The Human Being as a
Spirit and Soul Being
GA 71b
24 April 1918, Nuremberg
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The Human Being as a Spirit and Soul Being, tr. SOL
8. Der übersinnliche Mensch und die Fragen der Willensfreiheit und Unsterblichkeit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft
8. The Super-Sensory Human Being and the Questions of Free Will and Immortality According to the Findings of Spiritual Science
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Es ist ja zweifellos, dass unter den Fragen, die das menschliche Seelenleben betreffen und die immer wieder und wiederum vor die Seele jedes einzelnen Menschen treten müssen, die Fragen der Willensfreiheit und der Seelenunsterblichkeit zu den allerbedeutsamsten gehören. Ich habe heute diese Betrachtung so eingerichtet, dass diese beiden Fragen im Zusammenhang erörtert werden sollen.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! There is no doubt that, among the questions concerning the life of the human soul—questions that must arise again and again in the soul of every individual—the questions of free will and the immortality of the soul are among the most significant. I have structured today’s reflection so that these two questions may be discussed in context.
[ 2 ] Ich habe nicht willkürlich zusammengekoppelt diese zwei Grundrätsel des menschlichen Seelenlebens, sondern ich glaube, dass gerade die Betrachtungen des heutigen Abends dahin führen werden, einzusehen, wie innig diese zwei Seelenrätsel zusammenhängen und wie man im Grunde genommen eines ohne das andere kaum erschöpfend ins Auge fassen kann.
[ 2 ] I have not arbitrarily linked these two fundamental mysteries of human spiritual life; rather, I believe that this evening’s reflections will lead us to understand just how intimately these two mysteries are connected and how, in essence, one can hardly fully grasp one without the other.
[ 3 ] Sogleich tritt dem, der sich nur ein wenig aus dem, was aus der Menschheitsgeistesgeschichte vorliegt, mit diesen zwei Fragen befasst, sogleich treten ihm zwei Tatsachen vor Augen. Abgesehen von allen Glaubensvorstellungen, über die hier weder in positiver noch in negativer Weise heute gehandelt werden soll, hat man ja versucht, rein denkerisch, wissenschaftlich-philosophisch, gerade mit diesen zwei Seelenrätseln sich zu befassen. Und man darf sagen: Scharfsinnigstes, Eindringlichstes, Tiefschürfendes ist versucht worden, auf rein denkerische Art über diese zwei Fragen zu gewinnen.
[ 3 ] As soon as one begins to examine these two questions—even just a little—in light of what is known from the history of human thought, two facts immediately become apparent. Setting aside all matters of faith—which are not to be discussed here today, either positively or negatively—attempts have indeed been made to engage with these two mysteries of the soul purely through thought, from a scientific and philosophical perspective. And it can be said that the most astute, penetrating, and profound efforts have been made to arrive at answers to these two questions through pure thought.
[ 4 ] Allein, jedem fällt auch auf, der an diese Fragen, so wie ich es eben erwähnt habe, herantritt, wie gestritten worden ist, gehandelt worden ist in der oft widerspruchvollsten Art von den einzelnen Forschern über Willensfreiheit und Unsterblichkeit. Da muss irgendetwas zugrunde liegen, welches es der Menschheit schwierig macht, einzudringen gerade in dasjenige, was nach dem tiefsten Seelenbedürfnissen so unendlich nahe den Bestrebungen der Menschenseele liegt. Dass in diesem Menschen etwas verborgen ist, welches hinausgeht über Geburt und Tod, das müsste sich auch wissenschaftlich erforschen lassen, — so sagte sich unablässig die Menschenseele. Und dass dem menschlichen Handeln so etwas zugrunde liegen muss, wie freies Entschließen, wie ein Nichtgebundensein an die Naturnotwendigkeit, an die der fallende Stein gebunden ist, das sagt sich auch die Menschenseele. Aber wenn sie dann versucht, über dasjenige, was ihr so nahe liegt, denkerisch nachzuforschen — sie kann glauben, zu dem einen oder zu dem anderen zu kommen; andere Erwägungen zeigen dann bald wiederum, dass man gegen das, was vorgebracht ist, ebenso viel einwenden kann als für die Sache, die vorgebracht worden ist.
[ 4 ] However, anyone who approaches these questions in the way I just mentioned will notice how individual researchers have debated and dealt with the topics of free will and immortality in the most contradictory ways. There must be something underlying this that makes it difficult for humanity to penetrate precisely that which, according to the deepest needs of the soul, lies so infinitely close to the aspirations of the human soul. That there is something hidden within this human being that transcends birth and death—this, too, ought to be scientifically investigable, the human soul told itself incessantly. And the human soul also tells itself that human action must be based on something such as free decision-making, such as a freedom from the natural necessity to which a falling stone is bound. But when it then attempts to investigate intellectually what lies so close to it—it may believe it has arrived at one conclusion or another; yet other considerations soon show that just as many objections can be raised against what has been put forward as in favor of the position that has been advanced.
[ 5 ] Diejenige Weltanschauung, meine sehr verehrten Anwesenden, die ich nun seit vielen Jahren auch hier in diesen Vorträgen vertrete, sie sucht von ihren Gesichtspunkten aus über diese Fragen Klarheit zu schaffen, und sie glaubt zu erkennen nicht nur, wie der Weg geführt sein müsse, den man gehen muss, um eine menschlich befriedigende Auffassung über diese Seelenrätsel zu gewinnen; sondern sie glaubt, auch einzusehen, warum auf anderen Wegen so Widerspruchsvolles, so Ungenügendes auf diesem Gebiete zutage tritt. Ich werde allerdings, wie das gewöhnlich bei diesen geisteswissenschaftlichen Vorträgen der Fall war, genötigt sein, einen anderen Weg einzuschlagen, als derjenige ist, den die gewöhnliche Wissenschaft, wenn sie über diese oder jene Tatsache handelt, einschlägt. Dieser Wissenschaft liegen die Tatsachen vor; sie drückt sich aus über die Ergebnisse, die sie gewonnen hat, baut dann ihre Schlüsse auf diesen Ergebnissen auf. Anders muss der Geistesforscher in der Regel vorgehen, insbesondere in Bezug auf die heute zu behandelnden Fragen.
[ 5 ] The worldview, ladies and gentlemen, that I have been advocating for many years now in these lectures seeks to shed light on these questions from its own perspective, and it believes it recognizes not only the path one must take to arrive at a humanly satisfying understanding of these mysteries of the soul; but it also believes it understands why such contradictory and inadequate findings emerge in this field when other approaches are taken. I shall, however—as has usually been the case with these lectures on spiritual science—be compelled to take a different path than the one followed by conventional science when it deals with this or that fact. Conventional science has the facts before it; it expresses itself regarding the results it has obtained and then builds its conclusions upon these results. The spiritual researcher, as a rule, must proceed differently, especially with regard to the questions to be addressed today.
[ 6 ] Der Geistesforscher muss zunächst Andeutungen geben über die Art und Weise, wie er zu seinen Ergebnissen gekommen ist. Er muss immer wiederum den Weg aufzeigen, auf dem sich ihm die Anschauung seiner Ergebnisse gezeigt hat. Denn er behandelt ja Dinge, die nicht mit den gewöhnlichen Sinnen zu verrichten sind. Er behandelt Dinge, die dem gewöhnlichen Erkenntnisvermögen ferneliegen. Er muss also erst den Weg andeuten, auf dem er dahin gelangt, wo sich ihm in anschaulicher Weise seine Ergebnisse vor das Geistesauge stellen.
[ 6 ] The spiritual researcher must first provide some indication of the manner in which he arrived at his findings. He must repeatedly point out the path by which the vision of his findings revealed itself to him. For he deals with matters that cannot be apprehended by the ordinary senses. He deals with things that lie beyond the reach of ordinary cognitive faculties. He must therefore first indicate the path by which he arrives at the point where his findings present themselves to his inner eye in a vivid manner.
[ 7 ] Gerade diejenigen Fragen, die wir heute zu behandeln haben, meine sehr verehrten Anwesenden, sie betreffen eigentlich so recht, mehr als manches andere, den Menschen selbst. Und sie sind die — so im eminentesten Sinne — Fragen der menschlichen Selbsterkenntnis. Man kann nun durchaus sagen: Geisteswissenschaft — ich habe das schon öfter hier erwähnt —, Geisteswissenschaft ist durchaus eine Bewundererin der großartigen, gewaltigen Fortschritte, welche der Menschheit geleistet worden sind durch die naturwissenschaftlichen Ergebnisse der neueren Zeit. Aber, gerade weil sie von ihrem Gesichtspunkte aus diese naturwissenschaftlichen Ergebnisse würdigt, so weit sie zu würdigen sind, gerade deshalb erkennt sie auch, wo diese naturwissenschaftlichen Methoden nicht hinreichen können, wo sie keinen Aufschluss geben können.
[ 7 ] The very questions we are addressing today, ladies and gentlemen, actually concern human beings themselves more than almost anything else. And they are—in the most eminent sense—questions of human self-knowledge. One can certainly say—as I have mentioned here on several occasions—that the humanities are indeed in awe of the magnificent, tremendous progress that has been achieved for humanity through the scientific discoveries of recent times. But precisely because it, from its own perspective, acknowledges these scientific achievements—to the extent that they deserve recognition—it also recognizes where these scientific methods fall short, where they cannot provide insight.
[ 8 ] Man muss sagen: Für solche Fragen, wie wir sie heute zu behandeln haben, für Fragen, die im ausgesprochensten Sinne Fragen der menschlichen Selbsterkenntnis sind, für solche Fragen sind die großartigen, bewunderungswürdigen Ergebnisse des naturwissenschaftlichen Denkens und namentlich die Art des naturwissenschaftlichen Denkens eher ein Hindernis als etwas, was wirklich auf den richtigen Weg führen könnte. Dafür lassen Sie mich Ihnen einleitend ein Beispiel angeben. Ernste, gewissenhafte Naturforscher, sie haben ja immer wiederum mit ihrer besonderen Art des Denkens die Blicke hingelenkt auf dasjenige, was sich abspielt im Menschen selbst, was da auf- und abwogt als das menschliche Seelenleben. Aber wir wollen uns ein Beispiel vor Augen rücken, an dem wir gleich sehen können, wie der Naturforscher nicht durch seinen Fehler, sondern durch diese Art der Betrachtung vorbeischen muss an dem, was auf den Weg der eigentlichen Rätsellösung führt.
[ 8 ] It must be said: For questions such as those we must address today—questions that are, in the truest sense, questions of human self-knowledge—the magnificent, admirable achievements of scientific thought, and specifically the very nature of scientific thought itself, are more of an obstacle than something that could truly lead us down the right path. Let me begin by giving you an example. Serious, conscientious natural scientists have, after all, time and again directed their attention—through their particular way of thinking—to what takes place within human beings themselves, to what surges and ebbs there as the life of the human soul. But let us consider an example that will immediately show us how the natural scientist—not because of any fault of his own, but precisely because of this mode of observation—must pass right by what leads to the actual solution of the mystery.
[ 9 ] Ein guter Naturforscher, Waldstein, er hat veröffentlicht in den zum Teil sehr wichtigen Abhandlungen, die in Wiesbaden erscheinen über die Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens, eine Schrift über das unterbewusste Ich. Er spricht über allerlei, was sich in der Seele des Menschen zwar abspielt, was Bedeutung hat für das menschliche Seelenleben, was aber von dem gewöhnlichen Bewusstsein nicht überschaut wird. Da sagte er als Beispiel — und ähnliche Beispiele kann sich jeder zu Hunderten und Tausenden vor die Seele rücken —, da sagt er: Ich stehe einmal vor dem Schaufenster einer Buchhandlung, schaue in dieses Schaufenster hinein. Mein Blick fällt auf die verschiedensten Bücher. Es ist eine wissenschaftliche Buchhandlung. Lauter ernste Bücher liegen da. Besonders zieht mich an durch meinen Beruf ein Buch, welches da im Fenster steht, über die Mollusken. Und in dem Augenblick, wo mein Blick auf dieses Buch über die Mollusken fällt, muss ich anfangen, leise zu lachen. Nun bin ich doch ein Naturforscher, dem es durchaus nicht nahe liegt, bei einem so ernsten Thema, wie dieses Buch es ausdrückt in seinem Titel «Über die Mollusken» innerlich ins Lachen zu kommen. Was hat da veranlasst, dass ich beim Anschauen des Titels eines Molluskenbuches lachen muss? Ich mache die Augen zu — so erzählt der Naturforscher weiter —, um dahinterzukommen, was mich eigentlich veranlasst, zu lachen. Und siehe da: Da mein Auge nicht mehr angezogen wird durch den Molluskentitel, da höre ich ganz in der Ferne unter mancherlei anderem Straßenlärm, der um mich herum ist, noch leise nur vernehmbar, weil es sehr weit entfernt ist, die Töne einer Drehorgel; und diese Drehorgel spielt just die Melodie eines Liedes, bei dem ich vor Jahrzehnten als ganz junger Mann meine ersten Tänze gemacht habe. Damals habe ich mich bei dieser Melodie bemüht, die Quadrille-Schritte kennenzulernen. Ich habe dazumal nicht sehr achtgegeben auf die Melodie, denn ich war sehr beschäftigt, erstens die Schritte zu lernen, und dann auch meine Partnerin in entsprechender Weise zu behandeln. Also schon dazumal ist die Melodie nur so halbträumerisch an mir vorbeigezogen. Und siehe da, niemals lag es mir nahe in der letzten Zeit, mich mit dieser Melodie zu beschäftigen; jetzt, just vor dem Molluskenbuch, mache ich die Augen zu, und in der Ferne wird diese Melodie angeschlagen; ich muss leise lachen. Hätte ich die Augen nicht zugemacht — denn ich habe ja, als ich das Molluskenbuch anschaute, nichts davon gewusst, dass da eine Orgel spielt, das war nur so an mein Ohr herangeschlagen —, so wäre ich niemals dahintergekommen, warum ich gerade vor dem Molluskenbuch lachen muss. Und dieser Fall zeigt mir, wie merkwürdig die Dinge im Innern des Menschen spielen, was da alles im Unterbewussten wühlt und arbeitet; wie dieses unterbewusste Wesen sein Spiel mit dem Menschen treibt.
[ 9 ] Waldstein, a distinguished natural scientist, has published an essay on the subconscious self in a series of treatises—some of which are highly significant—published in Wiesbaden that address the boundary issues of nervous and mental life. He discusses all sorts of things that take place in the human soul—things that are significant for human psychological life but that are not grasped by ordinary consciousness. As an example—and everyone can conjure up hundreds or thousands of similar examples in their mind—he says: I am standing in front of a bookstore window, looking into it. My gaze falls on a wide variety of books. It is a scientific bookstore. There are nothing but serious books there. Because of my profession, I am particularly drawn to a book standing there in the window, a book about mollusks. And the moment my gaze falls on this book about mollusks, I can’t help but start to chuckle softly. After all, I am a naturalist—and it is certainly not my nature to find myself laughing inwardly at such a serious topic as this book’s title, On Mollusks, suggests. What is it that makes me laugh when I look at the title of a book on mollusks? I close my eyes—so the naturalist continues—to figure out what is actually causing me to laugh. And lo and behold: since my eye is no longer drawn to the mollusk title, I hear—in the very distance, amid all sorts of other street noise surrounding me, barely audible because it’s so far away—the sounds of a barrel organ; and this barrel organ is playing precisely the melody of a song to which I danced for the first time decades ago, as a very young man. Back then, to the tune of this melody, I tried to learn the quadrille steps. I didn’t pay much attention to the melody at the time, because I was very busy—first, learning the steps, and second, treating my partner with the proper deference. So even back then, the melody just drifted past me in a half-dreamlike way. And lo and behold, it never occurred to me recently to dwell on this melody; now, right in front of the mollusk book, I close my eyes, and in the distance this melody begins to play; I have to chuckle softly. Had I not closed my eyes—for when I was looking at the book on mollusks, I had no idea that an organ was playing; it just happened to reach my ear—I would never have figured out why I had to laugh right before reading the book on mollusks. And this incident shows me how strangely things play out within a person, what is stirring and at work in the subconscious; how this subconscious entity plays its games with us.
[ 10 ] Solche Beispiele führt dann der Gelehrte noch sehr, sehr viele an. Und andere führen dergleichen auch an. Aber man kann sagen: Wenn man solchen gelehrten Abhandlungen sich widmet, man merkt sehr bald: Zwar wissen die Menschen da, dass es sich um etwas handelt, was zur menschlichen Selbsterkenntnis gehört, was im Menschen wirkt und lebt; aber dasjenige, was durch das naturwissenschaftliche Denken herbeigetragen werden kann, um hinter solche Sachen zu kommen, um gar bei solchen Sachen eine Förderung zu erlangen für das wirkliche Erkennen desjenigen, was im Menschen als das wahre Wesen dieses Menschen lebt, dazu reicht eben das naturwissenschaftliche Denken durchaus nicht aus. Da muss zu etwas anderem geschritten werden. Und das ist es, meine sehr verehrten Anwesenden, was ich voraus behandeln muss; der Weg, wie man eigentlich zum menschlichen Selbsterkennen kommt. Aber ich möchte zunächst die zwei Fragen so hinstellen vor Ihre Seelen, wie sie behandelt werden müssen, wenn sie in voller Klarheit empfunden werden sollen, die zwei Fragen, die hereinspielen in das menschliche Seelenleben, von denen sich der Geisteswissenschafter bemüßigt sieht, den Ausgang zu wählen, wenn er gerade unsere zwei heute zu betrachtenden Hauptfragen ins Auge fasst.
[ 10 ] The scholar then cites many, many more examples like these. And others cite similar examples as well. But one can say: When one delves into such scholarly treatises, one soon realizes: Although people know that this concerns something that belongs to human self-knowledge, something that works and lives within the human being, scientific thinking is simply not sufficient to uncover such matters or to gain any insight into them that would lead to a true understanding of what lives within a person as their true essence. We must turn to something else. And that, my esteemed audience, is what I must address first: the path by which one actually arrives at self-knowledge. But I would first like to present these two questions to your souls as they must be addressed if they are to be perceived with complete clarity—the two questions that play a role in human soul life, from which the scholar of the spiritual sciences finds it necessary to choose a path when he turns his attention specifically to the two main questions we are considering today.
[ 11 ] Man darf dabei nicht den Ausgangspunkt wählen von dem im menschlichen Selbst, was so hereinspielt wie da diese ganz leisen, kaum traumhaften Erinnerungsvorstellungen von der Drehorgel her; da kommt man nur zu dem, was gewissermaßen sein Spiel treibt; aber hinter das Spiel, das da getrieben wird mit dem menschlichen Selbst, kommt man nicht. Man muss die Frage so lenken, dass man gegenüber dem, was da auf- und abwogt, in das alles Mögliche hereinspielt nach dem Beispiel unserer Drehorgel, dass man ausgeht von dem und zu so etwas sich wendet, was ein ganz anderes Verhältnis zum Menschenleben hat als dasjenige, was da sein Spiel treibt. Wir leben so mit unserer Seele, dass in dieser Seele aufund absteigen Vorstellungen, die wir durch äußere Wahrnehmungen gewinnen: Gefühle, Willensimpulse; das alles spielt dann hinein, wenn so etwas Drehorgelmäßiges heraufkommt. Aber im Grunde genommen ist ja das ganze Spiel unseres Seelenlebens im Alltag mehr oder weniger ähnlich dieser Erscheinung mit der Drehorgel.
[ 11 ] One must not choose as a starting point that part of the human self which comes into play here, just as those very faint, almost dreamlike memories of the barrel organ do; for then one arrives only at what, so to speak, is playing its own game; but one cannot get beyond the game that is being played with the human self. One must frame the question in such a way that, in the face of what surges up and down—playing into all manner of possibilities, following the example of our barrel organ—one starts from that and turns toward something that has an entirely different relationship to human life than that which is playing out there. We live with our soul in such a way that ideas we gain through external perceptions—feelings, impulses of the will—rise and fall within it; all of this plays a part when something like the barrel organ comes to the fore. But fundamentally, the entire interplay of our soul life in everyday life is more or less similar to this phenomenon with the barrel organ.
[ 12 ] Gewiss, ein Teil desjenigen, was in unserem gewöhnlichen Bewusstsein ist, dessen sind wir uns klar und hell bewusst; aber unzählig viel anderes spielt fortwährend herein, wir wissen nicht, woher es kommt. Mit Recht sucht die Naturforschung im menschlichen Leibe als solchem, in diesem mit dem Tode vergehenden menschlichen Leibe, die Grundlagen für dasjenige, was da in dieser Form in das Seelenleben des Menschen hereinspielt. Wir sind hingegeben an dieses Spiel der Vorstellungen. Aber eines tritt auf, von dem müssen wir uns sagen: Es ist ganz anderer Art als dieses Spiel der Vorstellungen. Überlassen wir uns nur diesem Spiel der Vorstellungen, gehen wir durchs Leben mit diesem Alltagsbewusstsein — Vorstellungen, Gefühle, Empfindungen, alles Mögliche steigt auf, flutet ab; wir sind ihm hingegeben.
[ 12 ] Certainly, we are clearly and distinctly aware of part of what is present in our ordinary consciousness; but countless other things are constantly coming in, and we do not know where they come from. Natural science is right to seek, in the human body as such—in this human body that perishes with death—the foundations for what enters into the human soul life in this form. We are at the mercy of this interplay of ideas. But something arises of which we must say to ourselves: It is of an entirely different nature than this interplay of ideas. If we simply surrender to this interplay of ideas, we go through life with this everyday consciousness—ideas, feelings, sensations, all manner of things rise up and ebb away; we are at its mercy.
[ 13 ] Aber eines ist dann da, das ist, dass wir uns sagen: Mit einer gewissen Richtekraft tritt herein in unser Bewusstsein das, dass wir nicht einfach die Vorstellungen so kommen und gehen lassen, sondern dass wir uns hergeben müssen dazu, um uns zu sagen: gewisse Vorstellungen sind richtig, andere sind unrichtig; wir fangen an, in unserem Denken Logik zu entwickeln, Logik, die uns auch mit der Wirklichkeit in der richtigen Art zusammenbringen soll. Kann es da das gewöhnliche Spiel der Vorstellungen sein, was in unser Seelenleben hereingreift, wenn wir uns sagen: irgendetwas ist richtig oder ist falsch? Nein, das kann nicht das gewöhnliche Spiel der Vorstellungen sein. Denn da kommen falsche und richtige Vorstellungen herauf, und es kommt gerade darauf an, dass wir uns nach etwas zu richten vermögen, was falsche Vorstellungen, die ebenso aus leiblichen Notwendigkeiten heraufkommen wie richtige Vorstellungen, abweist, was richtige Vorstellungen annimmt. Da ragt in unser Seelenleben etwas herein, was ganz anders geartet ist als alles das, was man sonst in der bloRen naturwissenschaftlichen Selbstbeobachtung finden kann. Daher kommt es, meine sehr verehrten Anwesenden, daher kommt es, dass gerade an diesem Punkte philosophische Weltbetrachtungen immer wiederum eingegriffen haben. Wenn sie gewissermaßen den Menschen haben retten wollen davor, dass er nur das Ergebnis seiner leiblichen Verrichtungen sei, so haben sie darauf hingewiesen, wie da etwas hereinspielt in das Seelenleben, was nicht aus dem Leibe kommen kann. Da kommt einmal das richtige, einmal das falsche; beides kommt in gleicher Art. Aber gerade an diesem Punkte zeigt sich auch immer, wie eine solche Weltbetrachtung nicht zum Ende kommen kann; wie es unmöglich ist, auf diesem Wege irgendetwas zu finden. Denn man gelangt nicht weiter als dazu, solche Sachen zu konstatieren; aber nach den Gründen, nach dem Wesen der Sache frägt man bei solchen bloß philosophischen Weltbetrachtungsmitteln ganz vergeblich. Das ist das eine.
[ 13 ] But there is one thing: we tell ourselves that, with a certain power of judgment, the realization enters our consciousness that we cannot simply let ideas come and go as they please, but that we must commit ourselves to this in order to say to ourselves: certain ideas are correct, others are incorrect; we begin to develop logic in our thinking—logic that is also meant to bring us into the right kind of relationship with reality. Can it be the ordinary play of ideas that intervenes in our inner life when we tell ourselves: something is right or wrong? No, that cannot be the ordinary play of ideas. For both false and true ideas arise, and what matters is precisely that we are able to orient ourselves toward something that rejects false ideas—which arise just as much from physical necessities as true ideas do—and accepts true ideas. Something enters our inner life that is of a completely different nature than anything else one might otherwise find in mere scientific self-observation. That is why, my esteemed audience, that is why philosophical views of the world have always intervened at precisely this point. In seeking, so to speak, to save humanity from the notion that it is merely the product of its physical functions, they have pointed out how something enters into the life of the soul that cannot come from the body. Sometimes the true comes, sometimes the false; both come in the same way. But it is precisely at this point that it also always becomes clear how such a worldview cannot reach a conclusion; how it is impossible to find anything in this way. For one gets no further than merely stating such things; but with such purely philosophical means of world interpretation, one searches in vain for the reasons, for the essence of the matter. That is one thing.
[ 14 ] Auf der anderen Seite spielt eben in das, was auf- und abwogt in unserem Seelenleben, herein das deutliche Bewusstsein, dass wir uns mit Ja oder Nein zu dieser oder jener Handlung entschließen können, dass wir eine Handlung tun oder auch unterlassen können. Aber dem widerspricht eigentlich jede naturwissenschaftliche Betrachtungsweise. Denn eine Handlung kann nicht anders erfolgen als dadurch, dass sie irgendwie aus unserer Leiblichkeit, aus unserer menschlichen Wesenheit hervorgeht. Sie muss in ihr begründet sein.
[ 14 ] On the other hand, the ebb and flow of our inner life is influenced by the clear awareness that we can decide, with a “yes” or a “no,” whether to perform this or that action—that we can either perform an action or refrain from doing so. But this is actually contradicted by every scientific perspective. For an action cannot take place except by arising in some way from our physicality, from our human nature. It must be rooted in it.
[ 15 ] Und man muss geradezu sich die Aufgabe setzen, diesen Grund in der menschlichen Wesenheit nach den Gesetzen einer gewissen Notwendigkeit zu suchen. Man kommt nicht heran an dasjenige, was menschliche Freiheit ist. Das ist die andere Grenze. Von diesen zwei Grenzpunkten muss man ausgehen. Ich habe versucht vor 25 Jahren in meiner «Philosophie der Freiheit», gerade von diesen zwei Grenzpunkten auszugehen und einmal damals durch bloße Beobachtung desjenigen, was in der menschlichen Seele lebt, festzustellen, was eigentlich da drinnen ist, in der Seele, wenn eine Handlung zustande kommt, der gegenüber der Mensch das Bewusstsein hat der Freiheit.
[ 15 ] And one must indeed set oneself the task of seeking this foundation in human nature according to the laws of a certain necessity. One cannot approach that which is human freedom. That is the other boundary. One must proceed from these two boundary points. Twenty-five years ago, in my Philosophy of Freedom, I attempted to proceed precisely from these two points and, at that time, through mere observation of what lives in the human soul, to determine what is actually there inside the soul when an action takes place in which the human being is conscious of freedom.
[ 16 ] Ich habe dazumal die Sache so gehalten, dass ich innerhalb des rein Philosophischen stehen geblieben bin. Heute versuche ich die Dinge so zu geben, dass sie geisteswissenschaftlich, soweit das dem Menschen möglich ist, ihre Lösung finden. Dazu ist es aber notwendig, dass man sich gerade diesen zwei Punkten, die ich jetzt als die Grenzpunkte wahrer Selbsterkenntnis bezeichnet habe, dass man sich ihnen so nähert, wie nur Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, sich ihnen nähern kann.
[ 16 ] At that time, I approached the matter in such a way that I remained within the realm of pure philosophy. Today I try to present things in such a way that they find their solution through spiritual science, to the extent that this is possible for human beings. To do this, however, it is necessary to approach precisely these two points—which I have now described as the boundary points of true self-knowledge—in the way that only spiritual science, as understood here, can approach them.
[ 17 ] Diese Geistesforschung, ihre Charakteristik ist ja, meine sehr verehrten Anwesenden, dass man nicht die Seele so lässt zum Forschen, wie sie ist; das tut das gewöhnliche Bewusstsein; das tut auch die gewöhnliche Wissenschaft; sondern man entwickelt die Seele weiter über den Punkt hinaus, an dem sie sich selbst antrifft, wenn sie nur ihrer naturgemäßen Entwicklung sich überlässt. Die Seele des Menschen muss sich selbst in die Hand nehmen. Sie muss aus sich etwas anderes machen. Denn sie muss dazu kommen, etwas anderes zu schauen, etwas anderes wahrzunehmen, als man mit dem gewöhnlichen Erkenntnisvermögen wahrnehmen kann. Sie muss, wenn ich das von vorneherein andeuten darf, in die Lage kommen, den Geist, der im Menschen lebt, wirklich ins geistige Auge zu fassen.
[ 17 ] This spiritual research, my dear friends, is characterized by the fact that one does not leave the soul to explore as it is; that is what ordinary consciousness does; and ordinary science does the same; rather, one develops the soul beyond the point at which it encounters itself when it simply follows its natural course of development. The human soul must take its destiny into its own hands. It must transform itself into something else. For it must come to see something else, to perceive something else, than what can be perceived with ordinary cognitive faculties. It must—if I may hint at this from the outset—be enabled to truly grasp the spirit that lives within the human being with the spiritual eye.
[ 18 ] Die meisten Menschen behaupten aus einer gewissen Lebensbequemlichkeit heraus — denn sonst ist es nichts —, dass über solche Dinge wie die Anschauung des Geistes beim Menschen überhaupt nur ein Glaube vorhanden sein könne. Aber die wirkliche Praxis, die wirkliche Methode, die der Geistesforscher einschlägt, die beweisen, dass nicht bloß Glaube, sondern ein so sicheres Wissen in Bezug auf diese Dinge zu erreichen ist, wie das Wissen in Bezug auf äußere Naturerscheinungen und Naturwesen zu erreichen ist.
[ 18 ] Most people claim, out of a certain desire for comfort in life—for that is all it is—that when it comes to such matters as the perception of the spirit in human beings, one can have nothing more than mere belief. But the actual practice, the actual method employed by the spiritual researcher, proves that it is possible to attain not merely belief, but knowledge regarding these matters that is just as certain as the knowledge we have regarding external natural phenomena and natural beings.
[ 19 ] Da muss man allerdings sich darüber klar sein, dass die Seele durch — man nenne es nun Übungen oder wie man will —, durch gewisse Verrichtungen, die sie mit sich vornimmt, sich zu einer ganz anderen Art der Verfassung bringen muss, als sie im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft ist, zu einer anderen Art von Anschauung. Ich habe in meinen Schriften, in denen ja Genaueres über diese Dinge zu lesen ist, die erste Stufe des Seelenlebens, zu der sich die Seele bringt, um in der geistigen Welt zu forschen, die imaginative Erkenntnis genannt.
[ 19 ] One must, however, be clear that the soul—whether one calls them exercises or whatever one wishes—must, through certain activities it undertakes, bring itself into a state of being quite different from that which it experiences in ordinary life and in ordinary science, into a different kind of perception. In my writings—which, of course, contain more detailed information on these matters—I have called the first stage of the soul’s life, to which the soul brings itself in order to explore the spiritual world, “imaginative cognition.”
[ 20 ] Wodurch gelangt man zu dieser imaginativen Erkenntnis? Dadurch, dass man vor allen Dingen seinem Denken, seinem Vorstellen eine ganz andere Richtung gibt, als sie im gewöhnlichen Leben vorhanden sind. Man muss versuchen, ins Denken so etwas hereinzubekommen, was sonst möglichst weit weg liegt, nun, sagen wir, von der Drehorgel, von dem Beispiel, das ich eben angeführt habe. Denn durch die Drehorgel würde die Sache so, dass im Seelenleben etwas auftaucht, man weiß nicht recht was; es könnte auch überhaupt nicht bemerkt werden. Just das Gegenteil muss der Fall sein, wenn man sich zur Geistesforschung bereit machen will durch Seelenübung. Man muss in die Seele gar nichts, aber auch wirklich gar nichts hereinlassen, was nicht durch die Seele selbst in sie hereingebracht ist.
[ 20 ] How does one arrive at this imaginative insight? By, above all, giving one’s thinking and imagination a direction quite different from that found in everyday life. One must try to bring into one’s thinking something that is otherwise as far removed as possible from, say, the barrel organ—the example I just mentioned. For with the barrel organ, the result would be that something would arise in the life of the soul—one doesn’t quite know what; it might not even be noticed at all. The exact opposite must be the case if one wishes to prepare for spiritual research through soul exercises. One must not allow anything—absolutely nothing—into the soul that has not been brought into it by the soul itself.
[ 21 ] Das kann man nur dadurch, dass es einem wirklich gelingt, mit seinem Seelenleben einmal — zu Forschungszwecken selbstverständlich nur — abzusehen von aller Vergangenheit, die man durchlebt hat, von aller Zukunft, die man erwünscht, und einmal ganz nur mit der Seele in der Gegenwart zu leben, und zwar in einer möglichst überschaubaren Vorstellung; in einer Vorstellung, die man selber zusammengestellt hat, sodass man weiß, was drinnen ist. Und dieses muss man immer wieder und wiederum machen. Das ist das Charakteristische, dass man etwas macht, das möglichst weit entfernt ist von allem träumerischen Seelenleben. Niemals kann der in der richtigen Art ein Geistesforscher werden, der es liebt, sich so zu überlassen der Wollust des Hinträumens. Niemals kann der ein Geistesforscher werden, der es liebt, in falsch-mystischer Weise sich wollüstig hinzugeben an irgendetwas Unbestimmtes. Das ist nicht eine Vorbereitung zur Geistesforschung, Geistesforschung kann nur erlangt werden, wenn man etwas in der Seele durchlebt, was man selbst mit allem nur möglichen erreichbaren Grade des Bewusstseins in diese Seele hereinrückt und sich dann diesem Überschaubarem, selbst Hereingerückten ganz überlässt und immer wiederum überlässt. Ich habe das in meinen Schriften «Meditieren» genannt, und ich verstehe darunter das Meditieren im rechten Sinn. Dadurch wird man auf sein eigenes Bewusstsein, auf seine eigene Seelentätigkeit hingewiesen.
[ 21 ] This can only be achieved by truly succeeding in—for research purposes, of course—setting aside, for a moment, one’s entire past and one’s entire desired future, and living entirely with one’s soul in the present, within a concept that is as clear and manageable as possible; in a mental image that one has constructed oneself, so that one knows exactly what is contained within it. And this must be done again and again. The defining feature is that one engages in something that is as far removed as possible from any dreamy inner life. No one who loves to abandon themselves to the pleasure of daydreaming can ever become a spiritual researcher in the proper sense. No one who loves to indulge, in a falsely mystical way, in something indefinite can ever become a spiritual researcher. This is not a preparation for spiritual research; spiritual research can only be attained when one experiences something within the soul that one has brought into that soul oneself with every possible degree of consciousness, and then surrenders oneself completely—and again and again—to this comprehensible reality that one has brought in oneself. I have called this “meditation” in my writings, and by this I mean meditation in the true sense. Through this, one is made aware of one’s own consciousness, of one’s own soul activity.
[ 22 ] Und noch eines möchte ich erwähnen: So, wie von allem Träumerischen, von allem Falsch-Mystischen dieses Meditieren so weit als möglich entfernt sein muss, so muss es auch entfernt sein von alledem, wodurch irgendein hypnotischer, ein suggerierter Zustand in der menschlichen Seele erzeugt wird. Hinstarren auf glänzende Gegenstände zum Beispiel, wodurch Hypnotiseure den hypnotischen Zustand erzeugen, das ist das Gegenteil von dem, was erstes Erfordernis ist für die geisteswissenschaftliche Schulung. Das Gegenteil einer geisteswissenschaftlichen Schulung sind alle Arten von Übungen, durch die das Bewusstsein herabgetrübt wird. Dasjenige, um was es sich handelt, ist: mit vollem Bewusstsein überschaubare Vorstellungen, überschaubare Gefühle und Willensimpulse in den Mittelpunkt seines Seelenlebens zu rücken, dass volle Klarheit vorliegt, wie sie sonst nur bei hellem Denken vorliegt. Überhaupt, dieses helle Denken, dieses mit vollem Bewusstsein durchgeführte Denken, das muss Muster sein. Man darf nicht dabei stehen bleiben, denn man kommt dadurch zu nichts; aber es muss Muster sein für alles dasjenige, was an Übungen in der Seele vollführt wird, um den Weg in die geistige Welt hineinzufinden.
[ 22 ] And there is one more thing I would like to mention: Just as this form of meditation must be as far removed as possible from all that is dreamlike and from all that is falsely mystical, so too must it be removed from anything that induces a hypnotic or suggestible state in the human soul. Staring at shiny objects, for example—which is how hypnotists induce a hypnotic state—is the very opposite of what is required first and foremost for training in spiritual science. The opposite of spiritual scientific training is any kind of exercise that clouds consciousness. What is required is to place, with full consciousness, clear and comprehensible ideas, feelings, and impulses of the will at the center of one’s soul life, so that there is complete clarity, such as is otherwise found only in clear thinking. In general, this clear thinking—this thinking carried out with full consciousness—must serve as a model. One must not stop there, for that leads nowhere; but it must serve as a model for all the exercises performed within the soul in order to find the path into the spiritual world.
[ 23 ] Dann, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man vielleicht jahrelang — es kommen einem die Jahre da sehr, sehr zustatten, denn das Älterwerden bei solchen Übungen das ist eine große Hilfe, dass durch das Üben etwas Besonderes geleistet werden kann —, dann, wenn man in dieser Weise immer wiederum versucht hat, durch Meditation sein Seelenleben zusammenzudrängen in solche überschaubaren Vorstellungen, dann kommt man zuletzt dahin, imaginatives Leben zu entwickeln. Das heißt, man kommt dahin, dass man nicht mehr bloß braucht Bilder, Vorstellungen sich zusammenzustellen, sondern dass solche Bilder, solche Imaginationen in der Seele wie etwas Objektives auftreten, dass man in solchen Imaginationen lebt, leben kann. Nur wenn man sich dazu vorbereitet hat, wie ich es geschildert habe, dann kommen diese Imaginationen nicht mehr aus dem Leibe, sondern aus dem seelischen Leben. Man wird sich nach und nach bewusst, dass man auf der einen Seite, gerade wie man es beim Denken macht, ITmaginationen, die Kraft zu seinen Imaginationen, sich ganz und gar selber gibt; dass nichts in der Seele einen zwingt, von anderswo her zu diesen Imaginationen zu kommen.
[ 23 ] Then, my esteemed audience, if one has perhaps spent years—the passing years are of great benefit here, for growing older is a great help in such exercises, as it enables one to achieve something special through practice— then, if one has repeatedly tried in this way to condense one’s inner life through meditation into such manageable mental images, one eventually arrives at the point of developing an imaginative life. That is to say, one reaches a point where one no longer merely needs to assemble images and mental pictures, but where such images and imaginings arise in the soul as something objective, so that one lives—or can live—within these imaginings. Only when one has prepared oneself for this, as I have described, do these imaginations no longer arise from the body, but from the life of the soul. One gradually becomes aware that, on the one hand—just as one does in thinking—one gives oneself entirely the power for these imaginations; that nothing in the soul compels one to arrive at these imaginations from anywhere else.
[ 24 ] Aber man wird sich auch bewusst, dass man nach und nach einer inneren Notwendigkeit folgt. Man wird nicht mehr nach und nach, indem man in einer Bilderwelt lebt, — denn eine solche ist zunächst die imaginative Welt —, man wird nicht mehr glauben, man könne willkürlich Bild an Bild reihen, sondern man wird bemerken, dass man an gewisse Gesetze gebunden ist, so, wie man in der Außenwelt an Gesetze gebunden ist. Sie können einen Stuhl auf den Tisch setzen, da bleibt er stehen; wenn Sie ihn frei in die Luft stellen, fällt er herab. Indem Sie die Außenwelt anschauen, sind Sie an gewisse Gesetze gebunden, wenn Sie in der Wirklichkeit bleiben wollen. So merken Sie nach und nach, indem Sie in der richtigen Weise Ihre Seele weiterbilden, dass Sie auch in dieser inneren Bilderwelt genauso an Gesetze gebunden sind, die objektiv sind, wie zum Beispiel das Gesetz, dass ein Stuhl nur auf etwas stehen kann, von dem er unterstützt ist. Auf der einen Seite fühlt man sich mit seinem Bewusstsein mit darin, wo die Bilder stehen; auf der anderen Seite fühlt man sich an die Gesetzmäßigkeit gebunden, die sich vergleichen lässt mit der Gesetzmäßigkeit, die in der physischen Welt vorhanden ist.
[ 24 ] But one also becomes aware that, little by little, one is following an inner necessity. You will no longer, by living in a world of images—for such is, at first, the world of the imagination—believe that you can arbitrarily string image after image together; rather, you will notice that you are bound by certain laws, just as you are bound by laws in the external world. You can place a chair on a table, and it will stay there; if you hold it up in the air, it will fall. As you observe the external world, you are bound by certain laws if you wish to remain within reality. Thus, as you gradually cultivate your soul in the right way, you will realize that even in this inner world of images you are bound by laws that are just as objective as, for example, the law that a chair can only stand on something that supports it. On the one hand, one feels with one’s consciousness that one is present where the images are; on the other hand, one feels bound by laws that can be compared to those that exist in the physical world.
[ 25 ] Dasjenige, was man da erlebt, man muss es sorgfältig unterscheiden können nach zwei Seiten hin. Man darf es weder verwechseln mit dem, was die Leute erleben, die unter dem Einflusse von gewöhnlichen Visionen stehen; denn gewöhnliche Visionen kommen vom Leibe, die macht man nicht selber, das sind nicht Vorgänge in der Seele. Imaginationen sind Vorgänge in der Seele. Wer nicht gelernt hat zu unterscheiden dasjenige, was Imaginationen sind, von Visionen, der wird zwar ein Visionär, der lässt allerlei Dunst aufsteigen aus seinem Leibe, aber er kann nicht ein Geistesforscher werden. Die Art und Weise, wie die Visionen entstehen, da ist man ja nicht dabei, bei dieser Art und Weise. Darauf ist großer Wert zu legen. Denn das ist etwas so Wesentliches, wie gewisse Vorsichtsmaßregeln bei chemischen, physikalischen, physiologischen Methoden sind.
[ 25 ] What one experiences there must be carefully distinguished in two respects. One must not confuse it with what people experience when under the influence of ordinary visions; for ordinary visions come from the body—one does not create them oneself—and they are not processes of the soul. Imaginations are processes within the soul. Anyone who has not learned to distinguish between imaginations and visions will indeed become a visionary—letting all sorts of mist rise from their body—but they cannot become a researcher of the spirit. One is not present during the very process by which visions arise. Great importance must be attached to this. For this is as essential as certain precautions are in chemical, physical, and physiological methods.
[ 26 ] Ein Kritiker meiner geisteswissenschaftlichen Richtung, der sich sehr erhaben dünkte in seiner Kathederweisheit — ich will heute nicht sprechen über allerlei Zeug, was der betreffende Kritiker über meine Geisteswissenschaft gesagt hat, aber ich will etwas aus dem Buche dieses sogenannten gelehrten Herrn anführen, aus dem Buche, das so viel Aufsehen gemacht hat, das in ganz kurzer Zeit eine zweite Auflage erleben wird. Da führt der betreffende Herr an, dass es ihm zuweilen passiert ist, dass, wenn er zu einer Versammlung spricht, so redet er, redet bis zu einem gewissen Punkte, indem er nun wie sonst nachdenkt über das, was er redet; dann aber hat er schon manchmal bemerkt, dass er nicht weiter denkt, dass er an anderes denkt, und trotzdem weiter redet.
[ 26 ] A critic of my school of thought in the humanities, who considered himself very lofty in his academic wisdom—I do not wish to speak today about all sorts of things that this critic has said about my philosophy, but I would like to quote something from the book by this so-called scholar, the book that has caused such a stir and will see a second edition in a very short time. In it, this gentleman states that it has sometimes happened to him that, when speaking at a gathering, he speaks—he speaks up to a certain point, thinking, as usual, about what he is saying; but then he has sometimes noticed that he stops thinking about that, that his thoughts turn to something else, and yet he continues to speak.
[ 27 ] Nun, erstens werde ich Ihnen versprechen, Ihnen niemals so etwas aufzubinden, dass ich so weiterratschen werde, wenn ich so mit dem Denken aufhöre. Andererseits muss betont werden, dass, wer überhaupt in der Lage ist, zu glauben, dass man den Geheimnissen der Seele nahekommt, wenn man so etwas ausführt, der ist von vorneherein viel zu stumpfsinnig, um nur irgendetwas zu begreifen von dem, was Nerv, was Grundlage gerade für die wahre Geisteswissenschaft ist; der ist auch zu stumpfsinnig, um nur irgendein im Entferntesten treffendes Wort über diese Geisteswissenschaft zu sagen. Mit dieser einen Ausführung beweist er, dass er so fern wie möglich steht demjenigen, was hier eigentlich gemeint ist. Denn das ist gerade das Wesentliche, dass diese Geisteswissenschaft darauf hinweisen muss, dass überall, wo gesucht wird das Geistige, das Bewusstsein gerade beim Geistesforschen dabei sein muss. Alle Visionen, aber auch alles unwillkürliche Hinträumen, noch dazu wenn in so unerhoffter Weise es geschehen würde, dass man ein Publikum anratscht, ohne an das zu denken, womit man es anratscht, alles das ist ausgeschlossen nicht nur vom Reden, sondern von dem, was sich innerlich in der Seele abspielt, wenn man auf dem geistesforscherischen Weg zum Geiste hin ist.
[ 27 ] Well, first of all, I’ll promise you that I’ll never pull a stunt like that—that I’ll just keep babbling on like this if I stop thinking. On the other hand, it must be emphasized that anyone who is even capable of believing that one can come close to the mysteries of the soul by doing such a thing is, from the outset, far too dull-witted to grasp anything at all of what constitutes the nerve center, the very foundation of true spiritual science; such a person is also too dull-witted to say even a single word that comes remotely close to describing this spiritual science. With this single statement, he proves that he is as far removed as possible from what is actually meant here. For this is precisely the essential point: that this spiritual science must point out that wherever the spiritual is sought, consciousness must be present in the very act of spiritual research. All visions, but also all involuntary daydreaming—especially if it were to happen in such an unexpected way that one speaks to an audience without thinking about what one is saying—all of this is excluded not only from speech but also from what takes place inwardly in the soul when one is on the spiritual-research path toward the spirit.
[ 28 ] Das andere, wovon man unterscheiden muss dasjenige, was ich hier als Imagination anführe, das ist das bloße Phantasieleben. So wie das imaginative Leben kein visionäres Leben ist, kein unwillkürliches mystisches Erleben ist, so ist dieses imaginative Leben auch kein Phantasieleben. Beim Phantasieleben handelt es sich darum, dass die Bilder zwar in Gesetzmäßigkeit, aber doch in innerlich freier Weise aneinandergereiht werden. Beim Phantasieleben ist man nicht so gebunden an den objektiven Gang der Bilder, wie man in der äußerlichen Wahrnehmung gebunden ist. Man weiß, dass der Stuhl nicht in der Luft stehen kann. Beim imaginativen Leben ist man dieses.
[ 28 ] The other thing that must be distinguished from what I refer to here as “imagination” is the mere life of fantasy. Just as the imaginative life is not a visionary life, nor is it an involuntary mystical experience, so too is this imaginative life not a life of fantasy. In the life of fantasy, images are strung together according to certain laws, yet in an inwardly free manner. In the life of fantasy, one is not as bound to the objective sequence of images as one is in external perception. One knows that a chair cannot float in the air. In the imaginative life, one is this.
[ 29 ] Kommt man also dazu, durch inneres Üben der Seele wirklich vor sich zu haben dasjenige, was man im äußeren Bewusstsein, im alltäglichen Leben niemals vor sich haben kann, dann, meine sehr verehrten Anwesenden, dann erlebt man eine jetzt nicht mehr bloß aus der Seele kommende Bilderwelt, bei deren Entstehung die Seele Stück für Stück dabei ist; man erlebt eine neue Welt, eine Welt der Bilder; eine Welt, die man sonst nicht um sich hat. Dieses ist das Erste, was sich erringen muss derjenige, der in die wirkliche geistige Welt hineindringen will.
[ 29 ] So when, through inner spiritual practice, one truly comes to have before one’s eyes that which one can never have before one’s eyes in outer consciousness or in everyday life, then, my esteemed audience, one experiences a world of images that no longer comes merely from the soul—a world in whose creation the soul is present step by step—; one experiences a new world, a world of images—a world that one does not otherwise have around oneself. This is the first thing that must be attained by anyone who wishes to penetrate into the true spiritual world.
[ 30 ] Aber jetzt kommt dasjenige auf dem Wege zur Geistesforschung, was besonders wichtig ist. Sehen Sie, der Visionär, der Phantast, sie sind zufrieden mit dieser Bilderwelt zunächst. Sie sagen sich, das haben sie gesucht. Auch der Träumende ist damit zufrieden. Derjenige, der zur imaginativen Erkenntnis gelangt ist, der ist ganz und gar nicht zufrieden mit dieser Bilderwelt, der betrachtet sie nur als ein Mittel, um weiterzukommen. Denn dasjenige, was auftritt, indem man diese Bilderwelt erlebt, meine sehr verehrten Anwesenden, das ist eine Erstarkung des Erlebens. Man muss ganz andere innere Kräfte dieses Seelenlebens aufwenden, wenn man diese Bilder festhalten will, wenn man wirklich überall dabei sein will beim Entstehen, beim Werden dieser Bilder, als man aufwenden muss beim Entstehen der äußeren Bilder, bei dem, was die Leute sagen oder die Bücher vorschreiben. Auf diese Erstarkung des Bewusstseins kommt es an; dass die Seele in dieser Weise stärker wird, als sie jemals sonst im Leben ist und zu sein braucht. Nichts, meine sehr verehrten Anwesenden, nichts soll man durch diese Bilderwelt gewinnen als eine Erstarkung des Seelenlebens. Man soll sich sagen: Diese ganze Bilderwelt ist nur Vorbereitung zur Geisteswelt.
[ 29 ] So when, through inner spiritual practice, one truly comes to have before one’s eyes that which one can never have before one’s eyes in outer consciousness or in everyday life, then, my esteemed audience, one experiences a world of images that no longer comes merely from the soul—a world in whose creation the soul is present step by step—; one experiences a new world, a world of images—a world that one does not otherwise have around oneself. This is the first thing that must be attained by anyone who wishes to penetrate into the true spiritual world.
[ 31 ] Dann allerdings, wenn man sich erlebt — ich sage jetzt ausdrücklich: sich erlebt —, dann sagt man sich gewissermaßen: Irgendeine objektive Welt hast du in diesen Bildern nicht, aber das Mittel, um in diese objektive Welt hineinzudringen. Gewissermaßen hat man in dieser Bilderwelt das geistige Auge und das geistige Ohr, aber sie sind noch nicht durchsichtig. Denken Sie sich, Sie hätten Augen in ihren Augenhöhlen; die wären aber nicht mit dem durchsichtigen Glaskörper durchsetzt, sondern getrübt; so haben Sie in sich diese Bilderwelt, die Sie eher abschließt von der geistigen Welt, die Sie aber erstarken lässt, indem Sie das erste Mittel in die Seele aufnehmen, um in die geistige Welt einzudringen. Man muss eine weitere Kraft gewinnen. Und diese gewinnt man, indem man die Kraft fühlt, die man in diesen Bildern erlebt; indem man sie voll erlebt, da gewinnt man die zweite Kraft — das Genauere finden Sie in meinen Büchern geschildert —, die zweite Kraft, die darin besteht, Geistesaugen und Geistesohren zu bekommen, um die Bilder nun durchsichtig und durchhörbar zu machen, sie wieder wegzuschaffen, diese Bilder; nur sich in den Bildern zu fühlen, nur das eigene Selbst erstarkt zu haben, aber die ganze Bilderwelt durchsichtig zu machen. Man muss noch drinnen sein, meine sehr verehrten Anwesenden, aber man muss sie nicht mehr sehen. Ein Zustand, den sich gerade der Visionär ganz und gar nicht wünscht; denn der ist furchtbar zufrieden, wenn er nach seiner Ansicht «die ganze geistige Welt» in seinen Bildern hat. Der will sie nicht durchsichtig machen. Der Geistesforscher muss dasjenige, was er an den Bildern erlebt, nur benützen zum Erstarken seines Ich, zum Übergang gewissermaßen; zum Erstarken seines Ich, das dadurch stärker wird als das gewöhnliche Ich und das sich nun halten kann; und indem es sich hält, diese Bilderwelt auch für sich hält, aber sie nicht mehr anschaut durch innere Stärke, das Anschauen überwindet, sodass man zwar lebt in diesen Bildern, aber sie nicht mehr anschaut, sie nicht als etwas, was einem von außen als Wirklichkeit kommt, betrachtet.
[ 29 ] So when, through inner spiritual practice, one truly comes to have before one’s eyes that which one can never have before one’s eyes in outer consciousness or in everyday life, then, my esteemed audience, one experiences a world of images that no longer comes merely from the soul—a world in whose creation the soul is present step by step—; one experiences a new world, a world of images—a world that one does not otherwise have around oneself. This is the first thing that must be attained by anyone who wishes to penetrate into the true spiritual world.
[ 32 ] Dann, wenn man durch weitere energische Übungen dieses Durchsichtig-Machen der Imaginationen erlangt hat, dann tritt das Zweite ein, was notwendig ist, um in die geistige Welt hineinzukommen, das ist dasjenige, was ich nenne die inspirierte Erkenntnis. Ich brauche dieses Wort und bitte Sie darunter zu verstehen nur dasjenige, was ich hier auseinandergesetzt habe. Ich bitte es nicht zu verwechseln mit allerlei abergläubischen Vorstellungen. Sondern es ist dasjenige, was in der Seele auftritt, wenn sie selber erstarkt ist in der Bilderwelt, die sie dann selber wegschafft. Dann wird diese Bilderwelt durchsichtig, und die äußere objektive geistige Welt kündigt sich zunächst an im geistigen Hören — im geistigen Schauen. Jetzt hat man nicht mehr bloß das erkraftete, erstarkte Selbst vor sich, jetzt gewinnt man die Möglichkeit, durch Erfahrung zu wissen: Um uns herum ist eine geistige Welt, wie um uns herum für unsere physischen Augen und Ohren eine physische Welt ist.
[ 32 ] Then, once one has achieved this transparency of the imaginations through further vigorous exercises, the second element necessary for entering the spiritual world comes into play—that is, what I call inspired insight. I use this term and ask you to understand it only in the sense I have explained here. Please do not confuse it with all sorts of superstitious notions. Rather, it is what arises in the soul when it has first strengthened itself within the world of images, which it then dispels on its own. Then this world of images becomes transparent, and the outer, objective spiritual world first makes itself known through spiritual hearing—through spiritual seeing. Now one no longer has merely the strengthened, empowered self before one; now one gains the ability to know through experience: There is a spiritual world around us, just as there is a physical world around us for our physical eyes and ears.
[ 33 ] Ja, meine sehr verehrten Anwesenden, wer da glaubt, man könne über die geistige Welt nur schwätzen, wer da glaubt, man brauche, um in die geistige Welt hineinzukommen, nicht eine wahre Forschung, der irrt sich gar sehr. Und diejenigen Menschen, die glauben, der Geistesforscher ist ein Phantast, der es leicht hat gegenüber dem, was, wie man sagt, die ernste strenge Forschung im Laboratorium, auf der Sternwarte erkundet, der irrt sich wiederum gar sehr. Mag es noch so schwierig sein, sich die Methoden der äußeren Wissenschaften anzueignen — dasjenige, was mit der Seele durchgemacht werden muss, um die Stufe der Imagination zu überwinden und wirklich in der geschilderten Weise in die geistige Welt hineinzukommen, das überragt an Schwierigkeit alles dasjenige, was irgendeine äußere Wissenschaft an Schwierigkeit bieten kann. Und nur diejenigen reden leichtsinnig über diese Dinge, die sich niemals eine Anschauung verschafft haben davon, wie es eigentlich mit der Geistesforschung zugeht. Dann aber, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man also in die geistige Welt hineingedrungen ist, wenn sie sich einem offenbart, so wie sich durch Farben und Töne die physische Welt den physischen Sinnen offenbart, dann tritt etwas ein, was man in einer merkwürdigen Weise fühlt. Es tritt dadurch ein, dass man immer weiter sich exponiert, sich aussetzt der Inspiration, dass man sie wirklich immer weiter erlebt. Es tritt das ein, was man nennen kann das umgekehrte Einschlafen. Es ist sehr wichtig, dass wir dieses umgekehrte Einschlafen ins Auge fassen. Man weiß: Dadurch, dass man die imaginative Erkenntnis, die inspirierte Erkenntnis durchgemacht hat, dadurch ist man in alle diejenigen Zustände hineingeraten, die man sonst nur durchmacht, wenn man einschläft. Gerade so, wie wenn man einschläft, ist der physische Leib nach seinen eigenen Gesetzen nur verfahren, die nichts zu tun haben mit dem, was in der Seele vorgeht.
[ 33 ] Yes, my esteemed audience, anyone who believes that one can merely ramble on about the spiritual world, anyone who believes that one does not need genuine research to enter the spiritual world, is very much mistaken. And those who believe that the spiritual researcher is a dreamer who has it easy compared to what is said to be the serious, rigorous research conducted in the laboratory or at the observatory are, in turn, very much mistaken. No matter how difficult it may be to master the methods of the external sciences—what must be undergone with the soul in order to transcend the stage of imagination and truly enter the spiritual world in the manner described far surpasses in difficulty anything that any external science can offer. And only those who have never gained any insight into what spiritual research is actually like speak lightly of these matters. But then, my dear friends, once one has penetrated into the spiritual world—once it reveals itself to one, just as the physical world reveals itself to the physical senses through colors and sounds—then something occurs that one feels in a remarkable way. It arises from the fact that one exposes oneself further and further, opening oneself to inspiration, so that one truly experiences it more and more deeply. What occurs is what one might call “reverse falling asleep.” It is very important that we consider this “reverse falling asleep.” We know that by having undergone imaginative insight—inspired insight—we have entered into all those states that one otherwise experiences only when falling asleep. Just as when one falls asleep, the physical body acts according to its own laws, which have nothing to do with what is happening in the soul.
[ 34 ] So ist es auch, wenn man sich freigemacht hat von seinem physischen Leibe durch Imagination, durch Inspiration. Beachten Sie überhaupt das Einschlafen: Die gewöhnlichen Wahrnehmungen werden undeutlich, sinken herunter; aber es tritt Bewusstlosigkeit ein. Dieses Heruntersinken der äußeren physischen Wahrnehmungen, das erreichen Sie nicht dadurch, dass der Körper müde ist, sondern dass Sie etwas anderes an die Stelle der Wahrnehmungen setzen, dass Sie die Imaginationen haben, dass Sie nicht eine niedrigere Seelentätigkeit entfalten, sondern eine höhere.
[ 34 ] The same is true when one has freed oneself from one’s physical body through imagination or inspiration. Consider the process of falling asleep: ordinary perceptions become indistinct and fade away; but then unconsciousness sets in. You do not achieve this subsiding of external physical perceptions because the body is tired, but rather by substituting something else for those perceptions—by having imaginations—and by developing not a lower but a higher activity of the soul.
[ 35 ] Noch weiter gesteigert ist dann das bei der Inspiration. Und gelangen Sie noch weiter, dann ist cs so, wie wenn Sie mitten im Schlafe aufwachen würden, Ihren Leib vor sich liegen sehen würden, außer Ihrer Seele. Das ist eine wirkliche Erfahrung. Sie sehen, wenn Sie durch die Inspiration gegangen sind: Sie sind außerhalb des Leibes. Aber Sie sind nicht bewusstlos, sondern Sie sind in der geistigen Welt darinnen. Dasjenige, was sich Ihnen vorher durch Inspiration angekündigt hat, in das tauchen Sie selber, Wesen für Wesen, Vorgang für Vorgang, unter. Intuition habe ich in meinen Schriften diese dritte Stufe der geistigen Erkenntnis genannt.
[ 35 ] This is heightened even further during inspiration. And if you go even further, it is as if you were to wake up in the middle of sleep and see your body lying before you, apart from your soul. This is a real experience. You see, once you have gone through inspiration, you are outside your body. But you are not unconscious; rather, you are inside the spiritual world. You immerse yourself in what was previously revealed to you through inspiration—being by being, process by process. In my writings, I have called this third stage of spiritual knowledge “intuition.”
[ 36 ] Durch Imagination, durch Inspiration, durch Intuition dringt man in die wirkliche geistige Welt hinein. Das ist der Weg, wie man durch die Umwandlung der Seele selber untertaucht in diese geistige Welt. Es lässt sich nicht mit Phrasen, nicht mit allerlei mystischem Geschwätz von dem Aufgehen in dem oder jenem, sondern nur durch methodisches, ernstes Arbeiten an der Seele die geistige Welt für diese Seele erreichen. Dann aber, wenn man diese Stufe des Erkennens, die Sie meinetwillen gar nicht eine höhere Stufe zu nennen brauchen als das Alltagsleben, nur eine andere Art des Erkennens zu nennen brauchen, wenn man diese Stufe erlangt hat, dann steht man in einer anderen Art zur Außenwelt als ohne dieses Erkennen.
[ 36 ] Through imagination, through inspiration, through intuition, one penetrates into the true spiritual world. This is the path by which, through the transformation of the soul itself, one immerses oneself in this spiritual world. The spiritual world cannot be attained for this soul through empty phrases or all sorts of mystical babble about merging with this or that, but only through methodical, serious work on the soul. But once one has attained this level of cognition—which, for my sake, you need not call a higher level than everyday life, but simply a different kind of cognition—once one has attained this level, one relates to the external world in a different way than one would without this cognition.
[ 37 ] Ich möchte nur, obwohl das eigentlich nach den vielen Vorträgen, die ich hier gehalten habe, selbstverständlich ist für viele Zuhörer, nebenbei erwähnen: Der Geistesforscher ist nicht etwa immer ein Geistesforscher vom Aufwachen bis zum Einschlafen, geradeso, wie man nicht immer ein Chemiker ist, wenn man außerhalb des Laboratoriums ist. Denn wenn der Geistesforscher nicht in die geistige Welt sich vertieft, da ist er ein gewöhnlicher Mensch wie die anderen auch. Selbstverständlich richtet er sich da nur nach der übrigen Außenwelt. Wer da glaubt, dass der Geistesforscher absolut ein anderer Mensch wird, der irrt sich gar sehr. Das ist dasjenige, was aus mancherlei Gesellschaften hervorgeht, und namentlich in der Außenwelt so viele Missverständnisse hervorrufen kann, wenn die Mitglieder solcher Gesellschaften immer wiederum geltend machen, dass sie so etwas wie ein höherer Mensch sind. Das ist gar nicht gemeint. Das ist Firlefanzerei. Das, was gemeint ist, das ist, dass man in gewissen Zuständen des Lebens die Seele in eine solche Verfassung bringt, dass sie in die geistige Welt eindringen kann. Und innerhalb dieser Zustände, dieser Verfassung der Seele, steht die Seele in einer anderen Weise zur Außenwelt als sonst; sogar in Bezug auf feinere Unterscheidungen des Lebens.
[ 37 ] Although this is actually self-evident to many listeners after the many lectures I have given here, I would just like to mention in passing: The spiritual researcher is not necessarily a spiritual researcher from the moment they wake up until they fall asleep, just as one is not always a chemist when outside the laboratory. For when the spiritual researcher is not immersed in the spiritual world, he is an ordinary person just like everyone else. Naturally, in such moments he simply adapts to the rest of the external world. Anyone who believes that the spiritual researcher becomes a completely different person is very much mistaken. This is precisely what emerges from certain societies and can give rise to so many misunderstandings, especially in the outside world, when the members of such societies repeatedly claim that they are something like “superior human beings.” That is not what is meant at all. That is mere nonsense. What is meant is that, in certain states of life, one brings the soul into such a condition that it can penetrate the spiritual world. And within these states—this condition of the soul—the soul relates to the external world in a different way than usual; even with regard to the finer distinctions of life.
[ 38 ] Es wird Ihnen sonderbar erscheinen, und dennoch ist es so: Für diejenigen, die das Leben einseitig betrachten, bedeutet es sehr viel, ob man Materialist oder Spiritualist ist — Spiritualist nicht im Sinne von Spiritismus gemeint, sondern im Sinne der deutschen Philosophie gemeint. Dem Geistesforscher ist es im Grunde ganz gleichgültig, ob einer Materialist oder Spiritualist ist. Darauf kommt es gar nicht an. Denn derjenige, der Materialist ist und mit dem vertieften Selbst an das äußere materielle Leben herandringt, der kommt, wenn er noch so grobe materielle Erscheinungen erforscht, von der Materie nach dem Geiste, weil aller Materie der Geist zugrunde liegt.
[ 38 ] It may seem strange to you, and yet it is true: For those who view life one-sidedly, it makes a great difference whether one is a materialist or a spiritualist—spiritualist not in the sense of spiritualism, but in the sense of German philosophy. To the researcher of the spirit, it is essentially quite irrelevant whether one is a materialist or a spiritualist. That is not what matters at all. For the materialist who approaches external material life with a deepened sense of self—even when investigating the coarsest material phenomena—will move from matter to spirit, because spirit underlies all matter.
[ 39 ] Gehen Sie aus von der Materie, aber bleiben Sie nicht auf halbem Wege stehen. Seien Sie meinetwillen noch so grober Materialist, aber bereit, Denken in dem Forschen anzuwenden — dann ist es schon recht. Und ebenso darf man nicht auf halbem Wege stehen bleiben wenn man Spiritualist ist, sonst wird man immer reden vom Geist, immer reden und reden vom Geist, vielleicht sogar die Materie verachten. Aber das, worauf es ankommt, ist nicht von Geist, Geist, Geist zu reden, sondern vom Geist den Weg zu finden ins materielle Leben hinein, wiederum unterzutauchen in das materielle Leben, und den Geist gerade hineinzutragen in das materielle Leben.
[ 39 ] Start with matter, but don’t stop halfway. For my sake, be as crude a materialist as you like, but be willing to apply thought to your research—then that is enough. And likewise, one must not stop halfway if one is a spiritualist; otherwise, one will always talk about the spirit, talk and talk about the spirit, perhaps even despise matter. But what matters is not to talk about spirit, spirit, spirit, but to find, through the spirit, the way into material life, to immerse oneself once again in material life, and to carry the spirit right into material life.
[ 40 ] Morgen werde ich davon noch ausführlicher sprechen, um zu zeigen, wie die Spiritualisten, die immer Geist, Geist rufen und keinen Sinn dafür haben, mit diesem Geist in das wirkliche, nützliche, dem Menschen naheliegende Leben unterzutauchen, womöglich noch schädlicher sind als die Materialisten. Darauf kommt es nicht an, ob man von der Materie oder vom Geiste ausgeht, sondern darauf kommt es an, dass man mit seinen Forschungen zu Ende kommt. Aber in einer gewissen Weise kommt man gerade auf dem heutigen naturwissenschaftlichen Wege mit seinen Forschungen nicht zu Ende. Man kann nicht, obwohl man fast einzig und allein auf das Materielle auch beim Menschen ausgeht in der heutigen Physiologie, in der heutigen Biologie, mit den Methoden der heutigen Naturwissenschaft — nicht mit den Tatsachen, sondern mit der Denkweise, mit der Methode —, hinter die eigentlichen Geheimnisse zum Beispiel der Menschheitsentwicklung kommen. Und das ist insbesondere für unsere heutigen Fragen wichtig.
[ 40 ] Tomorrow I will speak about this in even greater detail to show how the spiritualists—who are always talking about the spirit but have no sense of how to integrate this spirit into real, useful, everyday life—are perhaps even more harmful than the materialists. What matters is not whether one starts from matter or from spirit, but rather that one brings one’s research to a conclusion. But in a certain sense, it is precisely the current scientific approach that prevents one from bringing one’s research to a conclusion. Even though modern physiology and biology focus almost exclusively on the material aspect—even in relation to human beings—using the methods of modern natural science—not the facts themselves, but the way of thinking, the method—one cannot uncover the true mysteries of, for example, human evolution. And this is particularly important for the questions we face today.
[ 41 ] Sie wissen ja, eine besondere Errungenschaft der naturwissenschaftlichen Richtung ist das, was man die Entwicklungsidee nennt. Entwicklung — es ist ja ein fadenscheiniges Wort geworden. Man hat die Wissenschaft bis hinauf zum Menschen in den Gesichtspunkt der Idee der Entwicklung hineingestellt und man hat auf diesem Wege Nützliches und Abernützliches, man hat unendlich Bedeutungsvolles gefunden. Und dennoch ist dasjenige, was die Naturforschung auf diesem Gebiet gemacht hat, nur die Hälfte desjenigen, was den Menschen begreiflich machen kann. Denn der Mensch ist kein so einfaches Wesen, das sich mit der gradlinig vorgestellten Entwicklung dieses Wesen so ohne Weiteres begreifen lässt. Der Mensch ist ein kompliziertes Wesen. Und will man die Entwicklungsidee auf den Menschen anwenden, will man wirklich eindringen in die menschlichen Geheimnisse, dann muss man schon auch den menschlichen Organismus, wie er sich für das äußere Auge hinstellt, anders in das Licht der Entwicklungsidee stellen als so gradlinig, wie die Naturwissenschaft es bis heute versucht hat.
[ 41 ] As you know, a particular achievement of the natural sciences is what is called the “idea of development.” Development—it has, after all, become a rather hollow word. Science has been placed within the framework of the concept of development, extending all the way up to human beings, and in this way, we have found things that are useful and things that are not, as well as things of infinite significance. And yet what natural science has accomplished in this field is only half of what can help us understand human beings. For human beings are not such simple creatures that they can be readily understood through a linear conception of their development. Human beings are complex beings. And if one wishes to apply the concept of development to human beings—if one truly wishes to penetrate the mysteries of humanity—then one must also view the human organism, as it appears to the external eye, in the light of the concept of development in a different way than the straightforward manner in which natural science has attempted to do so up to the present.
[ 42 ] Man muss nämlich am Menschen unterscheiden sein Haupt, seinen Kopf, oder besser gesagt alles das, was mit dem Kopf als Sinnesorganismus und Nervenorganismus zusammenhängt — ich nenne es der Einfachheit halber den Kopforganismus jetzt —, man muss unterscheiden den mittleren Organismus, also das, was zum Brustleben gehört, zum Unterleibsleben; und man muss unterscheiden als Drittes an dem Menschen das Extremitätenleben. Derjenige, der nur einmal das menschliche Skelett angesehen hat, der wird wissen, dass dasjenige, was sich beim Menschen in durchaus anderer Weise als bei allen Tieren in dem Bau der Extremitäten der Arme mit den Händen, der Beine mit den Füßen, ausdrückt, nicht eben bloß dasjenige ist, was auch außen sichtbar ist; das setzt sich nach innen fort.
[ 42 ] One must, in fact, distinguish in the human being between the head—or, more precisely, everything connected with the head as a sensory and nervous organism—which I will now call the “head organism” for the sake of simplicity— one must distinguish the middle organism—that is, what belongs to the life of the chest and the life of the abdomen—and, thirdly, one must distinguish the life of the extremities in the human being. Anyone who has ever looked at the human skeleton will know that what is expressed in humans—in a manner entirely different from that of all other animals—in the structure of the extremities—the arms with the hands and the legs with the feet—is not merely what is visible on the outside; it continues inward.
[ 43 ] Und das alles, was einem da äußerlich am Menschen entgegentritt, das ist zunächst materiell. In seinen materiellen Geheimnissen lernt man es erst erkennen, wenn man geistig in dieses Materielle unterzutauchen in der Lage ist. Denn wenn man die Idee der Entwicklung anwendet und diejenige Entwicklungsidee gelten lässt, die die heutige Naturwissenschaft entfaltet, dann ist nur der mittlere Mensch, der Brustmensch durch diese Entwicklung zu erklären. Der Mensch, insofern er HauptesOrganismus, ist nicht durch diese Entwicklungsidee zu erklären.
[ 43 ] And everything that one encounters outwardly in human beings is, at first, material. One comes to recognize it only through its material mysteries when one is able to immerse oneself spiritually in this material realm. For if one applies the idea of evolution—and accepts the concept of evolution as developed by modern science—then only the “middle human being,” the “chest human being,” can be explained by this theory of evolution. The human being, insofar as he is a “head organism,” cannot be explained by this concept of evolution.
[ 44 ] Warum ist das so? Weil das Haupt des Menschen, meine sehr verehrten Anwesenden, nicht bloß eine fortschreitende Entwicklung hat, sondern in die fortschreitende Entwicklung Rückbildung, Rückentwicklung aufnimmt. Das Haupt baut ab, nimmt wiederum weg etwas vom graden Gang der Entwicklung; macht nicht halt, wenn die Entwicklungsströmung zu Ende gekommen ist, sondern verknöchert mehr als der übrige Organismus. Dasjenige, was sich in trivialer äußerer Weise schon an der eigentümlichen Verknöcherung des Kopfes dadurch ausdrückt, dass auch das Hauptgehirn anatomisch in einer eigentümlichen Weise undifferenziert ist; das alles, das weist nach den Tatsachen der gegenwärtigen Naturwissenschaft auch auf das hin, was hier geisteswissenschaftlich festgestellt werden muss. Wir haben es bei dem Menschen — der Mensch als Haupteswesen betrachtet — nicht mit einer geraden Linie zu tun, sondern mit einer Entwicklung, die fortschreitend ist, dann wiederum gestockt hat, zurückgegangen ist.
[ 44 ] Why is this so? Because the human head, my esteemed audience, does not merely undergo progressive development, but also incorporates regression and reverse development into that progressive development. The head degenerates, in a sense diverting something from the straight course of development; it does not come to a halt when the current of development has run its course, but rather ossifies more than the rest of the organism. What is already expressed in a trivial, external way by the peculiar ossification of the head—in that the cerebrum, too, is anatomically undifferentiated in a peculiar way— all of this, according to the facts of contemporary natural science, also points to what must be established here from the perspective of the spiritual sciences. In the case of the human being—considered as a being of the head—we are not dealing with a straight line, but with a development that is progressive, then again has stalled, and has regressed.
[ 45 ] Lernt man Imagination, Inspiration, Intuition kennen, dann dringt man auch durch das innere Erleben tiefer ein in die materiellen Zusammenhänge — so sonderbar es aussieht — als diejenigen, die immer nur den Geist und den Geist erleben wollen. Dieses Geist-Erleben setzt voraus, dass man gerade untertauchen kann in das Materielle. Da erlebt man, was das Vorstellen, durch das wir so recht Mensch sind, eigentlich ist. Was geht im Unterbewussten vor, wenn wir vorstellen? sehr sonderbar, meine sehr verehrten Anwesenden, indem wir vorstellen, hungert unser Haupt. Das Haupt wird abgebaut. Jede Vorstellung, die vom Denken durchsetzt ist, ist ein partieller Hungerzustand. Asketiker, welche in falscher Weise vorgegangen sind, haben dann versucht, den ganzen Körper hungern zu lassen, um gewisse Vorstellungen hervorzurufen. Das ist das Falsche. Dasjenige, was geschehen soll, geschieht schon normalerweise durch ein gewisses labiles Gleichgewicht. Im Organismus sind wir eigentlich nur equilibriert, ernährt in Bezug auf den mittleren Organismus; in Bezug auf das Haupt aber nur, während wir schlafen. Während des ganzen Wachzustandes muss das Haupt in Unterernährung sein. Das ist die rückgehende Entwicklung. Das kommt von dem Zurücknehmen der Entwicklung, von dem Abbau.
[ 45 ] When one becomes acquainted with imagination, inspiration, and intuition, one gains a deeper insight into material relationships through inner experience—as strange as it may seem—than those who seek only to experience the spirit and the spiritual. This experience of the spirit presupposes the ability to immerse oneself fully in the material world. There one experiences what imagination—through which we are truly human—actually is. What goes on in the subconscious when we imagine? It is very strange, my esteemed audience: when we imagine, our head starves. The head is depleted. Every mental image permeated by thought is a state of partial starvation. Ascetics who have proceeded in the wrong way have then attempted to starve the entire body in order to evoke certain mental images. That is the wrong approach. What is supposed to happen already occurs naturally through a certain unstable equilibrium. In the organism, we are actually only in equilibrium—nourished—with respect to the middle organism; but with respect to the head, this is true only while we sleep. Throughout the entire waking state, the head must be in a state of malnutrition. This is regressive development. It stems from the withdrawal of development, from the process of breakdown.
[ 46 ] Und siehe da, da kommen Sie darauf, meine sehr verehrten Anwesenden, da kommen Sie auf etwas, was ungeheuer wichtig ist, was die Brücke schlägt zwischen dem Naturwissen und dem Geisteswissen. Wie kommt das vorstellende Denken zustande? — fragen wir. Kommt es dadurch zustande, dass eine fortschreitende, sprießende, sprossende Entwicklung vor sich geht? Nein, dadurch dass die Entwicklung zurückgenommen wird, dass Platz gemacht wird, dass die Entwicklung aufhört, dass sie in sich zerfällt; da wird Platz gemacht für das seelische Erleben. Glaubt man, die Entwicklung gehe so gradlinig fort, wie sie mit Bezug auf das rein Tierische unseres mittleren Organismus ist, dann kommt man nie zum Begriff der Selbstständigkeit des denkerischen, vorstellenden Erlebens, sondern wenn man weiß, dass sich die Entwicklung zurückziehen muss, dass alles das, was Wachstum, was Leben hervorruft, sich zurücknehmen muss, dass es Platz machen muss im Haupte für die Seele.
[ 46 ] And lo and behold, my esteemed audience, you have arrived at something of immense importance—something that bridges the gap between the natural sciences and the humanities. How does imaginative thinking come about? — we ask. Does it come about through a progressive, sprouting, budding development? No, rather through the development being drawn back, through space being made, through development ceasing, through it disintegrating within itself; this is how space is made for soul experience. If one believes that development proceeds as linearly as it does with regard to the purely animal aspects of our middle organism, then one will never arrive at the concept of the independence of the thinking, imaginative experience; but if one knows that development must recede, that everything that brings about growth and life must recede, that it must make room—primarily—for the soul.
[ 47 ] Erst wenn man dieses weiß, wenn man ordentlich hineinschaut in das, wie das Haupt die Grundlage ist für das Seelenleben, kommt man auf die Selbstständigkeit des Erlebens. Man sieht also auf der einen Seite, wenn man zu Imagination, Inspiration, Intuition durchgedrungen ist, wie das Denkerische, sei es nun richtig oder unrichtig, in das Seelenleben hineingreift. Der Leib muss seine Funktion aufheben, damit es da sei. Dann kann man weiterschreiten. Man kann das, was sich da selbstständig hineinlebt in den Organismus als Denkerisches, das kann man anschauen, was es ist, wie es hineinkommt in den Menschen, wenn er sich sagt: Das ist richtig, das ist unrichtig, was da heraufkommt aus dem Organismus.
[ 47 ] Only when one knows this—when one looks closely at how the head serves as the foundation for soul life—does one arrive at the independence of experience. So, on the one hand, once one has penetrated to the realm of imagination, inspiration, and intuition, one sees how the thinking process—whether correct or incorrect—intervenes in the life of the soul. The body must suspend its function in order for this to occur. Then one can proceed further. One can observe what enters the organism independently as a thought-process—one can see what it is and how it enters the human being when he says to himself: “This is right, that is wrong”—whatever arises from the organism.
[ 48 ] Und hat man erkennen gelernt, wie es sich erlebt, in Imagination, Inspiration, Intuition; siehe da: Was erlebt man gegenüber dem Denken? Dass es sich so auf die Rückentwicklung des Organismus aufbaut. Man erlebt, dass in ihm, so wie es im alltäglichen Leben auftritt, wenn es ein wirkliches Denken ist, ein solches Denken, das sich nicht dem Spiel der Vorstellungen überlässt, sondern logisch sich entwickelt nach richtig oder unrichtig, dass dieses Denken ein unbewusstes Inspirieren des Menschen ist. Das ist die große Entdeckung, die man macht. Man lernt durch die Geistesforschung bewusst ins Inspiratorische sich hineinversenken. Jetzt lernt man erkennen, was richtiges und unrichtiges Denken ist. Das Inspirieren ist da, aber unbewusst. Es kommt nur zustande, indem man einsieht die Tatsache: Nun ja, es strahlt in uns etwas hinein, was uns sagt: Weise dieses ab, nimm jenes an. Aber das sind unbewusste Inspirationen. Wo kommen sie her? Das zeigt sich auch, wenn man sie geistesforscherisch anschaut, mit dem Erleben, was man in Imagination, Inspiration, Intuition hat.
[ 48 ] And once one has come to recognize how it is experienced—in imagination, inspiration, and intuition—lo and behold: What does one experience in contrast to thinking? That it is built upon the organism’s reverse development. One experiences that within it—just as it occurs in everyday life when it is true thinking, a kind of thinking that does not succumb to the play of ideas but develops logically according to what is right or wrong—this thinking is an unconscious inspiration for the human being. That is the great discovery one makes. Through spiritual research, one learns to consciously immerse oneself in the realm of inspiration. Now one learns to recognize what constitutes right and wrong thinking. The inspiration is there, but unconsciously. It comes about only when one recognizes the fact: Well, something radiates into us that tells us, “Reject this, accept that.” But these are unconscious inspirations. Where do they come from? This also becomes clear when one examines them from a spiritual scientific perspective, through the experiences one has in imagination, inspiration, and intuition.
[ 49 ] Wenn man diese Imagination hat, wenn man nicht stehen bleibt dabei, dass man diese Imagination hat, sondern untertaucht in diese Inspiration, da kommt man dazu, einzusehen, was einen inspiriert, das ist das Leben, das man durchgemacht hat, bevor man durch die Geburt oder die Empfängnis in diesen Leib, der einem von Vater und Mutter gegeben wurde, hineingezogen ist. Das ist dasjenige, wo man erfährt: Dieses physische Leben ist eine Fortsetzung eines geistigen Lebens, das man durchgemacht hat. Jetzt weist es uns hin durch das Denken selber, dass der Mensch aus einer geistigen Welt heruntersteigt und eintritt in dasjenige, was ihm durch die Empfängnis oder durch die Geburt von Vater und Mutter als eine Leibesumhüllung gegeben wird. Indem man das Denken als unbewusste Inspiration erkennt und seine Intuitionen sieht, also von einem intuitiven Denken spricht, von der Intuition spricht, die im Denken lebt, redet man in Wahrheit von dem vorgeburtlichen oder, besser gesagt, vor der Empfängnis liegenden geistig-seelischen Dasein des Menschen.
[ 49 ] When one has this imagination—when one does not stop at merely having this imagination, but immerses oneself in this inspiration—one comes to realize what inspires one: it is the life one lived before being drawn into this body, given to one by one’s father and mother, through birth or conception. This is where one comes to realize: This physical life is a continuation of a spiritual life one has lived. Now, through thinking itself, it points out to us that the human being descends from a spiritual world and enters into what is given to them through conception or birth by their father and mother as a physical body. By recognizing thinking as unconscious inspiration and observing one’s intuitions—that is, by speaking of intuitive thinking and of the intuition that lives within thinking—one is in truth speaking of the human being’s pre-birth, or rather, pre-conception, spiritual-soul existence.
[ 50 ] Es wird in der Zukunft die Unsterblichkeitsfrage eine wesentliche Ergänzung erleben. Bisher hat man vielfach diese Unsterblichkeitsfrage nur so betrachtet, dass man sich eigentlich nur in egoistischer Weise interessiert hat für das, was nach dem Tode folgt. Aber dieses Leben, was wir hier im physischen Leibe durchleben, es ist die Fortsetzung eines geistigen Lebens. Dieses Leben hier in seinem Zusammenhang mit der unsterblichen Seele, wie sie da war, bevor sie durch die Geburt oder durch die Empfängnis in den physischen Leib eingetreten ist, dieses Leben im Zusammenhang mit der unsterblichen Seele zu betrachten, das eröffnet als Aussicht die Geisteswissenschaft.
[ 50 ] In the future, the question of immortality will undergo a significant development. Until now, this question of immortality has often been viewed solely from the perspective of a selfish interest in what follows after death. But this life we live here in the physical body is the continuation of a spiritual life. Spiritual science opens up the prospect of viewing this life here in its connection with the immortal soul—as it existed before entering the physical body through birth or conception—in this connection with the immortal soul.
[ 51 ] Betrachten wir nach der anderen Seite hin den Menschen in Bezug auf seine Entwicklung. Da werde ich etwas sehr Paradoxes sagen müssen. Aber meine sehr verehrten Anwesenden, ich weiß auch: Das, was ich jetzt als Paradoxon, als etwas, was vielleicht die Leute als etwas sehr Verdrehtes auffassen, sagen werde, das wird ein festes Gut gerade der naturwissenschaftlichen Forschung der Zukunft sein.
[ 51 ] Let us now consider the human being from another perspective—that of his or her development. I will have to say something very paradoxical here. But, my esteemed audience, I also know this: what I am about to say—which I will describe as a paradox, as something people might perceive as very twisted—will be a solid asset precisely for future scientific research.
[ 52 ] Betrachten wir den Extremitäten-Organismus, alles dasjenige, was zusammenhängt mit dem Gliederbau der Arme und Hände, der Füße und Beine, wie sich diese nach innen fortsetzen. Da haben wir die Entwicklung noch in einer ganz anderen Weise vor uns. Wenn wir den Hauptesorganismus betrachten, dann haben wir die Entwicklung so vor uns, meine sehr verehrten Anwesenden, dass wir eine rückgehende Entwicklung einsehen müssen; ein Zurücknehmen der Entwicklung. In unserem Extremitäten-Organismus liegt das Eigentümliche vor, dass die Entwicklung gegenüber dem für den mittleren Organismus Normalen um ein Stück hinausschreitet; Überentwicklung tritt für die Extremitäten ein. In Bezug auf seinen Extremitäten-Organismus geht der Mensch über das Maß seiner Hauptesentwicklung hinaus. Schon die Formen — die Zeit ist leider zu kurz, auf Einzelheiten einzugehen —, das ganze Leben des ExtremitätenOrganismus liefert den vollgültigen Beweis, dass man es beim Menschen im Extremitäten-Organismus mit einer Überentwicklung zu tun hat; mit einer Entwicklung zu etwas hin, das der Mensch zur Unterhaltung des Leibes gar nicht braucht. Die Entwicklung schreitet über das hinaus, während sie im Haupte rückschreitend wird. Was ist die Folge davon? Dass die Entwicklung im Extremitäten-Organismus über sich hinüberschreitet. Dadurch lebt unterbewusst im Menschen etwas auf, was man erst erkennt, wenn man dazu gelangt, das imaginative Leben ganz zu erfassen und dann dieses imaginative Leben zu vertiefen durch Inspiration und Intuition.
[ 52 ] Let us consider the organism of the extremities—everything connected with the structure of the arms and hands, the feet and legs, and how these extend inward. Here we see development unfolding in an entirely different way. When we consider the head organism, my dear friends, we see development in such a way that we must recognize a regressive development—a retreat from development. What is distinctive about our limb organism is that its development goes a step beyond what is normal for the middle organism; overdevelopment occurs in the limbs. With regard to the organism of the extremities, the human being goes beyond the extent of the development of the head. Even the forms alone—unfortunately, there is not enough time to go into details—the entire life of the organism of the extremities provides conclusive proof that in humans, the organism of the extremities involves overdevelopment; a development toward something that the human being does not need at all for the maintenance of the body. Development proceeds beyond this point, while in the head it becomes regressive. What is the consequence of this? That development in the limb system goes beyond itself. As a result, something awakens subconsciously within the human being that one recognizes only when one comes to fully grasp the imaginative life and then deepens this imaginative life through inspiration and intuition.
[ 53 ] Wenn man mit dem geistigen Auge des Geistesforschers schaut den menschlichen Extremitäten-Organismus, so gliedert sich ein diesem Extremitäten-Organismus etwas, was als Imagination, als selbstverständlich durch sich auftretende Imagination erscheint.
[ 53 ] When one looks at the human limb-organism with the spiritual eye of the spiritual researcher, something emerges within this limb-organism that appears as imagination—as imagination arising of its own accord.
[ 54 ] Die Extremitäten überspringen die Entwicklung. Und dadurch gliedern sie sich seelisch etwas ein, was man nicht sehen kann mit dem gewöhnlichen Auge, was aber sofort auftritt, wenn man das imaginative Erleben kennt. Der Mensch enthält durch seine Extremitäten etwas, was er produziert als Imagination, was nichts zu tun hat mit seinem Leben hier im Leibe. Lernt man es nun erkennen, dieses Leben, das den Extremitäten eingegliedert ist, und nur durch Imagination zu erfassen ist, was hat man darin? Dass diesen Extremitäten eingegliedert ist dasjenige, was durch die Pforte des Todes geht, was die Grundlage ist für die Fortsetzung des Lebens nach dem Tode. Wie sich durch Inspiration im Denken auf der einen Seite bei rückentwickeltem Haupte dasjenige geistig-seelisch auslebt, was vor der Geburt, vor der Empfängnis da ist, so gliedert sich als Imagination ein dasjenige, was nach dem Tode wie ein Wagen unser Seelenleben in die geistige Welt hinausträgt.
[ 54 ] The extremities bypass the process of development. And through this, they become psychologically integrated with something that cannot be seen with the naked eye, but which immediately becomes apparent when one is familiar with imaginative experience. Through his extremities, the human being contains something that he produces as imagination, which has nothing to do with his life here in the body. If one learns to recognize this life that is integrated into the extremities—and can be grasped only through imagination—what does one find there? That which is integrated into these extremities is that which passes through the gate of death, which is the foundation for the continuation of life after death. Just as, through inspiration in thought—on the one hand, in a head that has regressed—that which existed before birth, before conception, is lived out spiritually and soulfully, so, as imagination, that which after death carries our soul life out into the spiritual world like a chariot becomes integrated.
[ 55 ] So sind wir auf der einen Seite mit unbewusster Inspiration begabt, welche die Geisteswissenschaft heraufhebt, nach dem Haupte hin. Nach der anderen Seite, nach den Extremitäten hin sind wir begabt mit unbewusster Imagination, wodurch unbewusst dasjenige in uns lebt, was durch die Pforte des Todes tritt und uns hinausträgt in die Unsterblichkeit nach dem Tode. Auf zwei verschiedene Arten lernen wir das vorgeburtliche und das nachtodliche Leben kennen, indem wir das vorgeburtliche kennenlernen als unbewusste Inspiration, das nachtodliche als unbewusste Imagination.
[ 55 ] On the one hand, we are endowed with unconscious inspiration, which spiritual science elevates toward the head. On the other hand, toward the extremities, we are endowed with unconscious imagination, through which lives within us, unconsciously, that which passes through the gate of death and carries us out into immortality after death. We come to know the pre-birth and post-death lives in two different ways: by experiencing the pre-birth life as unconscious inspiration and the post-death life as unconscious imagination.
[ 56 ] Man wird einmal studieren rein biologisch-physiologisch — nicht wahr, wir sind ja keine Kinder, es kann ausgesprochen werden —, es kann studiert werden, wie in Bezug auf das äußere Leben die Extremitäten-Organisation zusammenhängt mit der übrigen menschlichen Organisation. Man wird dann auf die primären Sexualorgane sehen, ihre Zusammengliederung mit der Fußorganisation; man wird auf die sekundären Sexualorgane sehen, man braucht nur die Brüste als sekundäre Sexualorgane anzusehen, und ihr Zusammengegliedertsein mit der Armorganisation, dann hat man dasjenige, was beim Menschen durch den Extremitäten-Organismus eingegliedert ist als die physische Grundlage der Hervorbringung eines neuen Lebens, das sich absondert von ihm. Diese physische Grundlage ist, wenn der Mensch geschlechtsreif ist, fertig, aber der Mensch setzt sein Leben darüber hinaus fort. Das, was hier physische Organisation ist, es hat sein Gegenbild. Wie der menschliche physische Organismus, soferne er im Zusammenhang steht mit der Sexual-Organisation, die Grundlage ist einer physischen Hervorbringung, so ist das, was als GeistigSeelisches dem Extremitäten-Organismus zugrunde liegt, notwendig für die Hervorbringung desjenigen, was er über die Pforte des Todes hinausschickt, und was sein nächstes Erdenleben hervorbringt.
[ 56 ] One will one day study this from a purely biological and physiological perspective—after all, we’re not children, so we can say it outright—one can study how, in relation to external life, the organization of the extremities is connected to the rest of the human organism. One will then look at the primary sexual organs and their connection to the structure of the feet; one will examine the secondary sexual organs—one need only consider the breasts as secondary sexual organs—and their connection to the structure of the arms; then one will have identified what, in the human being, is integrated through the organism of the extremities as the physical foundation for the creation of a new life that separates itself from the parent. This physical foundation is complete once a person reaches sexual maturity, but the person continues their life beyond that point. What is here the physical organization has its counterpart. Just as the human physical organism, insofar as it is connected to the sexual organization, is the foundation for physical procreation, so too is that which, as the spiritual-soul aspect, underlies the limb system necessary for the bringing forth of that which the human being sends beyond the gate of death and which brings forth his next earthly life.
[ 57 ] Hier haben wir wie einen Ausgangspunkt für eine streng wissenschaftliche Erforschung der Unsterblichkeitsfrage. Und als ich vor mehr als einem Vierteljahrhundert in meiner «Philosophie der Freiheit» aufmerksam machte, dass man richtig beobachten muss, wenn man an die Freiheit herankommen will, da wies ich hin, dass man auf der einen Seite zum rein intuitiven Denken gehen muss. Heute füge ich hinzu: Dieses intuitive Denken wird vor der Geburt oder Empfängnis erkannt. Das steht schon in der «Philosophie der Freiheit», indem ich das eine Element des menschlichen Willens das intuitive Denken nannte.
[ 57 ] Here we have, as it were, a starting point for a strictly scientific investigation of the question of immortality. And when, more than a quarter-century ago, I pointed out in my Philosophy of Freedom that one must observe correctly if one wishes to approach freedom, I indicated that, on the one hand, one must turn to purely intuitive thinking. Today I would add: This intuitive thinking is recognized before birth or conception. This is already stated in The Philosophy of Freedom, where I referred to intuitive thinking as one element of the human will.
[ 58 ] Das andere Element, was als imaginatives Leben auftritt, das nannte ich für die Freiheitsfrage dazumal die moralische Phantasie, um für diejenigen auch das Buch brauchbar zu machen, die die Geisteswissenschaft für Narretei halten. Das, was in dem Buche steht, ist philosophisch geschildert. Der Geisteswissenschafter fügt hinzu, das dasjenige, was dort als moralische Phantasie auftritt, ein Teil davon ist, was in der Organisation des Menschen an unterbewusster Imagination lebt und gerade in moralischen Handlungen heraufsteigt. Durch das Zusammenwirken von moralischer Phantasie mit dem intuitiven Denken, sagte ich dazumal, entsteht das, was im wahren Sinne des Menschen eine willensfreie Handlung des Menschen ist. Heute füge ich hinzu: Was ist das Denken? Das, was hier unsere Inspiration ist, was vorgeburtlich ist. Wann tritt es auf? Dann tritt es auf, wenn wir imstande sind, eine Handlung so auszudenken, dass wir diese Handlung vollführen so, dass uns diese Handlung so lieb ist, dass sie nichts mit unseren Trieben und Neigungen zu tun hat, sondern uns so lieb ist wie eine Persönlichkeit, die wir wirklich lieben, weil wir ihr Wesen erkannt haben. Wenn wir eine Handlung aus Liebe vollführen — also nicht aus Egoismus, aus spielenden Vorstellungen, sondern aus der Einsicht in die innere Notwendigkeit der Handlung —, dann geben wir uns den intuitiven Handlungen hin; dann sind wir inspiriert von dem vorgeburtlichen Leben.
[ 58 ] The other element that manifests as an imaginative life—I called it “moral imagination” in the context of the question of freedom at that time—was intended to make the book accessible even to those who consider spiritual science to be nonsense. What is written in the book is described philosophically. The spiritual scientist adds that what appears there as “moral imagination” is part of what lives as subconscious imagination within the human organism and rises to the surface precisely in moral actions. Through the interplay of moral imagination with intuitive thinking, I said at the time, arises what is, in the true sense of the word, a free act of the human will. Today I would add: What is thinking? It is that which is our inspiration here, that which is pre-birth. When does it occur? It occurs when we are able to conceive of an action in such a way that we carry it out—an action so dear to us that it has nothing to do with our instincts and inclinations, but is as dear to us as a person whom we truly love because we have come to know their essence. When we perform an action out of love—that is, not out of selfishness or whimsical notions, but out of an understanding of the action’s inner necessity—then we surrender ourselves to intuitive actions; then we are inspired by prenatal life.
[ 59 ] Woher aber kommt dazu die Kraft? Damals sagte ich: ... [Lücke]. Heute füge ich hinzu: Es ist die Kraft, die nach dem Tode uns hinüberträgt in die geistige Welt. Das spielt in uns unterbewusst. Im moralischen Handeln, das sich frei entfaltet, leuchtet herauf dasjenige, was vor der Geburt oder Empfängnis liegt. Das koppelt sich zusammen mit dem, was nach dem Tode in die geistige Welt hineintritt. Während wir leben zwischen der Geburt und dem Tode, handeln wir schon, indem unbewusst das in uns hereinspielt, was vor der Geburt liegt, im intuitiven Denken, das inspirierend in unser Leben hereinfließt. Was nach dem Tode liegt, das ist das, was gar nicht mit uns zusammenhängt und doch von uns verrichtet wird; was den Charakter trägt, dass es aus Liebe verrichtet wird; das ist die wahrhaft freie Handlung. Darum muss man sagen: Was uns aus dem reinen Denken hereininspiriert, hängt gar nicht mit unserem Leibe zusammen. Der muss sich zurückziehen, um das entfalten zu können. Und das, was imaginativ wirkt, hat für jetzt keine Bedeutung, sondern hat erst nach dem Tode Bedeutung.
[ 59 ] But where does this power come from? At that time I said: ... [gap]. Today I would add: It is the power that carries us over into the spiritual world after death. This is at work within us subconsciously. In moral action that unfolds freely, what lies before birth or conception shines through. This connects with what enters the spiritual world after death. While we live between birth and death, we are already acting through the unconscious influence within us of what lies before birth, in the intuitive thinking that flows inspiringly into our lives. What lies beyond death is that which has no connection to us at all and yet is accomplished by us; that which is characterized by being done out of love—that is the truly free act. Therefore, one must say: What inspires us from pure thinking has nothing to do with our body at all. The body must withdraw in order for this to unfold. And what works imaginatively has no significance for now, but only acquires significance after death.
[ 60 ] Diese zwei Faktoren, die nichts mit dem Leibe zu tun haben, das sind die wirklichen Kräfte, die in dem wahren, freien Willensakt des Menschen wirken. Das ist das tiefe Geheimnis, dass, wenn wir auf den freien Willen gehen, so finden wir nicht irgendetwas, was sterblich ist im Menschen, was da handelt, sondern wir finden gerade dasjenige, was frei handelt, das ist das Unsterbliche. Die Willensfreiheitsfrage und die Unsterblichkeitsfrage, sie sind innig miteinander verbunden, weil wahrhaft frei im Menschen nur diejenigen Handlungen sind, in denen hereinwirkt das Übersinnliche, das noch nicht an den Leib Gebundene, das der Mensch in der geistigen Welt entwickelt, bevor er den Leib an sich trägt, im Zusammenhang mit dem, was sich in der Überentwicklung ergibt, was für die jetzige Entwicklung noch keine Bedeutung hat, was erst nach dem Tode Bedeutung hat, aber hereinleuchtet in der Handlung, die sich von uns absondert, die abgesondert von uns verrichtet wird.
[ 60 ] These two factors, which have nothing to do with the body, are the real forces at work in the true, free act of human will. This is the profound mystery: when we turn to free will, we do not find anything mortal in the human being that is acting there, but rather we find precisely that which acts freely—that is, the immortal. The question of free will and the question of immortality are intimately connected, because the only actions that are truly free in human beings are those in which the supersensible—that which is not yet bound to the body, which human beings develop in the spiritual world before they take on a body—is at work, in connection with what arises from oversupply—that which has no significance for present development, that which only takes on significance after death, but which shines forth in the action that separates itself from us, that is performed apart from us.
[ 61 ] Ich habe deshalb dazumal schon in der «Philosophie der Freiheit» gesagt: Man kann nicht die Frage so stellen: Ist der Mensch frei oder unfrei? Da kommt man immer auf falsche Antworten. Es handelt sich nicht um ein Entweder-oder auf diesem Gebiet, sondern um ein Sowohl-als-auch. Der Mensch verrichtet eine ganz große Anzahl von Handlungen, die aus dem Bedürfnis seines Leibes, aus dem Spiel seiner Vorstellungen, die aus dem Leibe heraufkommen, erfolgen; die aus den Trieben seines Leibes erfolgen. Aber immerzu hat er das Ideal, solche Handlungen zu vollziehen, bei denen er sich sagt: Ich komme nicht in Betracht, so frei ist das, was sich da vollziehen soll, wie die menschliche Wesenheit, die ich liebe, frei von mir ist; es geschieht nur aus dem, weil ich einsehe, diese Tatsache soll vollzogen werden. Eine solche Handlung, sie ist eine, nach der alles menschliche Denken hintendiert, hinwill, was sich hineinlebt in das unfreie Handeln, was wir damals besprachen.
[ 61 ] That is why I already said in The Philosophy of Freedom: One cannot pose the question this way: Is man free or unfree? That always leads to false answers. In this realm, it is not a matter of either/or, but of both/and. Human beings perform a vast number of actions that arise from the needs of their bodies, from the interplay of their ideas that well up from the body, and from the body’s instincts. But they constantly have the ideal of carrying out actions in which they say to themselves: I am not a factor here; what is to take place is as free as the human being I love is free from me; it happens solely because I recognize that this fact must be realized. Such an action is the one toward which all human thinking tends and strives—the one that is embodied in the unfree action we discussed back then.
[ 62 ] Der Mensch entwickelt sich aus den unfreien Handlungen, indem er immer mehr und mehr nach dem wahren Selbst hin sich entwickelt, gerade im Handeln, im Wollen, indem in dieses Wollen hereinleuchtet das Vorgeburtliche und das Nachtodliche. Der Mensch entwickelt sich innerhalb des Unfreien zum Freien hin; er ist auf dem Wege, immer freier und freier zu werden. Da handelt es sich um Handeln, nicht um ein Entweder-oder. Diejenigen, die so die Frage stellen, können nie zur Beantwortung der Freiheitsfrage kommen. Sondern es handelt sich um ein Sowohl-als-auch; in demselben Maße, in dem dem Menschen erscheint, durch den Leib sich offenbarend, die unsterbliche Seele, indem diese Seele durch den Leib sich tätig ausspricht. Das, was der Mensch vollbringt, verfließt vom Gedanken durch die Liebe zur Tat hin; in demselben Maße wird der Mensch immer freier und freier.
[ 62 ] Human beings develop out of acts of bondage by increasingly moving toward their true selves—precisely in their actions and in their willing—as the pre-birth and post-death realms shine into this willing. Human beings develop toward freedom within the realm of the unfree; they are on the path to becoming ever freer and freer. This is a matter of action, not of an either/or choice. Those who frame the question in this way can never arrive at an answer to the question of freedom. Rather, it is a matter of “both-and”; to the same extent that the immortal soul appears to the human being, revealing itself through the body, as this soul actively expresses itself through the body. What the human being accomplishes flows from thought, through love, toward action; to the same extent, the human being becomes ever freer and freer.
[ 63 ] Gerade von diesem Ausgangspunkte aus soll dann morgen unsere Betrachtung über das menschliche Leben im Laufe der Zeit, über das geschichtliche Werden, über die verschiedenen Erdenleben, angestellt werden. Heute zum Schlusse möchte ich nur noch aufmerksam machen, wie gerade diese Betrachtung zum Ausdruck bringt, dass die Unsterblichkeitsfrage und die Frage der Willensfreiheit sich gegenseitig beleuchten, dass sie wirklich innerlich zusammenhängen. Willensfreiheit eignet nur dem unsterblichen Wesen. Niemand kann Anhänger einer Willensfreiheit sein, der nicht zugleich des Menschen Unsterblichkeit erkennt. Wer aber des Menschen Unsterblichkeit erkennt, der weiß, dass der Mensch auf dem Wege der Entwicklung zur Freiheit ist.
[ 63 ] It is precisely from this starting point that we will begin our discussion tomorrow about human life over the course of time, about historical development, and about the various earthly lives. To conclude today, I would simply like to draw your attention to how this very reflection illustrates that the question of immortality and the question of free will shed light on one another—that they are truly intrinsically connected. Free will is a trait unique to the immortal being. No one can be a proponent of free will without also recognizing the immortality of the human being. But whoever recognizes the immortality of the human being knows that the human being is on the path of development toward freedom.
[ 64 ] Heute noch, meine sehr verehrten Anwesenden, sind ja solche Betrachtungen, wie wir sie heute gepflogen haben, durch die sich der Mensch auf wirklich geistesforscherischem Wege nähert der Beantwortung seiner höchsten Fragen, der Fragen, die sich auf selbstlose Selbsterkenntnis beziehen, solche, die mit vielen Vorurteilen betrachtet werden. Was gehört denn auch dazu! Ja, meine sehr verehrten Anwesenden, um sich zu halten mit der ganzen Kraft der Seele durch dasjenige hindurch, was ich als imaginative Vorstellung bezeichnet habe, dazu gehört wirklich etwas, was der Mensch in sich erst heranerziehen muss. Bequemer wäre es, wenn man ohne das die höchsten Fragen und Rätsel des menschlichen Lebens beantworten könnte.
[ 64 ] Even today, my esteemed audience, reflections such as those we have engaged in today—through which a person approaches, by a truly spiritual-scientific path, the answers to their highest questions, those relating to selfless self-knowledge—are still viewed with many prejudices. And what does it take, after all! Yes, my esteemed audience, to persevere with the full power of the soul through what I have called “imaginative perception”—this truly requires something that a person must first cultivate within themselves. It would be more convenient if one could answer the highest questions and mysteries of human life without it.
[ 65 ] Was ist es, was heute die Menschen dazu veranlasst, dass sie die Geisteswissenschaft als Phantasterei, als etwas Unwesentliches betrachten? Das ist es, dass sie in Wahrheit eine unterbewusste Furcht und Angst haben vor jener Kraft, die entwickelt werden muss, die im freien Erleben des Geistes diesen Geist selber erfassen muss. Unterbewusste Furcht und Angst ist es, die immer wiederum die Gegner der Geisteswissenschaft hervorruft. Denn um geistig zu forschen, ist notwendig dieser innere Mut, der nicht glaubt, dass man sofort in das Nichts hineinverfällt, wenn man angewiesen ist, etwas, was man erleben soll im Geiste, durch die eigene Kraft aufrechtzuerhalten, durch eigene Kraft vor die Seele hinzurücken. Leichter ist es gewiss, durch äußere Mittel zu den Lebensrätseln kommen zu wollen, als hingewiesen zu werden darauf, dass die Seele eine über alles Maß des gewöhnlichen Lebens hinausgehende innere, rein seelische Erstarkung braucht. Und so ist es im Grunde eine Bequemlichkeits- und Angstmeierfrage, welche die Gegnerschaft gegenüber der Geisteswissenschaft hervorruft. Aber diese Dinge werden nach und nach von der nach der Wahrheit immer mehr dürstenden Menschheit überwunden werden.
[ 65 ] What is it that leads people today to regard spiritual science as fantasy, as something unimportant? It is that, in truth, they harbor a subconscious fear and anxiety of that power which must be developed—the power that, through the free experience of the spirit, must grasp the spirit itself. It is this subconscious fear and anxiety that time and again gives rise to opponents of spiritual science. For spiritual research requires this inner courage—the kind that does not believe one will immediately fall into nothingness when one is called upon to sustain, through one’s own power, something one is meant to experience in the spirit, and to bring it before the soul through one’s own power. It is certainly easier to seek answers to life’s mysteries through external means than to be made aware that the soul needs an inner, purely spiritual strengthening that transcends all measures of ordinary life. And so, at its core, it is a matter of complacency and fear that gives rise to opposition to spiritual science. But these things will gradually be overcome by humanity, which is thirsting ever more for the truth.
[ 66 ] Mit einem deutschen Denker, der auf diesem Gebiet diesen schönen Ausspruch getan hat, den Ausspruch etwas verändernd, möchte ich schließen, mit den folgenden Worten, vorbereitend damit die Betrachtung des morgigen Abends. Geisteswissenschaft wird wirklich heute von vielen verlästert, weil sie nicht verstanden, weil sie nicht erkannt wird, weil sie nicht in ihrer Notwendigkeit für das Menschenleben eingesehen werden kann. Aber wenn man den Verlauf der Menschheitsentwicklung auf seine Seele wirken lässt, dann muss man sich sagen: Wie drückend auch alle Gegnerschaft, alle Feindschaft, alles Missverständnis, alle Verleumdung sein mögen, die sich der Wahrheit entgegenstellen — die Wahrheit findet den Weg selbst durch die engste Felsenspalte der menschlichen Entwicklung, wie drückend auch die lastenden Felsen sein mögen.
[ 66 ] I would like to conclude—with a slight modification of this beautiful statement made by a German thinker in this field—with the following words, thereby preparing the way for tomorrow evening’s discussion. Spiritual science is indeed reviled by many today because it is not understood, because it is not recognized, because its necessity for human life cannot be grasped. But if one allows the course of human development to take effect on one’s soul, then one must say to oneself: No matter how oppressive all opposition, all hostility, all misunderstanding, and all slander that stand in the way of the truth may be—the truth finds its way even through the narrowest crevice in the rock of human development, no matter how heavy the rocks may be.
[ 67 ] Und als eine solche Wahrheit muss derjenige, der auf der einen Seite die Bedürfnisse der heutigen Menschheit, die im Unterbewussten sind, erkennt und der auf der anderen Seite hineinschaut in die geistige Welt, wie [sie] sich eröffnen kann von der Imagination zur Intuition hin, als eine solche Art von Wahrheit muss der Geistesforscher die geisteswissenschaftliche Wahrheit ansehen, als eine solche Wahrheit, die sich hindurchwinden wird, durch das was drückend lasten mag auf ihr von Gegnerschaft, Feindschaft und Verleumdung. Denn die Wahrheit, sie windet sich gegen alle Widerstände durch die engste Felsenspalte der menschlichen Entwicklung hindurch, und sie muss denn doch zuletzt siegen.
[ 67 ] And as such a truth, the one who, on the one hand, recognizes the needs of today’s humanity—which lie in the subconscious—and, on the other hand, looks into the spiritual world, must see how [it] can unfold from imagination toward intuition—as this kind of truth, the spiritual researcher must regard the truth of spiritual science: as a truth that will wind its way through whatever oppressive burdens may weigh upon it in the form of opposition, hostility, and slander. For the truth winds its way through all resistance, even through the narrowest crevice in the rock of human development, and it must ultimately prevail.
