Ways to a Knowledge of the
Eternal Forces of the Human Soul
GA 70b
14 March 1916, Stuttgart
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Ways to a Knowledge of the Eternal Forces of the Human Soul, tr. SOL
15. Wie werden die ewigen Kräfte der Menschenseele erforscht?
15. How Are the Eternal Forces of the Human Soul Studied?
Sehr verehrte Anwesende!
Ladies and gentlemen!
[ 1 ] Wenn irgendeine Weltanschauung sich geltend macht — sei es eine mehr materialistisch-intellektualistische oder eine idealistisch-spirituelle, spiritualistische —, so kann man sagen, dass eine solche Weltanschauung an der entsprechend entgegengesetzten — oder auch bloß mehr oder weniger von ihr abgewendeten — Seite einen Gegner hat, [dass sie] bekämpft wird von jener Seite. Von der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung, wie ich sie nun schon seit Jahren hier von diesem Orte aus entwickeln durfte, kann man aber sagen, dass sie mehr oder weniger von allen diesen — heute mehr der idealistisch-spirituellen Richtung zugeneigten oder der materialistisch-realistischen Richtung zuneigenden Weltanschauung —, bekämpft wird. Dass sie im Grunde genommen von allen Seiten heute nur erst noch Gegner hat, das beruht ja zum größten Teil wirklich heute noch darauf, dass gerade die wesentlichsten Grundeigenschaften dieser geisteswissenschaftlichen Weltanschauung missverstanden und dann beurteilt oder verurteilt werden, bevor man sie eigentlich kennengelernt hat.
[ 1 ] Whenever a particular worldview asserts itself—be it a more materialistic-intellectualist one or an idealistic-spiritual, spiritualist one—it can be said that such a worldview has an opponent on the corresponding opposite side—or even simply on a side that is more or less turned away from it—[and that it] is opposed by that side. However, regarding the spiritual-scientific worldview—which I have been able to develop here from this place for years now—it can be said that it is opposed, to a greater or lesser extent, by all of these worldviews—whether they lean today more toward the idealistic-spiritual direction or toward the materialistic-realistic direction. The fact that, fundamentally speaking, it faces opponents from all sides today is, for the most part, still due to the fact that the very most essential characteristics of this spiritual-scientific worldview are misunderstood and then judged or condemned before people have actually come to know them.
[ 2 ] Missverstanden wird diese geisteswissenschaftliche Weltanschauung nicht nur wegen desjenigen, was sie behauptet, sondern vor allen Dingen von vielen Seiten wegen gewisser Erdichtungen, die man über sie macht, wegen gewisser falscher Vorstellungen, die man sich von ihr bildet. Ich habe es ja schon oftmals hervorgehoben hier, und ich werde Sie bitten müssen, in manchen Kleinigkeiten auch heute wiederum Dinge sagen zu dürfen, welche ja schon gesagt worden sind, die aber notwendig sind zur Anknüpfung, damit neue Gesichtspunkte entwickelt werden können.
[ 2 ] This humanistic worldview is misunderstood not only because of what it asserts, but above all—from many quarters—because of certain fabrications made about it and certain false notions people form about it. I have, after all, emphasized this many times here, and I must ask you to allow me to repeat certain minor points today—things that have already been said but are necessary to provide context so that new perspectives can be developed.
[ 3 ] So ist vielfach die Meinung verbreitet, Geisteswissenschaft wolle nicht stehen auf dem Standpunkt der festbegründeten, in den letzten Jahrhunderten von Triumph zu Triumph geeilten naturwissenschaftlichen Erkenntnis. Aber dies ist eben durchaus ein Irrtum! Durchaus steht nämlich Geisteswissenschaft, da wo sie aus ihren wahren Grundlagen heraus vertreten wird, ganz und gar auf dem Standpunkt, der da sagt: Alles dasjenige, was die naturwissenschaftliche Welterkenntnis uns gebracht hat, muss heute als ein erster Ausgangspunkt für jegliche, also auch für die geisteswissenschaftliche Weltanschauung selbst betrachtet werden.
[ 3 ] It is a widely held view that the humanities do not wish to adopt the standpoint of scientific knowledge—which is firmly grounded and has raced from triumph to triumph over the past few centuries. But this is, in fact, a complete misconception! In fact, when it is presented on the basis of its true foundations, the science of the spirit stands entirely on the position that states: Everything that scientific knowledge of the world has brought us must today be regarded as a starting point for any worldview—including the worldview of the science of the spirit itself.
[ 4 ] Ich habe es oftmals hier gesagt, dass ich kein Wort hier sprechen würde von dem hier gemeinten, geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus, wenn ich mir nicht bewusst wäre, dass keiner naturwissenschaftlich berechtigten Wahrheit durch die Geisteswissenschaft widersprochen werde.
[ 4 ] I have often said here that I would not utter a single word from the spiritual-scientific perspective referred to here if I were not aware that spiritual science does not contradict any truth that is scientifically valid.
[ 5 ] Da sind zunächst zwei Dinge hervorzuheben, wenn man von der Gegnerschaft derjenigen sprechen will, die da sagen: Wir stehen auf dem festen Boden der Naturwissenschaft, und wir müssen dieses dilettantische Hereinreden von einem maßgeblichen, geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus bekämpfen. Da kommen vor allen Dingen die zwei Dinge in Betracht, dass erstens solche Menschen entweder stehen können auf dem Boden, von dem aus sie sagen: Alles dasjenige, was Gegenstand einer wissenschaftlichen Betrachtung sein kann und was berücksichtigt werden darf, wenn ein wissenschaftliches Weltbild aufgebaut werden wird, das ist die naturwissenschaftliche Erfahrung, das ist dasjenige, was die Naturwissenschaft gebracht hat.
[ 5 ] First of all, there are two things that must be emphasized when discussing the opposition of those who say: “We stand on the firm ground of the natural sciences, and we must combat this amateurish interference from an authoritative humanities perspective.” First and foremost, two points come into consideration: First, such people may stand on the ground from which they say: “Everything that can be the subject of scientific consideration and that may be taken into account when constructing a scientific worldview is scientific experience—that is, what natural science has produced.”
[ 6 ] Eine andere Richtung, welche von ihrem Standpunkte aus auftritt und gegnerisch ist gegen diese geisteswissenschaftliche Richtung, das ist die, welche sagt: Gewiss, man kann ja zugeben, dass hinter den Tatsachen, welche die naturwissenschaftliche Erkenntnis für die Sinneswelt feststellt, noch andere, geistige Tatsachen oder auch geistige Wesenheiten zu suchen seien; aber das menschliche Erkenntnisvermögen ist schon einmal nicht dazu veranlagt, irgendetwas von dieser, hinter der Sinneswelt verborgenen Daseinswelt zu erkennen.
[ 6 ] Another school of thought, which emerges from its own standpoint and is opposed to this spiritual-scientific approach, is the one that says: Certainly, one can certainly admit that behind the facts established by natural scientific knowledge regarding the sensory world, there are other, spiritual facts or even spiritual beings to be sought; but the human faculty of cognition is simply not equipped to perceive anything of this world of existence hidden behind the sensory world.
[ 7 ] Und von diesen zwei Gesichtspunkten aus wird dann Geisteswissenschaft bekämpft, so als ob sie von ihrer Seite aus selber irgendwie gegnerisch auftreten würde, auftreten würde gegen diese beiden Anschauungen, insoferne diese beiden Anschauungen positiv sind. Das tut sie nämlich gar nicht! Dass sie das ganz und gar nicht tut, das wird aus einzelnen Betrachtungen dieses Abends entnommen werden können.
[ 7 ] And from these two perspectives, spiritual science is then attacked, as if it were somehow taking an adversarial stance of its own accord—as if it were opposing these two views, insofar as these two views are positive. But that is not the case at all! That it does not do so in the least will become clear from various observations made this evening.
[ 8 ] Auf der anderen Seite allerdings hat Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, auch einen Gegner, einen Gegner, der oftmals sich nicht als ihren Gegner gibt, der aber doch vielleicht in vieler Beziehung sogar ein ebenso ehrlicher Gegner ist wie der eben angedeutete. Und dieser andere Gegner der Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, das ist dasjenige, was an Vorstellungen, an Phantastereien in einer großen Summe von unklaren Köpfen unter allerlei mystischen Namen, zuweilen auch unter allerlei mystischem Schwindel in die Welt gesetzt wird. Auf dieser Seite, sehr verehrte Anwesende, gibt es ja vor allen Dingen die Menschen, welche bauen dürfen auf solche Zuhörer und Bekenner, die in blindem Glauben alles dasjenige annehmen, was irgendwie über die geistige Welt geschwatzt wird, und die es umso williger annehmen, wenn solches Geschwätz auftritt, meistens selbstverständlich in dilettantischer Weise auftritt, mit Aburteilung gegenüber der strengen Wissenschaft, die oftmals umso hochnäsiger auftritt, je weniger der Betreffende Ablehner von dieser strengen Wissenschaft in seine Seele selber aufgenommen hat.
[ 8 ] On the other hand, however, spiritual science—as understood here—also has an opponent, an opponent who often does not present himself as such, but who in many respects may in fact be just as sincere an opponent as the one just mentioned. And this other opponent of the humanities, as understood here, is the body of ideas and fantasies that are put forth into the world by a large number of confused minds under all sorts of mystical names, and at times even through all sorts of mystical charlatanism. On this side, ladies and gentlemen, there are above all those people who can count on such listeners and adherents who, in blind faith, accept everything that is chattered about regarding the spiritual world, and who accept it all the more willingly when such chatter arises—usually, of course, in an amateurish manner—while condemning rigorous science, which often appears all the more haughty the less the person rejecting it has truly internalized that rigorous science into their own soul.
[ 9 ] Dazu kommen dann diejenigen, welche allerlei aus der geistigen Welt stammen sollende Behauptungen aufstellen, und die damit ganz andere Zwecke verfolgen, indem sie die Leute erst durch allerlei Behauptungen aus der geistigen Welt benebeln wollen, damit sie sie dann als Werkzeuge für irgendwelche Zwecke gebrauchen können.
[ 9 ] Added to this are those who make all sorts of claims purporting to originate from the spiritual world, and who pursue entirely different goals by first seeking to confuse people with all sorts of claims from the spiritual world so that they can then use them as tools for whatever purposes they desire.
[ 10 ] Vielleicht wird es möglich sein, wenn es die Zeit gestattet, am Schlusse des Vortrags gerade auch über diese Art von Gegnerschaft gegenüber der Geisteswissenschaft zu sprechen. Denn ungefährlich ist diese Gegnerschaft aus dem Grunde nicht, weil Menschen, die es oftmals recht, recht ehrlich meinen mit ihrem wissenschaftlichen Streben, entweder nicht die Gelegenheit oder auch nicht die Fähigkeit haben, auf das Geisteswissenschaftliche einzugehen, und die daher zusammenwerfen wahre Geisteswissenschaft mit dergleichen nebelhaft mystischen Schwärmereien, abergläubischen Vorstellungen, Wahngebilden solch doppelsinniger Köpfe.
[ 10 ] Perhaps, if time permits, it will be possible to speak specifically about this kind of opposition to the humanities at the end of the lecture. For this opposition is not without danger, because people who are often quite, quite sincere in their scientific pursuits either lack the opportunity or the ability to engage with spiritual science, and therefore lump true spiritual science together with such nebulous, mystical ramblings, superstitious notions, and delusions of such ambiguous minds.
[ 11 ] Es kann noch die Frage aufgeworfen werden, warum Geisteswissenschaft gerade bekämpft wird von der mehr oder weniger materialistisch gefärbten Weltanschauung, die ja auch glaubt, auf dem festen Boden der Naturwissenschaft zu stehen.
[ 11 ] One might also ask why the humanities are specifically targeted by a worldview that is more or less materialistic in nature, one that believes it stands on the solid ground of the natural sciences.
[ 12 ] Dies, sehr verehrte Anwesende, ist etwas, was in der Tat ernsthaftig erwogen werden muss, erwogen werden muss aus einem ganz bestimmten Grunde. Von dieser Seite, von der mehr oder weniger materialistisch gefärbten Weltanschauung, die da glaubt, auf dem festen Boden der Naturwissenschaft zu stehen, von dieser Seite wird immer wieder und wiederum betont werden ja, wie Geisteswissenschaft allerlei Dinge behaupte, die man nicht einsehen könne; während die materialistisch gefärbte Weltanschauung dasjenige doch nur sage, was sozusagen überall beobachtet werden kann, was jeder einsehen kann.
[ 12 ] This, ladies and gentlemen, is something that must indeed be seriously considered—and it must be considered for a very specific reason. From this perspective—the more or less materialistically colored worldview that believes it stands on the solid ground of natural science—it will be emphasized again and again that spiritual science asserts all sorts of things that cannot be understood; whereas the materialistically colored worldview, it is claimed, states only what can be observed everywhere, so to speak, and what everyone can understand.
[ 13 ] Geisteswissenschaft will dies letztere aber durchaus nicht in Abrede stellen; und deshalb ist es ihr so schwer, gerade gegen diesen Einwand durchzudringen. Materialistisch gefärbte Weltanschauung, wie diejenige zum Beispiel, die ich gestern als die von de La Mettrie vertretene in seinem «Der Mensch eine Maschine» angeführt habe, solche materialistischen Weltanschauungen können ungemein leicht sich verständlich machen. Es ist alles bei ihnen ungemein einleuchtend, handgreiflich, klar. Daher finden sie so willige Bekenner gerade in unserer Zeit. Und dann verbreiten solche Weltanschauungen oftmals die Meinung, als ob ihre klaren Anschauungen von der Geisteswissenschaft geleugnet werden.
[ 13 ] The humanities, however, have no intention of denying the latter; and that is why they find it so difficult to overcome this very objection. Materialistic worldviews—such as, for example, the one I cited yesterday as having been advocated by de La Mettrie in his *Man a Machine*—such materialistic worldviews can make themselves understood with remarkable ease. Everything about them is extremely plausible, tangible, and clear. That is why they find such willing adherents, especially in our time. And then such worldviews often spread the notion that their clear views are denied by spiritual science.
[ 14 ] Wie de La Mettrie geradezu als der Vater des neueren materialistisch gefärbten Positivismus bezeichnet werden kann, wie soll Geisteswissenschaft so etwas würdigen wie das, was de La Mettrie in seinem Buche «Der Mensch eine Maschine» sagt, um zu beweisen, wie alles Seelische von Materiellem abhängig ist, wie alles Seelische bedingt ist durch Materielles? Da sagt de La Mettrie:
[ 14 ] Since de La Mettrie can virtually be called the father of modern materialistic positivism, how is the science of the mind supposed to do justice to what de La Mettrie says in his book *Man a Machine* to prove how everything mental depends on the material, how everything mental is conditioned by the material? De La Mettrie says:
«Welche Macht übt eine Mahlzeit auf uns? Die Freude erwacht in einem traurigen Herzen; sie geht in die Seele der Tischgenossen über und wird durch jene reizenden Gesänge ausgedrückt, in denen sich der Franzose auszeichnet.»
“What power does a meal exert over us? Joy awakens in a sad heart; it spreads to the souls of those at the table and is expressed through those charming songs for which the French are so renowned.”
[ 15 ] Niemandem, der auf dem Boden einer geisteswissenschaftlichen Weltanschauung steht, wird etwa einfallen, eine solche handgreifliche Wahrheit, wie sie da ausgesprochen wird, irgendwie zu bezweifeln. Und ob eine solche handgreifliche Wahrheit in grobklotziger Weise ausgesprochen wird, wie hier, oder ob sie in etwas feinerer Weise ausgesprochen wird, darauf kommt es zuletzt nicht an!
[ 15 ] No one who holds a humanistic worldview would ever think to doubt, in any way, such a self-evident truth as the one expressed here. And whether such a self-evident truth is expressed in a crude and blunt manner, as it is here, or in a somewhat more refined way, ultimately makes no difference!
[ 16 ] Dieser selbe de La Mettrie sagt zum Beispiel: Der Mensch ist in seinen seelischen Eigenschaften, in alle dem, was er seelisch offenbart der Außenwelt, so abhängig von dem Mechanismus seines Leibes, dass man sagen kann: Wenn nur irgendeine Kleinigkeit im Gehirn des Erasmus oder des Fontenelle — eine Kleinigkeit, die man nicht einmal anatomisch nachweisen kann —, anders gewesen wäre, so hätten Erasmus und Fontenelle statt Genies zu Tröpfen werden können!
[ 16 ] This same de La Mettrie says, for example: In his mental characteristics—in everything he reveals to the outside world through his mind—man is so dependent on the mechanics of his body that one can say: If just one tiny thing in the brain of Erasmus or Fontenelle—a tiny thing that cannot even be anatomically proven—had been different, Erasmus and Fontenelle might have become fools instead of geniuses!
[ 17 ] Diese Dinge führt man immer an; sodass sie so wirken sollen, als ob man damit irgendwie Geisteswissenschaft aus dem Felde schlagen könnte! Geisteswissenschaft wird das ohne Weiteres zugeben; nur wird sie selbstverständlich solch eine grobe und die etwas feinere Wahrheit auf demselben Brett liegend betrachten müssen, wie wenn man zum Beispiel sagt: Es hätte ja noch viel schlimmer kommen können; nehmen wir einmal an, der Erasmus, derjenige, der der Erasmus hätte werden sollen, wäre als fünfjähriger Knabe von einem Banditen erschlagen worden, dann hätte sich selbstverständlich seine Seele noch weniger entwickeln können, als wenn nur ein Rädchen in seinem Gehirn nicht richtig gewesen wäre! Oder es wäre gar, bevor er geboren worden wäre, seine Mutter von einem Banditen erschlagen worden!
[ 17 ] These things are always brought up—as if they could somehow be used to knock spiritual science out of the park! Spiritual science will readily admit this; only, of course, it will have to consider such a crude truth and the somewhat more subtle truth as lying on the same level—just as when one says, for example: It could have been much worse; let’s suppose that Erasmus—the one who was meant to become Erasmus—had been killed by a bandit as a five-year-old boy; then, of course, his soul would have been able to develop even less than if just one little cog in his brain hadn’t been working properly! Or suppose his mother had been killed by a bandit even before he was born!
[ 18 ] All die Dinge, welche von jener Seite vorgebracht werden, sind durchaus nicht zu bekämpfen; sie zeichnen sich sogar dadurch aus, dass sie ganz selbstverständlich sind, sodass es aber trotzdem eine Kleinheit bleiben kann, sie immer wieder und wiederum anzuführen und den Glauben zu erwecken, als ob nun der Geisteswissenschafter so töricht wäre, dass er solche «handgreiflichen» Dinge nicht zugeben könne.
[ 18 ] All the points raised by that side are by no means to be refuted; in fact, they are characterized by the fact that they are entirely self-evident. Nevertheless, it remains a trivial matter to bring them up again and again and to give the impression that the spiritual scientist is so foolish that he cannot admit such “obvious” things.
[ 19 ] Aber der Geisteswissenschafter, er weiß, sehr verehrte Anwesende, dass — [wie] ebenso wahr solche Behauptungen sind, [wie] ebenso gut begründet sie sind —, dass sie auf der anderen Seite wiederum ebenso gut anfechtbar sind, selbstverständlich! — Weil dasjenige, was man mit Bezug auf die äußere Welt sagen kann, kombinieren kann, mit dem Verstande kombinieren kann, auf der anderen Seite total falsch sein kann! Ich habe schon öfter auch hier dasjenige ausgeführt, was der mir unvergessliche Vincenz Knauer gegen den Materialismus gesagt hat. Er sagte: Man mache einmal die Probe und sperre einen Wolf ein, sperre ihn ab. Nachdem man dann sicher sein kann, dass alles, [was er an Materie gehabt hat, reine Wolfsmaterie war], füttere [man] ihn ab mit lauter Lammfleisch. — Man wird sich überzeugen, dass, trotzdem er seinen Körper neu aufgebaut haben wird aus lauter Lammesfleisch, man wird sich überzeugen, dass, trotzdem er seinen Körper neu aufgebaut haben wird aus lauter Lammesfleisch, trotzdem aus dem Wolf kein Lamm geworden ist!
[ 19 ] But the humanities scholar, ladies and gentlemen, knows that—[no matter] how true such claims may be, [no matter] how well-founded they may be—they are, on the other hand, just as easily refutable, of course! — Because what one can say about the external world, what one can piece together, what one can reason out, can, on the other hand, be completely wrong! I have often explained here what the unforgettable Vincenz Knauer said against materialism. He said: Let’s try an experiment and lock up a wolf, shut him away. Once you can be certain that everything [he had in terms of matter was pure wolf matter], feed [him] nothing but lamb meat. — You will see for yourself that, even though he will have rebuilt his body entirely from lamb meat, you will see for yourself that, even though he will have rebuilt his body entirely from lamb meat, the wolf has still not become a lamb!
[ 20 ] Da handelt es sich darum, dass es gewiss sehr richtig ist, was de La Mettrie über den Einfluss einer Mahlzeit auf die Seele sagt; ganz richtig ist das. Aber Behauptungen, die die Tragkraft haben sollen für eine Weltanschauung, bei denen ist durchaus das der Fall, dass sie allmählich übergehen in andere, ja sogar in ihr Gegenteil; und dass, von der anderen Seite angesehen, ihr Gegenteil ebenso gut behauptet werden kann.
[ 20 ] The point here is that what de La Mettrie says about the influence of a meal on the soul is certainly very true; that is quite correct. But claims that are supposed to underpin a worldview often gradually shift into other claims—even into their very opposites—and, viewed from the other side, their opposites can just as easily be asserted.
[ 21 ] Das musste ich voraussetzen, gerade heute, wo es sich darum handeln wird, einzugehen, von einem gewissen Gesichtspunkte aus wiederum einzugehen auf den Weg, den die geisteswissenschaftliche Forschung nimmt. Dieser Weg, er ist zunächst dadurch charakterisiert, dass er im Grunde genommen in seinem weiteren Verfolge gerade den Geisteswissenschafter darauf führt, gewisse naturwissenschaftliche Erkenntnisse noch mehr zu bekräftigen, als sie heute schon der Naturforscher selber bekräftigen kann.
[ 21 ] I had to assume this, especially today, when the focus will be on examining—from a certain perspective—the path that research in the humanities is taking. This path is characterized, first of all, by the fact that, as it progresses, it essentially leads the researcher in the humanities to confirm certain scientific findings even more firmly than the natural scientist himself is able to do today.
[ 22 ] Nun habe ich schon öfter hier auseinandergesetzt, dass der Weg den die Geistesforschung zu nehmen hat, ein durchaus innerlicher ist; dass diese Geisteswissenschaft zwar so wissenschaftlich sein will, so streng wissenschaftlich wie jede Naturwissenschaft; dass aber der Weg, den sie nehmen muss, weil sie nicht auf die Sinneswelt geht, sondern eben auf das Geistige, dass dieser Weg ein rein innerlicher sein muss. Ich werde heute nicht auf die genauere Charakteristik dieses innerlichen Weges eingehen; ich habe das öfter hier getan, es kann ja nicht alles immer wiederholt werden. Ich muss da verweisen auf dasjenige, was in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» steht, wo genauer beschrieben wird, was die Seele mit sich selber auszuführen hat, wenn sie den Weg gehen will, der gewisse in ihr schlummernde Kräfte erweckt, was Geistesaugen und Geistesohren — um diese Goethe’schen Ausdrücke zu gebrauchen — genannt werden kann. Es wird dort beschrieben, welche Entwicklung die Seele nehmen muss, um solche Geistesaugen und Geistesohren zu bekommen, um dadurch ebenso hineinsehen zu können in eine geistige Welt, wie die Sinne hineinsehen können in die sinnliche Welt.
[ 22 ] I have already discussed here on several occasions that the path spiritual research must take is an entirely inner one; that this spiritual science, while it aims to be scientific—as strictly scientific as any natural science—must nevertheless follow a path that is purely inner, because it does not deal with the sensory world but rather with the spiritual realm. I will not go into the precise characteristics of this inner path today; I have done so here on several occasions, and after all, not everything can be repeated over and over again. I must refer here to what is written in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*, where it is described in greater detail what the soul must accomplish within itself if it wishes to walk the path that awakens certain powers slumbering within it—powers that can be called “spiritual eyes” and “spiritual ears,” to use Goethe’s terms. It describes the development the soul must undergo to acquire such spiritual eyes and spiritual ears, so that it may thereby look into the spiritual world just as the senses look into the physical world.
[ 23 ] Wenn aber alles dasjenige, was da geraten wird der Seele, um den Weg zu finden, der eben angedeutet worden ist, wenn das kommen wird, dann wird man finden, dass das Wesentliche darinnen besteht, dass das Denken zunächst, das Vorstellen, in einer anderen Weise behandelt wird, als dieses Denken, dieses Vorstellen im gewöhnlichen Leben behandelt wird. Im gewöhnlichen Leben macht sich der Mensch Vorstellungen von der äußeren Welt, und er ist darauf bedacht — und muss darauf bedacht sein, denn nur dadurch kann er fest drinnen stehen in der äußeren Welt und im praktischen Leben —, er ist darauf bedacht und muss darauf bedacht sein, in seinen Vorstellungen Abbilder zu haben von dem, was draußen als Wirklichkeit ist, innerlich erweckte Bilder.
[ 23 ] But when all that is advised to the soul in order to find the path just indicated—when that comes to pass—then one will find that the essence of it lies in the fact that thinking, and specifically imagination, is approached in a different way than it is in ordinary life. In everyday life, people form mental images of the external world, and they are concerned—and must be concerned, for only in this way can they stand firmly within the external world and in practical life—they are concerned and must be concerned with having in their mental images reflections of what exists as reality outside, images aroused within.
[ 24 ] Aber noch etwas anderes ist notwendig. Die Vorstellungen müssen nicht nur in uns gebildet werden, sondern diese Vorstellungen, die der Mensch als Abbilder der Wirklichkeit in seiner Umgebung macht, die müssen — wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, der allerdings die Tatsache nicht genau anzeigt, aber durch den wir uns verständigen können —, diese Vorstellungen müssen haften bleiben im inneren Leben des Menschen: Gedächtnis, Erinnerung muss vorhanden sein. Würden die Vorstellungen nicht haften bleiben, würde dasjenige, was wir vorstellen, so vorübergehen, dass nichts zurückbliebe [in Form von Erinnerungen], so würden wir unsere fortlaufende Ichvorstellung nicht haben, die uns von der Zeit, bis zu der wir uns zurückerinnern können, bis zum Tode begleiten muss und die ungestört bleiben muss. Diese Ich-Vorstellung haben wir nur, können sie nur mit uns mittragen, wenn die Vorstellungen, die wir uns bilden, nicht bloß augenblickliche, gegenwärtige Erlebnisse sind, sondern wenn sie haften bleiben im inneren Leben, wenn sie wiederum aus diesem inneren Leben hervorgeholt werden können.
[ 24 ] But something else is necessary as well. Not only must these ideas be formed within us, but these ideas—which human beings create as images of reality in their surroundings—must—if I may use the expression, which admittedly does not precisely capture the fact but through which we can communicate—these ideas must remain imprinted in the inner life of the human being: memory must be present. If the mental images did not remain, if what we imagine were to pass by in such a way that nothing remained [in the form of memories], then we would not have our continuous sense of self, which must accompany us from the time as far back as we can remember until death and which must remain undisturbed. We possess this sense of self—and can carry it with us—only if the ideas we form are not merely momentary, present-moment experiences, but if they remain embedded in our inner life and can be retrieved from that inner life.
[ 25 ] Nun besteht das Wesentliche der ersten inneren Vornahme, der ersten inneren Tätigkeit, die der Geistesforscher mit seiner eigenen Seele vorzunehmen hat, die besteht darinnen, dass dieses Vorstellen, das durchaus richtig ist für das gewöhnliche äußere Leben, dass dieses Vorstellen abgeändert werde, dass es in einer ganz anderen Weise auftritt in der Seele, als es im gewöhnlichen Leben auftritt. Um also wirklich das Geistige zu erkennen, muss etwas mit der Seele vorgehen, was das Vorstellungsleben ganz anders einrichtet, als es im gewöhnlichen Leben ist.
[ 25 ] Now, the essence of the first inner resolution, the first inner activity that the spiritual researcher must undertake with his own soul, consists in the fact that this process of imagination—which is entirely appropriate for ordinary external life—must be transformed so that it occurs in the soul in a completely different way than it does in ordinary life. Thus, in order to truly recognize the spiritual, something must occur within the soul that reorganizes the life of imagination in a way entirely different from that of ordinary life.
[ 26 ] Nun habe ich öfter hervorgehoben, dass es sich darum handelt bei dem, was der Geistesforscher, um seinen Weg in die geistige Welt hinein zu finden, mit sich vorzunehmen hat, dass es sich darum handelt, gewisse Gedanken — auf deren äußeren Wirklichkeitswert es nicht ankommt zunächst, sie können namentlich bildhafte Gedanken, sinnbildliche Gedanken sein — in seiner Seele gegenwärtig zu machen. Man nennt das «Meditieren»; die ganze Tätigkeit der Seele konzentrieren auf einen willkürlich in die Seele gestellten Gedankeninhalt, den man überschauen kann, bei dem also nicht unterbewusst gefühlsmäßige, unbewusst gefühlsmäßige Triebkräfte mitspielen können, sondern einen Inhalt, den man überschauen kann, den man durchsichtig klar vor die Seele stellt, der wird in den Mittelpunkt des Bewusstseins gestellt, in den Mittelpunkt des Denkens gerückt.
[ 26 ] Now, I have often emphasized that what the spiritual researcher must set out to do in order to find his way into the spiritual world is to bring certain thoughts—whose external reality is not initially important; they may be, in particular, pictorial or symbolic thoughts—into the presence of his soul. This is called “meditation”; concentrating the entire activity of the soul on a thought content arbitrarily placed within the soul—one that can be fully grasped, in which, therefore, no subconscious or unconscious emotional driving forces can come into play—but rather a content that can be fully grasped, that is placed before the soul with crystal clarity, and which is placed at the center of consciousness, at the center of thought.
[ 27 ] Und das Denken muss dann — es ist das ein langer Übungsweg, der durchgemacht werden muss, der oftmals jahrelang dauern kann —, das Denken muss immer wieder darauf zurückkommen, diesen Inhalt in den Mittelpunkt des Bewusstseins zu stellen. Dadurch wird das ganze Seclenleben zusammengedrängt — gewiss, es darf nur kurze Zeit dauern, Minuten etwa während des Tages —, dadurch wird das ganze Seelenleben zusammengedrängt auf diesen Inhalt. Und dadurch kommt dieses Seelenleben nach und nach — ich beschreibe dasjenige, was wirklich die Geistesforschung durchzumachen hat —, nach und nach dazu, zu trennen zwei Dinge, die im gewöhnlichen Vorstellen immer verknüpft sind: nämlich, die innere Tätigkeit des Denkens, des Vorstellens, abzutrennen von dem Inhalt. Man muss abtrennen dasjenige, sehr verehrte Anwesende, was man da macht, indem man denkt, indem man vorstellt — diese innere Tätigkeit des Denkens, die muss man ganz abtrennen von dem Inhalt. Sodass, wenn man also einen solchen Inhalt in den Mittelpunkt seines Seelenlebens stellt, man allmählich gewahr wird: Es kommt nicht auf diesen Inhalt an; diesen Inhalt habe ich bloß hereingelegt, damit ich die innere Tätigkeit des Denkens daran ausüben kann.
[ 27 ] And then thinking must—it is a long path of practice that must be undertaken, one that can often take years—thinking must return to this again and again, placing this content at the center of consciousness. In this way, the entire life of the soul is condensed—admittedly, it need only last a short time, perhaps a few minutes during the day—and in this way, the entire life of the soul is condensed onto this content. And through this, this soul life gradually—I am describing what spiritual research truly must go through—gradually comes to separate two things that are always linked in ordinary imagination: namely, to separate the inner activity of thinking and imagining from the content. One must separate, my dear friends, what one does when one thinks and imagines—this inner activity of thinking—and one must completely separate it from the content. So that, when one places such content at the center of one’s inner life, one gradually becomes aware: It is not this content that matters; I have merely introduced this content so that I can exercise the inner activity of thinking upon it.
[ 28 ] Und dann erlebe ich innerlich, jetzt nicht einen bestimmten Gedanken, jetzt nicht einen bestimmten Inhalt, sondern die innere Tätigkeit des Denkens. Das ist weniger dasjenige, was man sonst Denken nennt, sondern das ist dasjenige, was sonst beim Denken immer unbewusst bleibt, das ist eine gewisse, im sonstigen Denken und Vorstellen geübte Willenstätigkeit, eine feine Willenstätigkeit. Das beachtet man gar nicht im gewöhnlichen Leben, im gewöhnlichen Vorstellen, wenn man denkt. Das beachtet man gar nicht, dass man ja eigentlich immer seinen Willen braucht, wenn man denkt, wenn man vorstellt; das beachtet man nicht. Das erlebt man aber jetzt, dass man da eine feine innere Willenstätigkeit ausübt. Die Seele wird gewahr gewisse Kräfte in sich, die sie sonst auch immer übt im gewöhnlichen Leben, auf die sie aber das Bewusstsein nicht hinrichtet, die unbewusst bleiben. Sodass aller Inhalt der Meditation herausfallen kann aus dem Vorstellen, und nur dieses Sich-innerlichBewegen im Denken, im Vorstellen, gewissermaßen innerlich ergriffen wird. Und darauf kommt es an. Denn auf fortgesetztes Üben in dieser Richtung knüpfen sich nun ganz bestimmte Erlebnisse an, die man im Fortgang seines Suchens nach der geistigen Welt hat. Gewisse Erlebnisse knüpfen sich daran, wenn man dazu gekommen ist, wirklich abzutrennen den Inhalt, und erleben zu können das bloße innere Tun, die Tätigkeit im Denken, im Vorstellen. Dann hat man zunächst so ein innerliches Gefühl, als ob man jetzt in irgendeinem ganz unbestimmten Erleben drinnen stünde. Es ist wichtig — ich möchte sagen — diese feinen Einzelheiten durchaus ins Auge zu fassen, wenn man von wahrer geisteswissenschaftlicher Forschung etwas wissen will.
[ 28 ] And then I experience inwardly—not a specific thought at this moment, not a specific content, but the inner activity of thinking. This is not so much what is usually called thinking, but rather what usually remains unconscious during thinking; it is a certain volitional activity honed through ordinary thinking and imagining—a subtle volitional activity. One doesn’t pay any attention to this at all in everyday life, in ordinary imagining, when one thinks. One doesn’t pay any attention to the fact that one actually always needs one’s will when thinking or imagining; one doesn’t notice that. But now one experiences that one is exercising a subtle inner volitional activity. The soul becomes aware of certain forces within itself that it otherwise exercises constantly in everyday life, but to which it does not direct its consciousness—forces that remain unconscious. So that the entire content of the meditation can fall away from the act of imagining, and only this inner movement within thinking and imagining is, so to speak, grasped inwardly. And that is what matters. For continued practice in this direction is now linked to very specific experiences that one has in the course of one’s search for the spiritual world. Certain experiences arise when one has reached the point of truly separating the content and being able to experience the mere inner activity—the activity in thinking and imagining. Then, at first, one has a kind of inner feeling as if one were now immersed in some entirely indeterminate experience. It is important—I would say—to take these subtle details fully into account if one wishes to know anything about true spiritual scientific research.
[ 29 ] Dasjenige, was sonst das Ruhen des Denkens in dem Vorstellen ist, das kann unter dem Einfluss solcher Übungen zunächst aufhören, wenn das Ziel erreicht werden soll, und muss eigentlich für gewisse Erfahrungen aufhören, wenn das Ziel erreicht werden soll. Man kommt in ein innerliches Erleben, in ein innerliches Sich-Bewegen hinein. Man fühlt sich nicht äußerlich jetzt — nur der Vergleich knüpft an Äußerliches an —, man fühlt sich wie seelisch im Finstern überall umhertastend; man fühlt sich ganz aufgehend in der inneren Vorstellungs- und Denktätigkeit, die man ergriffen hat. Durch inneres Erleben macht man jetzt eine gewisse Erfahrung; und die besteht darinnen, dass man sich sagt: Also, du hast es jetzt erreicht, dass du nur in der Denktätigkeit, in der Vorstellungstätigkeit lebst. Man macht zunächst die Erfahrung, dass mit Bezug auf diese innerlichen Erlebnisse in der Denktätigkeit, in der Vorstellungstätigkeit dasjenige nicht mehr da ist, was sonst Erinnerungskraft, was sonst Gedächtnis ist. Das ist nicht mehr da. Man merkt, dass man in eine ganze andere innere Strömung hineingekommen ist, dass man dasjenige, was man jetzt erlebt als Denktätigkeit, dass man das nicht so erlebt, als wenn man sich an irgendetwas erinnert oder wenn man sonst mit Anlehnung an äußere Gegenstände oder Tatsachen denkt; sondern man merkt, dass man jetzt Denktätigkeit entwickelt, so wie man entwickelt Willenstätigkeit, ich will sagen, aus der Gewohnheit heraus — nicht ein Denken, sondern ein innerliches Sichbetätigen aus einer gewissen feinen Gewohnheit heraus, das ist dasjenige, was man jetzt innerlich erlebt. Und nur einen Wert, eine Bedeutung hat dieses innerliche Erleben in dem Augenblicke — eine Bedeutung [hat] dieses Erleben der inneren Tätigkeit in dem Augenblicke, wo man es erlebt. Es ist zwar auch ein grober Vergleich, aber ich kann doch den Vergleich gebrauchen: Das, was man so erlebt, indem man jetzt von den Gedanken getrennt hat die innere Denktätigkeit, das gehört so dem augenblicklichen Erleben an, ja, wie das Essen und Trinken. Es ist ein grober Vergleich, aber es ist ein Vergleich, der alles veranschaulicht, was ich sagen will. Nicht wahr, wir können nicht, wenn wir gestern gegessen haben, das gestrige Essen oder gestrige Trinken heute wiederum zur Ernährung des Körpers verwenden, sondern wir müssen heute wiederum essen und trinken. Essen und Trinken haben nur diese augenblickliche, diese gegenwärtige Bedeutung. Wir können nicht sagen: Wir essen heute; und morgen, wenn wir diese Tätigkeit ausüben, wodurch wir uns [...] erinnern an unser heutiges Essen und Trinken, dadurch auch uns ernähren. Das ist eine Tätigkeit — das Essen und Trinken —, das immer wiederholt werden muss.
[ 29 ] What is normally the repose of thought in imagination can, under the influence of such exercises, initially cease if the goal is to be attained, and must in fact cease for certain experiences if the goal is to be attained. One enters into an inner experience, into an inner movement of the self. One no longer feels connected to the external world—it is only the act of comparison that links one to the external—but rather feels as if one’s soul were groping around in the darkness; one feels completely absorbed in the inner activity of imagination and thought that one has taken up. Through inner experience, one now has a certain realization; and this consists in saying to oneself: “So, you have now reached the point where you live solely in the activity of thinking and imagining.” One first experiences that, with regard to these inner experiences in the activity of thinking and imagining, that which is otherwise the power of recollection—that which is otherwise memory—is no longer present. It is no longer there. One notices that one has entered into an entirely different inner current, that what one now experiences as thinking activity is not experienced as if one were recalling something or thinking in reference to external objects or facts; rather, one notices that one is now developing thinking activity in the same way one develops volitional activity, I mean, out of habit—not a form of thinking, but an inner activity arising from a certain subtle habit; that is what one now experiences inwardly. And this inner experience has only one value, one meaning at that moment—this experience of inner activity has meaning at the very moment one experiences it. Admittedly, it is a crude comparison, but I can still use it: What one experiences in this way—having now separated the inner act of thinking from one’s thoughts—belongs to the experience of the moment, just like eating and drinking. It is a crude comparison, but it is one that illustrates everything I want to say. After all, if we ate yesterday, we cannot use yesterday’s food or drink again today to nourish the body; rather, we must eat and drink again today. Eating and drinking have only this momentary, this present significance. We cannot say: “We eat today; and tomorrow, when we perform this activity—which causes us to [...] recall our eating and drinking today—we will thereby nourish ourselves.” This is an activity—eating and drinking—that must always be repeated.
[ 30 ] Und so ist diese innere Vorstellungstätigkeit etwas, diese innere Vorstellungsbetätigung jetzt etwas, was nicht einen Wert hat für eine spätere Zeit, sondern immer von Neuem aus dem Erleben hervorgerufen werde muss. Man muss sich die innerliche Fähigkeit erwerben, nicht etwa das, was man einmal geistig auf diese Weise erlebt hat, sich zu merken, damit man sich daran erinnern könne; sondern damit man es immer wieder und wieder aus einer jetzt inneren, feineren Gewohnheit heraus erleben kann. Sodass man merkt, dass das, was man jetzt entwickelt hat, als Vorstellung wirklich so verfließt zunächst wie Träume. Wie die Träume hinhuschen, so huscht dieses wirkliche Ertasten, geistig-seelische Ertasten hin, das ja in einer unabänderlichen Beweglichkeit ist, wie ich angedeutet habe.
[ 30 ] And so this inner imaginative activity—this inner act of imagination—is something that has no value for a later time, but must always be brought forth anew from experience. One must acquire the inner capacity not to memorize what one has once experienced mentally in this way so that one can recall it, but rather so that one can experience it again and again out of what is now an inner, more subtle habit. So that one realizes that what one has now developed as an image truly flows by at first just like dreams. Just as dreams flit by, so does this real, spiritual-psychic sensing flit by—which, as I have indicated, is characterized by an unalterable fluidity.
[ 31 ] Was merkt man also eigentlich nun in diesem Moment, sehr verehrte Anwesende? Da merkt man das, was nun auch — wie manches, was ich gelegentlich des geistigen Erkenntnisweges auch schon angeführt habe — erschütternd auf die Seele wirken kann: Man merkt, was es eigentlich für eine Bewandtnis hat mit dem, was wir Gedächtnis nennen, mit dem, was wir Erinnerungskraft nennen. Diese Erinnerungskraft können wir zunächst für das geistige Erkennen gar nicht gebrauchen. Von dieser Erinnerungskraft müssen wir uns gerade trennen, wenn wir geistig erkennen wollen. Und man erkennt nun klar, ganz klar, dass dasjenige Denken, das erinnert werden kann — und das ist alles alltägliche Denken und muss alles alltägliche Denken sein; wenn es nicht mehr das alltägliche Denken ist, so ist man nicht mehr geistig gesund —, man erkennt, dass dasjenige Denken, das in die Erinnerung übergehen kann, unmittelbar an die Körperlichkeit gebunden ist, [man erkennt], dass der physische Leib wirklich wie eine Maschine, wenn auch wie eine feinere Maschine, [beiträgt] dasjenige, was zunächst im alltäglichen Leben so gedacht wird, dass es Erinnerung hervorrufen kann.
[ 31 ] So what does one actually perceive at this very moment, distinguished audience? One realizes something that—like many things I have already mentioned in the course of the spiritual path of knowledge—can have a profound effect on the soul: One realizes what is actually the nature of what we call memory, of what we call the power of recollection. At first, we cannot use this power of recollection at all for spiritual knowledge. We must detach ourselves from this power of memory precisely when we wish to engage in spiritual cognition. And one now realizes clearly, very clearly, that the kind of thinking that can be recalled—and this is all everyday thinking and must be all everyday thinking; if it is no longer everyday thinking, then one is no longer spiritually healthy— one realizes that the kind of thinking that can pass into memory is directly bound to physicality; [one realizes] that the physical body truly functions like a machine—albeit a more subtle one—[contributing] to the fact that what is initially thought in everyday life can evoke memory.
[ 32 ] Sehen Sie, verehrte Anwesende, der Geistesforscher kommt durch ein Erlebnis gerade zu einer Bekräftigung der trivialen Wahrheit, die der Materialismus als die seine in Anspruch nimmt, dass dasjenige Denken, welches im Alltag entwickelt wird, durchaus bedingt ist durch die Leiblichkeit. Nicht bedingt durch die Leiblichkeit ist nur das, was wir jetzt abgeschält haben, die innere Tätigkeit. [Nicht das Denken, die Denktätigkeit ist bedingt von der Leiblichkeit, sondern der Inhalt des Gedankens ist ganz abhängig von der Leiblichkeit.] Der Inhalt des Gedankens ist ganz abhängig von der Leiblichkeit.
[ 32 ] You see, esteemed audience, through an experience the spiritual researcher actually arrives at a confirmation of the trivial truth that materialism claims as its own: that the thinking developed in everyday life is entirely conditioned by physicality. The only thing that is not conditioned by physicality is what we have just set aside: inner activity. [It is not thinking—the act of thinking—that is conditioned by physicality, but rather the content of the thought that is entirely dependent on physicality.] The content of the thought is entirely dependent on physicality.
[ 33 ] Und wenn da kommen irgendwelche geisteswissenschaftliche Dilettanten, auch philosophisch nuancierte — sagen wir — Fachkenner und sagen: Ja, aber der Gedanke hat doch eine innere Eigenschaft, aus der man erkennt, dass er nicht in der Leiblichkeit aufgehen kann, das er etwas anderes ist als die Leiblichkeit, da wird man mit der vielleicht nicht heute schon bestehenden Wissenschaft — aber mit dem Ideal der Wissenschaft, das sich schon einmal erfüllen wird, der Geisteswissenschaft — sagen: Es gibt gewisse Materien, wenn man sie dem Lichte aussetzt, so nehmen sie gewissermaßen das Licht auf und strahlen es dann noch eine Zeit lang von sich aus. Wird man nun diese Ausstrahlungen als irgendetwas betrachten, was nicht in der Materie begründet ist? Ebenso wenig sollte man, wenn die Außenwelt, die physisch-sinnliche Außenwelt auf den Menschen einen Eindruck macht, [wenn die Außenwelt] innerlich Gedanken erzeugt und diese Gedanken nur festgehalten werden während der Zeit unseres Lebens, wenn sie gleichsam fluoreszieren heraus aus der Leiblichkeit, ebenso wenig sollte man diese als irgenderwas Geistig-allein-Bedingtes betrachten, als irgendetwas, was eine Bedeutung haben könne für ewige Kräfte der menschlichen Seele. Es sind Erscheinungen, die auftreten an der leiblichen Materie des Menschen. Ebenso wie die Elektrizität auftritt an der Materie. Nicht in dem Leugnen dieser berechtigten naturwissenschaftlichen Anschauung, sondern in dem richtigen Verstehen liegt dasjenige, was die Geisteswissenschaft dabei zu tun hat.
[ 33 ] And when some dilettantes in the humanities—even, let’s say, experts with a philosophical perspective—come along and say: “Yes, but a thought does have an inner quality from which one can recognize that it cannot be absorbed into physicality, that it is something other than physicality,” then one will respond—perhaps not with a science that exists today, but with the ideal of science that will one day be realized, namely spiritual science—by saying: There are certain materials that, when exposed to light, absorb the light, as it were, and then continue to radiate it on their own for a time. Should one now regard these radiations as something that is not grounded in matter? Similarly, when the external world—the physical, sensory external world—makes an impression on a person, [when the external world] gives rise to inner thoughts, and these thoughts are retained only for the duration of our lives—as it were, fluorescing out of our physicality—one should not regard them as something determined solely by the spiritual, as something that could have significance for the eternal forces of the human soul. These are phenomena that occur in the physical matter of the human being, just as electricity occurs in matter. It is not in the denial of this legitimate scientific view, but in its correct understanding, that the task of spiritual science lies.
[ 34 ] Sodass alle philosophische Rederei, welche auf Grundlage einer Betrachtung der Gedanken, wie sie einmal sind, niemals irgendetwas wird aussagen können über die ewigen Kräfte der Menschenseele. Denn geradeso wie ein Fluoreszieren der Materie, wenn man sie als Materie wegnimmt, selbstverständlich das bedingt, dass auch das Fluoreszieren aufhört, so kann derjenige, der auf naturwissenschaftlichem Boden steht, nicht anders, als der Wahrheit gemäß zu behaupten: Wenn der Körper zerfällt, zerfällt auch seine Grundlage, die er gibt für das Erscheinen der Gedanken aus der Leiblichkeit heraus.
[ 34 ] Thus, all philosophical discourse based on a consideration of thoughts as they are in and of themselves will never be able to say anything about the eternal powers of the human soul. For just as the fluorescence of matter—when matter itself is removed—naturally ceases, so too must anyone standing on the ground of the natural sciences assert, in accordance with the truth: When the body decays, so too does the foundation it provides for the emergence of thoughts from physicality.
[ 35 ] Nur das unmittelbare Beweisen, das dadurch entsteht, dass die sonst unbewusst bleibende Denktätigkeit, Vorstellungstätigkeit, sich von den Gedanken selber abgesondert hat, sich innerlich erfasst hat, das gibt zunächst das höhere Bewusstsein, dass man nunmehr lebt in etwas, was wirklich außerhalb der Leiblichkeit ist. Mit den Gedanken des Alltags lebt man nicht außerhalb der Leiblichkeit. Mit dem Ergreifen derjenigen Tätigkeit, die man auf die geschilderte Weise abgesondert hat von dem Inhalte der Gedanken, weiß man, dass man — indem man sie erlebt, weiß man es —, dass man mit etwas in einer Sphäre lebt, die jetzt außerhalb der Leiblichkeit ist.
[ 35 ] Only the immediate experience that arises when the otherwise unconscious activity of thought and imagination has separated itself from the thoughts themselves and has come to grasp itself inwardly—only this initially provides the higher awareness that one now lives in something that is truly outside of physicality. With everyday thoughts, one does not live outside of physicality. By grasping that activity which one has separated from the content of thoughts in the manner described, one knows—by experiencing it, one knows it—that one lives with something in a sphere that is now outside of physicality.
[ 36 ] So kann man niemals, sehr verehrte Anwesende, aus dem, was der Mensch schon zunächst bewusst übt in Bezug auf die physische Umwelt und in Bezug auf sein äußeres Leben, die ewigen Kräfte der Menschenseele erforschen; sondern notwendig ist dazu, dass von dem, was der Mensch in sich erlebt im gewöhnlichen physischen Leben, erst abgesondert wird dasjenige, was auf die geschilderte Art innerlich ergriffen werden kann. Aber es genügt nicht, dass der Mensch den soeben geschilderten Weg durchmacht; denn er würde dadurch niemals zu etwas anderem kommen als dazu, in einem gewissermaßen ewigen Weggehen sich zu erfühlen wie in einem Seelendunkel. Das genügt also nicht.
[ 36 ] Thus, ladies and gentlemen, one can never explore the eternal forces of the human soul based on what a person initially consciously practices in relation to the physical environment and to their outer life; rather, it is necessary to first separate from what a person experiences within themselves in ordinary physical life that which can be grasped inwardly in the manner described. But it is not enough for a person to follow the path just described; for in doing so, they would never arrive at anything other than a sense of being in a kind of eternal wandering, as if in spiritual darkness. So that is not enough.
[ 37 ] Was hat denn der Mensch eigentlich auf diese Weise erreicht? Er hat im Grunde genommen den Inhalt des Denkens, die Gedanken, die Vorstellungen selber abgeworfen, und hat erkannt, dass diese Vorstellungen, diese Gedanken an das Leibliche gebunden sind, und dass nur die Tätigkeit des Vorstellens, die Tätigkeit des Denkens, nicht an dieses Leibliche gebunden ist.
[ 37 ] What, then, has humanity actually achieved in this way? It has, in essence, cast aside the content of thought—the thoughts and ideas themselves—and has recognized that these ideas and thoughts are bound to the physical, and that only the act of imagining, the act of thinking, is not bound to the physical.
[ 38 ] Es müssen nun deshalb parallel gehen — die Übungen, die inneren Übungen, die ich genannt habe, um die Seele in der richtigen Weise zu schulen, dürfen nicht bloß für sich befolgt werden —, sondern es müssen ihnen parallel gehen andere Übungen. Die Übungen, die ich eben charakterisiert habe, sind eigentlich [dazu da], um auszubilden, zu entwickeln das Gedankenleben, das Vorstellungsleben. Man trennt die Willenstätigkeit im Vorstellen von dem Inhalte des Vorstellungslebens. Parallel gehen müssen diesen Übungen andere Übungen, die sich nun weniger auf das Gedankenleben beziehen als auf das Willensleben. Und schon, indem man die Meditationen übt — und meistens genügt das sogar; das Genauere können Sie, wie gesagt, in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» nachlesen —, schon indem man die Meditationen übt, indem man diese tägliche Konzentration des Denkens ausführt, die ja eine innere Willenstätigkeit ist— feine Willenstätigkeit —, übt man den Willen in der Weise, wie er sonst im gewöhnlichen Leben nicht angewendet wird. Man tut das ja im gewöhnlichen Leben nicht, dass man so nur aus sich heraus einen ursprünglichen Willensentschluss fasst. Also da schon übt man eine Willenstätigkeit, die gewissermaßen nicht so dunkel sich entwickelt wie die Impulse, die sonst aus unserem Begehren, aus unseren Wünschen, meinetwillen auch aus allerlei Idealen hervorgehen; sondern man übt eine Willenstätigkeit, zu der man sich unmittelbar selber erst rüsten muss, die aus unmittelbarstem, innerem Entschluss hervorgehen muss.
[ 38 ] Therefore, these must proceed in parallel—the exercises, the inner exercises I have mentioned, intended to train the soul in the proper way, must not be practiced in isolation—but other exercises must proceed alongside them. The exercises I have just described are actually [intended] to train and develop the life of thought and the life of imagination. One separates the activity of the will in imagining from the content of the life of imagination. These exercises must be accompanied by other exercises that relate less to the life of thought than to the life of the will. And simply by practicing the meditations—and in most cases that is even sufficient; you can read more details, as I said, in my book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds*—simply by practicing the meditations, by carrying out this daily concentration of thought, which is, after all, an inner act of will—a subtle act of will—one trains the will in a way that is not otherwise employed in ordinary life. After all, in ordinary life we do not simply make a spontaneous decision of will from within ourselves. So even there one is already exercising an act of will that, in a sense, does not develop as obscurely as the impulses that otherwise arise from our desires, from our wishes, and—if you will—from all sorts of ideals; rather, one exercises an act of will for which one must first prepare oneself directly, one that must arise from the most direct, inner resolution.
[ 39 ] Das ist aber nicht das Wichtige; sondern das Wichtige ist das, dass diese Willenstätigkeit nunmehr mit einem ganz anderen Ziel eigentlich geübt wird als die Willenstätigkeiten des gewöhnlichen Lebens. Die Willenstätigkeiten des gewöhnlichen Lebens werden so ausgeübt, dass man diese oder jene äußere Handlung bewirkt, dass das oder jenes geschieht. Nicht wahr, wenn man etwas will, so soll dies oder jenes geschehen. Aber äußerlich soll gar nichts geschehen, wenn man bloß das Denken in der geschilderten Weise in eine bestimmte Richtung, in eine bestimmte Konzentration bringen will. Aber innerlich geschieht etwas; innerlich geschieht etwas ganz Wesentliches. Innerlich geschieht, dass durch einen solchen Willensentschluss, dass das Ich des Menschen selber, sein innerstes Seelenwesen weiterkommt, dass das sich entwickelt, was sonst immer gewissermaßen der Mittelpunkt alles Wollens ist, wovon alles Wollen ausgeht, von dem Ich, das wird jetzt selber zum Gegenstand des Wollens gemacht. Sonst will das Ich dies oder jenes; jetzt will man mit dem Willen das Ich umgestalten, das Ich zu etwas anderem machen: Das Ich wird Gegenstand, Ziel des Willens. Und das ist es, worauf es ankommt.
[ 39 ] But that is not what is important; rather, what is important is that this volitional activity is now actually practiced with a goal entirely different from that of the volitional activities of ordinary life. The acts of the will in ordinary life are performed in such a way that one brings about this or that external action, so that this or that happens. Isn’t it true that when one wants something, this or that is supposed to happen? But externally, nothing at all is supposed to happen when one merely wants to direct one’s thinking in the manner described—in a certain direction, toward a certain concentration. But something happens inwardly; something quite essential happens inwardly. What happens inwardly is that, through such a volitional decision, the human self itself—its innermost soul being—advances; that which otherwise is always, so to speak, the center of all willing, from which all willing proceeds—that self—is now itself made the object of willing. Otherwise, the “I” wills this or that; now one seeks, through the will, to transform the “I,” to make the “I” into something else: the “I” becomes the object, the goal of the will. And that is what matters.
[ 40 ] Man kann diese Übungen noch steigern, wirksamer machen, wenn man nun von dieser eben charakterisierten Zielsetzung ausgeht geradezu, wenn man sich sagt: Das Wollen des gewöhnlichen Lebens verläuft so, dass man seine Wünsche befriedigt, dass man vielleicht auch gewissen, sehr berechtigten Idealen des äußeren Lebens nachgeht; aber ich will jetzt einmal auch neben alle dem — selbstverständlich darf der Geistesforscher aus all den berechtigten Ansprüchen und Forderungen des Lebens nicht heraustreten, sonst wird er ein Querkopf und kein Geistesforscher; aber ich will mir einmal, so kann man sagen — auch noch Dinge vornehmen, welche nicht auf Äußeres gehen, nicht auf Verwirklichung dieser oder jener Wünsche oder Ideale, sondern welche geradezu darauf ausgehen, mein eigenes Inneres in die Hand zu nehmen, mein eigenes Inneres so zu entwickeln, wie es sich sonst nicht entwickeln würde, wenn ich es nicht in die Hand nehmen würde. Wie zum Beispiel geradezu, nachdem ich eingesehen habe, dass ich unter gewissen Verhältnissen dies oder jenes wünschen würde: Ich will mir überlegen, einmal diesen Wünschen nicht nachzugehen, sondern mein Ich zu bändigen und es gerade in eine andere Wunschrichtung zu lenken und so weiter, und so weiter. Kurz: [Es geht darum,] ein inneres Wollen [zu] entwickeln, welches jetzt nicht vom Ich ausgeht, sondern das gerade auf das Ich, auf die Entwicklung, auf die Entfaltung des Ich, auf das Vorwärtsschreiten des Ichs vielleicht hingerichtet ist.
[ 40 ] One can take these exercises even further and make them more effective if one starts directly from the objective just described—if one tells oneself: The will in ordinary life is directed toward satisfying one’s desires and perhaps also toward pursuing certain, very legitimate ideals of external life; but now, alongside all of that—of course, the spiritual researcher must not step outside all the legitimate demands and requirements of life, otherwise he becomes a contrarian and not a spiritual researcher; but I want, so to speak, to undertake things that do not pertain to the external world, not to the fulfillment of this or that desire or ideal, but which are aimed precisely at taking my own inner self into my own hands, at developing my own inner self in a way it would not otherwise develop if I did not take it into my own hands. For example, once I have realized that under certain circumstances I would desire this or that: I want to consider, for once, not acting on these desires, but rather restraining my ego and steering it precisely in a different direction of desire, and so on, and so on. In short: [It is a matter of] developing an inner will that does not originate from the self, but is directed precisely toward the self—toward the self’s development, its unfolding, and its progress.
[ 41 ] Da wird ein Wille entwickelt, der nach der entgegengesetzten Richtung läuft wie der gewöhnliche Wille, ein Wille, der nach dem Ich hin läuft; während der gewöhnliche Wille vom Ich aus läuft. Wenn man so wiederum das Üben fortsetzt, wird man nach einer angemessenen Zeit — die bei dem einen länger, bei dem anderen kürzer sein kann, bei manchen wochenlang, je nach der Anlage, bei manchem jahrelang dauern kann —, dann wird man bemerken, dass so, wie man durch die angeführte Behandlung des Denklebens die Willenstätigkeit im Denken entdeckt hat, dass man jetzt merkwürdigerweise im Willen entdeckt ein verborgenes Bewusstsein, ein wirkliches, richtiges verborgenes Bewusstsein. Das ist nicht bloß bildlich gesprochen, sondern das ist der Wirklichkeit entsprechend gesprochen: Man entdeckt ein verborgenes Bewusstsein, einen fortwährenden Zuschauer zu dem, was eigentlich sonst sich als Willenstätigkeit entwickelt. Man entdeckt wirklich jetzt, dass in dem Selbst ein höheres Selbst lebt, ein reales höheres Selbst; nicht bloß so, wie man oftmals in bildlicher Weise von einem höheren Selbst spricht, sondern ein reales Wesen lebt da in dem Willen. Das entdeckt man dadurch, dass man durch die entgegengesetzte Willensrichtung zusammenstößt mit dem Ich, und nun das Ich einem im Grunde genommen so objektiv wird, so gegenständlich wird, so außer einem ist, wie es sonst immer innerhalb von einem ist.
[ 41 ] A will is developed there that moves in the opposite direction from the ordinary will—a will that moves toward the “I,” whereas the ordinary will moves from the “I.” If one continues the practice in this way, after a reasonable amount of time—which may be longer for some and shorter for others, lasting weeks for some depending on their disposition, and years for others— one will notice that just as one has discovered volitional activity in thinking through the aforementioned treatment of the life of thought, one now, strangely enough, discovers in the will a hidden consciousness—a real, genuine hidden consciousness. This is not merely a figure of speech, but a statement corresponding to reality: One discovers a hidden consciousness, a constant observer of what otherwise develops as volitional activity. One now truly discovers that a higher self lives within the self, a real higher self; not merely in the figurative sense in which one often speaks of a higher self, but a real being lives there within the will. One discovers this by coming into conflict with the “I” through the opposite direction of the will, and now the “I” essentially becomes as objective, as concrete, and as external to oneself as it is otherwise always within oneself.
[ 42 ] Also das Zweite, das parallel gehen muss mit der Entwicklung des Denklebens, und das ebenso das Bewusstsein, das umfassendere Denken im Willen entdecken muss — wie man durch das Vorhergehende den Willen im Denken entdeckt hat —, das ist eben eine innere Willensübung.
[ 42 ] So the second thing—which must proceed in parallel with the development of intellectual life, and which must likewise lead consciousness to discover the more comprehensive thinking within the will—just as one has discovered the will within thinking through what has gone before—is precisely an inner exercise of the will.
[ 43 ] Beide Übungen müssen einander parallel gehen. Und wenn man dieses, was da in der Seele auftritt- wenn man davon spricht, erscheint es dem, der damit nicht bekannt ist, und der durchaus bei dem selbstverständlich einleuchtenden Walten der mehr materialistisch gefärbten Weltanschauung verbleiben [will], als eine große Torheit —, aber es ist eben vorhanden das, was man als einen inneren Zuschauer bezeichnen kann. Und das, was man so als einen inneren Zuschauer bezeichnet, was ja aus dem Willen heraus spricht, wenn man ihn in entsprechender Weise behandelt — was Sie genauer in dem genannten Buche nachlesen können —, das ist jetzt in der Lage, die Dunkelheit, von der ich früher gesprochen habe, dieses Seelendunkel aufzuhellen, richtig aufzuhellen. Und es streben gleichsam zusammen zwei innere Erlebnisse: Das erste ist dieses tastende Erleben in dem Beweglichen; und das andere ist mit dem höheren Bewusstsein, das man in sich jetzt ausgebildet hat, das Überschauen desjenigen, was zunächst dunkel war. Man beleuchtet sich selbst dasjenige, was zuerst in dem Dunklen war.
[ 43 ] Both exercises must proceed in parallel. And when one speaks of this—of what arises in the soul—it appears to those who are unfamiliar with it, and who [wish] to remain entirely within the naturally plausible realm of a more materialistic worldview, as utter folly—yet what one might call an “inner observer” is indeed present. And what is described as an “inner observer”—which, after all, speaks from the will when treated in the appropriate manner—which you can read about in more detail in the book mentioned—is now capable of illuminating, truly illuminating, the darkness of which I spoke earlier, this darkness of the soul. And two inner experiences, as it were, strive together: The first is this groping experience within the moving world; and the other, through the higher consciousness that one has now developed within oneself, is the surveying of that which was initially dark. One illuminates for oneself that which was initially in the darkness.
[ 44 ] Und jetzt erkennt man, dass die Widerlegung des Materialismus auf einem ganz anderen Gebiete liegt, als wo man sie gewöhnlich sucht! Dasjenige, was de La Mettrie sagt, dass irgendein kleines Rädchen, das die Anatomie gar nicht erforschen kann, vielleicht nur etwas hätte anders sein können bei Erasmus, und Erasmus wäre statt eines Genies ein Tor geworden — das ist ganz richtig, so richtig, dass es ganz selbstverständlich ist. Aber darinnen liegt es nicht; sondern darinnen liegt es, dass diejenige innere, feinere Gliederung seines Organismus, die Erasmus zu Erasmus machte, zu dem Genie machte, dass diese unter dem Einflusse des Seelisch-Geistigen schon entstanden ist, gemacht worden ist!
[ 44 ] And now one realizes that the refutation of materialism lies in an entirely different realm than where one usually looks for it! What de La Mettrie says—that some tiny cog, which anatomy cannot even investigate, might have been just a little different in Erasmus, and Erasmus would have become a fool instead of a genius—is entirely correct, so correct that it goes without saying. But that is not the point; rather, the point is that the inner, finer structure of his organism—which made Erasmus who he was, made him a genius—had already come into being, had already been formed, under the influence of the soul and spirit!
[ 45 ] Sodass wir allerdings in unserem Leib zunächst etwas wie eine Maschine an uns tragen, aber diese Maschine ist von dem Seelisch-Geistigen gemacht worden, unter dem Einflusse dieses Seelisch-Geistigen gemacht worden, das ebenso aus der geistigen Welt hervorkommt und sich mit dem verbindet, was von Vater und Mutter ererbt wird, wie das eben vorhanden ist, was von Vater und Mutter ererbt ist. Diejenigen «Rädchen» in dem Erasmus, die ihn wahrhaftig befähigten, aus seiner Körperlichkeit heraus, gerade das, was seine genialen Gedanken und seine genialen Schöpfungen waren, zu machen, die Gliederung, die da in ihm war, diese Rädchen, die wurden zuerst von seiner seelisch-geistigen Individualität, die aus der geistigen Welt sich zu seinem Physisch-Geborenen herabgesenkt hatte, die wurden da heraus zuerst gemacht, da heraus zuerst gegliedert!
[ 45 ] So that, however, we initially carry within our bodies something like a machine; but this machine has been created by the soul-spiritual, has been created under the influence of this soul-spiritual, which likewise emerges from the spiritual world and connects with what is inherited from father and mother, just as that which is inherited from father and mother is present. Those “cogs” within Erasmus that truly enabled him, out of his physicality, to produce precisely what his brilliant thoughts and creations were—the structure that existed within him, these cogs—were first fashioned by his soul-spiritual individuality, which had descended from the spiritual world into his physical being; they were first fashioned from there, first structured from there!
[ 46 ] Sucht man das Seelische, das eigentlich tiefer Seelische des Menschen, neben dem Leiblichen, während unseres Leibeslebens, so geht man eben ganz fehl! Man geht so sehr fehl, dass der Geistesforscher selber einzuwenden hat: Ja, das, was sich da während deines leiblichen Lebens zum Beispiel als deine Gedankenwelt entwickelt, das ist ganz abhängig von deiner Leiblichkeit. Und dann merkt man gerade als Geistesforscher sehr stark den Materialismus, insofern er berechtigt ist. Aber dasjenige, was unser materieller Leib ist, das ist mit aus Geisteskraft heraus geschaffen!
[ 46 ] If one seeks the spiritual—the truly deeper spiritual aspect of the human being—alongside the physical during our earthly life, one is completely mistaken! One is so very mistaken that even the spiritual researcher himself must object: Yes, what develops during your physical life—for example, as your world of thoughts—is entirely dependent on your physicality. And then, precisely as a spiritual researcher, one becomes very keenly aware of materialism, insofar as it is justified. But that which is our material body—that is created out of spiritual power!
[ 47 ] Mit demjenigen, sehr verehrte Anwesende, verbindet man sich, was vorangegangen ist unserem physischen Dasein und was vorhanden sein wird, nachdem unser physisches Dasein zerfallen sein wird, mit dem verbindet man sich durch den geistesforscherischen Weg. Und ebenso wahr, wie in dem Moment, wo Wärme, die ich in die Dampfmaschine hineinheize, sich umwandelt in Fortbewegungskraft, wie dann die Wärme, die sich umwandelt in Fortbewegungskraft, nicht mehr als Wärme vorhanden ist, sondern eben als Fortbewegungskraft vorhanden ist, ebenso wahr ist es, dass die Kraft, die wir als seelisch-geistige haben, bevor wir das physische Dasein angenommen haben, dass diese sich gerade umwandelt, indem sie den Körper durchgliedert, [indem sie] körperlich wird. Und solange wir körperlich sind, geht sie unter im Körperlichen, und kann nur auf die Weise wiedergewonnen werden, dass durch geistiges Forschen sich zeigt, dass das Geistig-Seelische abgetrennt wird auf die geschilderte Weise vom Körperlichen und als solches Geistig-Seelisches neben dem Körperlichen sich lebend weiß. Überzeugen kann man sich, dass von uns ein Geistig-Seelisches da war, bevor dieses sich in das Körperliche umgewandelt hat —, dass es seelisch-geistig da sein wird, wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sein werden.
[ 47 ] Ladies and gentlemen, it is through the path of spiritual research that we connect with what preceded our physical existence and what will exist after our physical existence has come to an end. And just as true as the fact that, at the moment when the heat I feed into the steam engine is transformed into motive power—and just as the heat that is transformed into motive power no longer exists as heat but exists precisely as motive power— it is equally true that the power we possess as soul-spiritual before we assume physical existence is transformed precisely by structuring the body, [by] becoming physical. And as long as we are physical, it is submerged in the physical, and can only be regained in such a way that spiritual inquiry reveals that the spiritual-soul aspect is separated from the physical in the manner described and, as such, knows itself to be alive alongside the physical. One can convince oneself that a spiritual-soul aspect existed within us before it was transformed into the physical—and that it will continue to exist as a spiritual-soul aspect once we have passed through the gate of death.
[ 48 ] Aber plumpster Spiritualismus, einseitiger Spiritualismus ist es, wenn man glaubt, dass man auf der einen Seite die Materie hat des Leibes und auf der anderen Seite das Geistige, und dass die zwei so wie zwei gute Kameraden zwischen Geburt und Tod nebeneinandergehen.
[ 48 ] But crude spiritualism—one-sided spiritualism—is the belief that, on the one hand, there is the material aspect of the body and, on the other, the spiritual aspect, and that the two walk side by side like two good friends between birth and death.
[ 49 ] Der reale Vorgang ist ein viel anderer, der reale Vorgang ist der, dass tatsächlich dieser Wunderbau des menschlichen Organismus mitbewirkt wird aus dem Geiste heraus, aus dem Geiste heraus gegliedert wird. Und wenn er gegliedert ist, dann kann er als Leib sich entfalten. Denn wie er sich eben dann — ich möchte sagen — durch eine höhere Fluoreszierung während des gewöhnlichen äußeren physischen Lebens entwickelt, so werden durch Geistesforschung die ewigen Kräfte der Menschenseele wirklich erst entdeckt. Man kann nicht philosophisch an den Menschen herangehen und kann sagen: Wir weisen auf das, was da herangewachsen ist im Menschen an Gedanken und so weiter, und zeigen, dass diese Gedanken unvergänglich sind. — Jeder Schlaf zeigt, dass sie ausgelöscht werden können. Und warum sollten sie nicht wie im Schlafe ausgelöscht werden können für alle, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht? Auf diese Weise kann man niemals einen Beweis für die ewigen Kräfte der Menschenseele entwickeln. Aber wenn man einen Beweis entwickeln will, gewinnen will, dann muss man ihn auf dem Wege der Geistesforschung gewinnen, indem man von den Gedanken den Willen abtrennt, und diesen von den Gedanken abgetrennten Willen verbindet, mit den Gedanken verbindet, die wie ein höheres Bewusstsein aus der Entwicklung des Willens herausspringen. Da hat man dasjenige, was durch Geburten und Tode geht.
[ 49 ] The actual process is quite different; the actual process is that this marvelous structure of the human organism is in fact co-created from the spirit, structured from the spirit. And once it is structured, it can unfold as a body. For just as it then develops—I might say—through a higher form of illumination during ordinary external physical life, so too are the eternal forces of the human soul truly discovered only through spiritual research. One cannot approach the human being philosophically and say: We point to what has grown within the human being in terms of thoughts and so on, and demonstrate that these thoughts are imperishable. — Every sleep shows that they can be extinguished. And why should they not be able to be extinguished for everyone, just as in sleep, when a person passes through the gate of death? In this way, one can never develop proof of the eternal powers of the human soul. But if one wishes to develop proof, to gain it, then one must gain it through spiritual research by separating the will from the thoughts, and by connecting this will—separated from the thoughts—with the thoughts that spring forth from the development of the will like a higher consciousness. Therein lies that which passes through births and deaths.
[ 50 ] Nun weiß ich, sehr verehrte Anwesende, dass es unzählige Einwände gibt gegen dasjenige, was ich eben gesagt habe, wie es überhaupt unzählige Einwände gegen die Geistesforschung gibt. Und diese Einwände sind innerlich so selbstverständlich, ja auch so scheinbar logisch, dass sie einleuchten müssen. Und so könnte zum Beispiel jemand auch den Einwand machen und die Meinung haben: Der Geistesforscher redet wiederum etwas recht Törichtes; da sagt er, dass Geistig-Seelisches mitwirken müsse, wenn der Mensch physisch ins Dasein tritt. Als ob man nicht durch die äußere Wissenschaft wüsste, wie der Mensch physisch ins Dasein tritt! Das geschieht ganz von selbst; dazu ist ja nicht eine geistige Tätigkeit aus geistigen Welten heraus notwendig, das geschieht ganz von selbst; das weist die Naturwissenschaft in der Generationenlehre, in der Embryologie und so weiter ganz genau nach!
[ 50 ] Now, dear friends, I know that there are countless objections to what I have just said, just as there are countless objections to spiritual research in general. And these objections are, deep down, so self-evident—indeed, so seemingly logical—that they must seem plausible. And so, for example, someone might raise the objection and hold the opinion: The spiritual researcher is once again saying something quite foolish; he claims that spiritual-soul elements must be at work when a human being enters physical existence. As if we did not already know from external science how a human being enters physical existence! This happens entirely of its own accord; no spiritual activity from the spiritual worlds is necessary for this—it happens entirely of its own accord; natural science demonstrates this quite precisely in the study of generations, in embryology, and so on!
[ 51 ] Ich werde einen Vergleich gebrauchen jetzt, einen Vergleich, der ja wiederum durch selbstverständliche Einwände entkräftet werden kann. Aber wer nachdenken will über diesen Vergleich, wird ihn schon so finden, dass er die Kraft hat, den rein materialistischen Einwand zu beseitigen, auf den hier angespielt wird.
[ 51 ] I will now use an analogy—one that, of course, can be refuted by obvious objections. But anyone who takes the time to reflect on this analogy will find that it has the power to dispel the purely materialistic objection alluded to here.
[ 52 ] Nehmen wir einmal an, es gäbe Wesen, welche nichts verstehen können, ja vielleicht nicht einmal etwas sehen können — natürlich ist es eine Hypothese, aber eine Hypothese, die man immerhin aufstellen kann —, die nichts sehen könnten davon, wie Uhren gemacht werden. Nehmen wir an, es gäbe solche Wesen, die gingen hier in Stuttgart herum, die nichts davon wahrnehmen könnten, wie Uhren gemacht werden. Alle Tätigkeit des Uhrenmachens, die geht an ihnen vorbei; die sehen sie nicht. Aber die Uhren sehen sie; die werden von ihnen gesehen. Sie gehen in einen Uhrmacherladen hinein, sehen da nicht, wie die Uhren gemacht werden, aber die fertigen Uhren, die sehen sie, die entstandenen Uhren sehen sie. Da werden sie die Vorstellung bekommen, weil sie das Entstehen der Uhren nicht sehen können, dass die Uhren von selber entstehen! Dass sie sich so von außen fügen werden durch eine innere Anziehung ihrer einzelnen Teile und so weiter. — Sie würden so reden, diese Wesen, wie ungefähr die Menschen, wenn sie sagen: Das, was am Menschen entsteht in der fortlaufenden Generationenfolge, das entsteht ganz von selbst! — Weil nämlich nicht gesehen wird dasjenige, was in der Täuigkeit, die sich hier in der physischen Welt abspielt, die geistigen Kräfte, die aus der geistigen Welt herauskommen, mitwirken. Und in diesen geistigen Kräften liegt dasjenige, was wir an uns entdecken durch die eben besprochenen Wege der Geistesforschung.
[ 52 ] Let’s suppose there were beings who could understand nothing—perhaps not even see anything—; of course, this is a hypothesis, but one that can at least be posited—beings who could see nothing of how watches are made. Let’s assume there were such beings walking around here in Stuttgart who could not perceive anything about how watches are made. All the activity involved in watchmaking goes right past them; they do not see it. But they do see the watches; those are visible to them. They walk into a watchmaker’s shop, where they do not see how the watches are made, but they do see the finished watches—they see the watches that have come into being. Since they cannot see the watches being made, they will form the idea that the watches come into being on their own! That they assemble themselves from the outside through an internal attraction of their individual parts, and so on. — These beings would speak in much the same way as humans do when they say: “What arises in human beings through the continuous succession of generations arises entirely of its own accord!” — For what is not seen is that, within the process unfolding here in the physical world, spiritual forces emanating from the spiritual world are at work. And within these spiritual forces lies what we discover within ourselves through the methods of spiritual research just discussed.
[ 53 ] Da kommen wir so zu einem geistigen Anschauen, dass jener geistig-seelische, ewige Wesenskern des Menschen vor unserer Seele steht, von dem wir wissen: Er neigt sich aus einem geistigen Dasein herunter und verbindet sich als ein Drittes mit demjenigen, was der Mensch materiell von Vater und Mutter ererbt. Und da weiß man auch, was dasjenige ist, was durch die Pforte des Todes geht, um wiederum in einer geistigen Welt zu leben.
[ 53 ] This leads us to a spiritual insight: that the eternal spiritual-soul core of the human being stands before our soul—the core of which we know: It descends from a spiritual existence and, as a third element, unites with what the human being inherits materially from father and mother. And there one also knows what it is that passes through the gate of death to live once more in a spiritual world.
[ 54 ] Und da ergeben sich nunmehr für den Geistesforscher Möglichkeiten, von einer Gliederung des Menschen zu sprechen, gerade so, wie er das eben tut. Sehen Sie, sehr verehrte Anwesende, wenn so der Geistesforscher zunächst kommt und sagt: Dieser Mensch, der ist nicht bloß aus dem physischen Leib bestehend, den Augen sehen können, den die gewöhnliche Wissenschaft beschreibt, erklärt — alles dasjenige, was die gewöhnliche Wissenschaft zu sagen hat, wird ihr ohne Weiteres von der Geistesforschung zugegeben —, wenn also der Geistesforscher sagt: Dieser Mensch trägt auch noch einen ätherischen Leib an sich — auf den Ausdruck kommt es nicht an, man könnte ihn auch anders nennen, man braucht sich nicht zu stoßen an diesem Ausdruck «ätherischer Leib», ätherisch ist ja ganz anders gemeint als der gewöhnliche Äther in der Physik —, wenn einfach dies angeführt wird wie ein Beispiel — wenn man sagt: Da lebt eben ein feinerer Leib in dem gröberen Leib drinnen und man dadurch die Vorstellung erweckt: Nun, der gröbere Leib ist eben grob, und da lebt ein etwas feinerer Leib drinnen, dem ist ein feinerer ätherischer Leib also eingewoben, und dieser feinere, eingewobene, das ist eben der ätherische Leib —, so hat man allerdings auch etwas wovon man vielleicht sagen könnte: Das ist Unsinn. Aber auf diesem Standpunkte steht der Geistesforscher nicht; der Geistesforscher steht auf dem Standpunkte, dass eben das Vorstellen, das Denken in verschiedener Weise umgewandelt werden kann, dass das Denken so wird, dass die Kraft der Erinnerung herausgewoben wird aus dem Denken; [dass] das Denken so entwickelt wird, [dass] das Vorstellen so wird, dass es nicht nur augenblicklich erlebt wird, wie sonst das grobe Essen und Trinken. Und indem man so lebt und webt in diesem Denken, das jetzt nicht zur Erinnerung führt unmittelbar, sondern das immer neu erzeugt werden muss, lebt man in etwas anderem als im physischen [Leibe]; man lebt im ätherischen Leibe. Da wird auf den Ätherleib als auf ein Erlebnis hingewiesen. Da wird hingezeigt darauf, was er ist. Und geisteswissenschaftliche Wahrheiten findet man nicht so, dass man einfach physische Tatsachen in feinerer Ausgestaltung zeigte, wie es der Spiritismus tun will — diesem Korrumpieren einer wahren Geisteswissenschaft —, sondern indem man dasjenige, was geistige Welt ist, in inneren Erlebnissen aufzeigt, die aber auch innerlich erlebt sein wollen.
[ 54 ] And this now opens up possibilities for the spiritual researcher to speak of a structure of the human being, just as he is doing now. You see, ladies and gentlemen, when the spiritual researcher first comes along and says: This human being is not merely composed of the physical body that the eyes can see, the one described and explained by conventional science—everything that conventional science has to say is readily acknowledged by spiritual research—when, therefore, the spiritual researcher says: ‘This human being also possesses an etheric body’—the term itself is not important; one could call it something else; there is no need to take offense at the term ‘etheric body,’ since ‘etheric’ is meant quite differently from the ordinary ether in physics—if this is simply cited as an example—if one says: There is simply a finer body living inside the coarser body, and this gives rise to the idea: Well, the coarser body is indeed coarse, and there lives a somewhat finer body within it; a finer etheric body is thus woven into it, and this finer, interwoven body is precisely the etheric body—then one certainly has something about which one might say: That is nonsense. But the spiritual researcher does not take this standpoint; the spiritual researcher takes the standpoint that imagination and thinking can be transformed in various ways, that thinking can be developed in such a way that the power of memory is woven out of it; [that] thinking is developed in such a way [that] imagination becomes something that is not merely experienced momentarily, as is usually the case with coarse eating and drinking. And by living and weaving in this way within this thinking—which does not now lead directly to memory but must be constantly recreated—one lives in something other than the physical [body]; one lives in the etheric body. Here, the etheric body is pointed to as an experience. It points to what it is. And one does not discover spiritual scientific truths by simply presenting physical facts in a more refined form, as Spiritism seeks to do—thus corrupting true spiritual science—but rather by revealing what the spiritual world is through inner experiences, which, however, must also be experienced inwardly.
[ 55 ] Und dann, wenn der Geistesforscher nun auch noch davon spricht, dass außer diesem ätherischen Leib ein sogenannter «Astralleib» vorhanden ist — nun, dann kommen schon ganz die Einwände von allem Hohn beflügelt nur so hergeflogen von allen Seiten. Da kann man — wie schon alle die schönen Redensarten heißen —, da kann man sagen: Geistesforschung strebt am Menschen an, dass er sich «astralisiere» — und so weiter und so weiter.
[ 55 ] And then, when the spiritual researcher goes on to say that, in addition to this etheric body, there is also a so-called “astral body”—well, then the objections, fueled by utter scorn, come flying in from all sides. At that point—as all those lovely sayings go—one might say: Spiritual research aims to help people “astralize” themselves—and so on and so forth.
[ 56 ] Die Leute, die so reden, merken gar nicht, wie mit einer Verurteilung der törichtesten Art, [mit der] oftmals vom astralischen Leib gesprochen wird, gerade der Geistesforscher recht einverstanden ist: Aber ich habe ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass, indem der Mensch seinen Willen also entwickelt, wie ich es auseinandergesetzt habe, dass er dann in sich ein umfassenderes Bewusstsein entdeckt, ein Bewusstsein, welches beleuchten kann das, was zuerst im ätherischen Leib erlebt wird, Seelendunkel uns liefert; und dieses Bewusstsein, das als eine Wirklichkeit ausgewiesen wird, das ist nun das, was als «astralischer Leib» bildhaft genannt wird, das sind die inneren Wirklichkeiten, aber Wirklichkeiten, die im inneren Erleben errungen werden!
[ 56 ] People who speak this way do not even realize that the spiritual researcher actually agrees with the most foolish kind of condemnation—[the kind] often directed at the astral body: But I must expressly point out that, as a person develops their will in the way I have explained, they then discover within themselves a more comprehensive consciousness—a consciousness capable of shedding light on what is initially experienced in the etheric body, which otherwise leaves us in spiritual darkness; and this consciousness, which is revealed as a reality—this is what is figuratively called the “astral body”; these are the inner realities, but realities that are attained through inner experience!
[ 57 ] Die Welt ist allerdings bequem und möchte die geistige Welt auch so vor sich haben, wie man die materielle Welt vor sich hat; die nennt man «Geister-Materie», damit man sie sehen kann mit physischen Augen. Man kann sich dann allerdings ersparen, die geistigen Augen zu gebrauchen! Aber diese Geister sind gemeiniglich etwas ganz anderes als wirkliche Geister, selbst wenn, wie in der überwiegenden Anzahl, in der Mehr-Zahl der Fälle nicht bloßer Schwindel vorliegt. Gerade das hat Geisteswissenschaft notwendig, abzuschütteln dasjenige, was sich in scharlatanhafter Weise an sie heranmacht; denn sie beruht auf streng innerem Erleben. Und in diesem streng inneren Erleben wird zunächst erreicht das, dass der Mensch das Erlebnis hat, herauszuheben in einem anderen Bewusstsein und in einem anderen Erleben in einer Tatsachenwelt, dieses Seelentum herauszuheben aus seiner gewöhnlichen Leiblichkeit, und in dem zu leben, was seine ewigen Kräfte sind.
[ 57 ] The world, however, is complacent and would like to perceive the spiritual world in the same way it perceives the material world; it calls this “spiritual matter” so that it can be seen with physical eyes. One can then, of course, spare oneself the trouble of using one’s spiritual eyes! But these “spirits” are generally something quite different from real spirits, even if—as is the case in the vast majority of instances—they are not mere hoaxes. This is precisely why spiritual science must shake off whatever approaches it in a charlatan-like manner; for it is based on strictly inner experience. And in this strictly inner experience, what is first achieved is that the human being has the experience of lifting this soul-nature out of its ordinary physicality—into a different consciousness and a different experience within the world of facts—and of living in what are his eternal powers.
[ 58 ] Wenn er dann in dem lebt, was seine ewigen Kräfte sind, dann wird er dadurch, dass er gewahr wird, was eigentlich seinen Leib aufbaut — oder sagen wir «mit auferbaut», damit es nicht missverstanden werden kann —, dann wird er auch gewahr werden, dass dieses ganze Leben zerfällt in Leben, die im Leibe verbracht werden zwischen Geburt — oder sagen wir Empfängnis — und Tod hier auf Erden, und solchen Leben, die zwischen dem Tod und einer neuen Geburt [in einer geistigen Welt] verbracht werden.
[ 58 ] When he then lives in what his eternal powers are, he will—by becoming aware of what actually builds up his body—or let us say “helps to build it up,” so that it cannot be misunderstood— he will also become aware that this entire life is divided into lives spent in the body between birth—or let us say conception—and death here on earth, and lives spent between death and a new birth [in a spiritual world].
[ 59 ] In demjenigen, was der Mensch erlebt, wenn er das angedeutete Bewusstsein aus seinem Willen hervordringen fühlt, in dem erlebt er nämlich etwas ganz Besonderes. Soll ich es charakterisieren, was er da erlebt, so muss ich es ja als ein Bewusstsein aufzeigen. Und darauf kommt es im Wesentlichen an — nicht dass man darauf zeigt, dass da ist irgendetwas Nebulöses, Monadenhaftes — oder wie man es ja nennen will — enthalten sei im Menschen, sondern ein gewisses Bewusstsein ist das. Ich habe es ja auch als Bewusstsein beschrieben; ich kann es infolgedessen charakterisieren.
[ 59 ] In what a person experiences when he feels this hinted-at consciousness emerging from his will, he experiences something quite special. If I am to characterize what he experiences there, I must indeed describe it as a consciousness. And that is essentially what matters—not that one points out that there is something nebulous, monadic—or whatever one wishes to call it—contained within the human being, but rather that it is a certain kind of consciousness. I have, after all, described it as consciousness; I can therefore characterize it.
[ 60 ] Wenn wir äußere materielle Vorgänge überblicken, so gibt es in diesen materiellen Vorgängen die Möglichkeit, wie Sie alle wissen, dass man aus gewissen Konstellationen von Sonne und Mond heute voraussagen kann, dass nach einer gewissen Zeit eine Mondenfinsternis oder eine Sonnenfinsternis eintreten wird. Das heißt: In dem gegenwärtigen Ereignis liegt die Erkenntnis schon des zukünftigen Ereignisses. Da hat man es mit einer äußeren Erkenntnis zu tun, die in Begriffen lebt, in Begriffen, die den Gesetzen der Natur entsprechen. Da sieht man in dem gegenwärtigen Ereignis ein Zukünftiges.
[ 60 ] When we observe external material processes, there is—as you all know—the possibility within these material processes that, based on certain constellations of the sun and moon today, we can predict that a lunar eclipse or a solar eclipse will occur after a certain period of time. This means that the present event already contains the knowledge of the future event. Here we are dealing with external knowledge that exists in concepts—concepts that correspond to the laws of nature. Here, one sees the future within the present event.
[ 61 ] Indem die Seele jenes Bewusstsein entwickelt aus dem Willen heraus, vom dem ich gesprochen habe, erlebt sie in der Tat im gegenwärtigen physischen Leib dasjenige, was notwendig zu einem nächsten Erdenleben führen muss. So wahr wird das erlebt, was zum nächsten Erdenleben führen muss, wie in der gegenwärtigen Sonnenund Mondenkonstellation die Zukunft vorausgesehen werden kann. [Wie die Zukunft vorausgeschen werden kann], so wird vorausgelebt dasjenige, was zum nächsten Erdenleben führen muss. Und so wird erlebt dasjenige, was durch die Pforte des Todes geht, dann in der geistigen Welt eine Zeit lang lebt, und dann wiederum zu einem neuen Erdenleben kommen muss. Erlebt wird das.
[ 61 ] As the soul develops that consciousness out of the will I have spoken of, it indeed experiences within its present physical body that which must necessarily lead to a subsequent earthly life. What must lead to the next earthly life is experienced just as truly as the future can be foreseen in the present constellation of the sun and moon. [Just as the future can be foreseen], so is what must lead to the next earthly life lived in advance. And thus is experienced that which passes through the gate of death, then lives for a time in the spiritual world, and must then return to a new earthly life. This is what is experienced.
[ 62 ] Und das muss überhaupt als Charakteristisches gesagt werden: Die Erkenntnisse der Geisteswissenschaft sind nicht so angedeutete Erkenntnisse bloß, sondern innerlich erlebte Erkenntnisse. Das bloße begriffliche innerliche Betätigen verwandelt sich in ein Erleben. Und erlebt werden die Dinge.
[ 62 ] And this must be stated as a defining characteristic: The insights of spiritual science are not merely insights as implied, but insights experienced inwardly. Mere conceptual inner activity is transformed into an experience. And things are experienced.
[ 63 ] Es ist etwas Wichtiges dabei, sehr verchrte Anwesende, wenn wir betonen, dass dasjenige, was gewissermaßen von der Erinnerung losgelöstes Vorstellungsleben ist, dass das nur für den Augenblick eine Bedeutung hat, dass es immer wieder und wieder erlebt werden muss, wenn es richtig da sein soll.
[ 63 ] There is something important here, dear attendees: when we emphasize that the life of the imagination—which is, in a sense, detached from memory—has meaning only for the moment, and that it must be experienced again and again if it is to truly exist.
[ 64 ] So ist es überhaupt gegenüber der geistigen Welt. Die geistige Welt muss immer von Neuem erlebt werden. Und wenn jemand aus der geistigen Welt heraus sprechen will, die Tatsachen der geistigen Welt charakterisieren will, so kann er sich im Grunde genommen nicht aus dem Gedächtnisse das immer aufbewahren und dann hersagen, sondern er muss im Grunde genommen dasjenige, was er zu sagen hat, wenn es wirklich unmittelbar aus der geistigen Welt heraus tönen soll, muss er es in dem Augenblick als das eigene Erlebnis immer wieder und wiederum geben, muss es in diesem Augenblick aus seinem Innersten herausholen.
[ 64 ] That is how it is with the spiritual world in general. The spiritual world must always be experienced anew. And when someone wants to speak from the spiritual world, to describe the realities of the spiritual world, they cannot, in essence, simply recall it from memory and recite it; rather, if what they have to say is to truly resound directly from the spiritual world, they must, in that very moment, express it again and again as their own experience—they must draw it forth from the depths of their being in that very moment.
[ 65 ] Daher wird dasjenige, was von der geistigen Welt zu sprechen ist, einen etwas anderen Charakter tragen müssen als dasjenige, was in der äußeren Wissenschaft aus dem bloßen Gedächtnis heraus gesprochen wird. Dasjenige, was aus der geistigen Welt heraus gesprochen wird, wird unmittelbar zusammenhängen mit dem gegenwärtigen Hineinschauen in die geistige Welt, damit aus der geistigen Welt heraus geschildert werden kann. Dadurch aber, sehr verehrte Anwesende, wird man auch davor geschützt, in gewissermaßen eine Abirrung der geisteswissenschaftlichen Forschung zu verfallen, dass man sich bloß an das hält, was jetzt gesagt worden ist.
[ 65 ] Therefore, what is to be said about the spiritual world must have a somewhat different character than what is stated in external science based solely on memory. What is spoken of from the spiritual world will be directly connected to the present-day insight into the spiritual world, so that it can be described from within the spiritual world itself. But in this way, esteemed audience, one is also protected from falling into a kind of aberration in spiritual scientific research—namely, clinging merely to what has just been said.
[ 66 ] Derjenige, der auf materialistischem Boden steht, auf dem selbstverständlichen materialistischen Boden — ich muss das immer wieder und wieder betonen —, der wird sagen: Nun ja, was da der Geistesforscher durch seine besondere Entwicklung des Denkens in sich entfaltet haben will, was ist es denn anders, als was wir alle kennen in der Psychologie als Halluzinationen, Visionen und so weiter und so weiter? Was ist es denn anderes? Es ist ein Hinein-sich-Reiten in ein ungesundes Seelenleben das, was als geistesforscherischer Weg angedeutet wird!
[ 66 ] Anyone who stands on materialistic ground—the self-evident materialistic ground, as I must emphasize again and again—will say: Well, what the spiritual researcher claims to have developed within himself through his special development of thought—what is that, if not what we all know in psychology as hallucinations, visions, and so on and so forth? What else could it be? What is presented as the spiritual researcher’s path is nothing more than a descent into an unhealthy inner life!
[ 67 ] Es ist wiederum ein Einwand, der ebenso töricht ist, wie er selbstverständlich und einleuchtend ist; einleuchtend für jeden, der auf dem Boden einer materialistischen Ausdeutung der psychiatrischen Erscheinungen steht, selbstverständlich. Nur dadurch nämlich, dass man immer wiederum von Neuem erlebt, weiß man nämlich eigentlich, dass man mit der geistigen Welt in Berührung steht; denn zu beweisen gibt es nichts. Zu beweisen ist es nicht möglich, dass irgendetwas eine Realität ist. Diejenigen Menschen, die da glauben, man könne beweisen, dass irgendetwas eine Wirklichkeit ist — ich habe auch darauf schon öfter hier aufmerksam gemacht —, die verstehen gar nichts von dem Begriff der Wirklichkeit. Man kann nicht beweisen, dass ein Walfisch eine Wirklichkeit ist, wenn man ihn nicht in der äußeren Welt aufzeigen kann in seinem Dasein. Die Wirklichkeit kann nur erlebt werden, nicht bewiesen werden. Aber im unmittelbaren Zusammensein mit der Wirklichkeit, da ergibt sich lebendig dasjenige, was wir nötig haben, um etwas als Wirklichkeit aufzuzeigen. Und so muss es in dem unmittelbaren Zusammensein mit der geistigen Welt immer von Neuem erlebt werden, was geistige Welt ist; sonst kann man sich natürlich allen möglichen Phantastereien hingeben.
[ 67 ] This, too, is an objection that is as foolish as it is self-evident and plausible—plausible to anyone who adheres to a materialistic interpretation of psychiatric phenomena, and self-evident. For it is only by experiencing it again and again anew that one actually knows one is in contact with the spiritual world; for there is nothing to prove. It is not possible to prove that anything is a reality. Those people who believe that one can prove that anything is a reality—I have also drawn attention to this here on several occasions—understand nothing at all of the concept of reality. One cannot prove that a whale is a reality if one cannot point to its existence in the external world. Reality can only be experienced, not proven. But in direct communion with reality, what we need to recognize something as reality emerges vividly. And so, in direct communion with the spiritual world, what the spiritual world is must always be experienced anew; otherwise, one can, of course, indulge in all manner of fantasies.
[ 68 ] Dieses Verhältnis der Logik zur Wirklichkeit, das hat sogar dem Kant einen Streich gespielt, einen Diskussionsstreit gebracht. Kant suchte den sogenannten Gottesbeweis aus der Welt zu schaffen, indem er zustimmte, dass begriffliche hundert gewöhnliche Taler, hundert bloß gedachte Taler genau so viel enthalten wie hundert wirkliche Taler — und keinen Pfennig weniger. Selbstverständlich begrifflich enthalten hundert gedachte Taler genauso viel wie hundert wirkliche Taler. Aber der Wirklichkeit gegenüber, die man eben nicht in Begriffen, sondern im Erleben erreicht, bedeuten doch hundert wirkliche Taler gerade um hundert Taler mehr als hundert bloß gedachte! Davon kann sich jeder überzeugen durch das Leben!
[ 68 ] This relationship between logic and reality even played a trick on Kant, leading to a heated debate. Kant sought to do away with the so-called proof of God by agreeing that, conceptually, one hundred ordinary talers and one hundred merely imagined talers contain exactly as much as one hundred real talers—and not a penny less. Of course, conceptually, one hundred imagined talers contain just as much as one hundred real talers. But in terms of reality—which is accessed not through concepts but through experience—one hundred real talers are, after all, exactly one hundred talers more than one hundred merely imagined ones! Everyone can see this for themselves through their own lives!
[ 69 ] Nun kann sehr leicht ein Irrtum entstehen, indem man sagt: Ja, aber, hat nun dieses gewöhnliche Bewusstsein, das an unsere physische Leiblichkeit also gebunden ist, wie die heutigen Ausführungen hinlänglich gezeigt haben, hat denn da dieses Bewusstsein, das in die geistige Welt hineinführt, gar keinen Bezug? — Man kann einen solchen Bezug schon haben — und muss ihn sogar haben, und es ist wichtig, dass man ihn hat. Es ist eine ganz wichtige Sache, dass, indem der Mensch dieses höhere Bewusstsein entfaltet, dass er immerzu daneben seinen ganz gewöhnlichen vernünftigen Menschen hat, dass er weiß: Wie er sonst auf äußere Gegenstände sieht, die vor ihm sind, und die er sich weder einbilden noch absuggerieren kann, dass er so auf seinen ganz gewöhnlichen Menschen sieht, wie er in der physisch-sinnlichen Welt herinnen steht; und während man in der geistigen Welt verweilt, darf in keinem Augenblicke das eintreten, dass man verlöre das Hinblicken auf den ganz gewöhnlichen physischen Menschen mit seinem Erinnerungen erzeugenden Denken, mit seinem Willen, der aus Wünschen, Idealen und so weiter entspringt. Das ist das Charakteristische. Und wer dies versteht, der wird sogleich das wirklich Törichte der materialistischen psychiatrischen Einwände verstehen, die von einem «ungesunden Seelenleben» sprechen in Bezug auf das geistesforscherische Bestreben.
[ 69 ] Now, a misunderstanding can very easily arise when one says: Yes, but does this ordinary consciousness—which is bound to our physical body, as today’s discussion has amply shown—have absolutely no connection to the spiritual world? — One can indeed have such a connection—and must even have it, and it is important to have it. It is a very important matter that, as a person develops this higher consciousness, they always have their very ordinary, rational self alongside them, so that they know: just as they otherwise look upon external objects that are before them—which they can neither imagine nor conjure up—so they look upon their very ordinary self as it stands within the physical-sensory world; and while one dwells in the spiritual world, one must never, even for a moment, lose sight of the entirely ordinary physical self with its memory-forming thought and its will, which springs from desires, ideals, and so on. That is the defining characteristic. And whoever understands this will immediately grasp the true folly of the materialistic psychiatric objections that speak of an “unhealthy mental life” in reference to the pursuit of spiritual research.
[ 70 ] Was geschieht denn, wenn man in ein ungesundes Seelenleben hineinkommt, in ein abnormes Seelenleben, in ein krankhaftes Bewusstsein? Da entwickelt sich aus dem vielleicht vorher gesunden — ich sage «vielleicht» gesunden Bewusstsein, wenn es nur nicht ganz gesunde, sondern vielleicht gewisse Anlagen hat, die gerade entwickeln das krankhafte, abnorme Bewusstsein —, dann werden sie krankhaft und können nicht mehr das gesunde Seelenleben entwickeln, nicht das eine entwickeln aus dem andern. Denn, um es trivial zu sagen: Man kann nicht zugleich ein Narr und gesund sein, sonst wäre man ja kein Narr mehr! Dasjenige aber, was wirklich notwendig ist zum richtigen Geistesforschen, das ist dieses, dass der Mensch gewissermaßen sich wirklich als eine Zweiheit weiß, und dass er in seinen vollständig vernünftigen, gesunden, mit den physischen Wirklichkeitsverhältnissen ausgestatteten Menschen in aller Lebenspraxis, wie sie sonst war, hineingearbeitet hat, sodass dann, wenn er sich in das andere Bewusstsein hineinversetzt, das in die geistige Welt hineinschauen kann, nicht auseinander entwickeln sich diese beiden Bewusstseine, sondern das eine muss sich neben das andere hinstellen. Und das ist das Wesentliche, das immer mehr eingeworfen werden muss, wenn man in dilettantischer Weise zusammenstellen will dasjenige, in das sich der Geistesforscher hineinlebt mit irgendeiner Form des ungesunden Bewusstseins: Es ist gerade das allergesundeste Bewusstsein, weil der Geistesforscher nicht nur lebt in seinem sonstigen, gesunden Menschen, sondern weil er ihn außerdem noch überschaut, auf ihn herabschaut oder in ihn hineinschaut, wenn wir wollen.
[ 70 ] What happens, then, when one enters into an unhealthy mental life, an abnormal mental life, a pathological state of consciousness? Then, out of what may previously have been a healthy—I say “perhaps” healthy—consciousness—if it has not only an unhealthy state but perhaps certain predispositions that give rise precisely to the pathological, abnormal consciousness—these become pathological and can no longer develop a healthy inner life, nor can they develop one from the other. For, to put it simply: One cannot be both a fool and healthy at the same time; otherwise, one would no longer be a fool! But what is truly necessary for proper spiritual research is this: that the human being, in a sense, truly recognizes himself as a duality, and that they have integrated their fully rational, healthy human nature—endowed with an understanding of physical reality—into all aspects of practical life as it has always been, so that when they enter into the other consciousness capable of perceiving the spiritual world, these two states of consciousness do not develop apart from one another, but rather one must stand alongside the other. And this is the essential point that must be emphasized more and more whenever one attempts, in an amateurish way, to equate what the researcher of the spiritual world lives into with any form of unhealthy consciousness: It is precisely the healthiest state of consciousness, because the spiritual researcher not only lives as his ordinary, healthy self, but also surveys him, looks down upon him, or looks into him, if you will.
[ 71 ] Nun ergibt sich daraus selbstverständlich, sehr verehrte Anwesende, von selber, dass, indem man beginnt ein Geistesforscher zu sein, man vorher nicht ein Querkopf oder so etwas dergleichen ist. Denn sonst kann man janur auf den Querkopf schauen, und man darf nicht verlangen, dass irgendein anderer Ausgangspunkt der rechte ist für die Geistesforschung, als derjenige von im wirklichen Leben drinnen stehenden Menschen, der sein gesundes Urteil hat für alle Dinge des unmittelbaren, praktischen Lebens, der auch den entsprechenden Wahrheitssinn hat für alle Dinge des praktischen Lebens. Nichts ist ungesunder als irgendwie ein nur Angehaucht-Sein in Bezug auf Unwahrhaftigkeit oder Lügenhaftigkeit und dergleichen, wenn es sich um die Entwicklung eines geistigen Schauens handelt.
[ 71 ] Now, of course, my dear friends, it follows of its own accord that when one begins to be a researcher of the spirit, one is not previously a contrarian or anything of the sort. For otherwise, one can only look at the contrarian, and one must not expect that any starting point for spiritual research is more appropriate than that of people who are fully engaged in real life—people who possess sound judgment regarding all matters of immediate, practical life and who also possess the corresponding sense of truth regarding all matters of practical life. Nothing is more unhealthy than even the slightest tendency toward untruthfulness, deceitfulness, or the like when it comes to the development of spiritual insight.
[ 72 ] Man muss sogar sagen: Dasjenige, was auf den zwei Wegen, die angedeutet worden sind, erreicht wird, das wird ja gerade erreicht, indem man aufsucht, was unabhängig von der Körperlichkeit ist, was nicht mithilfe der Körperlichkeit erreicht wird. Man macht sich ja gerade frei von der Körperlichkeit. Daher werden alle die Dinge, die an die Körperlichkeit gebunden sind — und das sind Visionen, Halluzinationen, die sind nicht aus dem Geiste stammend, so wie sie im gewöhnlichen, trivialen abergläubischen, mystischen Sinne aufgefasst werden —, sodass diese gar nichts zu tun haben mit wahrer Geistesforschung, denn die hängen von der Körperlichkeit ab. Und sie liegen nicht etwa auf einem geistigeren Gebiete, als dasjenige Gebiet ist, in dem wir stehen, wenn wir in der physischen Welt drinnenstehen; sondern sie liegen auf einem materielleren Gebiete, als dasjenige Gebiet ist, in dem wir stehen, wenn wir in der physischen Welt drinnenstehen. Man kann ein Visionär sein, weil man mit weniger Werkzeugen an seiner Leiblichkeit arbeitet, als man im gewöhnlichen, äußeren physischen Leben arbeitet. Da arbeitet man mit dem gesamten gesunden Leib und schaut in die gewöhnliche Wirklichkeit hinein.
[ 72 ] One must even say: What is attained through the two paths that have been indicated is attained precisely by seeking that which is independent of physicality, that which is not attained through physicality. One frees oneself precisely from physicality. Therefore, all those things that are bound to physicality—and these are visions and hallucinations that do not originate from the spirit, as they are understood in the ordinary, trivial, superstitious, mystical sense—have nothing whatsoever to do with true spiritual research, for they depend on physicality. And they do not lie in a more spiritual realm than the one in which we find ourselves when we are within the physical world; rather, they lie in a more material realm than the one in which we find ourselves when we are within the physical world. One can be a visionary because one works on one’s physicality with fewer tools than one uses in ordinary, external physical life. There, one works with the entire healthy body and looks into ordinary reality.
[ 73 ] Die gewöhnlichen Visionen sind nur eine Art von Nachbild, sind Nachbilder desjenigen, was man auch mit Augen sehen kann; nur dass sie herausgepresst werden aus der Leiblichkeit. Sie beruhen darauf, dass gewisse Teile unseres Organismus nicht in Wirksamkeit treten, und andere allein dann in Wirksamkeit treten können; sodass wir zur Untersinnlichkeit, nicht zur Übersinnlichkeit in diesem Falle getrieben werden, dass wir weniger Wirklichkeit sehen, als wir mit dem gewöhnlichen, gesunden Sinnen sehen.
[ 73 ] Ordinary visions are merely a kind of afterimage—afterimages of what one can also see with the eyes—except that they are forced out of the physical body. They arise because certain parts of our organism do not come into play, while others can come into play only under these conditions; so that in this case we are driven toward sub-sensory perception, not toward supersensory perception, in that we perceive less reality than we do with our ordinary, healthy senses.
[ 74 ] Geisteswissenschaft ist nicht geeignet, wenn sie in ihrer wahren Grundlage aufgefasst wird, irgendeinen Aberglauben zu bekräftigen. Im Gegenteil, sie ist gerade dasjenige, was jede Art von Aberglauben, von querköpfigem Mystischem ausschalten wird, weil sie ein anderes Seelenleben, nicht aus einem Kranken heraus, sondern aus einem Gesunden heraus entwickeln will, und weil sie ablehnen will alles dasjenige, was mit den krankhaften Visionen und Halluzinationen zu tun hat, die gerade doch zu dem führen müssen, ausgerottet zu werden mit Stumpf und Stiel, damit jenes wirkliche Hellsehen eintreten kann, das in die geistigen Welten führt, von denen allein sich die Geisteswissenschaft getragen fühlen kann!
[ 74 ] When understood in its true essence, spiritual science is not suited to reinforce any form of superstition. On the contrary, it is precisely what will eliminate every kind of superstition and stubborn mysticism, because it seeks to develop a different inner life—not from a sick person, but from a healthy one— and because it seeks to reject everything connected with pathological visions and hallucinations—which must, in fact, be eradicated root and branch so that true clairvoyance may emerge, leading into the spiritual worlds upon which spiritual science alone can feel supported!
[ 75 ] Auf die Weise, sehr verehrte Anwesende, wie es geschildert worden ist, entdeckt der Mensch die ewigen Kräfte der Menschenseele, entdeckt er dasjenige, was durch Geburten und Tode geht, gelangt er zu einer Gewissheit der ewigen Bedeutung des Menschen.
[ 75 ] In this way, esteemed audience, as has been described, a person discovers the eternal forces of the human soul; discovers that which passes through births and deaths; and arrives at a certainty of the eternal significance of the human being.
[ 76 ] Und das ist Aufgabe der Geisteswissenschaft, dass sie in einer wissenschaftlichen Weise zu dem hinzu, was die Wissenschaft über die äußere Natur so Herrliches hervorgebracht hat, dies in Bezug auf die geistige Welt der geistigen Menschheitsentwicklung einzuverleiben hat. Das ist die Aufgabe der Geisteswissenschaft.
[ 76 ] And it is the task of spiritual science to incorporate, in a scientific manner, what science has so magnificently produced regarding external nature into the spiritual world of humanity’s spiritual development. That is the task of spiritual science.
[ 77 ] Die Naturwissenschaft musste seit — ich möchte sagen — einigen Jahrhunderten die Menschheit erziehen zu einem Wirklichkeitssinn, wie er früher nicht vorhanden war. Dann konnte die Zeit kommen — und sie ist jetzt gekommen —, wo in derselben Strenge der Entwicklung innerer Seelenkräfte der Mensch auch über die geistige Welt sprechen kann. Und wenn auch heute all die Gründe, die schon angedeutet worden sind gegen diese Geisteswissenschaft noch eingewendet werden — diese Geisteswissenschaft wird sich geradeso einleben in den geistigen Entwicklungsgang der Menschheit, wie sich die Naturwissenschaft eingelebt hat. Was heute naturwissenschaftlich selbstverständlich ist, das wurde vor verhältnismäßig kurzer Zeit noch bekämpft, in der schlimmsten Weise bekämpft. Dasjenige, was heute an der Geisteswissenschaft bekämpft wird, es wird eine Selbstverständlichkeit werden wie gewisse naturwissenschaftliche Errungenschaften. Aber dann wird auch eine Zeit kommen, wo man einsehen wird, dass ebenso wenig, wie jeder ein Astronom sein muss, um dasjenige, was die Astronomie der allgemeinen Bildung zu geben hat, um das der Welt zu vermitteln — ebenso wenig braucht jeder unmittelbar ein Geistesforscher zu sein. Bis zu einem gewissen Grade kann es heute jeder werden, gerade aus meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ist das zu entnehmen. Aber es ist nicht einmal notwendig. Es ist ebenso wenig notwendig, wie es notwendig ist, um ein Buch zu verstehen, die Gabe zu haben, dieses Buch selber zu schreiben. Wenn durch den oder jenen Geistesforscher die Wahrheiten über die geistige Welt aus dieser geistigen Welt hervorgebracht worden sind, so genügt das gewöhnliche menschliche Begreifen, um das einzusehen, was der Geistesforscher sagt — nicht, es bloß zu glauben, sondern es wirklich einzuschen und es als ein Seelengut zu haben. Sodass man selbst in einer so schweren Zeit, wie die jetzige ist, wo Hunderte und Aberhunderte von Tode uns täglich umgeben, umso mehr das Bewusstsein entwickeln kann von der ewigen Bedeutung der Menschenseele und den unvergänglichen ewigen Kräften, die der Menschenseele zugrunde liegen.
[ 77 ] For—I would say—several centuries, the natural sciences have had to educate humanity in a sense of reality that did not exist before. Then the time could come—and it has now come—when, with the same rigor applied to the development of inner spiritual powers, human beings can also speak about the spiritual world. And even if all the arguments against spiritual science that have already been mentioned are still raised today—this spiritual science will become just as much a part of humanity’s spiritual development as natural science has become. What is taken for granted in natural science today was, until relatively recently, still being fought against—and fought against in the worst possible way. What is being contested in spiritual science today will become as self-evident as certain achievements of natural science. But then a time will also come when people will realize that just as not everyone needs to be an astronomer to convey to the world what astronomy has to offer in terms of general education—so, too, not everyone needs to be a spiritual researcher in the strict sense. To a certain extent, anyone can become one today; this can be gleaned precisely from my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*. But it is not even necessary. It is just as unnecessary as it is unnecessary, in order to understand a book, to have the gift of writing that book oneself. If the truths about the spiritual world have been brought forth from that world by one spiritual researcher or another, then ordinary human understanding is sufficient to grasp what the spiritual researcher says—not merely to believe it, but to truly take it in and make it a part of one’s soul. Thus, even in a time as difficult as the present one, when hundreds upon hundreds of deaths surround us daily, we can all the more develop an awareness of the eternal significance of the human soul and the imperishable, eternal forces that underlie it.
[ 78 ] Ich will nicht sagen, sehr verehrte Anwesende, dass unsere Zeit — diese Zeit, die so schicksaltragend ist —, mehr als eine andere Zeit geeignet ist, gerade diese Wahrheiten von den unsterblichen Kräften der Menschenseele zu begreifen; aber dasjenige, was um uns herum geschieht und wovon wir gestern gesprochen haben, das kann doch ein Merkzeichen sein, den Menschen hinzuweisen darauf, dass nachgedacht werden müsse über dasjenige, was so hundertfältig täglich gerade in unserer Zeit um uns geschieht. Als Merkzeichen wenigstens, wenn auch nicht geradezu als eine Erweiterung des Verständnisses, kann unsere schicksalschwere Zeit für diese geisteswissenschaftlichen Wahrheiten dienen.
[ 78 ] I do not mean to say, esteemed audience, that our time—this time, which is so fateful—is more suited than any other time to grasping precisely these truths about the immortal powers of the human soul; but what is happening around us—and what we spoke about yesterday—can surely serve as a sign to point out to people that they must reflect on the myriad events unfolding around us every day, especially in our own time. Our fateful era can serve at least as a sign—if not exactly as a broadening of understanding—for these spiritual-scientific truths.
[ 79 ] Der Geistesforscher muss sprechen, wenn er also, wie ich es angedeutet habe, hineinschaut in die geistige Welt, von einer wirklichen, konkreten geistigen Welt; nicht von jener schon gestern angedeuteten geistig-nebulosen Welt, von der der Pantheismus spricht, der sagt: Geist, Geist ist hinter allem! Geist, Geist und immer wieder Geist. — Die abstrakte Philosophie spricht davon. Das ist geradeso, wie wenn man immer nur «Natur, Natur, Natur!» sagen würde und nicht «Lilien», «Tulpen» und so weiter. Der Geistesforscher spricht von konkreten geistigen Tatsachen und Wesenheiten, mit denen das Geistesleben so in Beziehung steht, wie unser Körper durch seine Sinne mit der äußeren Sinnenwelt in Beziehung steht.
[ 79 ] The spiritual researcher must speak—when, as I have indicated, he looks into the spiritual world—of a real, concrete spiritual world; not of that nebulous spiritual world already alluded to yesterday, of which pantheism speaks, saying: Spirit, Spirit is behind everything! Spirit, spirit, and spirit again and again. — Abstract philosophy speaks of this. It is just as if one were to say nothing but “nature, nature, nature!” and not “lilies,” “tulips,” and so on. The spiritual researcher speaks of concrete spiritual facts and entities with which spiritual life is related in the same way that our body is related to the external sensory world through its senses.
[ 80 ] Allerdings, wenn man auf dieses Gebiet kommt, dann erheben sich alle diejenigen, die vor lauter Gescheitheit in unserer Zeit aus den selbstverständlichen Wahrheiten, die der Geistesforscher durchaus nicht leugnet, schon bis zur Torheit gescheit geworden sind. Aber auch die Zeit wird kommen, wo man es einsehen wird, dass ebenso, wie es heute noch Leute geben kann, die nicht gelernt haben, dass es Luft gibt in der /Lücke in der Mitschrift] Wenn der Raum leer ist, ist die Luft nicht da. Wie es eine Selbstverständlichkeit ist für den, der etwas gelernt hat in diesen Dingen, dass die Luft da ist, dass sie sogar unerlässlich ist für das Leben, so wird man einsehen, dass es unerlässlich ist für das seelisch-geistige Leben, dass unerlässlich ist dasjenige, was immerzu zuströmt, wie die Luft unserer Lunge zuströmt — zuströmt aus der seelisch-geistigen Welt, die uns umgibt und in der wir drinnen leben, wie der Körper in der physisch-sinnlichen Welt lebt. Es wird eine Zeit kommen, wo man von dieser Welt, in der wir eben seelisch-geistig wurzeln, so sprechen wird wie die Sinne sprechen von der Sinnenwelt. Da muss allerdings noch manche Besserung eintreten — auch in Bezug auf den Betrieb der Geisteswissenschaft selber. Man kann heute durchaus noch begreifen, dass strenge Wissenschafter — und derjenige, der in der Wissenschaft drinnensteht und diese Wissenschaft schätzt und achtet, der wird ihnen durchaus beistimmen —, dass strenge Wissenschafter so sagen: Nun ja, sehen wir uns die Leute an, die da reden von einer geistigen Welt! Wir brauchen nur ein bisschen zuzusehen, so sehen wir, dass irgendeine Schwärmerei, ein krankhaftes Bewusstsein das alles zustande bringt. Und wenn man sieht, wie äußerlich sich diese Geisteswissenschaft manchmal gebärdet — nun ja, dann haben wir genug!
[ 80 ] However, when one enters this field, all those who, in our time, have become so clever—to the point of folly—that they have lost sight of the self-evident truths that the spiritual researcher by no means denies, will rise up. But the time will also come when people will realize that, just as there may still be people today who have not learned that there is air in the [gap in the transcript]—if the space is empty, the air is not there—just as it is self-evident to anyone who has learned anything about these matters that the air is there, that it is even indispensable for life, so people will come to realize that it is indispensable for soul-spiritual life—that what constantly flows in, just as air flows into our lungs—flows in from the soul-spiritual world that surrounds us and in which we live, just as the body lives in the physical-sensory world. A time will come when people will speak of this world, in which we are spiritually and mentally rooted, just as the senses speak of the sensory world. However, there is still much room for improvement—including with regard to the practice of spiritual science itself. It is still quite understandable today that rigorous scientists—and anyone who is deeply involved in science and who values and respects it will certainly agree with them—that rigorous scientists might say: “Well, let’s take a look at the people who talk about a spiritual world!” We need only observe them a little to see that some kind of fanaticism, a pathological state of mind, is behind all of this. And when one sees how spiritual science sometimes behaves outwardly—well, then we’ve had enough!
[ 81 ] Man kann denen durchaus zustimmen, die aus der Schätzung und aus einer Betätigung der wahrhaftig hoch zu achtenden, streng naturwissenschaftlichen Methode solch ein Urteil fällen; denn das schadet, wie ich schon angedeutet habe, der Geisteswissenschaft ganz besonders, dass sie zu leicht heute noch mit allen möglichen dilettantischen und phantastischen Träumereien und Schwärmereien, schwärmerischem Zeug, zusammengeworfen werden kann mit diesem schwindelhaften Zeug. So wahr es ist auf der einen Seite, dass es den Weg gibt in die geistige Welt hinein, um zu begreifen, um sich zu überzeugen von der ewigen Natur der Menschenseele, von deren ewigem Leben, so wahr ist es auch auf der andern Seite, dass gerade diese Geisteswissenschaft, die durchaus nicht krankhaftes Hellsehen erzeugt, dass diese Geisteswissenschaft ablehnen muss die Gemeinschaft mit alledem, was in scharlatanhafter, in verdrehter mystischer Weise sich auch als Offenbarung der geistigen Welt geltend machen will!
[ 81 ] One can certainly agree with those who arrive at such a judgment based on an appreciation of—and a commitment to—the truly admirable, strictly scientific method; for, as I have already indicated, it is particularly harmful to spiritual science that it can still so easily be lumped together today with all sorts of dilettantish and fanciful daydreams and ramblings—all that fanciful nonsense—with this fraudulent stuff. Just as it is true, on the one hand, that there is a path into the spiritual world to understand and to become convinced of the eternal nature of the human soul and of its eternal life, it is equally true, on the other hand, that this very spiritual science—which by no means produces pathological clairvoyance—must reject any association with everything that, in a charlatan-like, distorted, mystical manner, seeks to present itself as a revelation of the spiritual world!
[ 82 ] In unserer ernsten Zeit ist es vielleicht gerade notwendig, dass am Schlusse auch noch auf solche Dinge genauer hingewiesen wird, sehr verehrte Anwesende, damit man nicht in weiteren Kreisen glaubt, man dürfe ohne weiteres Geisteswissenschaft, weil sie sich nicht wehrt, mit allem möglichen konfusen Zeug, ja mit Schlimmerem als konfusem Zeug, zusammenwerfen. Und daher lassen Sie mich, weil das schon einmal in den Kreisen der materialistischen Denker besprochen worden ist, lassen Sie mich zum Schlusse eine Tatsache, die ich nur als Tatsache anführen will, lassen Sie mich eine Tatsache anführen, aus einem Grund, der gleich ersichtlich sein wird.
[ 82 ] In these serious times, it may be particularly necessary, ladies and gentlemen, to draw attention to such matters more specifically at the end, so that people in wider circles do not come to believe that, simply because spiritual science does not defend itself, it can be casually lumped together with all sorts of confused nonsense—or even with things worse than confused nonsense. And so, since this has already been discussed once before in the circles of materialist thinkers, let me conclude by citing a fact—which I wish to present solely as a fact—for a reason that will become apparent immediately.
[ 83 ] Man konnte im Jahre 1912 in einem Jahrbuch, das für 1913 herausgegeben worden ist, herausgegeben worden ist von einer Persönlichkeit, die in weiten Kreisen als eine besondere Prophetin verehrt wird, die vieles aus der geistigen Welt heraus zu sagen hat, wie manche glauben, man konnte in einem Jahrbuch lesen, das 1912 für 1913 erschienen ist, man konnte da lesen — nehmen Sie genau den Zeitpunkt —, man konnte da lesen mit Bezug auf Österreich: Derjenige, welcher heute noch glaubt, regieren zu können, wird nicht regieren. Dagegen wird ein junger Mann regieren, der noch nicht regieren sollte. Und dieselbe Behauptung in ähnlicher Weise ist dann 1913 in demselben Jahrbuch für 1914 wieder erschienen, wiederholt worden. Und dann trat, wie wir ja wissen, im Juni 1914 jenes Attentat ein auf den österreichischen Erzherzog Franz Ferdinand. Ich will nur die Tatsachen zusammenstellen. Selbstverständlich, dass jeder gesund Denkende an etwas anderes denkt, als dass jene Persönlichkeit, um die es sich da handelt, und die eine durch manche andere Dinge höchst zweifelhafte Persönlichkeit ist, prophetisch das vorausgesehen habe!
[ 83 ] In 1912, in a yearbook published for 1913—edited by a figure widely revered as a special prophetess who, as some believe, has much to say from the spiritual world—one could read in a yearbook published in 1912 for 1913, one could read there—note the exact timing—one could read there, with reference to Austria: “He who still believes today that he can rule will not rule. Instead, a young man who is not yet meant to rule will rule.” And the same assertion, in similar terms, then appeared again in 1913 in the same yearbook for 1914, having been repeated. And then, as we know, in June 1914, the assassination of the Austrian Archduke Franz Ferdinand took place. I merely wish to present the facts. It goes without saying that any right-thinking person would conclude something other than that the individual in question—who, for various other reasons, is a highly dubious figure—had prophetically foreseen this!
[ 84 ] Das wird aber noch klarer, wenn man die folgende Entdeckung dann macht — wie gesagt, diese Dinge sind auch auf materialistischem Gebiet in gesunder Weise besprochen worden, und Geisteswissenschaft hat alle Ursache, zu zeigen, auf welcher Seite sie in Bezug auf derlei Dinge steht —, noch klarer wird die Sache, wenn man bedenkt, dass schon 1913 in einer Pariser Zeitung — «Paris-Midi» — der Wunsch ausgesprochen worden ist, das Attentat von Sarajevo zu begehen; dass in dieser selben Zeitung auch ausgesprochen worden ist, gelegentlich der Einführung der dreijährigen Dienstzeit in Frankreich, dass wenn es irgendwie in Frankreich zu einer Mobilisierung kommen würde, so würde Jaures in den ersten Tagen der Mobilisierung getötet werden!
[ 84 ] But this becomes even clearer when one makes the following discovery—as I said, these matters have also been discussed in a sound manner in the realm of materialism, and spiritual science has every reason to show which side it takes with regard to such matters—the matter becomes even clearer when one considers that as early as 1913, in a Paris newspaper—*Paris-Midi* — the desire to carry out the Sarajevo assassination had already been expressed; that in this very same newspaper, on the occasion of the introduction of three-year military service in France, it was also stated that if mobilization were to occur in France for any reason, Jaurès would be killed in the first days of mobilization!
[ 85 ] Stellen Sie diese Tatsachen zusammen damit, dass sie prophetisch — scheinbar — den Leuten aufgebunden werden — prophetisch, scheinbar aus geistigen Welten heraus, den Leuten aufgebunden werden, dann haben Sie die Wahl, entweder an etwas zu denken, was ich gar nicht andeuten will — an irgendeine unterirdische Verbindung zwischen dieser scheinbaren Prophetie und dem, was sich dann vollzogen hat — oder daran, dass nun wirklich vorausgesehen worden ist dasjenige, was sich vollzogen hat!
[ 85 ] Put these facts together with the fact that they are—apparently—presented to people in a prophetic manner—presented to people, seemingly from spiritual realms, in a prophetic manner— then you have the choice: either to think of something I do not wish to imply at all—some sort of underhanded connection between this apparent prophecy and what subsequently took place—or to believe that what actually took place was indeed foreseen!
[ 86 ] Da aber betont Geisteswissenschaft, dass für sie ganz besonders klares, wirklichkeitstaugliches, gesundes Denken am Platze ist und dass sie nicht vermischt sein will mit demjenigen, was sich gerade in unserer Zeit heute solche Leute gern aufbinden lassen, die durch irgendwelche äußeren Beweisgründe das geistige Gebiet sich «beweisen» lassen wollen.
[ 86 ] However, spiritual science emphasizes that what is needed here is particularly clear, realistic, and sound thinking, and that it does not wish to be conflated with what certain people—especially in our time—are all too willing to accept, namely, those who seek to have the spiritual realm “proven” through some kind of external evidence.
[ 87 ] Geradeso wenig wie irgendein Materialist wird der wahre Geistesforscher an die «Prophetie» jener zweifelhaften Persönlichkeit denken, sondern an etwas anderes! Und alle Ursache ist vorhanden, sehr verehrte Anwesende, dass jetzt, wo die Dinge öffentlich besprochen werden, schon einmal darauf hingewiesen wird, dass Geisteswissenschaft abschütteln muss alles dasjenige, was sich nun einmal so gern an ihre Rockschöße knüpft: Alles Scharlatanhafte, Schwindelhafte und alles dasjenige, was spekuliert auf die Leichtgläubigkeit der Menschheit, um gewisse Zwecke zu erreichen, die manchmal auch Verwerflichkeits-Zwecke sein können. [Und auf keinem Gebiete mehr blüht scharlatanhafter Schwindel und Unsinn und Spekulation auf die Torheit und auf den Aberglauben der Menschen als auf dem Gebiet, mit der geisteswissenschaftlichen Richtung und Weltanschauung die Wahrheit über die geistigen Welten anzustreben.]
[ 87 ] Just as little as any materialist would, the true researcher of the spiritual sciences will not think of the “prophecy” of that dubious figure, but of something else! And there is every reason, esteemed audience, now that these matters are being discussed publicly, to point out once and for all that spiritual science must shake off everything that is so eager to cling to its coattails: All that is charlatan-like, fraudulent, and everything that speculates on humanity’s credulity in order to achieve certain ends, which may sometimes even be reprehensible. [And in no field do charlatanism, fraud, nonsense, and speculation exploiting people’s folly and superstition flourish more than in the field of striving for the truth about the spiritual worlds through the spiritual scientific approach and worldview.]
[ 88 ] Dieses ernste Wort ist gerade dann notwendig, wenn man den Wahrheitssinn, der untrennbar ist von geisteswissenschaftlicher Forschung, wenn man den ins rechte Licht setzen will, und wenn man aufmerksam darauf machen will, wie alles Geisteswissenschaftliche ein Innerliches sein müsse, auf Verinnerlichung der menschlichen Natur beruhen müsse, und wie sie sich streng scheidet — wenn auch Geisteswissenschaft von Dingen spricht, die nur aus der geistigen Welt heraus erkannt werden können, auch mit Bezug auf solche Dinge wird sie sich nicht ablehnend verhalten —, aber sie wird sich streng scheiden von alledem, was eben charakterisiert worden ist. Gerade in unserer ernsten Zeit ist das notwendig, weil es auf der anderen Seite notwendig ist, dass Geisteswissenschaft sich dem Entwicklungsgang, dem geistigen Entwicklungsgang einverleibe, wie sich einmal Naturwissenschaft einverleibt hat dem geistigen Entwicklungsgang der Menschheit.
[ 88 ] This solemn statement is particularly necessary when one wishes to shed the proper light on the sense of truth—which is inseparable from spiritual scientific research—and when one wishes to draw attention to how everything in spiritual science must be an inner process, must be based on the internalization of human nature, and how it strictly distinguishes itself—even when spiritual science speaks of things that can only be known from within the spiritual world, and even with regard to such things it will not adopt a dismissive attitude—but it will strictly distinguish itself from everything that has just been characterized. This is particularly necessary in our serious times, because, on the other hand, it is necessary for spiritual science to become integrated into the course of development—the spiritual course of development—just as natural science once became integrated into the spiritual development of humanity.
[ 89 ] Das wird sie nur können, wenn man verstehen wird, wie das geisteswissenschaftliche Streben wirklich in dem heute angedeuteten Sinne, so paradox es erscheinen wird — außerhalb des Leibes und nicht durch Leibeskraft gesucht wird. Wenn hingewiesen wird darauf, dass diese vertrackten Geisteswissenschafter doch Vegetarier zum Beispiel sind, so ist das eine Geschmackssache, was mit der Geisteswissenschaft als solcher gar nichts zu tun hat, und wo man sie nicht zusammenwerfen sollte, ebenso wenig, wie man sie zusammenwerfen sollte damit, dass manche, die sich zur geisteswissenschaftlichen Weltanschauungsströmung rechnen, wenn sie Frauen sind, kurze Haare tragen, wenn sie Männer sind, lange Haare, und dass sie diese oder jene Kleider tragen und dergleichen; ebenso wenig kann durch eine falsche Askese, durch irgendeine Kasteiung des Leibes — wenn es auch notwendig ist selbstverständlich, ein gesundes Leben zu entwickeln —, ebenso wenig kann durch eine ungesunde Kasteiung des Leibes die geistige Welt «eressen» werden! Durch Eressen oder dies oder jenes kann man nicht in die geistige Welt hineinkommen, nicht wahr, sondern durch geistig-seelische Kräfte!
[ 89 ] This will only be possible if people come to understand how the pursuit of spiritual science is truly sought—in the sense indicated today, however paradoxical it may seem—outside the body and not through physical strength. If it is pointed out that these eccentric spiritual scientists are, for example, vegetarians, that is a matter of personal taste that has absolutely nothing to do with spiritual science as such, and the two should not be conflated—just as one should not conflate it with the fact that some who identify with the spiritual scientific worldview, if they are women, have short hair if they are women, long hair if they are men, and that they wear this or that kind of clothing and the like; nor can the spiritual world be “eaten” through false asceticism, through any kind of mortification of the body—even if it is, of course, necessary to lead a healthy life—nor can it be “eaten” through unhealthy mortification of the body! One cannot enter the spiritual world by eating or by doing this or that, can one? Rather, one enters through spiritual and soul forces!
[ 90 ] Das wollte ich insbesondere beifügen, sehr verehrte Anwesende, dem, was wahre Geistesforschung ist, und was wahre Geistesforschung oftmals gegenüber dem, was sich als solche gebärdet, für Schwierigkeiten hat heute, ihre Stellung in der Welt zu behaupten.
[ 90 ] I wanted to emphasize this in particular, distinguished guests: what true spiritual research is, and the difficulties true spiritual research often faces today—in contrast to what merely pretends to be such—in asserting its position in the world.
[ 91 ] Man kann immer nur handeln, es sagen aus diesem oder jenem Gesichtspunkte heraus. Selbstverständlich wäre vieles zur Bekräftigung desjenigen noch zu sagen, was heute vorgebracht worden ist; ich wollte nur einzelne Gesichtspunkte andeuten — einzelne Gesichtspunkte, die wieder einmal zeigen sollen, wie gut begründet im menschlichen Erleben, und gerade im gesunden menschlichen Erleben die geistesforscherische Richtung ist.
[ 91 ] One can only ever act or speak from this or that perspective. Of course, much more could be said to reinforce what has been presented today; I merely wanted to hint at a few specific points of view—points of view that are intended to show, once again, how well-grounded the spiritual scientific approach is in human experience, and specifically in healthy human experience.
[ 92 ] Und wenn diese geistesforscherische Richtung, sehr verehrte Anwesende, heute noch von mancher selbstverständlich einleuchtenden Seite her bekämpft wird — die Zeit wird kommen, wo Menschen sich erarbeitet haben werden in genügender Anzahl jene innerliche Tätigkeit, die die geistige Welt zu einer unmittelbaren Erkenntnis macht, und wo sich einverleiben wird dasjenige, was Geisteserkenntnis ist, dem menschlichen Wissen, wie sich die kopernikanische Weltanschauung diesem menschlichen Wissen einverleibt hat.
[ 92 ] And while this branch of spiritual research, esteemed audience, is still opposed today by some on grounds that seem self-evident—the time will come when a sufficient number of people will have developed within themselves that inner activity which makes the spiritual world accessible to direct perception, and when spiritual knowledge will be incorporated into human knowledge, just as the Copernican worldview has been incorporated into human knowledge.
[ 93 ] Wir haben gesehen gestern, wie verankert ist gerade im mitteleuropäischen Geistesleben dasjenige, was geistesforscherischer Weg ist und wie geradezu ein, wenn auch ein vergessener Ton des deutschen Geisteslebens wie hinstrebt zur wirklichen Erfassung der geistigen Welt. Daher dürfen wir vertrauensvoll gerade auf dasjenige, was gestern als ein verklungener Ton des deutschen Geisteslebens angegeben worden ist, vertrauensvoll auf das hinweisen, das ja doch ein Wirksames ist, wenn es auch heute nicht gesehen wird, was Keim und Wurzel sein wird zu Blüten und Früchten, die sich entwickeln müssen. Aufsteigen wird müssen dasjenige, was wie eine Vorbereitung in Fichte, Schelling und Hegel und den anderen hat, die gestern angeführt worden sind, [dasjenige,] was wie eine Vorbereitung ist zum wirklichen Hineinschreiten in die geistige Welt.
[ 93 ] Yesterday we saw how deeply rooted the path of spiritual research is in Central European intellectual life, and how a certain—albeit forgotten—note in German intellectual life strives toward a true understanding of the spiritual world. Therefore, we may confidently point to precisely that which was described yesterday as a faded note of German intellectual life—confidently point to that which is, after all, a living force, even if it is not recognized today, and which will be the seed and root of blossoms and fruits that must yet develop. What must rise to prominence is that which, like a preparation in Fichte, Schelling, Hegel, and the others mentioned yesterday, serves as a preparation for truly stepping into the spiritual world.
[ 94 ] Aber dieses Hineinschreiten wird ebenso wahr kommen, wie wahr die Pflanze — wenn sie nicht gehindert werden kann — Keime und Wurzeln hat auch Blätter und Blüten und Früchte entwickeln wird. Und das Geistige kann im Physischen, wenn es gut begründet ist, nicht Hindernisse finden. Daher können wir mit Vertrauen gerade auf die weitere Entwicklung dessen blicken, was im deutschen Geistesleben veranlagt ist und dürfen das wohl tun — tun als einen besonderen Akt der Selbstbesinnung auf das deutsche Volkstum —, in dieser gegenwärtigen, ernsten weltgeschichtlichen Stunde. Und wir dürfen uns andererseits sagen: Wenn auch turmhoch und noch höher sich alle die Vorurteile ansammeln würden, alle die Vorurteile gegen wahre geisteswissenschaftliche Erkenntnis, wenn die Macht auch noch so groß würde derjenigen, die diese geisteswissenschaftliche Weltanschauung ausschließen oder aus irgendwelchen Gründen nicht aufkommen lassen wollten: Hineinblickend in das, was Geisteswissenschaft ihrem Wesen nach ist, kann man sagen: Wenn Geisteswissenschaft Wahrheit ist, so wird sie die Wege finden, die die Wahrheit immer gefunden hat. Durch Spalten, wie durch Felsenspalten hindurch wird sie sich entwickeln, wie sie sich immer entwickelt hat, auch die geistige Wahrheit, wie sich die Wahrheit immer entwickelt hat. Wenn auch vieles sich auftürmen sollte von Vorurteilen und entgegenstrebenden Mächten, kann derjenige, der aus einer echten menschlichen, aus einer wahrhaft menschlichen Empfindung heraus das Verhältnis zu der Wahrheit und der menschlichen Seele zu prüfen imstande ist, der muss immer wieder und wieder sich sagen: Ihm komme es vor, als ob die menschliche Seele und die Wahrheit wie Schwestern miteinander verbunden wären.
[ 94 ] But this penetration will come to pass just as surely as the plant—if it cannot be hindered—will develop not only shoots and roots but also leaves, blossoms, and fruit. And the spiritual, if it is well-founded, cannot encounter obstacles in the physical. Therefore, we can look with confidence toward the further development of what is inherent in German spiritual life, and we are well within our rights to do so—as a special act of self-reflection on the German national character—in this present, grave moment in world history. And on the other hand, we may say to ourselves: Even if all the prejudices were to pile up sky-high and even higher—all the prejudices against true spiritual-scientific knowledge—even if the power of those who exclude this spiritual-scientific worldview or, for whatever reason, do not wish to allow it to emerge were to become as great as it could be: Looking into the very essence of spiritual science, one can say: If spiritual science is truth, then it will find the paths that truth has always found. Through crevices, just as through rocky crevices, it will develop, just as it has always developed—spiritual truth, too, just as truth has always developed. Even if a great many prejudices and opposing forces were to pile up, anyone who, out of a genuine human, a truly human feeling, is capable of examining the relationship between truth and the human soul must tell himself again and again: It seems to him as though the human soul and truth were connected like sisters.
[ 95 ] Die Wahrheit, sehr verehrte Anwesende, kann man als Feind bekämpfen, sie wird immer wieder Mittel und Wege finden, wenn sie durch das entgegenstehende Vorurteil auch in irgendeiner Zeit wie ausgelöscht wird, sie wird in kommenden Zeiten immer Mittel und Wege wieder finden, um durchzudringen!
[ 95 ] The truth, my esteemed audience, can be fought as an enemy; even if it seems to be extinguished at any given time by opposing prejudice, it will always find ways and means—and in times to come, it will always find ways and means to prevail!
[ 96 ] Diejenigen, welche verspotten und verhöhnen die Geisteswissenschaft, denen darf derjenige, der so über Wahrheit und das Leben denken muss, wie angedeutet, sagen: Welche Mächte auch immer Geisteswissenschaft heute noch unterdrücken wollen: Die Geisteswissenschaft kann auf ihre eigene Kraft bauen. Sie wird sich gegen jede Unterdrückung finden in ihrer eigenen Kraft; denn man kann die Wahrheit unterdrücken, man kann sie aber nicht aus der Welt auslöschen.
[ 96 ] To those who mock and ridicule spiritual science, anyone who must think about truth and life as indicated may say: Whatever forces may still seek to suppress spiritual science today, spiritual science can rely on its own strength. It will find the strength to resist all oppression within itself; for while the truth can be suppressed, it cannot be eradicated from the world.
[ 97 ] Die Wahrheit und die Menschenseele, sie sind Geschwister und gehören zusammen wie Geschwister, Geschwister im Geiste. Und mögen Menschenseelen, die zum Irrtum hinneigen, nicht zur Wahrheit, auch zu der einen oder anderen Zeit mehr oder weniger auseinandergehen: Das wird sich immer wieder und wieder ergeben, dass sie sich in geschwisterlicher Liebe finden werden, und dass sie — lassen Sie mich das als Schlusswort des heutigen Vortrages aussprechen — dass sich diese Geschwister, die Wahrheit und die Menschenseele, in derjenigen geistigen Liebe immer mehr und mehr finden müssen, die sie beide zurückweist auf ihren gemeinsamen Ursprung, in dem ihr Geschwistertum wurzelt. Und dieser Ursprung ist das Licht der Welt, aus dem sie beide her stammen, die geistige Welt, die Ursprungswelt, die geistige Welt, die das väterlich-mütterliche Prinzip für Wahrheit und Seele ist und zu der Wahrheit und Seele immer wieder hinaufstreben werden, sich geschwisterlich umfassen werden, eingedenk ihres gemeinsamen Ursprungs aus dem allumfassenden, die Welt durchwirkenden und durchwebenden Geistigen der Welt, in dem diese Welt ihren wahren, ihren einzig wahren Ursprung hat.
[ 97 ] Truth and the human soul are siblings and belong together as siblings—siblings in spirit. And even if human souls that are prone to error rather than to truth should drift apart to a greater or lesser extent at one time or another: It will happen again and again that they will find one another in brotherly love, and that—let me say this as the concluding remark of today’s lecture—that these siblings, Truth and the human soul, must find one another more and more in that spiritual love which refers them both back to their common origin, in which their sibling bond is rooted. And this origin is the Light of the World from which they both come, the spiritual world, the world of origin, the spiritual world that is the fatherly-motherly principle for Truth and the soul, and toward which Truth and the soul will strive again and again, embracing one another as siblings, mindful of their common origin in the all-encompassing Spiritual of the world that permeates and interweaves the world, in which this world has its true, its only true origin.
