The Essence of Anthroposophy
GA 77b
24 August 1921, Dornach
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Kunst und Anthroposophie Der Goetheanum-Impuls
8. Eurythmie als freie Kunst
8. Eurythmie als freie Kunst
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Letzten Montag durften wir Ihnen Eurythmisches als Erziehungs- und Unterrichtsmittel vorführen, und ich hatte mir erlaubt, über die Eurythmie als ein durchseeltes und durchgeistigtes Turnen zu sprechen. Heute soll hier vor Ihnen Eurythmie als eine freie Kunst auftreten. Dasjenige erklären wollen, was sich als Kunst offenbaren will, ist eigentlich ein unkünstlerisches Unternehmen. Denn alles, was wirklich künstlerisch ist, muß durch dasjenige wirken, als was es sich unmittelbar in der Wahrnehmung darstellt. Und auf der anderen Seite fordert der Mensch von dem wirklich Künstlerischen, daß er sein ganzes Wesen auffassen kann, ohne irgenwie auf einem Umwege durch eine begriffliche oder sonstige Erklärung erst den Weg suchen zu müssen.
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Letzten Montag durften wir Ihnen Eurythmisches als Erziehungs- und Unterrichtsmittel vorführen, und ich hatte mir erlaubt, über die Eurythmie als ein durchseeltes und durchgeistigtes Turnen zu sprechen. Heute soll hier vor Ihnen Eurythmie als eine freie Kunst auftreten. Dasjenige erklären wollen, was sich als Kunst offenbaren will, ist eigentlich ein unkünstlerisches Unternehmen. Denn alles, was wirklich künstlerisch ist, muß durch dasjenige wirken, als was es sich unmittelbar in der Wahrnehmung darstellt. Und auf der anderen Seite fordert der Mensch von dem wirklich Künstlerischen, daß er sein ganzes Wesen auffassen kann, ohne irgenwie auf einem Umwege durch eine begriffliche oder sonstige Erklärung erst den Weg suchen zu müssen.
[ 2 ] Wenn ich mir aber dennoch erlaube, einige Worte vorauszuschicken, so aus dem Grunde, weil die hier im Goetheanum und sonst von uns versuchte Eurythmie ein Künstlerisches darstellt, das aus bisher ungewohnten künstlerischen Quellen schöpft und sich auch einer ungewohnten künstlerischen Formensprache bedient. Und über diese künstlerischen Quellen und diese künstlerische Formensprache gestatten Sie mir, einige Worte vorauszusenden.
[ 2 ] Wenn ich mir aber dennoch erlaube, einige Worte vorauszuschicken, so aus dem Grunde, weil die hier im Goetheanum und sonst von uns versuchte Eurythmie ein Künstlerisches darstellt, das aus bisher ungewohnten künstlerischen Quellen schöpft und sich auch einer ungewohnten künstlerischen Formensprache bedient. Und über diese künstlerischen Quellen und diese künstlerische Formensprache gestatten Sie mir, einige Worte vorauszusenden.
[ 3 ] Dasjenige, wodurch sich Eurythmie als eine freie Kunst offenbaren will, sind Bewegungen des Menschen in seinen einzelnen Körpergliedern, oder auch Bewegungen von Menschengruppen im Raume. Diese Bewegungen, sie stellen weder ein bloß Mimisches oder Pantomimisches dar, noch irgend etwas bloß Gebärdenhaftes oder gar etwas Tanzartiges, sondern die Eurythmie soll eine wirklich sichtbare Sprache sein, und zwar eine sichtbare Sprache, die gewonnen ist aus den sinnlich-übersinnlichen Beobachtungen der menschlichen Organisation selbst, so daß man in der Eurythmie etwas hervorgehen lassen kann aus dem Menschen, das ebenso organisch aus ihm herauskommt — ohne eine Augenblicksgebärde oder eine Augenblicksmimik zu sein — wie die menschliche Sprache selbst. Und wie der Laut, oder auch beim Singen der Ton, aus dem menschlichen Inneren gesetzmäßig herausquillt, so soll auch dasjenige aus dem menschlichen Inneren, aus dem Inneren der menschlichen Organisation kommen, was als eurythmische Kunst auftritt.
[ 3 ] Dasjenige, wodurch sich Eurythmie als eine freie Kunst offenbaren will, sind Bewegungen des Menschen in seinen einzelnen Körpergliedern, oder auch Bewegungen von Menschengruppen im Raume. Diese Bewegungen, sie stellen weder ein bloß Mimisches oder Pantomimisches dar, noch irgend etwas bloß Gebärdenhaftes oder gar etwas Tanzartiges, sondern die Eurythmie soll eine wirklich sichtbare Sprache sein, und zwar eine sichtbare Sprache, die gewonnen ist aus den sinnlich-übersinnlichen Beobachtungen der menschlichen Organisation selbst, so daß man in der Eurythmie etwas hervorgehen lassen kann aus dem Menschen, das ebenso organisch aus ihm herauskommt — ohne eine Augenblicksgebärde oder eine Augenblicksmimik zu sein — wie die menschliche Sprache selbst. Und wie der Laut, oder auch beim Singen der Ton, aus dem menschlichen Inneren gesetzmäßig herausquillt, so soll auch dasjenige aus dem menschlichen Inneren, aus dem Inneren der menschlichen Organisation kommen, was als eurythmische Kunst auftritt.
[ 4 ] Da handelt es sich darum, daß, wie gesagt, in sinnlichübersinnlichem Schauen sorgfältig studiert werden muß, welche Bewegungsanlagen oder Bewegungstendenzen in den menschlichen Sprach- oder Sing-Organen sich ansetzen, wenn der Mensch sich zum Singen oder Sprechen anschickt. Ich sage ausdrücklich: Bewegungstendenzen, denn dasjenige, was ich damit meine, wird ja nicht eine wirkliche Bewegung, sondern man kann das, was da zu Grunde liegt, eigentlich nur im Entstehen beobachten, gewissermaßen im status nascendi, denn dasjenige, was als Bewegung sich in den Sing- und Sprechorganen bilden will, das wird ja schon durch den sich betätigenden singenden oder sprechenden Menschen in der Entstehung aufgehalten und umgesetzt in diejenigen Bewegungen, die dann den Ton oder den Laut darstellen können, so daß man dasjenige, was sich in einzelnen OrganSystemen, in dem Sing- oder Sprech-System beim Menschen an Bewegungsmöglichkeiten ergibt, übertragen muß auf den ganzen Menschen. Das ist durchaus nach dem Prinzip der Goetheschen Metamorphosenlehre. Goethe sieht das einzelne Blatt wie eine vereinfachte Pflanze an, und wiederum die ganze Pflanze wie ein kompliziertes Blatt. Das, was Goethe hier nur zu morphologischen Betrachtungen anwendet, das kann man heraufheben in das Künstlerische. Man kann dasjenige, was in einem einzelnen Organsystem an Bewegungsmöglichkeiten veranlagt ist, übertragen auf den ganzen Menschen, wie die Natur die Form des einzelnen Blattes in komplizierterer Gestalt auf die ganze Pflanze überträgt. Dann wird der ganze Mensch zu einem Sprach- oder Sing-Organ. Und selbst Menschengruppen werden zu einem Sprach- oder Sing-Organ. Und man darf ebensowenig einen Zusammenhang zwischen der einzelnen Bewegung und dem einzelnen Seelenvorgang suchen, wie man einen Zusammenhang suchen darf zwischen dem einzelnen Laut oder Ton und demjenigen, was in der Seele vorgeht. Aber wie die Gesamt-Sprachbildung gesetzmäßig ist, so ist auch die Gesamtbildung der eurythmischen Bewegungen durchaus gesetzmäßig, und man kommt dazu, indem man den Menschen durch diese Eurythmie sich offenbaren läßt, gerade das Künstlerische, das dem Gesang oder dem Sprachlichen zugrunde Liegende, in seinem ureigentlichen Elemente darzustellen. Denn in der Sprache fließt durch die menschliche Organisation zusammen das Gedankliche und dasjenige, was nicht bloß wie das Gedankliche aus dem Kopfe herauskommt, sondern was aus dem ganzen Menschen kommt: das Willensmäßige. Aber je mehr in irgendeinem Inhalte lebt das bloß Gedankliche, desto unkünstlerischer ist dieser Inhalt. Der Gedanke ertötet das Künstlerische. Und nur so viel, als durch die Sprache vom Willenselemente, das aus dem Ganzen, aus dem Vollmenschen herauskommt, übergehen kann, so viel ist wirklich Künstlerisch-Poetisches in der Sprache zu finden.
[ 4 ] Da handelt es sich darum, daß, wie gesagt, in sinnlichübersinnlichem Schauen sorgfältig studiert werden muß, welche Bewegungsanlagen oder Bewegungstendenzen in den menschlichen Sprach- oder Sing-Organen sich ansetzen, wenn der Mensch sich zum Singen oder Sprechen anschickt. Ich sage ausdrücklich: Bewegungstendenzen, denn dasjenige, was ich damit meine, wird ja nicht eine wirkliche Bewegung, sondern man kann das, was da zu Grunde liegt, eigentlich nur im Entstehen beobachten, gewissermaßen im status nascendi, denn dasjenige, was als Bewegung sich in den Sing- und Sprechorganen bilden will, das wird ja schon durch den sich betätigenden singenden oder sprechenden Menschen in der Entstehung aufgehalten und umgesetzt in diejenigen Bewegungen, die dann den Ton oder den Laut darstellen können, so daß man dasjenige, was sich in einzelnen OrganSystemen, in dem Sing- oder Sprech-System beim Menschen an Bewegungsmöglichkeiten ergibt, übertragen muß auf den ganzen Menschen. Das ist durchaus nach dem Prinzip der Goetheschen Metamorphosenlehre. Goethe sieht das einzelne Blatt wie eine vereinfachte Pflanze an, und wiederum die ganze Pflanze wie ein kompliziertes Blatt. Das, was Goethe hier nur zu morphologischen Betrachtungen anwendet, das kann man heraufheben in das Künstlerische. Man kann dasjenige, was in einem einzelnen Organsystem an Bewegungsmöglichkeiten veranlagt ist, übertragen auf den ganzen Menschen, wie die Natur die Form des einzelnen Blattes in komplizierterer Gestalt auf die ganze Pflanze überträgt. Dann wird der ganze Mensch zu einem Sprach- oder Sing-Organ. Und selbst Menschengruppen werden zu einem Sprach- oder Sing-Organ. Und man darf ebensowenig einen Zusammenhang zwischen der einzelnen Bewegung und dem einzelnen Seelenvorgang suchen, wie man einen Zusammenhang suchen darf zwischen dem einzelnen Laut oder Ton und demjenigen, was in der Seele vorgeht. Aber wie die Gesamt-Sprachbildung gesetzmäßig ist, so ist auch die Gesamtbildung der eurythmischen Bewegungen durchaus gesetzmäßig, und man kommt dazu, indem man den Menschen durch diese Eurythmie sich offenbaren läßt, gerade das Künstlerische, das dem Gesang oder dem Sprachlichen zugrunde Liegende, in seinem ureigentlichen Elemente darzustellen. Denn in der Sprache fließt durch die menschliche Organisation zusammen das Gedankliche und dasjenige, was nicht bloß wie das Gedankliche aus dem Kopfe herauskommt, sondern was aus dem ganzen Menschen kommt: das Willensmäßige. Aber je mehr in irgendeinem Inhalte lebt das bloß Gedankliche, desto unkünstlerischer ist dieser Inhalt. Der Gedanke ertötet das Künstlerische. Und nur so viel, als durch die Sprache vom Willenselemente, das aus dem Ganzen, aus dem Vollmenschen herauskommt, übergehen kann, so viel ist wirklich Künstlerisch-Poetisches in der Sprache zu finden.
[ 5 ] Daher muß der Dichter, der wirklich ein Künstler ist, einen fortwährenden Kampf gegen das Prosa-Element der Sprache führen. Das ist ja insbesondere bei zivilisierten Sprachen der Fall, wo die Sprache immer mehr und mehr zum Ausdruck des erkennenden Gedankens auf der einen Seite oder des für die soziale Konvention geeigneten Gedankens auf der anderen Seite ist. Indem die Sprachen gerade in die Zivilisation hineinwachsen, werden sie ein immer unbrauchbareres und unbrauchbareres Element für den Ausdruck jenes Geistigen, das der künstlerische Dichter wirklich suchen muß. Daher muß der Dichter über den Prosa-Inhalt hinausgehend die Sprache durch Rhythmus, Reim, durch Harmonien, durch Takt, durch das Musikalisch- oder ImaginativThematische gewissermaßen wiederum zurückführen zu demjenigen Elemente, in dem der Mensch tonlich oder lautlich sich zum Offenbarer eines Geistigen macht und dadurch dieses Tonliche oder Lautliche wirklich in das Geistig-Künstlerische heraufheben kann.
[ 5 ] Daher muß der Dichter, der wirklich ein Künstler ist, einen fortwährenden Kampf gegen das Prosa-Element der Sprache führen. Das ist ja insbesondere bei zivilisierten Sprachen der Fall, wo die Sprache immer mehr und mehr zum Ausdruck des erkennenden Gedankens auf der einen Seite oder des für die soziale Konvention geeigneten Gedankens auf der anderen Seite ist. Indem die Sprachen gerade in die Zivilisation hineinwachsen, werden sie ein immer unbrauchbareres und unbrauchbareres Element für den Ausdruck jenes Geistigen, das der künstlerische Dichter wirklich suchen muß. Daher muß der Dichter über den Prosa-Inhalt hinausgehend die Sprache durch Rhythmus, Reim, durch Harmonien, durch Takt, durch das Musikalisch- oder ImaginativThematische gewissermaßen wiederum zurückführen zu demjenigen Elemente, in dem der Mensch tonlich oder lautlich sich zum Offenbarer eines Geistigen macht und dadurch dieses Tonliche oder Lautliche wirklich in das Geistig-Künstlerische heraufheben kann.
[ 6 ] Indem nun die Eurythmie durch ihre besondere Eigenart, indem sie sich durch Bewegungen ausdrückt, aus dem Willenselement des Menschen heraus elementar naturgemäß wirkt, kann gerade durch sie das eigentlich Künstlerische, sowohl des Musikalischen wie des Dichterischen, aus dem Menschen hervorgeholt werden. Und dasjenige, was der Dichter, ich möchte sagen in einer unsichtbaren Eurythmie schon anstrebt, man kann es sichtbar vor sich haben durch jene menschlichen Bewegungen, die ja in der Eurythmie auftreten. Man kann sowohl zu irgendeinem Musikalischen in der Eurythmie eine Begleitung schaffen, dann wird gewissermaßen ein sichtbarer Gesang vorgeführt — man kann ebenso in Eurythmie singen, wie man hörbar singen kann —; und man kann auch das Dichterische in der Eurythmie darstellen, dann muß dasjenige, was auf der Bühne als Eurythmie vor die Zuschauer tritt, begleitet sein von der Rezitation oder Deklamation der Dichtung. In einem unkünstlerischen Zeitalter wird man wenig Verständnis haben für dasjenige, was nun gerade bei der Rezitation und Deklamation als Begleitung für eurythmische Kunst notwendig ist. Und ein solches unkünstlerisches Zeitalter ist das heutige.
[ 6 ] Indem nun die Eurythmie durch ihre besondere Eigenart, indem sie sich durch Bewegungen ausdrückt, aus dem Willenselement des Menschen heraus elementar naturgemäß wirkt, kann gerade durch sie das eigentlich Künstlerische, sowohl des Musikalischen wie des Dichterischen, aus dem Menschen hervorgeholt werden. Und dasjenige, was der Dichter, ich möchte sagen in einer unsichtbaren Eurythmie schon anstrebt, man kann es sichtbar vor sich haben durch jene menschlichen Bewegungen, die ja in der Eurythmie auftreten. Man kann sowohl zu irgendeinem Musikalischen in der Eurythmie eine Begleitung schaffen, dann wird gewissermaßen ein sichtbarer Gesang vorgeführt — man kann ebenso in Eurythmie singen, wie man hörbar singen kann —; und man kann auch das Dichterische in der Eurythmie darstellen, dann muß dasjenige, was auf der Bühne als Eurythmie vor die Zuschauer tritt, begleitet sein von der Rezitation oder Deklamation der Dichtung. In einem unkünstlerischen Zeitalter wird man wenig Verständnis haben für dasjenige, was nun gerade bei der Rezitation und Deklamation als Begleitung für eurythmische Kunst notwendig ist. Und ein solches unkünstlerisches Zeitalter ist das heutige.
[ 7 ] Man versteht heute wenig, was Goethe etwa meinte, wenn er selbst seine Jamben-Dramen mit dem Taktstock in der Hand wie ein Kapellmeister mit seinen Schauspielern einstudierte. Er sah nicht auf den Prosa-Inhalt, er sah auf die künstlerische Formung des Jambus. Oder man versteht schlecht, wie Schiller gerade bei seinen bedeutsamsten Dichtungen zunächst nicht den wortwörtlichen Prosa-Inhalt in der Seele hatte, sondern ein melodiöses Thema, in das er gewissermaßen erst den wortwörtlichen Prosa-Inhalt aufnahm. In einer unkünstlerischen Zeit, wie die heutige es ist, wo man das Bedeutsame des Deklamierens und Rezitierens darinnen sieht, daß man gerade den Prosa-Inhalt pointiert, daß man möglichst verschwinden läßt dasjenige, was als Rhythmus, Reim, Harmonie, musikalische und imaginative Themen hinter dem Prosagehalt liegt, in einem solchen Zeitalter wird man wenig verstehen, welche Formen Rezitation und Deklamation annehmen müssen, damit sie zugleich mit dem Eurythmischen auftreten können.
[ 7 ] Man versteht heute wenig, was Goethe etwa meinte, wenn er selbst seine Jamben-Dramen mit dem Taktstock in der Hand wie ein Kapellmeister mit seinen Schauspielern einstudierte. Er sah nicht auf den Prosa-Inhalt, er sah auf die künstlerische Formung des Jambus. Oder man versteht schlecht, wie Schiller gerade bei seinen bedeutsamsten Dichtungen zunächst nicht den wortwörtlichen Prosa-Inhalt in der Seele hatte, sondern ein melodiöses Thema, in das er gewissermaßen erst den wortwörtlichen Prosa-Inhalt aufnahm. In einer unkünstlerischen Zeit, wie die heutige es ist, wo man das Bedeutsame des Deklamierens und Rezitierens darinnen sieht, daß man gerade den Prosa-Inhalt pointiert, daß man möglichst verschwinden läßt dasjenige, was als Rhythmus, Reim, Harmonie, musikalische und imaginative Themen hinter dem Prosagehalt liegt, in einem solchen Zeitalter wird man wenig verstehen, welche Formen Rezitation und Deklamation annehmen müssen, damit sie zugleich mit dem Eurythmischen auftreten können.
[ 8 ] Aber der unkünstlerische Mensch muß gerade begreifen, wie schon in der wirklichen Dichtung eine geheime Eurythmie gesucht wird und wie diese geheime, unsichtbare Eurythmie in der sichtbaren Sprache, in der sie hier auftritt, sich offenbaren kann. Immer wiederum muß ich sagen vor solchen Vorstellungen, daß wir die Zuschauer um Nachsicht bitten aus dem Grunde, weil wir ganz genau wissen, wie diese Eurythmie noch im Anfange ihrer Entwickelung steht. Aber derjenige, der sich in ihre eigentliche Wesenheit vertieft, der kann auch wissen, daß in ihr unbegrenzte Entwickelungsmöglichkeiten liegen. Denn warum? Wenn Goethe sagt: Wem die Natur ihr offenbares Geheimnis zu enthüllen beginnt, der empfindet die tiefste Sehnsucht nach ihrer würdigsten Auslegerin, der Kunst —, so darf eben vielleicht hinzugefügt werden, die Eurythmie rechtfertigend: Wem die menschliche Wesenheit selbst in ihrer Gestaltung und in ihrer Bewegung ihr Geheimnis zu enthüllen beginnt, der empfindet die tiefste Sehnsucht darnach, dasjenige, was innerlich an Bewegungsmöglichkeiten, an eurythmischen Möglichkeiten in dieser menschlichen Gestalt liegt, auch sichtbar fürs Auge zu offenbaren.
[ 8 ] Aber der unkünstlerische Mensch muß gerade begreifen, wie schon in der wirklichen Dichtung eine geheime Eurythmie gesucht wird und wie diese geheime, unsichtbare Eurythmie in der sichtbaren Sprache, in der sie hier auftritt, sich offenbaren kann. Immer wiederum muß ich sagen vor solchen Vorstellungen, daß wir die Zuschauer um Nachsicht bitten aus dem Grunde, weil wir ganz genau wissen, wie diese Eurythmie noch im Anfange ihrer Entwickelung steht. Aber derjenige, der sich in ihre eigentliche Wesenheit vertieft, der kann auch wissen, daß in ihr unbegrenzte Entwickelungsmöglichkeiten liegen. Denn warum? Wenn Goethe sagt: Wem die Natur ihr offenbares Geheimnis zu enthüllen beginnt, der empfindet die tiefste Sehnsucht nach ihrer würdigsten Auslegerin, der Kunst —, so darf eben vielleicht hinzugefügt werden, die Eurythmie rechtfertigend: Wem die menschliche Wesenheit selbst in ihrer Gestaltung und in ihrer Bewegung ihr Geheimnis zu enthüllen beginnt, der empfindet die tiefste Sehnsucht darnach, dasjenige, was innerlich an Bewegungsmöglichkeiten, an eurythmischen Möglichkeiten in dieser menschlichen Gestalt liegt, auch sichtbar fürs Auge zu offenbaren.
[ 9 ] Wenn Goethe an einer anderen Stelle sagt: Wenn der Mensch auf den Gipfel der Natur gestellt ist, sieht er sich wiederum als eine ganze Natur an, nimmt Ordnung, Harmonie, Maß und Bedeutung zusammen, um sich zur Produktion des Kunstwerkes zu erheben —, so darf man wiederum in Hinblick auf die Eurythmie sagen: Diese Eurythmie bedient sich nicht eines äußeren Werkzeuges, sondern des Menschen selbst, und im Menschen liegen ja alle Weltengeheimnisse wirklich verborgen. Holt man sie heraus aus ihm, so ist die Offenbarung dieser Menschheitsgeheimnisse, dieser mikrokosmischen Geheimnisse, eine Offenbarung der makrokosmischen Geheimnisse.
[ 9 ] Wenn Goethe an einer anderen Stelle sagt: Wenn der Mensch auf den Gipfel der Natur gestellt ist, sieht er sich wiederum als eine ganze Natur an, nimmt Ordnung, Harmonie, Maß und Bedeutung zusammen, um sich zur Produktion des Kunstwerkes zu erheben —, so darf man wiederum in Hinblick auf die Eurythmie sagen: Diese Eurythmie bedient sich nicht eines äußeren Werkzeuges, sondern des Menschen selbst, und im Menschen liegen ja alle Weltengeheimnisse wirklich verborgen. Holt man sie heraus aus ihm, so ist die Offenbarung dieser Menschheitsgeheimnisse, dieser mikrokosmischen Geheimnisse, eine Offenbarung der makrokosmischen Geheimnisse.
[ 10 ] Die Eurythmie bedient sich des Menschen selbst als ihres Werkzeuges, nimmt aus dem Wesen des Menschen Ordnung, Harmonie, Maß und Bedeutung zusammen und stellt den Menschen selber als ein Kunstwerk hin. Indem sie dieses unternimmt, müssen in ihr unbegrenzte Entwickelungsmöglichkeiten liegen, denn wenn der Mensch selbst als ein Werkzeug für künstlerische Darstellung genommen wird, so ist dies jedenfalls das würdigste künstlerische Werkzeug.
[ 10 ] Die Eurythmie bedient sich des Menschen selbst als ihres Werkzeuges, nimmt aus dem Wesen des Menschen Ordnung, Harmonie, Maß und Bedeutung zusammen und stellt den Menschen selber als ein Kunstwerk hin. Indem sie dieses unternimmt, müssen in ihr unbegrenzte Entwickelungsmöglichkeiten liegen, denn wenn der Mensch selbst als ein Werkzeug für künstlerische Darstellung genommen wird, so ist dies jedenfalls das würdigste künstlerische Werkzeug.
[ 11 ] Und so darf man hoffen, daß aus dem heute noch im Anfang stehenden Wollen der Eurythmie hervorgehen werden — vielleicht noch einigermaßen durch uns, aber wahrscheinlich erst durch andere — künstlerische Offenbarungen, die die Eurythmie als eine vollberechtigte jüngere Kunst neben die vollberechtigten älteren Schwester-Künste hinstellen können.
[ 11 ] Und so darf man hoffen, daß aus dem heute noch im Anfang stehenden Wollen der Eurythmie hervorgehen werden — vielleicht noch einigermaßen durch uns, aber wahrscheinlich erst durch andere — künstlerische Offenbarungen, die die Eurythmie als eine vollberechtigte jüngere Kunst neben die vollberechtigten älteren Schwester-Künste hinstellen können.
