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The Rudolf Steiner Archive

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Der Kreislauf des Menschen
innerhalb der Sinnes Seelen und Geisteswelt
GA 68b

29 Oktober–1 November 1906, München

41. Wie Begreift Man Krankheit und Tod - Kindererziehung im Lichte der Theosophie — Blut ist Ein Ganz Besondrer Saft

[ 1 ] Bericht im Generalanzeiger der « Münchner Neuesten Nachrichten», November 1906

[ 2 ] Theosophische Vorträge. Im Cafe Luitpold hielt Dr. Rudolf Steiner aus Berlin drei theosophische Vorträge, Im ersten behandelte er das Thema: «Wie begreift man Krankheit und Tod?», Nach einer allgemeinen Einleitung über die theosophischen Anschauungen vom Menschenwesen, das Verhältnis von inneren Lebens- und Geisteskräften zum physischen Leibe, ihre allmähliche Äußerung in den verschiedenen Altersstufen legte Redner dar, wie sich das Wort bewahrheite: Die Natur hat den Tod erfunden, um viel Leben zu haben. In weiteren Ausführungen über die Krankheit suchte der Vortragende darauf hinzudeuten, wie im Krankheitsprozesse die Lebenskraft die störenden Kräfte der Außenwelt, die Krankheitserreger zu überwinden suche, wie derart der Krankheitsprozess dazu dienen könne, den Menschen immer mehr immun zu machen, zu kräftigen gegen die schädigenden Einflüsse der Umwelt. Redner erörterte von seinem Gesichtspunkte aus unter anderem auch die Wirkung der Gifte auf den Körper und berührte das Gebiet der Psychotherapie, indem er darauf hinwies, wie der entwickelte Geist wieder gesundend zurückwirken könne auf den Körper.

[ 3 ] Im zweiten Vortrage suchte Redner die Grundsätze einer theosophischen Kindererziehung im Anschlusse an seine Ausführungen über die Entwicklung des Menschenwesens klarzulegen. Die ersten sieben Lebensjahre müssten naturgemäß der Entwicklung des physischen Leibes gewidmet sein, Man müsse namentlich auf die Sinne des Kindes in dieser Altersperiode zu wirken suchen. Der Erzieher müsse versuchen, den besonders stark entwickelten Nachahmungstrieb des Kindes in Betracht zu ziehen. Vom siebten Jahre an bis zum Eintritt der Pubertät müsse dagegen der Erzieher autoritativ wirken, um den Charakter des Kindes zu festigen, in ihm einen festen Grundstock guter Gewohnheiten zu bilden, seinem Gedächtnis eine Summe von Vorstellungen einverleiben, die es im Leben brauche. Erst nach der Entwicklung der Urteilskraft in der nachfolgenden Lebensperiode könne man von der autoritativen Leitung mehr absehen und auf die Selbstbestimmung des jungen Menschen hinwirken.

[ 4 ] Im dritten Vortrage behandelte Redner das Thema: «Blut ist ein ganz besonderer Saft» (Faust). Er glaubte diese Stelle derart deuten zu müssen, dass Goethe hiemit wirklich auf die Bedeutung des Blutes für den menschlichen Organismus und dessen Beziehungen zu den ihn umgebenden Kräften der Außenwelt, auf die alte Anschauung, dass mit dem Einflusse auf des Menschen Blut eine gewisse Herrschaft über den Menschen selbst und sein Innenleben verliehen werde, hinweisen wollte. Weiterhin suchte er zu erklären, wie Kulturfragen mit Blutfragen bei Blutmischungsfragen zusammenhängen. Auf den beifällig aufgenommenen Vortrag folgte eine längere Diskussion.