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Scientific Disciplines and Anthroposophy
GA 73a

14 January 1921, Dornach

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Scientific Disciplines and Anthroposophy, tr. SOL
  1. Fachwissenschaften und Anthroposophie

13. Proben für die Beziehungen der Geisteswissenschaft zu den einzelnen Fachwissenschaften III

13. Essays on the Relationship Between the Humanities and the Individual Disciplines III

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Es ist oftmals und gewiß mit Recht betont worden, wie in der neueren Entwicklung der Menschheit schädigend eingegriffen hat dasjenige, was man im äußeren Leben die Teilung der Arbeit nennt. Und wer mit unbefangenen Blicken das soziale Leben in seiner Entfaltung in der neueren Zeit überschaut, der muß sich allerdings sagen, in welch tiefgreifendem Maße es auf die Individualitäten der Menschheit gewirkt hat, daß die Persönlichkeit in früheren Zeiten Dinge verrichtet hat, an die sie gewissermaßen auch seelisch gebunden war. Man denke nur, welch innere Befriedigung im alten Handwerk lag, wo dasjenige, was man verfertigte, durchschaubar war in bezug auf seine Stellung in dem ganzen Zusammenhang der menschlichen Umgebung. Das Türschloß, das ehemals verfertigt worden ist von dem Handwerker, es konnte ihm Freude machen, weil er den Weg überschauen konnte, den es nahm von seiner Hand bis zu seiner Bestimmung. Wie anders sind die Dinge heute, wo der einzelne Mensch Tag für Tag, Stunde um Stunde irgendein einzelnes Glied eines großen Ganzen verfertigt, ohne irgendwie ein Interesse haben zu können an dem, was da aus seiner Hand oder aus der Maschine vermittelst seiner Hand hervorgeht, weil er ja nicht unmittelbar verbunden ist mit dem Weg, den das betreffende Ding durchmacht von seinem Verfertiger bis zu seiner schließlichen Bestimmung. Diese Teilung der menschlichen Arbeit, die den Menschen gewissermaßen fesseln muß an etwas, woran sein Interesse niemals haften kann, die daher den Menschen in seinem ganzen Leben ungeheuer vereinseitigen muß, diese Teilung der Arbeit, sie wird uns ja, wenn wir morgen den sozialen Prozeß studieren werden, noch besonders beschäftigen müssen.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! It has often been emphasized—and certainly with good reason—how what is known in everyday life as the division of labor has had a detrimental impact on the recent development of humanity. And anyone who surveys social life in its modern development with an unbiased eye must certainly acknowledge the profound impact this has had on the individuality of humankind: in earlier times, the individual performed tasks to which he or she was, in a sense, also emotionally bound. One need only consider the inner satisfaction found in the old crafts, where the objects one produced were transparent in terms of their place within the broader context of the human environment. The door lock, once crafted by a artisan, could bring him joy because he could see the path it took from his hand to its intended purpose. How different things are today, when the individual, day after day, hour after hour, produces some single link in a vast whole, without being able to take any interest whatsoever in what emerges from his hand—or from the machine through his hand—because he is not directly connected to the path that the object in question takes from its maker to its final destination. This division of human labor, which, in a sense, must bind a person to something in which he can never take an interest, and which therefore must lead to an immense one-sidedness in a person’s entire life—this division of labor will, as we will see tomorrow when we study the social process, require our special attention.

[ 2 ] Aber, meine sehr verehrten Anwesenden, es gibt ja in der neueren Zeit eine andere Teilung der Arbeit. Und diese andere Teilung der Arbeit — wenn sie auch weniger oft hervorgehoben wird, ja, wenn es auch geschieht, daß ihre Vorteile sogar gerühmt werden, wenn sie genannt wird —, diese andere Teilung der Arbeit, sie greift im Grunde genommen viel tiefer in den einzelnen Menschen und damit in das ganze menschliche Leben ein. Und diese Teilung der Arbeit, die ja in einer gewissen Art auch berechtigt ist — das soll nicht angezweifelt werden —, die vor allen Dingen im historischen Werdegang der Menschheit notwendig heraufkommen mußte, diese Teilung der Arbeit aber, sie wirkt, weil ihr bisher kein genügendes Gegengewicht entgegengehalten wurde, auf die Dauer eigentlich noch schädlicher im ganzen menschlichen Leben als die vorher angeführte. Es ist die Teilung der Arbeit, die auf dem Gebiet des Erkennens eingetreten ist und auf dem Gebiet alles desjenigen, was mit dem Erkennen zusammenhängt: es ist die Teilung der Arbeit auf dem Gebiet der Wissenschaft. Man kann heute, wenn man den üblichen Bildungsweg als Wissenschafter durchmacht, eingesponnen werden in eine Fachwissenschaft. Man nimmt dann gerade diejenige Art und Weise des Denkens auf, des Vorstellens über gewisse Dinge, die durch die Teilung in einzelne wissenschaftliche Disziplinen und Unterdisziplinen und Unter-Unterdisziplinen und so weiter eingetreten ist. Da vereinseitigt man nicht bloß äußerlich, da vereinseitigt man die Seele. Da verurteilt man sich zum Beispiel dazu, gewisse Formen von Vorstellungen aufzunehmen, sich einzuleben in den Zusammenhang solcher Vorstellungen, und dann sagt man von dem, was in diesen Zusammenhang hineinpaßt, es könne streng exakt bewiesen werden; aber das, was aus einem anderen Zusammenhang herausgeboren ist, von dem sagt man, man sei darüber nicht kompetent.

[ 2 ] But, ladies and gentlemen, in more recent times there has been another division of labor. And this other division of labor—even if it is less often emphasized, and indeed, even if its advantages are sometimes praised when it is mentioned—this other division of labor fundamentally affects the individual much more deeply and, consequently, the whole of human life. And this division of labor, which is, in a certain sense, also justified—there is no doubt about that—and which, above all, was bound to arise in the course of human history, this division of labor, however, because no sufficient counterbalance has yet been set against it, is in the long run actually even more harmful to human life as a whole than the one mentioned earlier. It is the division of labor that has taken hold in the realm of cognition and in the realm of everything connected with cognition: it is the division of labor in the realm of science. Today, when one follows the standard educational path to becoming a scientist, one can become ensnared in a specialized field of science. One then adopts precisely that way of thinking and conceiving of certain things that has arisen through the division into individual scientific disciplines, subdisciplines, sub-subdisciplines, and so on. In doing so, one does not merely become one-sided outwardly; one becomes one-sided in one’s very soul. For example, one condemns oneself to adopting certain forms of ideas, to becoming accustomed to the context of such ideas, and then one says that what fits into this context can be proven with strict precision; but regarding that which arises from a different context, one says that one is not competent to judge it.

[ 3 ] Aber alles, was der Mensch wissen kann, das stammt endlich aus der Gesamtnatur des Menschen; und das wiederum, was im Zentrum des Menschen als ein tiefes seelisches Bedürfnis vorhanden ist, das strebt nach Ganzheit. Es ist im Grunde, wenn die Vereinseitigung ohne Gegengewicht so stark wird, wie sie im Laufe der Zeit geworden ist, zuletzt eine Verstümmelung des Seelenwesens, unter der der Mensch schwer leiden muß. Eine solche Verstümmelung des Seelenwesens führt sicher endlich dazu, daß sich die Träger der geistigen Kultur nicht mehr untereinander verständigen können. Sie führt dazu, daß der Träger der geistigen Kultur auf irgendeinem Fachgebiet in Vorstellungen lebt, die absolut nicht anwendbar sind auf einem anderen Fachgebiet, daß er in Vorstellungen lebt, die sogleich sich als starr, als unanwendbar ausnehmen, wenn er irgend etwas begreifen will, was auf einem anderen Fachgebiet liegt.

[ 3 ] But everything a person can know ultimately stems from the totality of human nature; and that which exists at the core of the human being as a deep spiritual need strives for wholeness. Essentially, when one-sidedness without a counterbalance becomes as strong as it has become over time, it ultimately amounts to a mutilation of the soul, from which human beings must suffer greatly. Such a mutilation of the soul inevitably leads to a situation where the bearers of spiritual culture can no longer communicate with one another. It leads to a situation where a bearer of spiritual culture in one specialized field lives within concepts that are absolutely inapplicable to another field—concepts that immediately appear rigid and inapplicable when he attempts to grasp anything belonging to a different field.

[ 4 ] Wenn man bedenkt, daß ja alles, was menschliches Tun und Treiben ist, schließlich doch abhängen soll von denen, die als geistige Führer ausgebildet werden, dann wird man zugeben müssen, daß unter dieser fachmäßigen Verstümmelung des Seelenlebens, für die ein Gegengewicht heute in höchst ungenügendem Maße geschaffen wird, diese Persönlichkeiten ungeeignet werden, wirkliche geistige Führer zu sein. Das ist heute mit Händen zu greifen, daß es der Menschheit fehlt an der geistigen Direktion, daß es der Menschheit fehlt an entsprechenden Richtungen. Mehr als irgend etwas anderes ist das an den katastrophalen Ereignissen unserer Zeit schuld. Und gerade aus einer wirklichen, einer nicht-oberflächlichen, sondern aus einer gründlichen Erkenntnis dieses Zustandes ist das hervorgegangen, was versucht wird, in Dornach zu treiben, wo das Goetheanum, die Hochschule für Geisteswissenschaft ist. Sie soll auf der einen Seite gerade voll anerkennen die Notwendigkeit, das Gesamtwissen in Fachwissenschaften zu trennen, zu gliedern, aber sie soll auf der anderen Seite überall zwischen den Fachwissenschaften die notwendige Brücke schlagen. Sie soll, mit anderen Worten, aus seelisch einseitigen Persönlichkeiten, wie sie durch die Fachwissenschaften werden müssen, seelische Gesamtpersönlichkeiten, Totalpersönlichkeiten entwickeln. Gerade dadurch möchte die Geisteswissenschaft eine der wichtigsten Aufgaben unseres Zeitalters erfüllen. Diese Hochschule für Geisteswissenschaft, sie kann sich nicht auf den Standpunkt stellen, daß man heute den Zeiterfordernissen genügen könne, wenn man einfach das, was an unseren Hochschulen in den einzelnen spezialisierten Fachwissenschaften geleistet wird, nun durch allerlei Kanäle hinunterträgt in die breiten Massen des Volkes.

[ 4 ] When one considers that everything that constitutes human activity and endeavor ultimately depends on those who are trained as spiritual leaders, one must admit that, under this professional mutilation of the soul’s life—for which a counterbalance is being created today to a highly insufficient degree—these individuals become unfit to be true spiritual leaders. It is plain to see today that humanity lacks spiritual direction, that humanity lacks appropriate guidance. More than anything else, this is to blame for the catastrophic events of our time. And it is precisely out of a genuine—not superficial, but thorough—understanding of this state of affairs that what is being attempted in Dornach, where the Goetheanum, the School of Spiritual Science, is located, has emerged. On the one hand, it is intended to fully acknowledge the necessity of separating and structuring the totality of knowledge into specialized disciplines; on the other hand, however, it is intended to build the necessary bridges between these disciplines. In other words, it aims to develop well-rounded, holistic personalities out of the one-sided personalities that specialized disciplines inevitably produce. It is precisely through this that the science of the spirit seeks to fulfill one of the most important tasks of our age. This School of Spiritual Science cannot take the position that the demands of our time can be met today simply by channeling down to the broad masses of the people, through all sorts of channels, what is being accomplished at our universities in the individual specialized disciplines.

[ 5 ] Gewiß, aus den allerbesten Meinungen gehen sie hervor, diese Volkshochschulen, Volksbildungsmittel und so weiter. Aber kann man denn hoffen, daß das, was auf diese Weise unter der Decke unserer Bildungsanstalten getrieben wird, dann wirklich fruchtbringend wirken könne, wenn es in die breiten Massen des Volkes getragen wird, wenn man durchschaut, wie die Vereinseitigung des Wissens, des Erkennens in den einzelnen Fachwissenschaften dazu beigetragen hat, daß wir in diese katastrophalen Zeiten hineingeraten sind, zu deren Charakterisierung ein Spengler sagt, daß die moderne Zivilisation unbedingt in ihren Untergang hineinsegeln muß? Kann man das noch erhoffen, wenn man einsieht, wieviel diese Vereinseitigung beigetragen hat zu unseren Katastrophen? Durchschaut man das, dann muß man sich sagen: Das, was bei einer dünnen Schicht der Menschheit in einer solchen Weise gewirkt hat, daß es in die Katastrophe hineingeführt hat, das müßte erst recht in die Katastrophe hineinführen, wenn es hinausgetragen würde in die breiten Massen der Menschheit. Aus diesem Untergrund der Einsicht heraus ist man bei der Gründung der Dornacher Hochschule für Geisteswissenschaft der Überzeugung gewesen, daß nicht etwa bloß notwendig ist, das heutige Bildungswesen zu popularisieren, es auszubreiten in die weiten Massen der Menschheit, sondern daß auch der andere Prozeß notwendig ist: eine neue Art des Wissens hineinzutragen gerade in unsere Hochschulen, damit von diesen Hochschulen etwas anderes ausgehen könne als das, von dem man nicht gerade hoffen kann, daß seine Popularisierung besonders fruchtbringend in den breiten Massen wirken werde.

[ 5 ] Certainly, these adult education centers, public education resources, and so on stem from the very best of intentions. But can we really hope that what is being carried out in this way behind the closed doors of our educational institutions will truly bear fruit when it is carried out to the broad masses of the people—especially when one realizes how the one-sidedness of knowledge and understanding in the individual academic disciplines has contributed to our falling into these catastrophic times, which Spengler characterizes by saying that modern civilization is inevitably headed for its downfall? Can we still hope for that, when we realize how much this one-sidedness has contributed to our catastrophes? If we see this through, then we must tell ourselves: What has affected a small segment of humanity in such a way that it has led to catastrophe would surely lead to catastrophe all the more if it were carried out to the broad masses of humanity. Based on this underlying insight, those who founded the Dornach School of Spiritual Science were convinced that it is not merely necessary to popularize today’s educational system and extend it to the broad masses of humanity, but that the other process is also necessary: to introduce a new kind of knowledge precisely into our universities, so that something other than what one cannot exactly hope will prove particularly fruitful among the broad masses through its popularization might emanate from these universities.

[ 6 ] Das mag radikal klingen, aber wer den Entwicklungsprozeß der Menschheit in unserem Zeitalter überschaut, der wird nicht anders können, als durch eine treuliche Beobachtung der Tatsachen zu dieser Überzeugung zu kommen. Ich möchte gerade auf etwas Konkretes eingehen, um Ihnen zu zeigen, wie die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, überall darauf hinarbeitet, den Menschen nicht einzuzwängen mit seinen Begriffen, mit seinen Vorstellungen in irgendein Fachgebiet, sondern ihn in diesem Fachgebiet so auszubilden, daß er aus diesem Fachgebiet heraus den Weg findet zum Verständnis anderer Zweige der Wissenschaften. Gewiß, man braucht nicht auf jedem Gebiet irgendwie maßgeblich zu sein — unter den heutigen Verhältnissen kann man das gar nicht —, aber ein menschliches Zusammenleben ist nur möglich, wenn die Persönlichkeiten so zusammenwirken, daß aus den einzelnen Gebieten heraus mit den dort errungenen Vorstellungen die anderen Gebiete wenigstens verstanden werden können. Denn gegenseitige Verständigung unter den Menschen ist das, was wir unbedingt anstreben müssen, wenn wir vorwärtskommen wollen in dem Prozeß der Menschheitsentwicklung, der heute so viele Niedergangserscheinungen zeigt.

[ 6 ] This may sound radical, but anyone who surveys the process of human development in our age will have no choice but to arrive at this conviction through faithful observation of the facts. I would like to address one specific point to show you how anthroposophically oriented spiritual science, as understood here, works everywhere toward not confining people with its concepts and ideas to any one specialized field, but rather educating them in that field in such a way that they can find their way from that field to an understanding of other branches of science. Certainly, one need not be an authority in every field—under today’s circumstances, that is simply impossible—but human coexistence is only possible if individuals interact in such a way that, drawing on the concepts gained in their respective fields, they can at least understand other fields. For mutual understanding among people is what we must absolutely strive for if we wish to make progress in the process of human development, which today exhibits so many signs of decline.

[ 7 ] Wenn Sie irgendeinen physikalischen Prozeß sehen, sagen wir, wie unter dem Einflusse der Erwärmung eines Körpers dasjenige zutagetritt, von dem der Physiker sagt, es wird Wärme frei, Wärme, die früher latent war, die also gewissermaßen in dem Körper drinnen verborgen war, wenn Sie das sehen und dann die Vorstellungen betrachten, die sich der Physiker macht über ein solches Freiwerden von Wärme, die früher unter gewissen Bedingungen nicht äußerlich erschienen ist, sondern an den Körper innerlich gebunden war, dann werden Sie sagen: Dem Physiker wird es in seinem Fach nicht einfallen, wenn er bei gewissen Versuchsanordnungen in den Körpern Wärme auftreten sieht, die früher latent war und jetzt freie Wärme wird, etwa nur von einer Entwicklung in gerader Linie zu sprechen und zu sagen, das Auftreten der freien Wärme beruhe eben darauf, daß dasjenige, was früher da war, sich dahin entwickelt habe, die freie Wärme einzuschließen. Man gewöhnt sich an, hier nicht in abstrakter Weise etwa bloß von Entwicklung zu sprechen, sondern man versucht, in konkreter Art über den Vorgang Aufschluß zu gewinnen. Mag vieles an solchen Vorgängen noch unerklärt sein, mag manches heute noch als Hypothese zu Hilfe gerufen werden, aber man versucht, wenigstens auf physikalischem Gebiet, nicht solche abstrakten Vorstellungen wie «Entwicklung» einfach hinzustellen, sondern man versucht einzudringen in das, was da eigentlich geschehen ist, wenn freie Wärme aus latenter Wärme, aus gebundener Wärme entsteht.

[ 7 ] When you observe any physical process—let’s say, how, under the influence of the heating of a body, that which the physicist refers to as “heat is released”—heat that was previously latent, that is, hidden within the body, so to speak—if you observe this and then consider the physicist’s conception of such a release of heat, which previously, under certain conditions, did not manifest externally but was bound internally to the body, then you will say: It would never occur to the physicist, in his field of study, when he observes heat—which was previously latent and has now become free heat—appearing in bodies under certain experimental conditions, to speak merely of a linear development and to say that the emergence of free heat is based precisely on the fact that what was previously there had developed in such a way as to contain the free heat. One gets used to not speaking here in an abstract way—merely of “development,” for example—but rather tries to gain insight into the process in a concrete manner. Much about such processes may still remain unexplained, and many things may still be invoked as hypotheses today, but—at least in the field of physics—one tries not to simply posits abstract concepts such as “development,” but rather attempts to penetrate what actually happened when free heat arises from latent heat, from bound heat.

[ 8 ] Aber gehen wir jetzt zu einem anderen Gebiet, dann werden Sie sehen, wie da, ich möchte sagen der Geist der Abstraktheit den Menschen ergreift, weil er das, was er auf physikalischem Gebiet entwickelt hat, noch nicht auf einem anderen Gebiet entwickeln kann, weil es noch nicht gelungen ist, die Brücke zu schlagen von einem Fach, das eine gewisse Ausbildung schon erfahren hat, zu einem Fach, das gerade durch die Teilung der Arbeit auf dem Erkenntnisgebiete verstümmelt geblieben ist. Das, was eingetreten ist, indem die einzelnen Menschen sich in ihre Fächer so hineingelebt haben, daß sie sich gegenseitig nicht verstehen, das hat die Wissenschaftlichkeit selbst ergriffen, das hat auch vereinseitigend auf die Wissenschaft selbst gewirkt, weil mächtig geworden ist das Gebiet der anorganischen Naturwissenschaft.

[ 8 ] But if we now turn to another field, you will see how, I would say, the spirit of abstraction takes hold of people, because they cannot yet apply what they have developed in the physical sciences to another field—since they have not yet succeeded in bridging the gap between a discipline that has already undergone a certain degree of development and a discipline that has remained stunted precisely because of the division of labor in the realm of knowledge. What has come to pass—as individual people have become so immersed in their respective disciplines that they no longer understand one another—has taken hold of scientific inquiry itself; it has also had a one-sided effect on science itself, because the field of inorganic natural science has become so powerful.

[ 9 ] Nehmen wir den sich entwickelnden Menschen. Wir sehen, wie der Mensch von der ersten Kindheit an allmählich sich entwickelt, von Jahr zu Jahr, bis er erwachsen ist. Man verfolgt diese Entwicklung einfach in einer geradlinigen Weise. Man redet davon wirklich so, wie wenn das, was der Mensch im zehnten Jahr erreicht, sich nun eben in geradliniger Fortentwicklung ergeben habe aus dem, was er in früheren Jahren war. Man sieht in einer gewissen Zeit der Lebensentwicklung seelische Eigenschaften auftreten; der Mensch bekommt in irgendeiner Weise die Eigenschaft zu denken; er bekommt andere Eigenschaften, die gewissermaßen aus den Tiefen seines Inneren an die Oberfläche des Lebens dringen. Man beachtet den Zusammenhang zwischen den körperlichen und den seelischen Erscheinungen nicht in einer so innigen Weise, wie man es zum Beispiel auf dem physikalischen Gebiet versucht, das ich eben angeführt habe. Aber notwendig ist es, daß man denselben Geist konkreter Beobachtung, welchen man anwendet zum Beispiel auf physikalischem Gebiet, überträgt auf ein Gebiet, wo allerdings die Erscheinungen komplizierter sind.

[ 9 ] Let’s take the developing human being. We see how a person gradually develops from early childhood, year by year, until they reach adulthood. We simply view this development as a linear process. People really do speak of it as if what a person achieves in their tenth year were simply the result of a linear progression from what they were in earlier years. At a certain stage of life’s development, we see psychological qualities emerge; the person acquires, in some way, the ability to think; they acquire other qualities that, so to speak, rise from the depths of their inner being to the surface of their life. One does not observe the connection between physical and psychological phenomena as intimately as one attempts to do, for example, in the field of physics, which I have just mentioned. But it is necessary to apply the same spirit of concrete observation—which one applies, for example, in the field of physics—to a field where the phenomena are, admittedly, more complex.

[ 10 ] Bemüht man sich aber, in die Kompliziertheit der Erscheinungen einzutreten, dann kann man den Geist von einem Gebiet in das andere hinübertragen. Man muß aber dann so vorgehen, daß man sich sagt: Es gibt im menschlichen Leben Epochen, die in einer gewissen Weise abschließen und neuen Epochen durch bedeutsame Wendepunkte Platz machen. Zwei solche Epochen in der menschlichen Entwicklung — natürlich gibt es auch in der tierischen Entwicklung Epochen, ich spreche aber jetzt nur von der menschlichen Entwicklung —, zwei solche Epochen sind zum Beispiel der Zahnwechsel gegen das siebente Jahr hin und dann wiederum die Geschlechtsreife gegen das vierzehnte Jahr hin. Der Zahnwechsel und die Geschlechtsreife sind solche Wendepunkte. Nun handelt es sich darum, daß man wirklich mit konkreter Beobachtung das auffaßt, was bis zu diesen Einschnitten in der Entwicklung des menschlichen Lebens vor sich geht.

[ 10 ] But if one makes an effort to delve into the complexity of phenomena, then one can carry the spirit from one realm to another. But one must then proceed by telling oneself: There are epochs in human life that, in a certain sense, come to a close and make way for new epochs through significant turning points. Two such epochs in human development—of course there are also epochs in animal development, but I am speaking now only of human development—two such epochs are, for example, the change of teeth around the age of seven and then, again, sexual maturity around the age of fourteen. The change of teeth and sexual maturity are such turning points. The point is to truly grasp, through concrete observation, what takes place up to these turning points in the development of human life.

[ 11 ] Wer das treulich beobachtet, der wird finden, wie zunächst in der körperlichen Entwicklung bis zum Zahnwechsel etwas vor sich geht, was allerdings mit diesem Zahnwechsel in einer gewissen innigen Beziehung stehen muß. Es genügt ja nicht, daß man einfach sozusagen von außen her den Menschen betrachtet. Man muß sich klar sein, daß das, was mit dem Zahnwechsel einen Abschluß findet, so daß etwas Ähnliches in der folgenden Lebensepoche sich nicht mehr im Organismus abspielt, daß das den ganzen Organismus durchdringt. Man wird, wenn man eine solche Tatsache wirklich richtig in einem konkreten Erkenntnisprozeß verfolgt, sagen: Da geschieht etwas von der Geburt oder Empfängnis an bis zu dem Zahnwechsel hin, was mit solchen Bildungskräften zusammenhängt, die sich dann entladen in dem, was im Zahnwechsel auftritt. Und betrachten wir dann auf der anderen Seite das mehr seelisch-geistige Leben des Menschen, da werden wir finden, daß im Seelisch-Geistigen ebenso etwas Durchgreifendes geschieht, wie körperlich etwas tief Eingreifendes mit dem Zahnwechsel vorliegt; wir werden finden, daß ungefähr um dieselbe Lebenszeit, in der mit dem Zahnwechsel im Körperlichen etwas seinen Abschluß findet, sich etwas Aufsteigendes ergibt. Man muß nur lernen, diese Erscheinungen ebenso zu betrachten, wie man die äußerlichen Dinge physikalisch betrachtet. Und wenn man sie in demselben Geiste betrachtet, dann wird man sehen, daß da sich in der ganzen Konfiguration der Kindesseele das ergibt, was dem Kind möglich macht, in einer mehr bewußten Weise Gedächtnisvorstellungen, Erinnerungsvorstellungen zu bilden; man wird sehen, daß für das Kind überhaupt die Möglichkeit eintritt, die Unbestimmtheit der früheren Begriffe, das Nicht-scharf-Konturierte dieser Begriffe in schärferen Konturen zu fassen; man wird sehen, daß ein mächtiger Umschwung in der ganzen Art und Weise des geistig-seelischen Lebens durch die Begriffsbildung eintritt.

[ 11 ] Anyone who observes this closely will see that, initially, during physical development up to the time of tooth replacement, certain processes take place that must, however, be closely related to this tooth replacement. It is not enough, after all, to simply observe the human being, so to speak, from the outside. One must be aware that what comes to a conclusion with the change of teeth—such that nothing similar takes place in the organism during the subsequent stage of life—permeates the entire organism. If one truly follows such a fact correctly in a concrete process of understanding, one will say: From birth or conception up to the change of teeth, something occurs that is connected to formative forces which then discharge themselves in what takes place during the change of teeth. And if we then consider, on the other hand, the more soul-spiritual life of the human being, we will find that something just as profound occurs in the soul-spiritual realm as there is something deeply significant in the physical realm with the change of teeth; we will find that around the same stage of life in which something comes to a conclusion in the physical realm with the change of teeth, something ascending emerges. One need only learn to observe these phenomena in the same way that one observes external physical phenomena. And when one observes them in this same spirit, one will see that what emerges in the entire configuration of the child’s soul is what enables the child to form memories and recollections in a more conscious way; one will see that the child now has the opportunity to grasp the vagueness of earlier concepts—their lack of sharp contours—in sharper contours; one will see that a powerful transformation in the entire nature of mental and soul life takes place through the formation of concepts.

[ 12 ] Und wer nun mit einem gewissen Drinnenstehen in solchen Prozessen die Dinge betrachtet, der wird den Zusammenhang suchen zwischen dem, was auf der einen Seite körperlich, was leiblich gewirkt hat, sich dann entladen hat und einen gewissen Abschluß gefunden hat, und demjenigen, was da auftritt wie eine neue Bildung, wie etwas, was sich neu entfaltet, dessen Entstehungsbedingungen, dessen Werdebedingungen eben klar werden müssen. Und wenn er solche Begriffe gerade so ausführlich, so eingehend wie möglich in der Realität verfolgt, wird er darauf kommen, sich zu sagen: Dasjenige, was im Organismus gewirkt hat bis zum Zahnwechsel hin, was da organisch gewirkt hat, was da gebunden war an den Organismus, das ist frei geworden, als der Organismus mit dem Zahnwechsel einen gewissen, einen vorläufigen Abschlußpunkt erreicht hat. Es wird frei, es verwandelt sich gerade in die Kraft des Vorstellungen-Bildens, des VorstellungenKonturierens, in die Kraft des Bildens von bewußten Erinnerungsvorstellungen, während die früheren Erinnerungsvorstellungen mehr unbewußt waren. So sieht man, wie etwas, was früher im Körper gewirkt hat, frei wird und nun seelisch-geistig wirkt. Und man erlangt eine Erkenntnis darüber — wenn man das sozusagen mit dem Seelenauge beobachtet —, wie das, was nun als Begriffsbildung, als Erinnerungsvorgang in bewußter Weise auftritt, wie das vorher im Organismus organisch bildend gewirkt hat.

[ 12 ] And anyone who now observes these things with a certain sense of being immersed in such processes will seek the connection between, on the one hand, what has taken effect physically and bodily, has then been discharged, and has found a certain conclusion, and, on the other hand, what appears as a new formation—as something that is unfolding anew—whose conditions of origin and conditions of becoming must become clear. And if one traces such concepts in reality as thoroughly and as deeply as possible, one will come to say to oneself: That which acted within the organism up to the change of teeth—that which acted organically there, that which was bound to the organism—has become free as the organism reached a certain, provisional point of conclusion with the change of teeth. It becomes free; it transforms precisely into the power of forming and shaping mental images, into the power of forming conscious memory images, whereas the earlier memory images were more unconscious. Thus one sees how something that previously acted within the body becomes free and now acts in the soul and spirit. And one gains an insight into this—if one observes it, so to speak, with the eye of the soul—into how that which now appears consciously as concept formation and as the process of memory previously acted within the organism in an organically formative way.

[ 13 ] Man gelangt dazu, die ganze menschliche Bildung und Organisation auf diese Weise zu durchschauen. Man kommt davon ab, über das Geistig-Seelische nur zu phantasieren, zu spekulieren; man kommt dazu, seinen Zusammenhang mit dem Physischen zu erfassen. Dann gewöhnt man sich überhaupt auf wissenschaftlichem Gebiet das Spekulieren und Hypothesen-Bilden ab. Man fragt nicht mehr: Was kann man ausspekulieren, um das Geistig-Seelische zu erfassen? —, sondern man sieht zum Beispiel hin auf die konkrete Entwicklung im Organismus, wie sie zuletzt sozusagen die Zähne herausstößt, und man muß dann anerkennen, wie dasselbe, was gebunden war an den Organismus, verborgen wirkend im Organismus, später frei wird. Man kann das in seiner seelisch-geistigen Gestalt verfolgen, indem man eben das Seelisch-Geistige selber anschaut, wie es beim Kinde sich ausgebildet hat; und so findet man den Zusammenhang zwischen dem Seelisch-Geistigen und dem Physisch-Organischen, indem man in konkreter Weise die Dinge verfolgt. Man konstruiert nicht mehr eine abstrakte Psychologie, wie es heute vielfach der Fall ist, die kaum mehr hat als irgendwelche Wortinhalte, sondern man studiert konkret das Verhalten des einen zum anderen, und man sieht, wie das, was in einem späteren Stadium vorhanden ist, in einem früheren Stadium auch wirklich beobachtbar war. Man gelangt zu einer vollständigen Empirie.

[ 13 ] In this way, one comes to understand the entirety of human development and organization. One moves away from merely fantasizing or speculating about the spiritual-soul aspects; one comes to grasp their connection with the physical. Then, in the scientific realm, one generally breaks the habit of speculating and forming hypotheses. One no longer asks: What can one deduce through speculation in order to grasp the spiritual-soul aspects? — but rather, one looks, for example, at the concrete development within the organism—such as the emergence of teeth, so to speak—and one must then acknowledge how that which was bound to the organism, acting hidden within it, later becomes free. One can trace this in its soul-spiritual form by observing the soul-spiritual itself as it has developed in the child; and in this way one discovers the connection between the soul-spiritual and the physical-organic by following the processes in a concrete manner. One no longer constructs an abstract psychology—as is often the case today, which has little more than mere verbal content—but rather studies concretely the relationship of one aspect to the other, and one sees how what is present at a later stage was also actually observable at an earlier stage. One arrives at a fully empirical understanding.

[ 14 ] Ebenso kann man den anderen Lebenswendepunkt studieren, den der Geschlechtsreife, wenn man beobachtet, wie auf der einen Seite eben der Prozeß sich organisch abspielt, der dann in der Geschlechtsreife gipfelt, und auf der anderen Seite sich dann fragt: Was bildet sich im Seelisch-Geistigen heraus? Was entsteht gewissermaßen dadurch, daß die Kräfte, die nach der Geschlechtsreife nicht mehr zur Ausbildung von etwas im Organischen gebraucht werden, weil sie das Organische bis zu einem gewissen Abschluß gebracht haben, was werden diese Kräfte, die gewissermaßen im Organischen bis dahin drinnen gesteckt haben? — Das, was in jener besonderen Natur der Willensimpulse wirkt, ist nach der Geschlechtsreife in ganz anderer Weise da als vorher. Sie sind vorher in einer ganz bestimmten Weise versenkt in die organischen Prozesse, und dann, wenn sie nicht mehr versenkt sind in die organischen Prozesse, werden sie jetzt aber nicht frei, sondern sie verbinden sich in einer gewissen Weise inniger mit dem Organismus. So wird der Mensch gerade um diese Wende seiner Lebenszeit mehr Herr seines Organismus, als er es früher war. Der Wille gliedert sich inniger, intensiver dem Organismus ein, als das früher der Fall war.

[ 14 ] Similarly, one can study the other turning point in life—that of sexual maturity—by observing, on the one hand, how the organic process unfolds, culminating in sexual maturity, and, on the other hand, by asking: What is developing in the soul-spiritual realm? What arises, so to speak, from the fact that the forces which, after sexual maturity, are no longer needed for the development of anything in the organic realm—because they have brought the organic development to a certain conclusion—what becomes of these forces, which, so to speak, were embedded in the organic realm up to that point? — That which is at work in the particular nature of the impulses of the will is present in a completely different way after sexual maturity than it was before. Previously, they were immersed in the organic processes in a very specific way; and then, when they are no longer immersed in the organic processes, they do not become free, but rather they connect more intimately with the organism in a certain way. Thus, precisely at this turning point in their life, human beings become more in control of their organism than they were before. The will becomes more intimately and intensely integrated into the organism than was previously the case.

[ 15 ] Versteht man also, wie das Geistig-Seelische mit dem Physisch-Organischen zusammenhängt, so kann man — indem man solche Begriffe, die erst in sich beweglich werden und dadurch auch geeignet sind, innerlich immer reicher zu werden, so daß das Wirkliche immer mehr durchschaut werden kann —, so kann man dann auch gewisse Prozesse am menschlichen Organismus studieren, die nichts anderes sind als das äußere Ausleben dessen, was man da als Innerliches durchschaut, zum Beispiel den Prozeß der Stimmumwandlung, der beim männlichen Individuum zusammenhängt mit der Geschlechtsreife. Es ist ein ähnlicher Prozeß beim weiblichen Individuum vorhanden, nur ist er da mehr über den ganzen Organismus ausgegossen. Man gelangt nur zu einem völligen Verständnis dieser Prozesse, wenn man in einer solchen Weise sieht, wie durch das, was sich in der Stimmumwandlung oder im weiblichen Organismus in anderen Prozessen abspielt, eben die Willensenergie sich innerlicher, durchdringender mit dem Organismus verbindet. Und man gelangt zugleich dazu einzusehen, wie das, was bis zum Zahnwechsel hin sich entwickelt, in seiner Kulmination besonders intensiv sich ausdrückt in der menschlichen Hauptesbildung, in welcher ja die Zahnbildung geschieht, während das, was dann zur Zeit der Geschlechtsreife hervortritt, mehr den ganzen übrigen Organismus, mit Ausnahme des Hauptes, ergreift. Das alles wird in der Anschauung unmittelbar klar. Und dadurch erlangt man eine innere Erkenntnis, eine innere Anschauung des Menschen. Solch ein Vorgehen kann aber wiederum auf die Wissenschaften, die ja ganz besonders an gewisse Erkenntnisgrenzen führen, die zugleich Grenzen, bedauerliche Grenzen der menschlichen praktischen Wirklichkeit sind, solch ein innerliches Eindringen in den menschlichen Organismus kann auf die Wissenschaften ungeheuer befruchtend wirken.

[ 15 ] If one understands, then, how the spiritual-soul aspect is connected to the physical-organic aspect, one can—by employing such concepts that first become flexible in themselves and are thereby also capable of becoming ever richer inwardly, so that reality can be increasingly penetrated— one can then also study certain processes in the human organism that are nothing other than the outward manifestation of what one perceives as inner reality—for example, the process of voice change, which in males is connected with sexual maturity. A similar process occurs in females, though there it is more widely distributed throughout the entire organism. One can only arrive at a complete understanding of these processes by recognizing how, through what takes place in voice change or in other processes within the female organism, the energy of the will connects with the organism in a more inner, penetrating way. And at the same time, one comes to understand how what develops up to the time of tooth replacement finds its most intense expression in the formation of the human head—in which, after all, tooth formation takes place—while what then emerges at the time of sexual maturity affects the entire rest of the organism, with the exception of the head. All of this becomes immediately clear through contemplation. And through this, one gains an inner understanding, an inner contemplation of the human being. Such an approach, however, can in turn have an immensely enriching effect on the sciences—which, after all, lead us particularly to certain limits of knowledge that are at the same time limits, regrettable limits, of human practical reality—such an inner penetration into the human organism can have an immensely enriching effect on the sciences.

[ 16 ] Bedenken wir einmal, was zum Beispiel vorliegt, wenn wir versuchen, die medizinischen Wissenschaften, wie sie heute als Fachwissenschaften uns entgegentreten, einmal auf dasjenige hin zu prüfen, was an ihnen unbefriedigend ist. Ich kann allerdings nicht auf die besonders bedeutsamen Einzelheiten dabei eingehen, aber ich möchte auf etwas hinweisen, was schon eine Kardinalfrage ist. Wie können wir mit dem, was heute unser natürliches Weltbild ist, eigentlich das vereinigen, was man im physischen Organismus einen Krankheitsprozeß nennt? Wer den Krankheitsprozeß studiert, der wird sagen müssen — das ist ja ganz natürlich —, dieser Krankheitsprozeß läuft nach Naturgesetzen ab. Wir haben also im Krankheitsprozeß etwas, was wir nach Naturgesetzen begreifen müssen. Wir haben aber auf der anderen Seite im sogenannten gesunden menschlichen Organismus doch auch etwas, was man nach Naturgesetzen begreifen muß; wir haben wenigstens eine gewisse Strömung von Naturgesetzmäßigkeit im gesunden menschlichen Organismus. Wir drücken das, was wir auf diesem Gebiete der natürlichen Organisation des Menschen erkennen, aus in der Physiologie. Und wir drücken das, was wir erkennen können am Krankheitsprozeß als Gesetzmäßigkeit, die aber auch eine Naturgesetzmäßigkeit sein muß, aus in der Pathologie. Es muß nun eine Brücke geben zwischen Physiologie und Pathologie. Es muß möglich sein, irgendeine Vorstellung darüber zu bekommen, wie die eine Naturgesetzmäßigkeitsströmung sich verhält zu der anderen Naturgesetzmäßigkeitsströmung. Und eine Naturwissenschaft, oder besser gesagt ein naturwissenschaftliches Denken, wie wir es heute haben, kann auf diesem Gebiet zu keinem Verständnis, jedenfalls nicht zu einem in der Praxis verwertbaren Verständnis führen. Deshalb sehen wir, wie heute im Grunde genommen unbefriedigend die Heilwissenschaft neben der Pathologie dasteht. Ich blicke noch zurück in diejenige Zeit, in welcher sich innerhalb der damaligen Wiener Schule der medizinischen Wissenschaft das bemächtigt hatte, was man dazumal genannt hat den «medizinischen Nihilismus». Gerade Zelebritäten auf dem Gebiete der Medizin haben damals eigentlich in einem völligen Skeptizismus in bezug auf die Therapie gelebt. In weitem Maße haben dieselben behauptet, man könne nur die Prozesse der Krankheiten verfolgen, man könne nur von einer mehr oder weniger rationellen Pathologie reden, aber von irgendeinem Zusammenhang zwischen dem Eingreifen des Heilmittels und den Vorgängen des Organismus könne man eigentlich nicht reden. Daher beschränkten solche Mediziner sich darauf, für weite Gebiete von Krankheiten nur den Krankheitsprozeß zu verfolgen, achtzugeben darauf, wenn er nach der einen oder anderen Seite in Exzesse überging, aber an eine rationelle Heilungsmethode glaubten sie im Grunde genommen eigentlich nicht. Darüber sprach man dort ganz offen.

[ 16 ] Let us consider, for example, what emerges when we attempt to examine the medical sciences—as they present themselves to us today as specialized disciplines—with a view to identifying what is unsatisfactory about them. I cannot, however, go into the particularly significant details here, but I would like to point out something that is already a fundamental question. How can we actually reconcile what we today consider our natural worldview with what is called a disease process in the physical organism? Anyone who studies the disease process will have to say—and this is, of course, entirely natural—that this disease process unfolds according to the laws of nature. We therefore have, in the disease process, something that we must understand in terms of the laws of nature. On the other hand, however, we also have, in the so-called healthy human organism, something that must be understood in terms of the laws of nature; we have at least a certain current of natural lawfulness in the healthy human organism. We express what we recognize in this realm of the human organism’s natural organization through physiology. And we express what we can recognize in the disease process as a lawfulness—which must also be a natural lawfulness—through pathology. There must now be a bridge between physiology and pathology. It must be possible to gain some understanding of how one current of natural law relates to another. And a natural science—or rather, a scientific way of thinking, as we have it today—cannot lead to any understanding in this area, at least not to an understanding that is applicable in practice. That is why we see how fundamentally unsatisfactory the medical science of today stands alongside pathology. I still look back to the time when what was then called “medical nihilism” had taken hold within the Vienna School of Medical Science. Even leading figures in the field of medicine at that time were, in fact, steeped in complete skepticism regarding therapy. To a large extent, they maintained that one could only observe the processes of disease; one could speak only of a more or less rational pathology, but one could not really speak of any connection between the action of the remedy and the processes of the organism. Consequently, such physicians limited themselves to merely observing the disease process across broad categories of illnesses, taking care to note when it veered into excess in one direction or another; but, fundamentally, they did not actually believe in a rational method of cure. This was discussed quite openly in those circles.

[ 17 ] Nun, heute liegt ja nicht mehr eine solche Skepsis über diese Dinge vor, aber in der Praxis ist es im Grunde genommen noch immer so. Und daher ist es für eine wirkliche medizinische Wissenschaft so schwer, durchzudringen gegenüber allem möglichen Dilettantismus und aller möglichen Quacksalberei, die gerade dadurch groß werden können, weil es so wenig möglich ist auf diesem Gebiet, für das, was eigentlich wirkliche Wissenschaft ist, Verständnis zu erwecken. Das hängt aber zusammen mit unserer naturwissenschaftlichen Auffassung überhaupt. Es hängt zusammen mit etwas, von dem man glaubt — zwar mit Recht, aber doch eben in einer einseitigen Weise —, daß gerade ein Teil der großen wissenschaftlichen Erkenntnisse im 19. Jahrhundert gebunden sei an das, was man die Deszendenzlehre nennt. Man hat in einer ja wirklich außerordentlich scharfsinnigen Weise, in einer Weise, die bei den einzelnen Forschern zu den allergewissenhaftesten Beobachtungsmethoden geführt hat, die Entwicklungsreihe der Organismen von den unvollkommenen zu den vollkommeneren gesucht und hat an die Spitze den Menschen gestellt, diesen ganzen Menschen, wie er in seiner Organisation heute vor uns steht. Man hat gewissermaßen seine Organisation in ihrer Ganzheit als eine Umgestaltung der tierischen Organisation betrachtet. Nun, man konnte das nur, weil man sich über gewisse innere Beziehungen des menschlichen Organismus ganz falschen Begriffen hingab. Ich kann ja natürlich diese Dinge nur andeuten. Sie werden sich ergeben aus einer wirklichen empirischen Morphologie, einer morphologischen Betrachtung der Organe, sie werden sich ergeben aus einer wirklich vergleichenden genetischmorphologischen Betrachtungsweise der Embryologie, der Tatsachen der Embryologie, im Zusammenhang mit den Tatsachen des Lebens. Heute hat ja jeder mehr oder weniger die Vorstellung: Wir haben zum Beispiel im Gehirn etwas, was wie eine komplizierte Ausbildung desjenigen anzusehen ist, was seiner Anlage nach als Nerven-Organismus im Rückenmark vorhanden ist. Man sieht in demjenigen, was im Rückenmark organisiert ist, gewissermaßen das Ursprüngliche, und dasjenige, was im Gehirn vorliegt, das sieht man an als das auf komplizierte Weise aus diesem Rückenmark Hervorgegangene. So kann man die Erscheinungen nicht deuten. Wenn man in einer unbefangenen Weise gerade die Tatsachen der Embryologie verfolgt, dann wird man eine ganz andere Anschauung bekommen. Man wird die Anschauung bekommen, daß dasjenige, was im Gehirn vorliegt, zwar zurückführt auf eine solche einfachere Organisation, wie sie im Rückenmarkstrang vorliegt, daß aber der Rückenmarkstrang, als dessen weitere Ausbildung das Gehirn anzusehen ist, gedacht werden muß mehr oder weniger horizontal im Gehirn selbst liegend — wenn ich es so ausdrücken darf. In unserem heutigen Gehirn ist dasjenige, was sich rückenmarkstrang-ähnlich als eine Grundlage für unser Gehirn ergibt — von der Stirne nach rückwärts gehend, dem Hinterhaupte zu — nur ideell veranlagt, so daß man sich das Gehirn vorzustellen hat als eine Umbildung dieser heute nur in ideeller Anlage im Gehirn vorhandenen Bildung, während wir das, was wir heute im Menschen als den Rückenmarkstrang haben, anzusehen haben als aus denselben Bildungsgesetzen hervorgehend wie auch das menschliche Gehirn, aber auf einer früheren Stufe stehengeblieben. Wenn wir also Rückenmark und Gehirn im Zusammenhang betrachten, müssen wir sagen: Beiden liegen dieselben Bildungsgesetze zugrunde, aber das Gehirn ist durch diese Bildung zu einer weiteren Stufe gebracht worden. Erst in einem späteren Zeitpunkt der Phylogenie greifen die Bildungsgesetze im Rückenmarkstrang ein, und es kommt nicht so weit wie das Gehirn. Daher ist der Rückenmarkstrang als die spätere Bildung anzusehen, deren Anfangsstufe in einer früheren Zeit in der Genesis der Menschheit gelegen hat. In eine noch frühere Zeit ist das Gehirn mit seinem Anfang zu versetzen, und es ist anzusehen als weiter fortgeschritten, so daß man sagen muß: Der Rückenmarkstrang ist phylogenetisch die spätere Bildung, die nur auf einer früheren Stufe stehen geblieben ist, während das Gehirn durch diese Bildung zu einer weiteren Stufe gebracht worden ist.

[ 17 ] Well, today there isn’t really that much skepticism about these things anymore, but in practice, that’s basically still the case. And that is why it is so difficult for genuine medical science to gain a foothold in the face of all manner of amateurism and quackery, which are able to flourish precisely because it is so difficult in this field to foster an understanding of what true science actually is. But this is connected to our conception of the natural sciences in general. It is connected to the belief—admittedly justified, but nonetheless one-sided—that a significant portion of the great scientific discoveries of the 19th century is tied to what is known as the theory of descent. In a truly extraordinarily astute manner—a manner that led individual researchers to the most meticulous observational methods—people have sought the evolutionary sequence of organisms from the less perfect to the more perfect, and have placed human beings at the pinnacle—the entire human being, as he stands before us today in his organization. In a sense, one has regarded human organization in its entirety as a transformation of animal organization. Well, this was only possible because one succumbed to entirely false notions regarding certain internal relationships within the human organism. Of course, I can only hint at these things. They will emerge from a truly empirical morphology—a morphological examination of the organs—and from a truly comparative, genetic-morphological approach to embryology, based on the facts of embryology in connection with the facts of life. Today, everyone more or less holds the view that, for example, we have something in the brain that can be regarded as a complex development of what, in its basic structure, is present as a nervous system in the spinal cord. One sees in what is organized in the spinal cord, so to speak, the original form, and what is present in the brain is regarded as having emerged in a complex manner from this spinal cord. One cannot interpret the phenomena in this way. If one follows the facts of embryology in an unbiased manner, one will arrive at a completely different perspective. One will come to see that, while what is present in the brain does indeed trace back to a simpler organization such as that found in the spinal cord, the spinal cord—which the brain must be regarded as the further development of—must be conceived as lying more or less horizontally within the brain itself—if I may put it that way. In our present-day brain, that which emerges as a spinal cord-like foundation for our brain—extending from the forehead backward toward the back of the head—exists only as an ideal predisposition, so that one must conceive of the brain as a transformation of this structure, which today exists in the brain only as a conceptual predisposition, whereas what we have today in humans as the spinal cord must be regarded as having arisen from the same laws of formation as the human brain, but having remained at an earlier stage. If, therefore, we consider the spinal cord and the brain in connection with one another, we must say: Both are based on the same laws of formation, but the brain has been brought to a higher stage through this process. Only at a later point in phylogeny do the laws of formation take effect in the spinal cord, and it does not develop as far as the brain. Therefore, the spinal cord must be regarded as the later formation, whose initial stage lay in an earlier time in the genesis of humanity. The brain must be traced back to an even earlier time, and it must be regarded as more advanced, so that one must say: The spinal cord is, phylogenetically speaking, the later formation that has remained at an earlier stage, whereas the brain has been brought to a higher stage through this development.

[ 18 ] So hat man es mit vielem im menschlichen Organismus sich vorzustellen, und so hat man es gewissermaßen mit dem ganzen Gliedmaßen-Organismus sich zu denken, wenn man seine morphologischen Rätsel durchschauen will. Man hat den Gliedmaßen-Organismus als eine spätere Bildung anzusehen, die auf einer früheren Stufe zurückgeblieben ist, und man hat dasjenige, was in der Hauptesbildung hervortritt, zu einem früheren Anfang zu versetzen und es so zu denken, daß es auf einer späteren Stufe der Entwicklung angekommen ist. Man hat in dem menschlichen Haupt gewissermaßen das zu sehen, was durch Metamorphose, durch Umwandlung aus sehr frühen Vorfahren hervorgegangen ist, und das, was in den Anhängselorganen des Menschen vorhanden ist — wenn sie auch größer sind als das Haupt —, das hat man als angesetzte Glieder anzusehen, die auf einer früheren Stufe zurückgeblieben sind.

[ 18 ] This is how one must conceive of many aspects of the human organism, and this is how one must, in a sense, conceive of the entire limb-organism if one wishes to unravel its morphological mysteries. One must regard the limb system as a later formation that has remained at an earlier stage, and one must place what emerges in the formation of the head at an earlier beginning and conceive of it as having reached a later stage of development. In the human head, one must, so to speak, see that which has emerged through metamorphosis, through transformation from very early ancestors; and that which is present in the human appendages—even if they are larger than the head—must be regarded as appended limbs that have been left behind at an earlier stage.

[ 19 ] Wenn man so die Morphologie des Menschen durchschaut, kommt man als erstes dazu, ihn in einer richtigen Weise in ein Verhältnis zur tierischen Welt zu setzen. Dann sagt man sich: Wenn man in der Zeitenreihe zurückgeht, so hat man das, was menschliche Hauptesbildung geworden ist, als die hauptsächlichste Umwandlung seiner früheren Organisation anzusehen. Diese hat man zurückzuführen auf frühere Tierformen — ich kann das einzelne jetzt nicht ausführen, daher wird sich das Ganze paradox ausnehmen —, dagegen muß man die ganze Menschengestalt so ansehen, daß die übrige Bildung, die dem Haupt angehängt ist, unter Verhältnissen entstanden ist, die durchaus anders auf diese Gesamtgestalt des Menschen wirken, als aus der heutigen Umgebung auf die Gesamtgestalt des Tieres gewirkt wird. Wenn man diese Verhältnisse durchschaut, wird man die menschliche Gestalt in ein ganz anderes Verhältnis zur Tierwelt bringen, als das heute der Fall ist.

[ 19 ] When one examines human morphology in this way, the first step is to place humanity in its proper context within the animal world. Then one realizes: If one looks back through the course of time, what has become the human head structure must be regarded as the most fundamental transformation of its earlier organization. This must be traced back to earlier animal forms—I cannot go into the details now, so the whole thing will seem paradoxical—but one must view the entire human form in such a way that the rest of the body, which is attached to the head, arose under conditions that affect this overall human form quite differently than today’s environment affects the overall form of the animal. Once one understands these conditions, one will place the human form in a completely different relationship to the animal world than is the case today.

[ 20 ] Dann kommt noch als zweites etwas anderes hinzu: Wenn man das menschliche Haupt nun durchschaut, gerade die besonderen Verhältnisse der Weichteile zu den Knochenteilen, und dies vergleicht, namentlich auch in ihrer Lage, mit den Verhältnissen der Weichteile zu den Knochenteilen in den anhängenden Gliedmaßen, dann kommt man dazu, sich Vorstellungen zu machen über das innere Wirken der Bildungsgesetze im menschlichen Organismus. Und man kommt dazu einzusehen, daß das menschliche Haupt nicht nur in einer fortgehenden Entwicklung ist, sondern daß es etwas in sich trägt, was man zunächst nicht als eine Evolution anzusehen hat, sondern als eine Devolution, als eine rückgehende Entwicklung, die nur aufrechterhalten wird dadurch, daß dieser Hauptesorganismus mit dem übrigen menschlichen Organismus zusammenhängt und von ihm unterhalten wird.

[ 20 ] Then there is a second point to consider: When one examines the human head closely—specifically the unique relationships between the soft tissues and the bony structures—and compares these, particularly in terms of their position, with the relationships between the soft tissues and the bony structures in the appendages, one begins to form ideas about the inner workings of the laws of formation within the human organism. And one comes to realize that the human head is not only in a state of ongoing development, but that it carries within itself something that should not initially be regarded as evolution, but rather as devolution—a regressive development that is sustained only by the fact that this organism of the head is connected to the rest of the human organism and is sustained by it.

[ 21 ] Man hat es gerade in der menschlichen Hauptesorganisation zu tun mit einem fortwährenden Abbau, der allerdings aber genährt wird von dem, was Anhangsorgane des Hauptes sind. Während das Haupt durch seine Organisation selbst auf den Abbau hin organisiert ist, hat man es durchaus zu tun mit einem kontinuierlichen Sterben im menschlichen Haupt. Die Prozesse, die aufsteigende sind, vitalisierende sind, sind die einen Prozesse; die anderen sind zurückstauende Prozesse, ausgebreitet in der Zeitenlinie, was, wenn es in einen Augenblick zusammengedrängt ist, als der Tod des ganzen Organismus erscheint. Man könnte auch sagen: Das, was mit dem Tod in einem Augenblick über den ganzen Organismus kommt, das könnte man betrachten, mathematisch ausgedrückt, wie ein Integral, für das man das betreffende Differenzial sucht. Und man würde dann dazu kommen, in der Differenzialreihe, in die man das Integral aufgelöst hat, verteilt auf die Zeitlinie dasjenige zu finden, was sich abspielt als eine rückgehende Entwicklung, eine Devolution im menschlichen Hauptesorganismus. Diese Devolution aber, die findet man wiederum als die eigentliche Grundlage für den vorstellenden und den Sinnesprozeß. Man kann also sagen: Es ist unmöglich, das, was dem menschlichen Wachstum, was der aufsteigenden Entwicklung zugrundeliegt, was gerade die organisierenden Kräfte sind, das auch anzusehen als die Grundlage für die geistig-seelischen Prozesse. Im Gegenteil! Da, wo der Organismus abgebaut wird, da erhebt sich gerade über dem Abbau, gerade über der Zerstörung des Organischen, das Geistig-Seelische. Man erlangt keinen Einblick in den Zusammenhang des Leiblich-Physischen mit dem Geistig-Seelischen im Menschen, wenn man nicht weiß, daß man nicht das, was man als die Grundlage der Organisation ansieht, auch etwa ansehen darf als die Grundlage des geistig-seelischen Prozesses. Das Leiblich-Physische muß zunächst sich abbauen, muß Platz machen, es muß weichen, damit das Geistig-Seelische im Menschen Platz greifen kann.

[ 21 ] It is precisely in the organization of the human head that we are dealing with a continuous process of decay, which is, however, sustained by what are the head’s accessory organs. While the head is, by its very organization, structured toward decay, we are indeed dealing with a continuous process of dying within the human head. The processes that are ascending and vitalizing are one set of processes; the others are stagnant processes, spread out along the timeline, which, when compressed into a single moment, appear as the death of the entire organism. One could also say: What befalls the entire organism with death in an instant could be regarded, expressed mathematically, as an integral for which one seeks the corresponding differential. And one would then arrive at the conclusion that, in the differential series into which the integral has been expanded—distributed along the timeline—one finds what unfolds as a regressive development, a devolution within the human organism as a whole. This devolution, however, is in turn found to be the very foundation of the processes of imagination and sensation. One can therefore say: It is impossible to regard that which underlies human growth—that which underlies ascending development, namely the organizing forces—as the foundation for the spiritual-soul processes. On the contrary! Where the organism is broken down, the spiritual-soul aspect rises precisely above this breakdown, precisely above the destruction of the organic. One cannot gain insight into the connection between the physical-bodily and the spiritual-psychic in the human being unless one realizes that what is regarded as the foundation of organization must not be regarded as the foundation of the spiritual-psychic process. The physical-bodily must first break down, must make room, must give way, so that the spiritual-psychic can take hold within the human being.

[ 22 ] Mit diesen Dingen deute ich nur an, wie in der Tat durch die Geisteswissenschaft ein ganz organischer Weg sich eröffnet, der nicht auf irgendwelchen Phantasien aufgebaut ist, sondern auf einer getreulichen Beobachtung der menschlichen Natur, aber auf einer solchen Beobachtung, die das Innere durchdringt. Es geschieht wirklich nicht aus willkürlichen Behauptungen oder vagem Glauben heraus, wenn der Geistesforscher sagt: Dasjenige, was geistig-seelisch ist im Menschen, das ist nicht gebunden an die physische Organisation, sondern an die physische Desorganisation, also an das, was Platz machen muß, damit das Geistig-Seelische auftreten kann. Kein Wunder ist es daher, daß man in den nervösen Organen die geistigseelischen Prozesse verfolgen kann, denn in demselben Maße, in dem irgendein geistig-seelischer Prozeß auftritt, muß er die entsprechende physische Organisation verdrängen, was sich sogar als ein physischer Abbau geltend macht. Und man wird erst dann zu einem wirklichen Zusammenhang zwischen den geistig-seelischen und den physisch-leiblichen Prozessen gelangen, wenn man nicht mehr sucht die physisch-leiblichen Prozesse als den seelischen Prozessen entsprechend, sondern sie versteht als Prozesse der Desorganisation, der Auflösung, der Aussonderung. Wenn man diese Spuren der physisch-leiblichen Aussonderungsprozesse verfolgt, dann hat man das wahre Korrelat für die geistig-seelischen Prozesse; und gerade damit wird ihre besondere Eigentümlichkeit und Selbständigkeit in wirklich wissenschaftlicher Art garantiert.

[ 22 ] With these remarks, I am merely hinting at how spiritual science in fact opens up a wholly organic path that is not based on mere fantasies, but on a faithful observation of human nature—an observation that penetrates to the innermost core. It is certainly not based on arbitrary assertions or vague beliefs when the spiritual researcher says: That which is spiritual-psychic in the human being is not bound to the physical organization, but to physical disorganization—that is, to that which must give way so that the spiritual-psychic can emerge. It is therefore no wonder that one can trace the spiritual-psychic processes in the nervous organs, for to the same extent that any spiritual-psychic process occurs, it must displace the corresponding physical organization, which even manifests as physical deterioration. And one will only arrive at a true connection between the spiritual-psychic and the physical-bodily processes when one no longer seeks to view the physical-bodily processes as corresponding to the psychic processes, but rather understands them as processes of disorganization, dissolution, and excretion. If one traces these signs of physical and bodily processes of elimination, one finds the true correlate of the mental and spiritual processes; and it is precisely this that guarantees their particular distinctiveness and independence in a truly scientific manner.

[ 23 ] Aber wenn man diesen Prozeß innerlich durchschaut, gerade als den Prozeß des Menschen, dann wird man nicht mehr Physiologie und Pathologie so nebeneinander zu stellen haben, wie es heute geschieht — Sie brauchen nur irgendein bekanntes Lehrbuch in die Hand zu nehmen —, wo man einfach nacheinander die einzelnen Tatsachen aufzählt, sie registriert, ohne sie bewerten zu können nach ihrem Zusammenhang in der ganzen menschlichen Organisation, so daß derjenige, der am Leitfaden einer solchen sogenannten Wissenschaft geführt wird, nichts hat als einzelne, nebeneinanderstehende Tatsachen. Die Dinge verhalten sich eben durchaus anders. Wir haben im menschlichen Organismus auf der einen Seite das, was die aufbauenden Prozesse sind, und auf der anderen Seite ist — im Sinne der Dreigliederung des menschlichen Organismus, die ich in früheren Vorträgen angeführt habe — auch das andere vorhanden, das die abbauenden Prozesse in sich schließt, da räumlich jeder Aufbauprozeß zu gleicher Zeit von dem Abbauprozeß durchzogen ist. So hat man im menschlichen Organismus nicht einen gradlinig verlaufenden Prozeß, sondern man hat einen Prozeß, der nach einer Richtung verläuft, und ihm kommt ein anderer Prozeß entgegen — ein aufsteigender Prozeß, ein absteigender Prozeß. Diese beiden Prozesse stehen im sogenannten normalen, im gesunden Leben in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Macht sich der eine auf Kosten des anderen in seiner Stärke geltend, dann haben wir in einer solchen Tatsache zu suchen das Auftreten des Krankhaften. Und wir werden, wenn wir die Anschauung, die ich hier ausgeführt habe, differenzieren können — und sie kann differenziert werden für die menschliche Organisation bis ins Kleinste —, wir werden die Möglichkeit haben, in einer rationellen Weise einzudringen in den erkrankten Organismus. Nicht mehr stehen uns rätselhaft gegenüber jene zwei Strömungen in der Physiologie, in der Pathologie, sondern wir wissen, daß dieses Gegenüberstehen in einer gewissen Weise notwendig ist für die menschliche Wesenheit, daß aber durch Prozesse, deren Schilderung jetzt zu weit führen würde, ein Vorwiegen des einen oder des anderen eintreten kann — Sie werden das geschildert finden, wenn Sie sich auf die geisteswissenschaftliche Literatur einlassen.

[ 23 ] But if one truly understands this process from within—precisely as the process of the human being—then one will no longer have to treat physiology and pathology as separate disciplines, as is the case today —you need only pick up any standard textbook—where individual facts are simply listed one after another and recorded without being able to evaluate them in terms of their connection to the entire human organism, so that anyone guided by such a so-called science is left with nothing but isolated, juxtaposed facts. The reality is quite different. In the human organism, on the one hand, we have what are known as the building processes, and on the other hand—in the sense of the threefold structure of the human organism that I have described in earlier lectures—there is also the other aspect, which encompasses the breaking-down processes, since every building process is simultaneously permeated by the breaking-down process. Thus, in the human organism, we do not have a process that proceeds in a straight line, but rather a process that proceeds in one direction, and another process meets it head-on—an ascending process and a descending process. In so-called normal, healthy life, these two processes stand in a certain relationship to one another. If one asserts itself at the expense of the other, then we must look to this very fact as the origin of the pathological condition. And if we are able to refine the perspective I have outlined here—and it can be refined down to the smallest detail in the human organism—we will have the opportunity to gain a rational understanding of the diseased organism. Those two currents in physiology and pathology will no longer stand before us as a mystery; rather, we will know that this opposition is, in a certain sense, necessary for the human being, but that through processes—the description of which would take us too far afield here—one or the other may come to predominate. You will find this described if you delve into the literature of the spiritual sciences.

[ 24 ] Ich will Ihnen das an einem speziellen Beispiel zeigen, wie diese Dinge, die ich jetzt mehr in Abstraktheit Ihnen vorgeführt habe, im konkreten Erfassen der menschlichen Organisation sich geltend machen. Sie können es ja studieren, wie zum Beispiel die Epidermiszellen des Menschen zu Sinneszellen umgewandelte Epithelzellen sind, ebenso wie auch die Drüsenzellen umgewandelte Epithelzellen sind. Gerade an diesem Prozeß, der den Zusammenhang zwischen den Sinneszellen und den Drüsenzellen auf einem Umwege ergibt, werden Sie bekräftigt finden können, wie das, was ich gestern angeführt habe mit Bezug auf das sinnliche Erfassen nach außen hin und das sinnliche Erfassen des menschlichen Innern, anatomisch-physiologisch verfolgt werden kann an dieser Metamorphose der Zellen selber. Und dann, wenn Sie diese Richtung weiterverfolgen, indem Sie die heute schon durchaus empirisch vorliegenden Tatsachen studieren, so werden Sie finden, daß da ein gewisser Prozeß vorliegt, der sie führt von den Epithelzellen zu den Sinneszellen hin; das ist die eine Strömung in der Organisation. Wir können diese Strömung auch im entgegengesetzten Sinne verfolgen: Epithelzellen — Drüsenzellen. Wir haben damit die Möglichkeit, in der Betrachtung der menschlichen Organisation allmählich aufzusteigen zu der Art und Weise, wie aus der Hauptesorganisation und aus der mit ihr verwandten Organisation durch eine gewisse Entfaltung von Kräften, wie von innen nach außen gehend, die Sinne gebildet werden. Wir haben das, was in diesem Prozeß zu sehen ist, lokalisiert. Da aber im Menschen die Dinge nicht schematisch lokalisiert sind, so müssen wir sagen, sie sind hauptsächlich lokalisiert im Haupt; sie sind aber auch im übrigen Organismus vorhanden, so wie gewisse Sinne über den ganzen Organismus ausgebreitet sind, während vorzugsweise das Haupt die Sinne enthält. So können wir sehen, wie die eine Seite die menschliche Natur dazu drängt, aus sich die Sinnesorgane herauszubilden; andere Gebiete sind mehr nach der Richtung hin organisiert, welche das Epithel zu dem Drüsenhaften hin entwickelt. Wenn wir diese polarischen Gegensätze sehen, werden wir sagen: Es beruht, innerlich angeschaut — und man muß die menschliche Natur innerlich anschauen, sonst kann man sie nicht durchschauen —, es beruht alles darauf, daß die Strömung in der Organisation einmal von innen nach außen verläuft, das andere Mal sozusagen im entgegengesetzten Sinn, von außen nach innen. Da haben wir wieder etwas, was nach der einen oder der anderen Seite im menschlichen Organismus sich entwickelt. Und nun, meine sehr verehrten Anwesenden, kann durch ganz bestimmte Verhältnisse in Gebieten des menschlichen Organismus, wo vorzugsweise sonst diejenigen Prozesse veranlagt sind, welche von außen nach innen laufen, das eintreten, daß diese in einer unrichtigen Weise durchzogen werden von Prozessen, die von innen nach außen laufen. So paradox es klingt, man muß sagen, daß in einem Gebiet des menschlichen Organismus, das in seiner normalen Organisation nur dazu veranlagt ist, Drüsiges zu entwickeln, die Tendenz entstehen kann, hinzuführen zu einer Anlage eines Sinnesorgan-Bildungsprozesses. Da lagert sich in einer gewissen Weise in die Epithelbildung die Tendenz ein, die sonst im menschlichen Organismus nur da berechtigt ist, wo sich die Sinne entwickeln. Selbstverständlich kann das auftreten, weil ja in einem schwächeren Maße alles im menschlichen Organismus in allem eingelagert ist, man muß es nur unterscheiden; es kann sich auch im Haupte das aussprechen, was ein Gegenprozeß ist gegen den Sinnesbildungsprozeß. Man braucht nur daran zu denken, daß überall Absonderungsorgane neben den Sinnesorganen sich geltend machen.

[ 24 ] I would like to show you, using a specific example, how these concepts—which I have just presented to you in a more abstract way—manifest themselves in the concrete understanding of the human organism. You can study, for example, how the epidermal cells of the human body are epithelial cells that have been transformed into sensory cells, just as the glandular cells are also transformed epithelial cells. It is precisely in this process—which, in a roundabout way, reveals the connection between sensory cells and glandular cells—that you will find confirmation of how what I mentioned yesterday regarding sensory perception of the external world and sensory perception of the human interior can be traced anatomically and physiologically through this metamorphosis of the cells themselves. And then, if you continue to follow this line of inquiry by studying the facts that are already well-established empirically today, you will find that there is a certain process at work that leads from the epithelial cells toward the sensory cells; this is one current within the organism. We can also trace this current in the opposite direction: epithelial cells — glandular cells. This gives us the opportunity, in our consideration of the human organism, to gradually ascend to the way in which the senses are formed from the organization of the head and from the organization related to it through a certain unfolding of forces, as if moving from the inside out. We have identified what can be observed in this process. However, since things in the human being are not schematically localized, we must say that they are primarily localized in the head; yet they are also present in the rest of the organism, just as certain senses are spread throughout the entire organism, while the head primarily contains the senses. Thus we can see how one aspect of human nature impels the formation of the sense organs from within; other areas are organized more in the direction in which the epithelium develops into glandular tissue. When we observe these polar opposites, we will say: Viewed from within—and one must view human nature from within, otherwise one cannot fathom it—it all rests on the fact that the flow within the organism sometimes proceeds from the inside out, and at other times, so to speak, in the opposite direction, from the outside in. Here again we have something that develops in one direction or the other within the human organism. And now, ladies and gentlemen, due to very specific conditions in areas of the human organism where processes that run from the outside to the inside are otherwise predominantly predisposed, it can happen that these areas are permeated in an incorrect manner by processes that run from the inside to the outside. As paradoxical as it sounds, one must say that in a region of the human organism which, in its normal organization, is predisposed only to develop glandular tissue, a tendency may arise that leads to the formation of a sensory organ. In a certain sense, the tendency that is otherwise justified in the human organism only where the senses develop becomes embedded in the formation of the epithelium. Of course, this can occur because, to a lesser extent, everything in the human organism is embedded in everything else; one simply has to distinguish it. What manifests itself primarily may also be a counter-process to the process of sensory organ formation. One need only consider that secretory organs assert themselves everywhere alongside the sensory organs.

[ 25 ] Aber was liegt dann da eigentlich vor? Sehen Sie, da liegt etwas vor, was, wenn man es heute ausspricht, geradezu im höchsten Maße phantastisch erscheint, weil man seine Zuflucht nehmen muß zu Begriffsbildungen, die die heutige Wissenschaft durchaus nicht gelten lassen will, weil sie ihr, trotzdem sie voll im Wirklichen wurzeln, ganz ferneliegen. Aber man wird nicht dasjenige, was wir in der Welt zu beobachten haben, durchdringen können, wenn man nicht in dieser Weise die Metamorphose ernst nimmt, selbst da, wo das Metamorphosierte gar nicht mehr ähnlich ist dem Ursprünglichen, wenn man nicht auch da sozusagen einen fortgebildeten Goetheanismus als ein Ideal für echte Wissenschaftlichkeit ansieht. Man muß nämlich sagen: Es kann in einem gewissen Gebiete des menschlichen Organismus, wo normalerweise sonst nur die Tendenz zur Drüsenbildung vorliegen soll, sich einlagern die Tendenz zu einer Sinnesbildung, zu etwas, das dann einen Sinnesbildungsprozeß abgeben wird. Und hier haben wir denjenigen Krankheitsprozeß innerlich angeschaut, den man beobachten kann in der Krebsbildung, im Karzinom. Ich will ein konkretes Beispiel anführen, ich will mich nicht genieren, so etwas anzuführen, was heute noch belacht wird.

[ 25 ] But what, then, are we actually dealing with here? You see, there is something here that, when spoken of today, seems downright fantastical to the highest degree, because one must resort to concepts that modern science absolutely refuses to accept—concepts that, despite being deeply rooted in reality, are entirely foreign to it. But we will not be able to penetrate what we observe in the world unless we take metamorphosis seriously in this way—even where the transformed form bears no resemblance whatsoever to the original—unless we regard, so to speak, a further-developed Goetheanism as an ideal for genuine scientific rigor. For one must say: In a certain area of the human organism, where normally only the tendency toward gland formation is supposed to be present, the tendency toward sensory formation can become embedded—toward something that will then give rise to a process of sensory formation. And here we have looked inwardly at the very disease process that can be observed in the formation of cancer, in carcinoma. I would like to cite a concrete example; I will not hesitate to mention something that is still ridiculed today.

[ 26 ] Aber ich will ja durchaus nicht im Abstrakten herumreden, sondern ich will zeigen, daß in der Geisteswissenschaft etwas vorliegt, was wirklich eindringt in das, was in den einzelnen Fachgebieten gegeben ist, allerdings in einer Weise, die man gegenüber dem heutigen Vorgehen nur dann begreifen wird, wenn man mutig vorgehen will im Erkennen, wirklich bis :u den Konsequenzen dessen gehen will, was in den Anfängen heute durchaus in der empirischen Wirklichkeit vorliegt. Ich habe mich nicht geniert, Ihnen solche Einzelheiten vorzuführen, von denen Hunderte und Hunderte aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft Ihnen vorgeführt werden könnten, damit Sie sehen, daß diese Geisteswissenschaft nicht im Unbestimmten herumschwefelt und -schwafelt, sondern daß sie sich an die Tatsachen hält, überall in die Tatsachen eindringt, daß sie nicht redet von Seele und Geist in abstrakten Worten und den Leuten umnebelnde Theorien über den Kopf wirft, welche im Grunde genommen nur Ausdeutungen traditioneller Wortbedeutungen sind. Nur durch den Geist dringt man ein in das einzelne; man durchdringt wirklich geistig alles einzelne, was in den Fachwissenschaften vorliegt.

[ 26 ] But I certainly do not want to ramble on about abstractions; rather, I want to show that there is something in spiritual science that truly penetrates what is given in the individual disciplines, albeit in a way that, compared to today’s approach, can only be understood if one is willing to proceed courageously in the pursuit of knowledge, truly willing to follow through to the very end the consequences of what is already present in empirical reality today, even in its earliest stages. I have not hesitated to present such details to you—hundreds upon hundreds of which could be presented from the field of spiritual science—so that you may see that this spiritual science does not ramble on vaguely and ramble aimlessly, but rather that it adheres to the facts, penetrates the facts everywhere, and does not speak of soul and spirit in abstract terms or bombard people with confusing theories that are, when it comes down to it, merely interpretations of traditional word meanings. Only through the spirit does one penetrate into the particular; one truly penetrates, spiritually, every particular aspect that exists in the specialized sciences.

[ 27 ] Und eine solche Pathologie, welche im physiologischen Prozeß, also im Prozeß der Drüsenbildung, den entgegengesetzten Prozeß findet — hier als pathologischen Prozeß —, eine solche Wissenschaft kann die Brücke schlagen zu einer Naturgesetzmäßigkeit der Physiologie und der Pathologie. Das sind die Perspektiven, welche gegeben werden möchten von der wirklich durchaus exakten Wissenschaftlichkeit anthroposophisch orientierter Weltanschauung zu demjenigen, was an gewissenhafter Beobachtung und äußerlicher Exaktheit der Methoden in den einzelnen heutigen Fachwissenschaften durchaus anerkannt werden soll. Wenn man aber auf der einen Seite so den Menschen betrachtet nach seinen ab- und aufsteigenden Prozessen, dann wird man auf der anderen Seite draußen in der Natur nicht nur auf- und absteigende Prozesse finden, sondern auch auf- und absteigende Organisationen. Man wird zum Beispiel den Pflanzenbildungsprozeß verfolgen. In demjenigen, was Goethe 1790 in seinem Versuch, die Metamorphose der Pflanzen zu erklären, gegeben hat, sind ja erst die ersten Anfänge, das Einmaleins gegeben. Wenn man aber diese Methode weiter fortbildet, so kommt man dazu einzusehen, wie diese Pflanzenorganisation anzusehen ist in ihren subtilen Gliederungen: wie der Blütenbildungsprozeß vor sich geht, was für eine Bedeutung der polarische Gegensatz zwischen der Wurzel, welche nach unten wächst, und der Blüte und der Frucht, die nach oben wachsen, im ganzen Zusammenhang der Naturtatsachen hat.

[ 27 ] And such a pathology—which finds its opposite in the physiological process, that is, in the process of gland formation (here as a pathological process)—such a science can bridge the gap to a natural law governing physiology and pathology. These are the perspectives that the truly rigorous scientific approach of an anthroposophically oriented worldview seeks to offer regarding what is to be fully recognized in today’s individual specialized sciences in terms of conscientious observation and the external precision of methods. But if, on the one hand, one views the human being in this way—in terms of his descending and ascending processes—then, on the other hand, one will find in nature not only ascending and descending processes but also ascending and descending forms of organization. One can, for example, trace the process of plant formation. What Goethe presented in 1790 in his attempt to explain the metamorphosis of plants constitutes, after all, only the very beginnings, the basics. But if one develops this method further, one comes to understand how this plant organization is to be viewed in its subtle structures: how the process of flower formation proceeds, and what significance the polar opposition between the root—which grows downward—and the flower and fruit—which grow upward—has within the overall context of natural phenomena.

[ 28 ] Man kommt dann zum Beispiel dazu zu prüfen, wie zusammenhängt irgendein Prozeß, sagen wir der Säftebewegung im tierischen Organismus mit der Säftebewegung im menschlichen Organismus. Man kommt dazu, von der Pflanze zum tierischen Organismus aufzusteigen und in dem, was in der tierischen Organisation einem entgegentritt, die entsprechenden Vorgänge in der menschlichen Natur zu sehen. Und dann kommt man auch dazu, so etwas zu betrachten wie den Gegensatz, der draußen in dem Prozeß der Pflanzenbildung vorliegt und in dem Prozeß im Menschen. Die Pflanze baut ihren Leib auf Grundlage des Kohlenstoffes auf. Sie setzt in sich den Kohlenstoff ab, den Sauerstoff sondert sie ab. Der Mensch macht einen ähnlichen Prozeß durch in seiner Atmung in Verbindung mit der Blutzirkulation, in der ganzen Aufgabe des Blutzirkulierens — aber was tritt da ein? Da wird der Kohlenstoff an den Sauerstoff gebunden, also Kohlensäure erzeugt. Da haben wir das, was im Pflanzenbildungsprozeß sich konsolidiert, was in einer gewissen Weise äußerlich verlaufend ist, im Ansatz im Menschen vorhanden, aber er hat es dann ausgeworfen. Wir bekommen da eine gewisse Beziehung zwischen dem Pflanzenbildungsprozeß draußen und demjenigen, was beim Menschen der Atmung zugrundeliegt, die den Prozeß verdünnt, abbricht. Und wiederum an die Atmung gliedert sich das an, was sonst im menschlichen Organismus ist, und man kann dann vergleichen dasjenige, was von diesen Prozessen in der menschlichen Organisation an den Abbau gebunden ist und was an den Aufbau gebunden ist in der menschlichen Organisation. Nehmen wir an, man findet irgendetwas in der menschlichen Organisation, was in einer solchen Weise einen Krankheitsprozeß darstellt wie der Beginn, der mißbildende Beginn eines Sinnesbildungsprozesses im Krebs, so kann man, nach demjenigen sehend, was in der äußeren Natur ist, den entgegengesetzten Prozeß suchen. Man wird ihn durch ein Heilmittel in den menschlichen Organismus einführen können und dadurch ebenso heilend wirken, wie es auf den Kohlenstoff im menschlichen Organismus, wenn ich so sagen darf, heilend wirkt, daß der Sauerstoff zugeführt wird. Das ist identisch. So bekommt man eine innere Einsicht in den Zusammenhang zwischen demjenigen, was im Menschen organisiert ist, und der äußeren Natur. Man bekommt eine solche Einsicht, daß man in dem, was in der äußeren Natur entsteht, das Heilmittel in rationeller Weise findet, das für irgendeinen entsprechenden Prozeß im menschlichen Organismus dienen kann.

[ 28 ] One then comes, for example, to examine how a particular process—let us say, the flow of fluids in the animal organism—is related to the flow of fluids in the human organism. One comes to move from the plant to the animal organism and, in what one encounters in the animal organism, to see the corresponding processes in human nature. And then one also comes to consider such things as the contrast that exists between the process of plant formation and the process in humans. The plant builds its body on the basis of carbon. It takes in carbon and releases oxygen. Human beings undergo a similar process in their respiration in connection with blood circulation—in the entire process of blood circulation—but what happens there? There, carbon is bound to oxygen, thus producing carbon dioxide. Here we find that which consolidates in the process of plant formation—a process that, in a certain sense, takes place externally—present in its embryonic form in the human being, but which the human being has then expelled. We see a certain relationship between the external process of plant formation and that which underlies human respiration, a process that dilutes and interrupts it. And in turn, what is otherwise present in the human organism is linked to respiration, and one can then compare what, in the human organism, is associated with breakdown in these processes and what is associated with building up. Let us suppose that one finds something in the human organism that represents a disease process in a manner similar to the beginning—the malformed beginning—of a sensory formation process in cancer; then, by observing what exists in the external natural world, one can seek out the opposite process. One will be able to introduce this process into the human organism through a remedy and thereby exert a healing effect just as the supply of oxygen, if I may put it that way, has a healing effect on the carbon in the human organism. This is identical. In this way, one gains an inner insight into the connection between what is organized within the human being and external nature. One gains such insight that one can rationally identify, within what arises in the external natural world, the remedy that can serve a corresponding process in the human organism.

[ 29 ] Alles das — Sie werden das aus der Art und Weise entnehmen, wie ich es sage — ist nicht auf Phantasmen aufgebaut, es wird so exakt durchgeführt, wie nur irgendwie in der Wissenschaft exakt gearbeitet wird. Aber es muß mit Begriffen gearbeitet werden, die sich eben durchaus in die verschiedenen Gebiete der Wirklichkeit beweglich hineinversetzen können. Es müssen unsere Begriffe nicht einseitig bloß ausgebildet werden in gewissen Fachwissenschaften und dann dasjenige bleiben, was in berechtigter Weise in den einzelnen Fachwissenschaften dargestellt wird; unsere Begriffe müssen beweglich werden, so daß wir untertauchen können in die ganzen weiten Gebiete der Wirklichkeit. Sonst eignen wir uns solche Begriffe an, mit denen wir zwar in einer merkwürdigen Weise glauben, die Tatsachengebiete zu umspannen, mit denen wir aber den Tatsachengebieten in Wirklichkeit nur fernbleiben.

[ 29 ] All of this—as you will gather from the way I say it—is not based on phantasms; it is carried out as precisely as scientific work can possibly be. But we must work with concepts that are flexible enough to be applied to the various realms of reality. Our concepts must not be developed one-sidedly within certain specialized sciences and then remain confined to what is legitimately presented in those individual disciplines; our concepts must become flexible so that we can immerse ourselves in the entire vast realm of reality. Otherwise, we acquire concepts with which we believe, in a strange way, to encompass the realms of fact, but with which we actually only remain distant from those realms.

[ 30 ] Wir haben gerade in unserer heutigen Zeit dafür ein merkwürdiges Beispiel zu verzeichnen. Diejenigen, die mit solchen Dingen bekannt sind, werden wissen, wie viele Theorien über den Äther es im Lauf der neueren Zeit gegeben hat; sie wissen, wie man immer wieder versucht hat, bei den Erscheinungen, die man glaubte ansehen zu müssen als hervorgehend aus dem Zusammenwirken der ponderablen Materie mit dem Äther, den Äther bald als starr, bald als flüssig zu charakterisieren, bis endlich Experimente in der neueren Zeit ergeben haben sollen, daß man mit all diesen alten Äthertheorien nicht weiterkommt. Das einfache Experiment, das man angestellt hat über gewisse Verhältnisse bei der Fortbewegung des Lichtes — wie man sagte bei der Fortpflanzung des Lichtes —, dieses Experiment soll ergeben haben eine besondere Korrektur, eine radikale Korrektur des Ätherbegriffes. Es liegt ja dieses Experiment darin: Wenn man an einem Ort A ein Licht aufflackern läßt und dieses Licht verfolgt von Ort A nach Ort B, so soll, wenn der Ort B in Bewegung ist, also weitergeht, das Licht später ankommen, als es nach der Ausrechnung gemäß der in der Physik vorhandenen Lichtgeschwindigkeit in B ankommen würde, wenn dieser Ort B unbeweglich wäre. Aber das, was man da theoretisch ausrechnet, ergibt sich in der Praxis nicht. Und — ich lasse alle Übergangsglieder weg — darin hat ja dann, mit manchen Zwischengliedern, die Relativitätstheorie ihre Wurzeln gefunden, diese Relativitätstheorie, die nun als Ergebnis hat, daß man den Äther ganz abschafft. Man rechnet dann allerdings mit merkwürdigen Dingen, so zum Beispiel damit, daß sich Körper einfach verkürzen können durch die Bewegung selber und dergleichen. Nun, Sie brauchen sich nur mit der entsprechenden Literatur zu befassen, dann werden Sie schon finden, wie hart und starr da gewisse Begriffe geworden sind, die dann auf die Wirklichkeit so angewendet werden, daß man glaubt, die Wirklichkeit zu erfassen, aber eigentlich ihr ungeheuer fernbleibt.

[ 30 ] We have a curious example of this right in our own time. Those familiar with such matters will know how many theories about the ether have emerged in recent times; they know how, time and again, in attempting to explain phenomena believed to arise from the interaction of ponderable matter with the ether, people have sought to characterize the ether—sometimes as rigid, sometimes as fluid—until, finally, recent experiments are said to have shown that none of these old theories of the ether lead anywhere. The simple experiment that was conducted regarding certain conditions in the propagation of light—as it was called—is said to have yielded a specific correction, a radical correction to the concept of the ether. The experiment consists of the following: If one causes a light to flash at a point A and traces this light from point A to point B, then—if point B is in motion, that is, moving forward—the light is supposed to arrive later than it would, according to calculations based on the speed of light established in physics, if point B were stationary. But what is theoretically calculated in this way does not hold true in practice. And—I’ll skip all the intermediate steps—it is in this, along with certain intermediate concepts, that the theory of relativity found its roots—this theory of relativity, which ultimately leads to the complete abolition of the ether. However, one then has to contend with strange phenomena, such as the idea that bodies can simply contract due to the motion itself, and the like. Well, you need only consult the relevant literature, and you will see just how rigid and inflexible certain concepts have become—concepts that are then applied to reality in such a way that one believes one is grasping reality, but in fact remains incredibly far removed from it.

[ 31 ] Geisteswissenschaft kann einem solchen Weg nicht folgen, der eigentlich nur aus der Starrheit der Begriffe heraus sich bildet. Geisteswissenschaft verfolgt die entsprechenden Erscheinungen — ich erwähne dies, damit Sie sehen, wie Geisteswissenschaft in solche Gebiete hineinleuchten kann — und kommt dazu, allerdings anzuerkennen, daß man den Begriff des Äthers braucht.

[ 31 ] Spiritual science cannot follow such a path, which is essentially based solely on the rigidity of concepts. Spiritual science investigates the relevant phenomena—I mention this so that you can see how spiritual science can shed light on such areas—and ultimately comes to acknowledge that the concept of ether is necessary.

[ 32 ] Aber weil sie nicht unberechtigte Hypothesen aufstellt, sondern Wirklichkeiten annimmt, geht ihr der Äther auf in den Erscheinungen, die gewöhnlich aus dem Äther selber hergeleitet werden. Auf der anderen Seite wissen Sie, daß da, wo man vom Äthergebiet zu sprechen hat, in die entsprechende mathematische Formel, wo man bei der ponderablen Materie die Größe mit Plus-Zeichen einsetzt für Wärme — aber nur für gewisse Wärmeerscheinungen, die der strahlenden Wärme, der strömenden Wärme —, und daß für Lichterscheinungen, für gewisse Erscheinungen, die sich dann als chemische Vorgänge ausnehmen, auch in den Lebenserscheinungen, da in die entsprechenden mathematischen Formeln bei gewissen Größen negative Vorzeichen einzusetzen sind, die zu modifizieren sind, indem man nicht nur negative Größen einsetzt, sondern sogar statt der Ausstrahlung von einem Punkt die Herstrahlung von einer Peripherie annimmt.

[ 32 ] But because it does not posit unfounded hypotheses but rather assumes realities, the ether is reflected in the phenomena that are usually derived from the ether itself. On the other hand, you know that where one speaks of the etheric realm, in the corresponding mathematical formula—where, in the case of ponderable matter, the quantity is entered with a plus sign for heat—but only for certain heat phenomena, such as radiant heat and flowing heat— and that for light phenomena, for certain phenomena that then appear as chemical processes—including in life phenomena—negative signs must be inserted for certain quantities in the corresponding mathematical formulas; these must be modified not only by inserting negative quantities but even by assuming, instead of radiation from a point, re-radiation from a periphery.

[ 33 ] Kurz, man kommt durch die Geisteswissenschaft zu einer Gliederung der Formeln auf diesem exakten wissenschaftlichen Gebiet, die durchaus dasjenige ausdrückt, was sich abspielt zwischen der ponderablen Materie und dem Äther. Man kommt zu einer Erkenntnis der wirklichen Beziehungen des sogenannten Äthers zur ponderablen Materie. Man kommt dazu einzusehen, daß, wenn man den, sagen wir verworrenen Begriff Masse einfach so einsetzt, daß man sagt, man hat die Wirkung dieser Masse oder Materie nach außen mit positiven Vorzeichen einzusetzen, so hat man dasjenige, was im Äther demselben entspricht, mit negativen Vorzeichen einzusetzen. Was in dem einen Druckkraft ist, ist in dem anderen Saugkraft. Und wenn man die Ponderabilität der ponderablen Materie als Druckkraft ansieht, muß man das Imponderable des Äthers dieser Druckkraft gegenüber als eine Saugkraft darstellen. Dann kommt man zurecht mit den Erscheinungen, dann hat man nicht nötig, den Äther abzuschaffen und eine Null dafür zu setzen, sondern man kann, wie man es in einem andern Gebiet auch macht, von plus zu minus übergehen.

[ 33 ] In short, through the spiritual sciences, one arrives at a classification of the formulas in this exact scientific field that fully expresses what takes place between ponderable matter and the ether. One arrives at an understanding of the actual relationships between the so-called ether and ponderable matter. One comes to realize that if one simply applies the—let us say—confusing concept of mass in such a way that one says the outward effect of this mass or matter must be assigned a positive sign, then one must assign a negative sign to that which corresponds to it in the ether. What is a compressive force in one is a suction force in the other. And if one regards the ponderability of ponderable matter as a compressive force, one must represent the imponderable nature of the ether as a suction force in opposition to this compressive force. Then one can make sense of the phenomena; then there is no need to abolish the ether and assign it a value of zero, but rather, as is done in other fields, one can transition from plus to minus.

[ 34 ] Ich habe dieses Beispiel angeführt, damit Sie sehen, daß die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft durchaus nicht zurückschreckt vor den Gebieten, die im strengsten Sinne des Wortes exakt wissenschaftliche sind.

[ 34 ] I have cited this example so that you can see that anthroposophically oriented spiritual science by no means shies away from fields that are, in the strictest sense of the word, exact sciences.

[ 35 ] Sie sehen, daß diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft — gerade vielleicht auf denjenigen Gebieten, die heute am meisten in Verwirrung kommen dadurch, daß man mit ungesunden Begriffen arbeitet und sogar zu scheinbar epochemachenden Entdeckungen kommt —, daß diese Geisteswissenschaft berufen ist, Ordnung zu machen und wiederum dasjenige, was von seiner Naturordnung weggeführt worden ist im Denken, wiederum zurückzubringen zur Naturordnung. Das wird dann morgen einmünden in Ausführungen über die Anschauungen von dem sozialen Leben. Es wird einmünden in Begriffe und Impulse, die in das soziale Leben, in das Geschichtliche, das Kulturgeschichtliche, auch in das Sprachwissenschaftliche hineingehen — in Begriffe, die eben aus der Starrheit, in der sie heute vielfach verharren, in Lebendigkeit übergeführt werden. Und diese Lebendigkeit der Begriffe, sie bürgt dafür, daß tatsächlich durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft die Brücke geschlagen werden kann zwischen den einzelnen vereinseitigenden Fachwissenschaften. Und damit wird das, was geschehen soll zwischen anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft und Fachwissenschaften, eine sehr wichtige Bedeutung haben für die Entwicklung der Menschheit. Es wird überwinden die Vereinseitigung der Seelen, die vielfach ein Lähmendes in der Entwicklung der Persönlichkeit zur Folge hat. Und wir werden, indem Geisteswissenschaft eindringen kann in die einzelnen Fachwissenschaften, wiederum Persönlichkeiten auf unseren Bildungswegen haben können, die den ganzen vollen Menschen in sich ausbilden. Und das muß doch sein. Das muß insbesondere dann sein, wenn diejenigen, die einen gewissen Bildungsweg durchmachen, in berechtigter Weise als Führende sich in das soziale Leben hineinstellen wollen. Und führend im sozialen Leben muß doch das Geistige sein. Aber nur dasjenige Geistige kann im sozialen Leben führend sein, kann wirklich die Menschheit durchdringen mit dem, das zum Aufstieg und nicht zum Niedergang führt. Nur was als wissenschaftlich Gesundes die ganze menschliche Totalität ausbildet, nur das kann zu einer solchen gesunden Entwicklung der Menschheit führen.

[ 35 ] You can see that this anthroposophically oriented spiritual science—perhaps especially in those areas that are today most plagued by confusion because people are working with flawed concepts and even arriving at seemingly epoch-making discoveries—that this spiritual science is called upon to to bring order and to restore to its natural order that which has been led away from it in thought. This will then lead tomorrow into discussions of the views on social life. It will lead to concepts and impulses that permeate social life, history, cultural history, and even linguistics—concepts that are transformed from the rigidity in which they often remain today into vitality. And this vitality of the concepts guarantees that a bridge can indeed be built—through anthroposophically oriented spiritual science—between the individual, one-sided specialized disciplines. And thus, what is to take place between anthroposophically oriented spiritual science and the specialized disciplines will have great significance for the development of humanity. It will overcome the one-sidedness of the soul, which often results in a paralysis in the development of the personality. And as spiritual science penetrates the individual specialized disciplines, we will once again be able to have individuals in our educational pathways who develop the whole, complete human being within themselves. And that is indeed necessary. It is especially necessary when those who undergo a certain educational path legitimately wish to take on leadership roles in social life. And it is the spiritual that must be the guiding force in social life. But only that which is spiritual can be the guiding force in social life; only it can truly permeate humanity with what leads to ascent rather than decline. Only what, as scientifically sound, cultivates the whole of human totality—only that can lead to such a healthy development of humanity.