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The Rudolf Steiner Archive

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The Essence of Anthroposophy
within the World Of Sense, Soul And Spirit
GA 68b

24 November 1908, Vienna

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The Circular Flow of Man's Life, tr. SOL
  1. Der Kreislauf des Menschen

47. Das Wesen des Menschen as Schlüssel zu den Geheimnissen Der Welt

47. The Nature of Man as the Key to the Mysteries of the World

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Heute möchte ich im Beginne des Vortrags zwei Bilder vor Ihre Seele hinstellen, das eine, das Ihnen wohl aus dem Verlaufe Ihres Lebens bekannt ist, und das andere, das sich uns ergeben kann auf der Grundlage des Vortrags, der vorgestern hier gehalten worden ist. Das eine der Bilder, das ich vor Ihre Seele hinrufen möchte, ist die Ihnen allen wohlbekannte Sixtinische Madonna des Raffael. Wir sehen dieses Wunderbild, die Madonna mit dem Christuskind, wir versuchen zunächst, uns ahnend in das, was dieses Bild will, hineinzuversetzen, namentlich dadurch, dass wir dieses Bild genauer anschauen, sehen, wie sich aus dem geheimnisvollen Wolkenhimmel, der sich über der Madonna und dem Kinde ausdehnt, Gestalten erheben, sagen wir Engelsgestalten, die wie geistige Genossen des Kindes, das von der Mutter gehalten wird, uns erscheinen,

[ 1 ] Ladies and gentlemen! Today, at the beginning of this lecture, I would like to present two images to your souls: one that is likely familiar to you from your own life, and the other that may emerge for us based on the lecture given here the day before yesterday. One of the images I would like to evoke in your minds is Raphael’s Sistine Madonna, which is well known to all of you. We see this miraculous painting, the Madonna with the Infant Christ, and we first try to intuitively put ourselves in the picture’s perspective, namely by looking at it more closely and seeing how figures—let’s say angelic figures—rise from the mysterious cloudy sky stretching above the Madonna and the Child; they appear to us as spiritual companions of the Child held by the Mother,

[ 2 ] Und da kann denn vor unsere Seele treten das Gefühl: Geheimnisvoll wollte der Maler irgendetwas hinstellen als einen Hintergrund, aus dem sich das Menschenrätsel heraushebt, und nicht bloß dieses Menschenrätsel, insoferne der Mensch sich hineinstellt in das Universum, sondern dadurch, dass das Kind der Mutter beigegeben ist, auch noch insoferne der Mensch dazu gelangt, aus sich selbst heraus zu schaffen.

[ 2 ] And then the feeling may arise in our soul: the painter mysteriously wanted to place something there as a backdrop against which the enigma of humanity stands out—and not merely this enigma of humanity insofar as human beings place themselves within the universe, but also, because the child is placed in the mother’s arms, insofar as human beings come to create from within themselves.

[ 3 ] Wir wollen dieses Bild zunächst ganz objektiv vor unsere Seele hinstellen und sehen, ob vielleicht der heutige Vortrag, der von dem Menschenrätsel und den Weltenrätseln handeln soll, irgendetwas wie einen Anknüpfungspunkt geben könnte an das, was hier ohne Zweifel der Künstler aus einer tiefen Empfindung über das Weltenrätsel heraus geschaffen hat. Und wir werden so recht gewahr, dass Raffael bei diesem Bilde anknüpft an irgendetwas, was die Menschen immer wie ein Weltenrätsel beschäftigt hat, wenn wir daran denken, dass die ganze Konfiguration dieses Bildes, dass alles dasjenige, was in diesem Bilde lebt, wie ein Wiederauftauchen auf einer höheren künstlerischen und religiösen Stufe ist dessen, was uns auch schon im alten Ägypterlande, herausgeboren aus dem ägyptischen Fühlen und Denken über das Menschenrätsel, entgegentritt in der Isisgestalt, die das Horuskind im Arme hält.

[ 3 ] Let us first place this image before our soul in a completely objective manner and see whether today’s lecture—which is to deal with the mystery of humanity and the mysteries of the universe—might offer some sort of point of connection to what the artist has undoubtedly created here out of a deep sense of the mystery of the universe. And we become truly aware that, in this painting, Raphael is drawing upon something that has always preoccupied humanity like a mystery of the universe, when we consider that the entire composition of this painting—that everything that lives within it—is, as it were, a reemergence on a higher artistic and religious level of that which, even in ancient Egypt, born of the Egyptian way of feeling and thinking about the mystery of humanity, in the figure of Isis, who holds the child Horus in her arms.

[ 4 ] Und so könnten wir noch vieles anführen als ein ähnliches Symbolon und würden daraus ersehen, wie zu verschiedenen Zeiten in der menschlichen Mutter mit dem Kinde das Weltenrätsel, das Rätsel von dem Zusammenhange des Menschen mit der Welt, versinnbildlicht wird. Das ist das eine Bild, das wir uns vor die Seele hinmalen wollen, damit wir eine Empfindungsunterlage für den heutigen Vortrag erhalten.

[ 4 ] And we could cite many more examples of similar symbols, from which we would see how, at various times, the mystery of the world—the mystery of humanity’s connection to the world—is symbolized in the human mother and her child. This is the image we wish to paint in our minds so that we may establish a foundation of feeling for today’s lecture.

[ 5 ] Das andere Bild soll sich ergeben aus dem, was wir vorgestern betrachtet haben. Wir wollen einmal vor uns hinstellen den hellsehenden Menschen, der seine Seele so weit hinaufentwickelt hat durch die Entfaltung der beim heutigen normalen Menschen im Innern schlummernden Kräfte und Fähigkeiten, dass er jene Vorstellungen, jene Gedanken in sich hervorbringen kann, die es ihm möglich machen, dass ihm die höheren Welten in ihren Tatsachen, in ihren Wesenheiten entgegentreten, sodass aus dem Dämmerdunkel, aus dem Schoße des Weltendaseins, vor seine Seele eine ganz neue Welt hintritt, neu gegenüber der äußeren physischen Welt, eine Welt, die den Menschen zeigt, dass es hinter unseren physischen Dingen Wesenheiten und Kräfte gibt, die die eigentlichen Urgründe dieses physischen Daseins sind, und Wesenheiten und Kräfte, die aus diesem Schoße des Weltendaseins heraustreten und die wahrlich ein nicht geringeres konkretes, reales Dasein haben als dasjenige, was wir mit den Ohren hören und mit den Augen sehen können. So denken wir uns den Hellseher in seinem Verhältnis zur Welt, vor ihn hintretend aus dem Dämmerdunkel des geistigen Daseins heraus eine neue Welt von Gestalten, von höheren Wirklichkeiten, in der Erkenntnis gleichsam durch ihn geschaffen als ein Dokument dessen, was die menschliche Seele vermag in Bezug auf die Herstellung ihres Verhältnisses zur Umwelt.

[ 5 ] The other image should emerge from what we considered the day before yesterday. Let us picture before us the clairvoyant person who has developed his soul to such a high degree—through the unfolding of the powers and abilities that lie dormant within today’s ordinary human being—that he can bring forth within himself those images and thoughts that enable the higher worlds to reveal themselves to him in their realities and in their beings, so that out of the twilight, from the bosom of world existence, a whole new world steps forth before his soul—a world new in relation to the outer physical world—a world that shows human beings that behind our physical things there are beings and forces that are the very foundations of this physical existence, and entities and forces that emerge from this bosom of worldly existence and that truly possess no less concrete, real existence than that which we can hear with our ears and see with our eyes. This is how we conceive of the clairvoyant in his relationship to the world: a new world of forms, of higher realities, emerging before him from the twilight of spiritual existence, created, as it were, through him in his perception as a testament to what the human soul is capable of in establishing its relationship to the external world.

[ 6 ] Ist es nicht etwas, was wir in dem Hellseher bezeichnen können wie eine geistige Geburt, wie etwas auf einer höheren Stufe, auf einer vergeistigteren Stufe, was wir auf der physischen Stufe so wunderbar symbolisiert finden in der Madonna mit dem Kinde? Denn das ist es, was wir heute betrachten wollen, meine verehrtesten Anwesenden, wie der Mensch sich hineinstellt in diese seine ganze Weltumgebung.

[ 6 ] Isn’t it something we can describe in the context of clairvoyance as a spiritual birth—something on a higher plane, on a more spiritual plane—which we find so wonderfully symbolized on the physical plane in the Madonna and Child? For that is what we wish to consider today, my most esteemed audience: how the human being positions himself within his entire worldly environment.

[ 7 ] Die verschiedensten Geister der Menschheitsentwicklung haben sich da immer ihre Gedanken gemacht, haben ihre Untersuchungen darüber angestellt, wie eigentlich das Verhältnis des Menschen zur umliegenden Welt ist. Ich möchte heute, weil ältere Vorstellungen nach dieser Richtung dem heutigen menschlichen Denken ziemlich ferne liegen und es nur schwer ist, neben dem Begriffe solcher älterer Vorstellungen auch die richtige Empfindungsnuance lebendig zu machen, die diese alten Vorstellungen wiederum vor uns hervorzaubert, nicht an ältere Vorstellungen anknüpfen, zum Beispiel nur an die Vorstellung, die ein heute vielfach verkannter Mann, die Paracelsus über das Verhältnis des Menschen zur Welt gehabt hat. Er hat so wie viele andere den Menschen angesehen als einen Mikrokosmos, als eine kleine Welt, im Gegensatze zur großen Welt, zum Makrokosmos. Aber nur mit ein paar Worten wollen wir uns vor die Seele rufen, was alle diejenigen eigentlich sich dabei gedacht haben, die also den Menschen wie eine kleine Welt, wie einen Mikrokosmos, gegenüber der großen Welt, dem Makrokosmos, hingestellt haben.

[ 7 ] The most diverse thinkers in the history of human development have always reflected on this and conducted their own investigations into what the relationship between human beings and the surrounding world actually is. Today, because older ideas in this vein are quite distant from contemporary human thinking—and because it is difficult to bring to life not only the concepts of such older ideas but also the subtle nuances of feeling that these old ideas in turn conjure up before us—I do not wish to build upon older ideas; for example, merely to the idea that a man often misunderstood today—Paracelsus—held regarding humanity’s relationship to the world. Like many others, he viewed the human being as a microcosm, as a small world, in contrast to the great world, the macrocosm. But let us briefly recall what all those who viewed humanity as a small world—as a microcosm—in contrast to the great world, the macrocosm, actually had in mind.

[ 8 ] Sie hatten die Vorstellung, dass alle Gesetze, alle verschiedenen Verkettungen von Tatsachen, die sich draußen in der Welt ausbreiten, nicht nur in der physischen Welt, sondern auch in der geistigen Welt sich ausbreiten, dass alle diese Verkettungen von Tatsachen und Gesetzen wie in einem Extrakt, wie in einer anderen Form im Kleinen im Menschen enthalten sind, dass der Mensch selber gleichsam solch ein Extrakt, solch eine Essenz des Weltendaseins in allen seinen einzelnen Formen ist. Man könne gleichsam alles dasjenige, was man draußen in der Welt findet, im Menschen wiederentdecken. Man braucht ja da, wie gesagt, gar nicht so weit zu gehen, wenn man diese Vorstellung von der kleinen Welt des Menschen, von dem Mikrokosmos im Verhältnis zum Makrokosmos als eine, die die besten Geister gehabt haben, hinstellen will.

[ 8 ] They held the view that all laws, all the various chains of facts that unfold out there in the world—not only in the physical world but also in the spiritual world—that all these chains of facts and laws are contained within human beings, as it were, in an extract, in another form, on a smaller scale; that human beings themselves are, as it were, such an extract, such an essence of worldly existence in all its individual forms. One could, as it were, rediscover in human beings everything that one finds out in the world. As I said, one need not go that far if one wishes to present this conception of the small world of the human being—of the microcosm in relation to the macrocosm—as one held by the greatest minds.

[ 9 ] Wir brauchen uns nur zu erinnern an eine uns in verhältnismäßig neuerer Zeit nahestehende Persönlichkeit, die wir schon vorgestern in anderer Hinsicht hier erwähnen durften, wir brauchen bloß anzuknüpfen an Goethe und an jenes wunderbare Freundschaftsverhältnis zwischen Schiller und Goethe. Als dieses begann, da war es bei Schiller ein innigstes Bedürfnis, sich hinaufzuranken zu der eigentümlichen Art, wie Goethe diese Welt ansah, wie er das Verhältnis zwischen Menschen und Welt für sich selber gestaltet hatte. Da schreibt denn Schiller im Beginne des schönen, großen, für die Geistesgeschichte so bedeutungsvollen Freundschaftsbundes:

[ 9 ] We need only recall a figure close to us from relatively recent times, whom we had the opportunity to mention here the day before yesterday in another context; we need only refer to Goethe and to that wonderful friendship between Schiller and Goethe. When this friendship began, Schiller felt a profound need to aspire to the unique way in which Goethe viewed the world—the way he had shaped the relationship between people and the world for himself. Thus, at the beginning of this beautiful, grand friendship—one so significant for the history of ideas—Schiller writes:

Lange schon habe ich, obzwar aus ziemlicher Ferne, den Gang Ihres Geisteslebens angesehen und mit immer erneuerter Bewunderung zu demselben hinaufgeblickt. Dasjenige, was Sie sahen gegenüber einer großen Natur, das ist: Sie bestreben sich, alle Einzelheiten der Natur, der umliegenden Welt, kennenzulernen, um durch die Zusammenfassung dieser Einzelheiten aus der Allheit der Erscheinungen heraus das komplizierteste Wesen, das zunächst vor uns steht, sich geistig aufzubauen, den Menschen. Eine wahrhaft heldenmäßige Idee nennt das Schiller, wie sie sich ihm aus der Anschauung des Goethe’schen Genius ergeben hatte.

For a long time now, though from a considerable distance, I have observed the course of your intellectual life and looked up to it with ever-renewed admiration. What you saw in the face of the grandeur of nature is this: You strive to understand all the details of nature and the surrounding world so that, by synthesizing these details from the totality of phenomena, you may mentally construct the most complex being that stands before us: human beings. Schiller calls this a truly heroic idea, as it had occurred to him through his contemplation of Goethe’s genius.

[ 10 ] Was hat also Schiller im Auge? Er hat im Auge, dass Goethe die ganze Welt draußen studiert, überall an diesem Ding jene Gesetzmäßigkeit, an jenem Ding die andere Gesetzmäßigkeit findet, und dann, wenn man eine Harmonie im Geiste erschafft, wo diese Gesetzmäßigkeiten, die draußen verteilt sind auf die verschiedensten Wesen und Dinge, zusammenwirken, dann kann man ungefähr eine Vorstellung, eine Idee von dem haben, was im Menschen wirklich geistig lebt. Und Goethe selbst hat so recht gefühlt, dass sich im Menschen mehr oder weniger äußerlich und innerlich das ganze Weltenall etwas erschaffen hat wie ein Spiegelbild seiner selbst.

[ 10 ] So what does Schiller have in mind? He has in mind that Goethe studies the entire world outside, finding one law in this thing and another law in that thing, and then, when one creates a harmony in the spirit where these laws—which are distributed outside among the most diverse beings and things—interact, then one can have some sort of conception, an idea, of what truly lives spiritually within human beings. And Goethe himself sensed so rightly that, more or less externally and internally, the entire universe has created within human beings something like a mirror image of itself.

[ 11 ] Das sehen wir, wenn Goethe zum Beispiel in seinem schönen Buche über Winckelmann darauf aufmerksam macht: Wenn der Mensch in der ganzen Natur lebt und sich der gesunden Natur als einer Ganzheit bewusst wird, wenn das harmonische Behagen ihm ein reines, freies Entzücken gewährt, so würde das Weltall selbst, wenn es sich durch den Menschen betrachten könnte, als an seinem Gipfelpunkte angelangt aufjauchzen und das eigene Werden und Wesen bewundern. Und an einer anderen Stelle sagt Goethe: Wenn der Mensch die Natur um sich herum betrachtet und alles, was um ihn herum ist, zusammennimmt nach Maß und Zahl und Ordnung und Harmonie, so vermag er in sich selber eine höhere Natur in der Natur zu erzeugen, etwas, was über die Natur hinauswächst und was doch wie der Sinn dieser Welt, dieser Natur ist. Das schwebte Goethe vor.

[ 11 ] We see this, for example, when Goethe points it out in his beautiful book on Winckelmann: When a person lives within the whole of nature and becomes aware of healthy nature as a whole, when harmonious contentment grants him a pure, free delight, then the universe itself—if it could view itself through the person—would exult as if it had reached its zenith and would admire its own becoming and essence. And in another passage, Goethe says: When a person contemplates the nature around them and takes in everything around them in terms of measure, number, order, and harmony, they are able to generate within themselves a higher nature within nature—something that transcends nature and yet is like the very meaning of this world, of this nature. This is what Goethe had in mind.

[ 12 ] So sehen wir, dass auch ein solcher Geist der neueren Welt, wenn er dies auch nur in so allgemeinen Ideen ausdrückt, durchaus durchdrungen ist davon, dass im Menschen alles zusammenwirkt, was draußen in der Welt zerstreut ist, und aus dem Menschen heraus sich eine neue Welt gebiert, welche im Grunde genommen wie eine Essenz, wie ein Auszug, wie eine kleine Welt gegenüber der großen Welt uns erscheinen muss.

[ 12 ] Thus we see that even such a spirit of the modern world—even if it expresses this only in such general terms—is thoroughly imbued with the realization that everything in the human being works together that is scattered throughout the external world, and that a new world is born from within the human being, which, in essence, must appear to us as an essence, an extract, a small world in contrast to the great world.

[ 13 ] In der denkbar wirklichsten Art zeigt uns die theosophische oder geisteswissenschaftliche Weltanschauung die durch die Methoden, die vorgestern vor Ihnen angeführt worden sind, erforschte Welt des Übersinnlichen in Verbindung mit dem Sinnlichen, das sich vor unseren Sinnesorganen wahrnehmbar ausbreitet. Im wirklichsten Sinne zeigt uns diese Erforschung, dass im Menschen in der Tat alles vorhanden ist, was wie eine Antwort erscheint auf die großen Rätselfragen, die uns das Universum, die uns das Weltenall stellt. Der Mensch selbst kann angesehen werden als der Zauberschlüssel, durch den wir uns die intimsten Geheimnisse der um uns herum liegenden Welt enträtseln können, und da müssen wir, um uns eine Anschauung von dem eben Ausgesprochenen zu verschaffen, uns zuerst einiges des Menschen vor die Seele führen, wie wir es ja schon einmal in einem anderen Vortrage hier besprechen konnten.

[ 13 ] In the most real sense imaginable, the theosophical or spiritual-scientific worldview reveals to us the world of the supersensible—explored through the methods outlined to you the day before yesterday—in connection with the sensible world that unfolds before our sense organs. In the truest sense, this research shows us that everything is indeed present within the human being that appears to be an answer to the great enigmatic questions posed to us by the universe, by the cosmos. Human beings themselves can be regarded as the magic key through which we can unravel the most intimate secrets of the world around us; and in order to gain an understanding of what has just been said, we must first bring certain aspects of the human being to mind, as we were able to discuss here once before in another lecture.

[ 14 ] Es muss, weil doch immer neue Zuhörer kommen, mit einigen Worten auf dieses Wesen des Menschen eingegangen werden, um dann zu zeigen, wie dieses Wesen des Menschen gerade dann, wenn man es so vollständig, so in allen seinen Teilen und Gliedern betrachtet, wie es durch die Theosophie oder Geisteswissenschaft möglich ist, uns als ein richtiger Auszug, als ein Extrakt der ganzen Weltenentwicklung nach physischen und geistigen Tatsachen und Wesenheiten erscheint.

[ 14 ] Since new listeners are always joining us, we must briefly address the nature of the human being in order to then show how this nature—precisely when it is considered so completely, in all its parts and components—as is possible through theosophy or spiritual science—appears to us as a true distillation, as an extract of the entire development of the world, based on physical and spiritual facts and entities.

[ 15 ] Wenn wir im geisteswissenschaftlichen Sinne, im theosophischen Sinne diesen Menschen seiner Wesenheit nach vor uns hinstellen, so ist er ja, wie wir das schon in anderen Vorträgen betonen konnten, nicht jenes eigentlich eingliedrige Wesen, das die äußere, sinnliche Beobachtung uns zeigt, die nur an die äußeren Wahrnehmungsorgane sich hält und an den Verstand, den Intellekt, der die äußeren Wahrnehmungen miteinander verknüpft. Der Mensch ist für die geisteswissenschaftliche Anschauung nicht dieses eingliedrige Wesen. Das, was die äußere Wissenschaft, was die gewöhnliche Anschauung des Tages vom Menschen geben kann, das ist für die Theosophie, für die Geisteswissenschaft nur ein Glied der gesamten menschlichen Wesenheit, das ist der physische Leib des Menschen. Dieser physische Leib des Menschen enthält in sich dieselben Stoffe, dieselben Kräfte, welche die umliegende Welt, die unorganische, die mineralische und leblose Natur enthält.

[ 15 ] If we consider this human being in terms of his essence—in the sense of the humanities, in the theosophical sense—then he is, as we have already emphasized in other lectures, not that essentially one-membered being which external, sensory observation reveals to us—an observation that relies solely on the external organs of perception and on the mind, the intellect, which links these external perceptions together. From the perspective of spiritual science, the human being is not this one-membered being. What external science and the ordinary, everyday view of human beings can offer is, for theosophy and spiritual science, only one aspect of the entire human being—namely, the physical body. This physical body contains within itself the same substances and the same forces found in the surrounding world—inorganic, mineral, and lifeless nature.

[ 16 ] Wenn wir uns nun aber fragen: Wodurch unterscheidet sich dieser physische Leib des Menschen, der in allen seinen Teilen als physischer Leib nichts anderes enthält als was auch die übrige physische Natur draußen enthält, wodurch unterscheidet er sich von dieser physischen Natur, von der mineralischen Welt, dann müssen wir Folgendes sagen. Betrachten wir selbst die schönste Form eines Minerals, irgendein besonders wunderbar gestaltetes Mineral als Kristall, sehen wir uns diese mineralische Form an! Sie besteht als Form, als ein Ganzes, wie sie uns entgegentritt, durch die physischen und chemischen Stoffe und Kräfte und geht durch diese physischen und chemischen Stoffe und Kräfte nicht zugrunde. Diese Form muss von außen zerstört werden, sei es durch äußere Eingriffe irgendeiner Willkür, sei es durch die Eingriffe der Welt ringsherum; von außen muss die Form des Minerals, das durch seine eigenen Kräfte und Gesetze physischer Natur zusammengehalten wird, zerstört werden.

[ 16 ] But if we now ask ourselves: In what way does this physical body of the human being—which, in all its parts as a physical body, contains nothing other than what the rest of physical nature outside it also contains—differ from this physical nature, from the mineral world? Then we must say the following. Let us consider even the most beautiful form of a mineral—any particularly wonderfully shaped mineral, such as a crystal—and look closely at this mineral form! It exists as a form, as a whole, as it appears to us, through the physical and chemical substances and forces, and is not destroyed by these physical and chemical substances and forces. This form must be destroyed from the outside, whether by arbitrary external intervention or by the forces of the surrounding world; the form of the mineral, which is held together by its own forces and the laws of physical nature, must be destroyed from the outside.

[ 17 ] Dies ist nicht der Fall bei der menschlichen, es ist schon nicht der Fall bei der Form irgendeines Lebewesens. Die menschliche Form des physischen Leibes — wir wollen jetzt die anderen Lebewesen, die uns heute wenig kümmern, nicht betrachten — folgt gar nicht so, wie der Mensch lebt, zwischen Geburt und Tod diesen physischen und chemischen Stoffen und Kräften, die in ihm sind. Wann folgt der physische Menschenleib den physischen Stoffen und Kräften? Wann denn? Dann folgt er den physischen Stoffen und Kräften, wenn der Mensch mit dem Tode abgeht, wenn der physische Leib Leichnam ist. Dann regen sie sich und treten sie in ihrer vollen Geltung heraus — diese in ihm befindlichen physischen Stoffe und Kräfte. Zwischen der Geburt und dem Tode hat der Mensch in geisteswissenschaftlicher Auffassung in jedem Augenblicke in sich einen Kämpfer gegen den Zerfall des physischen Leibes.

[ 17 ] This is not the case with the human form, nor is it the case with the form of any living being. The human form of the physical body—let us not consider other living beings for now, as they are of little concern to us today—does not at all follow, as the human being lives between birth and death, these physical and chemical substances and forces that are within it. When does the physical human body follow these physical substances and forces? When, then? It follows these physical substances and forces when a person passes away at death, when the physical body has become a corpse. Then they stir and come to the fore in their full force—these physical substances and forces within the body. Between birth and death, according to the spiritual-scientific view, a human being has within them at every moment a fighter against the decay of the physical body.

[ 18 ] Wir sprechen daher vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus von einem zweiten Gliede der menschlichen Wesenheit, das diesen physischen Leib durchdringt und in jedem von uns ein Kämpfer ist gegen den Zerfall des physischen Leibes. Dass die physischen Stoffe und Kräfte zwischen der Geburt und dem Tode oder zwischen der Empfängnis und dem Tode nicht ihren eigenen Gesetzen folgen, sondern gleichsam sich selber widersprechen, das rührt davon her, weil der Äther- oder Lebensleib als zweites Glied der menschlichen Wesenheit dieser fortdauernde Kämpfer gegen den Zerfall ist. Im Sinne der Geisteswissenschaft haben wir uns vorzustellen, dass mit dem Tode der physische Leib von dem Äther- oder Lebensleib verlassen wird. Dadurch werden die physischen Stoffe und Kräfte rege und tätig. Der Ätherleib aber geht in seine Welt ein.

[ 18 ] From the perspective of spiritual science, we therefore speak of a second aspect of the human being that permeates this physical body and acts within each of us as a force fighting against the decay of the physical body. The fact that the physical substances and forces between birth and death—or between conception and death—do not follow their own laws but, as it were, contradict themselves stems from the fact that the etheric or life body, as the second aspect of the human being, is this ceaseless fighter against decay. In the context of spiritual science, we must imagine that upon death, the physical body is abandoned by the etheric or life body. As a result, the physical substances and forces become active and dynamic. The etheric body, however, returns to its own world.

[ 19 ] Dieser Ätherleib ist nun für denjenigen Menschen, der bloß auf den Intellekt angewiesen ist, der für die äußere physische Welt gilt, höchstens eine Spekulation, höchstens etwas, was man durch Denken erreichen kann. Es gibt heute schon viele Menschen, die auch auf dem Boden der reinen naturwissenschaftlichen Gelehrsamkeit stehen und die längst abgekommen sind von der Anschauung, dass man es in einem Menschen nur zu tun hätte mit einem Konglomerat von physischen Stoffen und Kräften, die also sozusagen erspekulieren und erdenken etwas, was hinter den physischen Stoffen und Kräften ist, und ihnen in jedem Lebewesen ihre besondere Organisation anweisen. Es bleibt also für ein solches Denken Spekulation.

[ 19 ] For those who rely solely on the intellect—which applies to the external physical world—this etheric body is, at most, a speculation, or at most something that can be attained through thought. There are already many people today who stand on the ground of pure scientific scholarship and who have long since departed from the view that a human being consists merely of a conglomeration of physical substances and forces; they thus, so to speak, speculate and conceive of something that lies behind the physical substances and forces, and which, in every living being, determine its particular organization. For such thinking, therefore, it remains speculation.

[ 20 ] Für jene Entwicklung des Menschen, die vorgestern hier vor Ihnen enthüllt worden ist, für das, was wir das entwickelte Bewusstsein des Sehers nennen können, ist dieser Äther- oder Lebensleib eine Realität, etwas, was zu ihm gehört, was ihm entgegentritt, wenn er zum Beispiel das imaginative Denken herausgebildet hat. Da nimmt er wohl wahr, wie ein wirklich reales Wesen im Tode aus dem menschlichen physischen Leibe heraustritt. Nur darf sich niemand von diesem Äther- oder Lebensleib eine solche Vorstellung machen, als ob dieser Äther- oder Lebensleib nun wiederum eigentlich eine Art physischer Leib wäre, nur recht dünn, recht nebulos. Nein, auf keinerlei Weise ist er physisch wahrnehmbar, er ist eben nur für das geöffnete Auge des Sehers wahrnehmbar, für geistige Augen allein nur ist er sichtbar und wahrnehmbar. Das ist also das zweite Glied der menschlichen Wesenheit, und es ist großer Wert darauf zu legen, dass dieser — gleichsam - Doppelgänger des menschlichen physischen Leibes als eine besondere reale Wesenheit angesehen wird.

[ 20 ] For that stage of human development that was revealed to you here the day before yesterday—for what we might call the developed consciousness of the seer—this etheric or life body is a reality, something that belongs to him, something that confronts him when, for example, he has developed his imaginative thinking. There he clearly perceives how a truly real being steps out of the human physical body at death. But no one should form a conception of this etheric or life body as if it were, in turn, actually a kind of physical body—only very thin, very nebulous. No, it is in no way physically perceptible; it is perceptible only to the open eye of the seer—it is visible and perceptible only to the spiritual eyes. This, then, is the second member of the human being, and it is of great importance that this—as it were—double of the human physical body be regarded as a distinct, real entity.

[ 21 ] Nicht darf vom Standpunkte der Geisteswissenschaft eingewendet werden: Man kann ja anerkennen, dass diese Lebenserscheinungen, die im Menschen auftreten, etwas Besonderes seien; aber sie sind eben Funktionen, Tätigkeiten des physischen Leibes, seines komplizierten Zusammenwirkens. Nein! Für die Geisteswissenschaft ist gerade das Umgekehrte der Fall; dasjenige, was physisch auftritt, was als physische Tätigkeit des Organismus erscheint, ist ein Ausfluss des Geistigen. Zunächst ist das, was im physischen Leibe auftritt, sei es die Zirkulation des Blutes, sei es die reguläre Tätigkeit des Atmungssystems, sei es die Tätigkeit des Verdauungsapparates, — alles, alles, was da im physischen Leibe auftritt, das ist herausgekraftet, das ist herausentwickelt aus diesem Ätherleib oder Lebensleib. Er ist das Höhere, und wir werden noch insbesondere bei dem nächsten Gliede der menschlichen Wesenheit anzuführen haben, wie wir uns das zu denken haben, wie wir sozusagen als das Aktive, Tätige die höheren Glieder anzusehen haben.

[ 21 ] From the standpoint of spiritual science, one must not object: One can certainly acknowledge that these life phenomena occurring in human beings are something special; but they are, after all, functions and activities of the physical body and its complex interplay. No! For spiritual science, the exact opposite is true; what occurs physically, what appears as the physical activity of the organism, is an outflow of the spiritual. To begin with, whatever occurs in the physical body—be it the circulation of the blood, the regular activity of the respiratory system, or the activity of the digestive system—everything, absolutely everything that occurs in the physical body is forged and developed from this etheric body or life body. It is the higher aspect, and we will have to explain in more detail, particularly in connection with the next member of the human being, how we are to conceive of this, how we are to regard the higher members, so to speak, as the active, functioning elements.

[ 22 ] Sogar in Bezug auf das Materielle ist für die Geisteswissenschaft der physische Leib etwas, was sich aus dem Ätherleib im Verlaufe der Entwicklung so herauskristallisiert hat, wie ein Stück Eis sich aus dem Wasser herauskristallisiert; er ist also gleichsam eine Verdichtung des Ätherleibes, und alle die Kräfte, welche das Blut in Umlauf bringen, alle die Kräfte, welche im physischen Leibe tätig sind, sind als solche aus dem Ätherleib herausgeboren. Diesen Ätherleib oder Lebensleib - und ich bitte, den Ausdruck «Äther» nicht zu verwechseln mit dem, was die Physiker als «Äther» bezeichnen, denn der hypothetische Äther der Physik hat damit höchstens den Namen gemein — hat der Mensch mit der Pflanze gemeinschaftlich. Auch die Pflanze und jedes lebende Wesen hat einen solchen Lebensleib oder Ätherleib.

[ 22 ] Even in material terms, spiritual science regards the physical body as something that has crystallized out of the etheric body in the course of evolution, just as a piece of ice crystallizes out of water; it is, so to speak, a condensation of the etheric body, and all the forces that circulate the blood, all the forces active in the physical body, are, as such, born out of the etheric body. This etheric body or life body—and I ask that you not confuse the term “ether” with what physicists refer to as “ether,” for the hypothetical ether of physics has at most the name in common with it—is shared by human beings and plants. Plants and every living being also possess such a life body or etheric body.

[ 23 ] Nunmehr erheben wir uns aber zu dem dritten Gliede der menschlichen Wesenheit. Wir bekommen gleich eine Vorstellung davon, wenn wir uns denken, ein Mensch stehe vor uns, und uns nun fragen: Ist an diesem Menschen, der da vor uns steht, wirklich nichts anderes als dasjenige, was die äußeren Augen sehen und die Ohren in seiner Stimme von ihm hören können, was die Hände tasten können? Ist innerhalb dieser Haut nichts anderes enthalten? Nun, die Seele dieses Menschen kann uns sagen, dass noch etwas ganz anderes innerhalb dieser Haut ist: Ein Geschöpf, eine Summe von Begierden, Trieben und Leidenschaften, eine Summe von Lust und Leid, von Vorstellungen, von sittlichen Idealen, von intellektuellen Ideen — das alles lebt da vor uns.

[ 23 ] Now, however, let us turn to the third aspect of human nature. We can immediately get an idea of this if we imagine a person standing before us and ask ourselves: Is there really nothing more to this person standing before us than what the eyes can see on the outside, what the ears can hear in his voice, and what the hands can feel? Is there nothing else contained within this skin? Well, this person’s soul can tell us that there is something entirely different within this skin: a being, a sum of desires, instincts, and passions; a sum of pleasure and suffering; of concepts; of moral ideals; of intellectual ideas—all of this lives right there before us.

[ 24 ] Und für den primitiven Menschen ist das, was eben jetzt genannt worden ist, wahrhaftig eine höhere, unmittelbarere Realität als dasjenige, was als Muskeln oder Knochen oder Blut in seinem Leibe lebt, von denen er vielleicht als primitiver Mensch nur eine sehr ungenaue Vorstellung hat. Viel näher seiner Seele, viel realer für ihn ist dasjenige, was eben genannt wurde, als Summe von Lust und Leid, von Trieb, Begierde und Leidenschaft. Diese Summe bezeichnen wir als das dritte Glied der menschlichen Wesenheit, und wir wollen uns nun gerade an diesem dritten Gliede klarmachen, wie sich die Geisteswissenschaft stellen muss zu dem, was wir hier als reelle Glieder des Menschen anführen.

[ 24 ] And for primitive man, what has just been mentioned is truly a higher, more immediate reality than that which lives in his body as muscles, bones, or blood—of which, as a primitive man, he may have only a very vague conception. Much closer to his soul, much more real to him, is what has just been mentioned: the sum of pleasure and suffering, of instinct, desire, and passion. We designate this sum as the third element of the human being, and we shall now use this third element specifically to clarify how spiritual science must relate to what we present here as the real elements of the human being.

[ 25 ] Der materialistische Denker oder auch der bloß realistische Denker wird sagen: Durch das Zusammenwirken der Kräfte im Menschenleibe werden Trieb, Begierde und so weiter erzeugt. Da würde dasjenige, was wir so als das dritte Glied bezeichnen, nur wie ein Resultat der physischen Tätigkeit erscheinen, etwa wie das Vorrücken des Zeigers einer Uhr als ein Resultat der mechanischen Einrichtung des Werkes erscheint. Für denjenigen, der mit dem hellseherischen Bewusstsein ausgestattet ist in dem Sinne, wie das vorgestern erwähnt wurde, ist dieses dritte Glied der menschlichen Wesenheit das, was man - man stoße sich nicht an dem Ausdruck — den astralischen Leib nennt, eine Tatsache. Denn während man im Tode den Ätherleib hellseherisch aus dem physischen Leibe sich herausheben sieht und dadurch der physische Leib den physischen Stoffen und Kräften in ihrer Eigenart übergeben wird, sieht das entwickelte Bewusstsein des Schers den astralischen Leib des Abends, wenn der Mensch einschläft, herausrücken aus dem physischen Leib und dem Ätherleib, die im gewöhnlichen Schlafe miteinander verbunden bleiben, und es geht dieser astralische Leib, dieses dritte Glied der menschlichen Wesenheit, diese Summe von Trieben, Begierden, Leidenschaften, Instinkten und Lust und Leid, in eine Welt über, in der der Mensch allerdings nicht wahrnehmen kann, in der er aber lebt zwischen dem Moment des Einschlafens und dem Moment des Aufwachens.

[ 25 ] The materialist thinker—or even the purely realist thinker—will say: Instincts, desires, and so on are produced by the interaction of forces within the human body. In this view, what we refer to as the third element would appear merely as a result of physical activity, much as the movement of a clock’s hand appears to be a result of the mechanical mechanism of the movement. For those endowed with clairvoyant consciousness in the sense described the day before yesterday, this third element of the human being—what is called, if you will pardon the expression, the astral body—is a fact. For while in death one sees, through clairvoyance, the etheric body detach itself from the physical body—thereby surrendering the physical body to the physical substances and forces in their own nature—the developed clairvoyant consciousness perceives the astral body, in the evening when a person falls asleep, slipping out of the physical body and the etheric body, which remain connected to one another during ordinary sleep, and this astral body—this third member of the human being, this sum of drives, desires, passions, instincts, and pleasure and pain—passes into a world that the human being cannot perceive, but in which he lives between the moment of falling asleep and the moment of waking up.

[ 26 ] Nun kann ja natürlich derjenige, der nur an seine Sinne sich halten will, fragen: Kannst du dir denn vorstellen, dass irgendwo bloße Leidenschaften, bloße Begierden, bloße Triebe schweben? — Ja, das ist eben dasjenige, was die Menschheit allmählich immer mehr in ihre Denkgewohnheiten wird aufnehmen müssen, wenn sie vorrücken will zu einer wirklichen Erkenntnis der übersinnlichen Welt, dass eine Existenz dieses Seelischen für sich selbst durchaus vorhanden und möglich ist, ja dass ebenso, wie wir früher gesehen haben, dass der physische Leib wie eine Art Verdichtung des Ätherleibes erscheint, so auch der Ätherleib wie eine Verdichtung dieses seelischen, geistigen Gebildes, das wir jetzt als Astralleib ansprechen, erscheint.

[ 26 ] Now, of course, someone who wishes to rely solely on his senses might ask: Can you really imagine that mere passions, mere desires, mere instincts exist somewhere? — Yes, that is precisely what humanity will gradually have to incorporate more and more into its habits of thought if it wishes to advance toward a true understanding of the supersensible world—that an existence of this soul-life is entirely possible and real in and of itself, indeed, just as we have seen before that the physical body appears as a kind of condensation of the etheric body, so too does the etheric body appear as a condensation of this soul-spiritual form, which we now refer to as the astral body.

[ 27 ] Sie können sich aus dem gewöhnlichen Leben, wenn Sie unbefangen und sicher zu denken sich entschließen, eine Vorstellung machen, wie das Seelische, Geistige auf das Physische wirkt. Wir nehmen da zwei allbekannte innere Seelenerlebnisse, wir nehmen das, was man das Schamgefühl nennt, und das, was man Angst- oder Furchtgefühl nennt. Schamgefühl — der Mensch errötet dabei; Furchtgefühl — der Mensch wird blass. Was bedeutet das zunächst sinnlich, physisch? Das Blut wird bei dem, dem die Schamröte, wie wir sagen, ins Gesicht steigt, eine ganz bestimmte Bewegung zu erfüllen haben, es wird sozusagen aus dem Innern des Körpers nach der Oberfläche getrieben; das Umgekehrte tritt ein, wenn der Mensch unter dem Furcht- oder Angstgefühl erblasst.

[ 27 ] If you resolve to think freely and confidently, you can form a picture from everyday life of how the soul and spirit influence the physical. Let us take two well-known inner emotional experiences: the feeling we call shame, and the feeling we call fear or dread. When one feels shame, one blushes; when one feels fear, one turns pale. What does this mean, first of all, in a sensory, physical sense? In the case of someone who, as we say, blushes with shame, the blood must perform a very specific movement; it is, so to speak, driven from the interior of the body toward the surface; the opposite occurs when a person turns pale under the influence of fear or dread.

[ 28 ] Nur derjenige, der sich hier in verirrende Spekulationen einlässt, könnte im Physischen die Gründe für das Psychische suchen. Derjenige, der unbefangen und sicher denkt, wird sich fragen: Was ist da in der Seele vorgegangen? Schamgefühl ist ein Erlebnis der Seele, etwas rein Seelisches, Furchtgefühl ist etwas rein Seelisches. Was tun sie? Sie bringen eine physische Tätigkeit hervor, sie bringen eine Tätigkeit in der Bewegung des Blutes hervor, es ist ein physischer Vorgang, bewirkt durch etwas Seelisches. Das ist das naturgemäße Denken auf diesem Gebiete, das ist sozusagen der letzte Rest, wie wir uns zu denken haben das Seelische in seiner Wirkung auf das Materielle. Wie wirklich das Blut unter dem seelischen Einflusse in Bezug auf seine Bewegung, in Bezug auf seine Lagerung verändert wird, so müssen wir uns nunmehr nur denken, dass im Grunde alles materielle Geschehen bedingt und bewirkt ist durch seine seelisch-geistigen Ursachen, die dahinterliegen und die der Mensch nur nicht überall so leicht wahrnimmt wie in diesem primitiven Falle, der aber als Beispiel dienen kann.

[ 28 ] Only someone who indulges in misguided speculation here might seek the physical causes of the psychological. Anyone who thinks impartially and with certainty will ask: What has been going on in the soul? A sense of shame is an experience of the soul, something purely psychological; a sense of fear is something purely psychological. What do they do? They give rise to a physical activity; they give rise to an activity in the movement of the blood; it is a physical process brought about by something psychological. This is the natural way of thinking in this field; it is, so to speak, the final step in how we must conceive of the psychological in its effect on the material. Just as the blood is actually altered under the influence of the soul—in terms of its circulation and its distribution—we need only now consider that, fundamentally, all material processes are conditioned and brought about by their soul-spiritual causes, which lie behind them and which human beings simply do not perceive as easily in every instance as in this primitive case, which can nevertheless serve as an example.

[ 29 ] Nun zeigt die Geisteswissenschaft, wenn Sie sich immer mehr auf sie einlassen, dass nicht bloß äußere Tätigkeiten und Vorgänge durch geistig-seelische bewirkt werden, sondern dass die Materie selbst sich herauskristallisiert aus dem Geiste, sodass alles, was nach Stoff und Kraft physisch uns entgegentritt, als eine Verdichtung, grob gesprochen, des Geistig-Seelischen uns erscheint. Und so ist uns dieser astralische Leib des Menschen dasjenige, was wir in seiner Selbstständigkeit festhalten müssen, was wir als selbstständiges Glied, das sich Ausdrucksmittel in dem physischen und Ätherleib schafft, anzusprechen haben.

[ 29 ] Now, as you become more and more immersed in spiritual science, it reveals that it is not merely external activities and processes that are brought about by the spiritual-soul aspect, but that matter itself crystallizes out of the spirit, so that everything that confronts us physically in terms of substance and force appears to us, roughly speaking, as a condensation of the spiritual-soul aspect. And so this astral body of the human being is what we must grasp in its independence; it is what we must address as an independent member that creates means of expression within the physical and etheric bodies.

[ 30 ] Und innerhalb dieses astralischen Leibes sehen wir dann das vierte Glied der menschlichen Wesenheit. Wenn wir den astralischen Leib betrachten, so können wir sagen: Wenn er auch bei der Tierheit nicht so vollkommen ist wie beim Menschen — der Mensch hat diesen Leib mit dem Tier gemein. Wie er seinen physischen Leib mit der mineralischen Welt, den Ätherleib mit der Pflanze gemeinsam hat, so hat er den astralischen Leib mit der Tierheit gemeinschaftlich. Dann gibt es aber ein viertes Glied der menschlichen Wesenheit, durch welches der Mensch die Krone der Erdenschöpfung ist, wodurch er sich von allen ihm zunächstliegenden, in der physischen Welt befindlichen Geschöpfen und Wesenheiten unterscheidet. Das ist das, was wir in der Geisteswissenschaft den eigentlichen «Ichträger» nennen.

[ 30 ] And within this astral body, we then see the fourth member of the human being. When we consider the astral body, we can say: Although it is not as perfect in the animal kingdom as it is in humans—humans share this body with animals. Just as humans share their physical body with the mineral world and their etheric body with plants, so do they share the astral body with the animal kingdom. But there is also a fourth component of the human being, through which the human being is the crown of earthly creation, distinguishing him from all the creatures and beings in the physical world that are closest to him. This is what we in spiritual science call the actual “bearer of the ‘I.’”

[ 31 ] Schon einmal habe ich es hier angeführt; heute soll es nur [herJangezogen werden, damit wir das Thema so behandeln können, wie wir es gestellt haben. Es gibt in unserer Sprache einen Namen, welcher sich unterscheidet von allen anderen Namen. «Glocke» können Sie zu jeder Glocke sagen, «Pult» zu jedem Pult, «Uhr» zu jeder Uhr - alles kann mit einem Namen von außen bezeichnet werden. Nur ein einziges nicht, und dieses Einzige trägt in unserer Sprache für jeden Menschen den Namen, den einfachen Namen «Ich». Niemals kann der Name «Ich», wenn er das Innerste Ihres eigenen Wesens bezeichnen soll, von außen an Ihr Ohr klingen, niemals kann Ihnen jemand «Ich» zurufen und dabei Sie meinen.

[ 31 ] I have already mentioned this here once before; today I will simply [bring it up again] so that we can address the topic as we have framed it. In our language, there is a name that differs from all other names. You can say “bell” for any bell, “desk” for any desk, “clock” for any clock—everything can be designated from the outside by a name. Only one thing cannot, and this one thing bears, in our language, the name for every human being: the simple name “I.” The name “I,” when it is meant to denote the innermost core of your own being, can never be heard from the outside; no one can ever call out “I” to you and mean you.

[ 32 ] Hier haben Sie schon in der Namengebung etwas, was Sie hinleiten kann zu dem Charakter dieses eigentlichen, menschlichsten Gliedes der menschlichen Wesenheit, des vierten Gliedes, durch das der Mensch die Krone der Erdenschöpfung ist. Diejenigen, die das empfunden haben, dass da das menschliche Innere sich ankündigt, das von innen aus, durch geistige Wahrnehmung erfahren werden muss, haben immer in dieser Ich-Wesenheit gesehen etwas wie einen Tropfen aus dem Meere der göttlichen Substanz. Daher wurde dieses «Ich» oder «Ich bin» von gewissen Religionen, die eine Einsicht hatten in diese Dinge, als der unaussprechliche Name Gottes bezeichnet in der menschlichen Brust, unaussprechlich für die äußere Welt; er kann nur ertönen, wenn das Göttliche im Menschen in sich selbst seiner bewusst wird. Was im Menschen dieses «Ich» trägt, dieses Ich, das zum Beispiel von dem Gotte des Alten Testaments ins Göttliche erhoben bezeichnet wird mit dem berühmten Worte [«Jehova»], dieses vierte Glied bezeichnen wir daher auch als den «Ich-Träger», als das Innerste des Menschen, wodurch er sich von den um ihn herumliegenden Wesenheiten und Kräften unterscheidet.

[ 32 ] Here, even in the naming, you have something that can lead you to the character of this very essence—the most human aspect of the human being, the fourth member—through which humanity is the crown of earthly creation. Those who have sensed that the human inner being is making itself known—which must be experienced from within through spiritual perception—have always seen in this “I” essence something like a drop from the ocean of divine substance. For this reason, this “I” or “I am” has been designated by certain religions—which had insight into these matters—as the ineffable name of God within the human breast, ineffable to the outer world; it can resound only when the Divine within the human being becomes conscious of itself. That which bears this “I” within the human being—this “I” which, for example, is elevated to the divine by the God of the Old Testament and designated by the famous word [“Jehovah”]—we therefore also refer to this fourth member as the “bearer of the ‘I,’” as the innermost essence of the human being, by which he distinguishes himself from the entities and forces surrounding him.

[ 33 ] So stellen wir uns den Menschen, wie er heute vor uns steht, als ein viergliedriges Wesen vor, wie schon die Pythagoreische Schule sich ihn vorgestellt hat, als ein Wesen, das besteht zunächst aus dem physischen Leibe, den wir mit den Augen sehen, mit Händen tasten können, den die physische Wissenschaft untersucht, die wahrhaftig nicht durch die Theosophie oder Geisteswissenschaft in ihren großen, bewunderungswürdigen Resultaten irgendwie herabgewürdigt, sondern voll anerkannt werden soll. Wir haben dann als das zweite Glied der menschlichen Wesenheit den Äther- oder Lebensleib, als drittes Glied der menschlichen Wesenheit den astralischen Leib und als viertes Glied den Ich-Träger.

[ 33 ] Thus, we conceive of human beings, as they stand before us today, as fourfold beings—just as the Pythagorean school had already conceived of them—as beings consisting, first and foremost, of the physical body that we see with our eyes, can feel with our hands, and which is studied by physical science—a science whose great and admirable achievements are by no means to be belittled by theosophy or spiritual science, but are to be fully recognized. We then have, as the second member of the human being, the etheric or life body; as the third member, the astral body; and as the fourth member, the I-bearer.

[ 34 ] Im Schlafe geht der Ich-Träger mit dem astralischen Leibe aus dem physischen Leibe und dem Ätherleibe heraus, der physische Leib und der Ätherleib bleiben im Bette, der astralische Leib und das Ich leben in der Welt des Geistigen, sammeln da Kräfte, um die in der Ermüdung zum Ausdruck kommenden Erscheinungen des menschlichen Lebens wieder zum Ausgleich zu bringen und des Morgens wieder unterzutauchen in den physischen oder Ätherleib, um sich der physischen Organe zu bedienen und durch sie mit der physischen Welt draußen in Verbindung zu kommen.

[ 34 ] During sleep, the I-bearer, together with the astral body, leaves the physical body and the etheric body; the physical body and the etheric body remain in bed, while the astral body and the I live in the spiritual world, gathering strength there to restore balance to the manifestations of human life that come to expression through fatigue, and in the morning to re-enter the physical or etheric body in order to make use of the physical organs and, through them, to connect with the physical world outside.

[ 35 ] Im Tode aber sehen wir wieder, wie der physische Leib zurückbleibt und das Ich, der astralische Leib und der Ätherleib aus dem Menschen herausgehen, wie dann später — das kann heute nur erzählt werden — ein großer Teil des Ätherleibes sich loslöst wie ein zweiter Leichnam, sodass der Mensch nur mit etwas wie einer Essenz des Ätherleibes weiterlebt ein geistiges Dasein, indem später sich gewisse Glieder des astralischen Leibes als ein dritter, unsichtbarer Leichnam loslösen. Das würde nun dazu führen, das Menschenleben nach dem Tode zu beschreiben; darauf soll heute nur hingedeutet werden.

[ 35 ] In death, however, we see once again how the physical body remains behind and the “I,” the astral body, and the etheric body leave the human being; how, later on — this can only be described today — a large part of the etheric body detaches itself like a second corpse, so that the human being continues to live on in a spiritual existence with something like an essence of the etheric body, and later certain parts of the astral body detach themselves as a third, invisible corpse. This would now lead to a description of human life after death; today, however, we shall merely allude to it.

[ 36 ] So haben wir nun das Wesen des Menschen, wenn wir es in seiner Ganzheit vom theosophischen oder geisteswissenschaftlichen Standpunkt betrachten, in diesen vier Gliedern vor uns. Nunmehr wollen wir ein wenig in ihrer gegenseitigen Beziehung, nach ihrem Werte, diese vier Glieder des Menschen abwägen.

[ 36 ] Thus, when we consider the nature of the human being in its entirety from a theosophical or spiritual-scientific perspective, we see it as consisting of these four aspects. Let us now examine these four aspects of the human being in terms of their mutual relationship and relative importance.

[ 37 ] Von einem gewissen Gesichtspunkt aus könnte jemand sagen: Der physische Leib ist das unterste Glied der menschlichen Wesenheit, er ist das äußerlich Physische, der Ätherleib ist schon geistiger und feiner, der astralische Leib noch geistiger, das Ich ist das Geistigste. So könnte man sagen: Das Ich ist das geistig Höchste und Vollkommenste, der physische Leib ist das Unvollkommenste. Dies ist aber nur in einer Hinsicht der Fall. Nach einer anderen Hinsicht - und darauf kommt es an, wenn wir den Menschen in seinem Verhältnis zum Universum betrachten wollen — ist gerade der physische Menschenleib das vollkommenste Glied der Menschennatur. Wenn wir ihn nur wirklich nicht mit dem bloßen Verstand betrachten, sondern mit unserer ganzen Seele uns hineinversenken in seine wunderbare Gliedlichkeit, dann werden wir schon sehen, wie dieser physische Leib in seiner Art heute wesentlich vollkommener ist als der astralische Leib.

[ 37 ] From a certain point of view, one might say: The physical body is the lowest link in the human being; it is the outwardly physical aspect; the etheric body is already more spiritual and subtle; the astral body is even more spiritual; and the “I” is the most spiritual. One could say, then, that the “I” is the highest and most perfect in a spiritual sense, while the physical body is the most imperfect. But this is true only in one respect. From another perspective—and this is what matters when we wish to consider the human being in relation to the universe—it is precisely the physical human body that is the most perfect component of human nature. If only we truly do not regard it with mere intellect, but immerse ourselves with our whole soul in its wondrous structure, then we will already see how this physical body, in its own way, is today essentially more perfect than the astral body.

[ 38 ] Betrachten Sie den astralischen Leib, den Träger von Lust und Leid, von Begierde und Leidenschaft, in seinem Verhältnis zu dem physischen Leib nur — man möchte sagen — in groben Zügen, dann müssen Sie sich sagen: Welcher Wunderbau ist dieses menschliche Herz, welcher Wunderbau dieses menschliche Gehirn und das ganze Zusammenstreben aller einzelnen physischen Organe des Menschen! Was tut gegenüber diesen wunderbaren harmonischen Stimmen der einzelnen physischen Menschenorgane und ihrem Zusammenklang oft der astralische Leib des Menschen, der Träger von Trieb, Begierde und Leidenschaft? Er ist oft der Störenfried, er ist dasjenige, was in den physischen Menschenleib Unordnung und Disharmonie bringt. Der Genuss, die Begierde — alles das haftet ja nicht an dem physischen Leib, alles das haftet an dem astralischen Leib.

[ 38 ] If you consider the astral body—the vessel of pleasure and pain, of desire and passion—in its relationship to the physical body, even—one might say—only in broad strokes, then you must ask yourself: What a marvelous structure is the human heart, what a marvelous structure is the human brain, and what a marvelous unity is the concerted effort of all the individual physical organs of the human being! In contrast to these marvelous, harmonious voices of the individual physical organs and their harmonious interplay, what does the human astral body—the bearer of instinct, desire, and passion—often do? It is often the troublemaker; it is the very thing that brings disorder and disharmony into the physical human body. Pleasure, desire—none of this is attached to the physical body; all of this is attached to the astral body.

[ 39 ] Und nun bedenken Sie, zu welchen Genüssen, zu welchen Leidenschaften der astralische Leib den Menschen drängt, wie die Menschen durch ihre Leidenschaften, Genüsse und Begierden eigentlich fortwährend Attacken auf ihren physischen Leib ausführen, wie viele von den Genussmitteln des Menschen wahre Herzensgifte sind! Wie ist es doch wunderbar, dass dieser physische Leib in seinem Herzen ein Organ hat, so wunderbar aufgebaut, dass es den Attacken des astralischen Leibes oftmals durch Jahrzehnte standhält!

[ 39 ] And now consider the pleasures and passions to which the astral body drives people; how people, through their passions, pleasures, and desires, are in fact constantly launching attacks on their physical bodies; how many of the pleasures people indulge in are truly poisons for the heart! How wonderful it is that this physical body has an organ in its heart so marvelously constructed that it often withstands the attacks of the astral body for decades!

[ 40 ] In seiner Art ist der physische Leib das vollkommenste Glied, das der Mensch heute hat, wenn es auch das unterste ist. Dann kommt der Ätherleib — er ist um einen Grad unvollkommener als der physische Menschenleib; der astralische Leib ist wesentlich unvollkommener, und das eigentliche Ich — oh, das ist das Baby unter den Gliedern der Menschennatur, das ist heute noch der unvollkommenste Teil der Menschennatur, dieses Ich, das der Mensch kaum erfassen kann, das für viele überhaupt als so unfassbar gilt, dass dasjenige gilt, was schon vorgestern als Ausspruch des großen Philosophen Fichte angeführt wurde: Die meisten Menschen würden sich lieber für ein Stück Lava im Mond als für ein Ich halten; es gehört schon etwas dazu, dieses Ich zu erhaschen, es für etwas Reales zu halten, es ist eigentlich ein Punkt - möchte man sagen.

[ 40 ] In its own way, the physical body is the most perfect member that human beings possess today, even though it is the lowest. Next comes the etheric body—it is one degree less perfect than the human physical body; the astral body is considerably more imperfect, and the true “I”—oh, that is the infant among the components of human nature; even today, it remains the most imperfect part of human nature—this “I” that human beings can scarcely grasp, which for many is considered so incomprehensible that what was quoted the day before yesterday as a statement by the great philosopher Fichte still holds true: Most people would rather consider themselves a piece of lava on the moon than a “self”; it takes quite a bit to grasp this “self,” to regard it as something real—it is, in fact, a mere point, one might say.

[ 41 ] Bedenken Sie, wie viel Sie sich denken können, wenn Sie einen Menschen in seinem physischen Bau vor sich haben, wie viel Sie sich dabei denken können, wenn Ihnen die Anatomie, die Physiologie und so weiter den Menschen vorführt! Wie viel Inhalt hat der physische Körperbau des Menschen, wie wenig Inhalt hat für die meisten Menschen das Ich! In einer fernen Zukunft — gewiss, da werden diese höheren, übersinnlichen Glieder des Menschen immer reicher und reicher werden, und es wird eine Zeit kommen, wo das Ich ebenso in sich selbst Realreich sein wird wie heute nur der physische Leib des Menschen. Aber das Ich ist jetzt im ersten Anfang seiner Entwicklung, es ist sozusagen erst ein Baby und muss immer inhaltsvoller und inhaltsvoller werden, indem der Mensch sich von der Gegenwart in die ferne Zukunft hinein entwickelt. Weiter ist schon der astralische Leib, aber er ist in gewisser Beziehung unvollkommen. Im astralischen Leibe ruht ja das Gute und Böse der Menschennatur, und erst wenn das Böse von dem Guten völlig überwunden wird, wird der astralische Leib jene Vollkommenheit haben, die heute der physische Leib schon hat.

[ 41 ] Consider how much you can comprehend when you have a human being in front of you in his physical form—how much you can grasp when anatomy, physiology, and so on reveal the human being to you! How much substance does the human physical form possess, and how little substance does the “I” hold for most people! In the distant future—certainly, these higher, supersensory aspects of the human being will become ever richer and richer, and a time will come when the “I” will be just as much a realm of reality in itself as the human physical body is today. But the “I” is now in the very beginning of its development; it is, so to speak, still just a baby and must become ever richer and richer in content as the human being develops from the present into the distant future. The astral body is already further along, but it is, in a certain sense, imperfect. For it is in the astral body that the good and evil of human nature reside, and only when evil is completely overcome by good will the astral body possess the perfection that the physical body already possesses today.

[ 42 ] Daher betrachten wir im Sinne der Geisteswissenschaft den physischen Menschenleib als das älteste Glied der Menschennatur, als dasjenige Glied der Menschennatur, welches da war, bevor die andern menschlichen Glieder vorhanden waren, in einer ur-urfernen Vergangenheit. Aber nun kommt das Wesentliche. Es war damals, in der urfernen Vergangenheit, eben nicht physisch, es war geistig. Und so wie in dem vorgestern angeführten Vergleiche das Eis sich allmählich aus dem Wasser heraus als ein Festes kristallisiert, so ist aus einem ursprünglich Geistigen, das so geistig war wie das heutige Ich, das menschengeistige Ich, allmählich, sich immer mehr differenzierend und immer mehr gliedernd, der heutige physische Menschenleib, der komplizierte Leib geworden.

[ 42 ] Therefore, from the perspective of spiritual science, we regard the physical human body as the oldest component of human nature—the component that existed before the other human components came into being, in a time long, long ago. But now comes the essential point. Back then, in that ancient past, it was not physical; it was spiritual. And just as in the comparison given the day before yesterday, the ice gradually crystallizes out of the water as a solid, so too has today’s physical human body—the complex body—gradually emerged from an originally spiritual substance that was as spiritual as today’s “I,” the human spiritual “I,” through a process of increasing differentiation and structuring.

[ 43 ] So kommen wir auf eine urferne Vergangenheit zurück, wo der Mensch von dem, was er jetzt hat, eigentlich nur den physischen Leib hatte, diesen aber geistig. Und so sind wir ursprünglich in einer ganz geistigen Welt, gar nichts ist noch da von dem, was wir heute stofflich und physisch nennen. Der menschliche physische Leib, wie er heute für unsere Augen sichtbar und für unsere Tastorgane tastbar wird, er ist eine Verdichtung eines ursprünglich Geistigen, das so in einer geistigen Umgebung ruhte, wie heute unser physischer Menschenleib in seiner physischen Umgebung, in der physischen Außenwelt ruht. Ja, die Geisteswissenschaft führt uns auch in Bezug auf den physischen Menschenleib auf einen geistigen Ursprung zurück, dieser physische Menschenleib hat Umformungen, Metamorphosen bis zu seiner jetzigen Stufe durchgemacht.

[ 43 ] This brings us back to a very distant past, when human beings possessed, of all that they have now, only the physical body—but even that was spiritual. And so, originally, we were in an entirely spiritual world; nothing remained of what we today call the material and physical. The human physical body, as it is visible to our eyes and tangible to our sense of touch today, is a densification of what was originally spiritual—a form that rested in a spiritual environment just as our physical human body today rests in its physical environment, in the physical external world. Indeed, spiritual science leads us back to a spiritual origin even with regard to the physical human body; this physical human body has undergone transformations and metamorphoses up to its present stage.

[ 44 ] Dasjenige Dasein des Menschen, in dem der physische Menschenleib in der urfernsten Vergangenheit geistig war, auf seiner ersten Stufe, wo sich ihm noch nicht angegliedert hatte ein Ätherleib oder ein Astralleib, gar nicht zu reden von einem Ich, das nennt man, so sonderbar es Ihnen klingen mag, weil Sie dabei gleich an einen äußeren Weltenkörper denken, den Saturnkörper des Menschen. Dieser Name wurde von der Geisteswissenschaft für jene älteste Vergangenheit des Menschen angewendet, wo der physische Menschenleib aus dem geistigen Weltenschoß heraus sich entwickelte. Auf dieser ersten Stufe des Menschendaseins, dem Saturn-Dasein des Menschen, war der physische Menschenleib noch einfach und primitiv.

[ 44 ] That stage of human existence in which the physical human body was spiritual in the most distant past—at its very earliest stage, when it had not yet been joined by an etheric body or an astral body, let alone an “I”—is called, strange as it may sound to you (since you immediately think of an external celestial body), the human Saturn body. This name was applied by spiritual science to that most ancient past of humankind, when the physical human body developed from the spiritual womb of the cosmos. At this first stage of human existence—the Saturn stage of humankind—the physical human body was still simple and primitive.

[ 45 ] Und nun kommt die zweite Stufe, es gliedert sich der Äther- oder Lebensleib diesem physischen Menschenleibe ein. Dazu muss der physische Menschenleib schon auf eine höhere Stufe heraufgeführt sein, er muss fähig sein, sich zu durchdringen mit dem Äther- oder Lebensleib, sodass wir sagen können: Auf dieser zweiten Stufe des Menschendaseins besteht der Mensch aus einem physischen Leib und aus einem Ätherleib, er steht ungefähr auf der Höhe der heutigen Pflanzen, ist aber keine Pflanze; der Mensch ist nie durch das Pflanzendasein durchgegangen, wie das Pflanzendasein heute ist, sondern der Mensch war ganz anders, selbst als er nur aus dem physischen und dem Ätherleibe bestand und als er auf der Höhe des Pflanzendaseins war. Diese Stufe seines Daseins nennt man in der Geisteswissenschaft das Sonnendasein. Es sind das Ausdrücke, die man hinnehmen muss, weil die Himmelskörper allerdings in einer gewissen Weise etwas damit zu tun haben, was wir als Saturn-, Sonnen-Dasein und so weiter bezeichnen.

[ 45 ] And now comes the second stage: the etheric or life body becomes integrated into this physical human body. For this to happen, the physical human body must already have been raised to a higher level; it must be capable of being permeated by the etheric or life body, so that we can say: At this second stage of human existence, the human being consists of a physical body and an etheric body; he stands roughly at the level of today’s plants, but is not a plant; humanity never passed through a plant stage as plants exist today; rather, humanity was entirely different, even when it consisted only of the physical and etheric bodies and was at the level of plant existence. In spiritual science, this stage of human existence is called the solar stage. These are terms that one must accept, because the celestial bodies do, in a certain sense, have something to do with what we call the Saturn stage, the Sun stage, and so on.

[ 46 ] Dann kommt eine dritte Stufe des Menschendaseins, es tritt zu dem physischen Leib und dem Ätherleib der astralische Leib hinzu, der Mensch erhebt sich auf die Stufe der Tierheit. Wir nennen es in der Geisteswissenschaft das Monden-Dasein. Jetzt haben wir also den Menschen vor uns auf der Stufe der Tierheit, bestehend aus dem physischen Leib, dem Ätherleib und dem astralischen Leib.

[ 46 ] Then comes a third stage of human existence: the astral body is added to the physical body and the etheric body, and the human being rises to the stage of animality. In spiritual science, we call this the lunar stage of existence. So now we have before us the human being at the stage of animality, consisting of the physical body, the etheric body, and the astral body.

[ 47 ] Nun tritt aber etwas sehr Eigentümliches auf jeder Stufe dieses Menschendaseins ein. Ursprünglich war im Sinne der Geisteswissenschaft eigentlich nur der Mensch da. Der Mensch, der den vollkommensten physischen Leib hat unter den Wesen, die uns umgeben, hat in urferner Vergangenheit diesen physischen Leib ausgebildet, dieser physische Leib hat sich oft umgebildet, und dadurch, dass er sich umbildete, als er sich den Ätherleib eingliederte, und wiederum umbildete, als er den Astralleib sich eingliederte, ist er zu immer höherer Vollkommenheit gelangt.

[ 47 ] Now, however, something very peculiar occurs at every stage of human existence. Originally, in the sense of spiritual science, only the human being actually existed. Human beings, who possess the most perfect physical body among the beings that surround us, developed this physical body in the distant past; this physical body has undergone many transformations, and through these transformations—as it incorporated the etheric body and then transformed again as it incorporated the astral body—it has attained ever greater perfection.

[ 48 ] Es tritt nun auf jeder solchen Stufe das Eigentümliche ein, dass gewisse Wesen zurückbleiben, die mit der Entwicklung nicht mitkommen. In der Zeit, in der der Mensch seinem physischen Leibe den Ätherleib eingliederte, blieben gewisse Menschenwesen, die früher nur einen physischen Leib gehabt haben, auf der Stufe zurück, auf der sie nur einen physischen Leib hatten, sie erlangten nicht die Fähigkeit, einen Ätherleib einzugliedern, sie bleiben gleichsam in der kosmischen Weltenentwicklung sitzen. Es ist wahr, nicht nur die Jungen im Gymnasium oder in der Realschule bleiben sitzen, sondern dieser Begriff des Nichtmitkommens gilt für das ganze kosmische Dasein.

[ 48 ] At each such stage, a peculiar phenomenon occurs: certain beings are left behind, unable to keep pace with the evolution. During the period when human beings incorporated the etheric body into their physical bodies, certain human beings—who had previously possessed only a physical body—remained at the stage where they had only a physical body; they did not acquire the ability to incorporate an etheric body, and so to speak, they remain stuck in the cosmic evolution of the worlds. It is true that it is not only students in high school or middle school who are held back; rather, this concept of “failing to keep up” applies to the entire cosmic existence.

[ 49 ] Diejenigen Wesen, die so auf der ersten Stufe des Menschen blieben, als der Mensch sich seinen Ätherleib eingliederte, sind um eine Stufe zurückgebliebene Menschen, sie sind gleichsam hinausgeworfen aus der menschlichen Entwicklung und in die Dekadenz gekommen. Diese Wesen sind die Vorfahren unserer heutigen Tiere. So haben wir im Beginne der Evolution, der Entwicklung, den Menschen als den Erstgeborenen unserer Schöpfung und wir haben die Tierwelt als die zweitgeborene Schöpfung, als dasjenige, was nicht mitgekommen und daher immer zurückgeblieben ist.

[ 49 ] Those beings who remained at the first stage of human development—when human beings incorporated their etheric bodies—are humans who have fallen behind by one stage; they have, as it were, been cast out of human evolution and have fallen into decadence. These beings are the ancestors of our present-day animals. Thus, at the beginning of evolution and development, we had humankind as the firstborn of our creation, and we had the animal kingdom as the second-born creation—that which did not keep pace and has therefore always lagged behind.

[ 50 ] Wir müssen uns ganz genau vorstellen, wie im Verlaufe der Entwicklung dieses Zurückbleiben geschieht. Die an den äußeren Stoff sich haltende Weltanschauung wird das Unvollkommene neben dem Vollkommenen sehen und wird, wenn sie richtig darwinistisch-materialistisch denkt, angesichts des unvollkommenen Tieres und des vollkommenen Menschen — ich brauche nicht auseinanderzusetzen, durch welche Schlüsse und Anschauungen — zu der Meinung kommen, die vollkommenen Menschen haben sich aus dem unvollkommenen Tiere nach und nach heraufentwickelt.

[ 50 ] We must imagine very precisely how this lag occurs in the course of evolution. A worldview rooted in external matter will perceive the imperfect alongside the perfect and, if it thinks in a strictly Darwinian-materialistic way, will—in light of the imperfect animal and the perfect human being—come to the conclusion—I need not elaborate on the specific conclusions and views involved—that perfect human beings have gradually evolved from imperfect animals.

[ 51 ] Diese Schlussfolgerung steht logisch genau auf derselben Höhe, wie wenn jemand — es ist nur ein Vergleich, aber logisch trifft das durchaus zu - zwei Menschen nebeneinander sehen würde, von denen der eine verlumpt und herabgekommen, der andere aber begabt ist und diese Begabung zum Heile seiner Mitmenschen anwendet, sodass er ein brauchbares Glied der menschlichen Gesellschaft geworden ist. Er sieht einen unvollkommenen und einen vollkommenen Menschen nebeneinander und schließt: Da das Vollkommene aus dem Unvollkommenen kommt, so stammt der Vollkommene aus dem Unvollkommenen oder wenigstens von etwas, was ähnlich ist. Die Tatsachen können ihn sehr bald widerlegen, können ihm zeigen, dass die beiden Menschen Brüder sind, dass sie vielleicht ein gemeinsames Elternpaar haben, dass der eine hinaufgestiegen ist, indem er die in ihm liegenden Fähigkeiten entwickelt hat, während der andere aber herabgekommen ist.

[ 51 ] This conclusion is logically on exactly the same level as if someone—it is only a comparison, but logically it is entirely accurate—were to see two people standing side by side, one of whom is ragged and down-and-out, while the other is gifted and uses this gift for the benefit of his fellow human beings, thereby becoming a useful member of human society. He sees an imperfect and a perfect person standing side by side and concludes: Since the perfect comes from the imperfect, the perfect must originate from the imperfect—or at least from something similar. The facts may very soon refute him, may show him that the two people are brothers, that they perhaps have the same parents, that one has risen by developing the abilities within him, while the other has fallen.

[ 52 ] So haben wir es in der ganzen Schöpfung. Wir haben sozusagen in der allerersten, ursprünglichsten Weltenanlage den Menschen ausgestattet mit der Fähigkeit, immer höhere und höhere Glieder seiner Wesenheit einzugliedern. Er hat zuerst geistig, in reiner Geistigkeit, seinen physischen Leib erhalten, dieser physische Leib wurde, wenn er sich in der Entwicklungslinie hielt, fähig, nach einiger Zeit sich den Ätherleib einzugliedern. Diejenigen Menschenvorfahren nun — wenn ich den Ausdruck anwenden darf, natürlich in einem anderen Sinne als in der gewöhnlichen Kulturgeschichte —, welche nicht mitgekommen sind, waren in der Zeit noch immer auf der Stufe des bloß physischen Leibes, als der Mensch sich bereits seinen Ätherleib eingegliedert hatte, und blieben immer um eine Stufe zurück, gliederten sich also während der Stufe des Monden-Daseins, der nächsten Stufe, erst den Ätherleib ein, als der Mensch sich schon den Astralleib eingliederte. So blieben sie immer um eine Stufe zurück. Diejenigen Wesen nun, welche während der dritten Stufe des Menschendaseins, als sich der Mensch den astralischen Leib eingliederte, noch immer auf der ersten Stufe zurückgeblieben waren, die also noch nicht einmal einen Ätherleib aufnehmen konnten, wurden hinausgeworfen aus der Entwicklung und wurden später als das Pflanzenreich neben den Menschen hingestellt.

[ 52 ] This is how it is throughout all of creation. In the very first, most primordial structure of the world, so to speak, we endowed human beings with the ability to integrate ever higher and higher aspects of their being. First, in a purely spiritual state, they received their physical body; this physical body, provided it remained on the path of development, became capable, after some time, of integrating the etheric body. Those human ancestors—if I may use the term, naturally in a different sense than in ordinary cultural history—who did not keep pace were still at the stage of the purely physical body at the time when humanity had already integrated its etheric body, and they always lagged one stage behind; and thus, during the Lunar stage—the next stage—they only integrated the etheric body when human beings had already integrated the astral body. In this way, they always lagged one stage behind. Now, those beings who, during the third stage of human existence—when human beings had already integrated their astral bodies—had still remained at the first stage, and who therefore could not even take on an etheric body, were cast out of the course of evolution and were later placed alongside human beings as the plant kingdom.

[ 53 ] So sehen wir, wenn wir das Tierreich betrachten, gleichsam herabgekommene Menschen, die nicht ihr Entwicklungsziel erreicht haben, in die Dekadenz gekommene Menschen. Nicht stammt der gegenwärtige Mensch von irgendwelchen tierischen Wesen, sondern im Gegenteil: Die tierischen Wesen sind auf diese Weise, dadurch, dass sie mit der Entwicklung nicht mitgekommen sind, herabgestiegen, sie haben gewisse Formen, über die der Mensch hinausgekommen ist, behalten, sie sind herabgekommene Menschenbrüder. Das ganze Pflanzenreich enthält in sich Wesen, die nichts anderes sind als das, was der Mensch von sich abgesondert hat. So sehen wir als Menschen die Tiere und sagen: Über diese Stufe sind wir hinausgeschritten, sie haben die Stufen festgehalten, indem sie sich die Möglichkeit genommen haben, auf eine immer höhere Stufe zu kommen, und ebenso übersehen wir das Pflanzenreich und sagen: Es ist aus dem Menschenreich ausgesondert worden und herabgekommen. Die vierte Stufe des menschlichen Daseins ist diejenige, wo der physische Leib nach viermaliger Umformung, der Ätherleib nach dreimaliger Umformung, der astralische Leib nach zweimaliger Umformung das eigentliche Ich aufgenommen hat. Das ist unser jetziges Erdendasein. Das ist sorgfältig vorbereitet durch vier Stufen der Entwicklung des physischen Leibes, der immer vollkommener und vollkommener geworden ist, sodass er Träger werden konnte des Ätherleibes und des astralischen Leibes, und diese selbst sind stufenweise so vollkommen geworden, dass sie ein Träger werden konnten desjenigen, was jetzt als das Baby der Menschennatur erscheint, als das Geistige, das sozusagen durch seine Hüllen geschützt werden muss. Erst während dieser letzten Pause hat sich das Ich eingegliedert, allerdings noch immer in einer urfernen Vergangenheit, in die heute keine Geologie zurückführen kann; nur der hellseherische Rückblick, der auf die Weise erzielt wird, wie es vorgestern geschildert wurde, führt uns dahin zurück, wo die anderen Leiber durch Umgestaltung schützende Hüllen für das Ich werden konnten. Es war derselbe Zeitpunkt, wo sozusagen der letzte Nachschub kam, der auf der allerersten Stufe des Menschendaseins stehen geblieben ist; da ist als das letzte der Reiche das Mineralreich erschienen. Das war ein gewaltiger Moment in der fortgehenden Entwicklung der Menschheit. Als im Innern der Mensch zuerst im dumpfen, dämmerhaften Bewusstsein sein Ich aufleuchten sah, da entstand um ihn herum das mineralische Reich in seiner heutigen Gestalt.

[ 53 ] Thus, when we look at the animal kingdom, we see, as it were, humans who have fallen, who have not reached their evolutionary goal—humans who have fallen into decadence. Modern humans do not descend from any animal beings; on the contrary: animal beings have, in this way—by failing to keep pace with evolution—descended; they have retained certain forms that humans have outgrown; they are human brothers who have fallen. The entire plant kingdom contains beings that are nothing other than what humanity has separated from itself. Thus, as human beings, we look at the animals and say: We have advanced beyond this stage; they have remained at these stages by depriving themselves of the possibility of reaching ever higher stages; and in the same way, we look at the plant kingdom and say: It has been separated from the human kingdom and has descended. The fourth stage of human existence is that in which the physical body, after undergoing four transformations; the etheric body, after three; and the astral body, after two—have all received the true “I.” This is our present earthly existence. This has been carefully prepared through four stages of development of the physical body, which has become ever more perfect, so that it could become the vehicle for the etheric body and the astral body; and these, in turn, have gradually become so perfect that they could become the vehicle for that which now appears as the “infant” of human nature—the spiritual element that, so to speak, must be protected by its outer sheaths. It was only during this final interlude—though still in a time so remote that no geology can trace it back to today—that the “I” became integrated; only clairvoyant retrospect, achieved in the manner described the day before yesterday, leads us back to the point where the other bodies, through transformation, could become protective sheaths for the “I.” It was at this very moment that, so to speak, the final influx arrived, one that remained at the very first stage of human existence; there, as the last of the kingdoms, the mineral kingdom appeared. This was a momentous moment in the ongoing development of humanity. When, within himself, the human being first saw his “I” shine forth in a dim, twilight-like consciousness, the mineral kingdom arose around him in its present form.

[ 54 ] Wir müssen, wenn wir es geistig betrachten, uns also vorstellen, dass die Entwicklung gerade umgekehrt war, als man sie sich gewöhnlich vorstellt. Heute ist es natürlich billig, vom Standpunkte einer rein materiellen Weltbetrachtung zu sagen: Die Pflanzen brauchen das mineralische Reich als Grundlage, die Tiere brauchen das Pflanzenreich als Grundlage. Gewiss, in ihren heutigen physischen Formen brauchen sie diese Grundlage. Aber sie haben sie nicht gebraucht in ihren geistigen Daseinsstufen. Als der Mensch noch geistig war, brauchte er nicht zu essen und zu trinken, brauchte er auch nicht zu atmen. Als er zu atmen begann, war schon die Möglichkeit vorhanden, wenn auch anders als heute, zu atmen. Als das Pflanzenreich auf seiner ersten Stufe stand, benötigte es auch noch nicht den Boden des mineralischen Reiches. Erst als das Mineralreich da war, bildete es die feste Grundlage, dann wurden auch die anderen Reiche immer physischer und physischer.

[ 54 ] If we consider this from a spiritual perspective, we must therefore imagine that the development was exactly the opposite of what is usually assumed. Today, of course, it is easy to say from the standpoint of a purely material view of the world: Plants need the mineral kingdom as a foundation; animals need the plant kingdom as a foundation. Certainly, in their present physical forms, they need this foundation. But they did not need it in their spiritual stages of existence. When human beings were still spiritual, they did not need to eat or drink, nor did they need to breathe. When they began to breathe, the capacity to do so already existed, albeit in a different way than today. When the plant kingdom was at its first stage, it did not yet require the soil of the mineral kingdom. Only when the mineral kingdom came into being did it form the solid foundation; then the other kingdoms, too, became increasingly physical.

[ 55 ] In ihrer physischen Form entstanden diese Reiche am spätesten, aus dem Geistigen heraus hat sich diese unsere ganze Welt gebildet, und jetzt sehen wir eine wunderbare Verwandtschaft dieser viergliedrigen Menschennatur mit allem, was um uns herum ist. Wir betrachten unseren physischen Leib und schauen dann hinaus auf die uns umgebende Welt des mineralischen Reiches. Wir schauen auf alle Kristalle, auf alle Mineralien, gleichgültig ob sie uns entgegenschauen aus der Atmosphäre über der Erde, in Wolkenbildungen und Luftströmungen, gleichgültig ob uns diese unlebendigen Bildungen der Erde entgegenschauen in den Wasserwogen des Stromes oder ob sie uns als die rieselnde Quelle entgegenkommen, ob sie uns als geformte Mineralien oder als Pflanzen und so weiter entgegentreten.

[ 55 ] In their physical form, these kingdoms arose last; our entire world was formed out of the spiritual, and now we see a wondrous kinship between this fourfold human nature and everything around us. We look at our physical body and then gaze out at the surrounding world of the mineral kingdom. We look at all the crystals, at all the minerals—whether they meet our gaze from the atmosphere above the Earth, in cloud formations and air currents; whether these inanimate formations of the Earth meet our gaze in the surging waters of a river or come toward us as a trickling spring; whether they appear to us as shaped minerals or as plants, and so on.

[ 56 ] Wir sehen die ganze physische Welt um uns herum und fragen uns: Wodurch sind wir verwandt? Verwandt sind wir dadurch, dass das, was als physische Welt um uns herum lebt, in einer gewissen Beziehung Stoff und Substanz von unserem Organismus ist, wenn wir es geistig betrachten. Was draußen um uns herum ist, ist gleichsam so entstanden, dass es sich als das Unfähigste und Gröbste herausgesondert hat, was alle diese Entwicklungsstufen vom physischen Leibe zur Aufnahme des Ätherleibes und des Astralleibes und so weiter nicht mitgemacht hatte. Wir können uns das bildlich so vorstellen, wie wenn wir eine Substanz haben, in der irgendein Salz, zum Beispiel ein farbiges Salz, aufgelöst ist, und wir bringen die Substanz zur Abkühlung. Das Salz fällt herunter und bedeckt den Boden und lagert unten als das Gröbste. So sehen wir, wie aus dem, was als Geist den Ursprung alles Daseins bildet, sich das Mineralreich absondert als das Gröbste - und das ist verwandt mit unserem physischen Leibe. Dann sehen wir den Pflanzenleib und blicken in uns hinein und wissen, dass wir in uns selbst einen ätherischen Leib tragen, wir wissen, dass das Pflanzenreich zurückgebliebene ätherische Natur des Menschen ist. Wir fühlen uns verwandt mit allem, was draußen ist. Wir wissen von den Tieren: Das sind die zurückgebliebenen Astralleiber, sie sind herausgesetzt aus der menschlichen Natur. Wir haben zuletzt, nachdem dieses Unbrauchbare ausgesondert ist, als die Wesen, die auf dem physischen Plan die höchsten genannt werden müssen, alle diese drei Vorfahrenstufen des Menschen so umgegliedert und umgestaltet, dass zuletzt das Ich in die schützenden Hüllen aufgenommen werden konnte als die eigentliche Geisteswesenheit des Menschen.

[ 56 ] We look at the entire physical world around us and ask ourselves: In what way are we connected? We are connected in that what exists as the physical world around us is, in a certain sense, the matter and substance of our organism when we view it spiritually. What is out there around us has, as it were, come into being in such a way that it has separated itself out as the most incapable and coarse element—one that had not undergone all those stages of development from the physical body to the reception of the etheric body, the astral body, and so on. We can visualize this as follows: imagine we have a substance in which some salt—for example, a colored salt—is dissolved, and we allow the substance to cool. The salt settles to the bottom and covers the surface, remaining there as the coarsest substance. Thus we see how, out of that which, as Spirit, forms the origin of all existence, the mineral kingdom separates itself as the coarsest—and this is related to our physical body. Then we see the plant body and look within ourselves and know that we carry an etheric body within ourselves; we know that the plant kingdom is the human being’s residual etheric nature. We feel connected to everything that is outside of us. We know of the animals: These are the residual astral bodies; they have been set apart from human nature. Finally, after this unusable material has been separated out, we—as the beings who must be called the highest on the physical plane—have restructured and transformed all three of these ancestral stages of humanity in such a way that, in the end, the “I” could be received into the protective sheaths as the actual spiritual essence of the human being.

[ 57 ] So blicken wir um uns herum und finden alles, was wir in unserer Menschenwesenheit haben, in den Reichen der Welt, das Sinnliche und das Übersinnliche, bis auf dasjenige, was unser Ich ist, was wir nur im Geistigen selbst finden können. So sehen wir, wie wir durch diese vollständige Menschheitsbetrachtung dahin kommen, dass wir in einer, man darf sagen, den Menschen nicht herabwürdigenden, sondern erhebenden Weise die Verwandtschaft mit der ganzen umliegenden Welt einsehen. Ja, wir können sogar einen Grund angeben, warum das so sein musste, warum die übrigen Reiche ausgesondert werden mussten. Da können wir allerdings — da die Zeit es nicht anders zulässt — nur einen spärlichen Blick auf unsere Zukunft richten.

[ 57 ] Thus, we look around us and find everything we possess as human beings in the realms of the world—the sensory and the supersensory—except for that which is our “I,” which we can find only in the spiritual realm itself. Thus we see how, through this comprehensive view of humanity, we come to recognize our kinship with the entire surrounding world in a way that—one might say—does not demean but rather uplifts human beings. Indeed, we can even state a reason why this had to be so, why the other realms had to be set apart. Here, however—since time does not permit otherwise—we can only cast a brief glance toward our future.

[ 58 ] Wir können fragen: Warum? Hat es denn einen Sinn, dass der Mensch die anderen Reiche im Laufe der Entwicklung aus sich heraussonderte, und was für eine Bedeutung hat das? Es hat eine Bedeutung, die wir uns durch einen Vergleich klarmachen können. Denken Sie sich, es wird in eine Substanz etwas Grobes gemischt, das sich aufgelöst hat. Wenn wir die Substanz rein haben wollen, so müssen wir eine Abkühlung eintreten lassen. So musste der Mensch sich dadurch hochbringen, dass er alles, was unbrauchbar war, ein Ich aufzunehmen, in den anderen Reichen absonderte; er musste sich eine Grundlage schaffen, auf der er sich entwickeln konnte. In der Zukunft freilich wird er die Aufgabe haben, diese anderen Reiche zu erlösen, er wird sie nach und nach zu seiner eigenen Geistigkeit hinaufzuheben haben. Das kann heute nur erwähnt werden; denn dasjenige, was uns heute besonders vor die Seele treten soll, ist, dass sich in dem Menschenwesen, wie wir es vor uns haben, tatsächlich die ganze physische, die ganze geistige Welt, insoferne wir sie zunächst erreichen können, nicht nur spiegelt, sondern dass er diese ganze Welt um sich herum deshalb in sich hat, weil er im Grunde genommen die übrigen Reiche aus sich herausgesondert hat, weil sie, bildlich gesprochen, Fleisch von seinem Fleische und Blut von seinem Blute sind, wenn dies auch in geistiger Beziehung gemeint ist.

[ 58 ] We might ask: Why? Does it make sense that, in the course of evolution, human beings separated the other kingdoms from themselves, and what significance does this have? It has a significance that we can understand through a comparison. Imagine that something coarse has been mixed into a substance and has dissolved in it. If we want the substance to be pure, we must allow it to cool. In the same way, humanity had to elevate itself by separating from the other kingdoms everything that was unsuitable for the development of an “I”; it had to create a foundation upon which it could develop. In the future, of course, humanity will have the task of redeeming these other kingdoms; it will have to gradually raise them up to its own spirituality. This can only be mentioned today; for what should particularly come to the fore in our consciousness today is that within the human being, as we have before us, the entire physical and spiritual world— insofar as we can initially reach them—is not only reflected, but that he therefore possesses this entire world around him within himself because, fundamentally speaking, he has separated the other kingdoms from within himself; for they are, figuratively speaking, flesh of his flesh and blood of his blood, even if this is meant in a spiritual sense.

[ 59 ] Und so fühlt sich der Mensch in die ganze Umwelt hinein, und er betrachtet auf einer höheren Stufe eigentlich alles dasjenige, was in ihm lebt, als aus dem geistigen Weltenschoß heraus geboren, und so wie sich die Rinde rings um das lebendige Innere des Baumes herum gliedert und ihn schützt, so hat sich das Geistige im Menschen geschützt durch die gröberen Naturreiche gleichsam als die Rinde des Menschendaseins, und so wie die Rinde nur das Verholzte der Weichteile des Baumes ist, sind die übrigen Reiche, dasjenige, was den Menschen umgibt, dasjenige, was aus der ursprünglichen Menschennatur in dem heute geschilderten Sinne sich herausgebildet hat. So lernt sich der Mensch aus dem Schoße des ganzen Weltendaseins geboren, und es ist da nicht zu verwundern, wenn er auf der Stufe des hellseherischen Bewusstseins sich vorkommt wie ein Gebärer neuer Welten, denn die Welten, die uns umgeben und auf denen wir herumgehen, sind in der Vorzeit aus uns heraus entwickelt.

[ 59 ] And so the human being feels himself to be part of the entire environment, and on a higher level he regards everything that lives within him as having been born from the bosom of the spiritual world; and just as the bark forms a layer around the living interior of the tree and protects it, so too has the spiritual within the human being protected itself through the coarser realms of nature, as it were, like the bark of human existence; and just as the bark is merely the lignified part of the tree’s soft tissues, so the remaining realms—that which surrounds the human being—are what has developed from original human nature in the sense described here. Thus, human beings come to realize that they are born from the womb of the entire world’s existence, and it is no wonder that, on the level of clairvoyant consciousness, they feel as though they are giving birth to new worlds, for the worlds that surround us and on which we walk were developed from within us in ancient times.

[ 60 ] Auch die zukünftige Welt, die um den Menschen herum sein wird, wird aus dem Menschen herausgeboren. Das hellseherische Bewusstsein gebiert sie geistig heraus und hat sie vor sich, und es ist uns dann, wie wenn aus dem Dämmerdunkel des geistigen Weltenschoßes heraus vor dem hellseherischen Bewusstsein Gestalten auftauchen, die heute noch geistig sind, die erst in der Zukunft in die physische Welt heruntersteigen werden. Wir sehen das Geistige, das um uns herum ist, mit den geistigen Gestalten [sich] bevölkern, und es wird uns dieses Geistige als das höhere Reich erscheinen gegenüber dem, was heute schon im menschlichen Schaffen geheimnisvoll auf einer niedrigeren Stufe sich andeutet, und da gliedert sich uns in einer wunderbaren Weise das Bild zusammen aus der Empfindung des Künstlers heraus. Raffael hat das zum Teil auch aus Tradition getan: Es gliedert sich das als Empfindung heraus, was Raffael über das Menschenschicksal in sein Bild hineingeheimnisst hat; das Dämmerdunkel des Weltenschoßes — herausgeboren werden die Geistesgestalten oben, und wie die sinnliche Verkörperung, wie die wichtigste physische Verkörperung dessen, was aus dem Dämmerdunkel des Weltenalls herausgeboren wird als Mensch und immer vollkommener und vollkommener wird in seiner Physis, das erscheint uns in der Mutter mit dem Kinde, die in sich die Kraft hat, die geheimnisvollen Gesetze, die durch alle Menschheitsevolutionen heraus in den Menschen gekommen sind, so in sich zu gestalten, dass er seine Wiederholung aus sich selbst hervorbringt.

[ 60 ] The future world that will surround human beings will also be born from within them. Clairvoyant consciousness gives birth to it spiritually and has it before it, and it is then as if, out of the twilight darkness of the spiritual womb of the world, forms were emerging before the clairvoyant consciousness—forms that are still spiritual today but will only descend into the physical world in the future. We see the spiritual realm around us populating itself with spiritual figures, and this spiritual realm will appear to us as the higher realm in contrast to what is already mysteriously hinting at itself today in human creativity on a lower level; and there, the image takes shape for us in a wondrous way, emerging from the artist’s intuition. Raphael did this in part out of tradition as well: what Raphael has mysteriously woven into his painting regarding the fate of humanity takes shape as a feeling; the twilight of the world’s womb—the spiritual forms are born from it above, and as the sensory embodiment, as the most important physical embodiment of that which is born from the twilight of the universe as a human being and becomes ever more perfect in its physical form, this appears to us in the mother with her child, who possesses within herself the power to shape within herself the mysterious laws that have emerged through all of human evolution into the human being, so that he brings forth his own repetition from within himself.

[ 61 ] Wer so etwas fühlen kann, der wird einsehen, wie Geistiges in den Wolken und Physisches in der Madonna mit dem Kind als ein großes Symbolon des Menschenschicksals in diesem geheimnisvollen Kinde uns entgegentritt, und dann lernt man vor diesem Bilde, dass, wenn auch bei dem betreffenden Künstler vielleicht unbewusst, herausgeboren ist aus dem Empfinden und Fühlen dessen, wie der Mensch eine Welt ist, die aber innig verwandt ist mit der großen Umwelt, eine Kleinwelt, ein Mikrokosmos, gegenüber der großen Welt — man fühlt, wie der Künstler das in sein Bild hineingeheimnisst hat, und man fühlt dann, wie das, was der Mensch empfängt durch seine Stellung zur umliegenden Natur, uns in den menschlichen Schöpfungen wieder entgegentreten kann, wie zum Beispiel in der wahren Kunst uns der Mensch etwas entgegenbringt wie eine Lösung des Weltenrätsels auf seine Art, und wir fühlen dann im konkreten Falle, wenn uns dieses Weltenrätsel symbolisch aus Raffaels Sixtinischer Madonna anspricht, so recht das Goethe’sche Wort, das wir schon angeführt haben und das uns so recht hineinführt in den mikrokosmischen Menschen und in die makrokosmische Ganzheit der Welt. Wir fühlen, was Goethe empfand, als er diesen Menschen vor sich stellte wie die eigentliche Lösung des ganzen Weltenrätsels, indem er sagte, dass der Mensch, wenn er die gesunde Welt in ihrer Ganzheit um sich herum empfindet, Maß und Zahl und Ordnung und Harmonie zusammennimmt und eine neue, höhere Welt aus dieser Welt erzeugt und so aller Außenwelt erst den Sinn gibt. Und in allen Einzelheiten, bis in die tiefste Empfindung herunter zeigt uns Theosophie oder Geisteswissenschaft, dass in der Tat der Mensch in sich in einer gewissen Hinsicht alles enthält, was wir draußen in der Welt finden, dass der Mensch selbst die Lösung des Weltenrätsels ist, dass der Mensch es ist, der uns selbst als Antwort kommt, wenn wir nach dem eigentlichen Weltenrätsel fragen.

[ 61 ] Anyone who can feel something like this will realize how the spiritual in the clouds and the physical in the Madonna and Child come before us as a great symbol of human destiny in this mysterious child; and then, standing before this painting, one learns that—even if perhaps unconsciously on the part of the artist in question—it has been born out of the perception and feeling that how a human being is a world—yet one intimately connected to the greater environment—a small world, a microcosm, set against the greater world—one senses how the artist has woven this mystery into his painting, and one then feels how what a human being receives through his relationship to the surrounding natural world can confront us anew in human creations, as, for example, in true art, the human being offers us something like a solution to the riddle of the world in his own way, and we then feel, in this specific instance, when this riddle of the world speaks to us symbolically through Raphael’s Sistine Madonna, just how true Goethe’s words are—which we have already cited—and which lead us so deeply into the microcosmic human being and into the macrocosmic wholeness of the world. We feel what Goethe felt when he presented this human being before him as the very solution to the entire mystery of the world, saying that when the human being perceives the healthy world in its entirety around them, they take in measure, number, order, and harmony and create a new, higher world out of this world, thereby giving meaning to the entire external world in the first place. And in every detail, down to the deepest sensation, Theosophy—or spiritual science—shows us that, in fact, human beings contain within themselves, in a certain sense, everything we find out in the world; that human beings themselves are the solution to the riddle of the world; that it is human beings who come to us as the answer when we ask about the true riddle of the world.

[ 62 ] Im höchsten Sinne, meine verehrten Anwesenden, kann die Frage so gestellt werden; schauen wir hinaus in die Welt! Wunderbar erscheint sie uns in allen ihren Feldern, in allen ihren Reichen, lauter Fragen gibt sie uns auf. Wo ist die Antwort? Alles fragt uns — wohin sollen wir blicken, wenn wir die Antwort haben wollen? Die Antwort steht immer vor uns. Wir brauchen nur diese Antwort in der richtigen Weise gerade durch die Geisteswissenschaft deuten zu können. Diese Antwort auf die Frage des Weltenrätsels — sie ist «der Mensch». Das schwebte auch dem alten Dichter vor, als er, die Welt um sich herum erblickend, die schönen Worte sprach:

[ 62 ] In the highest sense, my esteemed audience, the question can be posed this way: let us look out into the world! It appears wondrous to us in all its fields, in all its realms; it presents us with nothing but questions. Where is the answer? Everything asks us—where should we look if we want to find the answer? The answer is always right before us. We need only be able to interpret this answer correctly through spiritual science. This answer to the riddle of the world—it is “the human being.” This is what the ancient poet had in mind as well when, looking at the world around him, he spoke these beautiful words:

Vieles Gewaltige lebt hier auf unserer Erde; doch nichts ist gewaltiger als der Mensch.

Many mighty things live here on our Earth; yet nothing is mightier than humankind.