Human History and the
World Views of Civilized Nations
GA 353
4 June 1924, Dornach
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Human History and the World Views of Civilized Nations, tr. SOL
16. Die Natur der Sonne — Ursprung der Freimaurerei — Von Zeichen, Griff und Wort — Ku-Klux-Klan
16. The Nature of the Sun — The Origins of Freemasonry — On Signs, Handshakes, and Words — The Ku Klux Klan
[ 1 ] Haben Sie etwas gefunden, das Sie fragen wollen, meine Herren?
[ 1 ] Have you found something you'd like to ask about, gentlemen?
[ 2 ] Frage: Wie entstehen die Sonnenstrahlen? Ist das eine Substanz? Und wie kommt es, daß sie auf die Erde in einem Bogen einfallen?
[ 2 ] Question: How are the sun's rays formed? Is it a substance? And how is it that they strike the Earth in an arc?
[ 3 ] Dr. Steiner: Nicht wahr, Sie meinen, daß die Sonnenstrahlen eine Wirklichkeit sind? Und warum Sie meinen, daß sie in einem Bogen einfallen, können Sie vielleicht noch etwas erklären.
[ 3 ] Dr. Steiner: Don't you think the sun's rays are real? And perhaps you could explain a little more about why you think they enter at an angle.
[ 4 ] Der Fragesteller sagt, er habe schon gehört, sie fielen nicht gerade auf die Erde, sondern in einem Bogen.
[ 4 ] The person asking the question says he has already heard that they do not fall straight to the ground, but in an arc.
[ 5 ] Dr. Steiner: Die Sache ist so: Die Sonnenstrahlen, wie man sie sieht, sind eigentlich keine Wirklichkeit; sondern, wenn wir die Sonne als solche betrachten, so ist sie eigentlich nicht ein physischer Stoff, sie ist eigentlich geistig und besteht in einer Aushöhlung des Raumes.
[ 5 ] Dr. Steiner: The fact is this: The rays of the sun, as we see them, are not actually real; rather, when we consider the sun as such, it is not actually a physical substance—it is, in fact, spiritual and consists of a hollow space.


[ 6 ] Nun, Sie müssen sich nur richtig vorstellen, was eine solche Aushöhlung des Raumes bedeutet. Wenn man - ich habe den Vergleich schon einmal gebraucht - eine Flasche mit Selterswasser hat, dann ist die Flasche mit Wasser angefüllt, und man sieht eigentlich das Wasser kaum; man weiß, daß Wasser drin ist, aber man sieht sehr deutlich die Perlen, die da drinnen sind. Sie wissen aber: Wenn Sie das Wasser herausgießen, dann verduften die Perlen; die sind eigentlich Luft. Sie sind als Luft dünner als das Wasser. Man sieht nicht etwas, was dichter ist als Wasser, aber das Dünnere der Luft sieht man dadrinnen. So ist es mit der Sonne da droben. Alles, was ringsherum um die Sonne ist, ist eigentlich dichter als die Sonne, und die Sonne ist dünner als das, was um die Sonne herum ist; dadurch sehen Sie die Sonne. Es ist also eine Täuschung, wenn man glaubt, daß die Sonne sozusagen etwas ist im Raume. Es ist eigentlich dort nichts im Raume; es ist ein großes Loch da, wie bei dem Selterswasser auch überall, wo eine Perle ist, Luft ist, ein Loch ist.
[ 6 ] Well, you just have to create a clear mental image of what such a hollowing out of space means. If you have—I’ve used this comparison before—a bottle of seltzer water, then the bottle is filled with water, and you can hardly see the water at all; you know there’s water inside, but you can see the bubbles very clearly. But you know this: When you pour out the water, the bubbles disappear; they’re actually air. As air, they’re less dense than the water. You don’t see anything that’s denser than water, but you do see the less dense air inside. That’s how it is with the sun up there. Everything surrounding the sun is actually denser than the sun itself, and the sun is less dense than what surrounds it; that is why you can see the sun. So it’s an illusion to believe that the sun is, so to speak, something in space. There’s actually nothing there in space; there’s a big hole there, just as with seltzer water—wherever there’s a bubble, there’s air, there’s a hole.
[ 7 ] Daraus können Sie schon entnehmen: Es kann sich gar nicht darum handeln, daß von dem Loch Strahlen ausgehen. Die Strahlen entstehen auf ganz andere Weise. Sie können sich das auf folgende Weise klarmachen. Nehmen Sie einmal an, Sie haben eine Straßenlaterne; in dieser Straßenlaterne ist Licht drinnen. Wenn Sie nun auf der Straße gehen und Sie schauen sich diese Laterne an, und es ist ein recht heller Abend, so werden Sie die Laterne mit festem, schönem Glänzen sehen. Bedenken Sie aber: Es ist ein nebliger Abend, überall herum ist Nebel - da wird es Ihnen gerade so scheinen, als ob lauter Strahlen ausgehen würden von der Laterne, von dem Licht! Sie sehen dann also die Strahlen drinnen. Sie sehen bloß nicht die Strahlen vom Licht, sonst müßten Sie bei einem richtig guten Abend auch die Strahlen sehen. Die kommen aber von dem, was ringsherum ist; und je mehr Nebel ist, desto mehr sehen Sie die Strahlen. Daher sehen Sie die Sonnenstrahlen auch nicht als Wirklichkeit, sondern als etwas, wo Sie durch einen Nebel hindurch auf ein weniger Dichtes, in ein Leeres hinschauen. Versteht man das?
[ 7 ] From this you can already see: It cannot possibly be a matter of rays emanating from the hole. The rays are produced in an entirely different way. You can understand this as follows. Suppose you have a streetlight; there is light inside this streetlight. Now, if you’re walking down the street and you look at this streetlight, and it’s a fairly bright evening, you’ll see the streetlight with a steady, beautiful glow. But consider this: If it’s a foggy evening, with fog all around—it will seem to you as if rays were emanating from the lamp, from the light! So you’re actually seeing the rays inside. You simply don’t see the rays coming from the light itself; otherwise, on a truly clear evening, you’d have to see those rays as well. But those rays come from what’s all around; and the more fog there is, the more you see the rays. That’s why you don’t see the sun’s rays as reality either, but as something where you’re looking through fog toward something less dense, toward a void. Does that make sense?
[ 8 ] Nun aber weiter: Wenn man durch einen Nebel durchschaut in die Ferne, dann erscheint der Gegenstand, den man schaut, immer an einem anderen Ort, als wo er eigentlich ist. Wenn man hier auf der Erde steht und man schaut durch die Luft die Sonne, die eigentlich leer ist, an, dann wird, indem man hinschaut, die Sonne tiefer stehen als wo sie eigentlich steht - dann wird sie in der Leere des Raumes tiefer stehen. Dadurch erscheint dasjenige, was ohnehin gar keine Wirklichkeit hat, wie wenn es ausgebogen wäre. Es ist also eigentlich nur dadurch, daß man durch den Nebel durchschaut. Das ist in diesem Falle die Wirklichkeit. Man muß nur immer wiederum von neuem staunen, daß die Physiker heute die Dinge so aufzeichnen, als wenn da eine Sonne stünde und da Strahlen verlaufen würden, währenddem weder die Sonne noch die Strahlen eine äußere physische Wirklichkeit sind. Und in dem Raum, der da leer ist, dadrinnen ist allerdings dann Geistiges. Und das ist dasjenige, was dabei immer berücksichtigt werden muß. Das kann ich in bezug auf diese Frage sagen.
[ 8 ] But let’s continue: When you look through fog into the distance, the object you’re looking at always appears to be in a different place than where it actually is. When you stand here on Earth and look through the air at the sun—which is actually empty—then, as you look at it, the sun appears to be lower than where it actually is—it appears to be lower in the emptiness of space. As a result, that which has no reality to begin with appears as if it were bent. So it is really only because one is looking through the mist. That is the reality in this case. One cannot help but be amazed time and again that physicists today describe things as if there were a sun there and rays were traveling from it, whereas neither the sun nor the rays are an external physical reality. And within that empty space, there is indeed something spiritual. And that is what must always be taken into account. That is what I can say regarding this question.
[ 9 ] Vielleicht fällt jemandem noch etwas anderes ein?
[ 9 ] Maybe someone else can think of something else?
[ 10 ] Frage: Könnte man etwas hören über die Freimaurerei und ihren Zweck?
[ 10 ] Question: Could you tell us a little about Freemasonry and its purpose?
[ 11 ] Dr. Steiner: Nun, sehen Sie, meine Herren, die heutige Freimaurerei, die ist eigentlich, man könnte sagen, nur der Schatten dessen, was sie einmal war. Ich habe hier auch schon verschiedentlich davon geredet, daß es in sehr alten Zeiten der Menschheitsentwickelung nicht solche Schulen gab wie heute, auch nicht solche Kirchen und auch nicht solche Kunstanstalten, sondern das war alles eins. In den alten Mysterien, wie man es nannte, war zugleich die Schule, die Kunstanstalt und die Religion. Das ist erst später auseinandergegangen. So daß es eigentlich für unsere mitteleuropäischen Gegenden, man könnte sogar sagen, erst im 11., 12. Jahrhundert so geworden ist; früher waren die Klöster, ich möchte sagen, ein Andenken an die alte Zeit. Aber in ganz alten Zeiten war das so, daß Schule, Kirche und Kunstanstalten eines waren. Es war aber so, daß in den Mysterien alles das, was da getrieben wurde, viel ernster genommen worden ist als heute zum Beispiel in unseren Schulen und auch in unseren Kirchen die Sachen genommen werden.
[ 11 ] Dr. Steiner: Well, you see, gentlemen, Freemasonry today is, one might say, really just a shadow of what it once was. I have spoken about this here on several occasions: in the very early stages of human development, there were no schools as we know them today, nor churches, nor art institutions—rather, all of these were one and the same. In the ancient mysteries, as they were called, the school, the arts institution, and religion were all one and the same. It was only later that they diverged. So that, as far as our Central European regions are concerned, one could even say that things did not become this way until the 11th and 12th centuries; earlier, the monasteries were, I would say, a remnant of those ancient times. But in very ancient times, schools, churches, and art institutions were one and the same. However, in the Mysteries, everything that took place there was taken much more seriously than is the case today, for example, in our schools and also in our churches.
[ 12 ] Die Sache ist nämlich damals so gewesen, daß man lange Zeit hat vorbereitet werden müssen, bis man hat lernen dürfen. Heute entscheidet ja im Grunde genommen, ob man etwas lernen kann oder nicht, wirklich ein Prinzip, das gar nichts zu tun hat mit dem Lernen. Nicht wahr, heute entscheidet eigentlich nur das, ob für den Betreffenden, der lernen soll, das Geld aufgebracht werden kann oder nicht aufgebracht werden kann! Das ist natürlich etwas, was gar nichts zu tun hat mit den Fähigkeiten, die der Betreffende hat. Und ganz anders nun war die Sache in alten Zeiten. Da hat man unter der ganzen Menschheit diejenigen ausgesucht - man hat einen besseren Blick auch dafür gehabt als heute -, die etwa die Fähigsten waren. Natürlich ist die Sache dann fast überall, weil die Menschen schon einmal egoistisch sind, in Verfall geraten; aber das Prinzip war ursprünglich dies, daß man diejenigen aussuchte, die Fähigkeiten hatten. Und die wurden dann erst dazu berechtigt, daß sie geistig lernen konnten - nicht einfach durch Drill und durch Dressur und durch Elemente, wie heute gelehrt wird, sondern die konnten geistig lernen.
[ 12 ] The fact is, back then, you had to spend a long time preparing before you were allowed to study. Today, what really determines whether someone can study or not is, essentially, a principle that has absolutely nothing to do with learning. Isn’t that right? Today, the only thing that really matters is whether or not the money can be raised for the person who is supposed to learn! Of course, this has absolutely nothing to do with the abilities that person possesses. And things were quite different in the old days. Back then, people were selected from among all of humanity—and people had a better eye for this than they do today—who were, so to speak, the most capable. Of course, since people are, after all, selfish, the system fell into decline almost everywhere; but the original principle was to select those who possessed abilities. And only they were then granted the right to learn intellectually—not simply through drill, training, and the methods used in teaching today, but they were able to learn intellectually.
[ 13 ] Dieses geistige Lernen, das ist nun aber damit verknüpft, daß man in der Vorbereitung lernt, ganz bestimmte Fähigkeiten auszubilden. Sie müssen nur bedenken, wenn man im gewöhnlichen Leben irgend etwas angreift, so hat man eigentlich eine grobe Empfindung davon; und das Äußerste, was heute die Menschen erreichen, ist, daß sie in der Empfindung manchmal Stoffe voneinander unterscheiden können, daß sie die Dinge so befühlen und etwas in der Empfindung unterscheiden. Aber die Menschen sind in ihrer Empfindung - ich meine, in der rein physischen Empfindung - heute eigentlich recht grob; sie unterscheiden Wärme und Kälte. Höchstens daß es die Leute, die darauf angewiesen sind, zu einer feineren Empfindung bringen. Das sind zum Beispiel die Blinden. Es gibt ja Blinde, die lernen, wenn sie das Papier überfahren, die Buchstabenformen befühlen. Jeder Buchstabe ist ja ein bißchen eingegraben ins Papier. Wenn das Gefühl in den Fingern fein ausgebildet wird, kann man schon die Buchstaben etwas befühlen. Das sind die einzigen Leute, die heute lernen, feiner etwas fühlen, feiner etwas empfinden. In der Regel wird die Empfindung gar nicht ausgebildet, aber man lernt ungeheuer viel, wenn man das Gefühl, und namentlich das Gefühl in den Fingerspitzen und in den Fingern ganz fein ausbildet. Heute unterscheidet der Mensch Wärme und Kälte nicht bloß durch das Gefühl. Ja, das kann er auch heute, deshalb, weil er das Thermometer lesen kann; da werden ihm die feinen Unterschiede in Wärme und Kälte sichtbar. Aber das Thermometer ist ja auch erst im Laufe der Zeit erfunden worden. Vorher hatten die Leute nur ihr Gefühl. Da wurden in den Mysterienvorbereitungen anfangs nämlich die Gefühle, besonders in den Fingern und Fingerspitzen, ganz besonders ausgebildet. Und es war so, daß man in feinster Weise empfinden lernte.
[ 13 ] This spiritual learning, however, is linked to the fact that, during the preparatory phase, one learns to develop very specific abilities. Just consider this: when you touch something in everyday life, you actually have a coarse sensation of it; and the most people can achieve today is that they can sometimes distinguish between different materials through sensation—that they feel things in this way and perceive some difference. But people’s sense of touch—I mean, their purely physical sense of touch—is actually quite coarse today; they distinguish between warmth and cold. At most, those who depend on it develop a finer sense of touch. These are, for example, the blind. There are, after all, blind people who learn to feel the shapes of letters when they run their fingers over the paper. Each letter is, after all, slightly indented into the paper. If the sense of touch in the fingers is finely developed, one can indeed feel the letters to some extent. These are the only people today who learn to feel things more finely, to perceive things more subtly. As a rule, this sense is not developed at all, but one learns an immense amount when one refines one’s sense of touch—and especially the sensation in the fingertips and fingers—to a very fine degree. Today, people do not distinguish between heat and cold solely through touch. Yes, they can do that even today, but only because they can read a thermometer; that reveals the subtle differences in heat and cold to them. But the thermometer, of course, was only invented over time. Before that, people had only their sense of touch. In the preparatory stages of the Mysteries, the senses—especially in the fingers and fingertips—were initially developed in a very special way. And it was through this that one learned to perceive in the most subtle manner.
[ 14 ] Wer war also eigentlich in den Mysterien derjenige, der zuerst vorbereitet worden war, ganz fein zu empfinden? Nun, die anderen Menschen konnten nicht so fein empfinden. Nehmen Sie nun an, irgendwo, an einem andern Orte, war ein Mysterium. Die Leute reisten ja viel im Altertum; sie reisten fast ebensoviel wie wir, und manchmal ist man erstaunt, wie schnell sie reisten. Sie hatten keine Eisenbahn; aber sie reisten, weil sie flinker waren, weil sie schneller gehen konnten, weniger müde wurden, auch etwas besser gingen und so weiter. Und nun trafen sie sich auf dem Wege, solche Leute. Ja, wenn sich zwei solche Leute, die fein empfinden konnten, die Hand gaben, so merkten sie das aneinander, und man sagte dann: Die erkennen sich an ihrer feineren Empfindung. Das ist dasjenige, was man den Griff nennt - den Griff, wenn man den anderen angriff in alten Zeiten und man merkte, der hat eine feinere Empfindung.
[ 14 ] So who, in the Mysteries, was the one who had been prepared from the very beginning to perceive things with great subtlety? Well, the other people were not able to perceive things with such subtlety. Now suppose there was a Mystery somewhere else, in another place. People traveled a great deal in ancient times; they traveled almost as much as we do, and sometimes one is amazed at how fast they traveled. They didn’t have railroads; but they traveled because they were more agile, because they could walk faster, got less tired, walked a bit better, and so on. And so such people would meet along the way. Yes, when two such people, who were capable of subtle perception, shook hands, they sensed this in one another, and people would say: “They recognize each other by their more refined sensibility.” That is what is called the “grip”—the grip used when one attacked another in ancient times and realized, “This person has a more refined sensibility.”
[ 15 ] Nun weiter, meine Herren, bedenken Sie einmal das zweite: Wenn erkannt wurde, daß einer eine feine Empfindung hatte, dann ging man weiter, denn man lernte noch mehr. In alten Zeiten schrieb man ja nicht so viel wie heute; man schrieb eigentlich nur sehr selten und das Allerallerheiligste auf. Allerdings, es gibt im Altertum auch schon eine Art von Korrespondenz; aber auch diese Korrespondenz war mehr in allerlei Zeichen. Und so entstanden viele Zeichen für alles mögliche. Es war ja auch so, daß die Leute, die nicht zu den Mysterien gehörten, die also nicht die Weisen, wie man sie nannte, waren, wenn sie reisten, nur in kleinerem Umkreis reisten; die kamen nicht sehr weit. Aber die Gelehrten, die Weisen, die reisten sehr viel. Da hätten sie eigentlich nicht nur alle Sprachen, sondern alle Dialekte kennen müssen. Es ist ja natürlich schwer, schon wenn man Norddeutscher ist, den Schweizer Dialekt zu können. Nun aber gab es für diese Leute in den Mysterien außer der Sprache, die sie sprachen, für alle Dinge, die sie interessierten, gewisse Zeichen. Sie machten Zeichen. So zum Beispiel, sagen wir, es wurde die gewöhnliche Gebärde, die man schon in der Empfindung hat, weiter ausgebildet: Ich begreife -; oder: Das ist nichts, was du mir sagst -; oder: Wir verstehen uns gut miteinander. - Man zeichnete das Kreuz hinein. So daß es eine voll ausgebildete Zeichensprache gerade unter den alten Weisen gab, und man legte alles, was man wußte, in solche Zeichen hinein. So daß Sie einsehen können: Alle die Leute, die in den damaligen hohen Schulen, in den Mysterien, waren, hatten für alles gewisse Zeichen. Sagen wir zum Beispiel, sie wollten nun diese Zeichen festhalten. Dann erst malten sie sie auf. So entstanden die aufgemalten Zeichen.
[ 15 ] Now then, gentlemen, consider this second point: Once it was recognized that someone possessed a refined sensibility, people would go further, because they learned even more. In ancient times, people didn’t write as much as they do today; in fact, they wrote only very rarely, and only about the most sacred matters. Admittedly, a form of correspondence already existed in antiquity; but even this correspondence consisted mostly of various symbols. And so many symbols were created for all sorts of things. It was also the case that people who did not belong to the Mysteries—that is, who were not the “wise ones,” as they were called—traveled only within a small radius; they did not go very far. But the scholars, the sages, traveled extensively. They would actually have had to know not only all languages but all dialects. It is, of course, difficult—even if you are from northern Germany—to master the Swiss dialect. But for these people in the Mysteries, in addition to the language they spoke, there were certain signs for all the things that interested them. They made signs. For example, let’s say the common gesture that one already feels intuitively was further developed: “I understand”—; or: “That’s nothing you’re telling me”—; or: “We get along well with each other.”—They would draw a cross into it. So there was a fully developed sign language specifically among the ancient sages, and they incorporated everything they knew into such signs. So you can see: All the people who were in the high schools of that time, in the Mysteries, had specific signs for everything. Let’s say, for example, they wanted to record these signs. Then they first drew them. That is how the drawn signs came into being.
[ 16 ] Es ist schon interessant, daß es heute noch gewisse Schriften gibt, welche deutlich erkennen lassen, daß sie aus Zeichen hervorgegangen sind. Das ist zum Beispiel die alte Schrift der Inder, die Sanskritschrift. Bei ihr sieht man überall, daß alles aus der krummen und aus der geraden Linie hervorgegangen ist. Krumme Linien: Unzufriedenheit mit etwas, Antipathie; gerade Linien: Sympathie. Bedenken Sie einmal: Es weiß einer, die geraden Linien bedeuten Sympathie, die krummen Linien bedeuten Antipathie. Jetzt will ich ihm etwas mitteilen. Dafür habe ich auch mein Zeichen. Er will mir etwas sagen; das kann ja anfangs gut gehen, später aber kann die Geschichte schlecht werden. Sehen Sie, da geht es noch gut; später zeichnet er eine Schlangenlinie: da kann es schlecht gehen. Und so hatte man für alles bestimmte Zeichen. An diesen Zeichen oder mit diesen Zeichen verständigten sich diejenigen wieder, die in den Mysterien waren. So daß man zum Griff dazu hatte das Zeichen.
[ 16 ] It is indeed interesting that even today there are certain scripts that clearly reveal their origins in symbols. One example is the ancient Indian script, Sanskrit. In it, one can see everywhere that everything originated from curved and straight lines. Curved lines: dissatisfaction with something, antipathy; straight lines: sympathy. Just think about it: Someone knows that straight lines mean sympathy and curved lines mean antipathy. Now I want to tell him something. I have my own symbol for that. He wants to tell me something; that might go well at first, but later things could take a turn for the worse. See, things are still going well there; later, he draws a serpentine line: that’s when things can go wrong. And so there were specific signs for everything. Those who were initiated into the Mysteries communicated with one another through these signs. So that one had the sign at one’s fingertips.
[ 17 ] Nun, etwas ganz Besonderes sah man früher in den Worten. Sehen Sie, wenn heute der Mensch Worte spricht, so hat er eigentlich gar keine Ahnung mehr, was es mit den Worten ist. Aber man kann doch noch etwas empfinden, was in den Lauten schon drinnen liegt. Sie werden leicht empfinden können, wenn einer irgendwie in einer Lebenslage ist und er fängt an: A - da hat das irgend etwas mit Verwunderung zu tun. A - der Buchstabe A ist Verwunderung. Nun nehmen Sie dazu den Buchstaben R: dadrinnen liegt das Hinrollen, Strahlen: R = Ausstrahlen. A = Verwunderung, R = Rollen, Ausstrahlen.
[ 17 ] Well, in the past, people used to see something very special in words. You see, when people speak words today, they actually have no idea anymore what words are all about. But one can still sense something that is already contained within the sounds themselves. You’ll easily be able to sense it when someone is in a certain situation and begins with: A—that has something to do with wonder. A—the letter A is wonder. Now take the letter R: within it lies rolling and radiating: R = radiating. A = wonder, R = rolling, radiating.
[ 18 ] Nun wissen wir jetzt allerdings das, was wir eben über die Sonnenstrahlen gesagt haben. Aber auch wenn die Sonnenstrahlen scheinbar sind, wenn sie keine Wirklichkeit sind: es sieht so aus, wie wenn sie hinströmen würden. Nun denken Sie sich, es will einer sagen: Da oben ist etwas, das wirft mir hier auf der Erde etwas zu, was, wenn es mir am Morgen erscheint, Verwunderung hervorruft. Die Verwunderung drückt er aus durch A, aber daß es von oben kommt, mit R; das drückt er also aus mit: RA. Ja, so haben die alten Ägypter den Sonnengott genannt: Ra! In jedem von diesen Buchstaben liegt eben ein Empfinden darinnen, und wir haben die Buchstaben zu Worten zusammengesetzt. Es war also eine ganz ausgebreitete Empfindung drinnen. Das ist heute längst vergessen. So etwas kann man an verschiedenen Dingen spüren. Nehmen Sie zum Beispiel: I. Das ist so etwas wie eine leise Freude; man findet sich ab mit dem, was man erfährt, wahrnimmt: I. Daher wird auch das Lachen ausgedrückt mit: hihi. Das ist eine leise Freude. So hat jeder Buchstabe etwas Bestimmtes in sich. Und es gibt eine Kenntnis, durch die man geradezu die Worte bilden kann, wenn man Verständnis hat für die Laute, die in den Worten drinnen sind.
[ 18 ] Now, however, we know what we just said about the sun’s rays. But even if the sun’s rays are only an illusion—even if they are not real—it looks as if they were streaming down. Now imagine someone saying: Up there is something that casts something toward me here on Earth, which, when it appears to me in the morning, arouses wonder. He expresses this wonder with an A, but the fact that it comes from above with an R; so he expresses it as: RA. Yes, that is what the ancient Egyptians called the sun god: Ra! Each of these letters contains a specific feeling, and we have combined the letters into words. So there was a very widespread feeling embedded in them. That has long since been forgotten today. You can sense something like this in various things. Take, for example: I. That is something like a quiet joy; one comes to terms with what one experiences and perceives: I. That is why laughter is also expressed as: hihi. That is a quiet joy. So every letter has something specific within it. And there is a knowledge through which one can virtually form words if one understands the sounds contained within them.
[ 19 ] Nun werden Sie eines sagen, meine Herren: Ja, dann könnte es eigentlich, wenn das so wäre, nur eine einzige Sprache geben! - Ursprünglich hat es unter der Menschheit auch eine einzige Sprache gegeben; als man noch ein Empfinden hatte für diese Laute, diese Buchstaben, hat es nur eine einzige Sprache gegeben. Die Sprachen sind dann verschieden geworden, als sich die Menschen zerstreut haben. Aber ursprünglich haben die Menschen das empfunden, und in den Mysterien wurde das richtig gelehrt, wie man Laute, Buchstaben empfindet und zu Worten macht. Daher gab es eine eigene Sprache in den Mysterien. Diese Sprache, die sprachen alle untereinander. Sie sprachen untereinander nicht die Dialekte, aber diese Sprache, die verstanden alle. Wenn einer Ra sagte, wußte der andere, daß das die Sonne ist. Wenn einer zum Beispiel sagt: E - fühlen Sie nur: Ich schrecke etwas zurück, das paßt mir nicht; E = ich habe eine leise Furcht, so etwas wie Furcht! Nun, nehmen Sie L: Das ist so, wie wenn etwas hinschwindend ist, wie wenn etwas fließt, und EL, ja, das ist etwas, das hinfließt und wodurch man zurückschreckt, wodurch man sich fürchtet. So hat in Babylon El = Gott geheißen. So wurde alles nach diesem Prinzip bezeichnet. Oder nehmen Sie die Bibel: Wenn Sie sagen: O - das ist eine Verwunderung, eine plötzliche Verwunderung, gegen die man nicht aufkommt. Beim A - da hat man eine Empfindung, welche man gern hat, eine Verwunderung, die man gern hat; O - da will man zurück weichen; H, Ch ist der Atem. So daß man sagen kann: O = zurückweichende Verwunderung; H = Atem; I = da zeigt man hin darauf, man freut sich darüber, es ist leise Freude = I. Und M, das ist: Man will selber hineingehen. Sie spüren, wenn Sie M aussprechen: M - da geht der Atem hinaus, und man fühlt, man läuft förmlich nach dem Atem; M ist also: hinweggehen. Jetzt setzen wir das zusammen: El, das haben wir schon gesehen, ist der im Winde herkommende Geist, El; O = das ist die zurückweichende Verwunderung, H = der Atem; das ist also schon der feinere Geist, der als Atem wirkt; I ist die leise Freude; M ist das Hingehen. Da haben Sie Elohim, womit die Bibel beginnt; da haben Sie diese Laute drinnen. So daß man sagen kann: Was sind die Elohim? - Die Elohim sind im Winde Wesen, vor denen man etwas Angst hat, vor denen man etwas zurückweicht, die aber durch den Atem zur Freude der Menschen, im Hingehen zu den Menschen Freude haben: Elohim. Und so ist ursprünglich in den Worten nach den Lauten, nach den Buchstaben zu studieren, was die Worte eigentlich bedeuten. Die Menschen spüren heute gar nicht mehr, wie das eigentlich ist.
[ 19 ] Now you will say one thing, gentlemen: Yes, if that were the case, there could actually be only one language! — Originally, there was indeed a single language among humankind; when people still had a sense for these sounds, these letters, there was only one language. Languages became different when people scattered. But originally, people sensed this, and in the Mysteries it was taught correctly how to sense sounds and letters and form them into words. That is why there was a distinct language in the Mysteries. Everyone spoke this language among themselves. They did not speak dialects to one another, but this language—everyone understood it. If one person said “Ra,” the other knew that meant the sun. If, for example, someone says “E”—just feel it: I recoil slightly; that doesn’t sit right with me; “E” = I have a slight fear, something like fear! Now, take “L”: It’s as if something is fading away, as if something is flowing, and “EL”—yes, that’s something that flows away and causes one to recoil, something one fears. Thus, in Babylon, “El” meant “God.” Everything was designated according to this principle. Or take the Bible: When you say: O—that is a sense of wonder, a sudden wonder that one cannot resist. With A—there is a feeling one likes, a sense of wonder one likes; O—there one wants to recoil; H, Ch is the breath. So that one can say: O = recoiling wonder; H = breath; I = there you point toward it, you rejoice in it; it is quiet joy = I. And M—that is: you want to go into it yourself. You feel, when you pronounce M: M—there the breath goes out, and you feel as if you’re literally running after the breath; so M is: going away. Now let’s put this together: El—we’ve already seen this—is the spirit coming on the wind, El; O = that is the receding sense of wonder; H = the breath; so this is already the more subtle spirit that acts as breath; I is the quiet joy; M is the moving toward. There you have Elohim, with which the Bible begins; there you have these sounds within it. So that one can say: What are the Elohim? - The Elohim are beings in the wind, whom one fears a little, from whom one recoils a little, but who, through the breath, bring joy to people, and who find joy in moving toward people: Elohim. And so, originally, one must study the words according to their sounds, according to their letters, to understand what the words actually mean. People today no longer sense at all what this is actually like.


[ 20 ] Wie heißt hier in der Schweiz die Mehrzahl von Wagen? Heißt es auch hier: Wagen, oder heißt es die Wägen ? (Antwort: Die Wagen! Diese Antwort ist falsch. Es heißt im Schweizerdeutsch «Wäge», wie Dr. Steiner vermutet hat.) - Die Wagen heißt es noch. Da ist es also schon verwuschelt; das Ursprüngliche wäre: der Wagen, die Wägen! Bei der Mehrzahl haben wir das in der verschiedensten Weise; zum Beispiel haben wir: der Bruder, die Brüder. Das ist aber doch wohl auch so in der Schweiz! Sie sagen doch nicht: die Bruder? Also: der Bruder, die Brüder. Oder sagen wir: das Holz, die Hölzer. Man sagt ja wohl auch hier nicht: die Holzer. Das Holz, die Hölzer. Sie sehen, meine Herren, wenn die Mehrzahl gebildet wird, da wird der Umlaut gebildet: ainä, uinü, oinö. Warum geschieht das? Ja, der Umlaut, der drückt aus, daß die Sache undeutlich wird! Wenn ich einen Bruder sehe, dann ist er deutlich da als eine Person; wenn ich mehrere Brüder sehe, dann wird es undeutlich, da muß ich schon einen von dem andern unterscheiden, und wenn ich das nicht kann, wird es undeutlich. Man muß einen um den andern anschauen. Das Undeutlichwerden wird überall durch den Umlaut angedeutet. Wo also ein Umlaut irgendwo in einem Worte ist, da ist irgend etwas undeutlich.
[ 20 ] What is the plural of “Wagen” here in Switzerland? Is it also “Wagen,” or is it “die Wägen”? (Answer: “Die Wagen”! This answer is incorrect. In Swiss German, it’s “Wäge,” as Dr. Steiner surmised.) — People still say “die Wagen.” So it’s already become muddled; the original form would be: “der Wagen,” “die Wägen”! With plurals, we see this in all sorts of ways; for example, we have: “der Bruder,” “die Brüder.” But surely that’s the case in Switzerland, too! You don’t say “die Bruder,” do you? So: der Bruder, die Brüder. Or take “das Holz, die Hölzer.” You certainly don’t say “die Holzer” here either. Das Holz, die Hölzer. You see, gentlemen, when the plural is formed, an umlaut is added: ainä, uinü, oinö. Why does this happen? Well, the umlaut expresses that the meaning becomes unclear! When I see a brother, he is clearly there as a single person; when I see several brothers, it becomes unclear—I have to distinguish one from the other, and if I can’t do that, it becomes unclear. You have to look at one after the other. This loss of clarity is indicated everywhere by the umlaut. So wherever there’s an umlaut anywhere in a word, something is unclear.
[ 21 ] In der Sprache liegt also etwas, woran man eigentlich den ganzen Menschen erkennen kann; da ist der ganze Mensch. Und so drückten die Leute auch aus, wie schon in den Buchstaben, die man aufschrieb, in diesen Zeichen gewisse Bedeutungen drinnen liegen. A war immer Verwunderung. Wenn nun der alte Jude so x aufgeschrieben hat, so sagte er sich: Wer verwundert sich in der Erdenwelt? Die Tiere verwundern sich eigentlich nicht, nur der Mensch. Daher nannte er den Menschen überhaupt: die Verwunderung. Wenn er sein Aleph aufschrieb, das x , das hebräische A, dann bedeutete das aber auch den Menschen.
[ 21 ] So there is something in language by which one can truly recognize the whole person; the whole person is there. And so people also expressed how, just as in the letters one wrote down, certain meanings lie within these signs. A has always signified wonder. So when the ancient Jew wrote down the letter x, he said to himself: Who marvels in the earthly world? Animals do not really marvel—only human beings do. That is why he called human beings, in general, “wonder.” When he wrote down his aleph—the x, the Hebrew A—it also signified human beings.
[ 22 ] Und so war es, daß jeder Buchstabe zugleich ein bestimmtes Ding oder Wesen bedeutete. Das alles kannten wiederum die Leute, die in den Mysterien waren. Wenn also einer reiste und traf einen anderen, und sie hatten die gemeinsame Kenntnis, so erkannten sie sich am Wort. So daß man sagen kann: In den alten Zeiten war es so, daß die Leute, die etwas gelernt haben, die also viel wußten, einander erkannten an Griff, Zeichen und Wort. Ja, aber, meine Herren, da war etwas darinnen! Da war wirklich zugleich die ganze Gelehrsamkeit drinnen in diesen Zeichen, Griff und Wort. Denn dadurch, daß man fühlen lernte, lernte man die Gegenstände unterscheiden. Dadurch, daß man die Zeichen hatte, hatte man ein Nachahmen alles desjenigen, was Naturgeheimnisse waren. Und im Worte lernte man den inneren Menschen kennen. So daß man also sagen kann: Im Griff hatte man die Wahrnehmung; im Zeichen hatte man die Natur, und im Wort hatte man den Menschen, seine innere Verwunderung oder sein Zurückbeben, seine Freude und so weiter. Man hatte also Natur und Mensch und hat sie wiedergegeben in Zeichen, Griff und Wort.
[ 22 ] And so it was that each letter simultaneously signified a specific thing or being. All of this, in turn, was known to those who were initiated into the mysteries. So when one person traveled and met another, and they shared this knowledge, they recognized one another by their words. So one can say: In ancient times, it was the case that people who had studied—that is, who knew a great deal—recognized one another by touch, signs, and words. Yes, but, gentlemen, there was something to it! There really was all of that learning contained within these signs, gestures, and words. For by learning to feel, one learned to distinguish between objects. By having these signs, one had a way of imitating all that constituted the mysteries of nature. And through words, one came to know the inner human being. So one can say: In touch lay perception; in signs lay nature; and in words lay the human being—his inner wonder or his recoiling, his joy, and so on. Thus, one had nature and the human being and rendered them in signs, touch, and words.
[ 23 ] Nun, im Laufe der Menschheitsentwickelung ist dann dasjenige entstanden, was sich auf der einen Seite trennte in die Universität und später in die Schulen, und auf der anderen Seite in die Kirche und in die Kunst. Alle drei haben nicht mehr verstanden, was ursprünglich vorhanden war; und ganz verloren ging Griff, Zeichen und Wort. Nur diejenigen haben es verstanden, die dann bemerkt hatten: Donnerwetter, diese alten Weisen, die hatten ja dadurch eine gewisse Macht, daß sie das wußten! Das ist eine gerechtfertigte Macht, dieein Mensch hat, wenn er etwas weiß, denn dadurch kommt es seinen Mitmenschen zugute; wenn keiner eine Lokomotive zu machen verstünde, so würde die Menschheit eben niemals eine Lokomotive haben! Also wenn einer etwas weiß, so kommt es den Menschen zugute; das ist eine gerechtfertigte Macht. Später aber haben sich die Leute einfach die Macht angeeignet, indem sie abgeguckt haben die äußeren Zeichen. Gerade wie diese oder jene Zeichen früher einmal etwas bedeutet haben und man später die Bedeutung verloren hat, so hat alles das die Bedeutung verloren. Und es bildete sich dann, ich möchte sagen, durch Nachäffung von den alten Mysterien, allerlei aus, in dem Sie nur äußerlich die Sache haben. Was haben die Leute getan? Die hatten die feine Empfindung nicht mehr, aber sie verabredeten ein Zeichen, an dem sie sich erkennen. Sie geben sich die Hand in einer bestimmten Weise, wodurch einer weiß: der gehört zu diesem Bund. Da haben sie sich erkannt am Griff. Dann machen sie noch in irgendeiner Weise ein Zeichen. Das Zeichen und der Griff sind verschieden, je nachdem der eine im ersten oder zweiten oder dritten Grad ist. Daran erkennen sich dann die Leute. Aber es ist nicht mehr darinnen als nur ein Erkennungszeichen. Und ebenso haben sie für jeden Grad bestimmte Worte, die sie aussprechen können in gewissen freimaurerischen Bünden; sie haben, sagen wir, für den ersten Grad zum Beispiel, wenn man wissen will: Was ist das Wort? - [das Losungswort] Jachin. Man weiß, er hat das Wort Jachin in der Freimaurerloge gelernt, sonst wäre er nicht im ersten Grad drin. Das ist nur noch ein Losungswort. Und ebenso macht er dann das Zeichen und so weiter.
[ 23 ] Well, in the course of human development, what emerged was, on the one hand, the university and later the schools, and on the other hand, the church and the arts. All three no longer understood what had originally existed; and touch, sign, and word were completely lost. Only those who then realized: “Good heavens, these ancient sages—they had a certain power precisely because they knew this!” understood it. That is a justified power that a person possesses when they know something, for it benefits their fellow human beings; if no one knew how to build a locomotive, humanity would simply never have a locomotive! So when someone knows something, it benefits people; that is a justified power. Later, however, people simply appropriated that power by imitating the outward signs. Just as this or that sign once meant something and later lost its meaning, so all of that lost its meaning. And then, I would say, through imitation of the ancient mysteries, all sorts of things developed in which people only have the outward form of the matter. What did people do? They no longer had that subtle sensibility, but they agreed on a sign by which they could recognize one another. They shake hands in a certain way, by which one knows: that person belongs to this covenant. That is how they recognized one another by the handshake. Then they also make a sign in some way. The sign and the handshake differ depending on whether one is in the first, second, or third degree. That is how the people recognize one another. But there is nothing more to it than just a distinguishing mark. And likewise, they have specific words for each degree that they can utter in certain Masonic lodges; they have, let’s say, for the first degree, for example, if one wants to know: What is the word? — [the password] Jachin. You know he learned the word Jachin in the Masonic lodge; otherwise, he wouldn’t be in the first degree. That is just a password. And likewise, he then makes the sign and so on.
[ 24 ] Nun, eigentlich hat diese Art der Freimaurerei sich erst entwickelt, als alles übrige aus den Mysterien vergessen war; und es wurden einzelne von den alten Dingen, die man nicht mehr verstand, nachgeahmt. So daß dasjenige, was die Freimaurerei an Kultus übernommen hat, meistens heute von den Freimaurern nicht mehr verstanden wird; auch Zeichen, Griff und Wort verstehen sie nicht, weil sie all das nicht wissen, um was es sich da handelt. Sie wissen zum Beispiel nicht, daß, wenn sie das Wort des zweiten Grades aus Tafel 21 sprechen: Boas, daß das B so viel ist wie ein Haus; O ist, wie ich Ihnen gesagt habe, diese zurückhaltende Verwunderung; A: das ist die angenehme Verwunderung; $ ist das Zeichen für die Schlange. Damit haben Sie ausgedrückt: Wir erkennen die Welt als dasjenige an, was ein großes Haus ist, das der große Baumeister der Welt gebaut hat, über das man sich sowohl ängstlich als auch behaglich verwundern muß und in dem es auch das Böse gibt, die Schlange. - Ja, so etwas hat man gewußt in alten Zeiten; da hat man die Natur angeschaut nach diesen Dingen, den Menschen angeschaut nach diesen Dingen. Heute sprechen ahnungslos in gewissen Freimaurerbünden diejenigen, die den zweiten Grad haben, das Wort «Boas» aus. Ebenso, nicht wahr, wenn beim dritten Grad die Leute die Finger gelegt haben auf die Pulsader, dann war das wirklich eine Erkenntnis, daß der Betreffende eine feine Empfindung hat. Das merkte man an der Art und Weise, wie der Finger lag an der Pulsader. Das ist später geworden der Griff für den dritten Grad. Die Leute wissen heute nur noch, wenn einer kommt und so die Hand nimmt: das ist ein Freimaurer. Also in diesen Dingen ist eigentlich etwas Altes, Ehrwürdiges, Großes, etwas, worin alle frühere Gelehrsamkeit gelegen ist; das ist jetzt also ganz ins Formelhafte übertragen, ins Nichtige ausgegangen. So daß heute der Freimaurerbund solche Dinge hat; er hat auch Zeremonien, einen Kultus: das ist noch aus den Zeiten, wo man alles auch in einem Kultus, in Zeremonien gezeigt hat, damit es den Leuten mehr eindringlich war. Die Freimaurer machen das auch heute noch. So daß in dieser innerlichen Beziehung wirklich der Freimaurerorden keine Bedeutung mehr hat.
[ 24 ] Well, actually, this form of Freemasonry only developed after everything else from the mysteries had been forgotten; and certain elements of the old traditions, which were no longer understood, were imitated. As a result, most of what Freemasonry has adopted in terms of ritual is no longer understood by Freemasons today; nor do they understand the signs, handshakes, and words, because they do not know what all of this is about. For example, they do not know that when they speak the word of the second degree from Tablet 21—Boas—the B stands for a house; O is, as I have told you, that reserved sense of wonder; A is the pleasant sense of wonder; and $ is the symbol for the serpent. With this, you have expressed: We recognize the world as that which is a great house built by the great Architect of the world, a house that inspires both fearful and comforting wonder, and in which evil—the serpent—also exists. —Yes, such things were known in ancient times; back then, people observed nature and humanity through this lens. Today, in certain Masonic lodges, those who have attained the second degree utter the word “Boas” without a clue as to its meaning. Likewise, isn’t it true that when, in the third degree, people placed their fingers on the pulse, this was truly a recognition that the person in question possessed a refined sensibility? One could tell this by the way the finger rested on the pulse. This later became the handshake for the third degree. Today, people only know that if someone comes up and takes their hand like that, they’re a Freemason. So in these things there is actually something ancient, venerable, and grand—something that embodies all the learning of the past; but now it has been reduced entirely to a formula, reduced to nothingness. So today the Masonic Order has such things; it also has ceremonies, a ritual: this dates back to the times when everything was also expressed through ritual and ceremonies, so that it would have a more profound impact on people. Freemasons still do this today. So in this inner sense, the Masonic Order really has no significance anymore.
[ 25 ] Aber es ist doch so furchtbar langweilig für viele Leute gewesen, wenn solche Bündnisse eingerichtet worden sind, da die Sachen mitzumachen; denn eigentlich artete es aus in eine Art Spielerei. Es brauchte also etwas, was man wiederum hineinschüttete, hineingoß in die Freimaurerei. Und dadurch entstand das, daß dann die Freimaurer mehr oder weniger politisch wurden, oder wiederum mehr oder weniger religiöse Aufklärungslehren verbreiteten. Die unaufgeklärte römische Lehre wurde von Rom verwaltet. Diejenige Lehre, die Rom gegenüberstand, wurde dann von der Freimaurerei verbreitet. Daher sind Rom, der römische Kultus und die Freimaurerei die allergrößten Gegner. Das hängt gar nicht mehr zusammen mit dem, was nun der Kultus, Zeichen, Griff und Wort, bei den Freimaurern war, sondern das ist eben dazwischen gekommen. In Frankreich nannte man den Bund nicht Bund, sondern «Orient de France», weil alles von dem Orient genommen ist - «Grand Orient de France», das ist der große französische Freimaurerbund. Das andere, Zeichen, Griff und Wort, das ist nur noch, damit die Leute zusammenhalten, das ist das, woran sie sich erkennen. Der gemeinschaftliche Kultus ist das, wo sie zusammenkommen unter besonders feierlichen Umständen; so wie die anderen in der Kirche zusammenkommen, so kommen diese Freimaurer unter Zeremonien, die von alten Mysterien herrühren, zusammen. Das hält die Leute zusammen.
[ 25 ] But for many people, it was terribly boring to participate in such alliances when they were formed, because it actually degenerated into a kind of game. So something was needed that could be poured back into Freemasonry. And this led to the Freemasons becoming more or less political, or, in turn, spreading more or less religious Enlightenment teachings. The unenlightened Roman doctrine was administered by Rome. The doctrine that opposed Rome was then spread by Freemasonry. That is why Rome, the Roman cult, and Freemasonry are the greatest of enemies. This has nothing to do anymore with what the rite, signs, handshake, and password used to be among the Freemasons; rather, this has simply come in between. In France, the order was not called an “order” but the “Orient de France,” because everything is taken from the Orient—“Grand Orient de France”—that is the great French Masonic order. The other elements—signs, handshakes, and passwords—serve only to keep the people together; they are what identify them to one another. The communal ritual is where they gather under particularly solemn circumstances; just as others gather in church, these Freemasons gather during ceremonies that stem from ancient mysteries. This is what binds the people together.
[ 26 ] Es war ja auch besonders in Italien zu gewissen Zeiten, als politische Geheimbünde sich bildeten, Sitte, unter gewissen Zeremonien, Zeichen und Griff, sich zu erkennen und zusammenzukommen. Politische Bünde, politische Vereinigungen haben immer angeknüpft an dieses alte Mysterienwissen. Und es ist heute ja wiederum ganz merkwürdig: Wenn Sie heute zum Beispiel in gewisse polnische und österreichische Gegenden gehen, finden Sie Plakate; auf diesen Plakaten sind sonderbare Zeichen und sonderbare Buchstaben, die sich dann zu Worten verbinden; man weiß zunächst nicht, was dieses Plakat bedeutet - aber solch ein Plakat, das heute in polnischen und österreichischen Gegenden überall angeschlagen ist, das ist das äußere Zeichen für einen Bund, der von gewissen nationalistischen Seiten unter der Jugend gebildet wird. Da wird mit denselben Dingen vorgegangen. Es ist das eigentlich weit, weit verbreitet, und die Leute wissen ganz gut, daß das Zeichen auch eine gewisse starke Kraft hat. Es gibt Verbände, die Deutschvölkischen zum Beispiel, die haben ein altes indisches Zeichen: zwei ineinandergeschlungene Schlangen, oder auch, wenn Sie wollen, ein Rad, das sich dann so umgebildet hat zum Hakenkreuz. Die haben das heute als Abzeichen. Und Sie werden vielfach hören, daß das Hakenkreuz wiederum als ein Zeichen angenommen wird für gewisse chauvinistische völkische Kreise. Das ist aus dem Grunde, weil man die Überlieferung hat: durch solche Zeichen haben die Alten ihre Herrschaft ausgedrückt. Und so ist es im großen Maßstabe immer gewesen beim Freimaurerbund. Der Freimaurerbund ist eigentlich dazu da, um gewisse Leute zusammenzuhalten, und das tut er durch Zeremonien, durch Zeichen, Griff und Wort. Und dann verfolgt er geheime Ziele, indem er unter all denen, die unter diesen Zeremonien, Zeichen, Griff und Wort, verbunden sind, gewisse Geheimnisse bewahrt. Natürlich, geheime Ziele kann man nur verfolgen, wenn sie nicht alle wissen; und so ist es bei den Freimaurerbünden, daß sie vielfach politische oder kulturelle und dergleichen Ziele verfolgen.
[ 26 ] It was, after all, customary—especially in Italy at certain times when secret political societies formed—to recognize one another and gather together through specific ceremonies, signs, and handshakes. Political leagues and political associations have always drawn upon this ancient esoteric knowledge. And it is quite remarkable today as well: if you go, for example, to certain regions of Poland and Austria, you will find posters; on these posters are strange symbols and strange letters that then form words; at first you don’t know what the poster means—but such a poster, which is now posted everywhere in Polish and Austrian regions, is the outward sign of a society formed by certain nationalist groups among the youth. They proceed in the same way. It is actually very, very widespread, and people know quite well that the symbol also possesses a certain powerful force. There are organizations—the German Nationalists, for example—that use an ancient Indian symbol: two intertwined snakes, or, if you will, a wheel that has been transformed into a swastika. They use this as their emblem today. And you will often hear that the swastika, in turn, is adopted as a symbol by certain chauvinistic nationalist circles. This is because of the tradition that such symbols were used by the ancients to express their authority. And this has always been the case on a large scale within the Masonic Order. The Masonic Order actually exists to unite certain people, and it does so through ceremonies, symbols, handshakes, and passwords. And then it pursues secret goals by preserving certain secrets among all those who are bound by these ceremonies, symbols, handshakes, and passwords. Of course, secret goals can only be pursued if not everyone knows about them; and so it is with Masonic lodges that they often pursue political, cultural, and similar goals.
[ 27 ] Nun können Sie aber noch eines sagen, meine Herren. Sehen Sie, die Leute, die in Freimaurerbünden verbunden sind, sind keineswegs deshalb anzufechten, weil sie das tun, sondern manchmal haben sie die allerbesten und edelsten Absichten; sie sind nur der Ansicht: Man kann die Menschen nicht auf eine andere Weise als durch solche Bündnisse für so etwas gewinnen, und daher haben die meisten Freimaurerbünde auch wiederum den Zweck, Wohltätigkeit im großen zu üben. Das ist schön, Wohltätigkeit und Humanität zu üben. Das ist nun auch etwas, was von diesen Bünden in großem Maßstabe ausgeübt wird. Daher ist es kein Wunder, wenn der Freimaurer immer darauf hinweisen kann, daß furchtbar vieles außerordentlich Humanes und Wohltätiges gerade von den Freimaurerbünden gestiftet und begründet wird. Man muß nur eben sich sagen: In der heutigen Zeit sind eigentlich alle solche Dinge nicht mehr zeitgemäß. Denn, nicht wahr, was müssen wir denn heute an solchen Dingen hauptsächlich ablehnen? Wir müssen die Absonderung ablehnen. Es entsteht dadurch auch bald eine geistige Aristokratie, die es nicht geben soll. Und das demokratische Prinzip, das immer mehr und mehr zur Geltung kommen muß, das widerstrebt eigentlich durchaus dem Freimaurerbund ebenso wie den geschlossenen Priesterschaften. So daß man also sagen kann: Es ist schon einmal so, daß derjenige, der noch heute verstehen kann, was in manchen freimaurerischen Zeremonien für den ersten, zweiten und dritten Grad enthalten ist, in dem, was die Freimaurer selber oft nicht verstehen, erkennen kann, daß sie oftmals zurückreichen auf ganz alte Weisheit; aber dieses hat nicht die große Bedeutung. Die große Bedeutung hat dieses, daß eigentlich heute bei vielen freimaurerischen Verbänden, Bündnissen, eben viele politische oder sonstige soziale Wohltätigkeitsbestrebungen leben. Aber bis aufs Messer bekämpfen sich die katholische Kirche und die Freimaurer. Das hat sich aber auch im Laufe der Zeit erst herausgebildet.
[ 27 ] But there is one more thing you can say, gentlemen. You see, the people who are members of Masonic lodges are by no means to be criticized for doing so; on the contrary, they sometimes have the very best and noblest intentions. They simply believe that there is no other way to win people over to such a cause than through such lodges, and that is why most Masonic lodges also aim to practice charity on a large scale. It is wonderful to practice charity and humanity. This is, in fact, something that these lodges carry out on a large scale. Therefore, it is no wonder that Freemasons can always point out that an immense amount of extraordinarily humane and charitable work is founded and established precisely by Masonic lodges. One simply has to tell oneself: In this day and age, all such things are actually no longer in keeping with the times. For, isn’t it true that what we must primarily reject in such matters today is the separation? This soon gives rise to a spiritual aristocracy, which should not exist. And the democratic principle, which must increasingly come to the fore, actually runs completely counter to the Masonic order just as much as it does to closed priesthoods. So one can say: It is certainly true that anyone who can still understand today what is contained in certain Masonic ceremonies for the first, second, and third degrees—in things that the Masons themselves often do not understand—can recognize that they frequently draw on very ancient wisdom; but this is not of great significance. What is of great significance is that today, in many Masonic organizations and alliances, there are indeed many political or other social and charitable endeavors. Yet the Catholic Church and the Freemasons are locked in a bitter struggle. This, however, has only emerged over the course of time.
[ 28 ] Nun, solche Dinge kann man natürlich sehr leicht verkennen. Und es ist auch das aufgetreten: Die Freimaurer haben eine bestimmte Bekleidung bei ihren Zeremonien; sie haben zum Beispiel ein Schurzfell aus Lamm, das Lammschurzfell. Da haben manche gesagt: Die Freimaurerei ist überhaupt nichts anderes als eine Spielerei mit dem Maurerhandwerk, weil der Maurer ein Schurzfell hat. Aber das ist nicht wahr. Und das Schurzfell, das da ist, das ist durchaus dazu da - und es ist immer ursprünglich aus Lammleder gewesen -, um zu zeigen, daß derjenige, der in solchen Bündnissen ist, nicht ein wütender Kerl sein soll in bezug auf die Leidenschaften; es sollen also die Geschlechtsteile bedeckt werden mit seinem Schurz, und das ist das Zeichen dafür. Also es handelte sich da doch um etwas, was in Zeichen ausdrückte den menschlichen Charakter. Und so ist es mit sehr vielen Zeichen, die auch in der Bekleidung liegen.
[ 28 ] Well, it’s very easy, of course, to misunderstand such things. And that’s exactly what happened: Freemasons wear specific attire during their ceremonies; for example, they wear a lambskin apron—the “lambskin apron.” Some people have said: Freemasonry is nothing more than a play on the masonry trade, because the mason wears a lambskin apron. But that is not true. And that apron is there—and it has always originally been made of lambskin—to show that the person who belongs to such brotherhoods should not be a hot-tempered fellow when it comes to the passions; so the genitals are to be covered by the apron, and that is the sign of this. So it was, after all, something that expressed human character through symbols. And this is true of many symbols found in clothing as well.
[ 29 ] Man hat dann auch höhere Grade, wo ein ganz priesterähnliches Kleid getragen wird; da bedeutet alles einzelne etwas. Zum Beispiel habe ich Ihnen gesagt, daß der Mensch ja außer dem physischen Leib noch einen Ätherleib hat. Und geradeso wie der Priester ein weißes Linnenkleid, ein hemdartiges Gewand hat, um den Ätherleib auszudrücken, so haben auch gewisse hohe Grade der Freimaurer ein solches Gewand, und für den Astralleib - er ist farbig -, da hat man eine Toga, ein Übergewand; das drückt alles das aus. Und der Mantel, der dann verbunden war mit dem Helm, der drückte aus die Macht des Ich.
[ 29 ] There are also higher degrees in which a robe very similar to that of a priest is worn; in these, every detail has a specific meaning. For example, I have told you that, in addition to the physical body, human beings also have an etheric body. And just as the priest wears a white linen robe, a shirt-like garment, to symbolize the etheric body, so too do certain high degrees of Freemasonry have such a garment; and for the astral body—which is colorful—there is a toga, an outer robe; all of this symbolizes those aspects. And the cloak, which was then connected to the helmet, symbolized the power of the “I.”
[ 30 ] Alle diese Dinge führen eben zurück auf alte, sehr sinnreiche, bedeutsame Gebräuche, die heute ihre Bedeutung verloren haben. Wenn jemand die Freimaurerei gern hat, so soll er das nicht als etwas Abschätziges behandeln, was ich gesagt habe. Ich wollte nur auseinandersetzen, wie das ist. Es kann natürlich ein Freimaurerorden bestehen, der außerordentlich gute Menschen in sich vereinigt und so weiter. Und in der heutigen Zeit kann so etwas besonders wichtig werden. Wirklich, was heute meistens der Mensch lernt, wenn er Arzt oder Jurist wird - ja, das ergreift sein Herz nicht. Und deshalb werden noch viele Juristen und Ärzte Freimaurer, weil sie dann wenigstens die Feierlichkeit der alten Zeremonien haben und etwas, wobei sie sich nicht mehr viel denken können, was aber immerhin noch etwas ist: Zeichen, Griff und Wort, was aber hinweist darauf, daß der Mensch nicht bloß im äußeren Materiellen lebt.
[ 30 ] All these things can be traced back to ancient, very meaningful, and significant customs that have lost their significance today. If someone likes Freemasonry, they shouldn’t take what I’ve said as something derogatory. I simply wanted to explain how it is. Of course, there can be a Masonic order that brings together exceptionally good people and so on. And in this day and age, something like that can become particularly important. Really, what people usually learn today when they become doctors or lawyers—well, that doesn’t touch their hearts. And that is why many lawyers and doctors still become Freemasons—because then they at least have the solemnity of the ancient ceremonies and something about which they may not be able to think much, but which is still something: signs, handshakes, and words—all of which point to the fact that human beings do not live solely in the external, material world.
[ 31 ] Das ist das, was ich Ihnen sagen wollte. Haben Sie sonst noch irgend etwas, was Sie gerne fragen wollten?
[ 31 ] That's what I wanted to tell you. Is there anything else you'd like to ask?
[ 32 ] Frage: In Amerika gibt es etwas, das «Ku-Klux-Klan» genannt wird. Wie ist es damit? Können wir von Herrn Doktor etwas darüber hören, was das bedeutet? Man liest immer wieder darüber.
[ 32 ] Question: In America, there is something called the “Ku Klux Klan.” What is that all about? Could the doctor tell us a little about what it means? You read about it all the time.
[ 33 ] Dr. Steiner: Ja, sehen Sie, der Ku-Klux-Klan, der ist eine der neuesten Erfindungen auf diesem Gebiet, und zwar eine solche Erfindung, die schon wichtiger genommen werden sollte als man sie gewöhnlich nimmt. Sie wissen ja, meine Herren, daß eigentlich eine Begeisterung für einen gewissen Kosmopolitismus nur war vor einigen Jahrzehnten. Heute ist er zwar noch da, selbstverständlich, unter der Arbeiterschaft, unter dem Sozialdemokratismus - diese sind ein internationales Element -, aber in den bürgerlichen Kreisen und in anderen Kreisen, da nimmt der Nationalismus furchtbar überhand, und die Stimmung für den Nationalismus ist ja stark da. Und Sie werden sich auch erinnern, daß diejenigen Menschen, die hinter Woodrow Wilson standen - er selber war ja nur eine Art Strrohmann -, eigentlich gerechnet haben mit diesem Nationalismus, überall nationale Staaten haben wollten, überall den Nationalismus aufstacheln wollten und so weiter. Ja, darüber kann man so seine Ansichten haben! Aber nun gibt es eben Menschen, die entwickeln heute überall die Tendenz, den Nationalismus bis auf die Spitze zu treiben. Und in diesem Bestreben, den Nationalismus bis auf die Spitze zu treiben, ist eben in Amerika diese Verbindung Ku-Klux-Klan entstanden. Der arbeitet nun eben durchaus mit solchen Mitteln, wie zum Beispiel Zeichen sind, in dem Sinne, wie ich es gesagt habe.
[ 33 ] Dr. Steiner: Yes, you see, the Ku Klux Klan is one of the most recent inventions in this area—and indeed, one that should be taken more seriously than it usually is. As you know, gentlemen, enthusiasm for a certain kind of cosmopolitanism was actually prevalent only a few decades ago. Today, of course, it still exists among the working class and among social democrats—who are an international element—but in bourgeois circles and elsewhere, nationalism is running rampant, and the sentiment in favor of nationalism is indeed very strong. And you will also recall that those people who stood behind Woodrow Wilson—he himself was, after all, merely a sort of straw man—actually counted on this nationalism; they wanted nation-states everywhere, sought to stir up nationalism everywhere, and so on. Yes, one can certainly have one’s own views on that! But now there are people who are developing a tendency everywhere to take nationalism to the extreme. And in this effort to take nationalism to the extreme, the Ku Klux Klan has emerged in America. It now operates using methods such as symbols, in the sense that I have described.
[ 34 ] Wenn man nun gerade wiederum solche Verbindungen ins Auge faßt, dann muß man wissen, daß Zeichen schon auch eine gewisse hypnotisierende Kraft haben. Sie wissen ja, wenn Sie ein Huhn haben (es wird gezeichnet), dieses Huhn mit dem Schnabel auf die Erde aufstoßen lassen, und Sie zeichnen von da aus einen Kreidestrich, läuft das Huhn dem Kreidestrich nach! Es ist hypnotisiert, es läuft dem Strich nach! Sie müssen nur erst den Schnabel aufstoßen auf den Anfang, dann läuft es dem Kreidestrich nach, weil es hypnotisiert ist von dem Strich. So hat jedes Zeichen - nicht nur für das Huhn die gerade Linie - eine Bedeutung, eine bestimmte einschläfernde Bedeutung, wenn man es darauf anlegt. Und das benützen nun wiederum gewisse Geheimverbindungen, um gerade solche Zeichen zu wählen, durch die sie den anderen Menschen betören, einschläfern, so daß er seine eigene Urteilskraft nicht geltend macht. Und mit solchen Mitteln arbeiten extrem namentlich solche Geheimverbindungen. Dazu gehört in Amerika wiederum der KuKlux-Klan. Nun ist der Ku-Klux-Klan aus dem Grunde gefährlich, weil solche Verbindungen nicht nur auf das eine Volk ausgehen, sondern sie wollen das nationalistische Prinzip überall haben. Es kann niemand sagen: Der Ku-Klux-Klan braucht bloß eine amerikanische Einrichtung zu bleiben, weil er den amerikanischen Nationalismus besonders befördern will. - So sagt der Anhänger des KuKlux-Klan nicht; sondern er sagt: Man soll überhaupt den Nationalismus befördern, also den in Ungarn, den in Deutschland, den in Frankreich. - Sehr schön! Nicht auf den Amerikanismus kommt es ihm an, er ist nicht ein Patriot, sondern er sieht in diesem Pochen der Menschen auf den Nationalismus etwas, was, wenn es dann zusammenwirkt bei den verschiedensten Nationen, dann bewirkt, was er erreichen will: nämlich die Menschen absolut ins Chaos hineinbringen. Das will er: Er will alles ins Chaos hineinbringen! Es ist die reine Zerstörungswut darinnen. Und so ist der Ku-Klux-Klan besonders aus dem Grund gefährlich, weil er sich in allen Ländern ausbreiten kann. Und Sie können nicht sagen, wenn er sich einmal ausbreiten will hier in der Schweiz, das sei eine amerikanische Einrichtung, sondern es ist dann eine nationale schweizerische Einrichtung.
[ 34 ] Now, when you consider such connections, you have to realize that symbols do indeed possess a certain hypnotic power. You know, if you have a chicken (it’s being drawn), and you let it peck at the ground with its beak, and then you draw a chalk line from there, the chicken will follow the chalk line! It’s hypnotized; it follows the line! You just have to make it peck at the starting point first, and then it follows the chalk line because it’s hypnotized by the line. Thus, every symbol—not just the straight line for the chicken—has a meaning, a certain soporific meaning, if one sets out to use it that way. And certain secret societies, in turn, exploit this by deliberately choosing precisely such symbols to bewitch and lull other people into a trance, so that they do not exercise their own judgment. And it is precisely such secret societies that operate through these means. In America, this includes the Ku Klux Klan. Now, the Ku Klux Klan is dangerous for the reason that such organizations do not limit themselves to a single nation; rather, they seek to establish the nationalist principle everywhere. No one can say: “The Ku Klux Klan need only remain an American institution because it aims specifically to promote American nationalism.”—A Ku Klux Klan follower does not say that; instead, he says: “Nationalism should be promoted everywhere—in Hungary, in Germany, in France.” —Very well! Americanism is not what matters to him; he is not a patriot, but rather he sees in this clamour for nationalism something that, when it combines across the most diverse nations, brings about what he wants to achieve: namely, to plunge people into utter chaos. That’s what he wants: He wants to plunge everything into chaos! It’s pure destructive fury at its core. And that’s why the Ku Klux Klan is particularly dangerous—because it can spread to every country. And you can’t say, if it ever tries to spread here in Switzerland, that it’s an American institution; rather, it would then be a Swiss national institution.
[ 35 ] Und so waren im Grunde auch die freimaurerischen Bündnisse; sie waren international, aber für die einzelnen Länder immer nationalistisch. Aber darauf gaben sie nicht viel, sondern sie haben es mehr der Außenwelt gegenüber getan, daß sie mitmachten, was in der Außenwelt war. Und man kann nun sagen: Aber sind denn solche Menschen nicht eigentlich wahnsinnig, die aufrütteln wollen so etwas wie ein absolut nationalistisches Prinzip, und die da alles zerstören wollen? Das kann man eigentlich auch nicht sagen. Natürlich, wenn man frägt, heißt es: Selbstverständlich macht man solche Sachen nicht mit. - Aber die Leute sagen sich: Es ist alles so verdorben heute - die Führenden sagen sich das bei den anderen, die nachlaufen -, das ist ja den anderen ganz einerlei, so daß es gar keinen Sinn hat, die Dinge zu pflegen, die heute da sind. Man muß erst die Menschheit wie eine wirre Masse behandeln. Dann werden die Menschen wieder zu sich kommen, und dann werden sie wiederum etwas Ordentliches lernen. Also eine Idee haben die Leute schon, und namentlich der Ku-Klux-Klan hat eine Idee in dieser Beziehung.
[ 35 ] And that was essentially how the Masonic lodges were as well; they were international, but always nationalistic within their respective countries. But they didn’t place much importance on that; rather, they did it more for the outside world—to go along with what was happening in the outside world. And one might now say: But aren’t such people actually insane, who want to stir up something like an absolutely nationalistic principle and who want to destroy everything? One can’t really say that either. Of course, if you ask, the answer is: “Naturally, one doesn’t go along with such things.”—But people tell themselves: “Everything is so corrupt today”—the leaders say this about the others who follow in their wake—“it doesn’t matter to the others at all, so there’s no point in upholding the things that exist today.” First, you have to treat humanity like a chaotic mass. Then people will come to their senses again, and then they’ll learn to behave properly once more. So people do have an idea, and the Ku Klux Klan, in particular, has an idea in this regard.
[ 36 ] Sie meinen: nicht?
[ 36 ] You mean: no?
[ 37 ] Der Fragesteller: Doch! Aber das ist komisch!
[ 37 ] The questioner: Yes! But that's strange!
[ 38 ] Dr. Steiner: Sehen Sie, viele Dinge sind im Kulturleben komisch, und wir haben ja auch schon Dinge erwähnt, die komisch aussahen. Aber das Komische ist manchmal recht gefährlich. Es scheint einem komisch, aber es ist manchmal außerordentlich gefährlich.
[ 38 ] Dr. Steiner: You see, many things in cultural life are strange, and we have already mentioned some things that seemed strange. But what is strange can sometimes be quite dangerous. It may seem strange to us, but it is sometimes extremely dangerous.
[ 39 ] Nun, meine Herren, muß ich morgen im Laufe des Tages wiederum - nach Breslau - verreisen. Ich werde dann sagen, wann wir die nächste Stunde haben werden.
[ 39 ] Well, gentlemen, I have to travel again tomorrow—to Breslau. I’ll let you know then when our next session will be.
