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Über Philosophie Geschichte und Literatur
GA 51

1 November 1904, Berlin

Geschichte Des Mittelalters bis zu den großen Erfindungen und Entdeckungen III

[ 1 ] Man braucht nur eine einzige Tatsache zu erwähnen von allen, die in derselben Weise sprechen, um zu sehen, was für durchgreifende Veränderungen im 5. Jahrhundert vor sich gegangen sind. Die Westgoten finden wir am Ende des 4. Jahrhunderts im Osten der Donau; ein Jahrhundert später zeigt sie uns die Karte in Spanien. Ebenso wie dieses Volk von einem Ende Europas zum anderen gezogen ist, so ist es mit vielen anderen. Sie zogen in Länder, wo sie andere Kulturen antrafen und andere Sitten annahmen.

[ 2 ] Wir müssen einen Rückblick auf die vorhergegangene Geschichtsepoche werfen, um den Umschwung zu verstehen, den hundert Jahre in Mitteleuropa hervorriefen. Wir finden, wenn wir den Berichten der Römer folgen, längs des Rheins kriegerische Stämme, deren Hauptbeschäftigung außer den Kämpfen die Jagd bildet. Weiter nach Osten zu finden wir Ackerbau und Viehzucht bei den Germanen, und noch weiter im Nordosten Volksstämme, die am Meere wohnen und von denen die Römer berichten, als wären sie etwas ganz Dunkles und Nebelhaftes.

[ 3 ] Es wird erzählt, daß dieses Volk die Sonne anbete und seinen Glauben daher habe, daß es die Sonnengöttin aus dem Meere hervorgehen sehe. Von dem Volke, das in diesen Gegenden in der Mark Brandenburg wohnte, den Semnonen, wird gesagt, daß sich ihr Gottesdienst durch seine blutigen Opfer auszeichnete. Bei ihnen wären zwar meist nicht Menschen, sondern Tiere den Göttern dargebracht worden, der Opferdienst hätte aber einen grausamen Charakter getragen, der ihn von dem der übrigen Stämme unterschied. Und noch manches sonst wäre zu schildern von dieser Zeit.

[ 4 ] Es folgt dann zunächst eine verhältnismäßig ruhige Zeit.

[ 5 ] Allmählich werden von den einzelnen Stämmen die Grenzen des römischen Reiches überschritten. Im 3. Jahrhundert dringen zuerst vor gegen das römische Reich im Südwesten die Burgunder und weiter nördlich die Franken, die in Gallien einfallen. Auch weiter nach Osten zu, an der Donau, rücken andere germanische Völkerschaften gegen das Reich. So mußten die Römer mit ihrer hochentwickelten Kultur jener Völker sich erwehren. Wir finden hier einen großen Unterschied der Kulturstufen. Bei den Germanen herrschte überall noch Naturalwirtschaft, bei den Römern ausgebildete Geldwirtschaft. Der Handel bei den Germanen war ein bloßer Tauschverkehr. Handel mit Geld kannte man noch nicht. Es ist bezeichnend, wie in Frankreich — unter dessen Bevölkerung sich so viel keltisches Blut findet — nach der römischen Eroberung vollständige Geldwirtschaft eingeführt war, diese bei der Eroberung durch germanische Stämme durch die Naturalwirtschaft wieder verdrängt wurde. So zeigt sich uns der Zusammenstoß hochentwickelter Kultur mit barbarischen Volksstämmen.

[ 6 ] Dann brechen die Hunnen herein. Im Jahre 375 erfolgt der erste Zusammenstoß zunächst mit den Ostgoten, die am Schwarzen Meer ihren Wohnsitz hatten, und den Herulern. Sie werden nach Westen gedrängt, und dadurch werden auch die Westgoten genötigt, aus ihren Wohnsitzen aufzubrechen. Wohin sollen sie gehen als in das römische Reich, das sie bis an die Donau überfluten. Schon ist das Römerreich in ein ost- und weströmisches Reich zerspalten, jenes mit Byzanz, dieses mit Rom als Hauptstadt. Der oströmische Herrscher weist den Westgoten Wohnsitze an, deren Besitz sie sich jedoch erst in der Schlacht bei Adrianopel erstreiten mußten. Dort in jenen Gegenden schrieb Ulfila seine Bibelübersetzung. Doch bald mußten sie ihre Wanderung wieder fortsetzen. Nachrückende slawische Völkerschaften drängten sie weiter nach Westen. Unter ihrem König Alarich eroberten sie Rom und gründeten im 5. Jahrhundert in Spanien das westgotische Reich.

[ 7 ] Die Ostgoten folgten ihnen nach und versuchten gleichfalls im Gebiete des römischen Reiches Wohnsitze zu begründen. Der germanische Stamm der Vandalen eroberte Spanien, schiffte dann nach Afrika hinüber, wo er in der Gegend, wo einst Karthago gestanden hatte, ein Vandalenreich begründete und von da aus durch Überfälle Rom beunruhigte. So ist der ganze Charakter dieser Völkerumwälzung der, daß in all die Teile, die die neue Gestalt des christlichen Roms bildete, sich diese Germanenvölker hineindrängten. Aus dieser Art der Eroberung gingen Neugestaltungen von ganz eigentümlichem Wesen hervor.

[ 8 ] Auf dem Gebiete des vormaligen Gallien entsteht ein mächtiges Reich, das Frankenreich, welches Jahrhunderte lang ganz Mitteleuropa seinen Stempel aufdrückte. In ihm bildete sich vornehmlich das, was man gewöhnlich als «römisches Christentum» bezeichnet. Jene anderen Völker, die in raschem Siegeszuge sich Teile des römischen Reichs unterworfen haben, die Goten, die Vandalen, verschwinden bald wieder völlig aus der Geschichte. Bei den Franken sehen wir ein mächtiges Reich sich über Europa ausdehnen. Welches sind die Gründe hierfür?

[ 9 ] Um diese zu finden, müssen wir einen Blick auf die Art werfen, wie diese Stämme ihr Reich ausdehnen. Es geschah das in der Weise, daß ein Drittel bis zwei Drittel des Gebietes, in das sie eindrangen, unter die Eroberer verteilt wurde. So erhielten die Anführer große Ländergebiete, welche sie nun für sich bearbeiten ließen. Zur Arbeit wurde die unterworfene Bevölkerung benutzt, die zum Teil zu Sklaven oder Unfreien geworden waren. So machten es die Westgoten in Spanien, die Ostgoten in Italien. Sie können sich denken, daß dieses Verfahren unter den schon bestehenden Verhältnissen, wo die Bevölkerung auf einer höheren Kulturstufe lebte, große Schwierigkeiten fand und sich auf die Dauer nicht zu halten vermochte.

[ 10 ] Anders in Gallien. Dort gab es große Wälder und unbewohnte Landstriche. Auch hier verteilte man die eroberten Gebiete, und den Anführern fielen große Teile zu. Man war hier nicht in schon bestehende Verhältnisse hineingedrängt; es war die Möglichkeit zur Ausdehnung gegeben. Die Führer wurden hier zu Großgrundbesitzern und Herrschern über die unterworfenen Volksstämme. Aber die Verhältnisse ermöglichten es, daß dies ohne zu großen Zwang geschah. In den Zeiten vor der Völkerwanderung waren die Angehörigen eines Stammes einander im wesentlichen gleich gewesen. Die Freiheit war ein gemeinsames, germanisches Gut, und in gewissem Sinne war jeder sein eigener, niemand verantwortlicher Herr auf seinem eigenen Grund und Boden. Diese Unabhängigkeit und Macht der Führer dehnte sich nun dadurch aus, daß so viele Menschen von ihnen in Abhängigkeit gekommen waren.

[ 11 ] Dadurch waren sie in der Lage, sich selber besser zu beschützen, und kleine Besitzer begaben sich in den Schutz der größeren. So entstand ein Schutzverhältnis des Mächtigen gegen den weniger Mächtigen. Die vielen kleinen Fehden führten viele kleine Besitzer, die sich selbst nicht ausgiebig genug verteidigen konnten, in ein Abhängigkeitsverhältnis zu den Mächtigeren. Sie gelobten Treue im Fall eines Krieges; andere traten Teile ihres Besitztums ab, oder bezahlten dem Schutzherrn einen Zins. Solche Abhängige hießen Vasallen. Anderen wurde von den großen Besitzern für ihren Dienst in Kriegsfällen ein Besitz auf Widerruf verliehen: das Lehen. Der Mächtige wurde der Lehnsherr, der andere Vasall. So bildeten sich auf die natürlichste Weise der Welt gewisse Besitzverhältnisse aus.

[ 12 ] Die Eroberungszüge der Goten hatten keine dauernde Wirkung. Diejenigen Völker, die sich hineingeschoben hatten auf Kulturboden, kamen zu nichts, ihre Macht war bald gebrochen. — Anders in Gallien. Hier, wo weite Gebiete noch auszuroden waren, konnte das Eindringen neuer Volksmassen im Kulturinteresse nur begrüßt werden. Unbeengt waren die Großen im Reich der Franken in der Ausbildung ihres Volkscharakters.

[ 13 ] Ausgelöscht sind die Goten und Vandalen, sie und all die germanischen Stämme, die in schon ausgebildete Wirtschaftsgebiete gekommen waren. Bei den Franken haben wir die Unabhängigkeit von dem wirtschaftlichen Unterbau, und die Franken drückten der Folgezeit den Charakter auf, namentlich auch dadurch, daß das sich ausbildende Christentum den Boden fand, sich in solcher Freiheit auch auszubreiten. Während die Westgoten ursprünglich arianische Christen waren, wurden ihrer Eigenart andere Vorstellungen eingeimpft; unter den ihrer Wesensart fremden wirtschaftlichen Vorbedingungen entwickelte sich das, was als Druck der materiellen Verhältnisse angesehen werden kann. Nicht so war es bei den Franken. Innerhalb der Frankenstämme war es, wo die Kirche Großgrundbesitzerin wurde. Unbeirrt durch die materiellen Verhältnisse konnten sich diese Äbte, Bischöfe, Priester, Gelehrte dem Dienste der Religion widmen. Rein, wie es aus dem Wesen des Empfindens dieser Leute hervorging, bildete sich die eigenartige Kultur dieses Christentums aus. Die geistigen Bestrebungen innerhalb des freien Frankentums wurden gefördert durch das Hereinströmen des keltischen Elementes. Das Keltentum, dessen feuriges Blut wieder zum Durchbruch kam, wurde zu Lehrern und Führern der geistig weniger regsamen Franken. Von Schottland und Irland herüber kamen keltische Mönche und Priester in großer Zahl, um im Frankenreich ihren Glauben zu verkündigen.

[ 14 ] Das alles macht es möglich, daß das Christentum damals nicht ein Spiegelbild äußerer Verhältnisse war, sondern unbeengt vom materiellen Druck auf freiem Boden sich entwickeln konnte. Die Verhältnisse von Mitteleuropa wurden bestimmt durch das Christentum. Alles Wissen des Altertums wurde auf diese Weise durch das Christentum für die germanischen Völker aufbewahrt. Aristoteles gab den geistigen Kern, den das Christentum zu begreifen suchte. Damals gab es noch keine Abhängigkeit von Rom. Frei konnte sich das christliche Leben im Frankenreiche ausbilden. Auch Platos Ideenwelt fand Eingang in dieses geistige Leben. Besonders geschah dies durch schottische und irische Mönche, vor allem durch Scotus Erigena in seinem Werke «Über die Einteilung der Natur», einem Werke, das eine Höhe des Geisteslebens bedeutet. So sehen wir, wie unbeirrt von äußeren Verhältnissen, geistiges Leben sich gestaltet. Die geistigen Strömungen nehmen gerade da ihr charakteristisches Gepräge an, wo sie unabhängig sind von wirtschaftlichen Verhältnissen. Später, als der materielle Druck sich ausdehnt, nehmen sie rückwirkend den Charakter dieser Verhältnisse an, dann aber fließen sie selbst da hinein und beeinflussen diese wieder.

[ 15 ] Mehrere kleine Königreiche bildeten das Reich, das wir als das der Merowinger kennen und das erst später unter die Gewalt eines einzigen gelangte.

[ 16 ] Nach dem, was Ihnen geschildert wurde, werden Sie einsehen, daß das südlichere Christentum anders sein mußte als dieses fränkische Christentum, mit dem es sich später vermischte. Das fränkische Christentum war verhältnismäßig unabhängig und konnte die politischen Verhältnisse zu seinen Gunsten benutzen. Je mehr die römische Herrschaft zurückgedrängt wurde, ein um so größerer Teil des Klerus ging aus den Franken hervor, dessen Bildung weit hinter der der anderen Geistlichen zurückstand; die gelehrten Priester und Mönche aber waren alle Kelten.

[ 17 ] So waren in diesen Jahrhunderten allmählich die verschiedensten Völkerschaften durcheinander gerüttelt worden; der Einfall der Hunnen hatte den Anlaß zu diesen Veränderungen gegeben. Während sich nun innerhalb der eigentlichen Kulturströmungen das gestaltete, was hier geschildert wurde, hatten sich äußerlich große Kämpfe abgespielt. Aber das, was wir die Kulturentwickelung nennen, wurde von diesen äußeren Kämpfen nicht wesentlich berührt.

[ 18 ] Die Hunnen waren weit nach Westen vorgedrungen. Wenn wir nicht blind sind gegenüber dem, was alte Sagen verkünden, so wissen wir: sie waren bis nach Südfrankreich gelangt. In der alten Heldendichtung, die in lateinischer Sprache überliefert wurde, dem Waltharilied, wird erzählt, wie die Fürsten der germanischen Stämme, die Burgunder und Franken und so weiter, den Hunnen Geiseln geben mußten, darunter auch jenen Walthari, den Sohn des Fürsten des germanischen Volksstammes, der in Aquitanien herrschte. Von den Taten dieses Walther, des Hagen und des Gunther erzählt dieses Heldenlied. Fortwährend erfolgten nun Einfälle der Hunnen und beunruhigten die germanischen Völker weit nach Westen hin, bis endlich die Franken, Goten, sowie das, was vom römischen Volke noch übriggeblieben war, eine Macht bildeten, die sich den Hunnen im Jahre 451 entgegenstellte in der Schlacht auf den katalaunischen Feldern. Dies ist der erste Schlag, den die Herrschaft der Hunnen erlitt, eine Herrschaft, die schwer auf den Völkern lastete, die aber keinen dauernden Eindruck hinterließ.

[ 19 ] Die Hunnen waren an Sitten und Gebräuchen ein den europäischen Völkern so fremdes Volk, daß die ganze Art und Gestalt der Hunnen als etwas ganz Seltsames geschildert wird. Wichtig war, daß dieses Volk eine kompakte Einheit bildete; eine bis zur Vergötterung sich steigernde Unterwürfigkeit unter ihren König Attila ließ sie den anderen Völkern gegenüber von unwiderstehlichem Schrecken erscheinen. Nach der Schlacht auf den katalaunischen Feldern empfing diese Macht ihren letzten, entscheidenden Schlag durch Leo den Großen, den Bischof von Rom, der Attila entgegentrat und ihn bewog, zurückzugehen. Volkspsychologisch ist dieses Geschehnis verständlich. Leo kannte die Macht, die Attila auf sein Volk ausübte. Attila aber bei all seiner Macht kannte das nicht, was ihm da entgegentrat: das Christentum; darum beugte er sich ihm.

[ 20 ] Die Herrschaft der Hunnen blieb somit eine Episode; dauernde Wirkung hatte viel mehr das, was aus dem Westen kam. Nach Attilas Tode 453 zerfiel die Macht der Hunnen bald wieder; auch die Herrschaft der Goten, Gepiden, Vandalen und so weiter war nichts Dauerndes, sie fanden sich eingeschlossen in schon gegebene Verhältnisse und konnten sich in ihrer Eigenart nicht erhalten. Dies geschieht dagegen im Frankenreiche; diese Kultur erweist sich treu dem Charakter des Frankenstammes, und so ist zu sehen, wie dieses Volk sich mächtig entwickelt. Wir sehen später aber auch, wie dieser Stamm die anderen mit Gewalt zwingt, das Christentum anzunehmen. Wir sehen ferner, daß nichts Geeigneteres vorhanden ist, die materielle Kultur auszugestalten, als das Christentum; allerlei Kulturgebilde erhalten ihr Gepräge von dem äußeren Christentum. Und weil sie den Charakter frei erhalten können, geben sie den Rahmen für lose Gebilde, in denen sich das geistige Leben entwickeln kann: so entstehen die geistlichen Wirtschaftsgemeinschaften im Kloster und so weiter. Mit der Zeit aber entsteht eine Unzusammengehörigkeit der geistigen und wirtschaftlichen Kultur. Trotzdem das Reich Karls des Großen sich zu einem christlichen Reiche macht, aber mit Gewalt das Christentum ausbreitet, stellt es sich in Widerspruch zum Geist des Christentums. Daher paßt bald das Christentum nicht mehr zum Wirtschaftsleben. Die Verhältnisse des Wirtschaftslebens werden als drückende empfunden, und so entstehen die freien Städte.

[ 21 ] Dies ist die Entwickelung der geistigen und der materiellen Kultur in großen Zügen. Die Verhältnisse in ihrer eigentlichen Bedeutung werden Ihnen vorgeführt. Sie sehen, wie erst als die geistigen Strömungen nicht mehr mit den materiellen Verhältnissen zusammenfielen, dieses Mißverhältnis seinen Ausdruck findet in der Entstehung einer rein materiellen Kultur, der Städtekultur. Denn aus materiellem Interesse waren diese Wirtschaftsgebilde entstanden. Die Bevölkerung, die es nicht aushalten konnte auf dem Lande, sie drängte hinein in die Städte, um dort Schutz und Sicherheit zu finden. So sehen wir neue Wirtschaftsgebilde entstehen, die von weittragendster Bedeutung werden sollten. Sie sehen Reiche entstehen und vergehen und neue Gebilde an die Stelle von alten treten. Sie sehen aber auch, daß wir ihren Organismus nur verstehen, wenn wir erkennen, wie sich das erste maßgebende Reich, das Frankenreich, gestaltete. Nicht hineingedrängt in schon bestehende Verhältnisse, sondern dort, wo Raum zu freier Ausdehnung geboten war, hatte sich das Wesen dieses Volksstammes entwikkelt und seine Herrschaft ausgestalten können.

[ 22 ] Nicht nur gründlich durcheinandergerüttelt, sondern neu gebildet waren die Volksstämme, die durch die große Völkerwanderung aus ihren Wohnsitzen getrieben waren. Einige waren ganz aus der Geschichte verschwunden, andere traten an ihre Stelle. Nicht nur von außen, viel mehr im tiefsten Grunde ihres Charakters hatte sich die große Umwandlung vollzogen. Wir sehen bei Beginn der Epoche der Völkerwanderung die verschiedenen germanischen Völker die Frage an das Schicksal stellen. Für die Goten, die ein toJlerantes Christentum sich erwählt hatten, bedeutete diese Frage die Vernichtung, für die Franken, die unter anderen, freieren, für sie günstigeren Verhältnissen vor diese Frage gestellt wurden, bedeutete sie die Machtentfaltung auf Jahrhunderte hinaus. Ob zum Heile der Gesamtheit? Das werden wir in der Folge sehen.