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The Rudolf Steiner Archive

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The Essence of Anthroposophy
within the World Of Sense, Soul And Spirit
GA 68b

14 October 1905, Hamburg

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The Circular Flow of Man's Life, tr. SOL
  1. Der Kreislauf des Menschen

28. Ursprung und Wesen des Menschen

28. The Origin and Nature of Man

[ 1 ] Wie der Mensch lebt, befriedigt oder unbefriedigt, das hängt von dem Grade des Verständnisses ab, das er über sein eigenes Wesen hat. Der Mensch des Mittelalters empfand beim Aufblick zu dem Sternenhimmel — voll Bewunderung für dessen Größe und Schönheit — Trost und Hoffnung, denn der Mensch des Mittelalters fühlte sich als einen Teil des Alls, als einen Teil des Geistes, der die Welt durchflutet. Er erkannte seinen Ursprung und sein Ziel, das ihn in den Schoß der Gottheit zurückführen würde.

[ 1 ] Whether a person’s life is fulfilling or unfulfilling depends on the degree to which they understand their own nature. When people in the Middle Ages looked up at the starry sky—filled with admiration for its grandeur and beauty—they found comfort and hope, for they felt themselves to be a part of the universe, a part of the spirit that permeates the world. They recognized their origin and their destination, which would lead them back into the bosom of the Divine.

[ 2 ] Der Mensch von heute fühlt sich dem gewaltigen Weltengebäude, der Unendlichkeit des Alls gegenüber so klein, so winzig, dass er meint, er müsse wie ein Staubkorn zerstieben. Gewiss, der Mensch ist winzig dem All gegenüber, und doch, eins ist größer als alles Geschaffene, das ist das Seelische, das Geistige im Menschen. Das höchste Göttliche, zu dem sein Lauf ihn zurückführt, lebt in ihm selbst. Diese Erkenntnis, dieser Glaube wurde dem Menschen des Mittelalters von niemandem geraubt.

[ 2 ] People today feel so small, so tiny in the face of the vast structure of the universe and the infinity of space that they believe they must vanish like a speck of dust. Certainly, human beings are minuscule compared to the universe, and yet there is one thing greater than all created things: the soul, the spirit within human beings. The highest divinity, to which their journey leads them back, lives within them. This insight, this belief, was never taken away from the people of the Middle Ages.

[ 3 ] Das hat sich nun in unserer Zeit wesentlich geändert. Populäre Schriften werden nicht müde, die Kleinheit des Menschen zu betonen. Wie die Erde im All nur wie ein Sandkörnchen erscheint, so der Mensch auf der Erde wieder nur ein Sandkorn, das vergeht. So hebt die Jetztzeit die Kleinheit, das Mittelalter die Größe des Menschen hervor. Da ist es schwer für den heutigen Menschen, sich zurechtzufinden zwischen diesen Betrachtungen der Kleinheit und der Größe des Menschen. Schiller, in dem mehr theosophische Denkweise war, als die meisten ahnen, sagt:

[ 3 ] This has now changed significantly in our time. Popular writings never tire of emphasizing the smallness of human beings. Just as the Earth appears in space to be no more than a grain of sand, so too is the human being on Earth merely a grain of sand that will pass away. Thus, the present age emphasizes the smallness of human beings, while the Middle Ages emphasized their greatness. It is therefore difficult for people today to find their bearings between these perspectives on the smallness and the greatness of humankind. Schiller, who had a more theosophical way of thinking than most people realize, says:

Ihr Astronomen, schwatzt nicht von Nebelflecken und
Sonnen, im Raum wohnet der Erhabene nicht.

You astronomers, do not prattle on about nebulae and
suns; the Sublime One does not dwell in space.

[ 4 ] In diese Wirrsal bringt die Theosophie neues Licht; sie erschließt uns Tiefen, die neuen Aufschluss geben über das Wesen des Menschen. Die theosophische Weltanschauung ist nicht etwa reaktionär; sie weiß und erkennt durchaus, dass die materielle Weltanschauung notwendig war, denn sie führte zur Erkenntnis der äußeren Welt. Doch die Folge davon war, dass das tiefere Wissen über den Menschen vernachlässigt wurde. Die materielle Anschauung hat den Erdball erobert. Jetzt gilt es, die vertiefte Erkenntnis des Seelischen und Geistigen zu gewinnen, und diese können uns die Lehren der Theosophie verschaffen.

[ 4 ] Theosophy sheds new light on this confusion; it opens up depths that provide new insights into the nature of the human being. The theosophical worldview is by no means reactionary; it fully acknowledges that the materialistic worldview was necessary, for it led to an understanding of the external world. However, the consequence of this was that deeper knowledge of the human being was neglected. The materialistic worldview has taken over the globe. Now it is time to gain a deeper understanding of the soul and the spirit, and the teachings of Theosophy can provide us with this.

[ 5 ] Auf welche Weise lässt sich das Wesen des Menschen ergründen? Die heutige Wissenschaft sucht den Menschen, wie alles andere, zu erkennen durch Zergliederung. Mit den äußeren Sinnen sucht sie Aufschluss zu erhalten über das Wesen des Menschen. Der Wert dieser so erlangten Wissenschaft soll durchaus nicht herabgesetzt werden, aber es gibt noch eine andere Art der Forschung.

[ 5 ] How can the nature of human beings be fathomed? Modern science seeks to understand human beings, as it does everything else, through analysis. It uses the external senses to gain insight into the nature of human beings. The value of the knowledge gained in this way should by no means be diminished, but there is another kind of research.

[ 6 ] Sie finden in alten mystischen — dies Wort hat für viele freilich einen unangenehmen Klang — Schriften Beschreibungen von dem inneren Wesen, vom Geiste des Menschen. Sie sagen, dass der Mensch innere Organe besitzt, mit denen er eine ganz andere Art der Forschung betreiben kann als diejenige, die mit den äußeren Sinnen betrieben wird. Das Resultat dieser Untersuchungen mit den inneren, feineren Sinnen ist nun durchaus nicht grundverschieden von der materialistischen Untersuchung; es gibt nur weitere, tiefere Aufschlüsse als die äußerliche Untersuchungsmethode.

[ 6 ] In ancient mystical writings—a term that, admittedly, has an unpleasant ring to it for many—you will find descriptions of the inner being, of the human spirit. They say that human beings possess inner organs with which they can engage in a completely different kind of inquiry than that carried out with the external senses. The results of these investigations using the inner, more subtle senses are by no means fundamentally different from those of materialistic investigation; they simply provide further, deeper insights than the external method of investigation.

[ 7 ] Diese geistige Weisheit hat nun verschiedene Namen. Der Name «Theosophie» ist nur einer unter vielen. Paulus hat ihn zuerst gebraucht. Diese Weisheit ist uralt, sie ist nichts Neues; nur wird sie den Menschen heute in einer Weise gebracht wie noch nie zuvor. Die höhere — oder tiefere - Erkenntnis war früher das Eigentum von Geheimschulen. Das Wort darf nicht missverstanden werden. Die Lehren sind Geheimnisse nur in dem Sinne wie zum Beispiel für einen einfachen Bauern die Mathematik ein Geheimnis ist. Sie bleibt ihm ein Geheimnis, bis er sie gelernt hat. Jeder kann sie lernen, der dazu bereit ist. Im Laufe der Jahrtausende haben viele die Weisheit erlernt. Es wurden früher größere Anforderungen an den Schüler gestellt. Heute wird in den Schulen hauptsächlich verstandesmäßig gelehrt und der Verstand der Schüler ausgebildet. In den Weisheitsschulen handelt es sich darum, den ganzen Menschen mit allen seinen Gemüts- und Seelenkräften zu entwickeln. Und ehe der Schüler in die tieferen Lehren der Weisheit eingeführt wurde, musste er gewisse Proben ablegen.

[ 7 ] This spiritual wisdom has various names. The name “Theosophy” is just one among many. Paul was the first to use it. This wisdom is ancient; it is nothing new. However, it is being presented to people today in a way that has never been done before. This higher—or deeper—knowledge was once the preserve of secret schools. The word must not be misunderstood. The teachings are mysteries only in the sense that, for example, mathematics is a mystery to a simple farmer. It remains a mystery to him until he has learned it. Anyone who is ready can learn it. Over the course of millennia, many have learned this wisdom. In the past, greater demands were placed on the student. Today, schools primarily teach through the intellect and train the students’ minds. In the schools of wisdom, the aim is to develop the whole human being with all their emotional and spiritual faculties. And before a student was initiated into the deeper teachings of wisdom, they had to pass certain tests.

[ 8 ] Mancher, der die pythagoräische Geheimschule liest, wird sie vielleicht recht einfach finden. Den rechten Sinn wird nur der erkennen, der sich in dieselbe Seelenverfassung versetzt, in der die Leute sich damals befanden. Der wird den Wert erkennen.

[ 8 ] Some who read *The Pythagorean Secret School* may find it quite simple. Only those who put themselves in the same state of mind as the people of that time will recognize its true meaning. They will appreciate its value.

[ 9 ] Wir können uns das an einem Kunstwerk klarmachen. Zwei Menschen stehen vor einem Gemälde von Raffael. Der eine sieht nur die Farben auf der Leinwand und geht ganz unberührt an dem Kunstwerk vorüber. Dem andern, einem Kunstkenner mit seinem Verständnis, erschließen sich Wunder von seelischen und geistigen Welten, die den anderen ganz unberührt ließen. Diese verschiedene Auffassung des Kunstwerkes hängt von der verschiedenen Entwicklung der inneren Kräfte ab. Bei dem einen war nur der Verstand entwickelt, bei dem anderen hatten Seele und Geist eine Entwicklung erfahren, die die richtige Stimmung erzeugte, um das Kunstwerk zu verstehen und zu genießen.

[ 9 ] We can illustrate this with a work of art. Two people are standing in front of a painting by Raphael. One sees only the colors on the canvas and walks past the artwork completely unmoved. To the other—an art connoisseur with a deeper understanding—wonders of the soul and spirit unfold, while the first remains completely unmoved. This difference in perception of the artwork depends on the varying development of one’s inner powers. In one person, only the intellect was developed; in the other, the soul and spirit had undergone a development that created the right frame of mind to understand and enjoy the artwork.

[ 10 ] Wer ein Leben im Geiste führen will, dem muss eines klar bewusst sein: Dass Gedanken und Gefühle wirkliche Dinge sind. Nicht der erfasst die Bücher, der sie mit dem Verstande allein liest, sondern der, der sie mit dem Geist erfasst. Ebenso wirklich wie ein Ziegelstein, der vom Dache fällt, einen Menschen tötet, ebenso wirklich verletzt ein Hassgefühl die Seele dessen, auf den es gerichtet ist. Die Seele wird durch den Hass ebenso verletzt wie der Leib durch den Ziegelstein. Die Lehre von dem Unsichtbaren kann nur von dem begriffen werden, der sich stets klarmacht, dass das Unsichtbare viel wirklicher ist als das Sichtbare.

[ 10 ] Anyone who wants to live a life in the Spirit must be clearly aware of one thing: that thoughts and feelings are real things. It is not the one who reads books with the intellect alone who grasps them, but the one who grasps them with the Spirit. Just as real as a brick falling from a roof and killing a person, a feeling of hatred just as truly wounds the soul of the one at whom it is directed. The soul is wounded by hatred just as the body is wounded by the brick. The teaching about the invisible can only be understood by those who constantly remind themselves that the invisible is far more real than the visible.

[ 11 ] Es ist auch wertlos, nur in Büchern zu lesen; auf das Leben kommt es an, auf das Leben im Geist. Der ganze Mensch muss sich vertiefen in die Lehren, nicht nur sein Verstand. Dies muss vorausgeschickt werden, um das Verständnis dessen, was gesagt werden soll, zu ermöglichen. Es genügt nicht, zu den theosophischen Lehren Ja zu sagen; der Mensch muss sich umwandeln, wenn er zur Erkenntnis kommen will.

[ 11 ] It is also pointless to read only in books; what matters is life—life in the Spirit. The whole person must immerse themselves in the teachings, not just their intellect. This must be stated up front to facilitate an understanding of what is to be said. It is not enough to say “yes” to the Theosophical teachings; a person must transform themselves if they wish to attain knowledge.

[ 12 ] Klar zutage liegt, dass der Mensch ein Teil der äußeren Welt ist. Von der Frau geboren, erscheint er auf der Erde; die äußeren Wissenschaften, Chemie, Anatomie und so weiter zeigen, dass dieselben Kräfte, dieselben Stoffe den menschlichen Leib bilden, wie sich diese in den übrigen Dingen der Welt befinden. Der Mensch ist also erstens ein physisches Wesen. So weit belehrt uns die äußere Wissenschaft. Darüber hinaus kann sie nichts erforschen; nur das, was stirbt, kann sie erforschen; über das, was unsterblich ist, gibt uns die Theosophie Auskunft. Das ist ein einfacher Gedanke. Wie der Mensch, der äußere Mensch durch Anschauen mit den äußeren Sinnen erfasst wird, so kann der geistige Mensch durch die inneren Sinne erfasst werden.

[ 12 ] It is clearly evident that human beings are part of the external world. Born of a woman, they come into the world; the external sciences—chemistry, anatomy, and so on—show that the human body is composed of the same forces and the same substances found in all other things in the world. Human beings are, therefore, first and foremost physical beings. This is what external science teaches us. It cannot investigate anything beyond this; it can only investigate that which dies; theosophy provides us with information about that which is immortal. This is a simple idea. Just as the human being—the outer human being—is perceived through observation with the external senses, so the spiritual human being can be perceived through the inner senses.

[ 13 ] Was damit gemeint ist, ist nicht schwer zu verstehen. Sehen Sie diese meine Hände. Es ist denkbar, dass ein geschickter Künstler eine ebensolche Hand künstlich nachbildete, sodass sie äußerlich nicht von der meinen zu unterscheiden wäre; äußerlich, wollen wir annehmen, wäre kein Unterschied zu erkennen; und doch gibt es ein Wort, was den ungeheuren Unterschied zwischen der künstlichen und der natürlichen Hand zeigt. Die künstliche Hand bleibt, wie sie ist, unverändert; sie kann allein für sich bestehen. Haut man aber die natürliche Hand ab, so verdorrt sie oder verwest. Das eine Wort heißt Leben. Darüber belehrt uns die Wissenschaft nicht.

[ 13 ] It is not difficult to understand what is meant by this. Look at my hands. It is conceivable that a skilled artist could artificially replicate a hand just like mine, so that outwardly it would be indistinguishable from mine; outwardly, let us assume, no difference would be apparent; and yet there is a word that reveals the immense difference between the artificial hand and the natural hand. The artificial hand remains as it is, unchanged; it can exist on its own. But if you remove the skin from the natural hand, it withers or decays. That one word is “life.” Science does not teach us about this.

[ 14 ] Mein ganzer Leib ist vom Leben durchflutet. Der Mensch hat nicht nur den physischen Leib, sondern auch zweitens einen Ätherleib — ich bitte die Gelehrten, sich nicht an diesem Ausdruck zu stoßen. Jedes lebende Wesen hat einen Ätherleib, der macht, dass das Wesen lebt. Mit den äußeren Sinnen ist er nicht wahrnehmbar. Doch gibt es eine Möglichkeit, ihn zu sehen wie den physischen. Es gibt eine Methode, die ermöglicht, das Leben zu sehen, nicht nur Farben zu sehen und Töne zu hören.

[ 14 ] My entire body is filled with life. Human beings have not only a physical body, but also, secondly, an etheric body—I ask the scholars not to take offense at this term. Every living being has an etheric body, which is what enables the being to live. It cannot be perceived with the outer senses. Yet there is a way to see it just as one sees the physical body. There is a method that makes it possible to see life itself, not just to see colors and hear sounds.

[ 15 ] Ein Arzt, mit dem ich über diese Sache sprach, meinte: Das ist ja ganz natürlich, dass die Hand verdorrt, wenn sie abgehauen ist; das Blut fließt dann nicht mehr durch sie hindurch. Ganz recht, aber wozu braucht sie das Blut? Wozu braucht sie das Unsichtbare? Um zu sein, was sie ist!

[ 15 ] A doctor I spoke to about this said: “It’s only natural that the hand withers when it’s been cut off; blood no longer flows through it.” Quite right, but why does it need the blood? Why does it need the invisible? To be what it is!

[ 16 ] Mit dem Tode zerfällt der physische Leib und der Ätherleib zerstiebt; er gibt seine Bestandteile dem Lebensäther zurück, der die Welt durchflutet.

[ 16 ] With death, the physical body disintegrates and the etheric body dissipates; it returns its constituents to the life ether that permeates the world.

[ 17 ] Wir kommen nun zu dem dritten Glied der menschlichen Natur. Denken Sie sich einen Menschen, wie er vor Ihnen steht; Sie können ihn sehen, betasten. Sie erkennen seine Schwere und beobachten sein Leben. Aber nur die Stofflichkeit kann die Hand betasten. Doch es lebt noch anderes in ihm: Lust und Schmerz, Leidenschaften und Begierden, Triebe und Neigungen, was keine Hand betasten, kein sinnliches Auge sehen kann. Alles dieses ist aber für den Menschen eine Wirklichkeit, wenn sie auch mit keinem physischen Auge oder anderen Sinne wahrgenommen werden kann. Den Teil des Menschen, der die Triebe, Begierden, Leidenschaften und so weiter umfasst, nennt man drittens den Astralleib.

[ 17 ] We now come to the third aspect of human nature. Imagine a person standing before you; you can see him and touch him. You perceive his physical weight and observe his life. But only the physical can be touched by the hand. Yet there is something else alive within him: pleasure and pain, passions and desires, instincts and inclinations—things no hand can touch and no physical eye can see. Yet all of this is a reality for human beings, even if it cannot be perceived by any physical eye or other sense. The part of the human being that encompasses the instincts, desires, passions, and so on is called, thirdly, the astral body.

[ 18 ] Wer seelische Augen entwickelt hat, wer sehend geworden ist, kann auch diesen Leib wahrnehmen. Man nennt ihn auch Aura. Diesen Astralleib hat der Mensch mit allen Tieren gemeinsam. Aber darüber hinaus, wozu es kein Tier bringt, besitzt der Mensch etwas, was ihn erst zum Menschen macht. Das Wort «Ich» drückt es aus. In diesem Wort liegt ein ganz gewaltiger Unterschied von allen anderen Namen. «Ich», ein gewaltiges, großes Wort. Tisch, Stuhl, Hund, Löwe kann jeder sagen, «Ich» kann jeder nur von sich selbst sagen, kein anderer Mensch kann zu Ihnen «Ich» sagen, nur Sie selbst können es sich beilegen. Ich bin ich, jeder andere ist «Du». Man muss sich in diesen Gedanken vertiefen, um ihn zu verstehen.

[ 18 ] Anyone who has developed spiritual eyesight, anyone who has become able to see, can also perceive this body. It is also called the aura. Human beings share this astral body with all animals. But beyond that—something no animal can achieve—human beings possess something that is what truly makes them human. The word “I” expresses this. This word marks a tremendous difference from all other names. “I”—a powerful, great word. Anyone can say “table,” “chair,” “dog,” or “lion,” but “I” is a word that only you can say about yourself; no other person can say “I” to you—only you yourself can apply it to yourself. I am I; everyone else is “you.” One must immerse oneself in this thought to understand it.

[ 19 ] Die Religionen sind alle auf die Weisheit gegründet; auch die jüdische Religion; die Juden wussten und kannten den Gott, das Ich im Innern des Menschen, den verborgenen Gott, dessen Name für das Volk unaussprechlich war. Nur der Hohepriester durfte ihn einmal des Jahres vor dem Volk aussprechen: Jeoah — nur ein Hauch erscholl aus seinem Munde, und dann durchzuckte in wellenförmiger Bewegung der göttliche Funke die Herzen der Gemeinde. Und dieses Ich ist das vierte Glied im menschlichen Wesen.

[ 19 ] All religions are founded on wisdom, including the Jewish religion; the Jews knew and recognized God—the “I” within man, the hidden God whose name was unpronounceable to the people. Only the high priest was permitted to utter it before the people once a year: Jeoah—only a whisper escaped his lips, and then the divine spark coursed through the hearts of the congregation in a wave-like movement. And this “I” is the fourth element of the human being.

[ 20 ] Alles, was der Mensch tut und treibt, trägt zur Entwicklung dieses Ich bei. In der Urzeit konnte der Mensch noch nicht «Ich» sagen. Er war noch halb Tier. Triebe, Begierden, Instinkte sind die treibenden Kräfte zur Entwicklung des Tieres, durch das Ich werden diese Triebe veredelt; das Ich arbeitet in den Astralleib hinein. So verändert, veredelt der Mensch seine tierischen Triebe. Ärger und Wut verwandeln sich in ruhige Überlegung; Hass und Rachegefühle verwandeln sich in Liebe, indem das Ich hineinarbeitet in seine Seele. Das Wilde wird gesittet, aus Instinkten werden Ideale, aus Trieben Pflichten, aus Selbstsucht Aufopferung. Diese Umänderung des Astralleibes erzeugt das Wachsen des «Manas». Was der Mensch so selbst erzeugt hat, ist bleibend. Das ist der Punkt, wo die Unvergänglichkeit anhebt. Jede Ursache, die wir in das Manas hineinbauen, bleibt, und die Wirkungen erscheinen in den nächsten Wiederverkörperungen.

[ 20 ] Everything a human being does and engages in contributes to the development of this “I.” In prehistoric times, humans were not yet able to say “I.” They were still half-animal. Drives, desires, and instincts are the driving forces behind the development of the animal; through the “I,” these drives are refined; the “I” works into the astral body. In this way, human beings transform and refine their animal instincts. Anger and rage are transformed into calm reflection; hatred and feelings of vengeance are transformed into love as the “I” works into the soul. The wild is tamed; instincts become ideals, drives become duties, and selfishness becomes self-sacrifice. This transformation of the astral body brings about the growth of “Manas.” What a person has thus created for themselves is permanent. This is the point where immortality begins. Every cause we build into Manas remains, and the effects appear in subsequent reincarnations.

[ 21 ] Kleine Kinder zeigen zumeist im Anfang Ähnlichkeit mit ihren Eltern, und die Naturforscher schreiben alle ihre Eigenschaften ihrer Abstammung zu. Bis zu einem gewissen Grade mögen sie recht haben. Raffael erschien auch als Kind seiner Eltern, viele seiner Eigenschaften, seine Erscheinung lassen sich aus der Art seiner Vorfahren erklären. Wie nun aber? Plötzlich lebt in ihm etwas auf, sein Genie, das ihm weder vom Vater noch von der Mutter angeerbt ist. Da sagt man sich: Das muss entweder gar keine Ursache haben oder eine andere als die Abstammung. — Oft auch sieht man unter den Kindern einer Familie eine große Verschiedenheit. Woher kommt das? Diese Verschiedenheit hat ihren Grund darin, dass das Individuum dazu in früheren Leben den Grund gelegt hat. Ich verdanke mein Wesen nicht nur der Ähnlichkeit mit meinen Eltern. Vor Jahrtausenden vielleicht habe ich selbst dazu den Grund gelegt. Die Verschiedenheiten in den menschlichen Naturen erklären sich somit durch die Reinkarnation, durch die wiederholten Erdenleben, indem das jeweilige Erdenleben das zur Erscheinung bringt, wozu der Mensch in früheren Verkörperungen den Grund gelegt hat.

[ 21 ] Young children usually resemble their parents at first, and naturalists attribute all their characteristics to their ancestry. To a certain extent, they may be right. Raphael, too, resembled his parents as a child; many of his characteristics and his appearance can be explained by the nature of his ancestors. But then what? Suddenly something awakens within him—his genius—which he has inherited from neither his father nor his mother. One then says to oneself: This must either have no cause at all, or a cause other than heredity. —Often, too, one observes great diversity among the children of a single family. Where does this come from? This diversity has its root in the fact that the individual laid the foundation for it in previous lives. I do not owe my nature solely to my resemblance to my parents. Perhaps thousands of years ago, I myself laid the foundation for it. The differences in human natures are thus explained by reincarnation—by repeated earthly lives—in that each earthly life brings to manifestation what the person laid the foundation for in earlier incarnations.

[ 22 ] Was war es, was den alten ägyptischen Sklaven seine harte Arbeit, den Frondienst, mit Ergebenheit, ja zum Teil mit Freudigkeit tun ließ? Es war die ihm bekannte Tatsache, dass in der nächsten Verkörperung das Blatt sich wenden würde, dass der still ergebene Geknechtete dann vielleicht herrschen würde und der grausame Unterdrücker geknechtet werden würde; denn so wirkt das Gesetz der Vergeltung, das Karma. Der Mensch des Westens hat keine Ahnung davon, welch ein Gefühl der Glückseligkeit durch dieses [Gesetz] entsteht, wie es fröhliche Gelassenheit erzeugt. «Gott lässt sich nicht spotten; was der Mensch säet, das wird er ernten.» (Gal 6,7) Reinkarnation und Karma, das sind die großen Tatsachen, die den Menschen befähigen und antreiben, in seinen Astralleib hineinzuarbeiten, ihn zu veredeln.

[ 22 ] What was it that made the ancient Egyptian slaves perform their hard labor—their forced labor—with resignation, and in some cases even with joy? It was the fact they knew that in their next incarnation the tables would turn, that the quietly submissive slave might then become the ruler and the cruel oppressor might be enslaved; for such is the workings of the law of retribution, karma. Westerners have no idea what a sense of bliss this [law] brings, how it engenders joyful serenity. “God is not mocked; whatever a man sows, that he will also reap.” (Gal 6:7) Reincarnation and karma—these are the great truths that empower and drive people to work on their astral body and refine it.

[ 23 ] Hat der Mensch das bis zu einem gewissen Grade fertiggebracht, dann hat er Katharsis durchgemacht. Darauf wird ihm in den Geheimschulen gelehrt, wie er nicht allein seinen Astralleib, sondern auch seinen Ätherleib ausbilden kann. Wenn ihm das gelungen ist, wenn der Ätherleib ganz umgestaltet und besser, vollkommen gestaltet ist, so löst er sich nicht mehr auf. Er wird unsterblich. Das ist die Auferstehung zum Leben, das heißt: Christus in uns erwecken.

[ 23 ] Once a person has achieved this to a certain degree, they have undergone catharsis. Thereafter, in the secret schools, they are taught how to develop not only their astral body but also their etheric body. Once they have succeeded in this—once the etheric body has been completely transformed and perfected—it no longer dissolves. It becomes immortal. This is the resurrection to life, which means: awakening Christ within us.

[ 24 ] Wenn der Mensch nun wiederkehrt, so bringt er außer dem Astralleib und dem Ätherleib den sechsten Teil des menschlichen Wesens mit, die Budhi.

[ 24 ] When the human being returns, he brings with him, in addition to the astral body and the etheric body, the sixth part of the human being: the buddhi.

[ 25 ] Was drüber hinaus oder noch tiefer verborgen in ihm schlummert, ist — siebtens — Atma. Über dieses ist in der Kürze kaum etwas zu sagen.

[ 25 ] What lies beyond that, or slumbers even deeper within him, is—seventh—Atma. There is hardly anything to say about this in such a brief space.

[ 26 ] Wenn diese höheren Grundteile entwickelt sind, ist es möglich, Herr über den ganzen Leib zu werden.

[ 26 ] Once these higher fundamental aspects have been developed, it is possible to gain mastery over the entire body.

[ 27 ] Erst nun, nachdem wir die Grundteile oder Körper des Menschen kennengelernt haben, können wir uns klar werden über das Woher.

[ 27 ] Only now, after we have become familiar with the basic parts or bodies of the human being, can we gain clarity about their origin.

[ 28 ] Woher der Mensch stammt, darüber kann die Naturwissenschaft keine Auskunft geben. Sie hat es nur mit den sinnenfälligen Erscheinungsformen zu tun. Der Ursprung des Menschen kann nur auf okkultem, auf übersinnlichem Wege wahrgenommen werden, durch die Organe der feineren Leiber.

[ 28 ] Natural science cannot provide any information about the origin of humankind. It deals only with phenomena that are perceptible to the senses. The origin of humankind can be perceived only through occult, supersensory means, via the organs of the finer bodies.

[ 29 ] Was wird uns durch diese offenbart? Wenn wir eine Million Jahre zurückschauen, was gewahren wir da? Etwas ganz anderes als jetzt. Wo jetzt Deutschland liegt, herrschte damals tropisches Klima; Riesentiere, Giraffen, Elefanten durchzogen die Sümpfe. Von dieser Zeit sind kaum noch Spuren vorhanden; die theosophische Weisheit kann sie aber verfolgen, immer weiter zurück durch die Veränderungen, die die Eiszeit hervorgebracht, zurück auf immer einfachere und einfachere Zustände. Der Mensch, der vor Tausenden Jahrhunderten lebte, hat ganz anders ausgesehen als jetzt. Aus der Zeit sind auch kaum Überreste vorhanden. Die Stirn lag weit zurück, das Vorderhirn fehlte tatsächlich. Er besaß noch keine Intelligenz, keinen Verstand.

[ 29 ] What does this reveal to us? If we look back a million years, what do we see? Something completely different from what we have now. Where Germany lies today, a tropical climate prevailed back then; giant animals—giraffes, elephants—roamed the swamps. Hardly any traces of this era remain; yet theosophical wisdom can trace them, going further and further back through the changes brought about by the Ice Age, back to ever simpler and simpler states. Humans who lived thousands of centuries ago looked very different from us today. There are also hardly any remains from that time. The forehead was set far back, and the forebrain was virtually absent. They possessed neither intelligence nor reason.

[ 30 ] Die materialistische Wissenschaft sagt, der Mensch habe sich hinaufentwickelt. In seinem Kindesalter, in der Steinzeit, sei er mehr dem Tier ähnlich gewesen und erst allmählich habe er sich zum heutigen Menschen entwickelt. Nur ein Unterschied springt gleich ins Auge zwischen Tier und Mensch. Wenn das Tier zur Welt kommt, so ist es fertig, zum Beispiel das Hühnchen; wenn es aus dem Ei schlüpft, kann es sofort fressen und so weiter; es wächst wohl, aber es verändert sich weiter nicht. Das Kind macht große Wandlungen durch, ehe es das Mannesalter erreicht.

[ 30 ] Materialist science claims that humans have evolved over time. In their “childhood,” during the Stone Age, they were said to have been more like animals, and only gradually did they evolve into the humans we are today. There is, however, one difference between animals and humans that immediately catches the eye. When an animal is born, it is fully formed—take the chick, for example; when it hatches from the egg, it can eat right away and so on; it grows, but it does not undergo any further changes. A child, on the other hand, undergoes major changes before reaching adulthood.

[ 31 ] Das Gleichnis vom Kindesalter des Menschen gilt auch für die theosophische Wissenschaft, und wir ständen darnach jetzt im Jünglingsalter. Die Naturwissenschaft verfolgt den Menschen bis zu seinem Kindesalter zurück, wo er dem Tier ähnlich war; darüber hinaus kann sie nicht. Die theosophische Wissenschaft geht darüber hinaus; sie fragt nach Vater und Mutter. Warum wird aus dem einen Kind desselben Elternpaares ein Taugenichts, aus dem anderen ein intelligentes Wesen? Warum sind aus dem tierartigen Wesen einesteils Tiere entstanden, die sich nicht weiter verwandeln, andrerseits Menschen mit unbegrenzter Entwicklungsfähigkeit? Hierauf hat die Naturwissenschaft keine Antwort. Ohne das Elternpaar wäre das Kind nicht da; weiter kommt der Naturforscher nicht, denn er kann nicht weiter gehen als seine Sinne reichen, und dagegen ist auch nichts einzuwenden.

[ 31 ] The parable of the human life cycle also applies to theosophical science, and according to it, we are now in our youth. Natural science traces human origins back to childhood, when humans were similar to animals; it cannot go beyond that. Theosophical science goes beyond that; it inquires about the father and mother. Why does one child of the same parents become a good-for-nothing, while the other becomes an intelligent being? Why did the animal-like being give rise, on the one hand, to animals that do not evolve further, and on the other hand, to humans with unlimited capacity for development? Natural science has no answer to this. Without the parents, the child would not exist; the natural scientist cannot go any further, for he cannot go beyond the reach of his senses, and there is nothing wrong with that.

[ 32 ] Gewöhnlich schließt man von dem Kinde auf die Eltern. Bei der geistigen Anschauung gestaltet sich die Forschung nach dem Ursprung des Menschen ganz anders. Bei der Frage nach den Eltern muss sehr bedächtig vorgegangen werden. Wenn wir den menschenähnlichen Affen betrachten, dürfen wir in ihm den primitiven Menschen sehen? Hier ist zweierlei möglich: Der Mensch hat sich aus dem menschenähnlichen Affen entwickelt, so schloss man seinerzeit, dann verwarf die Wissenschaft diese Hypothese und sagte sich, bei der noch immer zu großen Verschiedenheit beider wäre eher anzunehmen, dass ein Wesen existiert haben müsse, von dem sowohl der menschenähnliche Affe, wie der Gibbon, abstamme, wie auch der sich weiterentwickelnde Mensch. Da hätten wir den Vater des Taugenichts und des guten, edlen Sohnes. Aber dieses Wesen war nirgends aufzufinden, und so versetzten die Naturforscher diesen Urmenschen ins Meer.

[ 32 ] Usually, one infers the parents from the child. In spiritual insight, however, the search for the origin of humankind takes a very different form. The question of the parents must be approached with great caution. When we consider the human-like apes, may we see in them primitive humans? Two possibilities exist here: It was once concluded that humans evolved from the ape-like creature; then science rejected this hypothesis and reasoned that, given the still-too-great differences between the two, it was more likely that a being must have existed from which both the ape-like creature and the gibbon descended, as well as humans as they continued to evolve. There we would have the father of the good-for-nothing and the good, noble son. But this creature could not be found anywhere, and so the naturalists placed this primordial human in the sea.

[ 33 ] Die theosophische Forschung verweist tatsächlich auf ein Gebiet, welches heute vom Meere bedeckt ist.

[ 33 ] Theosophical research does indeed point to a region that is now covered by the sea.

[ 34 ] Wie werden nun solche Forschungen angestellt? Wie kann man diese Art Forschung erlernen? Heute lehrt man die Jugend in die äußere Welt hineinsehen. Der Mensch gilt für gelehrt, der viel gelernt, in sich aufgenommen hat.

[ 34 ] So how is this kind of research conducted? How can one learn this kind of research? Today, young people are taught to look out into the external world. A person is considered learned if they have acquired and internalized a great deal of knowledge.

[ 35 ] Eine andere Lehrmethode wurde in den alten Schulen eingeschlagen, die die Erlangung der Erkenntnis der verborgenen Kräfte zum Ziele hatten. Kam ein Schüler und begehrte zu lernen, so gab ihm der Lehrer einen Satz, der Kraft für die Seele enthielt, und dann schickte er ihn fort. Diesen Satz musste der Schüler in der Stille stundenlang täglich in sich wiederholen, ihn in seiner Seele leben lassen. Solche Sätze finden wir zum Beispiel in dem kleinen Buch «Licht auf dem Weg», niedergeschrieben von Mabel Collins. Monatelang setzte der Schüler diese Übung fort, bis er den ewigen Inhalt des Satzes in sich erlebt hatte. Auf diese Weise ging die Unterweisung weiter, bis die innere Sonne im Herzen erstrahlte, die nicht nur die eigene Seele durchleuchtet, sondern auch Lichtstrahlen aussendet zu den anderen Seelen und auch diese beleuchtet. Dieses Licht, diese Sonne erhellt nun nicht nur das Leben, die Seele des jetzt lebenden Menschen, sondern der geübte Schüler lernt es, seine Strahlen gleich wie einen Scheinwerfer auf die früheste Vergangenheit zurückZuwerfen.

[ 35 ] A different teaching method was employed in the ancient schools, which aimed to help students attain knowledge of the hidden powers. When a student came seeking to learn, the teacher gave him a phrase that contained power for the soul, and then sent him on his way. The student had to repeat this phrase silently within himself for hours every day, allowing it to live in his soul. We find such phrases, for example, in the little book *Light on the Path*, written by Mabel Collins. The student continued this practice for months until he had experienced the eternal meaning of the phrase within himself. In this way, the instruction continued until the inner sun shone forth in the heart—a sun that not only illuminates one’s own soul but also sends out rays of light to other souls, illuminating them as well. This light, this sun, now illuminates not only the life and soul of the person living in the present, but the trained student also learns to cast its rays back into the distant past, just like a spotlight.

[ 36 ] Über die Art dieser Forschung kann man Näheres erfahren in meinem «Luzifer» Nr. 14-18 in dem Aufsatz «Akasha-Chronik». Es gibt somit dreierlei Chroniken: Die Akasha-Chronik, die geschriebene Bücherchronik, die wir seit circa 6000 Jahren besitzen, und die Chronik der Natur. Wo jetzt das atlantische Meer flutet, lag vor langer, langer Zeit der Erdteil Atlantis. Unsere dort lebenden Vorfahren hatten noch keinen Verstand entwickelt. Andere Kräfte, die jetzt abgestumpft sind im Menschen, konnten sie benutzen. Wie wir jetzt imstande sind, aus der Kohle eine Kraft zu entwickeln, eine treibende Kraft, oder besser gesagt, wie die Kohle in treibende Kraft umgesetzt wird, so verstanden die damals lebenden Menschen, die Samenkraft, das heißt die Kraft, die im Samenkorn liegt, die es befähigt, durch die Schale hindurch den Keim zu treiben, zu benutzen und sie in eine vorwärts treibende Kraft umzusetzen. Die Willenskräfte waren stark entwickelt. Wovon rührte das her? Das Ich, das jetzt Besitz ergriffen hat vom physischen Gehirn, konnte in diesem damals noch nicht wirken, denn ein Gehirn gab es noch nicht. Es wirkte vielmehr damals im Ätherleib, ebenso kraft- und machtvoll im Ätherleib, wie jetzt im physischen Gehirn. Der Ätherleib war befruchtet mit dem göttlichen Ich.

[ 36 ] You can learn more about this type of research in my *Luzifer* Nos. 14–18, in the essay “The Akashic Records.” There are thus three kinds of chronicles: the Akashic Records, the written chronicle in books that we have possessed for about 6,000 years, and the chronicle of nature. Where the Atlantic Ocean now lies, the continent of Atlantis once stood long, long ago. Our ancestors who lived there had not yet developed reason. They were able to utilize other powers that have since become dulled in human beings. Just as we are now able to develop energy from coal—a driving force, or rather, to convert coal into a driving force—so too did the people living at that time understand the seed force—that is, the power inherent in the seed that enables the germ to break through the shell—and utilize it, transforming it into a force that propels it forward. The powers of the will were highly developed. Where did this come from? The “I,” which has now taken possession of the physical brain, could not yet act within it at that time, for there was no physical brain yet. Rather, it acted within the etheric body—just as powerfully and effectively within the etheric body as it does now within the physical brain. The etheric body was imbued with the divine “I.”

[ 37 ] Da haben wir das Elternpaar des Menschen. Er stammt von dem geistigen Vater und der körperlichen Mutter.

[ 37 ] There we have the human's parents. He is descended from his spiritual father and his biological mother.

[ 38 ] Wunderschön versinnbildlicht die ägyptische Weisheit diese ewige Wahrheit. Osiris, der Geist, der Vater, Isis, die Materie, die Mutter. Aus diesen beiden wurde Horus, der junge Mensch, geboren. Der physische Leib wurde mit dem Ich begabt. Die nicht befruchteten Wesen entwickelten sich abwärts ins Tierreich, die Ich-befruchteten Urwesen entwickelten sich zu immer höher ausgebildeten Menschen.

[ 38 ] Egyptian wisdom beautifully symbolizes this eternal truth. Osiris, the spirit, the father; Isis, matter, the mother. From these two, Horus, the young human, was born. The physical body was endowed with the “I.” The unfertilized beings descended into the animal kingdom, while the primordial beings fertilized by the “I” evolved into increasingly highly developed human beings.

[ 39 ] Vor der atlantischen Zeit war auch der Ätherkörper noch nicht befruchtet. Nur der Astralleib war Ich-befruchtet.

[ 39 ] Before the Atlantic epoch, the etheric body had not yet been fertilized. Only the astral body had been fertilized by the “I.”

[ 40 ] Das Land, das von diesen so gearteten Menschen bewohnt wurde, die nur durch ihre Triebe und Leidenschaften beseelt wurden, ist man gewohnt, mit dem Namen Lemurien zu bezeichnen. Die Wissenschaft betrachtet den Lemurier als einen zum Tier heruntergekommenen Menschen; die Entwicklung, die uns der Geist lehrt, betrachtet ihn als ein sich aus dem Tierzustand herausarbeitendes Wesen. Es hat eine Zeit gegeben, wo es noch keine warmblütigen Wesen auf der Erde gab. Erst mit dem Moment, wo der Mensch als Geistwesen auf die Erde herabgestiegen ist, in dem großen Moment, wo der Astralleib mit dem Ich begabt wurde, wurde der Mensch warmblütig. Der göttliche Funke des Geistes, der Vatergeist, vermählte sich mit der Mutter Materie, daraus entstand der Mensch. Die Menschheit besteht aus Geist-Materie. Das Herabsteigen des Manas, der Manasputras, ist das Herabsteigen des menschlichen Ichs.

[ 40 ] The land inhabited by people of this nature, who were driven solely by their instincts and passions, is commonly referred to as Lemuria. Science regards the Lemurian as a human being who has degenerated into an animal; the evolution taught to us by the Spirit regards him as a being striving to emerge from the animal state. There was a time when there were no warm-blooded beings on Earth. It was only at the moment when the human being descended to Earth as a spiritual being—at that great moment when the astral body was endowed with the “I”—that the human being became warm-blooded. The divine spark of the Spirit, the Father Spirit, united with Mother Matter, and from this union humanity arose. Humanity consists of Spirit and Matter. The descent of Manas, the Manasputras, is the descent of the human “I.”

[ 41 ] Der Ursprung des Menschen aus dem Vatergeist und der Mutter Materie ist der Ausgangspunkt zur Welt- und Gotteserkenntnis.

[ 41 ] The origin of humankind from the Father Spirit and Mother Matter is the starting point for understanding the world and God.

[ 42 ] Das Wort «Ich» in seinem ganzen Wesen Erkennen ist Erkenntnis des göttlichen Seins. Selbsterkenntnis führt zu Gotteserkenntnis, weil das Ich vom Göttlichen stammt. Die Erkenntnis des göttlichen Wesens des Menschen ist der Schlüssel zur Erkenntnis des Ganzen, auch des physischen Menschen. Der Dichter sagt:

[ 42 ] To recognize the word “I” in its entirety is to recognize the divine nature. Self-knowledge leads to knowledge of God, because the “I” originates from the divine. Recognizing the divine nature of the human being is the key to understanding the whole—including the physical human being. The poet says:

Einem gelang es,
Er hob den Schleier von der Göttin Bild zu Sais.
Was sah er? Wunder über Wunder - sich selbst.

One man succeeded,
He lifted the veil from the statue of the goddess at Sais.
What did he see? Miracle upon miracle—himself.

[ 43 ] Wenn der Mensch sich selbst findet, so findet er den Gott: durch Selbsterkenntnis zur Gotteserkenntnis!

[ 43 ] When a person finds themselves, they find God: through self-knowledge to the knowledge of God!

Schlussbemerkung

Concluding Remarks

[ 44 ] Bis vor kurzer Zeit gab es über diese Dinge keine Bücher; diese göttlichen Weisheitslehren wurden nur mündlich weitergegeben von uralten Zeiten her, von Geschlecht zu Geschlecht überliefert. Jetzt ist die Zeit gekommen, wo der Mensch, der mitten im tätigen Leben steht, diese Dinge erfahren sollte, daher werden sie jetzt elementar veröffentlicht.

[ 44 ] Until recently, there were no books on these subjects; these divine teachings of wisdom had been passed down orally since time immemorial, handed down from generation to generation. Now the time has come for people living their active lives to learn about these things, which is why they are now being published in a basic form.