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The Rudolf Steiner Archive

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Der Kreislauf des Menschen
innerhalb der Sinnes Seelen und Geisteswelt
GA 68b

6 April 1908, Goteborg

24. Theosophie, Goethe und Hegel

Bericht in «Göteborgs Aftonblad», Nr. 81, 7. April 1908

[ 1 ] «Theosophie — Goethe und Hegel» war gestern Abend im Handelsinstitut Gegenstand eines Vortrags von Dr. Rudolf Steiner, deutscher Schriftsteller und Dozent und einer der führenden deutschen Theosophen, weiter prominenter Goethe-Kenner — dies und mehr wurde übrigens bereits bei seiner Vorstellung vor schwedischem Publikum erwähnt.

[ 2 ] Wie aus der Überschrift hervorgeht, war der gestrige Vortrag ein theosophischer Vortrag, bei dem es darum ging, zu zeigen, dass sowohl die Weltanschauungen von Goethe als auch von Hegel im Wesentlichen mit denen der modernen Theosophie übereinstimmten. Mit einer fließenden, manchmal von hochgestimmtem Pathos getriebenen Beredsamkeit entwickelte der Redner seine Theorien in einem fast anderthalbstündigen Vortrag, der anscheinend das Interesse der wenigen Zuschauer die ganze Zeit gefangen hielt.

[ 3 ] Seltsamerweise bestand das Publikum in dieser ansonsten theosophisch recht interessierten Stadt aus knapp 100 Personen. Vielleicht war es die deutsche Sprache, die davon abhielt - die universelle TheosophenSprache ist tatsächlich die englische —, oder vielleicht war es der alte Hegel, mit dem wahrscheinlich der größte Teil des heutigen Publikums versäumt hat, eine engere Bekanntschaft zu schließen. Goethe hingegen sollten wir alle kennen — auch seinen recht schwer verdaulichen zweiten Teil von «Faust».

[ 4 ] Vor allem aus diesem holt Dr. Steiner indessen seine Beweise dafür, dass Goethe als einer der «Eingeweihten» auftritt — einer von denen, die in der Kraft einer höheren Intuition eine höhere Wirklichkeit hinter der physischen Welt sichten können, eine Verkörperung der Ideen - und im theosophischen Sinne mit dem göttlichen Geist in Verbindung kommt, der das Universum durchdringt. Besonders versuchte der Redner zu zeigen, dass Goethe der theosophischen Reinkarnationslchre huldigte.

[ 5 ] Der Redner betonte ausdrücklich, dass, um den zweiten Teil von «Faust» zu verstehen, dieser im theosophischen Licht studiert werden müsse.

[ 6 ] Dass «der universelle Goethe» und insbesondere sein Faust-Gedicht, der Gegenstand von sieben mal siebzig Interpreten, somit auch für die theosophische Exegese ausgenutzt wurde, ist kaum mehr, als was man erwarten könnte.

[ 7 ] Dieser Teil des Vortrags war zweifellos auch der interessanteste. Weniger gelungen schien der Versuch des Redners, aus dem Pantheisten Hegel mit seiner Vorstellung vom Individuum als vergänglichem Momentum einen theosophischen Adepten zu machen. Schließlich kehrte der Redner auch zum Faust-Dichter zurück und endete mit diesen seinen Worten, die, wie so viel anderes von dem, was «der große Heide» sagte, wunderbar von seinem Glauben an das Göttliche im Menschen zeugen:

Wär nicht das Auge sonnenhaft,
Wie könnten wir das Licht erblicken?
Liegt nicht in uns der Gotteskraft,
wie könnt’ uns Göttliches entzücken?