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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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The Human Being as a
Spirit and Soul Being
GA 71b

1 July 1918, Hamburg

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The Human Being as a Spirit and Soul Being, tr. SOL
  1. Der Mensch als Geist- und Seelenwesen

16. Die wissenschaftliche Erkenntnis des Übersinnlichen und die wahre Wirklichkeit des menschlichen Lebens

16. Scientific Understanding of the Supernatural and the True Reality of Human Life

Notizen

Notes

[ 1 ] Derjenige, der in der anthroposophischen Geisteswissenschaft steht, kennt ganz genau die Einwände, die zahlreichen, unserer Zeitgenossen gegen das, was hier vorgebracht werden soll. Es muss nicht nur eine Erweiterung der Erkenntnisart angestrebt werden, sondern eine ganz andere Art der Erkenntnis, und gegen diese Art erheben sich die Einwände.

[ 1 ] Anyone familiar with anthroposophical spiritual science is well aware of the numerous objections raised by our contemporaries against what is to be presented here. We must strive not merely for an expansion of the existing mode of knowledge, but for an entirely different mode of knowledge—and it is against this mode that the objections are raised.

[ 2 ] Man hat die Vorstellung des freien Handelns, aber diese Freiheit ergibt sich nicht aus der Organisation. Du hast ein Freiheitsgefühl, das eine Lüge wäre, oder wir müssten über unsere Organisation hinausgehen, um zum Grunde der Freiheit zukommen. Wohin kommst du mit der materialistischen Erkenntnis? An gewisse Grenzen. Es muss diese Grenzen geben, zum Beispiel die Vorstellung von Stoff und Kraft. Wir brauchen diese Grenzen, brauchen diese Vorstellungen. Aber wir müssen dazu kommen, wenn wir diesen Begriffen nachgehen, dass wir die naturwissenschaftlichen Begriffe zunichtemachen. Wie Pfähle müssen wir diese Begriffe hinstellen, darin spiegelt sich die Wirklichkeit. Spiegel sind diese Begriffe. Wie wenn man den Spiegel zerschlagen würde, um das Ding an sich hinter dem Spiegel zu finden, so würde derjenige handeln, der mit naturwissenschaftlichen Begriffen hinter diese Begriffe kommen will.

[ 2 ] We have the idea of free action, but this freedom does not arise from the organization. You have a sense of freedom that would be a lie, or we would have to go beyond our organization to reach the foundation of freedom. Where does materialistic knowledge take you? To certain limits. These limits must exist—for example, the concepts of matter and force. We need these limits; we need these concepts. But as we explore these concepts, we must come to realize that we are dismantling the concepts of natural science. We must erect these concepts like stakes; reality is reflected in them. These concepts are mirrors. Just as one would shatter a mirror to find the thing-in-itself behind it, so would one act who seeks to go beyond these concepts using scientific concepts.

[ 3 ] Hat man das erlebt, dann kommt die Frage: Weshalb ist das so, dass man sich Grenzen hinstellt, hinstellen muss? Der Mensch müsste ganz anders organisiert sein, wenn er nicht diese Grenzen sich setzen würde, als er ist zwischen Geburt und Tod. Es müsste ausgerissen werden eine gemeinsame Kraft aus der Seele, das ist die Liebefähigkeit. Ein solches Wesen könnte nicht irgendetwas, das in einem physischen Leibe lebt, lieben. Es hängt tief zusammen, wie wir uns Grenzen setzen müssen, mit unserer Organisation.

[ 3 ] Once you have experienced this, the question arises: Why is it that we set limits for ourselves—that we must set them? Human beings would have to be organized quite differently—between birth and death—if they did not set these limits for themselves. A shared force must be drawn from the soul; that is the capacity for love. Such a being could not love just anything that lives in a physical body. The way we must set boundaries for ourselves is deeply connected to our very nature.

[ 4 ] Weil dies schon immer da war, sind die Menschen zu einem andern Pol gekommen. Sie suchten in ihrem eigenen Innern die mystische Erkenntnis. Man meint das im eigenen Innern zu finden, was man draußen durch die Sinne nicht findet. Aber da, in seinem eigenen Innern, kommt man auch an Grenzen. Das, was ich Ihnen vom Selbstbewusstsein gesagt habe, wird dichter und dichter, aber es ist auch nur ein Bild. Also auch da kommt man an Grenzen. Die Vergeblichkeit der gewöhnlichen Mystik geht einem auf: auch an Grenzen kommt man. Dieses rührt daher, dass der Mensch eine Seelenkraft nicht haben müsste, um in gewöhnlicher mystischer Versenkung zum Bild, zur Grenze zu kommen. Das ist die Erinnerungskraft, Gedächtniskraft. Würde man diese Grenze durchstoßen, dann würde die Erinnerungsfähigkeit vergehen. Man könnte sich nicht an sich selbst in der richtigen Weise erinnern, man verliert den Faden der Erinnerung an sein eigenes Ich.

[ 4 ] Because this has always been there, people have turned to the opposite extreme. They sought mystical insight within themselves. One believes one can find within oneself what one cannot find outside through the senses. But there, within oneself, one also reaches limits. What I have told you about self-awareness becomes more and more profound, but it, too, is merely an image. So even there, one reaches limits. The futility of ordinary mysticism becomes clear: one reaches limits there as well. This stems from the fact that a person would not need to possess a power of the soul to arrive at the image—at the limit—through ordinary mystical contemplation. This is the power of recollection, the power of memory. If one were to break through this boundary, the capacity for recollection would vanish. One would be unable to remember oneself properly; one would lose the thread of memory of one’s own self.

[ 5 ] Nach außen: Liebefähigkeit; nach innen: Gedächtniskraft, die uns davor zurückhalten, die Grenzen nach außen, nach innen zu durchstoßen.

[ 5 ] Outwardly: the capacity for love; inwardly: the power of memory, which restrains us from breaking through the boundaries both outward and inward.

[ 6 ] Louis Waldstein: «Das unterbewusste Ich» — Drehorgeltöne. Das, was da in Jahren sich ins Unterbewusstsein einfügt, wandelt sich mit der Zeit, daher das, was im Mystiker als innere Vorstellung und Schönes aufsteigt, wie die umgewandelten Töne des «Leierkastens» sind. Weder mit gewöhnlicher Naturerkenntnis noch mit gewöhnlicher Mystik kommt man ins Übersinnliche hinein. Die Umwandlung dieser Erkenntniskräfte ist nötig, um ins Übersinnliche zu gelangen. Zu suchen hat man so, dass die Kräfte, durch die die Grenzen hervorgerufen sind, dass man diese Kräfte ins Auge fasst und umwandelt, dass sie nicht mehr Grenzen hervorbringen.

[ 6 ] Louis Waldstein: “The Subconscious Self” — Barrel-organ Tones. What becomes embedded in the subconscious over the years transforms with time; hence, what arises in the mystic as an inner vision and something beautiful is like the transformed tones of the “barrel organ.” Neither ordinary knowledge of nature nor ordinary mysticism provides access to the supersensible. The transformation of these powers of cognition is necessary to reach the supersensible. One must seek in such a way that the forces that give rise to the boundaries—that one takes these forces into account and transforms them—so that they no longer produce boundaries.

[ 7 ] In ehrlicher Selbsterkenntnis fragen: Was geschieht in der Seele bei der Naturerkenntnis? Da ist Wahrnehmungsvermögen, lebhaft, intensiv, wenn wir nur wahrnehmen. Wenn wir Vorstellungen uns bilden, ist das Wahrnehmungsvermögen schattenhafter. Damit hängt Gedächtniskraft zusammen. Was in der Vorstellung abgeschwächt ist, bringt Gedächtnisvermögen hervor. Wir denken immer beim Wahrnehmen. Das Denken müssen wir unterscheiden vom Denken beim Erinnern und Vorstellungschaffen. Man verschärft das Denken zur Meditation, indem das Denken nicht zum Gedächtnis übergeht. Ein zu Bildern werdendes Denken, das ist Meditation. Alles Abstrakte, das nie ins Übersinnliche führt, weglassen. Derartiges Denken, das meditative, führt zu Gedächtnis, zu Erinnerung, zur Imagination führt es. Das ist noch keine Erkenntnis.

[ 7 ] In honest self-knowledge, we ask: What happens in the soul when we perceive nature? There is a faculty of perception—vivid and intense—when we are simply perceiving. When we form mental images, this faculty of perception becomes more shadowy. This is connected to the power of memory. What is attenuated in the imagination gives rise to the power of memory. We are always thinking while perceiving. We must distinguish this thinking from the thinking that occurs during recollection and the formation of images. One intensifies thinking into meditation by ensuring that thinking does not give way to memory. Thinking that becomes imagery—that is meditation. Omit everything abstract that never leads to the supersensible. Such thinking—the meditative kind—leads to memory, to recollection, and to imagination. That is not yet insight.

[ 8 ] Hat man diese Übung fortgesetzt, dann sieht man in sich aufschießen Bilder. Man muss dann die Kraft in sich entwickeln, diese Bilder zu unterdrücken. Dann folgt ein bedeutendes Seelenerlebnis. Zu verschärftem Selbstbewusstsein kommt man. Man liegt in der dunklen Nacht, öffnet die Augen, sieht aber nichts im Dunkel, hört nichts in der Stille. Da steigt mit dem Ich in der Nacht das auf, was man erlebt hat. Es ist das nicht Erinnern, sondern Zurückschauen auf die Erlebnisse, die die Seele durchgemacht hat, che sie aus dem Geistigen heruntergestiegen ist in das Physische. Sie erlebt nun die Erlebnisse der Seele im Übersinnlichen. Das sagt der Dichter: «Die Zeit wird zum Raum.» Es bleiben die Ereignisse in der Zeit stehen, die Zeit wird zum Raum. Man sieht das Übersinnliche der eigenen Seele auf diesem Wege.

[ 8 ] If one continues this exercise, images will begin to well up within oneself. One must then develop the inner strength to suppress these images. This is followed by a profound spiritual experience. One arrives at a heightened sense of self-awareness. One lies in the dark of night, opens one’s eyes, but sees nothing in the darkness, hears nothing in the silence. Then, along with the “I,” what one has experienced rises up in the night. It is not a matter of remembering, but of looking back on the experiences the soul has gone through since it descended from the spiritual into the physical. One now experiences the soul’s experiences in the supersensible realm. As the poet says: “Time becomes space.” The events remain fixed in time; time becomes space. In this way, one perceives the supersensible realm of one’s own soul.

[ 9 ] Wer Anfänger in dieser Sache ist, erlebt in sich eine Enttäuschung. Er kann sich nicht erinnern, das heißt er kann sich wohl an das einmal Erlebte erinnern, aber es kommt nicht mit derselben Vollgültigkeit und Lebendigkeit herauf; im Gegenteil: Nichts von Erinnerung an solche Erlebnisse darf dabei sein. Dieselbe Anstrengung muss die Seele machen, mehr noch als das erste Mal, um immer wieder solche Erlebnisse zu haben. Noch eins: Wie vorbeihuschend kommen solche Erlebnisse. Wer lange überlegt im gewöhnlichen Leben, lange herummurkst im Entschluss, der bereitet sich schlecht vor für solche übersinnlichen Erlebnisse.

[ 9 ] Anyone who is a beginner in this matter experiences a sense of disappointment within themselves. They cannot remember—that is, they can recall what they once experienced, but it does not come back with the same completeness and vividness; on the contrary: there must be no trace of memory of such experiences. The soul must make the same effort—even more so than the first time—to have such experiences again and again. One more thing: how fleeting such experiences are. Those who ponder at length in ordinary life, who dither for a long time in making a decision, are poorly prepared for such supersensory experiences.

[ 10 ] Der andere Pol der übersinnlichen Welt ist in der Zeit nach dem Tode. Wie für den ersten Pol die Erinnerungsfähigkeit abgeschwächt werden muss, so muss für den zweiten Pol die Liebefähigkeit gesteigert werden.

[ 10 ] The other pole of the supersensible world lies in the time after death. Just as the capacity for memory must be diminished for the first pole, so must the capacity for love be increased for the second pole.

[ 11 ] Wir wollen in jedem Augenblicke etwas anderes machen aus dem, was um uns ist. Diesen Willen muss der Mensch umwandeln. Er muss mit seinem Willen sein Leben durchmessen. Wie warst du im siebzehnten, achtzehnten Jahre? Wie hat dein unbewusster Wille gewirkt? Danach muss man trachten, diesen Willen muss man in die Hand nehmen, bewusst machen. Eine verstärkte Liebefähigkeit muss daraus werden. Damit kommt man in das nachtodliche Leben.

[ 11 ] At every moment, we want to make something different out of what surrounds us. Human beings must transform this will. They must shape their lives with their will. What were you like at seventeen or eighteen? How did your unconscious will operate? One must strive toward this; one must take this will into one’s own hands and make it conscious. This must result in a heightened capacity for love. This is how one enters the life after death.

[ 12 ] Damit gelangt man zu der Erkenntnis, dass der Mensch im Übersinnlichen wurzelt. Eine Kluft tut sich auf zwischen den Erlebnissen nach außen und nach innen. Die Erkenntnis der übersinnlichen Welt vermag diese Kluft auszufüllen.

[ 12 ] This leads to the realization that human beings are rooted in the supersensible. A gulf opens up between outward and inward experiences. Knowledge of the supersensible world can bridge this gulf.

[ 13 ] Der Mensch ist ein dreigliedriges Wesen: Kopf-, Rumpf- und Gliedmaßen-Mensch. [Mitschrift bricht ab.]

[ 13 ] Human beings are threefold beings: head, torso, and limbs. [Transcript ends here.]



Stenogrammübertragung

Transcript Broadcast

[ 14 ] Sehr verehrte Anwesende, seit einer Reihe von Jahren schon darf ich, wie in anderen deutschen Städten, so auch hier in Hamburg, diesen Vortrag halten über anthroposophisch gemeinte Geisteswissenschaft, und ich habe [immer] vorher schon am Ausgangspunkte dieser Betrachtungen eine Bemerkung gemacht, die ich auch heute einleitend wiederum machen möchte: Ich kann mir sehr gut denken — und jeder, der drinnen steht in dem, was hier als anthroposophische Geisteswissenschaft gemeint ist, wird sich dies ebenso denken können —, dass zahlreiche unserer Zeitgenossen gegen das, was hier vorgebracht wird, das Mannigfaltigste einzuwenden haben. Gerade derjenige, der in diesen Dingen drinnen steht, kennt die Einwände, die gemacht werden. Allein er hat auch gelernt, das Gewicht dieser Einwände dadurch zu beurteilen, dass er ja weiß, wie sehr die Betrachtungen, die hier gegeben werden, abweichen von den Denkgewohnheiten unseres Zeitalters, wie sie sich erst den Weg bahnen müssen zu umgewandelten Denkgewohnheiten hin, die aber aus den tiefsten, bei vielen unterbewussten Erkenntnisschnsüchten in unserer Zeit und insbesondere in der nächsten Zukunft ganz gewiss herauswachsen werden.

[ 14 ] Ladies and gentlemen, for a number of years now, I have had the privilege of delivering this lecture on anthroposophical spiritual science here in Hamburg, just as I have in other German cities, and I have [always] begun by making a remark at the outset of these reflections, which I would like to make again today by way of introduction: I can well imagine—and anyone who is familiar with what is meant here by anthroposophical spiritual science will be able to imagine this as well—that many of our contemporaries have a wide variety of objections to what is presented here. It is precisely those who are familiar with these matters who are aware of the objections that are raised. But they have also learned to assess the weight of these objections because they know just how much the insights presented here diverge from the habits of thought of our age—insights that must first clear a path toward transformed habits of thought, which will, however, most certainly emerge from the deepest, in many people’s subconscious thirst for knowledge in our time—and especially in the near future.

[ 15 ] Ist schon das Gebiet, über das hier gesprochen werden soll, sehr verehrte Anwesende, ein solches, das von vielen als etwas bezeichnet wird, zu dem menschliche Erkenntnisaussichten nicht dringen können, so entspringen nicht nur wegen dieses Vorurteils, sondern wegen eines anderen Umstandes hauptsächlich gegen das zu Sagende Einwände, die ja von einem gewissen Gesichtspunkt [aus] heute noch durchaus begreiflich, wenn auch vielleicht nicht berechtigt sind. Es wird angestrebt, um dem übersinnlichen Gebiet sich zu nähern, nicht nur eine Erweiterung des gewöhnlichen menschlichen Erkenntnisvermögens, sondern es muss angestrebt werden, aus gewissen Voraussetzungen heraus, die gleich besprochen werden sollen, eine ganz andere Erkenntnisart, eine ganz andere Art und Weise des Erkennens, als man bereits heute gewöhnt worden ist. Gegen diese Art erhebt sich ja namentlich Widerspruch.

[ 15 ] If the subject to be discussed here, esteemed audience, is one that many regard as beyond the reach of human understanding, then objections to what is to be said arise not only because of this prejudice but also, and primarily, because of another circumstance—objections that, from a certain point of view, [from] are still entirely understandable today, even if they may not be justified. In order to approach the supersensible realm, one must strive not only for an expansion of ordinary human cognitive faculties, but also—based on certain premises that will be discussed shortly—for an entirely different kind of knowledge, an entirely different way of knowing than we have become accustomed to today. It is precisely this approach that gives rise to opposition.

[ 16 ] Allein, sehr verehrte Anwesende, schon gleich am Anfange geisteswissenschaftlicher Forschung ergibt es sich, dass man gegenüber dem Übersinnlichen von einer solchen anderen Erkenntnisart ausgehen muss. Denn von zwei Erlebnissen aus, nicht von irgendwelchen bloßen logischen Betrachtungen, sondern von zwei Erlebnissen geht der eigentliche Erforscher des Übersinnlichen aus. Diese Erlebnisse, sie knüpfen an an die Erkenntnissehnsüchte des Menschen, an zwei hauptsächliche innere Erkenntnistriebe, ich möchte sagen, die aber gerade von der offiziellen Geisteswissenschaft in den letzten Jahrzehnten sehr in den Hintergrund gedrängt worden sind, sodass man eigentlich, wo von Seelenwissenschaft die Rede ist, sehen kann, wie diese zwei, ich möchte sagen, Wurzelfragen des menschlichen Erkennens wie ausgerottet worden sind.

[ 16 ] However, ladies and gentlemen, right from the very beginning of spiritual scientific research, it becomes clear that when dealing with the supersensible, one must proceed from a different kind of knowledge. For the true researcher of the supersensible proceeds from two experiences—not from mere logical considerations, but from two experiences. These experiences are linked to humanity’s thirst for knowledge, to two primary inner drives for knowledge, I would say, which, however, have been pushed very much into the background by official spiritual science in recent decades, so that one can actually see, whenever the science of the soul is discussed, how these two—I would say—fundamental questions of human cognition have been virtually eradicated.

[ 17 ] Diese zwei Wurzelfragen sind [zum] einen diejenige: Wie wurzelt die Menschenseele selbst im Übersinnlichen? Es ist ja nichts anderes, sehr verehrte Anwesende, als dasjenige, was man in einem breiteren Sinn die Unsterblichkeitsfrage nennt. Und die zweite Wurzelfrage des menschlichen Daseins, das ist die Freiheitsfrage. Wenn man diese Frage berührt, dann kommt man sogleich darauf, dass es wahrhaftig nicht bloß die menschlichen Wünsche sind, oder dass es gar die trivial gemeinte Todesfurcht ist, welche den Menschen zu diesen Fragen bringt, sondern es können ganz wissenschaftlich geartete Ausgangspunkte sein, die nach diesen tiefgehenden Fragen des menschlichen Gemüts und dem menschlichen Forschungsdrang hinführen. Das Erste ist, dass eigentlich ein jeder Mensch einmal, vielleicht vielmals, mehr oder weniger unbewusst, aber dann aus deutlich vernehmbaren Gefühlen heraus, dahin gedrängt wird, sich zu fragen: Was bist denn du eigentlich, was ist denn eigentlich dasjenige, was du als dein Selbstbewusstsein bezeichnest? Versucht dann der Mensch, ganz lebendig sich klar zu werden in einer etwas entwickelteren Selbsterkenntnis, was er eigentlich erfassen kann mit Selbstbewusstsein, dann muss er sich sagen: Dieses Selbstbewusstsein erscheint mir eigentlich als ein bloßer Gedanke, und dennoch, es muss mehr sein als ein bloßer Gedanke, was im Selbstbewusstsein hinaufwogt aus den Tiefen des menschlichen Seelenlebens.

[ 17 ] These two fundamental questions are, first of all, this one: How is the human soul itself rooted in the supersensible? It is, after all, dear friends, nothing other than what is broadly referred to as the question of immortality. And the second fundamental question of human existence is the question of freedom. When one touches upon this question, one immediately realizes that it is truly not merely human desires, or even the trivial fear of death, that leads people to these questions; rather, there can be entirely scientific points of departure that lead to these profound questions of the human mind and the human drive for knowledge. The first point is that virtually every human being, at least once—perhaps many times—more or less unconsciously, yet driven by clearly perceptible feelings, is compelled to ask: What are you, really? What is it, exactly, that you call your self-consciousness? If a person then attempts, with genuine vitality, to gain a clearer understanding—through a somewhat more developed self-knowledge—of what self-consciousness actually encompasses, they must conclude: This self-consciousness actually appears to me as a mere thought; and yet, it must be more than a mere thought—it is what surges up from the depths of human soul life within self-consciousness.

[ 18 ] Vielfach bekannt ist ja geworden ein philosophischer Ausspruch eines sehr, sehr geistvollen Denkers, des Descartes, in dem dieser Denker andeutet wollte, wie er sich überzeugt hat von der Sicherheit des Selbstbewusstseins als einer Wirklichkeit, ganz bekannt geworden [ist] der Ausspruch «Ich denke, also bin ich». Und viele, viele Menschen glauben, die Wirklichkeit des Selbstbewusstseins in diesem Ausspruch verankern zu können. Für jeden Menschen aber, sehr verehrte Anwesende, wird diese Behauptung jeden Tag widerlegt, denn niemand kann leugnen, wenn er ganz unbefangen auf die Erlebnisse der Seele eingeht, dass wenigstens für die Zeit zwischen Geburt und Tod dasjenige, was dem menschlichen Selbst zugrunde liegt, auch anders sein müsse zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, wenn der Mensch nicht denkt. Jeder Schlaf widerlegt den Ausspruch des Descartes «Ich denke, also bin ich», denn ich bin auch dann, wenn ich nicht denke. Man muss nur solche Einwände in ihrem ganzen Gewicht nehmen.

[ 18 ] A philosophical statement by a very, very brilliant thinker, Descartes, has become widely known; in it, he sought to indicate how he had convinced himself of the certainty of self-consciousness as a reality. The statement “I think, therefore I am” has become very well known. And many, many people believe they can anchor the reality of self-consciousness in this maxim. For every human being, however, dear attendees, this assertion is refuted every day, for no one can deny—if they approach the experiences of the soul with complete impartiality—that, at least for the period between birth and death, that which underlies the human self must also be different between falling asleep and waking up, when a person is not thinking. Every instance of sleep refutes Descartes’ statement, “I think, therefore I am,” for I exist even when I am not thinking. One need only take such objections at face value.

[ 19 ] Aber der Ausspruch beweist etwas ganz anderes. Er beweist etwas wahrhaftig nicht Leichtzunehmendes, dass, wie sehr man sich auch bemüht, da[hinter] zu kommen mit der gewöhnlichen Erkenntnis, was sich eigentlich im eigenen Selbst, im Seelenselbst ankündigt, dass man an nichts anderes herankommt als an Gedanken, an ein Gedankenbild. Man erlangt im gewöhnlichen Bewusstsein für das Selbstbewusstsein nichts anderes als ein Gedankenbild. Geht man alle anderen Wesen durch, [so findet man]: Nur die dem Menschen zunächst ... [unleserlich] stehenden Tiere, für sie wird sich sehr bald herausstellen, dass dasjenige, was sie darleben, [in] Wirklichkeit begründet ist in ihrer Organisation und dergleichen. Der Mensch selbst muss sich in Selbstbeobachtung sagen: Gerade das, was ich als den Mittelpunkt meines Wesens bezeichne, kann ich mit gewöhnlichem Bewusstsein nicht anders fassen denn als einen Gedanken, als ein bloßes Bild; ein Bild tritt auf, und nichts anderes als ein Bild. Und das gewöhnliche Bewusstsein [er]gibt nicht eine Wirklichkeit für dieses Bild. Die Wirklichkeit muss auf anderen Wegen gesucht werden als durch gewöhnliches Bewusstsein, durch gewöhnliche Erkenntnis. Sonst müsste ein Bild da sein von etwas, keine Wirklichkeit.

[ 19 ] But the statement proves something entirely different. It proves something that is truly not to be taken lightly: that no matter how hard one tries to get to the bottom of it with ordinary understanding—to discern what is actually manifesting within one’s own self, within the soul-self—one arrives at nothing other than thoughts, at a mental image. In ordinary consciousness, one gains nothing more than a mental image of the self. If one examines all other beings, [one finds]: Only in the case of animals, which at first appear to humans as … [illegible], will it very soon become clear that what they experience is grounded in reality in their organization and the like. Human beings themselves must say to themselves in self-observation: Precisely what I designate as the center of my being, I cannot grasp with ordinary consciousness as anything other than a thought, as a mere image; an image appears, and nothing other than an image. And ordinary consciousness does not yield a reality for this image. Reality must be sought by means other than ordinary consciousness or ordinary cognition. Otherwise, there would be an image of something, but no reality.

[ 20 ] Nicht in den Vorstellungen, die ich innerlich eben nicht habe, sehr verehrte Anwesende, liegen all die Empfindungen, liegen all die inneren Antriebe, die Erkenntnissehnsüchte, die den Menschen dahin bringen, nachzusuchen, wie, da es im Sinnlichen nicht zu erreichen ist, das menschliche Selbst als Wirklichkeit verankert ist im Übersinnlichen. Nicht Todesfurcht alleine, nicht der Wunsch, fortzuexistieren nach dem Tode oder eine übersinnliche Wesenheit zu haben, sondern das Gewahrwerden, dass da ein Bild vorhanden ist, zu dem man im gewöhnlichen Leben keine Wirklichkeit findet, das treibt den Menschen gegenüber dieser Frage in das Übersinnliche hinein. Sonst müsste er sich sagen: In deiner Seele steigt ein Bild auf, zu dem du keine Wirklichkeit hast.

[ 20 ] It is not in the ideas—which, as I have just said, I do not possess—that all the feelings, all the inner impulses, and all the thirst for knowledge lie, dear audience, which lead human beings to seek how, since it cannot be attained in the sensible realm, the human self is anchored as reality in the supersensible. It is not the fear of death alone, nor the desire to continue existing after death or to possess a suprasensory being, but rather the realization that there is an image for which one finds no reality in ordinary life—this is what drives human beings toward the suprasensory realm in relation to this question. Otherwise, one would have to say to oneself: An image arises in your soul for which you have no reality.

[ 21 ] Das Zweite ist dasjenige was unweigerlich im Bewusstsein des menschlichen Handelns auftritt. Es ist da, nur kann es nicht erklärt werden, kann kein Grund dafür gefunden werden in der menschlichen physischen Organisation. Es ist die Empfindung, die wir wie... [unleserlich] haben, dass wir ein freies Wesen sind. Man kann theoretisch die Freiheit ableiten, im menschlichen Bewusstsein ist sie vorhanden, aber sie of[fenbar]t [sich] nie und nimmer aus der menschlichen Organisation. Die menschliche Organisation gestattet nur, naturwissenschaftlich zu erklären, dass all das, was aus ihr als Handlung fließt, mit Notwendigkeit fließt. Haben wir also gegenüber eigenen Handlungen das Bewusstsein der Freiheit, so kann nicht aus der sinnlich-physischen Wirklichkeit heraus dieses freie Bewusstsein kommen, und nur wenn man den Mut hat, über solche Dinge sich die richtigen [Ein-] Geständnisse zu machen, kann man sich sagen: Entweder du lebst in etwas, was dir dein Bewusstsein vorzaubert, mit Freiheitsbewusstsein, was eine Lüge wäre, oder aber du musst außerhalb der physisch-sinnlichen Wirklichkeit deiner Organisation die Wirklichkeit suchen im Übersinnlichen, aus der das Freiheitsbewusstsein deiner Seele entspringt.

[ 21 ] The second is that which inevitably arises in the consciousness of human action. It is there, but it cannot be explained; no reason for it can be found in the human physical organization. It is the sensation we have—as if... [illegible]—that we are free beings. One can theoretically deduce freedom; it exists in human consciousness, but it never, ever manifests itself through human organization. Human organization only allows us to explain, from a scientific standpoint, that everything that flows from it as an action flows out of necessity. So if we have an awareness of freedom in relation to our own actions, this awareness of freedom cannot come from sensory-physical reality; and only if one has the courage to make the right [ad]missions to oneself about such things can one say: Either you live within something that your consciousness conjures up—with a sense of freedom—which would be a lie, or you must seek reality outside the physical-sensory reality of your organism, in the supersensible, from which the sense of freedom of your soul springs.

[ 22 ] Damit, sehr verehrte Anwesende, habe ich Ihnen hingestellt dasjenige, was treibt den Menschen nicht bloß aus dunklen Gefühlen heraus, sondern aus ganz wissenschaftlich gearteten Erwägungen an die Frage nach dem Übersinnlichen heranzutreten. Derjenige, der dann so an diese Fragen herantritt, der wird aus der wissenschaftlichen Perspektive heraus, die hier gemeint ist, auf zwei Erlebnisse sich zu stützen haben. Man nimmt sie gewöhnlich nur als Erkenntniserlebnis. Die Geisteswissenschaft nimmt sie als Erlebnisse des ganzen ... [unleserlich] Menschen, als solche Erlebnisse, die von dem ganzen Umfang unserer Seele durchgemacht werden. Das Erste dieser Erlebnisse ist dasjenige, das man mit der naturwissenschaftlichen Erkenntnis erklärt. Ich habe ja auch hier schon die Bemerkung gemacht: Geisteswissenschaft ist durchaus nicht irgendwie feindlich gesinnt dem natürlichen Erkennen, ist vielleicht mehr durchdrungen von der ganzen Bedeutung, dem ganzen Wesenhaften der so fruchtbaren modernen naturwissenschaftlichen Erkenntnis. Aber Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, nimmt diese naturwissenschaftliche Erkenntnis nicht bloß hin, wie der Naturforscher selbst durchaus oder wie diejenigen Menschen, die aus der naturwissenschaftlichen [Wertschätzung] heraus eine Weltanschauung bilden wollen, sondern die geisteswissenschaftliche Forschung muss mit der ganzen Seele erleben: Was kann naturwissenschaftliches Erkennen geben? Wo kommt man mit naturwissenschaftlichem Erkennen hin?

[ 22 ] With that, ladies and gentlemen, I have presented to you what drives human beings to approach the question of the supersensible—not merely out of vague feelings, but on the basis of entirely scientific considerations. Anyone who approaches these questions in this way will, from the scientific perspective meant here, have to rely on two kinds of experiences. These are usually regarded merely as experiences of insight. Spiritual science regards them as experiences of the whole ... [illegible] human being—as experiences that are lived through by the entire scope of our soul. The first of these experiences is the one explained by scientific knowledge. I have already remarked here that spiritual science is by no means hostile to scientific knowledge; indeed, it is perhaps even more imbued with the full significance and essence of such fruitful modern scientific knowledge. But spiritual science, as understood here, does not merely accept this scientific knowledge, as the natural scientist himself does—or as those people do who wish to form a worldview based on [appreciation for] the natural sciences—but spiritual scientific research must experience with its whole soul: What can scientific knowledge provide? Where does scientific knowledge lead us?

[ 23 ] Da stellt sich heraus, und ich sage nicht irgendwas, was sich logisch ableiten lässt, sondern ich charakterisiere dasjenige, was erlebt wird, für denjenigen, der wissenschaftlich mit seiner ganzen Seele fragt: Wohin kommst du mit anderen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen? Da zeigt sich, dass jede naturwissenschaftliche Erkenntnis an gewisse Grenzen kommen muss. Diese Grenzen, sie müssen aufgerichtet werden durch die naturwissenschaftliche Erkenntnis. Nun könnte ich viele solche Vorstellungen, die als Grenzvorstellungen von der naturwissenschaftlichen Erkenntnis hingestellt werden müssen, anführen, bei denen man einfach gedanklich bleiben muss, man muss sie wie Pfähle hinstellen, wie Grenzpfähle, muss sich sagen: Hier einfach setzt du diese Grenzpfähle ein. Du darfst nicht gleich machen gewöhnliches naturwissenschaftliches Erkennen. So kann diese Vorstellung hineingehen, wie dann die Gedanken, mit naturwissenschaftlichem Fehler. Ich könnte sicher die Atome gerade, anderes gerade anführen, ich brauche aber nur hinzuweisen auf die gewöhnlichste naturwissenschaftliche Vorstellung, die Vorstellung von Stoff und Kraft. Wir brauchen sie, wenn wir naturwissenschaftlich erkennen wollen, aber wir müssen sie hinstellen.

[ 23 ] It turns out—and I am not merely stating something that can be logically deduced, but rather describing what is actually experienced by those who inquire scientifically with their whole soul—that when you explore other scientific findings, you inevitably reach certain limits. These limits must be established by scientific knowledge itself. Now I could cite many such concepts—which must be presented as boundary concepts of scientific knowledge—where one simply has to remain at the level of thought; one must set them up like stakes, like boundary stakes, and tell oneself: Here, you simply set these boundary stakes. You must not immediately apply ordinary scientific inquiry to them. Otherwise, this concept—like other thoughts—can be tainted by scientific error. I could certainly cite atoms or other examples, but I need only point to the most common scientific concept: the concept of matter and force. We need them if we want to understand the world scientifically, but we must treat them as boundaries.

[ 24 ] Wollen wir das, was wir mit Stoff und Kraft meinen, ebenso naturwissenschaftlich durchschauen, wie wir anderes Naturgesetzliches durchschauen, dann würden wir gleich, indem wir die Dinge erleben müssen, zu dem Gefühl kommen: Wir vernichten die naturwissenschaftliche Erkenntnis selbst. Wir können nicht mehr aufrechterhalten das, was wir sonst naturwissenschaftlich beteuern. Wir brauchen diese Grenze. — Wozu? — Ja, wir werden gewahr, dass wir diese Grenze hinstellen vor uns, wie wir einen Spiegel vor uns hinstellen, in dem wir uns sehen, und nur dadurch, dass wir diese Grenze hinstellen spiegelt sie uns das, was wir als naturwissenschaftliche Vorstellung haben, zurück. Würden wir sie nicht hinstellen, so hätten wir keinen Spiegel, und würden wir danach streben, an das zu kommen [was] durchaus das Ding an sich genannt wird, dann würde unser Bestreben gleichen demjenigen der sagt: Da kommt mir mein Bild aus dem Spiegel entgegen; ich will wissen, was da hinter dem Spiegel mir das Bild zuträgt, also [muss ich ihn] zerschlagen, damit [ich] sehen [kann], was dahinter ist. So nimmt sich derjenige aus, der die naturwissenschaftliche Grenze überschreiten will, an dem Beispiel des Naturwissenschaftlichen selbst. Das ganze Bestreben, hinter das Wesen der sinnlichen Dinge zu kommen, mit dem man der ... [Lücke] selbst, gleich dem ... [Lücke].

[ 24 ] If we were to examine what we mean by “matter” and “force” with the same scientific rigor with which we examine other laws of nature, we would immediately—as we are compelled to experience these things—come to the realization that we are destroying scientific knowledge itself. We can no longer uphold what we otherwise assert on scientific grounds. We need this boundary. — Why? — Yes, we become aware that we set this boundary before us, just as we set a mirror before us in which we see ourselves, and only by setting this boundary does it reflect back to us what we hold as a scientific conception. If we did not set it up, we would have no mirror, and if we were to strive to reach [what] is indeed called the thing-in-itself, then our striving would resemble that of someone who says: Here comes my image from the mirror toward me; I want to know what is behind the mirror that is presenting this image to me, so [I must] smash it so that [I] can see what is behind it.” Thus, the one who wishes to cross the boundary of natural science behaves in the very manner exemplified by natural science itself. The entire endeavor to get to the essence of sensible things, with which one confronts the ... [gap] itself, is akin to the ... [gap].

[ 25 ] Ich habe nur kurz charakterisiert, das ist aber ein Erlebnis, das man sich erringen muss, das errungen wird von dem, der sich wiederum die Frage vorlegt: Was muss du tun, um naturwissenschaftlich zu erreichen, was, damit dir übersinnlich diese ... [unleserlich] Grenz-... [unleserlich] entgegentritt, die die Grundlage ausmacht für diese fruchtbare moderne naturwissenschaftliche Erkenntnis? Du musst dir selbst gewisse Grenzen setzen, die musst du stehen lassen, damit das andere für dich durchdring[bar] ist. Hat man dies erlebt, schr verehrte Anwesende, hat man in der Seele durchgemacht, was ich eben charakterisiert habe, und ich will heute bloß schildern, anregen, also von Erlebnissen sprechen, hat man das erlebt, dann taucht in der Seele die Frage auf: Ja, wollen, müssen wir, wenn wir naturwissenschaftlich erkennen wollen die Welt, uns Grenzen hinsetzen? Und da kommt man darauf, dass der Mensch ganz anders organisiert sein müsste, wenn er sich solche Grenzen nicht hinstellen würde. Der Mensch müsste anders beschaffen sein, dann wäre er nicht mehr diese menschliche Wesenheit, die er für den Zeitraum zwischen [Geburt und Tod] sein muss. Denn es hängt mit einer sehr bedeutungsvollen Seelenkraft zusammen, dass wir uns, indem wir die Natur betrachten, solche Grenzen setzen müssen.

[ 25 ] I have only briefly described it, but this is an experience one must earn—one that is attained by those who, in turn, ask themselves: What must you do to achieve, through the natural sciences, what is necessary so that, on a supersensory level, this ... [illegible] boundary... [illegible] confront you—the very foundation of this fruitful modern scientific knowledge? You must set certain boundaries for yourself; you must allow them to remain in place so that the other may become penetrable to you. Once one has experienced this, dear audience, once one has gone through in one’s soul what I have just described—and today I merely wish to describe, to inspire, that is, to speak of experiences—once one has experienced this, then the question arises in the soul: Yes, do we want to, must we, if we wish to understand the world through the natural sciences, set limits for ourselves? And then one realizes that human beings would have to be organized quite differently if they did not set such limits for themselves. Human beings would have to be of a different nature; otherwise, they would no longer be the human beings they must be for the period between [birth and death]. For it is connected to a very significant soul force that, in observing nature, we must set such limits for ourselves.

[ 26 ] Kommt man einmal dahinter, was da eigentlich vorliegt, so ist dasjenige, was sich einem ergibt, ein ungeheuer Bedeutungsvolles. Es müsste [herJausgerissen werden aus unserer Seele eine gewisse Kraft, wenn der Mensch so geartet sein sollte, dass das Naturerkennen ihm keine Grenzen darbietet. Was ausgerissen werden müsste aus der Seele, das ist die Liebesfähigkeit. Ein Wesen, welches mit Naturerkenntnis nicht an Grenzen kommt, könnte nicht in sich haben die Fähigkeit, irgendwas, indem es im physischen Leib lebt, dieses Wesen, zu lieben. Wer das Ganze des menschliche Wesens durchschaut, der muss sich sagen: Derjenige Teil unseres Wesens, der auf die Natur gerichtet ist, muss sich Grenzen setzen, weil dieser Teil des menschlichen Wesens gebunden ist an einen anderen, der lieben kann. Wir würden nicht lieben können, wenn wir nicht ein so geartetes Erkenntnisvermögen hätten, welches sich Grenzen setzen muss im Naturerleben. Dieselbe Kraft in der Seele, welche uns drängt, eine solche Spiegelgrenze hinzusetzen, die uns dazu drängt, gewisse Pfähle nicht zu durchdringen, das ist dieselbe Kraft, welche uns liebesfähig macht. Es hängt also [dieser] Teil zusammen mit unserem ganzen Wesen, wie wir hier im Leib als Mensch sind, dass wir eine begrenzte Naturerkenntnis haben.

[ 26 ] Once one figures out what is actually going on here, what emerges is something immensely significant. A certain power would have to be [ripped] from our soul if human beings were of such a nature that the knowledge of nature presented no limits to them. What would have to be ripped from the soul is the capacity for love. A being that knows no limits in its knowledge of nature could not possess within itself the capacity to love anything—this being, as it lives in the physical body. Anyone who sees through the entirety of the human being must conclude: The part of our being that is directed toward nature must set limits for itself, because this part of the human being is bound to another part that is capable of love. We would not be able to love if we did not possess a faculty of cognition of this nature, one that must set limits for itself in the experience of nature. The very same force in the soul that compels us to set such a mirror-like boundary—that compels us not to cross certain limits—is the very same force that makes us capable of love. Thus, [this] part is connected to our entire being, as we exist here in the body as human beings, in that we have a limited understanding of nature.

[ 27 ] Das, was ich Ihnen jetzt auseinandergesetzt habe, das ist ein Erlebnis, das man an der Naturerkenntnis haben kann, aber schon unbewusst haben dieses Erlebnis schon viele unserer Zeitgenossen, es lebt ja in dem Teil des Bewusstseins, und das, [was] hinaufdämmert in dunklen Gefühlen, man schaut es nicht nur, aber es ist da, und weil dies bei diesen vielen Menschen da ist, allerdings auch immer da war bei vielen Menschen, so suchen viele Menschen in einer anderen Art zu den Quellen des Daseins zu kommen, zu dem zu kommen, was jenseits der Grenze liegt, da die übersinnliche Erkenntnis sich setzen muss, und sie kommen dann nach dem anderen Pol des menschlichen Strebens, sie sagen sich: Was wir außen in der Sinneswelt nicht finden können, das suchen wir durch Versenkung in das eigene Innere. Und da suchen dann diese Menschen mit der gewöhnlichen Bewusstseinskraft, mit der gewöhnlichen Begriffs- und Vorstellungsmacht, kurz, mit der gewöhnlichen Erkenntniskraft, die sie einfach haben, wenn sie wache Menschen sind, in ihr Inneres zu versinken. Man nennt das mystische Erkenntnis und meint damit ein Eintauchen in die Seele mit gewöhnlicher Kraft des Lebens. Man meint, das im Inneren zu finden, was man äußerlich in der Sinneswelt nicht finden kann.

[ 27 ] What I have just explained to you is an experience one can have through an understanding of nature, but many of our contemporaries have already had this experience unconsciously; it lives, after all, in that part of consciousness, and that [which] dawns upon us in dark feelings, is not merely observed, but it is there; and because this is present in so many people—and indeed has always been present in many people—many people seek to reach the sources of existence in a different way, to reach that which lies beyond the boundary where supersensible knowledge must take hold, and they then turn to the other pole of human striving, saying to themselves: What we cannot find outside in the sensory world, we seek by immersing ourselves in our own inner being. And there these people seek to sink into their inner being using their ordinary power of consciousness, their ordinary power of concept and imagination—in short, the ordinary power of cognition that they simply possess when they are awake. This is called mystical knowledge, meaning a plunge into the soul using the ordinary life force. One believes that what cannot be found externally in the sensory world can be found within.

[ 28 ] Und siehe da, ist man nur aufrichtig und ehrlich, wie es freilich viele Mystiker nicht sind, dann kommt man mit dieser mystischen Erkenntnis ebenso an eine Grenze. Das unmittelbare Erleben [er]gibt wiederum: Du musst hinuntersteigen in dein eigenes Inneres, aber du wirst nichts anderes finden als immer dein Selbst, aber dein Selbst so, dass du fühlen kannst, indem du vermeinst, dein Selbst zu ergreifen, dass du dich nicht in deiner Wirklichkeit ergreifst, /zwischen den Zeilen:] wie es ich [be]sprochen habe. — Das Bild wird dichter und dichter, aber es bleibt Bild, es steigt nicht zur Wirklichkeit hinauf. Und man merkt zuletzt, dass, indem man so versucht, in gewöhnlicher mystischer Weise in das Innere zu steigen, an kein Übersinnliches kommt, sondern an das innere Sinnliche, somit da auch an eine Grenze. Und ist man ehrlich, so merkt man, dass das davon herkommt, dass immer fast also etwas Subjektives, etwas, was aus einem selbst kommt, sich hineinmischt in diese Versenkung nach dem Inneren, und dass man nicht etwas Objektives ergreift, sondern dass man nur sich selbst durchflimmert, in sich selbst einmal hineindringt, sodass das Selbst immer dichter und dichter wird. Das ist das zweite Erlebnis, die Vergeblichkeit der gewöhnlichen Mystik geht einem auf.

[ 28 ] And lo and behold, if one is merely sincere and honest—which, of course, many mystics are not—then one also reaches a limit with this mystical insight. The immediate experience, in turn, reveals: You must descend into your own inner self, but you will find nothing other than your own self—yet your self in such a way that, as you think you are grasping your self, you can feel that you are not grasping yourself in your reality, /between the lines:] as I have discussed. — The image becomes denser and denser, but it remains an image; it does not rise to reality. And one ultimately realizes that, by attempting in this way—in the usual mystical manner—to descend into the inner self, one does not arrive at the supernatural, but rather at the inner sensual, and thus, there too, at a limit. And if one is honest, one realizes that this stems from the fact that there is always—almost always—something subjective, something that comes from within oneself, intermingling with this immersion into the inner self, and that one does not grasp something objective, but rather one merely flickers through oneself, penetrating into oneself for a moment, so that the self becomes ever denser and denser. This is the second experience: the futility of ordinary mysticism becomes clear to you.

[ 29 ] Da wiederum entsteht die Frage: Woher kommt diese Grenze? Diese Grenze, man merkt es nach und nach, indem man gerade versucht auf mystischem Wege zu übersinnlicher Erkenntnis zu kommen, sie kommt davon, dass der Mensch wiederum, wie er nun einmal ist zwischen Geburt und Tod, eine innere Seelenkraft braucht, die er nicht haben könnte, wenn er durch mystische Versenkung einfach hinuntertauchen könnte in das eigene Selbst. Es müsste dem Menschen, wenn er die Naturerkenntnis ohne Grenze hätte, die Liebesfähigkeit fehlen würde, das eine andere Seelenkraft [ersetzen], wenn [er] durch mystisches Versinken dahin gelangen [will]. Warum er... [unleserlich] will? Was einem da fehlen müsste, ist etwas, was gewöhnlich ... [unleserlich] ist, das ist Erinnerungsfähigkeit die Gedächtnisfähigkeit. Wir gelangen, indem wir uns in unser Inneres versenken, nur bis zu jener Seelenkraft, die uns zurückstrahlt die Erkenntnisse, die Begebenheiten, die Erlebnisse unseres Lebens zwischen Geburt und Tod. Da strahlt uns ein innerer Spiegel diese Erlebnisse zurück. Würden wir diesen Spiegel nach innen durchstoßen, dann würden wir ins Übersinnliche hineinkommen, aber wir dürfen ihn nicht auf gewöhnliche Weise durchstoßen, sonst müsste uns zerbrochen werden die Erinnerungsfähigkeit, und was hängt für das gesunde menschliche Leben von diesem ab?

[ 29 ] This, in turn, raises the question: Where does this boundary come from? This limit—as one gradually realizes while attempting to attain supersensory knowledge through mystical means—arises from the fact that human beings, as they are between birth and death, require an inner soul force that they could not possess if they were simply able to plunge into their own self through mystical contemplation. If a person had unlimited knowledge of nature, they would lack the capacity for love—another soul force that would have to [replace] it if [they] [wish] to reach that state through mystical immersion. Why do they... [illegible] wish to? What one would lack there is something that is usually … [illegible], namely the capacity for recollection—the power of memory. By immersing ourselves in our inner being, we reach only as far as that spiritual power which reflects back to us the insights, events, and experiences of our life between birth and death. There, an inner mirror reflects these experiences back to us. If we were to pierce through this mirror inward, we would enter the supersensible realm, but we must not pierce it in the ordinary way; otherwise, our capacity for recollection would be shattered—and how much of a healthy human life depends on this?

[ 30 ] Bedenken wir nur, dass bei denjenigen Menschen, bei denen diese durchbrochen ist, das ganze Selbstbewusstsein nicht funktioniert. Wer nicht sich erinnern kann an Zurückliegendes im Leben, der kommt mehr oder weniger aus sich heraus, er irrt herum im Leben. Die krankhaften [Erscheinungen] nach dieser Richtung sind ja bekannt. Der Mensch muss nach außen hin Vorstellungen vor sich hinsetzen, die er wegen der Liebesfähigkeit nicht überschreiten kann. Er muss nach innen einer Grenze gewahr werden seiner inneren Versenkung, weil im Inneren wirken muss das Erinnerungsvermögen. Daher ist es, sehr verehrte Anwesende, dass man auch durch äußRerliche Erforschung desjenigen, was da ... [unleserlich], nicht zu irgendeiner Erkenntnis des Wesens der Menschenseele gelangen kann, in unserer Zeit in der naturwissenschaftlichen Betrachtung sich so große Verdienste erworben hat, hat man ja auch versucht, mit der Erinnerung, naturwissenschaftlichen Betrachtung ins eigene Innere hineinzusteigen.

[ 30 ] Let us simply consider that in those people in whom this connection has been severed, their entire sense of self does not function. Anyone who cannot remember past events in their life more or less loses touch with themselves and wanders aimlessly through life. The pathological [manifestations] associated with this condition are, of course, well known. A person must set before themselves external ideas that they cannot transcend because of their capacity for love. They must become aware of an inner boundary to their inner contemplation, because the power of memory must be at work within. That is why, esteemed audience, even through external investigation of what is there... [illegible], one cannot arrive at any understanding of the nature of the human soul; and although scientific observation has earned such great merit in our time, attempts have also been made to delve into one’s own inner self through memory and scientific observation.

[ 31 ] Ich möchte ein Beispiel erwähnen, aus der Literatur, ich könnte Hunderte andere erwähnen, aber damit [es] nachprüfbar ist, aus der Literatur. In dem sehr verdienstlichen Wiesbadener [Verlag, der Wiesbadener Sammlung, in der Reihe] über [Grenzfragen des] Nerven und Seelenlebens, wurde in einer [Schrift] über das unterbewusste Ich des Menschen von Louis Waldstein [Folgendes berichtet]. Es wird eine Geschichte erzählt, eine Geschichte, in der er sich aussprechend war, der Verfasser, über das Unsichere der Selbsterkenntnis. Waldstein erlebt offenbar [Folgendes]: Er ging auf einer — ging auf der Straße an einem Buchladen vorbei. Da schaut er die Bücher an, die ausgelegt werden. Da fand er ein Buch über die Mollusken. Das kann natürlich den Forscher interessieren, aber siehe da, nicht so sehr interessiert ihn das Buch über die Mollusken, sondern er musste lächeln.

[ 31 ] I would like to mention an example from the literature—I could mention hundreds of others, but to ensure that [it] is verifiable, I will draw from the literature. In the highly commendable Wiesbaden [publishing house, the Wiesbaden Collection, in the series] on [borderline issues of] nerves and mental life, a [work] by Louis Waldstein on the human subconscious self [reports the following]. A story is told—a story in which the author expressed his views on the uncertainty of self-knowledge. Waldstein apparently experienced [the following]: He was walking down the street and passed a bookstore. There he looked at the books on display. There he found a book about mollusks. Naturally, this might interest a researcher, but lo and behold, it wasn’t so much the book about mollusks that interested him—rather, he couldn’t help but smile.

[ 32 ] Nun denken Sie einmal, ein Naturforscher, der eine Neuerscheinung über die Mollusken sicht und lächeln muss. Es ist zwar nicht die geringste Veranlassung, dass man bei einem solchen Titel lächelt. Was tut Waldstein? Er will nachforschen, warum [er] da gelacht hat, schließt die Augen, um eben nicht gestört zu werden bei dem, was er sieht, bei seinem Nachdenken, schließt die Augen, um nachzuforschen, um zu sehen, wie er denn darauf kommt, was [ihn] zum Lächeln gebracht hat. Und da hört er ganz in der Ferne einen Leierkasten; den hat er nicht gehört, als [seine] Augen offen [waren]. Der Leierkasten spielt jene Melodie, die er vor Jahrzehnten gehört hat, aber auch nicht einmal aufmerksam verfolgt hat, weil ihn damals anderes interessiert hat, die Melodie, bei der er tanzen gelernt hat. Damals haben ihn mehr interessiert die Reize seiner Partnerin und diese Schritte, die er zu machen hatte, er hat nur halb hingehört auf das, was der Leierkasten spielt. Das hat sich also nur sehr schwach eingeprägt, aber jetzt nach Jahrzehnten, wo der Leierkasten ... [unleserlich] wieder die Sache anstimmt, brachte ihn das zum Lächeln.

[ 32 ] Now imagine a naturalist who comes across a new book on mollusks and can’t help but smile. There is, of course, not the slightest reason to smile at such a title. What does Waldstein do? He wants to figure out why [he] laughed; he closes his eyes so as not to be disturbed by what he sees or by his own thoughts; he closes his eyes to investigate, to see how he came to realize what made [him] smile. And then, far off in the distance, he hears a barrel organ; he hadn’t heard it when [his] eyes were open. The barrel organ is playing that melody he heard decades ago, but never even paid close attention to because other things interested him back then—the melody to which he learned to dance. Back then, he was more interested in his partner’s charms and the steps he had to take; he only half-listened to what the barrel organ was playing. So it had left only a very faint impression on him, but now, decades later, when the barrel organ… [illegible] strikes up the tune again, it made him smile.

[ 33 ] Sieht man daraus nicht, sehr verehrte Anwesende, dass viel da unten ist in unserer Seele, was der Aufmerksamkeit des gewöhnlichen Lebens sich gar recht sehr entzieht? Das unterbewusste Gedächtnis kommt zu dem bewussten Gedächtnis noch hinzu. Man kann im gewöhnlichen Leben und für das gewöhnliche Bewusstsein gar nicht wissen, was da alles unten sitzt an Erlebnissen, die man durchgemacht hat. Und diese Erlebnisse, die wandeln sich im Laufe des Lebens, und so kann man manchen Mystiker kennenlernen, der glaubt, ehrlich zu sein, und da sagt: Aus den Tiefen meiner Seele sind heraufgestiegen Vorstellungen über eine übersinnliche Welt, Vorstellungen von Herrlichkeit und Größe. [Es] braucht nichts anderes zu sein als das, was er vor Jahrzehnten gehört hat, der Leierkasten, der nur teilweise auf Einzelnes einen Einfluss gewonnen hat. Ebenso wie Waldstein gelacht hat vor dem Buch, konnte das, was [sich] damals in die Stimmung der Seele umgewandelt hat, nach Jahrzehnten so umgewandelt [sein], dass aus dieser Stimmung ja scheinbar erhabenste Vorstellung wird. Der Mensch muss so eingerichtet sein, da da drunten zurückprallen die Erlebnisse, die er durchgemacht hat zwischen Geburt und jetzt. Daher sind die Erlebnisse, die [sich] da drunten abspielen, [die Stimmung], sie ist niemals irgendwie maßgebend, sondern man muss immer sich klar darüber sein, dass das, was man aus solcher mystischer Versenkung hinaufholen konnte, nichts anderes sind als die umgewandelten Töne des Leierkastens, und manches, was in mystischen Tiefen [unleserlich; verzeichnet?] wird, worüber ... [unleserlich] ... [unleserlich] ... [unleserlich] gerede[t] wird, sondern die umgewandelten Töne des Leierkastens, und das führt [andererseits] dazu, dass man anerkennt, dass, auch wenn man mit gewöhnlicher Mystik sich im Inneren versenken kann, man nicht zum Quell des [inneren] Menschenwesens kommen kann.

[ 33 ] Does this not show, ladies and gentlemen, that there is much deep within our soul that is largely hidden from the attention of everyday life? The subconscious memory is added to the conscious memory. In everyday life and to the ordinary consciousness, one cannot possibly know what lies deep within in terms of the experiences one has gone through. And these experiences change over the course of a lifetime, and so one may encounter many a mystic who believes himself to be sincere and who says: “From the depths of my soul have risen visions of a supernatural world, visions of glory and grandeur.” [It] need be nothing other than what he heard decades ago—the barrel organ—which only partially influenced specific aspects of his being. Just as Waldstein laughed at the book, what was transformed into the mood of the soul at that time could, after decades, have been transformed to such an extent that this mood apparently gives rise to the most sublime ideas. Human beings must be constituted in such a way that the experiences they have gone through between birth and the present moment are reflected back up from down there. Therefore, the experiences that [unfold] down there—[the mood]—are never in any way authoritative; rather, one must always be clear that what one has been able to draw up from such mystical contemplation is nothing other than the transformed tones of the barrel organ, and much of what is [illegible; distorted?]—about which … [illegible] … [illegible] … [illegible] is talked about, but rather the transformed sounds of the barrel organ, and this leads [on the other hand] to the recognition that, even if one can immerse oneself inwardly through ordinary mysticism, one cannot reach the source of the [inner] human being.

[ 34 ] Das sind Ausgangspunkte, das sind Erlebnisse, die besagen, dass man weder mit gewöhnlicher Naturerkenntnis noch mit gewöhnlicher Mystik in das Innere eindringen kann. Hat er, [der Mensch], diese Erlebnisse, die ich geschildert habe, dann geben sie ihm die Kraft, nach ganz anderer Richtung und ganz anderer Art zu forschen, denn aus diesen Erlebnissen heraus kommt dem Geistesforscher die Kraft, einen anderen Weg und andere Art zu suchen, und dazu gehört zum einen der Mut. Innerer Seelenmut, sehr verehrte Anwesende, überhaupt nicht bei dem stehen zu bleiben, was die Erlebnisse des gewöhnlichen Bewusstseins sind, die Erlebnisse, die uns im alltäglichen Leben mit Recht führen, die uns auch in der gewöhnlichen Wissenschaft mit Recht führen, nicht dabei stehen zu bleiben, sondern umzuwandeln dieses Bewusstsein, sodass sich somit schlummernde Kräfte ergeben, die in anderer Weise wirksam sind als diejenigen, die in die gewöhnliche Naturwissenschaft und gewöhnliche Mystik hineinkommen wollen.

[ 34 ] These are starting points; these are experiences that show that one cannot penetrate into the inner world through ordinary knowledge of nature or through ordinary mysticism. If [the human being] has these experiences that I have described, then they give him the strength to explore in a completely different direction and in a completely different way; for out of these experiences comes the strength for the spiritual researcher to seek a different path and a different method, and this requires, among other things, courage. Inner spiritual courage, ladies and gentlemen, to not remain at all with what the experiences of ordinary consciousness are, the experiences that rightly guide us in everyday life, that also rightly guide us in ordinary science—not to remain there, but to transform this consciousness so that dormant powers emerge which are effective in a different way than those that seek to enter into ordinary natural science and ordinary mysticism.

[ 35 ] Nicht bloß der Gebrauch der gewöhnlichen Erkenntniskraft nach außen und innen, sondern die Umwandlung derselben, die Erringung einer neuen Erkenntnisart ist notwendig, um in das übersinnliche Leben einzudringen, und gerade die zwei Ausgangspunkte, die sichere Ausgangspunkte sind für eine übersinnliche Erkenntnis, die somit auch Hinweise daraufhin haben, wie man zu suchen hat. Zu suchen hat man offenbar so, dass man schon diejenigen Kräfte, diejenige Seelenfähigkeit, durch welche die zwei Grenzen hervorgerufen sind, gehörig ins Auge fasst, und dass man die Umwandlung des Seelenlebens nach einer Richtung bewirkt, sodass diese zwei Seelenkräfte nicht mehr Grenzen abgeben können.

[ 35 ] It is not merely the use of the ordinary power of cognition, directed outward and inward, but the transformation of this power—the attainment of a new kind of cognition—that is necessary to penetrate into the supersensible life; and it is precisely these two starting points, which are reliable starting points for supersensible cognition, that thus also provide indications as to how one should search. One must evidently seek in such a way that one properly takes into account those very forces, that very capacity of the soul, through which the two boundaries are brought about, and that one brings about a transformation of the soul life in a certain direction, so that these two soul forces can no longer serve as boundaries.

[ 36 ] Ich habe beschrieben, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was der Geistesforscher zu machen hat, als intime Seelenerlebnisse zu durchringen hat, wenn er diese Umwandlung mit diesem Erkenntnisvermögen erringen will, in allen meinen Schriften ... [unleserlich]. Da können Sie die einzelnen Seelenerlebnisse, zwischen denen sich hinringen muss der Geist- und Seelenforscher, wenn er Erkenntnis erringen will, [nachlesen, die da] geschildert sind. Heute will ich von einem ganz besonderen Gesichtspunkte aus prinzipiell auf die Art und Weise hinweisen, in der sich die Seele zu sammeln hat, um ins Übersinnliche auch wirklich hineinzukommen, um die zwei Grenzen überschreiten zu können, die man erlebt hat auf die Weise, wie [von mir] geschildert worden ist. Es geht zunächst darum, dass man wirklich in ehrlicher innerer Selbsterkenntnis sich fragt: Was geschieht eigentlich durch die Seele, wenn sie in Naturerkenntnis begriffen ist?

[ 36 ] I have described, esteemed audience, in all my writings what the spiritual researcher must do when he has to work through intimate soul experiences if he wishes to achieve this transformation through this capacity for insight ... [illegible]. There you can [read about] the individual soul experiences that the researcher of the spirit and soul must strive through if he wishes to attain knowledge, [as they are] described there. Today I would like to point out, from a very special perspective, the fundamental manner in which the soul must gather itself in order to truly enter the supersensible realm, so as to be able to cross the two boundaries that one has experienced in the manner described [by me]. The first step is to ask oneself, in genuine and honest self-knowledge: What actually happens through the soul when it is engaged in the study of nature?

[ 37 ] Was da durch die Seele geschieht, man kann es durch zwei Fähigkeiten ausdrücken. Dasjenige, was ich jetzt sage, es kann ganz gründlich und tief wissenschaftlich dargelegt werden. Ich muss die Frage selbstverständlich, weil Geisteswissenschaft noch am Anfang steht, in mehr populärer Art hier aussprechen: Diejenigen Fähigkeiten, die der Mensch anwendet, wenn er sich der Natur zukehrt, können wir fassen als Wahrnehmungsvermögen. Wir machen Wahrnehmungen, indem wir uns der Natur zukehren, und dann erhalten wir durch sie Vorstellung. Wir wissen also, wenn wir Wahrnehmungen haben, so ist die Wahrnehmung lebhaft, intensiv, sie nimmt uns ganz in Anspruch, als lebe in uns die Außenwelt durch die Wahrnehmung herein, wir wissen aber auch, wenn wir von der Wahrnehmung uns abkehren und das Wahrgenommene vorstellen, dass dann diese Vorstellung der Wahrnehmung gegenüber weniger lebendig ist, weniger intensiv ist, dass sie schattenhafter ist.

[ 37 ] What takes place within the soul can be expressed through two faculties. What I am about to say can be explained in a thoroughly and deeply scientific manner. Of course, since spiritual science is still in its infancy, I must phrase the question here in more accessible terms: The faculties that a person employs when turning toward nature can be understood as the faculty of perception. We perceive by turning toward nature, and through this perception we form mental images. So we know that when we have perceptions, the perception is vivid, intense—it completely absorbs us, as if the external world were coming to life within us through the perception—but we also know that when we turn away from the perception and form a mental image of what we have perceived, this mental image is less vivid and less intense than the perception itself; it is more shadowy.

[ 38 ] Hat das im Leben des Menschen einen Sinn, sehr verehrte Anwesende, dass wenn wir uns von der Wahrnehmung abkehren, die Vorstellung schattenhafter wird? Ja, damit hängt die Anlage zusammen, dass wir Erinnerung haben. Wollen wir Wahrnehmung haben, dann müssen wir einen Bezug zu dem Ding, das die Wahrnehmungen hervorruft, zurück [her]stellen, müssen in aller Lebendigkeit mit dem Ding zusammenleben, bleibt uns aber [eine] Vorstellung von dem Ding, so ist dieses lebendige Zusammenleben abgeschwächter, und das, was abgeschwächt ist, ist die Kraft, die die Erinnerung hervorruft. Bitte das zu berücksichtigen. Weil wir nicht bloß wahrnehmen, sondern auch denken, vorstellen gegenüber der äußeren, sinnlichen Wirklichkeit, können wir Erinnerungen bewahren.

[ 38 ] Does it make sense in human life, ladies and gentlemen, that when we turn away from perception, our mental image becomes more shadowy? Yes, this is connected to our capacity for memory. If we wish to have perception, we must reestablish a connection to the thing that evokes those perceptions; we must live in full vitality alongside that thing. But if we are left with only an idea of that thing, this living coexistence is weakened, and what is weakened is the power that gives rise to memory. Please keep this in mind. Because we do not merely perceive but also think and imagine in relation to external, sensory reality, we are able to retain memories.

[ 39 ] Nun muss der Geistesforscher ein anderes Vorstellungs-, ein anderes Denkvermögen entwickeln als das gewöhnliche. Dieses Denkvermögen, das er entwickeln muss, kann er nur entwickeln, wenn er in wirklicher Selbsterkenntnis gewahr wird, worinnen die Wahrnehmung eigentlich besteht. Wir nehmen niemals bloß wahr, wir denken immer beim Wahrnehmen, nur richten wir die Aufmerksamkeit nicht auf den Denkprozess, sondern auf Wahrnehmung. Und gerade dieses Denken, das wir mit Wahrnehmen entwickeln, das müssen wir unterscheiden von dem Denken, das wir nachher aus der Erinnerung entwickeln, von dem Denken, das bloß vorstellt. Und dann, wenn man dazu gelangt ist, zu erkennen, wie man mit seiner Denkkraft im Bewusstsein drinnen ist, dann gelangt man auch dazu, das Denken selbst durch Übung — und die Übung selbst [ist] in den [genannten] Büchern beschrieben — zu verstärken, lebendig zu machen. Man verschärft das bloße Denken, ohne dass man ihm seine Klarheit nimmt, zum Meditieren.

[ 39 ] Now, the spiritual researcher must develop a different capacity for imagination and thought than the ordinary one. He can develop this capacity for thought only if, through genuine self-knowledge, he becomes aware of what perception actually consists of. We never merely perceive; we are always thinking while perceiving—only we do not direct our attention to the thought process, but rather to perception. And it is precisely this thinking that we develop through perception that we must distinguish from the thinking we subsequently develop from memory—from the thinking that merely conceives. And then, once one has come to recognize how one is engaged in consciousness through one’s power of thought, one also comes to strengthen that thinking itself through practice—and the practice itself [is] described in the [aforementioned] books—and to bring it to life. One sharpens mere thinking, without robbing it of its clarity, for the purpose of meditation.

[ 40 ] Was ist das Meditieren? Das Meditieren ist ein Denken, das nicht in die Erinnerung übergeht, sondern das so durch innere Seelenübung erkraftet wird, dass es so lebhaft verläuft wie sonst nur das Bewusstsein [Wahrnehmen]. Ein so innerlich von Inhalt erfülltes Denken, ein Zum-Bilde-Werden des Denken, das ist das Meditieren. Daher ist es gut, wenn man sich so übt, in innerer ... [unleserlich] dass man alle abstrakten Gedanken wegweist — sie führen nicht in Übersinnliches hinein —, [sondern] dass man bildhafte Gedanken aufnimmt, die Nachbilder sind der äußeren sinnlichen Wahrnehmung, ... [unleserlich].

[ 40 ] What is meditation? Meditation is a form of thinking that does not merge into memory, but is strengthened through inner spiritual practice in such a way that it proceeds as vividly as consciousness [perception] otherwise does. Such thinking, filled with inner content—the transformation of thought into an image—is meditation. Therefore, it is good to practice in such a way, in inner ... [illegible], that one rejects all abstract thoughts—they do not lead into the supersensible—[but] that one takes in pictorial thoughts, which are afterimages of external sensory perception, ... [illegible].

[ 41 ] Wenn man so ein Denken entwickelt, dann hat man diesem Denken gegenüber ein sehr merkwürdiges Erlebnis, ein Erlebnis, das zunächst außerordentlich überrascht. Wenn man so meditierend ein bildhaftes Denken immer wiederum in Übung in der Seele anwesend sein lässt, dann kommt man darauf, dass dieses Denken zunächst zu etwas führt, das nicht unmittelbar Erinnerung werden kann. Es führt nur dazu, dass man sich in seinem Selbstbewusstsein gestärkt fühlt, dass man das eigene Selbstbewusstsein immer kraftvoll führt doch zu dem, was ich genannt habe das imaginative Bewusstsein. Dieses imaginative Bewusstsein führt zunächst noch zu keiner Erkenntnis, nur zur Verschärfung des Selbstbewusstseins. Was [bis] hierher ein Bild war, das fühlt jetzt in sich das Selbstbewusstsein. Das ... [unleserlich] wirkt in einen hinein ... [unleserlich], dadurch, dass es sich selbst so durch bildhaftes, meditierendes Denken dem Sein erkraftet hat.

[ 41 ] When one develops this kind of thinking, one has a very strange experience with it—an experience that is, at first, extremely surprising. If, through meditation, one repeatedly allows this pictorial thinking to be present in the soul as part of one’s practice, one comes to realize that this thinking initially leads to something that cannot immediately become a memory. It merely leads to a feeling of strengthened self-awareness—a self-awareness that, through its own power, consistently leads to what I have called “imaginative consciousness.” This imaginative consciousness does not yet lead to any insight, but only to a deepening of self-awareness. What was an image up to this point is now felt within oneself as self-awareness. That ... [illegible] works its way into one ... [illegible], in that it has thus empowered itself through being by means of pictorial, meditative thinking.

[ 42 ] Hat man diese Übung eine Zeit lang fortgesetzt dann bekommt man die Erfahrung, dass man zunächst aufziehen sieht in der Seele Bild um Bild; gleichsam von selbst wird die Seele fähig, Imagination in sich aufsteigen zu lassen. Dann muss man wiederum die Fähigkeit erlangen, diese Imagination zu unterdrücken. Man muss also zweierlei Fähigkeiten in der Seele entwickeln: ein so lebhaftes Denken, das [so] lebhaft ist, wie sonst nur das äußere Bewusstsein, und dann wiederum die Fähigkeit, es zu unterdrücken. Denn oft, wenn man so meditierend vorschreitet, ist es sehr abhängig vom inneren Seelenerlebnis. Dieses Seelenerlebnis will ich Ihnen mehr bildhaft beschreiben, denn das, was sich auf diesem Feld ergibt, muss bildhaft beschrieben werden, da es ja durch die Kraft eines bildhaften Denkens erlebt wird. Wenn man in solcher Übung, die gesteigert werden muss, immer fortfährt, dass man die Macht erhält, die Imagination auch zu unterdrücken, und zunächst nichts hat als wirklichkeit[s]durchtränktes Selbstbewusstsein, dann wird es endlich so, dass man die Seelenverfassung, an die man kommt, vergleichen könnte damit, dass man liegt in der Nacht: Man macht die Augen auf; Sie könnten sehen, wenn nicht Dunkelheit da wäre. Es ist auch still rings umher, man hört nichts. Aber während man da liegt in der Dunkelheit der Nacht, geht auf die Erinnerung an dasjenige, was man am Tage erlebt hat, und man erinnert Erinnerung, [geht] nicht nur so auf, dass man sich sagt: Du bist es gewesen, der da erlebt hat, sondern es steigt auch auf das, was das Ich während des Tages erlebt hat, mit dem Ich selbst steigt da in derselben Nacht die Erinnerung auf an dasjenige, was in der Umwelt war. Man erlebt nicht bloß sich in der Nacht als sich selber, sondern die Welt, die man durchlebt. Man möchte vergleichen das mit... [unleserlich] Erlebnis, das [auftritt auf dem Weg, den ich geschildert habe.

[ 42 ] If one continues this exercise for a while, one will find that images begin to arise one after another in the soul; as it were, the soul becomes capable of allowing imagination to well up within itself. Then, in turn, one must acquire the ability to suppress this imagination. One must therefore develop two kinds of abilities within the soul: a form of thinking so vivid that it is as vivid as outer consciousness itself, and then, in turn, the ability to suppress it. For often, when one proceeds in this way through meditation, it depends greatly on the inner experience of the soul. I would like to describe this inner experience to you in more vivid terms, for what arises in this realm must be described vividly, since it is experienced through the power of vivid thinking. If, in such an exercise—which must be intensified—one continues to the point where one gains the power to suppress the imagination as well, and at first has nothing but self-consciousness imbued with reality, then one eventually reaches a state of mind that could be compared to lying down at night: You open your eyes; you could see if it weren’t for the darkness. It is also quiet all around; you hear nothing. But while one lies there in the darkness of the night, the memory of what one experienced during the day comes to mind, and this recollection does not merely arise in such a way that one says to oneself: “It was you who experienced that,” but it also encompasses what the “I” experienced during the day; along with the “I” itself, the memory of what was in the surrounding world rises up in that same night. At night, one experiences not merely oneself as oneself, but the world one lives through. One might compare this to... [illegible] an experience that [arises along the path I have described.

[ 43 ] Hat man jene Übung, [siehe meine] Bücher, [einen] genügenden Zeitraum getrieben, [hat man es] dahin gebracht, das Selbstbewusstsein genügend verstärkt zu haben zur Imagination, und dann die Geistesstärke zu haben, dass die Imagination wiederum verdrängt werden ... [unleserlich] kann, dann ist dieses, was aufsteigt in der Seelenverfassung, nicht Erinnerung, sondern Zurückschauen. So wie es in dem Vergleich, den ich gemacht habe, [ein] Zurückschauen auf Tagerlebnisse war, so ist es jetzt ein Zurückschauen auf die Erlebnisse, welche die Seele durchgemacht hat im Geistigen, bevor sie aus dem Geistigen heruntergestiegen ist und sich vereinigt hat mit dem Leibesdasein, das sie erhalten hat durch physische Vermählung von Vater [und] Mutter und die zwei Vererbungsströmungen. Es tritt auf [bei] dem [in] der Seele aus dem imaginativen Bewusstsein hinauf das verstärkte Selbstbewusstsein, aber nicht für die Gegenwart, sondern zurückgehen, zurück musste [man] und erleben sich selber in geistigem Gebiet, im vorgeburtlichen Leben, und mit diesem sich selber erleben, die geistige Welt miterlebend. So wie man in der Erinnerung aus dem Schlaf heraus erlebt das, was man am Tage erlebt hat, wiederum das Ich mit der Umgebung, so erlebt man das Geistige, das Übersinnliche der Seele mit der übersinnlichen Umgebung, durch denjenigen Seelenvorgang, den ich eben jetzt geschildert habe.

[ 43 ] If one has practiced that exercise—[see my] books—for a sufficient period of time, [one will have] succeeded in strengthening one’s self-awareness enough to engage in imagination, and then have the mental strength to suppress that imagination in turn ... [illegible], then what arises in the state of the soul is not memory, but looking back. Just as, in the comparison I made, [a] looking back on the day’s experiences, so now it is a looking back on the experiences the soul has undergone in the spiritual realm before it descended from the spiritual realm and united with the physical existence it received through the physical union of father [and] mother and the two streams of heredity. What arises within the soul from the imaginative consciousness is an intensified sense of self—but not in relation to the present; rather, one must go back and experience oneself in the spiritual realm, in prenatal life, and through this experience of oneself, experience the spiritual world as well. Just as one experiences in memory upon waking from sleep what one has experienced during the day—the “I” in relation to its surroundings—so too does one experience the spiritual, the supersensible aspect of the soul in relation to its supersensible surroundings, through the very soul process I have just described.

[ 44 ] Diese Arbeit, die schafft zunächst das bewusste Erinnerungsvermögen weg. Der Dichter hat das erahnend ausgedrückt dadurch, dass er gesagt hat: Die Zeit wird zum Raume. Man hat, indem man sich zu einem solchen Erkenntnisvermögen aufgeschwungen hat, das aus der Imagination herausgeboren ist, nicht mehr die gewöhnliche Erinnerung in diesem Zustand, aber man hat ein Zurückschauen auf die geistigen Erlebnisse in der übersinnlichen Welt, die bleiben stehen. Was man da durchlebt hat, das bleibt so stehen für die geistige Anschauung, wie stehen bleibt, wenn Sie einen Weg machen, an Gegenständen, [an denen Sie] vorübergegangen sind, [wenn Sie] zurückschauen: Da stehen die Gegenstände, [eben] so bleiben die Ereignisse in der Zeit stehen. Das merkt man, wenn man in solcher übersinnlichen Anschauung sie anschauen lernt. Die Zeit wird zum ideellen Raum. Man sieht zurück in die geistige Verfassung der Seele im vorgeburtlichen Leben. Man sieht auf diese Weise wirklich in das Übersinnliche des eigenen Wesens durch eine verwandelte Erkenntnis hinein.

[ 44 ] This process first eliminates conscious memory. The poet expressed this intuitively by saying: “Time becomes space.” Having risen to such a capacity for knowledge—one born of the imagination—one no longer possesses ordinary memory in this state, but rather looks back upon the spiritual experiences in the supersensible world, which remain fixed. What one has experienced there remains fixed for spiritual contemplation, just as objects remain fixed when you walk along a path and look back at the objects you have passed: the objects are still there; in the same way, the events remain fixed in time. One notices this when one learns to observe them in such a supersensible contemplation. Time becomes an ideal space. One looks back into the spiritual state of the soul in prenatal life. In this way, one truly sees into the supersensible realm of one’s own being through a transformed insight.

[ 45 ] Das muss immer wiederum betont werden: Auf dem Wege der gewöhnlichen Erkenntnis gibt es keine Einsicht in das Übersinnliche, diese Einsicht muss erworben werden so, dadurch, dass die Seele Kraft entwickelt, die ... [nicht nur] ... in einer ganz anderen ... in Erinnerung zu haben ..., sondern etwas zu haben, was als ein Zurückschauvermögen dasteht. Wer ein Anfänger ist auf dem Gebiete der übersinnlichen Erkenntnis, wer also zu wenig solche Übung durchgemacht hat, ... [unleserlich], er kann, bei manchem ist das durchaus der Fall, ... [unleserlich] sehr bald zu gewissen übersinnlichen Einsichten kommen. Es ist sogar nicht ... [unleserlich]. Aber er erleidet nachher eine innere ... [unleserlich] Enttäuschung: dass er sich nicht durch das gewöhnliche Gedächtnis erinnern kann an das, was er erlebt hat, dass es vorbeigezogen ist, und dass er all die Veranstaltungen machen muss, die ... [unleserlich] zwei- bis dreimal schwieriger sind als das erste Mal. Denn er würde nicht etwas erinnern, sondern an dieselben geistigen Wirklichkeitsbilder herantreten; wie wir, wenn wir ein Erlebnis haben wollen in der sinnlichen Welt als Wahrnehmung, wiederum an das Ding herantreten müssen, [wie uns] die Erinnerung nicht genügt, so genügt uns die Erinnerung für geistige Erlebnisse niemals. Wir müssen dieselbe Veranstaltung machen. Da hat der Anfänger das Gefühl: Ich hatte das Erlebnis; es wäre ein Bleibendes, nicht bleibt es aber, es bleibt nicht, sondern geht für die Erinnerung verloren. Die Erlebnisse der übersinnlichen Welt sind eben andere als die Erlebnisse der sinnlichen Welt.

[ 45 ] This must be emphasized again and again: Through the ordinary path of cognition, there is no insight into the supersensible; this insight must be acquired by the soul developing a power that … [not only] … enables it to recall something in a completely different way …, but also to possess something that functions as a capacity for looking back. Anyone who is a beginner in the field of supersensible knowledge—that is, anyone who has not undergone sufficient such training—... [illegible]—may, as is certainly the case for some, ... [illegible] very soon arrive at certain supersensible insights. It is not even ... [illegible]. But afterward they suffer an inner … [illegible] disappointment: that they cannot recall what they have experienced through ordinary memory, that it has passed them by, and that they must go through all the exercises that … [illegible] are two to three times more difficult than the first time. For he would not be recalling something, but rather approaching the same spiritual images of reality; just as we, when we wish to have an experience in the sensory world as a perception, must once again approach the thing itself—[just as] memory is not enough for us—so memory is never enough for spiritual experiences. We must undergo the same process. Here the beginner has the feeling: I had the experience; it should be something lasting, but it does not remain—it is lost to memory. The experiences of the supersensible world are simply different from those of the sensory world.

[ 46 ] Noch eine andere Eigenschaft will ich hervorheben für dieses übersinnliche Erleben. Sie besteht darin, dass man, indem man das Erlebnis hat, rasch aufschauen muss, deshalb die Aufmerksamkeit entfalten muss, um das Erlebnis übersinnlich gewahr zu werden, denn es huscht rasch vorüber. [Es gibt] viele Menschen, [die] einmalige übersinnliche Erlebnisse oft und oft haben, sie haben sie auch, sind aber nicht aufmerksam, weil das Erlebnis schon vorüber sein [wird], wenn sie anfangen, aufmerksam zu sein. So rasch gehen diese Erlebnisse vorüber. Daher gehört zu der Schulung, die man durchmachen muss, auch die Schulung für Geistesgegenwart. Derjenige Mensch, der schon im gewöhnlichen Leben gewissen Erlebnissen gegenüber seine Geistesgegenwart aneignet der macht sich geeignet, das Übersinnliche zu beobachten. Der andere nicht. Derjenige, der gegenüber jedem Entschluss im Denken wiederum und wieder herummurkst, das und das tun möchte und nicht dazu kommt, rasch einen Entschluss zu fällen und bei dem Entschluss ... [unleserlich] stehen zu bleiben und seiner Vernunft zu vertrauen, [der] lernt nicht, sich aufzuringen zu solcher Seelenverfassung, der bereitet sich schlecht dazu vor, übersinnliche Erlebnisse zu beobachten.

[ 46 ] I would like to highlight yet another characteristic of this extrasensory experience. It consists in the fact that, when one has the experience, one must quickly look up—and thus focus one’s attention—in order to become extrasensory aware of the experience, for it fleets by rapidly. [There are] many people [who] have unique supersensory experiences time and again; they do have them, but they are not attentive because the experience will already be over by the time they begin to pay attention. That is how quickly these experiences pass. Therefore, the training one must undergo also includes training in presence of mind. The person who, even in ordinary life, cultivates presence of mind in the face of certain experiences—that person makes themselves capable of observing the supernatural. The other does not. The one who, when faced with every decision, dithers back and forth in their thinking, wanting to do this or that but failing to make a quick decision and, once a decision is made... [illegible] and trust their reason, [such a person] does not learn to bring themselves to such a state of mind and is poorly prepared to observe supersensory experiences.

[ 47 ] Ich habe Ihnen bisher geschildert, wie man einen Ausblick gewinnen kann in die übersinnliche Welt nach dem Vorgeburtlichen hin. Der Geistesforscher kann nicht so, wie manche Philosophen tun, mit der gewöhnlichen Erkenntnis, einfach die Unsterblichkeitsfrage nehmen als ein Einheitliches und darauf losgehen, sondern er muss sich diese Unsterblichkeitsfrage aus zwei Teilen zusammensetzen. Er zeigt zunächst nach dem vorgeburtlichen Leben hin, wie [ich] geschildert habe, gelangt da zu den Wurzeln der Seele im Übersinnlichen, bevor sie empfangen worden ist, vom Übersinnlichen. Das andere, sehr verehrte Anwesende, ist, dass der Mensch den anderen Pol der Unsterblichkeit erfasst, der eigentlich heute noch die Menschen ... [unleserlich] interessiert, das ist, den Pol [erfasst], der da führt über den Tod hinaus, in das Leben, das der Mensch als Seele zum Pol derselbigen hat, wenn [er] durch die Pforte [des Todes] gegangen ist. [Stenogramm bricht ab.]

[ 47 ] So far, I have described to you how one can gain a glimpse into the supersensible world beyond birth. The researcher of the spiritual realm cannot, as some philosophers do, simply take the question of immortality as a unified whole and set out to explore it using ordinary cognition; rather, he must view this question of immortality as composed of two parts. First, as I have described, he points to the pre-birth life, reaching there the roots of the soul in the supersensible realm—before it was conceived—from the supersensible. The other aspect, esteemed audience, is that the human being grasps the other pole of immortality, which actually still interests people today... [illegible] still interests people today—that is, [grasps] the pole that leads beyond death into the life that the human being, as a soul, has as its pole once [he] has passed through the gate [of death]. [Stenographic record ends.]