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Ways to a Knowledge of the
Eternal Forces of the Human Soul
GA 70b

13 March 1916, Stuttgart

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Ways to a Knowledge of the Eternal Forces of the Human Soul, tr. SOL
  1. Wege zur Erkenntnis der ewigen Kräfte der Menschenseele

14. Ein vergessenes Streben nach Geisteswissenschaft Innerhalb der Deutschen Gedankenentwicklung

14. A Forgotten Quest for Spiritual Science Within the Development of German Thought

Sehr verehrte Anwesende!

Ladies and gentlemen!

[ 1 ] Auch diesmal scheint es mir angemessen — wie bei früheren Anwesenheiten von mir während dieser schicksaltragenden Zeit — zunächst eine Betrachtung anzustellen, welche zusammenhängt mit der Entwicklung des deutschen Geisteslebens, um dann morgen wiederum zu einem Gegenstande zu kommen, der im engeren Sinne dann der Geisteswissenschaft angehört.

[ 1 ] Once again, it seems appropriate to me—as on previous occasions when I have been here during this fateful time—to begin with a reflection on the development of German intellectual life, and then to turn tomorrow to a subject that, in the stricter sense, belongs to the field of spiritual science.

[ 2 ] Und wenn heute eine Betrachtung in Anknüpfung an die Entwicklung des deutschen Gedankenlebens geschehen soll, so möchte ich in erster Linie wiederum betonen, dass diese Betrachtung nicht in den Ton verfallen möchte, in den heute so viele Betrachtungen verfallen, einen äußeren Zusammenhang herzustellen zwischen allerlei geistigen Umschwüngen und den schicksaltragenden geschichtlichen Tatsachen unserer Zeit. Nicht kann in einer Zeit, in welcher die Gewalt der Waffen [über] Völkerschicksale entscheidet, nicht kann da das Wort irgendwie eingreifen, bedeutungsvoll etwa eingreifen in dasjenige, was durch die Gewalt der Waffen zu entscheiden ist. Aber in einer Zeit leben wir ja, [in] welcher Selbstbesinnung — auch volkliche Selbstbesinnung — durchaus am Platze zu sein scheint.

[ 2 ] And if today we are to undertake a reflection in connection with the development of German intellectual life, I would like first and foremost to emphasize once again that this reflection does not wish to fall into the trap that so many reflections fall into today—that of establishing an external connection between all manner of intellectual upheavals and the fateful historical realities of our time. In an age in which the force of arms decides the fate of nations, words cannot—in any way—intervene, or intervene meaningfully, in what is to be decided by the force of arms. But we do, after all, live in an age in which self-reflection—including national self-reflection—seems entirely appropriate.

[ 3 ] Nun wird man dann, wenn vom Gesichtspunkt einer Wissenschaft, auch der Geisteswissenschaft, davon gesprochen wird, dass gewisse Entwicklungskräfte einer solchen Geisteswissenschaft wurzeln in volkstümlichen Kräften, wie das heute geschehen soll, man wird sogleich stoßen, sehr verehrte Anwesende, auf allerlei Einwendungen, Einwendungen, die ungemein billig sind, weil sie so selbstverständlich sind, [die] von einem gewissen Gesichtspunkte aus so selbstverständlich sind, dass sie eben wegen ihrer Selbstverständlichkeit außerordentlich einleuchtend erscheinen demjenigen, der sich nicht zu gewissen höheren Gesichtspunkten erheben will. Man wird bei einer solchen Betrachtung immer wieder und wiederum auf den Einwand stoßen, dass die Wissenschaft als solche, und alles dasjenige, was irgendwie Anspruch machen will darauf, so zu sein, dass das, wie man sagt, «international» sei, und dass man da nicht berechtigt sei, irgendwelche Wurzelung im Volkstümlichen geltend zu machen.

[ 3 ] Now, when one speaks—from the perspective of a science, including the humanities—of how certain developmental forces within such a humanities discipline are rooted in folk forces, as we shall do today, one will immediately encounter, esteemed audience, all manner of objections—objections that are exceedingly facile because they are so self-evident, [which]—from a certain point of view—are so self-evident that, precisely because of their self-evidence, they appear extraordinarily plausible to those who do not wish to rise to certain higher points of view. In such a line of thought, one will encounter time and again the objection that science as such—and everything that in any way claims to be, as they say, “international”—does not permit one to assert any kind of rootedness in the folk tradition.

[ 4 ] Nur durch einen Vergleich sei auf diesen Einwand entsprechend hingewiesen. «International», sehr verehrte Anwesende, ist zum Beispiel auch der Mond. Er ist für alle ganz gleich; aber was haben die verschiedenen Völker über den Mond Verschiedenes zu sagen! Gewiss kann da wieder jemand einwenden: Ja, das liegt auf dichterischem Gebiete. — Ja, gewiss; aber wer etwas tiefer auf das Geistesleben der Menschheit eingeht, der wird bemerken, dass — wenn auch die sich auf die äußerlichen tatsächlichen Dinge beziehenden Betrachtungen und Erkenntnisse alle gleich sind in der Wissenschaft über den Mond —, dass dasjenige, was aus den innersten Triebkräften der menschlichen Seele heraus die einzelnen Völker zu sagen haben auf Grundlage desjenigen, was der Mensch erkennen kann, dass das verschieden ist, [und] je nach den verschiedenen Anlagen, nach den verschiedenen Trieben der einzelnen Völker mehr oder weniger tief eindringt in die Geheimnisse des Daseins. Und der Gesamtfortschritt der Menschheit hängt nicht ab von dem, was überall gleich ist, sondern der Gesamtfortschritt der Menschheit hängt ab von dem, was aus den — dem innersten einzelnen Volkswesen eigentümlichen — Triebkräften der Gesamtentwicklung der Menschheit einverleibt wird.

[ 4 ] Let me address this objection by way of a comparison. “International,” ladies and gentlemen, is, for example, the moon as well. It is exactly the same for everyone; yet how differently the various peoples speak of the moon! Certainly, someone might object again: Yes, but that belongs to the realm of poetry. — Yes, certainly; but anyone who delves a little deeper into the spiritual life of humanity will notice that—even though the observations and insights regarding external, factual matters are all the same in the science of the Moon—what the individual peoples have to say, based on what human beings can perceive and arising from the innermost driving forces of the human soul, varies, [and] depending on the different dispositions and the different impulses of the individual peoples, penetrates more or less deeply into the mysteries of existence. And the overall progress of humanity does not depend on what is the same everywhere, but rather on what is incorporated into the overall development of humanity from the driving forces — those peculiar to the innermost essence of each individual people.

[ 5 ] Von diesem Gesichtspunkte aus soll heute hingewiesen werden darauf, wie deutsches Volkstum innig zusammenhängt mit dem Bestreben, nicht allein eine äußere Sinneswissenschaft zu begründen, sondern durch inniges Eindringen auch in die geistigen Geheimnisse des Daseins — wie gerade das Suchen eines Weges, um zu den geistigen Geheimnissen des Daseins zu kommen, eigentümlich ist manchem, was man deutsches Volkstum nennen kann.

[ 5 ] From this perspective, we shall point out today how German folklore is intimately connected not only with the endeavor to establish a science of the external senses, but also—through a profound penetration into the spiritual mysteries of existence — just as the search for a path to the spiritual mysteries of existence is a distinctive feature of much of what can be called German national character.

[ 6 ] Und noch aus einem anderen Grunde, sehr verehrte Anwesende, darf eine solche Betrachtung hier angestellt werden, aus dem Grunde, weil es meine — nicht etwa aus einem engherzigen volksmäßigen Empfinden heraus kommende, sondern aus der, wie ich glaube sachgemäßen Betrachtung des deutschen Wesens erfließende — Überzeugung ist, dass dasjenige, was jetzt hier durch Jahre hindurch schon als Geisteswissenschaft vertreten wird, stark wurzelt in dem allgemeinen Geistesleben des deutschen Volkes, dass alle Keime zu einer wirklichen Geisteswissenschaft in der Geistesentwicklung des deutschen Volkes vorhanden sind.

[ 6 ] And there is yet another reason, distinguished guests, why such a consideration may be offered here: it is my conviction—arising not from some narrow-minded, populist sentiment, but from what I believe to be an appropriate consideration of the German essence— — conviction that what has been advocated here for years as a spiritual science is deeply rooted in the general spiritual life of the German people, and that all the seeds for a true spiritual science are present in the spiritual development of the German people.

[ 7 ] Einleitungsweise, sehr verehrte Anwesende, werde ich den Ausgangspunkt nehmen von drei Persönlichkeiten, über die ich vor einigen Monaten hier in dieser Stadt sprechen durfte, gelegentlich als ich versuchte, zu zeichnen das Weltbild des Deutschen Idealismus; selbst auf die Gefahr hin, in kleinen Einzelheiten das oder jenes zu wiederholen, werde ich den Ausgangspunkt nehmen von den drei großen Gestalten, welche auftreten innerhalb der Gedanken- und Geistesentwicklung des deutschen Volkes, und die ein Weltbild schaffen, welches die Grundlage, den Hintergrund — könnte man sagen abgibt für dasjenige, was dann künstlerisch-dichterisch durch Goethe, Schiller, Herder, Lessing und so weiter innerhalb des deutschen Geisteslebens geleistet worden ist, als eine Blüte des neueren Geisteslebens überhaupt, die sich unmittelbar nur vergleichen lässt mit der gewaltigen Blüte, die das menschheitliche Geistesleben zur Zeit des alten Griechentums getrieben hat: von Fichte, Schelling und Hegel sei noch einmal ausgegangen.

[ 7 ] To begin with, ladies and gentlemen, I will take as my starting point three figures about whom I had the opportunity to speak here in this city a few months ago, when I attempted to outline the worldview of German Idealism; even at the risk of repeating this or that in minor details, I will take as my starting point the three great figures who appear within the intellectual and spiritual development of the German people, and who create a worldview that provides the foundation, the backdrop—one might say—for what was subsequently achieved in the artistic and poetic realms by Goethe, Schiller, Herder, Lessing, and so on—within German intellectual life, as a flowering of modern intellectual life in general that can be directly compared only to the tremendous flowering that human intellectual life achieved during the era of ancient Greece: let us once again begin with Fichte, Schelling, and Hegel.

[ 8 ] Fichte, er steht vor uns — und ich habe das eben in dem Vortrag vor einigen Monaten schon bemerkt — indem er etwas wie die Empfindung hat, dass er alles dasjenige, was er als Bestes zu geben hat seinem Volke über ein Weltanschauungsbild und über Aufschlüsse über das Wesen seines Volkes, dass er das gewonnen hat wie durch ein Zwiegespräch mit dem deutschen Volksgeiste selber. Innerlich getragen von dem Bewusstsein, dass urdeutsches Wesen aus seiner Seele heraus spricht, ist Johann Gottlieb Fichte.

[ 8 ] Fichte stands before us—and I already noted this in my lecture a few months ago—in that he has a sense that everything he has to offer his people as the very best—a worldview and insights into the essence of his people—he has gained as if through a dialogue with the German national spirit itself. Johann Gottlieb Fichte is inwardly sustained by the awareness that a quintessentially German essence speaks from his soul.

[ 9 ] Er ist es auch, der nicht nur in einer der schwersten Zeiten der deutschen Geistesentwicklung Töne fand, welche im hohen Grade geeignet waren, die Begeisterung des ganzen Volkes für seine Erhebung aus der Unterdrückung zu geben, sondern er war es [auch], der in der Art und Weise, wie er ein Weltbild erhalten will für seine Erkenntnis, so recht zeigt, dass er dieses Weltenbild sucht aus Eigenschaften der menschlichen Seele heraus, aus Kräften der menschlichen Seele heraus, die wesentlich deutsche Eigenschaften des Geisteslebens, deutsche Kräfte sind. Das hat er betont. Und das ist in Bezug auf Johann Gottlieb Fichte gewiss die reine Wahrheit.

[ 9 ] It was he, too, who—not only during one of the most difficult periods in the development of German thought—found the words that were so well suited to inspiring the entire nation’s enthusiasm for its rise from oppression; but it was he [also] who, in the way he seeks to maintain a worldview for his understanding, clearly demonstrates that he seeks this worldview from the qualities of the human soul, from the powers of the human soul—qualities and powers that are essentially German characteristics of spiritual life. He emphasized this. And with regard to Johann Gottlieb Fichte, this is certainly the absolute truth.

[ 10 ] Und worin besteht dieses unmittelbar Deutsche gerade in Johann Gottlieb Fichtes Streben? Es besteht darinnen, dass Johann Gottlieb Fichte aus seiner Deutschheit heraus, wie er es selber nennt, dazugekommen ist, in lebendiger Weise zu suchen nach einer Vertiefung und zugleich Erkraftung des eigenen seelischen Wesens des Menschen, des eigenen Ichs, und überzeugt worden ist aus dem lebendigen innerlichen Durchleben des eigentlichen Ichs, dass in dieses Ich hereinfließen könne, wenn es sich nur in der rechten Weise erlebt, wenn es ganz seiner selbst inne wird, dass hereinfließen könne dasjenige, was die Welt als Göttlich-Geistiges durchwebt, durchhellt, durchwärmt. Sodass dasjenige, was draußen in allen Naturerscheinungen spricht, was im Verlaufe der Geschichte spricht, was aber auch hinter den Naturerscheinungen und hinter der Geschichte als geistige Kräfte spricht, nach Fichtes Anschauung hereinfließt in den menschlichen Willen.

[ 10 ] And what exactly is this “immediately German” aspect in Johann Gottlieb Fichte’s endeavor? It consists in the fact that Johann Gottlieb Fichte, drawing from his German identity—as he himself calls it—came to seek, in a living way, a deepening and, at the same time, a strengthening of man’s own spiritual essence, of his own “I,” and was convinced, through the vivid, inner experience of the true “I,” that into this “I”—if it is experienced in the right way, if it becomes fully aware of itself—there can flow that which interweaves, illuminates, and warms the world as the divine-spiritual. Thus, according to Fichte’s view, that which speaks outwardly in all natural phenomena, that which speaks in the course of history, and that which also speaks behind natural phenomena and behind history as spiritual forces, flows into the human will.

[ 11 ] Der menschliche Wille, der im Ich sich geltend macht, er ist nur der innerste, geheime Ausdruck, innerlichste geheime Ausdruck der Seele für dasjenige, was alle Wesen der Welt — vom materialistischsten bis zum geistigsten — durchwebt und durchwärmt. Dieses innige VerwachsenSein des in der Seele Erlebten mit dem großen Geheimnis des Weltenalls, soweit es der Mensch ergründen kann, das ist das ganz eigene Deutsche in Johann Gottlieb Fichtes Streben.

[ 11 ] The human will, which asserts itself in the “I,” is nothing other than the innermost, most secret expression—the innermost, most secret expression of the soul—of that which permeates and warms all beings in the world, from the most materialistic to the most spiritual. This intimate intertwining of what is experienced in the soul with the great mystery of the universe—to the extent that human beings can fathom it—is the uniquely German aspect of Johann Gottlieb Fichte’s endeavor.

[ 12 ] Und man kann sehen, wenn man Fichte beobachtet so, wie er sich darlebt, man sieht an ihm, wie das zu beurteilen ist, wie es nicht etwas Erdachtes, etwas Anerzogenes ist, sondern wie es sich aus den geheimsten Tiefen seiner Seele als seine naturgemäße Anlage ergibt. Um das zu erhärten, seien einzelne Züge aus Johann Gottlieb Fichtes Leben angeführt. Wie gesagt, selbst auf die Gefahr hin, Kleinigkeiten zu wiederholen, die ich mir schon erlaubte, hier zu sagen.

[ 12 ] And one can see, when observing Fichte as he lives his life, that this is not something contrived or acquired through upbringing, but rather something that arises from the innermost depths of his soul as his natural disposition. To corroborate this, let us cite a few specific examples from Johann Gottlieb Fichte’s life. As I said, even at the risk of repeating minor details that I have already taken the liberty of mentioning here.

[ 13 ] Da sehen wir zum Beispiel diesen Johann Gottlieb als kleinen, siebenjährigen Knaben vor dem Hause seines Vaters, der ein armer Webermeister war, wir sehen da den Johann Gottlieb Fichte siebenjährig stehen vor dem kleinen Bach, der vor dem Hause seines Vaters vorbeifließt; und ein Buch hat er in diesen Bach hineingeworfen. Der Vater kommt dazu, und ist im höchsten Grade erstaunt über dasjenige, was da vorgegangen ist. — Was war vorgegangen? Nun, Johann Gottlieb Fichte, er war ein sechs- bis siebenjähriger Knabe, ein fleißiger Schüler. Dasjenige, was man Pflichtgefühl nennt, lebte in stärkster Kraft in seiner Seele; und weil er so fleißig war, hat ihm der Vater zum letzten Weihnachtsfest ein Buch geschenkt: den «Gehörnten Siegfried». Den siebenjährigen Knaben, der schon vollständig lesen konnte, interessierte das Buch vom «Gehörnten Siegfried» so in der alleräußersten Weise, und er war immer dabei, sich zu vertiefen in die große Gestalt des gehörnten Siegfrieds; sodass man hatte bemerken können, dass er etwas weniger fleißig in der Schule geworden war, und man hat ihm das vorgehalten. Jetzt regte sich innerhalb des Wollenslebens schon in dem siebenjährigen Knaben die seelische Pflicht: Nicht wollte er mehr weiterlesen, und auch nicht versucht werden, weiterzulesen in dem Buch vom gehörnten Siegfried. Und um ganz sicher zu sein, so wirft er, weinend, das Buch in den Bach! — So war derjenige beschaffen, der für seine Zeit nach seinem eigenen Bewusstsein die deutsche Weltanschauung schaffen sollte!

[ 13 ] There, for example, we see this Johann Gottlieb as a small, seven-year-old boy in front of his father’s house—his father was a poor master weaver—and we see Johann Gottlieb Fichte, at the age of seven, standing by the little stream that flows past his father’s house; and he has thrown a book into that stream. His father comes along and is utterly astonished at what has just happened. — What had happened? Well, Johann Gottlieb Fichte was a six- or seven-year-old boy, a diligent student. What is called a sense of duty was alive with the greatest intensity in his soul; and because he was so diligent, his father had given him a book for his last Christmas: *The Horned Siegfried*. The seven-year-old boy, who could already read fluently, was utterly fascinated by the book *The Horned Siegfried*, and he was constantly absorbed in the great figure of the Horned Siegfried; so much so that people had noticed he had become somewhat less diligent in school, and they called him out on it. Now, within the life of the will, a sense of moral duty was already stirring in the seven-year-old boy: he no longer wanted to continue reading, nor did he want to be tempted to read any further in the book about the Horned Siegfried. And to be absolutely sure, he threw the book into the stream, weeping! — Such was the nature of the one who, according to his own awareness, was to create the German worldview for his time!

[ 14 ] Und wiederum, schauen wir uns den neunjährigen Johann Gottlieb Fichte an. Es war an einem Sonntagmorgen, der Gutsnachbar war aus der Nachbarschaft gekommen, um die Predigt zu hören. Er war aber zu spät gekommen, der Gutsherr, und konnte somit die Predigt nicht mehr hören. Einige aus dem Bekanntenkreis des Gutsherrn waren auf das Auskunftsmittel gekommen, den kleinen Johann Gottlieb Fichte kommen zu lassen, denn der könne so gut die Predigt anhören, dass er sie Wort für Wort wiedergeben könne. Man holt den neunjährigen Johann Gottlieb Fichte. Nachdem er zuerst in seinem blauen Bauernkittel linkisch aufgetreten war, stellte er sich dann hin und wiederholte die Predigt, aber jetzt nicht in einer Weise etwa, die nur ein äußerliches Festhalten der Worte war, sondern mit innerlichstem Anteil, nicht nur gedächtnismäßig, [sondern] mit innerlichstem Anteil, sodass man sah: Alles dasjenige, was gesprochen worden war, lebte in seiner Seele ein ureigenes Leben.

[ 14 ] And again, let’s take a look at the nine-year-old Johann Gottlieb Fichte. It was a Sunday morning; the neighboring landowner had come from the neighborhood to hear the sermon. But the landowner had arrived too late and was therefore unable to hear the sermon. Some of the landowner’s acquaintances had come up with the idea of sending for little Johann Gottlieb Fichte, since he was such a good listener that he could repeat the sermon word for word. They fetched the nine-year-old Johann Gottlieb Fichte. After initially appearing somewhat awkward in his blue peasant smock, he stood up and repeated the sermon—not merely as an external recitation of the words, but with the deepest personal involvement, not just from memory, [but] with the deepest personal involvement, so that one could see: Everything that had been spoken lived a life of its own within his soul.

[ 15 ] Das sind so kleine Züge, die zeigen, wie innig verwachsen war Johann Gottlieb Fichtes Seele mit dem auf der einen Seite, was er Pflicht nannte, und auf der anderen Seite, was in ihm der Drang war, das eigene menschliche Ich so zu erhöhen, so zu erkraften, dass in ihm sich ausleben, sich offenbaren könne dasjenige, was als Urgesetze die Welt willentlich durchwebt und durchwärmt. Und wie er gerade darauf hinausging später, als er zum Professor in Jena berufen war, zu wirken, das erzählen uns die Leute, die ihn selber gehört haben und die uns versichern, dass, wenn er sprach, seine Worte waren ernst und streng, aber zugleich eindringlich, wie verwoben mit der Sprache, die die Weltgeheimnisse aus der Natur der Dinge selber spräche. Wie Donnerrollen war seine Sprache, und die Worte entluden sich — so sagt uns einer, der ihn gehört hat, und der mit ihm befreundet war —, die Worte entluden sich wie Blitze. Seine Phantasie war zwar nicht üppig — wird uns erzählt —, aber sie war majestätisch, großartig. Und so wird uns erzählt, dass er im Reiche der übersinnlichen Ideen lebte, nicht wie einer, der bloß drinnen wohnt, sondern wie einer, der dieses Reich der Ideen im Wesentlichen beherrschte.

[ 15 ] These are the small details that show how intimately Johann Gottlieb Fichte’s soul was intertwined, on the one hand, with what he called duty, and on the other, with the urge within him to elevate and strengthen his own human self to such an extent that what, as primordial laws, willfully interweaves and warms the world could find expression and reveal itself within him. And just how he later set out to achieve this—after being appointed professor at Jena—is recounted to us by people who heard him speak themselves and who assure us that, when he spoke, his words were serious and stern, yet at the same time compelling, as if interwoven with the language through which the mysteries of the world speak from the very nature of things. His speech was like rolling thunder, and the words burst forth—so says one who heard him and was a friend of his—the words burst forth like flashes of lightning. His imagination, though not exuberant—we are told—was majestic and magnificent. And so we are told that he lived in the realm of supersensory ideas, not merely as one who dwells within it, but as one who essentially mastered this realm of ideas.

[ 16 ] Und eigentümlich war es zum Beispiel auch, wie er auffasste seinen Lehrer-Beruf: Da war nicht viel von dem, was man so gewöhnt ist von einem Redner oder Lehrer. Er war in fortwährender innerer Arbeit. Seine Vorbereitung für irgendeinen Vortrag oder eine Rede bestand darinnen, dass er nicht so sehr sich den Inhalt zurechtlegte, als sich versuchte, mit seiner Seele zu versetzen in jenes geistig Innerliche, das er nicht bloß durch den Inhalt der Worte, [sondern] durch die Art und Weise, wie er es gab, in die Seelen seiner Zuhörer einfließen lassen wollte; er strebte danach, so zu wirken, dass es weniger auf den Inhalt seiner Worte ankam als darauf, dass durch die ganze Art und Weise, wie sich das Geistige im Strome seiner Rede betätigte, die Seelen der Zuhörer ergriffen wurden. So konnte wiederum jemand, der ihn gut kannte, sagen: Er strebte nicht allein, gute Menschen zu erziehen, sondern große Seelen.

[ 16 ] It was also peculiar, for example, how he viewed his profession as a teacher: there was little of what one is accustomed to expecting from a speaker or teacher. He was constantly engaged in inner work. His preparation for any lecture or speech consisted not so much in organizing the content as in trying to immerse himself, with his soul, in that spiritual inner essence which he wished to allow to flow into the souls of his listeners—not merely through the content of his words, [but] through the manner in which he presented them; he strove to have an effect in which what mattered was not so much the content of his words as the fact that the souls of his listeners were moved by the very way in which the spiritual was active in the flow of his speech. Thus, someone who knew him well could say: He strove not merely to educate good people, but great souls.

[ 17 ] Auf einen kleinen Zug sei hingewiesen, den man immer wieder und wiederum erwähnen muss, wenn man das unmittelbar lebendige, wie Fichte sich zu seinen Zuhörern verhielt, lebendig machen will. Da sagte er zum Beispiel — der tiefdenkende Steffens hat uns das überliefert —, da sagte Fichte zum Beispiel zu seinen Zuhörern in Jena: Denken Sie die Wand! — Das fanden die Leute selbstverständlich leicht: Sie dachten die Wand. Nachdem er sie eine Zeit lang die Wand hatte denken lassen, da sagte er: So, und nun denken Sie den, der die Wand eben gedacht hat! — Da waren einige verblüfft!

[ 17 ] It is worth noting a small detail that must be mentioned time and again if one wishes to bring to life the immediate vitality of Fichte’s interaction with his audience. For example—as the profound thinker Steffens has handed down to us—Fichte said to his audience in Jena: “Think of the wall!”—People naturally found this easy: they thought of the wall. After he had let them think of the wall for a while, he said: “All right, and now think of the one who just thought of the wall!” — That left some of them baffled!

[ 18 ] Das war doch ein Hinweis auf das eigene Seelische, in dem entzündet werden sollte dasjenige, was die Welt im tiefsten Inneren durchströmt und durchwärmt. [So sehr er auch damit verblüfft haben mag,] aber es ist doch zugleich ein Zeugnis, wie — ich möchte sagen — Fichte tatsächlich nicht bloß mit gescheiten Worten unmittelbar das Geistige an seine Zuhörer heranbringen wollte. Durch die Worte hindurch — nicht bloß in dem Worte wollte er wirken. Daher konnte es kommen, dass dieser Mann auch das Geschichtliche im Wirken des bildenden Volksgeistes tatkräftig zu erfassen suchte. Und indem er lebendig sich verbinden wollte wie mit dem Weltenwirken im Allgemeinen, so wollte er auch lebendig sich verbinden mit dem, was ein Teil dieses Weltenwirkens ist und ihm nahe leben als Angehöriger seines Volkstums; er wollte sich verbinden mit dem Wesen des deutschen Volksgeistes. Und niemand kann im Grunde genommen verstehen, welche nicht nur tiefe, sondern welche tragende Kraft die wunderbaren Worte haben, die Johann Gottlieb Fichte in einem so schweren Zeitabschnitte des deutschen Volkes zu diesem Volke als seine «Reden an die deutsche Nation» gehalten hat, niemand kann das richtig begreifen, der nicht den Zusammenhang einsieht zwischen der Art und Weise, wie Fichte in sich selber den Weltenwillen im Ich ergreifen wollte, und dann stark die Kraft, die sich ihm da in der Seele ergab, wiederum hinaustragen wollte in das Wirken, in das Geschehen, in das gesellschaftliche und sonstige Zusammenleben der Menschen und in die Auffassung des Lebens.

[ 18 ] That was, after all, a reference to one’s own inner life, in which that which flows through and warms the world at its very core was to be kindled. [As much as this may have astonished people,] it is at the same time a testament to how—I would say—Fichte in fact did not merely seek to bring the spiritual directly to his listeners through clever words. Through the words—he did not want to work merely within the words themselves. This is why this man also sought to actively grasp the historical dimension of the creative national spirit at work. And just as he sought to connect himself vividly with the workings of the world in general, so too did he seek to connect himself vividly with that which is a part of these worldly workings and to live close to it as a member of his own people; he sought to connect himself with the essence of the German national spirit. And no one can truly understand—not only the profound but also the sustaining power—of the wonderful words that Johann Gottlieb Fichte addressed to the German people as his “Addresses to the German Nation” during such a difficult period in the history of the German people, no one can truly grasp this who does not see the connection between the way in which Fichte sought to grasp the world will within himself in the “I,” and then, in turn, sought to carry the power that arose within his soul out into action, into events, into the social and other forms of human coexistence, and into the conception of life.

[ 19 ] Da steht er — allerdings in unserer Weise — vor uns, dieser Johann Gottlieb Fichte! Und — wie gesagt — nicht aus einem engherzigen Volkstum heraus, sondern durchaus aus tatsächlicher Betrachtung sollen diese Dinge gesagt werden, die jetzt besprochen werden müssen. Wir brauchen ja nicht in den Fehler zu verfallen, in den jetzt verfallen die Feinde des deutschen Wesens, die dieses deutsche Wesen nicht nur anklagen, sondern sogar verleumden im wahren Sinne des Wortes; wir können uns innerhalb der Betrachtungen des deutschen Wesens auf einen sachlichen Standpunkt stellen und werden gerade durch diesen sachlichen Standpunkt in der Lage sein, in der richtigen Weise zu erkennen dasjenige, was das Wesen des deutschen Volkstums ist.

[ 19 ] There he stands—albeit in our own way—before us, this Johann Gottlieb Fichte! And—as I said—these things that must now be discussed are to be said not out of narrow-minded nationalism, but entirely out of objective observation. We need not, after all, fall into the same error into which the enemies of the German spirit are now falling—those who not only accuse this German spirit but even slander it in the true sense of the word; we can adopt an objective standpoint in our consideration of the German spirit, and it is precisely through this objective standpoint that we will be able to recognize correctly what the essence of the German national character is.

[ 20 ] Lebendig in sich wollte Fichte erfassen den Weltenwillen. Und dieser Weltenwille war ihm der Träger desjenigen, was er die Weltenpflicht nannte, die sich sondert wiederum in einzelne Menschenpflichten. Dadurch ist [ihm] geworden dasjenige, was draußen lebt, ein überall Lebendiges. Dadurch steht er aber auch im Gegensatze, wie er selber es auch in seinen «Reden an die deutsche Nation» betont — Sie können das nachlesen in meiner Ausführung in meinem kleinen Büchelchen «Gedanken während der Zeit des Krieges», das jetzt vergriffen ist, aber bald wiederum erscheinen wird, [wie] er, Johann Gottlieb Fichte, sucht in allem überall das Lebendige und sich so bewusst ist —, dass er damit im Gegensatze steht zu manchem, was er eine tote Wissenschaft nennt. Und diese tote Wissenschaft sie findet auch Johann Gottlieb Fichte bei den westeuropäischen Völkern, bei dem französischen und bei dem britischen Volke. — Nur, wie gesagt, zur tatsächlichen Kennzeichnung, nicht um irgendeinem Volke etwas aufzumutzen, sei das gesagt; aber es muss erkannt werden, in welchem Verhältnis der deutsche Geist zu den andern Volksgeistern steht in dieser schicksaltragenden Zeit!

[ 20 ] Fichte sought to grasp the World Will as a living entity in itself. And for him, this World Will was the bearer of what he called the World Duty, which in turn breaks down into individual human duties. Through this, what lives outside has become, for him, a living presence everywhere. But this also places him in opposition—as he himself emphasizes in his “Addresses to the German Nation”—you can read about this in my exposition in my little book “Thoughts During the Time of War,” which is currently out of print but will be published again soon, [just as] he, Johann Gottlieb Fichte, seeks the living in everything everywhere and is thus so conscious—that he thereby stands in opposition to much of what he calls a dead science. And Johann Gottlieb Fichte also finds this dead science among the Western European peoples, among the French and the British. — Let it be said, however, as I mentioned, merely for the sake of accurate description, not to take anything out of order with any nation; but it must be recognized what the relationship is between the German spirit and the spirits of other nations in this fateful time!

[ 21 ] Ich habe schon damals, als ich versuchte, das Weltbild des deutschen Idealismus zu zeichnen, darauf hingewiesen, wie charakteristisch dasteht in der Entwicklung des französischen Weltanschauungslebens am Anfange des siebzehnten Jahrhunderts Descartes, Cartesius. Ich habe darauf hingewiesen, wie er charakteristisch zum Ausdrucke bringt dasjenige, was aus seinem Volkstum heraus in seinem Weltanschauungsbilde lebt, dadurch, dass ihm nicht nur die mineralische, die pflanzliche Welt, sondern sogar die tierische Welt nichts anderes ist, als eine Summe belebter — nicht beseelter —, sondern nur bewegter Maschinen! Das ist das Eigentümliche dieses westlichen Geistes, dass er nur eine tote Wissenschaft im Grunde genommen fassen kann.

[ 21 ] Even back then, when I was attempting to outline the worldview of German Idealism, I pointed out how characteristic Descartes, Cartesius, is in the development of French philosophical thought at the beginning of the seventeenth century. I pointed out how he characteristically expresses what lives within his worldview, stemming from his national character, in that for him not only the mineral and plant worlds, but even the animal world, is nothing other than a sum of animated—not animated by a soul—but merely moving machines! This is the peculiarity of this Western mind: that, at its core, it can grasp only a dead science.

[ 22 ] Da steht Fichte mit seinem Lebendigen in all seinen Ausführungen in wesentlichem Gegensatze zu dem Erkenntnisweg und -streben des Westens, [wo] die Tiere sind wie Maschinen. Das hat sich dann fortgesetzt. Und nicht lange, bevor Johann Gottlieb Fichte in Deutschland wirkte, um aus dem lebendigen Erfassen der Weltengeheimnisse heraus das Leben bei allen Tatsachen und Wesen der Welt aufzuzeigen, hat — ich möchte sagen — ein Nachkomme jenes Descartes — Cartesius — in Frankreich gewirkt: de La Mettrie.

[ 22 ] In all his writings, Fichte, with his concept of the “living,” stands in fundamental contrast to the Western path of knowledge and the Western pursuit of knowledge, [where] animals are like machines. This trend has continued. And not long before Johann Gottlieb Fichte began his work in Germany—seeking to reveal life in all the facts and beings of the world through a living grasp of the world’s mysteries—a descendant, so to speak, of that Descartes—Cartesius—was active in France: de La Mettrie.

[ 23 ] Und während Cartesius noch wenigstens aus der inneren Erfahrung, aus dem inneren Erlebnissen dem Menschen zugestanden hat eine besondere Seele, sprach de La Mettrie in einer Steigerung dieser westlichen toten Wissenschaft sich in seinem Buche «Der Mensch eine Maschine» dahin aus, dass auch dasjenige, was als Mensch uns gegenübersteht, selber in dem Weltenzusammenhange drinnen steht als eine bloße Maschine; dass man diesen ganzen Menschen begreifen könne dadurch, dass man ihn auffasst als Ergebnis der rein stofflichen Vorgänge und Kräfte. Alles am Menschen, einschließlich aller Seeleneigenschaften und Betätigungen soll so erfasst werden nach de La Mettrie, dass der Mensch nur als eine Maschine anerkannt werde.

[ 23 ] And while Cartesius at least conceded to human beings a distinct soul based on inner experience and inner sensations, de La Mettrie, taking this dead Western science a step further, argued in his book *Man a Machine* that even what stands before us as a human being is itself part of the cosmic context as a mere machine; that one can understand the whole human being by conceiving of him as the result of purely material processes and forces. According to de La Mettrie, everything about human beings—including all qualities and activities of the soul—should be understood in such a way that human beings are recognized solely as machines.

[ 24 ] Gewiss, bis zu einem gewissen Grade ist der Mensch eine Maschine. Das ist nicht das Wesentliche der Geisteswissenschaft, dass sie etwa widerspricht dem, worinnen solche Behauptungen recht haben; sondern dass sie noch andere Wege — wir werden morgen davon sprechen von diesem —, dass sie noch andere [ergänzende] Wege zu diesem zeigen kann, andere Wege noch weiß, die auch über die berechtigten Ansprüche des Materialismus hinausführen. De La Mettrie ist im Grunde genommen aus dem französischen Volkstume heraus einer der allerbezeichnendsten Geister dieser Auffassung, dass die ganze Welt des Menschen nur eine Art Mechanismus ist. Und es ist interessant, gerade einen solchen Gegensatz zu betrachten, wie den Franzosen de La Mettrie und den Deutschen Johann Gottlieb Fichte. Bei de La Mettrie: alles Mechanismus am Menschen; bei Fichte ist so alles Geist, dass er in seine Seele herein empfing das, was er Weltenwille nennt, und dass ihm das äußerlich Stoffliche nur ein verinnerlichtes Feld für die Pflichtverrichtung aus dem Geiste heraus ist. Daher jenes schöne, jenes wunderbare Streben Fichtes, alles aus dem Geiste heraus abzuleiten, was hier in der Sinneswelt für den Menschen bezeichnet auftritt; dagegen dort bei de La Mettrie alles von dem Ziel erfüllt, das äußerlich Körperliche als einen unmittelbar maßgebenden Trieb auch für das Geistesleben anzusehen.

[ 24 ] Certainly, to a certain extent, man is a machine. The essence of the science of the mind is not that it contradicts the validity of such assertions, but rather that it shows other paths—we will speak of this tomorrow—that it reveals other [complementary] paths to it, and knows of other paths that also lead beyond the legitimate claims of materialism. De La Mettrie is, fundamentally speaking and drawing from French folklore, one of the most representative minds of the view that the entire human world is merely a kind of mechanism. And it is interesting to consider precisely such a contrast as that between the Frenchman de La Mettrie and the German Johann Gottlieb Fichte. For de La Mettrie, everything about human beings is mechanism; for Fichte, everything is spirit to such an extent that he received into his soul what he calls the “world-will,” and that the external material world is for him merely an internalized arena for the fulfillment of duty arising from the spirit. Hence Fichte’s beautiful, wonderful endeavor to derive everything that appears to human beings in the sensory world from the spirit; in contrast, de La Mettrie is entirely driven by the goal of viewing the external physical realm as a directly determining impulse even for spiritual life.

[ 25 ] De La Mettrie wird in solchen Dingen manchmal recht witzig, denn er steckt ebenso tief in seiner mechanistischen Weltanschauung drinnen, wie tief Johann Gottlieb Fichte in seiner geistigen Weltanschauung drinnen steckt. Wenn zum Beispiel de La Mettrie in seinem Buch «Der Mensch eine Maschine» sagt: Sieht man es denn nicht an, wie der Körper das Seelische formt? An einem berühmten Dichter, in dessen Seele man nur zu sehen braucht, dann sieht man, dass er zur Hälfte ein Filou ist, zur anderen Hälfte ausgestattet ist mit dem Feuer des Prometheus? — Etwas schlau hat de La Mettrie nicht gesagt, welchen Dichter er meinte; aber Voltaire ist wütend geworden über diese Bemerkung. Da hat, als ihm das gesagt worden ist, de La Mettrie gesagt: Nun ja, gut, ich nehme die eine Hälfte der Behauptung zurück — er meinte die Hälfte vom Prometheus! —, den «Filou», den hat er weiter [aufrechterhalten]. Er hat es nur in seiner Art ausgedrückt, es muss nicht gepresst werden. Sondern, wenn Sie die einzelnen Angaben nehmen, dass gerade der Mensch eine Maschine ist — und darin ist er unermüdlich, zu zeigen, wie das Maschinenmäßige, gewissermaßen das Einheizen [Lücke in der Mitschrift] im Menschen, wie das den ganzen Menschen kennzeichnet, Befriedigung bewirkt, verursacht — da wird er manchmal ganz merkwürdig sogar. Und ich weiß nicht, und ich weiß nicht, mit welchen Gefühlen eine Stelle aus «Der Mensch eine Maschine» heute in Frankreich gelesen wird! Ich will sie auch durchaus nicht als etwas anführen, was man nun etwa als Deutscher zu teilen braucht; aber ich möchte es doch anführen, weil es recht charakteristisch ist, und weil — sie werden doch ja gleich sehen, aus welchem Grunde ich sie doch anführen möchte — man vielleicht gerade vom Standpunkte der Geisteswissenschaft aus fragen könnte: Wie sieht nun solche eine Seele — er hat zwar geleugnet, dass das möglich ist — aber: Wie sieht nun solch eine Seele herunter, mehr als hundert Jahre nach ihrem Tode, auf dasjenige, was jetzt als Lobeserhebungen zwischen Frankreich und England ausgetauscht ist, wenn er, de La Mettrie, der Franzose, in seinem Buch «Der Mensch eine Maschine» doch beweist, wie die Menschen ganz in ihrem Charakter in ihren Seelen abhängig sind von der Art und Weise, wie das Materialistische auf sie wirkt, wenn er da Folgendes sagt:

[ 25 ] De La Mettrie can be quite witty on such matters, for he is just as deeply immersed in his mechanistic worldview as Johann Gottlieb Fichte is in his idealistic worldview. For example, when de La Mettrie says in his book *Man a Machine*: “Can’t you see how the body shapes the soul? Take a famous poet—one need only look into his soul to see that he is half a scoundrel and half endowed with the fire of Prometheus?”—De La Mettrie was clever enough not to specify which poet he meant; but Voltaire flew into a rage over this remark. When this was pointed out to him, de La Mettrie replied: “Well, all right, I’ll retract one half of the claim”—he meant the half about Prometheus!—“but the ‘scoundrel,’ that he continued to [maintain].” He simply expressed it in his own way; there’s no need to read too much into it. But if you take the individual points—that man, in particular, is a machine—and in this regard he is tireless in showing how the mechanical aspect, so to speak, the “stoking” [gap in the transcript] within man, how this characterizes the whole person and brings about satisfaction—in this regard, he sometimes becomes quite peculiar. And I don’t know—I really don’t know—what kind of feelings a passage from *Man as a Machine* evokes when read in France today! I certainly do not wish to cite it as something that one, as a German, ought to share; but I would like to cite it nonetheless, because it is quite characteristic, and because—you will soon see the reason why I would like to cite it—one might perhaps ask, precisely from the standpoint of the science of the spirit: How does such a soul—though he denied that this is possible—but: How does such a soul look down, more than a hundred years after his death, upon what is now being exchanged as words of praise between France and England, when he, de La Mettrie, the Frenchman, in his book *Man a Machine* demonstrates how human beings, in their very character and in their souls, are entirely dependent on the way materialistic influences affect them, when he states the following:

«Das rohe Fleisch macht die Tiere wild; die Menschen würden es durch gleiche Nahrung werden.»

“Raw meat makes animals wild; humans would become the same if they ate the same food.”

[ 26 ] Das führt er zu einem Beweise an, dass das Stoffliche auch das Geistige bedingt.

[ 26 ] He cites this as evidence that the material also determines the spiritual.

«Wie wahr das ist»

“How true that is”

[ 27 ] sagt de La Mettrie, der Franzose,

[ 27 ] says de La Mettrie, the Frenchman,

«sieht man darin, dass die englische Nation, die das Fleisch weniger kocht wie der Franzose, ganz roh und blutig isst, eine größere Wildheit zeigt, die zum Teil durch jene Nahrungsmittel hervorgebracht wird, zum Teil freilich auch durch andere Ursachen, welche nur die Erziehung unterdrücken kann. Diese Wildheit bringt in der Seele Hochmut, Hass, Verachtung anderer Nationen, Unlenksamkeit und andere Gefühle hervor, die den Charakter verderben, wie die groben Nahrungsmittel einen schwerfälligen und plumpen Geist bei einem Volke erzeugen, dessen Haupteigenschaften Faulheit und Stumpfsinn sind.»

“One can see in the fact that the English nation, which cooks meat less than the French do and eats it quite raw and bloody, displays a greater savagery—a savagery brought about in part by that diet, and in part, of course, by other causes that only education can suppress. This savagery gives rise in the soul to arrogance, hatred, contempt for other nations, unruliness, and other feelings that corrupt the character, just as coarse food produces a sluggish and clumsy mind in a people whose main characteristics are laziness and dullness.”

[ 28 ] Wie gesagt, man braucht sich nicht anzueignen diese Charakteristik des französischen Materialisten; aber es könnte doch nicht uninteressant sein, sie sich gerade heute vor die Seele zu rücken, von dem Gesichtspunkte aus betrachtet, wie sich die Empfindungen ändern im Laufe der Zeit.

[ 28 ] As I said, there is no need to adopt this characteristic of the French materialist; but it might still be interesting to reflect on it today, from the perspective of how feelings change over time.

[ 29 ] Wenn wir, sehr verehrte Anwesende, den zweiten der Geister vor unsere Seele stellen, die einen Weltanschauungshintergrund geschaffen haben für dasjenige, was deutsche Kunst, deutsche Dichtung im Goethe-Zeitalter geschaffen hat, so ist es Wilhelm Joseph Schelling. Und wenn man bei Fichte vor allen Dingen bewundern muss, wie er das Hereinwirken des Willens in das Ich ins Auge fasst, und sich durchkraftet mit dem Bewusstsein von diesem Hereinwirken des Willens in das Ich, so ist es bei Schelling, dass er begründet eine Wissenschaft von der Natur und eine Wissenschaft von dem Geiste, wirklich so, dass man sagen kann: In ihm wirkt da, wo er in abstrakter Weise die Naturerscheinungen verstehen und erkennen will, in ihm wirkt das deutsche Gemüt. Dadurch wird ja Schelling in einer ganz besonderen Weise — jetzt nicht der Gegensatz, nicht so, wie Fichte der Gegensatz ist zum Franzosentum, der Gegensatz ist zum Britentum —, wird Schelling nicht Gegensatz für den Idealismus, aber er wird der Fortsetzer, der Erweiterer. In Schelling steht da, lebendig, aus dem deutschen Gemüt heraus geschaffen, ein Weltanschauungsbild, das im besten Sinne des Wortes auf eine höhere Höhe der Geistigkeit hebt dasjenige, was zum Beispiel ein Giordano Bruno nur anregen konnte. In dieser Seele Schellings, die so ganz durchglüht war vom deutschen Gemüt, auch künstlerisch durchglüht, wuchsen Natur und Geist in einer Einheit zusammen. Er konnte sich soweit versteigen — gewiss, solch eine Sache ist einseitig aber es kommt heute ja wirklich nicht darauf an, dass man in kindischer Weise Anhänger oder Gegner einer Weltanschauung sein müsse, sondern dass man genau weiß, dass es sich nicht handelt darum, Anhänger oder Gegner zu sein, sondern zu betrachten das Streben, das in einem solchen Menschen lebt, das Streben nach Wahrheit hin, das Streben nach der Erkenntnis der tieferen Geheimnisse des Menschendaseins. Von einem einseitigen, aber energisch kraftvollen Standpunkte aus kam Schelling zu der Behauptung, auf die ich hier auch schon hingewiesen habe in einem der letzten Vorträge: Die Natur erkennen, heißt, die Natur schaffen. — Gewiss eine einseitige Behauptung, aber eine Behauptung, von der man sagen kann: Sie entsteht aus einer Seele heraus, die sich eins weiß mit dem, was in der Natur webt und lebt.

[ 29 ] Ladies and gentlemen, when we consider the second of the thinkers who laid the ideological foundation for what German art and German poetry achieved during the Goethe era, it is Wilhelm Joseph Schelling. And while what is most admirable about Fichte is how he grasps the influence of the will upon the “I” and draws strength from the awareness of this influence, what is remarkable about Schelling is that he establishes a science of nature and a science of the spirit in such a way that one can truly say: Where he seeks to understand and recognize natural phenomena in an abstract manner, the German spirit is at work within him. Through this, Schelling becomes—not the antithesis, not in the same way that Fichte is the antithesis to Frenchness or to Britishness—not the antithesis to idealism, but rather its continuator and expander. In Schelling stands, alive, created from the German spirit, a worldview that, in the best sense of the word, elevates to a higher plane of spirituality that which, for example, a Giordano Bruno could only inspire. In Schelling’s soul, which was so thoroughly imbued with the German spirit—and artistically imbued as well—nature and spirit grew together in unity. He was able to go so far—certainly, such a thing is one-sided, but today it really does not matter whether one must, in a childish way, be a supporter or an opponent of a worldview, but rather that one knows precisely that it is not a matter of being a supporter or opponent, but to contemplate the striving that lives within such a person—the striving toward truth, the striving for knowledge of the deeper mysteries of human existence. From a one-sided but vigorously powerful standpoint, Schelling arrived at the assertion to which I have already alluded here in one of my recent lectures: To know nature is to create nature. — Certainly a one-sided assertion, but one of which one can say: It springs from a soul that knows itself to be one with what weaves and lives in nature.

[ 30 ] Wiederum aus urdeutschem Wesen heraus ein Schöpfer eines Weltenbildes, der da weiß, dass das menschliche Ich so erhöht, so erkraftet, so durchseelt werden könne, dass sich ausspricht in diesem Ich dasjenige, was die Welt in geheimnisvoll geistiger Weise durchwellt und durchwärmt. Und wiederum — könnte man sagen —, gerade durch die Wirkung, die Schelling auf seine Zeitgenossen machte, ist gerade auch Schelling zu erkennen. Da wird uns erzählt — von dem tiefgeistigen, selber eben tiefgeistigen Schubert, einem Schüler und Freunde Schellings —, wie man wusste, wenn in Jena auf der Straße am Nachmittag ein besonderes Leben war — Schelling war ja Professor in Jena —, da waren nicht etwa Studentenveranstaltungen, sondern da war es, dass Schelling sprach über dasjenige, was er als ein Weltenbild gewinnen wollte. Schubert, der ihn in Jena hörte, er drückte es aus, wie ihm dann Schelling vorkam. Ich möchte Ihnen diese Stelle wörtlich vorlesen von Schubert, damit Sie sehen, wie ein Zeitgenosse über Schelling sprach, über diesen Schelling, der wirklich, wie man das bei Fichte zeigen kann, in seiner ganzen Art, in seiner ganzen menschlichen Art zusammengewachsen war — mit seinem geistigen Streben — mit dem Weltengeheimnisse.

[ 30 ] Once again, drawing from the essence of ancient Germanic thought, a creator of a worldview who knows that the human self can be so elevated, so empowered, so imbued with spirit that what mysteriously and spiritually permeates and warms the world finds expression within this self. And again—one might say—it is precisely through the impact Schelling had on his contemporaries that Schelling himself can be recognized. We are told—by the deeply spiritual Schubert, himself a deeply spiritual man and a student and friend of Schelling’s—how people knew that when there was a special kind of liveliness on the streets of Jena in the afternoon—Schelling was, after all, a professor in Jena—it was not due to student gatherings, but rather because Schelling was speaking about what he sought to develop as a worldview. Schubert, who heard him in Jena, expressed how Schelling then appeared to him. I would like to read this passage from Schubert to you verbatim, so that you can see how a contemporary spoke of Schelling—this Schelling who, as can be shown in the case of Fichte, had truly become one—in his entire being, in his entire humanity—with his spiritual striving—with the mysteries of the world.

[ 31 ] Dieses unmittelbare — ich möchte sagen —, tiefinnerst ehrliche Zusammenwachsen in der Seele mit dem Weltengeheimnisse, das ist das Ureigene des Strebens gerade jener Zeit, von der wir jetzt sprechen.

[ 31 ] This immediate—I would say—deeply and intimately sincere fusion of the soul with the mysteries of the world is the very essence of the striving characteristic of the very era we are now discussing.

[ 32 ] [Gotthilf Heinrich Schubert schildert Schelling als Jüngling. Und] ich kannte, sehr verehrte Anwesende, noch solche, die Schelling im Alter gehört haben, da war es auch noch so, dass aus der ganzen Persönlichkeit Schellings heraus sprach unmittelbar persönlich, was in ihm lebte, lebte so, wie wenn es hereingeströmt wäre aus dem, was geistig in der Welt waltet und webt. Daher kam er vor denen, die ihm zuhörten, wie der Seher, der umflossen war von einer Art geistiger Aura und [der] so sprach, dass er wie eine Art Seher sprach indem er Worte prägte, nicht aus der menschlichen Willkür heraus prägte, sondern sie so prägte, weil er hineinschaute in die geistigen Triebkräfte, die der Welt zugrunde lagen. Deshalb sagt Gotthilf Heinrich Schubert, ein liebenswürdig geistvoller Denker:

[ 32 ] [Gotthilf Heinrich Schubert describes Schelling as a young man. And] I knew, esteemed audience, others who had heard Schelling in his old age, and even then it was still the case that what lived within him spoke directly and personally through Schelling’s entire personality—it lived as if it had flowed in from that which spiritually reigns and weaves throughout the world. Therefore, to those who listened to him, he appeared like a seer, enveloped in a kind of spiritual aura, and [who] spoke in such a way that he spoke like a seer—coining words not out of human caprice, but because he looked into the spiritual driving forces underlying the world. That is why Gotthilf Heinrich Schubert, an amiable and witty thinker, says:

«Was war es, das Jünglinge wie gereifte Männer von ferne und nahe so mächtig zu Schellings Vorlesungen hinzog? War es nur die Persönlichkeit des Mannes oder der eigentümliche Reiz seines mündlichen Vortrags, darin diese anziehende Kraft lag?»

“What was it that drew young men and mature men alike, from near and far, so powerfully to Schelling’s lectures? Was it merely the man’s personality, or the unique charm of his oral presentation, that held this alluring power?”

[ 33 ] Das war es nicht allein.

[ 33 ] That wasn't all.

«In seinem lebendigen Worte lag»

“It lay in his vivid words”

[ 34 ] allerdings

[ 34 ] however

«eine hinnehmende Kraft, welcher, wo sie nur einige Empfänglichkeit traf, keine der jungen Seelen sich erwehren konnte. Es möchte schwer sein, einem Leser unserer Zeit»

“a compelling force that, wherever it encountered even a modicum of receptivity, no young soul could resist. It would be difficult for a reader of our time”

[ 35 ] Schubert schreibt 1854 nieder, was er in den Neunzigerjahren des achtzehnten Jahrhunderts mit Schelling erlebt hatte

[ 35 ] In 1854, Schubert wrote down what he had experienced with Schelling in the 1790s

«der nicht wie ich jugendlich teilnehmender Hörer war, es begreiflich zu machen, wie es mir, wenn Schelling zu uns sprach, öfters so zu Mute wurde, als ob ich Dante, den Seher einer nur dem geweihten Auge geöffneten Jenseitswelt, läse oder hörte. Der mächtige Inhalt, der in seiner, wie mit mathematischer Schärfe im Lapidarstile abgemessenen Rede lag, erschien mir wie ein gebundener Prometheus, dessen Bande zu lösen und aus dessen Hand das unverlöschende Feuer zu empfangen, die Aufgabe des verstehenden Geistes ist.

Aber weder die Persönlichkeit noch die belebende Kraft der mündlichen Mitteilung konnten es allein sein, welche für die Schelling’sche Philosophie alsbald nach ihrem öffentlichen Kundwerden durch Schriften eine Teilnahme und eine Aufregung für oder wider ihre Richtung hervorriefen, wie dies vor und nachher in langer Zeit keine andere literarische Erscheinung ähnlicher Art vermocht hat. Hier musste dies einzig der Inhalt für sich selber tun.

Man wird es da, wo sich’s um sinnlich wahrnehmbare Dinge oder natürliche Erscheinungen handelt, einem Lehrer oder Schriftsteller sogleich anmerken, ob er aus eigener Anschauung und Erfahrung spricht oder bloß von dem redet, was er von andern gehört, ja nach eigener selbstgemachter Vorstellung sich ausgedacht hat ... Auf die gleiche Weise, wie mit der äußeren Erfahrung, verhält es sich mit der inneren. Es gibt eine Wirklichkeit von höherer Art, deren Sein der erkennende Geist in uns mit derselben Sicherheit und Gewissheit erfahren kann, als unser Leib durch seine Sinne das Sein der äußeren sichtbaren Natur erfährt. Diese, die Wirklichkeit der leiblichen Dinge, stellt sich unseren wahrnehmenden Sinnen als eine Tat eben derselben schaffenden Kraft dar, durch welche auch unsere leibliche Natur zum Werden gekommen. Das Sein der Sichtbarkeit ist in gleicher Weise eine wirkliche Tatsache, als das Sein des wahrnehmenden Sinnes. Auch dem erkennenden Geiste in uns hat sich die Wirklichkeit der höheren Art als geistig-leibliche Tatsache genaht; er wird ihrer inne werden, wenn sich sein eigenes Erkennen zu einem Anerkennen dessen erhebt, von welchem er erkannt und aus welchem nach gleichmäßiger Ordnung die Wirklichkeit des leiblichen wie des geistigen Werdens hervorgeht. Und jenes Innewerden einer geistigen, göttlichen Wirklichkeit, in der wir selber leben, weben und sind, ist der höchste Gewinn des Erdenlebens und des Forschens nach Weisheit. ...

Schon zu meiner Zeit»

“who, unlike me—a youthful and engaged listener—could not grasp how, when Schelling spoke to us, I often felt as though I were reading or hearing Dante, the seer of an otherworldly realm open only to the initiated eye.” The powerful content contained in his speech—measured out in a lapidary style with almost mathematical precision—seemed to me like a bound Prometheus, whose bonds it is the task of the understanding mind to loosen and from whose hand to receive the inextinguishable fire.

But neither the personality nor the animating power of the oral presentation alone could have been what, immediately after Schelling’s philosophy became publicly known through his writings, aroused such interest and excitement—for or against its direction—as no other literary phenomenon of a similar kind has been able to do before or since for a long time. Here, this had to be achieved solely by the content itself.

When it comes to things perceptible to the senses or natural phenomena, one can immediately tell whether a teacher or writer is speaking from his own observation and experience or merely discussing what he has heard from others—or even what he has concocted based on his own imagination... The same applies to inner experience as to outer experience. There is a reality of a higher order, the existence of which the knowing mind within us can experience with the same certainty and assurance as our body experiences the existence of external, visible nature through its senses. This reality of physical things presents itself to our perceiving senses as an act of the very same creative power through which our physical nature itself came into being. The existence of the visible is just as much a real fact as the existence of the perceiving sense. The reality of the higher kind has also approached the knowing spirit within us as a spiritual-physical fact; it will become aware of it when its own cognition rises to a recognition of that from which it is known and from which, according to a consistent order, the reality of both physical and spiritual becoming arises. And that realization of a spiritual, divine reality in which we ourselves live, move, and have our being is the highest gain of earthly life and the quest for wisdom. ...

“Even in my own time”

[ 36 ] so sagt Schubert

[ 36 ] as Schubert says

«gab es unter den Jünglingen, die ihn hörten, solche, welche es ahnten, was er unter der intellektuellen Anschauung meinte, durch welche unser Geist den unendlichen Urgrund alles Seins und Werdens erfassen muss.»

“Among the young men who listened to him, there were some who sensed what he meant by the ‘intellectual vision’ through which our spirit must grasp the infinite source of all being and becoming.”

[ 37 ] Dass Schelling aus einer solchen unmittelbaren Anschauung heraus von einer solchen Welt des Geistes sprach, das will von ihm Gotthilf Heinrich Schubert zum Ausdrucke bringen.

[ 37 ] Gotthilf Heinrich Schubert seeks to convey that Schelling spoke of such a world of the spirit based on such direct perception.

[ 38 ] Und als ob sich der deutsche Geist nach allen Seiten eben offenbaren wollte, sehen wir in Hegel — der ebenso wie Schelling ein Württemberger ist; sogar ein Stuttgarter ist Hegel —, wir sehen in Hegel, wie er bemüht ist, in dem, was die Seele in sich selber erleben kann, zu gleicher Zeit das zu erleben, was als Göttlich-Geistiges die Welt durchflutet und in die eigene Seele herein sich leben kann, nur auf eine dritte Art. Wie wenn der deutsche Geist nach allen Seiten hin sich offenbaren wollte: In der dritten Art versucht Hegel dies. Für ihn ist dasjenige, was die Welt durchweht und durchleuchtet, der göttlichgeistige Gedanke. Und indem der Mensch denkt, indem der Mensch den Gedanken in sich erhellt — den Gedanken, der nicht von Erinnerung abhängig ist, sondern den sinnlichkeitsfreien Gedanken —, wächst dieses Denken in der Seele zusammen mit dem, was als Gedanke in den Weltengesetzen selber die Welt durchfluter.

[ 38 ] And as if the German spirit were seeking to reveal itself in every direction, we see in Hegel—who, like Schelling, is from Württemberg; Hegel is even from Stuttgart— we see in Hegel how he strives, in what the soul can experience within itself, to simultaneously experience that which, as the divine-spiritual, permeates the world and can come to life within one’s own soul, but in a third way. As if the German spirit were seeking to reveal itself in every direction: Hegel attempts this in the third way. For him, what pervades and illuminates the world is the divine-spiritual thought. And as human beings think, as they illuminate the thought within themselves—the thought that is not dependent on memory, but rather the thought free from sensibility—this thinking grows within the soul together with that which, as thought, pervades the world itself through the laws of the universe.

[ 39 ] Und da begründet Hegel etwas — wie gesagt, man braucht weder Anhänger, noch Gegner zu sein, sondern [man möge] hinwenden den Blick zu der Anschauung des Strebens —, da begründet Hegel etwas, was so recht charakteristisch ist wiederum für die deutsche Volksseele. Die Art und Weise, wie Hegel strebt, man kann sagen: Es ist die Natur des mystischen Strebens zusammengewachsen im eigenen Innern mit dem, was die Welt als Göttlich-Geistiges im Grund erfüllt. Aber es ist kein Zusammenwachsen in dunklen, nebulösen Vorstellungen, in chaotischen Gefühlen — wie [es] viele, die Mystiker werden wollen, so sehr lieben —, sondern es ist ein Streben, das auf seinem Wege ein mystisches, aber in seiner Art, in seiner ganzen Art ein gedankenerfülltes, gedankenklares ist. Das ist das Charakteristische für die Ureigenschaft des deutschen Strebens nach Weltanschauung, dass man nicht will eine dunkle, aus bloßen Gefühlen oder bloßem trivialem Hellsehen hervorgehende Weltanschauung, sondern dass man will eine Weltanschauung, die auf dem Wege ist nach dem Göttlich-Geistigen der Welt, aber die von gedanklicher Klarheit und von gedanklichem Lichte durchhellt und durchleuchtet ist. Das ist nun das Eigentümliche bei Hegel!

[ 39 ] And here Hegel establishes something—as I said, one need not be either a follower or an opponent, but [one should] turn one’s gaze toward the conception of striving—here Hegel establishes something that is, once again, so characteristic of the German national spirit. The way in which Hegel strives—one might say: it is the nature of mystical striving, fused within one’s own inner self with that which fundamentally fills the world as the divine-spiritual. But this is not a fusion of dark, nebulous ideas or chaotic feelings—as so many who wish to become mystics are so fond of—but rather a striving that, while mystical in its path, is in its very nature, in its entirety, filled with thought and intellectually clear. This is the defining characteristic of the German quest for a worldview: that one does not seek a dark worldview arising from mere feelings or mere trivial clairvoyance, but rather a worldview that is on the path toward the divine-spiritual in the world, but which is permeated and illuminated by intellectual clarity and intellectual light. This, then, is what is distinctive about Hegel!

[ 40 ] Und wenn man nun diese drei bedeutsamen Gestalten vor seine Seele hintreten lässt — Fichte, Schelling, Hegel —, man hat immer das Gefühl, sehr verehrte Anwesende: Drei Seiten der deutschen Gedankenentwicklung sprechen sich in diesen drei Geistern aus — Seiten der deutschen Gedankenentwicklung, die schon noch volkstümlich werden.

[ 40 ] And when one now allows these three significant figures to step before one’s mind—Fichte, Schelling, Hegel—one always has the feeling, esteemed audience: Three aspects of the development of German thought find expression in these three minds—aspects of the development of German thought that are still becoming part of the national consciousness.

[ 41 ] Ich habe schon das letzte Mal gerade hier, als ich von einem anderen Gesichtspunkte aus sprach, darauf hingewiesen, dass man einen Weg finden kann — wenn auch die Stumpflinge noch sagen: Ach das ist alles Gedankenabstraktion! Trotz des Einspruches dieser Stumpflinge wird man einen Weg finden, diese großen Kräfte, diese großen Triebkräfte, die die Menschenseele verbinden wollen mit dem Weltgeheimnisse, in der allereinfachsten Sprache [auszudrücken], sodass — man möchte sagen — jedes Kind begreifen kann und jedes Kind wird hinhorchen können. Dass man sie in dieser Weise zum Ausdrucke bringen könnte, das wird eine geistige Selbstbesinnung des deutschen Volkes ergeben.

[ 41 ] I already pointed this out last time, right here, when I was speaking from a different perspective: that a way can be found—even if the narrow-minded still say, “Oh, that’s all just abstract thinking!” Despite the objections of these narrow-minded people, a way will be found to [express] these great forces, these great driving forces that seek to connect the human soul with the mysteries of the world, in the simplest possible language, so that—one might say—every child can understand and every child will be able to listen. That they could be expressed in this way will be the result of a spiritual self-reflection by the German people.

[ 42 ] Aber man hat immer das Gefühl: Innerhalb dessen, was sich in diesen drei Offenbarungen des deutschen Gedankenlebens auslebt, da ist noch etwas Tieferes drinnen, ein höherer Geist gleichsam, der aus den dreien heraus spricht. Und dann bekommt man den Eindruck: Das ist der deutsche Volksgeist selber. Auf drei verschiedene Arten drückt er sich aus zu einem Weltanschauungsbilde bei Fichte, Schelling und Hegel! Und man bekommt insbesondere dieses Gefühl, wenn man nun das ins Auge fasst, was ich eben in der heutigen Betrachtung nennen möchte: ein vergessenes Streben, einen vergessenen, einen verklungenen Ton des deutschen Geisteslebens.

[ 42 ] But one always has the feeling that within what is expressed in these three manifestations of German intellectual life, there is something even deeper at the core—a higher spirit, as it were, that speaks through all three. And then one gets the impression: This is the German national spirit itself. It expresses itself in three different ways, forming a worldview in Fichte, Schelling, and Hegel! And one gets this feeling in particular when one now considers what I would like to call, in today’s reflection, a forgotten aspiration, a forgotten, a faded tone of German intellectual life.

[ 43 ] Denn das Eigentümliche, sehr verehrte Anwesende, tritt uns entgegen, dass die genannten Geister, welche Geister allerersten Ranges in der Entwicklung sind, dass diese Nachfolger haben, kleinere Geister, Geister, die ganz anscheinend nicht so bedeutend sind wie diese drei Großen, dass aber diese kleineren Geister Bedeutenderes hervorzubringen vermögen als die großen. Zu verwundern braucht man sich darüber ja nicht; jeder Schulbub kann den pythagoreischen Lehrsatz begreifen. Die Anregung, ihn zu begreifen, musste natürlich von Pythagoras ausgehen! Aber nur, wie gesagt, in einer etwas paradoxen Weise wollte ich das, was hier in Betracht kommt, ausdrücken; in so paradoxer Weise gilt es nicht.

[ 43 ] For what is remarkable, esteemed audience, is that the spirits mentioned—who are spirits of the very highest order in terms of development—have successors: lesser spirits, spirits who are apparently not as significant as these three great ones; yet these lesser spirits are capable of producing something more significant than the great ones. There is, of course, no need to be surprised by this; any schoolboy can understand the Pythagorean theorem. The inspiration to understand it must, of course, have come from Pythagoras! But, as I said, I merely wanted to express what is at issue here in a somewhat paradoxical way; it does not hold in such a paradoxical sense.

[ 44 ] Aber doch gilt es, dass diese drei Geister Nachfolger haben, die ihnen an Entwicklungskraft, an Spannkraft der Seele, an Begabung gewiss nicht das Wasser reichen können, die aber in Bezug auf den Weg, den die Menschenseele nehmen muss, um hineinzukommen in die geistige Welt, in die lebendige geistige Welt, sogar Bedeutenderes leisten können als diese drei großen, anregenden Vorfahren.

[ 44 ] Yet it is true that these three spirits have successors who certainly cannot hold a candle to them in terms of creative power, spiritual vitality, or talent, but who, with regard to the path the human soul must take to enter the spiritual world—the living spiritual world—can achieve even greater things than these three great, inspiring forebears.

[ 45 ] Und da sehen wir gleich den Sohn Johann Gottlieb Fichtes: Hermann Immanuel Fichte. Es ist kein so großer Geist, wie sein Vater; aber er stand allerdings unter dem Einflusse seines Vaters, solange der Vater lebte. Und Immanuel Hermann Fichte — der auch an der Tübinger Universität gelehrt hat —, Immanuel Hermann Fichte, er kommt schon dazu, aus dem neueren Denken, aus der neueren Gedankenentwicklung heraus davon zu sprechen, wie der Mensch, so wie er uns in der Welt entgegentritt, nicht bloß den äußeren physischen Leib habe, sondern Immanuel Hermann Fichte spricht von einem ätherischen Leibe, der zugrunde liegt dem äußeren, physischen Leib. Und wie der äußere physische Leib durch seine Kräfte und Gesetze gebunden ist an das äußere Materielle des physischen Daseins, so ist der Ätherleib durch seine Kräfte und Gesetze gebunden an das Element, das die Welt durchwellt und durchwebt. Und vom Physischen ausgehend schaut auf dem Grund des Menschen Immanuel Hermann Fichte einen gewissermaßen höheren Menschen im Menschen, den ätherischen Menschen; und er betrachtet diesen ätherischen Menschen.

[ 45 ] And here we immediately see Johann Gottlieb Fichte’s son: Hermann Immanuel Fichte. He was not as great a mind as his father; but he was certainly under his father’s influence as long as his father lived. And Immanuel Hermann Fichte—who also taught at the University of Tübingen— Immanuel Hermann Fichte—he goes so far as to speak, drawing on more recent thought and the latest developments in philosophy, of how human beings, as they appear to us in the world, do not merely possess an outer physical body; rather, Immanuel Hermann Fichte speaks of an etheric body that underlies the outer, physical body. And just as the outer physical body is bound by its forces and laws to the outer material aspect of physical existence, so too is the etheric body bound by its forces and laws to the element that permeates and interweaves the world. And starting from the physical, Immanuel Hermann Fichte sees, at the very core of the human being, a sort of higher human within the human—the etheric human—and he contemplates this etheric human.

[ 46 ] Und dann sehen wir, wie als Nachfolger der genannten Großen ein Geist auftritt, der nun wirklich so recht drinnen steht in dem verklungenen, vergessenen Ton der deutschen Gedankenentwicklung, sehr verehrte Anwesende, das ist Troxler, Ignaz Paul Vital Troxler. Wer kennt Troxler?!

[ 46 ] And then we see a figure emerge as the successor to the great thinkers mentioned above—a figure who is truly at home in the faded, forgotten tone of German intellectual development. Ladies and gentlemen, this is Troxler, Ignaz Paul Vital Troxler. Who knows Troxler?!

[ 47 ] Aber das ist so recht charakteristisch für die Kleineren, die nun nachkommen und Größeres als die Großen schaffen, weil das deutsche Volkstum durch sie pulst und sich in ihnen zum Ausdruck bringt.

[ 47 ] But this is so characteristic of the younger generation, who are now coming of age and achieving greater things than their elders, because German folk spirit pulses through them and finds expression in them.

[ 48 ] Eine merkwürdige Persönlichkeit — dieser Troxler! Er beginnt schon früh zu schreiben unter dem Einflusse Fichtes und Schellings namentlich: «Blicke in [das Wesen des Menschen)» schreibt er. Er schreibt in «Vorlesungen», die er 1835 hat erscheinen lassen, in einer wunderbaren Weise davon, wie der Mensch entwickeln kann zu dem Erkennen der Sinneswelt eine übersinnliche Erkenntnis dazu; wie der Mensch kommen kann — und ich gebrauche jetzt die charakteristischen Ausdrücke, die Troxler gebraucht hat —, wie der Mensch kommen kann zu zwei, im gewöhnlichen Leben in der Seele schlummernden Seelenkräften. Troxler spricht davon, dass der Mensch nicht bloß angewiesen ist — in Bezug auf das Erkennen der Welt nicht bloß angewiesen ist — auf den gewöhnlichen Sinn, und auf den gewöhnlichen Verstand, der an das Gehirn gebunden ist, sondern Troxler spricht davon, dass der Mensch zwar für die äußere Welt diese höheren, in ihm schlummernden Kräfte nicht anwendet, dass sie aber entwickelt werden können.

[ 48 ] What a remarkable figure—this Troxler! He began writing at an early age, particularly under the influence of Fichte and Schelling: “Insights into [the Nature of Man],” he wrote. In “Lectures,” which he had published in 1835, he writes in a marvelous way about how human beings can develop, alongside their perception of the sensory world, a supersensory understanding of it; how a person can come—and I am now using the characteristic terms that Troxler employed—how a person can come to two powers of the soul that lie dormant in the soul in ordinary life. Troxler speaks of the fact that human beings are not merely dependent—not merely dependent, with regard to the perception of the world—on the ordinary senses and on the ordinary intellect, which is bound to the brain; rather, Troxler speaks of the fact that, although human beings do not apply these higher powers—which lie dormant within them—to the external world, they can nevertheless be developed.

[ 49 ] Troxler spricht von zwei Kräften in der menschlichen Seele zunächst, von dem «übersinnlichen Geist» und von dem «übergeistigen Sinn». Das sind Troxlers eigene Worte. Aber den Sinn dessen, was er glaubt, will ich mit ein paar Worten, die an dasjenige anklingen, was ich geisteswissenschaftlich schon öfter hier entwickelt habe, charakterisieren. Troxler spricht davon, wenn wir hier in die Welt hinausschauen, so reden wir auch nicht in so abstrakter Weise «Natur, Natur, Natur» und meinen die Pflanzen im Allgemeinen, sondern wir sprechen von der Tulpe, von der Lilie, von dem Klee und so weiter, nicht wahr. Aber die Philosophen, die Abstraktlinge, die sprechen davon: vom Geist im Allgemeinen, von diesem Geist, der als ein Geist — aber eigentlich nicht im grauen Allgemeinen — alles durchdringt und durchsetzt. Und erhaben fühlt man sich, wenn man Pantheist sein kann, aber für das äußere Leben der Natur. Das sieht Troxler genau ein: Geht man auf die konkreten, auf die einzelnen Dinge ein durch den Sinn, so gibt es einen «übergeistigen Sinn», der nicht bloß im Allgemeinen — verzeihen Sie den Ausdruck — schwefelt, von dem, was als Geist pantheistisch allen Erscheinungen und Tatsachen zugrunde liegt und allen Wesenheiten zugrunde liegt, sondern der sich einlässt auf das Konkrete, auf das einzelne Wirkliche der einzelnen geistigen Wesen: «übergeistiger Sinn».

[ 49 ] Troxler speaks first of two forces in the human soul: the “supersensible spirit” and the “superspiritual sense.” These are Troxler’s own words. But I would like to characterize the meaning of what he believes with a few words that echo what I have often discussed here in the context of spiritual science. Troxler says that when we look out into the world, we do not speak in such an abstract way—saying “nature, nature, nature”—and mean plants in general, but rather we speak of the tulip, the lily, the clover, and so on, do we not? But the philosophers—those who think in abstract terms—speak of the spirit in general, of this spirit that, as a spirit—though not really in a vague, general sense—permeates and permeates everything. And one feels exalted when one can be a pantheist, but in relation to the outer life of nature. Troxler sees this clearly: If one engages with the concrete, with individual things through the mind, there is a “super-spiritual sense” that does not merely—pardon the expression—ramble on in general terms about what, as spirit, pantheistically underlies all phenomena and facts and underlies all entities, but rather engages with the concrete, with the individual reality of individual spiritual beings: “super-spiritual sense.”

[ 50 ] Und wiederum: «Übersinnlicher Geist» — [gemeint ist ein Geist, den man sich durchaus nicht an das Gehirn gebunden denken muss, sondern] dass er in der Geistwelt unmittelbar, ohne die Vermittlung der Sinne und des Nervensystems, drinnen steht, wie eben das physische Erkennen des Menschen in dem leiblichen Sein drinnen steht: «Übergeistiger Sinn» — «übersinnlicher Geist».

[ 50 ] And again: “Supersensible spirit”—[meaning a spirit that one need not at all conceive of as bound to the brain, but rather] that it is directly present in the spiritual world, without the mediation of the senses and the nervous system, just as human physical cognition is present within physical existence: “Supersensible sense”—“supersensible spirit.”

[ 51 ] Und nicht in einer allgemein verschwommenen Weise, sondern in echt wissenschaftlicher Weise spricht Troxler davon, dass die Gefühle intelligent werden können, heraufgehoben werden können — wir werden davon morgen noch zu sprechen haben, nicht in Bezug auf Troxler, aber in Bezug auf den Gegenstand, der morgen zu besprechen sein wird —, heraufgehoben werden können und selber Erkenntniskräfte liefern. Von intelligentem Gefühl und von empfindenden Gedanken, von Gedanken, die berühren das geistige Sein, spricht Troxler 1835. Das ist ein verklungener Ton, der nach Geisteswissenschaft strebt aus urdeutschem Wesen heraus innerhalb der deutschen Gedankenentwicklung.

[ 51 ] And Troxler speaks—not in a generally vague way, but in a truly scientific manner—about how feelings can become intelligent, can be elevated—we will have to discuss this again tomorrow, not in relation to Troxler, but in relation to the topic to be discussed tomorrow—can be elevated and can themselves provide powers of cognition. In 1835, Troxler speaks of intelligent feeling and of sentient thoughts—thoughts that touch the spiritual being. This is a fading voice that strives toward spiritual science from a primal German essence within the development of German thought.

[ 52 ] Aber noch tiefer geht Troxler auf die menschliche Seele ein, indem er Folgendes sagt: Nun, gewiss, hier in der physischen Welt, da steht die Seele, indem sie sich in einem Leibe verkörpert, indem sie durch den Leib wirkt. [Und] das Schönste, das Größte, was diese Seele hier im physischen Leib verkörpern kann, zum Ausdruck bringen kann an dieser Verkörperung, das ist der Glauben, das ist die Liebe — Krone und Blüte des physischen Menschendaseins — und das ist die Hoffnung. Aber wenn eben diese drei ewigen Kräfte — Glaube, Liebe, Hoffnung — wie sie sich dadurch äußern, dass der Mensch durch seine Seele aus dem Leibe heraus wirkt, so stehen in den ewigen Kräften der Menschenseele, die durch den Tod hindurchgehen und in die geistige Welt eintreten höhere Kräfte, Kräfte, die erlebt werden. Weil sie eigen sind der Seele, die hinter allem Leiblichen als rein Geistiges ist, steht hinter der Glaubenskraft — die als Glaubenskraft ein Höchstes ist, aber im Leibe — steht für Troxler dasjenige, was er nennt «geistiges Hören».

[ 52 ] But Troxler delves even deeper into the human soul when he says the following: Well, certainly, here in the physical world, the soul exists by incarnating itself in a body and by acting through the body. [And] the most beautiful, the greatest thing that this soul can embody here in the physical body—that which it can express through this embodiment—is faith, is love—the crown and blossom of physical human existence—and that is hope. But while these three eternal forces—faith, love, hope—manifest themselves in the way that a human being acts through his soul from within the body, there are higher forces within the eternal powers of the human soul that pass through death and enter the spiritual world—forces that are experienced. Because they are inherent to the soul—which, as something purely spiritual, lies behind all physicality—behind the power of faith—which, as the power of faith, is supreme but resides within the body—lies, for Troxler, what he calls “spiritual hearing.”

[ 53 ] Welch wunderbare, großartige Gedankenansicht der geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse gerade, von deren Einzelheiten wir wiederum morgen sprechen werden. Das, was der Mensch hier im Leibe gewissen Erscheinungen gegenüber tut, das ist: Er entwickelt seine Glaubenskraft. Aber diese Glaubenskraft ist die äußere Hülle für das, was die Seele leibfrei hat, womit sie durch die Pforte des Todes in die geistige Welt eintreten kann: geistiges Hören, geistiges Gehör. Und dieses geistige Gehör im Leibe, es drückt sich in der Glaubenskraft aus.

[ 53 ] What a wonderful, magnificent perspective on the insights of spiritual science—the details of which we will discuss again tomorrow. What a person does here in the physical body in response to certain phenomena is this: he develops his power of faith. But this power of faith is the outer shell for what the soul possesses when free from the body—that which enables it to enter the spiritual world through the gate of death: spiritual hearing, spiritual hearing. And this spiritual hearing within the body is expressed through the power of faith.

[ 54 ] Und die Liebe, diese Krone und Blüte des Lebens, der Seele im Leibe — was ist das für die Seele, insofern sie, diese Seele, die ewigen Kräfte in sich trägt? Die Liebe ist die äußere Hülle für das geistige Tasten. Troxler spricht davon: So, wie man die Hand ausstreckt und die physischen Dinge betastet, so kann man die Fühler, aber die geistigen Fühler der Seele ausstrecken und befühlt die geistigen Dinge. Und das, was sich als Liebe hier im Leibe ausprägt, das ist das äußere Material für die geistige Fühlens-Kraft.

[ 54 ] And love—this crown and blossom of life, of the soul within the body—what is it for the soul, insofar as this soul carries the eternal powers within itself? Love is the outer shell for spiritual perception. Troxler speaks of this: Just as one reaches out with one’s hand and touches physical things, so one can extend the soul’s spiritual antennae and perceive spiritual things. And what manifests as love here in the body is the outer substance for the spiritual power of perception.

[ 55 ] Und die Hoffnung, sie ist die äußere Hülle für das geistige Schauen, das geistige Sehen.

[ 55 ] And hope is the outer shell of spiritual perception, of spiritual vision.

[ 56 ] Wir sehen, so recht auf dem Wege ist diese deutsche Gedankenentwicklung, so recht auf dem Wege, der immer gerade in diesen Vorträgen hier gesucht worden ist als der geisteswissenschaftliche Weg, von dem wir morgen gerade wieder sprechen werden. So fühlt sich Troxler in dem, was ich hier nennen muss einen verklungenen Ton innerhalb des deutschen Geisteslebens, so fühlt er sich drinnen, dass er davon spricht, wie man suchen könne geistige Wirklichkeit am Menschen und außerhalb des Menschen, so wie die Sinne und der an die Sinne gebundene Verstand physische Wirklichkeit suchen.

[ 56 ] We see that this German line of thought is truly on the right path—the very path that has consistently been sought in these lectures here as the path of the spiritual sciences, which we will discuss again tomorrow. Thus Troxler feels at home in what I must call a faded tone within German intellectual life; he feels so at home there that he speaks of how one might seek spiritual reality within and outside of human beings, just as the senses and the intellect bound to the senses seek physical reality.

[ 57 ] Eine Stelle von Troxler, die charakteristisch ist, in dieser Beziehung charakteristisch ist, möchte ich vorlesen. Da sagt er:

[ 57 ] I would like to read a passage by Troxler that is characteristic in this regard. He says:

«Schon früher haben die Philosophen einen feinen, hehren Seelleib unterschieden von dem gröberen Körper ... eine Seele, die ein Bild des Leibes an sich habe, das sie Schema nannten, und das ihnen der innere höhere Mensch war ... In der neuesten Zeit selbst Kant in den Träumen eines Geistersehers träumt ernsthaft im Scherze einen ganzen inwendigen seelischen Menschen, der alle Gliedmaßen des auswendigen an seinem Geistesleib trage; Lavater dichtet und denkt ebenso; und selbst wenn Jean Paul humoristisch über das Bonner’sche Unterziehröckchen und das Platner’sche Seelenschnürleibchen scherzt, die im gröberen Körperüberrock und Marterkittel stecken sollen, so hören wir ihn doch auch wieder fragen, «wozu und woher wurden diese außerordentlichen Anlagen und Wünsche in uns gelegt, die bloß wie verschluckte Diamanten unsere erdige Hülle langsam verschneiden? ... In den steinernen Gliedern»

“Even in the past, philosophers distinguished a refined, noble spiritual body from the coarser physical body … a soul that possessed an image of the body, which they called a ‘schema,’ and which represented to them the inner, higher human being … In more recent times, even Kant, in the dreams of a clairvoyant, seriously yet jokingly envisions an entire inner, spiritual human being who bears all the limbs of the outer body on his spiritual body; Lavater writes and thinks in the same vein; and even when Jean Paul humorously jokes about Bonn’s “little underskirt” and Platner’s “soul corset,” which are supposed to be tucked into the coarser outer body’s overcoat and torture smock, we still hear him ask once more, “Why and from where were these extraordinary inclinations and desires placed within us, which, like swallowed diamonds, slowly cut through our earthly shell? ... In the stony limbs”

[ 58 ] des Menschen

[ 58 ] of human beings

«wachsen und reifen seine lebendigen nach einer uns unbekannten Lebensweise» Wir könnten»

“His living creatures grow and mature according to a way of life unknown to us.” We could”

[ 59 ] sagt Troxler weiter

[ 59 ] Troxler goes on to say

noch eine Unzahl ähnlicher Denk- und Dichtweisen anfühzen, welche am Ende nur verschiedene Anschauungen und Vorstellungen sind, in welchen ... die wahre, einzige Lehre von der Individualität und Unsterblichkeit des Menschen enthalten»

to cite yet another myriad of similar ways of thinking and writing, which are ultimately nothing more than different perspectives and conceptions, in which ... the true, sole doctrine of human individuality and immortality is contained»

[ 60 ] ist. Und nun steht vor Troxlers Seele — wie gesagt, das, was ich hier mitteile, ist enthalten in anderen Schriften Troxlers, so namentlich in seinen 1835 erschienenen «Vorlesungen», in denen er ein Weltbild in seiner Art geben will —, so tritt vor Troxlers Seele der Gedanke an eine Wissenschaft über den Menschen, im Gegensatz zu der bloßen Anthropologie. Anthropologie ist die Wissenschaft, die entsteht, indem der Mensch den Menschen mit den Sinnen betrachtet, dasjenige, was er kombiniert mit dem Verstande. Anthropologie: Betrachtung des äußeren Menschen durch den äußeren Menschen. Vor Troxler entsteht das Bild einer Wissenschaft, wo der innere Mensch, der Mensch mit dem geweckten Vermögen des übersinnlichen Geistes und des übergeistigen Sinnes, wo der unsichtbare, übersinnliche Mensch auch den unsichtbaren, übersinnlichen Menschen betrachtet. Und wie spricht Troxler von dieser Wissenschaft, die ein höheres Geistiges im Gegensatz zu der auf das Sinnliche gewandten Anthropologie sein soll? Auch das lassen Sie mich Ihnen wörtlich aus Troxlers Buch vorlesen. Da sagt en

[ 60 ] is. And now, before Troxler’s mind—as I have said, what I am sharing here is contained in other writings by Troxler, notably in his “Lectures” published in 1835, in which he seeks to present a worldview in his own way—the idea of a science of humanity, as opposed to mere anthropology, arises. Anthropology is the science that arises when human beings observe other human beings with their senses—that which they then synthesize with their intellect. Anthropology: the observation of the outer human being by the outer human being. Before Troxler’s mind arises the image of a science in which the inner human being—the human being with the awakened faculties of the supersensible spirit and the super-spiritual sense—the invisible, supersensible human being—also observes the invisible, supersensible human being. And how does Troxler speak of this science, which is supposed to represent a higher spiritual realm in contrast to anthropology, which is oriented toward the sensory? Let me also read that to you verbatim from Troxler’s book. There he says

«Wenn es nun höchst erfreulich ist, dass die neueste Philosophie, welche ... in jeder Anthroposophie ... sich offenbaren muss, emporwindet, so ist doch nicht zu übersehen, dass diese Idee nicht eine Frucht der Spekulation sein kann, und die wahrhafte Individualität des Menschen weder mit dem, was sie als subjektiven Geist oder endliches Ich aufstellt, noch mit dem, was sie als absoluten Geist oder absolute Persönlichkeit diesem gegenüberstellt, verwechselt wer den darf.»

“While it is indeed most gratifying that the newest philosophy, which … must reveal itself in every anthroposophy … is gaining momentum, it cannot be overlooked that this idea cannot be the fruit of speculation, and that one must not confuse the true individuality of the human being with either what it posits as subjective spirit or finite ego, nor with what it contrasts this with as absolute spirit or absolute personality.”

[ 61 ] Eine Anthroposophie steht vor Troxlers Seele, in der der Geistmensch den Geistmenschen betrachtet, wie in der Anthropologie der Sinnesmensch den Sinnesmenschen. Wenn heute von der Anthroposophie gesprochen wird, so redet man von der Fortsetzung desjenigen, was in den Keimen liegt in dem verklungenen Ton des deutschen Geisteslebens, von dem ich ja spreche.

[ 61 ] Anthroposophy stands before Troxler’s soul, in which the spiritual human being contemplates the spiritual human being, just as in anthropology the sensory human being contemplates the sensory human being. When people speak of anthroposophy today, they are speaking of the continuation of what lies in the seeds of the faded tone of German spiritual life, of which I am speaking.

[ 62 ] Und ist es nicht wunderbar, sehr verehrte Anwesende, geradezu wunderbar, wenn wir sehen — und nicht etwa bloß da, wo man gewissermaßen berufsmäßig, allerdings im höheren Sinne berufsmäßig, nach einer Weltanschauung strebt — bei Hermann Immanuel Fichte, bei Ignaz Paul Vital Troxler —, dass nicht bloß da solche Dinge hervortreten, sondern dass das auftreten kann innerhalb des deutschen Geisteslebens aus den einfachsten Verhältnissen heraus!

[ 62 ] And isn’t it wonderful, distinguished audience, truly wonderful, when we see—and not merely where one, in a sense, professionally, though in a higher sense—one strives for a worldview—as in the case of Hermann Immanuel Fichte or Ignaz Paul Vital Troxler—that such things emerge not only there, but that they can arise within German intellectual life from the simplest of circumstances!

[ 63 ] Ist es nicht wunderbar, wenn wir sehen ein 1856 erscheinendes Buch, ein kleines Büchelchen, das herrührt von einem einfachen Pfarrer — Rudolf Rocholl, der Pfarrer war in Sachsenberg, im Fürstentum Waldeck —, der da versucht eben als einfacher Pfarrer, aus dem deutschen Geistesleben heraus sich zu einer geistgemäßen Weltanschauung zu entwickeln? Und wer dieses kleine Büchelchen — es heißt «Beiträge zu einer Geschichte deutscher Theosophie» — schon 1856, von diesem einfachen Pfarrer — liest, der bekommt den Eindruck: Hier spricht ein Mensch! Man kann vieles vom heutigen Standpunkte aus gewissermaßen phantastisch gemacht finden; darauf kommt es aber nicht an, sondern auf den Eindruck des Strebens, den man bekommt, auf den Eindruck: Da haben wir es zu tun mit einem Menschen, der nun nicht bloß in philosophisch abstrakten Sätzen zu sprechen vermag, sondern von einer konkreten geistigen Welt, durch die man hineinblicken kann. Und in wunderbarer Weise verweist dieser einfache Pfarrer 1856 in seinem Büchelchen «Beiträge zu einer Geschichte deutscher Theosophie» auf eine lebensvolle, geistgemäße Weltanschauung!

[ 63 ] Isn’t it wonderful when we come across a book published in 1856—a little booklet written by a simple pastor, Rudolf Rocholl, who served in Sachsenberg in the Principality of Waldeck—who, as a simple pastor, sought to develop a spiritual worldview rooted in German intellectual life? And anyone who reads this little book—titled *Contributions to a History of German Theosophy*—written as early as 1856 by this humble pastor, gets the impression: Here speaks a human being! From today’s perspective, much of it may seem somewhat fanciful; but that is not what matters. What matters is the impression of striving that one gains, the impression that: Here we are dealing with a person who is not merely capable of speaking in abstract philosophical terms, but who speaks of a concrete spiritual world into which one can look. And in a wonderful way, this simple pastor, in his 1856 booklet *Contributions to a History of German Theosophy*, points to a vibrant, spiritually grounded worldview!

[ 64 ] Das sind nur so einzelne Punkte aus dem deutschen Geistesleben. Man könnte überall angreifen, und zu Hunderten und Hunderten könnten solche Beispiele angeführt werden, die einem verklungenen Ton des deutschen Geisteslebens angehören.

[ 64 ] These are just a few isolated examples from German intellectual life. One could find examples everywhere, and hundreds upon hundreds of such examples could be cited that belong to a bygone era of German intellectual life.

[ 65 ] Gleich aber will ich Ihnen sprechen von einem andern Geist, von einem Geist — ich möchte sagen —, in dessen örtlicher Aura wir ja eigentlich leben hier. Obwohl er so bedeutend ist für das deutsche Geistesleben, dass ich — ich erwähne das ausdrücklich, sonst könnte jemand glauben, ich wollte gerade den Württembergern schmeicheln —, dass ich diesen Geist in der letzteren Zeit hervorgehoben habe in Hamburg, Bremen, Leipzig, überall, wo darüber zu reden war über dieses Thema: «Ein vergessenes Streben nach Geisteswissenschaft innerhalb der deutschen Gedankenentwicklung.» Derjenige, den ich meine, das ist Karl Christian Planck, der 1819 hier in Stuttgart geboren ist, ein — ich möchte sagen — echter Sohn des deutschen Volksgeistes und ein sich bewusster Sohn des deutschen Volksgeistes, Christian Karl Planck, ein Sohn des deutschen Volksgeistes, der nur wollte das, was er schuf, als eine geistgemäße Weltanschauung aus dem ursprünglichsten Wesen dieses deutschen Volksgeistes heraus schaffen! Es ist ein wunderbarer Geist, dieser Christian Karl Planck. Er strebte an gegenüber dem, was ihm viel zu idealistisch und dadurch egoistisch erschien — denn auch der Idealismus kann ganz egoistisch sein —, er strebte an gegenüber dem Idealismus der Deutschen, den er für einen einseitigen bloß hielt, einen Realismus, aber einen geistgemäßen Realismus, einen Realismus, der gerade die Kraft der Gedankenentwicklung in geistgemäßer Weise [hervorbringen sollte], um in die Wirklichkeit einzudringen; aber nicht bloß in die äußere, materielle-stoffliche Wirklichkeit, sondern in die ganze, volle Wirklichkeit, zu der Stoff und Geist gehören.

[ 65 ] But now I would like to speak to you about another spirit, a spirit—I might say—in whose local aura we actually live here. Although he is so significant for German intellectual life—and I mention this explicitly, lest anyone think I am merely trying to flatter the people of Württemberg—I have recently highlighted this spirit in Hamburg, Bremen, Leipzig, and everywhere else where the topic came up: “A Forgotten Endeavor Toward Spiritual Science Within the Development of German Thought.” The person I am referring to is Karl Christian Planck, who was born here in Stuttgart in 1819, a—I would say—true son of the German national spirit and a self-aware son of the German national spirit, Christian Karl Planck, a son of the German national spirit who sought only to create, out of the most primordial essence of this German national spirit, a worldview in keeping with the spirit! Christian Karl Planck is a marvelous spirit. In contrast to what seemed to him far too idealistic—and therefore selfish—for even idealism can be entirely selfish— he strove, in contrast to the idealism of the Germans, which he considered merely one-sided, for a realism—but a spiritual realism, a realism that was precisely intended to bring forth the power of thought development in a spiritual way in order to penetrate reality; but not merely into external, material reality, but into the whole, full reality to which matter and spirit belong.

[ 66 ] Da ist recht charakteristisch — man kann nur Einzelnes, gewissermaßen Symptomatisches aus seinem Weltenbilde hervorheben. Wie sicht dieser Christian Karl Planck von seinem Gesichtspunkte aus die Erde an? sehr verehrte Anwesende, man bekommt nur eine Vorstellung von der Größe des Gedankens, den Christian Karl Planck gefasst hat, wenn man sieht, wie die Geologen — die gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Geologen — die Erde ansehen. Da ist diese Erde so zusammengebacken, nicht wahr, aus bloßem mineralischem Wesen. So die Erde zu betrachten, das erschien Christian Karl Planck so, wie wenn man den Baum betrachten wollte nur in Bezug auf den Stamm und seine Rinde, und nicht gelten lassen wollte, dass zu dem Ganzen des Baumes gehören Blüte und Frucht; und dass man den Baum nur einseitig und halb betrachtet, wenn man nicht dasjenige, was zu seinem innersten Wesen gehört, mitbetrachtet. So erscheint Planck die Erde nicht nur als ein lebendiges, sondern als ein geistig-seelisches Wesen, das nicht bloß stofflich ist, sondern das den Erdenmenschen aus sich hervortreibt wie der Baum die Blüten, die Früchte aus seinem eigenen Wesen hervortreibt. Zur Ganzheit einer irdischen Auffassung strebt Karl Christian Planck. Und er strebt das auf allen Gebieten an, und nicht nur so, dass dies — wie gesagt — eine Theorie ist, sondern er will damit eine Begründung, die sich des Seelischen ebenso bewusst ist, dass man erfassen kann dasjenige, was die Welt an Kraft durchdringt und durchlebt, das aber auch einwirken kann auf die äußeren menschlichen Verhältnisse, auf das menschliche Zusammenleben.

[ 66 ] This is quite characteristic—one can only highlight individual, so to speak, symptomatic aspects of his worldview. How does Christian Karl Planck view the Earth from his perspective? Distinguished audience, one can only begin to grasp the magnitude of the idea conceived by Christian Karl Planck when one sees how geologists—ordinary, natural-science geologists—view the Earth. To them, the Earth is simply a mass of mineral matter, isn’t it? To view the Earth in this way seemed to Christian Karl Planck like trying to view a tree solely in terms of its trunk and bark, and refusing to acknowledge that blossoms and fruit are part of the whole tree; and that one views the tree only one-sidedly and incompletely if one does not also consider that which belongs to its innermost essence. Thus, to Planck, the Earth appears not only as a living being but as a spiritual-soul being—one that is not merely material but that brings forth human beings from within itself, just as the tree brings forth blossoms and fruits from its own being. Karl Christian Planck strives for a holistic understanding of the Earth. And he strives for this in all fields—not merely as a theory, as mentioned, but as a foundation that is equally conscious of the spiritual, enabling us to grasp the force that permeates and animates the world, a force that can also influence external human conditions and human coexistence.

[ 67 ] Dieser Christian Karl Planck — gewiss, allerlei von der Sorte, die ich eben vorhin Stumpflinge genannt habe, die können ja kommen und sagen: Ja, wenn man die späteren Schriften, namentlich das hinterlassene Werk nach dem Tode Christian Karl Plancks, das hinterlassene Werk «Testament eines Deutschen» betrachtet, so sieht man ein gesteigertes Selbstbewusstsein; und dann werden sie davon sprechen — womit ja diese Stumpflinge sogleich bei der Hand sind —, dass er so halb verrückt war, nicht wahr! Nun aber, es war ein trauriges Leben! Planck war sich bewusst, dass das deutsche Wesen nicht nur eingekreist wird — wir werden davon gleich sprechen — in politischer Beziehung, sondern dass es eingekreist ist durchaus von ausländischem Wesen, dass es vor allen Dingen davor gerettet werden müsse. Da trifft man ja auf Schritt und Tritt dasjenige, was außerordentlich wesentlich ist, auf diesem Gebiet zu betrachten.

[ 67 ] This Christian Karl Planck—certainly, all sorts of the kind I just referred to as “stump-brains”; they might well come along and say: “Yes, if one considers his later writings—namely, the posthumous work left behind after Christian Karl Planck’s death, the posthumous work *Testament of a German*—one sees a heightened sense of self-confidence”; and then they’ll go on to say—which, of course, these dimwits are quick to do—that he was half-crazy, wasn’t he! But still, it was a sad life! Planck was aware that the German essence is not only being encircled—we’ll speak of this in a moment—in a political sense, but that it is thoroughly encircled by a foreign essence, and that, above all, it must be saved from this. There, at every turn, one encounters precisely what is extraordinarily essential to consider in this realm.

[ 68 ] So, sehr verehrte Anwesende, muss es doch immer wieder und wieder gesagt werden: Goethe hat aus der Tiefe des deutschen Wesens heraus seine Farbenlehre geschaffen; und er wurde aus der Tiefe des deutschen Wesens heraus in dieser «Farbenlehre» der Gegner einer Farbenlchre, die die Welt eingekreist hat auf englische Art: der Newton’schen Farbenlehre!

[ 68 ] So, ladies and gentlemen, it must be said again and again: Goethe created his theory of colors from the depths of the German spirit; and, from the depths of the German spirit, he became, in this “theory of colors,” an opponent of a theory of colors that has encircled the world in the English manner: Newton’s theory of colors!

[ 69 ] Alle Physiker werden einem heute selbstverständlich das sagen, was mir vor Jahren gesagt wurde: Gegen solches Dilettantische in Bezug auf «Goethes Farbenlehre» kann der Physiker nichts anderes einwenden, als dass er sich dabei gar nichts denken kann! Gewiss; aber es wird die Zeit kommen, wo man verstehen wird in anderer Weise als heute dieses Kapitel «Goethe im Recht gegen Newton». Auch auf dem Gebiet der Farbenlehre kann jene Selbstbesinnung des deutschen Wesens kommen, die so notwendig ist, für die die gegenwärtige Zeit auch ein außerordentliches Zeichen sein mag, wo man nicht mehr Geister wie Karl Christian Planck, der bewusst aus dem deutschen Volkstum heraus schaffen wollte, vergessen wird.

[ 69 ] Any physicist today would, of course, tell you what was told to me years ago: In the face of such amateurishness regarding “Goethe’s Theory of Colors,” a physicist can raise no other objection than that he simply cannot make any sense of it at all! Certainly; but the time will come when people will understand this chapter, “Goethe Is Right Against Newton,” in a different way than they do today. Even in the field of color theory, that self-reflection of the German spirit—which is so necessary and for which the present era may also be an extraordinary sign—may emerge, so that minds like Karl Christian Planck, who consciously sought to create works rooted in German folklore, will no longer be forgotten.

[ 70 ] Nur der V-Vischer, der edle V-Vischer hat sich seiner angenommen; genützt hat es ebensowenig als das, dass ich schon im Jahre 1901 in der ersten Auflage meiner «Welt- und Lebensanschauungen» Karl Christian Planck charakterisiert habe. Mit diesen Dingen kommt man heute noch nicht an. Aber wenn das deutsche Wesen — und das wird geschehen — sich seiner ganzen welthistorischen Stellung bewusst wird, dann wird man solche Dinge einsehen, und wie Karl Christian Planck sich bewusst war, aus der Tiefe des deutschen Wesens heraus zu schaffen. Sehr verehrte Anwesende, die folgenden Worte, die er 1864 in Ulm in den «Grundlinien zu einer Wissenschaft der Natur», die er geschrieben hat, verzeichnet hat, diese folgenden Worte zeigen das:

[ 70 ] Only V-Vischer—the noble V-Vischer—took him under his wing; it did just as little good as the fact that I had already characterized Karl Christian Planck in the first edition of my *Welt- und Lebensanschauungen* back in 1901. Such things still don’t get you very far today. But when the German spirit—and this will happen—becomes aware of its entire position in world history, then people will come to understand such things, and how Karl Christian Planck was able to create from the depths of the German spirit. Ladies and gentlemen, the following words, which he recorded in 1864 in Ulm in his *Grundlinien zu einer Wissenschaft der Natur* (*Outlines of a Science of Nature*), demonstrate this:

«Welche Macht tiefgewurzelter Vorurteile von der bisherigen Anschauung aus seiner»

“The power of deep-rooted prejudices, as seen from the perspective of previous thinking”

[ 71 ] des Verfassers

[ 71 ] by the author

«Schrift entgegensteht, dessen ist er sich vollkommen bewusst; allein wie schon die Arbeit selbst, trotz aller Ungunst der Umstände, die zufolge der ganzen Lage und Berufsstellung des Verfassers einem Werke dieser Art sich entgegenstellte, doch ihre Durchführung und ihren Weg in die Öffentlichkeit sich erkämpft hat, so ist er auch gewiss, dass das, was sich jetzt erst seine Anerkennung erkämpfen muss, einst als die einfachste und selbstverständlichste Wahrheit erscheinen wird, und dass darin nicht bloß seine Sache, sondern die wahrhaft deutsche Anschauung der Dinge über alle noch unwürdig äußerliche und undeutsche Auffassung der Natur und des Geistes siegen wird.

Was in unbewusster tiefsinniger Ahnung schon unsere mittelalterliche Dichtung vorgebildet hat, das wird endlich in der Reife der Zeiten an unserer Nation sich erfüllen. Die unpraktische, mit Schaden und Spott heimgesuchte Innerlichkeit deutschen Geistes (wie Wolfram sie in seinem Parsifal schildert)»

“He is fully aware that the text is controversial; yet just as the work itself—despite all the adverse circumstances that, given the author’s overall situation and professional standing, stood in the way of a work of this kind— it nevertheless fought its way to completion and into the public eye, so he is also certain that what must now first fight for its recognition will one day appear as the simplest and most self-evident truth, and that in this, not merely his cause, but the truly German view of things will triumph over all still unworthy, external, and un-German conceptions of nature and the spirit.

What our medieval poetry had already foreshadowed in an unconscious, profound intuition will finally be fulfilled in our nation as the times mature. The impractical, inward-looking nature of the German spirit—plagued by harm and ridicule (as Wolfram depicts it in his *Parsifal*)»

[ 72 ] — 1864, vor Wagners Parsifal geschrieben! —

[ 72 ] — Written in 1864, before Wagner’s *Parsifal*! —

«erringt endlich in der Kraft ihres unablässigen Strebens das Höchste; sie schaut den letzten einfachen Gesetzen der Dinge und des menschlichen Daseins selbst auf den Grund; und was die Dichtung phantastisch mittelalterlich in den Wundern des Grals versinnbildlicht hat, dessen Herrschaft ihr Held erringt, das erhält umgekehrt seine rein natürliche Erfüllung und Wirklichkeit in der bleibenden Erkenntnis der Natur und des Geistes selbst.»

“finally attains the highest through the power of her unceasing striving; it delves to the very depths of the ultimate, simple laws of things and of human existence itself; and what poetry symbolized in a fantastical, medieval manner through the wonders of the Grail—whose dominion its hero attains—finds, conversely, its purely natural fulfillment and reality in the enduring understanding of nature and the spirit itself.”

[ 73 ] So spricht Karl Christian Planck, der dann dasjenige, was er zu sagen hatte, zusammenfasste. 1881 starb er; er schrieb in dem letzten Jahre sein Buch «Testament eines Deutschen», das dann Karl Köstlin, sein Landsmann, herausgegeben hat in erster Auflage, und das 1912 in neuer Auflage erschienen ist.

[ 73 ] So says Karl Christian Planck, who then summarized what he had to say. He died in 1881; in his final year, he wrote his book *Testament eines Deutschen* (*The Testament of a German*), which was subsequently published in its first edition by his fellow countryman Karl Köstlin and reappeared in a new edition in 1912.

[ 74 ] Wie gesagt, trotzdem auf Karl Christian Planck hingewiesen worden ist, hat man sich nicht viel beschäftigt mit ihm, auch nicht, als das «Testament eines Deutschen» 1912 in zweiter Auflage erschienen war. Man hatte anderes zu tun. Diejenigen, die sich dazumal viel mit Weltanschauungsfragen beschäftigten, waren zum Beispiel mit andern Büchern aus demselben Verlage beschäftigt, in dem Karl Christian Plancks «Testament eines Deutschen» erschien; man war ja dazumal beschäftigt mit dem großen Geiste des Henri — ja, er heißt heute noch immer Bergson —, mit Henri Bergson, desjenigen Geistes, der in einer so unverständigen und törichten Weise jetzt überall das deutsche Wesen, die deutsche Erkenntnis, nicht nur schmäht, sondern wirklich verleumdet. Bisher hat er es in Paris getan, und seinen Franzosen allerlei Unsinn über das deutsche Geistesleben erzählt, damit diese Franzosen und andere mit ihnen Verbündete sehen konnten, was Schreckliches eigentlich in diesem Mitteleuropa lebt, was für Wölfe- und Tigergeister da leben. Nächstens soll er es auch in Schweden tun, dieser selbe Bergson.

[ 74 ] As mentioned, although Karl Christian Planck had been brought to people’s attention, he was not given much attention—not even when the second edition of *The Testament of a German* was published in 1912. People had other things to do. Those who were deeply engaged with questions of worldview at the time were, for example, preoccupied with other books from the same publisher that had released Karl Christian Planck’s *Testament of a German*; for at that time people were preoccupied with the great mind of Henri—yes, he is still called Bergson today—with Henri Bergson, that very mind which, in such an incomprehensible and foolish manner, now not only reviles but actually slanders the German essence and German understanding everywhere. So far, he has done so in Paris, telling his French audience all sorts of nonsense about German intellectual life, so that these French people and their allies could see what terrible things actually dwell in this Central Europe, what wolf- and tiger-like spirits live there. Next, he is supposed to do the same in Sweden, this very same Bergson.

[ 75 ] Man war, wenn ich diesen trivialen Ausdruck gebrauchen darf, auf ihn hereingefallen. Wenn man auf dasjenige, was wenigstens sich zeigen kann bei Bergson — ich habe darauf aufmerksam gemacht in meinen «Rätseln der Philosophie», und die betreffende Stelle ist vor dem Kriege geschrieben, das können Sie aus der Vorrede selber sehen —, wenn man auf dasjenige, was sich einigermaßen zeigen kann bei der Bergson’schen Weltanschauung, hinblickt, so ist es das, dass sich bei Bergson herausstellt, dass man nicht darf in der Weltenbetrachtung ausgehen von den verschiedenen Wesen, sondern dass man den Menschen voranstellen muss, dass der Mensch sozusagen das Erstlingswerk wäre, und dass der Mensch, wenn er sich entwickelt, dann die anderen Reiche, das tierische, das pflanzliche, das Mineralische abstößt.

[ 75 ] People had, if I may use this trivial expression, fallen for him. If one looks at what can at least be discerned in Bergson—I drew attention to this in my *Riddles of Philosophy*, and the relevant passage was written before the war, as you can see for yourself in the preface—if one looks at what can be discerned to some extent in Bergson’s worldview, it becomes clear that, according to Bergson, one must not begin one’s view of the world with the various forms of being, but must place humanity at the forefront—that humanity is, so to speak, the first creation—and that as humanity develops, it pushes aside the other kingdoms: the animal, the plant, and the mineral.

[ 76 ] Ich kann heute nicht eingehen auf das Berechtigte dieser Weltanschauung, obwohl es der zeitgenössischen Weltanschauung so unrichtig wie möglich erscheinen mag, so ist es doch allerdings etwas die Wirklichkeit Treffendes, was in dieser Weltanschauung liegt. Aber auch auf das habe ich hingewiesen in meinen «Rätsel der Philosophie», da können Sie es nachlesen — wie gesagt, nicht durch den Krieg herausgefordert, sondern vor dem Kriege längst —, dass dieser Gedanke, bevor er in Bergsons Hirn Wurzel gefasst hat, in einer tieferen eindringlicheren und umfassenderen Weise, weil heraus aus der Tiefe deutschen Geisteslebens, in dem deutschen Philosophen — der wiederum in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» angeführt ist, aufgesprießt ist, in dem deutschen Philosophen Wilhelm Heinrich Preuss. Da ist der Gedanke entgegengetreten viel früher, als ihn Bergson vertreten hat — 1882 schon und früher —, von Wilhelm Heinrich Preuss in eindringlicher Weise ausgesprochen in seinem Buche über «Geist und Stoff»!

[ 76 ] I cannot go into the validity of this worldview today; although it may seem as incorrect as possible to the contemporary worldview, there is certainly something in this worldview that captures reality. But I also pointed this out in my *Riddles of Philosophy*—you can read about it there—as I said, not prompted by the war, but long before the war—that this idea, before it took root in Bergson’s mind, had already sprouted in a deeper, more penetrating, and more comprehensive way—because it sprang from the depths of German intellectual life—in the German philosopher — who, in turn, is cited in my book *The Riddles of Philosophy*—in the German philosopher Wilhelm Heinrich Preuss. There, the idea emerged much earlier than Bergson espoused it—as early as 1882 and even earlier—and was expressed forcefully by Wilhelm Heinrich Preuss in his book on *Spirit and Matter*!

[ 77 ] Man kann nicht wissen, ob Bergson es nicht gewusst hat von Preuss — was bei einem Philosophen ebenso sträflich ist, als wenn er etwas gewusst hat und den Preuss nicht angeführt hat. Nach dem, was sich jetzt gezeigt hat, kann man auch das letztere von Bergson schon annehmen und glauben. Denn wenn man den Sachen nachgeht, kann man zeigen, dass bei Bergson ganze Seiten in seinen Büchern Schopenhauer und Schelling nachgeschrieben sind, zum Teil ganz. wörtlich! Es ist allerdings ein sonderbarer Vorgang: Man schreibt dem deutschen Geistesleben nach, und dann stellt man sich hin und erklärt den Leuten, wie dieses deutsche Geistesleben heruntergekommen ist, seit dieser großen Zeit, wie dieses deutsche Geistesleben mechanistisch geführt wird — ich habe dies im vorigen Jahre schon einmal gesagt. Bergson meint, wenn man nach Deutschland hinüberschaut, so kommt es einem so vor, als ob nur Mechanisches einem entgegentrete. Bergson dachte wohl — wie schon früher gesagt —, wenn die Franzosen mit Kanonen und Flinten schießen, werden die Deutschen auftreten und Goethe oder Novalis rezitieren! Ungefähr so logisch ist dasjenige, was Bergson heute zu sagen hat!

[ 77 ] It is impossible to know whether Bergson was unaware of Preuss—which, for a philosopher, is just as reprehensible as if he had known about Preuss but failed to cite him. Based on what has now come to light, one can already assume and believe the latter to be true of Bergson. For if one investigates the matter, one can show that entire pages in Bergson’s books are copied from Schopenhauer and Schelling—in some cases, almost word for word! It is, however, a strange phenomenon: one copies from German intellectual life, and then one stands up and explains to people how this German intellectual life has declined since that great era, how this German intellectual life is guided by mechanistic principles—I already said this once last year. Bergson believes that when one looks over to Germany, it seems as if only the mechanical confronts one. Bergson probably thought—as I’ve said before—that when the French fire their cannons and rifles, the Germans will step forward and recite Goethe or Novalis! That’s about how logical what Bergson has to say today is!

[ 78 ] Wie gesagt, nur in einzelnen Proben kann ich herausheben dasjenige, was wirklich wie ein verklungener Ton des deutschen Geisteslebens vorhanden ist, was aber zugleich dennoch da ist innerhalb dieses deutschen Geisteslebens. Es wird nur auf die Zeitdauer ankommen, sehr verehrte Anwesende, um dies einzuschen, was gerade zum Beispiel schöpferische Geister wie Troxler oder wie ein Karl Christian Planck — Stumpflinge können sagen von ihm: Er ist halt etwas verdreht geworden am Ende seines Lebens — am Ende ihres Lebens schreiben mussten, weil sie aus deutschem Bewusstsein heraus der Welt, die heute auch geistig eingekreist ist, die Worte entgegensetzen müssen, wie sie Planck in der Vorrede seines «Testament eines Deutschen» schreibt. Er sagt da:

[ 78 ] As I said, it is only in individual examples that I can highlight that which truly exists as a fading note of German intellectual life, yet which is nonetheless present within that very intellectual life. It will simply be a matter of time, ladies and gentlemen, before we come to appreciate what, for example, creative minds like Troxler or Karl Christian Planck—though narrow-minded people might say of him: “He just got a little twisted toward the end of his life”—they had to write “toward the end of their lives” because, out of German consciousness, they had to oppose the world—which is also intellectually encircled today—with words, as Planck writes in the preface to his *Testament of a German*. He says there:

«... oft wollte da dem Einsamen im bittern Ringen eines ganzen Lebens das Wort des alten Römers sich auf die Lippen drängen: «Undankbares Vaterland, nicht einmal meine Gebeine sollst du haben!» Denn alle die besten und kräftigsten Jahrzehnte seines Lebens hindurch, bis in sein Alter herein, hat es ihm ja nicht einmal den Beruf gegönnt, dessen unauslöschliches Siegel trotz aller Hindernisse sein ganzes Leben und Wirken trug, und die eigene engere Heimat hat noch vor Kurzem erst das beginnende fünfte Jahrhundert ihrer Hochschule damit eingeweiht, dass sie ihre einzige schöpferisch philosophische Kraft vom Lehrstuhle ausschloss!»

“... often, in the bitter struggle of a lifetime, the words of the ancient Roman would come to the lips of the lonely man: ‘Ungrateful fatherland, not even my bones shall you have!’ For throughout all the best and most vigorous decades of his life, right up into his old age, it did not even grant him the profession whose indelible stamp, despite all obstacles, marked his entire life and work, and his own immediate homeland, just a short while ago, inaugurated the beginning of the fifth century of its university by excluding its sole creative philosophical force from the professorship!”

[ 79 ] Es wird die Zeit kommen, wo alles Fremdartige gesehen werden wird, wie es sich hereingeschlichen hat in das deutsche, in das urdeutsche Geistesleben, und wo man sich darauf besinnen wird, was in diesem deutschen Geistesleben liegt! Dann wird man viel klarer auch die Beziehungen sehen, die da bestehen zwischen diesem mitteleuropäischen Geistesleben und demjenigen — das nicht geschmäht werden soll, nur charakterisiert werden soll —, [und] demjenigen, was rings herum ist, und was sich so bemüht gegenwärtig dieses deutsche Geistesleben [zu bekämpfen], wie gesagt: die nicht nur das deutsche Wesen mit den Waffen zu bekämpfen, sondern das deutsche Geistesleben auch zu schmähen, ja zu verleumden haben!

[ 79 ] The time will come when everything foreign will be seen for what it is—how it has crept into German, into the original German spiritual life—and when people will reflect on what lies at the heart of this German spiritual life! Then one will also see much more clearly the relationships that exist between this Central European spiritual life and that—which is not to be reviled, but only characterized— [and] that which surrounds it, and which is currently striving to [combat] this German spiritual life—as I said: those who not only seek to combat the German essence with weapons, but also to denigrate, indeed to slander, German spiritual life!

[ 80 ] Die Geschichte wird einmal mit großen Zahlen, allerdings mit nüchternen Zahlen etwas aussprechen können, sehr verehrte Anwesende, was doch angesichts der heutigen Tatsachen einmal vor die Seele gestellt werden darf; die Geschichte wird etwas Sonderbares doch verzeichnen müssen. Man darf fragen: Wie verhält sich denn der Flächenraum, auf dem sich das deutsche Geistesleben entwickelt, zu dem Flächenraum — und wie verhält sich die Einwohnerzahl des mitteleuropäischen Geisteslebens zu der Einwohnerzahl bei denjenigen, die sich heute nicht nur der Waffengegenwehr gegen Mitteleuropa bedienen, sondern sogar durch der Tapferkeit besseres Teil die Mitteleuropäer aushungern zu wollen — wodurch es dahin hat kommen müssen, dass dieses Mitteleuropa ausgehungert wird! Es ist ja der Tapferkeit besseres Teil — namentlich, wenn man die Verhältnisse bedenkt, von denen die Geschichte einmal zu sprechen haben wird! Die Geschichte wird zu fragen haben: Wie viel Prozent von der ganzen trockenen Erde, festländischen Erde besitzen diese mitteleuropäischen Menschen? Vier Prozent sind es! Wie viel Prozent besitzen heute noch die kleinen Völkerschaften, sogar ohne die Japaner gedacht — diejenigen, die ihnen als die sogenannten Antipoden gegenüberstehen: 46 Prozent sind es! Das heißt, es stehen heute gegenüber 6 Millionen Quadratkilometer für Mitteleuropa 69 Millionen Quadratkilometer als Besitz derjenigen, die Mitteleuropa einkreisten. Neidisch brauchten sie wahrhaft nicht zu sein auf dasjenige, was ihnen Mitteleuropa wegnimmt. Und ohne die Italiener gerechnet: 741 Millionen Menschen aufseiten der Entente stehen 150 Millionen Menschen in Mitteleuropa gegenüber. Das heißt: Mitteleuropa steht gegenüber mit neun Prozent der Menschheit fast der Hälfte der Menschheit auf der Erde: 45 bis 47 Prozent. Das wird die Geschichte doch einmal verzeichnen als die Lage, in der man lebte in dieser Gegenwart.

[ 80 ] History will one day be able to say something—using large numbers, albeit sober ones—to you, distinguished guests; something that, in light of today’s facts, may well be brought to the forefront of our minds; history will have to record something peculiar. One may ask: How does the geographical area in which German intellectual life develops compare to that area—and how does the population of Central European intellectual life compare to the population of those who today not only resort to armed resistance against Central Europe, but even, in a display of bravery, seek to starve the Central Europeans — which is why it has come to pass that this Central Europe is being starved out! It is, after all, the more noble part of bravery—especially when one considers the circumstances of which history will one day have to speak! History will have to ask: What percentage of the entire dry land, the continental landmass, do these Central Europeans possess? Four percent! What percentage do the small nations still possess today—even without counting the Japanese—those who stand opposite them as the so-called Antipodes? Forty-six percent! That means that today, for every 6 million square kilometers belonging to Central Europe, there are 69 million square kilometers owned by those who have encircled Central Europe. They truly had no reason to be envious of what Central Europe was taking away from them. And excluding the Italians: 741 million people on the side of the Entente stand in contrast to 150 million people in Central Europe. That means: Central Europe, with nine percent of humanity, stands in contrast to nearly half of the world’s population—45 to 47 percent. History will surely record this as the situation in which we lived at that time.

[ 81 ] Und welche Kräfte dazu geführt haben, das kann auch auf geistigem Gebiete betrachtet werden. In meinem Büchelchen «Gedanken während der Zeit des Krieges» — das dann auch jetzt wieder erscheint, das wie gesagt, seit einiger Zeit vergriffen ist — können Sie nachlesen, wie die Kräfte in den letzten Jahrzehnten sich bewegt haben. Nicht nur, dass von Westen dasjenige gegenübersteht, was sich geistig eben so äußert, wie mit einzelnen Strichen wenigstens, wenn auch sehr ungenügend, charakterisiert worden ist heute, sondern auch im Osten stehen Kräfte gegenüber, die vielleicht noch mehr zu berücksichtigen sind als die Kräfte des Westens. Auch da braucht man nicht in den Ton zu verfallen, in welchen die Gegner verfallen! Man braucht nicht das russische Volk zu schmähen. In diesen Ton brauchen wir nicht zu verfallen, in den die Gegner verfallen, wenn deutsche Selbstbesinnung geübt werden soll. Aber darauf aufmerksam kann doch immerhin gemacht werden, auf gewisse charakteristische Seiten, die wirklich aus /Lücke in der Mitschrift] sind für das russische Wesen; sie müssen doch hervorgehoben werden, gerade in dem, mit einer gewissen Vielseitigkeit und Anpassungsfähigkeit, auch sogar, wenn man das Volk betrachtet, mit einem gewissen friedliebenden Charakter behaftete Volke, da treten heraus, gerade bei denjenigen, die zu Intelligenzen sich erheben wollen innerhalb des russischen Ostens Europas, da treten hervor zum Beispiel die Anschauungen —ich habe sie schon hervorgehoben auch hier in früheren Vorträgen —, die Anschauungen, dass dieses mittel-, dieses westeuropäische Geistesleben im Grunde genommen greisenhaft ist und dem Tode verfallen ist und dass das russische Geistesleben ersetzen muss dieses mitteleuropäische Geistesleben.

[ 81 ] And the forces that have led to this can also be considered from a spiritual perspective. In my little book *Thoughts During the War*—which is now being republished, having, as I mentioned, been out of print for some time—you can read about how these forces have been at work in recent decades. Not only is there, from the West, that which manifests itself spiritually in precisely the way it has been characterized today—albeit in broad strokes and very inadequately—but there are also forces in the East that perhaps deserve even greater consideration than those of the West. Here, too, there is no need to resort to the tone that our opponents adopt! There is no need to denigrate the Russian people. We need not resort to the tone adopted by our opponents if German self-reflection is to be practiced. But attention can still be drawn to certain characteristic aspects that are truly [gap in the transcript] to the Russian character; they must indeed be emphasized, especially in a people endowed—with a certain versatility and adaptability, and even, when one considers the people as a whole, with a certain peace-loving character—precisely among those who seek to rise to the level of the intelligentsia within the Russian East of Europe; there, for example, the views emerge—I have already highlighted them here in earlier lectures— the views that this Central European, this Western European spiritual life is, at its core, senile and doomed to death, and that Russian spiritual life must replace this Central European spiritual life.

[ 82 ] Es wurzelt das tief, zuerst in denen, die als Slawophile aufgetreten sind; und dann wurzelt es tief in denjenigen, die als Panslawisten die Slawophilen abgelöst haben. Und nicht Uncharakteristisches will ich erwähnen, sondern immer nur das hinstellen, was wirklich auf geistige Weise — nacheinander von anderen Seiten geäußert — aber dasselbe ist, was auf politischer Seite zum Ausdruck gekommen ist.

[ 82 ] It is deeply rooted, first in those who emerged as Slavophiles; and then it is deeply rooted in those who, as Pan-Slavists, succeeded the Slavophiles. And I do not wish to mention anything uncharacteristic, but only to highlight what is truly, in an intellectual sense—expressed successively from different perspectives—the same as what has been expressed on the political side.

[ 83 ] Da haben wir zum Beispiel schon 1829 den Iwan Wassiljewitsch Kirejewskij, der aus seiner, wie er glaubt, Erkenntnis heraus davon spricht, wie das europäische Wesen und Leben greisenhaft geworden ist, im Absterben ist und wie das russische Wesen dieses mitteleuropäische und auch das westeuropäische Wesen ablösen allmählich und ersetzen soll. Da sagt dieser Iwan Wassiljewitsch Kirejewskij:

[ 83 ] For example, as early as 1829, we have Ivan Vasilyevich Kireyevsky, who—based on what he believes to be his own insight—speaks of how the European spirit and way of life have grown senile, are dying out, and how the Russian spirit is to gradually supplant and replace both this Central European and Western European spirit. This Ivan Vasilyevich Kireyevsky says:

«Das Schicksal jedes europäischen Staates hängt von der Vereinigung aller übrigen ab; — das Schicksal Russlands hängt von Russland allein ab. Aber das Schicksal Russlands ist in seiner Bildung beschlossen: Diese ist die Bedingung und Quelle aller Güter. Sobald alle diese Güter unser sein werden, — werden wir uns dieselben mit dem übrigen Europa teilen, und unsere ganze Schuld werden wir ihnen hundertfach heimzahlen.»

“The fate of every European state depends on the unity of all the others; — the fate of Russia depends on Russia alone. But Russia’s fate is determined by its education: this is the condition and source of all good things. As soon as all these good things are ours, — we will share them with the rest of Europe, and we will repay our entire debt to them a hundredfold.”

[ 84 ] Das heißt man strebt danach, dass Russland das ganze Europa gehört; und dann würde man nun geneigt sein, wenn man es besitzt, selbstverständlich unter der Fürsorge ganz Russlands zu teilen. Das lebt in dem russischen Geistesleben des ganzen neunzehnten bis ins zwanzigste Jahrhundert herein; das lebt überall. Von dem, was deutsches Geistesleben war, da konnten diese Menschen, die gerade da drüben im Osten die Intelligenzen sind — wie gesagt, lassen Sie mich diese Dinge nur noch zum Schlusse hervorheben —, da konnten diese Menschen im Osten wirklich nicht viel verstehen! Sie haben sich zwar bemüht, so etwas wie den «Faust» zu verstehen, so etwas, wie der Goethe’sche «Faust» ist. Und es ist interessant bei einem Geist des russischen Volkes zu lesen — [Michajlovskij] —, da sagt er etwa: Ja, diese Deutschen, sie sehen in dem «Faust» etwas, wo die menschliche Seele nach Weltengeheimnissen strebt, nach einer Art Erlösung strebt. Aber dieser «Faust», er ist vor einem tieferen Erkennen, meint Michajlovskij, er ist vor einem tieferen Erkennen doch nichts anderes als der reinste Ausdruck des mittel- und westeuropäischen Egoismus, des kapitalistischen Strebens. Ein richtiger kapitalistischer Metaphysiker ist dieser Faust. Und wenn er auf die Metaphysiker, auf diejenigen Menschen, die über das unmittelbar Sinnliche hinauskommen, zu reden kommt, dann wird Michajlovskij ganz merkwürdig. Da sagt er zum Beispiel, Metaphysiker, das seien Leute, die vor Fett tollgeworden sind. — Ich weiß nicht, ob man gerade in Mitteleuropa von dieser Sorte von Menschen die Anschauung besonders viel finden kann «die vor Fett toll geworden sind». Aber zu diesen Metaphysikern, die vor Fett toll geworden sind, rechnet er nun auch den Faust! Kurz, wir sehen, dass nicht viel Verständnis bei denjenigen ist, die da zuerst erobern und dann teilen wollen.

[ 84 ] In other words, the goal is for Russia to own all of Europe; and then, once it possessed it, Russia would naturally be inclined to divide it up under the care of all of Russia. This idea permeated Russian intellectual life throughout the nineteenth and well into the twentieth century; it is everywhere. As for what German intellectual life was like—these people, who are the intelligentsia right over there in the East—as I said, let me just emphasize these things one last time—these people in the East really could not understand much of it! They did, however, try to understand something like *Faust*, something like Goethe’s *Faust*. And it is interesting to read the thoughts of a representative of the Russian people—[Mikhailovsky]—who says something like: Yes, these Germans see in *Faust* something in which the human soul strives for the mysteries of the world, strives for a kind of redemption. But this *Faust*, Michajlovskij argues, when viewed from a deeper perspective, is nothing other than the purest expression of Central and Western European egoism, of capitalist ambition. This Faust is a true capitalist metaphysician. And when he comes to speak of the metaphysicians—those people who transcend the immediately sensory—Mikhailovsky becomes quite peculiar. He says, for example, that metaphysicians are people who have gone mad with fat. — I don’t know whether, particularly in Central Europe, one can find many people of this sort—those “who have gone mad from fat.” But he now counts Faust among these metaphysicians who have gone mad from fat! In short, we see that there is not much understanding among those who first seek to conquer and then to divide.

[ 85 ] Auf vieles könnte auch da eingegangen werden; aber das möchte ich, wie gesagt, zum Schlusse noch hervorheben, wie einer der charakteristischsten Geister russischen Geisteslebens, Jushakow, am Ende des neunzehnten Jahrhunderts in einem Buche Betrachtungen über Russlands Verhältnis auf der einen Seite zu Asien und auf der anderen Seite zu dem europäischen Westen — nicht bloß zu dem deutschen europäischen Westen, sondern zu dem europäischen Westen — im weiteren Sinne anstellt. 1885 hat er — ich meine dieser Jushakow — das Buch, [es ist ein merkwürdiges Buch,] geschrieben. Da wendet er zunächst den Blick nach Asien hinüber, und er sieht: Da drüben in Asien, da leben Völker; sie sind zwar heute etwas heruntergekommen, aber sie zeigen die letzten Spuren einer großen, geistigen Weltanschauung, die einstmals bei ihnen gelebt hat. Sie haben versucht, sich zu dem Geistigen eines Daseins hinaufzuheben; aber sie konnten dies nur, sie haben dies nur gekonnt — so sagt Jushakow —, indem er erwähnt eine Mythe des Orients — indem sie sich verbunden haben mit dem guten Gotte Ormuzd gegen den bösen Geist Ahriman. Von Turanien aus, von den turanischen Völkern ist ausgegangen dasjenige, was Ahriman, was Ahriman als Gegner getan hat gegen die guten Iranier, zu denen er auch die Hindus, die Perser, rechnet — Jushakow. Sie seufzten unter den Taten des Ahriman, diese sich mit dem guten Ormuzd verbunden habenden Asiaten, und haben sich so ihre Kultur geschaffen. Dann sind die Europäer gekommen — 1885 kann er ja noch nicht viel von den Deutschen sprechen, nicht wahr. Aber von dem Europa spricht er — wir werden gleich sehen, von welchem Europa er besonders spricht —, und da sagt er denn: Diese Europäer, was haben sie getan diesen Asiaten, die den Kampf aufgenommen hatten, die sich mit dem guten Ormuzd verbunden hatten gegen den bösen Ahriman? Sie haben ihnen abgenommen, den Asiaten, die Güter, die sie erworben haben an der Seite des Ormuzd im Kampf gegen Ahriman, und sie haben sie mehr noch überliefert den Klauen des Ahriman. Und bei wem sieht Jushakow dieses Übel? Das Buch heißt «Der englischrussische Konflikt» — Zwist, Krieg —, und da sagt er insbesondere mit Bezug auf die Engländer — 1885, dieser Jushakow — das Folgende, indem er nachweist, indem [von ihm] charakterisiert wird, wie die Engländer diese asiatischen Völker behandeln. Da sagt Jushakow: Sie — die Engländer — behandeln diese asiatischen Völker so, wie wenn sie der Ansicht seien: Diese asiatischen Völker seien nur dazu da,

[ 85 ] There is much that could be discussed here as well; but, as I said, I would like to emphasize one thing in closing: how one of the most distinctive figures in Russian intellectual life, Yushakov, wrote a book at the end of the nineteenth century in which he reflects on Russia’s relationship, on the one hand, to Asia and, on the other hand, to Western Europe—not merely to the German part of Western Europe, but to Western Europe in the broader sense. In 1885 he—I mean this Yushakov—wrote the book [it is a remarkable book]. There he first turns his gaze toward Asia, and he sees: Over there in Asia, peoples live; though they have fallen into decline today, they still show the last traces of a great, spiritual worldview that once lived among them. They tried to elevate themselves to the spiritual aspect of existence; but they could do this—they were only able to do this—as Yushakov says—by referring to a myth of the Orient: by aligning themselves with the good god Ormuzd against the evil spirit Ahriman. It was from Turania, from the Turanian peoples, that originated what Ahriman—what Ahriman, as an adversary, did against the good Iranians, among whom Yushakov also counts the Hindus and the Persians. These Asians, who had allied themselves with the good Ormuzd, groaned under the deeds of Ahriman and thus created their own culture. Then the Europeans came—in 1885, of course, he couldn’t say much about the Germans yet, could he? But he speaks of Europe—we’ll see in a moment which Europe he’s referring to in particular—and there he says: What did these Europeans do to these Asians who had taken up the struggle, who had allied themselves with the good Ormuzd against the evil Ahriman? They took from the Asians the possessions they had acquired alongside Ormuzd in the struggle against Ahriman, and they delivered them even more completely into the clutches of Ahriman. And in whom does Yushakov see this evil? The book is titled *The Anglo-Russian Conflict*—dispute, war—and in it, Yushakov—specifically referring to the English in 1885—says the following, demonstrating and characterizing how the English treat these Asian peoples. Yushakov says: They—the English—treat these Asian peoples as if they were of the opinion that these Asian peoples exist only to

«sich in englische Gewebe zu kleiden, unter einander mit englischen Waffen zu kämpfen, mit englischen Werkzeugen zu arbeiten, aus englischen Gefäßen zu trinken und mit englischem Flitter zu spielen.»

“to dress in English fabrics, to fight one another with English weapons, to work with English tools, to drink from English vessels, and to play with English tinsel.”

[ 86 ] Und indem er auf das, was er so furchtbar findet bei diesen Engländern, noch einmal hindeutet, sagt Jushakow: Das werde die Asiaten nur bedrängen; da muss Russland eingreifen und diese Asiaten wieder befreien, indem sie empfinden mit diesen Asiaten. Und — das sage nicht ich, das sagt Jushakow selber: Ein Großes wird aus Russland hervorgehen, ein wunderbares Bündnis wird hervorgehen aus Russland, ein Bündnis zwischen dem Bauern, der den Wert der Erde kennt, und dem Träger des edelsten Geisteslebens, den Kosaken. Und aus diesem Bündnis des Bauern mit dem Kosaken wird — das sage nicht ich, das sagt Jushakow —, wird hervorgehen, nach Asien hinüber dasjenige ziehen, was die Asiaten wiederum zu den Genüssen des Ormuzd bringen wird und sie aus den Klauen des Ahriman befreien wird. Dann sagt er zusammenfassend:

[ 86 ] And, alluding once more to what he finds so appalling about these Englishmen, Yushakov says: This will only oppress the Asians; Russia must intervene and liberate these Asians once again by empathizing with them. And—this is not my words, but Yushakov’s own: Something great will emerge from Russia; a wonderful alliance will emerge from Russia—an alliance between the peasant, who knows the value of the earth, and the bearer of the noblest spiritual life, the Cossacks. And from this alliance between the peasant and the Cossack—and this is not my saying, but Yushakov’s—will emerge something that will spread across to Asia, something that will in turn bring the Asians back to the joys of Ormuzd and free them from the clutches of Ahriman. Then, in summary, he says:

«England beutet Millionen von Hindus aus, seine ganze Existenz aber hängt von dem Gehorsam der verschiedenen Völker ab, von denen die reiche Halbinsel bewohnt wird; ich wünsche meinem Vaterlande nichts Ähnliches-ich kann mich nur freuen, dass es von diesem so glänzenden wie traurigen Zustand hinlänglich weit entfernt ist.»

“England exploits millions of Hindus, yet its very existence depends on the obedience of the various peoples who inhabit the rich peninsula; I do not wish anything like this for my homeland—I can only rejoice that it is sufficiently far removed from this state of affairs, which is as glorious as it is sad.”

[ 87 ] 1885 gesprochen von einem russischen Intelligenten. Wir haben vielleicht hier den Grund zu suchen, warum Russland sich mit England verband?

[ 87 ] Spoken in 1885 by a Russian intellectual. Perhaps this is the reason why Russia allied itself with England?

[ 88 ] Ich will ja nicht sagen, dass den Asiaten bekommen hat die Befreiung der Asiaten aus den Klauen des Ahriman und dass es etwa zurückgekommen wäre von der Verherrlichung dieses wunderbaren Bündnisses des Bauerntums und der Kosaken. Aber es ist auch da eine Änderung in dem Verhältnisse eingetreten. Es ist wichtig, solche Änderungen zu betrachten und die Verhältnisse zu verstehen, sehr verehrte Anwesende!

[ 88 ] I do not mean to say that the liberation of the Asians from the clutches of Ahriman has been achieved, or that there has been a reversal of the glorification of this wonderful alliance between the peasantry and the Cossacks. But a change has indeed taken place in this relationship. It is important to consider such changes and to understand the circumstances, ladies and gentlemen!

[ 89 ] Nicht darum habe ich diese Betrachtungen angestellt, um etwa nur unfruchtbar zu sprechen über einen verklungenen Ton des deutschen Geisteslebens, sondern deshalb, weil ich meine, dass in dem, was angeführt werden konnte über das deutsche Geistesleben, in der Tat lebendige Keime enthalten sind. Sie können eine Zeit lang — ich möchte sagen — unter der Oberfläche der fortschreitenden bewussten Bildung leben; aber sie werden hervordringen. Und dieses Bewusstsein können wir haben: Dass ein Geistesleben, das solche Keime in sich trägt, [...] Zukunft hat, dass es nicht niedergetreten werden kann auch von einer solchen Verbindung, wie sie ihm gegenwärtig gegenübersteht.

[ 89 ] I have not offered these reflections merely to speak fruitlessly about a faded aspect of German intellectual life, but because I believe that what has been said about German intellectual life does indeed contain living seeds. They may—I would say—lie dormant beneath the surface of progressive, conscious education for a time; but they will emerge. And we can be certain of this: that an intellectual life which bears such seeds within it [...] has a future, and that it cannot be crushed even by a force such as the one currently opposing it.

[ 90 ] Finden wird vielleicht gerade aus unserer schicksaltragenden Zeit heraus der deutsche Geist die Selbstbesinnung auf die großen Seiten seines Wesens. Und das ist uns wichtiger, als was gegenwärtig uns gegenübersteht feindlich, das ist uns wichtiger als das Schmähen anderer Nationen. Das ist uns wichtiger vor allen Dingen, einzuschen, wie dann, wenn das deutsche Volkstum nach dem Geistigen hin sich wendet, es nicht unfrei zu werden braucht, sondern wie die Kraft eines wirklichen, mit dem Geistesleben verbündeten Denkens auch frei sein kann. Ich könnte Ihnen viele Beweise anführen dafür, dass das das Unwesentlichste ist, dass der Ausspruch, dass Leben im Geiste unfrei macht und dass ein vertrackter Idealist derjenige sein muss, der im Geiste lebt, dass das das Unberechtigtste ist, was — nun sei der Ausdruck noch einmal gebraucht —, was Stumpflinge gegen das Geistesleben einwenden können.

[ 90 ] Perhaps it is precisely in these fateful times that the German spirit will rediscover the great aspects of its essence. And that is more important to us than whatever currently stands in our way as a threat; it is more important to us than the slander of other nations. Above all else, it is more important for us to realize that when German culture turns toward the spiritual, it need not become unfree, but rather that the power of genuine thought—allied with spiritual life—can also be free. I could cite many examples to show that this is the most trivial of arguments—that the claim that life in the spirit makes one unfree, and that anyone who lives in the spirit must be a convoluted idealist—is the most unfounded objection that—to use the expression once more—the narrow-minded can raise against spiritual life.

[ 91 ] An Karl Christian Planck, dem Württemberger, sieht man dasjenige, was in Hunderten von Fällen gezeigt werden könnte und wird, wenn einmal so etwas gesehen wird, gerade an Karl Christian Planck sei es charakterisiert. Sehr verehrte Anwesende, «praktische Menschen» haben immer gesprochen über die Politik Europas, über dasjenige, was in den politischen Kräften Europas wurzelt und vorhanden ist, gesprochen von dem, was herauskommen kann — «praktische Politiker», die sicherlich auf solche Menschen wie Karl Christian Planck, Menschen des Geisteslebens, heruntersehen als auf die unpraktischen Idealisten, die nichts wissen von der Wirklichkeit. Diese «Praktiker», ob sie nun gleich Diplomaten oder groß sein sollende Politiker sind, sie sehen ganz gewiss hinunter, weil sie die Praktiker sind, weil sie, die das Praktische mit den Löffeln gegessen zu haben glauben, sie sehen ganz gewiss hinunter auf solche «unpraktischen Idealisten», wie Karl Christian Planck einer ist! Aber aus dem «Testament eines Deutschen» von Planck will ich Ihnen einen Satz vorlesen, der 1880 schon geschrieben war, und in dem Karl Christian Planck von dem gegenwärtigen Krieg spricht. So spricht er, der «unpraktische» Idealist von dem gegenwärtigen Kriege:

[ 91 ] In Karl Christian Planck, the Württemberger, one sees precisely what could and will be demonstrated in hundreds of cases; once such a thing is recognized, it is characterized precisely in Karl Christian Planck. Ladies and gentlemen, “practical people” have always spoken about European politics, about what is rooted in and present within Europe’s political forces, and about what might come of it—these “practical politicians” certainly look down on people like Karl Christian Planck, people of intellectual life, as impractical idealists who know nothing of reality. These “practical people”—whether they are diplomats or would-be great politicians—certainly look down on others, precisely because they are the practical ones; because they believe they have had practicality “spoon-fed” to them, they certainly look down on such “impractical idealists” as Karl Christian Planck! But from Planck’s *Testament of a German*, I would like to read you a passage that was written as early as 1880, in which Karl Christian Planck speaks of the current war. This is what he, the “impractical” idealist, says about the current war:

«Keine politische Klugheit, keine Friedensliebe vonseiten Deutschlands vermag innerhalb der jetzigen bloß nationalen Ordnung diesen feindlichen Zusammenstoß zu verhindern. Denn mächtiger als alle Klugheit ist die Natur der Verhältnisse; und schon jetzt tritt ungeachtet der befreundeten Haltung Deutschlands und Österreichs die feindliche Stimmung des russischen Ostens nur umso deutlicher hervor, deshalb, weil man ihm nicht in allem die freie Hand lassen konnte, sondern notwendig ein bestimmtes Ziel setzen musste. Und kommt es dann einst zum Kampfe, so wird derselbe, so sehr wir ihn auch zum Besten Europas auszufechten haben, dieses doch nicht an unserer Seite finden, sondern wie im Osten, so werden wir zugleich auch im Westen und im Süden uns verteidigen müssen; nach allen Seiten wird die feindlich nationale Eifersucht sich gegen das neue, in ihre Mitte gesetzte Reich erheben.»

“No political wisdom, no love of peace on Germany’s part can prevent this hostile clash within the current, purely national order. For the nature of the circumstances is more powerful than all prudence; and even now, despite the friendly stance of Germany and Austria, the hostile sentiment of the Russian East is becoming all the more evident, precisely because it was not possible to give it a free hand in everything, but it was necessary to set a specific goal. And if a conflict should eventually arise, then—no matter how much we must fight it for the good of Europe—Europe will not stand by our side; rather, just as in the East, we will have to defend ourselves simultaneously in the West and in the South; on all sides, hostile national jealousy will rise up against the new empire placed in their midst.”

[ 92 ] 1880 geschrieben! — Wo hat jemals ein «Praktiker» aus einer solchen Sachkenntnis heraus die gegenwärtige Situation genau so beschrieben, wie sie ist!

[ 92 ] Written in 1880! — When has a “practitioner” ever described the current situation exactly as it is, based on such expertise!

[ 93 ] Die Zeit wird geboren werden, sehr verehrte Anwesende, in der man einsehen wird, dass gerade die Besinnung auf des deutschen Volkes beste Kräfte dahin führen wird, dass nicht mehr undeutsches Wesen in Mitteleuropa Platz haben könne und [dass dasjenige, was das berechtigte Streben — oder wenigstens vieles berechtigte Streben — unterdrücken will, in der Macht der Unfähigkeit bleibe], sodass gerade deutsches Wesen, wie deutsches Wesen in seiner eigenen Wurzel ist, in der Welt [nicht] ausgerottet würde.

[ 93 ] The time will come, ladies and gentlemen, when people will realize that it is precisely by drawing upon the best qualities of the German people that we will ensure that nothing un-German can find a place in Central Europe and [that whatever seeks to suppress legitimate aspirations—or at least many legitimate aspirations—will remain powerless in its incompetence], so that the German essence, as it is in its very roots, will [not] be eradicated from the world.

[ 94 ] Es ziemt sich schon, einmal in ernster Zeit ernste Worte zu sprechen, wenn diese ernsten Worte auf Tatsachen beruhen, und nicht auf allerlei hirnverbrannte Idealismen, die jeder Dilettant finden kann, der sich nicht die Mühe nimmt, in die Tatsachen einzutreten.

[ 94 ] It is indeed appropriate to speak serious words in serious times, provided those serious words are based on facts and not on all sorts of far-fetched idealisms that any dilettante who does not take the trouble to examine the facts can come up with.

[ 95 ] Wenn man es anschaut, dieses mitteleuropäische Wesen: Man findet es allerdings in einem Gegensatz, in einem bedeutungsvollen Gegensatz gerade zu dem orientalischen Wesen, das so bedrohlich hinter dem orientalischen Russland heute steht; man findet es in einem charakteristischen Gegensatz. Dasjenige, was in Asien heute lebt, das ist der Überrest eines Suchens nach der geistigen Welt, aber eines Suchens, wie es war und wie es sein musste zu einer Zeit, in der noch nicht der größte Impuls eingeschlagen hat in die Entwicklung, in die Menschheitsentwicklung: der Christus-Impuls. Wie dieses Streben nach der geistigen Welt in der vorchristlichen Zeit sein musste, so tritt es in Asien auf, indem das menschliche Wesen herabgelähmt wird, das Ich herabgelähmt wird, damit bei herabgedämpftem und herabgestumpftem Ich der Mensch aufgehen kann in der geistigen Welt. Das war ein Aufgehen, wie es im Hinduismus, Brahmanismus, Buddhismus und so weiter aufgetreten ist, wie es aber nimmermehr angemessen ist einer neueren Zeit, in welche der Christus-Impuls eingeschlagen hat. Da ist am tiefsten dieses Wesen der neueren Zeit doch hervorgetreten in dem, was heute der verklungene Ton des deutschen Geisteslebens uns so schön anzeigt: nicht die Herunterlähmung des Ichs, sondern die Erkraftung, die Belebung des Ichs, das so rechte Drinnenstehen im Ich.

[ 95 ] When one looks at this Central European essence: One finds it, however, in contrast—in a significant contrast—precisely to the Oriental essence that looms so menacingly behind Oriental Russia today; one finds it in a characteristic contrast. What lives in Asia today is the remnant of a search for the spiritual world—but a search as it was and as it had to be at a time when the greatest impulse had not yet struck the course of human development: the Christ impulse. Just as this striving for the spiritual world had to be in pre-Christian times, so it manifests in Asia by paralyzing the human being, paralyzing the “I,” so that, with the “I” subdued and dulled, the human being can merge into the spiritual world. This was a kind of absorption as it occurred in Hinduism, Brahmanism, Buddhism, and so on; yet it is by no means appropriate for a more recent era into which the Christ impulse has entered. At its deepest level, the essence of this modern age has nevertheless emerged in what the now-faded tone of German spiritual life so beautifully reveals to us today: not the subjugation of the “I,” but the strengthening, the enlivening of the “I,” that true standing within the “I.”

[ 96 ] Das Gegenteil desjenigen, was einstmals orientalisches Wesen war, das findet, indem es sich innerlich erkraftet, im Menschen auch den Weg hinein in die geistigen Welten. Damit, dass das deutsche Wesen diese Aufgabe hat, stellt es sich mit seiner Sendung hinein in die Gesamtentwicklung der Menschheit — steht es auf dem Boden der 6 Millionen Quadratkilometer gegen 68 Millionen Quadratkilometer der Völker, die rings herum dieses deutsche Wesen heute bedrohen.

[ 96 ] The opposite of what was once the Eastern essence finds, by drawing strength from within, its way into the spiritual worlds through the human being. Because the German spirit has this task, it places itself, with its mission, within the overall development of humanity—it stands on the ground of 6 million square kilometers as opposed to the 68 million square kilometers of the peoples who today threaten this German spirit from all sides.

[ 97 ] Lassen Sie mich zum Schluss Ihnen anführen Worte eines österreichischen Dichters, die da zeigen, wie tief gewurzelt in ganz Mitteleuropa dasjenige ist, was ich heute zu nennen mir erlaubte das «deutsche Wesen», und das ich zu charakterisieren versuchte in seinem weltgeschichtlichen Sinne. Lassen Sie mich es so charakterisieren, indem ich Sie hinweise — wie gesagt —, auf einen Dichter Mitteleuropas, der Österreich angehört. Mir, der ich fast einunddreißig Jahre in Österreich verlebt habe und da verbunden war mit all den Kämpfen, die auch deutsches Wesen auszufechten hat in der letzten Zeit, muss es gestattet sein, hinweisen zu dürfen auf Robert Hamerling; auf jenen Robert Hamerling, der ja dasjenige, was die Natur der Verhältnisse hervorgebracht hat — die Zusammenschweißung Mitteleuropas aus Deutschland und Österreich — auch in Bezug auf das geistige Leben tief empfunden hat; aber indem er auch nicht abgewendet war den äußeren Verhältnissen, wie tief sich solche Geister wurzelnd fühlen in dem gesamtmitteleuropäischen, deutschen Wesen, das zeigen solche Aussprüche wie der gerade von Robert Hamerling, der sagt: «Österreich ist mein Vaterland; aber Deutschland ist mein Mutterland». Das empfindet gerade derjenige, der mit Mitteleuropas Kultur verbunden ist als ein Deutscher Österreichs. Aber er ist auch verbunden, ein solcher deutscher Österreicher, mit allem deutschen Wesen.

[ 97 ] In closing, let me quote the words of an Austrian poet that demonstrate how deeply rooted throughout Central Europe is what I have taken the liberty of calling today the “German essence,” and which I have attempted to characterize in its world-historical sense. Let me characterize it by referring—as I said—to a Central European poet who hails from Austria. As someone who has lived in Austria for nearly thirty-one years and was involved there in all the struggles that the German essence has also had to wage in recent times, I must be permitted to point to Robert Hamerling; that Robert Hamerling who, after all, deeply felt—even in relation to intellectual life—what the nature of circumstances had brought about: the fusing together of Central Europe through Germany and Austria; but since he was not turned away from external circumstances either, just how deeply such spirits feel rooted in the overall Central European, German spirit is shown by statements such as the one just made by Robert Hamerling, who says: “Austria is my fatherland; but Germany is my motherland.” This is precisely how one who is connected to Central European culture feels as a German of Austria. But such a German Austrian is also connected to the entire German spirit.

[ 98 ] Nur — ich möchte sagen — wie eine Kleinigkeit möchte ich verweisen auf dasjenige, was Robert Hamerling 1880 als ein kleines, unbedeutendes [Gedichtchen] hingeschrieben hat, damals, als die Franzosen vor dem ElsassStandbild, vor der Bildsäule von Straßburg die deutsche Fahne verbrannten und einen Tanz aufführten, während dem sie die deutsche Fahne damals verbrannten in [Paris], damals, da schrieb Robert Hamerling — ich will auf das nicht als eine dichterische Bedeutung hinweisen — aber auf etwas Besonderes; da schrieb er die Worte:

[ 98 ] Just—I’d like to say—as a minor point, I’d like to refer to what Robert Hamerling jotted down in 1880 as a small, insignificant [little poem], back when the French were burning the German flag in front of the Alsace monument, in front of the statue in Strasbourg, and performing a dance—during which they burned the German flag at that time in [Paris], at that time, Robert Hamerling wrote—I do not wish to point to this as having any poetic significance—but rather to something specific; he wrote the words:

«Mögt ihr an die Rache glauben,
Und an künft’ger Sieger Kranz:
Hoffet nicht, zurückzurauben
Eine Scholle deutschen Lands!
Mögt ihr schwärmen auch wie Raben
Um ein Elsass-Standbild her,
Straßburg werdet ihr nicht haben,
Straßburg nimmermehr.»

“If you believe in revenge,
And in the victor’s future wreath:
Do not hope to reclaim
A single patch of German soil!
Even if you swarm like ravens
Around a statue in Alsace,
You will not have Strasbourg,
Strasbourg nevermore.”

[ 99 ] So rief geradezu aus der österreichische Deutsche Robert Hamerling aus dem Waldviertel. Aber auch die große Sendung des deutschen Volkes, sie erschien ihm; 1862 schrieb er, Robert Hamerling, seinen «Germanenzug». Wunderbar ist es geschildert, wie mit den Germanen die Vorfahren der späteren Deutschen herüberzogen von Asien nach Europa — wie sie sich lagern im Abendsonnenglanz, noch an der Grenze von Asien nach Europa; wunderbar sind die untergehende Sonne, der aufgehende Mond geschildert. Und wunderbar spricht da Robert Hamerling aus, wie einer nur wacht innerhalb des schlafenden Germanenvolkes, das herüberzieht von Asien nach Europa, wunderbar spricht Hamerling es aus, indem er Teut, den blondgelockten Jüngling, allein wachen lässt; und der Genius — der Genius des künftigen deutschen Volkes, spricht nun Worte von deutscher Zukunft zu dem blonden Teut. Da spricht er, der Genius des deutschen Volkes, zu dem blonden Teut, während die anderen Germanen ringsherum schlafen:

[ 99 ] This is precisely what the Austrian German Robert Hamerling from the Waldviertel proclaimed. But the great mission of the German people also appeared to him; in 1862, Robert Hamerling wrote his *Germanenzug*. It is wonderfully depicted how the Germanic peoples—the ancestors of the later Germans—migrated from Asia to Europe—how they encamp in the glow of the setting sun, still on the border between Asia and Europe; the setting sun and the rising moon are wonderfully portrayed. And Robert Hamerling expresses it wonderfully—how one man alone remains awake among the sleeping Germanic people as they migrate from Asia to Europe; Hamerling expresses it wonderfully by having Teut, the blond-curled youth, remain awake alone; and the Genius—the Genius of the future German people—now speaks words of Germany’s future to the blond Teut. There he speaks, the genius of the German people, to the blond Teut, while the other Germanic tribesmen sleep all around:

«Wem bricht dereinst das Wort aus Seelentiefen
Wie deinem Volk, so reich, so zart, so mächtig?
Wer haucht so weihevoll in Saitenklänge
Sein Innerstes? Wem zich’n den Sinn so prächtig
Ins Himmelsblau granit'ne Hieroglyphen
Des Seelenaufschwungs aus des Lebens Enge?
Wer knüpft zuletzt die Stränge
Des forschenden Gedankens an die Sterne
So kühn und strebt und kämpft auf allen Bahnen?
Wen führt so hoch, so tief sein Drang, sein Ahnen?
Wer fasst so treu das Nahe wie das Ferne?
Wo spiegelt jede Erd- und Himmelszone
Sich wie in deinem Denken, O Teutone?»

“To whom will words one day burst forth from the depths of the soul
As they did to your people—so rich, so tender, so powerful?
Who breathes so solemnly into the sounds of the strings
His innermost being? To whom does the mind so magnificently
Carve granite hieroglyphs into the azure sky
Of the soul’s ascent from life’s confines?
Who, in the end, ties the strands
Of the inquiring mind to the stars
So boldly, striving and fighting along every path?
Whom does his urge, his intuition, lead so high, so deep?
Who grasps the near and the far so faithfully?
Where does every zone of earth and sky
Reflect itself as in your thought, O Teuton?”

[ 100 ] Und dieses Wesen des deutschen Geistes, das eine nachchristliche Erneuerung, aber Vertiefung aus dem Ich heraus des Geist-Erfassens ist, das unter anderem so schön zum Beispiel derjenige ausgesprochen hat, den man den Philosophen des Deutschtums nennt, Jakob Böhme, dieses Wesen des deutschen Geistes, der auch mit dem Wissen, mit dem Erkennen immer einen religiösen Zug verbinden will, dieses Wesen des deutschen Geistes bei Jakob Böhme finden wir so:

[ 100 ] And this essence of the German spirit—which is a post-Christian renewal, yet a deepening of spiritual understanding arising from the “I”—was so beautifully expressed, among others, by the man known as the “philosopher of Germanness,” Jakob Böhme—this essence of the German spirit, which always seeks to combine knowledge and understanding with a religious dimension—we find this essence of the German spirit in Jakob Böhme as follows:

«Wenn du die Tiefe»

“If You Feel the Depth”

[ 101 ] er meint die Tiefe des blauen Himmels

[ 101 ] he is referring to the depth of the blue sky

«des Himmels und die Sterne und die Erde ansichest, so siehest du deinen Gott, und in demselben lebest und bist du auch. Und derselbige Gott regiert durch dich und regiert auch dich.» «Du bist aus diesem Gott geschaffen und lebest in demselben. Auch stehet alle deine Wissenschaft in diesem Gott, und wenn du stirbest, so wirst du in diesem Gott begraben.»

“When you look at the heavens, the stars, and the earth themselves, you see your God, and in Him you live and exist. And that same God reigns through you and also reigns over you.” “You are created from this God and live within Him. All your knowledge also resides in this God, and when you die, you will be buried in this God.”

[ 102 ] Diese Stimmung des deutschen Geistes, bei Robert Hamerling tritt sie wieder so schön hervor, indem er 1862 schon in seinem «Germanenzug» zu dem blonden Teut sprechen lässt Worte, welche ausdrücken sollen, wie bestes Streben Asiens einstmals in erhöhter Lebendigkeit vom deutschen Volkstum ausgebildet werden sollen in Europa. Da sagt der Genius zu dem blonden Teut:

[ 102 ] This spirit of the German mind is once again so beautifully expressed by Robert Hamerling, who, as early as 1862 in his *Germanenzug*, has the blond Teut speak words intended to convey how the finest aspirations of Asia were once to be developed with heightened vitality by the German people in Europe. There, the genius says to the blond Teut:

«Doch wie auch stolz du aufstrebst, and’re Schwärme
Hoch überschwebend, stets noch eine Lohe
Wirst du bewahren, uralt heil’gen Brandes:
Fortleben wird in dir die traumesfrohe
Gotttrunkenheit, die seel’ge Herzenswärme
Des alten asia’schen Heimatlandes.
Geruhigen Bestandes
Wird dieser heil’ge Strahl, ein Tempelfeuer
Der Menschheit, frei von Rauch, mit reiner Flamme
Fortglüh’n in deiner Brust und Seelenamme
Dir bleiben und Pilote deinem Steuer!
Du strebst nur, weil du liebst: dein kühnstes Denken
Wird Andacht sein, die sich in Gott will senken.»

“Yet no matter how proudly you soar, above other swarms
Hovering high, you will always preserve a flame
Of that ancient, sacred fire:
Within you will live on the dream-filled
Divine ecstasy, the soulful warmth of the heart
Of the ancient Asian homeland.
In tranquil permanence
This sacred ray, a temple fire
For humanity, free from smoke, with a pure flame
Will continue to glow in your breast and soul
Remaining with you and guiding your course!
You strive only because you love: your boldest thought
Will be devotion that seeks to sink into God.”

[ 103 ] So ist sich der Deutsche in ganz Mitteleuropa bewusst seines Darinnen-Stehens im deutschen Volkstum. Und wenn man betrachtet die reine Tatsächlichkeit, wie wir das heute versuchten, sehr verehrte Anwesende, so kann man finden, dass man glauben darf, wie ich schon einmal hier sagte in früheren Vorträgen, dass man haben darf das Vertrauen und den Glauben zum Wesen des deutschen Volkes, dass, weil es Keime auch auf geistigem Gebiet in solcher Art enthält, wie die charakterisierten, so wird es einstmals in fernen Zeiten die Blüten und Früchte tragen. Und diejenigen, die Feinde des deutschen Volkes sind, sie werden diese Blüten und diese Früchte aus der Weltentwicklung nicht entfernen können.

[ 103 ] Thus, throughout Central Europe, Germans are aware of their place within German culture. And if one considers the pure reality of the matter, as we have attempted to do today, esteemed audience, one may find reason to believe—as I have said here before in earlier lectures—that one may have confidence and faith in the essence of the German people; that because it contains seeds in the spiritual realm of the kind we have described, it will one day, in times to come, bear blossoms and fruit. And those who are enemies of the German people will not be able to remove these blossoms and this fruit from the course of world history.

[ 104 ] Wie gesagt, über dasjenige, wie die Geschicke in der äußeren Weltgeschichte heute entschieden werden, darüber entscheidet die Gewalt der Waffen. Diese Gewalt der Waffen, wie sie heute in unserer schicksaltragenden Zeit lebt, sie ist nur eine andere Seite der Kraft, des deutschen Wesens. Und eine andere Seite wiederum ist die Kraft des deutschen Geistes, über die ich heute Abend eine Betrachtung anstellen wollte.

[ 104 ] As I said, the way in which the course of events in world history is determined today is decided by the power of arms. This power of arms, as it exists today in our fateful times, is merely another aspect of the strength of the German spirit. And another aspect, in turn, is the power of the German spirit, which I wanted to reflect on this evening.

[ 105 ] Das aber möchte ich erreicht haben mit Worten, die ja nur wirklich bruchstückweise sein konnten gegenüber der Aufgabe, die sie sich stellen wollten, das möchte ich erreicht haben gerade aus einer tatsächlichen, aus einer rein sachlichen Betrachtung auch des deutschen Geisteslebens: das Fruchttragende, das Unzerstörbare des deutschen Wesens, ist dasjenige, das gegenüber den schwersten Bedrückungen den Menschen, die auf 6 Millionen Quadratkilometern stehen gegenüber den sie Umringenden, die auf 68 Millionen Quadratkilometern stehen, wie es diesen in Mitteleuropa stehenden Menschen ermöglicht, gerade wieder mit Robert Hamerling aus dem Tiefsten des deutschen Fühlens und aus dem Wesen des deutschen Herzens, insoferne es mit dem deutschen Geistesleben sich auch verbindet, herauszusagen dasjenige, was Robert Hamerling — das Unverwüstliche des deutschen Geistes damit ausdrückend — in die schönen Worte zusammenfasste, mit denen ich diese Betrachtung heute abschließen möchte:

[ 105 ] But I would have liked to achieve this with words—which, after all, could only be truly fragmentary in light of the task they set for themselves—and I would have liked to achieve this precisely through a factual, purely objective examination of German intellectual life as well: the fruitful, indestructible essence of the German spirit is that which, in the face of the most severe oppressions—for the people living on 6 million square kilometers are confronted by those surrounding them who occupy 68 million square kilometers—enables these people in Central Europe, once again drawing upon Robert Hamerling from the depths of German feeling and the essence of the German heart, insofar as it is also connected to German intellectual life, to articulate what Robert Hamerling—thereby expressing the indestructibility of the German spirit—summarized in the beautiful words with which I would like to conclude this reflection today:

«Und wenn je dem deutschen Namen
Feindlich sich der Tag erweist,
Finden wird von Meer zu Meere
Seine Bahn der deutsche Geist.»

“And if ever the day proves hostile
To the German name,
The German spirit will find
Its path from sea to sea.”