineinkommt. Sie haben den Fall wahrscheinlich nicht selbst erlebt, sondern gelesen oder erzählen hören? Also nur auf das, was gut beglaubigt ist, will ich eingehen. Nehmen Sie an: Eine Frau A, die habe während der Schwangerschaft einen Streit gehabt mit einer Frau B, die in der Nachbarschaft wohnt. Es kommt ja vor, nicht wahr, daß die Leute miteinander streiten. Nun hat vielleicht diese Frau B, die in der Nachbarschaft wohnt, ganz besonders stark die Frau A verwünscht, und die Frau A ist, als die Frau B gezetert und geschimpft hat, furchtbar erschrocken. Dadurch kann das Kind, das dann geboren wird, in eine gewisse Abhängigkeit von der Frau B kommen, aber auch die Frau B in eine gewisse Abhängigkeit zum Kind, und es kann schon vorkommen, daß dadurch das Kind empfänglich wird für dasjenige, was sie ihm als Leibwäsche oder dergleichen gibt, wenn es die Frau B wäscht. Aber auf der anderen Seite kann es auch wichtig sein für die Frau B, daß sie Leibwäsche bekommt; sie braucht dann, weil sie doch ein bißchen Reue hat darüber, daß sie der Frau A das angetan hat, irgend etwas aus diesem Hause, um sich fortwährend zu beruhigen; und in dem Augenblicke, wo ihr das dann entzogen wird, da sucht sie es auf alle mögliche Weise zu bekommen. Es können Leute dadurch, daß sie so etwas bekommen wollen, ohne daß sie von Natur aus Diebe sind, allerlei Sachen entwenden. Sie werden diebisch nur für diese Dinge; sie stehlen sonst nicht, aber suchen auf alle Weise diese Dinge zu bekommen. Dann kann es allerdings sogar vorkommen, daß sie, wenn ihnen das entzogen wird, weil schon einmal auch geistig-seelische Einflüsse auf die Gesundheit des Menschen vorhanden sind, dadurch an einer Art inneren Auszehrung, an einem Auszehrfieber siechen und dahinsterben, oder sagen wir, selbst an einem Herz- oder Nervenschlag dahinsterben. Es kann das durchaus sein.
[ 19 ] So let’s take an example—I can’t really go into detail about your specific case for good reason, because you probably don’t know how well-documented it is; but I’ll discuss something similar, and then you’ll be able to understand this as well. I always want to talk only about things that are absolutely well-documented, because otherwise it’s very easy to slip into mere idle talk. You probably didn’t experience the case yourself, but read about it or heard it recounted? So I want to address only what is well-documented. Suppose: A woman, let’s call her A, had an argument during her pregnancy with a woman, let’s call her B, who lives in the neighborhood. It does happen, doesn’t it, that people argue with one another. Now, perhaps this woman B, who lives in the neighborhood, cursed woman A particularly vehemently, and woman A was terribly frightened while woman B was ranting and raving. As a result, the child who is then born may develop a certain dependence on Woman B, but Woman B may also develop a certain dependence on the child, and it can indeed happen that the child becomes receptive to whatever Woman B gives him—such as undergarments or the like—when she washes him. On the other hand, however, it may also be important for Woman B to receive underwear; because she feels a little remorse for what she did to Woman A, she needs something from that household to constantly reassure herself; and the moment that is taken away from her, she tries every possible means to obtain it. People may, by wanting to obtain such things—even though they are not thieves by nature—end up stealing all sorts of items. They become thieves only for these things; they do not steal otherwise, but will go to great lengths to obtain them. Then it can indeed even happen that, when it is taken away from them—because mental and emotional influences are already affecting the person’s health—they waste away from a kind of inner emaciation, a wasting fever, and die, or, let’s say, die from a heart attack or a nervous breakdown. That is certainly possible.
[ 20 ] Man kann also sagen: Diese Dinge kommen vor in der Welt, und diese Dinge sind auch erklärlich, weil eben, ohne daß eine physische Verbindung besteht, durchaus ein Einfluß von einem Menschen auf den andern unter gewissen Verhältnissen ausgeübt wird. Aber man muß dann immer auf die Veranlassung eingehen können. Es kann in diesem Fall, den Sie nannten, eine ganz andere Veranlassung gewesen sein. Aber wenn zum Beispiel während der Schwangerschaft ein Krakeel zwischen den beiden Frauen gewesen wäre, so könnte das die Ursache sein, daß eine Einschaltung zwischen dieser Frau und dem Kinde später noch stattgefunden hat. Nun, meine Herren, es wurde gewünscht, daß ich noch etwas weiter spreche über dasjenige, was ich neulich ausgeführt habe. Ich habe Ihnen gezeigt, wie im alten Indien in einer Zeit, die heute vielleicht vier- bis fünftausend Jahre zurückliegt, die Menschen unter ganz andern Verhältnissen lebten. Und gerade durch diese besondere indische Natur und durch die Art, wie die Völker beisammen waren, haben diese alten Inder die Ansicht ausgebildet von dem physischen Menschenleib.
[ 20 ] So one can say: These things happen in the world, and they can also be explained, because—even without a physical connection—one person can certainly exert an influence on another under certain circumstances. But one must always be able to identify the cause. In the case you mentioned, there may have been an entirely different cause. But if, for example, there had been a quarrel between the two women during the pregnancy, that could be the reason why an intervention between this woman and the child took place later on. Well, gentlemen, it was requested that I speak a little further about what I explained the other day. I have shown you how, in ancient India—at a time that may have been four to five thousand years ago—people lived under entirely different circumstances. And it was precisely through this particular Indian character and the way the peoples lived together that these ancient Indians developed their view of the physical human body.
[ 21 ] Die Ägypter wiederum, die ihr Land ganz unter dem Einfluß des Nils gehabt haben, die sozusagen alles, was sie waren, dem Nil verdankten, die haben, weil dadurch der Mensch auch auf den Äther aufmerksam wird, die Anschauung von dem Ätherleib des Menschen ausgebildet.
[ 21 ] The Egyptians, on the other hand, whose land was entirely under the influence of the Nile—who, so to speak, owed everything they were to the Nile—developed the concept of the human etheric body because this led people to become aware of the ether as well.
[ 22 ] Die in Assyrien Wohnenden und die Babylonier, die haben, weil bei ihnen durch die besonders reine Luft, durch die Höhenlage, die Sterne zu gewissen Jahreszeiten leicht beobachtbar waren, den Astralleib als Anschauung ausgebildet.
[ 22 ] The people living in Assyria and the Babylonians developed a visual conception of the astral body because, due to the particularly pure air and the high altitude, the stars were easily observable at certain times of the year.
[ 23 ] Und die Juden, die eigentlich wandern mußten in ihrer früheren Zeit, die nirgends zunächst seßhaft waren, erst später seßhaft geworden sind, die mehr aus dem Inneren der Menschennatur heraus gedacht und empfunden haben, die haben ausgebildet die Anschauung von dem Ich des Menschen.
[ 23 ] And the Jews, who in earlier times were actually forced to wander, who were not initially settled anywhere but only became settled later, who thought and felt more from within human nature itself—they developed the concept of the human “I.”
[ 24 ] So hat sich nach und nach die Anschauung von dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem Astralleib und dem Ich ausgebildet. Sehen Sie, das Wort Jahve heißt ja nichts anderes als: Ich bin der Ich-bin. Das ist die Wortbedeutung. Da wird eben, indem Jahve gilt als der oberste Gott, durch dieses Bekenntnis zum obersten Gott auf das menschliche Ich in klarer Weise hingedeutet.
[ 24 ] Thus, the concept of the physical body, the etheric body, the astral body, and the “I” gradually took shape. You see, the word Yahweh means nothing other than: “I am the I-am.” That is the literal meaning of the word. Since Yahweh is regarded as the supreme God, this confession of faith in the supreme God clearly points to the human “I.”
[ 25 ] Wenn wir diese Entwickelung der Geschichte verfolgen, dann finden wir, daß eigentlich alle diese Völker mehr das in ihren Gedanken, in ihren Gefühlen zum Ausdruck gebracht haben, was sie erlebt haben. Der Inder hat eine fruchtbare, reiche Natur erlebt - da ist alles in einem fortwährenden Blühen und Wachsen: eine reiche, üppige Natur. Er hat also eigentlich den Reichtum des Physischen besonders wahrgenommen, und er hat demgemäß aus seiner Anschauung heraus die Ansicht vom physischen Leib besonders ausgebildet. Der Ägypter wiederum, der hat gesehen, daß ihm nur der Nil, den man sieht, hilft; der hat deshalb die Lehre vom Äther ausgebildet und so weiter. Aber alle diese Menschen haben eigentlich alles das ausgebildet, was sie erlebt haben.
[ 25 ] If we trace the course of history, we find that all these peoples have, in fact, expressed in their thoughts and feelings what they have experienced. The Indian experienced a fertile, rich natural world—where everything is in a state of constant blossoming and growth: a rich, luxuriant nature. He therefore perceived the richness of the physical world particularly keenly, and accordingly, based on his observations, he developed a distinct view of the physical body. The Egyptian, on the other hand, saw that only the Nile, which is visible, helps him; he therefore developed the doctrine of the ether, and so on. But all these people have, in fact, developed everything based on what they have experienced.
[ 26 ] Dem gegenüber stand nun ein anderes Volk. Wir können sagen (es wird eine Zeichnung entworfen): Hier das alte Indien, hier Arabien; hier also dann Ägypten, da fließt der Nil. Nun geht es hier herüber, und hier haben wir dann gegen Afrika her gerichtet ein Land, das sich dann an Europa anschließt. Hier würde wiederum Assyrien sein, wie ich Ihnen das letzte Mal gesagt habe, hier Ägypten, hier Indien; hier würde Palästina liegen, wo die Juden ansässig waren; und hier haben wir dann Griechenland. In diesem Griechenland sind Völker ansässig geworden, die aus den verschiedensten Gebieten von Asien und Europa eingewandert sind, und die also dort sich untereinander vermischt haben. Sie haben auch schon ursprüngliche Einwohner gefunden, als sie eingewandert sind, aber es hat sich dann auf dieser Halbinsel von Europa eben nach und nach das griechische Volk ausgebildet. Dieses griechische Volk, das war nun eigentlich das erste, welches, man möchte sagen, die Augen aufgemacht hat und auch etwas gesehen hat von der Welt, was nicht nur von innen erlebt war. Der Inder hat die Natur von innen erlebt; der Ägypter hat die Ätherwirkungen erlebt; die Assyrier haben den Astralleib an den Sternen erlebt; die Juden haben ihr Ich erlebt. Die Griechen, die haben eigentlich zuerst, wie ich schon sagte, die Augen nach außen gerichtet und die Welt angesehen. Die anderen haben ja eigentlich die Welt nicht angesehen. So daß man sagen kann: Die Naturanschauung, die war weder bei den Indern und den Ägyptern noch bei den Babyloniern und bei den Juden besonders entwickelt; sie haben nicht viel gewußt von der Natur, weil sie nicht die Augen aufgemacht und herausgeschaut haben. Bei den Griechen erst ist eine Naturanschauung entstanden, weil eben die Griechen die Augen aufgemacht und nach außen geschaut haben. Und so wird der Mensch in Griechenland eigentlich erst auf die äußere Welt aufmerksam.
[ 26 ] Opposite this lay another people. We can say (a sketch is drawn): Here is ancient India, here is Arabia; here, then, is Egypt, where the Nile flows. Now we move over here, and here we have a land facing Africa that then adjoins Europe. Here, as I told you last time, would be Assyria; here, Egypt; here, India; here would lie Palestine, where the Jews were settled; and here we have Greece. In this Greece, peoples settled who had immigrated from the most diverse regions of Asia and Europe and who thus intermingled there. They had already encountered indigenous inhabitants when they immigrated, but the Greek people gradually took shape on this peninsula of Europe. This Greek people was, in fact, the first to—one might say—open its eyes and actually see something of the world that was not merely experienced from within. The Indians experienced nature from within; the Egyptians experienced the effects of the ether; the Assyrians experienced the astral body through the stars; the Jews experienced their “I.” The Greeks, as I have already said, were actually the first to turn their eyes outward and look at the world. The others, in fact, did not really look at the world. So one can say: A view of nature was not particularly developed among the Indians and the Egyptians, nor among the Babylonians and the Jews; they did not know much about nature because they did not open their eyes and look out. It was only among the Greeks that a view of nature emerged, precisely because the Greeks opened their eyes and looked outward. And so it was in Greece that human beings first became aware of the external world.
[ 27 ] Sehen Sie, die Inder, die haben ganz gut gewußt: Diese physische Welt hier, die ist ein Teil der ganzen Welt, und ich bin bei der Geburt herausgekommen aus dem Geistigen; ich gehe nach dem Tode wiederum hinein. Die Ägypter haben zwar geglaubt, daß man die Mumien erhalten müsse, damit der Mensch wiederum zurückkommen könne; aber sie haben auch besonders auf das Geistige gesehen. Die Babylonier haben in dem Sternenhimmel, den sie beobachtet haben, im Astralen, den Willen der Geister gesehen. Also sie haben auch an Geister geglaubt. Und von den Juden wissen Sie ja, daß sie der Anschauung waren, daß Jehova, Jahve, sie wiederum zurückführt in jene alten Zeiten, in denen die Urväter gelebt haben. Also die haben im Grunde genommen auch auf dasjenige gesehen, was den Menschen mit der geistigen Welt verbindet.
[ 27 ] You see, the Indians understood this quite well: This physical world here is a part of the whole world, and at birth I emerged from the spiritual realm; after death, I return to it. The Egyptians did believe that mummies had to be preserved so that the person could return; but they also focused particularly on the spiritual realm. The Babylonians saw the will of the spirits in the starry sky they observed, in the astral realm. So they, too, believed in spirits. And as for the Jews, you know that they held the view that Jehovah, Yahweh, would lead them back to those ancient times when the forefathers lived. So, essentially, they, too, focused on that which connects human beings to the spiritual world.
[ 28 ] Bei den Griechen ist das anders geworden. Die Griechen haben eigentlich als die ersten die äußere Welt liebgewonnen. Den früheren Völkern lag nicht viel an der äußeren Welt. Den Griechen lag sehr viel an der äußeren Welt; und es gibt einen griechischen Ausspruch, der besagt: Es ist besser, ein Bettler zu sein in der Oberwelt also, er meint in Griechenland, auf der Erde -, als ein König im Reiche der Schatten, also der Abgestorbenen. Also die Griechen haben vor allen Dingen die Welt liebgewonnen und haben dadurch zuerst auch eine Naturanschauung gewonnen.
[ 28 ] Things turned out differently for the Greeks. The Greeks were actually the first to grow fond of the external world. Earlier peoples did not care much about the external world. The Greeks cared deeply about the external world; and there is a Greek saying that goes: “It is better to be a beggar in the upper world”—that is, in Greece, on Earth—“than a king in the realm of shadows,” that is, among the dead. So the Greeks, above all else, came to love the world and, as a result, were the first to develop a view of nature.
[ 29 ] Die anderen Völker haben zum Beispiel entwickelt eine Menschenansicht. Bei den Indern namentlich war schon in den ältesten Zeiten eine gewisse Menschenansicht. Aber die haben diese Menschenansicht nicht etwa dadurch gewonnen, daß sie den toten Menschen in den Seziersaal gebracht und zerschnitten haben! Wenn die Inder das hätten machen müssen, so hätten sie niemals ihre Menschenansicht gewonnen. Sondern sie haben gespürt in den einzelnen Teilen des Menschen - das war in der Zeit noch möglich -, wie sich die Leber, die Lunge verhält. Durch innere Erkenntnis haben sie das gewußt. Das ist dasjenige, was die Inder zu ihrer großen Weisheit geführt hat, daß sie durch inneres Empfinden und Fühlen gewußt haben, wie die Leber wirkt und so weiter. Heute weiß der Mensch nur, wie ihm ein Stückchen Fleisch im Munde schmeckt. Der Inder hat gewußt, wie sich ein Stückchen Fleisch verhält in den Gedärmen, was die Leber, was die Galle tut, durch inneres Erleben, so wie der Mensch heute die Stückchen Fleisch, die er ißt, im Munde spürt.
[ 29 ] Other peoples, for example, have developed a view of humanity. The Indians, in particular, already had a certain view of humanity in the earliest times. But they did not arrive at this view of humanity by bringing dead people into the dissection room and cutting them up! If the Indians had had to do that, they would never have developed their view of the human being. Rather, they sensed—in the individual parts of the human body (which was still possible in those days)—how the liver and the lungs function. They knew this through inner insight. This is precisely what led the Indians to their great wisdom: that through inner perception and feeling they knew how the liver functions and so on. Today, people only know how a piece of meat tastes in their mouths. The Indians knew how a piece of meat behaves in the intestines, what the liver and the gallbladder do, through inner experience—just as people today sense the pieces of meat they eat in their mouths.
[ 30 ] Die Ägypter haben die Geometrie ausgebildet, weil sie das brauchten. Sie mußten immer wieder feststellen, wo die Äcker liegen; der Nil hat ja jedes Jahr alles überschwemmt. Das ist auch etwas, was man aus dem Kopf heraus spinnt. Die Babylonier haben die Astrologie ausgebildet, die Sternenerkenntnis - also auch wieder etwas, was nicht mit dem Irdischen zusammenhängt; sie haben kein starkes Interesse gehabt für das Irdische. Und daß die Juden kein starkes Interesse haben für das Irdische, zeigt sich darin, wie der Jude alles eher hat als ein eigentliches Interesse für dasjenige, was in der Sinneswelt um ihn herum ist; er kann gut denken, aber er hat nicht ein eigentliches Interesse für das, was in der Sinneswelt um ihn herum ist.
[ 30 ] The Egyptians developed geometry because they needed it. They had to determine the location of their fields time and again; after all, the Nile flooded everything every year. That’s also something you come up with off the top of your head. The Babylonians developed astrology, the study of the stars—again, something unrelated to the earthly realm; they had no strong interest in earthly matters. And the fact that the Jews have no strong interest in the earthly is evident in how the Jew has everything except an actual interest in what is in the sensory world around him; he can think well, but he has no real interest in what is in the sensory world around him.
[ 31 ] Das Volk, das am meisten Interesse hat für das, was in der Sinneswelt um einen herum ist, das sind die Griechen. Wenn man nachforscht, so ist es interessant, daß man darauf kommt, daß sie die ganze Welt anders gesehen haben, als wir heute. Das ist sehr interessant. Wir sehen heute den Himmel blau. Die Griechen haben gar nicht einen solchen Eindruck von der blauen Farbe gehabt wie wir, sondern sie haben den Himmel viel dunkler, fast schwärzlich gesehen, und einen etwas grünlichen Anstrich. Ganz besonders stark haben sie das Rot wahrgenommen. Wir können uns gar nicht mehr vorstellen mit unserer matten Rotwahrnehmung, welchen starken Eindruck die rote Farbe auf die Griechen gemacht hat! Gerade weil sich in der Menschheit nach und nach die Empfindung für das Blaue entwickelt hat, dadurch ist die Menschheit wiederum zurückgekommen von dem sinnlichen Eindruck. Also die Griechen haben zuerst dasjenige besonders liebgewonnen, was außer ihnen vorhanden war. Und dadurch haben die Griechen ganz besonders dasjenige ausgebildet, was man heute eine Mythologie nennt. Die Griechen haben eine ganze Götterwelt verehrt: Zeus, Apollo, Pallas Athene, Ares, Aphrodite; überall haben sie Götter gesehen. Eine ganze Götterwelt haben sie verehrt, weil ihnen das, was sie liebten als äußere Natur, überall noch belebt und durchgeistigt vorkam. Nicht so tot, wie es bei uns ist, sondern überall noch belebt und durchgeistigt kam es ihnen vor. Also sie verehrten in der Natur selber, die sie liebgewonnen hatten, überall die Götter.
[ 31 ] The people who take the greatest interest in what surrounds them in the sensory world are the Greeks. If one investigates, it is interesting to discover that they viewed the entire world differently than we do today. That is very interesting. Today we see the sky as blue. The Greeks did not have the same impression of the color blue as we do; rather, they saw the sky as much darker, almost blackish, with a slightly greenish tinge. They perceived the color red with particular intensity. With our muted perception of red, we can no longer even form a mental image of the powerful impression the color red made on the Greeks! Precisely because the sense of blue has gradually developed in humanity, humanity has in turn moved away from the sensory impression. So the Greeks first grew particularly fond of what existed outside of themselves. And through this, the Greeks developed in a very special way what we today call mythology. The Greeks worshipped an entire pantheon of gods: Zeus, Apollo, Pallas Athena, Ares, Aphrodite; they saw gods everywhere. They worshipped an entire world of gods because what they loved as external nature still appeared to them everywhere as animated and imbued with spirit. It did not seem as lifeless as it does to us, but rather, everywhere, it still appeared to them as animated and imbued with spirit. Thus, in nature itself—which they had come to love—they worshipped the gods everywhere.
[ 32 ] Dadurch aber ist während der Griechenzeit gerade für alle diejenigen Menschen, die von der griechischen Zivilisation, von der griechischen Kultur, vom griechischen Geistesleben abhängig geworden sind, vergessen worden, was eigentlich die Inder, die Ägypter, die Babylonier vom Geistigen erlebt haben.
[ 32 ] As a result, however, during the Greek era, precisely those people who had become dependent on Greek civilization, Greek culture, and Greek spiritual life forgot what the Indians, the Egyptians, and the Babylonians had actually experienced in the spiritual realm.
[ 33 ] Nun werden Sie ja wissen, meine Herren, einen wie großen Einfluß auf die ganze Entwickelung der Menschen eigentlich Griechenland genommen hat. Das geht ja bis heute! Wer heute seinen Sohn ins Gymnasium schicken kann, der läßt ihn heute noch die griechische Sprache lernen. Das war früher aber viel ausgebreiteter. Man war früher sozusagen ein Esel, wenn man nicht Griechisch konnte, oder nicht wenigstens die griechischen Schriftsteller, Poeten lesen konnte. Griechenland hat einen ungeheuer starken Einfluß auf die Welt genommen, weil es sich zuerst interessiert hat für diese äußere Welt.
[ 33 ] Now, gentlemen, you surely know just how great an influence Greece has actually had on the entire development of humanity. That influence continues to this day! Anyone who can send their son to high school today still has him learn Greek. But that used to be much more widespread. In the past, you were, so to speak, a fool if you didn’t know Greek, or at least couldn’t read the Greek writers and poets. Greece has had an immensely strong influence on the world because it was the first to take an interest in this external world.
[ 34 ] Nun, während in Griechenland sich dieses Interesse für die äußere Welt entwickelt, tritt in Asien drüben das Bedeutsame ein, daß von da aus sich das Mysterium von Golgatha entwickelt hat, das heißt, als Griechenland schon überwunden war, alles eigentlich schon römische Herrschaft war. Aber was bedeutet diese römische Herrschaft? Sie war ja ganz erfüllt von griechischem Geist. Die gebildeten Römer hatten auch alle Griechisch gelernt, und wer in Rom gebildet war, konnte eben Griechisch. Das Griechische hat überall den allergrößten Einfluß gewonnen. Während also das Griechische sich so ausbreitete, war in Asien drüben, in einer eigentlich wenig bekannten römischen Provinz - das war dazumal Palästina, die Juden waren überwunden, Palästina war römische Provinz geworden - ein Mensch aufgetreten, Jesus aus Nazareth, der etwas ganz anderes sagte, als was bisher die Menschen jemals gesagt haben. Und Sie können sich vorstellen, weil er so etwas Besonderes sagte, wurde er auch von den anderen nicht gleich begriffen. Daher ist er in der ersten Zeit nur von wenigen begriffen worden.
[ 34 ] Now, while this interest in the outside world was developing in Greece, something significant was taking place over in Asia: the Mystery of Golgotha developed from there—that is, at a time when Greece had already been conquered and everything was, in fact, already under Roman rule. But what does this Roman rule mean? It was, after all, completely imbued with the Greek spirit. The educated Romans had all learned Greek, and anyone who was educated in Rome could speak Greek. Greek had gained the greatest influence everywhere. So while Greek culture was spreading in this way, over in Asia, in a Roman province that was actually little known—that was Palestine at the time; the Jews had been subdued, and Palestine had become a Roman province—a man had appeared, Jesus of Nazareth, who said something entirely different from anything people had ever said before. And you can imagine that, because he said something so extraordinary, he was not immediately understood by others either. That is why, at first, he was understood by only a few.
[ 35 ] Was sagte denn eigentlich diese Persönlichkeit des Jesus, als er ın Palästina auftrat? Nun, diese Persönlichkeit des Jesus sagte in der Art, wie er es dazumal ausdrücken konnte: Ja, man glaubt heute — das war das damalige «heute» - überall, daß der Mensch ein Erdenwesen ist. Das ist er aber nicht. Er ist ein Wesen, das aus der geistigen Welt stammt und das, wenn es stirbt, wiederum in die geistige Welt zurückgeht. - Heute, wo das Christentum fast zweitausend Jahre gewirkt hat, muß man sich wundern, daß so etwas damals gesagt worden ist. Aber damals war es eben nicht so. Die asiatischen und afrikanischen Vorstellungen vom Geiste waren in Griechenland wenig bekannt, wenig ausgebreitet. Da war man mehr der Welt zugewandt. Und daher war schon insbesondere auch gegen das verweltlichte Griechentum, wie es in Rom war, dasjenige, was der Jesus aus Nazareth zunächst lehrte, etwas ungeheuer Bedeutendes.
[ 35 ] What, in fact, did this figure of Jesus say when he appeared in Palestine? Well, this figure of Jesus said, in the way he was able to express it at that time: Yes, people today—that was the “today” of that time—believe everywhere that human beings are earthly beings. But that is not the case. Human beings are beings who originate from the spiritual world and who, when they die, return to the spiritual world. — Today, when Christianity has been active for nearly two thousand years, it is surprising that such a thing was said back then. But that was simply not the case at the time. Asian and African mental images of the spirit were little known and not widely held in Greece. There, people were more oriented toward the material world. And that is why what Jesus of Nazareth initially taught was of such immense significance, particularly in contrast to the secularized Greek culture as it existed in Rome.
[ 36 ] Aber damit hätte er noch nichts anderes getan, als daß er dasjenige, was schon die früheren Völker, die Inder, die Ägypter und so weiter auch gesagt haben, wiederum hätte auferstehen lassen. Es wäre nur dasjenige wiederum auferstanden, was ich Ihnen eben erzählt habe; es wäre nur das wiedergekommen, was schon da war. Aber jener Jesus aus Nazareth hat nicht nur dasjenige wiederum aufgewärmt, was schon da war, sondern er hat auch noch folgendes gesagt. Er hat gesagt: Ja, wenn ich heute nur auf dasjenige hingehört hätte, was mir die Menschen sagen können, so wäre ich gar nicht auf die Lehre vom Geist gekommen, denn die Menschen wissen gar nicht mehr in Wirklichkeit etwas vom Geiste. Das ist mir gekommen von außerhalb der Erde. - Und so ist er sich bewußt geworden, daß er nicht bloß der Jesus war, sondern daß in seiner Seele eine Wesenheit aufgegangen ist, die der Christus war. Der Jesus, der war für ihn derjenige, der auf der Erde aus dem Mutterleib geboren ist. Der Christus war derjenige, der in seine Seele hineingeströmt ist erst in späterer Zeit. Dadurch ist in seiner Seele die Wahrheit aufgegangen, daß die Menschen geistiger Natur sind.
[ 36 ] But in doing so, he would have done nothing more than revive what earlier peoples—the Indians, the Egyptians, and so on—had already said. It would have been nothing more than a revival of what I have just told you; it would have been nothing more than a return of what was already there. But that Jesus of Nazareth did not merely rehash what was already there; he also said the following. He said: “Yes, if today I had listened only to what people could tell me, I would never have come to the teaching about the Spirit, for people in reality no longer know anything about the Spirit. This came to me from beyond the Earth.” - And so he became aware that he was not merely Jesus, but that a being had dawned within his soul—that being was the Christ. Jesus, for him, was the one who was born on Earth from his mother’s womb. The Christ was the one who flowed into his soul only at a later time. Through this, the truth dawned in his soul that human beings are of a spiritual nature.
[ 37 ] Jetzt müssen wir uns einmal fragen: Wie sind denn die verschiedenen alten Lehren in Indien, in Ägypten, in Babylonien und auch unter den Juden gepflegt worden? Wenn Sie sich heute in dem geistigen Leben umsehen, so finden Sie auf der einen Seite die Kirche, auf der anderen Seite die Schulen. Höchstens streiten sich die Herrscher der Kirche mit den Beherrschern der Schulen, wie groß der Einfluß von dem einen auf das andere sein soll; aber abgesondert ist es voneinander. Das war bei diesen alten Völkern weder bei den Indern noch den Ägyptern noch den Babyloniern noch auch bei den Juden der Fall. Alles, was dazumal mit Religiösem verknüpft war, war zu gleicher Zeit mit den Schulen verknüpft; es war eines, der Kirchendienst und der Schuldienst. Vieles davon hat sich natürlich noch in unsere Zeit herein verpflanzt; aber so ist es eben nicht, wie es in alten Zeiten war, daß der Priester zugleich der Lehrer war. Der Priester war der Lehrer sowohl in Indien wie in Ägypten, Babylonien und so weiter. Der Priester war der Lehrer. Und wo lehrte er? Nun, er lehrte dort, wo man auch den Gottesdienst verrichtete, wo man den Kultus hatte. Der Kultus war überhaupt mit dem Lehren ganz verbunden. Das waren die Mysterienstätten. Man hatte nicht Kirche und Schule, sondern man hatte solche Orte, also solche Institute, die beides zugleich waren, und die wir heute Mysterien nennen. Aber es war da überall die Ansicht, daß man vorsichtig sein muß mit alldem, was da gelernt werden kann.
[ 37 ] Now we must ask ourselves: How were the various ancient teachings preserved in India, Egypt, Babylonia, and also among the Jews? If you look around at intellectual life today, you will find the Church on one side and the schools on the other. At most, the leaders of the Church argue with the rulers of the schools over how great the influence of one on the other should be; but the two are separate from one another. This was not the case among those ancient peoples—neither among the Indians, nor the Egyptians, nor the Babylonians, nor even among the Jews. Everything that was connected with religion in those days was at the same time connected with the schools; church service and school service were one and the same. Much of this has, of course, carried over into our own time; but it is no longer as it was in ancient times, when the priest was also the teacher. The priest was the teacher in India as well as in Egypt, Babylonia, and so on. The priest was the teacher. And where did he teach? Well, he taught where worship was performed, where the religious rites took place. The cult was, in fact, completely intertwined with teaching. These were the mystery temples. There were no separate churches and schools; rather, there were such places—such institutions—that served both purposes at once, and which we today call mysteries. But everywhere there was the view that one must be cautious with everything that could be learned there.
[ 38 ] Sehen Sie, meine Herren, das war eben eine alte Anschauung: daß der Mensch erst reif sein soll dazu, wenn er ein bestimmtes Wissen bekommt. Das ist heute ganz verlorengegangen. Und so hat man überall diejenigen, welche die höchste Würde hatten in den Mysterien, die «Väter» genannt. Es ist davon noch zurückgeblieben, zum Beispiel in der katholischen Kirche, daß man gewisse Priester die Patres nennt, die Väter. In den alten Zeiten, sowohl bei den Indern, den Ägyptern, den Babyloniern und so weiter, überall waren diejenigen, die eigentlich eingeweiht waren in das Wissen, die Erkenntnisse hatten, die «Väter» genannt worden. Und wenn diese Väter dann gelehrt hatten diejenigen, die aufgenommen worden sind, von denen sie geglaubt haben, daß sie sie reif machen können, dann hatten sie sie auch erst, so wie sie «Väter» genannt worden waren, die «Söhne» genannt. Und alle übrigen Menschen, die nicht in die Mysterien hineinkamen, die nicht aufgenommen wurden, die nannte man die «Kinder» der Väter; oder man sagte auch zu ihnen: Söhne und Töchter. Nun, Sie können begreifen, daß sich da eine bestimmte Anschauung herausgebildet hat, Diese Anschauung bestand darinnen, daß die Menschen, die dazumal viel gläubiger waren als sie heute sind, wirklich auch im geistigen Sinne diejenigen, die in den Mysterien waren, als ihre Väter empfunden haben; sie haben gern sie als ihre Väter angesehen, als ihre geistigen Väter. Und sie haben vor allen Dingen geglaubt: Diese geistigen Väter stehen mit den Göttern in einem engeren Verkehr als sie draußen; sie draußen müssen erst die Botschaft, die Kundschaft von den Vätern empfangen. Und so sind allmählich die Menschen stark abhängig geworden von den Vätern. Der Zustand, den heute die katholische Kirche, ich glaube, von Herzen gern herstellen möchte, der ist in den alten Zeiten das Selbstverständliche gewesen. Es war überall so. Da hat sich auch kein Mensch dagegen aufgelehnt. Man hat eben gesagt: Wenn man richtig Mensch sein will, dann muß man entweder selber ein Vater sein, dann verkehrt man direkt mit den Göttern, oder man muß eben von den Vätern etwas von den Göttern erfahren. - Man ist also ein Mensch dadurch, daß einem diejenigen, die in den Schulen, in den Mysterien sind, etwas sagen. Dadurch entstand der Unterschied zwischen Gotteskindern und Menschenkindern, Gottessöhnen und Menschensöhnen. Diejenigen, die in den Mysterien waren, nannte man die Gottessöhne, weil sie wiederum zu den Göttern aufschauten wie zu den Vätern. Aber diejenigen, die draußen lebten, denen dann nur verkündet wurde, was in den Mysterien war, die nannte man die Menschenkinder oder Menschensöhne. Und so unterschied man die Menschen in Göttersöhne und in Menschensöhne oder Menschenkinder. Heute kommt das dem Menschen sogar lächerlich vor, aber dazumal war das ganz natürlich. Heute unterscheidet er zwar - wenn auch nicht gerade in der Schweiz, aber ich weiß nicht, ob da etwas Ähnliches auch trotzdem ein bißchen Platz greift; aber gleich in den Nachbarländern -, jetzt hat es etwas aufgehört, aber es ist noch nicht lange her, da unterschied man zwar Exzellenzen von gewöhnlichen Menschen, die Barone von gewöhnlichen Menschen; das nahm man mehr als selbstverständlich hin. Aber in der alten Zeit war es eben ganz etwas Selbstverständliches, daß man unterschied zwischen Göttersöhnen, Götterkindern und Menschenkindern.
[ 38 ] You see, gentlemen, that was an old way of thinking: that a person is only ready for it once they have acquired a certain kind of knowledge. That has been completely lost today. And so, everywhere, those who held the highest office in the mysteries were called the “Fathers.” A remnant of this remains, for example, in the Catholic Church, where certain priests are called “Patres,” or “Fathers.” In ancient times—among the Indians, the Egyptians, the Babylonians, and so on—everywhere those who were actually initiated into the knowledge, who possessed insight, were called the “Fathers.” And when these Fathers had taught those who had been admitted—those whom they believed they could bring to maturity—they would then, just as they themselves had been called “Fathers,” call them “Sons.” And all the other people who were not admitted to the mysteries, who were not accepted, were called the “children” of the Fathers; or they were also referred to as sons and daughters. Now, you can understand that a certain view developed here. This view consisted in the fact that people—who were much more devout back then than they are today—truly regarded those who were part of the Mysteries as their fathers in a spiritual sense; they gladly regarded them as their fathers, as their spiritual fathers. And above all, they believed that these spiritual fathers were in closer communion with the gods than they were on the outside; those on the outside first had to receive the message, the revelation, from the fathers. And so, gradually, people became heavily dependent on the fathers. The state of affairs that the Catholic Church today, I believe, would very much like to reestablish was, in ancient times, simply a matter of course. It was like this everywhere. No one rebelled against it. People simply said: If one wants to be truly human, then one must either be a father oneself—in which case one communicates directly with the gods—or one must learn something about the gods from the fathers. —One is thus human insofar as those who are in the schools, in the mysteries, tell one something. This gave rise to the distinction between children of the gods and children of men, sons of the gods and sons of men. Those who were part of the mysteries were called the sons of the gods, because they, in turn, looked up to the gods as to fathers. But those who lived outside—to whom only what was taught in the mysteries was proclaimed—were called the children of men or sons of men. And so people were distinguished into sons of God and sons of man or children of man. Today this even seems ridiculous to people, but back then it was quite natural. Today, people do make such distinctions—though not exactly in Switzerland, but I don’t know if something similar still has a little foothold there; but certainly in neighboring countries—it has largely ceased now, but not so long ago, people distinguished between Their Excellencies and ordinary people, between barons and ordinary people; this was taken for granted. But in ancient times, it was simply a matter of course that a distinction was made between sons of the gods, children of the gods, and children of men.
[ 39 ] Derjenige, der sich dann Christus Jesus genannt hat, der so genannt wurde, der sagte: Ein Gottessohn, ein Geisteskind wird man nicht durch einen anderen Menschen, sondern jeder wird es durch Gott selber. Es kommt nur darauf an, daß man sich dessen bewußt wird. Der alte Mensch sagte: Der Vater aus den Mysterien, der muß einem das zum Bewußtsein bringen. - Der Christus Jesus sagte: Man trägt schon den Keim des Göttlichen in sich, und man kann ihn, wenn man sich nur richtig anstrengt, selber aus sich herausholen.
[ 39 ] The one who then called himself Christ Jesus—the one who was so called—said: One does not become a Son of God, a child of the Spirit, through another human being, but each person becomes so through God Himself. The only thing that matters is becoming aware of this. The old man said: “The Father of the Mysteries must bring this to one’s consciousness.” — Christ Jesus said: “One already carries the seed of the divine within oneself, and if one makes the right effort, one can bring it forth from within oneself.”
[ 40 ] Damit aber hat der Christus Jesus dasjenige gelehrt, was die Menschen über die ganze Erde in der Seele gleich macht. Und der größte Unterschied, der durch den Christus Jesus überwunden worden ist, das ist der zwischen Göttersöhnen und Menschensöhnen.
[ 40 ] Damit aber hat der Christus Jesus dasjenige gelehrt, was die Menschen über die ganze Erde in der Seele gleich macht. Und der größte Unterschied, der durch den Christus Jesus überwunden worden ist, das ist der zwischen Göttersöhnen und Menschensöhnen.
[ 41 ] Die Leute haben dies dann in aller möglichen Weise mißverstanden - die Alten, weil sie nicht wollten, daß das aufkommt, nicht mehr zu unterscheiden zwischen Göttersöhnen und Menschenkindern, die Späteren, weil sie überhaupt nicht mehr gewußt haben, was damit gemeint war. Geradeso wie die Späteren nicht mehr den Fasching gekannt haben, so haben sie auch nicht mehr gewußt, was mit «Göttersöhnen» und «Menschensöhnen» gemeint war. Daher ist in die Bibel, in das Neue Testament fortwährend hineingekommen, daß der Jesus Christus einmal der Gottessohn und einmal der Menschensohn genannt wird, während all die Stellen, die von dem Gottessohn und dem Menschensohn reden, eigentlich meinen, daß man beides in dem gleichen Sinne gebrauchen kann; deshalb wird abwechselnd davon geredet. Aber wenn man das nicht weiß, daß das dazu geführt hat, kann man eigentlich die Evangelien gar nicht verstehen. Und sie werden eigentlich heute in sehr schlechtem Sinne verstanden gerade von denjenigen, die sich dazu bekennen.
[ 41 ] People then misunderstood this in all sorts of ways—the ancients because they did not want the distinction between the sons of the gods and the children of men to be lost, and later generations because they no longer knew at all what was meant by it. Just as later generations no longer understood the meaning of “Fasching,” they also no longer knew what was meant by “sons of God” and “sons of man.” Consequently, the notion that Jesus Christ is sometimes called the Son of God and sometimes the Son of Man has continually crept into the Bible, into the New Testament, whereas all the passages that speak of the Son of God and the Son of Man actually mean that both terms can be used interchangeably; that is why they are used alternately. But if one does not know that this is what led to it, one cannot truly understand the Gospels. And today they are actually misunderstood in a very negative sense, precisely by those who profess to believe in them.
[ 42 ] Damit haben Sie gefühlsmäßig dargestellt, was eigentlich durch den Christus Jesus in die Welt gekommen ist. Und wenn ich zunächst heute auf die äußeren Dinge eingehe, so muß ich sagen: Sehen Sie, überall gab es auch sonstige große Unterschiede zwischen den Menschen. Man braucht nur an das alte Indien zu denken. Da wurden unterschieden, wie die Tiere oder Tierklassen: die Brahmanen, die Priester, die Landleute, die Arbeitenden. Die Ägypter wiederum hatten ein ganzes Heer von Sklaven. Die Kasten waren nicht so streng voneinander abgegrenzt, aber sie waren doch auch in einem gewissen Sinne vorhanden. Ja, noch in Griechenland und Rom gab es den Unterschied zwischen Freigeborenen und Sklaven. Diese äußeren Unterschiede, die sind nur dadurch in der neueren Zeit weggewischt worden in der Geschichte, weil der Unterschied weggewischt worden ist zwischen Götterkindern und Menschenkindern. Also es war schon auch auf das ganze soziale Leben der Menschheit ein ungeheurer Einfluß ausgeübt worden von dem, was durch den Christus Jesus in Palästina geschehen ist.
[ 42 ] With this, you have emotionally depicted what actually came into the world through Christ Jesus. And if I first address the external aspects today, I must say: You see, there were also other great differences among people everywhere. One need only think of ancient India. There, distinctions were made, much like those among animals or animal classes: the Brahmins, the priests, the peasants, the laborers. The Egyptians, in turn, had a whole host of slaves. The castes were not so strictly demarcated from one another, but they did exist in a certain sense. Indeed, even in Greece and Rome there was a distinction between freeborn people and slaves. These external distinctions have been erased from history in more recent times only because the distinction between the children of the gods and the children of humans has been erased. Thus, what happened through Christ Jesus in Palestine has exerted an immense influence on the entire social life of humanity.
[ 43 ] Aber nun kann man tatsächlich bei allem fragen: Ja, ist es denn so, daß aufgefunden werden kann, woher eigentlich das Geistige von außerhalb der Erde in den Menschen hereinkommt? - Sehen Sie, in dieser Beziehung ist es heute sogar sehr schwer zu reden, denn heute wird eigentlich alles nur materialistisch betrachtet. Zum Beispiel, sagen wir, die Sprache. Sie wissen ja, es werden verschiedene Sprachen in verschiedenen Gebieten, verschiedenen Ländern der Erde gesprochen; aber dennoch, die Sprachen haben alle eine geheime Ähnlichkeit. Es braucht ja die Ähnlichkeit nicht so auffällig zu sein, wie, sagen wir, in Deutschland und in England, in Deutschland und in Holland. Aber dennoch, es ist schon so, daß die Sprachen, trotzdem sie verschieden sind, eine gewisse Ähnlichkeit haben. Man kann finden, daß zum Beispiel die Sprache, die in Indien geredet wird, wenn man es auch nicht ohne weiteres versteht, wenn man darauf eingeht, so sind doch die einzelnen Wortbilder zum Beispiel der deutschen Sprache ähnlich.
[ 43 ] But now one can indeed ask about everything: Is it really the case that we can determine where exactly the spiritual enters human beings from outside the Earth?—You see, it is actually very difficult to speak about this today, because nowadays everything is viewed solely from a materialistic perspective. Take language, for example. As you know, different languages are spoken in different regions and countries around the world; yet all languages share a hidden similarity. This similarity need not be as striking as, say, between German and English, or German and Dutch. Nevertheless, it is true that languages, despite their differences, do share a certain similarity. One may find, for example, that the language spoken in India—even if one does not understand it right away—when one looks into it, the individual word forms are similar to those of the German language, for instance.
[ 44 ] Nun, was sagen da die Leute, die heute so etwas erklären wollen? Sie sagen: Nun ja, solch eine Sprache ist an einem Orte der Erde entstanden - weil alles nur von der Erde herrühren soll -, dann sind die Völker gewandert, haben die Sprache irgendwo anders hingetragen, da hat sie sich etwas verändert. Aber das stammt alles von einer Sprache ab.
[ 44 ] Now, what do the people who want to explain such things today have to say? They say: Well, such a language originated in one place on Earth—since everything is supposed to come from the Earth—then the peoples migrated, carried the language somewhere else, and there it changed somewhat. But it all derives from a single language.
[ 45 ] Das ist der größte wissenschaftliche Aberglaube, der in der neueren Zeit herausgekommen ist. Denn sehen Sie, meine Herren, dieser wissenschaftliche Aberglaube, der ist gerade so, wie das Folgende wäre, Denken Sie sich, ein Mensch lebt in Indien, und er wird, wenn die Sonne scheint, warm. Nun, da bildet sich die Ansicht: Der Mensch kann warm werden. - Nun entdecken später die Menschen in Europa, daß sie auch im Sommer warm werden. Sie werden auch warm. Jetzt nehmen sie nicht ihren Verstand zu Hilfe, sondern die Sinne. Sie sagen: Daß man warm wird, das kann man aus der Gegenwart nicht erklären; aber im alten Indien, da sind die Menschen warm geworden; die sind ausgewandert nach Europa und haben die Eigenschaft, warm zu werden, nach Europa verpflanzt. - Ja, meine Herren, wenn das einer sagt, so ist er natürlich verrückt. Aber die Sprachgelehrten sagen dasselbe! Die sagen nicht, wenn eine Sprache in Europa ähnlich ist einer Sprache in Indien, daß in Indien derselbe Einfluß von außerhalb der Erde gewirkt hat wie in Europa, sondern sie sagen: die Sprache ist hingewandert! Wenn in zwei Gegenden ein Mensch warm wird, so wird man nicht sagen, der hat die Eigenschaft, warm zu werden, durch Wanderung hierhergebracht, sondern man blickt auf zu der gemeinsamen Sonne, und die wärmt sowohl den in Indien wie den in Europa. Wenn man zwei Sprachen findet, die einander ähnlich sind an entfernten Orten, so rührt das nicht davon her, daß die Sprache hinübergewandert ist, sondern daß der gemeinsame Einfluß, geradeso wie der Einfluß der Sonne für die ganze Erde da ist, der gemeinsame Einfluß vom Außerirdischen auf die Völker der verschiedensten Erdgebiete wirkt. Aber weil die Menschen durchaus nicht zugeben wollen, daß ein außerirdischer Einfluß im Geistigen stattfindet, so sinnen sie allerlei Dinge aus, bei denen man nur nicht merkt, daß sie verrückt sind, weil sie so gelehrt sind. Wenn die Menschen sich nicht fürchteten davor, daß man sie für verrückt halten würde, so würden sie ja auch überall ableugnen, daß die Sonne wärmt, sondern sie würden sagen: In Urzeiten ist einmal die Eigenschaft entstanden, warm zu werden, und das hat sich verpflanzt über die ganze Erde. - Sie würden den Sonneneinfluß ableugnen, wenn das nicht verrückt wäre! - Das ist etwas, was man berücksichtigen muß, wenn man die Entstehung des Christentums verstehen will.
[ 45 ] This is the greatest scientific superstition to have emerged in modern times. For you see, gentlemen, this scientific superstition is exactly like the following scenario: Imagine a person living in India who feels warm when the sun shines. Well, this gives rise to the view: People can get warm. — Later, people in Europe discover that they, too, get warm in the summer. They, too, get warm. Now they do not rely on their reason, but on their senses. They say: The fact that one gets warm cannot be explained by the present; but in ancient India, people got warm; they emigrated to Europe and transplanted the ability to get warm to Europe. - Yes, gentlemen, if someone says that, he is of course crazy. But the linguists say the very same thing! They do not say, when a language in Europe resembles a language in India, that the same influence from outside the Earth was at work in India as in Europe; rather, they say: the language migrated here! If a person in two different regions becomes warm, one would not say that he brought the property of becoming warm here through migration, but rather one looks to the common sun, which warms both the person in India and the one in Europe. If one finds two languages that are similar to one another in distant places, this does not stem from the language having migrated there, but rather from the fact that the common influence—just as the influence of the sun is present throughout the entire Earth—the common influence from beyond Earth acts upon the peoples of the most diverse regions of the Earth. But because people absolutely refuse to admit that an extraterrestrial influence exists in the spiritual realm, they concoct all sorts of things—things that one does not realize are crazy simply because they are presented as scholarly. If people were not afraid of being considered crazy, they would deny everywhere that the sun provides warmth; instead, they would say: In primeval times, the property of becoming warm arose once, and that has spread across the entire Earth. - They would deny the sun’s influence if that weren’t considered crazy! - This is something one must take into account if one wants to understand the origins of Christianity.
[ 46 ] Für die weitere Beantwortung ist es heute schon zu spät; darüber können wir dann nächsten Samstag sprechen.
[ 46 ] It’s already too late today to continue this discussion; we can talk about it next Saturday.
