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Scientific Disciplines and Anthroposophy
GA 73a

31 March 1920, Dornach

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Fachwissenschaften und Anthroposophie
  1. Scientific Disciplines and Anthroposophy, tr. SOL

7. Fragenbeantwortung nach dem Vortrag von E.A.K. Stockmeyer über «Anthroposophie und Physik»

7. Fragenbeantwortung nach dem Vortrag von E.A.K. Stockmeyer über «Anthroposophie und Physik»

Vorbemerkung: E.A.K. Stockmeyer hatte in seinem Vortrag u.a. davon gesprochen, daß die Wärme dem Willen entspricht, das Licht der Vorstellung, die Chemie dem Gefühl, das im Inneren das Äußere nachempfindet. Der Vortrag wurde nicht mitgeschrieben; die Stenographin hat lediglich das folgende, an die Tafel geschriebene Schema festgehalten: «Lebenskräfte / chemische Kräfte / Licht / Wärme / Gase / Flüssigkeiten / Feste Körper».

Vorbemerkung: E.A.K. Stockmeyer hatte in seinem Vortrag u.a. davon gesprochen, daß die Wärme dem Willen entspricht, das Licht der Vorstellung, die Chemie dem Gefühl, das im Inneren das Äußere nachempfindet. Der Vortrag wurde nicht mitgeschrieben; die Stenographin hat lediglich das folgende, an die Tafel geschriebene Schema festgehalten: «Lebenskräfte / chemische Kräfte / Licht / Wärme / Gase / Flüssigkeiten / Feste Körper».

Frage: Die gewöhnliche Mathematik umfaßt das Feste, Flüssige und Gasförmige in Gestalt, Oberfläche und Kraftrichtung. Wie denken Sie sich eine Mathematik des Wärmegebietes, des chemischen und Lebensgebietes?

Frage: Die gewöhnliche Mathematik umfaßt das Feste, Flüssige und Gasförmige in Gestalt, Oberfläche und Kraftrichtung. Wie denken Sie sich eine Mathematik des Wärmegebietes, des chemischen und Lebensgebietes?

[ 1 ] Rudolf Steiner: Nun handelt es sich da wohl zunächst ja darum, daß das mathematische Gebiet als solches in sachgemäßer Weise ausgedehnt werden muß, wenn man höhere Gebiete, ich möchte sagen, auch nur analog mathematisch umfassen will.

[ 1 ] Rudolf Steiner: Nun handelt es sich da wohl zunächst ja darum, daß das mathematische Gebiet als solches in sachgemäßer Weise ausgedehnt werden muß, wenn man höhere Gebiete, ich möchte sagen, auch nur analog mathematisch umfassen will.

[ 2 ] Wenn man daran denkt, daß da doch im 19. Jahrhundert ein Bedürfnis entstand, die Mathematik selber zu erweitern — ich will nur erwähnen, was ja schon bei anderen Gelegenheiten erwähnt worden ist, ich glaube, erst gestern, daß da das Bedürfnis aufgetreten ist, zu der euklidischen Geometrie eine nichteuklidische Geometrie hinzuzufügen —, wenn man daran denkt, daß damals das Bedürfnis eingetreten ist, Rechnungen auszuführen für höhere Mannigfaltigkeiten, als wir sie gewöhnlich ausführen, so haben wir darin schon einen Hinweis auf Erweiterungen der Mathematik. Und wir dürfen ja sagen: Wenn wir die gewöhnliche ponderable Materie ins Auge fassen, so kommen wir nicht dahin, irgendeine sachgemäße Anwendung anderer Mannigfaltigkeiten als die der gewöhnlichen dreildimensionalen Mannigfaltigkeit] zu gebrauchen.

[ 2 ] Wenn man daran denkt, daß da doch im 19. Jahrhundert ein Bedürfnis entstand, die Mathematik selber zu erweitern — ich will nur erwähnen, was ja schon bei anderen Gelegenheiten erwähnt worden ist, ich glaube, erst gestern, daß da das Bedürfnis aufgetreten ist, zu der euklidischen Geometrie eine nichteuklidische Geometrie hinzuzufügen —, wenn man daran denkt, daß damals das Bedürfnis eingetreten ist, Rechnungen auszuführen für höhere Mannigfaltigkeiten, als wir sie gewöhnlich ausführen, so haben wir darin schon einen Hinweis auf Erweiterungen der Mathematik. Und wir dürfen ja sagen: Wenn wir die gewöhnliche ponderable Materie ins Auge fassen, so kommen wir nicht dahin, irgendeine sachgemäße Anwendung anderer Mannigfaltigkeiten als die der gewöhnlichen dreildimensionalen Mannigfaltigkeit] zu gebrauchen.

[ 3 ] Es ist aber heute so wenig Neigung noch vorhanden, in eine sachgemäße Anschauung über die Gebiete der Wärme, der chemischen und Lebenselemente einzugehen, daß die Fortsetzung der mathematischen Denkweise in diese Gebiete hinein heute noch wirklich etwas sehr Problematisches ist.

[ 3 ] Es ist aber heute so wenig Neigung noch vorhanden, in eine sachgemäße Anschauung über die Gebiete der Wärme, der chemischen und Lebenselemente einzugehen, daß die Fortsetzung der mathematischen Denkweise in diese Gebiete hinein heute noch wirklich etwas sehr Problematisches ist.

[ 4 ] Es kann zum Beispiel durchaus nicht ein Gegensatz geschaffen werden zwischen dem Nichterkennen des Wesens der Masse, wie es von Seiten der Physiker propagiert wird, und dem Nichteingehen etwa auch auf das Wesen, das Bild des Lichtes, wie es bei Goethe sich darstellt. Der Physiker wird, wenn er vernünftig ist, selbstverständlich ablehnen, auf das Wesen der Dinge einzugehen. Allerdings ergibt sich dann sogleich die Misere: Der Physiker lehnt vielleicht ab, auf das Wesen der Dinge einzugehen; derjenige aber, der dann heute aus der gebräuchlichen physischen, physikalischen Anschauung eine Philosophie braut, der lehnt es nicht mehr nur ab, sondern der erklärt: Man kann eben überhaupt nicht in das Wesen der Dinge eindringen.

[ 4 ] Es kann zum Beispiel durchaus nicht ein Gegensatz geschaffen werden zwischen dem Nichterkennen des Wesens der Masse, wie es von Seiten der Physiker propagiert wird, und dem Nichteingehen etwa auch auf das Wesen, das Bild des Lichtes, wie es bei Goethe sich darstellt. Der Physiker wird, wenn er vernünftig ist, selbstverständlich ablehnen, auf das Wesen der Dinge einzugehen. Allerdings ergibt sich dann sogleich die Misere: Der Physiker lehnt vielleicht ab, auf das Wesen der Dinge einzugehen; derjenige aber, der dann heute aus der gebräuchlichen physischen, physikalischen Anschauung eine Philosophie braut, der lehnt es nicht mehr nur ab, sondern der erklärt: Man kann eben überhaupt nicht in das Wesen der Dinge eindringen.

[ 5 ] Und so haben wir [heute eine sehr einseitige Anschauung von der] Erde, da wir es ja in der Physik niemals zu tun haben können mit der bloßen Geologie, sondern mit dem, was als Fazit sich aus einem solchen einzelnen Gebiete für die Gesamterkenntnis ergibt. So haben wir es schon zu tun mit schädlichen Konsequenzen desjenigen, was ja eben im Laufe der Zeit für die Physik allmählich sich ergeben hat, nicht mathematisch, sondern als mechanistische Weltanschauung.

[ 5 ] Und so haben wir [heute eine sehr einseitige Anschauung von der] Erde, da wir es ja in der Physik niemals zu tun haben können mit der bloßen Geologie, sondern mit dem, was als Fazit sich aus einem solchen einzelnen Gebiete für die Gesamterkenntnis ergibt. So haben wir es schon zu tun mit schädlichen Konsequenzen desjenigen, was ja eben im Laufe der Zeit für die Physik allmählich sich ergeben hat, nicht mathematisch, sondern als mechanistische Weltanschauung.

[ 6 ] Was Goethe meint, wenn er sagt, von dem Wesen des Lichtes soll man eigentlich nicht sprechen, sondern man soll versuchen, die Tatsachen kennenzulernen, die Taten und Leiden des Lichtes — denn die geben ja eine vollständige Beschreibung des Wesens des Lichtes —, so ist dies durchaus nicht etwa identisch mit der Ablehnung der Frage nach dem Wesen des Lichtes, sondern eben gerade der Hinweis darauf, daß eine richtige, eine wirkliche Phänomenologie — die in dem Sinne angeordnet ist, wie das gestern besprochen worden ist hier —, zuletzt eben gerade ein Bild gibt von dem Wesen, das in Betracht kommt. Es gibt ja auch [die Mechanik] durchaus, insoweit sie Phänomenologie ist und sein will und richtige Phänomenologie ist, soweit es das mechanistische Gebiet betrifft, ein Bild über das Wesen, nämlich über das Wesen der Erscheinungen.

[ 6 ] Was Goethe meint, wenn er sagt, von dem Wesen des Lichtes soll man eigentlich nicht sprechen, sondern man soll versuchen, die Tatsachen kennenzulernen, die Taten und Leiden des Lichtes — denn die geben ja eine vollständige Beschreibung des Wesens des Lichtes —, so ist dies durchaus nicht etwa identisch mit der Ablehnung der Frage nach dem Wesen des Lichtes, sondern eben gerade der Hinweis darauf, daß eine richtige, eine wirkliche Phänomenologie — die in dem Sinne angeordnet ist, wie das gestern besprochen worden ist hier —, zuletzt eben gerade ein Bild gibt von dem Wesen, das in Betracht kommt. Es gibt ja auch [die Mechanik] durchaus, insoweit sie Phänomenologie ist und sein will und richtige Phänomenologie ist, soweit es das mechanistische Gebiet betrifft, ein Bild über das Wesen, nämlich über das Wesen der Erscheinungen.

[ 7 ] Und so kann man schon sagen: Wenn es sich nicht um die mechanischen Erscheinungen oder um dasjenige handelt, was auch an den physikalischen Erscheinungen bloß mechanisch ist, wenn es sich um andere Gebiete handelt als um die mechanischen, dann wird die mechanistische Anschauung dieser anderen Erscheinungsgebiete hinderlich für ein Vordringen zu einem wirklichen, für den Menschen erkennbaren Wesen der Dinge. Und insofern ist es notwendig, den radikalen Unterschied einer solchen Phänomenologie, wie sie Goethe meint und wie sie im Goetheanismus gepflegt werden kann, hervorzuheben gegenüber dem, was eben prinzipiell verzichten will, auf das Wesen der Dinge einzugehen.

[ 7 ] Und so kann man schon sagen: Wenn es sich nicht um die mechanischen Erscheinungen oder um dasjenige handelt, was auch an den physikalischen Erscheinungen bloß mechanisch ist, wenn es sich um andere Gebiete handelt als um die mechanischen, dann wird die mechanistische Anschauung dieser anderen Erscheinungsgebiete hinderlich für ein Vordringen zu einem wirklichen, für den Menschen erkennbaren Wesen der Dinge. Und insofern ist es notwendig, den radikalen Unterschied einer solchen Phänomenologie, wie sie Goethe meint und wie sie im Goetheanismus gepflegt werden kann, hervorzuheben gegenüber dem, was eben prinzipiell verzichten will, auf das Wesen der Dinge einzugehen.

[ 8 ] Das hat gar nichts zu tun wiederum mit irgendeinem Vorzug etwa der mechanistischen Methode für den Beherrschungstrieb gegenüber der Natur. Denn, meine sehr verehrten Anwesenden, es ist ja selbstverständlich, daß in dem Gebiete, in dem es gerade die großen Triumphe der letzten Jahrhunderte gegeben hat, nämlich in dem technisch-mechanischen Gebiete, daß da als Grundlage der mechanistische Teil der Naturerkenntnis eine gewisse Befriedigung des Beherrschungstriebes gegenüber der Natur geben konnte. Man frage aber nur, inwiefern zurückgeblieben ist dieser Beherrschungstrieb gegenüber der Natur auf anderen Gebieten, gerade weil es abgelehnt worden ist, da zu einer ebensolchen Erkenntnis vorzudringen, wie es auf dem mechanistischen Gebiete angestrebt worden ist.

[ 8 ] Das hat gar nichts zu tun wiederum mit irgendeinem Vorzug etwa der mechanistischen Methode für den Beherrschungstrieb gegenüber der Natur. Denn, meine sehr verehrten Anwesenden, es ist ja selbstverständlich, daß in dem Gebiete, in dem es gerade die großen Triumphe der letzten Jahrhunderte gegeben hat, nämlich in dem technisch-mechanischen Gebiete, daß da als Grundlage der mechanistische Teil der Naturerkenntnis eine gewisse Befriedigung des Beherrschungstriebes gegenüber der Natur geben konnte. Man frage aber nur, inwiefern zurückgeblieben ist dieser Beherrschungstrieb gegenüber der Natur auf anderen Gebieten, gerade weil es abgelehnt worden ist, da zu einer ebensolchen Erkenntnis vorzudringen, wie es auf dem mechanistischen Gebiete angestrebt worden ist.

[ 9 ] Der Unterschied des mechanistischen Gebietes und derjenigen Gebiete, die mit dem Physikalischen anfangen und dann durch das Chemische hinauf zu dem Organischen und so weiter gehen, der Unterschied liegt nicht etwa darin, daß man es in diesen höheren Gebieten nur mit [qualitativen] Eigenschaften oder dergleichen zu tun hätte, sondern der Unterschied liegt darin, daß dasjenige, was sich auf das mechanistische Gebiet, auf die mechanistische Physik bezieht, einfach ist, daß sich einfach ansehen läßt, was das Elementarste ist. Daher haben wir es auch in diesem Elementarsten zu einer gewissen Befriedigung des Naturbeherrschungstriebes gebracht.

[ 9 ] Der Unterschied des mechanistischen Gebietes und derjenigen Gebiete, die mit dem Physikalischen anfangen und dann durch das Chemische hinauf zu dem Organischen und so weiter gehen, der Unterschied liegt nicht etwa darin, daß man es in diesen höheren Gebieten nur mit [qualitativen] Eigenschaften oder dergleichen zu tun hätte, sondern der Unterschied liegt darin, daß dasjenige, was sich auf das mechanistische Gebiet, auf die mechanistische Physik bezieht, einfach ist, daß sich einfach ansehen läßt, was das Elementarste ist. Daher haben wir es auch in diesem Elementarsten zu einer gewissen Befriedigung des Naturbeherrschungstriebes gebracht.

[ 10 ] Dann entsteht aber die Frage: Wie kommen wir zu einer Befriedigung dieses Beherrschungstriebes, wenn wir in die höheren Gebiete hinaufrücken, die nicht mehr den mechanistischen [Gesetzen] folgen? Und da wird schon durchaus damit gerechnet werden müssen, daß doch auch Zeiten kommen, welche ein wenig hinausgehen in der Naturbeherrschung über das bloß mechanistische Gebiet.

[ 10 ] Dann entsteht aber die Frage: Wie kommen wir zu einer Befriedigung dieses Beherrschungstriebes, wenn wir in die höheren Gebiete hinaufrücken, die nicht mehr den mechanistischen [Gesetzen] folgen? Und da wird schon durchaus damit gerechnet werden müssen, daß doch auch Zeiten kommen, welche ein wenig hinausgehen in der Naturbeherrschung über das bloß mechanistische Gebiet.

[ 11 ] Es ist auf dem mechanistischen Gebiet außerordentlich leicht, es durch die Nichtbeherrschung, die erkenntnismäßige Nichtbeherrschung der Natur, nun, ich möchte sagen zur Rache der Natur, zur Rache der Wirklichkeit zu bringen. Wenn einer eine Brücke für die Eisenbahn baut ohne ordentliche Kenntnis der mechanistischen Gesetze, so wird bei irgendeiner entsprechenden Gelegenheit die Brücke zusammenbrechen und der Eisenbahnzug über den Bahndamm hinuntersausen. Da tritt sogleich die Reaktion durch eine falsche Beherrschung des Erkenntnistriebes hervor. Wenn die Beherrschung sich beziehen muß auf etwas kompliziertere Gebiete, die aber nun hergenommen werden müssen nicht aus dem Quantitativen, nicht aus dem Mechanistischen, sondern die hergenommen werden müssen eben aus dem Vorgehen, wirklich eine Phänomenologie auszuarbeiten, da ist vielleicht dieser Nachweis nicht immer so leicht. Man kann mit einer ziemlichen Sicherheit sagen, daß unter Umständen eine Brücke zusammenbricht, nachdem der dritte Eisenbahnzug darüberfährt, wenn diese Brücke mit einem mangelnden Erkenntnistrieb aufgebaut worden ist. Aber man wird heute nicht leicht sich dazu entschließen, wenn dem Arzt jemand stirbt, nun in derselben Weise den Zusammenhang zwischen dem Erkenntnistrieb und der Naturbeherrschung sogleich zu konstatieren. Man sagt weniger, daß der Arzt jemanden zu Tode kuriert hat, als daß jemand eine schlechte Brücke gebaut hat.

[ 11 ] Es ist auf dem mechanistischen Gebiet außerordentlich leicht, es durch die Nichtbeherrschung, die erkenntnismäßige Nichtbeherrschung der Natur, nun, ich möchte sagen zur Rache der Natur, zur Rache der Wirklichkeit zu bringen. Wenn einer eine Brücke für die Eisenbahn baut ohne ordentliche Kenntnis der mechanistischen Gesetze, so wird bei irgendeiner entsprechenden Gelegenheit die Brücke zusammenbrechen und der Eisenbahnzug über den Bahndamm hinuntersausen. Da tritt sogleich die Reaktion durch eine falsche Beherrschung des Erkenntnistriebes hervor. Wenn die Beherrschung sich beziehen muß auf etwas kompliziertere Gebiete, die aber nun hergenommen werden müssen nicht aus dem Quantitativen, nicht aus dem Mechanistischen, sondern die hergenommen werden müssen eben aus dem Vorgehen, wirklich eine Phänomenologie auszuarbeiten, da ist vielleicht dieser Nachweis nicht immer so leicht. Man kann mit einer ziemlichen Sicherheit sagen, daß unter Umständen eine Brücke zusammenbricht, nachdem der dritte Eisenbahnzug darüberfährt, wenn diese Brücke mit einem mangelnden Erkenntnistrieb aufgebaut worden ist. Aber man wird heute nicht leicht sich dazu entschließen, wenn dem Arzt jemand stirbt, nun in derselben Weise den Zusammenhang zwischen dem Erkenntnistrieb und der Naturbeherrschung sogleich zu konstatieren. Man sagt weniger, daß der Arzt jemanden zu Tode kuriert hat, als daß jemand eine schlechte Brücke gebaut hat.

[ 12 ] Kurz, man sollte etwas sparsamer sein mit diesem Betonen des Naturbeherrschungstriebes, rein auf Grundlage der bekannten Tatsache, daß es bloß auf dem Gebiete der mechanistischen Technik dazu gekommen ist, daß eine solche Befriedigung des Beherrschungstriebes durch die mechanistische Naturanschauung möglich geworden ist. Die anderen Naturanschauungen werden eben eine ganz andere Befriedigung des Beherrschungstriebes noch geben können. Ich will zum Beispiel da nur auf das hinweisen — ich habe ja schon gestern von einem anderen Gesichtspunkte aus darauf hingewiesen —, daß man niemals die Brücke schlagen kann von der mechanistischen Weltanschauung herüber zum Menschen, daß aber sogleich die Brücke geschlagen wird, wenn eine richtige Phänomenologie angewendet wird.

[ 12 ] Kurz, man sollte etwas sparsamer sein mit diesem Betonen des Naturbeherrschungstriebes, rein auf Grundlage der bekannten Tatsache, daß es bloß auf dem Gebiete der mechanistischen Technik dazu gekommen ist, daß eine solche Befriedigung des Beherrschungstriebes durch die mechanistische Naturanschauung möglich geworden ist. Die anderen Naturanschauungen werden eben eine ganz andere Befriedigung des Beherrschungstriebes noch geben können. Ich will zum Beispiel da nur auf das hinweisen — ich habe ja schon gestern von einem anderen Gesichtspunkte aus darauf hingewiesen —, daß man niemals die Brücke schlagen kann von der mechanistischen Weltanschauung herüber zum Menschen, daß aber sogleich die Brücke geschlagen wird, wenn eine richtige Phänomenologie angewendet wird.

[ 13 ] Sie haben bei Goethe in seiner Farbenlehre nicht bloß die Darstellung der physiologischen Phänomene, die Darstellung der physischen Phänomene, sondern Sie haben eben das ganze Gebiet herübergeführt bis zu der sinnlich-sittlichen Wirkung der Farben, wo die Erscheinung, das ganze Gebiet, sogleich an den Menschen herangerückt wird. Und von diesem Gebiete, auf das Goethe da noch hindeutet — der sinnlich-sittlichen Wirkung der Farben —, kommt man, wenn man nun geisteswissenschaftlich weiterarbeitet, hinüber in das vollständige Gebiet der Menschenerkenntnis und damit wiederum in das vollständige Gebiet der Naturerkenntnis.

[ 13 ] Sie haben bei Goethe in seiner Farbenlehre nicht bloß die Darstellung der physiologischen Phänomene, die Darstellung der physischen Phänomene, sondern Sie haben eben das ganze Gebiet herübergeführt bis zu der sinnlich-sittlichen Wirkung der Farben, wo die Erscheinung, das ganze Gebiet, sogleich an den Menschen herangerückt wird. Und von diesem Gebiete, auf das Goethe da noch hindeutet — der sinnlich-sittlichen Wirkung der Farben —, kommt man, wenn man nun geisteswissenschaftlich weiterarbeitet, hinüber in das vollständige Gebiet der Menschenerkenntnis und damit wiederum in das vollständige Gebiet der Naturerkenntnis.

[ 14 ] Und es wäre in einer gewissen Weise vielleicht gut, wenn man heute schon darauf aufmerksam machen würde, daß ja ein großer Teil desjenigen, was die Menschheit heute als Dekadenzerscheinungen innerhalb der europäischen Kultur erlebt, zusammenhängt damit, daß wir es eben nur auf der einen Seite, auf der mechanistischen Seite, zu einer Befriedigung des Beherrschungstriebes gebracht haben. Da haben wir es ja in der Tat recht weit gebracht; nicht nur dazu, daß wir Eisenbahnen gebaut haben, Telegrafen und Telefone angelegt haben, bis wir zu der drahtlosen Telegrafie gekommen sind, sondern wir haben es ja in diesem Befriedigen des Beherrschungstriebes sogar so weit gebracht, daß wir große Teile von Europa einbetoniert haben, daß wir sie zerstört haben. Wir haben es bis zur Zerstörung gebracht durch die gründliche Befriedigung des Beherrschungstriebes.

[ 14 ] Und es wäre in einer gewissen Weise vielleicht gut, wenn man heute schon darauf aufmerksam machen würde, daß ja ein großer Teil desjenigen, was die Menschheit heute als Dekadenzerscheinungen innerhalb der europäischen Kultur erlebt, zusammenhängt damit, daß wir es eben nur auf der einen Seite, auf der mechanistischen Seite, zu einer Befriedigung des Beherrschungstriebes gebracht haben. Da haben wir es ja in der Tat recht weit gebracht; nicht nur dazu, daß wir Eisenbahnen gebaut haben, Telegrafen und Telefone angelegt haben, bis wir zu der drahtlosen Telegrafie gekommen sind, sondern wir haben es ja in diesem Befriedigen des Beherrschungstriebes sogar so weit gebracht, daß wir große Teile von Europa einbetoniert haben, daß wir sie zerstört haben. Wir haben es bis zur Zerstörung gebracht durch die gründliche Befriedigung des Beherrschungstriebes.

[ 15 ] Es ist nun so: Diese Befriedigung des Naturbeherrschungstriebes, die es bis zur Zerstörung gebracht hat, war doch im Grunde genommen eine gradlinige Fortsetzung des rein technischen Beherrschungstriebes; es lag in der geradlinigen Fortsetzung. Diese Dinge gehören auch zu denen, die nun gründlich ausgemerzt werden müssen, wenn an die Stelle der ungesunden Ausdehnung der mechanistischen Anschauung über die gesamten physikalischen Erscheinungen das tritt, was nun nicht einfach dadurch auslöscht das wirklich Spezifische der physikalischen Erscheinungen, daß alles mit mechanistischen Vorstellungen übergossen wird, sondern wenn man in der Tat aufrückt von dem Mechanistischwerden der Vorstellungen, die auf ihrem Gebiete eben ja auch eine ganz gute Physik geben, zu demjenigen, was nun den physikalischen Erscheinungen spezifisch ist.

[ 15 ] Es ist nun so: Diese Befriedigung des Naturbeherrschungstriebes, die es bis zur Zerstörung gebracht hat, war doch im Grunde genommen eine gradlinige Fortsetzung des rein technischen Beherrschungstriebes; es lag in der geradlinigen Fortsetzung. Diese Dinge gehören auch zu denen, die nun gründlich ausgemerzt werden müssen, wenn an die Stelle der ungesunden Ausdehnung der mechanistischen Anschauung über die gesamten physikalischen Erscheinungen das tritt, was nun nicht einfach dadurch auslöscht das wirklich Spezifische der physikalischen Erscheinungen, daß alles mit mechanistischen Vorstellungen übergossen wird, sondern wenn man in der Tat aufrückt von dem Mechanistischwerden der Vorstellungen, die auf ihrem Gebiete eben ja auch eine ganz gute Physik geben, zu demjenigen, was nun den physikalischen Erscheinungen spezifisch ist.

[ 16 ] Und da muß darauf hingewiesen werden, daß gerade diese Betrachtungsweise, die ja selbstverständlich in einer Stunde nicht bis zu ihren letzten Konsequenzen geführt werden kann, daß diese Betrachtungsweise zu einer Erweiterung auch des mathematischen Gebietes selber führen wird, aus der entsprechenden Wirklichkeit heraus. Wir müssen uns klar sein, daß gerade aus der mechanistischen Verwirrung heraus solche Dinge möglich geworden sind, daß über den sogenannten Äther im Grunde genommen im Laufe der letzten dreißig, vierzig, fünfzig Jahre alle möglichen Ansichten aufgestellt worden sind. Der vorhin in bezug auf ein anderes Gebiet erwähnte Physiker Planck ist es ja gewesen, der sich endlich durchgerungen hat zu der Formulierung: Wenn man über den Äther in der Physik überhaupt sprechen will, so darf man ihm jedenfalls keine materiellen Eigenschaften beilegen. — Man darf ihn nicht materiell denken. Dazu ist also doch die Physik gedrängt worden, dem Äther keine materiellen Eigenschaften beizulegen.

[ 16 ] Und da muß darauf hingewiesen werden, daß gerade diese Betrachtungsweise, die ja selbstverständlich in einer Stunde nicht bis zu ihren letzten Konsequenzen geführt werden kann, daß diese Betrachtungsweise zu einer Erweiterung auch des mathematischen Gebietes selber führen wird, aus der entsprechenden Wirklichkeit heraus. Wir müssen uns klar sein, daß gerade aus der mechanistischen Verwirrung heraus solche Dinge möglich geworden sind, daß über den sogenannten Äther im Grunde genommen im Laufe der letzten dreißig, vierzig, fünfzig Jahre alle möglichen Ansichten aufgestellt worden sind. Der vorhin in bezug auf ein anderes Gebiet erwähnte Physiker Planck ist es ja gewesen, der sich endlich durchgerungen hat zu der Formulierung: Wenn man über den Äther in der Physik überhaupt sprechen will, so darf man ihm jedenfalls keine materiellen Eigenschaften beilegen. — Man darf ihn nicht materiell denken. Dazu ist also doch die Physik gedrängt worden, dem Äther keine materiellen Eigenschaften beizulegen.

[ 17 ] Worin bestehen denn eigentlich die Fehler in den Äther-Ideen, in den Äther-Begriffen? Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, die bestanden gar nicht darin, daß man zu wenig Mathematik getrieben hat oder irgend so etwas, sondern darin, daß man — weil man nur von der Tendenz beseelt war, das Mathematische über das Spezifisch-Physikalische auszudehnen — falsche Mathematik getrieben hat, daß man in die Formeln, in denen auch die Ätherwirkungen hineinspielten, die Größen so einsetzte, wie man sie einsetzt für die ponderable Materie. In dem Augenblick, wo man sich klar darüber ist, daß die Möglichkeit des Einsetzens der gewöhnlichen Größen in die mathematischen Formeln aufhört, wenn wir in das Äthergebiet hineinkommen, in dem Augenblick wird auch der Trieb entstehen, eine wirkliche Erweiterung der Mathematik selber zu suchen. Sehen Sie, man braucht nur auf das Zweifache hinzuweisen. Der Physiker Planck sagt: Wenn man über den Äther in der Physik überhaupt sprechen will, so darf man ihm jedenfalls keine materiellen Eigenschaften beilegen. — Und in der Einsteinschen Relativitätstheorie, oder überhaupt in der Relativitätstheorie, fand man sich genötigt, den Äther überhaupt zu streichen.

[ 17 ] Worin bestehen denn eigentlich die Fehler in den Äther-Ideen, in den Äther-Begriffen? Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, die bestanden gar nicht darin, daß man zu wenig Mathematik getrieben hat oder irgend so etwas, sondern darin, daß man — weil man nur von der Tendenz beseelt war, das Mathematische über das Spezifisch-Physikalische auszudehnen — falsche Mathematik getrieben hat, daß man in die Formeln, in denen auch die Ätherwirkungen hineinspielten, die Größen so einsetzte, wie man sie einsetzt für die ponderable Materie. In dem Augenblick, wo man sich klar darüber ist, daß die Möglichkeit des Einsetzens der gewöhnlichen Größen in die mathematischen Formeln aufhört, wenn wir in das Äthergebiet hineinkommen, in dem Augenblick wird auch der Trieb entstehen, eine wirkliche Erweiterung der Mathematik selber zu suchen. Sehen Sie, man braucht nur auf das Zweifache hinzuweisen. Der Physiker Planck sagt: Wenn man über den Äther in der Physik überhaupt sprechen will, so darf man ihm jedenfalls keine materiellen Eigenschaften beilegen. — Und in der Einsteinschen Relativitätstheorie, oder überhaupt in der Relativitätstheorie, fand man sich genötigt, den Äther überhaupt zu streichen.

[ 18 ] Nun ist der Äther nicht zu streichen! Das ist etwas, das ich jetzt nur andeuten kann. Es handelt sich vielmehr darum, daß wir in dem Augenblicke, wo wir in unseren physikalischen Formeln, das heißt in den mathematischen Formeln, die auf Physikalisches angewendet werden, übergehen zu dem Äther, daß wir da genötigt werden, in die Formeln die Größen negativ einzusetzen.

[ 18 ] Nun ist der Äther nicht zu streichen! Das ist etwas, das ich jetzt nur andeuten kann. Es handelt sich vielmehr darum, daß wir in dem Augenblicke, wo wir in unseren physikalischen Formeln, das heißt in den mathematischen Formeln, die auf Physikalisches angewendet werden, übergehen zu dem Äther, daß wir da genötigt werden, in die Formeln die Größen negativ einzusetzen.

[ 19 ] Wir müssen diese Größen negativ einsetzen — ebenso wie wir auch in der formalen Physik von den positiven zu den negativen Größen hinüberkommen —, einfach weil, indem wir von den positiven Materien vorrükken bis zur Nullität, wir in dem Äther weder ein Nichts haben — was Einstein meint —, noch ein reines Negativum, das man als ein Etwas denken muß — wie Planck sagt —, sondern weil man den Äther als etwas denken muß, was mit Eigenschaften behaftet ist, die den Eigenschaften der Materie so entgegengesetzt sind wie die negativen Zahlen den positiven. Und da gewinnt schon die reine Ausdehnung des Mathematischen [ins Negative] — man mag nun darüber streiten, was eine negative Größe ist —, da gewinnt schon, noch ehe man dazu kommt, über den Charakter des Negativen selber sich klar zu sein, die Ausdehnung der Zahlenlinie ins Negative hinein eine gewisse Bedeutung auch für die Wirklichkeit.

[ 19 ] Wir müssen diese Größen negativ einsetzen — ebenso wie wir auch in der formalen Physik von den positiven zu den negativen Größen hinüberkommen —, einfach weil, indem wir von den positiven Materien vorrükken bis zur Nullität, wir in dem Äther weder ein Nichts haben — was Einstein meint —, noch ein reines Negativum, das man als ein Etwas denken muß — wie Planck sagt —, sondern weil man den Äther als etwas denken muß, was mit Eigenschaften behaftet ist, die den Eigenschaften der Materie so entgegengesetzt sind wie die negativen Zahlen den positiven. Und da gewinnt schon die reine Ausdehnung des Mathematischen [ins Negative] — man mag nun darüber streiten, was eine negative Größe ist —, da gewinnt schon, noch ehe man dazu kommt, über den Charakter des Negativen selber sich klar zu sein, die Ausdehnung der Zahlenlinie ins Negative hinein eine gewisse Bedeutung auch für die Wirklichkeit.

[ 20 ] Ich weiß natürlich sehr gut, daß auf mathematischem Gebiet ein bedeutsamer Streit war im 19. Jahrhundert zwischen denjenigen, die etwas Qualitatives gesehen haben in den positiven und negativen Vorzeichen, während andere wiederum in den negativen Vorzeichen nur einen Subtrahenden gesehen haben, für die der negative Minuend fehlt. Aber darauf kommt es dabei nicht an, sondern es kommt darauf an, daß wir in der Tat genötigt sein können, denselben Weg, den wir in der formalen Mathematik von dem Positiven zu dem Negativen machen, auch in der Physik selber zu machen, indem wir von den ponderablen Wirkungen in die ätherischen Wirkungen hinübergehen. Dann prüfe man einmal, was aus den Formeln herauskommen wird, wenn man sich entschließt, die Größen so zu behandeln.

[ 20 ] Ich weiß natürlich sehr gut, daß auf mathematischem Gebiet ein bedeutsamer Streit war im 19. Jahrhundert zwischen denjenigen, die etwas Qualitatives gesehen haben in den positiven und negativen Vorzeichen, während andere wiederum in den negativen Vorzeichen nur einen Subtrahenden gesehen haben, für die der negative Minuend fehlt. Aber darauf kommt es dabei nicht an, sondern es kommt darauf an, daß wir in der Tat genötigt sein können, denselben Weg, den wir in der formalen Mathematik von dem Positiven zu dem Negativen machen, auch in der Physik selber zu machen, indem wir von den ponderablen Wirkungen in die ätherischen Wirkungen hinübergehen. Dann prüfe man einmal, was aus den Formeln herauskommen wird, wenn man sich entschließt, die Größen so zu behandeln.

[ 21 ] Und dann wird eintreten, trotzdem in der formalen Mathematik viel Gediegenes gearbeitet worden ist und gearbeitet werden kann über die Berechtigung der formalen [imaginären] Größen, daß wir einfach genötigt sind, auch in der Physik imaginäre Größen einzusetzen für die positiven und negativen Größen. Dadurch aber kommen wir zu einer Vermittlung mit den Größen im Naturdasein.

[ 21 ] Und dann wird eintreten, trotzdem in der formalen Mathematik viel Gediegenes gearbeitet worden ist und gearbeitet werden kann über die Berechtigung der formalen [imaginären] Größen, daß wir einfach genötigt sind, auch in der Physik imaginäre Größen einzusetzen für die positiven und negativen Größen. Dadurch aber kommen wir zu einer Vermittlung mit den Größen im Naturdasein.

[ 22 ] Ich weiß gut, daß dies nur ganz flüchtig skizziert ist, nur in ein paar Worten zusammengefaßt ist. Aber ich muß dennoch darauf aufmerksam machen, daß man im Fortschreiten von der ponderablen Materie bis hinauf zu dem, wo man bis zu den Lebenskräften kommt, überall genötigt ist, in die Formeln negative Größen einzusetzen, eben für die Umkehrung des materiellen Quantitativen überhaupt, und daß man dann, sobald man über das Leben hinauskommt, genötigt wird, überzugehen von bloßen negativen Größen zu imaginären Größen. Da hat man dann aber nicht bloß formale Größen, sondern Größen, die nun die Eigenschaft haben, daß sie sich nicht mehr auf das [positive oder negative] Materielle, sondern auf das Substantielle beziehen, was also qualitativ-innerlich so sich verhält, sowohl zu dem Ätherischen wie auch zu dem Ponderablen, wie sich die imaginäre Zahlenlinie zu den positiven und negativen Zahlen, zur realen Zahlenlinie verhält — so daß man in der Tat auch schon dasjenige, was man in der formalen Mathematik hat, verbinden kann mit gewissen Wirklichkeitsgebieten.

[ 22 ] Ich weiß gut, daß dies nur ganz flüchtig skizziert ist, nur in ein paar Worten zusammengefaßt ist. Aber ich muß dennoch darauf aufmerksam machen, daß man im Fortschreiten von der ponderablen Materie bis hinauf zu dem, wo man bis zu den Lebenskräften kommt, überall genötigt ist, in die Formeln negative Größen einzusetzen, eben für die Umkehrung des materiellen Quantitativen überhaupt, und daß man dann, sobald man über das Leben hinauskommt, genötigt wird, überzugehen von bloßen negativen Größen zu imaginären Größen. Da hat man dann aber nicht bloß formale Größen, sondern Größen, die nun die Eigenschaft haben, daß sie sich nicht mehr auf das [positive oder negative] Materielle, sondern auf das Substantielle beziehen, was also qualitativ-innerlich so sich verhält, sowohl zu dem Ätherischen wie auch zu dem Ponderablen, wie sich die imaginäre Zahlenlinie zu den positiven und negativen Zahlen, zur realen Zahlenlinie verhält — so daß man in der Tat auch schon dasjenige, was man in der formalen Mathematik hat, verbinden kann mit gewissen Wirklichkeitsgebieten.

[ 23 ] Es wäre sehr zu bedauern, wenn Versuche, die darauf hindeuten, die menschlichen Ideen nun der Wirklichkeit anzunähern, die menschlichen Ideen dahin zu bringen, in die Wirklichkeit unterzutauchen, wenn diese an der trivialen Vorstellung scheitern würden, daß dasjenige, was eine wirklich rationelle Physik bietet, weniger den menschlichen Naturbeherrschungstrieb befriedigen würde. Es würde ihn mehr befriedigen, als die so glorifizierte Anwendung der mechanistischen Weltanschauung auf die mechanistische Technik. Diese mechanistische Technik hat gewiß der Menschheit in der Kulturentwickelung auf der einen Seite Großartiges gebracht. Aber diejenigen, die fortwährend davon sprechen, daß die rechnende Physik — das heißt die so rechnende Physik, wie die Physik eben bisher gerechnet hat —, daß die Physik die gloriosen Fortschritte auf dem Gebiet der Naturwissenschaft, auf dem technischen Felde gebracht hat, die sollten bedenken, daß unter Umständen auch unter diesem bloßen Hinlenken der Aufmerksamkeit auf das rein technische Gebiet andere Gebiete gar sehr gelitten haben könnten. Und um herauszukommen aus der Misere, aus der Dekadenz, in die uns hineingebracht hat die bloß technische Beherrschung und ihre Grundlagen, die bloß mechanistische Erkenntnis, um herauszukommen aus dieser Misere, aus dieser Dekadenz, da würde uns ja sehr not tun gerade das Hinneigen zu einer Physik, die nun wirklich nicht in derselben Weise von einer Ablehnung der Erkenntnis des Wesens sprechen kann, wie das tatsächlich gelten muß für das mechanische Gebiet, das der mechanistischen Erkenntnis zugänglich ist.

[ 23 ] Es wäre sehr zu bedauern, wenn Versuche, die darauf hindeuten, die menschlichen Ideen nun der Wirklichkeit anzunähern, die menschlichen Ideen dahin zu bringen, in die Wirklichkeit unterzutauchen, wenn diese an der trivialen Vorstellung scheitern würden, daß dasjenige, was eine wirklich rationelle Physik bietet, weniger den menschlichen Naturbeherrschungstrieb befriedigen würde. Es würde ihn mehr befriedigen, als die so glorifizierte Anwendung der mechanistischen Weltanschauung auf die mechanistische Technik. Diese mechanistische Technik hat gewiß der Menschheit in der Kulturentwickelung auf der einen Seite Großartiges gebracht. Aber diejenigen, die fortwährend davon sprechen, daß die rechnende Physik — das heißt die so rechnende Physik, wie die Physik eben bisher gerechnet hat —, daß die Physik die gloriosen Fortschritte auf dem Gebiet der Naturwissenschaft, auf dem technischen Felde gebracht hat, die sollten bedenken, daß unter Umständen auch unter diesem bloßen Hinlenken der Aufmerksamkeit auf das rein technische Gebiet andere Gebiete gar sehr gelitten haben könnten. Und um herauszukommen aus der Misere, aus der Dekadenz, in die uns hineingebracht hat die bloß technische Beherrschung und ihre Grundlagen, die bloß mechanistische Erkenntnis, um herauszukommen aus dieser Misere, aus dieser Dekadenz, da würde uns ja sehr not tun gerade das Hinneigen zu einer Physik, die nun wirklich nicht in derselben Weise von einer Ablehnung der Erkenntnis des Wesens sprechen kann, wie das tatsächlich gelten muß für das mechanische Gebiet, das der mechanistischen Erkenntnis zugänglich ist.

[ 24 ] Ja, sehen Sie, das mechanische Gebiet hat es aus dem Grunde so leicht, auf das Wesen zu verzichten, weil dieses Wesen, ich möchte sagen so auf der Hand liegt, weil es sich ja im Raume ausbreitet. Und es ist etwas schwieriger, in derselben Weise so weit zu kommen auf dem Gebiet des Physikalischen wie auf dem Gebiet des Mechanistischen. Daher das ganze Reden von dem Nicht-hinein-Kommen in das Wesen. Der Physiker hat es leicht, wenn er bloß mechanistisch denken will, eine Erkenntnis des Wesens abzulehnen. Denn hinter dem, was die heutigen Formeln, so wie sie heute gebraucht werden, um das [Mechanistische] mathematisch auszudrücken, gibt es kein Wesen. Das Wesen fängt erst da an, wo man nicht mehr nur diese Formeln anwendet, sondern wo man in das mathematische Wesen selbst hineindringt.

[ 24 ] Ja, sehen Sie, das mechanische Gebiet hat es aus dem Grunde so leicht, auf das Wesen zu verzichten, weil dieses Wesen, ich möchte sagen so auf der Hand liegt, weil es sich ja im Raume ausbreitet. Und es ist etwas schwieriger, in derselben Weise so weit zu kommen auf dem Gebiet des Physikalischen wie auf dem Gebiet des Mechanistischen. Daher das ganze Reden von dem Nicht-hinein-Kommen in das Wesen. Der Physiker hat es leicht, wenn er bloß mechanistisch denken will, eine Erkenntnis des Wesens abzulehnen. Denn hinter dem, was die heutigen Formeln, so wie sie heute gebraucht werden, um das [Mechanistische] mathematisch auszudrücken, gibt es kein Wesen. Das Wesen fängt erst da an, wo man nicht mehr nur diese Formeln anwendet, sondern wo man in das mathematische Wesen selbst hineindringt.

[ 25 ] Das nur zur Beantwortung der Frage, wie man sich das Mathematische ausgedehnt denken könnte über die Imponderabilität.

[ 25 ] Das nur zur Beantwortung der Frage, wie man sich das Mathematische ausgedehnt denken könnte über die Imponderabilität.