Ways to a Knowledge of the
Eternal Forces of the Human Soul
GA 70b
2 March 1916, Bremen
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Ways to a Knowledge of the Eternal Forces of the Human Soul, tr. SOL
13. Ein vergessenes Streben nach Geisteswissenschaft Innerhalb der Deutschen Gedankenentwicklung
13. A Forgotten Pursuit of Spiritual Science Within the Development of German Thought
Sehr verehrte Anwesende!
Ladies and gentlemen!
[ 1 ] Wie im vorigen Winter, möchte ich mir auch heute Abend gestatten, über einen Gegenstand zu sprechen, der in innigem Zusammenhang steht mit der Entwicklung des deutschen Geisteslebens, und damit abweichen von dem, was ich durch viele Jahre hindurch tun durfte, auch in dieser Stadt, wie in anderen Städten Deutschlands: Über ein engeres Thema der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung zu reden.
[ 1 ] As I did last winter, I would like to take the liberty this evening of speaking about a subject that is intimately connected with the development of German intellectual life, and thus deviate from what I have been privileged to do for many years, both in this city and in other cities in Germany: speaking on a more specific topic within the spiritual-scientific worldview.
[ 2 ] Diese Abweichung liegt ja ganz sicher dem Menschenherzen nahe durch die großen, bedeutsamen Ereignisse, innerhalb welcher das deutsche Volk steht, durch die um uns herum sich abspielenden Tatsachen, die auf der einen Seite eine schwere Prüfung bedeuten, auf der anderen Seite der Quell werden müssen für manche bedeutende Hoffnung für die Zukunft.
[ 2 ] This sentiment is certainly close to people’s hearts, given the major, significant events the German people are facing, and the circumstances unfolding around us—which, on the one hand, represent a severe trial, but on the other, must become a source of significant hope for the future.
[ 3 ] Und außerdem glaube ich nicht, dass man aus einem engherzigen nationalen Sinn heraus zu sprechen braucht, wenn man gerade geisteswissenschaftliche Betrachtungen, wie sie hier durch Jahre hindurch gepflogen worden sind, anknüpft an die großen Zeiten des deutschen Geisteslebens. Denn es ist meine — eben nicht aus gewissen dunklen Gefühlen heraus, sondern, wie ich in aller Bescheidenheit glaube, aus der Erkenntnis der Tatsachen heraus gewonnene — Überzeugung, dass gerade dasjenige, was hier oftmals von mir als ein Streben in die geistigen Welten hinein gezeigt worden ist, ganz allein wie in bedeutsam starkem Keim enthalten ist in den verschiedensten Bestrebungen des deutschen Geisteslebens, in der Blüte dieses Geisteslebens.
[ 3 ] Furthermore, I do not believe that one needs to speak from a narrow-minded nationalist perspective when linking the humanities-based reflections—such as those that have been cultivated here over the years—to the great eras of German intellectual life. For it is my conviction—derived not from certain obscure feelings, but, as I believe in all modesty, from an understanding of the facts — that precisely what I have often described here as a striving into the spiritual worlds is contained, in and of itself, as a significantly powerful seed within the most diverse endeavors of German intellectual life, in the flowering of this intellectual life.
[ 4 ] Wenn Geisteswissenschaft eben Wissenschaft sein will, so könnte man sehr leicht — möchte ich sagen — von einem gewissen Gesichtspunkte der Selbstverständlichkeit aus — einer Selbstverständlichkeit, die doch oberflächlich ist —, man könnte sehr leicht sagen: Die Wissenschaft, sie müsse eben etwas Internationales sein. Und Wissenschaft anknüpfen zu wollen an gewisse Bestrebungen der Volkstümlichkeit, [das] sei von vornherein unstatthaft. So sagen ja sehr viele Menschen. Und es ist so einleuchtend, wenn man so spricht, dass die Selbstverständlichkeit eben schon zur Oberflächlichkeit wird.
[ 4 ] If the humanities are to be considered a science, then one could very easily—I would say—from a certain perspective of self-evidence—a self-evidence that is, after all, superficial—one could very easily say: Science, by its very nature, must be something international. And to want to link science to certain aspirations toward populism is, from the outset, inadmissible. That is what a great many people say. And it sounds so plausible when one speaks this way that what seems self-evident actually becomes superficial.
[ 5 ] Ich will darüber nur sagen vergleichsweise: International ist zum Beispiel, sehr verehrte Anwesende, auch der Mond, für alle Völker derselbe Mond; aber was, die verschiedenen Völker von ihrer Seele aus zu dem Mond zu sagen haben, das entspringt ihren verschiedenen Anlagen. Nun könnte man allerdings sagen: Das mag sich auf die Poesie, auf die Dichtung beziehen. Allein, wenn Wissenschaft werden soll zur Weltanschauung, dann wird zwar dasjenige, was Wissenschaft zu sagen hat, objektiv sein müssen, gerade mustergültig für alle Menschen sein müssen. Aber ob Wissenschaft tief hineindringt in die Quellen des Daseins oder an der Oberfläche haften bleibt — um nur diese zwei äußersten Punkte zu nennen —, das hängt ab von den verschiedenen Anlagen der einzelnen Völker, von den Impulsen, welche die einzelnen Völker mit dem, was ihnen Wissenschaft ist, der Menschheit zu geben haben. Und wie diese Impulse, diese Kräfte [...] aus den Anlagen der Völker herausstammen, darauf kommt es an! Darauf kommt es an in der Gesamtentwicklung der Menschheit, nicht auf dasjenige, was im abstrakten Sinne allen gemeinsam sein kann!
[ 5 ] I would just like to say, by way of comparison: On an international level, for example, ladies and gentlemen, even the moon is the same for all peoples; but what the various peoples have to say about the moon from the depths of their souls stems from their different dispositions. Now, one might say: That may apply to poetry, to literature. However, if science is to become a worldview, then what science has to say must indeed be objective—it must be exemplary for all people. But whether science penetrates deeply into the sources of existence or remains on the surface—to name just these two extremes—depends on the different dispositions of the individual peoples, on the impulses that the individual peoples have to offer humanity through what science means to them. And how these impulses, these forces [...] stem from the innate dispositions of peoples—that is what matters! That is what matters in the overall development of humanity, not what, in an abstract sense, may be common to all!
[ 6 ] Man braucht nur — um dasjenige, was eigentlich hier gemeint ist, [anzudeuten] — eines Wortes Goethes zu gedenken. Als Goethe auf seiner großen Reise nach dem Süden nicht nur die verschiedensten Kunstwerke nach seiner Art angesehen und erklärt hatte, sondern auch die Naturtatsachen und Naturwesen, da schrieb er an seine weimarischen Freunde: Nach alledem, was ich gesehen habe an Naturerkenntnissen und Naturwesen, möchte ich am liebsten eine Reise nach Indien machen — nicht, um Neues zu entdecken, sondern um das schon Entdeckte nach meiner Art anzusehen.
[ 6 ] One need only—to [hint at] what is actually meant here—recall a remark by Goethe. When Goethe, on his great journey to the south, had not only observed and interpreted the most diverse works of art in his own way, but also the facts of nature and natural beings, he wrote to his friends in Weimar: “After all that I have seen in terms of insights into nature and natural beings, I would most like to take a trip to India—not to discover something new, but to view what has already been discovered in my own way.”
[ 7 ] Die Art anzusehen, dasjenige, was man aus der Seele den Welterscheinungen und dem Weltweben entgegenzubringen vermag, darauf kommt es an. Und das hängt innig zusammen mit den Volksseelen. Und wenn man, sehr verehrte Anwesende, von der deutschen Volksseele und ihrer Wirkung Innerhalb des deutschen Volkstums spricht, da scheint ja sogleich demjenigen, der mit dem Gange der deutschen Entwicklung bekannt ist, sogleich einleuchtend zu sein, dass jener Gipfelpunkt betreten werden müsse, zu dem sich hinaufgeschwungen hat diese deutsche Volksseele am Ende des achtzehnten Jahrhunderts, am Beginne des neunzehnten Jahrhunderts. Da haben einen Weltanschauungshintergrund geschaffen, einen Erkenntnishintergrund geschaffen Geister wie Fichte, Schelling, Hegel demjenigen, was innerhalb des europäischen Geisteslebens durch Goethe, Schiller, Herder, Lessing und andere, die zu ihnen gehören, ein zweiter [...] Blütenabschnitt geworden ist nach dem griechischen. Denn hinter Goethes «Faust» und den anderen großen dichterischen und künstlerischen Leistungen steht, was deutsche Weltanschauung auf dem Felde der Gedankenentwicklung dazumal geschaffen hat.
[ 7 ] What matters is the way of looking at things—that which one is able to bring forth from the soul to engage with the phenomena of the world and the fabric of existence. And this is intimately connected with the national souls. And when, ladies and gentlemen, one speaks of the German national soul and its influence within German culture, it immediately seems obvious to anyone familiar with the course of German development that one must reach that pinnacle to which the German national soul had risen at the end of the eighteenth century and the beginning of the nineteenth. There, thinkers such as Fichte, Schelling, and Hegel created a philosophical foundation—a foundation of knowledge—for what, within European intellectual life, through Goethe, Schiller, Herder, Lessing, and others of their ilk, became a second [...] flowering after the Greek one. For behind Goethe’s *Faust* and the other great poetic and artistic achievements lies what the German worldview had created at that time in the realm of intellectual development.
[ 8 ] Fichte, Johann Gottlieb Fichte, er tritt zunächst vor die Seelen der heutigen Zeit so, wo es so naheliegt, deutsche Geister im Zusammenhange zu betrachten mit der Entwicklung ihres Volkstums, Johann Gottlieb Fichte tritt zunächst als der große Redner auf in den «Reden an die deutsche Nation». Wenn Sie sich das betrachten, was durch jene Reden [bewirkt worden ist], deren jedes Wort eigentlich heute noch in der deutschen Seele Feuer fangen muss, aus dem einfachen Grunde, weil durch diese Worte in einer der schwersten Zeiten der deutschen Geschichte jedes Gemüt erkraftet und gestärkt worden ist und wie tatsächlich Lichtblicke geworfen sind auf die Möglichkeiten der deutschen Entwicklung. Und: Weil diese Reden hervorgegangen sind aus einer intimsten Empfindung für das deutsche Volkstum und aus einer intimsten Verwandtschaft mit den innersten Kräften der deutschen Volksseele.
[ 8 ] Fichte, Johann Gottlieb Fichte—he first appears before the minds of our time in a way that is so natural: to view German minds in the context of the development of their national character. Johann Gottlieb Fichte first emerges as the great orator in the “Addresses to the German Nation.” If you consider what those speeches [have accomplished]—every word of which must still kindle a fire in the German soul today, for the simple reason that, during one of the most difficult periods in German history, these words strengthened and encouraged every heart, and truly shed light on the possibilities of German development. And: Because these speeches sprang from the deepest feeling for the German national character and from the closest kinship with the innermost forces of the German national soul.
[ 9 ] Allein, wie leicht wird man sagen: Ja, dasjenige, was in begeisterter, feuriger Rede dazumal Fichte zu dem deutschen Volk gesprochen hat, das wird leicht in jede Seele einfließen. Aber wenn man von dem ausgeht, was eigentlich Fichte’sche Weltanschauung ist, dann kommt man zu Schwerverständlichem. Ach, sehr verehrte Anwesende, wenn nur einmal dieses Vorurteil von der Schwerverständlichkeit solcher Schöpfungen wie der Fichte’schen, der Schelling’schen, der Hegel’schen schwinden könnte: Niemals hätte eine Persönlichkeit, wie Johann Gottlieb Fichte seine «Reden an die deutsche Nation» halten können, wenn man nicht jene Weltanschauung in der Seele erlebt hätte, die nur scheinbar schwer verständlich ist, und von der er gefühlt hat, immer gefühlt hat, dass sie in ihm entstanden ist wie durch eine Zwiesprache mit dem deutschen Volksgeiste selber. Denn, so empfand er über dasjenige, was er zu sagen hatte!
[ 9 ] Yet how easily one might say: Yes, what Fichte once addressed to the German people in enthusiastic, impassioned speech will easily find its way into every soul. But if one starts from what Fichte’s worldview actually is, then one encounters something that is difficult to understand. Oh, distinguished guests, if only this prejudice against the alleged obscurity of works such as those by Fichte, Schelling, and Hegel could vanish just once: A figure such as Johann Gottlieb Fichte could never have delivered his “Addresses to the German Nation” had he not experienced in his soul that worldview—which is only seemingly difficult to understand—and which he felt, always felt, had arisen within him as if through a dialogue with the German national spirit itself. For that is how he felt about what he had to say!
[ 10 ] Nun, Geisteswissenschaft, sehr verehrte Anwesende, wie sie hier gemeint ist, geht ja ganz aus von der Voraussetzung, dass in der Menschenseele schlummernde Kräfte sind, die nicht ihre Verwendung finden im gewöhnlichen äußeren Leben, auch nicht, wenn man verständig dieses äußere Leben betrachtet, ja auch nicht ihre Verwendung finden in der gewöhnlichen äußeren Wissenschaft; sondern die erst entwickelt werden müssen, [die erst] aus den Tiefen des menschlichen Gemütes herausgeholt werden müssen, und entwickelt werden zu dem, wofür man die Goethe’schen Ausdrücke gebrauchen kann: Geistesaugen, Geistesohren — durch die man hineinschauen kann, hineinhören kann in die geistige Welt — Geistesaugen, Geistesohren!
[ 10 ] Well, spiritual science, ladies and gentlemen, as it is understood here, is based entirely on the premise that there are powers slumbering within the human soul that do not find their application in ordinary external life—not even when one considers this external life rationally—nor do they find their application in ordinary external science; but rather, they must first be developed, [they must first] be drawn forth from the depths of the human soul, and developed into what can be described using Goethe’s expressions: spiritual eyes, spiritual ears—through which one can look into and listen to the spiritual world—spiritual eyes, spiritual ears!
[ 11 ] Geisteswissenschaft geht davon aus, dass ein solcher wirklicher innerer Sinn nicht an ein leibliches Organ gebunden ist, sondern rein seelisch-geistig in der Seele schlummert, aber aus ihr hervorgeholt werden kann. [Geisteswissenschaft geht davon aus], dass ein solcher Sinn zu erblicken vermag eine wirkliche geistige Welt, die um uns herum ist und der wir mit unseren Seelen angehören und mit unserem Geiste, wie wir mit unserem Leibe der physisch-sinnlichen Welt angehören. Nur dass wir, wenn wir mit dem Organ des physisch-sinnlichen Leibes die physisch-sinnliche Welt betrachten, sie uns das darstellt, was mit unserem Tode abstirbt. Während, wenn der innere Sinn des Menschen geradeso wissenschaftlich verfährt wie die anderen Sinne oder die äußere Wissenschaft und durch den an das Hirn oder an das Nervensystem gebundenen äußeren Verstand, wenn der innere Sinn so verfährt gegenüber der geistigen Welt, dann kommt der Mensch zu der Beobachtung derjenigen Kräfte, die in ihm sind und die die ganz äußere Welt durchdringen. [Er kommt zu der Beobachtung] derjenigen Kräfte, die für ihn darstellen die ewigen, die unsterblichen Kräfte der Seele, die durch Geburten und Tode gehen.
[ 11 ] Spiritual science assumes that such a true inner sense is not bound to a physical organ, but lies dormant in the soul in a purely psychological and spiritual sense, though it can be brought forth from it. [Spiritual science assumes] that such a sense is capable of perceiving a real spiritual world that surrounds us and to which we belong with our souls and our spirits, just as we belong to the physical-sensory world with our bodies. The difference is that when we observe the physical-sensory world through the organs of our physical-sensory body, it presents to us that which perishes with our death. Whereas, when the human being’s inner sense proceeds just as scientifically as the other senses or external science—and through the external intellect connected to the brain or the nervous system—when the inner sense proceeds in this way toward the spiritual world, then the human being comes to observe those forces that are within him and that permeate the entire external world. [He comes to observe] those forces that represent for him the eternal, immortal forces of the soul, which pass through births and deaths.
[ 12 ] Solch einen inneren Sinn, solche inneren Kräfte zu wecken, war Fichtes, Johann Gottlieb Fichtes Weltanschauungsstreben unverändert. Nach solchem Sinne strebte er hin. Das konnte er nur dadurch, dass dieses Einzigartige — wir werden nachher sehen, warum ich sage «Einzigartige» — des deutschen Volksgeistes in ihm lebte, dieser Wille, in der eigenen Seele durch eine Erhöhung, durch eine Erkraftung, durch eine Entwicklung der Seelenkräfte etwas zu erwerben, was man nicht erwerben kann, wenn diese Seelenkräfte nicht erkraftet sind, was aber eins ist, einerlei Art ist — nicht eine verschwommene Phantastik ist hier gemeint —, was einerlei Art ist mit dem, was als Geist, als wirklicher, objektiver Geist, so objektiv ist, wie für die Sinne die äußeren Naturobjekte objektiv sind, was als Geist die Welt durchwebt und durchwirkt.
[ 12 ] To awaken such an inner meaning, such inner forces—this was the unchanging aim of Fichte, Johann Gottlieb Fichte’s, in his pursuit of a worldview. He strove toward this very meaning. He could do so only because this uniqueness—we will see later why I say “uniqueness”—of the German national spirit lived within him: this will to acquire something in his own soul through an elevation, through a strengthening, through a development of the soul’s powers—something that cannot be acquired if these soul powers are not strengthened, but which is one and of the same kind —we are not referring here to some vague fantasy—, which is of the same nature as that which, as spirit, as real, objective spirit, is as objective as external natural objects are to the senses, which, as spirit, interweaves and permeates the world.
[ 13 ] Für Fichte lebte sich herein in dieses menschliche Ich, wenn dieses menschliche Ich sich in der Weise innerlich zu erfassen vermag, dasjenige, was die Welt als ihre Geheimnisse durchpulst und durchwebt und durchlebt.
[ 13 ] For Fichte, the human self came to life when it was able to grasp within itself that which pulses through, weaves through, and lives through the world as its mysteries.
[ 14 ] Fichte meinte, wenn der Mensch dazu kommt, in sich im rechten Sinne dieses innere Selbst, diesen Mittelpunkt des Seelenlebens unmittelbar wirklich in sich kraftvoll zu erleben, dann lebt er nicht nur als Einzelmensch in solchem inneren Erleben, sondern dann lebt in diesem inneren Erleben das Weltenleben, der Weltengeist, dasjenige, was schöpferischer Geist in allen Dingen des Daseins ist.
[ 14 ] Fichte believed that when a person comes to experience within themselves—in the true sense—this inner self, this center of soul life, directly, truly, and powerfully, then they do not merely live as an individual within such an inner experience; rather, the life of the world, the spirit of the world—that which is the creative spirit in all things of existence—lives within this inner experience.
[ 15 ] Dieses Erkennen-Wollen mit dem innersten Sinnesorgan, das ist dasjenige, was Fichte so eigen ist. Und es ist ihm eigen, weil das in seiner ganzen Natur lag. In seiner Natur lag es nämlich, zusammenzuwachsen mit demjenigen, was auf ihn Eindruck machte. Er hörte nicht bloß irgendetwas, er sah nicht bloß irgendetwas, sondern indem er etwas hörte, indem er etwas sah, da legte er das ganze Empfinden und Leben der Persönlichkeit in dies, was er hörte, was er sah, hinein. In demjenigen, was er vernahm, steckte er so darinnen, dass er sich schöpferisch drinnen fühlte — nachschöpferisch die Welt, die Natur mitschaffend, jedes andere Menschenleben mitschaffend. Das war in ihm als eine persönliche Anlage vorhanden.
[ 15 ] This desire to know through the innermost sense organ—that is what is so characteristic of Fichte. And it is characteristic of him because it lay in his very nature. For it was in his nature to become one with whatever made an impression on him. He did not merely hear something, he did not merely see something; rather, as he heard something, as he saw something, he poured the entire sensibility and life of his personality into what he heard and what he saw. He immersed himself so deeply in what he perceived that he felt creatively at home within it—co-creating the world, nature, and every other human life. This was present in him as a personal disposition.
[ 16 ] Um das zu kennzeichnen, möchte ich kleine Züge anführen aus Fichtes, aus Johann Gottlieb Fichtes Leben. Er war ein kleiner Knabe von sieben Jahren, ein einfacher Weberssohn; da stand er einmal am Rande eines Baches, der vorüberfloss vor dem kleinen Häuschen seines Vaters. Ein Buch hatte er in den Bach hineingeworfen! Und weinend stand er nun und sah das Buch fortschwimmen. Da kam der Vater dazu und sah, was da geschehen war. Das nämlich war es: Der Vater hatte letzte Weihnachten dem Knaben, der frühreif war und der gut lernte in der Schule, den «Gehörnten Siegfried» zum Geschenk gemacht. Auf den Knaben, auf den siebenjährigen Knaben im blauen Bauernkittel, einfacher Leute Kind, machte die mächtige, die urgermanische Tat des «Gehörnten Siegfried» einen so kraftvollen Eindruck, dass er sich ganz in sie vertiefte. Und da stellte sich heraus, dass man sagen musste: Wiewohl er früher so fleißig, gewissenhaft und pflichttreu in der Schule war, dass er nun weniger aufmerksam sei. Das wurde ihm zum Vorwurf gemacht.
[ 16 ] To illustrate this, I would like to cite a few brief passages from Fichte’s life—from Johann Gottlieb Fichte’s life. He was a little boy of seven, the son of a simple weaver; one day he was standing at the edge of a stream that flowed past his father’s little cottage. He had thrown a book into the stream! And now he stood there crying, watching the book float away. Then his father came along and saw what had happened. For this is what had happened: Last Christmas, the father had given the boy—who was precocious and did well in school—*The Horned Siegfried* as a gift. On the boy, the seven-year-old boy in his blue peasant smock, the child of simple folk, the mighty, proto-Germanic tale of *The Horned Siegfried* made such a powerful impression that he became completely absorbed in it. And then it became apparent that one had to say: Although he had previously been so diligent, conscientious, and dutiful at school, he was now less attentive. He was reproached for this.
[ 17 ] Was tat der siebenjährige Knabe? Er sagte sich: Den «Gehörnten Siegfried», ich habe ihn gern; lieb habe ich ihn; ich hänge an ihm; aber meine Pflichten darf er mir nicht nehmen, daher werfe ich ihn ins Wasser. — So zusammenwachsen mit demjenigen, was er den Pflichtbegriff später nannte, konnte Johann Gottlieb Fichte als siebenjähriger Knabe schon!
[ 17 ] What did the seven-year-old boy do? He said to himself: “The ‘Horned Siegfried’—I like him; I love him; I’m attached to him; but he must not take my duties away from me, so I’ll throw him into the water.” — Even as a seven-year-old boy, Johann Gottlieb Fichte was already capable of becoming so deeply attuned to what he would later call the concept of duty!
[ 18 ] Und wiederum: Neun Jahre war er alt geworden. Der Gutsnachbar war herübergekommen in das Dörfchen, in dem Fichte wohnte, um an einem Sonntag die Predigt des Pfarrers dort zu hören. Er war zu spät gekommen, konnte die Predigt nicht mehr hören. Da kam man auf einen Ausweg. Man sagte: Da ist ein Knabe von neun Jahren, der kann so gut zuhören bei der Predigt, dass er vielleicht das Wichtigste auswendig wiederholen könne. Man bringt den neunjährigen Johann Gottlieb Fichte: Linkisch steht er da in seinem blauen Bauernkittel; und als sozusagen das Eis gebrochen war, da fing er an, die Predigt, wie er sie gehört hatte, zu entwickeln; aber nicht, wie Kinder erzählen, nicht wie aus dem Gedächtnis hinterher die Worte anführend, sondern wie wieder geschaffen! Sodass man sah: Zusammengewachsen war das innere Feuer der Seele mit demjenigen, was ihm von der Kanzel herunter ins Ohr gedrungen war. So ging er auf, schon als Knabe, in dem, was er aus der Welt vernahm, so innig zusammengewachsen zu sein mit dem, das um ihn war. Das war es, was man eben inne wurde, und was ihn zu seiner Weltanschauung führte, [was ihn] so zu seiner Weltanschauung führte, dass er empfand: Was in dem einzelnen Menschen als Wille lebt, das lebt nicht bloß in diesem einzelnen Menschen als Wille, sondern was da im einzelnen Menschen als Wille lebt, das ist wie jener Tropfen, der dem Meere entnommen wird, der aber in seiner Art gleichartig ist mit dem ganzen Meere. Der Wille, den der Mensch in seinem Ich erkennen lernt, der durchpulst, durchlebt und durchwebt als Weltenwille alles Dasein. Und indem der Mensch «Ich» ausspricht, spricht der Weltenwille in ihm.
[ 18 ] And again: He had turned nine years old. The neighbor from the estate had come over to the little village where Fichte lived to hear the pastor’s sermon there one Sunday. He had arrived too late and could no longer hear the sermon. So they came up with a solution. They said: “There is a nine-year-old boy who listens so intently to the sermon that he might be able to repeat the most important parts from memory.” They brought in the nine-year-old Johann Gottlieb Fichte: He stood there awkwardly in his blue peasant smock; and once the ice had been broken, so to speak, he began to recount the sermon just as he had heard it; but not the way children recount things—not by reciting the words from memory afterward—but as if he were recreating it! So that one could see: the inner fire of his soul had fused with what had reached his ears from the pulpit. Thus, even as a boy, he blossomed in the realization that what he perceived from the world had become so intimately intertwined with his surroundings. That was what one came to realize, and what led him to his worldview—[what led him] to his worldview in such a way that he felt: What lives in the individual human being as will does not merely live in that individual as will; rather, what lives in the individual as will is like that drop taken from the sea, which is, in its nature, identical to the entire sea. The will that human beings come to recognize in their “I”—it pulses through, lives through, and weaves through all existence as the will of the world. And when a human being utters “I,” the will of the world speaks within them.
[ 19 ] So wuchs in seiner Weltanschauung das einzelne Ich zusammen mit dem Weltenwollen. Und wie auf den Flügeln des Willens wellend war ihm dargestellt dasjenige, was aus dem göttlich-geistigen Dasein, aus dem göttlichgeistigen Willensdasein hereinstrahlt, hereinleuchtet in die Menschenseele als Pflicht.
[ 19 ] Thus, in his worldview, the individual self merged with the will of the world. And as if surging on the wings of the will, he perceived that which radiates from the divine-spiritual existence—from the divine-spiritual existence of the will—and shines into the human soul as a duty.
[ 20 ] Pflicht wurde ihm das Höchste, das Bedeutsamste, das, was in einen Menschen als Pflicht hereinkommt — gegenüber der Welt und ihren Erscheinungen gegenüber — als Aufgabe, das war ihm eine unmittelbare Inspiration des göttlichen Willensgeistes, der durch die Welt pulst und webt und west.
[ 20 ] Duty became for him the highest, the most significant thing—that which enters into a human being as duty—toward the world and its manifestations—as a task; for him, this was a direct inspiration from the divine spirit of will, which pulses, weaves, and flows through the world.
[ 21 ] Und so fühlte sich in seinem Willen wie in seinem Ich Johann Gottlieb Fichte eins mit dem Weltendasein. So glaubte er, wenn er sprach, dass er sprechen müsse nicht aus der persönlichen Willkür heraus, sondern aus demjenigen, was sagen will der Gott, der in der Seele sprechen will. Und man kann sich wirklich nicht vorstellen, dass jemand einen stärkeren Ernst haben konnte, als ihn Fichte hatte, wenn er zum Beispiel zu seinen Zuhörern in Jena sprach, versuchte, dasjenige, was er in seiner Seele als Weltengewissheit erlebt hat, an die Seelen dieser Zuhörer heranzubringen.
[ 21 ] And so, in his will as well as in his self, Johann Gottlieb Fichte felt at one with the existence of the world. Thus, when he spoke, he believed that he must speak not out of personal caprice, but out of what God—who wishes to speak in the soul—wishes to say. And one really cannot imagine that anyone could have been more earnest than Fichte was when, for example, he spoke to his audience in Jena, attempting to convey to their souls what he had experienced in his own soul as a certainty of the world.
[ 22 ] Da kam es nicht darauf an, wie die anderen Redner bloß einen gewissen Inhalt, gewisse Sätze mitzuteilen, sodass sie gehört wurden; nein, sondern ihm kam es darauf an, indem er die Rednertribüne bestieg, in seiner Seele etwas zu tragen, wovon er wusste — in wahrer Demut, in aller Bescheidenheit: Da spricht durch mich der durch die Welt waltende Weltenwille; der muss auf den Flügeln meiner Worte in die Seelen meiner Zuhörer hineingetragen werden. Und da muss hergestellt werden diejenige Verbindung zwischen den Seelen meiner Zuhörer und dem göttlich-geistigen Weltenwillen, von dem ich selber durchglüht und durchgeistet bin.
[ 22 ] It was not a matter, as with the other speakers, of merely conveying a certain message or certain phrases so that they would be heard; no, rather, what mattered to him, as he ascended the speaker’s platform, was to carry within his soul something of which he was certain—in true humility, in all modesty: The Will of the Worlds, which reigns over the world, speaks through me; it must be carried on the wings of my words into the souls of my listeners. And there must be established that connection between the souls of my listeners and the divine-spiritual Will of the Worlds, by which I myself am inflamed and imbued.
[ 23 ] Und tief saß in seiner Seele — in Fichtes Seele — die Erkenntnis, dass das Tiefste in der Welt von dem Innerlichsten der Seele begriffen werden müsse. Dafür wiederum eine kleine Erzählung, die bekannt ist denjenigen, die sich mit Johann Gottlieb Fichte befasst haben, wie er an seine Zuhörer zum Beispiel folgende Zumutung stellte. Wie unmittelbar persönliche Verbindung mit den Zuhörern erstrebend, sagte er zum Beispiel: Meine Herren, denken Sie die Wand. — Da dachten die Leute an die Wand; es war ihnen leicht. Nachdem er eine Weile sie so die Wand hatte denken lassen, da sagte er: Und nun denken Sie den, der eben die Wand gedacht hat! — Da waren die Leute schon etwas sonderbar berührt; sie wussten nicht recht, was sie machen sollten; sie waren auf ihr eigenes Innere verwiesen. Sie sollten erkraften, erstarken in sich ihr eigenes Innere, dasjenige, was als etwas unpersönlich Geistiges die Welt durchwebt und durchwellt.
[ 23 ] And deep within his soul—within Fichte’s soul—lay the realization that the deepest aspects of the world must be understood through the innermost depths of the soul. Here, again, is a brief anecdote familiar to those who have studied Johann Gottlieb Fichte, illustrating how he, for example, would present his listeners with the following challenge. Seeking an immediate personal connection with his listeners, he said, for example: “Gentlemen, think of the wall.”—So the people thought of the wall; it was easy for them. After letting them think of the wall like that for a while, he said: “And now think of the one who just thought of the wall!” — At that point, the people were already somewhat strangely moved; they didn’t quite know what to do; they were referred to their own inner selves. They were to draw strength, to fortify within themselves their own inner self—that which, as something impersonal and spiritual, interweaves and ripples through the world.
[ 24 ] So suchte er heranzukommen an die Zuhörer. Und dabei waren seine Worte nicht gewöhnlich geprägte Worte. Leute, die ihn gut kannten, sagten: Seine Rede rollt daher wie der Donner, und seine Worte entladen sich wie in einzelnen Blitzen. — Er suchte nicht bloß gute, er suchte große Seelen zu erziehen.
[ 24 ] This was how he sought to connect with his audience. And yet his words were not merely conventional phrases. People who knew him well said: His speech rolls forth like thunder, and his words strike like individual flashes of lightning. — He sought not merely to educate good souls, but great ones.
[ 25 ] Und ein anderer sagte von ihm: O, bei Fichte ist es so, dass er im Reich der unsichtbaren Gedankenwelt lebt und webt; nicht wie einer, der drinnen wohnt, sondern wie einer, der diese unsichtbare Welt beherrscht.
[ 25 ] And another said of him: “Oh, with Fichte, it is as if he lives and weaves within the realm of the invisible world of thought—not as one who dwells within it, but as one who rules over this invisible world.”
[ 26 ] Aus solchem Geiste heraus war es, dass Fichte dann 1811 bis 1813 in seinen Berliner Vorträgen Dinge sagte, die wohl nicht oft vor einem Hochschul-Zuhörerkreis ausgesprochen worden sind. Da sprach er von einem «neuen Sinn», von einem geistigen Sinn, der notwendig ist für den Menschen, wenn er das Ewige gegenüber dem Zeitlichen kennenlernen will. Da sprach er davon, indem er verglich diesen Sinn mit einem anderen, der als Sinn im gewöhnlichen Leben walte, er sagte: Meine Herren Zuhörer! Wenn eine einzige Seele — er meinte Fichtes Seele — unter eine Anzahl von Menschen träte, die alle Fichte nicht sehen können, und niemals Fichte haben sehen können — würden Sie nicht dasjenige, was er Ihnen zu sagen hat, für eine Phantasterei erklären? So aber ist es mit alle dem, was eure Sinne sehen können, gegenüber demjenigen, was der Mensch schauen kann, wenn er den neuen Sinn — wie Fichte es nannte —, die geistige Anschauung sich eröffnet durch die ihm eine neue Welt aufgeht.
[ 26 ] It was in this spirit that Fichte, in his Berlin lectures from 1811 to 1813, said things that had probably rarely been expressed before an audience of university students. There he spoke of a “new sense,” a spiritual sense that is necessary for human beings if they wish to come to know the eternal in contrast to the temporal. He spoke of this by comparing this sense to another that prevails as the sense of ordinary life; he said: “Ladies and gentlemen! If a single soul—he meant Fichte’s soul—were to step among a group of people, none of whom can see Fichte and none of whom have ever been able to see him—wouldn’t you dismiss what he has to say as mere fantasy? But this is how it is with everything your senses can perceive, compared to what a person can perceive when he opens himself to the new sense—as Fichte called it—the spiritual intuition, through which a new world dawns upon him.
[ 27 ] Ein echt geisteswissenschaftliches Streben wird hier aus dem deutschen wissenschaftlichen Streben heraus entwickelt! Und Fichte sagte, indem er sich bewusst war des Gegensatzes dieses seines deutschen Strebens zum romanischen Streben in Bezug auf Erkenntnis, Fichte sagte: Dieses Streben, das ist ein Streben, das aus dem Urquell des Lebendigen hervorgeht, und das nicht begründen will bloß eine Erkenntnis des Toten.
[ 27 ] A truly humanistic endeavor is developed here out of the German scientific endeavor! And Fichte, aware of the contrast between his own German pursuit and the Romance pursuit with regard to knowledge, said: This pursuit is one that springs from the primal source of the living, and does not seek merely to establish a knowledge of the dead.
[ 28 ] Noch eingehender, als das Fichte in der Lage war zu tun, kann man hinweisen auf gewisse westliche Ewigkeits-Ansichten, an denen sich so recht zeigt, wie anders Fichte dasteht in der Weltentwicklung der Menschheit als zum Beispiel ähnliche Geister aus dem romanischen, französischen Volkstum heraus. Man nehme den im Beginne des siebzehnten Jahrhunderts in Frankreich tätigen, ausgezeichneten Philosophen Descartes, Cartesius. In einer ähnlichen Weise wie Fichte will er ausgehen von dem, was in der Seele webt: «Ich denke, also bin ich» — «Cogito ergo sum». Aber was stellt es dar? Ein Streben, mit dem Verstand sich klar zu werden über dasjenige, was man schon hat. Fichtes energische Tätigkeit strebt, in der Seele etwa zu entwickeln, was man noch nicht hat, um die eigentlichen, tiefen Geheimnisse der Welt zu erkennen. Und man braucht nur eines zu erwähnen, das besonders stark bei Cartesius, bei Descartes zutage tritt. Descartes versuchte auch von dem Innern seines Geistwesens aus, von dem Innern des menschlichen Geistwesens aus Klarheit zu gewinnen über die Natur. Über dasjenige, was um uns herum ist. Aber nicht von dem Lebendigen geht er aus und kann daher auch nicht zu dem Lebendigen kommen. Und charakteristisch für Cartesius, für Descartes, ist es, dass er nicht nur die anderen Naturerscheinungen, sondern die Tiere als leblose, als bewegte, seelenlose Maschinen ansieht. Das ist kein Übertreiben, das ist echte Descartes’sche Theorie: Nur der Mensch, der in sich selber eine Seele erlebt, hat eigentlich im wahren Sinne des Wortes eine Seele. Die übrige Natur ist seelenlos.
[ 28 ] Even more thoroughly than Fichte was able to do, one can point to certain Western views of eternity that clearly demonstrate how differently Fichte stands in the course of human development compared, for example, to similar thinkers emerging from the Romance, French cultural tradition. Take, for example, the outstanding philosopher Descartes, who was active in France at the beginning of the seventeenth century. In a manner similar to Fichte, he seeks to start from what stirs within the soul: “I think, therefore I am” — “Cogito ergo sum.” But what does this represent? A striving to use the intellect to gain clarity about what one already possesses. Fichte’s energetic activity strives to develop within the soul, as it were, what one does not yet possess, in order to recognize the true, profound mysteries of the world. And one need only mention one thing that is particularly evident in Cartesius, in Descartes. Descartes also sought, from within his own spiritual being, from within the human spiritual being, to gain clarity about nature. About what is around us. But he does not start from the living, and therefore cannot arrive at the living either. And it is characteristic of Cartesius—of Descartes—that he regards not only other natural phenomena but also animals as lifeless, as moving, soulless machines. This is no exaggeration; it is genuine Cartesian theory: Only the human being, who experiences a soul within himself, actually has a soul in the true sense of the word. The rest of nature is soulless.
[ 29 ] Man vergleiche mit diesem Hinschauen auf die Natur als auf etwas Seelenlosem, man vergleiche das unmittelbar Lebendige bei Fichte: Die Seele des Menschen steht darinnen in dem göttlichen Willen, der die Welt durchpulst und durchwebt. Die äußeren Dinge sieht er an, aber er sieht sie so an, dass der Mensch dazu berufen ist, in den äußeren, stofflichen Dingen das zu sehen, worin er den göttlichen Willen anzusehen hat ... ... ... und überall lebend, überall beseelt.
[ 29 ] Compare this view of nature as something soulless with the immediate vitality found in Fichte: The human soul is present within the divine will that pulses through and interweaves the world. He looks at external things, but he looks at them in such a way that human beings are called to see in these external, material things that in which they must behold the divine will ... ... ... alive everywhere, animated everywhere.
[ 30 ] Es wird die Zeit kommen, sehr verehrte Anwesende, wo man wohl hinhören wird auf diese Unterschiede zwischen den einzelnen Völkern, weil fruchtbar werden muss die Erkenntnis dieser Unterschiede solcher hervorragenden Geister. Wir Deutschen haben nicht nötig, all das nachzuweisen, was wir jetzt hörten von mancher hervorragenden Persönlichkeit auf feindlicher Seite. Wir Deutschen haben nicht nötig, einzustimmen in den Ton nicht nur der Verkennung, sondern der Verleumdung des deutschen Geisteslebens, wie wir ihn überall hören können. Aber wir haben wohl Veranlassung, in das Eigentümliche, in das Wesenhafte des deutschen Geisteslebens selber einzudringen.
[ 30 ] The time will come, distinguished guests, when people will listen closely to these differences among the various nations, for the recognition of these differences by such outstanding minds must bear fruit. We Germans have no need to prove everything we have just heard from certain outstanding figures on the enemy side. We Germans have no need to echo the tone of not only misunderstanding but also slander directed at German intellectual life, as we hear it everywhere. But we do have good reason to delve into the distinctive and essential nature of German intellectual life itself.
[ 31 ] Und dann, wie den Folger Fichtes sehen wir dastehen vor uns, ebenfalls verkannt, aber als eine Persönlichkeit, die schon ihre Auferstehung feiern wird, Joseph Wilhelm Schelling. Schelling, er steht nicht so da wie Fichte. Das eben ist das Bedeutende im deutschen Geistesleben, diese Vielseitigkeit, diese Mannigfaltigkeit. Nicht so steht er da, wie Fichte; Fichte steht da wie aus dem Schauen der Einzelpersönlichkeit heraus gewahr werdend den die Welt durchpulsenden und durchwebenden Weltenwillen. Aus dem Willen heraus wirkt die ganze Persönlichkeit Fichtes. Aus dem Gemüte, aus diesem deutschen Gemüte heraus — für das die anderen Sprachen des Westens nicht einmal eine wörtliche Übersetzung haben —, aus diesem deutschen Gemüt heraus schafft Schelling seine, nur scheinbar schwer verständliche, großartige Natur- und Geistesanschauung.
[ 31 ] And then, just as we see Fichte’s follower standing before us—likewise misunderstood, but as a figure who will one day celebrate his own resurrection—we see Joseph Wilhelm Schelling. Schelling does not stand there in the same way as Fichte. That is precisely what is significant in German intellectual life: this versatility, this diversity. He does not stand there as Fichte does; Fichte stands there as if, through the gaze of the individual personality, he were perceiving the World Will pulsing through and weaving through the world. Fichte’s entire personality emanates from this will. From the German spirit—for which the other languages of the West do not even have a literal translation—Schelling creates his magnificent view of nature and the spirit, which is only seemingly difficult to understand.
[ 32 ] Da ist die Natur vor den Augen Schellings nicht etwa irgendetwas Totes, irgendetwas bloß Mechanistisches; sondern da ist die Natur dasjenige, was aus denselben Kräften heraus im Laufe von Jahrtausenden und Jahrtausenden geschaffen worden ist, aus denselben Kräften heraus, die die menschliche Seele in sich fühlt, wenn sie so recht in sich geht. Und da sieht Schelling hin auf diese Natur, und er kann sich sagen: Dasjenige, was da draußen lebt und webt in der Natur — dieselben Menschenseelenkräfte, die jetzt zum Sein kommen in den Menschenseelen, die haben das geschaffen, haben sich einen Boden geschaffen, eine Vorbereitung geschaffen; sodass sie sich erheben können und verinnerlichert erscheinen können im menschlichen Gemüt, in der menschlichen Seele.
[ 32 ] In Schelling’s view, nature is not some lifeless entity, something merely mechanical; rather, nature is that which has been created over the course of millennia upon millennia from the very same forces—the same forces that the human soul feels within itself when it truly turns inward. And as Schelling looks upon this nature, he can say to himself: That which lives and weaves out there in nature—the very same forces of the human soul that are now coming into being within human souls—have created this, have created a foundation for themselves, have laid the groundwork; so that they can rise up and appear internalized within the human mind, within the human soul.
[ 33 ] Und so wachsen zusammen Seele und Natur so für Schelling, dass er den gewiss einseitigen Satz prägt: Die Natur erkennen, heißt: die Natur schaffen!
[ 33 ] And so, for Schelling, soul and nature grow together to such an extent that he coins the admittedly one-sided statement: “To recognize nature is to create nature!”
[ 34 ] Es kommt ja auch gar nicht darauf an, dass man diesen großen Menschen gegenüber Anhänger oder Gegner wird, sich einverstanden oder als Gegner erklärt gegenüber demjenigen, was diese großen Geister ausgesprochen haben; das kann heute sogar kindlich erscheinen; darauf kommt es nicht an; sondern darauf kommt es an, diese Persönlichkeiten anzuschauen, und in ihren Persönlichkeiten, ihrem Geistesstreben das Beste anzuschauen. Es darf nicht sein ein Nachsprechen dessen, was einer gesprochen hat aus dem Geiste seiner Zeit heraus, sondern ein sich selber erstarken und erkraften in Bezug auf die eigenen Seelenkräfte, um vielleicht heute etwas ganz anderes zu bilden aus dem, was Fichte geben kann, als was Fichte gegeben hat.
[ 34 ] After all, it doesn’t matter at all whether one becomes a supporter or an opponent of these great people, or whether one agrees with or opposes what these great minds have said; that might even seem childish today; that is not what matters; rather, what matters is to look upon these personalities and to see the best in their personalities and their spiritual striving. It must not be a mere parroting of what someone said out of the spirit of his time, but rather a strengthening and empowering of oneself in relation to one’s own soul forces, so that perhaps today we might form something entirely different from what Fichte can offer than what Fichte actually offered.
[ 35 ] Wenn man so sieht, wie diejenigen, die Schelling, Friedrich Joseph Wilhelm Schelling gehört haben — ich habe selber noch Leute kennengelernt, die ihn im Alter gehört haben, und die durchaus das bestätigt haben, was diejenigen zu sagen wussten, die Jüngling waren mit dem Jüngling Schelling, als Schelling am Ende der Neunzigerjahre des achtzehnten Jahrhunderts an der Universität Jena. So sprachen sie etwa — ich erzähle Ihnen dasjenige, was zum Beispiel Schubert, der selber ein tiefer Geist war, [der] eindringen wollte in die Tiefen der Menschenseele, was Schubert, als er gehört hat Schelling in Jena, in seinen Tagebüchern aufgeschrieben hat: Wenn einer an einigen Nachmittagsstunden kam eines Wochentags, so sagt Schubert, so sah man in Jena ein bewegtes Leben. Dieses bewegte Leben kam aber nicht von irgendeiner dort häufigen Feier, nicht von irgendeiner anderen Zusammenkunft; sondern dies bewegte Leben war deshalb, weil die Stunde nahte, wo nicht nur Studenten, sondern gereifte Männer aller Berufsarten in Schellings Hörsaal gingen. Weiter sagt Schubert: Der persönliche Eindruck, den Schelling machte, er ist ein großer, ein gewaltiger gewesen. Es kam ihm vor, wenn Schelling sprach, als ob er dastünde und sein geistiges Sinnen unmittelbar in Verbindung stünde mit der geistigen Welt und seine Worte so geprägt würden, dass er dasjenige, was er zu sagen hatte, herausfasste aus dem, in das er hineinschaute: in die geistige Welt.
[ 35 ] When one considers those who heard Schelling—Friedrich Joseph Wilhelm Schelling—I myself have met people who heard him in his later years, and who fully confirmed what those who were young men alongside the young Schelling had to say, back when Schelling was at the University of Jena in the late 1790s. This is what they said, for example—I’ll tell you what Schubert, who was himself a profound thinker [who] sought to penetrate the depths of the human soul, wrote in his diaries after hearing Schelling in Jena: “If one came during a few afternoon hours on a weekday,” Schubert says, “one would see a bustling scene in Jena.” But this bustling life did not stem from some frequent celebration there, nor from any other gathering; rather, this bustling life existed because the hour was approaching when not only students but also mature men of all professions were entering Schelling’s lecture hall. Schubert goes on to say: The personal impression Schelling made was a great one, a powerful one. It seemed to him, when Schelling spoke, as if he were standing there and his intellectual thought were directly connected to the spiritual world, and his words were shaped in such a way that he drew what he had to say from that into which he gazed: the spiritual world.
[ 36 ] Wirkte Fichte als ein kraftvoller Mensch, als ein kraftvoller Vertreter des deutschen Wesens — Schelling wirkte wie der Erzieher, der philosophische Erzieher, der seinen Zuhörern so vorkam wie umflossen von einer Aura der Geistigkeit, die er mitzuteilen wusste schon als Jüngling denjenigen, die ihm zuhörten. Und denjenigen, die ihn im Alter hörten — wie gesagt, ich kannte selber noch solche —, [die] versicherten, dass aus dem im Alter noch immer funkelnden Auge das unmittelbar Persönliche der Natur sprach, das sich ihm ergab in die Mitteilungen hinein, die er nicht aus verständiger Weisheit heraus, doch aus einem innerlichen Schauen der geistigen Welt heraus der Menschheit zu geben suchte. Und Schelling spricht von den sogenannten [intellektuellen] Anschauungen. Damit haben wir in seiner Art das Wort geprägt für den neuen Sinn, für den Geist-Sinn, den geistigen Sinn, der im Menschen erweckt werden kann, und in die geistige Welt hineinzuschauen vermag. Mag einseitig sein die Art, wie Schelling von diesem Geistsinn spricht — dass innerhalb des deutschen Geisteslebens mit solchem Ernst davon gesprochen werden konnte, das gehört zu den bedeutsamsten Blüten des Geisteslebens, denen gegenüber man in richtigem Sinne fühlen muss.
[ 36 ] While Fichte came across as a powerful man, a powerful representative of the German spirit—Schelling came across as the educator, the philosophical educator, who appeared to his listeners as if enveloped in an aura of spirituality, which he knew how to convey even as a young man to those who listened to him. And those who heard him in his old age—as I said, I myself still knew such people—[who] assured me that the immediately personal aspect of nature spoke from his eyes, which still sparkled in his old age; this aspect revealed itself to him in the messages he sought to convey to humanity, not out of rational wisdom, but out of an inner vision of the spiritual world. And Schelling speaks of the so-called [intellectual] insights. In his own way, he has thus coined the term for the new sense, for the spiritual sense, the spiritual perception that can be awakened in human beings and is capable of looking into the spiritual world. The way Schelling speaks of this “spiritual sense” may be one-sided—but the fact that it could be discussed with such seriousness within German intellectual life is one of the most significant blossoms of that intellectual life, toward which one must feel a genuine sense of appreciation.
[ 37 ] Der Dritte, der in Betracht kommt unter denjenigen, die den Weltanschauungsgrund geschaffen haben, aus dem Goethes «Faust» und die anderen Kunstwerke hervorgegangen sind, das ist Hegel. In Hegel bemerken wir wiederum, wie er darnach strebt, in dem, was die Seele in sich als Einzelseele erlebt, nachzuerleben dasjenige, was die Welt durchwebt, was die Welt durchpulst. Aber hat Fichte das gesucht im Willen, Schelling im Gemüte — Hegel sucht es im reinen, sinnlichkeitsfreien Gedanken. Und wenn der Gedanke ganz rein wird, wenn der Gedanke sich nicht anlehnt an dasjenige, was die Sinne äußerlich beobachten, sondern wenn der Gedanke sich schafft als freier Gedanke aus der Seele heraus, dann ist es für Hegel nicht diese Menschenseele allein, die da denkt, sondern dann ist es für Hegel das göttliche Weltenwesen, das in die Seele hereindringt und das seine Weltengedanken, die die Dinge draußen entstehen ließen, nun in des Menschen Seele als das Licht der Seele selber entzündet.
[ 37 ] The third figure to be considered among those who laid the ideological foundation from which Goethe’s *Faust* and his other works of art emerged is Hegel. In Hegel, we again observe how he strives to relive, within what the soul experiences within itself as an individual soul, that which permeates the world, that which pulses through the world. But whereas Fichte sought this in the will and Schelling in the mind—Hegel seeks it in pure, senseless thought. And when thought becomes entirely pure—when thought does not rely on what the senses observe externally, but rather when thought creates itself as a free thought arising from the soul— then, for Hegel, it is not this human soul alone that thinks, but rather, for Hegel, it is the divine world-being that penetrates the soul and now kindles its world-thoughts—which gave rise to the things outside—within the human soul as the light of the soul itself.
[ 38 ] Da haben wir in Hegel eine merkwürdige Art von Mystik, die [nicht] in dunklen Gefühlen schwelgen will, nicht eine Mystik, die nur in der Empfindung leben will, weil sie glaubt, in der Empfindung allein dichter zusammen zu sein mit den Weltengeheimnissen als im Denken. Wir haben eine Mystik in Hegel, die verstandesklar ist und dennoch nicht verstandesoberflächlich ist, eine Mystik, welche durchleuchtet ist von dem Lichte der Ideen, von dem Lichte des Gedankens. Aber solche Gedanken sucht Hegel in seiner Seele lebendig zu machen, die wirklich den Menschen mit den göttlichen Gedanken zusammenbringen. Ich möchte sagen: mystisch, aber nicht mystische Dunkelheit, sondern mystisches Licht, mystische Helle.
[ 38 ] Here, in Hegel, we find a peculiar kind of mysticism that [does not] seek to revel in obscure feelings, not a mysticism that wishes to live solely in sensation because it believes that sensation alone brings one closer to the world’s mysteries than thought does. In Hegel we have a mysticism that is clear to the intellect and yet is not superficial to the intellect, a mysticism that is illuminated by the light of ideas, by the light of thought. But Hegel seeks to bring to life in his soul those thoughts that truly unite human beings with divine thoughts. I would like to say: mystical—but not mystical darkness, rather mystical light, mystical brightness.
[ 39 ] Hegel hat zwar sich gewendet dagegen, dass der neue Sinn, der innere Sinn etwas werde, was der Mensch nur durch eine besondere Anlage erhalten könnte; und deshalb tadelte er Schelling, der von der [intellektuellen] Anschauung sprach. In gewisser Beziehung hatte Hegel recht, denn für jeden Menschen — Sie brauchen das nur nachzulesen in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» —, für jeden Menschen ist dieser neue Sinn, wenn er nur entwickelt werden will, erlangbar. Und dieser neue Sinn, er lebt im Grunde genommen am schönsten, am herrlichsten in demjenigen Manne, in dem Deutschen, zu dem Fichte, als er ihm zeigte — 1794 seine scheinbar so dunkle, willkürliche Lehre, schrieb: In die Geistigkeit Ihres Gefühles webt sich hinein philosophisches Streben, wie jedes reine philosophische Streben; denn diese reine Geistigkeit Ihres Gefühles ist eigentlich Probierstein. — So schrieb 1794 Fichte an Goethe.
[ 39 ] Hegel did, however, object to the idea that the new sense—the inner sense—might be something that a person could acquire only through a special predisposition; and for this reason he criticized Schelling, who spoke of [intellectual] intuition. In a certain sense, Hegel was right, for every human being—you need only read my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*—for every human being, this new sense is attainable, if only one is willing to develop it. And this new sense, fundamentally speaking, lives most beautifully, most magnificently in that man, the German to whom Fichte, when he revealed to him—in 1794—his seemingly so obscure, arbitrary doctrine, wrote: Philosophical striving is woven into the spirituality of your feeling, just as it is in every pure philosophical striving; for this pure spirituality of your feeling is, in fact, the touchstone. — So wrote Fichte to Goethe in 1794.
[ 40 ] Und Goethe selbst sprach ja in dem schönen Aufsatz, den er nennt «Anschauende Urteilskraft», davon, dass es nicht bloß eine Anschauung geben könne der Welt, die auf die äußeren Sinne gebaut ist, sondern so, wie die Urteilskraft sonst nur über die äußeren Sinneserlebnisse eben urteile, so könne die Urteilskraft in sich selber einen Impuls entwickeln, der ein innerliches Leben entfaltet, sodass sie schaut das Geistige, wie die Sinne das Sinnliche schauen.
[ 40 ] And Goethe himself, in the beautiful essay he calls “Contemplative Judgment,” that there cannot be merely one way of perceiving the world based on the external senses; rather, just as the power of judgment otherwise judges only the external sensory experiences, so too can the power of judgment develop within itself an impulse that unfolds an inner life, so that it perceives the spiritual just as the senses perceive the sensible.
[ 41 ] Kant, er hatte noch dieses innere Schauen, dieses Schauen des Geistigen durch den Menschengeist, des göttlichen Geistes durch den Menschengeist, Kant hatte noch dieses «ein Abenteuer der Vernunft» genannt. Goethe sagte: So wollen wir dieses Abenteuer der Vernunft mutig bestehen! — Und aus diesem inneren Sinn heraus ist ja auch alles dasjenige geschaffen, was Goethe der Wissenschaft darbieten wollte. Und Goethe, er hat in seinen gerade wissenschaftlichen und Erkenntnis-Kämpfen am deutlichsten gezeigt, wie deutscher Geist anders die Welt auffassen muss als westlicher Geist.
[ 41 ] Kant still possessed this inner vision—this vision of the spiritual through the human spirit, of the divine spirit through the human spirit—which Kant had called “an adventure of reason.” Goethe said: “Let us courageously undertake this adventure of reason!” — And it is precisely from this inner sense that everything Goethe wished to offer to science was created. And Goethe, in his very struggles with science and knowledge, showed most clearly how the German spirit must perceive the world differently from the Western spirit.
[ 42 ] In früher Jugend schon trat Goethe entgegen dasjenige, was innerhalb der französischen Weltanschauungsentwicklung die Descarte’sche Weltanschauung geworden war. Hat Descartes noch die Tiere als Maschine betrachtet — de La Mettrie hat bereits das Buch geschrieben «Der Mensch eine Maschine»! Mechanistische Weltanschauung, sie ist diejenige, die im französischen Volkstum wurzelt, mechanistische Anschauung der Welt, Anschauung der Welt als ein Mechanismus.
[ 42 ] Even in his early youth, Goethe opposed what had become the Cartesian worldview within the development of French philosophy. While Descartes still regarded animals as machines—de La Mettrie had already written the book *Man a Machine*! The mechanistic worldview—that is the one rooted in French folklore—a mechanistic view of the world, a view of the world as a mechanism.
[ 43 ] Und als diese Weltanschauung an den jungen Goethe herangetreten ist, hat er aus seiner deutschen Weltanschauung heraus gesagt: Da bringen sie uns nun Atome, die sich gegenseitig stoßen; diese große Weltmaschine. Wenn sie uns wenigstens erklären würden, wie die schöne, mannigfaltige Welt aus diesen sich stoßenden Atomen entstehen kann. Aber nachdem sie uns gezeigt haben, wie die Atome sich stoßen und drängen, dann erklären sie nichts weiter darüber!
[ 43 ] And when this worldview was presented to the young Goethe, he responded from his German worldview: “So now they’re bringing us atoms that collide with one another—this great world machine. If only they would explain to us how the beautiful, diverse world can arise from these colliding atoms. But after they’ve shown us how the atoms collide and jostle, they don’t explain anything further about it!
[ 44 ] Nun, bis in unsere Tage herein hat sich ja dieses Streben im Mechanismus erhalten. Mechanistisches Weltbild, das ist dasjenige, was eigentlich französisches Weltenbild ist. Selbstverständlich, sehr verehrte Anwesende, soll nicht der einzelne Angehörige eines Volkes damit getroffen werden; die Individualität kann sich erheben über das Volkstum, über dasjenige, wovon gesprochen worden ist, was aus dem Charakter, aus der inneren Natur des Volkstums hervorgeht. Und da glaube ich, dass das Richtige getroffen ist. Ich möchte einmal die Stimme eines Mannes vernehmen lassen, die Stimme eines Mannes, der vielleicht gehört werden kann, wenn man gerade das Streben des französischen Volkstums nach wissenschaftlicher Weltanschauung hin in Betracht zieht. Dieser Mann sagt:
[ 44 ] Well, this tendency has persisted within the mechanistic framework right up to the present day. A mechanistic worldview—that is, in fact, the French worldview. Of course, ladies and gentlemen, this is not meant to apply to individual members of a nation; individuality can rise above national character—above what has been discussed, what arises from the character and inner nature of that national character. And in this regard, I believe the right point has been made. I would like to share the voice of a man—a man who may be worth listening to, especially when considering the French national character’s striving toward a scientific worldview. This man says:
«Durst nach Wahrheit ist keine französische Leidenschaft. Mehr als das Wesen gilt der Schein, die Schale mehr als der Kern, die Form mehr als der Stoff, Glänzendes mehr als Fruchtbares, die öffentliche Meinung mehr als das Gewissen. Das bedeutet, dass der Schwerpunkt des Franzosen nicht in ihm selbst liegt, sondern in den anderen, in der großen Menge. Individuen sind Nullen; die Ziffer, die sie zur Zahl gestaltet, kommt von außen dazu: Das ist der Souverän, der Schriftsteller des Tages, die gelesenste Zeitung, mit einem Worte der augenblickliche Herr der Mode. All das lässt sich aus einer übertriebenen Geselligkeit ableiten, sie erstickt in der Seele den Mut, Widerstand zu leisten, die Urteilsfähigkeit, die persönliche Überzeugung, den Kultus des Ideals.»
“The thirst for truth is not a French passion. Appearance matters more than substance, the shell more than the core, form more than content, the glittering more than the fruitful, public opinion more than conscience. This means that the Frenchman’s focus does not lie within himself, but in others, in the masses. Individuals are zeros; the digit that makes them a number comes from outside: that is the sovereign, the writer of the day, the most widely read newspaper—in a word, the current master of fashion. All of this can be traced to an excessive sociability; it stifles within the soul the courage to resist, the capacity for judgment, personal conviction, and the pursuit of the ideal.”
[ 45 ] Das hat nicht ein Deutscher einseitig aus einseitigem nationalem Empfinden heraus geschrieben, sondern das hat, sehr verehrte Anwesende, 1875 Amiel, Henri Frederic Amiel, der französische Schweizer an der Genfer Universität geschrieben! Er konnte es wissen als einer, der zwar das deutsche Geistesleben tief kennengelernt hat, aber den seine Blutsbande mit dem französischen Geistesleben zusammenbanden. Und 1862 schon schrieb Amiel Folgendes nieder:
[ 45 ] This was not written by a German out of a one-sided sense of national pride, but rather, ladies and gentlemen, by Amiel—Henri Frédéric Amiel, the French Swiss scholar at the University of Geneva—in 1875! He was well-placed to know this, as someone who, while having gained a deep understanding of German intellectual life, was bound by blood ties to French intellectual life. And as early as 1862, Amiel wrote the following:
«Ich empfinde Gemeinsames mit einem Goethe, Hegel, Schleiermacher, Leibniz, die unter sich doch verschieden genug sind, während mich die französischen Philosophen, Schönredner oder Mathematiker trotz ihrer großen Eigenschaften kaltlassen, weil sie die Summe allgemeinen Lebens nicht in sich tragen, nicht die ganze Wirklichkeit beherrschen, mich knebeln oder misstrauisch machen. Was den Franzosen fehlt, ist unmittelbare Erkenntnis der lebendigen Einheit, Sinn für das Heilige, Gefühl für die Geheimnisse des Seins; was ihnen eignet ist die Begründung von Spezialwissenschaften, die Kunst, ein Buch zu machen, es ist Stil, Höflichkeit, Grazie, Geist der Ordnung, Ichrhafte Kunst, Disziplin, Eleganz, Wahrheit im Einzelnen, Inszenierung, Bekehrungseifer, Stärke in praktischen Schlussfolgerungen. Aber für den Weg durch Inferno und Paradies bedarf man anderer Führer; sie haften auf der Erde, in der Region des Endlichen, Wechselnden, Historischen, Begrenzten. Mechanismus und Dualismus sind die Gipfelpunkte ihres Gedankenfluges. Um aus diesem Kreis heraustreten zu können, müssen sie sich Gewalt antun.»
“I feel a kinship with Goethe, Hegel, Schleiermacher, and Leibniz—who are, after all, quite different from one another—while French philosophers, eloquent orators, or mathematicians, despite their great qualities, leave me cold, because they do not embody the sum of universal life, do not master the whole of reality, and either stifle me or make me distrustful. What the French lack is an immediate understanding of living unity, a sense of the sacred, a feeling for the mysteries of being; what they excel at is the establishment of specialized sciences, the art of writing a book, it is style, courtesy, grace, a spirit of order, self-assertive art, discipline, elegance, truth in the particular, staging, zeal for conversion, and strength in practical conclusions. But for the journey through Inferno and Paradise, one needs other guides; they are bound to the earth, to the realm of the finite, the changing, the historical, the limited. Mechanism and dualism are the pinnacles of their intellectual flight. To break out of this circle, they must exert force upon themselves.”
[ 46 ] Man möchte eben nicht einseitig darstellen, nicht aus nationalen Empfindungen heraus; daher muss man schon so etwas wählen, was einer sagt, der es aus seiner Verbundenheit, aus seiner Blutsverbundenheit mit dem französischen Volkstum selber sagt.
[ 46 ] One simply does not want to present a one-sided view, nor to speak out of national sentiment; therefore, one must choose something said by someone who speaks from a sense of connection—from a bond of kinship—with the French people themselves.
[ 47 ] Aber die Zeit ist gekommen, in der ebenso wie andere Dinge, objektiv erkannt werden muss das Verhältnis der einzelnen Volkselemente untereinander. Und vermag man einmal so etwas, wie Fichte es geschaffen hat — Fichte, dem dasjenige, was außen in der Sinnenwelt lebt, gewissermaßen das verstaatlichte Feld der Pflicht ist —, vergleicht man das mit demjenigen, was in der britischen, in der englischen Weltanschauung lebt, da braucht man nur hinzuweisen, wo man will, man nehme den alten Baco von Verulam, der nichts gelten lassen will als dasjenige, was äußerlich die Sinne sehen — alles übrige ist ihm ein «Idol»; und sein Buch über die Idole will geradezu beweisen, dass dasjenige, was der Mensch fassen kann in seiner Seele, über die Sinnlichkeit hinaus keine objektive Geltung habe. Und man gehe herauf über Spencer und all die, welche ähnlicher Auffassung sind, bis in die neueste englische Weltanschauung herauf, [man gehe herauf zu dem,] das aus englischer Auffassung heraus ausgestaltet worden ist: Pragmatismus nennt sie sich. Was ist dieser Pragmatismus? Er ist nicht etwas, das für uns Deutsche gilt. Für uns Deutsche ist, dass es so wäre, wie bei Fichte, Schelling, Hegel, etwas, was die Wahrheit erlebt, und indem [der Deutsche] die Wahrheit erlebt, lebt er sich zusammen mit dem Weltengeist. Aber eine Vorstellung von dem objektiven Weltengeist haben die romanischen Völker und die britischen überhaupt nicht. Das ist etwas, was erst in der Zukunft voll erkannt werden wird. Wahrheit [...] ist etwas, was in der Seele entsteht dadurch, dass diese Seele zusammenwächst mit dem Weltengeist selber. Dann trägt die Seele diese Wahrheit an die äußeren Dinge heran, und die äußeren Dinge werden zur Offenbarung der geistigen Wahrheit. Was sind sie für den Pragmatismus, für dieses pragmatische Produkt einer Weltanschauung? Karikatur! Ich sage das, wie gesagt, aus reiner Tatsächlichkeit heraus, nicht aus irgendeiner Antipathie. Für diesen Pragmatismus ist die Wahrheit nur insofern von Wert, als man Begriffe, Ideen verbindet im Geistigen, die eigentlich nur Klammern, nur Bänder sind, welche die äußeren sinnlichen Tatsachen zusammenbinden, sodass man sich zurechtfindet in der äußeren Sinneswelt. Wahrheit hat an sich selber keine Bedeutung, hat an sich selber keinen Wert.
[ 47 ] But the time has come when, just as with other things, the relationship among the individual elements of a people must be objectively recognized. And once one is able to do something like what Fichte achieved—Fichte, for whom that which exists externally in the sensory world is, so to speak, the institutionalized realm of duty—and compares this with what exists in the British, in the English worldview, one need only point wherever one wishes: take the old Bacon of Verulam, who will accept nothing but what the senses perceive externally—everything else is an “idol” to him; and his book on the idols is intended to prove that what a person can grasp in his soul has no objective validity beyond the sensory realm. And let us move on through Spencer and all those of a similar view, right up to the most recent English worldview, [let us move on to that] which has been developed from the English perspective: it calls itself pragmatism. What is this pragmatism? It is not something that applies to us Germans. For us Germans, as with Fichte, Schelling, and Hegel, it is a matter of experiencing the truth, and in experiencing the truth, the German lives in union with the world spirit. But the Romance peoples and the British have no conception whatsoever of the objective world spirit. This is something that will only be fully recognized in the future. Truth [...] is something that arises in the soul through this soul’s fusion with the World Spirit itself. Then the soul brings this truth to bear on external things, and the external things become a revelation of spiritual truth. What are they to pragmatism, to this pragmatic product of a worldview? A caricature! I say this, as I have said, purely on the basis of fact, not out of any antipathy. For this pragmatism, truth is of value only insofar as one connects concepts and ideas in the spiritual realm—concepts and ideas that are really nothing more than brackets, mere ties that bind together the external sensory facts, so that one can find one’s way in the external sensory world. Truth has no meaning in and of itself; it has no value in and of itself.
[ 48 ] Der Mensch zum Beispiel, er begeht eine Handlung; er hat Gedanken. Das alles drückt sich aus. Wir suchen für die Gedanken die Seele, für die Handlungen. Die Seele ist uns ein reales Wesen. Und indem wir mit der Wahrheit zusammenwachsen, wird uns die Seele selber eben eine Wirklichkeit, [sie] wird als Wirklichkeit ergriffen.
[ 48 ] Take human beings, for example: they perform actions; they have thoughts. All of this finds expression. We seek the soul for the thoughts and for the actions. The soul is a real entity for us. And as we grow together with the truth, the soul itself becomes a reality for us; [it] is grasped as reality.
[ 49 ] Für den Pragmatismus ist die Seele ein Begriff, den man sich bildete, um sich zu orientieren, um die sonst auseinanderfallenden Gedanken des Menschen wie mit einer Klammer zusammenzuhalten. Wahrheit ist dasjenige, was einem nützt, wenn man die Welt begreifen will. — Auf den Nutzen hin bildet [der Pragmatiker] sich Begriffe und Ideen, damit er sich in der Welt zurechtfinden kann.
[ 49 ] For pragmatism, the soul is a concept that was devised to provide orientation, to hold together—as if with a bracket—the thoughts of human beings that would otherwise fall apart. Truth is whatever is useful when one wants to understand the world. — With utility in mind, [the pragmatist] forms concepts and ideas so that he can find his way in the world.
[ 50 ] Man braucht nur mit diesen Dingen zu vergleichen dasjenige, was im gekennzeichneten Gipfel des deutschen Geistesleben lebt, und man wird einen Begriff erhalten können von der geistigen Weltstellung des Deutschen innerhalb der Entwicklungsgeschichte der Menschheit.
[ 50 ] One need only compare these things with what lives in the pinnacle of German intellectual life described above, and one will be able to gain an understanding of the German people’s intellectual place in the history of human development.
[ 51 ] Aber nun kommt etwas anderes. Wenn man Fichte, Schelling und Hegel betrachtet, sie sind große, bedeutende Geister, Genies; sie stellen von drei verschiedenen Seiten, von der Seite des Willens, von der Seite des Gedankens, von der Seite des Gemütes das Zusammengehen des Menschen mit den Weltengeheimnissen dar. Wenn man heute noch meint — und übrigens: Die meisten meinen das ja, dass es so sein müsse —, dass sie schwierig [zu lesen und verstehen] sind, so darf ich wohl meine Überzeugung dahin aussprechen, dass es eine Möglichkeit gibt, das, was diese Geister geleistet haben, in einer solchen Form darzustellen, dass es das einfachste Gemüt, wenn es nur will, begreifen kann, um was es sich handelt. In der Schule schon können diese Geister fruchtbar gemacht werden; [dass sie dort nicht fruchtbar gemacht werden können], das ist nur ein Vorurteil. Aber das Eigentümliche, das einem entgegentritt, wenn man diese Geister betrachtet, sehr verehrte Anwesende, das ist, dass sich in ihrer Dreiheit etwas wie eine über ihnen schwebende Einheit geltend macht! Man hat das Gefühl, auf dreierlei Art spricht sich etwas aus, was unsichtbar über den dreien waltet. Es ist das, was man nennen möchte: der deutsche Volksgeist selber.
[ 51 ] But now we come to something else. When we consider Fichte, Schelling, and Hegel—they are great, significant minds, geniuses—they depict, from three different perspectives—that of the will, that of thought, and that of the soul—the union of the human being with the mysteries of the world. If people still believe today—and, by the way, most do believe that this must be the case—that they are difficult [to read and understand], then I may well express my conviction that there is a way to present what these minds have accomplished in such a form that even the simplest mind, if it so desires, can grasp what is at stake. These spirits can already be brought to life in school; [the idea that they cannot be brought to life there] is merely a prejudice. But what is peculiar, what strikes one when one considers these spirits, esteemed audience, is that within their triad, something like a unity hovering above them asserts itself! One has the feeling that, in three different ways, something is expressing itself that reigns invisibly over the three. It is what one might call: the German national spirit itself.
[ 52 ] Amiel — wiederum der französische Schweizer — hat etwas davon empfunden, dass der deutsche Volksgeist selber es erstreben will, in den Seelen zusammenzuwachsen mit dem innerlichsten Grund der Dinge. Daher sagt Amiel:
[ 52 ] Amiel—again, the French-speaking Swiss—sensed that the German national spirit itself seeks to merge, in the souls of its people, with the innermost essence of things. That is why Amiel says:
«Vielleicht ist nur dem germanischen Geist das Bedürfnis eigen, aus sich selbst heraus zu denken, nach dem Urgrund der Dinge zu forschen.»
“Perhaps it is unique to the Germanic spirit to think independently, to search for the origin of all things.”
[ 53 ] Weiter sagt daher Amiel:
[ 53 ] Amiel goes on to say:
«Es geht der deutsche Geist wie das gemeinschaftlich Inspirierende in diese charakteristischen Persönlichkeiten über; er spricht durch sie.»
“The German spirit, like the collective inspiration, flows into these distinctive personalities; it speaks through them.”
[ 54 ] Daher konnte es kommen, sehr verehrte Anwesende, dass tatsächlich Persönlichkeiten kamen, Persönlichkeiten, deren Wirken heute zum größten Teil vergessen ist — daher darf ich heute sprechen, indem ich dieses wieder aufrollen möchte wie von einem verklungenen, vergessenen Streben der deutschen Gedankenentwicklung —, Persönlichkeiten, die heute zum großen Teil vergessen sind, sie treten nach den eben angeführten großen Persönlichkeiten auf. Und das Eigentümliche ist, dass, während diese Persönlichkeiten, nach den drei Großen, kleinere Geister sind, weniger genial, dass sie sogar auf dem Gebiet nach dem Suchen des Geistes größere Leistungen, eindringlichere Leistungen als die Großen, die ihnen vorangegangen waren, aufweisen. Selbstverständlich braucht man die Anregung der Großen; aber die Kleineren, die nachkommen, sie leisteten aus dem einmal innerhalb der deutschen Geistesentwicklung Angeregten meist Größeres, wenigstens Eindringlicheres. Sie stehen näher dem inneren Suchen der Seele nach der konkreten geistigen Welt, nach dem Suchen der geistigen Wesenheiten, die man finden kann mit dem charakterisierten Sinn, so wie man findet durch die äußeren Sinne konkrete äußere Naturgegenstände und Naturtatsachen.
[ 54 ] That is why, esteemed audience, it came to pass that certain figures did indeed emerge—figures whose work is now largely forgotten. That is why I am speaking today, seeking to revisit this as if it were a faded, forgotten endeavor in the development of German thought—figures who are now largely forgotten, appearing after the great figures just mentioned. And the peculiar thing is that, while these figures—compared to the three great ones—are lesser spirits, less brilliant, they nevertheless achieve greater and more profound accomplishments in the realm of the spiritual quest than the great ones who preceded them. Of course, one needs the inspiration of the great ones; but the lesser figures who follow in their footsteps usually achieved greater things—or at least more profound ones—from what had once been inspired within German intellectual development. They stand closer to the soul’s inner search for the concrete spiritual world, to the search for spiritual beings that can be found with the characterized sense, just as one finds concrete external natural objects and natural facts through the external senses.
[ 55 ] Und da ist zu nennen unter diesen kleineren Geistern der Sohn des großen Johann Gottlieb Fichte: Immanuel Hermann Fichte. Gewiss gibt es nicht viele, die sich heute noch mit diesem Immanuel Hermann Fichte beschäftigen; aber Immanuel Hermann Fichte — um nur das von ihm zu erwähnen —, er steht bereits da so, dass er sagt: Der Mensch, den wir betrachten mit den äußeren Sinnen, der Mensch, der aus Fleisch und Blut aufgebaut ist [, ist] in Bezug auf seinen Stoff und seine Kräfte gebunden an das vergängliche Irdische. Aber in diesem Menschen ist ein anderer Mensch. Jener andere Mensch — ich habe ihn früher hier in diesen Vorträgen erwähnt. Man lacht heute noch vielfach darüber. Man wird nicht immer lachen! Jener andere Mensch, den schon Immanuel Hermann Fichte den «ätherischen Menschen» nennt, ist ein übersinnlich-höherer Mensch, der gewisse höhere Kräfte hat, durch die er ebenso verbunden ist dem EwigGeistigen des Daseins, dem ganzen Universum, wie hier sein vergänglicher Leib an die physisch-sinnlichen Kräfte der Erde gebunden ist. Und der ätherische Leib, den Hermann Immanuel Fichte annimmt, der baut erst den physischen Leib auf!
[ 55 ] And among these lesser spirits, we must mention the son of the great Johann Gottlieb Fichte: Immanuel Hermann Fichte. Certainly, there are not many who still concern themselves with this Immanuel Hermann Fichte today; but Immanuel Hermann Fichte—to mention just this one thing about him—already stands there saying: The human being whom we perceive with our external senses, the human being composed of flesh and blood [, is] bound, in terms of his substance and powers, to the transitory earthly realm. But within this human being there is another human being. That other human being—I have mentioned him before here in these lectures. People still laugh at this quite a bit today. But they won’t be laughing forever! That other human being, whom Immanuel Hermann Fichte already calls the “etheric human,” is a supersensible, higher human being who possesses certain higher powers through which he is just as connected to the eternal-spiritual aspect of existence—the entire universe—as his transitory body here is bound to the physical-sensory forces of the earth. And the etheric body, which Hermann Immanuel Fichte posits, is what actually builds up the physical body!
[ 56 ] Und ein anderer Geist kann vor uns auftreten, wiederum mehr oder weniger vergessen, aber deshalb nicht weniger bedeutsam und nicht weniger charakteristisch für die innerste Freiheit und für die innerste Stärkung der Kräfte des deutschen Geisteslebens: das ist Troxler. Wer kennt ihn heute noch? Aber wie steht er vor dem, der ihn kennenlernte! Troxler, in den 1840er-Jahren hat er seine schönen Vorlesungen über eine Weltanschauung geschrieben. Darinnen sehen wir betont, immer wieder und wiederum betont, wie in dem Menschen, der sinnlich vor uns steht, ein geistiger Mensch drinnen lebt, ein geistiger Mensch, der ebenso eine geistige Welt um sich herum hat, wie der sinnliche Mensch die sinnliche Welt um sich herum hat. Troxler spricht von Fähigkeiten, die die Seele hat, die nur im gewöhnlichen Leben verborgen sind. Troxler spricht von dem, was er nennt den «übergeistigen Sinn».
[ 56 ] And another figure may come to mind—one who, too, has been more or less forgotten, but who is no less significant for that and no less characteristic of the innermost freedom and the innermost strengthening of the forces of German intellectual life: Troxler. Who still knows him today? But what an impression he makes on those who came to know him! Troxler wrote his beautiful lectures on a worldview in the 1840s. In them we see emphasized—again and again—how within the human being who stands before us in the physical sense, a spiritual human being lives, a spiritual human being who has a spiritual world around him just as the physical human being has the physical world around him. Troxler speaks of faculties possessed by the soul that are merely hidden in ordinary life. Troxler speaks of what he calls the “super-spiritual sense.”
[ 57 ] Was meint er damit? Wenn Troxler von dem übergeistigen Sinn spricht, so meint er damit, dass nicht diejenigen Sinne, die wir gewöhnlich so nennen, und die verschiedene Organe haben, die einzigen Wahrnehmungsorgane des Menschen sind; sondern dass der Mensch mit neuen Organen, mit neuen Sinnen, mit rein geistigen Sinnen eine andere Welt wahrnehmen kann, die ebenso inhaltsvoll ist wie die äußere physische Welt.
[ 57 ] What does he mean by that? When Troxler speaks of the “super-spiritual senses,” he means that the senses we usually call by that name—which are associated with various organs—are not the only organs of human perception; rather, humans can perceive another world with new organs, with new senses, with purely spiritual senses, a world that is just as rich in content as the external physical world.
[ 58 ] Ich habe auch hier schon einmal gesagt, es glaubt heute vielfach ein jeder, der nur davon spricht: Es gibt eine geistige Welt im Allgemeinen. Und [derjenige,] der ein paar pantheistische Begriffe hinpfahlt, der glaubt, von einer geistigen Welt zu reden — Geist, Geist und wieder Geist —, [und pfahlt doch nur abstrakte Begriffe hin]! Geisteswissenschaft spricht von den einzelnen geistigen Wesen, die geschaut werden können; geradeso, wie man auch nicht der äußeren physischen Natur gegenüber sagt immer nur: «Natur, Natur, Natur!», sondern «Lilien, Tulpen, Nelken» und so weiter. Konkret, vereinzelt zeigt man, was die physische Natur einzeln hervorbringt. So kann man auch zeigen, was die geistige Natur vereinzelt zeigt. So meint Troxler, wenn er von dem «übergeistigen Sinn» spricht. Und dann spricht er von dem «übersinnlichen Geist», der nicht von der Sinnlichkeit abhängig ist, sondern der sich weiß innerhalb der Geistigkeit, der als Leib sich erfühlt, erspürt innerhalb der Geistigkeit.
[ 58 ] I have said here before that today, almost everyone who even mentions the subject believes there is a spiritual world in general. And [the one] who throws around a few pantheistic terms, who believes he is speaking of a spiritual world—spirit, spirit, and spirit again—[is in fact merely throwing around abstract terms]! Spiritual science speaks of individual spiritual beings that can be perceived; just as one does not simply say, when referring to external physical nature, “Nature, nature, nature!” but rather “lilies, tulips, carnations,” and so on. Specifically, one demonstrates, case by case, what physical nature brings forth individually. In the same way, one can also show what spiritual nature reveals in individual instances. This is what Troxler means when he speaks of the “super-spiritual sense.” And then he speaks of the “supersensory spirit,” which is not dependent on the senses, but which is aware of itself within the spiritual realm, which feels itself as a body within the spiritual realm.
[ 59 ] Aber noch tiefer geht Troxler ein auf diesen geistigen, auf diesen höheren Menschen, der durch Geburten und Tode geht. Und da ist es nun wunderschön, wie Troxler bestimmt — nicht abstrakt, unbestimmt —, bestimmt auf den höheren Menschen eingeht. Wenn das auch ein verklungener, ein vergessener Ton in der deutschen Gedankenentwicklung ist: Er lebt darin. Und ob man das bemerkt, was da lebt oder nicht, darauf kommt es gewiss für die Erkenntnis an; aber wenn man es auch nicht bemerkt hat: Es lebt in der deutschen Gedankenentwicklung, und es wird schon auch bemerkt werden! Es wird schon seine Auferstehung feiern als eine eigentliche Geisteswissenschaft!
[ 59 ] But Troxler delves even deeper into this spiritual, this higher human being who passes through births and deaths. And it is truly beautiful how Troxler addresses—not abstractly or vaguely—but specifically addresses the higher human being. Even if this is a faded, forgotten note in the development of German thought, it lives on there. And whether one notices what lives there or not is certainly crucial for understanding; but even if one has not noticed it: it lives in the development of German thought, and it will certainly be noticed! It will surely celebrate its resurrection as a true spiritual science!
[ 60 ] Da sieht Troxler, dass in der Menschenseele, insofern sie sich erlebt zwischen Geburt und Tod in der äußeren Leiblichkeit, drei Kräfte leben — als die schönsten Kräfte nach Troxlers Anschauungswelt. Da ist zuerst die Glaubenskraft — dasjenige, was der Mensch als Glaubenskraft hat. Dasjenige, was der Mensch [zweitens] als Liebekraft hat, er hat es als Kraft seiner Seele, aber in der Seele, insofern sich diese Seele im Leibe darlebt. Hinter der Glaubenskraft aber steht für die Seele selber eine andere, höhere Kraft, und die nennt Troxler das geistige Hören. Das heißt: Er glaubt, dass der Mensch hier im physischen Leibe entwickeln kann die äußere Ausgestaltung, gleichsam die Hülle für ein geistiges Hören, durch das der Mensch, wenn er sich dessen bewusst wird, die Sprache der geistigen Wesen vernehmen kann, die von den ewigen Geheimnissen des Daseins reden. So erscheint der Glaube als die äußere Hülle einer viel tieferen Kraft, einer Ewigkeitskraft im Menschen. Das geistige Hören ist die Liebe, [die Liebeskraft, die als das Schönste, als die größte Blüte des menschlichen Seelenlebens im Leibe sich äußert]. Sie ist trotzdem für Troxler nur der äußere Ausdruck für die geistige Tastkraft, für die geistige Fühlkraft. Derjenige, der liebt, hat die schönste Blüte des Menschendaseins auf Erden. Bei dem ist die Liebe die Hülle für die Kräfte, deren er sich bewusst werden kann, die im Stoffe die Geistorgane so ausstrecken, dass er berühren kann die geistige Welt, wie er mit den physischen Berührungssinnen die physischen Dinge berührt.
[ 60 ] Here Troxler observes that within the human soul—insofar as it experiences itself in its outer physicality between birth and death—three forces are at work—which, according to Troxler’s worldview, are the most beautiful forces. First is the power of faith—that which a human being possesses as the power of faith. That which a human being [secondly] possesses as the power of love, he possesses as a power of his soul, but within the soul, insofar as this soul lives out its existence within the body. Behind the power of faith, however, lies another, higher power for the soul itself, which Troxler calls spiritual hearing. That is to say: He believes that here in the physical body, a human being can develop the outer form—as it were, the shell—for spiritual hearing, through which, when he becomes aware of it, he can hear the language of spiritual beings who speak of the eternal mysteries of existence. Thus, faith appears as the outer shell of a much deeper power, a power of eternity within the human being. Spiritual hearing is love, [the power of love, which manifests itself in the body as the most beautiful, the greatest blossom of human soul life]. Nevertheless, for Troxler, it is merely the outer expression of the spiritual power of touch, of the spiritual power of feeling. The one who loves possesses the most beautiful blossom of human existence on earth. For such a person, love is the shell for the powers of which he can become aware—powers that extend the spiritual organs within the physical body so that he can touch the spiritual world just as he touches physical things with his physical senses of touch.
[ 61 ] Und das, was als Hoffnungskraft in uns lebt, das ist wiederum die Hülle für Troxler, die Schaukraft für das geistige Anschauen.
[ 61 ] And what lives within us as the power of hope is, in turn, the “hülle” for Troxler—the “Schaukraft” for spiritual contemplation.
[ 62 ] Sodass Troxler einen höheren Menschen in dem gewöhnlich Menschen schaut — einen höheren Menschen, der ebenso ein Geistgehör hat wie der physische Mensch ein sinnliches Hören; [der ebenso] ein geistiges Fühlen hat wie der physische Mensch ein physisches Fühlen und [der] ein geistiges Schauen hat, eine geistige Seele. Und dass wir schauende, liebende und hörende Menschen im Leibe sein können, das ist für Troxler deshalb, weil, indem wir durch die Pforte des Todes gehen, unsere Seele hinausgeht aus dem Leibe. Glaubenskraft erscheint dann als Geistgehör, Liebekraft als Geistberührung, Hoffnungskraft als geistige Schkraft.
[ 62 ] Thus Troxler sees a higher human being within the ordinary human being—a higher human being who possesses spiritual hearing just as the physical human being possesses sensory hearing; [who also] possesses spiritual feeling just as the physical human being possesses physical feeling; and [who] possesses spiritual sight, a spiritual soul. And the reason we can be people who see, love, and hear within the body, according to Troxler, is that as we pass through the gate of death, our soul leaves the body. The power of faith then appears as spiritual hearing, the power of love as spiritual touch, and the power of hope as spiritual sight.
[ 63 ] Aus solchem Geiste heraus spricht Troxler auch das Folgende sehr schön aus. Er weiß, mit dem Fühlen steht man menschlich seelisch den Dingen näher, als mit dem bloßen abstrakten Verstande. Aber man kann solche Gedanken entwickeln, welche ebenso nahestehen dem unmittelbaren Erleben des Dinges, wie sonst die Gefühle. Auch nicht eine Gefühlsduselei als Mystiker sucht Troxler. Das ist dem eigentlich deutschen Wesen fremd! Jenes Verschwebende, Verschwimmende einer gefühlsduselnden Mystik, das ist nicht dem deutschen Wesen eigen; das ist auch Troxler fremd. Aber Troxler spricht dennoch von «erfühlten Gedanken» — von Gedanken, die wie Gefühle als Gedanken in der Seele leben. Von «intelligentem Fühlen» spricht er, und von sensiblen Gedanken — Gedanken, die wie berühren das geistige Leben!
[ 63 ] It is in this spirit that Troxler also expresses the following so beautifully. He knows that, on a human and spiritual level, one is closer to things through feeling than through mere abstract reason. But one can develop thoughts that are just as close to the immediate experience of the thing as feelings otherwise are. Nor is Troxler seeking the kind of sentimentalism found in mysticism. That is foreign to the true German spirit! That ethereal, hazy quality of sentimental mysticism is not inherent to the German spirit; it is also foreign to Troxler. Yet Troxler nevertheless speaks of “thoughts felt” — of thoughts that, like feelings, live as thoughts within the soul. He speaks of “intelligent feeling” and of sensitive thoughts—thoughts that touch the spiritual life!
[ 64 ] Ganz erfüllt ist Troxler von einer solchen Anschauung. Und einmal spricht er davon, wie er sich im Einklang fühlt durch eine solche Anschauung mit dem gesamten Geistesleben des deutschen Volkes insofern dieses Geistesleben in nachchristlichen großen Persönlichkeiten aufgetreten ist. Da sagt Troxler einmal — ich will Ihnen diese Worte selber vorlesen:
[ 64 ] Troxler is completely imbued with this view. And at one point he speaks of how, through such a perspective, he feels in harmony with the entire spiritual life of the German people, insofar as this spiritual life has manifested itself in great post-Christian figures. Troxler says at one point—I will read these words to you myself:
«Schon früher haben die Philosophen einen feinen, hehren Seelleib unterschieden von dem gröberen Körper ... eine Seele, die ein Bild des Leibes an sich habe, das sie Schema nannten, und das ihnen der innere höhere Mensch war ... In der neuesten Zeit selbst Kant in den Träumen eines Geistersehers träumt ernsthaft im Scherze einen ganzen inwendigen seelischen Menschen, der alle Gliedmaßen des auswendigen an seinem Geistesleib trage. Lavater dichter und denkt ebenso; und selbst, wenn Jean Paul humoristisch über das Bonner’sche Unterziehröckchen und das Platner’sche Seelenschnürleibchen scherzt, die im gröberen Körperüberrock und Marterkittel stecken sollen, so hören wir ihn doch auch wieder fragen: «Wozu und woher wurden diese außerordentlichen; Anlagen und Wünsche in’üns:gelegt; die: bloß wie verschluckte Diamanten unsere erdige Hülle langsam verschneiden? ... In den steinernen Gliedern»
“Philosophers of old had already distinguished a subtle, noble spiritual body from the coarser physical body … a soul that possessed an image of the body within itself, which they called a ‘schema,’ and which represented to them the inner, higher human being … Even in recent times, Kant, in the dreams of a clairvoyant, seriously—yet in jest—imagines an entire inner, spiritual human being who bears all the limbs of the outer body upon his spiritual body. Lavater expresses this more poetically and thinks the same way; and even when Jean Paul humorously jokes about Bonn’s “underpetticoat” and Platner’s “soul corset”—which are supposed to be tucked into the coarser outer body’s overcoat and torture smock—we still hear him ask once again: “Why and from where were these extraordinary inclinations and desires placed within us—which, like swallowed diamonds, are slowly cutting through our earthly shell? ... In the stony limbs”
[ 65 ] des Menschen
[ 65 ] of human beings
«wachsen und reifen seine lebendigen nach einer uns unbekannten Lebensweise ... Wir könnten»
“grow and mature in a way unknown to us... We could”
[ 66 ] sagt Troxler weiter —
[ 66 ] Troxler goes on to say —
«noch eine Unzahl ähnlicher Denk- und Dichtweisen anführen, welche am Ende nur verschiedene Anschauungen und Vorstellungen sind, in welchen ... die wahre, einzige Lehre von der Individualität und Unsterblichkeit des Menschen enthalten» ist.
“I could cite countless other similar ways of thinking and writing, which are ultimately nothing more than different perspectives and conceptions that … contain the true, sole doctrine of human individuality and immortality.”
[ 67 ] Auch Troxler spricht davon, dass auf dem von ihm gesuchten Erkenntniswege eine Wissenschaft vom Menschen möglich ist, durch die — um seine eigenen Ausdrücke zu gebrauchen — der «übergeistige Sinn» im Verein mit dem «übersinnlichen Geist» die übersinnliche Wesenheit des Menschen in seiner «Anthroposophie» erfassen.
[ 67 ] Troxler, too, speaks of the possibility, on the path of knowledge he seeks, of a science of the human being through which—to use his own words—the “super-spiritual sense,” in union with the “supersensible spirit,” grasps the supersensible essence of the human being in his “anthroposophy.”
[ 68 ] Wie Troxler diese [einzelnen Persönlichkeiten] anführt, so könnte man viele anführen, die ganz aus dem Wesen des deutschen Volkstums heraus den Weg suchten zu der wirklichen, wahren geistigen Welt. Und vor Troxler[s innerem Auge] stand eine gewisse Wissenschaft. Er dachte so: Wenn der Mensch mit seinen Sinnen den Menschen selber betrachtet und mit dem Verstande, der an die Sinne gebunden ist, diese Betrachtung sich erklärt, dann entsteht Anthropologie — Menschen-Wissenschaft der Sinne. Aber Anthropologie entsteht dadurch, dass der Mensch als Sinnesmensch den Menschen selber betrachtet; aber es kann auch der Geistesmensch, der höhere Mensch mit den geweckten Sinnen, von denen wir ja gesprochen haben, den Menschen betrachten; dann entsteht eine höhere Wissenschaft. Von dieser höheren Wissenschaft, als es die Anthropologie ist, spricht nun Troxler 1835 die schönen Worte:
[ 68 ] Just as Troxler cites these [individual figures], one could cite many others who, drawing entirely from the essence of German folk culture, sought the path to the real, true spiritual world. And before Troxler’s [inner eye] stood a certain science. He reasoned as follows: When a person observes human beings themselves with their senses and explains this observation with the intellect, which is bound to the senses, then anthropology arises—the science of humanity through the senses. But anthropology arises when human beings, as sensory beings, observe human beings themselves; yet the spiritual human being—the higher human being with the awakened senses of which we have spoken—can also observe human beings; then a higher science arises. It is of this higher science—one that transcends anthropology—that Troxler spoke in 1835 with these beautiful words:
Wenn es nun höchst erfreulich ist, dass die neueste Philosophie, welche ... in jeder Anthroposophie ... sich offenbaren muss, emporwindet, so ist doch nicht zu übersehen, dass diese Idee nicht eine Frucht der Spekulation sein kann, und die wahrhafte Individualität des Menschen weder mit dem, was sie als subjektiven Geist oder endliches Ich aufstellt, noch mit dem, was sie als absoluten Geist oder absolute Persönlichkeit diesem gegenüberstellt, verwechselt werden darf.
While it is indeed most gratifying that the latest philosophy, which ... must reveal itself in every form of anthroposophy, is gaining momentum, it cannot be overlooked that this idea cannot be the product of speculation, and that the true individuality of the human being must not be confused either with what it posits as subjective spirit or finite “I,” nor with what it sets against this as absolute spirit or absolute personality.
[ 69 ] Dieses deutsche Geistesleben entwickelte sich ganz heraus aus dem deutschen Volkstum. Und ist es nicht wunderbar, eine solche Erscheinung zu erleben, wie diese: In den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts ist von einem einfachen Pfarrer in Sachsenberg im Fürstentum Waldeck ein einfaches Schriftchen erschienen, ein wunderbares kleines Schriftchen, das auf der Höhe der Geisteswissenschaft steht, das abseits steht allem Materialistischen, aber auch allem bloß Verstandes- und bloß Begriffsmäßigen Betrachten, das darauf ausgeht, die Menschenseele so zu betrachten, dass sie die geistige Wirklichkeit ergreifen kann.
[ 69 ] This German spiritual life developed entirely out of German folk culture. And isn’t it wonderful to witness a phenomenon such as this: In the 1850s, a simple little book was published by a humble pastor in Sachsenberg in the Principality of Waldeck, a wonderful little book that stands at the pinnacle of spiritual science, one that stands apart from all materialism, but also from all purely intellectual and purely conceptual approaches, and which aims to view the human soul in such a way that it can grasp spiritual reality.
[ 70 ] Mag manches an dem einfachen Rocholler Schriftchen, das einfach geschrieben ist für suchende Kreise, mag manches phantastisch erscheinen, darauf kommt es nicht an; sondern darauf kommt es an, dass wir hier einen einfachen Menschen haben, auf dem Gipfel der Bildung stehend, der da führt einen Weg in die geistigen Welten hinein. Auf die Absicht, auf das Streben kommt es an. Daher sind solche Absichten, wie dieses kleine Büchelchen, das 1856 erschienen ist in Waldeck, so unendlich wichtig. Und wer da glauben würde, ich suchte die Erscheinungen so heraus, um auch etwas zu beweisen, der geht eben ganz fehl.
[ 70 ] While some aspects of this simple little book from Rocholl—written in plain language for those on a spiritual quest—may seem fanciful, that is not what matters; what matters is that here we have a simple man, standing at the pinnacle of learning, who is leading the way into the spiritual realms. What matters is the intention, the aspiration. That is why such intentions—like this little booklet, published in Waldeck in 1856—are so infinitely important. And anyone who might think that I selected these phenomena in order to prove something is completely mistaken.
[ 71 ] Es haben sich allerdings im Laufe der letzten Jahrzehnte die Verhältnisse so gestaltet, dass selbst die allermeisten der Gelehrten betäubt waren durch dasjenige, was Goethe, Fichte, Schelling und Hegel geschaffen haben, und hinunterstiegen von dieser Höhe, und meinten: Mächtig habe sich erwiesen der einseitige, materialistische Darwinismus, mächtig habe sich erwiesen der französische Materialismus.
[ 71 ] However, over the course of the last few decades, circumstances have developed in such a way that even the vast majority of scholars were numbed by what Goethe, Fichte, Schelling, and Hegel had created, and descended from that height, thinking: “One-sided, materialistic Darwinism has proven powerful; French materialism has proven powerful.”
[ 72 ] Aber was ich charakterisiere, ist nicht einseitig aus dem deutschen Geistesleben heraus zusammengeholt; sondern Hunderte und Hunderte solcher Erscheinungen könnte man anführen. Wenn man eigentlich einmal sich dessen bewusst werden wird, dann wird man sehen, welche Tiefe das deutsche Erkennen aus dem deutschen Volkstum heraus zu schöpfen in der Lage ist. Denn das ist dasjenige, was wirklich nach deutscher Weltanschauung strebt, aus dem deutschen Geistesleben heraus.
[ 72 ] But what I am describing is not drawn solely from German intellectual life; rather, one could cite hundreds and hundreds of such examples. Once one truly becomes aware of this, one will see the depth of insight that German culture is capable of drawing from the German people. For this is what truly strives toward a German worldview, emerging from German intellectual life.
[ 73 ] Vielleicht darf gerade — nur als ein Einschiebsel — erwähnt werden, wie tiefgehend diese Dinge eigentlich sind. Wer lacht — überwältigt von französischem Mechanismus und von englischer Nützlichkeitsphilosophie — unter den Physikern nicht heute doch innerlich, wenn er sie auch äußerlich manchmal lobt, über Goethes Farbenlehre! Ich darf wohl über die Sache sprechen, denn mehr als dreißig Jahre ist es her, seit ich mich bemühe, Goethes Farbenlehre in ihrer tiefen Bedeutung zur Geltung zu bringen gegen jene Farbenlehre, welche vom Newtonismus und vom Mechanismus überhaupt ganz überwältigt ist. Immer wiederum muss man sehen, wenn man mit einem heutigen Physiker spricht über die Goethe’sche Farbenlehre, so sagt er einem bestenfalls: Die Goethe’sche Farbenlehre sagt einem überhaupt nichts ...
[ 73 ] Perhaps it is worth mentioning—just as an aside—just how profound these matters actually are. Who among physicists today—overwhelmed by French mechanicism and English utilitarian philosophy—does not laugh inwardly at Goethe’s Theory of Colors, even while outwardly praising it at times? I am surely entitled to speak on this matter, for it has been more than thirty years since I began striving to bring out the profound significance of Goethe’s Theory of Colors in contrast to that theory of color which is entirely overwhelmed by Newtonianism and mechanism in general. Time and again, when one speaks with a contemporary physicist about Goethe’s Theory of Colors, one finds that, at best, he says: “Goethe’s Theory of Colors means absolutely nothing to me...”
[ 74 ] Das ist ganz begreiflich für denjenigen, der die heutigen Verhältnisse kennt; aber es liegt hier etwas vor. Und das ist das, dass Goethe aus dem unmittelbaren Zusammenleben mit dem Geheimnis des Farbenlebens über die Natur ein gewaltiges Werk geschaffen hat und es wagte, sich als Deutscher entgegenzustellen gegen die intellektuelle Besitzergreifung durch das Britannische in Newton, und dass die Welt es nicht verstanden hat. Aber das Kapitel wird noch kommen: Goethe — auch in der Farbenlehre — im Recht gegen Newton, wenn man einmal noch tiefer erfassen wird dasjenige, was Fichte die Deutschheit innerhalb Europas nennt.
[ 74 ] This is quite understandable to anyone familiar with today’s circumstances; but there is something more at work here. And that is that Goethe, through his direct engagement with the mystery of the life of colors in nature, created a monumental work and dared, as a German, to oppose the intellectual domination exerted by the British through Newton—and that the world did not understand it. But that chapter is yet to come: Goethe—including in his theory of colors—will be proven right against Newton once people come to grasp more deeply what Fichte calls “Germanness” within Europe.
[ 75 ] Hinweisen könnte ich auf manche anderen Geister. Hinweisen könnte ich zum Beispiel — wie gesagt, man braucht sie nur so herauszugreifen —, hinweisen könnte ich auf einen Seelenforscher — Schultz-Schultzenstein heißt er, das ist gewiss ein deutscher Name: SchultzSchultzenstein —, [hinweisen könnte ich auf] einen Seelenforscher, der versucht, in den 1850er-Jahren des vorigen Jahrhunderts das Seelenleben des Menschen unter den Begriff der «Verjüngung» zu stellen. Wunderbare Ergebnisse bieten sich diesem Schultz-Schultzenstein da! Er sagt, die menschliche Seele kann nur so richtig betrachtet werden in ihrem Leben hier zwischen Geburt und Tod dadurch, dass man dasjenige, was sie erlebt als Gefühl, als Gedanke in ihren eigenen Lebensstadien, dass sie das in sich entwickelt. Und indem sie weiterdringt, kann man verfolgen, wie seelisch wie eine vorige Haut das schon Erlebte abgestoßen wird, und im Innern der Seele etwas Fortlaufendes, etwas Lebendiges sich erneuert, verjüngt.
[ 75 ] I could point to some other spirits. I could point, for example—as I said, you just have to pick them out—I could point to a researcher of the soul — his name is Schultz-Schultzenstein, which is certainly a German name: Schultz-Schultzenstein —, [I could point to] a researcher of the soul who, in the 1850s of the previous century, attempted to frame the inner life of human beings under the concept of “rejuvenation.” What wonderful insights this Schultz-Schultzenstein offers! He says that the human soul can only truly be understood in its life here between birth and death by observing how it develops within itself what it experiences as feelings and thoughts throughout its various life stages. And as it progresses, one can observe how, spiritually speaking, what has already been experienced is shed like a layer of skin, and within the soul something continuous, something living, is renewed and rejuvenated.
[ 76 ] Auf einen anderen Geist kann ich hinweisen, dessen schriftstellerische Tätigkeit auch schon in den 1850erJahren beginnt, und der unvermerkt 1880 gestorben ist. Ich habe in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» — [...] schon in der ersten Auflage, die 1900 erschienen ist —, auf Karl Christian Planck hingewiesen. [Er war] ein Geist, der bewusst sich war, wie er aus dem deutschen Volkstum heraus geschaffen hat. Wer kennt ihn [schon]! Das macht aber nichts; denn dasjenige, was als Kraft in ihm lag, wirkt doch im deutschen Wesen, wirkt in Mitteleuropa und bringt dasjenige hervor, was zum besten Leben Mitteleuropas gehört.
[ 76 ] I can point to another thinker whose literary career also began as early as the 1850s and who died unnoticed in 1880. In my book *The Riddles of Philosophy*—[...] as early as the first edition, which was published in 1900—I referred to Karl Christian Planck. [He was] a thinker who was fully aware of how he drew his inspiration from German folklore. Who knows him [at all]! But that doesn’t matter; for the power that lay within him is at work in the German spirit, is at work in Central Europe, and brings forth that which belongs to the very essence of Central European life.
[ 77 ] Ich will nur eines erwähnen, um Karl Christian Plancks Eigenart zu zeigen. Derjenige, der heute vom Standpunkt der Naturwissenschaft aus schon einmal glaubt, alles zu verstehen, — heute es so anzusehen, wie der Franzose die Erde betrachtet, wie der englische Betrachter die Erde betrachtet, wie der geologische Betrachter die Erde ansieht —, er betrachtet das Weltenall, das aus den Stoffen besteht. Für Planck ist ein solcher Betrachter der Erde so, wie wenn jemand einen Baum betrachten würde nur dem Stamme nach und des Holzes wegen und nicht im Wesen des Baumes begründet die Blätter, die Blüten und die Früchte! Für Planck betrachtet man die Erde nicht total, wenn man nicht den ganzen Menschen auch auf der Erde betrachtet. Wie ein Geist schaut Planck auf die Erde, von außen schaut er auf die Erde. Und in dem, was der Geologe sieht, [sieht man nur etwas von der Erde] wie den Stamm, das Holz des Baumes, aber nichts sonst aus dem Wesen der Erde. Für Karl Christian Planck ist nicht nur ein webendes Wesen diese Erde, sondern ein beseeltes, ein durchseeltes ein durchgeistigtes Lebendiges wächst hervor. Und was der physische Erdenmensch selber ist — als Blüte, als Frucht —, das gehört dazu zu dem Wesen der Erde. — Eine geistgemäße — würde Goethe sagen —, eine geistgemäße Weltanschauung. Und Christian Karl Planck ist sich bewusst, dass er zu einer solchen geistgemäßen Weltanschauung aus der Tiefe der deutschen Volkheit heraus komme. Schön spricht Planck das schon in den 1860er-Jahren aus. Er hat mehrere Bücher geschrieben; die Bücher, die er geschrieben hat, sie atmen den Odem einer solchen Weltanschauung. 1864, in seinem Buch «Grundlinien einer Wissenschaft der Natur», da spricht er es schön aus, wie er sich bewusst ist, dass er zu seiner, den Geist in der Natur schauenden Anschauung aus der Tiefe des deutschen Wesens heraus gekommen ist. Ich will Ihnen die Worte selbst vorlesen:
[ 77 ] I want to mention just one thing to illustrate Karl Christian Planck’s unique character. Anyone today who, from the standpoint of natural science, believes they already understand everything—who views the world as the French view the Earth, as the English observer views the Earth, as the geologist views the Earth—such a person views the universe as consisting of matter. For Planck, such a viewer of the Earth is like someone who would look at a tree only in terms of its trunk and its wood, and does not ground the leaves, blossoms, and fruits in the very essence of the tree! For Planck, one does not view the Earth in its entirety unless one also considers the whole human being on Earth. Planck looks upon the Earth as a spirit; he looks upon the Earth from the outside. And in what the geologist sees, [one sees only a part of the Earth]—such as the trunk, the wood of the tree—but nothing else of the Earth’s essence. For Karl Christian Planck, the Earth is not merely a weaving entity, but a living being imbued with soul—a being permeated by spirit—that springs forth. And what the physical human being on Earth is himself—as a flower, as a fruit—is part of the essence of the Earth. —A spiritual—as Goethe would say—a spiritual worldview. And Christian Karl Planck is aware that he arrives at such a spiritual worldview from the depths of the German people. Planck already expresses this beautifully in the 1860s. He has written several books; the books he has written breathe the spirit of such a worldview. In 1864, in his book *Grundlinien einer Wissenschaft der Natur* (*Fundamentals of a Science of Nature*), he beautifully articulates how he is aware that his view—one that perceives the spirit in nature—has emerged from the depths of the German soul. I will read the words to you myself:
Welche Macht
What Power
[ 78 ] schreibt Planck
[ 78 ] Planck writes
tiefgewurzelter Vorurteile von der bisherigen Anschauung aus seiner
deep-rooted prejudices stemming from his previous view of his
[ 79 ] des Verfassers
[ 79 ] by the author
Schrift entgegensteht, dessen ist er sich vollkommen bewusst; allein wie schon die Arbeit selbst trotz aller Ungunst der Umstände, die zufolge der ganzen Lage und Berufsstellung des Verfassers
He is fully aware that this contradicts the text; yet, just as the work itself—despite all the adverse circumstances resulting from the author’s overall situation and professional position—
[ 80 ] so sagt Planck weiter
[ 80 ] Planck goes on to say
einem Werke dieser Art sich entgegenstellte, doch ihre Durchführung und ihren Weg in die Öffentlichkeit sich erkämpft hat, so ist er auch gewiss, dass das, was sich jetzt erst seine Anerkennung erkämpfen muss, einst als die einfachste und selbstverständlichste Wahrheit erscheinen wird, und dass darin nicht bloß seine Sache, sondern die wahrhaft deutsche Anschauung der Dinge über alle noch unwürdig äußerliche und undeutsche Auffassung der Natur und des Geistes siegen wird.
Was in unbewusster, tiefsinniger Ahnung schon unsere mittelalterliche Dichtung vorgebildet hat, das wird endlich i der Reife der Zeiten an unserer Nation sich erfüllen. Die unpraktische, mit Schaden und Spott heimgesuchte Innerlichkeit deutschen Geistes (wie Wolfram sie in seinem Parzival schildert)
opposed a work of this kind, yet fought for its realization and its way into the public eye, he is also certain that what must now first fight for recognition will one day appear as the simplest and most self-evident truth, and that in this, not only his cause but the truly German view of things will triumph over all still unworthy, superficial, and un-German conceptions of nature and the spirit.
What our medieval poetry had already foreshadowed in an unconscious, profound intuition will finally come to fruition in our nation as the times mature. The impractical, inward-looking nature of the German spirit—plagued by harm and ridicule (as Wolfram depicts it in his *Parzival*)
[ 82 ] 1864, vor Wagner, wahrhaftig, sind diese Worte geschrieben!
[ 82 ] These words were written in 1864—before Wagner, truly!
erringt endlich in der Kraft ihres unablässigen Strebens das Höchste, sie schaut den letzten einfachen Gesetzen der Dinge und des menschlichen Daseins selbst auf den Grund; und was die Dichtung phantastisch mittelalterlich in den Wundern des Grals versinnbildlicht hat, dessen Herrschaft ihr Held erringt, das erhält umgekehrt seine rein natürliche Erfüllung und Wirklichkeit in der bleibenden Erkenntnis der Natur und des Geistes selbst.»
finally attains the highest through the power of her unceasing striving; she penetrates to the very depths of the ultimate, simple laws of things and of human existence itself; and what poetry symbolized in a fantastical, medieval manner through the wonders of the Grail—whose dominion its hero attains—finds, conversely, its purely natural fulfillment and reality in the enduring understanding of nature and the spirit itself.”
[ 83 ] Achtzigjährig ist Karl Christian Planck gestorben. Er hat eine Schrift hinterlassen, die er nannte «Das Testament eines Deutschen»; 1881 ist sie in erster Auflage erschienen; 1912 im Diederichs Verlag in der zweiten Auflage. Wer hat sich damit [schon] beschäftigt?
[ 83 ] Karl Christian Planck died at the age of eighty. He left behind a work he called “The Testament of a German”; the first edition was published in 1881, and the second edition by Diederichs Verlag in 1912. Who has [already] read it?
[ 84 ] Nun ja, die Leute hatten ja auch etwas anderes zu tun! Da hatte man es zum Beispiel zu tun mit den Büchern, die in demselben Verlag erschienen sind von einem Manne, der ganz im starren Geiste lebt — selbstverständlich, das soll ihm auch gar nicht zum Vorwurf gemacht werden —, man hat sich beschäftigt mit den damals auch ins Deutsche übersetzten Büchern des französischen Philosophen — er heißt noch immer Bergson — ein französischer Name! Es ist derjenige, der seit dem Kriegsbeginn nicht verleumderische Worte genug gefunden hat für deutsche Weltanschauung und deutsches Geistesleben. Ich habe wohl eigentlich auch schon im vorigen Jahre gesagt, dass dieser Bergson immer wieder und wieder seinen Franzosen in Paris vorgehalten hat: Einstmals hatten ja die Deutschen ein bedeutendes Geistesleben, aber jetzt sind sie ganz heruntergekommen; man sieht nur noch ihr mechanistisches Leben. Ich habe schon im vorigen Jahre gesagt, dass der gute Henri Bergson in früheren Zeiten einem dann Novalis und Goethe und Schiller vordeklamierte, in einer Zeit, wo er es vielleicht noch nicht «mechanisch» genannt hätte. Nicht scharf genug kann man darauf hinweisen. Man hat bewundernd hinausgeschaut in die Welt. Nicht etwa jetzt nur zu der Kriegszeit und Hassperiode — ich versuchte auch früher schon darauf hinzuweisen, wie Bergsons «Philosophie»-Darstellung ist.
[ 84 ] Well, people did have other things to do, after all! For example, there were the books published by the same press by a man who lives entirely in a rigid mindset—of course, he shouldn’t be blamed for that at all—and there were the books by the French philosopher—his name is still Bergson—a French name! He is the one who, since the beginning of the war, has not been able to find enough slanderous words for the German worldview and German intellectual life. I believe I actually said last year as well that this Bergson has repeatedly reproached his fellow Frenchmen in Paris: Once upon a time, the Germans did indeed have a significant intellectual life, but now they have completely fallen into decline; all one sees now is their mechanistic way of life. I already said last year that the good Henri Bergson used to extol the praises of Novalis, Goethe, and Schiller in earlier times, at a time when he perhaps would not yet have called it “mechanistic.” One cannot emphasize this point strongly enough. People used to look out into the world with admiration. Not just now, during wartime and this period of hatred—I tried to point this out earlier as well, regarding how Bergson presents his “philosophy.”
[ 85 ] Ein besonderer Zug in der Bergson’schen Philosophie ist der folgende: Er kommt zu einer Idee; aber leichtgeschürzt bringt er sie vor. Die besteht darinnen, dass er sagt: Man geht nicht richtig vor, wenn man die Entwicklung der Welt so betrachtet, dass man die untergeordneten Wesen als den Ursprung betrachtet von dem, wovon der Mensch abstamme, denn man müsse vom Menschen ausgehen. — Das ist ja allerdings ein ganz guter Gedanke: Vom Menschen muss ausgegangen werden. Der Mensch ist das Ursprünglichste, bevor irgendein anderes Wesen des mineralischen, pflanzlichen und tierischen Reiches vorhanden war. Das versteht man heute nicht, aber das ist doch in der Schrift über die Neugestaltung der Weltanschauung von Bergson begründet.
[ 85 ] A distinctive feature of Bergson’s philosophy is the following: He arrives at an idea, but presents it in a somewhat abbreviated form. It consists in his stating: One is not proceeding correctly if one views the development of the world in such a way that one regards subordinate beings as the origin from which humankind descends, for one must start with humankind. — That is, in fact, quite a good idea: One must start with human beings. Human beings are the most primordial, existing before any other being in the mineral, plant, or animal kingdoms came into being. People do not understand this today, but it is nevertheless substantiated in Bergson’s work *The Reconstruction of the Worldview*.
[ 86 ] Auch bei Planck trat das hervor: Bevor das andere da war, war der Mensch, allerdings in anderen Formen, da, und dann stieß er von sich gewisse Dinge, die er nicht in seiner Entwicklung brauchen konnte, und so entstand durch Ausschluss des Pflanzlichen und des Tierischen der Mensch. So wie der Mensch seine Knochen nach innen absondert, so sondert dasjenige, was an die Spitze gestellt ist, das Pflanzenreich, das Mineralreich aus sich heraus. Das ist ein Gedanke, sehr verehrte Anwesende, der sich einleben wird in das deutsche Geistesleben, wenn einmal die materiellen Färbungen des Darwinismus ihre Widerlegung, ihre richtige Beleuchtung gefunden haben werden.
[ 86 ] This was also evident in Planck’s work: Before anything else existed, human beings were already there—albeit in different forms—and then they cast off certain things they could not use in their development, and thus, through the exclusion of the plant and animal kingdoms, human beings came into being. Just as human beings secrete their bones inward, so does that which stands at the pinnacle—the plant kingdom—secrete the mineral kingdom from within itself. This is a thought, ladies and gentlemen, that will take root in German intellectual life once the materialistic overtones of Darwinism have been refuted and properly illuminated.
[ 87 ] Gut — Bergson, stellt dies dar; aber ich konnte zeigen — wie gesagt, gerade vor dem Kriege, damit man nicht glaubt, dass nur unter dem Einfluss der Kriegsereignisse nun die Dinge so charakterisiert werden, wie es hier geschieht — ich konnte zeigen, dass gerade diese Idee, die — in leichtgeschürzter Weise — der französische Philosoph Henri Bergson vorträgt —, dass diese schon in den 1870erJahren, 1882 [publiziert], in dem deutschen Denker Wilhelm Heinrich Preuss lebte — auch ein verklungenes, vergessenes Streben des deutschen Geisteslebens —, von Preuss in kraftvoll-energischer Weise vertreten worden ist!
[ 87 ] Well—Bergson illustrates this; but I was able to show—as I said, just before the war, so that no one might think that it is only under the influence of the events of the war that things are now characterized as they are here—I was able to show that precisely this idea, which—in a somewhat flippant manner—the French philosopher Henri Bergson puts forward—that this idea was already [published] in the 1870s, in 1882 [published], lived on in the German thinker Wilhelm Heinrich Preuss—a long-faded, forgotten aspiration of German intellectual life—and had been vigorously and energetically championed by Preuss!
[ 88 ] Ich darf einzelne Worte, in denen ich angeführt habe diese Preuss’sche, diese deutsche Anschauung von der Sache, ich darf diese Worte vorlesen aus dem Preuss’schen Buch «Geist und Stoff» — 1899 in zweiter Auflage schon erschienen. Da heißt es:
[ 88 ] I would like to read aloud a few specific passages in which I have cited this Prussian, this German view of the matter—passages from Pruss’s book *Geist und Stoff* (*Spirit and Matter*), the second edition of which was already published in 1899. It states:
«Es dürfte [deshalb] an der Zeit sein, eine [andere] Lehre von der Entstehung der organischen Arten aufzustellen, welche sich nicht allein auf einseitig aufgestellte Sätze aus der beschreibenden Naturwissenschaft gründet, sondern auch mit den übrigen Naturgesetzen, welche zugleich auch Gesetze des menschlichen Denkens sind, in voller Übereinstimmung ist. Eine Lehre zugleich, die alles Hypothetisierens bar ist, und nur auf strengen Schlüssen aus naturwissenschaftlichen Beobachtungen im weitesten Sinne beruht; eine Lehre, die den Artbegriff nach tatsächlicher Möglichkeit rettet, aber zugleich den von Darwin aufgestellten Begriff der Entwicklung hinübernimmt auf ihr Gebiet und fruchtbar zu machen sucht.
Der Mittelpunkt dieser neuen Lehre nun ist der Mensch, die nur einmal auf unserem Planeten wiederkehrende Spezies: Homo sapiens. Merkwürdig, dass die älteren Beobachter bei den Naturgegenständen anfingen und sich dann dermaßen verirrten, dass sie den Weg zum Menschen nicht fanden, was ja auch Darwin nur in kümmerlichster und durchaus unbefriedigender Weise gelang, indem er den Stammvater des Herrn der Schöpfung unter den Tieren suchte — während der Naturforscher bei sich als Menschen anfangen müsste, um so fortschreitend durch das ganze Gebiet des Seins und Denkens zur Menschheit zurückzukehren. ...
Es war nicht Zufall, dass die menschliche Natur aus der Entwicklung alles Irdischen hervorging, sondern Notwendigkeit. Der Mensch ist das Ziel der tellurischen Vorgänge und jede andere neben ihm auftauchende Form hat aus der seinigen ihre Züge entlehnt. Der Mensch ist das erstgeborene Wesen des ganzen Kosmos ...
Als seine Keime entstanden waren, hatte der gebliebene organische Rückstand nicht die nötige Kraft mehr, um weitere menschliche Keime zu erzeugen. Was noch entstand, wurde Tier oder Pflanze ...»
“It is [therefore] likely time to formulate a [different] theory of the origin of organic species, one that is not based solely on one-sided propositions derived from descriptive natural science, but is also in full harmony with the other laws of nature, which are at the same time laws of human thought. A theory, at the same time, that is free of all speculation and rests solely on rigorous conclusions drawn from scientific observations in the broadest sense; a theory that preserves the concept of species to the extent that is actually possible, but at the same time incorporates Darwin’s concept of evolution into its own framework and seeks to make it fruitful.
The focal point of this new theory is now humanity, the species that occurs only once on our planet: Homo sapiens. It is strange that the earlier observers began with natural objects and then strayed so far that they failed to find the path to humankind—a feat that even Darwin managed only in the most meager and thoroughly unsatisfactory manner, by seeking the progenitor of the Lord of Creation among the animals — whereas the naturalist would have to begin with himself as a human being, in order to return progressively to humanity through the entire realm of being and thought. ...
It was no coincidence that human nature emerged from the development of all earthly things, but rather a necessity. Man is the goal of telluric processes, and every other form that appeared alongside him has borrowed its traits from his. Man is the firstborn being of the entire cosmos ...
Once its embryos had formed, the remaining organic residue no longer possessed the necessary power to produce further human embryos. Whatever else came into being became an animal or a plant ...»
[ 89 ] und so weiter. Bergson, der Franzose, kennt entweder diesen deutschen Vorgänger nicht — was bei einem Philosophen selbstverständlich ein ebenso großer Fehler wäre, als wenn er ihn kannte und nicht nennt; aber es ist ja auch das Letztere bei Bergson schon vorauszusetzen! Mechanismus wirft er den heutigen Deutschen vor! Es ist mittlerweile gelungen, zu zeigen, dass ganze Seiten in Bergsons Büchern abgeschrieben sind von den Deutschen, die er jetzt verleugnet. Ganze seitenlange Ausführungen sind aus Schelling und aus Schopenhauer abgeschrieben durch Henri Bergson! Das ist vielleicht nicht eine mechanische Art, das Geistesleben zu konstruieren.
[ 89 ] and so on. Bergson, the Frenchman, is either unaware of this German predecessor—which, for a philosopher, would of course be just as great a mistake as if he knew of him but failed to mention him; but the latter is, after all, already to be expected of Bergson! He accuses today’s Germans of mechanistic thinking! It has now been demonstrated that entire pages in Bergson’s books were copied from the Germans, whom he now disavows. Entire pages of exposition were copied by Henri Bergson from Schelling and Schopenhauer! That is perhaps not a mechanical way of constructing intellectual life.
[ 90 ] Ich möchte sagen: Mit so etwas im Hintergrunde wagen Deutschlands Feinde jetzt, insoferne sie repräsentiert sind durch solche Persönlichkeiten, deutsches Wesen zu verleumden und zu verkleinern. Aber dieses deutsche Wesen wird gerade aus dem, wodurch es jetzt geht, in der weltgeschichtlichen Entwicklung lernen dasjenige, was im Untergrund seines Seins liegt, auch im weltgeschichtlichen Werden geltend zu machen.
[ 90 ] I would like to say: With something like this in the background, Germany’s enemies—insofar as they are represented by such figures—now dare to slander and belittle the German spirit. But this German essence will learn, precisely from what it is currently undergoing in the course of world history, to assert in the unfolding of world history that which lies at the very foundation of its being.
[ 91 ] Sehr verehrte Anwesende, was jetzt geschieht — vor der Weltgeschichte braucht weniges gesagt zu werden, um es so zu charakterisieren, wie man sich denken kann, dass einmal eine objektive Tat charakterisiert wird: Da stehen herum um Mitteleuropa Mitteleuropas Feinde. Man braucht nur ein paar Zahlen zu nennen, die in der Zukunft stark sprechen werden, wenn man einmal anders die Dinge ansehen wird, als jetzt Deutschlands Feinde sie ansehen: 777 Millionen Menschen, ohne die italienischen, standen rund herum um Mitteleuropa gegenüber einer Gruppe von 150 Millionen. 777 Millionen gegenüber 150 Millionen. Haben sie nötig, neidisch zu sein auf dieses Mitteleuropa? Nun: 68 Millionen Quadratkilometer umfasst das Besitztum dieser 777 Millionen Menschen, gegenüber 6 Millionen Quadratkilometer Besitztum der 150 Millionen in Mitteleuropa. [Und diese 777 Millionen — vermehrt durch Italien — gegen diese 150 Millionen, sie stehen so, dass sie nicht allein mit den Waffen sie bekämpfen wollen, sondern auch das bessere Teil der übrigen Welt haben wollen, aushungern wollen die 150 Millionen Menschen.] Und führende Menschen — von Deutschlands Seite «große Persönlichkeiten» genannte Menschen —, sie ergehen sich in den wüstesten Anschuldigungen und Verleumdungen desjenigen Geisteslebens, das auf den 6 Millionen Quadratkilometern in der Mitte von Europa entstanden ist und zeigen, wie wenig sie verstehen von dem, was da lebt.
[ 91 ] Ladies and gentlemen, what is happening now—in the context of world history, little needs to be said to characterize it in the way one might imagine an objective event would be characterized: Central Europe’s enemies are encircling it. One need only cite a few figures that will speak volumes in the future, once people begin to view things differently than Germany’s enemies do now: 777 million people—not counting the Italians—were arrayed all around Central Europe against a group of 150 million. 777 million against 150 million. Do they really need to be envious of this Central Europe? Well: the territory of these 777 million people spans 68 million square kilometers, compared to the 6 million square kilometers of territory held by the 150 million in Central Europe. [And these 777 million—augmented by Italy—against these 150 million: they are positioned not only to fight them with weapons, but also to claim the better part of the rest of the world for themselves, seeking to starve out those 150 million people.] And leading figures—people referred to by Germany as “great personalities”—indulge in the most vicious accusations and slander against the spiritual life that has emerged on those 6 million square kilometers in the heart of Europe, revealing just how little they understand of what is alive there.
[ 92 ] Außer Bergson ist zum Beispiel der französische Philosoph Boutroux — kurz vor dem Kriege reiste er noch in Deutschland herum, hielt sogar Vorträge in deutscher Sprache über die innige wissenschaftliche Gemeinschaft zwischen den Deutschen und Franzosen! Jetzt redet er seinen Parisern solche Sachen vor, wie zum Beispiel diese: Die Deutschen bildeten sich ein, bei allem Suchen im Innern der Dinge zu stehen. Damit bildeten sie sich auch ein, innerhalb der göttlichen Weltordnung zu stehen, und alle Menschen beherrschen zu können. [...]
[ 92 ] Besides Bergson, there is, for example, the French philosopher Boutroux—shortly before the war, he was still traveling around Germany and even gave lectures in German on the close scientific partnership between the Germans and the French! Now he’s spouting such nonsense to his Parisian audience, such as this: The Germans imagined that, in all their searching, they were at the heart of things. In doing so, they also imagined that they were part of the divine world order and capable of ruling over all people. [...]
[ 93 ] Wir brauchen nicht in diesen Ton zu verfallen; aber es ist wohl notwendig, auf solche Tatsachen hinzuweisen, und die Tatsachen kennenzulernen. Hat doch Boutroux es auch zustande gebracht — nun, witzig ist ja der Franzose — einen Witz zu machen vor nicht allzu langer Zeit: Es unterhalten sich der Franzose, der Engländer und der Deutsche in Bezug auf das Streben nach einer Weltanschauung, nach Erkenntnis der äußeren Dinge; da sagte Boutroux zu seinem Partner: Der Franzose, wenn er ein Kamel kennenlernen will, geht er in die Menagerie, sieht sich ein Kamel an und beschreibt es dann. Der Engländer geht in die Gegend, wo Kamele leben, sieht sich dieses Kamel an und beschreibt es dann. Der Deutsche geht weder in die Menagerie, um ein Kamel zu sehen, noch in die Gegend, wo Kamele leben, in ferne Länder, sondern er geht in seine Stube und studiert das Kamel in seiner Innerlichkeit in seinem Sein und schafft das Kamel in sich aus seinem Sein heraus. Witzig sind ja die Franzosen! Just dieser Witz von Boutroux rührt nämlich von Heinrich Heine her!
[ 93 ] We need not resort to such a tone; but it is certainly necessary to point out such facts and to be aware of them. After all, Boutroux—well, the Frenchman is known for his wit—managed to make a joke not too long ago: A Frenchman, an Englishman, and a German are discussing the pursuit of a worldview and the understanding of external things; then Boutroux said to his companion: “When a Frenchman wants to learn about a camel, he goes to the menagerie, looks at a camel, and then describes it. The Englishman goes to the region where camels live, looks at that camel, and then describes it. The German goes neither to the menagerie to see a camel nor to the region where camels live—to distant lands—but rather he goes into his study and studies the camel in its inner essence, in its very being, and creates the camel within himself out of its very being. The French sure are funny! In fact, this very joke by Boutroux actually comes from Heinrich Heine!
[ 94 ] Und so könnte mancherlei angeführt werden. Man muss sagen: Der Deutsche hat es nicht eigentlich nötig, in dasjenige zu verfallen, wie diejenigen, die um einen herum sind! Aber der Deutsche hat es umso mehr notwendig, einzugehen auf dasjenige, was gerade im Erkenntnisstreben seines Wesens bester Teil ist. Deutsches Wesen wird auch überwinden jene Vorurteile, die daraus hervorgehen, dass so ein Mensch, der nach Geisteswissenschaft sucht, heute noch gilt — unter dem Einfluss des französischen und englischen Materialismus —, [dass] deutsches Sinnen, [dass ein Mensch mit deutschem Sinnen] heute noch gilt als ein Träumer, als ein Mensch, der nicht in der Wirklichkeit steht: Ach, wenn man sieht, solch einen Menschen wie Planck oder [solch einen Menschen wie] Preuss — nun ja, Begriffe können diese Menschen drechseln, aber um auf die Wirklichkeit einzugehen, um zu sehen, was in der Wirklichkeit lebt, dazu sind ja die «Praktiker» notwendig; so einen Planck, den kann man nicht brauchen für das Leben!
[ 94 ] And so many examples could be cited. It must be said: The German does not really need to succumb to the same things as those around him! But the German has all the more need to engage with that which is the very best part of his nature in the pursuit of knowledge. The German spirit will also overcome those prejudices that arise from the fact that a person who seeks spiritual science is still regarded today—under the influence of French and English materialism—[as] a German thinker, [as a person with a German mindset], who is still regarded as a dreamer, as someone who is not grounded in reality: Ah, when one looks at a person like Planck or [a person like] Preuss—well, these people can certainly craft concepts, but to engage with reality, to see what lives in reality, that is where the “practitioners” are needed; a man like Planck is of no use in life!
[ 95 ] Ich könnte viele Beispiele anführen; nur eines will ich an den Planck, weil ich ihn besprechen durfte, anknüpfen: Seit ungefähr 35 Jahren — Planck ist 1881 gestorben —, also vor ungefähr 35 Jahren hat er die Worte geschrieben, die ich sogar vorlesen werde. Er war kein Diplomat; er war kein Politiker; er war keiner von den Predigern, welche den Weltengang so erkannt zu haben glauben, dass sie diese Erkenntnis «mit dem Löffel gegessen» haben, die über alles von breiten Gesichtspunkten zu reden wissen und verachten diese nur in den geistigen Welten lebenden Menschen. Das alles war er nicht. Er war ein einfacher Weltanschauungsmensch! Aber ein Mensch, der hineinzuschauen vermochte in den Gang der Ereignisse. Und was er vor dem Jahre 1881 entwickelte, das steht in seinem «Testament eines Deutschen» — und 1881 ist er gestorben —, da schrieb er auf dasjenige, was ihm sich innerhalb der europäischen Entwicklung darbot; und er betrachtete das mit sehenden Augen, was sich ihm darbot. Und da schrieb er, dass Krieg kommen müsse. Und über diesen Krieg schrieb er die folgenden Worte:
[ 95 ] I could cite many examples; I’ll mention just one, relating to Planck, since I had the opportunity to discuss him: About 35 years ago—Planck died in 1881—that is, about 35 years ago, he wrote the words that I am even going to read aloud. He was no diplomat; he was no politician; he was not one of those preachers who believe they have grasped the workings of the world so thoroughly that they have “swallowed this knowledge whole,” who know how to speak about everything from a broad perspective and look down on those who live only in the spiritual worlds. He was none of those things. He was a simple man of conviction! But a man who was able to look deeply into the course of events. And what he developed before the year 1881 is recorded in his *Testament of a German*—and he died in 1881—in which he wrote about what presented itself to him within the course of European development; and he observed what presented itself to him with discerning eyes. And there he wrote that war must come. And regarding this war, he wrote the following words:
«Wenn nun ein derartig universalistisches, schon seiner natürlichen Lage nach zentrales Volk im schärfsten Gegensatz. zu seiner früheren Geschichte sich zum reinen Nationalstaat zusammenfasst und für alle andern zu Vorgang gesteigertster militärischer Rüstung wird, was anderes kann in einer Zeit gesteigertsten Nationalstrebens die Folge sein, als schließlich der umfassendste Zusammenstoß?»
“If such a universalist people—central by its very nature—were to unite into a purely national state, in the sharpest contrast to its earlier history, and were to become, for all others, a model of the most intense military buildup, what else could be the consequence in an age of heightened nationalist aspirations other than, ultimately, the most comprehensive clash?”
[ 96 ] So sagt der «unpraktische Weltanschauungsmensch»! Wie viele Menschen, die praktisch drinnen standen in den Verhältnissen, haben noch, als der Krieg ausgebrochen war, nicht geglaubt, dass auch der Italiener sich stellen werde gegen Mitteleuropa! Doch der unpraktische Weltanschauungsmensch wusste 1881 dies zu sagen. Nicht nur der russische Osten wird gegen Mitteleuropa aufstehen, sondern wie einst so werden wir auch im Westen und im Süden uns verteidigen müssen.
[ 96 ] So says the “impractical ideologue”! How many people who were actually immersed in the circumstances still did not believe, even when the war broke out, that the Italians, too, would turn against Central Europe! Yet the impractical ideologue was able to say this as early as 1881. Not only will the Russian East rise up against Central Europe, but—as in the past—we will also have to defend ourselves in the West and in the South.
«Ist es doch nicht bloß der Gegensatz politischer Interessen, der ihn hervorrufen muss»,
“It is not merely the conflict of political interests that must give rise to it,”
[ 97 ] den Zusammenstoß,
[ 97 ] the clash,
«sondern, wie es immer deutlicher jetzt hervorzutreten anfängt, vor allem auch der Widerstreit der Erwerbsinteressen in ihrer noch spröd nationalen, aller höheren Gesamtordnung noch unorganisch widerstrebenden Gestalt. Und je mehr die schon früher erörterten Widersprüche und Übel hervortreten müssen, welche dieser Zustand gegenüber von der universalistischen Steigerung der Verkehrsmittel hervorruft, desto schärfer muss auch die Spannung werden, welche nach allen Seiten hin sich damit ergibt.
Und hiezu kommt nun ein anderer Gegensatz, in welchem die eigene Einseitigkeit unserer abendländischen Bildung sich einen Feind herangezogen hat, und der durch die Natur der Dinge wieder vor allem dem deutschen Geiste feindlich werden muss. Von Anfang ist ja, wie wir sahen, neben dem abendländischen Christentum und seinem Streben nach voller, menschlich gegenwärtiger Vermittlung des göttlichen Inhaltes die starre Jenseitigkeit und Unfreiheit orientalischen und byzantinischen Wesens einhergegangen, für welche die kirchliche und die politische Macht und Auktorität unmittelbar zusammenfiel. In dieser starren Einheit ist der christliche Osten ebenso unfrei beschlossen geblieben, als umgekehrt im Abendlande die frei nationale Ausbildung die religiöse Einheit überwuchert und in den Hintergrund gedrängt hat. Allein eben der einseitig weltliche und äußerliche materielle Charakter der abendländischen Kultur, der hierin begründet ist, hat auch dem unfreien Osten die Aneignung dieser äußerlichen Kulturmittel möglich gemacht, ohne dass er deshalb die tiefere frei geistige Seite jener Entwicklung in sich aufgenommen hätte. Vielmehr hat sie ihm nur dazu verholfen, dass er im Selbstgefühle seiner unterscheidenden religiös-politischen Einheit dem in einseitig nationales Sonderleben zerfallenen Westen sich umso bewusster gegenüberstellt und so angesichts des noch unfertigen Zustandes anderer slawischer Stämme und des zerfallenden türkischen Reiches eine noch viel weiter eingreifende Bedeutung für sich in Anspruch nimmt. Und eben damit wird er durch die Natur der Dinge selbst zum Gegner der Nation, welche auch nach dieser Seite hin ihren zentralen und einigenden menschlich universellen Beruf hat, der Deutschen, und jenes Reiches vor allem, das seit lange her eben in der umfassenden Verknüpfung des deutschen mit den fremden Elementen die Grundlage seines Bestandes hat.
Keine politische Klugheit, keine Friedensliebe vonseiten Deutschlands vermag innerhalb der jetzigen bloß nationalen Ordnung diesen feindlichen Zusammenstoß zu verhindern. Denn mächtiger als alle Klugheit ist die Natur der Verhältnisse; und schon jetzt tritt ungeachtet der befreundeten Haltung Deutschlands und Österreichs die feindliche Stimmung des russischen Ostens nur umso deutlicher hervor, deshalb, weil man ihm nicht in allem die freie Hand lassen konnte, sondern notwendig ein bestimmtes Ziel setzen musste. Und kommt es dann einst zum Kampfe, so wird derselbe, so sehr wir ihn auch zum Besten Europas auszufechten haben, dieses doch nicht an unserer Seite finden, sondern wie im Osten, so werden wir zugleich auch im Westen und im Süden uns verteidigen müssen; nach allen Seiten wird die feindlich nationale Eifersucht sich gegen das neue, in ihre Mitte gesetzte Reich erheben.
Doch eben die Erkenntnis, dass in diesem letzten und schwersten Kampfe das völlig Unzureichende aller bisherigen bloß nationalen Ordnung zutage kommt, dass vor allem die universelle, mit einer Reihe fremder Elemente verknüpfte Stellung der deutschen Nation damit völlig unverträglich ist und nur zu unaufhörlichen Kämpfen hinführen müsste —, sie wird diesem blutigsten Kampfe auch seine für immer entscheidende Bedeutung geben, wird den Geist der Nation, der jetzt noch in stumpfer Äußerlichkeit gefangen ist, öffnen für seinen letzten und bleibenden Beruf. Aufgehen wird unter Blut und Tränen die Einsicht, dass nimmer der bloße Nationalstaat und seine Erwerbsgesellschaft Frieden und Versöhnung zu geben vermag, sondern nur der des universellen Berufsgesetzes, dass nur in ihm für alle die inneren Schäden, wie für das Verhältnis der Staaten zueinander, für die verkommenen Zustände des Orients wie für die Verderbnis und Veräußerlichung der eigenen Bildung, die erneuende Wiedergeburt liegt. Hat der erste Kampf, der unsere nationale Erhebung verhindern sollte, sie eben darum erst zur Vollendung gebracht, so wird umgekehrt der zweite, den eben die eigene Unzulänglichkeit all dieser nationalen Ordnung verschuldet, auch für immer über sie hinausführen zum menschlich universellen Ziel.»
“but, as is now becoming increasingly clear, above all the conflict of economic interests in their still rigid national form, which remains inorganic and resistant to any higher overall order. And the more the contradictions and ills discussed earlier—which this state of affairs brings about in contrast to the universalist expansion of means of communication—come to the fore, the sharper the tension resulting from this must become on all sides.
To this is now added another contradiction, in which the very one-sidedness of our Western culture has drawn upon itself an enemy, and which, by the very nature of things, must once again become hostile above all to the German spirit. From the very beginning, as we have seen, alongside Western Christianity and its striving for a full, humanly present mediation of divine content, there has gone hand in hand the rigid otherworldliness and lack of freedom characteristic of the Oriental and Byzantine worlds, in which ecclesiastical and political power and authority were directly intertwined. Within this rigid unity, the Christian East has remained just as unfree as, conversely, in the West, where free national development has overgrown religious unity and pushed it into the background. Yet it is precisely the one-sidedly secular and outwardly material character of Western culture, rooted in this very situation, that has enabled the unfree East to appropriate these outward cultural means without, for that reason, having internalized the deeper, free spiritual aspect of that development. Rather, it has merely helped it to confront the West—which has disintegrated into a one-sided, national existence—with all the greater self-confidence in its sense of distinctive religious-political unity, and thus, in view of the still unfinished state of other Slavic tribes and the crumbling Turkish Empire, to claim an even more far-reaching significance for itself. And precisely because of this, by the very nature of things, he becomes an adversary of the nation—the German nation—which also has, in this respect, its central and unifying, universally human vocation, and above all of that empire which has long found the foundation of its existence precisely in the comprehensive interconnection of German and foreign elements.
No political prudence, no love of peace on Germany’s part can prevent this hostile clash within the current, purely national order. For the nature of circumstances is more powerful than all prudence; and even now, despite the friendly stance of Germany and Austria, the hostile sentiment of the Russian East is becoming all the more evident, precisely because it could not be given a free hand in everything, but rather a specific goal had to be set. And if it ever comes to battle, then—no matter how much we must fight it for the good of Europe—Europe will not stand by our side; rather, just as in the East, we will have to defend ourselves simultaneously in the West and in the South; on all sides, hostile national jealousy will rise up against the new empire placed in their midst.
Yet it is precisely the realization that in this final and most arduous struggle the utter inadequacy of all previous, purely national orders will be laid bare—that, above all, the universal position of the German nation, linked to a host of foreign elements, is entirely incompatible with such orders and could only lead to ceaseless strife— it is precisely this realization that will also give this bloodiest struggle its decisive significance for all time, and will open the spirit of the nation—which is now still trapped in dull superficiality—to its ultimate and enduring calling. Amid blood and tears, the realization will dawn that the mere nation-state and its profit-driven society can never bring about peace and reconciliation, but only the universal law of vocation; that only in it lies the renewal and rebirth for all—both for the inner wounds and for the relations between states— for the degenerate conditions of the Orient, as well as for the corruption and externalization of our own culture, lies the renewing rebirth. If the first struggle, which was intended to prevent our national awakening, actually brought it to completion for that very reason, then, conversely, the second—which is caused precisely by the inherent inadequacy of this entire national order—will also lead us forever beyond it to the universally human goal.”
[ 98 ] Aus deutschem Geiste muss der Menschheit Erneuerung kommen, damit besiegt werden kann dasjenige, was gerade in einem — in diesen Tatsachen angedeuteten — Sinne lebt, und was aus undeutschem Geiste insbesondere in die neuere Zeit sich hereingelebt hat, was man bezeichnen kann dadurch, dass man sagt: Die alles berechtigte Streben niedertretende Macht der Unfähigkeit, die muss erkannt werden. Deutscher Geist ist stark und kräftig und wird erkennen auf diesem Gebiete und wird die Welt heilen auf diesem Gebiete, wenn er sich bewusst wird dessen, was heute vielfach noch als vergessenes Streben im deutschen Geistesleben lebt.
[ 98 ] Renewal must come to humanity from the German spirit, so that we may defeat that which lives precisely in the sense implied by these facts, and that which—stemming from a non-German spirit—has taken root especially in modern times; this can be described by saying: The power of incompetence that tramples upon all legitimate aspirations—this must be recognized. The German spirit is strong and vigorous, and it will gain insight in this realm and heal the world in this realm when it becomes aware of what still lives today, in many ways, as a forgotten aspiration within German spiritual life.
[ 99 ] Wir haben mit manchem Blick hinüberdeuten können nach dem Westen. Lassen Sie uns zum Schluss noch mit ein paar Worten nach dem Osten hinüberblicken. Dieser ganze Osten, ja, wie stellt er sich dar? Mitteleuropa?
[ 99 ] We have been able to look westward on several occasions. Let us conclude by turning our gaze eastward for a few moments. What, then, is the nature of this entire East? Central Europe?
[ 100 ] Das deutsche Wesen: Kann man es im Verhältnis zu dem Westen so charakterisieren, dass man sagen kann, man brauche wahrhaftig diesen Westen gar nicht irgendwie herabzuwürdigen. Man kann wissen, dass von Italien ausgegangen ist, vor der Morgenröte des neueren Geisteslebens der wissenschaftliche Sinn. Er ist vom Süden heraufgedrungen, dieser wissenschaftliche Geist. Man kann wissen, dass auch aus dem französischen Geist heraus das verstandesmäßige Weltauffassen hervorgegangen ist; dass aus dem englischen Geist der Nützlichkeitssinn hervorgegangen ist, das Ansehen der Welt so, dass man alles in den Nutzen stellt. Allein wie weit zum Beispiel dieser britische Geist vom deutschen Geiste entfernt ist, nun, man kann es von dem abmessen, wenn zum Beispiel jemand versuchen wollte, Fichtes Wissenschaftslehre [dort], wo er dieses im Weltengeist sich erfühlende Ich und im Weltengeist sich erlebende Ich immer wieder und wiederum zu charakterisieren versucht, wenn man in diesen Wissenschaftsbereich so ganz einzudringen vermag — [allein schon] sprachlich würde es kurios aussehen ...
[ 100 ] The German spirit: Can it be characterized in relation to the West in such a way that one can say there is truly no need to disparage the West in any way? One can recognize that the scientific spirit originated in Italy, even before the dawn of modern intellectual life. This scientific spirit made its way up from the south. One can recognize that the rational conception of the world also emerged from the French spirit; that the sense of utility emerged from the English spirit—a view of the world in which everything is measured by its utility. Yet just how far, for example, this British spirit is removed from the German spirit—well, one can gauge it by considering, for example, if someone were to attempt to apply Fichte’s *Science of Knowledge* [there], where he repeatedly attempts to characterize this “I” that feels itself within the world spirit and this “I” that experiences itself within the world spirit—if one were able to penetrate so deeply into this realm of knowledge—[even] linguistically, it would look rather peculiar ...
[ 101 ] Wenn ich sage: «Stelle ich das Ich» — nicht einmal das könnte eingehalten werden, [statt im Deutschen das Wort «ich» im Englischen das kleine «i»] — nicht einmal das könnte eingehalten werden, dass man [im Englischen] vom kleinen «ich», wie man im Deutschen schreibt, zum großen «Ich» übergeht, wenn man das Ich — Fichte nennt es «Reproduktion», das Fortschreiten der Kultur im Ich — selber in sich erlebt hat, wie soll man es nennen irgendwie, wenn man vom kleinen «ich» zum großen «Ich» übergehen will, da man grammatikalisch das persönliche «Ich» [im Englischen] überall schreibt «I».
[ 101 ] When I say: “I place the ‘I’”—not even that could be maintained, [using the lowercase “i” in English instead of the word “ich” in German]—not even that could be maintained, that one [in English] transitions from the lowercase “i,” as it is written in German, to the capital “I” when one has experienced the “I” — Fichte calls it “reproduction,” the progress of culture within the “I” — one has experienced it within oneself, how should one call it, somehow, when one wants to transition from the lowercase “ich” to the capital “Ich,” since grammatically the personal “I” [in English] is written “I” everywhere.
[ 102 ] Man könnte sagen: So verhält sich das deutsche Wesen zu dem westlichen Wesen, wie die Italiener die Ansehenden waren, wie die Franzosen den Verstand geprägt haben, das Nützlichkeitsprinzip die Engländer; aber das Prinzip der Verinnerlichung, das liegt im deutschen Wesen. Der Italiener schaut sich die Welt an. Indem er sich die Welt anschaut, sagt er: Die Welt ist ganz recht; aber nur muss sie etwas umgeformt werden, sie muss so werden, dass sie unserer Fähigkeit entspricht, eigentlich nicht eine obligatorische Sprache, sondern ein erlebtes Wort. Gerade wenn man tief, tief hineinschaut, gerade auch in die besten Seiten des Geisteslebens, dann bewahrheitet sich dieses Wort.
[ 102 ] One could say: The German spirit relates to the Western spirit just as the Italians were the observers, the French shaped reason, and the English were guided by the principle of utility; but the principle of internalization—that lies at the heart of the German spirit. The Italian looks at the world. As he looks at the world, he says: The world is quite right; but it just needs to be reshaped a bit—it must become such that it corresponds to our capacity—not so much a prescriptive language as a word experienced firsthand. Precisely when one looks deeply, deeply into it—especially into the finest aspects of spiritual life—this word proves true.
[ 103 ] Der Franzose sagt: Auch diese Welt ist wert /Lücke in der Mitschrift]. Der Engländer sagt: [Lücke in der Mitschrift] Der Deutsche sagt: Mir gefällt auch die Welt. Und in sich selber will er ein kleines Abbild der Welt schaffen. Der Russe, ja, man braucht da nur an solche charakteristischen Gestalten zu denken wie Ivan Karamasow in Dostojewskis «Die Brüder Karamasow». Aber diese Art der Karamasows ist ausgegossen über den ganzen Osten im Grunde genommen im neunzehnten Jahrhundert. [...] Ivan Karamasow sagt ja selbst: Gott würde ich noch hinnehmen; aber die Welt kann ich von Gott nicht hinnehmen. Die Welt, das ist eigentlich im Grunde genommen im russischen Sinne etwas, was durch eine andere ersetzt werden müsste, und zwar durch diejenige, die für den russischen Menschen [gemacht ist].
[ 103 ] The Frenchman says: This world, too, is worth something /[gap in the transcript]]. The Englishman says: [gap in the transcript] The German says: I, too, like the world. And within himself, he wants to create a small reflection of the world. The Russian—well, one need only think of such characteristic figures as Ivan Karamazov in Dostoevsky’s *The Brothers Karamazov*. But this type of Karamazov was, in essence, widespread throughout the East in the nineteenth century. [...] Ivan Karamazov himself says: “I could still accept God; but I cannot accept the world from God.” The world, in the Russian sense, is essentially something that must be replaced by another—namely, one that is [made] for the Russian people.
[ 104 ] Es ist ein scheinbar radikales Wort, aber wer die russische Geistesentwicklung im neunzehnten Jahrhundert verfolgt, der wird es bewahrheitet finden. Denn, sonderbar ist es ja: Da wird von dem ersten Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts in Russland betont, im russischen Lande lebt es — Dostojewski hat es zum Beispiel gesagt, trotz der Größe Dostojewskis, man muss die Größe Dostojewskis gerade auch ins Auge fassen —: Der russische Mensch ist in allen Menschen derjenige auch, der durch die Allmenschlichkeit sein Geistesleben an die Stelle der anderen setzen muss. Und der Mensch steht so der Welt gegenüber, dass man sagen kann: Im neunzehnten Jahrhundert kommt er immer mehr und mehr gerade dazu, sich zu sagen: Greisenhaft und abgelebt ist das europäische Geistesleben. Das muss ausgemerzt werden. Das russische Geistesleben wäre jung; das muss es beherrschen. Das Russische bedeutet Freude, bedeutet Liebe. Der Westen — und dazu ist auch Mitteleuropa gerechnet, aber auch Frankreich, Italien, Spanien, England — bedeutet Kampf, bedeutet Krieg, bedeutet Egoismus. So geht es als ein Ton durch alles [russische] Geistesleben des neunzehnten Jahrhunderts.
[ 104 ] It is a seemingly radical term, but anyone who traces the development of Russian thought in the nineteenth century will find it to be true. For it is indeed strange: From the very first decade of the nineteenth century in Russia, it has been emphasized—and this is true of the Russian people; Dostoevsky, for example, said it—and despite Dostoevsky’s greatness, one must also take Dostoevsky’s greatness into account—that the Russian person is, among all people, the one who, through universal humanity, must place his spiritual life above that of others. And humanity faces the world in such a way that one can say: In the nineteenth century, it increasingly comes to the realization that European intellectual life is senile and spent. This must be eradicated. Russian intellectual life, it is said, is young; it must take the lead. “Russian” signifies joy; it signifies love. The West—and this includes Central Europe, as well as France, Italy, Spain, and England—signifies struggle; it signifies war; it signifies egoism. This runs like a thread through all [Russian] intellectual life of the nineteenth century.
[ 105 ] Äußerlich tritt es nicht so stark hervor; aber es ist so. Nur sonderbar: Wer ist denn eigentlich der Erste, der die Natur des Slawischen ausgesprochen hat, aus dem heraus sie dann etwas ganz anderes wollen, als im russischen Volksgeiste liegt? So wäre es dies, was ein edler Mann ihnen zugesprochen hat, ein Wort, auf das sie dann gebaut haben. Wer hat denn zuerst die Sache so schön charakterisiert, ein Wort, eine Anschauung geprägt, auf die sie dann im ganzen neunzehnten Jahrhundert gefußt haben. Herder! Herder war im Grunde genommen der erste Slawophile. Aber dies Wort eines Slawophilen ist zum Größensinn, zum Größenwahn ausgeartet. Und es kam dazu, dass es immer wieder herübertönte: Europa ist greisenhaft, und das russische Geistesleben muss sich an die Stelle des europäischen Geisteslebens setzen.
[ 105 ] Outwardly, it is not so apparent; but it is true. It is just strange: Who, after all, was the first to articulate the nature of the Slavic, from which they then sought to derive something entirely different from what lies in the Russian national spirit? So this is what a noble man attributed to them—a word upon which they then built their case. Who was it, after all, who first characterized the matter so beautifully, who coined a word, a concept, upon which they then based their entire nineteenth-century worldview? Herder! Herder was, in essence, the first Slavophile. But this statement by a Slavophile degenerated into magnanimity, even megalomania. And it came to pass that the refrain echoed time and again: Europe is senile, and Russian intellectual life must take the place of European intellectual life.
[ 106 ] Sehr verehrte Anwesende, wie gesagt, zum Schluss nur einen Umstand: 1885 ist ein Buch erschienen, das den Russen Jushakow zum Verfasser hat. Jushakow steht noch auf einem etwas anderen Boden der Kultur, als derjenige ist, den ich eben ausgesprochen habe — das literarische Gegenbild, hingestellt für dasjenige, was bis in unsere Tage herein und bis in unsere gegenwärtigen, furchtbaren Ereignisse herein hervortritt — Jushakow, 1885, ein merkwürdiges Buch! Er richtet den Blick nicht nach Westen hinüber, sondern nach Osten hinüber, nach Asien, zu den asiatischen Völkern. Nun, da sagt Jushakow in seinem, wie gesagt, merkwürdigen Buche: Diese armen Asiaten, sie haben es selber dargestellt, wie sie sich allmählich aus ihrem Kulturleben hinauf zu der entsprechenden gegenwärtigen Kultur emporgerungen haben, sie haben es dargestellt als den Kampf zweier geistiger Wesen. Aber dieser Kampf bedeutet eine Wirklichkeit in Asien drüben. Als den guten Ormuzd und den bösen Ahriman haben sie die beiden geistigen Mächte dargestellt, sagt Jushakow, unter deren Einfluss sie standen, die Asiaten.
[ 106 ] Ladies and gentlemen, as I said, just one final point: In 1885, a book was published written by the Russian author Yushakov. Yushakov stands on a somewhat different cultural ground than the one I have just described—the literary antithesis set forth for that which has persisted down to our own day and into our current, terrible events—Yushakov, 1885, a remarkable book! He does not turn his gaze toward the West, but toward the East, toward Asia, toward the Asian peoples. Now, in his—as I said—remarkable book, Yushakov states: These poor Asians have themselves depicted how they gradually struggled their way up from their own cultural life to the corresponding contemporary culture; they have portrayed it as a struggle between two spiritual beings. But this struggle is a reality over in Asia. The Asians, says Yushakov, depicted the two spiritual powers—the good Ormuzd and the evil Ahriman—as the forces under whose influence they stood.
[ 107 ] Ahriman war immer derjenige, der wie die Negation des Ormuzd war. Zu den iranischen Völkern, zu denen auch die Perser, die Inder gehörten, sagt Jushakow: Ahriman, der böse Geist, hat diese Früchte sowohl der materiellen wie der geistigen Kultur ihnen weggenommen.
[ 107 ] Ahriman was always the one who was like the negation of Ormuzd. Regarding the Iranian peoples—which included the Persians and the Indians—Yushakov says: Ahriman, the evil spirit, took away from them the fruits of both material and spiritual culture.
[ 108 ] Was haben aber die europäischen Völker des Westens gemacht? — fragt Jushakow. Sie haben dasjenige, was unter dem Einflusse des guten Ormuzd jene Völker erworben hatten, herausgepresst, aus diesen asiatischen Völkern herausgepresst! Da muss die russische Kultur eingreifen. Die russische Kultur ist die allein geeignete — sagt Jushakow, nicht ich sage dies —, die asiatischen Völker mit Liebe zu umfassen. Zwei Mächte stehen in der Welt da, welche in die Zukunft Glück — und vor allem das Glück den asiatischen Völker bringen werden; diese zwei Mächte sind — nicht ich sage das, Jushakow sagt es! —, diese zwei Mächte sind: der russische Bauer und der Kosak, die beiden großen Repräsentanten [russischen] Menschentums — sagt Jushakow 1885. Und ehe nicht das Bündnis des russischen Bauern und des Kosaken nach Asien hinübergeht, um den Asiaten wiederum Liebe zu bringen, eher wird was als das Böse, als das Ausgepresste der westlichen Völker — von Deutschland konnte er ja wahrhaftig dazumal nicht reden —, das die westlichen Völker über Asien gebracht haben, cher wird das nicht besser.
[ 108 ] But what have the European peoples of the West done? — asks Yushakov. They have squeezed out of these Asian peoples everything that those peoples had acquired under the influence of the good Ormuzd! This is where Russian culture must intervene. Russian culture is the only one capable—says Yushakov, not I—of embracing the Asian peoples with love. There are two powers in the world that will bring happiness in the future—and above all, happiness to the Asian peoples; these two powers are—I am not saying this, Yushakov says it!—these two powers are: the Russian peasant and the Cossack, the two great representatives of [Russian] humanity—says Yushakov in 1885. And until the alliance of the Russian peasant and the Cossack extends into Asia to bring love to the Asians once again, nothing will improve—not until the evil, the oppression—he could not truly speak of Germany at that time—that the Western peoples have brought upon Asia is removed.
[ 109 ] Das Buch heißt sonderbarerweise «Der englisch-russische Konflikt». Und da sagt Jushakow in Bezug auf dieses: Die Engländer zeigen durch ihre Behandlung der asiatischen Völker, als ob sie des Glaubens wären, diese asiatischen Völker seien nur angewiesen auf diese lieblose englische Flatterliebe. Und dann sagt Jushakow, wie er sich das Verhältnis seines Volkes zu den Engländern denkt. England sagt er — es sind seine Worte, seine eigenen Worte:
[ 109 ] Strangely enough, the book is titled *The Anglo-Russian Conflict*. And regarding this, Yushakov says: Through their treatment of the Asian peoples, the English act as if they believed these Asian peoples were entirely dependent on this cold, fickle English affection. And then Yushakov explains how he views his people’s relationship with the English. England, he says—these are his words, his own words:
«England beutet Millionen von Hindus aus, seine ganze Existenz aber hängt von dem Gehorsam der verschiedenen Völker ab, von denen die reiche Halbinsel bewohnt wird; ich wünsche meinem Vaterlande nichts Ähnliches- ich kann mich nur freuen, dass es
“England exploits millions of Hindus, yet its very existence depends on the obedience of the various peoples who inhabit the rich peninsula; I wish nothing of the sort for my homeland—I can only rejoice that it
[ 110 ] mein russisches Vaterland [so Jushakow]
[ 110 ] my Russian homeland [according to Yushakov]
von diesem so glänzenden wie traurigen Zustand hinlänglich weit entfernt ist.»
is sufficiently far removed from this state, which is as brilliant as it is sad.»
[ 111 ] So 1885 der Russe Jushakow über England.
[ 111 ] In 1885, the Russian Yushakov wrote about England.
[ 112 ] Wahrscheinlich handelt es sich ihm nicht um das Bündnis zwischen Russland und England, zunächst nicht; sondern darum, die Segnungen des Ormuzd neuerdings den Asiaten wiederzugeben. Russland wird nun hinübergehen nach Asien, sagt Jushakow, denn in Russland wurzelt in einer tiefen Kultur das Bündnis zwischen dem alle Fruchtbarkeit entwickelnden Bauern und dem alle Ritterlichkeit in sich tragenden Kosaken, so meint Jushakow, und sie werden es vorziehen, zunächst die russische Geistigkeit über Asien hin zu verbreiten.
[ 112 ] He is probably not referring to the alliance between Russia and England—at least not initially—but rather to restoring Ormuzd’s blessings to the Asians once again. Russia will now move into Asia, says Yushakov, for in Russia the alliance between the farmer—who cultivates all fertility—and the Cossack—who embodies all chivalry—is rooted in a deep culture, according to Yushakov, and they will prefer, for the time being, to spread Russian spirituality throughout Asia.
[ 113 ] So schreibt einer von jenen Geistern, die so gedacht haben in Russland, und es schon in den 1820er-Jahren ausgesprochen hat — 1829: Westeuropa und Mitteleuropa sind greisenhaft, sind abgelebt. Wir aber in Russland, wir haben den Anspruch, dieses Europa unter unsere Herrschaft zu bringen. Und wenn wir es haben — so sagt Kirejewskij —, wenn wir es haben, dann werden wir das, was wir haben, mit den anderen, soweit es richtig ist, teilen.
[ 113 ] So writes one of those thinkers in Russia who held this view and voiced it as early as the 1820s—in 1829: Western Europe and Central Europe are senile, past their prime. But we in Russia, we have the right to bring this Europe under our rule. And once we have it—as Kireyevsky says—once we have it, then we will share what we have with the others, to the extent that it is right.
[ 114 ] Das ist nicht nur in dem Sinne das «richtige» — seit dem gefälschten — «Testament Peters des Großen» auf politischem Gebiete, das geht durch das ganze geistige Kulturleben. Und dasjenige, was durch dieses Russophile geht: Der ausgezeichnete russische Philosoph Solowjow hat es selber ausgesprochen. Und dieses können Sie in meinem Buche «Gedanken während der Zeit des Krieges» — augenblicklich ist es nicht zu haben, aber es wird in einiger Zeit wieder erscheinen — ersehen. Solowjow hat es selber ausgesprochen: Das, was da im russischen Geistesleben lebt, das geht hervor aus demjenigen, was man nennen könnte: Russland hat noch lange hin, die Reife seines eigenen Wesens zu erlangen; Russland steckt heute nämlich noch mitten drinnen, durch und durch mitten drinnen in der unklaren Mystik. Das ist alles. Man muss «mystisch» sein, wenn man sagen konnte: Dieses deutsche Geistesleben suche dasjenige, was das Werkzeug mystischen Strebens ist. Im Gegenteil: vollbewusste Gedanken, von Licht durchtränkte, gedankenerfüllte Anschauungen, klare Anschauungen; der Deutsche sucht ein Bild der Welt, um sein eigenes Wesen diesem Bilde der Welt so ähnlich als möglich zu gestalten.
[ 114 ] This is not only the “correct” one—as opposed to the forged “Will of Peter the Great”—in the political sphere; it permeates the entire realm of intellectual and cultural life. And what runs through this Russophilia: the distinguished Russian philosopher Soloviev himself has expressed it. And you can see this in my book *Thoughts During the Time of War*—it is currently out of print, but it will be published again in due course. Soloviev himself put it this way: What lives in Russian intellectual life stems from what one might call the fact that Russia still has a long way to go before it attains the maturity of its own being; for Russia today is still right in the midst of—thoroughly immersed in—vague mysticism. That is all. One would have to be “mystical” to say: This German intellectual life seeks that which is the instrument of mystical striving. On the contrary: fully conscious thoughts, insights steeped in light and filled with thought, clear insights; the German seeks an image of the world in order to shape his own being as closely as possible to this image of the world.
[ 115 ] Nicht herabgesetzt sollen die anderen Völker werden. Aber, was können sie schon erkennen dasjenige, was der Deutsche anstrebt, das, was er anstrebt vollbewusst, sodass er sein eigenes Menschenbild dem Weltenbilde ähnlich macht? Der Italiener kann es nicht so bewusst anstreben, wenn er nur aus seinem Volkstum heraus strebt. Ihm müsste man das gleichsam als Suggestion beibringen, sodass dasjenige, was bei ihm Erkenntnisstreben ist, mehr als eine Moralität wirkt.
[ 115 ] The other peoples should not be belittled. But what can they possibly comprehend of what the German strives for—that which he strives for with full awareness, so that he makes his own image of humanity resemble his image of the world? The Italian cannot strive for this with such awareness if he draws solely from his national character. One would have to instill this in him, as it were, as a suggestion, so that his quest for knowledge has an effect that goes beyond mere morality.
[ 116 ] Der Franzose will es mehr als eine Verstandeskunst haben, um dem Verstand eine Freude zu machen, um dem Verstand ein Wohlgefühl zu bereiten. Das ist im Grunde genommen so etwas, was im Grundcharakter als französische Prägung der Naturanschauung, der mechanistischen Naturanschauung des Franzosentums liegt.
[ 116 ] The Frenchman wants it to be more than just an intellectual art, in order to delight the intellect and to give it a sense of well-being. This is, in essence, something that lies at the very core of the French character—the French way of viewing nature, the mechanistic view of nature that is characteristic of French culture.
[ 117 ] Der Engländer will — er würde ja gewiss auch Fichtes Wissenschaftslehre annehmen, wenn man ihre Wahrheiten zu einem Prinzip oder zu einer Maschine umformen könnte, wenn man sie in die pragmatische Lebensordnung stellen könnte, Pragmatismus daraus machen könnte, wie es heute angeführt worden ist.
[ 117 ] The Englishman wants—he would certainly accept Fichte’s *Science of Knowledge* as well, if its truths could be transformed into a principle or a mechanism, if they could be integrated into the pragmatic order of life, if they could be turned into pragmatism, as has been pointed out today.
[ 118 ] Der Russe braucht überall unklar-verschwommene Mystik heute noch. Ich führte schon an Iwan Karamasow aus dem Werke «Die Brüder Karamasow» von Dostojewski, so recht ein Repräsentant jenes Russen, der aufgenommen hat die westeuropäische Kultur. Gott würde ja da sein, ja, Gott, aber in mystischer Unklarheit. Und man kann sagen: Wenn der Russe atheistisch wird, so will er einen mystischen Atheisten haben. Der Russe kann atheistisch werden, aber er will fast, dass der Atheist für ihn von Gott geoffenbart wird! Man könnte ihm auch Fichtes Philosophie, man könnte ihm auch Hegelianismus beibringen; aber dann müsste es irgendwo geheimnisvoll auf einem Altar gefunden werden oder müsste wenigstens das Gepräge tragen, dass es auf geheimnisvolle Weise in die Welt hereingekommen ist!
[ 118 ] Russians still need vague, hazy mysticism everywhere today. I have already cited Ivan Karamazov from Dostoevsky’s *The Brothers Karamazov* as a true representative of that type of Russian who has embraced Western European culture. God would indeed be there—yes, God—but in mystical obscurity. And one might say: When the Russian becomes an atheist, he wants to have a mystical atheist. The Russian can become an atheist, but he almost wants the atheist to be revealed to him by God! One could also teach him Fichte’s philosophy, one could also teach him Hegelianism; but then it would have to be found somewhere mysteriously on an altar, or at least bear the hallmark of having entered the world in a mysterious way!
[ 119 ] Kurz, sehr verehrte Anwesende, die verschiedenen Völker, die um das deutsche Volk herum sind, sie stehen heute noch so zu diesem deutschen Geistesleben, dass wahrhaftig alle Ursache ist, dass der Deutsche gewahr wird, welche Keime und welche Wurzeln und Viefalt in seinem Geisteswesen sind! Und die Früchte und Blüten werden dann kommen, wenn der Deutsche sich dessen so recht bewusst wird, bewusst wird eben durch die schwere Prüfungszeit, in der er gegenwärtig steckt.
[ 119 ] In short, esteemed audience, the various peoples surrounding the German people still relate to this German spiritual life in such a way today that there is truly every reason for Germans to become aware of the seeds, roots, and diversity within their spiritual nature! And the fruits and blossoms will come when the German people become truly aware of this—become aware precisely through the difficult time of trial in which they currently find themselves.
[ 120 ] Ja, dasjenige, was darzustellen versucht worden ist in kurzen Zügen, sehr verehrte Anwesende, das entwickelte sich auf den 6 Millionen Quadratkilometern in der Mitte, gegenüber den 68 Millionen Quadratkilometern im Umkreise rund herum! Und wie durch Bande, die auch Bande des Geistes sind, wird dieses Mitteleuropa zusammengehalten. Das Bündnis Deutschlands und Österreichs ist wahrhaftig ein solches, das auch auf der Gemeinsamkeit desjenigen beruht, was als geistiges Leben durch die beiden Länder, durch die beiden Volksgebiete fließt.
[ 120 ] Yes, what has been attempted to be outlined in brief, distinguished guests, unfolded across the 6 million square kilometers at the center, in contrast to the 68 million square kilometers in the surrounding area! And as if by bonds—which are also bonds of the spirit—this Central Europe is held together. The alliance between Germany and Austria is truly one that is also based on the commonality of what flows as spiritual life through both countries, through both national territories.
[ 121 ] Ich darf dies aussprechen, denn mehr als die Hälfte meines Lebens, fast dreißig Jahre, habe ich in Österreich gelebt und teilgenommen in all den Zeiten dieser dreißig Jahre an der Art und Weise, wie dort das deutsche Wesen leben muss in Österreich, leben muss im vielgestaltigen Österreich. Ich habe kennengelernt, was es heißt, das Wort eines der deutschesten Österreicher — Robert Hamerling, des größten Sohnes Österreichs in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts —, und das gefühlt wird im Innersten von dem, der die Zusammengehörigkeit Mitteleuropas erfasst. Robert Hamerling hat gesagt: «Österreich ist mein Vaterland; Deutschland ist aber mein Mutterland».
[ 121 ] I am at liberty to say this, for I have lived in Austria for more than half my life—nearly thirty years—and throughout all those thirty years I have witnessed firsthand the way in which the German spirit must live there, in Austria, in this multifaceted country. I have come to understand what is meant by the words of one of the most German of Austrians—Robert Hamerling, Austria’s greatest son in the second half of the nineteenth century—words that resonate deep within the heart of anyone who grasps the sense of belonging to Central Europe. Robert Hamerling said: “Austria is my fatherland; but Germany is my motherland.”
[ 122 ] Robert Hamerling hat schon 1862 in seinem wunderbaren «Germanenzug» gesprochen von diesem Innerlichen der deutschen Weltanschauung. Tritt sie uns nicht so schön entgegen, diese Innerlichkeit des deutschen Weltenanschauens, wenn wir sehen, wie zum Beispiel Jakob Böhme schon in älterer Zeit davon spricht, wie der Deutsche nach Erkenntnis strebt, aber so, dass er diese verwenden will, um in den Geist der Welt einzutreten? So schön spricht er aus:
[ 122 ] As early as 1862, in his wonderful *Germanenzug*, Robert Hamerling spoke of this inner dimension of the German worldview. Doesn’t this inner nature of the German worldview strike us as so beautiful when we see, for example, how Jakob Böhme spoke of it even in earlier times—how the German strives for knowledge, but in such a way that he intends to use it to enter into the spirit of the world? He expresses it so beautifully:
«Wenn du die Tiefe»
“If You Feel the Depth”
[ 123 ] er meint die Tiefe des Himmels
[ 123 ] he means the depth of the sky
«und die Sterne und die Erde ansiehest, so siehest du deinen Gott. Und in dir lebest und bist du auch. Und derselbige Gott regiert dich auch.» «Du bist aus diesem Gott geschaffen und lebest in demselben. Auch stehet alle deine Wissenschaft in diesem Gott. Und wenn du stirbest, so wirst du in diesem Gott begraben.»
“And when you look at the stars and the earth, you see your God. And you live within Him, and you are also part of Him. And that same God also governs you.” “You were created from this God and live within Him. All your knowledge also resides in this God. And when you die, you will be buried in this God.”
[ 124 ] Schöne Worte! — Wenn man dieses, was ich heute zu veranschaulichen suchte, nimmt: Es stellt sich dar so, dass man sieht in dieser Verinnerlichung des deutschen Wesens — in diesem Erfassenwollen dessen, was als göttliche Geistigkeit die Welt durchwebt und durchlebt in dem eigenen Inneren — liegt der tiefe weltgeschichtliche Beruf des Deutschen. Und er liegt so im Deutschen, dass er wirklich wie eine zweite Welle dasteht in dem großen Erheben des Menschengeschlechts. Wenn wir hinüberschauen nach dem Orient — jetzt anders hinüberschauen als der Russe Jushakow —, dann finden wir in den asiatischen Völkern, wie sie davon geträumt haben, wie sie auch einmal versucht haben, einzudringen in das Geistige, das die Welt durchlebt und durchweht. Sie haben heranzutragen versucht das Ich so, dass es wie eingeschläfert war, [dass] das eigentlich menschliche Innere eingeschläfert war, und so der Mensch aufgehen könne in dem, was das Leben des Weltengeistes im All-Prinzip die Welt durchwebt und durchlebt. Nachdem der größte Impuls in die Erdenentwicklung eingetreten ist — der Christus-Impuls —, ist ja die asiatische Art nicht mehr diejenige, die das Menschengeschlecht beherrschen kann.
[ 124 ] Beautiful words! — If we take what I have sought to illustrate today: It becomes clear that the deep, world-historical calling of the German people lies in this internalization of the German essence—in this desire to grasp what, as divine spirituality, interweaves and permeates the world within their own inner being. And it is so rooted in the German people that it truly stands as a second wave in the great ascent of the human race. If we look across to the Orient—looking at it now differently than the Russian Yushakov did—then we find among the Asian peoples how they have dreamed of this, how they, too, once attempted to penetrate the spiritual that permeates and breathes through the world. They tried to bring forth the “I” in such a way that it was as if it were lulled to sleep—[so that] the truly human inner being was lulled to sleep—and thus the human being could merge into that which the life of the World Spirit, in the Universal Principle, weaves through and permeates the world. Now that the greatest impulse has entered into the development of the Earth—the Christ impulse—the Asian way is no longer the one that can dominate the human race.
[ 125 ] Deutsches Wesen hat die rechte Art gefunden, im Sinne des Christus-Impulses einzudringen in die geistige Welt so, dass das Ich nicht ausgemerzt wird wie einstmals in Asien drüben; [sondern dass dasjenige, was in der Weltenzukunft als ein Göttlich-Geistiges gesucht wird, dass das durch Erhöhung, durch Erkraftung — nicht durch Ablähmen — des Ichs erreicht wird.] Das Ich aber wird gerade erhöht, erkraftet, um zusammenzuwachsen mit dem Weltenganzen. So setzt uraltes Menschheitsstreben in neuester Gestalt, wie in geschichtlicher Berufung das Wesen des deutschen Geistes fort.
[ 125 ] The German spirit has found the right way to penetrate the spiritual world in the spirit of the Christ impulse, in such a way that the “I” is not eradicated, as it once was in Asia; [but rather that what will be sought in the future of the world as a divine-spiritual reality is achieved through the elevation and strengthening—not the dulling—of the “I.”] But the “I” is precisely elevated and strengthened in order to grow together with the whole of the world. Thus, the ancient striving of humanity continues in its newest form, as the essence of the German spirit fulfills its historical calling.
[ 126 ] Das zeigt Robert Hamerling, der österreichische Deutsche, so wunderschön, indem er in seinem «Germanenzug» zeigt, in schönen Worten beschreibt, wie einstmals die Germanen als Vorfahren der Deutschen herübergezogen sind von Asien nach Europa so, dass wir teilnehmen daran, dass wir teilnehmen an der untergehenden Sonne, an der milden Dämmerung, die sich ausbreitet; und als alles in tiefen Schlaf versinkt, nur einer wacht: der blonde Teut. Ihn beschäftigt, während alle anderen schlafen, ihn beschäftigen die Gedanken des zukünftigen deutschen Wesens, der deutschen Aufgabe. Der Genius, der Geist des deutschen Volkes tritt vor den blonden Teut und spricht ihm von der Zukunft des deutschen Volkes. So empfindet es Robert Hamerling und drückt es aus durch den Genius der Vorzeit an den blonden Teut gerade beim Herübergehen der Germanen, der Vorfahren der Deutschen, vom Osten nach dem Westen. — So spricht es aus der Genius:
[ 126 ] Robert Hamerling, the Austrian German, illustrates this so beautifully in his “Germanenzug,” describing in exquisite language how the Germanic tribes—the ancestors of the Germans—once migrated from Asia to Europe, allowing us to share in that journey, to partake in the setting sun and the gentle twilight that spreads across the land; and as everything sinks into a deep sleep, only one remains awake: the blond Teut. While all others sleep, he is preoccupied with thoughts of the future German essence, the German mission. The Genius, the spirit of the German people, steps before the fair-haired Teut and speaks to him of the future of the German people. This is how Robert Hamerling perceives it and expresses it through the Genius of Antiquity to the fair-haired Teut, precisely during the migration of the Germanic peoples—the ancestors of the Germans—from the East to the West. — Thus speaks the Genius:
«Wem bricht dereinst das Wort aus Seelentiefen
Wie deinem Volk, so reich, so zart, so mächtig?
Wer haucht so weihevoll in Saitenklänge
Sein Innerstes? Wem zich’n den Sinn so prächtig
Ins Himmelsblau granit'ne Hieroglyphen
Des Seelenaufschwungs aus des Lebens Enge?
Wer knüpft zuletzt die Stränge
Des forschenden Gedankens an die Sterne
So kühn und strebt und kämpft auf allen Bahnen?
Wen führt so hoch, so tief sein Drang, sein Ahnen?
Wer fasst so treu das Nahe wie das Ferne?
Wo spiegelt jede Erd- und Himmelszone
Sich wie in deinem Denken, O Teutone?»
“To whom will words one day burst forth from the depths of the soul
As they do to your people—so rich, so tender, so powerful?
Who breathes so solemnly into the sounds of the strings
His innermost being? To whom does the mind so magnificently
Carve granite hieroglyphs into the azure sky
Of the soul’s ascent from life’s confines?
Who, in the end, ties the strands
Of the inquiring mind to the stars
So boldly, striving and fighting on every path?
Whom does his urge, his intuition lead so high, so deep?
Who grasps both the near and the far so faithfully?
Where does every zone of earth and sky
Reflect itself as in your thoughts, O Teuton?”
[ 127 ] Und wie verwandt, aber auf einer höheren Stufe, erscheint das geistige Suchen des göttlichen Weltengrundes. Auch da spricht der Genius des deutschen Volkes wie durch Robert Hamerlings Mund zu dem blonden Teut, aus diesem, was ich gerade durch die Worte Jakob Böhmes andeutete, wo Andacht wird das Erkennen, wo Hingebung wird die Weltanschauung, Hingebung an die göttlichgeistigen Weltenkräfte. So lässt es Hamerling zum blonden Teut vom Genius des deutschen Volkes sagen:
[ 127 ] And how closely related—yet on a higher level—is the spiritual quest for the divine foundation of the world. Here, too, the genius of the German people speaks—as if through Robert Hamerling’s mouth—to the fair-haired Teut, expressing what I have just alluded to through the words of Jakob Böhme: where devotion becomes knowledge, where dedication becomes a worldview—dedication to the divine-spiritual forces of the world. Thus, Hamerling has the genius of the German people say to the fair-haired Teut:
«Doch wie auch stolz du aufstrebst, and’re Schwärme
Hoch überschwebend, stets noch eine Lohe
Wirst du bewahren, uralt heil’gen Brandes:
Fortleben wird in dir die traumesfrohe
Gotttrunkenheit, die seel’ge Herzenswärme
Des alten asia’schen Heimatlandes.
Geruhigen Bestandes
Wird dieser heil’ge Strahl, ein Tempelfeuer
Der Menschheit, frei von Rauch, mit reiner Flamme
Fortglüh’n in deiner Brust und Seelenamme
Dir bleiben und Pilote deinem Steuer!
Du strebst nur, weil du liebst: dein kühnstes Denken
Wird Andacht sein, die sich in Gott will senken.»
“Yet no matter how proudly you soar, above the other swarms
Hovering high, you will always preserve a flame
Of that ancient, sacred fire:
Within you will live on the dream-filled
Divine ecstasy, the soulful warmth of the heart
Of the ancient Asian homeland.
Of peaceful existence
This sacred ray, a temple fire
For humanity, free of smoke, with a pure flame
Will continue to glow in your breast and in the depths of your soul
Remaining with you and guiding your course!
You strive only because you love: your boldest thought
Will be devotion, seeking to sink into God.”
[ 128 ] Ja, bewusst werden des deutschen Wesens sich — das braucht der Deutsche. Dann wird er das Verhältnis finden zu den Ereignissen der Gegenwart! Denn: Vertrauen wird er dürfen auf dasjenige, was als Quell vorhanden ist, als Wurzel und Keime des geistigen Strebens innerhalb des deutschen Volkstums. Und was solche Keime hat, von dem darf mit Hoffnung, mit Zuversicht empfunden werden, dass sich seine Blüten und Früchte entwickeln werden, trotz allem gegenüber, was auch feindlich aufsteigt in der Welt gegen dieses Geistbegründete in der deutschen Entwicklung.
[ 128 ] Yes, becoming aware of the German essence—that is what the German needs. Then he will find his place in relation to the events of the present! For: He will be able to place his trust in that which exists as a source—as the root and seeds of spiritual aspiration within the German people. And whatever possesses such seeds may be regarded with hope and confidence that its blossoms and fruits will develop, despite everything that rises up in the world as a hostile force against this spiritually grounded aspect of German development.
[ 129 ] Solches, denke ich, sagt einem eine wirklich objektive, nicht eine engherzige Betrachtung des deutschen Wesens. Und auf eine solch objektive Betrachtung darf sich der Deutsche stützen. Dann kann er auch entsprechend objektiv hinsehen auf die Art und Weise, wie man nicht nur verkürzt, sondern verleumdet dasjenige, was sich auf den 6 Millionen Quadratkilometern gegenüber den 68 Quadratkilometern ausbreitet.
[ 129 ] This, I believe, is what a truly objective—rather than a narrow-minded—view of the German character reveals. And Germans can rely on such an objective view. Then they, too, can look objectively at the way in which what spans 6 million square kilometers—as opposed to 68 square kilometers—is not only oversimplified but also slandered.
[ 130 ] Wer dies betrachtet, die Wurzeln und die erhofften Zukunftskeime und Blüten und Zukunftsfrüchte, darf das, was heutige Betrachtung war, zusammenfassen, empfindungsgemäß zusammenfassen in ein paar Worte. Worte, die mit dem ganzen Erfühlen des deutschen Wesens, alles deutschen Wesens, innig zusammenhängen. Auch sie sind von Robert Hamerling, und auch sie beweisen, wie Mitteleuropa von diesseits und jenseits des Erzgebirges heute zusammengeschmiedet ist, aber zusammengeschmiedet ist auch durch dieses gemeinschaftliche geistige Weben und Wesen in diesem Mitteleuropa.
[ 130 ] Anyone who contemplates this—the roots, the seeds of hope for the future, the blossoms, and the fruits to come—may summarize what today’s contemplation has been, summarizing it intuitively in a few words. Words that are intimately connected with the full sensibility of the German essence, the entirety of the German essence. These words, too, are by Robert Hamerling, and they, too, demonstrate how Central Europe—on both sides of the Ore Mountains—is forged together today, but is also forged together through this shared spiritual weaving and essence within Central Europe.
[ 131 ] Darum sei mit einem Worte Robert Hamerlings, des österreichischen Deutschen, diese heutige Betrachtung geschlossen, mit einem Wort, das empfindungsgemäß zusammenfasst aber dasjenige, was ich in längerer Ausführung — in leider allzu langer Ausführung — vor Ihre Seele zu bringen versuchte. Robert Hamerling sagt aus der Gesinnung heraus, aus der er sagte «Österreich ist mein Vaterland, aber Deutschland ist mein Mutterland», er sagt:
[ 131 ] Let us therefore conclude today’s reflection with a quote from Robert Hamerling, the Austrian German—a quote that poignantly sums up what I have attempted to convey to your hearts in a longer—alas, all too long—exposition. Speaking from the same mindset that led him to say, “Austria is my fatherland, but Germany is my motherland,” Robert Hamerling says:
«Und wenn je dem deutschen Namen
Feindlich sich der Tag erweist,
Finden wird von Meer zu Meere
Seine Bahn der deutsche Geist!»
“And if ever the day proves hostile
To the German name,
From sea to sea
The German spirit will find its path!”
