Scientific Disciplines and Anthroposophy
GA 73a
30 March 1920, Dornach
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Fachwissenschaften und Anthroposophie
6. Fragenbeantwortung im Anschluß an den Vortrag von Eugen Kolisko über «Anthroposophie und Chemie»
6. Fragenbeantwortung im Anschluß an den Vortrag von Eugen Kolisko über «Anthroposophie und Chemie»
Vorbemerkung: Der Vortrag von Eugen Kolisko ist nicht mitgeschrieben worden. Rudolf Steiner hat jedoch am folgenden Tag in seinem Vortrag für Mediziner (31. März 1920, in GA 312) dazu folgendes ausgeführt: «Es war sehr interessant, wie gestern in dem Abendvortrage Dr. Kolisko darauf hingewiesen hat, daß eigentlich die Chemie der Zukunft erwas ganz anderes werden müsse, und wie dabei immer wieder das Wort ‚Physiologie‘ gefallen ist, was bezeugt, daß eine Brücke geschlagen werden sollte zwischen dem Chemischen und dem Physiologischen. Ich mußte dabei immer an allerlei Dinge denken, die selbstverständlich da, wo es sich um öffentliche Vorträge handelt, heute noch nicht voll ausgesprochen werden können, weil die Vorbedingungen des Verstehens eigentlich durchaus mangeln. Wir finden ja den Kohlenstoff auch in der außermenschlichen Natur, in der, ich möchte hier sagen scheinbar außermenschlichen Natur. Denn was ist denn eigentlich in der großen Natur außermenschlich? Nichts eigentlich, denn alles dasjenige, was in dem uns zunächst vorliegenden Außermenschlichen eben außermenschlich ist, das ist ja im Laufe der menschlichen Entwicklung aus dem Menschen herausgesetzt, aus dem Menschen entfernt. Der Mensch mußte in Entwicklungsetappen eintreten, in die er nur hat eintreten können dadurch, daß gewisse Prozesse in der ihm gegenüberliegenden Außenwelt verlaufen und ihm dadurch die Möglichkeit gegeben wurde, gewisse andere Prozesse für sich in sein Inneres hereinzunehmen, so daß eigentlich immer ein Gegensatz und auch eine Verwandtschaft vorhanden ist zwischen gewissen äußeren Prozessen und gewissen inneren Prozessen.»
Vorbemerkung: Der Vortrag von Eugen Kolisko ist nicht mitgeschrieben worden. Rudolf Steiner hat jedoch am folgenden Tag in seinem Vortrag für Mediziner (31. März 1920, in GA 312) dazu folgendes ausgeführt: «Es war sehr interessant, wie gestern in dem Abendvortrage Dr. Kolisko darauf hingewiesen hat, daß eigentlich die Chemie der Zukunft erwas ganz anderes werden müsse, und wie dabei immer wieder das Wort ‚Physiologie‘ gefallen ist, was bezeugt, daß eine Brücke geschlagen werden sollte zwischen dem Chemischen und dem Physiologischen. Ich mußte dabei immer an allerlei Dinge denken, die selbstverständlich da, wo es sich um öffentliche Vorträge handelt, heute noch nicht voll ausgesprochen werden können, weil die Vorbedingungen des Verstehens eigentlich durchaus mangeln. Wir finden ja den Kohlenstoff auch in der außermenschlichen Natur, in der, ich möchte hier sagen scheinbar außermenschlichen Natur. Denn was ist denn eigentlich in der großen Natur außermenschlich? Nichts eigentlich, denn alles dasjenige, was in dem uns zunächst vorliegenden Außermenschlichen eben außermenschlich ist, das ist ja im Laufe der menschlichen Entwicklung aus dem Menschen herausgesetzt, aus dem Menschen entfernt. Der Mensch mußte in Entwicklungsetappen eintreten, in die er nur hat eintreten können dadurch, daß gewisse Prozesse in der ihm gegenüberliegenden Außenwelt verlaufen und ihm dadurch die Möglichkeit gegeben wurde, gewisse andere Prozesse für sich in sein Inneres hereinzunehmen, so daß eigentlich immer ein Gegensatz und auch eine Verwandtschaft vorhanden ist zwischen gewissen äußeren Prozessen und gewissen inneren Prozessen.»
Nach dem Vortrag von Eugen Kolisko wurde zunächst eine Frage gestellt nach der Wirken allopathischer und homöopathischer Heilmittel. Der Wortlaut der Frage ist von der Stenographin nicht festgehalten worden.
Nach dem Vortrag von Eugen Kolisko wurde zunächst eine Frage gestellt nach der Wirken allopathischer und homöopathischer Heilmittel. Der Wortlaut der Frage ist von der Stenographin nicht festgehalten worden.
[ 1 ] Rudolf Steiner: Es wird ja durchaus heute mehr oder weniger angenommen — weil man atomistisch denkt —, daß der Prozeß, der innerhalb eines Stoffes stattfindet, gewissermaßen derselbe Prozeß ist, welcher sich innerhalb der menschlichen Organisation, ich könnte auch sagen der tierischen Organisation, abspielt. Es ist aber eine sehr naturalistische Annahme, sich der Vorstellung hinzugeben, daß der Stoff, der aus dem toten Organismus entlehnt wurde, gewissermaßen geradesolche Eigenschaften zeigt wie derselbe Stoff, sagen wir zum Beispiel das Blut, wenn es noch innerhalb des lebendigen menschlichen oder tierischen Organismus ist. Wird man einmal darauf kommen, welche Bündel von ganz unwissenschaftlichen Voraussetzungen und Postulaten in den gebräuchlichen Wissenschaften sind, dann wird man erst so recht fühlen, was notwendig ist, um die heutige wissenschaftliche Anschauung auf eine gesunde Basis zu stellen. Und so ist diese gesunde Basis auch nicht vorhanden für diejenigen Prozesse, die hervorgerufen werden beim Einführen von gewissen Heilmitteln in den menschlichen Organismus. So ist zum Beispiel nicht untersucht die Frage, wie irgendeine Substanz, die wir dem menschlichen Organismus in dieser oder jener Form zuführen, allopathisch oder homöopathisch, sich nun in diesem menschlichen Organismus löst, wie sie im menschlichen Organismus selbst sich weiter verhält. Man berücksichtigt zum Beispiel gar nicht die Frage, was denn nun der menschliche Organismus mit dieser Substanz tut. Und da ergibt sich dann — das kann ich nur andeuten, es würde natürlich viele Stunden in Anspruch nehmen, wenn ich das in allen Einzelheiten ausführen wollte —, da zeigt sich dann geisteswissenschaftlich, daß diejenigen Substanzen, die wir dem menschlichen Organismus allopathisch zuführen, in gewissem Sinne von ihm, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, homöopathisiert werden, das heißt im Inneren selbst dasjenige durchmachen, was nach den Versuchen der homöopathische Apotheker mit seinen Substanzen bewirkt. Es ist so, daß also die Wirkungsweise auch der allopathisch zugeführten Heilmittelsubstanzen durchaus nicht auf den Eigenschaften beruht, die man ihnen chemisch heute zuschreibt, sondern beruht auf Eigenschaften, die sie erst dadurch bekommen, daß der menschliche Organismus sie mit Hilfe seiner eigenen Kräfte verarbeitet.
[ 1 ] Rudolf Steiner: Es wird ja durchaus heute mehr oder weniger angenommen — weil man atomistisch denkt —, daß der Prozeß, der innerhalb eines Stoffes stattfindet, gewissermaßen derselbe Prozeß ist, welcher sich innerhalb der menschlichen Organisation, ich könnte auch sagen der tierischen Organisation, abspielt. Es ist aber eine sehr naturalistische Annahme, sich der Vorstellung hinzugeben, daß der Stoff, der aus dem toten Organismus entlehnt wurde, gewissermaßen geradesolche Eigenschaften zeigt wie derselbe Stoff, sagen wir zum Beispiel das Blut, wenn es noch innerhalb des lebendigen menschlichen oder tierischen Organismus ist. Wird man einmal darauf kommen, welche Bündel von ganz unwissenschaftlichen Voraussetzungen und Postulaten in den gebräuchlichen Wissenschaften sind, dann wird man erst so recht fühlen, was notwendig ist, um die heutige wissenschaftliche Anschauung auf eine gesunde Basis zu stellen. Und so ist diese gesunde Basis auch nicht vorhanden für diejenigen Prozesse, die hervorgerufen werden beim Einführen von gewissen Heilmitteln in den menschlichen Organismus. So ist zum Beispiel nicht untersucht die Frage, wie irgendeine Substanz, die wir dem menschlichen Organismus in dieser oder jener Form zuführen, allopathisch oder homöopathisch, sich nun in diesem menschlichen Organismus löst, wie sie im menschlichen Organismus selbst sich weiter verhält. Man berücksichtigt zum Beispiel gar nicht die Frage, was denn nun der menschliche Organismus mit dieser Substanz tut. Und da ergibt sich dann — das kann ich nur andeuten, es würde natürlich viele Stunden in Anspruch nehmen, wenn ich das in allen Einzelheiten ausführen wollte —, da zeigt sich dann geisteswissenschaftlich, daß diejenigen Substanzen, die wir dem menschlichen Organismus allopathisch zuführen, in gewissem Sinne von ihm, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, homöopathisiert werden, das heißt im Inneren selbst dasjenige durchmachen, was nach den Versuchen der homöopathische Apotheker mit seinen Substanzen bewirkt. Es ist so, daß also die Wirkungsweise auch der allopathisch zugeführten Heilmittelsubstanzen durchaus nicht auf den Eigenschaften beruht, die man ihnen chemisch heute zuschreibt, sondern beruht auf Eigenschaften, die sie erst dadurch bekommen, daß der menschliche Organismus sie mit Hilfe seiner eigenen Kräfte verarbeitet.
[ 2 ] Die Frage nach Allopathie und Homöopathie, wirklich mit Bezug auf den Menschen betrachtet, ist also gar nicht die, ob große Mengen oder zersplitterte kleine Mengen auf den menschlichen Organismus wirken, wenn sie Heilwirkungen hervorrufen, denn das tun die Substanzen auch dann, wenn sie in allopathischer Menge zugeführt werden. Die Frage ist gar nicht diese, sondern die Frage ist die, ob es gestattet ist, den menschlichen Organismus den Nebenwirkungen auszusetzen, die entstehen durch dasjenige, was mit allopathischer Substanz zugeführt wird und was vom menschlichen Organismus selbst nicht homöopathisiert wird, also nicht verwendet wird zu der Heilung; die Frage ist, ob diese Methode wirklich erlaubt ist, um den menschlichen Organismus nicht zu belasten mit demjenigen, was übrigbleiben muß. Ob man natürlich ein ganz großes Quantum zuführt, während der Organismus nur ein kleines Quantum braucht, und ob die Zerstreuung der Substanzen ebenso wirkt, wie Heilmittel wirken, die sonst auch in kleinen Mengen eine Wirkung haben — das ist ja von Herrn Dr. Kolisko ausgeführt worden. Wenn also Substanzen im menschlichen Organismus selbst zerstreut werden und dazu nur ein kleines Quantum notwendig ist, warum sollte man da große Mengen einführen? Es beruht, wie mir scheint, die Fragestellung deshalb gar nicht auf dem, was gewöhnlich [in bezug auf homöopathische und allopathische Heilmittel] angeführt wird, sondern es ist eigentlich Wesentliches [unausgesprochen]; es sollten die Fragen eigentlich auch noch auf anderen Gebieten oder sagen wir in anderen Formen auftreten. Man sollte zum Beispiel sich klar darüber sein, ob die ganze Anschauung und Denkweise über das Krankheitsbild gesunder ist auf dem Gebiete der Homöopathie oder bei der Allopathie, ich will sagen, ob zum Beispiel bei denjenigen Ärzten, die sich zur Homöopathie oder bei denjenigen, die sich zur Allopathie bekennen, mehr eingegangen wird auf die ganze Kompliziertheit des menschlichen Organismus. Und da muß ja allerdings gesagt werden, daß bei den Ärzten, die auf homöopathischem Boden stehen, viel mehr der gute Wille vorliegt — das zeigt einfach die Erfahrung —, sich von der materialistischen, atomistischen Vorstellung zu entfernen und sich gewissen Anschauungen anzupassen, von denen ich sagen möchte, daß sie mehr stimmen zu demjenigen, was die Natur des menschlichen Organismus ist.
[ 2 ] Die Frage nach Allopathie und Homöopathie, wirklich mit Bezug auf den Menschen betrachtet, ist also gar nicht die, ob große Mengen oder zersplitterte kleine Mengen auf den menschlichen Organismus wirken, wenn sie Heilwirkungen hervorrufen, denn das tun die Substanzen auch dann, wenn sie in allopathischer Menge zugeführt werden. Die Frage ist gar nicht diese, sondern die Frage ist die, ob es gestattet ist, den menschlichen Organismus den Nebenwirkungen auszusetzen, die entstehen durch dasjenige, was mit allopathischer Substanz zugeführt wird und was vom menschlichen Organismus selbst nicht homöopathisiert wird, also nicht verwendet wird zu der Heilung; die Frage ist, ob diese Methode wirklich erlaubt ist, um den menschlichen Organismus nicht zu belasten mit demjenigen, was übrigbleiben muß. Ob man natürlich ein ganz großes Quantum zuführt, während der Organismus nur ein kleines Quantum braucht, und ob die Zerstreuung der Substanzen ebenso wirkt, wie Heilmittel wirken, die sonst auch in kleinen Mengen eine Wirkung haben — das ist ja von Herrn Dr. Kolisko ausgeführt worden. Wenn also Substanzen im menschlichen Organismus selbst zerstreut werden und dazu nur ein kleines Quantum notwendig ist, warum sollte man da große Mengen einführen? Es beruht, wie mir scheint, die Fragestellung deshalb gar nicht auf dem, was gewöhnlich [in bezug auf homöopathische und allopathische Heilmittel] angeführt wird, sondern es ist eigentlich Wesentliches [unausgesprochen]; es sollten die Fragen eigentlich auch noch auf anderen Gebieten oder sagen wir in anderen Formen auftreten. Man sollte zum Beispiel sich klar darüber sein, ob die ganze Anschauung und Denkweise über das Krankheitsbild gesunder ist auf dem Gebiete der Homöopathie oder bei der Allopathie, ich will sagen, ob zum Beispiel bei denjenigen Ärzten, die sich zur Homöopathie oder bei denjenigen, die sich zur Allopathie bekennen, mehr eingegangen wird auf die ganze Kompliziertheit des menschlichen Organismus. Und da muß ja allerdings gesagt werden, daß bei den Ärzten, die auf homöopathischem Boden stehen, viel mehr der gute Wille vorliegt — das zeigt einfach die Erfahrung —, sich von der materialistischen, atomistischen Vorstellung zu entfernen und sich gewissen Anschauungen anzupassen, von denen ich sagen möchte, daß sie mehr stimmen zu demjenigen, was die Natur des menschlichen Organismus ist.
[ 3 ] Wie gesagt, auf die eigentliche Diskussion möchte ich hier nicht eingehen, da das ja doch mißverstanden werden könnte, wenn man die Sache so kurz ausführen muß. Ich wollte nur andeuten, wie eigentlich durch unsere wissenschaftlichen Anschauungen die Fragen meistens so gestellt werden, daß sie so, wie sie gestellt werden, gar nicht beantwortet werden können; die Gesichtspunkte werden ganz verschoben, die Fragen werden ganz unter den Gesichtspunkt des Materialismus gerückt.
[ 3 ] Wie gesagt, auf die eigentliche Diskussion möchte ich hier nicht eingehen, da das ja doch mißverstanden werden könnte, wenn man die Sache so kurz ausführen muß. Ich wollte nur andeuten, wie eigentlich durch unsere wissenschaftlichen Anschauungen die Fragen meistens so gestellt werden, daß sie so, wie sie gestellt werden, gar nicht beantwortet werden können; die Gesichtspunkte werden ganz verschoben, die Fragen werden ganz unter den Gesichtspunkt des Materialismus gerückt.
[ 4 ] Dann bin ich aufgefordert worden, darüber zu sprechen, wie es sich verhält mit den Ausführungen des Buches von Leadbeater über «okkulte Chemie». Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, ich will hier nicht das Wort «okkult» breittreten, denn das wird ja so viel mißverstanden; es schockiert sozusagen die Öffentlichkeit, wenn man das Wort «okkult» anwendet. Aber man kann ja auch stehenbleiben bei dem Wort «geisteswissenschaftlich» oder dergleichen. Sehen Sie, das Okkulte ist ja auch nur so lange okkult, solange es nicht gewußt wird, und bei denjenigen, von denen es gewußt wird, ist es nicht mehr okkult. Es gibt sehr viele Menschen, die allen Grund haben, die Mathematik eine okkulte Wissenschaft zu nennen, und manche Wissenschaften sind für manche Menschen okkult. Das ist also eigentlich etwas, was in dieser Beziehung ein ganz relativer Begriff ist. Sie werden bei keinem Menschen, der nun wirklich geisteswissenschaftlich zu denken vermag, ein solches Machwerk wie diese sogenannte «okkulte Chemie» gerechtfertigt oder anerkannt finden. Diese «okkulte Chemie» von Leadbeater ist in ihrer Vorstellungsweise ganz und gar nachgebildet der gewöhnlichen materialistischen Atomistik. Diese «okkulte Chemie» ist der beste Beweis dafür, wozu es gewisse sich spirituell nennende Auffassungsweisen in unserer materialistischen Zeit schon gebracht haben. Ich brauche ja nur daran zu erinnern, daß in gewissen theosophischen Kreisen einmal sogar die folgende Vorstellung aufgetaucht ist: Man hat nachgedacht darüber, was in den aufeinanderfolgenden Erdenleben vorhanden sein könnte, damit es von einem Erdenleben in das nächste Erdenleben hinüber bleibt, und da kam man auf die grotesk-tölpelhafte Vorstellung von dem sogenannten permanenten Atom. Ein einziges Atom sollte von dem einen Leben von vor soundsoviel hundert Jahren hinüber sich retten zu dem nächsten Leben und dadurch die Kontinuität dieser zwei Leben aufrechterhalten. Das heißt, es hatten diese Spiritualisten es glücklich dahin gebracht, nach dem Muster materialistisch-atomistischer Auffassung auch denken zu können. Und nach dem Muster der gewöhnlichen atomistischen Chemie hat nun Leadbeater seine «okkulte Chemie» zusammengestellt, in ganz willkürlicher Weise — was er aber angegeben hat als ein Produkt des Hellsehens —, die aber eine vollständig willkürliche Konstruktion ist und von keinem wirklich ernstzunehmenden Geistesforscher der Welt anerkannt werden kann.
[ 4 ] Dann bin ich aufgefordert worden, darüber zu sprechen, wie es sich verhält mit den Ausführungen des Buches von Leadbeater über «okkulte Chemie». Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, ich will hier nicht das Wort «okkult» breittreten, denn das wird ja so viel mißverstanden; es schockiert sozusagen die Öffentlichkeit, wenn man das Wort «okkult» anwendet. Aber man kann ja auch stehenbleiben bei dem Wort «geisteswissenschaftlich» oder dergleichen. Sehen Sie, das Okkulte ist ja auch nur so lange okkult, solange es nicht gewußt wird, und bei denjenigen, von denen es gewußt wird, ist es nicht mehr okkult. Es gibt sehr viele Menschen, die allen Grund haben, die Mathematik eine okkulte Wissenschaft zu nennen, und manche Wissenschaften sind für manche Menschen okkult. Das ist also eigentlich etwas, was in dieser Beziehung ein ganz relativer Begriff ist. Sie werden bei keinem Menschen, der nun wirklich geisteswissenschaftlich zu denken vermag, ein solches Machwerk wie diese sogenannte «okkulte Chemie» gerechtfertigt oder anerkannt finden. Diese «okkulte Chemie» von Leadbeater ist in ihrer Vorstellungsweise ganz und gar nachgebildet der gewöhnlichen materialistischen Atomistik. Diese «okkulte Chemie» ist der beste Beweis dafür, wozu es gewisse sich spirituell nennende Auffassungsweisen in unserer materialistischen Zeit schon gebracht haben. Ich brauche ja nur daran zu erinnern, daß in gewissen theosophischen Kreisen einmal sogar die folgende Vorstellung aufgetaucht ist: Man hat nachgedacht darüber, was in den aufeinanderfolgenden Erdenleben vorhanden sein könnte, damit es von einem Erdenleben in das nächste Erdenleben hinüber bleibt, und da kam man auf die grotesk-tölpelhafte Vorstellung von dem sogenannten permanenten Atom. Ein einziges Atom sollte von dem einen Leben von vor soundsoviel hundert Jahren hinüber sich retten zu dem nächsten Leben und dadurch die Kontinuität dieser zwei Leben aufrechterhalten. Das heißt, es hatten diese Spiritualisten es glücklich dahin gebracht, nach dem Muster materialistisch-atomistischer Auffassung auch denken zu können. Und nach dem Muster der gewöhnlichen atomistischen Chemie hat nun Leadbeater seine «okkulte Chemie» zusammengestellt, in ganz willkürlicher Weise — was er aber angegeben hat als ein Produkt des Hellsehens —, die aber eine vollständig willkürliche Konstruktion ist und von keinem wirklich ernstzunehmenden Geistesforscher der Welt anerkannt werden kann.
[ 5 ] Das ist gerade das beste Beispiel dafür, wie gewisse atomistische Vorstellungen heute die Menschheit ergriffen haben, daß man in der Lage war, diese atomistischen Vorstellungen hineinzutragen in die Gebiete einer gewissen sektiererischen theosophischen Richtung. Das ist etwas, was nicht das Geringste zu tun hat mit dem, was hier angestrebt wird. Und gerade dieses Hineintragen der atomistisch-materialistischen Vorstellungsweise in geisteswissenschaftliche Untersuchungen, das zeigt, wie tief angefressen von atomistischen Grundideen die Gegenwart ist. Bedenken Sie, daß insbesondere in gewissen Kreisen englischer naturwissenschaftlicher Denker, wo man ja zu einer äußerlichen Anschaulichkeit strebt, versucht worden ist, Modelle zu konstruieren für jene Strukturen, die Ihnen heute vorgetragen worden sind, damit man auch äußerlich sehen könne: ja, die Atome, sie sind so angeordnet in verschiedenen komplizierten Arten, daß man auf diese Weise so wunderschön zeigen kann, warum also es eine linksdrehende und eine rechtsdrehende Säure gibt. Man braucht eben nur auch die Atome symmetrisch sich anordnen zu lassen und kann dann sagen: Weil die Atome ihre Kräfte immer in dieser Weise in Symmetrie gestalten, so gibt es ein Links und ein Rechts. — Es ist nur nicht einzusehen, wenn man wirklich logisch denken kann, warum man die Notwendigkeit, daß die Gestalten symmetrisch auftreten, just auf eine Konfiguration der kleinsten Teile zurückführen sollte. Ich bitte, das nicht als einen Protest aufzufassen. Denn wenn es wirklich richtig sein sollte, daß nur durch die Kräfte der kleinsten Teile die Säure als rechts polarisierende, drehende erscheine und die andere als linksdrehende, so müßte es auch richtig sein, daß die linke Hand auf die rechte passen könnte, weil die kleinsten Teile nach dieser Richtung geformt sind.
[ 5 ] Das ist gerade das beste Beispiel dafür, wie gewisse atomistische Vorstellungen heute die Menschheit ergriffen haben, daß man in der Lage war, diese atomistischen Vorstellungen hineinzutragen in die Gebiete einer gewissen sektiererischen theosophischen Richtung. Das ist etwas, was nicht das Geringste zu tun hat mit dem, was hier angestrebt wird. Und gerade dieses Hineintragen der atomistisch-materialistischen Vorstellungsweise in geisteswissenschaftliche Untersuchungen, das zeigt, wie tief angefressen von atomistischen Grundideen die Gegenwart ist. Bedenken Sie, daß insbesondere in gewissen Kreisen englischer naturwissenschaftlicher Denker, wo man ja zu einer äußerlichen Anschaulichkeit strebt, versucht worden ist, Modelle zu konstruieren für jene Strukturen, die Ihnen heute vorgetragen worden sind, damit man auch äußerlich sehen könne: ja, die Atome, sie sind so angeordnet in verschiedenen komplizierten Arten, daß man auf diese Weise so wunderschön zeigen kann, warum also es eine linksdrehende und eine rechtsdrehende Säure gibt. Man braucht eben nur auch die Atome symmetrisch sich anordnen zu lassen und kann dann sagen: Weil die Atome ihre Kräfte immer in dieser Weise in Symmetrie gestalten, so gibt es ein Links und ein Rechts. — Es ist nur nicht einzusehen, wenn man wirklich logisch denken kann, warum man die Notwendigkeit, daß die Gestalten symmetrisch auftreten, just auf eine Konfiguration der kleinsten Teile zurückführen sollte. Ich bitte, das nicht als einen Protest aufzufassen. Denn wenn es wirklich richtig sein sollte, daß nur durch die Kräfte der kleinsten Teile die Säure als rechts polarisierende, drehende erscheine und die andere als linksdrehende, so müßte es auch richtig sein, daß die linke Hand auf die rechte passen könnte, weil die kleinsten Teile nach dieser Richtung geformt sind.
[ 6 ] Diese Dinge sind in der sogenannten «okkulten Chemie» hervorgetreten, und diese Dinge sind nun übertragen worden auf die Anschauungen in sogenannten okkulten Büchern. Da finden Sie auch ganz fürchterliche Anschauungen und Konstruktionen von Molekülen oder Atomen. Alles das ist schon auch auf dem Gebiete der spirituellen Wissenschaft nachgeahmt worden; nachgeahmt worden ist die materialistische Theorie sogar in der spirituellen Anschauungsweise. Ich habe es einmal erlebt bei einem Kongreß, den sogenannte Theosophen abgehalten haben, in Paris war es. Da hat man verschiedenes geredet über das und jenes, und nachher fragte ich jemanden, wie der Eindruck dieses Kongresses auf ihn nun war. Da sagte der Betreffende: «Oh, es waren im ganzen Saal so gute Fluiden.» Der Betreffende hat also nichts anderes gesehen von all den konkreten Gedanken und so weiter, die da geäußert worden sind, als eine materialistische Umsetzung dessen, was die Leute zueinander gesagt haben, in materielle Fluidenwirkungen zwischen den einzelnen Persönlichkeiten. Man muß bei diesen Dingen auf die Denkweise eingehen. Man ist nicht dadurch schon ein Anhänger einer geistigen Weltanschauung, daß man von geistigen Wesenheiten redet, sondern erst dann, wenn man von geistigen Qualitäten reden kann. Was Sie zum Beispiel heute in der theosophischen Literatur zahlreich finden, ist, daß der physische Leib geschildert wird, nachher der Ätherleib, der ist ein bissel dünner, gegebenenfalls nebelhafter, aber durchaus materiell, dann der astralische Leib, wieder etwas dünner noch, aber eben nur dünnere Materie und so weiter. So geht es bis in die höchsten geistigen Gebiete hinauf, Manas, KamaManas und so weiter, und es ist eigentlich alles nichts als verdünnte Materie, nur daß sie zuletzt nun wirklich sehr «homöopathisch» wird. Das sind die Dinge, die zeigen, daß es eben nicht darauf aufkommt, ob einer heute vom Geist redet, sondern ob er in der Lage ist, etwas aufzuzeigen, was wirklich in das Geistgebiet hineinführt.
[ 6 ] Diese Dinge sind in der sogenannten «okkulten Chemie» hervorgetreten, und diese Dinge sind nun übertragen worden auf die Anschauungen in sogenannten okkulten Büchern. Da finden Sie auch ganz fürchterliche Anschauungen und Konstruktionen von Molekülen oder Atomen. Alles das ist schon auch auf dem Gebiete der spirituellen Wissenschaft nachgeahmt worden; nachgeahmt worden ist die materialistische Theorie sogar in der spirituellen Anschauungsweise. Ich habe es einmal erlebt bei einem Kongreß, den sogenannte Theosophen abgehalten haben, in Paris war es. Da hat man verschiedenes geredet über das und jenes, und nachher fragte ich jemanden, wie der Eindruck dieses Kongresses auf ihn nun war. Da sagte der Betreffende: «Oh, es waren im ganzen Saal so gute Fluiden.» Der Betreffende hat also nichts anderes gesehen von all den konkreten Gedanken und so weiter, die da geäußert worden sind, als eine materialistische Umsetzung dessen, was die Leute zueinander gesagt haben, in materielle Fluidenwirkungen zwischen den einzelnen Persönlichkeiten. Man muß bei diesen Dingen auf die Denkweise eingehen. Man ist nicht dadurch schon ein Anhänger einer geistigen Weltanschauung, daß man von geistigen Wesenheiten redet, sondern erst dann, wenn man von geistigen Qualitäten reden kann. Was Sie zum Beispiel heute in der theosophischen Literatur zahlreich finden, ist, daß der physische Leib geschildert wird, nachher der Ätherleib, der ist ein bissel dünner, gegebenenfalls nebelhafter, aber durchaus materiell, dann der astralische Leib, wieder etwas dünner noch, aber eben nur dünnere Materie und so weiter. So geht es bis in die höchsten geistigen Gebiete hinauf, Manas, KamaManas und so weiter, und es ist eigentlich alles nichts als verdünnte Materie, nur daß sie zuletzt nun wirklich sehr «homöopathisch» wird. Das sind die Dinge, die zeigen, daß es eben nicht darauf aufkommt, ob einer heute vom Geist redet, sondern ob er in der Lage ist, etwas aufzuzeigen, was wirklich in das Geistgebiet hineinführt.
Frage: Wie ist eine Weiterbildung der Chemie im Sinne der Anthroposophie zu denken?
Frage: Wie ist eine Weiterbildung der Chemie im Sinne der Anthroposophie zu denken?
[ 7 ] Wenn die von Dr. Kolisko gemeinte Phänomenologie vorgenommen wird, so muß eben gesagt werden, daß diese Frage so umfassend noch ist, daß sie ja auch nur höchst andeutungsweise beantwortet werden kann. Vor allen Dingen ist es nötig, daß man einsähe, daß man zunächst zu einer entsprechenden Phänomenologie kommen müßte. Eine Phänomenologie ist nicht eine Zusammenstellung der bloßen Phänomene in willkürlicher Weise, oder so, wie sie sich gerade durch die wissenschaftlich angestellten Versuche ergibt, sondern eine wirkliche Phänomenologie ist eine solche Systematisierung der Phänomene, wie es etwa versucht worden ist von Goethe in seiner Farbenlehre. Es ist ein Zurückführen des Komplizierteren auf das Einfachere, bis zu jenen Grundlagen, wo einem die Grundelemente, die Grundphänomene entgegentreten.
[ 7 ] Wenn die von Dr. Kolisko gemeinte Phänomenologie vorgenommen wird, so muß eben gesagt werden, daß diese Frage so umfassend noch ist, daß sie ja auch nur höchst andeutungsweise beantwortet werden kann. Vor allen Dingen ist es nötig, daß man einsähe, daß man zunächst zu einer entsprechenden Phänomenologie kommen müßte. Eine Phänomenologie ist nicht eine Zusammenstellung der bloßen Phänomene in willkürlicher Weise, oder so, wie sie sich gerade durch die wissenschaftlich angestellten Versuche ergibt, sondern eine wirkliche Phänomenologie ist eine solche Systematisierung der Phänomene, wie es etwa versucht worden ist von Goethe in seiner Farbenlehre. Es ist ein Zurückführen des Komplizierteren auf das Einfachere, bis zu jenen Grundlagen, wo einem die Grundelemente, die Grundphänomene entgegentreten.
[ 8 ] Nun weiß ich selbstverständlich ganz gut, daß nun ganz gescheite Leute sagen werden: Ja, aber wenn man eine solche Aufstellung gewinnt in bezug auf den Zusammenhang von qualitativen Phänomenen und Urphänomenen, so ist ein solcher Aufbau durchaus nicht von vornherein zu vergleichen mit dem, wie zum Beispiel komplizierte geometrische Zusammenhänge mathematisch zurückzuführen sind auf Axiome; denn die geometrischen Zusammenhänge werden gewissermaßen aus reiner innerer Konstruktion aufgebaut. Der weitere Aufbau der Mathematik, [ausgehend von] diesen Axiomen, wird wiederum erlebt wie eine in innerer Notwendigkeit erschauter [mathematischer Prozeß], während wir beim Aufbau der Phänomene und der Urphänomene darauf angewiesen sind, uns auf die Beachtung des äußeren Tatbestandes zu verlassen.
[ 8 ] Nun weiß ich selbstverständlich ganz gut, daß nun ganz gescheite Leute sagen werden: Ja, aber wenn man eine solche Aufstellung gewinnt in bezug auf den Zusammenhang von qualitativen Phänomenen und Urphänomenen, so ist ein solcher Aufbau durchaus nicht von vornherein zu vergleichen mit dem, wie zum Beispiel komplizierte geometrische Zusammenhänge mathematisch zurückzuführen sind auf Axiome; denn die geometrischen Zusammenhänge werden gewissermaßen aus reiner innerer Konstruktion aufgebaut. Der weitere Aufbau der Mathematik, [ausgehend von] diesen Axiomen, wird wiederum erlebt wie eine in innerer Notwendigkeit erschauter [mathematischer Prozeß], während wir beim Aufbau der Phänomene und der Urphänomene darauf angewiesen sind, uns auf die Beachtung des äußeren Tatbestandes zu verlassen.
[ 9 ] Das ist aber nicht so, auch wenn es einfach so behauptet wird — es wird ja im weitesten Umkreise mehr oder weniger deutlich und klar behauptet. Daß dies behauptet wird, ist doch nur das Ergebnis einer unrichtigen Erkenntnistheorie, und namentlich ist es das Ergebnis eines konfusen Durcheinanderwirbelns des Erfahrungsbegriffes mit anderen Begriffen. Und durch dieses konfuse Durcheinanderwirbeln des Erfahrungsbegriffes mit anderen Begriffen ergibt sich zum Beispiel das folgende.
[ 9 ] Das ist aber nicht so, auch wenn es einfach so behauptet wird — es wird ja im weitesten Umkreise mehr oder weniger deutlich und klar behauptet. Daß dies behauptet wird, ist doch nur das Ergebnis einer unrichtigen Erkenntnistheorie, und namentlich ist es das Ergebnis eines konfusen Durcheinanderwirbelns des Erfahrungsbegriffes mit anderen Begriffen. Und durch dieses konfuse Durcheinanderwirbeln des Erfahrungsbegriffes mit anderen Begriffen ergibt sich zum Beispiel das folgende.
[ 10 ] Da wird nicht darauf gesehen, daß die Art und Weise, wie Erfahrung vorliegt, durchaus gebildet ist in bezug auf das menschliche Subjekt. Ich kann gar nicht den Begriff der Erfahrung bilden, ohne daß ich die Beziehung denke vom Objekt zum menschlichen Subjekt. Und nun handelt es sich lediglich darum: Gibt es eine prinzipielle Unterscheidung zwischen der Art und Weise, wie ich zum Beispiel ein Goethesches Urphänomen vor mir habe und dieses Urphänomen kompliziere zum abgeleiteten Phänomen, wo ich scheinbar angewiesen bin darauf, daß mir die äußere Erfahrung dasjenige, was ich im Urteil ausspreche, bestätigt? Gibt es in bezug auf die Erfahrung einen Unterschied in diesem ganzen Verhalten des Subjekts zum Objekt gegenüber dem, wenn ich in der Mathematik konstatiere, die Summe der drei Winkel des Dreiecks ist 180°, oder wenn ich die Richtigkeit des pythagoreischen Lehrsatzes konstatiere? Gibt es in der Tat einen Unterschied?
[ 10 ] Da wird nicht darauf gesehen, daß die Art und Weise, wie Erfahrung vorliegt, durchaus gebildet ist in bezug auf das menschliche Subjekt. Ich kann gar nicht den Begriff der Erfahrung bilden, ohne daß ich die Beziehung denke vom Objekt zum menschlichen Subjekt. Und nun handelt es sich lediglich darum: Gibt es eine prinzipielle Unterscheidung zwischen der Art und Weise, wie ich zum Beispiel ein Goethesches Urphänomen vor mir habe und dieses Urphänomen kompliziere zum abgeleiteten Phänomen, wo ich scheinbar angewiesen bin darauf, daß mir die äußere Erfahrung dasjenige, was ich im Urteil ausspreche, bestätigt? Gibt es in bezug auf die Erfahrung einen Unterschied in diesem ganzen Verhalten des Subjekts zum Objekt gegenüber dem, wenn ich in der Mathematik konstatiere, die Summe der drei Winkel des Dreiecks ist 180°, oder wenn ich die Richtigkeit des pythagoreischen Lehrsatzes konstatiere? Gibt es in der Tat einen Unterschied?
[ 11 ] Daß es in bezug darauf keinen Unterschied gibt, ist sogar schon hervorgetreten in Untersuchungen immerhin ganz geistreicher Mathematiker des 19. Jahrhunderts und bis in unsere Tage herein, die ja, weil sie gesehen haben, daß schließlich Mathematik auch nur beruht auf einer Erfahrung — in einem Sinne, wie man von Erfahrung bei den sogenannten empirischen Naturwissenschaften spricht —, die hinzukonstruiert haben, allerdings zunächst nur hinzukonstruiert haben, zu der euklidischen Geometrie eine nichteuklidische Geometrie. Und man muß da sagen: Theoretisch ist es ja zunächst durchaus möglich, geometrisch zu denken, daß die drei Winkel eines Dreiecks 380° sind. Allerdings muß man dabei voraussetzen, daß der Raum ein anderes Krümmungsmaß hat. In unserem gewöhnlichen Raume haben wir ein reguläres [euklidisches] Maß, das die Krümmung Null hat. Dadurch einfach, daß man sich vorstellen würde, daß der Raum mehr gekrümmt [das heißt, daß die Krümmung des Raumes größer als 1] ist, dadurch kommt man zu so einem Satze wie: die Summe der drei Winkel eines Dreiecks ist größer als 180°.
[ 11 ] Daß es in bezug darauf keinen Unterschied gibt, ist sogar schon hervorgetreten in Untersuchungen immerhin ganz geistreicher Mathematiker des 19. Jahrhunderts und bis in unsere Tage herein, die ja, weil sie gesehen haben, daß schließlich Mathematik auch nur beruht auf einer Erfahrung — in einem Sinne, wie man von Erfahrung bei den sogenannten empirischen Naturwissenschaften spricht —, die hinzukonstruiert haben, allerdings zunächst nur hinzukonstruiert haben, zu der euklidischen Geometrie eine nichteuklidische Geometrie. Und man muß da sagen: Theoretisch ist es ja zunächst durchaus möglich, geometrisch zu denken, daß die drei Winkel eines Dreiecks 380° sind. Allerdings muß man dabei voraussetzen, daß der Raum ein anderes Krümmungsmaß hat. In unserem gewöhnlichen Raume haben wir ein reguläres [euklidisches] Maß, das die Krümmung Null hat. Dadurch einfach, daß man sich vorstellen würde, daß der Raum mehr gekrümmt [das heißt, daß die Krümmung des Raumes größer als 1] ist, dadurch kommt man zu so einem Satze wie: die Summe der drei Winkel eines Dreiecks ist größer als 180°.
[ 12 ] Es liegen interessante Versuche in bezug darauf vor, zum Beispiel von Oskar Simony, der dies untersucht hat. Diese Bestrebungen zeigen, daß man schon von gewisser Seite auch für nötig gehalten hat, sich zu sagen: Auch dasjenige, was wir in mathematischen oder geometrischen Sätzen als Urteile aussprechen, auch das bedarf ebenso der empirischen Verifizierung wie das, was wir aussprechen in der Phänomenologie.
[ 12 ] Es liegen interessante Versuche in bezug darauf vor, zum Beispiel von Oskar Simony, der dies untersucht hat. Diese Bestrebungen zeigen, daß man schon von gewisser Seite auch für nötig gehalten hat, sich zu sagen: Auch dasjenige, was wir in mathematischen oder geometrischen Sätzen als Urteile aussprechen, auch das bedarf ebenso der empirischen Verifizierung wie das, was wir aussprechen in der Phänomenologie.
