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Ways to a Knowledge of the
Eternal Forces of the Human Soul
GA 70b

8 January 1916, Bern

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Ways to a Knowledge of the Eternal Forces of the Human Soul, tr. SOL
  1. Wege zur Erkenntnis der ewigen Kräfte der Menschenseele

5. Wege der Erkenntnis der ewigen Kräfte der Menschenseele

5. Paths to Understanding the Eternal Powers of the Human Soul

Sehr verehrte Anwesende!

Ladies and gentlemen!

[ 1 ] Was ich Ihnen heute zu sagen habe über Wege zur Erkenntnis der ewigen Kräfte der Menschenseele, wird in unserer Zeit keineswegs geeignet sein, unmittelbar, von vornherein Überzeugung hervorzurufen. Einer solchen Illusion gibt sich auch derjenige nicht hin, welcher vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus spricht, wie Geisteswissenschaft hier gemeint ist. Handeln kann es sich vielmehr nur um Mitteilungen, die gemacht werden zur Anregung, Mitteilungen über eine Forschungsmethode, welche glaubt, mit derselben Gewissheit, mit derselben Sicherheit über das seelische Leben, seinen Sinn und seine Bedeutung im Weltenall etwas sagen zu können, wie die neuere Naturwissenschaft etwas ausspricht über die Zusammenhänge der Naturkräfte, die Bedeutung dieses oder jenes Naturgeschehens im ganzen Weltenzusammenhange. Gerade weil Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, gewissermaßen so für das geistige Leben eine Fortsetzung der Naturerrungenschaften, der Vorstellungsart, man könnte auch sagen, der Forschergesinnung ist, welche durch naturwissenschaftliche Weltanschauung im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte in die Menschheitsentwicklung sich eingefügt hat. Allein da diese Geisteswissenschaft ihr Gebiet sucht in den geistigen Welten, so ist es notwendig, dass ihre Wissenschafts-, ihre Forschungsmethoden ganz andere sind, als die Forschungsmethoden und die Forschungsweise für die naturwissenschaftliche Anschauungsweise sind. Gerade damit diese Geisteswissenschaft gewissermaßen die Schwester sein könne der Naturwissenschaft, muss sie, weil ihr Gebiet ein so verschiedenes ist, andere Wege, andere Methoden einschlagen. Und so werden denn die Methoden, die Wege, welche ich Ihnen zu schildern habe, zunächst sich durchaus unterscheiden von denjenigen Wegen, den Methoden, welche durch äußere Hantierung, durch äußere Handlung, der Natur ihre Geheimnisse abzulauschen suchen. Aber die Gesinnung ist dieselbe.

[ 1 ] What I have to say to you today about ways to gain insight into the eternal forces of the human soul will by no means be capable, in our time, of immediately and from the outset inspiring conviction. Even those who speak from the perspective of spiritual science—as spiritual science is understood here—do not succumb to such an illusion. Rather, these can only be statements made to inspire—statements about a method of research that believes it can speak with the same certainty and confidence about the life of the soul, its meaning, and its significance in the universe as modern natural science speaks about the interrelationships of natural forces and the significance of this or that natural phenomenon within the overall context of the world. Precisely because spiritual science, as understood here, is, so to speak, a continuation for spiritual life of the achievements of natural science—of the mode of conception, or one might even say, of the research mindset—which has become integrated into human development through the natural-scientific worldview over the course of the last three to four centuries. However, since this spiritual science seeks its domain in the spiritual worlds, it is necessary that its scientific and research methods be entirely different from the research methods and approach characteristic of the natural-scientific worldview. Precisely so that this spiritual science can, in a sense, be the sister of natural science, it must—because its domain is so different—take different paths and employ different methods. And so the methods and approaches I am about to describe to you will, at first glance, differ entirely from those methods and approaches that seek to eavesdrop on nature’s secrets through external manipulation and external action. But the spirit behind them is the same.

[ 2 ] Geisteswissenschaft sucht auch gewissermaßen durch den seelischen Versuch, durch Seelenexperimente, der geistigen Welt ihre Geheimnisse abzulauschen. Nicht hat man es zu tun in der Geisteswissenschaft in Bezug auf die Wege zur Erkenntnis der geistigen Geheimnisse, nicht hat man es zu tun mit irgendwelchen Versuchen, die äußerlich mit den Sinnen angeschaut werden können, die durch die äußeren Verstandeskräfte kombiniert werden können in ihren Tatsachenfolgen. Zu tun hat man es, wenn man vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus über die «Wege zur Erkenntnis der ewigen Kräfte der Menschenseele» spricht, zu tun hat man es mit ganz intimen Seelenvorgängen, welche, wenn man sie experimentell nennt, ganz intime, innere Seelenexperimente sind, Experimente, die sich nicht äußerlich anschauen lassen.

[ 2 ] Spiritual science also seeks, in a sense, to uncover the secrets of the spiritual world through psychological experiments. In spiritual science, one is not concerned with the paths to knowledge of spiritual mysteries, nor is one concerned with any experiments that can be observed externally with the senses or whose factual sequences can be synthesized by the external powers of the intellect. When speaking from the perspective of spiritual science about the “paths to knowledge of the eternal forces of the human soul,” one is dealing with very intimate soul processes which, if one were to call them “experiments,” are very intimate, inner soul experiments—experiments that cannot be observed externally.

[ 3 ] Dasjenige, wozu diese inneren Seelenexperimente führen sollen, das ist eine innere Erkenntnis desjenigen Wesenskerns des Menschen, der nicht den äußeren Sinnen zugänglich ist, der auch nicht demjenigen Verstande zugänglich ist, den man für das gewöhnliche Leben und die gewöhnliche Wissenschaft braucht, sondern der zugänglich werden kann nur Kräften, die erst in der Seele rege gemacht werden. Daher ist — ich möchte sagen — von Anfang an der Weg der Geisteswissenschaft in einer gewissen Beziehung verschieden von den Wegen aller anderen Wissenschaften und von dem Denker- und Handlungswege des gewöhnlichen Lebens.

[ 3 ] The goal to which these inner soul experiments are intended to lead is an inner understanding of that core essence of the human being which is not accessible to the external senses, nor to the kind of intellect required for ordinary life and ordinary science, but which can be accessed only by forces that must first be awakened within the soul. Therefore—I would say—from the very beginning, the path of spiritual science differs in a certain respect from the paths of all other sciences and from the ways of thinking and acting in ordinary life.

[ 4 ] Auch im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft versuchen wir, uns Vorstellungen zu verschaffen über die Dinge der Welt und über ihre Vorgänge. Und wenn wir uns Vorstellungen verschafft haben, durch die wir glauben, den gesetzmäßigen Zusammenhang der einzelnen Tatsachen zu durchschauen, der einzelnen Dinge zu durchschauen, so sind wir in der gewöhnlichen Wissenschaft und auch im natürlichen Leben mit unseren Anstrengungen fertig.

[ 4 ] Even in everyday life and in ordinary science, we try to form concepts about the things of the world and the processes that occur within it. And once we have formed concepts through which we believe we can understand the lawful connections between individual facts and individual things, our efforts in ordinary science—and also in everyday life—are complete.

[ 5 ] Nun kann man sagen für die Geisteswissenschaft: Dasjenige, was Ende, Abschluss ist in Bezug auf das Forschen und Denken für die gewöhnliche Wissenschaft und für das gewöhnliche Leben, ist erst der Anfang. Alle diejenigen Verrichtungen, die uns zu einem erstrebten Ziel führen in der gewöhnlichen Wissenschaft, die sind nur da, um dasjenige in der Seele vorzubereiten, was in dieser Seele dann die Kräfte hervorruft, durch die Einsicht gewonnen werden kann in die geistigen Welten.

[ 5 ] Now, with regard to the spiritual sciences, one can say: What constitutes an end or conclusion in terms of research and thinking for conventional science and for everyday life is only the beginning. All those activities that lead us toward a desired goal in conventional science exist solely to prepare within the soul that which then awakens the powers through which insight into the spiritual worlds can be gained.

[ 6 ] Und so ist für das Denken der Gegenwart, für die Vorstellungsgewohnheiten der Gegenwart dasjenige, was der Geistesforscher zu sagen hat, sehr verehrte Anwesende, in vieler Beziehung viel, viel verschiedener von dem Hergebrachten, als verschieden war dasjenige, was in der Morgenröte der neueren Naturwissenschaft Kopernikus, Kepler, Giordano Bruno zu sagen hatten über den Bau des Weltenalls, über die Bewegung der Erde, der Sonne und so weiter — viel verschiedener, als verschieden war von dem, was die Menschen unmittelbar vorher über alle diese Dinge dachten.

[ 6 ] And so, for contemporary thought—for the ways of thinking that are customary today—what the spiritual researcher has to say, esteemed audience, is in many respects much, much more different from traditional views than was what Copernicus, Kepler, and Giordano Bruno had to say about the structure of the universe, the motion of the Earth, the Sun, and so on—much more different than what people had thought about all these things immediately before.

[ 7 ] Daher kann es nicht verwunderlich sein, dass nicht so ohne Weiteres angenommen werde in der Gegenwart dasjenige, was der Geistesforscher zu sagen hat. Man braucht sich ja nur zu erinnern daran, wie lange es gebraucht hat, bis in weiteren Kreisen gegenüber den althergebrachten Anschauungen sich das durchgesetzt hat, was über den Bau und die Wege des Weltenalls und seiner Körper vom Standpunkte der neueren naturwissenschaftlichen Weltanschauung aus zu sagen war. Und dass die Menschen von vornherein nicht alles glauben, das ist eine ebenso begreifliche und verständliche wie im Grunde genommen von einem gewissen Gesichtspunkte aus sogar anerkennenswerte Sache. Daher braucht man sich nicht zu verwundern, wenn manches, was der Geistesforscher zu sagen hat, phantastisch, wie ein Traum heute noch klingt. Und so wird tatsächlich manches zu klingen haben, was gerade heute wird gesagt werden müssen.

[ 7 ] It is therefore not surprising that what the spiritual researcher has to say is not readily accepted today. One need only recall how long it took for what was said about the structure and workings of the universe and its celestial bodies—from the standpoint of the modern scientific worldview—to gain acceptance in wider circles over traditional views. And the fact that people do not believe everything from the outset is a matter that is just as comprehensible and understandable as it is, from a certain point of view, even commendable. Therefore, one need not be surprised if some of what the spiritual researcher has to say still sounds fantastical, like a dream, even today. And indeed, much of what must be said today will sound that way.

[ 8 ] Wenn man so zunächst in die Schriften, in die Veröffentlichungen hineinschaut, welche vonseiten der Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, hinausgeschickt werden in die Welt, so wird einem manches als ein Traum, als eine Phantasterei vorkommen müssen, dass man etwas erkennen könne darüber, dass diesem physischen Leib des Menschen, den man mit Augen sieht, den die äußere Wissenschaft mit ihren bewundernswürdigen Methoden erforscht, dass diesem gewöhnlichen physischen Leib ein feinerer Leib zugrunde liege — ob man ihn nun Ätherleib nennt oder anders, darauf kommt es nicht an —, dass dem ein feinerer Leib zugrunde liege, ein Leib, der für die gewöhnliche Anschauung und [für die gewöhnlichen Forschungsmethoden] schlechterdings unsichtbar, unschaubar ist; und dass man über diesen feineren Leib etwas wissen könne, das erscheint gewiss zunächst mit Recht als etwas Unglaubliches.

[ 8 ] When one first looks at the writings and publications issued into the world by spiritual science—as understood here—much of it must seem like a dream or a fantasy: the idea that one could recognize that beneath this physical human body—which we see with our eyes and which external science investigates with its admirable methods— that underlying this ordinary physical body is a finer body—whether one calls it the etheric body or something else is irrelevant—that a finer body underlies it, a body that is utterly invisible and imperceptible to ordinary perception and [to ordinary research methods]; and that one could know anything about this finer body—this certainly seems, at first glance and quite rightly, to be something unbelievable.

[ 9 ] Und als etwas weiteres Unglaubliches erscheint es, wenn der Geistesforscher sagen muss: Wenn der Mensch nach getaner Arbeit zur Ruhe gegangen ist und nun in Bezug auf die äußeren Vorgänge sich dem Schlafe übergeben hat, so ist etwas von dem, was gerade das Wesen des Menschen ist, aus der physischen Organisation, aus der physisch-leiblichen Organisation herausgetreten, etwas, was ein anderes Seelenleben darstellt als das gewöhnliche Tages-Seelenleben. Und in diesem andersartigen Seelenleben — nennen wir es ein anderes Bewusstsein als das Tagesbewusstsein oder wie man es dann nennen will, darauf kommt es nicht an —, in diesem andersartigen Bewusstsein, in diesem andersartigen Seelenleben lebt der Mensch bis zum Wiederaufwachen. Und beim Wiederaufwachen taucht wiederum dieses andersartige Seelenleben in die äußere physische Leiblichkeit unter.

[ 9 ] And it seems even more incredible when the spiritual researcher must say: When a person has retired to rest after a day’s work and has now surrendered to sleep with regard to external events, something that constitutes the very essence of the human being has stepped out of the physical organization—out of the physical-bodily organization—something that represents a different kind of soul life than the ordinary daily soul life. And in this different kind of soul life—let us call it a consciousness different from waking consciousness, or whatever one wishes to call it; that is not the point—in this different kind of consciousness, in this different kind of soul life, the human being lives until waking up again. And upon waking up, this different kind of soul life once again merges into the outer physical body.

[ 10 ] Und wenn nun der Geistesforscher behaupten muss: In dem, was da beim Einschlafen aus dem physischen Leib heraustritt, das beim Aufwachen wiederum hineintritt, lebt etwas von dem ewigen Wesenskern des Menschen. Nur kann der Mensch im gewöhnlichen Leben sich dessen nicht bewusst sein, was er da erlebt zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Wiederum ist dies etwas, was für die gewöhnlichen Denkgewohnheiten der heutigen Zeit selbstverständlich noch etwas Träumerisches hat.

[ 10 ] And if the researcher of the spiritual world must now assert: In that which emerges from the physical body when one falls asleep—and re-enters it upon waking—there lives something of the eternal core of the human being. However, in ordinary life, a person cannot be aware of what they experience between falling asleep and waking up. Again, this is something that, for the ordinary habits of thought in today’s world, naturally still has a dreamlike quality.

[ 11 ] Ein Recht, zu reden über diese Dinge, sehr verehrte Anwesende, hat man ja gewiss erst, wenn man aufzeigen kann in einer Tatsachenwelt — wenn auch diese Tatsachenwelt eine ungewohnte ist —, dass man wirklich zu so etwas kommen kann, wie einem feineren Leib und einem andersartigen Seelenleben, einem andersartigen Bewusstsein.

[ 11 ] One certainly has the right, ladies and gentlemen, to speak about these things only when one can demonstrate, within a world of facts—even if that world of facts is an unfamiliar one—that one can truly arrive at something like a more subtle body and a different kind of soul life, a different kind of consciousness.

[ 12 ] Nun sind die Vorgänge, durch die man diesen feineren Leib erforschen kann — was [dem groben] physischen Leib, den die Augen sehen, zugrunde liegt als ein unsichtbares Menschenwesen —, diese Methoden sind eben intime; nur sind sie keine solchen, die auf irgendwelcher Zauberei beruhen, die auf irgendeiner falschen Mathematik oder falschen Mystik beruhen, sondern es sind Methoden, welche durchaus in der Fortsetzung desjenigen liegen, was der Mensch auch schon im gewöhnlichen, alltäglichen Seelenleben verrichtet, nur eben in der Fortsetzung. Dasjenige, was da auftreten muss als ein intimer Vorgang der Seele, was herbeigeführt werden muss als ein intimer Vorgang der Seele, sehr verehrte Anwesende, das ist zunächst etwas, was bezeichnet werden kann [als] eine Verstärkung des inneren Gedankenlebens —, [als] eine Verstärkung des inneren Gedankenlebens, über die man sich allerdings im gewöhnlichen Verlauf des Seelenlebens keine rechte Vorstellung macht.

[ 12 ] Now, the processes through which one can explore this finer body—which underlies the [gross] physical body that the eyes see as an invisible human being—these methods are indeed intimate; but they are not methods based on any kind of magic, nor on any false mathematics or false mysticism; rather, they are methods that lie entirely in the continuation of what a person already does in their ordinary, everyday spiritual life—simply a continuation of that. What must occur here as an intimate process of the soul, what must be brought about as an intimate process of the soul, dear friends, is first and foremost something that can be described [as] a strengthening of the inner life of thought—[as] a strengthening of the inner life of thought, of which, however, one has no real conception in the ordinary course of soul life.

[ 13 ] Technisch im Sinne der Geisteswissenschaft nennt man diese inneren Verrichtungen, diese inneren Übungen: Konzentration und Meditation im Seelenleben. Was ist nun Konzentration, was ist Meditation im Seelenleben? [Jede] Meditation ist ein Vorstellen, ein Denken, nur eben ein etwas anders geartetes Vorstellen, ein etwas anders geartetes Denken, als das gewöhnliche Vorstellen und das gewöhnliche Denken sind. Und da ich nicht im Nebulösen herumreden möchte, sondern Bestimmtestes mitteilen möchte, so möchte ich, prinzipiell wenigstens, den Meditations-, den Konzentrationsvorgang des Denkens, dieses innere Seelenexperiment schildern — prinzipiell. Alles Weitere finden Sie in den Büchern, namentlich in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» oder in meiner «Geheimwissenschaft im Umriss».

[ 13 ] In spiritual science, these inner activities, these inner exercises, are technically referred to as concentration and meditation in the life of the soul. What, then, is concentration, and what is meditation in the life of the soul? [Every] meditation is a form of imagination, a form of thinking—only a somewhat different kind of imagination, a somewhat different kind of thinking, than ordinary imagination and ordinary thinking. And since I do not wish to speak in vague generalities but rather to convey something very specific, I would like—at least in principle—to describe the process of meditation and concentration in thinking, this inner psychological experiment—in principle. You can find everything else in my books, specifically in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* or in my *An Outline of Esoteric Science*.

[ 14 ] Dasjenige, um was es sich handelt, ist, dass der Mensch — um in dieser Weise den gewöhnlichen alltäglichen Denkprozess und den Denkprozess, den er in der gewöhnlichen Wissenschaft übt —, dass er, um den fortzusetzen, ganz bestimmte Vorstellungen, die er überschauen kann, in den Mittelpunkt seines Bewusstseins stellt.

[ 14 ] The point is that human beings—in order to continue their ordinary, everyday thought process and the thought process they engage in within conventional science—place very specific concepts that they can grasp at a glance at the center of their consciousness.

[ 15 ] Es kommt nicht darauf an, wie sich diese Vorstellungen zu der äußeren Wirklichkeit verhalten, es kommt nicht darauf an, welchen Wahrheitswert zunächst diese Vorstellungen haben; daher ist es sogar besser, wenn man nicht solche Vorstellungen nimmt, welche man aus dem Gedächtnis heraus behält, oder Vorstellungen, welche irgendetwas Äußeres abbilden, sondern wenn man sinnbildliche, symbolische Vorstellungen, bildliche Vorstellungen nimmt. Sagen wir, man stellt sich vor — wenn es auch keinen Wahrheitsinhalt hat, darauf kommt es nicht an; wir werden gleich sehen, warum es nicht darauf ankommt —, man stelle sich zum Beispiel vor: Licht breite sich aus in dem Raum, und in dem Lichte lebe die Weisheit. — Wie gesagt, wie sich das zu irgendeiner Wahrheit verhält, darauf kommt es nicht an.

[ 15 ] It does not matter how these ideas relate to external reality; it does not matter what truth value these ideas initially have; therefore, it is actually better not to use ideas that one retains from memory, or ideas that represent anything external, but rather to use symbolic, figurative ideas. Let’s say one imagines—even if it has no truth content, that doesn’t matter; we will see shortly why it doesn’t matter—let one imagine, for example: light spreading throughout the room, and wisdom dwelling within that light. —As I said, how this relates to any truth is irrelevant.

[ 16 ] Und nun sollte man den ganzen Umfang des Seelenlebens, das ganze Seelenleben so einrichten, dass man nichts, nichts anderes denkt als nur diese eine Vorstellung: Weisheit flutet im Lichte —, dass das ganze Seelenleben, das sonst verteilt ist über Wirklichkeitsvorgänge, Wirklichkeitseindrücke, wechselnde Eindrücke, dass dieses ganze Seelenleben eine gewisse Zeit hindurch festhält diese einzige Vorstellung.

[ 16 ] And now one should organize the entire scope of one’s inner life—one’s entire inner life—in such a way that one thinks of nothing, absolutely nothing else, but only this one idea: Wisdom flows in the light—so that the entire life of the soul, which is otherwise scattered across events of reality, impressions of reality, and shifting impressions, may hold fast to this single idea for a certain time.

[ 17 ] Ich sagte, es kommt nicht auf den Wahrheitsinhalt an desjenigen, was man in das Bewusstsein stellt. Es kommt nicht darauf an, dass man also in das Bewusstsein stellt irgendetwas Äußeres, Abgebildetes, sondern es kommt an auf die innere Tätigkeit; es kommt darauf an, dass die Seele die Tätigkeit mit besonderer Anstrengung ausführt, in einer erhöhten Willensanstrengung lebt, die Tätigkeit dabei ausübt, die eben notwendig ist, um eine einzige Vorstellung in den Mittelpunkt des Bewusstseins zu stellen, um sie längere Zeit, wenn auch nur minutenweise, festzuhalten.

[ 17 ] I said that what one brings into consciousness does not depend on its truth content. It does not matter, then, whether one brings into consciousness something external or represented; rather, what matters is the inner activity; what matters is that the soul carries out this activity with particular effort, lives in a heightened state of volitional exertion, and thereby performs the activity that is necessary to place a single idea at the center of consciousness and to hold it there for a longer period of time, even if only for a few minutes.

[ 18 ] Dadurch, dass man diese Übungen immer wieder und wieder macht, durch Monate — nicht lange Zeiten sind dazu notwendig, obwohl diese Zeiten selbstverständlich ganz abhängen von der Seelendisposition, von der Seele des betreffenden Menschen, der diese Übungen vornimmt —, wenn man also mit innerer Anstrengung übt und insbesondere darauf achtet, wie man sich auf diese Weise innerlich in feiner Art in einer Willenstätigkeit bewegt, um diese Vorstellung zu fassen — denn darauf kommt es an —, dann merkt man nach und nach, dass das gesamte Seelenleben sich ändert. Ändert selbstverständlich nur für diejenigen Zeiten, in denen man diese Seelenübungen vornimmt. Das gesamte Seelenleben fühlt nach und nach, dass es sich loslöst — das ist eine innere Erfahrung —, dass es sich loslöst von all dem, worinnen es sonst lebt. Und der Erfolg ist zunächst ein sehr eigentümlicher.

[ 18 ] By doing these exercises over and over again for months—it does not take a long time, although the duration naturally depends entirely on the disposition of the soul, on the soul of the individual performing these exercises— if, then, one practices with inner effort and pays particular attention to how one moves inwardly in a subtle way through an act of will in order to grasp this image—for that is what matters—then one gradually notices that one’s entire soul life changes. Of course, this change occurs only during the times when one is performing these soul exercises. One’s entire soul life gradually senses that it is detaching itself—this is an inner experience—that it is detaching itself from everything in which it otherwise lives. And the result is, at first, a very peculiar one.

[ 19 ] Der Erfolg ist zunächst der, dass man, wenn man nun versucht — und das muss man versuchen, damit die Übung vollständig ist —, wenn man nun versucht, die Vorstellung, die man in den Mittelpunkt des Bewusstseins gerückt hat, wiederum zu unterdrücken, das heißt: Wenn man aus der Meditation wieder herauskommen will — oder auch schon früher —, dann wird man gerade sehen, wie alle möglichen Vorstellungen aus der Tiefe des Bewusstseins herauf aufsteigen. Ja, man möchte sagen: Niemals hat man so sehr Gelegenheit, zu sehen, welche Unsummen von Vorstellungen da fortwährend eigentlich bestrebt sind, sich über die Schwelle des Bewusstseins heraufzuheben und Macht über die Seele zu gewinnen, wie gerade durch diese Übung. Wenn man nun diese Übung fortsetzt, so tritt eine bestimmte Veränderung ein: Man hat allmählich das Gefühl, dass man sich bewegt in lauter Lebenserinnerungen, in allen möglichen Erinnerungen an das Leben, das man durchgemacht hat, seitdem man angefangen hat zu denken und die Welt zu beobachten in bewusster Weise. Alle möglichen Erinnerungen, die entweder vor kürzerer oder vor längerer Zeit an uns vorübergeflutet sind, sie treten auf; und man fühlt sich so recht — ich möchte sagen — für eine gewisse Zeit als Sklave der auftretenden inneren Seelenreminiszenzen, der Seelen-Erinnerungen.

[ 19 ] The success lies, first of all, in the fact that when one now tries—and one must try this for the exercise to be complete—when one now tries to suppress the image that one has brought to the center of one’s consciousness, that is to say: When one wants to emerge from meditation—or even earlier—one will see precisely how all manner of images rise up from the depths of consciousness. Indeed, one might say: Never has one had such an opportunity to see what vast numbers of images are constantly striving to rise above the threshold of consciousness and gain power over the soul as through this very exercise. If you continue this exercise, a certain change takes place: You gradually get the feeling that you are moving through a stream of life memories—all manner of memories of the life you have lived since you began to think and observe the world consciously. All manner of memories—whether they flooded over us more recently or long ago—surface; and one feels, for a certain time, as if one were—I would say—a slave to the inner reminiscences of the soul, the memories of the soul.

[ 20 ] Nun muss man sich die Fähigkeit aneignen — und sie kommt gewissermaßen von selbst, wenn man die Übung immer weiter und weiter fortsetzt —, man muss sich die Fähigkeit aneignen, zu beobachten, dass jetzt — wenn es auch Lebenserinnerungen sind, die da auftreten — die Art, wie sie in das Bewusstsein treten, anders wird als sonst Lebenserinnerungen im Bewusstsein auftreten: Traumhaft wird die Lebenserinnerung auftreten. Und eines merkt man vor allen Dingen, das ungeheuer wichtig ist, zu bemerken: Sie haftet jetzt nicht im Gedächtnisse, sie flutet vorüber wie Traumesvorstellung. Man weiß genau: Es sind Erinnerungen aus dem Leben; sie fluten jetzt herauf, aber sie rufen nicht als solche jetzt — dadurch, dass sie jetzt da sind —, sie rufen nicht Erinnerungen hervor. Sie kommen, sie gehen; sie quälen uns, sie machen uns sozusagen zu Sklaven; aber sie rufen als solche nicht neue Erinnerungen hervor, sie sind wie überflutende Träume; aber es ist ein zusammenhängendes Ganzes, ein überflutendes Ganzes.

[ 20 ] Now one must acquire the ability—and it comes, so to speak, on its own if one continues the exercise further and further— one must acquire the ability to observe that now—even if these are memories from one’s life that arise—the way they enter consciousness is different from how memories usually appear in consciousness: the memory will arise in a dreamlike manner. And one thing in particular stands out, which is immensely important to notice: It does not now linger in the memory; it flows past like a dream image. One knows exactly: These are memories from life; they are now welling up, but they do not—by virtue of their mere presence—evoke further memories. They come, they go; they torment us, they make us, so to speak, their slaves; but they do not, as such, evoke new memories—they are like surging dreams; yet they form a coherent whole, a surging whole.

[ 21 ] Allen diesen inneren Erlebnissen gegenüber muss man nun fortsetzen die Meditation. Man muss immer wiederum solche Übungen machen, wie sie geschildert worden sind. Dadurch erlangt man allmählich die Fähigkeit, Herr zu werden, in dieser Masse — man möchte sagen — von puren Traumerlebnissen, die da hervortreten. Herr wird man über sie. In der Weise wird man Herr über sie, dass man durch den eigenen Willen sie allmählich verblassen machen kann und abdämpfen kann. Und dieser Wille wird gerade durch das Immer-fort-und-fort-Meditieren so stark, dass man wirklich dahin kommt, den Ideellen, den gedachten Raum, in dem diese Vorstellungen auftreten, leer zu machen, wie ein freies Gesichtsfeld zu machen.

[ 21 ] In the face of all these inner experiences, one must now continue the meditation. One must repeatedly perform the exercises as they have been described. Through this, one gradually gains the ability to master—one might say—this mass of pure dream experiences that emerge. One gains mastery over them. One gains mastery over them in such a way that, through one’s own will, one can gradually cause them to fade and subside. And this will becomes so strong precisely through ceaseless meditation that one truly reaches the point of emptying the ideal, the mental space in which these images arise, making it like a clear field of vision.

[ 22 ] Ja, sehr verehrte Anwesende, was ich jetzt so schilderte, das musste ich zunächst abstrakt schildern; aber es erlebt sich nicht so abstrakt. Das Erlebnis ist ein ungeheuer tiefgehendes. Und das ist das Eigentümliche beim geisteswissenschaftlichen Forschen, dass die Wege, die man einschlagen muss, von bedeutungsvollen, von erschütternden inneren Seelenerlebnissen erfüllt sind. Man kommt nämlich, indem man solche Übungen fortsetzt, in einem gewissen Zeitpunkt dann zu einem Erlebnis, das wahrhaft erschütternd ist; und wenn es eintritt, weiß man: Man ist jetzt zu einem gewissen Punkte gelangt, bis zu dem man gelangen muss, um überhaupt Aussicht zu haben, im geistigen Forschen immer weiter zu kommen. Welches ist nun dieser Punkt?

[ 22 ] Yes, ladies and gentlemen, what I have just described, I had to describe in abstract terms at first; but it is not experienced in such an abstract way. The experience is an immensely profound one. And that is what is so distinctive about spiritual scientific research: the paths one must take are filled with meaningful, deeply moving inner experiences of the soul. For as one continues with such exercises, one eventually arrives at a certain point at which one has an experience that is truly profound; and when it occurs, one knows: One has now reached a certain point—the point one must reach in order to have any prospect at all of making further progress in spiritual research. What, then, is this point?

[ 23 ] Und, sehr verehrte Anwesende, die Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, sie ist wirklich nur möglich — ich möchte sagen —, nachdem das ganze naturwissenschaftliche Denken drei bis vier Jahrhunderte der Menschheitsentwicklung sich einverleibt hat, der geistigen Entwicklung der Menschheit sich einverleibt hat. Sie kann im Grunde genommen aus ähnlichen Gründen erst herauftreten, aus denen die Galilei’schen, die Giordano Bruno’schen, die Kepler’schen Errungenschaften in ihrer Zeit erst auftreten konnten. Aber dasjenige, was durch diese Geisteswissenschaft für die Gegenwart und für die Zukunft in einer gewissen Weise gefunden werden muss, das hat immer die Menschenseele beschäftigt. Ich kann in ausführlicher Weise jetzt nicht darüber sprechen, weil es zu weit führen würde, in welcher Weise man etwas, was dieser Geisteswissenschaft ähnlich ist, in früheren Epochen zur Menschheitsentwicklung getrieben hat. Es ging viel unbewusster vor sich, viel instinktiver vor sich, möchte man sagen, wenn ich ein ungenaues, aber doch bezeichnendes Wort wählen darf. Aber aus den Kräften, welche eben die Menschen damals hatten — welche nicht die Kräfte waren, die gewissermaßen für die Menschheitsentwicklung jetzt beginnen —, kamen die Menschen auch schon zu jenem Punkte, den ich jetzt meine, wo man gleichsam am Eingangstore steht in die geistige Welt. Und sie bezeichneten das Erlebnis, das man nun hat — hat an dem Punkte, den ich bezeichnet habe, auch noch heute hat und haben muss —, sie bezeichneten dies, sehr verehrte Anwesende, mit einem Wort, das man wirklich versteht, wenn man die entsprechenden Erlebnisse durchgemacht hat, mit einem schwerwiegenden Worte. Sie sagten: Die Menschenseele kommt in einem bestimmten Punkte ihrer Entwicklung, bevor sie eintreten kann in die geistige Welt, an die «Pforte des Todes».

[ 23 ] And, ladies and gentlemen, spiritual science, as it is understood here, is truly only possible—I would say—after scientific thinking has been incorporated into three to four centuries of human development, into the spiritual development of humanity. Essentially, it can only emerge for reasons similar to those that allowed the achievements of Galileo, Giordano Bruno, and Kepler to emerge in their time. But what must be discovered in a certain way through this spiritual science for the present and for the future has always preoccupied the human soul. I cannot speak about this in detail now, because it would lead too far afield to explain how something similar to this spiritual science was driven forward in earlier epochs of human development. It took place much more unconsciously, much more instinctively, one might say, if I may choose a word that is imprecise but nonetheless apt. But through the forces that people possessed back then—which were not the forces that are, so to speak, now beginning to shape human development—people had already reached the point I am referring to, where one stands, as it were, at the gateway to the spiritual world. And they described the experience one now has—which one has at the point I have indicated, and which one still has and must have even today—they described this, dear friends, with a word that one truly understands when one has gone through the corresponding experiences, with a weighty word. They said: At a certain point in its development, before it can enter the spiritual world, the human soul arrives at the “Gate of Death.”

[ 24 ] Wie gesagt, man lernt verstehen, was dies heißt, wenn man an den Punkt gekommen ist, den ich jetzt meine: In dem Augenblick, da man gekommen ist dahin, die Ihnen geschilderten, traumhaften Seelenreminiszenzen abzublassen, abzudämpfen, kommt man auch dahin, nun zu wissen, dass man gerade deshalb, weil man als Mensch denken kann, seit der Zeit, seit man die Kräfte des Denkens in sich aufgenommen hat, gerade in den denkerischen Kräften — nicht allein in den denkerischen Kräften, aber gerade auch in den denkerischen Kräften — jene Kraft anzusehen hat, welche nach und nach, indem sie sich in dem Menschen entwickelt — allmählich entwickelt oder auch zeitweise plötzlich —, welche den Menschen hineinführt in den Tod.

[ 24 ] As I said, one learns to understand what this means once one has reached the point I am now referring to: The moment one has reached the point of letting go of and toning down the dreamlike soul reminiscences I have described to you, one also comes to realize that it is precisely because one is capable of thinking as a human being—ever since one has taken on the powers of thought within oneself—that one must look, not only to the powers of thought, but precisely also in the powers of thought—that very power which, as it develops within the human being—gradually or, at times, suddenly—leads the human being into death.

[ 25 ] Diejenige Kraft der Menschennatur, der leiblichen Menschennatur, diejenigen Kräfte, welche in dieser Menschennatur wirksam sind und welche das Instrument gleichsam sind, das Werkzeug sind für das Herrlichste, das wir im äußeren, im physischen Leben haben: für das Denken —, das sind nicht aufbauende Kräfte, nicht aufbauende Lebenskräfte; die fruchtenden Lebenskräfte, die machen den Menschen eher dumpf, drücken sein Bewusstsein unter das Träumen hinunter. Dass des Menschen Bewusstsein hell bis zum Denken werden kann, das verdankt er dem, dass in ihm Todeskräfte, abbauende Kräfte, zerstörende Kräfte sind. Mit dem, was in der Menschennatur als die todbringenden Kräfte wirkt, mit dem hängt innig zusammen dasjenige, was das leibliche Werkzeug für unser Denken ist.

[ 25 ] The forces of human nature—of physical human nature—the forces that are at work within this human nature and that serve, as it were, as the instrument, the tool for the most glorious thing we have in our outer, physical life: for thinking—these are not constructive forces, not constructive life forces; the fruitful life forces, on the other hand, tend to dull the human being, pressing his consciousness down into a dreamlike state. The fact that a human being’s consciousness can become clear enough for thinking is due to the presence within him of forces of death, forces of decay, and destructive forces. What acts within human nature as the life-destroying forces is intimately connected with that which serves as the physical instrument for our thinking.

[ 26 ] Geisteswissenschaft ist in vollständigem Einklange mit der Naturwissenschaft — gerade mit demjenigen in der Naturwissenschaft, sehr verehrte Anwesende, was im Großen und Ganzen Ausbreitung gewinnen wird. Nicht steht Geisteswissenschaft auf dem Standpunkt, dass das Denken, so wie es im gewöhnlichen physischen Leben ausgeübt wird, kein körperliches, kein physisches Instrument braucht. Es braucht ein physisches Instrument. Das heißt: Es braucht, dieses gewöhnliche Denken braucht überall, wo es auftritt, physische Vorstellungen, die sich vollziehen. Das aber sind Abbauvorstellungen. Und in dem Augenblicke, wo man durch die Meditation dahin gekommen ist, das Denken bis zu einem solchen Akte zu [bringen], wie ich ihn geschildert habe, dass man [ablösen] kann die Gedanken, dass man durch das Denken das Denken selber ausbildet, in dem Augenblicke liegt einem mit voller Klarheit vor Augen, wie gerade das gewöhnliche physische Denken an das leibliche Werkzeug — das heißt an die Abbaukraft, an die todbringende Kraft — des gewöhnlichen Gedächtnisses gebunden ist. Man steht — das ist ein inneres Erlebnis — man steht an der Todespforte. Man weiß jetzt, was es heißt: Es gibt im Innern der Seele Kräfte, die sich trennen können von dem Leiblichen, die aber, indem sie sich trennen, auch hinschauen müssen auf dasjenige, was im Leibe todbringend ist.

[ 26 ] Spiritual science is in complete harmony with natural science—specifically with that aspect of natural science, ladies and gentlemen, which, on the whole, will gain ground. Spiritual science does not take the position that thinking, as it is practiced in ordinary physical life, requires no bodily, no physical instrument. It does require a physical instrument. That is to say: this ordinary thinking, wherever it occurs, requires physical images that take shape. But these are images of decay. And the moment one has, through meditation, succeeded in bringing thinking to such an act, as I have described it—that one can detach thoughts, that one can, through thinking, develop thinking itself—at that very moment it becomes fully clear to one how ordinary physical thinking is bound to the physical instrument—that is, to the destructive force, the death-bringing force—of ordinary memory. One stands—this is an inner experience—one stands at the gate of death. One now knows what it means: there are forces within the soul that can separate themselves from the physical, but which, in separating themselves, must also look upon that which is deadly within the body.

[ 27 ] Das ist das erschütternde Erlebnis. Das ist dasjenige, was man seit Jahrtausenden in den Kreisen, in denen man von diesen Dingen wusste, bezeichnet als das «Treten an die Pforte des Todes». Aber man hat es, indem man es bis zu diesem Erlebnis gebracht hat, mit derjenigen Kraft, die im Denken lebt — wohlgemerkt, sehr verehrte Anwesende, nicht mit dem Denken, das uns im physischen Leben beschäftigt, sondern mit der Kraft, die darinnen lebt, und die man jetzt herausgelöst hat —, man hat es dahin gebracht, wirklich sich selber gegenüberzustehen. So sind wir aus uns herausgetreten.

[ 27 ] This is the shattering experience. This is what, for millennia, has been described in circles where such things were known as “knocking at the gate of death.” But by bringing it to this point—through the power that lives within thought—mind you, dear friends, not the thinking that occupies us in physical life, but the power that lives within it and which we have now separated from it—we have brought it to the point of truly facing ourselves. Thus we have stepped out of ourselves.

[ 28 ] Es darf aber nicht einseitig bei diesem Wege bleiben, den ich eben geschildert habe. Würde es bei diesem Wege allein bleiben, so würde man nur dahin kommen, zu wissen, worinnen man mit seinem Denken lebt, wenn man es losgetrennt hat vom physischen Leibe. Man weiß nämlich, in dem Augenblicke, wo man bis zu dem Punkt gekommen ist, den ich Ihnen geschildert habe, dass man lebt und webt eben in einem feineren Elemente als sonst —, man weiß, was es sonst heißt, mit seinem gewöhnlichen Bewusstsein, mit seinen Augen, seinen Ohren, Gesichts- und Gehörempfindungen zu leben, in seinen gewöhnlichen Gedanken zu leben, man weiß, was dies heißt. Man weiß aber auch, was es heißt: außer diesem zu leben.

[ 28 ] However, we must not limit ourselves solely to the path I have just described. If we were to stick to this path alone, we would only come to know the realm in which our thinking exists once it has been separated from the physical body. For at the very moment one has reached the point I have described to you—that one lives and acts in a finer element than usual—one knows what it otherwise means to live with one’s ordinary consciousness, with one’s eyes, ears, and sensory perceptions of sight and hearing, to live in one’s ordinary thoughts; one knows what this means. But one also knows what it means to live outside of this.

[ 29 ] Aber das Festhalten dieses Zustandes ist ein außerordentlich schwieriges. Und weil es schwierig ist, deshalb kann der Mensch zunächst nicht ohne starke, stärkste Willensanstrengungen innerer Natur zu diesem Punkte kommen. Es darf aber eben dieser Weg nicht einseitig bleiben. Und er bleibt nicht einseitig, [allein] durch dasjenige, was wir im Meditieren verrichten schon nicht einseitig. Dadurch, dass wir im Meditieren unseren Willen nicht so anstrengen, dass wir unsere Leibesglieder bewegen, dass wir gehen, dass wir irgendwelche physische Arbeit verrichten oder auch geistige Arbeit verrichten mit dem Gehirn, dadurch, dass wir in dem Meditieren unseren Willen anstrengen, vollziehen wir zugleich eine Willenskultur, eine innere geistige Willenskultur. Und wir gelangen allmählich dazu, unsern Willen auch auf eine ganz neue Weise zu erfühlen, innerlich zu erleben.

[ 29 ] But maintaining this state is an extraordinarily difficult task. And because it is difficult, a person cannot initially reach this point without a strong—indeed, the strongest—exertion of inner will. However, this path must not remain one-sided. And it does not remain one-sided—[simply] because of what we do in meditation, it is already not one-sided. By not exerting our will in meditation to the extent that we move our limbs, walk, perform any kind of physical work, or even engage in mental work with the brain—by exerting our will in meditation, we simultaneously cultivate our will, an inner, spiritual cultivation of the will. And we gradually come to sense our will in a completely new way, to experience it inwardly.

[ 30 ] Würden wir das nicht erreichen durch das Meditieren — und wir erreichen es durch das Meditieren, wenn wir es so treiben, wie es zum Beispiel in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» geschildert wird —, würden wir das nicht erreichen, dass wir unseren Willen gleichsam innerlich in die Hand bekämen, dann würden wir bis zu dem geschilderten Punkte kommen; dann aber würde etwas eintreten wie eine geistige Ohnmacht oder auch wie ein Schlafen. Wir würden in einen unbewussten Zustand hinüberkommen, wir würden nicht unser Ich hinübertragen können in den neuen Zustand.

[ 30 ] If we did not achieve this through meditation—and we do achieve it through meditation when we practice it as described, for example, in my book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds?* — would we not achieve that, would we not gain control of our will, as it were, from within, then we would reach the point described; but then something like a spiritual fainting spell or even a state of sleep would set in. We would slip into an unconscious state; we would not be able to carry our “I” over into the new state.

[ 31 ] Dadurch aber, dass wir zu gleicher Zeit unseren Willen stärken — und wir stärken ihn, wie gesagt, durch jene innere Anstrengung, die im Denken also direkt wirkt, wie es geschildert worden ist — dadurch, dass wir unsern Willen stärken, tragen wir unser Ich hinein in den neuen Zustand, tragen wir ihn hinein in jene feine Leiblichkeit, in der wir [weben und leben] zunächst, wie ich geschildert habe, nach der Abdämpfung und Abtötung der Vorstellungen, was in entsprechender Zeitausdehnung liegt —, wir tragen unser Ich, wir tragen unsern Willen da hinein. Und da tritt nun ein neues erschütterndes Erlebnis, ein erschütterndes Ereignis der Seele ein, das nun wieder durchgemacht werden muss.

[ 31 ] But by strengthening our will at the same time—and we strengthen it, as I have said, through that inner effort which thus acts directly upon thought, as has been described — by strengthening our will, we carry our “I” into this new state; we carry it into that subtle physicality in which we [exist and live] at first, as I have described, after the dampening and dying away of the ideas—a process that takes place over a corresponding span of time—; we carry our “I,” we carry our will into it. And now a new, shattering experience, a shattering event of the soul, occurs, which must now be lived through once again.

[ 32 ] War das erste ein Erlebnis, das uns — wie gesagt — bekannt machte mit dem Todesseelenerlebnis — theoretisch seelisch erlebbarem [Tod] —, bekannt machte mit dem, was man nennen kann «wirklich sterben», so ist das andere, was wir jetzt erleben, dasjenige, was man nennen kann: Man lernt erkennen die Grundlage dessen, was als Schmerz durch die Welt geht, als Schmerz und Leid.

[ 32 ] If the first was an experience that—as I said—introduced us to the experience of the dying soul—[death] that can be experienced theoretically on a spiritual level—and to what one might call “truly dying,” then the other, which we are now experiencing, is what one might call: One learns to recognize the foundation of what passes through the world as pain—as pain and suffering.

[ 33 ] Daher wird derjenige, der die Wege zu den ewigen Kräften der Menschenseele gegangen ist, immer auch zu sagen wissen von dem, welches die Grundlagen dafür sind, warum Schmerz und Leid durch die Welt fluten und wallen müssen. Denn dieses Hineintragen des eigenen Ich, des eigenen Willen in die neue Welt ist mit einer leidvollen Anstrengung verknüpft, mit einer vollen Anstrengung, die noch dazu verbunden ist mit tiefster, tiefster Einsamkeit. Es ist die übrige Welt wie zunächst versunken. Man ist innerhalb einer weiten, weiten Leere wie mit sich allein. Man hat zunächst nur seinen eigenen Willen und damit sein eigenes Ich in diese Welt hineingetragen.

[ 33 ] Therefore, anyone who has walked the paths leading to the eternal powers of the human soul will always be able to speak of the underlying reasons why pain and suffering must flood and surge through the world. For this bringing of one’s own self, of one’s own will, into the new world is linked to a painful struggle—a total effort that is, moreover, accompanied by the deepest, deepest loneliness. The rest of the world seems, at first, to have sunk into oblivion. One finds oneself within a vast, vast emptiness, as if alone with oneself. At first, one has brought only one’s own will—and with it, one’s own “I”—into this world.

[ 34 ] Dass alles dasjenige, was sich ins Dasein erschafft, was ins Dasein eintritt, durch die Sphäre des Leides in das Dasein eintreten muss — was einfach ein Weltgesetz ist —, das lernt man jetzt erkennen. Und erkennen lernt man, dass alles dasjenige, was als wunderbare Welt, an Schönheiten und Weisheiten und an sonstigem Nützlichen und Lustvollen die Welt durchpulst, dass das nur so sein kann wie die Blüte, die sich aus der Pflanze heraus erhebt — aber in den Wurzeln sind als Untergrund Leid und Schmerzen.

[ 34 ] One now comes to realize that everything that comes into being, everything that enters existence, must do so through the sphere of suffering—which is simply a law of the world. And one comes to realize that everything that pulses through the world as a wondrous realm—filled with beauty, wisdom, and all manner of useful and pleasurable things—can only exist in the same way as a flower that rises from a plant—yet beneath it, in the roots, lie suffering and pain.

[ 35 ] Wer das nicht als eine Wirklichkeit anerkennen würde, der stünde auf demselben Standpunkte wie einer, der nicht anerkennen will, dass die drei Winkel eines Dreieckes 180 Grad sind. Wenn etwas ein Dreieck sein will, so müssen die drei Winkel 180 Grad betragen. So auch kann sich alles Große, alles Herrliche, alles Schöne, alles dasjenige, was sich an Harmonischem in der Welt entwickelt, kann sich nur aus dem Element des Schmerzes heraus entwickeln. Und diesen Schmerz der Seele muss man jetzt, wo man in ein Urelement eintritt, wiederum kennenlernen.

[ 35 ] Anyone who would not acknowledge this as a reality would be taking the same stance as someone who refuses to acknowledge that the three angles of a triangle total 180 degrees. If something is to be a triangle, its three angles must total 180 degrees. Likewise, everything great, everything magnificent, everything beautiful—everything harmonious that develops in the world—can only develop out of the element of pain. And now, as we enter a primal element, we must once again come to know this pain of the soul.

[ 36 ] Aber nun tritt allerdings auf diesem Punkt des Erkenntnisweges, sehr verehrte Anwesende, etwas auf, was, wenn man es schildert, ja, ich kann sagen, erst recht wie eine Phantasterei, wie ein Traum erscheint, weil man gewohnt ist, nach dem, was eben heute gilt, solche Dinge hinzunehmen, [wie] wenn sie bildlich gemeint sind, [wie] wenn sie irgendetwas allegorisch darstellen. Aber so, wie ich sie hier geschildert habe, stellen sie etwas dar — so stellen sie wirkliche, reale innere Seelenerlebnisse dar, Wirklichkeiten dar in einem noch höheren Sinne, wie die äußeren Wirklichkeiten des physischen Raumes und der physischen Zeit sind.

[ 36 ] But now, however, at this point on the path to knowledge, my esteemed audience, something arises which, when described, yes, I can say, seems all the more like a fantasy, like a dream, because we are accustomed, according to what is generally accepted today, to accepting such things [as] if they were meant figuratively, [as] if they were representing something allegorically. But as I have described them here, they represent something—they represent real, actual inner soul experiences, realities in an even higher sense than the external realities of physical space and physical time.

[ 37 ] Dasjenige, worauf man jetzt kommt, das ist: Man lernt erkennen, dass allem Willen — und man hat ja den Willen jetzt herausgetragen in ein ganz anderes Gebiet, in das Gebiet — nun lassen Sie uns das aussprechen, ich glaube, man braucht sich an Ausdrücken nicht zu stoßen —, in das Gebiet des ätherischen Erlebens.

[ 37 ] What we’re getting at now is this: One comes to recognize that all volition—and one has now extended volition into an entirely different realm, into the realm—well, let’s say it plainly; I don’t think we need to shy away from such expressions—into the realm of etheric experience.

[ 38 ] Nachdem man den Willen nun da herübergetragen hat, seinen eigenen Willen, lernt man erkennen, dass diesem Willen, der im Menschen waltet, nun etwas zugrunde liegt, was man den eigentlichen geistig-seelischen Wesenskern des Menschen nennen kann, was aber nicht früher zur äußeren Anschauung oder auch zur inneren Anschauung kommt — man kann sagen äußerlich in Bezug auf seine Objektivität, innerlich in Bezug auf uns selber —, was nicht anders zur Anschauung kommen kann, als dadurch, dass man [die Abdämpfung der Gedanken in der geschilderten Form vollzogen hat]. Jetzt merkt man, dass in alle dem Willen, der durch unsere Hände, durch unser Gehen, durch all unsere Arbeit, durch alle unsere Sehnsucht waltet, dass in allem diesen Willen ein Kern darinnen ist, aber ein solcher Kern, der Bewusstsein hat, der ein Wesen ist.

[ 38 ] Now that one has carried over one’s will—one’s own will—one comes to recognize that this will, which reigns within the human being, is now grounded in something that can be called the actual spiritual-soul core of the human being—something that does not previously come to outward perception or even to inner perception—one might say outwardly in terms of its objectivity, inwardly in terms of ourselves—and which cannot come to perception in any other way than by [have accomplished the quieting of thoughts in the manner described]. Now one realizes that in all this will—which reigns through our hands, through our walking, through all our work, through all our longing—that within all this will there is a core, but a core that possesses consciousness, that is a being.

[ 39 ] Das ist das Unglaubliche, sehr verehrte Anwesende, aber es ist eben wahr: Man entdeckt jetzt ein anderes Bewusstsein in sich, einen inneren Zuschauer — aber wie gesagt, man versteht das nur, wenn man die Sache nicht für ein Bild, sondern für eine Realität nimmt —, man entdeckt in sich einen inneren Zuschauer, den man immerfort in sich trägt, der auch handelt, der ein eigenes Bewusstsein hat.

[ 39 ] This is incredible, ladies and gentlemen, but it is indeed true: One now discovers another consciousness within oneself, an inner observer—but as I said, one understands this only if one takes the matter not as a mental image but as a reality—one discovers within oneself an inner observer whom one carries within oneself at all times, who also acts, who has a consciousness of his own.

[ 40 ] Und diesen Zuschauer, wenn man ihn entdeckt — entdeckt im Lichte desjenigen, was man selber erst hergestellt hat durch seine Meditation —, der nur in diesem neuen Element, in dieser neuen Sphäre erscheinen kann, diesen inneren Zuschauer erkennt man als dasjenige, das vorangegangen ist unserer Geburt, oder sagen wir, unscrer Empfängnis, und [man erkennt,] dass wir durch die Pforte des Todes schreiten, wenn wir einmal physisch durch den Tod gehen.

[ 40 ] And this observer—when one discovers him, in the light of what one has oneself first brought into being through meditation—who can appear only in this new element, in this new sphere—this inner observer is recognized as that which preceded our birth, or, shall we say, our conception, and [one recognizes] that we pass through the gate of death when we physically die.

[ 41 ] Man hat auf diese Weise entdeckt, sehr verehrte Anwesende, das Element, die geistige Welt, in der unser innerer Mensch leben kann, und man hat entdeckt dasjenige, was dieser innere Mensch selber ist. Es ist etwas ganz, ganz Neues. Und von jetzt ab lernt man erkennen, in der geistigen Welt zu schauen. Und man muss sagen: Alles ist nur eine Vorbereitung. Das Schauen, das kann nur von selber kommen. Denn, was man so vorgenommen hat, es war alles nur Vorbereitung. Es war so wie dasjenige, was die Natur vorgenommen hat, um uns ein Auge zu geben. Und wenn das Auge einmal da ist, dann schaut es. Wir haben das innere Auge gebildet. Wir haben das innere Sehorgan, das geistige Auge; auch das Geistgehör — um diesen Ausdruck Goethes zu gebrauchen. Wir haben die Welt, in die wir versetzt haben unsern inneren Zuschauer, in die Sphäre, die wir selbst jetzt geschaffen haben. Wir leben jetzt in der geistigen Welt, und dieser Zuschauer im Menschheitlichen fängt an, zu sehen, schaut dasjenige, was immer in der Geistwelt um uns herum ist, was aber von dem gewöhnlichen Menschenbewusstsein nicht wahrgenommen werden kann; wie [auch derjenige], der noch [ohne] physische Beobachtung keine Ahnung hat, dass Luft um ihn herum ist, auch glauben kann, dass der Raum um uns herum leer ist, so umgibt uns die geistige Welt, so lebt sie um uns herum.

[ 41 ] In this way, my dear friends, we have discovered the element—the spiritual world—in which our inner being can live, and we have discovered what this inner being itself is. It is something entirely, entirely new. And from now on, we learn to see into the spiritual world. And we must say: Everything is merely a preparation. Seeing can only come of its own accord. For what we have undertaken was all merely preparation. It was like what nature has done to give us an eye. And once the eye is there, it sees. We have formed the inner eye. We have the inner organ of sight, the spiritual eye; and also the spiritual hearing—to use Goethe’s expression. We have the world into which we have placed our inner observer, into the sphere that we ourselves have now created. We now live in the spiritual world, and this observer within humanity begins to see, perceiving whatever is always present in the spiritual world around us, yet which cannot be perceived by ordinary human consciousness; just as [even someone] who, [without] physical observation, has no inkling that air surrounds him, and may even believe that the space around us is empty—so the spiritual world surrounds us; so it lives all around us.

[ 42 ] Aber es muss erst das Organ, das geistige Auge, das geistige Ohr da sein. Und zur Vorbereitung, zur Zubereitung desselben muss alle Denkkraft, müssen alle diejenigen Kräfte, die wir sonst in der gewöhnlichen Wissenschaft und bei dem gewöhnlichen Leben bis zu einem Ziel anwenden, sie müssen zur Vorbereitung angewandt werden.

[ 42 ] But first, the organ—the spiritual eye, the spiritual ear—must be present. And in order to prepare and attune it, all our powers of thought—all those forces that we otherwise apply toward a specific goal in ordinary science and in everyday life—must be directed toward this preparation.

[ 43 ] Daher tritt auch das Eigentümliche ein, sehr verehrte Anwesende, dass, so sonderbar es klingt: Während den gewöhnlichen äußeren Erscheinungen gegenüber die Augen sehen, die Ohren hören — kurz: die Sinneswahrnehmung —, der gewöhnliche Verstand kombiniert, während man diese Erscheinungen zuerst anschauen muss, und dann versteht, während man da nachdenkt, nachbeobachtet im Denken, muss man gegenüber demjenigen, was man in der geistigen Welt erlebt, zuerst verstehen, zuerst den Begriff haben, und dann kann man, wenn man es verstanden hat, wenn man es begriffen hat, dann kann man das Schauen gewinnen. Dann kann man hineinschauen in die geistige Welt.

[ 43 ] Hence, distinguished guests, something peculiar occurs—as strange as it may sound: While, in the case of ordinary external phenomena, the eyes see and the ears hear—in short: sensory perception—the ordinary mind synthesizes; whereas one must first look at these phenomena and then understand them, reflecting on them and observing them further in thought, when it comes to what one experiences in the spiritual world, one must first understand it, first have the concept, and then, once one has understood it, once one has grasped it, one can gain the ability to see. Then one can look into the spiritual world.

[ 44 ] Sehr verehrte Anwesende, nachdem ich Ihnen in positiver Weise geschildert habe, wie der Mensch seine Seele zubereiten kann, damit er wirklich, wie er mit den gewöhnlichen physischen Augen die physische Welt schaut, mit einem erweiterten geistigen Auge und geistigem Ohr die geistige Welt wahrnehmen kann, nachdem ich Ihnen dies geschildert habe, sehr verehrte Anwesende, möchte ich auch aufmerksam machen auf all die Bedenken, die mit Recht dem, was ich gesagt habe, gegenübergestellt werden. Und es stehen nicht nur logischerweise, sondern auch praktisch der Sache ganz bedeutsame Bedenken gegenüber.

[ 44 ] Ladies and gentlemen, having described to you in a positive light how a person can prepare their soul so that they may truly perceive the spiritual world with an expanded spiritual eye and spiritual ear, just as they see the physical world with their ordinary physical eyes, having described this to you, distinguished guests, I would also like to draw your attention to all the reservations that are rightly raised in response to what I have said. And there are reservations that are quite significant, not only logically but also practically.

[ 45 ] Nehmen wir nur einmal die Tatsache, dass wir uns mit unserem Denken in der Meditation, in der Konzentration bis zu einem gewissen Punkte hin zu entwickeln haben, und dass wir dann das, was wir da entwickelt haben in unserer Seele, für irgendetwas Maßgebliches ansehen, um in eine andere Welt hineinzukommen.

[ 45 ] Let us just consider the fact that, through meditation and concentration, we must develop our thinking to a certain point, and that we then regard what we have developed within our soul as something essential for entering another world.

[ 46 ] Wie gesagt, Geisteswissenschaft will in keinem Punkte im Widerspruch sein zu der Naturwissenschaft, wenn sie richtig verstanden wird. Allein der Naturforscher, der noch nicht zum richtigen Verständnis der Geisteswissenschaft, namentlich ihrer Welt emporgedrungen ist, der wird nun mit Recht, mit vollem Recht — ich betone es ausdrücklich — einwenden: Ja, Du Geistesforscher, was gibst Du Dich für Illusionen hin? Du glaubst, Du hast durch Deine Konzentration, durch Deine Meditation Dein Denken in einer gewissem Weise entwickelt, dass es etwas ganz Neues wahrnehmen kann. Du weißt ja eben nicht, wie viel Unbewusstes, wie viel Dunkles im Seelenleben des Menschen vorhanden ist. Das nimmst Du alles mit auf Deinem Gedankenweg. Denke nur einmal nach, wie es der Naturforscher weiß oder wissen kann, wie durch die besonderen Dispositionen des Nervensystems, wie durch alles dasjenige, was durch unsere Vererbungsverhältnisse unserem Nervensystem wie angeboren ist, wie durch das der Mensch ganz bestimmte Dispositionen, von denen er nichts weiß, Gedankenrichtungen, Gedankenneigungen in sich trägt, wie er diese mitschleppt. Ist es denn da nicht ganz. selbstverständlich, dass man, wenn man also sein Denken gleichsam dressiert, man könnte auch sagen: malträtiert, dass man dann etwas scheinbar Neues zwar wahrnimmt, aber in Wahrheit wirklich nur etwas, was im unbewussten, unterbewussten Seelenleben längst gewartet hat, und nur deshalb als etwas Neues ausschaut, weil es früher nicht zum Bewusstsein gekommen ist, früher nicht die Schwelle des Bewusstseins überschritten hat? — Und der Geistesforscher muss ausdrücklich solche sachlichen Einwände des Naturforschers als berechtigt anerkennen. Und sie sind sogar sachlich berechtigt; denn diejenigen Menschen, die auf leichte Art, ohne die sorgfältige Art desjenigen, was zum Beispiel als die geisteswissenschaftliche Meditationsmethode in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ausgeführt ist, die ohne die sorgfältige Beobachtung dieser Methode leicht in die geistige Welt eintreten wollen, die kommen sehr leicht dazu, zu glauben: Sie sehen etwas ganz Neues. Sie erzählen dann von allen möglichen Dingen, aber sie haben nichts vor sich als ihre Illusionen, als dasjenige, was sie aus ihrer eigenen Seele herausgebären, aus dem einfachen Grunde, weil sie nicht wissen, dass sie das schon früher in den Seelen gehabt haben, und es nur jetzt, durch ihre Anstrengungen herausstellen.

[ 46 ] As I said, spiritual science does not seek to contradict natural science in any way, provided it is correctly understood. However, the natural scientist who has not yet risen to a true understanding of spiritual science—namely, its world—will now rightly, quite rightly—and I emphasize this expressly—object: “Yes, you researcher of the spiritual sciences, what illusions are you indulging in? You believe that through your concentration and meditation you have developed your thinking in such a way that it can perceive something entirely new. But you simply do not know how much of the unconscious, how much darkness exists in the human soul. You take all of that with you on your journey of thought.” Just think for a moment about how the natural scientist knows—or can know—how, through the specific dispositions of the nervous system, through everything that is, as it were, innate in our nervous system due to our hereditary factors, how a person carries within themselves very specific dispositions—of which they are unaware—certain lines of thought and mental inclinations, and how they carry these along with them. Isn’t it then quite obvious that when one, so to speak, “trains”—or one might even say “maltreats”—one’s thinking, one then perceives something that appears to be new, but in truth is really only something that has long been waiting in the unconscious and subconscious life of the soul, and appears new only because it had not previously come into consciousness, had not previously crossed the threshold of consciousness? — And the spiritual researcher must explicitly acknowledge such factual objections raised by the natural scientist as justified. And they are indeed objectively justified; for those people who, in a casual manner—without the careful approach outlined, for example, in the spiritual-scientific meditation method described in my book *How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?*—and without the careful observation required by this method, wish to enter the spiritual world easily, very readily come to believe that they are seeing something entirely new. They then recount all sorts of things, but they have nothing before them but their illusions—that which they give birth to from within their own souls—for the simple reason that they do not know they already possessed these things in their souls before, and are only now bringing them to light through their own efforts.

[ 47 ] Solche Menschen, die auf leichte Weise in die geistige Welt hineinkommen wollen, werden nicht selbst Forscher, sondern Illusionäre. Sie geben sich jeder Gelegenheit hin, die ihnen allerdings als etwas Neues erscheinen muss. Also nicht nur eine theoretische, nicht nur eine logische Art, sondern eine praktische Art ist nötig. Aber darauf kommt es erstens an, dass der Geistesforscher in der Lage ist, sorgfältig Schritt für Schritt seinen Forschungsweg zu prüfen, und dass ihn sein Forschungsweg gerade dahin führt, zu überschauen nach und nach, was im Laufe des Lebens in sein Seelenleben hereingetreten ist; und dass er dazu gelangt, alle die auftretenden Vorstellungen abzudämpfen, abzutöten — darauf kommt es an. Denn indem man diesen Akt wirklich üben lernt und ihn erkennen lernt, handhaben lernt innerlich, dämpft man nicht nur die bewussten Vorstellungen, die da heraufkommen, ab, sondern man weiß ganz genau: Man dämpft auch alle unbewussten Vorstellungen ab; man überwindet das Denken im Denken.

[ 47 ] Such people, who wish to enter the spiritual world with ease, do not become researchers themselves, but rather those who are deluded. They throw themselves into every opportunity—which, of course, must appear to them as something new. Thus, what is needed is not merely a theoretical or logical approach, but a practical one. But what matters first and foremost is that the spiritual researcher be able to carefully examine his path of research step by step, and that this path lead him precisely to gradually survey what has entered his inner life over the course of his existence; and that he come to dampen and extinguish all the images that arise—that is what matters. For by truly learning to practice this act, to recognize it, and to master it inwardly, one not only dampens the conscious ideas that arise, but one knows quite precisely: one also dampens all unconscious ideas; one overcomes thinking within thinking.

[ 48 ] Was ist das? Das lässt sich allerdings nur erleben, nur erfahren. Aber es kommt alles darauf an, dass eben die Dinge erfahren und erlebt werden — so wie ja auch im Äußeren eben alles darauf ankommt, dass man die Wahrheit erlebt.

[ 48 ] What is that? That, however, can only be experienced, only lived through. But it all depends on these very things being experienced and lived through—just as, in the external world, everything depends on one experiencing the truth.

[ 49 ] So also, sehr verehrte Anwesende, ist dasjenige, was von dieser Seite von der Naturwissenschaft eingewender wird, zunächst voll berechtigt. Es muss aber auch noch anderes gesagt werden. Der Naturforscher wird sagen: Ja, sich einmal, wir kennen ganz gut jene krankhaften Seelenzustände, wo der Mensch glaubt, eine besondere Schau zu haben. Aber wir kennen die körperlichen, die physischen Veranlassungen, die einen zu Illusionen, zu Halluzinationen führen; dasjenige, was Du da vorbringst, das sind nur feinere Illusionen, feinere Halluzinationen. Das muss gesagt werden, sehr verehrte Anwesende, dass mit dem, was in dieser Weise der Naturforscher spricht, der Geistesforscher voll einverstanden ist. Denn gerade durch die Wege, die er einschlägt, und die ich Ihnen, wenigstens prinzipiell, geschildert habe, wird alles dasjenige gerade überwunden. Man lernt es erkennen und überwindet es: Was im gewöhnlichen Sinne, im abergläubischen oder sonstigen gewöhnlichen Sinne Hellsehen genannt wird. Und wenn man das Schauen mit den geistigen Augen und geistigen Ohren, wie ich es geschildert habe, ein Hellsehen nennen will, so muss man etwas ganz anderes unter Hellsehen verstehen, als im gewöhnlichen Leben so sehr häufig verstanden wird, und das leichten Herzens so oft als etwas anerkannt wird, was in besonders geistige Welten hineinführen kann, all dasjenige, was da als Halluzination, als Illusion auftritt, und was auch dem gewöhnlichen Hellsehen zugrunde liegt, das ist nicht, sehr verehrte Anwesende, ein Heraustreten mit dem Seelenkern aus dem Leibe, sondern das ist ein viel gründlicheres Gebundensein an den Leib, als das gewöhnliche, alltägliche Leben des gesunden, normalen Menschen ist.

[ 49 ] So then, ladies and gentlemen, the objections raised from this perspective by the natural sciences are, at first glance, entirely justified. But there is more to be said. The natural scientist will say: Yes, of course, we are quite familiar with those pathological states of mind in which a person believes they have a special vision. But we know the physical causes that lead to illusions and hallucinations; what you are presenting here are merely more subtle illusions, more subtle hallucinations. It must be said, ladies and gentlemen, that the researcher of the spiritual realm fully agrees with what the natural scientist says in this regard. For it is precisely through the paths he takes—which I have described to you, at least in principle—that all of this is overcome. One learns to recognize it and overcome it: what is called “clairvoyance” in the ordinary sense, in the superstitious or other common sense. And if one wishes to call the seeing with the spiritual eyes and spiritual ears, as I have described it, “clairvoyance,” then one must understand “clairvoyance” to mean something entirely different from what is so frequently understood in ordinary life—and what is so often lightly accepted as something that can lead into particularly spiritual worlds— all that which appears there as a hallucination or an illusion—and which also underlies ordinary clairvoyance—is not, dear friends, a stepping out of the body with the soul core, but rather a much more profound bondage to the body than is the case in the ordinary, everyday life of a healthy, normal person.

[ 50 ] Und dasjenige, was oftmals im gewöhnlichen Leben Hellsehen genannt wird, das führt nicht zu dem, wozu, wie wir hören werden, dieses wahre Hellsehen führt, von dem ich heute zu reden habe, sondern das führt dazu, dass man lernt — während man mit dem gewöhnlichen gesunden Denken dasjenige erkennt, was günstig ist für den Menschen zwischen Geburt und Tod —, durch dieses Hellsehen, welches durch krankhafte Organisation die Seele enger bindet an den Leib, als sie sonst gebunden ist, man lernt etwas erkennen, was eine viel geringere Bedeutung hat: Man lernt nichts Ewiges der Menschenseele erkennen, sondern im Gegenteil etwas viel Zeitlicheres, als man mit dem gewöhnlichen, alltäglichen Denken erkennen lernt. Daher sind diese Erkenntnisse viel weniger wert als beim gewöhnlichen, alltäglichen Denken. So wie man abhängig wird dadurch, dass man, sei es irgendwo, auch nur den kleinsten Schmerz hat, abhängig wird vom Leibe, so wird, wenn irgendeine krankhafte Veranlagung im Leibe vorliegt, das innere Seelenleben gerade darauf konzentriert. Und man lebt, wenn ich mich grob ausdrücken darf, in einem kleineren Stück, in einem kleineren Teil der Leiblichkeit; während man mit dem gewöhnlichen Denken in der ganzen Leiblichkeit lebt.

[ 50 ] And what is often called clairvoyance in everyday life does not lead to what, as we shall hear, this true clairvoyance—which I am speaking about today—leads to; rather, it leads one to learn—while using ordinary, sound thinking to recognize what is beneficial for human beings between birth and death— through this clairvoyance—which, due to a pathological constitution, binds the soul more closely to the body than it otherwise would be—one learns to recognize something of far lesser significance: one learns to recognize nothing eternal in the human soul, but rather, on the contrary, something far more temporal than what one learns to recognize through ordinary, everyday thinking. Therefore, these insights are of far less value than those gained through ordinary, everyday thinking. Just as one becomes dependent on the body when one experiences even the slightest pain anywhere, so too, when any pathological predisposition is present in the body, the inner life of the soul becomes focused precisely on that. And one lives—if I may put it bluntly—in a smaller part, in a smaller aspect of physicality; whereas with ordinary thinking, one lives within the entirety of physicality.

[ 51 ] Aber — ich möchte sagen — das wach in die geistige Welt hineinführende Hellsehen, das führt eben gerade aus dem Leiblichen heraus. Deshalb ist es erst da, wenn dieses Leibliche wie ein Außending — wie andere Außendinge, neben uns, außer uns —, in der Weise, wie ich es geschildert habe, beobachtet werden kann.

[ 51 ] But—I would like to say—clairvoyance, which leads us into the spiritual world, leads us precisely out of the physical realm. That is why it exists only when this physical realm can be observed as an external thing—like other external things, beside us, outside of us—in the way I have described.

[ 52 ] Wenn man nun, sehr verehrte Anwesende, so weit gekommen ist, dass man diesen inneren Zuschauer, den ich geschildert habe, diesen inneren Seelenkern wirklich erlebt, innerlich erlebt, dann lebt man in einer geistigen Welt. Vor allen Dingen lebt man in derjenigen geistigen Welt, die unsere Welt ist vor unserer Geburt — oder sagen wir, vor unserer Empfängnis und nach unserem Tode.

[ 52 ] Now, my dear friends, once you have reached the point where you truly experience—internally experience—this inner observer that I have described, this inner core of the soul, then you are living in a spiritual world. Above all, one lives in the spiritual world that is our world before our birth—or, let us say, before our conception and after our death.

[ 53 ] Und jetzt gibt es nicht dasjenige, was man im gewöhnlichen Sinne einen Beweis nennt für die Unsterblichkeit, sondern jetzt gibt es eben für den Geistesforscher das Erfahren dieser Unsterblichkeit, und man lernt diesen Seelenkern kennen.

[ 53 ] And now there is not what is commonly called proof of immortality, but rather, for the spiritual researcher, there is the experience of this immortality, and one comes to know this core of the soul.

[ 54 ] Ja, sehr verehrte Anwesende, wenn man sonst kennenlernt dasjenige, was diesem Seelenkern entspricht, dann lernt man es in einer sehr ungeeigneten Weise. Denn, was ist denn dieser Seelenkern? Ist er sonst auch irgendwie da im Menschen?

[ 54 ] Yes, ladies and gentlemen, if one does come to know what corresponds to this core of the soul, one comes to know it in a very inappropriate way. For what, after all, is this core of the soul? Is it even present in human beings in any way?

[ 55 ] Sehen Sie, dasjenige Bewusstsein, das eigentlich kein Bewusstsein ist, das der Mensch hat vom Einschlafen bis zum Aufwachen, das lebt in diesem Seelenkern, und lebt in dem, was der innere Zuschauer ist. Nur ist das Bewusstsein so gering vom Einschlafen bis zum Aufwachen, dass es eben kein Bewusstsein ist; das heißt, die Vorstellung, alles das, was der Mensch da innerlich erlebt, ist so dumpf, dass eben Unbewusstsein darüber ausgegossen ist. Und durch die Anstrengungen, die man gemacht hat, gelangt man dazu, willkürlich, nicht nur im Schlafe, sondern willkürlich dasselbe aus dem Leib herauszuziehen, was sonst nur im Schlafe durchlebt wird [und wo] man unbewusst als Geist unter Geistern, unter seelisch-geistigen Wesen lebt, [und wo man] jetzt bewusst drinnen lebt.

[ 55 ] You see, that consciousness—which is not really consciousness at all—that a person has from the moment they fall asleep until they wake up, dwells within this soul core and within what is known as the inner observer. But this consciousness is so faint from the moment one falls asleep until one wakes up that it is, in fact, not consciousness at all; that is to say, the perception—everything a person experiences inwardly—is so dull that it is completely shrouded in unconsciousness. And through the efforts one has made, one is able—at will, not only in sleep but at will—to draw out of the body that which is otherwise experienced only in sleep [and where] one lives unconsciously as a spirit among spirits, among soul-spiritual beings, [and where one] now lives consciously within.

[ 56 ] Deshalb darf der Geistesforscher, weil er sein Denken so fühlen kann, dass das in der feineren Leiblichkeit drinnen lebt, wie ich es geschildert habe, und dass er lebt, indem er seinen Willen fühlt und den Willen kennenlernt, in dem, worinnen der Mensch unbewusst lebt im Einschlafen und Aufwachen —, deshalb darf der Geistesforscher von dem feineren Leibe, und er darf auch von den anderen Leib sprechen, welcher sich getrennt von der Leiblichkeit im Schlafe erleben lässt. Aber man lernt es im Schlafe so kennen, dass man weiß gewissermaßen — ich muss es jetzt bildlich ausdrücken, obwohl das alles in ganz wissenschaftlichen Formen auszudrücken ist, das würde aber jetzt zu weit führen —, dass, wenn dieser innere Seelenkern — das, was im Schlafe außerhalb des Leibes ist, außerhalb des physischen Leibes ist —, anstößt an den physischen Leib, dann entwickelt sich das, was eigentlich in dem Seelenkern [...] lebt, im Seelenkern des Menschen lebt als Träumen, und er spiegelt vor das, was eben Traumerscheinungen sind, Lebensreminiszenzen sind oder dergleichen.

[ 56 ] Therefore, because the spiritual researcher can perceive his thinking in such a way that it lives within the finer physicality, as I have described, and because he lives by perceiving his will and coming to know the will within which the human being unconsciously lives during sleep and waking— therefore, the spiritual researcher may speak of the finer body, and he may also speak of the other body, which can be experienced as separate from physicality during sleep. But one comes to know it in sleep in such a way that one knows, so to speak—I must now express this figuratively, although all of this should be expressed in entirely scientific terms, but that would take us too far afield—that when this inner soul core —that which, in sleep, is outside the body, outside the physical body— comes into contact with the physical body, then what actually lives in the soul core [...] lives in the human soul core as dreaming, and it projects what are precisely dream phenomena, reminiscences of life, or the like.

[ 57 ] Das ist aber nicht dasjenige, was eigentlich in dem Seelenkern wirklich lebt. Wenn er außerhalb des Leibes — wie es durch dir Geistesforschung geschehen kann in der angedeuteten Weise —, erlebt wird, dieser Seelenkern, da weiß man, was dieser Seelenkern ist.

[ 57 ] But that is not what actually lives within the core of the soul. When this core of the soul is experienced outside the body—as can happen through spiritual research in the manner described—then one knows what this core of the soul is.

[ 58 ] Ja, was ist er denn? Dasjenige, was durch die Pforte des Todes geht, dasjenige, was unsere Lebensfrüchte sind, dasjenige, was wir denken, fühlen und vollbringen, und was in unserem Denken, Fühlen und Vollbringen zwischen unserer Geburt und dem Tode sich als Früchte, als Keime zubereitete, das durch die Pforte des Todes trägt.

[ 58 ] Yes, what is it, then? That which passes through the gate of death—that which is the fruit of our lives, that which we think, feel, and accomplish, and that which, in our thinking, feeling, and accomplishing between our birth and death, has been prepared as fruit, as seeds—that is what passes through the gate of death.

[ 59 ] Und wenn man nun so schaut auf die Weise, wie es beschrieben worden ist, so merkt man aus all dem, was im gewöhnlichen Leben nicht zum Bewusstsein kommt, was aber in unserem Innern sich so entwickelt, wie der Pflanzenkeim in der Blüte sich entwickelt, um zur nächsten Pflanze zu werden, so gewiss, wie man weiß, dass die Natur des Pflanzenkeims so ist, dass er wieder eine Pflanze entwickeln kann, so weiß man, dass, was da als nur ein Beobachter, als dieses zweite Wesen, als der andere Mensch in dir lebt, was da drinnen ist, das ist der Keim zu einem neuen Erdenleben. Man weiß, das braucht nur durch eine Zeit der Entwicklung im geistigen Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt durchzugehen, und es entwickelt sich so wahr, was zum einzelnen Erdenleben sich entwickelt, wie sich wahr entwickelt der einzelne Pflanzenkeim zu einer neuen Pflanze. Nur dass da in der äußeren physischen Welt für den Pflanzenkeim Hindernisse sein können in seiner Entwicklung; während in der geistigen Welt jedenfalls für den Seelenkern keine Hindernisse, keine Hemmnisse sein können, sondern er unter allen Umständen wiederum eintreten wird in ein anderes Erdenleben!

[ 59 ] And when one looks at it in the way it has been described, one realizes from all that which does not come to consciousness in ordinary life—but which develops within us just as the plant seed develops within the flower to become the next plant— just as surely as one knows that the nature of the plant seed is such that it can develop into a new plant, so one knows that what lives there as merely an observer, as this second being, as the other human being within you—what is there inside—is the seed of a new earthly life. We know that this need only undergo a period of development in the spiritual life between death and a new birth, and what develops into an individual earthly life does so just as truly as the individual plant seed develops into a new plant. The only difference is that in the outer physical world there may be obstacles to the plant seed’s development; whereas in the spiritual world there can be no obstacles or hindrances for the soul core—it will, under all circumstances, enter into another earthly life!

[ 60 ] [Und während die gewöhnliche Erinnerung — von der man merkt, sagte ich, wenn so die Erinnerungsvorstellungen auftreten, wie man diese Vorstellungen dann abdämpfen kann] —, während diese gewöhnliche Erinnerung aufhört, während man sich gleichsam von allen Erinnerungsvorstellungen in dem Augenblicke, wo man die Vorstellungen abgedämpft hat, wie ausgehöhlt empfindet, treten jetzt auf diejenigen Vorstellungen, die einen wissen lassen: Vor Deiner Geburt, respektive Empfängnis, warst Du in der geistigen Welt. Du bist aus dieser heruntergestiegen; Du bist als physischer Mensch nicht ein Produkt bloß vom väterlichen und mütterlichen Element, sondern mit dieser Zweiheit hat sich ein Drittes aus der geistigen Welt hinunterverbunden, und mit dem Väterlichen und Mütterlichen und mit der Vererbungsströmung dasjenige, was aus Deinem früheren Erdendasein herkommt. Die wiederholten Erdenleben werden auf diese Weise durch innere Forschung eine — wie der Geistesforscher sagen kann —, eine Gewissheit, wenn auch diese Gewissheit eine anders wahrgenommene ist, als die des Naturforschers. Sie werden eine wissenschaftliche Wahrheit, die wiederholten Erdenleben, die im neueren Geistesleben zuerst wiederum für Lessing in einer so genialen Weise aufgeblüht sind, diese wiederholten Erdenleben.

[ 60 ] [And while ordinary memory—which, as I said, one becomes aware of when these mental images of memory arise—can be subdued] —while this ordinary memory ceases, while one feels, as it were, hollowed out of all images of memory at the very moment one has subdued them, those images now arise that let you know: Before your birth, or rather your conception, you were in the spiritual world. You descended from this world; as a physical human being, you are not merely a product of the paternal and maternal elements, but a third element from the spiritual world has joined itself to this duality, and along with the paternal and maternal elements and the stream of heredity comes that which originates from your previous earthly existence. In this way, through inner research, repeated earthly lives become—as the spiritual researcher might say—a certainty, even if this certainty is perceived differently than that of the natural scientist. They become a scientific truth—these repeated earthly lives, which first blossomed again in modern spiritual life, particularly for Lessing, in such a brilliant way.

[ 61 ] Das zeitigt dann Ergebnisse zu den anderen Ergebnissen der Entwicklungswissenschaft hinzu; die werden einverleibt werden durch die Geisteswissenschaft der geistigen Entwicklung der Menschheit. Aber nicht nur in dieser Weise, dass man einsieht, das Menschenleben geht durch wiederholte Erdenleben, kommt man in die geistige Welt hinein, sondern man erlangt wirklich die Möglichkeit, in der geistigen Welt zu forschen.

[ 61 ] This then yields results that complement the other findings of developmental science; these will be incorporated into the spiritual science of humanity’s spiritual development. But it is not merely by recognizing that human life proceeds through repeated earthly lives that one enters the spiritual world; rather, one truly gains the ability to explore the spiritual world.

[ 62 ] Nur muss man sich damit bekannt machen, sehr verehrte Anwesende, dass dieses Forschen in der geistigen Welt andersartig ist als in der physischen Welt. Auf das muss ganz besonders hingewiesen werden. Derjenige, der zunächst hört davon, dass es ein wahres Hellsehen gibt, ein Hineinschauen in die geistige Welt, der glaubt, wenn der Geistesforscher nun so hineinleuchtet in die geistige Welt, ja, dann, dann hat er die geistige Welt in solchen Eindrücken vor sich, wie der physische Mensch die äußere physische Welt vor sich hat.

[ 62 ] However, distinguished guests, you must understand that this exploration of the spiritual world is different from that of the physical world. This must be emphasized in particular. Anyone who first hears that true clairvoyance exists—the ability to look into the spiritual world—might believe that when a spiritual researcher shines light into the spiritual world, then, indeed, they have the spiritual world before them in the same way that a physical human being has the outer physical world before them.

[ 63 ] Ja, sehen Sie, davon kann nicht die Rede sein, sehr verehrte Anwesende! Die geistige Welt ist realer als die physische; aber sie ist nicht so, wie die physische. Während in der physischen Welt die Dinge sich draußen ausbreiten und dann in unsere Gedanken hereinkommen, also durch unsere Sinnesorgane in unser Bewusstseinsfeld hereintreten, treten die geistigen Wesenheiten, in deren Sphäre wir durch die geistige Forschung hineinkommen, sie treten durch unser Willenselement herein, das aber nicht eine Macht hat von jener Willkür, die etwa auftreten würde, wenn nur das Geist wäre, was eben der äußere Naturforscher kennt. Und da ich, wie gesagt, nicht im Nebulösen herumreden will, sondern immer im Konkreten, sehr verehrte Anwesende, so möchte ich nicht davor zurückschrecken, auch Andeutungen darüber zu machen, wie solche geistigen Erlebnisse nun vor sich gehen, gegenüber dem gewöhnlichen Hellschen.

[ 63 ] Yes, you see, that is out of the question, ladies and gentlemen! The spiritual world is more real than the physical world; but it is not like the physical world. Whereas in the physical world things extend outward and then enter our thoughts—that is, enter our field of consciousness through our sense organs—the spiritual beings, into whose sphere we enter through spiritual research, enter through our element of will—which, however, does not possess a power of the kind of arbitrariness that would arise if the spirit were merely what the external natural scientist knows. And since, as I have said, I do not wish to speak in vague generalities but always in concrete terms, esteemed audience, I do not wish to shy away from making some remarks about how such spiritual experiences actually take place, in contrast to ordinary clairvoyance.

[ 64 ] Ich weiß sehr wohl, dass ich, indem ich solche Mitteilungen mache aus dem konkreten Gebiet der Geistesforschung heraus, mich nun noch mehr als mit dem schon Gesagten dem aussetzen muss, restlos aussetzen muss, dass solche Dinge wie Phantasien, wie Träume angesehen werden; allein sie sind es nicht. Sie sind es in dem Sinne nicht, wie des Kopernikus’, wie des Galileis Ideen nicht Phantasterei waren, trotzdem sie deren Zeitgenossen dafür anschauen mussten. Denn ebenso wie Galilei, wenn er es auch nicht wirklich gesagt hat, der Angabe nach gesagt hat: «Und sie bewegt sich doch!» — so muss der Geistesforscher sagen gegenüber all den Einwänden, die vorgebracht werden gegen das Hineinschauen in die geistige Welt: Und sie, die Seele, die Menschenseele, sie schaut trotzdem in die geistige Welt hinein! Sie lernt erkennen, dass in unserer Umgebung Geistiges ist, wie Physisches ist —, nur dass es auf eine andere Weise, auf einem wahrhaft hellseherischen Wege in unser Bewusstsein hereinkommt.

[ 64 ] I am well aware that, by making such statements from the specific field of spiritual research, I must now—even more so than with what I have already said—expose myself completely to the risk that such things will be regarded as fantasies or dreams; yet they are not. They are not in the same sense that the ideas of Copernicus and Galileo were not mere fantasies, even though their contemporaries had to regard them as such. For just as Galileo—even if he did not actually say it—is reported to have said, “And yet it moves!” — so the spiritual researcher must say in the face of all the objections raised against looking into the spiritual world: “And it—the soul, the human soul—looks into the spiritual world nonetheless!” It learns to recognize that there is the spiritual in our surroundings just as there is the physical—only that it enters our consciousness in a different way, through a truly clairvoyant path.

[ 65 ] Ein Beispiel: Es ist ja selbstverständlich, sehr verehrte Anwesende — das tut man nicht aus Unbescheidenheit, sondern weil es so sein muss —, man muss aus der eigenen Erfahrung heraus solche Beispiele geben aus dem weiten Felde, das wir ja betrachten konnten. [Ich will] eine einfache Tatsache mitteilen.

[ 65 ] An example: It goes without saying, distinguished audience—and I say this not out of immodesty, but because it must be so—that one must draw on one’s own experience to provide such examples from the broad field we have been able to examine. [I would like to] share a simple fact.

[ 66 ] Sehen Sie, sehr verehrte Anwesende, derjenige, der zunächst in der physischen Welt dies oder jenes zu tun hat, zu dem eine gewisse geistige Kraft notwendig ist, die er denkt vielleicht erzielen zu können, auch in einem gewissen eingeschränkten Gebiet, der übt solche Tätigkeit intensiv, und er ist sich nicht mehr bewusst, als dass er es intensiv übt. Solches Fühlen hört allerdings beim Geistesforscher auf. So zum Beispiel kann es einem vorkommen, dass man in einer bestimmten Zeit irgendetwas zu verrichten hat, um irgendetwas Künstlerisches zu organisieren. Wenn man nun nötig hat, dieses Künstlerische zu organisieren, so muss man das aus dem Innern seiner Seelenkraft hervorholen, möchte ich sagen, wenn auch in eingeschränkt bescheidenem Maße: erfinderische Kräfte, Kräfte, die etwas zusammenforschen, was noch nicht da ist. Man muss in einer gewissen Weise produktiv werden.

[ 66 ] You see, esteemed audience, the person who initially has this or that to do in the physical world—a task requiring a certain spiritual power that he may think he can attain, even within a certain limited sphere—practices such an activity intensively, and is no longer aware of anything other than the fact that he is practicing it intensively. Such a feeling, however, ceases for the spiritual researcher. For example, it may happen that at a certain time one has to carry out a task to organize something artistic. If one now needs to organize this artistic endeavor, one must draw it forth from within one’s soul power, I would say, even if only to a limited and modest extent: inventive powers, powers that explore and bring forth something that does not yet exist. One must, in a certain sense, become productive.

[ 67 ] Wie ich selber einmal in einer solchen Lage war, da trat so lebendig vor meine Seele, wem eigentlich etwas Bestimmtes an dieser Tätigkeit zu danken ist. Vor Jahren, sehr verehrte Anwesende, starb eine befreundete Persönlichkeit, die im Leben einem nahe gestanden war, eine Persönlichkeit, die in ihrer ganzen Seelenentwicklung voll künstlerisch war. Sie ist durch die Pforte des Todes gegangen. Mit einer Seele, mit der man im Leben in Verbindung gestanden hat — so lehrt die Geisteswissenschaft —, man bleibe mit ihr in Verbindung, ob es nun unbewusst ist, wie es für den Nichtgeistesforscher sein muss, oder bewusst, wie es für den Geistesforscher werden kann. Nach Jahren, als eine bestimmte Tätigkeit, in der gerade einlaufen konnte dasjenige, was diese andere Persönlichkeit zu den eigentümlichen Kräften ihrer Seele zählte, von mir zu erfüllen war, da wusste ich: In alle dem, was ich da vollbringen, vollziehen konnte, lebt dasjenige, was hinunterströmt von jener Seele! — Allerdings, um das zu beobachten, sehr verehrte Anwesende, gehört dazu, dass man alle Kriterien anzuwenden vermag. Selbstverständlich weiß ich, dass der Naturforscher oder derjenige, der eine naturwissenschaftliche Weltanschauung allein schätzt, sagen kann: Na ja, das ging in deine Seele über; das trat dann aus deiner Seele heraus. — Solange kann man so reden, als alle Anwendung nebulos bleibt. [Wenn man aber so die Kräfte von der verstorbenen Seele anschlagen sieht wie ein Einströmen in die gesteigerte Willenskraft und diese dann ins Bewusstsein hebt, wenn man das so ansieht], es anschaut, wie man anschaut dasjenige, was man vor Augen hat, als erlebte Wahrheit, dann, sehr verehrte Anwesende, dann gibt es kein Leugnen der geistigen Welt und des Zusammenhängens der menschlichen Seele mit ihr, ebenso wenig, wie es eine Möglichkeit gibt, die äußere physische Welt zu leugnen, wenn man sie mit Augen sieht.

[ 67 ] Since I myself once found myself in such a situation, it became vividly clear to me to whom I actually owe a debt of gratitude for this activity. Years ago, distinguished guests, a friend of mine passed away—someone who had been very close to me in life, a person whose entire spiritual development was thoroughly artistic. She passed through the gate of death. As spiritual science teaches, when one has been connected to a soul in life, one remains connected to it—whether unconsciously, as must be the case for those who do not study spiritual science, or consciously, as may be the case for those who do. Years later, when I was called upon to carry out a specific task in which precisely what this other person counted among the unique powers of her soul could find expression, I knew: In everything I was able to accomplish and carry out there, what flows down from that soul lives on! — However, to observe this, esteemed audience, one must be able to apply all the relevant criteria. Of course, I know that the natural scientist—or anyone who values a scientific worldview alone—might say: “Well, that passed into your soul; that then emerged from your soul.” — One can speak this way as long as the application remains nebulous. [But when one sees the forces emanating from the departed soul as an inflow into the heightened power of will, which then lifts it into consciousness—when one views it in this way], one regards it as one regards that which is before one’s eyes—as an experienced truth—then, esteemed audience, there can be no denial of the spiritual world and of the human soul’s connection to it, just as there is no possibility of denying the external physical world when one sees it with one’s eyes.

[ 68 ] Und so wird einem dasjenige, was jetzt nicht durch äußere, sondern durch innere Organe in das Bewusstsein hereintritt, zum Inhalt einer konkreten geistigen Welt — einer geistigen Welt, in welcher nicht nur die Toten, die sogenannten Toten sind, sondern in welcher auch andere Geistwesen sind, die an der Weltentwicklung mitwirken und in ihr leben, ins physische Dasein hinuntersteigen, deren Genosse man gewissermaßen wird, wenn einmal in der eben geschilderten Weise die geistigen Augen und die geistigen Ohren geöffnet sind.

[ 68 ] And so that which now enters our consciousness not through external but through internal organs becomes the content of a concrete spiritual world — a spiritual world in which not only the dead, the so-called dead, exist, but in which there are also other spiritual beings who participate in the development of the world and live within it, descending into physical existence; one becomes, so to speak, their companion once the spiritual eyes and ears have been opened in the manner just described.

[ 69 ] Immer wieder und wiederum muss betont werden: Gewiss, für unsere Zeit muss also das vielen phantastischer, lächerlicher erscheinen, als erschienen hat den Menschen, die einmal geglaubt haben, die Erde steht still, und die Sonne bewegt sich herum, und der ganze Sternenhimmel, [und] die [dann] von Kopernikus gehört haben: Das muss anders sein. Aber dasjenige, was einmal eine Träumerei, ein Phantastisches ist — so geht es schon einmal im Weltengange —, wird später eine Selbstverständlichkeit, wie für die Menschheit dasjenige, was ihr vorher auch paradox erschienen war, eine Selbstverständlichkeit geworden ist. Und derjenige, der drinnen steht in diesen neuen Forschungsergebnissen, der weiß, dass dieses Reden von der geistigen Welt einmal eine Selbstverständlichkeit werden wird.

[ 69 ] It must be emphasized again and again: Certainly, to people of our time, this must seem far more fantastical and ridiculous than it did to those who once believed that the Earth stood still and the Sun moved around it, along with the entire starry sky, [and] who [later] heard Copernicus say: “It must be different.” But what is once a fantasy, a figment of the imagination—such is the way of the world—later becomes a matter of course, just as what had previously seemed paradoxical to humanity has become a matter of course. And those who are immersed in these new research findings know that this talk of the spiritual world will one day become a matter of course.

[ 70 ] Man ahnt gar nicht, was Denkgewohnheiten ausmachen, was das ausmacht, dass man nicht gewöhnt ist, eine solche Sache überhaupt ins Auge zu fassen. Aber auch auf andere Dinge erstreckt sich dann die geistige Forschung, und ich will aus dem weiten Gebiet noch ein Beispiel herauswählen.

[ 70 ] One has no idea what a difference habits of thought make, or what a difference it makes that one is not accustomed to even considering such a thing. But intellectual inquiry then extends to other matters as well, and I would like to select one more example from this vast field.

[ 71 ] Wir sehen ja, sehr verehrte Anwesende, nicht bloß durch die Pforte des Todes gehen Menschen, die sozusagen ihr Leben voll ausgereift haben; wir sehen Menschen durch die Pforte des Todes gehen in früher Jugend; wir sehen Menschen durch die Pforte des Todes gehen — in unserer Zeit tritt uns das besonders schmerzlich vor die Seele — nicht dadurch, dass gleichsam die inneren, todbringenden Kräfte sie in den Tod senden, sondern dass sie durch äußere Veranlassungen, durch äußere Gewalt, durch eine [Gewehr-]Kugel oder dergleichen durch die Pforte des Todes gehen.

[ 71 ] We see, dear friends, that it is not only people who have, so to speak, lived their lives to the fullest who pass through the gate of death; we see people passing through the gate of death in the prime of their youth; we see people passing through the gate of death—and in our time this strikes us as particularly painful—not because, as it were, inner, death-dealing forces send them to their deaths, but because they pass through the gate of death due to external causes, external force, a [gun] bullet, or the like.

[ 72 ] Wenn der Geistesforscher seinen Blick richtet auf diese sogenannten frühen Tode, die da eintreten, dann gelangt er zu einer Anschauung, zu einer Erkenntnis, die auch diese frühen Tode sinngemäß in der Welt erscheinen lässt.

[ 72 ] When the spiritual researcher turns his attention to these so-called early deaths that occur, he arrives at a perspective, at an insight, that allows even these early deaths to appear in the world in a meaningful way.

[ 73 ] Wir machen es ja schließlich in der Naturwissenschaft nicht anders: Wir sehen getrennte Tatsachen; wir suchen sie in ihrem Wesen zu erkennen und einen Zusammenhang darinnen zu finden. So macht es auch der Geistesforscher mit dem, was er nun geistig erkennt. Und wenn der Geistesforscher, geführt durch seinen inneren Weg, ein bestimmtes Stück des geistesforscherischen Weges getan hat, dann wird man, wenn — ich möchte sagen — die inneren Verhältnisse günstig sind, die inneren Seelenverhältnisse, auf gewisse innere Tatsachenzusammenhänge geleitet. Konzentriert man sich auf einen bestimmten Tatsachenzusammenhang, so wie man überhaupt sich das Meditieren angeeignet hat, dann treten einem andere Tatsachenzusammenhänge vor die Seele, vor das geistige Auge, und man erkennt das Verhältnis dabei.

[ 73 ] After all, we do the same thing in the natural sciences: We observe separate facts; we seek to understand their essence and find a connection between them. The spiritual researcher does the same with what he now perceives spiritually. And when the spiritual researcher, guided by his inner path, has traveled a certain stretch of the spiritual path, then—if, I might say, the inner conditions are favorable, the inner state of the soul—one is led to certain inner connections between facts. If one concentrates on a specific interconnection of facts—just as one has generally learned to meditate—then other interconnections of facts appear before the soul, before the spiritual eye, and one recognizes the relationship between them.

[ 74 ] So kann sich der Geistesforscher konzentrieren — aber wie gesagt, erst dann, wenn er die Wege durchgemacht hat, die geschildert worden sind heute —, so kann er sich konzentrieren auf dieses: Durch gewaltsame Mittel, durch einen Schuss oder Ähnliches geht ein Menschenleben in früher Jugend physisch zugrunde. Eine Seele geht so durch die Pforte des Todes, dass nicht diejenigen Kräfte, die innerlich im Organismus wirken, sich ausgewirkt haben und vom Inneren des Organismus heraus den Tod herbeiführten, sondern durch Gewalt von außen, durch ein Unglück und dergleichen, geht ein solches Menschenleben zugrunde, geht durch die Pforte des Todes. Wenn man sich darauf konzentriert — aber wie gesagt, mit den Kräften, die man sich angeeignet hat auf dem geistesforscherischen Wege —, dann tritt einem eine andere Tatsache vor die Seele, und man erkennt den Zusammenhang dieser zwei Tatsachen.

[ 74 ] This is how the spiritual researcher can concentrate—but, as I said, only after having gone through the stages described today—he can concentrate on this: Through violent means, such as a gunshot or something similar, a human life is physically cut short in early youth. A soul passes through the gate of death in such a way that it is not the forces acting internally within the organism that have run their course and brought about death from within the organism, but rather through external violence—through an accident or the like—that such a human life comes to an end and passes through the gate of death. If one concentrates on this—but, as I said, using the powers one has acquired through spiritual research—then another fact presents itself to the soul, and one recognizes the connection between these two facts.

[ 75 ] Und diese andere Tatsache ist diese, dass uns ja schon im gewöhnlichen Menschenleben zweierlei auf einem gewissen Gebiet entgegentritt. Wir beobachten Kinder, die aufwachsen. Wir sind zum Beispiel Erzieher oder Lehrer dieser Kinder. Wir wissen ganz genau: Wir strengen uns an, um das oder jenes in dem Kind heranzubilden. Wir werden dies oder jenes Wissen durch dies oder jenes anstreben, das aus der kindlichen Seele heraufwill. Aber bei manchen Kindern, die wir unterrichten, die Anlagen dazu haben, gelehrter, begabter zu werden, gescheiter zu werden, als wir als Lehrer, als Erzieher selber sind, bei denen merkt man, dass da etwas aus unbestimmten Tiefen heraufkommt, was bescheiden sein kann bei dem einen Kinde, was die Anlage zu einer genialen Kraft bei einem andern Kinde sein kann. Wir sehen im Kleinen und im Großen geniale Kräfte aus der Menschenseele heraufkommen. Und nun merkt man den Zusammenhang dieser scheinbar weit auseinander liegenden Tatsachen. Dasjenige, was in einem späteren Zeitraume, oftmals nach Jahren, wirkt, in irgendeinem Kinde in besonders genialen Kräften zum Vorschein kommt, das ist ja durchgegangen durch die geistige Entwicklung, durch die unsichtbare geistige Entwicklung und hat ihre Ursache in dem gewaltsamen Tode, der durch äußere Gewaltmittel herbeigeführt werden kann. Nicht bei derselben Seele braucht das zu sein; sondern irgendein Mensch geht zugrunde. Das, was er da durchmacht, indem seine Seele auf diese Weise gewaltsam dem Leib entrissen wird, das teilt sich der rein geistigen Welt mit, und wird verwoben mit einer Menschenseele — mit einer ganz anderen Menschenseele kann es verwoben werden —, die in dem Leben ist zwischen dem Tod und einer neuen Geburt! Und diese Seele bringt diese Kraft, die gerade aus einem solchen Tode kommt, mit in das neue Leben. Und diese Kräfte treten als geniale Kräfte auf.

[ 75 ] And this other fact is that, even in ordinary human life, we encounter two different things in a certain area. We observe children as they grow up. For example, we are educators or teachers of these children. We know very well: We strive to cultivate this or that quality in the child. We will seek to impart this or that knowledge through this or that impulse that wells up from the child’s soul. But with some of the children we teach—those who have the potential to become more learned, more gifted, and more intelligent than we ourselves are as teachers or educators—we notice that something is rising up from indeterminate depths: something that may be modest in one child, but may be the seed of a genius in another. We see genius emerging from the human soul on both a small and a large scale. And now one perceives the connection between these seemingly disparate facts. That which takes effect at a later stage—often years later—and manifests itself in a particular child as especially brilliant powers has, in fact, passed through the spiritual development—the invisible spiritual development—and has its cause in the violent death that can be brought about by external acts of violence. This need not be the same soul; rather, any human being perishes. What that person experiences—when their soul is violently torn from the body in this way—is communicated to the purely spiritual world and becomes interwoven with a human soul—it can be interwoven with a completely different human soul—that is in the state between death and a new birth! And this soul brings this power, which comes precisely from such a death, with it into the new life. And these powers manifest as genius-like powers.

[ 76 ] Das muss nicht immer so sein, sehr verehrte Anwesende, muss nicht immer diese Ursache haben! In der Zukunft der Erdenentwicklung wird es vielleicht ganz anders sein, wenn sich geniale Kräfte entwickeln. Aber für das Leben, das wir überblicken können, ist das zunächst bloß ein merkwürdig geheimnisvoller Zusammenhang, sehr verehrte Anwesende, ein Zusammenhang, der allerdings Erkenntnisse gibt, die wirklich derart sind, dass man sagt: Geisteswissenschaft liefert Erkenntnisse, die uns bringen Anschauungen über den Sinn des Lebens — auch über den Sinn des Lebens, wenn dieses Leben an den einzelnen Stellen besonders schwer, besonders schmerzvoll uns berühren muss. Auch dem Schmerze, auch dem Leide können wir als sinnvollen Erscheinungen im Leben also nachforschen. Und Geisteswissenschaft führt zu einem gewissen höheren Standpunkt — obwohl sie nicht da ist, um aus den Menschen Flachlinge, oberflächliche Menschen zu machen, die über Schmerz und Leid hinaus sind. Nein, Schmerz und Leid müssen ja eben empfunden werden, sonst können sie nicht zur Ursache werden, die jetzt aus ihnen hervorgeht. Wenn man glauben würde, dass Geisteswissenschaft für die Schmerzen und Leiden abdumpfen würde, würde sie ja die Schmerzen aus der Welt schaffen, und es würde nicht das entstehen, was aus dem Schmerz, aus dem Leid entstehen soll. Nein — abdumpfen nicht! Aber von einem gewissen höheren Standpunkte aus zeigen, wie auch Schmerz und Leid sich einfügen in den Sinn des Lebens, das will die Geisteswissenschaft.

[ 76 ] It does not always have to be this way, ladies and gentlemen; it does not always have to have this cause! In the future of Earth’s evolution, things may be quite different if genius-like forces develop. But for the life that we can survey, this is for the time being merely a strangely mysterious connection, ladies and gentlemen—a connection that does, however, provide insights of such a nature that one can say: Spiritual science provides insights that give us perspectives on the meaning of life—including the meaning of life when that life must touch us in particular moments as especially difficult or especially painful. We can therefore also investigate pain and suffering as meaningful phenomena in life. And spiritual science leads to a certain higher perspective—although it is not there to turn people into shallow, superficial beings who are beyond pain and suffering. No, pain and suffering must indeed be felt; otherwise, they cannot become the cause that now arises from them. If one were to believe that spiritual science would dull pain and suffering—that it would eliminate pain from the world—then what is meant to arise from pain and suffering would not come into being. No—it does not dull them! But from a certain higher vantage point, spiritual science seeks to show how even pain and suffering fit into the meaning of life.

[ 77 ] Noch auf einen Punkt muss ich zum Schlusse, sehr verehrte Anwesende, aufmerksam machen: Wie es ein absolutes Missverständnis ist, wenn man glaubt, dass Geisteswissenschaft in irgendeinem Missklang in ihren Anschauungen stehe mit der Naturwissenschaft! Nein, Geisteswissenschaft erkennt alles dasjenige, was sie ihrerseits leistet, vollständig an, erkennt auch dasjenige, was die experimentellen Seelenforschungen leisten, vollständig an. Geisteswissenschaft ist viel mehr im Frieden mit diesen anderen Wissenschaften, als diese anderen Wissenschaften im Frieden sein wollen mit der Geisteswissenschaft. Es gibt eine Seelenwissenschaft, welche durch allerlei Nachdenken herausfinden will — und viele glauben heute auch in denjenigen Kreisen, die die öffentliche Psychoanalyse, Seelenwissenschaft treiben, glauben in dieser Weise, dass man durch die Beobachtung des Denkens, Fühlens und Wollens, so wie es im Menschen lebt, herausfinden kann dasjenige, was das Unsterbliche ist, was die ewigen Kräfte der Menschenseele sind.

[ 77 ] In closing, ladies and gentlemen, I must draw your attention to one more point: It is an absolute misunderstanding to believe that spiritual science is in any way at odds with the natural sciences in its views! No, spiritual science fully acknowledges everything it itself achieves, and it also fully acknowledges the achievements of experimental research into the soul. Spiritual science is far more at peace with these other sciences than these other sciences are willing to be at peace with spiritual science. There is a science of the soul that seeks to discover through all manner of reflection—and many today, even in those circles that practice public psychoanalysis, the science of the soul, believe in this way that by observing thinking, feeling, and willing as they exist in human beings, one can discover what the immortal is, what the eternal forces of the human soul are.

[ 78 ] Gerade Geisteswissenschaft zeigt, dass die Naturwissenschaft ihrerseits mit dem Standpunkt, den sie heute immer mehr und mehr geltend macht, im Grunde recht hat. Ja, Geisteswissenschaft steht vielleicht sogar schärfer noch auf dem Standpunkt, als die Naturwissenschaft selbst heute schon ein Recht hat, darauf zu stehen. Denjenigen, die da sagen, man könne im gewöhnlichen Denken, das der Mensch hier in der physischen Welt entwickelt, oder in seinem Wollen oder Fühlen etwas wissen, was der Unsterblichkeit entspricht, dem wendet der Naturforscher mit Recht ein: Ja, siehe hin auf den Menschen, auf sein Denken, Fühlen und Wollen: Wenn durch irgendeine Kraft ein Teil des Gehirns gelähmt wird, kann eine ganze Partie seines Seelenlebens ausfallen. Wir sehen außerdem, dass das Denken, Fühlen und Wollen, so wie der Organismus sich von der ersten Kindheit an entwickelt hat, auch sich verändert. Wir sehen es verknüpft vom Organismus aus. Sehen wir da nicht, wie dieses Denken, Fühlen und Wollen an den Organismus gebunden ist?

[ 78 ] It is precisely spiritual science that shows that natural science, for its part, is fundamentally correct in the standpoint it is increasingly asserting today. Indeed, spiritual science perhaps takes this standpoint even more firmly than natural science itself is already justified in doing so today. To those who say that one can know something corresponding to immortality through ordinary thinking—which human beings develop here in the physical world—or through their willing or feeling, the natural scientist rightly objects: Yes, look at the human being, at his thinking, feeling, and willing: If, through some force, a part of the brain is paralyzed, an entire aspect of a person’s inner life may cease to function. We also see that thinking, feeling, and willing—just as the organism has developed from early childhood onward—also undergo changes. We see them as interconnected with the organism. Do we not see how this thinking, feeling, and willing are bound to the organism?

[ 79 ] So kann der Naturforscher vom heutigen Gesichtspunkt aus mit Recht einwenden dem, der aus dem gewöhnlichen Denken heraus, dem gewöhnlichen Fühlen und Wollen heraus Unsterblichkeit beweisen will.

[ 79 ] Thus, from today’s perspective, the natural scientist can rightly object to anyone who seeks to prove immortality based on ordinary thinking, ordinary feeling, and ordinary volition.

[ 80 ] Aber das zeigt auch gerade die Geisteswissenschaft, dass dieses gewöhnliche Denken, Fühlen und Wollen, dieses gewöhnlich, dieses einmalig nun mit der gewöhnlichen Wissenschaft im physischen Leben sich geltend machende Denken, Fühlen und Wollen, dass das an das Instrument des Leibes gebunden ist. Und da führt die Geisteswissenschaft zu etwas anderem, [nämlich dazu, das], was in diesem Denken, Fühlen und Wollen steckt, erst zu entwickeln in der Menschenseele! Es ist immer da; aber es muss erst anschaulich gemacht werden: Und das ist der unsterbliche Wesenskern. Und es ist derjenige Wesenskern, der da war vor der Geburt, oder sagen wir, vor unserer Empfängnis und der da sein wird nach unserem Tode. Es ist ein anderer Bewusstseinszustand, es ist ein Zustand, der zurückschaut auf unser Erdenleben — nicht ein unbewusster, sondern ein [höherer Bewusstseinszustand]; denn es entwickelt sich auch der Geistesforscher durch zu einem höheren Bewusstsein, wie ich Ihnen gezeigt habe. Und dies ist dasjenige, was wir durch die Pforte des Todes tragen.

[ 80 ] But this is precisely what spiritual science shows: that this ordinary thinking, feeling, and willing—this ordinary, this unique form of thinking, feeling, and willing that asserts itself in physical life through ordinary science—is bound to the instrument of the body. And here spiritual science leads to something else—[namely, to] developing what lies within this thinking, feeling, and willing within the human soul! It is always there; but it must first be made vivid: And that is the immortal core of our being. And it is that core of being that was there before birth—or, let us say, before our conception—and that will be there after our death. It is a different state of consciousness; it is a state that looks back on our earthly life—not an unconscious one, but a [higher state of consciousness]; for the spiritual researcher, too, develops through this into a higher consciousness, as I have shown you. And this is what we carry through the gate of death.

[ 81 ] Nicht darf man glauben, dass etwas Neues gemeint wird, indem der geistige Forscher sich sorgfältig hinaufarbeitet; es ist enthalten in jeder Seele, dieser ewige Wesenskern; der Geistforscher schaut ihn nur — er ist so in jeder Menschenseele, wie selbstverständlich ein Gegenstand auch da ist, wenn man ihn nicht anschaut. Nur das Anschauen, das ist dasjenige, was Geisteswissenschaft bringt. Aber die Geisteswissenschaft zeigt, dass neben dem Denken, Fühlen und Wollen, das im physischen Leibe steckt, an den Leib gebunden ist, ein anderes steht, das nicht an den Leib gebunden ist, und das man als solches erkennen kann. Dass anders die geistige Welt erkannt werden muss als die physische, das ist dasjenige, was das Wesen der Geisteswissenschaft ausmacht. Und so führt die Geisteswissenschaft zu den ewigen Kräften der Menschenseele — die, entwickelt, schon im Denken, Fühlen und Wollen, das an den Leib gebunden ist, enthalten sind —, die gefunden werden können, wenn dasjenige entfaltet wird, was als ein ewiger Wesenskern im Menschen lebt und nur nicht von dem gewöhnlichen Denken, Fühlen und Wollen wahrgenommen werden kann für das gewöhnliche Bewusstsein. Neues, anders als die gewöhnliche Bewusstseinskraft der Menschenseele, muss diese Geisteswissenschaft für die Menschenseele enthüllen!

[ 81 ] One must not believe that the spiritual researcher is discovering something new by carefully working his way upward; this eternal core of being is contained within every soul; the spiritual researcher merely beholds it—it is present in every human soul just as naturally as an object is there even when one is not looking at it. It is this act of beholding alone that spiritual science brings. But spiritual science shows that alongside thinking, feeling, and willing—which are contained within the physical body and bound to it—there exists something else that is not bound to the body and that can be recognized as such. The fact that the spiritual world must be perceived differently from the physical world is what constitutes the essence of spiritual science. And so spiritual science leads to the eternal forces of the human soul—which, when developed, are already contained within the thinking, feeling, and willing that are bound to the body—and which can be found when that which lives within the human being as an eternal core of being is unfolded; this core simply cannot be perceived by ordinary thinking, feeling, and willing within ordinary consciousness. This spiritual science must reveal to the human soul something new, distinct from the ordinary power of consciousness of the human soul!

[ 82 ] Es ist, wie gesagt, ganz begreiflich, sehr verehrte Anwesende, dass mancherlei noch wird geschehen müssen, bevor eine größere Gruppe von Menschen auch nur etwas im Ernste zu Diskutierendes schaut in demjenigen, was als eine kleine Anregung heute angedeutet worden ist, was aber heute schon existiert als eine ausgebreitete Geisteswissenschaft, so wie eine ausgebreitete Naturwissenschaft existiert.

[ 82 ] As I said, it is quite understandable, esteemed attendees, that many things will still have to happen before a larger group of people will even see anything worth discussing in earnest in what has been hinted at today as a small suggestion—but which already exists today as a well-established spiritual science, just as a well-established natural science exists.

[ 83 ] Aber, sehr verehrte Anwesende, alles muss — ich möchte sagen — wie in einem Keimzustand in die Welt treten. Und dass dennoch ein gewisses Bedürfnis vorhanden ist in der Menschheit, das weiß derjenige ganz genau, der die — möchte ich sagen — intimeren Kräfte, die in den Menschenseelen wirken, ein wenig kennenlernen kann. In ihrem Bewusstsein sträuben sich noch so manche Menschen heute gegen die Annahme desjenigen, was hier angedeutet worden ist; aber in den unterbewussten und unbewussten Seelenkräften haben eine große Anzahl Menschen, ohne dass sie es eben heute wissen und zugeben wollen, Sehnsüchte nach einer solchen Erkenntnis des seelischen Lebens, wie sie angedeutet worden ist, und wie sie kommen muss — so wahr kommen muss, wie die neuere Naturwissenschaft gekommen ist anstelle der mittelalterlichen Naturwissenschaft.

[ 83 ] But, distinguished guests, everything must—I would say—come into the world as if in a germinal state. And yet there is a certain need within humanity; this is known very well by anyone who is able to gain even a little insight into the—I might say—more intimate forces at work in the human soul. In their conscious minds, many people today still resist accepting what has been suggested here; but in the subconscious and unconscious forces of the soul, a great many people—without realizing it today or being willing to admit it—harbor longings for such an understanding of soul life as has been hinted at here, and as it must come—just as surely as modern natural science has replaced medieval natural science.

[ 84 ] Und als ein äußeres Zeichen, dass man mit solchen Anschauungen nicht mehr ganz auf einem unrealen Boden steht, mag zum Schlusse hingewiesen werden — also wie gesagt, als ein äußeres Zeichen mag es gelten —, dass es ja auch schon möglich war, durch die ständige Opferwilligkeit eines größeren Kreises von Freunden dieser geisteswissenschaftlichen Weltanschauung, gerade hier in der Schweiz, in Dornach, in der Nähe von Basel, dieser Geisteswissenschaft einen Bau aufzuführen, einen Bau als eine Hülle für diese Geisteswissenschaft. Wie gesagt, als ein äußeres Zeichen nur erwähnen will ich es; als ein äußeres Zeichen der Realität, des realen Bodens, auf dem man stehen kann, wenn man von dieser Geisteswissenschaft spricht.

[ 84 ] And as an outward sign that such views are no longer entirely based on an unreal foundation, it may be noted in conclusion—as I said, this may serve as an outward sign—that it has indeed already been possible, through the constant willingness to make sacrifices on the part of a large circle of friends of this spiritual-scientific worldview, right here in Switzerland, in Dornach, near Basel, to erect a building for this spiritual science—a building serving as a vessel for this spiritual science. As I said, I wish to mention this only as an outward sign; as an outward sign of reality, of the solid ground on which one can stand when speaking of this spiritual science.

[ 85 ] Es muss eben schon bei einem größeren Kreis ein gewisses Verständnis vorhanden sein, wenn Opfer gebracht werden, um dieser Geistesrichtung auch ein solches Äußeres heute schon zu schaffen.

[ 85 ] There simply has to be a certain level of understanding among a broader circle when sacrifices are made in order to give this school of thought a tangible form even today.

[ 86 ] Das Hauptaugenmerk konnte ja heute auch nur bei diesem Bau auf das wesentlich Geisteswissenschaftliche gerichtet werden, gelenkt werden. Diejenigen von Ihnen, sehr verehrte Anwesende, die einmal ihre Aufmerksamkeit diesem Bau in Dornach, in der Nähe Basels zuwenden werden, werden sehen, dass auch in den äußeren Formen und in der ganzen Einrichtung dieses Baues einem etwas entgegentritt, was eben — ich möchte sagen —, zu alten Baustilen, alten Baueinrichtungen sich so verhält, wie die Geisteswissenschaft zu den alten Denkgewohnheiten der Menschen sich verhält.

[ 86 ] Today, the main focus could only be directed toward the essentially spiritual-scientific aspects of this building. Those of you, esteemed audience, who will one day turn your attention to this building in Dornach, near Basel, will see that even in its external forms and in its entire design, one encounters something that—I would say—relates to old architectural styles and old building designs in the same way that spiritual science relates to people’s old habits of thought.

[ 87 ] Es haben sich viele Irrtümer, viele Missverständnisse gerade über diesen Dornacher Bau verbreitet. Missverständnisse, Irrtümer, von denen man manchmal glauben könnte, selbst Menschen, die die Sachen gesehen haben, zeigen sich so, als wenn ihre Augen nicht das gesehen hätten, was da ist! So konnte ich hören, wie gesagt worden ist, dass man da einen Bau habe, der innerlich ganz angefüllt sei von allerlei geheimnisvollen Symbolen und von allerlei magischen Figuren. Wie gesagt: Wenn Sie einmal die Aufmerksamkeit auf diesen Bau lenken werden und werden ihn betrachten, so werden Sie kein einziges von den landläufigen magischen Symbolen und Figuren finden, nichts von alledem — nur eine neue Art des Bauens, eine solche Art des Bauens, dass der Bau gleichsam eine Umhüllung für dasjenige ist, was darinnen an Gedanken, an Ideen leben soll. Und wie frühere Baue die Umhüllung waren für Früheres, so muss dieser Bau auch andere Formen haben, weil er die Umgebung für anderes ist. Wie einstmals im alten Griechentum für griechische Gedanken die Umhüllung geschaffen worden ist aus dem Umfassenden, das den Griechen zur Verfügung stand, so wurde mit unserem Bau hier etwas geschaffen, und zwar nicht auf eine unkünstlerische Art und Weise — denn jede Allegorie und Symbolik und dergleichen ist unkünstlerisch —, nicht auf eine unkünstlerische, sondern auf eine künstlerische Art wurde versucht, einen Bau zu schaffen mit dem Stile, der dieser Geisteswissenschaft angemessen ist. Denn diese Geisteswissenschaft kann sich in Formen gießen, kann sich ausleben, ohne dass sie dadurch spekulieren will. Ohne dass dabei Symbole oder Allegorien sind, kann sie in Formen umgesetzt werden bei allem. Bei künstlerischem Empfinden, [kann man dasjenige, was in der Geisteswissenschaft lebt, in äußere Formen aller Künste — der Architektur, der Sprache, der Skulptur — umsetzen.]

[ 87 ] Many errors and misunderstandings have spread, particularly regarding this Dornach building. Misunderstandings and errors that sometimes lead one to believe that even people who have seen these things act as if their eyes had not seen what is actually there! For example, I have heard it said that this is a building whose interior is completely filled with all manner of mysterious symbols and all manner of magical figures. As I said: If you ever turn your attention to this building and observe it, you will not find a single one of the commonly believed magical symbols and figures, none of that at all—only a new way of building, a way of building such that the building is, as it were, a shell for what is to live within it in the form of thoughts and ideas. And just as earlier buildings served as a shell for what came before, so too must this building take on different forms, for it provides the setting for something else. Just as in ancient Greece a shell was created for Greek thought out of the materials available to the Greeks, so too has something been created here with our building—and not in an unartistic way—for every allegory, symbolism, and the like is unartistic—not in an unartistic way, but in an artistic way, an attempt was made to create a building in a style appropriate to this spiritual science. For this spiritual science can take shape in forms, can express itself, without thereby seeking to speculate. Without resorting to symbols or allegories, it can be translated into forms in every respect. With artistic sensibility, [one can translate what lives in spiritual science into the external forms of all the arts—architecture, language, sculpture.]

[ 88 ] Und wenn solche Dinge auftreten, dass jemand zum Beispiel sagt: Ja manches gefällt mir ja an diesem Bau, aber da habt Ihr zum Beispiel sieben Säulen an einer Seite, sieben Säulen an der anderen auch wiederum; warum habt Ihr das? — Das soll kein Symbol sein. Wer die Sache näher studiert, wird wirklich bestätigen — weil abgegangen worden ist von der Säulengleichheit, weil die Kapitelle fortschreiten, ungleich gemacht worden sind —, dass das Motiv, welches zuerst angeschlagen worden ist an einem Säulenkapitell, tatsächlich sich erschöpft an der letzten Säule. Geradeso, wie sich die Töne in einer siebengliedrigen Skala eröffnen und die Oktave die Wiederholung des Grundtones ist, wie man es da nicht mit irgendeiner phantastischen Symbolik, nicht mit irgendeiner magischen Symbolik zu tun hat, so hier auch nicht. Und wenn jemand besonders spitzfindige, innere Gründe sucht, Gründe, die dann Geisteswissenschaft sein sollen, sucht, so kann man immer sagen: Suche Dir ähnliche Gründe, wie diejenigen sind, warum etwa an einer Violine vier Saiten sind, die verschieden sind, wenn einer sagt, es könnten ja auch fünf Saiten sein oder drei! Es kann eben nicht anders sein, als dass es vier Saiten sind; ebenso wenig, wie es bei uns acht oder sechs Säulen sein können, sondern eben sieben sein müssen! Es handelt sich um einen inneren, organischen Aufbau der Motive, und die Motive ergeben diese Zahl Sieben — nicht irgendein abergläubisches Hängen an einer Siebenzahl oder dergleichen.

[ 88 ] And when such things come up—for example, when someone says: “Yes, there are certainly things I like about this building, but you have, for instance, seven columns on one side and seven columns on the other as well; why did you do that?”—that is not meant to be a symbol. Anyone who studies the matter more closely will indeed confirm—because the uniformity of the columns has been abandoned, because the capitals progress and have been made unequal—that the motif first introduced on a column capital actually comes to an end at the last column. Just as the tones unfold in a seven-note scale and the octave is a repetition of the fundamental tone—and just as this has nothing to do with any kind of fanciful symbolism or magical symbolism—so it is here as well. And if someone seeks particularly subtle, inner reasons—reasons that are then supposed to be spiritual science—one can always say: Look for reasons similar to those explaining why, for example, a violin has four distinct strings, when someone says there could just as well be five strings or three! It simply cannot be any other way than that there are four strings; just as there cannot be eight or six columns in our case, but there must be exactly seven! This is a matter of an inner, organic structure of the motifs, and the motifs themselves yield this number seven—not some superstitious attachment to the number seven or anything of the sort.

[ 89 ] Alles sollte gerade künstlerisch gedacht sein! Ich wollte dies insbesondere noch anführen, nicht etwa, sehr verehrte Anwesende, wahrhaftig nicht, um etwa für den Dornacher Bau eine Propaganda zu machen, sondern um darauf hinzuweisen, wie Geisteswissenschaft in der Tat geeignet ist, in das menschliche Leben einzugreifen. Wie sie sich umschließt in künstlerischen Formen, so wird sie auch sich in anderen Lebensformen umschließen können, wenn auch vielleicht noch langsamer als in künstlerischen Formen. So wird sie versuchen, einzudringen in alles Leben, in alle Lebensauffassung. Und nach einer solchen Lebensauffassung, welche die Seele in einem lebendigen Zusammenhange zeigt mit der geistigen Welt, der sie angehört, lechzen heute schon viele Seelen, wenn sie es auch vielleicht nicht wissen. Deshalb darf heute schon Geisteswissenschaft dasjenige, was sie zu sagen hat, unter den Menschen sagen.

[ 89 ] Everything should be conceived in artistic terms! I wanted to mention this in particular, not—dear friends—truly not—to promote the Dornach building, but to point out how spiritual science is indeed capable of influencing human life. Just as it finds expression in artistic forms, so too will it be able to find expression in other forms of life, albeit perhaps more slowly than in artistic forms. In this way, it will seek to permeate all of life, all conceptions of life. And many souls are already yearning today for such a view of life—one that reveals the soul in a living connection with the spiritual world to which it belongs—even if they may not yet be aware of it. That is why spiritual science may already speak today to humanity about what it has to say.

[ 90 ] Ich weiß, sehr verehrte Anwesende: Dasjenige, was — ich möchte sagen — aus den Untergründen des geistigen Daseins so hinauftritt — wie ja auch eigentlich die Erkenntnisse der Naturwissenschaft hinauftraten, hinaufgetreten sind im Laufe der Zeit, und sich dann der Menschheitsentwicklung mitteilten —, das hat oftmals einen schweren Weg. Aber derjenige, der mit der inneren Bedeutung und mit dem inneren Sinn der Sache verbunden ist, der weiß, dass die Wahrheit ihren Weg findet in der Welt; und wenn man der Wahrheit auch noch so wenig Glauben schenkt. Und sollte es durch die dünnsten Risse der Geistesfelsen gehen, die ihr entgegentreten, sie findet ihren Weg!

[ 90 ] I know, distinguished guests: That which—I would say—emerges from the depths of spiritual existence—just as, in fact, the findings of natural science have emerged over the course of time and have then been communicated to human development—often faces a difficult path. But those who are connected to the inner meaning and the inner essence of the matter know that truth finds its way in the world—no matter how little faith is placed in it. And even if it must pass through the thinnest cracks in the spiritual cliffs that stand in its way, it finds its way!

[ 91 ] Deshalb ist derjenige, der diese geisteswissenschaftlichen Wahrheiten zu vertreten hat — auch wenn sie von weiten Kreisen auch heute noch als Phantasterei, als Träumerei, vielleicht als noch Schlimmeres angesehen werden —, er ist durchdrungen davon, dass sie — selbst wenn sie heute noch nicht in das Bewusstsein der Menschheit eintreten könnten, wenn sie ganz und gar zurückgedrängt würden —, dass sie neu auftauchen würden, weil sie auftauchen müssen, weil sie innig in der Natur der Menschenseele begründet sind!

[ 91 ] That is why the one who must uphold these spiritual-scientific truths—even if they are still regarded by wide circles today as fantasy, as daydreaming, or perhaps as something even worse— is deeply convinced that—even if they could not yet enter the consciousness of humanity today, even if they were completely suppressed—they would emerge anew, because they must emerge, because they are deeply rooted in the nature of the human soul!

[ 92 ] Deshalb lassen Sie mich — ich möchte sagen — in einem Schlusswort das Bewusstsein aussprechen, das der Seele aus dieser geistigen Forschung kommt, wenn sie richtig darinnen steht. Vorher aber lassen Sie mich noch darauf aufmerksam machen, dass man keineswegs ein Geistforscher zu sein braucht, um die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten anzuerkennen. So wie nicht jeder ein Chemiker werden kann, das heißt, nicht jeder im Laboratorium Versuche anstellen kann, nicht jeder ein Biologe werden kann, um das nachzuprüfen, und dennoch die biologischen, die chemischen, die physiologischen, die astrologischen Wahrheiten dem allgemeinen Menschheitsbewusstsein sich mitteilen, so braucht nicht jeder ein Geistforscher zu sein; obwohl man es bis zu einem gewissen Grade — wie Sie aus meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» sehen — immer werden kann, jeder wenigstens bis zu einem gewissen Grade, dass er die Wahrheit, die Begründetheit desjenigen, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat, anerkennen kann; aber man braucht prinzipiell nicht selber ein Geistforscher zu werden. Dasjenige, was der Geistesforscher aus der geistigen Welt herausholt, wenn es ausgesprochen wird, wenn es in die Worte gekleidet wird, [so kann es auch dem Nicht-Geistesforscher gelingen, das, was von ihm nachgedacht werden konnte in dem, was vermittelt worden ist, anzuerkennen]; und es gibt einen gesunden Wahrheitssinn, durch den man die Wahrheit der geisteswissenschaftlichen Erlebnisse einsehen kann. Deshalb darf derjenige, der von vornherein unter der Autorität aller möglichen heutigen naturwissenschaftlichen Wahrheit steht — trotzdem er sie selber nicht erforschen kann, und sagt, dass er ein sehr gescheiter Mensch deshalb ist, weil einer an die naturwissenschaftlichen Wahrheiten glaube —, der darf nicht einwenden, dass diejenigen, welche, wenn sie auch nicht Geistesforscher sind, sondern Anhänger der Geisteswissenschaft, dass diese abergläubisch, autoritätsgläubig sind! Sie sind es in einem geringeren Grade, als gerade derjenige, der einfach sie als Autoritätsgläubige bezeichnet. Denn dasjenige, was aus der geistigen Welt geholt wird, das spricht nicht an unseren Unverstand, sondern es spricht an unser Verständnis. Und das habe ich ja gerade im Anfange gesagt, dass man eben die geistige Welt zuerst verstehen muss; man muss sie anschauen können. Und dieses Verständnis kann zuerst in der Mitteilung doch erworben werden. Es ist gewissermaßen der erste Akt zum Hineinkommen in die geistige Welt.

[ 92 ] Therefore, let me—I would like to say—conclude by expressing the awareness that arises in the soul from this spiritual research when it is truly immersed in it. But first, let me point out that one need not be a spiritual researcher at all to acknowledge the truths of spiritual science. Just as not everyone can become a chemist—that is, not everyone can conduct experiments in a laboratory—and not everyone can become a biologist to verify these things, and yet the biological, chemical, physiological, and astrological truths are communicated to the general consciousness of humanity, so too does not everyone need to be a spiritual researcher; although—as you can see from my book *How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?*—one can always become one to a certain degree; everyone, at least to a certain degree, can acknowledge the truth and the validity of what spiritual science has to say; but in principle, one does not need to become a spiritual researcher oneself. What the spiritual researcher brings forth from the spiritual world—when it is expressed, when it is clothed in words—[then even the non-spiritual researcher can succeed in recognizing, within what has been conveyed, that which could be reflected upon]; and there is a healthy sense of truth through which one can perceive the truth of spiritual scientific experiences. Therefore, one who is, from the outset, subject to the authority of all manner of contemporary scientific truths—even though he cannot investigate them himself, and claims to be a very intelligent person precisely because he believes in these scientific truths—must not object that those who, though not spiritual researchers but followers of spiritual science, are superstitious, and blind to authority! They are so to a lesser degree than the very person who simply labels them as blind followers of authority. For what is drawn from the spiritual world does not appeal to our lack of understanding, but rather to our understanding. And that is precisely what I said at the very beginning: that one must first understand the spiritual world; one must be able to perceive it. And this understanding can first be acquired through the message. It is, so to speak, the first step toward entering the spiritual world.

[ 93 ] Nicht darf man daher sagen: Ich will erst die geistige Welt in ihren einzelnen Erscheinungen anerkennen, wenn ich sie erforscht habe. Denn man muss zunächst verstehen. Auch der Geistesforscher selbst muss zuerst verstehen, wenn einem das auch paradox erscheint, geradeso, wie man übrigens auch in gewissen mathematischen Gesetzen über ihr Vorkommen etwas versteht und dann weiß, dass, wenn man das Verständnis bekommen hat, Erlebnisse, die noch gar nicht dagewesen sind, sich abspielen müssen — wie man fernere Sonnenfinsternisse vorausberechnen kann. Weil man die Natur des Ganzen zum Beispiel zuerst verstanden hat, so versteht man die geistigen Zusammenhänge zuerst; und dann mit dem, was mit diesem Verstand durch die äußere Welt wird, beleuchtet einem die äußere Welt dasjenige, was man zuerst als Begriff haben muss.

[ 93 ] One must not, therefore, say: “I will only acknowledge the spiritual world in its individual manifestations once I have investigated it.” For one must first understand. Even the spiritual researcher himself must first understand—even if this seems paradoxical—just as, incidentally, one also gains some understanding of certain mathematical laws before they occur, and then knows that, once one has attained this understanding, events that have not yet taken place must unfold—just as one can calculate future solar eclipses in advance. Because one has first understood the nature of the whole, for example, one first understands the spiritual connections; and then, through what this understanding brings about in the external world, the external world illuminates for one that which one must first have as a concept.

[ 94 ] Schon das ist gewiss etwas, was heute noch namentlich den Denkgewohnheiten vieler Forscher widerspricht; aber auch das wird etwas sein, was sich im Laufe der Zeit in die Menschengemüter einleben wird. Und nachdem ich dies auseinandergesetzt habe, sehr verehrte Anwesende, wie sich das Bewusstsein desjenigen stärkt, der Geisteswissenschaft in ihrem Wesen wirklich versteht — versteht, wie sie heraufkommen muss in unserer Zeit in der geistigen Entwicklung der Menschheit, so wie einstmals in der kopernikanischen Zeit die neuere naturwissenschaftliche Weltanschauung heraufgekommen ist —, da denkt sich dann der Geistesforscher, wenn er dies Bewusstsein erlangt hat, das aus der Natur der Geisteswissenschaft sich ihm ergibt: Ja, man kann Gegner sein der Wahrheit es ist verständlich; man kann zum Beispiel die Wahrheit missverstehen, ganz missverstehen, wenn sie den alten Denkgewohnheiten widerspricht. Aber denjenigen, die missverstehen, die misskennen die Wahrheit, werden immer nachfolgen andere, die sie erkennen können! Denn die Wahrheit ist etwas innerlich Lebendiges. Und sie lässt sich wohl verkennen, aber sie weiß immer zu ihrer Erkenntnis selber durch eine innere Kraft und Intensität die Wege zu finden! Man kann die Wahrheit auch hassen, sehr verehrte Anwesende. Aber derjenige, der die Wahrheit hasst, der wird erfahren, dass die Wahrheit eine solche Lebenskraft hat, dass der Hass dennoch zuletzt auf ihn selber zurückfällt. Und gegenüber dem Hass steht die Wahrheit; und derjenige, der in ihr zu leben versteht, ja, indem der Eigenwert der Wahrheit erkannt wird, der weiß: Man kann die Wahrheit auch schmähen; aber noch mehr als bei dem Hass ist es der Fall, dass die Schmähworte gegenüber der Wahrheit auf den Schmähenden selbst zurückfallen.

[ 94 ] This, in itself, is certainly something that still contradicts the way many researchers think today; but it, too, will be something that will take root in people’s minds over time. And having explained this, ladies and gentlemen, how the consciousness of those who truly understand the essence of spiritual science is strengthened—understand how it must emerge in our time within the spiritual development of humanity, just as the newer scientific worldview once emerged in the Copernican era— then the spiritual researcher, having attained this awareness that arises from the very nature of spiritual science, thinks to himself: Yes, one can be an opponent of the truth—that is understandable; one can, for example, misunderstand the truth, completely misunderstand it, when it contradicts old habits of thought. But those who misunderstand, who misjudge the truth, will always be followed by others who can recognize it! For the truth is something that is alive within. And while it may well be misjudged, it always knows how to find its own way to recognition through an inner power and intensity! One can also hate the truth, dear friends. But the one who hates the truth will experience that the truth possesses such a life force that the hatred will ultimately rebound upon himself. And truth stands in opposition to hatred; and whoever knows how to live in it—indeed, by recognizing the intrinsic value of truth—knows this: One can also revile the truth; but even more so than with hatred, the words of revilement directed at the truth will rebound upon the reviler himself.

[ 95 ] Man kann die Wahrheit auch unterdrücken; aber man kann die Wahrheit nicht vernichten. Man kann sie nicht vernichten!

[ 95 ] You can suppress the truth, but you cannot destroy it. You cannot destroy it!

[ 96 ] Dieses Bewusstsein erlangt man insbesondere aus der Geisteswissenschaft heraus. Denn — spreche ich es auch bildlich aus, es ist nicht bildlich, sondern real gemeint: Die menschliche Seele und die Wahrheit sind Schwestern. Und wenn auch die menschliche Seele da oder dort einmal mit der Wahrheit in Streit kommen kann, in Missklang kommen kann, wenn sie selbst lieblos sich erweisen kann, es muss doch immer wiederum Orte und Zeiten geben, in denen sich liebevoll die menschliche Seele mit der Wahrheit vereint. Denn sie werden innerlich gewahr — Menschenseele und ihre Schwester, die Wahrheit —, dass sie zusammengehören, dass sie in Liebe zusammengehören müssen, dass sie als zwei Schwestern des Weltendaseins einen gemeinsamen Ursprung haben in dem einigen, die ganze Welt durchleuchtenden und durchwaltenden, von der Geisteswissenschaft aufzusuchenden und zu erkennenden Weltengeist, der sich in den einzelnen Weltgeschöpfen und Weltwesenheiten auslebt und der erkannt werden kann, wenn man die Wege zu den ewigen Kräften der Menschenseele findet.

[ 96 ] This awareness is attained, in particular, through spiritual science. For—even if I express it figuratively, it is not meant figuratively, but literally: the human soul and truth are sisters. And even if the human soul may occasionally come into conflict with the truth here and there, or fall out of harmony with it—even if it may itself prove unloving—there must always be places and times when the human soul unites lovingly with the truth. For they become inwardly aware—the human soul and its sister, Truth—that they belong together, that they must belong together in love, that as two sisters of worldly existence they have a common origin in the one, World Spirit that illuminates and permeates the entire world—a Spirit to be sought and recognized by spiritual science—which manifests itself in the individual creatures and beings of the world and which can be recognized when one finds the paths to the eternal forces of the human soul.