Human History and the
World Views of Civilized Nations
GA 353
25 June 1924, Dornach
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Human History and the World Views of Civilized Nations, tr. SOL
17. Der Mensch und die Hierarchien — Das Verlorengehen des alten Wissens — Zur «Philosophie der Freiheit»
17. Humanity and Hierarchies — The Loss of Ancient Knowledge — On the “Philosophy of Freedom”
[ 1 ] Guten Morgen, meine Herren! Vielleicht ist Ihnen etwas eingefallen in der etwas längeren Zeit - eine besondere Frage?
[ 1 ] Good morning, gentlemen! Perhaps something has come to mind during this somewhat longer period—a specific question?
[ 2 ] Frage über die Wesenheit der verschiedenen Hierarchien und ihre Einwirkung auf die Menschheit.
[ 2 ] Question regarding the nature of the various hierarchies and their influence on humanity.
[ 3 ] Dr. Steiner: Das ist natürlich, wie ich glaube, eine Sache, die für diejenigen Herren, die heute zum erstenmal da sind, etwas schwierig, etwas unverständlich sein wird, weil man dazu etwas wissen sollte von dem, was schon in den Vorträgen, die gehalten worden sind, vorgebracht worden ist. Aber ich will doch auf die Sache eingehen und sie möglichst verständlich behandeln.
[ 3 ] Dr. Steiner: Of course, I believe this is a topic that will be somewhat difficult and perhaps a bit hard to understand for those gentlemen who are here for the first time today, because one needs to know something about what has already been discussed in the lectures that have been given. But I would still like to address the matter and explain it as clearly as possible.
[ 4 ] Sehen Sie, wenn Sie den Menschen betrachten, wie er da auf der Erde steht und geht, so hat der Mensch eigentlich alle Naturreiche in sich. Der Mensch hat zunächst das Tierreich in sich; er ist in einem gewissen Sinne auch tierisch organisiert. Das können Sie ja schon daraus ersehen, daß der Mensch, sagen wir, zum Beispiel Oberschenkel-, Oberarmknochen hat, die man ähnlich auch bei den höheren Tieren findet; aber wenn man die Sache gut erkennen kann, findet man sie auch bei den niederen Tieren verwandt oder doch ähnlich gestaltet. Und bis in die Fische hinein kann man ungefähr sehen, was einem Knochen des Menschen beim Fisch entspricht. Dasselbe, was man so sagen kann für das Knochensystem, kann man auch sagen für das Muskelsystem, auch für die inneren Organe. Wir finden beim Menschen einen Magen - in entsprechender Weise finden wir auch bei den Tieren einen Magen. Kurz, wir finden dasjenige, was im Tierreich ist, auch im menschlichen Leibe vor.
[ 4 ] You see, when you observe human beings as they stand and walk here on Earth, they actually contain all the kingdoms of nature within themselves. First of all, human beings contain the animal kingdom; in a certain sense, they are also organized in an animal-like way. You can already see this from the fact that human beings have, let’s say, for example, thigh bones and upper arm bones, which are also found in a similar form in higher animals; but if you look closely, you’ll find them in a related or at least similar form even in lower animals. And even in fish, you can roughly see what corresponds to a human bone. The same thing that can be said about the skeletal system can also be said about the muscular system and the internal organs. We find a stomach in humans—and in a corresponding way, we also find a stomach in animals. In short, what exists in the animal kingdom is also found in the human body.
[ 5 ] Das hat dazu geführt, daß man den Menschen nach der materialistischen Anschauung überhaupt nur für ein höherentwickeltes Tier angesehen hat. Aber das ist er nicht; sondern der Mensch entwickelt drei Dinge, die das Tier nicht aus seinem Organismus heraus entwickeln kann. Das eine ist, daß der Mensch aufrecht gehen lernt. Schauen Sie sich nur diejenigen Tiere an, die so halbwegs aufrecht gehen lernen, so werden Sie schon den beträchtlichen Unterschied zwischen ihnen und dem Menschen sehen. Bei den Tieren, die so etwas aufrecht gehen, zum Beispiel beim Känguruh, da werden Sie schon sehen, wie die vorderen Gliedmaßen, mit denen es nicht auftritt, verkümmert bleiben. Die vorderen Gliedmaßen sind eben beim Känguruh nicht zur freien Handhabung eingerichtet. Und beim Affen können wir erst recht nicht sagen, daß er in dieser Beziehung menschenähnlich sei; denn wenn der auf die Bäume hinaufsteigt, geht er ja nicht, sondern da klettert er. Er hat eigentlich vier Hände, er hat nicht zwei Füße und zwei Hände. Bei ihm sind die Füße händeähnlich gebildet; er klettert. Also der aufrechte Gang ist das erste, was den Menschen vom Tiere unterscheidet.
[ 5 ] This has led to the materialistic view that humans are, in essence, nothing more than highly evolved animals. But that is not the case; rather, humans develop three things that animals cannot develop from within their own organism. The first is that humans learn to walk upright. Just look at those animals that learn to walk more or less upright, and you will already see the considerable difference between them and human beings. In animals that walk somewhat upright—for example, the kangaroo—you will see how the front limbs, which it does not use for walking, remain atrophied. The front limbs of the kangaroo are simply not adapted for free use. And in the case of the monkey, we certainly cannot say that it is human-like in this respect; for when it climbs up into the trees, it does not walk, but rather climbs. It actually has four hands—it does not have two feet and two hands. Its feet are shaped like hands; it climbs. Thus, upright gait is the first thing that distinguishes humans from animals.
[ 6 ] Das zweite, was den Menschen vom Tier unterscheidet, ist die Sprachfähigkeit. Und die Sprachfähigkeit hängt mit dem aufrechten Gang zusammen. Daher werden Sie finden, daß da, wo wiederum das Tier so etwas Ähnliches kriegt wie die Sprachfähigkeit - der Hund, der verhältnismäßig ein sehr intelligentes Tier ist, kriegt sie nicht, sondern es kriegt sie zum Beispiel der Papagei, der etwas aufrecht gerichtet ist -, Sie werden finden, daß das Tier dann aufgerichtet ist. Die Sprache hängt ganz zusammen mit diesem Aufgerichtetsein.
[ 6 ] The second thing that distinguishes humans from animals is the ability to speak. And this ability is linked to walking upright. Therefore, you will find that wherever an animal acquires something similar to the ability to speak—the dog, which is a relatively intelligent animal, does not acquire it, but the parrot, for example, which sits somewhat upright, does—you will find that the animal is then upright. Language is entirely connected to this upright posture.
[ 7 ] Und das dritte ist eben der freie Wille, zu dem das Tier auch nicht kommen kann, sondern das Tier ist abhängig von seinen inneren Vorgängen. Das sind also Dinge, die beim Menschen die ganze innere Organisation ausmachen und sie menschlich gestalten.
[ 7 ] And the third is free will, which an animal cannot attain; rather, an animal is dependent on its internal processes. These are, therefore, the things that constitute the entire inner organization of human beings and give them their humanity.
[ 8 ] Aber der Mensch trägt trotzdem die Tierheit in sich. Er hat also dieses tierische Reich eben in sich.
[ 8 ] But human beings nevertheless carry animal nature within them. So they have this animal realm within themselves.
[ 9 ] Das zweite, was der Mensch in sich trägt, ist das pflanzliche Reich. Was kann der Mensch dadurch, daß er das Tierreich in sich trägt? Sehen Sie, das Tier empfindet - der Mensch auch; die Pflanze empfindet nicht. Zwar hat wiederum eine merkwürdige Wissenschaft der Gegenwart - ich habe das schon einmal hier erwähnt - die Anschauung, eine Pflanze könne auch empfinden, weil es nämlich eine Pflanze gibt, die sogenannte Venusfliegenfalle zum Beispiel: Wenn da ein Insekt in die Nähe kommt, so klappt, wenn das Insekt herangeflogen ist, diese Venusfliegenfalle ihre Blätter zu und verschlingt das Insekt. Das ist eine sehr interessante Erscheinung. Aber wenn einer sagt: Diese Pflanze, die Venusfliegenfalle, muß das Insekt spüren, also wahrnehmend empfinden, wenn es in die Nähe kommt -, so ist das gerade ein solcher Unsinn, wie wenn einer sagt: So ein ganz kleines Ding, das ich herrichte dazu, daß es zuklappt, wenn eine Maus in die Nähe kommt - eine Mausefalle, die hätte auch eine Empfindung, daß die Maus hereinkommt! Also mit solchen wissenschaftlichen Meinungen ist es nicht weit her, sie sind eben ein einfacher Unsinn. Die Pflanzen empfinden nicht. Ebensowenig bewegen sich die Pflanzen frei.
[ 9 ] The second thing that human beings carry within themselves is the plant kingdom. What can human beings do because they carry the animal kingdom within themselves? You see, animals have feelings—as do human beings; plants do not. Admittedly, a certain peculiar branch of modern science—I’ve mentioned this here before—holds the view that a plant can also feel, because there is, in fact, a plant—the so-called Venus flytrap, for example: When an insect comes near, and once the insect has flown close, this Venus flytrap snaps its leaves shut and devours the insect. That is a very interesting phenomenon. But if someone says: “This plant, the Venus flytrap, must sense the insect—that is, perceive it—when it comes near”—that is just as much nonsense as if someone were to say: ‘Such a tiny thing that I’ve set up to snap shut when a mouse comes near—a mousetrap—would also have a sense that the mouse is coming in!’ So there’s not much to such scientific opinions; they’re simply nonsense. Plants do not perceive. Nor do plants move freely.
[ 10 ] Das also, was beim Menschen an Empfindung und Bewegung ist, das hat er mit dem Tier gemein; da trägt er die Tierheit in sich. Erst wenn er verständig denken kann - was das Tier nicht kann -, ist er dadurch Mensch. Weiter trägt der Mensch das Pflanzenreich, das ganze Pflanzenreich in sich. Die Pflanzen bewegen sich nicht, aber sie wachsen. Die Pflanzen empfinden nicht, aber sie ernähren sich. Der Mensch wächst und ernährt sich auch. Das macht in ihm das Pflanzenreich. Diese Pflanzenkraft trägt der Mensch eben auch in sich. Die trägt er auch in sich, wenn er schläft. Die Tierheit legt er ab, wenn er schläft, denn er empfindet nicht und bewegt sich nicht, wenn er nicht gerade ein Nachtwandler ist, und das beruht eben auf abnormer Entwickelung; da legt er nicht vollständig die Bewegung ab, da ist er krank. Aber im normalen Zustand läuft ja der Mensch im Schlaf nicht herum und empfindet auch nicht. Wenn er empfinden soll, wacht er auf. Schlafend kann er nicht empfinden. Der Mensch trägt auch im Schlafe allein die Pflanzen wesenheit in sich.
[ 10 ] Thus, whatever a human being possesses in terms of sensation and movement, he shares with animals; in this respect, he carries animal nature within himself. Only when he is capable of rational thought—which animals cannot do—does he thereby become human. Furthermore, the human being carries the plant kingdom—the entire plant kingdom—within himself. Plants do not move, but they grow. Plants do not feel, but they nourish themselves. Human beings also grow and nourish themselves. This is what constitutes the plant kingdom within them. Human beings also carry this plant power within themselves. He carries this within himself even when he sleeps. He sheds his animal nature when he sleeps, for he neither feels nor moves—unless he is a sleepwalker, which is due to abnormal development; in that case, he does not completely cease moving, and he is ill. But in a normal state, a human being does not walk around while sleeping, nor does he feel anything. If they are to feel, they wake up. They cannot feel while asleep. Even in sleep, human beings carry within themselves only the plant essence.
[ 11 ] Und die mineralische Wesenheit, meine Herren, die tragen wir auch in uns; die ist zum Beispiel in unseren Knochen enthalten. Die leben zwar etwas, aber sie enthalten das Leblose von kohlensaurem Kalk. Wir tragen das mineralische Reich in uns. Wir haben sogar im Gehirn den Gehirnsand. Der ist mineralisch. Wir tragen das Mineralreich auch in uns. - Wir tragen also das Tierreich, wir tragen das Pflanzenreich, wir tragen das mineralische Reich in uns.
[ 11 ] And the mineral essence, gentlemen, we also carry within us; it is contained, for example, in our bones. Although they are somewhat alive, they contain the inanimate component of calcium carbonate. We carry the mineral kingdom within us. We even have “brain sand” in our brains. It is mineral in nature. We also carry the mineral kingdom within us. — So we carry the animal kingdom, we carry the plant kingdom, and we carry the mineral kingdom within us.
[ 12 ] Aber damit ist es beim Menschen nicht abgetan. Wenn der Mensch eben bloß Mineral, Pflanze und Tier in sich trüge, so wäre er wie ein Tier, würde er wie ein Tier herumlaufen, denn das Tier trägt auch Mineral, Pflanze und Tier in sich. Natürlich, der Mensch steht nicht nur zu diesen drei Reichen der Natur, die sichtbar sind, in Beziehung, sondern er steht auch zu anderen Reichen in Beziehung.
[ 12 ] But that is not the end of the matter when it comes to human beings. If human beings merely contained minerals, plants, and animals within themselves, they would be like animals and would move about like animals, for animals, too, contain minerals, plants, and animals within themselves. Of course, human beings are not only related to these three visible kingdoms of nature, but they are also related to other kingdoms.


[ 13 ] Nun will ich Ihnen dies schematisch aufzeichnen. Denken Sie sich einmal, das wäre der Mensch (siehe Zeichnung); jetzt steht er in Beziehung zum mineralischen Reich, zum Pflanzenreich, zum Tierreich. Aber er ist ein Mensch. Sie können sagen: Nun ja, die Tiere kann man zähmen. Das ist schon recht; aber haben Sie schon einmal erlebt, daß ein Ochs von einem Ochsen gezähmt worden ist? Oder ein Pferd von einem Pferd? Die Tiere, wenn sie auch gezähmt werden, also dadurch gewisse Fähigkeiten erlangen, die man entfernt mit menschlichen Fähigkeiten vergleichen kann, die müssen eben von Menschen gezähmt werden! Nicht wahr, eine Hundeschule, wo die Hunde sich selber unterrichten und zahme Hunde machen aus wilden Hunden, die gibt es ja nicht; da müssen die Menschen eingreifen. Und selbst wenn man meinte, man könne den Materialisten alles, was sie wollten, zugeben, man müsse nur ihre eigenen Gedankengänge fortsetzen - man kann ihnen alles zugeben, meinetwillen kann einer sagen: der Mensch, wie er jetzt ist, war ursprünglich ein Tier und ist gezähmt worden -, so könnte ihn doch nicht das Tier, das er ursprünglich war, selber gezähmt haben! Das geht doch nicht, denn sonst könnte auch ein Hund einen Hund zähmen. Also müssen ursprünglich Wesen dagewesen sein - die mögen jetzt woanders sein -, aber trotzdem müssen ursprünglich Wesen dagewesen sein, die den Menschen auf seine jetzige Höhe heraufgebracht haben. Und diese Wesen können den drei Reichen der Natur nicht angehören. Denn wenn Sie sich jetzt vorstellen, daß Sie jemals von einer Giraffe gezähmt würden, zum Menschen gemacht würden, wenn Sie wie ein kleines Tierchen in der Kindheit noch sind: ebensowenig, wie dies möglich wäre, ebensowenig könnten Sie von einer Eiche gezähmt werden. Das glauben höchstens die Deutschvölkischen, die annehmen, daß die Eiche, die heilige Eiche die Menschen gezähmt habe. Und, sehen Sie, die Mineralien erst recht nicht; der Bergkristall ist schön, aber zähmen kann er den Menschen erst recht nicht. Da müssen andere Wesen dagewesen sein, andere Reiche noch.
[ 13 ] Now I would like to illustrate this for you schematically. Imagine, for a moment, that this is a human being (see drawing); he is now in relation to the mineral kingdom, the plant kingdom, and the animal kingdom. But he is a human being. You might say: Well, yes, animals can be tamed. That is certainly true; but have you ever seen an ox being tamed by another ox? Or a horse by another horse? Animals, even when they are tamed—and thereby acquire certain abilities that can be loosely compared to human abilities—must still be tamed by humans! After all, there’s no such thing as a dog school where dogs teach themselves and turn wild dogs into tame ones; humans must intervene. And even if one were to concede everything the materialists want—if one were to simply follow their own line of reasoning—one can concede everything to them; for my sake, one might say: “Man, as he is now, was originally an animal and has been tamed”—yet the animal that he originally was could not have tamed himself! That’s simply not possible, because otherwise a dog could tame another dog. So there must have been beings in the beginning—who may now be elsewhere—but nevertheless, there must have been beings in the beginning who raised humankind to its present level. And these beings cannot belong to the three kingdoms of nature. For if you now have a mental image of yourself being tamed by a giraffe, made into a human being, while you are still like a small animal in childhood: just as little as this would be possible, just as little could you be tamed by an oak tree. At most, only the German Nationalists believe this, assuming that the oak—the sacred oak—tamed humankind. And, you see, certainly not the minerals; rock crystal is beautiful, but it certainly cannot tame human beings. There must have been other beings, other realms as well.
[ 14 ] Nun, alles wird beim Menschen wirklich ins Höhere hinaufgerufen. Das Tier hat die Möglichkeit, Vorstellungen zu haben, aber es denkt nicht. Die Vorstellungen bilden sich in den Tieren. Aber diese Tätigkeit des Denkens hat das Tier nicht. Der Mensch hat diese Tätigkeit des Denkens. Und so kann der Mensch zwar zum Beispiel seine Blutzirkulation aus dem Tierreich haben, aber er kann sein Denkorgan nicht aus dem Tierreich haben. So daß man sagen kann: Der Mensch denkt, er fühlt, er will. Das alles geschieht in freier Weise. Und das wird ja alles anders dadurch, daß der Mensch ein aufrechtes und sprechendes Wesen ist.
[ 14 ] Well, in human beings, everything is truly elevated to a higher level. Animals have the capacity to form mental images, but they do not think. Mental images form in animals. But animals do not possess this activity of thinking. Human beings possess this faculty of thought. And so, while a human being may, for example, have a circulatory system derived from the animal kingdom, he cannot have his organ of thought derived from the animal kingdom. Thus, one can say: Human beings think, feel, and will. All of this occurs freely. And all of this is made possible by the fact that human beings are upright, speaking beings.
[ 15 ] Denken Sie, wie Sie anders wollen müßten, wie alles Wollen anders wäre, wenn Sie so wie im ersten Lebensjahr auf allen vieren immer herumkriechen würden; es wäre doch wirklich alles menschliche Wollen anders. Und zum Denken würden Sie überhaupt nicht kommen. Und ebenso wie die Dinge, die wir im physischen Leib tragen, uns mit den drei Reichen der Natur verbinden, so verbinden uns Denken, Fühlen und Wollen mit drei anderen Reichen, mit übersinnlichen, mit unsichtbaren Reichen. Namen muß man für alles haben. So wie wir Mineralien, Pflanzen und Tiere die Naturreiche nennen, so nennen wir diejenigen Reiche, die beim Menschen das Denken, Fühlen und Wollen so bewirken, daß sie frei sind, eben Hierarchien. So daß wir also hier haben: Naturreiche, durch das ragt der Mensch in die Natur hinein; und hier haben wir: Hierarchien. Sehen Sie, geradeso wie der Mensch in drei Naturreiche hineinreicht, so reicht er in drei Geistesreiche hinein. Mit seinem Denken reicht er hinein in die Hierarchie - nun, sehen Sie, da gibt es heute noch keinen Namen dafür. Weil der Materialismus auf diese Sache keine Rücksicht nimmt, gibt es noch keinen Namen dafür; also müssen wir sie benennen mit den alten Namen: Angeloi, Engel. Da wird man gleich verschrieen als abergläubisch. Gewiß, wir haben heute in der Sprache nicht mehr recht die Möglichkeit, Namen zu finden, weil die Menschen die Fähigkeit verloren haben, zu empfinden bei den Lauten; aber nur so lange konnten die Sprachen gebildet werden, als die Menschen bei den Lauten noch etwas empfunden haben. Heute redet ein jeder von Ball, von Fall, von Kraft; da ist überall ein A drinnen, in jedem dieser Worte ist ein A drinnen. Aber was ist denn ein A? Ein «A» ist ja der Ausdruck des Gefühls! Denken Sie, wenn Sie hier plötzlich sehen würden, daß da einer das Fenster von draußen aufmachte und hereinguckte, was das bewirkt: weil das jetzt nicht sein soll, wären Sie erstaunt; wahrscheinlich würde ein großer Teil von Ihnen mit Ah! das Erstaunen ausdrücken, wenn er sich nicht genieren würde, es zu tun. A ist immer der Ausdruck des Erstaunens. So ist bei jedem Buchstaben irgendein Ausdruck da von irgend etwas. Und wenn ich sage: «Ball», so brauche ich das A deshalb, weil ich erstaunt bin, wenn ich den Ball schmeiße, wie er sich merkwürdig benimmt; oder wenn das einen Tanzball bedeutet, so bin ich auch erstaunt, wie das durcheinanderwirbelt! Nur ist es so geworden, daß es die Menschen nach und nach gewohnt sind, so daß sie gar nicht mehr erstaunt sind; so könnte man es auch Bull oder Bill nennen, aber ja nicht mehr Ball. - Nehmen wir «Fall. Wenn einer irgendwo herunterplumpst, kann man auch sagen: Ah! - Und das andere, was bedeutend ist, ist eben in dem F drinnen. «Kraft»: wenn einer eine Kraft anwendet, die ihn selber stößt; Ah: überall, wo das Erstaunen auftritt, ist eben das A da.
[ 15 ] Think about how differently you would have to will, how all willing would be different, if you were always crawling around on all fours, just as you did in your first year of life; truly, all human willing would be different. And you would not be able to think at all. And just as the things we carry in our physical bodies connect us to the three kingdoms of nature, so too do thinking, feeling, and willing connect us to three other kingdoms—to supersensory, invisible kingdoms. Everything must have a name. Just as we call minerals, plants, and animals the natural realms, so we call those realms—which in human beings bring about thinking, feeling, and willing in such a way that they are free—hierarchies. So here we have: the natural realms, through which human beings reach into nature; and here we have: hierarchies. You see, just as human beings reach into three natural realms, so they reach into three spiritual realms. Through their thinking, they reach into the hierarchy—well, you see, there is still no name for it today. Because materialism takes no account of this matter, there is still no name for it; so we must name it using the old terms: Angeloi, angels. You’re immediately branded as superstitious. Certainly, we no longer really have the ability in our language today to find names, because people have lost the capacity to feel something in the sounds; but languages could only be formed as long as people still felt something in the sounds. Today everyone talks about a ball, a fall, a force; there’s an “A” in all of them—every one of these words contains an “A.” But what exactly is an “A”? An “A” is, after all, the expression of a feeling! Imagine if you suddenly saw someone here opening the window from the outside and peering in—consider what effect that would have: since that’s not supposed to happen, you’d be astonished; probably a large number of you would express your astonishment with “Ah!” if you weren’t too embarrassed to do so. “A” is always the expression of astonishment. So with every letter, there is some expression of something. And when I say: “Ball,” I need the “A” because I’m surprised when I throw the ball at how strangely it behaves; or if it means a dance ball, I’m also surprised at how it whirls everything around! It’s just that, over time, people have become so used to it that they’re no longer surprised at all; so you could just as well call it “Bull” or “Bill,” but certainly not “Ball” anymore. - Take “Fall.” When someone plops down somewhere, you can also say: “Ah!”—And the other thing that’s significant is right there in the “F.” “Kraft” (force): when someone applies a force that propels them forward; “Ah”: wherever astonishment arises, there’s the “A.”
[ 16 ] Und bedenken Sie: Sie haben die Ansicht, daß das Denken in Ihrem Kopfe sitzt. Wenn Sie aber plötzlich wahrnehmen würden, daß zu Ihrem Denken ebenso geistige Wesen gehören, wie zu Ihrem Empfinden und Fühlen auf der Erde Tiere sein müssen, damit Sie die Tierheit in sich haben können, dann würden Sie auch erstaunt sein, würden also, wenn Sie dieses Erstaunen ausdrücken, ein Wort haben müssen, das das A enthält. Sie würden also diese Denkwesen, die man einmal Angeloi genannt hat, auch mit einem A benennen können, und das, daß Sie die Macht des Denkens haben, würden Sie mit demjenigen Buchstaben benennen, der Macht ausdrückt in einer gewissen Weise: L; und die Macht, die wirkt, würden Sie vielleicht mit einem B bezeichnen. Das Wort «Alb», das schon einmal Verwendung gefunden hat für etwas Geistiges, das würde für diese Wesen, die mit dem Denken zu tun haben, ebensogut ein Zeichen werden können, wenn es nicht für den Alpdruck bloß gebraucht würde, wo es krankhaft ist. Also die Hierarchien sind eben Reiche, in die der Mensch hineinreicht, die er in sich trägt, geradeso wie er die Reiche der Natur in sich trägt; und diese Wesen, die man Alb oder Engel genannt hat, das sind diejenigen, die mit dem Denken zu tun haben.
[ 16 ] And consider this: You believe that thinking takes place inside your head. But if you were to suddenly realize that spiritual beings are just as much a part of your thinking as animals must be a part of your sensations and feelings on Earth—so that you can possess animal nature within yourself—then you, too, would be astonished; and so, when expressing this astonishment, you would need a word containing the letter A. So you could also name these thinking beings—which were once called “Angeloi”—with an “A,” and the fact that you possess the power of thought, you would denote with the letter that expresses power in a certain way: “L”; and the power that acts, you might perhaps denote with a “B.” The word “Alb,” which has already been used to refer to something spiritual, could just as well become a symbol for these beings associated with thought, were it not for the fact that it is currently used exclusively to describe nightmares, where it has a pathological connotation. So the hierarchies are simply realms into which human beings reach, which they carry within themselves, just as they carry the realms of nature within themselves; and these beings, who have been called “Alb” or “angels,” are those who are connected with thinking.
[ 17 ] Dagegen mit dem Fühlen im Menschen, da haben tierische Wesen zu tun. Was, tierische Wesen? Nun, sehen Sie, wenn man ein bißchen aufmerksam ist, wenn man nicht von vornherein wild wird, wenn von Geistigem die Rede ist, sondern wenn man sich eben darauf einläßt, daß von Geistigem die Rede sein kann, so kommt man schon auf manches - auch wenn man noch nicht mit Geistesforschung, wie es bei der Anthroposophie der Fall ist, vorgehen kann. Denken Sie sich doch einmal, daß Sie, wenn Sie fühlen wollen, eine gewisse Wärme in sich haben müssen! Der Frosch fühlt viel weniger lebhaft als der Mensch, weil er nicht so warmes Blut hat; man muß wirklich Wärme in sich haben, wenn man fühlt. Aber die Wärme, die man in sich hat, kommt ja von der Sonne! Und so kann man sagen: Auch das Fühlen steht in Verbindung mit der Sonne - nur geistig. Die physische Wärme steht mit der physischen Sonne, das Fühlen, das mit der physischen Wärme zusammenhängt, steht mit der geistigen Sonne in Zusammenhang. Diese zweite Hierarchie, die mit dem Fühlen zu tun hat, die wohnt also in der Sonne. Man kann unbedingt darauf kommen, wenn man nur ein wenig nicht aufs Gehirn gefallen ist, wie es heute eben viele sind - die Wissenschafter insbesondere -, da kommt man dann darauf: Die zweite Hierarchie, das sind die Sonnenwesen. Und weil die Sonne nur nach außen sich offenbart in Licht und Wärme - das Innere der Sonne kennt ja kein Mensch, denn wenn die Physiker wirklich auf die Sonne kommen würden, würden sie höchst erstaunt sein darüber, daß die Sonne gar nicht so ausschaut, wie sie gewöhnlich meinen! -, denken sie sich, die Sonne ist ein glühender Gasball. Das ist sie gar nicht; sie ist eigentlich aus lauter saugenden Kräften bestehend; hohl ist sie, leer nicht einmal, aber saugend. Wir können sagen, nach außen offenbart sie sich als Licht, als Wärme; die Wesen, die drinnen sind, haben im Griechischen «Offenbarungswesen» geheißen. Wo man noch etwas wußte von den Dingen - denn die alte instinktive Wissenschaft war noch viel gescheiter als die heutige -, da hat man diese Wesen, die sich offenbaren von der Sonne aus, Exusiai genannt; wir können gut auch sagen: Sonnenwesen. Wir müssen nur wissen, daß man, wenn man vom Fühlen spricht, in das Reich der Sonnenwesen hineinkommt. Geradeso wie wenn ich sage: Der Mensch hat in sich Wachstums- und Ernährungskräfte, also das Pflanzenreich in sich, so muß ich sagen: Der Mensch hat in sich die Kräfte des Fühlens, also Kräfte des geistigen Sonnenreichs, der zweiten Hierarchie. Und das Dritte ist die erste Hierarchie, die zu tun hat mit dem menschlichen Willen, wo der Mensch am kräftigsten wird, wo er nicht bloß sich bewegt, wo er seine Taten ausdrückt. Das steht im Zusammenhang mit denjenigen Wesen, die geistig in der ganzen Welt draußen sind, und die überhaupt die höchsten geistigen Wesen sind, die wir kennenlernen können. Wir nennen sie wiederum mit griechischen oder hebräischen Namen, weil wir deutsche noch nicht haben, oder überhaupt die Ausdrücke im Sprachlichen noch nicht haben: Throne, Cherubim, Seraphim. Das ist das oberste Reich.
[ 17 ] On the other hand, when it comes to human feelings, animal beings are involved. What, animal beings? Well, you see, if one pays a little attention—if one doesn’t immediately become agitated when the spiritual is mentioned, but instead is open to the possibility that the spiritual might be a topic of discussion—then one can discover quite a lot, even if one is not yet able to engage in spiritual research as is the case with anthroposophy. Just imagine that if you want to feel, you must have a certain warmth within you! The frog feels much less vividly than a human being because it does not have such warm blood; one really must have warmth within oneself in order to feel. But the warmth one has within oneself comes from the sun! And so one can say: Feeling, too, is connected to the sun—only in a spiritual sense. Physical warmth is connected to the physical sun; feeling, which is related to physical warmth, is connected to the spiritual sun. This second hierarchy, which has to do with feeling, therefore dwells in the sun. One can certainly come to this realization if one has not become too fixated on the brain—as so many are today, especially scientists—and then one realizes: The second hierarchy consists of the solar beings. And because the sun reveals itself outwardly only as light and heat—no one knows the inner workings of the sun, for if physicists were to truly investigate the sun, they would be greatly astonished to find that the sun does not look at all as they usually imagine!—they imagine the sun to be a glowing ball of gas. It is not that at all; it actually consists entirely of absorbing forces; it is hollow—not even empty, but absorbing. We can say that outwardly it reveals itself as light and heat; the beings inside were called “beings of revelation” in Greek. In times when people still knew something about these things—for the ancient instinctive science was far wiser than today’s—these beings that manifest themselves from the sun were called Exusiai; we might just as well say: solar beings. We need only know that when we speak of feeling, we enter the realm of the solar beings. Just as when I say: “Human beings possess within themselves the forces of growth and nutrition—that is, the plant kingdom within them”—so I must say: “Human beings possess within themselves the forces of feeling—that is, the forces of the spiritual solar kingdom, the second hierarchy.” And the third is the first hierarchy, which has to do with the human will—where human beings become most powerful, where they do not merely move, but express their actions. This is connected to those beings who are spiritually present throughout the entire outer world and who are, in fact, the highest spiritual beings we can come to know. We refer to them by Greek or Hebrew names, since we do not yet have German equivalents—or indeed, the linguistic terms themselves: Thrones, Cherubim, Seraphim. This is the highest realm.
[ 18 ] So gibt es drei Reiche im Geistigen, wie es drei Reiche in der Natur gibt. So wie der Mensch es mit den drei Reichen der Natur zu tun hat, so hat er es auch mit den drei Reichen des Geistigen zu tun.
[ 18 ] Just as there are three kingdoms in the natural world, so there are three kingdoms in the spiritual world. Just as human beings are concerned with the three kingdoms of the natural world, so they are also concerned with the three kingdoms of the spiritual world.
[ 19 ] Nun werden Sie sagen: Ja, aber das kann ich glauben oder nicht, denn diese drei Reiche sind ja nicht sichtbar, nicht wahrnehmbar. Ja aber, meine Herren, ich habe schon Leute kennengelernt, denen hat man begreiflich machen sollen, daß es eine Luft gibt! Das hat er nicht geglaubt, daß da Luft war. Wenn ich ihm sage: Da ist eine Tafel - das glaubt er, denn wenn er hingeht, da stößt er sich an der Tafel an, oder wenn er mit dem Auge hinschaut, sieht er die Tafel, aber er stößt sich nicht an der Luft. Er guckt und sagt: Da ist doch nichts da. Dennoch gibt heute schon jeder die Luft zu. Sie ist eben da. So wird es auch kommen, daß die Leute das Geistige zugeben. Heute noch sagen die Menschen: Nun, das Geistige ist eben nicht da - wie die Bauern früher gesagt haben: Die Luft ist nicht da. - In meiner Heimat sagten noch die Bauern: Die Luft ist ja gar nicht da - das sagen nur die Großkopfeten in der Stadt, die so gescheit sein wollen; da kann man ja durchgehen, da ist ja nichts, wo man durchgehen kann! - Aber das ist lange her. Heute wissen die Bauern auch schon, daß es Luft gibt. Heute wissen aber die gescheitesten Leute noch nicht, daß überall geistige Wesen sind! Das werden sie aber seinerzeit schon zugeben, weil sie sich eben gewisse Dinge sonst nicht erklären können, die eben auch erklärt werden müssen.
[ 19 ] Now you will say: Yes, but I can choose to believe that or not, because these three realms are not visible or perceptible. Yes, but, gentlemen, I have met people who had to be made to understand that air exists! He didn’t believe that there was air there. When I tell him: “There’s a board”—he believes that, because when he walks up to it, he bumps into the board, or when he looks at it with his eyes, he sees the board, but he doesn’t bump into the air. He looks and says, “There’s nothing there.” Yet today, everyone acknowledges the existence of air. It’s simply there. In the same way, people will come to acknowledge the spiritual realm. Even today, people say: “Well, the spiritual simply isn’t there”—just as the farmers used to say: “The air isn’t there.”—In my homeland, the farmers still used to say: “The air isn’t there at all—that’s just what the big shots in the city say, the ones who want to seem so clever; you can walk right through it, there’s nothing there to walk through!”—But that was a long time ago. Today, even the farmers know that air exists. But today, even the smartest people still don’t know that spiritual beings are everywhere! They will admit this in due time, however, because otherwise they simply cannot explain certain things that simply must be explained.
[ 20 ] Wenn heute einer sagt: In alle dem, was da ist als Natur, da ist kein Geist drinnen; denn es ist alles darinnen, was die Naturwissenschaft von der Natur weiß, sonst ist nichts in der Natur - ja, wer das sagt, meine Herren, der ist geradeso, als wenn da ein gestorbener Mensch liegt, ein Leichnam, und ich komme und sage: Du fauler Kerl, warum stehst du denn nicht auf und gehst nicht! - Ich gebe mir Mühe, ihm begreiflich zu machen, daß er nicht so faul sein und aufstehen soll. Ja, da bin ich unverständig, weil ich glaube, da drinnen sei der lebendige Mensch. Und so ist es: Alles das, was der Naturforscher dadrinnen finden kann, das findet er im Lebenden nicht, das findet er im Toten. Er findet draußen in der Natur auch überall das Tote, aber dasjenige, was lebt, findet er nicht. Dasjenige, was geistig ist, findet er auf diese Weise nicht, aber deshalb ist es doch da.
[ 20 ] If someone were to say today: “In all that exists as nature, there is no spirit; for it contains everything that natural science knows about nature, and nothing else exists in nature”—well, gentlemen, whoever says that is just like someone standing over a dead person, a corpse, and saying: “You lazy fellow, why don’t you get up and walk!” —I try my best to make him understand that he shouldn’t be so lazy and should get up. Yes, I’m being unreasonable here, because I believe the living human being is in there. And that’s how it is: everything the naturalist can find in there, he doesn’t find in the living—he finds it in the dead. He also finds the dead everywhere out in nature, but he doesn’t find what is alive. He doesn’t find what is spiritual in this way, but that doesn’t mean it isn’t there.
[ 21 ] Das also wollte ich auf diese Frage sagen, die gestellt wurde im Zusammenhang mit den Hierarchien.
[ 21 ] So that is what I wanted to say in response to this question, which was asked in connection with hierarchies.
[ 22 ] Herr Burle: Herr Doktor hat in früheren Vorträgen über das Wissen der Geisteswissenschaft von den alten Völkern gesprochen. Das ist heute der Menschheit verlorengegangen. Ob uns Herr Doktor erklären könnte, wieso das gekommen ist? Ob da bloß der Materialismus schuld war?
[ 22 ] Mr. Burle: In previous lectures, the Doctor has spoken about the knowledge of Spiritual Science of the ancient peoples. That knowledge has been lost to humanity today. Could the Doctor explain to us why this happened? Was materialism solely to blame?
[ 23 ] Dr. Steiner: Wieso das alte Wissen untergegangen ist? Ja, sehen Sie, meine Herren, das ist schon eine sehr merkwürdige Tatsache. Nicht so wie wir heute das Wissen haben, aber in einer künstlerischen, poetischen Form, in einer dichterischen Form hatten die alten Menschen, unsere Vorfahren, in Urzeiten ein großes Wissen, und dieses Wissen ist, wie Herr Burle ganz richtig sagt, der Menschheit verlorengegangen. Nun können wir fragen, wodurch dieses Wissen verlorengegangen ist. Natürlich können wir nicht sagen, daß da bloß der Materialismus daran schuld sei; denn wenn alle Menschen noch das alte Wissen hätten, so wäre der Materialismus ja nicht entstanden. Eben gerade weil das alte Wissen verlorengegangen ist und die Menschen geistig zu Krüppeln geworden sind, haben sie den Materialismus erfunden. Also der Materialiimus kommt von dem Untergang des alten Wissens - nicht, daß man sagen kann, der Untergang des alten Wissens kommt deshalb, weil sich der Materialismus ausgebreitet hat. Also wovon kommt in Wirklichkeit der Untergang des alten Wissens?
[ 23 ] Dr. Steiner: Why did the ancient knowledge disappear? Well, you see, gentlemen, that is indeed a very curious fact. Not in the way we possess knowledge today, but in an artistic, poetic form—in a lyrical form—the ancient people, our ancestors, possessed great knowledge in primeval times, and this knowledge, as Mr. Burle quite rightly says, has been lost to humanity. Now we may ask how this knowledge was lost. Of course, we cannot say that materialism alone is to blame for this; for if all people still possessed the ancient knowledge, materialism would never have arisen. It is precisely because the ancient knowledge has been lost and people have become spiritually crippled that they invented materialism. So materialism stems from the decline of the ancient knowledge—not that one can say the decline of the ancient knowledge is due to the spread of materialism. So what, in reality, is the cause of the decline of the ancient knowledge?
[ 24 ] Ja, meine Herren, der kommt davon, daß die Menschheit in einer Entwickelung begriffen ist. Natürlich, man kann den Menschen, der jetzt da ist, sezieren; wenn er stirbt, können Sie ihn sezieren. Da können Sie Kenntnisse gewinnen über die Art und Weise, wie der Mensch in der Gegenwart zusammengesetzt ist. Von alten Zeiten sind ja höchstens vorhanden, nun, die Mumien in Ägypten, von denen wir neulich gesprochen haben; nur sind die durch und durch einbalsamiert, da kann man doch nicht mehr richtig sezieren. Also wie der Mensch ausgesehen hat in früherer Zeit, namentlich in der Zeit, als er feiner gebaut war, davon können sich die Menschen jetzt wissenschaftlich gar keinen Begriff machen durch bloße äußere Forschung; da muß man schon auch mit der Geistesforschung eindringen. Und da kommt man aber darauf, daß eben der Mensch in alten Zeiten gar nicht so war, wie er heute ist.
[ 24 ] Yes, gentlemen, this is because humanity is in the process of evolution. Of course, you can dissect a person who is alive right now; when he dies, you can dissect him. That way, you can gain knowledge about the way human beings are composed in the present. From ancient times, the only things that remain, well, are the mummies in Egypt, which we spoke about recently; but since they are thoroughly embalmed, it is no longer possible to dissect them properly. So as for what human beings looked like in earlier times—particularly in the era when they had a more delicate build—people today cannot form any scientific conception of this through mere external research alone; one must also delve into spiritual research. And there one comes to realize that human beings in ancient times were not at all like they are today.
[ 25 ] Es gab eine Zeit auf der Erde, da haben die Menschen nicht so feste Knochen gehabt, wie wir sie heute haben; da haben die Menschen Knochen gehabt, wie sie heute nur noch die rachitischen Kinder haben, die weiche Knochen haben, so daß sie O- oder X-Beine kriegen und überhaupt schwach sind. Sie können ja sehen, daß es solche weiche Knochen geben kann, denn bei den Knorpelfischen sind sie heute noch vorhanden. Da sind die Knochen knorpelweich. Solche Knochen haben die Menschen einmal gehabt, denn das Knochengerüst war bei den Menschen einmal weich. Nun werden Sie sagen: Da müssen aber die Menschen alle herumgegangen sein mit X- oder O-Beinen, und alles müßte krumm gewesen sein, wenn die Knochen weich gewesen sind!
[ 25 ] There was a time on Earth when people did not have bones as strong as the ones we have today; back then, people had bones like those found today only in children with rickets—bones that are so soft that they develop bowlegs or knock-knees and are generally weak. You can see that such soft bones can exist, for they are still found today in cartilaginous fish. Their bones are as soft as cartilage. Humans once had such bones, for the human skeleton was once soft. Now you might say: But then everyone must have walked around with bowlegs or knock-knees, and everything must have been crooked if the bones were soft!
[ 26 ] Das wäre natürlich dann der Fall gewesen, wenn auf unserer Erde immer dieselbe Luft gewesen wäre wie heute. Aber das war es ja nicht; die Luft war nämlich viel dicker in alten Zeiten. Sie ist viel dünner geworden. Und die Luft hat viel mehr Wasser enthalten in alten Zeiten als heute. Die Luft hat auch viel mehr Kohlensäure enthalten. Die ganze Luft war dicker. - Jetzt kommen Sie schon darauf, daß die Menschen auch dazumal mit ihren weichen Knochen haben leben können; denn wir müssen unsere heutigen Knochen nur deshalb haben, weil uns die Luft ja gar nicht mehr trägt. Eine dickere Luft trägt die Menschen. Das Gehen in jener alten Zeit war viel ähnlicher einem Schwimmen, als das heute ist. Das heutige Gehen ist ja etwas furchtbar Maschinelles: wir setzen ein Bein auf - das muß richtig stehen wie eine Säule -, wir setzen das zweite Bein auf. So gingen die Menschen in der Urzeit nicht, sondern sie spürten, geradeso wie einer im Wasser sich tragen läßt, die wasserhaltige Luft; da konnten sie ihre weichen Knochen haben. Aber wenn da die Luft eben dünner geworden ist - und das kann man schon mit der äußeren Wissenschaft wissen, daß da die Luft dünner geworden ist -, da bekamen erst die harten Knochen einen Sinn; da sind erst die harten Knochen entstanden. Natürlich, früher war die Kohlensäure draußen, die Luft enthielt sie; heute tragen wir den kohlensauren Kalk in uns; dadurch sind ja die Knochen hart geworden. So hängen die Dinge zusammen.
[ 26 ] That would, of course, have been the case if the air on our Earth had always been the same as it is today. But that wasn’t the case; the air was actually much denser in ancient times. It has become much thinner. And the air contained much more water in ancient times than it does today. The air also contained much more carbon dioxide. The air as a whole was denser. - Now you’re beginning to realize that people back then were able to live with their soft bones; for we have our present-day bones only because the air no longer supports us at all. Thicker air supports people. Walking in those ancient times was much more like swimming than it is today. Walking today is, after all, something terribly mechanical: we put one foot down—which has to stand straight as a column—then we put the other foot down. That’s not how people walked in prehistoric times; rather, just as someone is supported by water, they felt the water-rich air; that’s why they could have soft bones. But when the air became thinner—and we already know from scientific research that the air did indeed become thinner—that’s when hard bones first became necessary; that’s when hard bones first developed. Of course, in the past, carbon dioxide was outside; the air contained it; today we carry carbonated calcium within us; that is why the bones have become hard. That is how these things are connected.
[ 27 ] Aber wenn die Knochen hart werden, werden auch die anderen Dinge beim Menschen hart, so daß der Mensch, der weichere Knochen hatte, auch eine wesentlich weichere Gehirnmasse hatte. Überhaupt war der Schädel, der Kopf des Menschen in alten Zeiten auch ganz anders geformt. Sehen Sie, er war mehr so geformt, wie heute die Wasserköpfe geformt sind; das war dazumal schön, ist heute nicht mehr schön. Und so, wie es das ganz kleine Kind noch im Mutterleib hat, so behielt er seinen Kopf, weil er eine weiche Gehirnmasse hatte, und das weiche Gehirn lädt sich ab in den Vorderschädel. Alles war weicher am Menschen.
[ 27 ] But when the bones harden, other aspects of a person also harden, so that a person who had softer bones also had a significantly softer brain mass. In general, the skull—the human head—was shaped quite differently in ancient times. You see, it was shaped more like the heads of people with hydrocephalus are today; that was considered beautiful back then, but it is no longer considered beautiful today. And just as a very small child still has it in the womb, so did he retain his head, because he had soft brain matter, and the soft brain shifts forward into the front of the skull. Everything was softer in humans.
[ 28 ] Nun, meine Herren, wenn der Mensch weicher war, so waren auch seine Seelenfähigkeiten andere. Mit einem weichen Gehirn kann man viel geistiger denken, als wenn man ein hartes Gehirn hat. Das haben die Alten noch gefühlt; die haben einen Menschen, der immer nur dasselbe denken kann und wenig annimmt und daher eigensinnig immer bei dem einen bleibt, einen Dickschädel genannt. In diesem Gefühl liegt schon das, daß man eigentlich besser denken, bessere Vorstellungen haben kann, wenn man ein weiches Gehirn hat. Die Urmenschen haben solch ein weiches Gehirn gehabt.
[ 28 ] Well, gentlemen, if people used to be more malleable, their mental faculties were also different. With a malleable brain, one can think much more intellectually than with a rigid one. The ancients still sensed this; they called a person who could only ever think the same thing, was slow to accept new ideas, and therefore stubbornly clung to that one idea a “stubborn person.” This sentiment already implies that one can actually think better and have better mental images if one has a soft brain. Early humans had such a soft brain.
[ 29 ] Aber etwas anderes hatten diese Urmenschen wiederum. Wir können ja wirklich sagen: Wenn ein Kind geboren wird, so ist sein Schädel mit seinem weichen Gehirn und sind sogar die weichen Knochen noch ähnlich - die Knochen nicht mehr so stark, aber das Gehirn ist sehr stark ähnlich dem, wie es beim Urmenschen war. Aber setzen Sie oder legen Sie einmal ein kleines Kind hin: es kann sich nicht von der Stelle rühren, sich nicht selber ernähren und dergleichen, es kann nichts! Dafür mußte von höheren Wesen gesorgt werden, als die Menschen noch dieses weiche Gehirn hatten. Und die Folge davon war, daß die Menschen dazumal keine Freiheit hatten, keinen freien Willen hatten. Diese Menschen hatten große Weisheit, aber gar keinen freien Willen. Aber in der menschlichen Entwickelung kommt allmählich der freie Wille heraus. Dazu müssen sich die Knochen und das Gehirn verhärten. Aber mit der Verhärtung nimmt wiederum die alte Erkenntnis ihren Untergang. Wir wären keine freien Menschen geworden, wenn wir nicht Dickschädel geworden wären, Hartschädel, Schädel mit den harten Gehirnen bekommen hätten. Aber dem verdanken wir unsere Freiheit. Und so kommt eigentlich der Untergang des alten Wissens mit der Freiheit. Das ist es. Ist es verständlich? (Antwort: Ja) Es kommt mit der Freiheit!
[ 29 ] But these early humans had something else, too. We can truly say: When a child is born, its skull, with its soft brain, and even its soft bones are similar—the bones are no longer as strong, but the brain is very much like that of early humans. But try sitting or laying a small child down: it cannot move from the spot, cannot feed itself, or do anything of the sort—it can do nothing! Higher beings had to take care of this while humans still had this soft brain. And the consequence of this was that people back then had no freedom, no free will. These people possessed great wisdom, but no free will at all. But in human evolution, free will gradually emerges. For this to happen, the bones and the brain must harden. Yet with this hardening, the old knowledge begins to fade away. We would not have become free human beings if we had not become thick-skulled, hard-skulled—if we had not acquired skulls with hard brains. But we owe our freedom to that. And so, in fact, the decline of the old knowledge comes with freedom. That is it. Is that understandable? (Answer: Yes) It comes with freedom!
[ 30 ] Jetzt aber haben die Menschen, während sie sich auf der einen Seite die Freiheit errungen haben, das alte Wissen verloren, sind dem Materialismus verfallen. Aber der Materialismus ist nicht die Wahrheit. Daher müssen wir wieder zur geistigen Erkenntnis kommen, trotzdem wir heute ein dichteres Gehirn haben als die Urmenschen. Das können wir eben nur durch die anthroposophische Geisteswissenschaft, die zu Erkenntnissen kommt, die vom Körper unabhängig sind, die mit der Seele ganz allein erkannt werden. Die alten Menschen hatten ihre Kenntnise dadurch, daß ihr Gehirn weicher war, das heißt, seelenähnlicher war; und wir haben unseren Materialismus, weil unser Hirn hart geworden ist, die Seele nicht mehr aufnimmt. Nun müssen wir eben mit der Seele allein, die nicht vom Hirn aufgenommen ist, geistige Erkenntnisse gewinnen. Das tut die Geisteswissenschaft. Man kommt wiederum zurück zu den geistigen Erkenntnissen. Aber wir leben jetzt in dem Zeitalter, wo sich die Menschheit durch den Materialismus die Freiheit erkauft hat. Deshalb kann man nicht sagen, daß der Materialismus, wenn er auch die Unwahrheit ist, etwas Schlechtes ist. Der Materialismus, wenn er nicht übertrieben wird, ist eben nichts Schlechtes, sondern durch den Materialismus lernte die Menschheit sehr viel kennen, was sie früher nicht kannte. Das ist es.
[ 30 ] But now, while people have gained freedom on the one hand, they have lost the ancient knowledge and have fallen prey to materialism. But materialism is not the truth. Therefore, we must return to spiritual knowledge, even though we have a denser brain today than early humans did. We can do this only through anthroposophical Spiritual Science, which arrives at insights that are independent of the body—insights that are perceived solely through the soul. Ancient people possessed their knowledge because their brains were softer—that is, more soul-like; and we have our materialism because our brains have become hardened and no longer absorb the soul. Now we must gain spiritual insights solely through the soul, which is not absorbed by the brain. This is what Spiritual Science does. We are returning once again to spiritual insights. But we now live in an age in which humanity has bought its freedom through materialism. Therefore, one cannot say that materialism—even if it is untrue—is something bad. Materialism, when not taken to extremes, is simply not a bad thing; rather, through materialism, humanity has come to know a great deal that it did not know before. That is it.
[ 31 ] Nun ist noch eine Frage schon vorher schriftlich gestellt worden:
[ 31 ] Now, another question had already been submitted in writing:
[ 32 ] Ich habe in Ihrer «Philosophie der Freiheit» den Satz gelesen: «Erst wenn wir den Weltinhalt zu unserem Gedankeninhalt gemacht haben, erst dann finden wir den Zusammenhang wieder, aus dem wir uns selbst gelöst haben.»
[ 32 ] I read the following sentence in your *Philosophy of Freedom*: “Only when we have made the content of the world the content of our thoughts—only then do we rediscover the connection from which we have detached ourselves.”
[ 33 ] Das hat der Herr also gelesen in der «Philosophie der Freiheit». Er stellt nun die Frage: Was gehört zu diesem Weltinhalt, da doch alles, was wir sehen, nur insofern da ist, daß es gedacht wird? Und dann wird angeführt: Kan erklärt, daß der Verstand unfähig ist, dasjenige zu begreifen, welches die erscheinende Ursachenwelt vor der Erfahrungswelt ist.
[ 33 ] So that is what the professor read in *The Philosophy of Freedom*. He now asks the question: What belongs to this content of the world, since everything we see exists only insofar as it is thought? And then it is stated: Kan explains that the intellect is incapable of comprehending that which the appearing world of causes is prior to the world of experience.
[ 34 ] Nun, sehen Sie, meine Herren, das ist so: Wenn wir geboren werden, kleine Kinder sind, dann haben wir Augen, haben Ohren, wir sehen und hören, das heißt, wir nehmen wahr die Dinge, die außer uns sind. Der Stuhl, der da steht, wird vom Kind noch nicht gedacht, aber wahrgenommen. Der schaut für das Kind geradeso aus wie für den Erwachsenen, nur denkt das Kind den Stuhl noch nicht. Nehmen wir an, durch irgendeine künstliche Sache könnte das ganz kleine Kind, das noch keine Gedanken hat, schon reden; dann wäre das ist man ja heute gewöhnt, wo ja auch die gedankenlosen Menschen am meisten kritisieren - das Kind schon geneigt, alles zu kritisieren, alles etwas zu kritisieren. Ich bin sogar überzeugt, wenn ganz kleine Kinder, die noch nicht denken können, viel schon schwätzen könnten, so würden sie die stärksten Kritiker werden. Nicht wahr, noch im uralten Indien, da haben überhaupt kritisieren, urteilen dürfen nur diejenigen, die schon sechzig Jahre alt waren; den anderen ist noch kein Urteil zugestanden worden, weil man sagte: sie haben keine Welterfahrung. Nun, ich will das weder verteidigen, noch selber kritisieren, sondern ich will es Ihnen nur erzählen, daß das so war. Heute würde einen natürlich jeder Mensch auslachen, der zwanzig Jahre alt geworden ist, wenn man ihm sagen wollte, er müßte mit seinem Urteil warten, bis er einmal sechzigjährig sei! Das tun die heutigen jungen Leute nicht; sie warten überhaupt nicht, sondern sobald sie irgendwie nur eine Feder führen können, fangen sie ja schon an für Zeitungen zu schreiben, alles zu beurteilen. In dieser Beziehung haben wir es heute schon weit gebracht. Aber ich bin überzeugt, wenn die ganz kleinen Kinder sprechen könnten - oh, die wären strenge Kritiker! So ein Halbjähriger, Donnerwetter, was würde der alles kritisieren an unseren Handlungen, wenn er zum Reden gebracht werden könnte!
[ 34 ] Well, you see, gentlemen, here’s the thing: When we’re born, when we’re little children, we have eyes and ears; we see and hear—that is, we perceive things that exist outside of us. The child doesn’t yet think about the chair standing there, but perceives it. To the child, it looks exactly the same as it does to an adult; it’s just that the child doesn’t yet think about the chair. Let’s suppose that, through some artificial means, a very young child—who has no thoughts yet—could already speak; then—as we’re accustomed to today, since even thoughtless people are the ones who criticize the most—the child would already be inclined to criticize everything, to find fault with everything. I am even convinced that if very young children, who cannot yet think, were already able to babble a great deal, they would become the fiercest critics. Isn’t that right? Even in ancient India, only those who were already sixty years old were allowed to criticize or pass judgment at all; the others were not yet granted the right to judge, because it was said: they have no experience of the world. Well, I neither want to defend this nor criticize it myself; I just want to tell you that this is how it was. Today, of course, anyone who has reached the age of twenty would laugh at you if you told them they had to wait to pass judgment until they were sixty! Young people today don’t do that; they don’t wait at all—as soon as they can hold a pen, they start writing for newspapers and passing judgment on everything. In this respect, we’ve come a long way today. But I’m convinced that if very young children could speak—oh, they’d be harsh critics! A six-month-old, for goodness’ sake—just imagine what he’d criticize about our actions if he could be made to speak!
[ 35 ] Meine Herren, sehen Sie, zu denken fangen wir halt erst später an! - Wie war denn das Sprache-Bilden? Nun, denken Sie sich einmal so ein halbjähriges Kind, das noch nicht den Gedanken des Stuhles haben kann, aber den Stuhl geradeso sieht wie wir, das würde über den Stuhl diskutieren. Jetzt sagten Sie: Ich habe auch den Gedanken des Stuhles; in dem Stuhle ist Schwerkraft, dadurch steht er auf dem Boden; an dem Stuhl ist etwas geschnitzt worden, dadurch hat er eine Form. Der Stuhl hat in sich eine gewisse innere Konsistenz, dadurch kann ich mich darauf setzen, falle nicht herunter, wenn ich mich darauf setze und so weiter. Ich habe den Gedanken des Stuhles. Ich denke mir etwas beim Stuhl. - Das halbjährige Kind, das denkt das alles nicht. Ich komme also und sage: Der Stuhl hat feste Formen, hat Schwere. - Das halbjährige Kind, das noch nicht diesen Gedanken hat, sagt: Du bist ein dummer Kerl, du bist dumm geworden, weil du so alt geworden bist. Dasjenige, was der Stuhl ist, das wissen wir eben, wenn wir halbjährig sind; später macht ihr euch allerlei phantastische Gedanken darüber. - Ja, so wäre es, wenn das Kind mit einem halben Jahr reden könnte; das würde so sagen! Und was wir eben erst im Laufe des Alters können - daß wir bei dem, was wir sagen, auch darüber denken können -, bei alldem ist es ja so, daß die Gedanken eben doch zum Stuhl gehören; ich weiß sie nur vorher nicht. Ich weiß die Gedanken erst, wenn ich dazu reif geworden bin. Aber die Festigkeit des Stuhles habe ich doch nicht in mir. Ich setze mich doch nicht auf meine eigene Festigkeit, wenn ich mich auf den Stuhl setze, sonst könnte ich mich doch auf mich wieder draufsetzen. Der Stuhl wird doch nicht durch mich schwer, wenn ich mich draufsetze, er ist doch an sich schwer. Alles, was ich als Gedanken erfasse, liegt ja schon im Stuhl drinnen. So daß ich die Wirklichkeit des Stuhles erfasse, wenn ich mich im Lauf des Lebens durch den Gedanken wieder verbinde mit dem Stuhl. Zuerst sehe ich nur die Farben und so weiter, höre, wenn man mit dem Stuhl klappert, fühle auch, ob er kalt oder warm ist; ich kann das mit den Sinnen wahrnehmen. Was aber im Stuhl drinnen ist, das weiß man erst, nachdem man älter geworden ist und denkt. Da verbindet man sich wieder mit ihm, stellt die Rückwirkung her.
[ 35 ] Gentlemen, you see, we only start thinking later on! — How did language development actually take place? Well, imagine a six-month-old child who cannot yet conceive of the idea of a chair, but who sees the chair just as we do—that child would discuss the chair. Now you said: I also have the concept of a chair; there is gravity in the chair, which is why it stands on the floor; something has been carved into the chair, which is why it has a shape. The chair has a certain internal consistency, which is why I can sit on it, won’t fall off when I sit on it, and so on. I have the concept of a chair. I think of certain things when I look at the chair. - A six-month-old child doesn’t think any of that. So I come along and say: “The chair has fixed shapes; it has weight.” - The six-month-old child, who doesn’t yet have that concept, says: “You’re a silly fellow; you’ve become stupid because you’ve gotten so old.” We already know what the chair is when we’re six months old; later on, you come up with all sorts of fantastical ideas about it. - Yes, that’s how it would be if the six-month-old child could speak; that’s exactly what it would say! And what we only become capable of as we grow older—that we can think about what we’re saying as we say it—in all of this, the fact remains that these thoughts do indeed belong to the chair; I just don’t know them yet. I don’t know the thoughts until I’ve matured enough for them. But I don’t have the chair’s solidity within me. I don’t sit on my own solidity when I sit on the chair; otherwise, I could sit on myself again. The chair doesn’t become heavy because of me when I sit on it—it’s heavy in and of itself. Everything I grasp as a thought is already contained within the chair. So that I grasp the reality of the chair when, in the course of my life, I reconnect with it through thought. At first, I only see the colors and so on; I hear the chair when it’s tapped, and I also feel whether it’s cold or warm—I can perceive these things with my senses. But what’s inside the chair—you only come to know that after you’ve grown older and begun to think. That’s when you reconnect with it and establish the reciprocal relationship.
[ 36 ] Kant - ich habe neulich über ihn gesprochen - hat ja den größten Fehler gemacht, indem er geglaubt hat, dasjenige, was das Kind noch nicht wahrnimmt und was man erst später wahrnimmt, den Gedankeninhalt nämlich, den trage der Mensch erst in die Sachen hinein. Also Kant sagt eigentlich: Wenn da der Stuhl steht - der Stuhl hat Farben, der Stuhl klappert. Aber wenn ich sage, der Stuhl ist schwer, so ist das nicht eine Eigenschaft des Stuhles, sondern die gebe ich ihm, indem ich ihn schwer denke. Der Stuhl hat Festigkeit, aber die hat er nicht in sich, die gebe ich ihm, indem ich ihn fest denke. - Ja, meine Herren, das wird zwar als eine große Wissenschaft angesehen, diese Kantsche Lehre, das habe ich Ihnen vor einiger Zeit gesagt; aber sie ist eben in Wirklichkeit ein großer Unsinn. Es wird eben da einmal ein großer Unsinn durch die eigentümliche Entwickelung der Menschheit als eine große Wissenschaft, als die höchste Philosophie angesehen, und Kant wird ja immer der Alleszermalmer, der Alleszertrümmerer auch genannt. Ich habe immer nur in ihm sehen können - ich habe mich schon als ganz kleiner Junge mit Kant befaßt, immer wieder - wirklich einen Zertrümmerer; aber sonst habe ich nicht bemerkt, daß derjenige das Größte begründet, der die Suppenteller zertrümmert, und daß dieser größer wäre als derjenige, der sie macht. Mir schien immer derjenige größer, der sie macht! Kant hat immer alles zertrrümmert in Wirklichkeit. - Also diese Einwände von Kant, die dürfen uns gar nicht bekümmern. Aber die Sache ist die, daß wir, wenn wir geboren werden, losgelöst sind von den Dingen, weil wir gar keinen Zusammenhang mit ihnen haben. Wir wachsen erst wieder hinein in die Dinge, indem wir uns die Begriffe bilden. Daher muß man die Frage, die hier gestellt ist, so beantworten: Was gehört zum Weltinhalt? Ich sage in meiner «Philosophie der Freiheit»: Wenn wir den Weltinhalt zu unserem Gedankeninhalt gemacht haben, erst dann finden wir den Zusammenhang wieder, aus dem wir uns als Kind herausgelöst haben. Als Kind haben wir nicht den Weltinhalt, da haben wir nur den sinnlichen Teil des Weltinhaltes. Aber der Gedankeninhalt ist ja wirklich drinnen im Weltinhalt. So daß wir als Kind nur einen halben Weltinhalt haben, und erst später, wenn wir heranwachsen zu unseren Gedanken, haben wir den Gedankeninhalt nicht bloß in uns, sondern wir wissen, daß er in den Dingen drinnen ist, behandeln auch unsere Gedanken so, daß wir wissen, daß sie in den Dingen drinnen sind, und da stellen wir den Zusammenhang mit den Dingen wiederum her.
[ 36 ] Kant—I spoke about him recently—made the biggest mistake by believing that what a child does not yet perceive, and what one only perceives later—namely, the content of thought—is something that humans first project onto things. So Kant is actually saying: When the chair is standing there—the chair has colors, the chair rattles. But when I say the chair is heavy, that is not a property of the chair; rather, I give it that property by thinking of it as heavy. The chair has solidity, but it does not possess that in itself; I bestow it upon the chair by thinking of it as solid. — Yes, gentlemen, this Kantian doctrine is indeed regarded as a great science, as I told you some time ago; but in reality, it is simply utter nonsense. It is precisely there that, due to the peculiar development of humanity, utter nonsense is regarded as a great science, as the highest philosophy, and Kant is, after all, always called the “crusher of everything,” the “smasher of everything.” I have always seen him—I studied Kant even as a very young boy, time and again—as nothing but a shatterer; but otherwise I have not noticed that the one who smashes the soup plates is the one who establishes the greatest, and that he would be greater than the one who makes them. To me, the one who makes them has always seemed greater! In reality, Kant has always smashed everything to pieces. — So these objections from Kant need not trouble us at all. But the fact is that when we are born, we are detached from things because we have no connection to them whatsoever. We only grow back into things by forming concepts. Therefore, the question posed here must be answered as follows: What belongs to the content of the world? I say in my *Philosophy of Freedom*: Only when we have made the content of the world the content of our thoughts do we rediscover the connection from which we became detached as children. As children, we do not possess the content of the world; we have only the sensory part of it. But the content of thought is, after all, truly contained within the content of the world. So as children we have only half the content of the world, and only later, as we grow into our thoughts, do we not merely have the content of thought within us, but we know that it is within things; we also treat our thoughts in such a way that we know they are within things, and in this way we reestablish the connection with things.
[ 37 ] Sehen Sie, es war sehr schwer in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, wo alles kantianisiert worden war, wo alles so redete, daß eben die Kantsche Philosophie als das Höchste angesehen wurde und noch keiner sich getraute, etwas gegen die Kantsche Philosophie zu sagen - es war sehr schwer, als ich dazumal aufgetreten bin und erklärt habe, daß die Kantsche Philosophie eigentlich ein Unsinn ist. Aber das habe ich von allem Anfang an erklären müssen. Denn natürlich, wenn jemand wie Kant meint, daß wir eigentlich den Gedankeninhalt zu den Dingen hinzuschaffen, dann kann er nicht mehr zum einfachen Inhalt kommen, dann sind in der Seele eben die Gedanken zu den äußeren Dingen, und es ist erst recht Materialismus. Kant ist vielfach schuld daran, daß die Menschen nicht aus dem Materialismus herausgekommen sind. Kant ist überhaupt an sehr vielem schuld. Ich habe es Ihnen dazumal gesagt, als ich von einer andern Seite her über Kant gefragt worden bin. Die anderen haben, weil sie nichts anderes denken konnten, den Materialismus gemacht. Kant hat aber gesagt: Über die geistige Welt kann man überhaupt nichts wissen, sondern nur glauben. - Damit hat er eigentlich gesagt: Man kann nur über die sinnliche Welt etwas wissen, weil man nur in die sinnliche Welt die Gedanken hereinschleppen kann.
[ 37 ] You see, it was very difficult in the 1880s, when everything had been “Kantianized,” when everyone spoke in such a way that Kant’s philosophy was regarded as the highest truth and no one yet dared to say anything against it—it was very difficult when I stepped forward back then and explained that Kant’s philosophy is actually nonsense. But I had to explain that from the very beginning. Because, of course, if someone like Kant believes that we actually have to create the content of thought regarding things, then he can no longer arrive at simple content; then the soul simply contains thoughts about external things, and that is materialism all the more so. Kant is largely to blame for the fact that people have not emerged from materialism. Kant is to blame for a great many things in general. I told you this back then, when I was asked about Kant from a different perspective. The others, because they could not think otherwise, embraced materialism. But Kant said: One cannot know anything at all about the spiritual world, but only believe in it. — By this he actually meant: One can only know something about the sensory world, because one can only bring thoughts into the sensory world.
[ 38 ] Und nun fühlten die Menschen, die materialistisch werden wollten, sich immer mehr gerechtfertigt, indem sie auf Kant verwiesen. Aber es muß sich eben die Menschheit auch dieses Vorurteil abgewöhnen - das heißt, ein Teil der Menschheit, die wenigsten wissen ja etwas von Kant -, sie müssen sich abgewöhnen, daß sie sich immer auf Kant berufen, und gerade auf Kant berufen dann, wenn sie sagen wollen: Man kann eigentlich nichts wissen über die geistige Welt. - Also: Weltinhalt ist Sinnesinhalt und Geistesinhalt. Aber zum geistigen Inhalt kommt man erst im Laufe des Lebens, wenn man Gedanken entwickelt. Dann stellt man wieder den Zusammenhang zwischen Natur und Geist her, während man anfangs als Kind nur die Natur vor sich hat, und der Geist erst allmählich sich herausentwickelt aus der eigenen Natur.
[ 38 ] And now those who wanted to become materialists felt increasingly justified in doing so by referring to Kant. But humanity must also break itself of this prejudice—that is, a portion of humanity, since very few actually know anything about Kant—they must stop always invoking Kant, and especially stop invoking Kant precisely when they want to say: One can’t really know anything about the spiritual world. —So: the content of the world consists of sensory content and spiritual content. But one only arrives at spiritual content in the course of one’s life, as one develops thoughts. Then one reestablishes the connection between nature and spirit, whereas as a child one initially has only nature before one’s eyes, and the spirit only gradually develops out of one’s own nature.
[ 39 ] Hat vielleicht noch jemand eine ganz kleine Frage?
[ 39 ] Does anyone else have a quick question?
[ 40 ] Herr Burle frägt über das menschliche Haar und sagt: Heute sind so viele Mädchen, die sich die Haare abschneiden lassen. Kann der Herr Doktor sagen, ob das der Gesundheit förderlich ist? Auch meine kleine Tochter hätte sich gern das Haar abgeschnitten; ich habe es ihr aber nicht erlaubt. Ich möchte wissen, ob es schädlich wäre oder nicht.
[ 40 ] Mr. Burle asks about human hair and says: These days, so many girls are having their hair cut short. Can the doctor tell us whether this is good for one’s health? My little daughter would have liked to have her hair cut short as well, but I didn’t let her. I’d like to know whether it would be harmful or not.
[ 41 ] Dr. Steiner: Nicht wahr, die Sache ist diese: Es ist der Haarwuchs so wenig mit dem ganzen Organismus in einem Verhältnis, daß nicht so furchtbar viel darauf ankommt, ob man sich das Haar lang wachsen läßt oder abschneidet. Der Schaden wird eben nicht so groß, daß er wahrnehmbar wird. Es ist aber ein Unterschied zwischen Männern und Frauen in dieser Beziehung. Nicht wahr, eine Zeitlang war es ja so - jetzt ist das ja nicht mehr so -, daß man sehr oft Anthroposophen miteinander hat gehen sehen, die Herren und die Damen - der Herr, der schnitt sich sein Haar nicht ab, der trug eben lange Locken, und die Damen schnitten sich die Haare kurz! Da sagten die Leute natürlich auch: Diese Anthroposophie bringt die verkehrte Welt; bei den Anthroposophen schneiden sich die Damen die Haare ab und die Männer lassen sie sich wachsen. - Jetzt ist das ja nicht mehr so, wenigstens nicht so auffällig. Aber man kann schon auch fragen, wie das mit dem Unterschied der Geschlechter ist beim Haarabschneiden.
[ 41 ] Dr. Steiner: Isn’t it true that the situation is this: Hair growth is so loosely connected to the entire organism that it doesn’t really matter all that much whether one lets one’s hair grow long or cuts it off. The damage simply isn’t great enough to be noticeable. There is, however, a difference between men and women in this regard. Isn’t it true that for a while—though that’s no longer the case—you would very often see anthroposophists walking together, men and women—the men didn’t cut their hair; they simply wore long curls, while the women cut their hair short! Naturally, people used to say: “Anthroposophy turns the world upside down; among anthroposophists, the women cut their hair short and the men let theirs grow.”—That’s no longer the case, at least not so conspicuously. But one might well ask what the gender difference is when it comes to cutting one’s hair.
[ 42 ] Im allgemeinen ist das allerdings so, daß bei den Männern der üppige Haarwuchs etwas eher Überflüssiges ist; bei den Frauen ist er etwas Notwendiges. In den Haaren ist nämlich immer Schwefel enthalten, Eisen, Kieselsäure und noch einige andere Stoffe. Diese Stoffe werden auch gebraucht von dem Organismus. Zum Beispiel wird beim Mann sehr stark die Kieselsäure gebraucht, weil der Mann dadurch, daß er männlichen Geschlechtes wird im Mutterleibe, die Fähigkeit verliert, selber Kieselsäure zu erzeugen. Durch die abgeschnittenen Haare - immer wenn die Haare frisch abgeschnitten sind, saugen sie die Kieselsäure, die in der Luft ist, ein -, da nimmt der Mann Kieselsäure aus der Luft auf. Also da ist das Abschneiden der Haare nicht schlimm. Schlimm ist nur, wenn sie ausgehen, denn da können sie nichts einsaugen. Daher ist das frühe Glatzenkriegen, das ja ein bißchen mit der Lebensweise der Menschen zusammenhängt, nicht gerade etwas Vorzügliches für den Menschen.
[ 42 ] In general, however, it is true that for men, abundant hair growth is somewhat superfluous; for women, it is somewhat necessary. Hair always contains sulfur, iron, silicic acid, and several other substances. These substances are also needed by the body. For example, men have a very high need for silicic acid because, as they develop into males in the womb, they lose the ability to produce silicic acid on their own. Through their cut hair—whenever hair is freshly cut, it absorbs the silicic acid present in the air—men take in silicic acid from the air. So cutting the hair isn’t a problem. The only problem is when it falls out, because then it can’t absorb anything. That’s why going bald early—which is, after all, somewhat related to people’s lifestyles—isn’t exactly a good thing for a person.
[ 43 ] Nun, bei der Frau ist aber das Abschneiden der Haare doch nicht ganz gut, aus dem Grunde, weil eben die Frau die Fähigkeit hat, Kieselsäure mehr in ihrem Organismus zu erzeugen, und sich also nicht zu oft die Haare ganz kurz abschneiden sollte; denn da saugen dann die Haare die Kieselsäure, die die Frau schon in sich hat, aus der Luft auch noch auf und treiben sie in den Organismus zurück. Da wird die Frau innerlich haarig, stachelig; sie kriegt dann «Haare auf die Zähne». Das ist dann dasjenige, was nicht in so auffälliger Weise geschieht; man muß schon ein bißchen empfindlich sein, wenn man das bemerken will, aber etwas ist es schon vorhanden. Es hat auch die ganze Art und Weise dann so etwas Stachliges, sie wird so innerlich haarig und stachelig; da hat schon das Abschneiden, insbesondere wenn es in jugendlichem Alter geschieht, auch einen Einfluß.
[ 43 ] Well, cutting a woman’s hair short isn’t really a good idea, for the simple reason that women have the ability to produce more silicic acid in their bodies, and so they shouldn’t cut their hair very short too often; because then the hair absorbs the silicic acid that the woman already has within her—as well as that from the air—and drives it back into the body. As a result, a woman becomes hairy and prickly on the inside; she then gets “hairs on her teeth.” This is something that doesn’t happen in such a conspicuous way; one has to be somewhat sensitive to notice it, but it is definitely there. Her whole demeanor then takes on something prickly; she becomes so hairy and prickly on the inside; cutting her hair, especially when done at a young age, certainly has an influence as well.
[ 44 ] Nicht wahr, die Geschichte kann ja auch umgekehrt sein, meine Herren. Es kann so sein, daß solche heutige Menschheitssprossen schon in eine Umgebung kommen - die Kinder sind ja heute alle anders geartet, als wir in unserer Jugend waren -, da genügt ihnen ihre innere Kieselsäure nicht mehr, weil sie stachelig sein wollen. Sie wollen so ein bißchen stachelig, kratzig sein. Da bekommen sie den Instinkt, sich die Haare zu schneiden. Das wird dann Mode: Der eine macht es dem andern nach, und da ist die Geschichte umgekehrt aufgezogen, da wollen die Kinder stachelig werden und lassen sich die Haare schneiden. Wenn man es dann dazu bringt, daß diese Mode ein bißchen bekämpft wird, so kann das gar nicht schlecht sein, wenn man diese Mode ein bißchen übertrieben hat. Schließlich kommt es ja darauf hinaus, nicht wahr: Der eine hat eine Sanfte, der andere eine Stachelige gern; da kann es sich im Geschmacksurteil ein bißchen ändern. Aber einen so ganz großen Einfluß kann es ja nicht haben. Nur, wenn einer eine Tochter hat, die gerade durch die Verhältnisse sich einen Mann auswählen will oder soll, der eine Stachelige liebt, so soll sie sich die Haare schneiden lassen. Freilich, einen Mann, der recht empfindlich ist für Milde, den wird sie dann nicht kriegen; das kann dann schon passieren. - Also die Geschichte greift ja schon mehr in die Ausläufer des Lebens hinein.
[ 44 ] Isn’t it true, gentlemen, that the story could just as easily be the other way around? It may be that today’s young people—who are, after all, all different from what we were in our youth—find themselves in an environment where their inner “silicic acid” is no longer enough for them, because they want to be prickly. They want to be a little prickly, a little rough around the edges. That’s when they get the urge to cut their hair. It then becomes a trend: one person copies another, and the story plays out in reverse—the kids want to be prickly and get their hair cut. If we then manage to counter this trend a little, that can’t be a bad thing, especially if the trend has gotten a bit out of hand. After all, it all comes down to this, doesn’t it: one person prefers a gentle type, another a prickly one; tastes can vary a bit. But it can’t have such a huge influence, after all. However, if a man has a daughter who, due to her circumstances, wants or is expected to choose a husband who loves a spiky hairstyle, then she should have her hair cut. Of course, she won’t get a man who’s particularly sensitive to gentleness—that’s certainly possible. —So this issue does extend further into the far reaches of life.
