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The Task of Anthroposophy
in the Context of Science and Life
GA 77a

29 July 1921, Darmstadt

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The Task of Anthroposophy in the Context of Science and Life, tr. SOL
  1. Die Aufgabe der Anthroposophie gegenüber Wissenschaft und Leben

6. Die Aufgabe der Anthroposophie gegenüber Wissenschaft und Leben

6. The Role of Anthroposophy in Relation to Science and Life

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Die Anthroposophie, von der ich im Rahmen eines kurzen Vortrages heute abend selbstverständlich nur ein notdürftiges und ungenügendes Bild werde entwerfen können, will nicht bloß aus theoretischen Erwägungen oder aus gefühlsmäßigen Impulsen heraus über Weltanschauungsfragen reden, sondern diese Anthroposophie will befruchtend eindringen in die verschiedensten Zweige des wissenschaftlichen und des sonstigen Lebens. Über diese Anthroposophie wird in der Gegenwart nicht bloß gesprochen, sondern wir haben in Dornach bei Basel bereits eine Hochschule für anthroposophische Geisteswissenschaft, an welcher im vorigen Herbste und in diesem Frühling von einer Reihe von Fachleuten über die verschiedensten wissenschaftlichen Zweige Vorträge und Vortragskurse abgehalten worden sind. Es ist in Stuttgart ein Therapeutisches Institut in Begründung, um das, was aus anthroposophischer Geisteswissenschaft die Medizin befruchten kann, allmählich ins Leben einzuführen. Und von dieser Art könnte ich noch vieles nennen, das zeigen würde, wie Anthroposophie nicht etwa irgendeiner Sektengesinnung oder irgendeiner gefühlsmäßigen Anwandlung entspringt, sondern wie sie sich als eine Lebenstatsache ins Leben hineinstellen will. Indem sie ihrer Gesinnung nach von solchen Voraussetzungen ausgeht, fühlt sie sich bei jedem ihrer Schritte durchaus durchdrungen von der Verpflichtung, sich vor den strengsten Anforderungen, die sich allmählich im wissenschaftlichen Leben der Menschheit ergeben haben, zu rechtfertigen. Und es darf wohl gesagt werden, daß Anthroposophie gerade da anknüpfen möchte, wo die verschiedensten wissenschaftlichen Zweige gegenwärtig zeigen, daß sie aus ihrem eigenen Gefüge heraus eine Fortsetzung fordern. Ich möchte gleich auf Konkretes eingehen.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! Anthroposophy—of which, of course, I will be able to paint only a rough and inadequate picture in the context of a short lecture this evening—does not seek merely to discuss questions of worldview based on theoretical considerations or emotional impulses; rather, this Anthroposophy aims to permeate the most diverse branches of scientific and other aspects of life in a fruitful way. Anthroposophy is not merely a topic of discussion today; we already have a School of Spiritual Science in Dornach near Basel, where last fall and this spring a number of experts from a wide variety of scientific fields delivered lectures and lecture series. A therapeutic institute is being established in Stuttgart to gradually introduce into practice what aspects of anthroposophical spiritual science can enrich medicine. And I could cite many more examples of this kind that would show how anthroposophy does not stem from some kind of sectarian mindset or emotional whim, but rather seeks to establish itself as a fact of life. Because it is grounded in such principles, it feels, at every step, thoroughly imbued with the obligation to justify itself before the strictest demands that have gradually emerged in the scientific life of humanity. And it can certainly be said that anthroposophy seeks to pick up precisely where the most diverse branches of science are currently showing that they demand a continuation based on their own internal structure. I would like to address specific points right away.

[ 2 ] Die großen Triumphe der modernen Wissenschaft, die, wie ich immer wieder und wiederum erwähne, von der Anthroposophie voll anerkannt und gewürdigt werden, diese großen Triumphe der modernen Wissenschaft sind in der neusten Zeit zum Teil dem Umstande zu verdanken, daß man verstanden hat, die bloße Beobachtung der äußeren Sinneswelt umzugestalten in das wissenschaftliche systematische Experiment. Und im Experimentieren, in der Methodik des Versuches, in der Versuchsanordnung, ergeben sich ja nicht nur die Resultate der Wissenschaften der neueren Zeit, sondern in der Versuchsanordnung, in der Handhabung des Experimentes, ergibt sich zu gleicher Zeit das, was ich nennen möchte: die neuzeitliche wissenschaftliche Gesinnung, das, was man haben muß, wenn man irgendwie mitreden will im modernen, wissenschaftlichen Leben.

[ 2 ] The great triumphs of modern science—which, as I have mentioned time and again, are fully recognized and appreciated by anthroposophy—these great triumphs of modern science are, in recent times, partly due to the fact that people have understood how to transform the mere observation of the external sensory world into systematic scientific experimentation. And it is not only through experimentation—through the methodology of the experiment and the experimental setup—that the results of modern science emerge; rather, it is in the experimental setup and the conduct of the experiment that what I would like to call the modern scientific mindset emerges at the same time—that which one must possess if one wishes to have any say in modern scientific life.

[ 3 ] Den Anforderungen, die man allmählich im Laufe der neuzeitlichen Forschung an diese wissenschaftliche Gesinnung stellen gelernt hat, diesen Anforderungen möchte nun Anthroposophie auf einem anderen Gebiete, als dasjenige der anerkannten Naturwissenschaft ist, voll gerecht werden.

[ 3 ] Anthroposophy now seeks to fully meet the standards that modern research has gradually come to expect of this scientific mindset—standards that it aims to fulfill in a field other than that of established natural science.

[ 4 ] Worauf beruht denn eigentlich die Sicherheit, die wir aus dem Experimentieren gegenüber der äußeren Natur gewinnen? Sie beruht darauf, daß wir in der Lage sind, die Bedingungen des Versuches aus unseren Erwägungen heraus, aus unseren Erkenntnissen heraus so zusammenzusetzen, daß wir in der Lage sind, einen klaren Überblick zu haben über das, was nun als eine Tatsachenreihe sich ergibt aus diesen Bedingungen, die wir selber zusammengestellt haben. Das, was aus dieser besonderen Eigentümlichkeit des Experimentes folgt, das hat sich nun dahin ausgelebt in der neueren wissenschaftlichen Weltanschauung, daß in der Tat im weiten Umkreise ein allerdings noch lange nicht etwa abgeschlossenes, aber bis zu einem gewissen Grade befriedigendes Wissen über gewisse Verhältnisse, namentlich über die unorganischen Verhältnisse der äußeren Welt, erzielt worden ist. Durch die besondere Schätzung, die man dem Experimente zuteil werden ließ, ist allerdings das heraufgekommen, was man nennen kann: wissenschaftlicher Materialismus. Allein, dieser wissenschaftliche Materialismus ist in einem gewissen Sinne berechtigt. Denn, insofern man darauf ausgeht, die Gesetzmäßigkeiten des Verlaufes materieller Erscheinungen methodisch kennenzulernen, handelt es sich wirklich darum, das, was im materiellen Dasein uns entgegentritt, als objektiv materiell, als tatsächlich, und in seiner Gesetzmäßigkeit auch kennenzulernen. Auf diesem Wege sind ja große, ungeheure Fortschritte gemacht worden.

[ 4 ] On what, then, does the certainty we gain from experimenting with the external world actually rest? It is based on the fact that we are able to devise the conditions of the experiment—based on our considerations and our insights—in such a way that we are able to have a clear overview of what now emerges as a series of facts from these conditions that we ourselves have established. What follows from this particular characteristic of the experiment has now found its full expression in the modern scientific worldview, in that—within a broad scope—a body of knowledge regarding certain conditions, namely the inorganic conditions of the external world, has indeed been attained; a body of knowledge that is by no means yet complete, but is, to a certain degree, satisfactory. The special esteem accorded to experimentation has, however, given rise to what might be called scientific materialism. Yet this scientific materialism is, in a certain sense, justified. For, insofar as one sets out to methodically understand the laws governing the course of material phenomena, the aim is truly to recognize what we encounter in material existence as objectively material, as factual, and to understand it in terms of its inherent laws as well. Indeed, great and tremendous progress has been made in this way.

[ 5 ] Aber einer anderen Tatsache stehen wir im neueren Wissenschaftsleben gegenüber, einer Tatsache, die übrigens nicht allein steht, die ich aber als eine besonders symptomatische hervorheben möchte: Es war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in dem Zeitalter, in dem gerade jene Denkungsart heraufkam, von der ich eine ganz kurze Charakteristik eben gegeben habe; es war in dem Zeitalter, als man verabschiedet hat das Reden über eine gewisse Kraft, die man früher immer angenommen hatte und ohne die man nicht auszukommen glaubte. Verabschiedet hat man das, was frühere Naturphilosophen oder Naturforscher die «Lebenskraft» genannt haben. Man verstand im 19. Jahrhundert unter dieser Lebenskraft schon etwas sehr Nebuloses. Verbindungen chemischer Elemente, überhaupt chemische Vorgänge sollten sich im Organismus unter dem Einflusse dieser Lebenskraft abspielen auf eine Weise, von der man nur ziemlich dunkle Vorstellungen hatte. Und in demselben Maße, in dem die neuere Experimentalwissenschaft heraufkam, in demselben Maße fand man keine Befriedigung mehr in dem Spekulieren über eine solche Lebenskraft. Denn allmählich war alles Reden über eine solche Lebenskraft durchaus zu einem Spekulieren geworden. So verschwand denn um die Mitte des 19. Jahrhunderts aus der wissenschaftlichen Betrachtung dieses Reden über eine besondere Lebenskraft, und zwar — gerade wenn man die Dinge historisch wissenschaftlich zu fassen vermag, ergibt sich dieses — und zwar mit Recht.

[ 5 ] But we are confronted with another fact in recent scientific life—a fact that, incidentally, is not an isolated one, but which I would like to highlight as particularly symptomatic: It was in the first half of the 19th century, in the era when precisely that way of thinking was emerging—the one I have just briefly characterized; it was in the era when people ceased to speak of a certain force that had always been assumed in the past and without which one believed one could not do. What was abandoned was what earlier natural philosophers or natural scientists had called the “vital force.” In the 19th century, this vital force was already understood to be something very nebulous. Compounds of chemical elements—and chemical processes in general—were thought to take place within the organism under the influence of this “vital force” in a way about which people had only rather vague notions. And to the same extent that modern experimental science emerged, to that same extent people found no further satisfaction in speculating about such a “vital force.” For gradually, all talk of such a life force had become nothing but speculation. Thus, around the middle of the 19th century, this talk of a special life force disappeared from scientific discourse—and, as becomes clear when one is able to grasp things from a historical-scientific perspective, this was entirely justified.

[ 6 ] Aber in der neueren Zeit stehen wir wiederum einer anderen Tatsache gegenüber. Die Sicherheit, die man gewonnen hat in der Experimentalwissenschaft, und das, was man sich da angeeignet hat an Erkenntnis materieller Zusammenhänge — es zeigt sich allmählich, daß das nicht genügt. Die materiellen Zusammenhänge, insofern sie verfolgt werden können in das organische, selbst in das seelische Leben hinein, diese Zusammenhänge lassen sich nicht begreifen mit dem, was man aus der bisher üblichen Experimentalwissenschaft gewinnen kann. Und mehr noch: Man bekommt allmählich das Gefühl, daß es unmöglich ist, mit dem, was man an Begriffen und Ideen, an Zusammenfassungen der Erscheinungen als Naturgesetze gewinnt, heranzukommen an das, was sich zum Beispiel schon im lebendigen Organismus kundgibt — noch weniger an den beseelten Organismus. Und da ist denn das heraufgezogen, was man nennt den Neo-Vitalismus, der nun wiederum appelliert an etwas Ähnliches, wie es die verabschiedete, alte Lebenskraft ist.

[ 6 ] But in more recent times, we are once again confronted with a different reality. The certainty gained through experimental science, and the knowledge of material relationships acquired through it—it is gradually becoming apparent that this is not enough. The material relationships, insofar as they can be traced into organic life and even into psychological life, cannot be understood with what can be gained from experimental science as it has been practiced thus far. And even more than that: One gradually gets the feeling that it is impossible, with the concepts and ideas—the summaries of phenomena as natural laws—that we have gained, to come close to what manifests itself, for example, in the living organism—much less in the animated organism. And so what has emerged is what is called neo-vitalism, which in turn appeals to something similar to the old concept of vital force that has been discarded.

[ 7 ] Wer sich unbefangen alles ansieht, was auf diesem Gebiete des Herausdringens oder, wie man es wohl auch nennt, der Überwindung der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts groß gewordenen Wissenschaft versucht wird, dem erscheint das als ein Zwitterding, als eine Halbheit, als eine Halbheit aus dem Grunde, weil versucht wird, mit derselben Art von Denken, die man für die äußere Experimentierkunde ausgebildet hat, mehr oder weniger hypothetisch einzudringen in den lebendigen Organismus. Und indem alles, was sich in dieser Beziehung als eine Art von Zwitterding kundgibt, vorurteilslos beobachtet wird, muß man eigentlich dazu kommen, sich zu sagen: Ja, ist denn nun dasselbe Denken, das man herangebildet hat an der üblichen Experimentierkunde, wirklich auch geeignet, einzudringen in die Gesetzmäßigkeit, in die Wesenhaftigkeit dessen, was im Organischen, im Beseelten, und im Durchgeistigten lebt? Kommt man mit einer Erneuerung des Begriffs der Lebenskraft aus, wenn man das Organische, das Beseelte und das Durchgeistigte fassen möchte mit denselben Gedanken, die man gewohnt ist, auf die äußere sinnliche Natur mit Recht anzuwenden?

[ 7 ] Anyone who takes an unbiased look at everything that is being attempted in this field of “extraction”—or, as it is also called, the “overcoming” of the science that flourished in the second half of the 19th century—will see it as a hybrid, as something incomplete, and as such precisely because an attempt is being made to apply the same kind of thinking that was developed for external experimental science to penetrate—more or less hypothetically—the living organism. And by observing without prejudice everything that manifests itself in this regard as a kind of hybrid, one must actually come to ask oneself: Yes, is the very same mode of thinking that has been developed for conventional experimental science truly suited to penetrating the laws and the essential nature of that which lives in the organic, the animate, and the spiritual? Is it sufficient to renew the concept of life force if one wishes to grasp the organic, the animate, and the spiritual with the same thoughts that one is accustomed to rightly applying to external, sensory nature?

[ 8 ] Daß man damit nicht auskommt, das ist die Grundüberzeugung derjenigen, welche die hier gemeinte anthroposophische Geisteswissenschaft im rechten Sinne begriffen haben. Sie stehen auf dem Boden, daß es durchaus berechtigt ist, anzunehmen: Die Erscheinungen des Lebens fordern, gerade indem man sie mit der strengsten Wissenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts verfolgt, ein Hinausgehen über diese Wissenschaft; aber sie erfordern zu gleicher Zeit eine Umwandlung der Erkenntnis selbst, eine Umwandlung der ganzen Seelenverfassung, eine Umwandlung der ganzen Stellung des menschlichen Betrachters zu dem, was beobachtet werden soll. Deshalb geht die hier gemeinte anthroposophische Geisteswissenschaft nicht von demselben Erkennen aus, von dem mit Recht ausgegangen werden muß in der äußeren Naturwissenschaft, sondern sie sucht dasjenige, was über dieses naturwissenschaftliche Gebiet offensichtlich hinausliegt, durch andere Erkenntniskräfte zu ergreifen. Und diese anderen Erkenntniskräfte — das ist für sie eine durchaus empirische, eine Erfahrungstatsache —, diese anderen Erkenntniskräfte sind zunächst im gewöhnlichen Leben, im gewöhnlichen wissenschaftlichen Forschen nicht vorhanden; sie liegen gewissermaßen schlummernd in der Seele, sie müssen erst herausgeholt werden aus dieser Seele. Und ehe man nicht anerkennt, daß jedes spekulative Wiederheraufbringen von so etwas, wie die alte Lebenskraft es ist, nichts nützt, ehe man nicht anerkennt, daß einzig und allein das Übergehen zu einer besonderen Erkenntnisart uns weiterbringt, das Entwickeln einer besonderen Erkenntnisart, die im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft in der Seele schlummert, — eher wird man nicht aufsteigen von dem Begreifen des Unorganischen zu dem Begreifen des Organischen, des Beseelten, des Durchgeistigten.

[ 8 ] The fundamental conviction of those who have truly understood the anthroposophical spiritual science referred to here is that this is not enough. They maintain that it is entirely justified to assume: The phenomena of life, precisely when studied through the strictest scientific methods of the 19th and 20th centuries, demand that we go beyond this science; but at the same time, they require a transformation of knowledge itself, a transformation of the entire state of mind, and a transformation of the human observer’s entire relationship to what is to be observed. Therefore, the anthroposophical spiritual science referred to here does not proceed from the same kind of knowledge that must rightly be taken as a starting point in the external natural sciences, but rather seeks to grasp that which clearly lies beyond the realm of the natural sciences through other powers of cognition. And these other powers of cognition—which, for her, is an entirely empirical fact, a fact of experience—are not initially present in ordinary life or in ordinary scientific research; they lie, as it were, dormant in the soul and must first be drawn out of it. And until one recognizes that any speculative attempt to resurrect something like the ancient life force is of no use, until one recognizes that only the transition to a particular kind of knowledge will bring us forward—the development of a particular kind of knowledge that lies dormant in the soul in ordinary life and in ordinary science— — one will not advance from an understanding of the inorganic to an understanding of the organic, the animate, and the spiritual.

[ 9 ] Wie hat man sich nun die Entwicklung solcher in der Seele schlummernder Kräfte zu denken? — Was ich in prinzipieller Weise jetzt mit einigen Worten werde zu charakterisieren haben — den Weg zur übersinnlichen Erkenntnis —, das finden Sie ausführlich beschrieben in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft» sowie auch in anderen meiner Bücher. Ich werde hier nur das hervorheben, was das Prinzipielle an der Sache ist.

[ 9 ] How, then, should one conceive of the development of such powers that lie dormant within the soul? — What I am now going to characterize in a few words in terms of principle—the path to supersensible knowledge—is described in detail in my book How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds? and in the second part of my Esoteric Science, as well as in some of my other books. Here I will emphasize only the fundamental principles of the matter.

[ 10 ] Zweierlei ist zunächst anzustreben. Gewissermaßen nach zwei Polen ist das menschliche Seelenleben systematisch, vollbewußt zu entwickeln, wenn eine solche höhere Erkenntnis im Menschen auftauchen soll. Die eine Seite ist diese, welche man am besten begreift, wenn man anknüpft an das, was im Menschen vorstellt das Erinnerungsvermögen. Dieses Erinnerungsvermögen brauchen wir für das gewöhnliche Leben, und wir brauchen es zur Begründung des wissenschaftlichen Lebens. Wenn die Erinnerungsfähigkeit, wenn das Gedächtnis im Menschen gestört ist, verliert er seine normale seelische Gesundheit. Sie brauchen sich nur bekannt zu machen mit dem, was Ihnen der Pathologe erzählt von Menschen, bei denen die Rückerinnerung an ihre Lebensereignisse irgendwie unterbrochen ist, so daß sie ihr zurückgelegtes Leben nicht mehr überschauen können. Was uns innerlich-seelisch zum ganzen Menschen macht, das ist eigentlich das Erinnerungsvermögen. Aber dieses Erinnerungsvermögen ist zugleich das, was für höhere Erkenntnis in einer gewissen Beziehung nun überwunden werden muß. Man muß anknüpfen an das, was in der Erinnerung zutage tritt. In der Erinnerung werden gewissermaßen unsere Vorstellungen zu etwas Dauerndem. Immer wieder und wiederum können willkürlich oder unwillkürlich aus dem Strome unserer Erlebnisse die Erinnerungen herauftauchen, dadurch konstituiert sich eben unser Seelenleben. Es kann nun das, was da auftritt, das Dauerndmachen der Vorstellungen, durch die Methode, die ich in den genannten Büchern die meditative Erkenntnismethode genannt habe — ich meine das im technischen Sinne, nicht in jenem nebulos-mystischen Sinne, wie es heute vielfach gemeint wird —, in einer gewissen Weise nachgebildet werden, so daß man aus dem Erinnerungsvermögen etwas bildet, was nun etwas ganz anderes ist als das gewöhnliche Erinnerungsvermögen. Man muß dann dasjenige, was in der Erinnerung auftritt, nämlich daß sich in das Bewußtsein hereinschieben gewisse Vorstellungen, das muß man aus dem vollen, freien Willen heraus nachahmen. Man muß solche leicht überschaubaren Vorstellungen vor sich hinstellen, die keine Reminiszenzen, die nicht selber Erinnerungsvorstellungen sein dürfen, die man sich daher entweder von einem anderen empfehlen lassen kann, oder die man so zusammenstellen muß, daß sie durchaus überschaubar sind, so daß nichts aus dem Unterbewußten heraufkommen und sich hineinmischen kann; und diesen Vorstellungen muß dann durch Willkür Dauer verliehen werden. Man muß gewissermaßen mit dem ganzen Seelenleben ruhen können auf solchen Vorstellungen. Es kommt nicht darauf an, was gerade der Inhalt solcher Vorstellungen ist, sondern es kommt auf diesen Seelenakt an. Es kommt darauf an, das ganze Seelenleben zusammenzubringen in dem Hinschauen, dem innerlichen Hinschauen auf solche Vorstellungen. Dadurch wirkt man auf dieses Seelenleben in einer ähnlichen Weise, wie man zum Beispiel auf einen Muskel wirkt, der Arbeit verrichtet und dadurch eine Verstärkung erfährt. Auf dieses Verstärken des Seelenlebens kommt es an. Daher ist auch das, was ich jetzt in ganz kurzer Weise beschrieben habe, in der Praxis eine sehr ausführliche Übung, etwas, dem man sich lange und in sehr geordneter Weise hingeben muß. Es entwickeln sich dann Kräfte, die sonst eben durchaus nicht aus dem Seelenleben herausgeholt werden. Wir sind gerade unter dem Einflusse der modernen Wissenschaftsgesinnung eigentlich immer mehr und mehr bestrebt, nicht in dieser Art Vorstellungen herbeizurufen in das Feld unseres Bewußtseins und auf ihnen zu ruhen, sondern wir sind vielmehr dazu gekommen, die Vorstellungen durch das Leben oder durch Beobachtung in uns wachrufen zu lassen, so daß diese Seelenkraft, auf die ich besonders hinwies, die da erstarkt werden muß, in der neuzeitlichen Wissenschafts- und Lebensgesinnung eigentlich wenig geübt worden ist. Aber auf diese Seelenkraft kommt es an.

[ 10 ] There are two things to strive for initially. In a sense, the life of the human soul must be developed systematically and with full consciousness toward two poles if such higher knowledge is to emerge in human beings. One aspect is best understood by considering what constitutes the human capacity for memory. We need this capacity for memory in our everyday lives, and we need it as the foundation of scientific life. When a person’s capacity for memory—that is, their memory itself—is impaired, they lose their normal psychological health. You need only familiarize yourselves with what the pathologist tells you about people whose ability to recall the events of their lives is somehow disrupted, so that they can no longer survey the life they have lived. What makes us, inwardly and psychologically, whole human beings is, in fact, the power of memory. But this power of memory is also, in a certain sense, what must now be transcended for higher knowledge. One must build upon what emerges in memory. In memory, our mental images become, so to speak, something enduring. Again and again, memories can surface—whether voluntarily or involuntarily—from the stream of our experiences; this is precisely what constitutes our inner life. Now, what appears there—the process of making concepts permanent—can be, through the method I have called the “meditative method of knowledge” in the aforementioned books—I mean this in the technical sense, not in that nebulous, mystical sense in which it is often understood today— reproduced in a certain way, so that one forms something out of the power of memory that is now something entirely different from ordinary memory. One must then imitate, out of full and free will, that which occurs in memory—namely, the way certain ideas slip into consciousness. One must set before oneself such easily comprehensible images—which must not be reminiscences, nor may they themselves be memories—which one can therefore either have recommended by another, or which one must compose in such a way that they are entirely comprehensible, so that nothing from the subconscious can rise up and interfere; and these images must then be made to last through an act of will. One must, so to speak, be able to rest one’s entire inner life upon such images. What matters is not the specific content of these images, but rather this act of the soul. What matters is bringing one’s entire inner life together in the act of looking—the inner act of looking—at such images. In this way, one acts upon this inner life in a manner similar to how one acts upon, for example, a muscle that performs work and thereby becomes strengthened. It is this strengthening of the inner life that matters. Therefore, what I have just described very briefly is, in practice, a very extensive exercise—something to which one must devote oneself for a long time and in a very orderly manner. This then develops powers that otherwise simply cannot be drawn from the life of the soul. Under the influence of the modern scientific mindset, we are actually increasingly inclined not to summon such ideas into the realm of our consciousness and dwell upon them, but rather we have come to allow these ideas to arise within us through life experience or observation, so that this soul force—which I have specifically pointed out and which must be strengthened—has actually been little practiced in the modern scientific and life outlook. But this soul force is what matters.

[ 11 ] Nun möchte ich gerade hier, sozusagen in Paranthese, noch etwas bemerken: Wer nun hört, daß solche Seelenkräfte entwickelt werden, die sonst in der Seele schlummern, der wird aus gewissen Untergründen des heutigen Denkens geneigt sein, leichten Herzens zu sagen: Nun ja, da wird eine gewisse Pathologie der Seele entwickelt; da werden Halluzinationen oder Illusionen oder sonstige unberechtigte Seeleninhalte geschaffen. — Und diejenigen Menschen, die sich nicht im Ernste befaßt haben damit, was hier eigentlich gemeint ist, haben in der unzutreffendsten Weise ihre Mißverständnisse vor die Welt hingestellt [zum Beispiel durch ihre Behauptungen], daß da gewissermaßen krankhafte Zustände des Bewußtseins durch solche Übungen herausgefordert werden. Wenn man nämlich ein wirklicher Seelenbeobachter ist und versteht, wodurch Autosuggestionen, Illusionen und Halluzinationen zustandekommen — ich müßte natürlich viele Vorträge halten, um das näher zu beschreiben —, wenn man diese pathologischen Erscheinungen kennt — denn sie sind alle pathologisch —, wenn man diese pathologischen Erscheinungen des Seelenlebens kennt und die Kräfte, die dazu führen, dann weiß man auch, daß dasjenige, was durch Anthroposophie, durch anthroposophische Methodik im Seelenleben herangebildet wird, gerade nach der entgegengesetzten Richtung hin weist. Alles, was zur Illusion, zur Suggestion führt, das weist nach der krankmachenden Seite hin. Was in der anthroposophischen Methodik in der Seele herangebildet wird, das weist nach der entgegengesetzten Seite hin. Alle gesundmachenden und heilenden Kräfte im Seelen- und dadurch im organischen Leben werden gerade durch die hier gemeinten Übungen aufgerufen.

[ 11 ] Now I would like to make a brief aside here, so to speak: Anyone who hears that such soul forces—which otherwise lie dormant in the soul—are being developed will, due to certain underlying assumptions in contemporary thinking, be inclined to say lightly: “Well, yes, a certain pathology of the soul is being developed there; hallucinations or illusions or other unfounded mental contents are being created.” — And those people who have not seriously engaged with what is actually meant here have presented their misunderstandings to the world in the most inaccurate way [for example, through their assertions] that such exercises, as it were, provoke pathological states of consciousness. For if one is a true observer of the soul and understands how autosuggestion, illusions, and hallucinations arise—I would, of course, have to give many lectures to describe this in more detail—if one is familiar with these pathological phenomena—for they are all pathological— if one is familiar with these pathological phenomena of the soul’s life and the forces that lead to them, then one also knows that what is cultivated in the soul’s life through anthroposophy and anthroposophical methodology points precisely in the opposite direction. Everything that leads to illusion or suggestion points toward the pathogenic side. What is cultivated in the soul through anthroposophical methodology points in the opposite direction. All the health-promoting and healing forces in the life of the soul—and thereby in organic life—are summoned precisely through the exercises referred to here.

[ 12 ] Was ich hier geschildert habe, das führt zu einem gewissen Heraufkommen von Seelenkräften, die erstarken, das führt zu der ersten Stufe der übersinnlichen Erkenntnis, die ich die imaginative Stufe nenne. Nicht weil man es mit «Imaginationen» zu tun hätte in dem Sinne, wie das Wort oftmals gebraucht wird, sondern weil man allmählich durch solche Übungen zu Bildern kommt, ohne dazu gezwungen zu sein durch äußere Sinneswahrnehmungen, zu Bildern, die aber rein seelische Bilder sind, die sich nicht mit Halluzinationen vergleichen lassen, sondern sich nur vergleichen lassen mit Erinnerungsvorstellungen. Man kommt allmählich zu solchen Bildern, aber in dem Erleben des Bildes weiß man zugleich, es bezieht sich dieses Bild nicht wie eine Erinnerungsvorstellung auf irgendetwas von uns Erlebtes in dem Leben zwischen Geburt und Tod, sondern es kommen diese Bilder, wenn man dieses Bildgestalten allmählich sich aneignet, aus unbestimmten Seelentiefen heraus. Diese Bilder ergeben sich nicht aus krankhaften Untergründen heraus, denn da würde man einem inneren Zwang unterliegen, sondern in vollständig freier Gestaltung, aber sie ergeben sich so, daß man weiß: sie weisen auf eine geistige Realität hin. Das ist das Wesentliche, daß man sich aufschwingt zu der Erkenntnis: Geradeso wie unsere Erinnerungsvorstellungen auf das gewöhnliche Erleben hinweisen, das wir durchgemacht haben in gesunder, besonnener Weise, so weisen diese Imaginationen, diese Bilder, auf eine geistige Welt hin. Eine geistige Welt hält ihren Einzug in unser Bewußtsein, indem wir diese Seelenkraft aus ihren Tiefen heraufholen.

[ 12 ] What I have described here leads to a certain emergence of soul forces that grow stronger; this leads to the first stage of supersensory knowledge, which I call the imaginative stage. Not because one is dealing with “imaginations” in the sense in which the word is often used, but because through such exercises one gradually arrives at images without being compelled to do so by external sensory perceptions—images that are purely soul-based, which cannot be compared to hallucinations but can only be compared to mental images derived from memory. One gradually arrives at such images, but in the experience of the image one knows at the same time that this image does not, like a memory, refer to anything we have experienced in life between birth and death; rather, as one gradually masters this process of image-forming, these images arise from indeterminate depths of the soul. These images do not arise from pathological underlying causes—for then one would be subject to an inner compulsion—but rather in a completely free form; yet they arise in such a way that one knows: they point to a spiritual reality. This is the essential point: that one rises to the realization: Just as our memories point to the ordinary experiences we have gone through in a healthy, level-headed way, so do these imaginations, these images, point to a spiritual world. A spiritual world makes its way into our consciousness as we draw this soul force up from its depths.

[ 13 ] Nun handelt es sich darum, daß man zunächst nicht stehenbleibt bei einer solchen Übung‚ sondern daß man dazu übergeht, ebenso durch Willkür solche Bilder wiederum auszuschalten, wie man sie gestaltet hat. Ich möchte sagen: Wie man eine Art höheren, eine Art künstlichen Erinnerns in sich ausbildet, so muß man in einer höheren Weise die Kraft, die sonst im Vergessen liegt, in sich ausbilden. Es ist sogar schwieriger, diese Kraft des Vergessens in die Willkür hereinzubringen, aber es muß dieses geübt werden. Darin ist man erst soweit, daß man, geradeso wie man sonst durch ein äußeres Sinnesorgan den Eindruck auf das Objekt bezieht, nun lernt, das, was man in der Imagination erlebt, auf ein geistiges Objekt zu beziehen. Dadurch erst erlangt man dann die nächsthöhere Stufe der übersinnlichen Erkenntnis, wenn auch zunächst nur teilweise; man gelangt zu derjenigen Stufe, die ich — ich bitte, sich nicht an diesem Ausdruck zu stoßen, er wird auch oft mißbräuchlich angewendet, ich gebrauche ihn nur in dem Sinn, wie ich es oftmals charakterisiert habe —, die ich die inspirierte nenne; inspiriert aus dem Grunde, weil man nun dazu kommt, dasjenige, was vorher nur subjektiv Erlebtes war, nur subjektive Imagination war, auf eine objektive, geistige Außenwelt zu beziehen.

[ 13 ] The point is that one should not stop at such an exercise, but rather move on to deliberately suppress these images in the same way that one created them. I would like to say: Just as one develops within oneself a kind of higher, artificial form of memory, so too must one develop within oneself, in a higher way, the power that otherwise lies in forgetting. It is even more difficult to bring this power of forgetting into the realm of the will, but this must be practiced. Only then has one reached the point where, just as one otherwise relates an impression to an object through an external sense organ, one now learns to relate what one experiences in the imagination to a spiritual object. Only through this does one then attain the next higher stage of supersensible knowledge, even if only partially at first; one reaches the stage that I—please do not take offense at this term, for it is often misused; I use it only in the sense in which I have frequently characterized it—call “inspired”; “inspired” for the reason that one now comes to relate that which was previously only a subjective experience—mere subjective imagination—to an objective, spiritual external world.

[ 14 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, da stellt sich etwas ein, was ein neues inneres Erlebnis ist. Es stellt sich das ein, daß eine Urteilsfällung, die Zustimmung oder eine Verneinung zu irgendeinem Tatbestand, den man auf diese Weise im Geistigen erlebt, die Gestalt einer inneren Tatsächlichkeit annimmt. Man weiß jetzt: Man lebt nicht mehr in einem solchen abstrakten inneren Seelenleben, wie man es gewöhnt war, und wie es sein muß für die äußere Welt, die bloß abgebildet werden muß, die nicht erlebt werden kann, sondern man lebt jetzt in einer inneren Tatsachenwelt, die aber eine rein seelisch-geistige Tatsachenwelt ist. Man erlebt die Zustimmung zu einem Urteil in der Weise, daß dasjenige deutlich auftritt, was man sonst in seinem Seelenleben primitiv die Kraft der Sympathie nennt, und man erlebt die Ablehnung wie die Antipathie; nur daß diese Erlebnisse jetzt nicht etwas sind, was so subjektiv auftritt im Verhältnis zu den Gegenständen wie im gewöhnlichen Leben, sondern wie etwas, was ein Eingliedern ist in jene Geisteswelt, die man jetzt anfängt zu erleben.

[ 14 ] Well, my esteemed audience, something is taking shape here that is a new inner experience. What is taking shape is that a judgment—whether approval or rejection of any set of facts experienced in this way in the spiritual realm—takes on the form of an inner reality. One now knows: One no longer lives in the kind of abstract inner soul life to which one was accustomed—and which is necessary for the outer world, which must merely be represented and cannot be experienced—but one now lives in an inner world of facts, which is, however, a purely soul-spiritual world of facts. One experiences agreement with a judgment in such a way that what is otherwise primitively called the power of sympathy in one’s soul life clearly emerges, and one experiences rejection as antipathy; except that these experiences are not now something that occurs as subjectively in relation to objects as in ordinary life, but rather as something that is an integration into that spiritual world which one is now beginning to experience.

[ 15 ] Zu diesen Übungen, die ich geschildert habe, müssen nun andere hinzukommen, die man prinzipiell beschreiben kann — das Genauere ist aus den genannten Büchern zu ersehen — als zur menschlichen inneren Selbstzucht gehörend. Wir überlassen uns im gewöhnlichen Dasein dem äußeren Leben. Wir überlassen uns unseren Erziehern als Kinder, wir überlassen uns der Auslebung der ererbten Eigenschaften, wir überlassen uns im späteren Leben mehr oder weniger diesem Leben selbst. Man sei nur ehrlich mit sich und sage sich, wieviel innere Selbstzucht denn eigentlich im gewöhnlichen Leben für den Menschen da ist. Diese Selbstzucht ist nun das, was in systematischer, methodischer Weise von dem Geistesforscher in Angriff genommen werden muß. Ich kann nur einzelnes hervorheben, in den Büchern habe ich viele solche Übungen dargestellt, die alle mehr oder weniger angewendet werden müssen, wenn man zu einem gewissen Grad dieser Erkenntnisse, die ich hier meine, kommen will.

[ 15 ] In addition to the exercises I have described, there are others—which can be described in principle as part of human inner self-discipline (the details can be found in the books mentioned)—that must now be added. In our ordinary existence, we surrender ourselves to external life. As children, we surrender ourselves to our educators; we surrender ourselves to the expression of our inherited traits; and in later life, we surrender ourselves, to a greater or lesser extent, to life itself. One need only be honest with oneself and ask how much inner self-discipline actually exists for a person in ordinary life. This self-discipline is precisely what the spiritual researcher must undertake in a systematic, methodical way. I can only highlight a few examples; in my books I have described many such exercises, all of which must be practiced to a greater or lesser extent if one wishes to attain a certain degree of the insights I am referring to here.

[ 16 ] Es handelt sich darum, daß man zum Beispiel klar und besonnen erforscht, was eine besondere Eigentümlichkeit des eigenen Selbstes ist, was eine Gewohnheit ist, die sich herausgebildet hat und so weiter. Nun geht man aus rein innerem Antriebe daran, diese Gewohnheit vollständig zu beherrschen, das heißt, sie nicht so zu lassen, daß sie einen gewissermaßen führt, daß man unter ihrem Zwang steht, sondern so, daß man sich überlegen kann: Ich folge dieser Gewohnheit oder ich folge ihr auch nicht. Man kann allerlei Übungen durchführen, die nun wiederum durchaus nach dem Gesundenden hingehen — auch deshalb, weil sie den Menschen in eine gewisse Freiheitsphäre einführen, in eine Möglichkeit, sich im Leben und auch gegenüber sich selbst frei zu bewegen. Man kann solche Übungen so durchführen, daß man zum Beispiel, wenn man ein Sklave seiner Schrift ist, sich einmal im Leben dazu entschließt, seine Schriftzüge gründlich zu ändern. Das ist auch die Änderung einer Gewohnheit. Da nimmt man wirklich, wie ich sagen möchte, sein Inneres in die Hand. Wenn solche Übungen systematisch durchgeführt werden — aber nicht wie bei den vorher beschriebenen Übungen, wo das Seelenleben mehr nach der intellektuellen Seite hin umgestaltet wird, sondern jetzt mehr nach der Willensseite hin —, dann tritt dasjenige ein, daß es für uns innerlich viel mühevoller wird, sagen wir, zu einem Entschluß zu kommen oder von irgendetwas abzulassen, als es sonst im Leben der Fall ist. Sonst im Leben sind die Willensimpulse in den Untergründen unserer Natur; wir folgen ihnen unmittelbar; wir werden von ihnen geleitet. Der Geistesforscher muß für diejenigen Zeiten, in denen er der Geistesforschung sich überliefern will — natürlich bloß für diese Zeiten — in die Lage kommen, sich mit seinem Seelenleben abzuheben von diesem Zwange.

[ 16 ] The point is, for example, to clearly and calmly explore what a particular characteristic of one’s own self is, what a habit is that has developed, and so on. Now, driven purely by an inner impulse, one sets out to master this habit completely—that is, not to let it, as it were, lead one, or to be under its compulsion, but rather to be able to decide: I will follow this habit, or I will not follow it. One can perform all sorts of exercises that, in turn, are thoroughly healing in nature—not least because they introduce a person to a certain sphere of freedom, to the possibility of moving freely in life and also in relation to oneself. One can carry out such exercises in such a way that, for example, if one is a slave to one’s handwriting, one decides once in a lifetime to thoroughly change one’s handwriting. This, too, is a change in a habit. Here, one truly, as I would say, takes one’s inner self into one’s own hands. When such exercises are carried out systematically—but not as in the exercises described earlier, where the life of the soul is reshaped more toward the intellectual side, but now more toward the volitional side—then what happens is that it becomes much more difficult for us inwardly, let’s say, to come to a decision or to refrain from something than is otherwise the case in life. Otherwise, in life, the impulses of the will lie in the depths of our nature; we follow them immediately; we are guided by them. The spiritual researcher must, for those times when he wishes to devote himself to spiritual research—naturally, only for these times—be able to detach his soul life from this compulsion.

[ 17 ] Und wenn ich nun den ganzen Weg schildern würde, so würde ich zuletzt dazu kommen, zu sagen: Der Geistesforscher kommt dazu, nun in bezug auf sein Willensleben genau zu unterscheiden zwischen Ruhe und dem Übergang der Ruhe zur Tätigkeit. Das lernt man nun kennen: dieses Sich-Aufrufen zur Tätigkeit, dieses vollbewußte Sich-Hingeben dem Willen, der da nicht aus dem Instinktiven heraus dann geleitet werden kann, der sich voll abhebt vom organischen Leben, der selbständig wird, solche Anstrengung im Wollen, wie sie sonst nur vorhanden ist im äußeren Tun, wo die Muskeln angestrengt werden müssen, dieses Erstarken des inneren Willenslebens dadurch, daß man es aus dem Leiblichen heraushebt: in das Seelische. Und lernt man dieses kennen, dann tritt die Möglichkeit ein, die inspirierte Erkenntnis, von der ich vorhin gesprochen habe, voll auszubilden, das heißt, jetzt wirklich die Möglichkeit zu gewinnen, die Imaginationen auf geistige Tatsachen, auf geistige Wesenheiten zu beziehen, so wie wir unsere äußeren Sinneseindrücke sonst auf äußere physische Gegenstände oder physische Tatsachen beziehen. Und wir lernen dann erkennen das Wesen des Geistigen; wir stehen ihm gegenüber, wenn wir in dieser Weise auch von seiten des Willens eine innerliche Kultur uns aneignen.

[ 17 ] And if I were to describe the entire process, I would ultimately come to say: The spiritual researcher comes to make a precise distinction, with regard to his life of the will, between rest and the transition from rest to activity. One comes to recognize this: this summoning of oneself to activity, this fully conscious surrender to the will—which can no longer be guided by instinct, which stands completely apart from organic life, which becomes independent—such an effort of willing as is otherwise found only in external action, where the muscles must be strained, this strengthening of the inner life of the will by lifting it out of the physical realm and into the soul. And once we come to know this, the possibility arises to fully develop the inspired insight I spoke of earlier—that is, to truly gain the ability to relate our imaginations to spiritual facts and spiritual beings, just as we otherwise relate our external sensory impressions to external physical objects or physical facts. And we then learn to recognize the essence of the spiritual; we stand face to face with it when, in this way, we also cultivate an inner life through the will.

[ 18 ] Ich habe Ihnen bis jetzt geschildert, meine sehr verehrten Anwesenden, was sich — mehr seelisch — in dem menschlichen Erleben herausstellt dadurch, daß man solche Übungen macht. Aber bei dem braucht man nicht stehenzubleiben. Und so paradox es heute noch manchem erscheinen wird, so wahr ist es, und es ist einfach doch eine Tatsache des empirisch sich herangestaltenden Seelenlebens, das ganz systematisch ausgebildet werden kann zu einer übersinnlichen Forschung.

[ 18 ] I have described to you so far, my esteemed audience, what emerges—more on a spiritual level—in human experience as a result of performing such exercises. But one need not stop there. And as paradoxical as it may still seem to some today, it is true, and it is simply a fact of the soul life that takes shape empirically—a life that can be systematically developed into supersensible research.

[ 19 ] Dasjenige, was wir uns erringen, indem wir, wie ich es geschildert habe, das Intellektuelle mehr umwandeln, das ist das, daß wir nicht nur uns hineinarbeiten in ein tatsächliches Erleben des Seelischen, sondern daß wir dazu gelangen, jetzt auch den Übergang zu finden — und zwar nicht durch äußere Beobachtung, sondern jetzt durch inneres Erleben — zu dem, was wir nun rein im Geiste erfaßt haben. Denn wir sind durch Imagination, durch Inspiration und Intuition gegangen und haben das Geistige erfaßt. Und wir gelangen dazu, das, was wir imaginativ wirklich erfassen — wenn wir dazu die anderen Erkenntnisarten hinzufügen —, nun verfolgen zu können in bezug auf die physischen Vorgänge, die sich durch dieses seelisch-geistige Leben im menschlichen Organismus abspielen. Kurz, man kommt jetzt dazu, durch tatsächliche Forschung, durch Beobachtung oder, wenn ich nicht mißverstanden werde, kann ich mich auch so ausdrücken, daß ich sage: durch inneres Experiment, — man kommt dazu, das in der Wirklichkeit zu schauen, was heute die Psychologen, die Seelenkundigen durch Spekulation anstreben. Da wird immer gefragt: Ja, wie wirkt die äußere Welt auf den menschlichen Organismus? Wirkt sie auf dem Umwege durch die Beobachtung, durch das Denken? Wie wirkt auf der anderen Seite der Mensch durch den Willen in die Tätigkeit, in die Beweglichkeit des Organismus hinein und so weiter? —

[ 19 ] What we achieve by transforming the intellectual realm more deeply, as I have described, is that we not only work our way into an actual experience of the soul, but that we also come to now also to find the transition—not through external observation, but through inner experience—to what we have now grasped purely in the spirit. For we have gone through imagination, inspiration, and intuition and have grasped the spiritual. And we come to be able to trace what we truly grasp imaginatively—when we add the other forms of knowledge to it—in relation to the physical processes that take place in the human organism through this soul-spiritual life. In short, through actual research, through observation—or, if I am not misunderstood, I can also put it this way: through inner experimentation—we are now able to see in reality what psychologists and experts in the study of the soul strive to attain today through speculation. The question is always asked: How does the external world affect the human organism? Does it act indirectly through observation and thought? Conversely, how does the human being, through the will, influence the organism’s activity and mobility, and so on? —

[ 20 ] Zu diesen Dingen — man nenne es nun Wechselwirkung oder Paralellismus oder wie all die Worte heißen, die aber Worte bleiben —, zu diesen Dingen, die man in spekulativer Weise sucht, für die man aber durch Spekulation niemals zu einem Ergebnis kommen kann, zu ihnen dringt man einfach durch inneres Anschauen dann, wenn man zur Imagination gelangt ist. Dann erkennt man, daß diese Imagination nichts anderes ist als eine höhere Entwicklungsstufe dessen, was ich in meiner «Philosophie der Freiheit», die anfangs der neunziger Jahre in der ersten Auflage erschienen ist, genannt habe «das reine Denken», jenes reine Denken, das ich dazumal zugrunde legte dem Begriff der menschlichen Freiheit. Dieses reine Denken, in dem eigentlich auch der reine Wille lebt, das ist dasjenige Denken, von dem der Impuls der freien Handlung ausgehen muß. Im gewöhnlichen Leben wird es oft nicht bemerkt, wenn es auftritt, und es tritt dann auf, wenn in irgendeinem Teil unserer sonst determinierten Handlung Freiheit steckt. Wir können nicht fragen, ob wir frei sind oder nicht, wir sind immer in einem Teil nur frei, aber die Freiheit lebt in unserm Handeln. Das Höher-Entwickeln dieses Denkens zu einer wirklichen Realität hinauf, die nun geistiger Art ist, das ergibt die Möglichkeit, nun in innerer Anschauung die Beziehung des Denkens nicht nur zur Seele, wie ich es eben geschildert habe, sondern auch zu dem physischen Organismus zu finden. Wie gesagt, so paradox das für den heutigen Menschen auch erscheint, es ist doch so, daß derjenige, der in dieser Weise das Denken erlebt, weiß, daß in der Entfaltung des Denkens etwas liegt, was in dem menschlichen Organismus — es ist in der Tierheit ganz anders — in einer Konsolidierung des Materiellen gewissermaßen einen Prozeß darstellt, der im wesentlichen ein Nervenprozeß ist, der in seinem Zusammenhang mit dem Denken bis in sein Physisches hinein geschaut werden kann. Es ist ein Prozeß, den man vergleichen kann mit einem Konsolidieren der Materie, mit dem, was eintritt, wenn sich irgendein Stoff, der in einem anderen aufgelöst ist, absetzt. Dieses materielle Konsolidieren, dieses Dichterwerden des Materiellen, dieses Sich-Heraussondern des Materiellen aus einem Medium, das ist dasjenige, was nun tatsächlich erlebt wird.

[ 20 ] These things—whether one calls them interaction or parallelism or whatever terms are used, which remain mere words—these things that one seeks speculatively, but for which one can never reach a conclusion through speculation alone, one simply grasps through inner contemplation once one has attained the level of imagination. Then one recognizes that this imagination is nothing other than a higher stage of development of what I called “pure thinking” in my Philosophy of Freedom, the first edition of which appeared in the early 1890s—that pure thinking which I at that time took as the foundation for the concept of human freedom. This pure thinking, in which pure will actually also lives, is the very thinking from which the impulse for free action must arise. In ordinary life, it often goes unnoticed when it occurs, and it occurs when there is freedom in some part of our otherwise determined action. We cannot ask whether we are free or not; we are always free only in part, but freedom lives in our actions. The further development of this thinking into a true reality—one that is now of a spiritual nature—makes it possible to perceive, through inner contemplation, the relationship of thinking not only to the soul, as I have just described, but also to the physical organism. As I said, as paradoxical as this may seem to people today, it is nevertheless true that anyone who experiences thinking in this way knows that in the unfolding of thought there lies something which, in the human organism—it is quite different in the animal realm—represents, in a sense, a process of consolidation of the material, a process that is essentially a nervous process, which, in its connection with thought, can be observed right down into its physical aspect. It is a process that can be compared to a consolidation of matter, to what occurs when any substance dissolved in another settles out. This material consolidation, this thickening of the material, this separation of the material from a medium—that is what is actually experienced.

[ 21 ] Die andere Seite, die Ausbildung des Willens, sie wird anders erlebt, wenn das Erleben bis in das PhysischOrganische hineingeführt wird. Man erlebt nun: Jeder wirkliche Willensakt, alles, was dem Willen entspricht, das wirkt im Organischen so, daß es etwas darstellt, was sich vergleichen läßt mit einer Art von Auflösung, von Zerstäubung des Materiellen. Man könnte auch sagen: Es ist etwas, was sich in einer Art materiellem Vorgang auslebt, der mit dem Erwärmen beginnt und in einen Prozeß hineinläuft, der beim Erwärmen anfängt und der dann eben allmählich hineinläuft in dasjenige, was auch im gewöhnlichen Leben unsere Willensentfaltung mehr oder weniger bewußt darstellt. Während im gewöhnlichen Leben das Vollbewußte damit verknüpft ist, daß innerlich ganz feine Konsolidierungen der Materie vor sich gehen, gehen Auflösungen des Materiellen vor sich, wenn mehr oder weniger unbewußte Willensakte im gewöhnlichen Leben sich abspielen; — nicht so im geistigen Leben, da werden sie sich durchsichtig entfalten.

[ 21 ] The other aspect—the development of the will—is experienced differently when the experience is extended into the physical-organic realm. One then experiences that every true act of will—everything that corresponds to the will—has an effect in the organic realm such that it represents something comparable to a kind of dissolution or dispersion of the material. One could also say: It is something that plays itself out in a kind of material process that begins with heating and flows into a process that starts with heating and then gradually flows into that which, even in ordinary life, more or less consciously represents the unfolding of our will. Whereas in ordinary life, full consciousness is linked to very subtle internal consolidations of matter taking place, dissolutions of the material occur when more or less unconscious acts of will unfold in ordinary life; — this is not the case in spiritual life, where they unfold transparently.

[ 22 ] Bei der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, handelt es sich nicht um jene nebulosen Dinge, von denen in der gewöhnlichen Mystik die Rede ist, sondern hier handelt es sich um eine ebenso strenge Ausgestaltung einer inneren Seelenverfassung, wie sie zum Beispiel eintritt bei der Heranbildung der mathematischen Methodik. Da handelt es sich darum, daß man für das übersinnliche Forschen darauf verzichten lernt, herumzureden, herumzumysteln, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf; da handelt es sich darum, daß man in bezug auf die Entwicklung der Seele mit innerer Systematik streng vorgeht, wie man es gewöhnt geworden ist aus dem wissenschaftlichen Gewissen und der wissenschaftlichen Disziplin der neueren Zeit heraus. Daher werden in der Geisteswissenschaft auch diejenigen vor allen Dingen berufen sein, etwas zu sagen, die sich zuerst im äußeren Forschen wissenschaftliches Gewissen und wissenschaftliche Disziplin wirklich angeeignet haben.

[ 22 ] Anthroposophically oriented spiritual science, as referred to here, does not concern those nebulous matters discussed in ordinary mysticism; rather, it involves the equally rigorous development of an inner state of mind, such as occurs, for example, in the cultivation of mathematical methodology. The point is to learn, for the sake of supersensible research, to refrain from beating around the bush or indulging in mysticism—if I may use that expression; the point is to proceed with strict inner systematic rigor in regard to the development of the soul, just as one has become accustomed to doing out of scientific conscience and scientific discipline in modern times. Therefore, in spiritual science, those who have first truly acquired scientific conscience and scientific discipline through external research will be the ones called upon, above all, to speak on these matters.

[ 23 ] Damit ich nicht mißverstanden werde, muß ich das folgende noch sagen: Was ich Ihnen hier schildere, das sind Seelenverfassungszustände, die der Geistesforscher erringt, die aber nicht etwa dann seine gewöhnlichen Zustände sind. Nein, der Geistesforscher muß gerade im gewöhnlichen Leben mit aller Besonnenheit, mit aller Vernünftigkeit, mit aller Neigung zum gewöhnlichen wissenschaftlichen Denken und Forschen drinnenstehen. Und dasjenige, was ich Ihnen geschildert habe als höhere Erkenntniskraft, das tritt gewissermaßen nur in dem Augenblick ein, wo der Geistesforscher sich diesen höheren Erkenntnissen hingibt. Es ist nicht etwas, wovon er gefangengenommen wird oder was ihn zu einem mystischen Schwärmer macht, der immer außerhalb des Lebens lebt, sondern es ist etwas, was er handhaben kann, zu dem er bewußt hingeht, wie man zu einem äußeren wissenschaftlichen Experiment geht und wieder weggeht ins gewöhnliche Leben, in dem man ein vernünftiger Mensch ist mit aller Nüchternheit, die notwendig ist in diesem Leben. Gerade derjenige, der im gewöhnlichen Leben zu irgendwelchen pathologischen Seelenzuständen neigt, der im gewöhnlichen Leben nicht seine volle Persönlichkeit einsetzen kann wie jeder andere Mensch, der kann auch nicht im wahren Sinne des Wortes ein Geistesforscher sein.

[ 23 ] So that I am not misunderstood, I must add the following: What I am describing to you here are states of the soul that the spiritual researcher attains, but which are by no means his ordinary states. No, the spiritual researcher must, precisely in everyday life, remain fully grounded in all prudence, all reason, and all inclination toward ordinary scientific thinking and research. And what I have described to you as a higher power of cognition arises, so to speak, only at the moment when the spiritual researcher surrenders himself to these higher insights. It is not something that takes hold of him or turns him into a mystical dreamer who always lives outside of life; rather, it is something he can manage, something he consciously approaches—just as one approaches an external scientific experiment—and then returns to ordinary life, where one is a reasonable person with all the sobriety that is necessary in this life. Precisely those who, in ordinary life, are prone to pathological states of mind—those who, in ordinary life, cannot engage their full personality like any other person—cannot be spiritual researchers in the true sense of the word.

[ 24 ] Aber nun, wenn man diese strenge innere Methodik erwägt, was hat man denn an ihr? Leider kann ich wegen der Kürze der Zeit nur andeuten, was nun die weitere Fortsetzung dieses Forschens ist.

[ 24 ] But now, when one considers this rigorous internal methodology, what good is it? Unfortunately, due to time constraints, I can only hint at what the next steps in this research will be.

[ 25 ] Man bekommt auf der einen Seite die Möglichkeit, sagte ich, zu schauen den Zusammenhang des Gedankens, der zunächst als ein rein Geistiges erfaßt ist, mit dem materiellen Dasein. Man gelangt dazu, zu schauen, wie der Gedanke sich im materiellen inneren Leben entfaltet. Das ist die primitive Tatsache, von der man ausgeht, das Erfahrungsaxiom, das in seinem weiteren Verfolg dasjenige jetzt gibt, was einen erkennen läßt — wenn das imaginative und inspirierte Erkennen immer weiter und weiter sich ausbildet —, wie unser Seelenleben vor der Geburt beziehungsweise vor der Empfängnis in einer geistig-seelischen Welt ist. Was da lebt von uns in einer geistig-seelischen Welt, was sich verbindet mit dem, was durch die Vererbungsmaterie von den Vorfahren dem Menschen überkommt, das lernt man nun in seinem Zusammenhang erkennen als eine weitere Fortsetzung des primitiven Zusammenhanges zwischen dem Denken und den materiellen Vorgängen im eigenen Innern. Man lernt gewissermaßen innerlich experimentieren. Man lernt, allerdings in einer höheren, metamorphosierten Experimentierkunst, in das lebendige Experimentelle einzudringen. Geradeso, wie wir beim Experiment die Bedingungen herstellen, unter denen die Ergebnisse sich entwickeln, so lernt man durch willkürliche Gedankenprozesse ihre Folgen im materiell-innerlichen Leben kennen. Und indem man das ausbilden lernt, erkennt man, wie das Geistig-Seelische, das Übersinnliche des Menschen, das von Leben zu Leben geht, vor der Geburt, oder besser gesagt der Empfängnis des jetzigen Lebens, in einer geistig-seelischen Welt gelebt hat. Das kann nicht durch irgendeine Spekulation erreicht werden, auch nicht aus dunkler Mystik, sondern das kann nur erreicht werden in einer solchen Systematik des inneren Entwickelns von zunächst latenten Seelenkräften, wie ich es dargestellt habe.

[ 25 ] On the one hand, I said, one gains the opportunity to see the connection between thought—which is initially grasped as something purely spiritual—and material existence. One comes to see how thought unfolds within the material inner life. This is the fundamental fact from which one proceeds, the axiom of experience which, when pursued further, now reveals—as imaginative and inspired cognition develops further and further—what our soul life is like in a spiritual-soul world before birth or, more precisely, before conception. What lives within us in a spiritual-soul world—that which connects with what is passed on to the human being through hereditary material from ancestors—one now learns to recognize in its context as a further continuation of the fundamental connection between thinking and the material processes within one’s own inner being. One learns, so to speak, to experiment inwardly. One learns—albeit through a higher, transformed art of experimentation—to penetrate into the living realm of experimentation. Just as we create the conditions under which results develop in an experiment, so do we come to know, through voluntary thought processes, their consequences in our inner material life. And by learning to cultivate this ability, one comes to recognize how the spiritual-soul aspect—the supersensible aspect of the human being that passes from life to life—lived in a spiritual-soul world before birth, or rather, before the conception of the present life. This cannot be achieved through mere speculation, nor through obscure mysticism, but can only be attained through a systematic process of inner development of initially latent soul forces, as I have described it.

[ 26 ] Und die andere Seite: Man lernt, wie der Wille wirkt, wie der Wille gewissermaßen zur Dissoziation der Materie führt, wie der Wille einen Wärmeprozeß einleitet, der dann in etwas anderes übergeht. Daran lernt man erkennen, wie das Geistige sich dem Materiellen entringt, wie das Geistige als Willensmäßiges dem Materiellen sich entringt. Und das ist wiederum vergleichbar demjenigen Vorgang, der uns entgegentritt, wenn der Mensch stirbt, wenn das willensartige Geistige sich losringt aus dem physischen Leibe. Man lernt diesen vollständigen Vorgang des Durchgehens durch den Tod, des Hinübergehens des Unsterblichen des Menschen in eine geistige Welt, erkennen.

[ 26 ] And the other side: One learns how the will works, how the will, so to speak, leads to the dissociation of matter, how the will initiates a thermal process that then transforms into something else. From this one learns to recognize how the spiritual breaks free from the material, how the spiritual, as that which is governed by the will, breaks free from the material. And this, in turn, is comparable to the process we encounter when a human being dies, when the will-like spiritual breaks free from the physical body. One learns to recognize this complete process of passing through death, of the immortal aspect of the human being crossing over into a spiritual world.

[ 27 ] Sie sehen, daß es sich überhaupt darum handelt, eine Geisteswissenschaft so zu treiben, daß man nicht ins Abstrakte, ins nebulos Geistige hinauf will und nur davon redet, sondern daß man gerade verfolgt das lebendige Wirken und Schaffen dieses Geistigen, den Übergang des Geistigen in das materielle Leben, das Entringen des Geistigen dem Materiellen. So stellt sich eine Geisteswissenschaft dar, die nun nicht faselt und schwafelt von irgendeinem Abstrakt-Geistigen, sondern die den lebendigen Geist ergreift, der eben durchaus seinen Übergang findet, um materiell zu wirken. Daher kommt es, daß die wahre Geisteswissenschaft durchaus nicht eine Feindin etwa des Materialismus ist, denn sie erkennt die Materie als das, was sich einfügt der allgemeinen Geistigkeit. Sie läßt den Materialismus auf seinem Gebiet, wie ich schon sagte, bestehen, und sie lernt ihn in seiner Berechtigung erkennen. Das wird Ihnen zu gleicher Zeit die Möglichkeit geben zu sehen, wenn ich das auch nur kurz andeuten kann, wie dadurch, daß man lernt, die seelisch-geistigen Funktionen in ihrem Ausleben in den Einzelheiten des ganzen menschlichen Organismus zu sehen, eine Möglichkeit vorliegt, auch die Wirkung nun des Materiellen selber in diesem menschlichen Organismus zu verfolgen. Ich möchte sagen: Wer weiß, wie der Gedanke, wie der Wille im menschlichen Organismus wirkt, der lernt dadurch auch erkennen, wie nun im gesamten Menschen, der aus Leib, Seele und Geist besteht, irgendeine Substanz, irgendein Heilmittel wirkt, was es alles aufrüttelt, was für Kräfte da in Betracht kommen. Man lernt durchschauen, innerlich durchschauen den menschlichen Organismus. Das aber bildet den Eingang zu einer anthroposophisch orientierten Therapie, zu einer wirklich rationellen Therapie, die von einer Menschenkenntnis ausgeht, die auf dem Wege errungen ist, daß man den ganzen Menschen durchschaut.

[ 27 ] You see that the whole point is to pursue a spiritual science in such a way that one does not seek to ascend into the abstract, into the nebulous spiritual realm, and merely talk about it, but rather that one specifically traces the living activity and creation of this spiritual realm—the transition of the spiritual into material life, the struggle of the spiritual to break free from the material. This is what a spiritual science looks like—one that does not ramble on about some abstract spiritual concept, but rather grasps the living spirit, which indeed finds its way to act in the material world. This is why true spiritual science is by no means an enemy of materialism, for it recognizes matter as that which fits into the general spiritual order. It allows materialism to remain in its own domain, as I have already said, and it learns to recognize its legitimacy. This will at the same time give you the opportunity to see—if I may hint at this even briefly—how, by learning to observe the soul-spiritual functions as they play out in the details of the entire human organism, it becomes possible to trace the effect of the material itself within this human organism. I would like to say: Whoever knows how thought and will work within the human organism thereby also learns to recognize how any substance or remedy acts within the whole human being—who consists of body, soul, and spirit—what it stirs up, and what forces come into play. One learns to see through, to see through the human organism from within. But this forms the gateway to an anthroposophically oriented therapy, to a truly rational therapy that is based on a knowledge of human nature attained by seeing through the whole human being.

[ 28 ] So könnte es für die anderen Wissenschaften auch gezeigt werden, wie es ja denjenigen, die an diesem Kursus teilgenommen haben, durch verschiedene Fachleute aus unserm Kreise für die einzelnen Wissenschaften andeutend wenigstens gezeigt worden ist.

[ 28 ] This could also be demonstrated for the other sciences, just as it has at least been hinted at—by various experts from our circle—to those who participated in this course with regard to the individual sciences.

[ 29 ] Das ist es, worüber ich zunächst wenigstens eine Andeutung, allerdings eine notdürftige und ungenügende Andeutung, geben will: wie Anthroposophie bis in die einzelnen Fachwissenschaften hinein befruchtend wirken kann. Aber beachten Sie, was eigentlich entsteht in demjenigen Erkennen, das da sich ausbildet in einer solchen Weise. Ich will nur eine Eigenschaft dieses Erkennens vor Sie hinstellen.

[ 29 ] This is what I would like to begin by touching upon—albeit only briefly and inadequately—namely, how anthroposophy can have a fruitful influence even within the individual scientific disciplines. But please note what actually emerges in the kind of understanding that develops in this way. I want to present just one characteristic of this kind of understanding to you.

[ 30 ] Zunächst ist es so, daß, wenn wir uns zur Imagination emporgerungen haben und irgend etwas imaginativ durchschauen, wenn wir ein Gebiet von Tatsachen, ein Gebiet von Wesenheiten der geistigen Welt so durchschauen, wie man in der Sinneswelt eine Gattung, eine Art von Pflanzen oder Tieren oder Kristallen überschaut, dann steht man vor einer wirklichen Wahrnehmung äußerer geistiger Realität, mit der der Mensch zusammenhängt; wenn man etwas in der äußeren Sinneswelt durchschaut, dann weiß man auch, wie sich der ganze Mensch hineingliedert in diese Außenwelt. Aber indem man sich hineinlebt in diese äußere geistige Realität, kommt man dazu, nun auch die Weltenzusammenhänge als solche zu durchschauen. Und da möchte ich nur andeutend auf etwas hinweisen. Es soll nur als ein Beispiel herausgehoben werden.

[ 30 ] First of all, when we have risen to the level of imagination and gain an imaginative insight into something—when we perceive a realm of facts, a realm of beings in the spiritual world, just as one surveys a genus or species of plants, animals, or crystals in the sensory world—then we are faced with a genuine perception of external spiritual reality with which the human being is connected; when one comprehends something in the external sensory world, one also knows how the whole human being is integrated into this external world. But by immersing oneself in this external spiritual reality, one comes to comprehend the interrelationships of the worlds as such. And here I would like to hint at something. It is meant only as an example.

[ 31 ] Die Wissenschaft, die ich anfangs charakterisiert habe, sie führt uns zu dem sogenannten Wärmetod, in den die Ereignisse der Erde einmal ausmünden werden. Ja, meine sehr verehrten Anwesenden, allem, was uns aus äußerer Wissenschaft gesagt werden kann über diesen Wärmetod, dem können wir eine gewisse Berechtigung durchaus zugestehen. Aber dieser äußeren Wissenschaft fehlt dasjenige, was sich nun vom Menschen selber hineinstellt in die Ereignisse, die uns da die äußere Wissenschaft schildert. Und indem wir erkennen lernen, wie menschlicher Wille wirkt innerhalb des Wärmewesens — ich habe es geschildert, daß er sich hineinstellt in einen Wärmeprozeß —, können wir ahnen, und diese Ahnung wird durch Geisteswissenschaft zur Gewißheit, daß sich in diesem Prozeß zur Entropie hin dasjenige hineinmischen kann, was von menschlicher Moral, von menschlicher Idealität, von menschlichen Willensimpulsen ausgeht; wir können ahnen, daß das dann eine wesentliche Rolle spielt, wenn man es im Zusammenhang mit seinem Wirken in der äußeren physischen Natur auffaßt. Und man kommt dann dazu, sich zu sagen: So wie der einzelne Mensch sich als Seele erhebt aus seinem physischen Leibe und in eine geistige Welt eintritt, so wird die Gesamtheit der Menschenseelen und Menschengeister über den Wärmetod hinaus, überhaupt über das Erdenende hinaus, zu anderen kosmischen Zuständen hinüberleben; sie wird erleben, was nicht mehr irdisch ist, sondern was einer Metamorphose der Erdenentwicklung selber angehört. Alle diese Dinge ergeben sich einer gewissen Veränderung, einer Metamorphose unseres Erkennens selber. Und da ist es eine auffällige Tatsache, die ich jetzt berühren muß.

[ 31 ] The science I described at the beginning leads us to what is known as “heat death,” the state into which the events on Earth will eventually culminate. Yes, ladies and gentlemen, we can certainly acknowledge a certain validity in everything that external science can tell us about this heat death. But this external science lacks that which the human being himself brings into the events that external science describes to us. And as we come to recognize how human will acts within the realm of heat—I have described how it intervenes in a thermal process—we can intuit, and this intuition becomes a certainty through spiritual science, that into this process leading toward entropy can be interwoven that which emanates from human morality, from human idealism, and from human impulses of will; we can intuit that this then plays an essential role when viewed in connection with its effects in the outer physical world. And one then comes to say to oneself: Just as the individual human being rises as a soul from his physical body and enters a spiritual world, so the totality of human souls and human spirits will, beyond heat death—indeed, beyond the end of the Earth itself—survive into other cosmic states; it will experience what is no longer earthly, but rather what belongs to a metamorphosis of Earth’s development itself. All these things result from a certain transformation, a metamorphosis of our very cognition. And here is a striking fact that I must now address.

[ 32 ] Wenn man schon dazu gekommen ist, einiges zu sehen in der äußeren geistigen Welt, dann merkt man, was es eigentlich heißt: man hat das Erinnerungsvermögen selber metamorphosiert, man hat es zu etwas anderem umgebildet. Denn das Eigentümliche ist: In das gewöhnliche Erinnerungsmäßige gehen die geistigen Beobachtungen zunächst nicht ein. Will man das, was man einmal geschaut hat in der geistigen Welt, wiedererkennen, so kann man sich nicht im gewöhnlichen Sinne daran erinnern. Daran zeigt sich gerade, daß es eine Beobachtung ist, nicht ein gewöhnlich gefaßter Begriff oder ein Phantasiebegriff. Will man zu dem, was man beobachtet, und von dem man nur ein Bild hat, wieder hingehen, muß man auch hier denselben geistigen Weg wieder einschlagen. Man kann sich nur an den Weg erinnern, wie man diese geistige Beobachtung herbeigeführt hat, aber in die unmittelbare geistige Beobachtung geht es nicht über. Das ist das Überraschende für Anfänger, die sich der Geisteswissenschaft widmen, die zum Schauen kommen und das Geschaute dann vergessen, weil man es nicht erinnern kann, weil es eine Beobachtung ist, nicht ein bloßer Begriff. Man muß sich erinnern an all die Einzelheiten, durch die man die Schauung herbeigeführt hat, dann kann man sie, wenn man die nötige Kraft hat, wenn die meditative Übung ausreichend war, wieder herbeiführen. Dadurch aber ist man als Geistesforscher genötigt, jederzeit aufs neue immer wieder und wiederum den Aufschwung in die geistige Welt zu vollziehen. Was wir schauen in der geistigen Welt, das wird nicht ein Gedächtnisbesitz; das wird, wenn ich mich so ausdrücken darf, nur der Anlaß sein können, dieselben Prozesse immer wieder herbeizuführen, durch die man sich zum geistigen Anschauen erhoben hat. Ich möchte auch noch erwähnen: Man kann sogar — und das ist nicht das Schlechteste dieser Geisteswissenschaft, denn es behütet vor Illusionen —, man kann, wenn man schon sehr viel für sich geleistet hat in dieser Beziehung, zum Skeptizismus kommen und kann immer wieder genötigt sein, diesen Skeptizismus zu überwinden. Man muß innerlich immer wieder arbeiten, in innerlicher Regsamkeit. Und diese innerliche Regsamkeit, die fließt auch von demjenigen aus, was mitgeteilt, was niedergeschrieben wird vom Geistesforscher, und was der andere Mensch auf seinen gesunden Menschenverstand hin annehmen kann. Denn Geisteswissenschaft kann von jedem Laien mit gesundem Menschenverstand, ohne daß er Geistesforscher zu sein braucht, ebenso aufgenommen werden, wie die astronomischen Wahrheiten von dem Laien aufgenommen werden können, der sie durchschaut, auch ohne Astronom zu sein. Es geht aber mit demjenigen, was in der Geisteswissenschaft als Begriff, als Idee, als Vorstellung entwickelt wird, die sich auf den ganzen Menschen überträgt, eine innerliche Regsamkeit auf den Menschen über. Es geht, mit anderen Worten, dasjenige Element auf den Menschen über, das man nennen könnte ein geistesgegenwärtiges Anschauen der Welt. Diese Geistesgegenwart, dieses Auffassen des Konkreten, dieses Liegenlassen des bloß Abstrakten, das ist das, was man besonders heranerzieht in der Geisteswissenschaft. Dadurch aber wird man vorbereitet für das Leben in einer lebendigen Erkenntnis.

[ 32 ] Once one has come to see certain things in the outer spiritual world, one realizes what this actually means: one has transformed one’s own capacity for memory; one has reshaped it into something else. For the peculiar thing is that, at first, these spiritual observations do not enter into ordinary memory. If one wishes to recognize again what one has once beheld in the spiritual world, one cannot recall it in the ordinary sense. This precisely demonstrates that it is an observation, not a concept grasped in the ordinary way or a figment of the imagination. If one wishes to return to what one has observed—and of which one has only an image—one must once again take the same spiritual path. One can only recall the path by which one brought about this spiritual observation, but one cannot return to the immediate spiritual observation itself. This is what surprises beginners who devote themselves to spiritual science: they arrive at a vision and then forget what they have seen, because they cannot recall it—since it is an observation, not a mere concept. One must recall all the details through which one brought about the vision; then, if one has the necessary strength and if the meditative practice has been sufficient, one can bring it about again. As a result, however, one is compelled, as a spiritual researcher, to make the ascent into the spiritual world anew, again and again, at every moment. What we perceive in the spiritual world does not become part of one’s memory; it can, if I may put it this way, only serve as the impetus to repeatedly bring about the same processes through which one has risen to spiritual perception. I would also like to mention: One can even—and this is not the worst aspect of this spiritual science, for it protects against illusions—one can, even after having achieved a great deal in this regard, come to a state of skepticism and may be compelled time and again to overcome this skepticism. One must work inwardly again and again, with inner alertness. And this inner alertness also flows from what is communicated and written down by the spiritual researcher, and from what another person can accept based on their common sense. For spiritual science can be grasped by any layperson with common sense—without needing to be a spiritual scientist—just as astronomical truths can be grasped by the layperson who understands them, even without being an astronomer. However, what is developed in spiritual science as a concept, an idea, or a mental image—which extends to the whole human being—imparts an inner vitality to the person. In other words, what is imparted to the human being is that element one might call a present-minded contemplation of the world. This presence of mind, this grasping of the concrete, this setting aside of the merely abstract—that is what is particularly cultivated in spiritual science. Through this, however, one is prepared for life in living knowledge.

[ 33 ] Man muß es immer wieder und wiederum sagen: In der neueren Zeit ist es für den Menschen schwer, aus der inneren Individualität heraus zu einem solchen sozialen Leben zu kommen, wie ich es beschrieben habe in meiner «Philosophie der Freiheit», die ich schon erwähnt habe, weil dieser Anfang gemacht werden muß mit dem Anschauen der Geistigkeit, wenn auch in primitiver Weise, aber eben doch mit dem Anschauen der Geistigkeit selbst. Wenn man sich aber hineinfindet durch das Studium der Geisteswissenschaft, durch das Einleben in Geisteswissenschaft, dann wird man hingeleitet zum Konkreten. Dieses Konkrete aber, das muß man ergreifen, wenn man dieses Leben, das wir heute im Sinne der neueren Zeit das soziale Leben nennen können, verstehen will. Man braucht nur einige Jahrhunderte zurückzuschauen, um die Veränderung zu erkennen, die vor sich gegangen ist mit der Kulturmenschheit in bezug auf das soziale Leben. Die sozialen Verbände, die sozialen Bindungen sind in früherer Zeit hervorgegangen aus gewissen instinktiven Grundlagen, die in den Menschen gelebt haben, und aus diesen sozialen Bindungen, man könnte sagen, aus dem, was der eine Mensch am anderen Menschen erlebte, ging auch hervor jener besondere Grad von Liebe, der heute ja natürlich nicht mehr zeitgemäß ist, der aber in früheren Jahrhunderten, selbst in denen, die wir nicht heraufbeschwören wollen, doch gelebt hat von Mensch zu Mensch. Dieser Grad von Liebe muß aus den instinktiven Verhältnissen von Mensch zu Mensch verstanden werden.

[ 33 ] It must be said again and again: In modern times, it is difficult for human beings to arrive at the kind of social life I have described in my Philosophy of Freedom—which I have already mentioned—from a place of inner individuality, because this process must begin with the contemplation of the spiritual, even if in a primitive way, but nonetheless with the contemplation of the spiritual itself. But when one finds one’s way into it through the study of spiritual science, through immersing oneself in spiritual science, one is then led to the concrete. And this concrete reality—one must grasp it if one wishes to understand this life, which we can call social life today in the sense of modern times. One need only look back a few centuries to recognize the change that has taken place in civilized humanity with regard to social life. In earlier times, social associations and social bonds arose from certain instinctive foundations that were alive within people, and from these social bonds, one might say, from what one person experienced in another, that particular degree of love also arose—a love that is, of course, no longer relevant today, but which in earlier centuries, even in those we do not wish to evoke, was indeed lived from person to person. This degree of love must be understood in terms of the instinctive relationships between people.

[ 34 ] Die neuere Zeit mit ihren Fortschritten der Naturwissenschaft, mit den berechtigten Anwendungen der Naturwissenschaft auf dem Gebiete der Technik, mit dem, was wiederum die Technik erfordert hat in bezug auf Weltverkehr und Weltwirtschaft, in allem, was wir nennen können die moderne Technik des Lebens, und in allem, in das der Mensch sich hineingestellt sieht in diesem modernen Leben, — hat das alles heraufgebracht, gleichzeitig mit dem Sich-Hineinfinden der Menschen in den modernen Wissenschaftsgeist. Dieser moderne Wissenschaftsgeist neigt aber zunächst zur Theorie. Geisteswissenschaft, wie sie heute in anthroposophischer Orientierung auftreten kann, geht hinweg von der Theorie, sie geht auf das Anschauen, auf das Konkrete, auf das Erfassen des augenblicklich Gegebenen. Dadurch aber wird diese Geisteswissenschaft nicht nur der Wissenschaft Dienste leisten können, von denen ich notdürftige Andeutungen machen konnte, sondern sie wird auch wesentliche Dienste dem modernen Leben leisten können. Dieses moderne Leben hat ja allerdings Formen angenommen, die deutlich zeigen, wie Niedergangskräfte, Zerstörungskräfte in die moderne Welt hereingekommen sind. Man braucht sie in ihrem Extrem der Zerstörungswut nur im Osten zu studieren. Viel zu wenig studieren die Menschen der Mitte und des Westens, was da an zerstörerischen Kräften in die Menschheit gekommen ist. Wodurch sind diese Kräfte in die Menschheit hineingekommen? Man wird sehen, wie nicht die Wissenschaft selbst — die hat ihre volle Berechtigung —, aber wie das, was als wissenschaftliche Art zu denken sich geltend gemacht hat, sich ausdehnen wollte auf das Denken über das soziale Leben. Man sehe, wie solche Leute, wie die Führer der radikalen sozialistischen Parteien, die Leninisten, die Trotzkisten, sagen, das, was sie nun ausgestalten wollten im sozialen Leben, das hätten sie sich angeeignet aus der Wissenschaftsgesinnung heraus. — Theorien, übertragen auf das soziale Leben — das ist es, was wir heute herankommen sehen als etwas noch viel Zerstörerischeres, als dasjenige war, das schon gewirkt hat: dieser Wille, Theorien hereinzutragen in das Leben, über das Leben theoretisieren zu wollen, allerlei Utopien ausspinnen zu wollen im Leben. Dasjenige aber, was uns gegeben ist im sozialen Menschenleben, das sind überall die lebendigen Menschen. Und nur einer Illusion, einer soziologischen Illusion entspringt es, wenn man nicht sieht, wie heute der Mensch aus einem gewissen Hang zum Theoretischen heraus auch zum theoretischen Gestalten der Wirklichkeit neigt. Selbst wenn er ein praktischer Mensch sein will, gestaltet er nach theoretischen Vorurteilen. Heute tun das die ärgsten Praktiker, das heißt solche, die sich dafür halten; ihre Praxis wird Routine. Man sieht, wie da die Menschheit in eine soziale Maschinerie, in einen Mechanismus hineinzuwachsen droht. Das, was in der äußeren Experimentierkunst gut angemessen ist, kann nicht übertragen werden darauf, wie die Menschen zusammenleben. Der Mensch will, indem er sich heute geltend macht, gerade eine Individualität sein. Das bewirkt die heißen Kämpfe der Gegenwart, die man nur verstehen muß. Man kann sie verstehen als ein Aufbäumen des Menschen gegen das, was die Menschheit umspinnen will wie ein außermenschlich Objektives, wie ein soziales Irrenhaus. Da regt sich der Mensch. Der Mensch ist es, auf den es ankommt. Der Mensch aber, auf den es ankommt, ist der Mensch, der in seinen Willensimpulsen wirkt, und der doch nur verstanden werden kann, wenn man ausgeht von einer solchen Liebe, von einem solchen Empfinden, die angeregt sind von Geist-Erkennen. Denn der Geist ist es doch, der im sozialen Leben aus den Menschen wirkt. Das, was im sozialen Leben wirkt, kann man nicht mit Anthropologie bezwingen, sondern nur mit Anthroposophie, weil die Anthropologie auf das Allgemeine ausgeht, während die Anthroposophie gerade darauf ausgeht, den Menschen in seiner individuellen Freiheit zu betrachten; weil die Anthroposophie überall hineinzuschauen weiß, bis zum einzelnen Menschen hinunter, [und sieht,] wie dieser Mensch es selber ist, der sich in das soziale Leben hineinstellt. In diesem Sinne möchte anthroposophische Geisteswissenschaft auch dem allerpraktischsten Leben dienen. Aus dieser Tendenz heraus ist das entsprungen, was zum Beispiel zuerst in meiner «Philosophie der Freiheit» darzustellen versucht worden ist, als eine Grundlegung des Subjektiven im Menschen für ein heutiges, der heutigen geschichtlichen Menschheitsperiode angepaßtes soziales Zusammenleben, was dann wiederum in meinen «Kernpunkten der Sozialen Frage» darzustellen versucht worden ist, nicht als Utopie, sondern aus vollster Lebenspraxis, aus empirischer Lebensbeobachtung, aber einer solchen, die vom Geiste getragen ist.

[ 34 ] The modern era, with its advances in the natural sciences, with the justified applications of the natural sciences in the field of technology, with what technology in turn has demanded in terms of global communication and the global economy—in everything we might call the modern technology of life, and in everything into which human beings find themselves drawn in this modern life— —all of this has brought about, simultaneously with humanity’s immersion in the modern scientific spirit. This modern scientific spirit, however, tends initially toward theory. Spiritual science, as it can appear today in an anthroposophical orientation, moves away from theory; it turns to observation, to the concrete, to the grasping of what is given in the moment. Through this, however, spiritual science will not only be able to render services to science—of which I have been able to offer only tentative hints—but it will also be able to render essential services to modern life. This modern life has, after all, taken on forms that clearly show how forces of decline and destruction have entered the modern world. One need only study them in their extreme form of destructive fury in the East. People in the center and the West study far too little the destructive forces that have entered humanity. How did these forces enter humanity? We shall see how it was not science itself—which has its full justification—but rather what has asserted itself as a scientific way of thinking that sought to extend itself to thinking about social life. Observe how such people—such as the leaders of the radical socialist parties, the Leninists, and the Trotskyists—claim that what they now sought to implement in social life was derived from a scientific mindset. — Theories applied to social life — that is what we see emerging today as something far more destructive than what has already been at work: this desire to introduce theories into life, to theorize about life, and to spin all manner of utopias out of life. But what is given to us in social human life are, everywhere, living human beings. And it springs solely from an illusion—a sociological illusion—when one fails to see how, today, human beings, out of a certain inclination toward the theoretical, also tend to shape reality theoretically. Even when they want to be practical people, they shape things according to theoretical prejudices. Today, even the most ardent practitioners—that is, those who consider themselves such—do this; their practice becomes routine. One can see how humanity is in danger of growing into a social machine, into a mechanism. What is well-suited to the external art of experimentation cannot be transferred to the way people live together. By asserting himself today, human beings seek precisely to be individuals. This is what drives the fierce struggles of the present, which one need only understand. One can understand them as a human rebellion against what seeks to ensnare humanity—as if it were something objective and non-human, as if it were a social madhouse. This is where human beings stir. It is human beings who matter. But the human being on whom it all depends is the one who acts through the impulses of his will—and who can only be understood if one proceeds from a love and a feeling inspired by spiritual knowledge. For it is the spirit, after all, that works through human beings in social life. What is at work in social life cannot be grasped through anthropology, but only through anthroposophy, because anthropology focuses on the general, whereas anthroposophy focuses precisely on viewing the human being in his or her individual freedom; because anthroposophy knows how to look into everything, right down to the individual human being, [and sees] how this human being, as he or she truly is, places himself or herself within social life. In this sense, anthroposophical spiritual science also seeks to serve the most practical aspects of life. Out of this tendency arose what, for example, was first attempted to be presented in my Philosophy of Freedom as a foundation of the subjective in the human being for a form of social coexistence suited to the present historical period of humanity, which was then in turn attempted to be presented in my Key Points of the Social Question—not as a utopia, but as a product of the fullest practical experience of life, of empirical observation of life, albeit one that is sustained by the spirit.

[ 35 ] Was hineinfließt in das Leben, das den Menschen voll berücksichtigt, das Verständnis hat für das Individuelle, das da zeigt, wie der einzelne Mensch nicht in das allgemein-menschliche Schema hineingepreßt werden kann, wie Volksbestände eben Volksbestände sind, wie andere kleine Verbände kleine Verbände sind mit ihren Eigentümlichkeiten — das alles fließt aus dem Geiste heraus. Und nur diejenige Erziehung, die aus den Ideen und Begriffen wirklicher Anthroposophie hervorquillt, kann so in das soziale Menschenleben hineinschauen, daß eine lebendige, lebensvolle, bestandgewährende, eine innerlich fruchtbare Soziologie entstehen kann, die nun auch die sozialen Verbände gestalten kann. Eine solche Soziologie heranzuerziehen mit Hinwegräumung aller Utopie ist versucht worden in meinen «Kernpunkten».

[ 35 ] What flows into life—that which takes the human being fully into account, that which has an understanding of the individual, that which shows how the individual human being cannot be forced into a general human mold, how populations are simply populations, how other small communities are small communities with their own peculiarities—all of this flows from the spirit. And only an education that springs from the ideas and concepts of true anthroposophy can look into social human life in such a way that a living, life-affirming, enduring, and inwardly fruitful sociology can emerge—one that can then also shape social organizations. An attempt has been made to develop such a sociology, free from all utopianism, in my “Key Points.”

[ 36 ] Und in der von Emil Molt begründeten und von mir geleiteten Freien Waldorfschule in Stuttgart ist versucht worden, dieses anthroposophische Erfassen des Menschen auszudehnen auf die Entwicklung des Kindes, also wirklich das Kind schon nach Leib, Seele und Geist als den Vollmenschen zu betrachten, und sich vom Kinde diktieren zu lassen, wie Lehrplan und Lehrmethode sein müssen. Ich kann das nur kurz erwähnen, daß die Erkenntnis, weil sie selber etwas wird, was lebt, immer wieder errungen werden muß, daß sie, wenn sie höhere Erkenntnis sein will, sogar jeden Moment neu errungen werden muß — ebenso wie man an jedem Tage neu essen muß: trotzdem man gestern gegessen hat, muß man es heute wieder tun —, während man dasjenige, was man durch gewöhnliche, abstrakte oder Naturwissenschaft sich angeeignet hat, erinnert. Was man erinnert, geht ins Bild über, wird zum Nicht-Realen. Was durch Geisteswissenschaft errungen wird, ist real lebendig; daher muß es immer neu errungen werden. Daher ist eine innere Regsamkeit und seelische Arbeit des Menschen notwendig. Daher ist das, was durch Geisteswissenschaft errungen wird, verwandt nicht nur der Erkenntnis, sondern auch dem Leben.

[ 36 ] And at the Free Waldorf School in Stuttgart, founded by Emil Molt and directed by me, an attempt has been made to extend this anthroposophical understanding of the human being to the development of the child—that is, to truly regard the child, in body, soul, and spirit, as a complete human being, and to let the child dictate what the curriculum and teaching methods should be. I can only briefly mention that knowledge—because it itself becomes something that lives—must be attained again and again; that if it is to be higher knowledge, it must even be attained anew at every moment—just as one must eat anew every day: even though one ate yesterday, one must do so again today—while one recalls what one has acquired through ordinary, abstract, or natural science. What one recalls is transformed into an image; it becomes unreal. What is attained through spiritual science is truly alive; therefore, it must be attained anew again and again. Hence, inner alertness and the work of the human soul are necessary. Hence, what is attained through spiritual science is related not only to knowledge but also to life.

[ 37 ] Und aus solchen Untergründen heraus darf diese anthroposophische Geisteswissenschaft glauben, daß sie in der Richtung wirken kann, wie es angedeutet worden ist im heutigenVortrag; in der Richtung, daß sie fruchtbar sein kann — nicht etwa dadurch, daß sie aus theoretischen oder gefühlsmäßigen Erwägungen heraus von Weltanschauung redete —, daß sie befruchtend wirkt auf der einen Seite für die Wissenschaft, die ja unserem Leben immer mehr und mehr zugrunde liegt, und daß sie befruchtend wirkt auf der anderen Seite für das Leben selber, in seiner sozialen Gestaltung namentlich; daß also anthroposophische Geisteswissenschaft nicht nur ein Wissen, sondern eine tatsächliche geistig-seelische Wirklichkeit schaffen kann, die fruchtbar ist für die Wissenschaft und für das Leben.

[ 37 ] And on the basis of such foundations, this anthroposophical spiritual science may believe that it can work in the direction indicated in today’s lecture; in the sense that it can be fruitful—not by speaking of a worldview based on theoretical or emotional considerations—but by having a fertilizing effect, on the one hand, on science, which is, after all, increasingly the foundation of our lives, and, on the other hand, on life itself, particularly in its social form; that, therefore, anthroposophical spiritual science can create not merely knowledge, but an actual spiritual-psychic reality that is fruitful for science and for life.