The Essence of Anthroposophy
within the World Of Sense, Soul And Spirit
GA 68b
16 December 1907, Elberfeld
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The Circular Flow of Man's Life, tr. SOL
34. Erdenanfang und Erdenende
34. The Beginning and End of the Earth
[ 1 ] Über Erdenanfang und Erdenende zu sprechen, scheint zunächst ein sehr vermessenes Beginnen zu sein. Nur wenn man bedenkt, welche unendliche Wichtigkeit es hat für den Menschen, einmal den Blick über seinen ganzen Wohnplatz zu lenken, kann es verständlich werden, wie wichtig es ist, auf einmal den Blick auf den Anfang und das Ende unseres Planeten zu lenken.
[ 1 ] Speaking of the beginning and end of the Earth seems, at first glance, to be a very presumptuous undertaking. Only when one considers how infinitely important it is for humans to occasionally cast their gaze over their entire habitat can it become clear just how important it is to occasionally turn our gaze to the beginning and the end of our planet.
[ 2 ] Man darf das nicht nur nicht vergessen, sondern muss einsehen, dass es nichts Unzeitgemäßes ist; denn alles Denken und Fühlen unserer Zeitgenossen auf diesem Gebiete, das wir vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt betreten werden, ist auf dem Boden der sogenannten naturwissenschaftlichen Tatsachen erwachsen und will nur auf diesem Boden wissenschaftliche Erkenntnisse dulden. Wir werden heute manches besprechen müssen, wovon man wahrscheinlich denken wird, dass es nicht auf dem sicheren Boden der Tatsachen stehe, was scheinbar mit dem im Widerspruch steht, was heute als wissenschaftliche Tatsache gilt.
[ 2 ] Not only must we not forget this, but we must also recognize that it is by no means outdated; for all the thinking and feeling of our contemporaries in this area—which we will approach from the standpoint of the humanities—has grown out of the so-called scientific facts and will tolerate scientific insights only on this basis. Today we will have to discuss many things that people will likely think do not stand on the secure ground of facts, which seemingly contradicts what is currently regarded as scientific fact.
[ 3 ] Die Geisteswissenschaft kann sich aber nie und nimmer [darauf] beschränken, stehen zu bleiben bei dem, was man heute [gern die] Tatsachen[welt] nennt — das, was des Menschen Sinne um sich herum betrachten, in der Außenwelt wahrnehmen oder durch unsere wissenschaftlichen Methoden sich durch den Verstand, der sich auf [das, was die Sinne durch Augen, Ohren und Hand begreifen], die Sinnesforschung, stützt, kombinieren lässt.
[ 3 ] However, the humanities can never, ever limit themselves to [that], to stopping at what people today [often call] the “world of facts”—that which human senses observe around them, perceive in the external world, or which can be synthesized through our scientific methods by the intellect, which relies on [what the senses grasp through the eyes, ears, and hands], namely sensory research.
[ 4 ] Die Geisteswissenschaft oder, wie man sie im Sinne einer neuen Strömung nennt, Theosophie ist aber deshalb keineswegs etwas, was irgendwie in einen Zwiespalt käme mit den naturwissenschaftlichen Tatsachen. Das wäre nicht nur vermessen, sondern ein unsinniges Beginnen, wollte man irgendeine Theorie aufstellen, die im Widerspruch stände mit festgefügten, gründlich erforschten Tatsachen.
[ 4 ] The science of the spirit—or, as it is called in the context of a new movement, theosophy—is by no means something that would in any way conflict with the facts of natural science. It would not only be presumptuous but also a senseless endeavor to propose any theory that contradicts well-established, thoroughly researched facts.
[ 5 ] Aber es gilt zu unterscheiden zwischen dem, was menschliche Theorie und Hypothese aus diesen Tatsachen wie ein Bekenntnis herausgezimmert haben; denn es [gibt] neben allen anderen religiösen Weltanschauungen in unserer Zeit eine Art materialistischer Religion, oder, da dies ein nicht mehr übliches Wort ist, eine Art materialistisches Bekenntnis, welches nur in Harmonie und Einklang stehen will mit dem, was die Sinne sehen, welches nur das gelten lassen will, was man [mit Augen sehen], mit Händen greifen kann [oder ähnlich dem sich vorstellen kann, was in der Umwelt wirklich sinnliche Tatsachen sind]. Damit könnte die Theosophie in Widerspruch kommen.
[ 5 ] But we must distinguish between what human theory and hypothesis have constructed from these facts as a creed; for, alongside all other religious worldviews of our time, there [is] a kind of materialistic religion, or, since this is no longer a commonly used term, a kind of materialistic creed, which seeks only to be in harmony and accord with what the senses perceive, which accepts only what one can [see with one’s eyes], grasp with one’s hands [or similarly imagine as actual sensory facts in the environment]. Theosophy could thus come into conflict with this.
[ 6 ] Aber [die Theosophie], sie steht auf zwei festen Säulen, zwei Erkenntnissen - Hypothesen mögen Sie es nennen; für den Theosophen sind es Grundtatsachen, nicht nur Überzeugungen.
[ 6 ] But [theosophy] rests on two solid pillars, two insights—you may call them hypotheses; for the theosophist, they are fundamental facts, not merely beliefs.
[ 7 ] Die eine Tatsache ist die, dass es hinter der sinnlichen Welt eine geistige, unsichtbare, übersinnliche Welt gibt.
[ 7 ] One fact is that behind the sensory world there is a spiritual, invisible, supersensory world.
[ 8 ] Die andere Tatsache ist die, dass es dem Menschen möglich ist, in diese unsichtbare Welt einzudringen durch seine Erkenntnis, durch seine Forschung.
[ 8 ] The other fact is that it is possible for human beings to penetrate this invisible world through their knowledge and research.
[ 9 ] Da gibt es viele in unserer Zeit, die sagen: Wenn es Übersinnliches gäbe, wenn es eine geistige Welt gäbe, so können wir sie doch nicht erforschen. Das, was wir sicher wissen, wissen wir dadurch, dass wir unsere Augen auf die sichtbaren Dinge richten können.
[ 9 ] There are many people today who say: Even if the supernatural existed, even if there were a spiritual world, we still could not investigate it. What we know for certain, we know because we can direct our eyes toward visible things.
[ 10 ] Die Geisteswissenschaft aber sagt: [Gewiss], mit den Fähigkeiten der Menschennatur, von denen eine solche Weltanschauung spricht, die sich nur auf die Sinneswelt beschränkt, können wir nicht in die übersinnliche Welt eindringen. Aber die Geisteswissenschaft hält in viel strengerem Sinne als jede auf äußere Tatsachen gegründete Erkenntnis fest an dem, was wir Entwicklung nennen. Von Entwicklung wird heute viel gesprochen — auch wird nachgewiesen, wie sich der Mensch durch viele Stufen hinaufentwickelt hat zu seiner gegenwärtigen Gestalt. Aber wenn diese Anschauung da angekommen ist, möchte sie stehen bleiben auf einem gewissen Punkt. Sie nimmt an, der Mensch hat sich entwickelt bis jetzt; aber von Weiterentwicklung will diese Anschauung nichts wissen. Es hat das eine sonderbare Inkonsequenz, die man vielleicht theoretisch nicht zugibt, die sich aber Schritt für Schritt in Gesinnungen und Gefühlen ausdrückt dadurch, dass man sagt: Der Mensch hat sich entwickelt, aber von einer Weiterentwicklung kann keine Rede sein.
[ 10 ] Spiritual science, however, says: [Certainly], with the faculties of human nature referred to by such a worldview—which is limited solely to the sensory world—we cannot penetrate the supersensory world. Yet spiritual science, in a much stricter sense than any knowledge based on external facts, holds firmly to what we call evolution. There is much talk of evolution today—and it has been demonstrated how human beings have evolved through many stages to their present form. But once this view has reached this point, it tends to come to a standstill at a certain stage. It assumes that human beings have evolved up to the present; but this view wants nothing to do with further evolution. It exhibits a peculiar inconsistency that one might not admit to theoretically, but which is expressed step by step in attitudes and feelings by saying: Human beings have evolved, but there can be no question of further evolution.
[ 11 ] Man könnte die Menschen mit dieser Anschauung die Man- und Wir-Menschen nennen.
[ 11 ] People who hold this view could be called “I-people” and “we-people.”
[ 12 ] Wenn wir uns versetzen in die populären Zeitungsartikel oder andere populäre Schriften, in denen das, was scheinbar festgefügte Wissenschaft ist, in tausend Kanälen in die Welt einströmt, so finden wir häufig diesen Ausdruck: «man kann nicht wissen», «man kann nicht erkennen» oder «wir können nicht erkennen», et cetera.
[ 12 ] When we consider popular newspaper articles or other popular writings, in which what appears to be well-established science flows into the world through a thousand channels, we frequently encounter this expression: “one cannot know,” “one cannot discern,” or “we cannot discern,” et cetera.
[ 13 ] Fragen wir uns nun das eine: Kann eine wirklich sich selbst verstehende Logik, ein wirklich [sich] selbst verstehendes Denken sich auf einen solchen Standpunkt stellen? Ist das nicht der Standpunkt, auf den sich der Blinde stellen würde, wenn der Sehende ihm von Licht, Glanz und Farbe erzählen würde, und er erwiderte: Alles, was du mir erzählst, ist eitel Träumerei, ist eitel Phantasie; das kann man nicht erkennen? — Ebenso nimmt sich gegenüber einer wirklichen geistigen Entwicklungslehre das aus, was unsere Zeitgenossen — die Man- und WirMenschen — sagen.
[ 13 ] Let us now ask ourselves this one question: Can a logic that truly understands itself, a mode of thought that truly understands itself, adopt such a standpoint? Is this not the standpoint a blind person would take if a sighted person were to tell him about light, brilliance, and color, and he were to reply: “Everything you’re telling me is mere daydreaming, mere fantasy; one cannot perceive such things”? — In the same way, what our contemporaries—the “I” and “we” people—say appears in contrast to a genuine theory of spiritual development.
[ 14 ] Die Geisteswissenschaft sagt: Es gibt in jedem Menschen schlummernde Fähigkeiten, geistige Organe, die entwickelt werden können und durch die er mehr sehen und wahrnehmen kann als durch seine sinnlichen Organe. Jene andern sagen dann wohl: Das ist Phantastik, das ist eitel Träumerei, wir können das nicht wissen.
[ 14 ] Spiritual science says: There are latent abilities within every human being—spiritual faculties—that can be developed and through which a person can see and perceive more than through their sensory organs. Those others then say: That is fantasy, that is mere daydreaming; we cannot know that.
[ 15 ] Aber wenn man sich tiefer einlässt auf das, was [in diesen Zeiten] durch die Theosophie in die Menschheit kommen soll, dann wird man sehen, dass es in Bezug auf die geistige Entwicklung für die Menschheit ein Ereignis gibt, das viel [höher und] glänzender ist als das, was jemand erlebt, der blind geboren ist und operiert und sehend wird. Wird der Blindgeborene operiert, dann treten ihm aus der Welt, die bisher für ihn in Dunkel gehüllt war, die ihm nur durch den Tastsinn bekannt war, Licht und Farbe und Klarheit entgegen. Eine neue Welt leuchtet vor ihm auf. Übertragen wir das ins geistige Leben, so haben wir das, was [wir bezeichnen als] die Erweckung des «geistigen Auges», [wie es] Goethe nennt. [Goethe sagt: Durch das, was wir wissen, dürfen wir nicht abgrenzen das, was da ist.]
[ 15 ] But if one delves deeper into what is to come to humanity [in these times] through Theosophy, one will see that, in terms of spiritual development, there is an event for humanity that is far [higher and] more brilliant than what someone experiences who is born blind, undergoes surgery, and regains their sight. When the person born blind undergoes surgery, light, color, and clarity emerge from the world that was previously shrouded in darkness for him—a world he knew only through the sense of touch. A new world dawns before him. If we apply this to spiritual life, we have what [we call] the awakening of the “spiritual eye,” [as] Goethe calls it. [Goethe says: “We must not use what we know to limit what is there.”]
[ 16 ] Diese Erweckung, diese Wiedergeburt des Menschen gibt es; diese neue Welt, die er nur nicht kennt, sie ist da. Niemals dürfen wir durch das, was wir wissen, begrenzt glauben alles, was hier ist. Mit jedem neuen Organ geht dem Menschen eine neue Welt auf. Entwicklung des Menschen über den Standpunkt hinaus, zu dem ihn die Natur gebracht hat, das ist das, woran die Geisteswissenschaft sich hält, und wo sie einsetzt. Von dem, was wir unfreiwillig geworden, zu dem, was wir freiwillig werden sollen, führt uns die Theosophie. Die sinnlichen Augen hat uns die Natur um uns herum gegeben, die geistigen Augen erwecken, erwerben wir uns selber. Wie die sinnlichen Augen sinnliches Licht wahrnehmen, so werden die geistigen Augen eine geistige Welt aufnehmen.
[ 16 ] This awakening, this rebirth of the human being, exists; this new world, which he simply does not know, is there. We must never allow what we know to limit us to believing only in what is here. With every new organ, a new world opens up to humankind. The development of humankind beyond the stage to which nature has brought it—that is what spiritual science is committed to, and where it begins. Theosophy leads us from what we have become involuntarily to what we are to become voluntarily. Nature has given us the physical eyes to see the world around us; we must awaken and acquire the spiritual eyes ourselves. Just as the physical eyes perceive physical light, so will the spiritual eyes take in a spiritual world.
[ 17 ] Da die Theosophie auf ganz andere Quellen sich beruft als die kombinierende Art unserer heutigen Zeitgenossen, [auf festen Tatsachen ein Ereignis zu zimmern], so mag es anfangs erscheinen, als bestände ein herber Widerspruch zwischen dem, was Naturwissenschaft ist, und dem, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat; doch nichts von dem, was die Naturwissenschaft sagt, leugnet die Geisteswissenschaft. Aber bei einem solchen Thema wie dem heutigen, wo wir zusammenschließen den fernen Anfang der Menschheit und das Ziel der Menschheitsentwicklung in der fernen Zukunft, da wird der Widerspruch der Geisteswissenschaft gegen die Naturwissenschaft scheinbar da sein. In Wirklichkeit steht die Geisteswissenschaft fest auf dem Boden der naturwissenschaftlichen Tatsachen. Fragen wir zunächst: Was hat die Naturwissenschaft über unser Thema zu sagen, und mit welchen Mitteln sucht sie die allmähliche Entfaltung unserer Erdengeschöpfe zu erkennen?
[ 17 ] Since theosophy draws on sources quite different from the combinatorial approach of our contemporaries—[constructing an event based on established facts]—it may at first appear as though there is a stark contradiction between what natural science is and what spiritual science has to say; yet spiritual science does not deny anything that natural science asserts. But with a topic such as today’s—where we connect the distant beginnings of humanity with the goal of human evolution in the distant future—a contradiction between spiritual science and natural science may seem to exist. In reality, spiritual science stands firmly on the ground of scientific facts. Let us first ask: What does natural science have to say about our topic, and by what means does it seek to understand the gradual unfolding of life on Earth?
[ 18 ] Die Naturwissenschaft beschränkt sich auf die sinnliche Wahrnehmung. Sie betrachtet, was in der Gegenwart um uns herum ist, sowie die Überreste einer mehr oder weniger fernen Vergangenheit.
[ 18 ] Natural science is limited to sensory perception. It examines what is around us in the present, as well as the remnants of a more or less distant past.
[ 19 ] In den Schichten unserer Erde finden wir nicht nur, was unser heutiges Leben fördert und trägt, sondern auch Leichname von Wesenheiten, Überreste von Wesen, die in ferner Urzeit noch zu unserer Erde gehört haben. Graben wir da hinein, oder legen wir auf sonstige Weise bloß, was die Schichten unserer Erde enthalten, so enthüllen sich uns Urdenkmäler dessen, was in der Vorzeit sich abgespielt hat auf unserem Erdenrund.
[ 19 ] In the layers of our Earth, we find not only what sustains and supports our lives today, but also the remains of beings—the remnants of creatures that once belonged to our Earth in distant prehistoric times. When we dig into them, or otherwise uncover what the layers of our Earth contain, ancient monuments to what took place in prehistoric times on our globe are revealed to us.
[ 20 ] Wir finden zunächst die Überreste einer nicht sehr fernen Vergangenheit in dem, was erhalten ist von den Gräbern und Wohnungen unserer Vorfahren. Dadurch können wir uns ein Bild machen von diesen primitiven Vorfahren, von ihren Gebräuchen, wie sie gelebt, wie sie gekocht, wie sie gejagt haben.
[ 20 ] First, we find traces of a not-too-distant past in what remains of our ancestors’ graves and dwellings. This allows us to form a picture of these primitive ancestors, their customs, how they lived, how they cooked, and how they hunted.
[ 21 ] Weiter finden wir Knochen, Überreste von Tieren, die heute noch existieren, aber in der Vergangenheit eine andere Gestalt gehabt haben. Schließlich finden wir Überreste von jetzt ausgestorbenen Tierarten. So ist leicht einzusehen, dass hier eine Schicht über der anderen liegt: das, was sich später entwickelt hat, immer nach oben. Wenn wir das alles sorgfältig betrachten, können wir nachkonstruierend ein Bild machen, wie die Wesen auf unserer Erde gelebt und sich entwickelt haben.
[ 21 ] We also find bones—remains of animals that still exist today but had a different form in the past. Finally, we find remains of animal species that are now extinct. Thus, it is easy to see that one layer lies above another: the ones that developed later are always at the top. If we examine all of this carefully, we can reconstruct a picture of how these creatures lived and evolved on our Earth.
[ 22 ] Deshalb glaubt der Naturforscher, mit Recht zu sagen: Wenn wir die Schichten durchforschen, welche nach ihrer Lage die ältesten sind, so zeigt sich, dass zuerst keine Lebewesen existiert haben nach unserer Art, dass dann einfache Lebewesen auftraten; dann immer kompliziertere, bis hinauf zum Menschen.
[ 22 ] That is why the naturalist believes he is right to say: When we examine the strata that, based on their location, are the oldest, it becomes apparent that at first no living beings of our kind existed, that simple living beings then appeared, followed by increasingly complex ones, all the way up to humans.
[ 23 ] Wir blicken zurück auf eine ferne Urzeit der Erde, wo die Erde noch wesentlich wärmer war, ja, wo sie noch in einem feuerflüssigen Zustande war. Wir sehen dann, wie die Erde sich allmählich abkühlte, wie die Metalle sich verhärten, wie das feste Gestein sich absetzt; wir sehen, wie auf eine für die Naturwissenschaft unergründliche Art die ersten einfachen Pflanzen und Tiere entstehen. Wir sehen die Erde bedeckt mit einfachen Pflanzen und Tieren in der Zeit, die man die silurische Zeit und die devonische Zeit nennt, - wo zuerst niedere Tiere da sind, wie die Fische, dann die Amphibien und Reptilien.
[ 23 ] We look back to a distant primeval era of the Earth, when the Earth was still much warmer—indeed, when it was still in a molten state. We then see how the Earth gradually cooled, how the metals solidified, and how solid rock settled; we see how, in a way that is unfathomable to natural science, the first simple plants and animals came into being. We see the Earth covered with simple plants and animals during the periods known as the Silurian and Devonian—when lower animals first appeared, such as fish, followed by amphibians and reptiles.
[ 24 ] Zeitalter sehen wir dann, in denen die Erde über weite Strecken mit riesigen, baumartigen Gewächsen bedeckt ist; wir sehen dann, wie dort Tierwesen gelebt haben, die uns heute abenteuerlich vorkommen, die heute ausgestorben sind. Dann sehen wir, wie diese Wesen aussterben, dann, wie die ersten Säugetiere entstehen — wie etwa Beuteltiere —, dann, wie verhältnismäßig spät, als die Erde sich verfestigt hatte, die späteren Säugetiere allmählich entstehen, wie sie sich hinaufentwickeln, wie sie sich hinaufentwickeln bis zu den Affen; und wie dann sehr, sehr spät erst die Menschen entstehen.
[ 24 ] We then see eras in which the Earth was covered over vast expanses with gigantic, tree-like plants; we then see how animals lived there that seem fantastical to us today, animals that are now extinct. Then we see how these creatures became extinct, then how the first mammals emerged—such as marsupials—then, relatively late, after the Earth had solidified, how the later mammals gradually emerged, how they evolved, how they evolved all the way up to the apes; and how, only very, very late, humans emerged.
[ 25 ] Alles das weiß die Naturwissenschaft zu sagen, aber über die Art, wie aus dem Leblosen das Leben sich herausentwickelt, weiß die Naturwissenschaft nichts zu sagen. Sie sagt: Als einmal das Leben da war, da haben sich die Wesen immer höher entwickelt durch einen beständigen Kampf, [für den sie Organe gebraucht und entwickelt haben, und dadurch stiegen sie hinauf bis zum Menschen]. Dies ist das Bekenntnis, das sich rein auf sinnliche Tatsachen beschränkt — ein Bild, das sich darbieten müsste, vom Standpunkt der Naturwissenschaft, demjenigen, der sich einen Stuhl in den Weltenraum setzen und durch Jahrmillionen dem Werden der Welt zusehen könnte.
[ 25 ] Science can explain all of this, but it has nothing to say about how life develops from the non-living. It says: Once life existed, living beings evolved to ever higher levels through a constant struggle, [for which they needed and developed organs, and through this they rose up to the level of human beings]. This is the creed that is strictly limited to sensory facts—a picture that, from the standpoint of natural science, would have to present itself to someone who could sit in a chair in outer space and watch the world’s evolution over millions of years.
[ 26 ] Die Geisteswissenschaft ist nicht im Widerspruch mit diesem Bilde. Es kommt darauf an, dass man mit solchen Methoden ein richtiges Bild vom Werden der Erde entwickeln kann. Der Geistesforscher weiß, dass manches nicht richtig ist in diesem Bilde, denn dies Bild setzt voraus, dass aus dem niederen Materiellen immer Höheres entsprossen ist, bis [hinauf] zum Geiste. [Und so war auch zunächst das materielle Bild, das viele gewonnen haben aus den scheinbar feststehenden Tatsachen, dass der] Geist für die materialistische Gesinnung nichts anderes ist als das, was entsteht aus den materiellen Vorgängen. Es muss ein großer Wert darauf gelegt werden, dass dies nicht übersehen wird.
[ 25 ] Science can explain all of this, but it has nothing to say about how life develops from the non-living. It says: Once life existed, living beings evolved to ever higher levels through a constant struggle, [for which they needed and developed organs, and through this they rose up to the level of human beings]. This is the creed that is strictly limited to sensory facts—a picture that, from the standpoint of natural science, would have to present itself to someone who could sit in a chair in outer space and watch the world’s evolution over millions of years.
[ 27 ] [Wie gesagt], dieses sinnliche Bild wird von der Geisteswissenschaft nicht geleugnet. Es kann natürlich vom heutigen Menschen nur im Geiste nachgebildet werden. Soweit die Naturwissenschaft auf Tatsachen sich stützt [und daraus die Vergangenheit zu konstruieren sucht], so weit wäre es Unsinn und Torheit, sich gegen die Naturwissenschaft aufzulehnen. — Aber die Geisteswissenschaft sagt uns: Hinter allem sinnlichen Dasein und allem sinnlichen Werden steht das geistige Sein und das geistige Werden.
[ 25 ] Science can explain all of this, but it has nothing to say about how life develops from the non-living. It says: Once life existed, living beings evolved to ever higher levels through a constant struggle, [for which they needed and developed organs, and through this they rose up to the level of human beings]. This is the creed that is strictly limited to sensory facts—a picture that, from the standpoint of natural science, would have to present itself to someone who could sit in a chair in outer space and watch the world’s evolution over millions of years.
[ 28 ] Wir werden das am besten verstehen, wenn wir vom heutigen Menschen ausgehen, denn was die äußere sinnliche Erscheinung zeigt am Menschen, das ist für die Geisteswissenschaft nur ein Teil des menschlichen Wesens. Was sich den Sinnen, dem Verstande darbietet, das ist nur des Menschen physischer Leib. Dieser physische Leib des Menschen enthält dieselben Stoffe, wie [sie] die ganze um uns herum liegende, scheinbar leblose Natur enthält; Kräfte, die in jedem mineralischen Wesen leben. Nur sind sie im Menschen viel komplizierter zusammengesetzt.
[ 28 ] We can best understand this by taking modern human beings as our starting point, for what the outer, sensory appearance reveals about human beings is, for spiritual science, only a part of the human being. What presents itself to the senses and the intellect is only the human physical body. This physical body of the human being contains the same substances as [those] found in all of the seemingly lifeless nature surrounding us—forces that live in every mineral being. It is just that in the human being, they are composed in a much more complex way.
[ 29 ] Für jedes Lebewesen, insbesondere für den Menschen, kennt die Geisteswissenschaft noch ein zweites Glied der Gesamtwesenheit: Das ist der Äther- oder Lebensleib. Wenn der physische Leib nur den physischen und chemischen Gesetzen überlassen wäre, würde er in sich zerfallen. In sich selbst ist der physische Leib physisch und chemisch eine unmögliche Mischung. Möglich wird sie nur dadurch, dass der physische Leib in jedem Moment durchsetzt ist wie ein von Wasser getränkter Schwamm vom Ätherleib, einem Kraftleib, der in jedem Moment Kämpfer ist gegen den Zerfall des physischen Leibes. Der Tod ist der Moment, wo der Ätherleib den physischen Leib verlässt. Da folgt der physische Leib den physischen und chemischen Gesetzen —- er wird Leichnam und zerfällt in seine Bestandteile.
[ 29 ] For every living being, especially for human beings, spiritual science recognizes a second component of the total being: the etheric or life body. If the physical body were left solely to physical and chemical laws, it would disintegrate from within. In and of itself, the physical body is, physically and chemically, an impossible mixture. It is made possible only because the physical body is permeated at every moment—like a sponge saturated with water—by the etheric body, a body of force that constantly fights against the decay of the physical body. Death is the moment when the etheric body leaves the physical body. From that point on, the physical body follows the laws of physics and chemistry—it becomes a corpse and disintegrates into its constituent parts.
[ 30 ] So hat der Mensch ein zweites Glied seiner Wesenheit, welches er mit allen Pflanzen und Tieren, [aber nicht mehr mit den Mineralien, der scheinbar leblosen Natur] gemeinsam hat — den Äther- oder Lebensleib.
[ 30 ] Thus, human beings have a second aspect of their being that they share with all plants and animals, [but no longer with minerals or seemingly lifeless nature]—the etheric or life body.
[ 31 ] Dann gibt es ein drittes Glied der menschlichen Wesenheit. Der Mensch enthält nicht nur, was unter seiner Haut als Knochen, Muskeln, Nerven und Blut vorhanden ist, sondern im Menschen lebt etwas, was seiner Seele viel näher steht als Knochen, Muskeln und Blut. Das, was er genau kennt, weil es in jedem Augenblick des Wachens für ihn Erlebnis ist, das ist eine Summe von Freud und Leid, Begierde und Leidenschaft. — Alles, was wir Seelenleben nennen, von den niedrigsten Begierden bis zum höchsten Ideal — das ist sein Astralleib. Den hat der Mensch mit den Tieren gemeinschaftlich; nicht mehr mit den Pflanzen.
[ 31 ] Then there is a third aspect of the human being. A human being does not consist solely of what lies beneath the skin—bones, muscles, nerves, and blood—but there is something living within the human being that is much closer to the soul than bones, muscles, and blood. That which a person knows intimately—because it is an experience for them in every waking moment—is a sum of joy and sorrow, desire and passion. — Everything we call the life of the soul, from the lowest desires to the highest ideal—that is their astral body. Human beings share this with animals; they do not share it with plants.
[ 32 ] Da hinzu tritt noch ein viertes Glied der menschlichen Wesenheit, der eigentliche Mittelpunkt des Menschen, durch welchen er die Krone der Erdenschöpfung ist. Eines wird von unseren zeitgenössischen Forschern niemals berücksichtigt in der richtigen Weise. Es gibt einen Namen, den jeder nur zu sich sagen kann; es ist der Name «Ich». Zum Pult kann jeder sagen «Pult», zum Tisch kann jeder sagen «Tisch». Aber eines gibt es, was jeder nur zu sich selber sagen kann, das ist das Wörtchen «Ich»! Es ist mehr damit gesagt, als man gewöhnlich glaubt. «Ich» kann keiner von uns zu einem andern sagen; es muss im Innersten der Seele selbst ertönen, wenn es bezeichnen soll, was in Wirklichkeit damit gemeint ist. Daher nannten die, welche wussten, welche Bedeutung dieses Wort hat, dies «Ich» den «unaussprechlichen Namen Gottes», Sie sagten: Wenn dieses «Ich» im Innern des Menschen ertönt, dann kündet sich der Tropfen der Gottheit, der Funken der Gottheit im Menschen an. Da führt die Seele Zwiesprache mit sich selber. Dahin hat nur Zugang das eigentlich göttliche Wesen. Das hat in der Seele Zugang dadurch, dass das «Ich bin» ausgesprochen wird. Jean Paul erinnert sich an den Moment, wo ihm zuerst das Bewusstsein aufging des «Ich bin». Da, sagt er, habe er «in das verhangene Allerheiligste seiner Seele» hineingeschaut.
[ 32 ] Added to this is a fourth aspect of human nature—the very center of the human being—through which he is the crown of earthly creation. There is one thing that our contemporary researchers never take into account properly. There is a name that each person can say only to themselves; it is the name “I.” Anyone can say “desk” to a desk, and “table” to a table. But there is one thing that each person can say only to themselves, and that is the little word “I”! It conveys more than is usually realized. None of us can say “I” to another person; it must resound in the innermost depths of the soul itself if it is to signify what is truly meant by it. Therefore, those who knew the significance of this word called this “I” the “inexpressible name of God.” They said: When this “I” resounds within a person, then the drop of divinity, the spark of divinity within the human being, makes itself known. There, the soul engages in a dialogue with itself. Only the truly divine being has access to this realm. It gains access to the soul through the utterance of “I am.” Jean Paul recalls the moment when he first became aware of the “I am.” There, he says, he looked “into the veiled Holy of Holies of his soul.”
[ 33 ] Das sind die vier Glieder der menschlichen Wesenheit: physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Wenn der naturalistische Denker, welcher glaubt, rein auf naturwissenschaftlichen Tatsachen ein Bekenntnis gründen [zu] können, von diesen vier Gliedern der Menschennatur hört, dann wird er vielleicht lachen, [den Kopf schütteln] oder den als einen Dummkopf betrachten, der mit solchen Wortzusammenstellungen kommt und darauf eine Erkenntnis gründen will. Wortzusammenstellungen wären es aber gerade, wenn tatsächlich die materiellen Vorgänge des Leibes bewirken sollten die Gefühle, die Gedanken und das Ich. Die Geisteswissenschaft erkennt, dass gerade der äußere Leib nicht das Erste ist, sondern das Erste das Ich und der astralische Leib sind, und der Ätherleib und der physische Leib nichts sind als Verdichtungen des geistigen Wesens des Menschen.
[ 33 ] These are the four aspects of the human being: the physical body, the etheric body, the astral body, and the I. When the naturalistic thinker—who believes he can base his convictions purely on scientific facts—hears of these four aspects of human nature, he may laugh, [shake his head], or regard the person who comes up with such combinations of words and seeks to base knowledge on them as a fool. But they would indeed be mere combinations of words if the material processes of the body were actually responsible for the feelings, the thoughts, and the “I.” Spiritual science recognizes that it is not the outer body that is primary, but rather the “I” and the astral body; and that the etheric body and the physical body are nothing more than condensations of the human being’s spiritual essence.
[ 34 ] Für den Geistesforscher verhält sich der physische Leib zum Astralleib so wie Eis zum Wasser. Wenn ein Kind kommt und uns ein Stück Eis zeigt und fragt, was das ist — und wir sagen: Liebes Kind, das Eis ist Wasser in anderer Form!, - so wird es das vielleicht zuerst nicht glauben; aber wir können es ihm begreiflich machen; dann wird es das einsehen. So zeigt die Geisteswissenschaft, dass alles materielle Sein [umgeformter], verdichteter Geist ist. Alles Materielle ist aus dem Geistigen hervorgegangen.
[ 34 ] For the spiritual researcher, the physical body relates to the astral body just as ice relates to water. If a child comes up to us, shows us a piece of ice, and asks what it is—and we say: “Dear child, ice is water in another form!”—the child may not believe it at first; but we can help the child understand, and then the child will see it. In the same way, spiritual science shows that all material existence is [transformed], condensed spirit. Everything material has emerged from the spiritual.
[ 35 ] Blicken wir jetzt zurück auf unseren Erdenanfang im Sinne der Geisteswissenschaft, dann erkennen wir [Folgendes]: Alles das, was der hypothetische Mensch als sinnliches Werden nach und nach entstehen sehen würde, das würde er erkennen als Verdichtung eines vorherigen Geistigen, als ein Herausfließen aus dem Geiste. Im Anfang der Erdenentwicklung haben wir es mit nichts anderem zu tun als dem Geistigen. Alles Materielle - Mineralien, Pflanzen und Tiere, die ganze Sinnenwelt mit allen Wesen — sind herausentwickelt aus dem Geistigen.
[ 35 ] If we now look back at the beginning of the Earth from the perspective of spiritual science, we recognize [the following]: Everything that a hypothetical human being would see gradually coming into being as a sensory process, he would recognize as the condensation of a prior spiritual reality, as a flow out of the spirit. At the beginning of Earth’s development, we are dealing with nothing other than the spiritual. Everything material—minerals, plants, and animals, the entire sensory world with all its beings—has developed out of the spiritual.
[ 36 ] [Betrachten wir einmal den Schlafzustand.] Wenn wir heute den schlafenden Menschen betrachten, was sehen wir da? Der schlafende Mensch hat zunächst innerlich kein Bewusstsein. Lust und Leid, Wahrnehmung und Vorstellung, Ideale sinken beim Einschlafen ins Dunkel hinunter. Beim Aufwachen treten sie wieder heraus [ins Blickfeld des Menschen]. Die Geisteswissenschaft erklärt die Sache so: Wenn der Mensch schläft, so liegt im Bette der physische und Ätherleib; herausgehoben sind der astralische Leib und das Ich. Weil der Mensch mit der Umwelt nur in Beziehung treten kann durch die Instrumente des physischen Leibes, so kann der Astralleib nur Wahrnehmungen haben, er kann nur Lust und Leid erleben, wenn er in dem physischen Leib darinnen ist.
[ 36 ] [Let us consider the state of sleep.] When we look at a sleeping person today, what do we see? First of all, the sleeping person has no inner consciousness. Pleasure and suffering, perception and imagination, and ideals sink into darkness as sleep sets in. Upon waking, they reemerge [into the person’s field of vision]. Spiritual science explains it this way: When a person sleeps, the physical and etheric bodies lie in bed; the astral body and the “I” are lifted out. Because a person can only relate to the environment through the instruments of the physical body, the astral body can only have perceptions—it can only experience pleasure and pain—when it is inside the physical body.
[ 37 ] Fichte sagt: Nicht die Augen sehen, sondern das Ich nimmt wahr durch sie. — In einem zukünftigen Entwicklungszustand der Menschheit wird der Astralleib für sich [Wahrnehmungsorgane] haben, womit er wahrnehmen kann; der Eingeweihte hat sie schon jetzt. Dann wird er die geistige Welt wahrnehmen, wie es der Eingeweihte schon heute tut. Der Astralleib kann im schlafenden Zustand des Menschen die Welt um sich herum nicht wahrnehmen. Aber es wäre Unsinn, wollte man sagen, abends werde der Astralleib und das Ich des Menschen vernichtet und morgen erstehen sie von Neuem. — Nein, der astralische Mensch war nur in seiner eigentlichen Heimat, der Astralwelt.
[ 37 ] Fichte says: It is not the eyes that see, but the “I” that perceives through them. — In a future stage of human development, the astral body will have its own [organs of perception] through which it can perceive; the initiate already possesses them. Then it will perceive the spiritual world, just as the initiate does today. While a person is asleep, the astral body cannot perceive the world around it. But it would be nonsense to say that in the evening the astral body and the human ego are destroyed, only to arise anew the next day. — No, the astral human was merely in its true home, the astral world.
[ 38 ] Für die Geisteswissenschaft ist der schlafende Mensch ein anderes Wesen als der wachende Mensch. Wir fragen nun: Was macht die ganze Nacht hindurch, während der Mensch schläft, der astralische Leib und das Ich? Alles, was in der Welt, im Kosmos ist, hat seine Aufgabe; so auch der Astralleib und das Ich. Alles ist im Kosmos weise eingerichtet. Ohne Schlaf könnte ein Wesen, wie es der Mensch heute ist, nicht bestehen. Wenn der Astralleib immer im physischen Körper wäre, immer in den Sinnen, Augen und Ohren, den Händen tätig wäre, so würde die Ermüdung zuletzt aufreibend wirken.
[ 38 ] In spiritual science, the sleeping human being is a different being than the waking human being. We now ask: What do the astral body and the “I” do throughout the night while the human being sleeps? Everything in the world, in the cosmos, has its purpose; so too do the astral body and the “I.” Everything in the cosmos is wisely arranged. Without sleep, a being such as human beings are today could not exist. If the astral body were always within the physical body, always active through the senses—the eyes, ears, and hands—fatigue would ultimately have a debilitating effect.
[ 39 ] In der Vorzeit lebte der Astralleib in der astralischen Welt. Dort war er im Einklang mit seiner Welt. Erst im Laufe der Zeit hat er sich eingegliedert in den physischen Leib. Eine völlige Harmonie mit dem physischen Leib besteht noch nicht. Das kommt zum Ausdruck durch die Ermüdung. Während der Nachtzeit muss die Ermüdung fortgeschafft werden. Stärkung erhalten wir im Schlaf durch die Arbeit des astralischen Leibes am physischen Leibe während der Nacht. Die Naturwissenschaft sagt, der Mensch[enkörper] werde erfrischt durch physische Vorgänge. Das leugnet der Geistesforscher nicht; aber auch das Andere geschieht.
[ 39 ] In ancient times, the astral body lived in the astral world. There, it was in harmony with its world. Only over the course of time has it become integrated into the physical body. Complete harmony with the physical body does not yet exist. This is expressed through fatigue. During the night, this fatigue must be dispelled. We regain strength during sleep through the work of the astral body on the physical body throughout the night. Natural science says that the human body is refreshed through physical processes. The spiritual researcher does not deny this; but the other process also takes place.
[ 40 ] Die Geistesforschung sieht zu den äußeren Tatsachen die dahinterstehenden geistigen Gründe. Stellen wir uns zum Beispiel vor zwei Menschen, von denen der eine dem anderen eine Ohrfeige gibt. Von zwei Zuschauern erklärt der eine: Dieser Mensch hatte eine besondere innere Zornesaufwallung, [deshalb erhob er die Hand zum Schlage]; das war die Ursache der Ohrfeige. — Der andere aber sagt: Sie sind ein Träumer, ich habe es doch gesehen: Er hob den Arm, bewegte die Hand nach des andern Gesicht, und dadurch hat dieser die Ohrfeige bekommen. — Diesen Vorgang leugnet der Seelenforscher natürlich nicht; aber er sieht, dass noch etwas anderes vor sich ging. So steht der Geistesforscher dem Naturforscher gegenüber.
[ 40 ] Spiritual research looks beyond external facts to the spiritual causes underlying them. Let us imagine, for example, two people, one of whom slaps the other. Of the two observers, one explains: “This person experienced a particular surge of inner anger, [which is why he raised his hand to strike]; that was the cause of the slap.” — The other, however, says: “You’re a dreamer; I saw it myself: He raised his arm, moved his hand toward the other man’s face, and that is why the other man received the slap.” — The spiritual researcher, of course, does not deny this sequence of events; but he sees that something else was happening as well. This is how the spiritual researcher differs from the natural scientist.
[ 41 ] Der eigentliche Mensch — das Ich — lebt während des Nachtzustandes, wenn auch unbewusst, in einem geistigen Dasein und arbeitet an seinem physischen Körper. Wenn wir dies Bild zurückverfolgen im Laufe der Erdentwicklung, dann ändert es sich fortwährend. Das heutige Verhältnis zwischen Tagwachen und dem Schlafe der Nacht finden wir nicht zu allen Zeiten. Heute haben wir ein Verhältnis zwischen Wachen und Schlafen wie zwei Drittel zu einem Drittel. Gehen wir zurück, so kommen wir zu Zeiten, in denen der Mensch viel mehr schläft — viel längere Zeit außerhalb seines physischen Leibes ist, und in fernen Urzeiten finden wir, dass der Mensch den größten Teil der Zeit verschläft, dass er nur ganz kurze Zeit im physischen Leibe ist. Dafür ist aber die Tätigkeit, die der astralische Leib am physischen Leib verrichten kann, eine immer mächtigere und mächtigere. Gleichzeitig sehen wir, dass der physische Leib immer einfacher wird und der Geist des Menschen immer mehr in Anspruch genommen wird. — Würden wir noch weiter zurückgehen, so würden wir finden, dass der Mensch noch keinen physischen und noch keinen Ätherleib hat, sondern dass er ein rein astralisches Wesen ist.
[ 41 ] The true human being—the “I”—lives, albeit unconsciously, in a spiritual existence during the night and works on his physical body. If we trace this picture back through the course of Earth’s evolution, we see that it is constantly changing. The current ratio of daytime wakefulness to nighttime sleep has not always existed. Today, the ratio of wakefulness to sleep is two-thirds to one-third. If we go back, we come to times when human beings slept much more—spent much longer outside their physical bodies—and in distant primeval times we find that human beings slept through most of the time, spending only a very short time in the physical body. In return, however, the activity that the astral body can perform on the physical body becomes ever more powerful. At the same time, we see that the physical body is becoming simpler and simpler, while the human spirit is being called upon more and more. — If we were to go back even further, we would find that human beings do not yet have a physical body or an etheric body, but are purely astral beings.
[ 42 ] Wir können uns das so vorstellen: Denken wir uns, wir hätten eine Wassermasse und veranlassten in dieser durch irgendeinen Prozess, dass ein Teil darinnen sich zu Eis umbildete. Nunmehr veranlassen wir [den gleichen Vorgang so], dass sich mehr Wasser zu Eis umbildet, und [so fort], dass dieses Eis immer komplizierter wird. Die Wassermasse wird immer mehr aufgebraucht, die Eismasse wird immer komplizierter und größer, bis zuletzt alles Wasser aufgebraucht ist und wir nur noch ein kompliziertes Eisgebilde haben.
[ 42 ] We can visualize it this way: Let’s imagine we have a body of water and, through some process, cause part of it to turn into ice. Now let’s cause [the same process to occur] so that more water turns into ice, and [so on], so that this ice becomes increasingly complex. The body of water is gradually depleted, while the ice mass becomes increasingly complex and larger, until finally all the water is gone and we are left with only a complex ice formation.
[ 43 ] Stellen Sie sich nun vor, wir hätten nicht bloß eine, sondern eine ganze Menge solcher Wasserkugeln, von denen wir nur einen Teil, wie eben beschrieben, behandeln. Bei einem andern lassen wir aus der Wassermasse das erste Eiskügelchen gleich herausfallen; es kann sich aus ihm dann, weil es abgetrennt ist, kein kompliziertes Eiskügelchen bilden. Es bleibt immer so einfach. Auf immer weiteren Stufen lassen wir immer kompliziertere Eiskügelchen herausfallen, [auf der nächsten Stufe wieder mehr]: So haben wir neben den aus der ganzen Wassermasse entstandenen kompliziertesten Eisgebilden solche Gebilde, welche auf einer früheren, weniger komplizierten Stufe herausfallen aus dem Mutterwasser.
[ 43 ] Now imagine that we had not just one, but a whole lot of such water spheres, of which we treat only a portion, as just described. In another case, we let the first ice pellet fall out of the water mass right away; since it is separated, no complex ice pellet can form from it. It always remains that simple. At increasingly later stages, we let increasingly complex ice spheres fall out, [and at the next stage, even more]: Thus, alongside the most complex ice formations that arose from the entire mass of water, we have formations that fell out of the parent water at an earlier, less complex stage.
[ 44 ] Wenden wir dies Bild an auf die Entwicklung unserer Erde und des Menschen, [aber bedenken Sie hierbei]: Im Anfang unserer Erdentwicklung gab es noch nichts Physisches, Leibliches. Da war vom Menschen nur das vorhanden, was jetzt bei ihm herausschlüpft während des Schlafes bei der Nacht. Für die Geisteswissenschaft gibt es einen Satz: Alle andern Wesen auf der Erde, [Mineralien, Pflanzen, Tiere], sind später entstanden als der geistige Mensch. [Im Beginne war nichts da als der geistige Mensch!]
[ 44 ] Let us apply this image to the evolution of our Earth and of humankind, [but keep in mind]: At the beginning of our Earth’s evolution, there was still nothing physical or corporeal. All that existed of humankind was what now emerges from within us during sleep at night. In spiritual science, there is a principle: All other beings on Earth—[minerals, plants, animals]—came into being later than the spiritual human being. [In the beginning, there was nothing but the spiritual human being!]
[ 45 ] Die Gesamterde war im Anfang, wie eine Maulbeere [aus den einzelnen Beerchen], zusammengesetzt aus den geistigen Menschen. Aus dem Astralischen gliederte sich zuerst das Physische ab wie Eiskügelchen aus dem Wasser. Manche behielten das Astrale bei [und bildeten erst auf höherer Stufe das Physische heraus]; bei anderen blieb das auf der ersten Stufe stehen, was sich aus der astralen Substanz anfangs herausgliederte. Die Moneren [Haeckels waren nicht früher da als der geistige Mensch und] waren der erste Versuch des Menschen, einen physischen Leib des Menschen zu bilden. Wo herausfielen aus dem Astralen die ersten physischen Ansätze zu einem physischen Leib, da bildeten sich die Moneren. Die Astralleiber aber, mit Einschluss des Physischen, entwickelten sich höher. Nur was herausfiel aus dem Astralen, das schritt nicht vorwärts.
[ 45 ] In the beginning, the entire Earth was like a mulberry [made up of individual berries], composed of spiritual human beings. From the astral realm, the physical realm first separated, like tiny ice balls from water. Some retained the astral [and only developed the physical at a higher stage]; for others, what initially separated from the astral substance remained at the first stage. The monera [Haeckel’s were not present before the spiritual human being, and] were humanity’s first attempt to form a physical body for the human being. Where the first physical rudiments of a physical body fell out of the astral, there the monera formed. The astral bodies, however, including the physical, developed to a higher level. Only that which fell out of the astral failed to progress.
[ 46 ] Auf jeder Stufe [bilden sich kompliziertere Wesen, und so weiter; auf jeder Stufe] bleiben Wesen stehen, die herausfallen aus dem Geistigen. Man sehe sich daraufhin die Wesenheiten auf verschiedenen Stufen an, die herausgefallen sind und daher stehen blieben. Diese Herausgefallenen sind stehen geblieben, während der Mensch, der der Erstling war unter allen anderen Wesenheiten, alles, was zunächst in seinem Geist war, herausgegliedert hat, sodass sein komplizierter physischer Leib entstand.
[ 46 ] At each stage [more complex beings come into being, and so on; at each stage] certain beings remain behind, falling out of the spiritual realm. Let us now consider the beings at various stages who have fallen away and thus remained behind. These fallen beings have remained behind, while man—who was the first among all other beings—has separated everything that was initially in his spirit, so that his complex physical body came into being.
[ 47 ] Blicken wir auf eine in nicht sehr ferner Vergangenheit stehende Vorstufe der Menschheit, so sehen wir, wie der Mensch einen noch ungelenken Leib hat, aber auch noch die Geistigkeit, ihn auf höhere Stufen hinaufzuentwickeln. Aber gewisse Leiber bleiben auf dieser früheren Stufe stehen; sie fallen aus der Geistigkeit heraus, das sind die Affen; andere steigen hinauf, das sind die heutigen Menschen.
[ 47 ] If we look at a preliminary stage of humanity in the not-too-distant past, we see that human beings still had clumsy bodies, but also possessed the spiritual capacity to develop them to higher levels. However, certain bodies remain at this earlier stage; they fall out of the spiritual realm—these are the apes; others ascend—these are the humans of today.
[ 48 ] Wenn wir in die Vergangenheit der Menschheit zurückgehen, finden wir, dass der geistige Mensch immer länger heraus ist aus dem physischen Leib; der schafft den physischen Leib um. So hat der astralische Mensch allmählich den heutigen Menschen herausgeschaffen, von der niedersten Form aufsteigend zu immer vollkommeneren Gebilden. In den niedersten Wesen haben wir nicht zu sehen Wesen, von denen wir abstammen, sondern zurückgebliebene Brüder des Menschen. Auch die anderen Wesen, Pflanzen und Steine, sind nicht etwa der Urgrund der höheren Wesen, [sondern im Gegenteil Abgliederungen, zurückgebliebene Produkte desselben].
[ 48 ] When we look back at humanity’s past, we find that the spiritual human being has been emerging from the physical body for an ever-longer period of time; it is transforming the physical body. Thus, the astral human being has gradually shaped modern humanity, ascending from the lowest form to ever more perfect structures. In the lowest beings, we should not see beings from whom we are descended, but rather human beings who have lagged behind. Nor are the other beings—plants and stones—the primordial source of the higher beings, [but rather, on the contrary, offshoots, products that have lagged behind from the same source].
[ 49 ] Falsch ist daher die Frage: Wie ist das Lebendige aus dem Unlebendigen hervorgegangen? Das gibt ein ganz falsches Bild. Wir wissen, dass die Steinkohle entstanden ist aus Pflanzen. Da ist auch zuerst das Lebendige dagewesen. Das ist umgewandelt in Unlebendiges. Einstmals waren auf der Erde große Farnwälder und schachtelhalmartige Gewächse. Die finden wir wieder in den Steinkohlenlagern. Alles, was wir als Kohle jetzt ausgraben, war einstmals Pflanze. Wir können da durch die Naturforschung sehen, wie das Gesteins-Reich hervorgegangen ist aus dem Pflanzenreich.
[ 49 ] The question “How did the living arise from the non-living?” is therefore incorrect. It paints a completely false picture. We know that coal originated from plants. The living was there first. It was transformed into the non-living. Once upon a time, there were vast forests of ferns and horsetail-like plants on Earth. We find these again in the coal deposits. Everything we now excavate as coal was once a plant. Through the study of nature, we can see how the mineral kingdom emerged from the plant kingdom.
[ 50 ] Der Geistesforscher sagt nun: Alles Gesteinsreich ist einmal aus dem Pflanzenreich hervorgegangen. Damals war das Pflanzenreich anders geformt und lebte unter ganz anderen Lebensbedingungen, als es noch kein Gesteinsreich gab. Gehen wir zu den ältesten Ahnen des Gesteinsreiches: dem Granit, der besteht aus Quarz, [Feldspat] und Glimmerschiefer. In ferner Vorzeit ist er entstanden aus einer Verfestigung des Pflanzenreichs. Alles Mineralische ist aus Pflanzlichem entstanden, alles Pflanzliche aus Tierischem, alles Tierische aus Menschlichem.
[ 50 ] The spiritual researcher now says: The entire mineral kingdom once emerged from the plant kingdom. At that time, the plant kingdom was structured differently and existed under entirely different conditions, since the mineral kingdom did not yet exist. Let us turn to the oldest ancestors of the mineral kingdom: granite, which consists of quartz, [feldspar], and mica schist. In distant prehistory, it arose from the solidification of the plant kingdom. Everything mineral arose from the plant kingdom, everything plant from the animal kingdom, and everything animal from the human kingdom.
[ 51 ] Im Anfang waren nur geistige Menschen auf der Erde; aus ihnen gliederte sich heraus das Tierische, Pflanzliche und Mineralische. Am spätesten ist das entstanden, was so oft als das Erste bezeichnet wird: das Mineralreich.
[ 51 ] In the beginning, there were only spiritual beings on Earth; from them emerged the animal, plant, and mineral kingdoms. The last to emerge was what is so often described as the first: the mineral kingdom.
[ 52 ] [Es ist theosophischer Grundsatz:] Der Mensch ist der Erstling der Erdentwicklung; alles andere hat er in sich enthalten, alles andere ist aus ihm heraus entstanden. Alle Suggestionen der Naturwissenschaft widersprechen dem, aber wer sich auf die Geisteswissenschaft einlässt, wird die Wahrheit einsehen. Selbst da, wo das erste Mineralische, der Urnebel, auftritt, sagt die Geisteswissenschaft, dass dieser Urnebel schon eine Schöpfung des Geistes ist. Alles auf der Erde müssen wir verstehen lernen ausgehend von der menschlichen Natur.
[ 52 ] [It is a theosophical principle:] Man is the first-born of Earth’s evolution; he contains everything else within himself, and everything else has emerged from him. All the suggestions of natural science contradict this, but anyone who engages with spiritual science will come to see the truth. Even where the first mineral substance—the primordial nebula—appears, spiritual science tells us that this primordial nebula is already a creation of the spirit. We must learn to understand everything on Earth by starting from human nature.
[ 53 ] Auch die Zukunft der Erde kann man nur verstehen, wenn man vom Menschen ausgeht. [In seiner eigenen Menschennatur ist er ein kompliziertes Gebilde.] Der physische Leib des Menschen mit dem Wunderbau des Gehirns, des Herzens zeigt uns ein weisheitsvolles Gebilde. Das kleinste Stückchen Oberschenkelknochen ist so weisheitsvoll aus kleinen Balken zusammengefügt, dass der geschickteste Ingenieur es nicht nachmachen könnte. Dies weisheitsvolle Gebilde ist eine Verdichtung des Ätherleibes, und dieser wieder eine Verdichtung des Astralleibes. Und dieser Astralleib ist wiederum eine Schöpfung des Ich.
[ 53 ] The future of the Earth, too, can only be understood by starting with human beings. [In his own human nature, man is a complex structure.] The human physical body, with the marvelous structure of the brain and the heart, reveals to us a structure imbued with wisdom. Even the smallest fragment of the femur is so wisely assembled from tiny beams that not even the most skilled engineer could replicate it. This wise structure is a condensation of the etheric body, which in turn is a condensation of the astral body. And this astral body is, in turn, a creation of the “I.”
[ 54 ] Heute ist der Astralleib in der Nacht damit beschäftigt, die Ermüdungsstoffe aus dem physischen Leib wegzuarbeiten. In der Zukunft wird der Astralleib wieder schöpferisch dadurch, dass er jetzt wieder mit der Außenwelt in Beziehung tritt während des Tages und diese Außenwelt kennenlernt. Dadurch gewinnt er Wissen und Kräfte, und die bedeuten erhöhtes Schaffen; mit den so gewonnenen Kräften [wird er] weiter arbeiten und den physischen Leib auf Stufen höherer Entwicklung erheben. Der Geist hat geschaffen die Urgestalt des physischen Leibes, er hat die physische Gestaltung heraufgeführt bis zur jetzigen Form und wird in der zukünftigen Erdenentwicklung die menschliche Gestalt auf noch höhere Stufen erheben.
[ 54 ] Tonight, the astral body is busy removing the fatigue-inducing substances from the physical body. In the future, the astral body will once again become creative by re-establishing a connection with the external world during the day and getting to know it. Through this, it gains knowledge and powers, which lead to heightened creativity; with the powers thus gained, [it] will continue to work and elevate the physical body to higher stages of development. The spirit created the primordial form of the physical body; it has developed the physical form to its present state and will, in the future evolution of the Earth, elevate the human form to even higher levels.
[ 55 ] Der Geistesforscher [erkennt nicht alle Organe als gleichwertig an; nicht gleichgültig betrachtet er sie nebeneinander, sondern schätzt sie nach verschiedenen Arten. Er] unterscheidet unter den physischen Organen solche, die auf dem Wege sind, zurückgebildet zu werden, [nach und nach] abzusterben, die in der Vergangenheit ihre Höhe erreicht haben, und solche, die heute noch nicht ihre Höhe erreicht haben, die auf dem Wege sind, sich noch immer mehr zu entwickeln, sich zu vervollkommnen. Dies ist der Fall mit dem menschlichen Herzen. Die niederen Organe, die mit des Menschen Begierden und Leidenschaften zusammenhängen, sind auf dem Wege des Absterbens; diejenigen aber, welche mit dem Höheren, mit idealen Bestrebungen zusammenhängen, sind auf dem Wege zur Vervollkommnung.
[ 55 ] The spiritual researcher [does not regard all organs as equal; he does not view them indifferently side by side, but evaluates them according to different categories. He] distinguishes among the physical organs those that are in the process of being regressed, [gradually] dying off; those that reached their peak in the past; and those that have not yet reached their peak today, which are still in the process of developing further and perfecting themselves. This is the case with the human heart. The lower organs, which are connected with human desires and passions, are on the path to withering away; but those connected with the higher, with ideal aspirations, are on the path to perfection.
[ 56 ] Nehmen wir als Beispiel das Herz, welches ein Muskel ist, der dem Anatomen und [Physiologen] ein Rätsel bleibt. Alle Muskeln haben einen bestimmten Bau. Diejenigen mit willkürlicher Bewegung, zum Beispiel die Muskeln der Hand, haben eine quergestreifte Muskulatur, während die mit unwillkürlicher Bewegung längsgestreifte Muskulatur aufweisen. [Auch das Verdauungssystem mit unwillkürlicher Bewegung hat längsgestreifte Muskulatur; nur] das Herz, welches ein Muskel mit unwillkürlicher Bewegung ist, hat trotzdem quergestreifte Muskeln. Dadurch ist es eine Krux für die äußere Forschung.
[ 56 ] Let us take the heart as an example, which is a muscle that remains a mystery to anatomists and [physiologists]. All muscles have a specific structure. Those with voluntary movement, such as the muscles of the hand, have striated muscle fibers, while those with involuntary movement have smooth muscle fibers. [The digestive system, which is involuntary, also has striated muscle; only] the heart, which is an involuntary muscle, nevertheless has striated muscle. This makes it a conundrum for external research.
[ 57 ] Die Geisteswissenschaft bringt aber Licht in dieses Dunkel der materiellen Forschung, [indem sie zeigt, dass] das Herz auf dem Wege ist, ein willkürlicher Muskel zu werden.
[ 57 ] The humanities, however, shed light on this darkness of material research, [by showing that] the heart is on its way to becoming an arbitrary muscle.
[ 58 ] In der Zukunft wird der Mensch von seiner Seele aus, mit seinen seelischen Eigenschaften, sein Herz, seinen Pulsschlag regulieren. Er wird seinen Leib in seine Gewalt bekommen. Sein Leib wird viel mehr als heute der unmittelbare Ausdruck seiner seelischen Eigenschaften sein.
[ 58 ] In the future, human beings will regulate their hearts and heartbeats from within their souls, through their spiritual qualities. They will gain control over their bodies. Their bodies will be a much more direct expression of their spiritual qualities than they are today.
[ 59 ] Durch zwei schon heute vorhandene Tatsachen im Seelenleben des Menschen können wir hierfür ein Verständnis gewinnen. Erstens dasjenige, was im Menschen auftritt, wenn er einer Gefahr entgegensieht. Die Angst, die er vor einem Ereignis hat, zeigt sich im Erblassen als Einfluss auf das Blut, welches zurücktritt aus den äußeren Teilen seines Körpers. Eine unmittelbare Folge des seelischen Vorganges ist das, was im Blute zum Ausdruck kommt. Das andere, der andere Pol dieser seelischen Äußerung, ist zu finden in dem, was wir als Schamgefühle bezeichnen, wo dem Menschen die Schamröte ins Gesicht tritt dadurch, dass das Blut nach den äußeren Teilen des Leibes strömt. Das sind die beiden Pole seelischen Empfindens.
[ 59 ] We can gain an understanding of this through two phenomena already present in human psychological life. First, what occurs in a person when he faces danger. The fear he feels before an event manifests as a pallor—an effect on the blood, which withdraws from the outer parts of his body. An immediate consequence of this psychological process is what is expressed in the blood. The other—the opposite pole of this psychological expression—is found in what we call feelings of shame, where a blush of shame appears on a person’s face as the blood flows to the outer parts of the body. These are the two poles of psychological sensation.
[ 60 ] Weitergehend denke man sich, wie das Herz zu immer höheren Stufen einer Gestaltung des Inneren kommt, bis dem Willen immer mehr unterworfen sein wird, was im Blute wirkt, dann haben wir den Anfang von dem, was die Geisteswissenschaft darstellt als den zukünftigen Entwicklungsgang des Menschen. Er wird in Zukunft die Organe abwerfen, welche in die Vergangenheit zurückweisen, und ausgestalten die Organe der Zukunft. Wir blicken hin auf ein Erdenende, in dem der Mensch vergeistigt sein wird, sodass er dann, wie heute seine Hände der Willkür unterworfen sind, seinen ganzen Leib der Willkür unterworfen haben wird, in einer Weise, die heute, wenn wir davon hören, ans Wunderbare zu grenzen scheint. Heute schon hat der Mensch Herrschaft über mancherlei Naturkräfte. Immer weiter wird er seine Herrschaft ausbreiten, indem er sich selbst in seine Gewalt bekommt.
[ 60 ] Going further, imagine how the heart reaches ever higher stages of inner development until what is at work in the blood becomes increasingly subject to the will; then we have the beginning of what spiritual science presents as the future course of human development. In the future, humanity will cast off the organs that point to the past and develop the organs of the future. We look forward to an end of the Earth in which humanity will be spiritualized, so that just as today their hands are subject to their will, they will then have their entire body subject to their will, in a way that today, when we hear of it, seems to border on the miraculous. Already today, humanity has dominion over various forces of nature. It will continue to expand its dominion by bringing itself under its own control.
[ 61 ] Im Erdenanfang war der Mensch Geist; aber sein Bewusstsein war ein dumpfes Schlafbewusstsein. Sein physischer Leib war noch nicht vorhanden. Dann hat er sich herausgegliedert aus dem astralischen Leib. Nun wird der astralische Leib immer mehr den physischen Leib beherrschen und lernen, das Physische immer mehr zu vergeistigen. Bei der Höherentwicklung wird der Mensch wieder auf einer geistigen Stufe anlangen, aber bewusst. Am Ende wird er als der große König der Erde dastehen.
[ 61 ] In the beginning of the Earth, man was spirit; but his consciousness was a dull, slumbering state of consciousness. His physical body did not yet exist. Then he separated himself from the astral body. Now the astral body will increasingly dominate the physical body and learn to spiritualize the physical more and more. As humanity evolves further, it will once again reach a spiritual level—but this time consciously. In the end, it will stand as the great king of the Earth.
[ 62 ] Das Materielle ist eine Schöpfung des Geistigen, es steht in der Mitte. Vorher war nur das Geistige da und in Zukunft wird auch das Geistige wieder da sein. In Zukunft wird das Materielle wieder zurücktreten, und es wird daraus nur das bleiben, was der Geist als Frucht herausgezogen hat. Manche Bildungen am menschlichen Leibe sind schon zurückgetreten. Im Anfang war der Mensch ganz mit Haaren bedeckt. Die Haare sind schon jetzt in einem Rückbildungsprozess begriffen. Andere Organe sind auch in dem Rückbildungsprozess begriffen.
[ 61 ] In the beginning of the Earth, man was spirit; but his consciousness was a dull, slumbering state of consciousness. His physical body did not yet exist. Then he separated himself from the astral body. Now the astral body will increasingly dominate the physical body and learn to spiritualize the physical more and more. As humanity evolves further, it will once again reach a spiritual level—but this time consciously. In the end, it will stand as the great king of the Earth.
[ 63 ] Das Auge ist gebildet vom Geist. Es nimmt jetzt wahr die materielle Welt. Das Auge [als Organ] wird wieder vergehen; aber was das Auge gesehen hat, das nimmt der menschliche Geist als Frucht mit sich, das verleibt er sich ein. Ebenso werden die Ohren als Organe vergehen; aber was der Mensch mit ihnen gehört hat, das nimmt sein Geist als Frucht mit. Nicht umsonst hat der Mensch sich Organe gebildet; wenn alles Materielle aufhört, wird er dastehen als geistiges Wesen, reifer, innerlicher, vollendeter. [Einstmals wird alles Physische vollendet werden; die Erde wird zerbröckeln in einzelne Teile.] Dass die Erde einmal sich auflösen wird, das lehrt auch die Physik. Was aber bleibt [für den Materialisten] von [dem Leichenfeld] der Erde? Wenn wir es im materialistischen Sinne betrachten, bleibt nur das öde Nichts. Im Sinne der Geisteswissenschaft aber wissen wir: Alles, was durch diese sinnlichen Organe gesehen, gehört, empfunden wurde, das wird bleiben als Inhalt des Geistesmenschen, und mit diesem Inhalt wird der Mensch [in anderen Welten, noch ungekannten] zu einem neuen kosmischen Dasein aufsteigen.
[ 63 ] The eye is formed by the spirit. It now perceives the material world. The eye [as an organ] will pass away again; but what the eye has seen, the human spirit takes with it as fruit, and incorporates it into itself. Likewise, the ears as organs will pass away; but what a person has heard with them, his spirit takes with him as fruit. It is not for nothing that a person has formed these organs; when all that is material ceases, he will stand there as a spiritual being—more mature, more inward, more perfected. [One day, all that is physical will be perfected; the Earth will crumble into individual parts.] Physics, too, teaches that the Earth will one day dissolve. But what remains [for the materialist] of [the wasteland] of the Earth? If we view it in a materialistic sense, only desolate nothingness remains. In the sense of spiritual science, however, we know: Everything that has been seen, heard, and felt through these sensory organs will remain as the content of the spiritual human being, and with this content, the human being will ascend [to other, as yet unknown worlds] to a new cosmic existence.
[ 64 ] Wir sehen zu gleicher Zeit das Ziel der Menschheit, wenn wir Anfang und Ende der Erdentwicklung betrachten. Diese Theorie ist nicht nur grau, sondern etwas, was Hoffnung, [Vertrauen], Kraft und Zuversicht in unsere Seele gießt, [uns Mut und Arbeitslust erweckend. Es sind ferne Ideale; ja, aber] wenn der Mensch diese Ideale in seiner Seele aufnimmt, werden sie uns helfen [und tragen] bei der kleinsten Arbeit im Alltagsleben. Es ist das etwas, was uns arbeitsfreudig macht und lebensstark und zuversichtlich macht.
[ 64 ] When we consider the beginning and end of Earth’s development, we simultaneously see the goal of humanity. This theory is not merely bleak, but something that instills hope, [trust], strength, and confidence in our souls, [inspiring us with courage and a zest for work. These are distant ideals; yes, but] when a person embraces these ideals in their soul, they will help us [and sustain us] in even the smallest tasks of everyday life. It is what makes us eager to work, full of vitality, and confident.
[ 65 ] Wir lernen dann, dass [wir da waren als Geist, bevor unsere physische Materie da war, und dass] er die Form erschafft, [die er verliert], aber sich durch die Form nur bereichert. [Der Geist wird wieder hervorgehen als Sieger.] Was wir durch Augen und Ohren erhalten, erleben in der Seele, das wird vergeistigt werden.
[ 65 ] We then learn that [we were there as spirit before our physical matter existed, and that] it creates the form [which it loses], but is only enriched through the form. [The spirit will emerge victorious once again.] What we receive through our eyes and ears, and experience in our soul, will be spiritualized.
[ 66 ] [Diese geprägte Geistesform tragen wir zu immer höheren Stufen des Daseins hinauf.] Die das gewusst haben — [die, welche tiefer in das Weltenwesen hineinsahen] —, haben auch gewusst, dass der Mensch sein Dasein dem Himmel verdankt, dass er herausgeboren ist aus der Sternenwelt, dass er als Geist mehr ist als alles das, was auf der Erde ist.
[ 66 ] [We carry this shaped form of the spirit upward to ever higher levels of existence.] Those who knew this—[those who looked more deeply into the nature of the world]—also knew that human beings owe their existence to the heavens, that they were born out of the world of the stars, and that, as spirits, they are more than anything that exists on Earth.
[ 67 ] Wir können das zusammenfassen mit Goethes Worten. Er fühlte, dass der Mensch herausgeboren ist aus der großen kosmischen Welt, aus der die Sterne heraus entstanden sind. Das drückt er aus in den Worten, die er «orphische Urworte» nennt:
[ 67 ] We can summarize this in Goethe’s words. He felt that human beings are born from the great cosmic world from which the stars arose. He expresses this in the words he calls the “Orphic primordial words”:
Wie an dem Tag, der Dich der Welt verliehen,
Die Sonne stand zum Gruße der Planeten,
Bist alsobald und fort und fort gediehen
Nach dem Gesetz, wonach Du angetreten.
So musst Du sein. Dir kannst Du nicht entfliehen,
So sagten schon Sibyllen, so Propheten;
Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt
Geprägte Form, die lebend sich entwickelt.
Just as on the day you were born into this world,
The sun stood in greeting to the planets,
And so you flourished immediately and ever onward
According to the law by which you came into being.
This is how you must be. You cannot escape yourself,
As the Sibyls and prophets have long said;
And no time, no power can break apart
A formed shape that develops while alive.
