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The Inner Nature and Essence
of the Human Soul
GA 80b

20 March 1922, Bern

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The Inner Nature and Essence of the Human Soul, tr. SOL
  1. Das Innere der Natur und das Wesen der Menschenseele

10. Anthroposophie und die Rätsel der Seele

10. Anthroposophy and the Mysteries of the Soul

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Anthroposophie wird nicht nur aus dem Grunde missverstanden und heute ja vielfach auch verketzert, weil man darüber anders reden muss, als dasjenige ist, worüber sich die gewöhnliche Wissenschaft verbreitet, sondern vielmehr aus dem Grunde, weil sie eben nicht nur über anderes, sondern weil sie auch anders, in einer anderen Art reden muss. Dass sie über anderes zu reden hat als die gewöhnliche Wissenschaft, das erwartet ja im Grunde genommen derjenige, der überhaupt etwas von übersinnlicher Forschung erwartet. Dass aber auch in einer anderen Art, ich möchte sagen, wenn das Wort in einem höheren Sinne genommen wird, in einer anderen Ausdrucksform gesprochen werden muss, das erwartet man eben nicht. Denn seit Jahrhunderten hat sich einmal durch die Naturwissenschaft, die zu so großen Triumphen gekommen ist, eine ganz bestimmte Art, zu denken und sich über das Gedachte und Erforschte auszudrücken, herausgebildet. Es erscheint diese Ausdrucksform Menschen der Gegenwart als etwas so Sicheres, als etwas so gut Begründetes, dass sie es nicht vertragen können, wenn in einer anderen Weise über ein dem Menschen eigentlich noch viel näher liegendes Wissensgebiet gesprochen werden muss.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! Anthroposophy is misunderstood—and indeed, in many cases, denounced today—not merely because it requires a different way of speaking than that used by conventional science, but rather because it must not only speak of different things but also speak differently, in a different manner. That it must speak of different things than conventional science is, after all, what anyone who expects anything at all from supersensory research would expect. But the fact that it must also speak in a different way—I would say, if the word is taken in a higher sense—in a different form of expression, is precisely what one does not expect. For centuries, a very specific way of thinking and of expressing one’s thoughts and research has developed, largely through the natural sciences, which have achieved such great triumphs. To people today, this form of expression seems so certain, so well-founded, that they cannot tolerate it when a field of knowledge—one that is actually much closer to human nature—must be discussed in a different way.

[ 2 ] Nun haben aber zweifellos sehr viele unserer Zeitgenossen das Gefühl: An das für den Menschen Allerwichtigste kommt die naturwissenschaftliche Betrachtungsweise gerade dann nicht heran, wenn sie auf ihrem Felde am allertreuesten in ihrer Methode, am allergewissenhaftesten vorgeht. Und deshalb suchen schon einmal viele Seelen der Gegenwart nach einem Wege eben zu demjenigen, was der Menschenseele so naheliegt an Fragen, an Rätseln, ich möchte sagen, die sich zwar nicht von außen herein von der Natur aufdrängen, die sich aber durch das eigene Wesen des Menschen aufdrängen.

[ 2 ] Yet there is no doubt that many of our contemporaries feel that the scientific approach fails to grasp what is most important to human beings precisely when it proceeds in its own field with the utmost fidelity to its methods and the greatest conscientiousness. And that is why many people today are seeking a path precisely toward those questions and mysteries that lie so close to the human soul—questions and mysteries, I might say, that are not imposed from the outside by nature, but which arise from the very nature of human beings themselves.

[ 3 ] Will man von diesen letzteren Rätseln, sie charakterisierend, sprechen, so darf man vielleicht, meine sehr verehrten Anwesenden, erinnern an ein Wort eines geistvollen Mystikers, des Meisters Eckhart, der einmal sagte: Was nützt es [mir] — oder: Was nützte es [mir], ein König zu sein, wenn ich nicht wüsste, dass ich ein König bin! — wenn ich gar keine Ahnung davon hätte, dass ich ein König sei?

[ 3 ] If we are to speak of these latter mysteries in a way that characterizes them, then perhaps, my esteemed audience, we may recall the words of a brilliant mystic, Master Eckhart, who once said: What good is it [to me]—or: What good would it do [me] to be a king if I did not know that I am a king!—if I had absolutely no idea that I was a king?

[ 4 ] Nun könnte man ja sogar zugeben, vom Königsein könnte man vielleicht noch etwas haben, auch wenn man es gar nicht einmal noch wüsste. Aber dasjenige, was der Meister Eckhart ausdrücken wollte, das gilt wohl für etwas anderes noch in einem viel höheren Grade als für seinen Vergleich. Es gilt für das eigentliche Menschsein.

[ 4 ] Now, one might even admit that there could still be some benefit to being a king, even if one were no longer aware of it. But what Meister Eckhart sought to express applies to something else to an even greater degree than to his analogy. It applies to the very essence of being human.

[ 5 ] Sind wir denn eigentlich — man frage sich nur unbefangen —, sind wir denn eigentlich im vollen Sinne des Wortes Mensch, wenn wir uns unseres Menschentums nicht bewusst sind? Wenn wir uns nicht vor uns selbst sagen können: Was ist unser eigentliches Wesen als Mensch?

[ 5 ] Are we, in fact—let us ask ourselves this without bias—are we truly human in the full sense of the word if we are not aware of our humanity? If we cannot ask ourselves: What is our true nature as human beings?

[ 6 ] In dem Augenblicke, wo man sich diese Frage gründlich vorlegt, kommt man auch schon darauf, wie wenig eigentlich äußere Naturwissenschaft zu sagen weiß gerade über das Wichtigste an dieser Frage: Was sind wir mit Bezug auf unsere eigentliche Menschenwesenheit?

[ 6 ] The moment one thoroughly considers this question, one immediately realizes how little the natural sciences actually have to say about the most important aspect of this question: What are we in terms of our true human nature?

[ 7 ] Man könnte vieles anführen, wenn man die ganze Tiefe und die ganze Bedeutung — seelische Tiefe, seelische Bedeutung — dieser Frage charakterisieren wollte. Man könnte diese Charakteristik von den verschiedensten Seiten unternehmen. Ich möchte heute gerade ausgehen — denn ich durfte ja oftmals auch in dieser Stadt über ähnliche Themen sprechen, wie das heutige Thema ist —, ich möchte heute gerade ausgehen von der Tatsache des Lebens, möchte ich sagen welche am allerintensivsten aus der äußeren Tatsachenwelt heraus das eigentliche Seelenrätsel vor den Menschen hinstellt.

[ 7 ] One could cite many examples if one wanted to characterize the full depth and full significance—spiritual depth, spiritual significance—of this question. One could approach this characterization from a wide variety of angles. Today I would like to begin—since I have often had the opportunity to speak in this city on topics similar to today’s—with the fact of life itself; I would like to point out which aspect of the external world of facts most intensely presents the true mystery of the soul to human beings.

[ 8 ] Vielleicht kann man sagen: Es stellt diese Tatsache das eigentliche Seelenrätsel am egoistischsten vor den Menschen hin. Aber es wird eben dieses Seelenrätsel durch diese Tatsache einmal hingestellt — hingestellt in einer, ich möchte sagen ganz allgemein selbstverständlichen Weise: Und diese Tatsache ist ja die Tatsache des Todes. Halten wir uns einmal diese Tatsache vor Augen, diese Tatsache des Todes in ihrer ganzen Bedeutung. Versuchen wir einmal einfach unbefangen diese Tatsache vor unsere Seele hinzustellen.

[ 8 ] Perhaps one could say: This fact presents the true mystery of the soul to human beings in the most self-centered way. But it is precisely this mystery of the soul that is set before us by this fact—set before us in a way that, I would say, is quite self-evident in general: And this fact is, of course, the fact of death. Let us keep this fact before our eyes for a moment—this fact of death in all its significance. Let us simply try, without prejudice, to set this fact before our souls.

[ 9 ] Der Tod — so wird zuweilen gerade heute von Naturforschern gesagt —, der Tod charakterisiere sich dadurch in Bezug auf sein Wesen, dass ein Leichnam da ist. Eine triviale Tatsache gewiss, aber gerade als triviale Tatsache vielleicht eine der erschütterndsten des menschlichen physischen Daseins. Was können wir, wenn wir unbefangen die Tatsache des Todes, das Dasein des Leichnams, vor unsere Seele uns rücken, sehen? Es beginnt in dem Augenblicke, wo der physische Leib Leichnam geworden ist, es beginnt für diesen physischen Menschen ein Weg der Entwicklung dessen, was in ihm ist, äußerlich stofflich-physisch, ein Weg der Entwicklung, der in ganz anderer Weise verläuft, als er verlaufen war bis zu dem Punkte, da der Mensch durch die Pforte des Todes hindurchgehen musste.

[ 9 ] Death—as natural scientists sometimes say today—is characterized, in terms of its essence, by the presence of a corpse. A trivial fact, to be sure, but precisely as a trivial fact, perhaps one of the most shattering aspects of human physical existence. What can we see when we bring the fact of death—the existence of the corpse—unbiasedly before our souls? The moment the physical body becomes a corpse, a path of development begins for this physical human being—a development of what is within him, outwardly material and physical—a path of development that proceeds in a completely different way than it had up to the point when the human being had to pass through the gate of death.

[ 10 ] Wir sehen, wie sich dasjenige, was vom Menschen übrig bleibt als Leichnam — gleichgültig, ob es dem Feuer oder der Erde übergeben wird —, wie sich das mit den Naturelementen vereinigt, wie es übernommen wird von den Naturelementen, wie diese Naturelemente ihre Wesenheit nun geltend machen, ihre Herrschaft ausüben über dasjenige, was ihnen vom physischem Menschen übergeben wird. Die Stoffe und Kräfte in dem physischen Leib des Menschen folgen nicht mehr denjenigen Gesetzen, denen sie gefolgt sind bis zum Tode hin, wenigstens zunächst der äußeren sichtbaren Welt nach, sie folgen denjenigen Gesetzen, die ihnen aufgezwungen werden von der äußeren physischen Natur, die bis zum Tode der Mensch nur angeschaut hat.

[ 10 ] We see how what remains of the human being as a corpse—regardless of whether it is consigned to fire or to the earth—unites with the elements of nature, how it is taken over by the elements of nature, and how these elements of nature now assert their essence and exercise their dominion over that which is handed over to them from the physical human being. The substances and forces in the human physical body no longer follow the laws they obeyed up until death—at least as far as the outer, visible world is concerned—but rather follow the laws imposed upon them by the outer physical nature, which the human being had merely observed until death.

[ 11 ] Sodass wir sagen können: Die äußere Welt ist es, in die der Mensch nicht nur in dem einen Augenblicke, da er stirbt, hineinstirbt, sondern dadurch, dass sie ihn in ihre Gesetzmäßigkeit als physischen Menschen aufnimmt, stirbt er in diese äußere physische Welt hinein.

[ 11 ] So that we can say: It is the external world into which a human being dies—not only at the very moment of death, but also because, by incorporating him into its laws as a physical human being, he dies into this external physical world.

[ 12 ] Wenn man unbefangen empfindungsdurchdrungen auf diese Tatsache hinschaut, dann strömt, möchte ich sagen aus dieser Anschauung allerlei von menschlichen Seelenrätseln aus. Und vor allen Dingen, eine bedeutsame Frage stellt sich doch vor den Menschen hin, wenn er eben unbefangen genug ist.

[ 12 ] If one looks at this fact with an open mind and a sense of wonder, then—I would say—all sorts of mysteries of the human soul emerge from this perspective. And above all, a significant question presents itself to people when they are open-minded enough.

[ 13 ] Er sieht hin auf die verschiedenen Elemente, die seinen Leichnam, also seinen äußeren physischen Leib, aufnehmen. Er sagt sich: Diese Elemente, in die mein physischer Leib übergeht, sie wirken im Grunde genommen dasselbe, was sie da draußen sind, indem sie meinen physischen Leib aufnehmen; sie bringen dasselbe ja täglich während meines Lebens in mich hinein. Indem der Mensch Speise und Trank aufnimmt, nimmt er diejenigen Stoffe und Kräfte in sich auf, denen er übergeben wird mit dem Tode.

[ 13 ] He looks upon the various elements that take in his corpse—that is, his outer physical body. He says to himself: These elements, into which my physical body passes, essentially act in the same way as they do out there by taking in my physical body; indeed, they bring the same things into me every day during my life. By consuming food and drink, a person takes into himself those substances and forces to which he will be surrendered at death.

[ 14 ] Kann man vernünftigerweise annehmen, dass die Gesetzmäßigkeit der Stoffe und Kräfte, denen wir mit dem Tode als physischer Mensch übergeben werden, dass diese Gesetzmäßigkeit eben nur da draußen in der Welt vorhanden ist? Muss man nicht vernünftigerweise annehmen, dass dasjenige, was uns nach dem Tode aufnimmt, indem es als Speise und Trank in unseren physischen Leib hineingeht, dieselben Gesetzmäßigkeitszustände da drinnen entfaltet? Eine Gesetzmäßigkeit, die nur durch das innere Wesen des menschlichen Individuums überwunden wird?

[ 14 ] Can one reasonably assume that the laws governing the substances and forces to which we, as physical human beings, are surrendered upon death—that these laws exist only out there in the world? Should we not reasonably assume that what receives us after death—as it enters our physical body in the form of food and drink—unfolds the same states of lawfulness within us? A lawfulness that is overcome only by the inner being of the human individual?

[ 15 ] Wir sehen, möchte ich sagen den Weg nach der einen Seite: die Übergabe des menschlichen physischen Leibes an die Stoffe und Kräfte mit denselben Gesetzen, die wir tatsächlich in unseren physischen Leib hinein aufnehmen.

[ 15 ] We see, I would say, the path leading in one direction: the surrender of the human physical body to the substances and forces governed by the same laws that we actually take into our physical bodies.

[ 16 ] Man müsste natürlich viele Einzelheiten anführen, wollte man auf die ganze Bedeutung dieses Lebensrätsels, möchte ich sagen Seelenrätsels, das sich durch diese Tatsache so recht erschütternd vor unsere Seele stellt, wollte man vollständig charakterisierend auf dasselbe eingehen.

[ 16 ] Of course, one would have to cite many details if one wished to fully characterize the full significance of this mystery of life—or, I would say, this mystery of the soul—which, through this fact, presents itself to our soul in such a deeply unsettling way.

[ 17 ] Allein eine andere Frage taucht ja da sogleich auf, die Frage: Kann nun äußere Naturwissenschaft, die sich hauptsächlich der Pflege widmet, der Beobachtung durch die Sinne, der Erkenntnis durch das Experiment — also wieder der Beobachtung durch die Sinne —, und die sich widmet der Ausbildung jenes Verstandes, der an diese Beobachtung und an diese Experimente gebunden ist, kann diese äußere Naturwissenschaft heran an das Wesentlichste im Menschen? Sie kann gewiss heran an dasjenige, was nach dem Tode übergeben wird den physischen Elementen und ihrer Gesetzmäßigkeit. Sie kann gewiss auch an dasjenige heran, was aus dieser physischen Gesetzmäßigkeit heraus dem physischen Leib tagtäglich einverleibt wird; und sie kann mit ihrer gewissenhaften Methode auch erforschen die Gesetze — die ja im menschlichen Leib zunächst keine anderen sind, insofern sie die Stoffe und Kräfte der Außenwelt betreffen, Leben eben in der Außenwelt selbst —, sie kann verfolgen die Gesetzmäßigkeit desjenigen, was ja tagtäglich vom menschlichen Leib aufgenommen wird. Sie kann aber nun auch den Menschen selbst verfolgen mit seinen seelischen Äußerungen, sie kann verfolgen, welche Bedeutung dasjenige, was wir ja täglich aufnehmen, hat für das seelische Leben des Menschen. Und in dieser Beziehung hat die Naturwissenschaft bis jetzt schon außerordentlich viel getan, und es stehen Ideale, die sehr berechtigt sind, in dieser Beziehung vor ihr.

[ 17 ] But another question immediately arises here: Can external natural science—which is devoted primarily to the cultivation of observation through the senses, to knowledge gained through experimentation (that is, once again, observation through the senses), and to the development of the intellect bound to this observation and these experiments—can this external natural science approach the very essence of the human being? It can certainly approach that which, after death, is surrendered to the physical elements and their laws. It can certainly also approach that which, arising from these physical laws, is incorporated into the physical body day by day; and with its meticulous method, it can also investigate the laws—which, in the human body, are initially no different insofar as they concern the substances and forces of the external world, that is, life in the external world itself—and it can trace the laws governing what is taken in by the human body day by day. But it can now also study human beings themselves with their psychological manifestations; it can investigate the significance of what we take in daily for the psychological life of human beings. And in this regard, natural science has already accomplished an extraordinary amount, and there are ideals—which are very well-founded—that lie ahead of it in this respect.

[ 18 ] Dasjenige, was heute schon gewusst werden kann über die Bedeutung des Gehirnes und Nervensystems für das Vorstellen, dasjenige, was gewusst werden kann über gewisse Prozesse, die mit richtiger oder unrichtiger Ernährung oder richtiger oder unrichtiger Verarbeitung der Nahrungsmittel zusammenhängen, und auf das Seelische eben auch einen Einfluss äußern, alles dasjenige kann äußere Naturwissenschaft in einer gewissenhaften Weise verfolgen, und tut es heute. Und Anthroposophie würde überhaupt ihr Dasein nicht rechtfertigen können gegenüber dem, was Naturwissenschaft zu leisten in der Lage war, wenn sie nicht voll anerkennen würde dasjenige, was die Naturwissenschaft nach dieser Richtung zu leisten in der Lage ist. Daher ist es immer wieder und wieder ein Verkennen desjenigen, was Anthroposophie sein will, wenn man sie in irgendeinen Gegensatz zur Naturwissenschaft der Gegenwart bringt. Solch ein Gegensatz besteht nicht. Dasjenige, was Naturwissenschaft zu leisten vermag, wird von Anthroposophie voll anerkannt!

[ 18 ] What can already be known today about the significance of the brain and nervous system for imagination, what can be known about certain processes related to proper or improper nutrition or the proper or improper processing of food—processes that also exert an influence on the soul—all of this can be investigated by the external natural sciences in a conscientious manner, and indeed is being investigated today. And anthroposophy would not be able to justify its very existence in light of what natural science has been able to achieve if it did not fully acknowledge what natural science is capable of accomplishing in this regard. Therefore, it is time and again a misunderstanding of what anthroposophy seeks to be when it is placed in any kind of opposition to contemporary natural science. No such opposition exists. What natural science is capable of achieving is fully recognized by anthroposophy!

[ 19 ] Nun aber wird auch ohne Weiteres zugegeben werden: Ja, in diesem physischen Leib, in den aufgenommen werden die mit den äußeren Gesetzmäßigkeiten ausgestatteten Stoffe und Kräfte der Natur, in diesem physischen Leib geht allerlei vor; geht allerlei vor, von dem zunächst die Seele nichts weiß, von dem die Seele allmählich dadurch Kenntnis erhält, dass sie eben Wissenschaft, Physiologie, Biologie und so weiter treibt. In diesem physischen Leibe aber, gleichgültig, ob die Seele weiß oder nicht weiß, was vorgeht, liegen dennoch die Veranlassungen zu der Art und Weise, wie die Seele sich im Einzelnen und wie sie sich durch eine gewisse Gesamtstimmung fühlt. Dasjenige, was man längst nicht zu wissen braucht, was man nennen kann allgemeine Unpässlichkeiten, was an Krankheiten vorgehen mag in den Organen, das mag herauftönen in die Seele. In der Seele kommt es als Stimmung zum Ausdrucke. Es braucht durchaus nicht im Bewusstsein wurzelnd werden, es drückt sich in allgemeiner Seelenstimmung aus.

[ 19 ] But now it will be readily admitted: Yes, in this physical body—into which are incorporated the substances and forces of nature governed by external laws—all sorts of things take place; all sorts of things take place of which the soul is initially unaware, and of which the soul gradually becomes aware through the study of science, physiology, biology, and so on. But in this physical body—regardless of whether the soul knows or does not know what is happening—the causes for the way the soul feels in particular instances and for its overall mood nevertheless lie. That which one need not know at all—what might be called general discomforts, whatever may be occurring in the organs in terms of illness—may resonate upward into the soul. In the soul, it finds expression as a mood. It need not at all take root in consciousness; it expresses itself in a general mood of the soul.

[ 20 ] Sodass man, ich möchte sagen vieles voraussetzen muss, was da in den stofflichen Vorgängen und Kräftewirkungen des physischen Organismus vorhanden ist, und was so wirkt, dass die Seele durchaus den Anteil daran hat. Indem aber die Seele den Anteil daran hat, hat sie ja Anteil an dem, was schon während des Lebens so wirkt, wie dann diejenigen Kräfte wirken, denen der physische Leichnam übergeben wird nach dem Tode.

[ 20 ] So one must, I would say, assume many things that are present in the material processes and the interplay of forces within the physical organism, and which operate in such a way that the soul certainly plays a part in them. But since the soul plays a part in this, it also plays a part in what is already at work during life in the same way that those forces act to which the physical body is surrendered after death.

[ 21 ] In uns tragen wir — sehr verehrte Anwesende — dieselben Gesetze, die unsere Vernichtung als physischer Mensch bewirken. Und da dieselben Gesetze mit Speise und Trank in uns kommen, so nimmt unsere Seele teil nicht nur an dem, was in uns sprießende, sprossende Kraft ist, sondern unsere Seele nimmt teil an alledem, was zuletzt sich äußert, indem unser physischer Mensch zerstört wird. Indem die Stoffe und Kräfte der Außenwelt in uns wirken, nimmt die Seele teil an unserem Verwesen schon während des Lebens. Und wenn die Tatsachenreihe, die sich da ergibt, wenn sie unbefangen vor die Seele gerückt wird, dann lernt man eben erkennen: Der Tod, der als ein einziger Augenblick vor uns am Ende des physischen Lebens dasteht, der ist schließlich nur das, was wie in eine große Summe zusammenschließt dasjenige, was im Grunde genommen während unseres ganzen physischen Lebens in uns waltet und webt. Ich möchte sagen: Teile des Todes, kleinste Teile des Todes, gewissermaßen die Atome des Todes sitzen in jedem Augenblick unseres physischen Lebens in uns, und unser seelisches Leben ist teilhaftig dieser Atome des Todes.

[ 21 ] Within us, dear friends, we carry the very same laws that bring about our destruction as physical human beings. And since these same laws enter us through food and drink, our soul participates not only in the power that sprouts and grows within us, but also in all that ultimately manifests itself in the destruction of our physical being. As the substances and forces of the external world work within us, the soul participates in our decay even during our lifetime. And when the sequence of facts that arises from this is presented to the soul without bias, then one comes to recognize: Death, which stands before us as a single moment at the end of physical life, is ultimately nothing more than the sum total of what, in essence, reigns and weaves within us throughout our entire physical life. I would like to say: Parts of death, the tiniest parts of death—in a sense, the atoms of death—reside within us in every moment of our physical life, and our soul life participates in these atoms of death.

[ 22 ] Das aber drückt sich in alledem in der menschlichen Seele aus, was heraufkommt in der Stimmung, durch die die Seele Anteil hat an den Vernichtungskräften der Welt, an den Untergangskräften der Welt. Und so kompliziert auch das menschliche Seelenleben sich darstellt, eines ist doch wahr: Die wichtigsten Stimmungen des Zweifels, des Verzweifelns, jene Stimmungen, die oftmals ganz ohne äußere Veranlassung, wenigstens ohne bemerkbare äußere Veranlassung da sind, die den Menschen oftmals schwach machen, die den Menschen oftmals aus den tiefsten Untergründen seiner Seele die wichtigsten Lebens-Seelenrätsel heraufzaubern, an denen er gesund und krank ist in seiner ganzen Lebensverfassung, sie stammen aus der Teilnahme der Seele an diesen Niedergangskräften der Welt.

[ 22 ] But all of this is expressed in the human soul through the mood in which the soul participates in the world’s forces of destruction, in the world’s forces of decline. And as complicated as the life of the human soul may seem, one thing is certain: The most significant moods of doubt and despair—those moods that often arise without any external cause, or at least without any noticeable external cause; those that often weaken a person; those that often conjure up, from the deepest recesses of the soul, the most significant mysteries of life and the soul, upon which a person’s entire state of being—whether healthy or ill—depends— they stem from the soul’s participation in these forces of decline in the world.

[ 23 ] Gerade wenn man tief hineinblickt in das, was aus den Untergründen der Seele heraus da heraufwirkt, in das Bewusstsein hereinwirkt — das Bewusstsein weiß nicht, was es ist, aber das Bewusstsein hat das Wirken in sich, hat das Erleben davon in seiner Seelenstimmung —, wenn das voll bewusst ist, dann tauchen eben jene anderen Rätsel der Seele vor dem Bewusstsein auf, diejenigen, die gewissermaßen nach dem entgegengesetzten Weg hinweisen, diejenigen Rätsel, die die Menschen von jeher mit demjenigen Worte verbanden, welches dem Tode entgegengesetzt ist: mit dem Worte «Unsterblichkeit».

[ 23 ] Especially when one looks deeply into what is rising up from the depths of the soul and influencing consciousness—consciousness does not know what it is, but consciousness contains this influence within itself and experiences it in its soul’s mood — when this is fully conscious, then precisely those other mysteries of the soul emerge before consciousness, those that, in a sense, point toward the opposite path, those mysteries that people have always associated with the word that is the opposite of death: the word “immortality.”

[ 24 ] Die Frage nach der Unsterblichkeit, sie [ist] eben nicht bloß eine egoistische Frage des Menschen — etwa hervorgehend aus seiner Begierde, mit dem Tode nicht zu verschwinden —, sondern die Frage nach der Unsterblichkeit hängt eben innig zusammen mit demjenigen, was man nennen kann im Sinne des Meisters Eckhart von dem Beispiel vom Könige, was man nennen kann: Der Mensch ist nur dann ganz Mensch, wenn er wirklich von seiner eigenen Wesenheit weiß.

[ 24 ] The question of immortality is not merely a selfish human concern—arising, for example, from the desire not to vanish with death—but rather, the question of immortality is intimately connected with what one might call, in the spirit of Meister Eckhart’s example of the king, the following: A person is only fully human when he truly knows his own essence.

[ 25 ] Aber — meine sehr verehrten Anwesenden — ich möchte sagen: Dieses Wissen nimmt uns, insofern wir es uns aneignen können durch äußere Naturwissenschaft, dieses Wissen nimmt uns die Tatsache des Todes hinweg. Denn alles, was wir wissen können, und wäre es das Größte, wäre es das Bedeutendste über den Menschen, was wir wissen können durch Experiment und Beobachtung: Es kann sich nur auf seinen Leib beziehen, und muss mit dem Tode seine Bedeutung für die menschliche Wesenheit verlieren, denn es bezieht sich auf etwas, was aufgeht in die außermenschliche, das heißt nicht-menschliche Naturwesenheit. Und der Mensch muss sich die Frage vorlegen: Kann man in einer ähnlichen Weise, wie man geblickt hat auf die Auflösung des physischen Leibes, wie man hinblicken kann auf dasjenige, was die Seele an inneren Rätseln erlebt, indem sie teilnimmt an den Vernichtungskräften der Welt, kann man in demselben Sinne hinblicken auf die Schöpferkräfte der Welt, auf die sprießenden, sprossenden Kräfte? Und das ist die Richtung, nach welcher aus demselben Geiste heraus, den die neuere Naturwissenschaft angenommen hat, und aus derselben wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit heraus Anthroposophie hindeuten will.

[ 25 ] But—my esteemed audience—I would like to say: This knowledge, insofar as we can acquire it through the external natural sciences, this knowledge takes away from us the reality of death. For everything we can know—even if it were the greatest, the most significant thing about human beings that we can know through experiment and observation—can only pertain to the physical body and must, with death, lose its significance for the human being, for it pertains to something that is absorbed into the extra-human, that is, non-human, natural reality. And human beings must ask themselves the question: Can one, in a similar way to how one has looked at the dissolution of the physical body, and as one can look at what the soul experiences as inner mysteries by participating in the destructive forces of the world, can one look in the same sense at the creative forces of the world, at the sprouting, budding forces? And this is the direction toward which anthroposophy seeks to point, drawing upon the same spirit that modern natural science has adopted and the same scientific rigor.

[ 26 ] Sie kann aber nicht dadurch hindeuten, dass sie, ich möchte sagen hinweist auf etwas, was wie der Tod vor jedes Menschen Anblick sich täglich abspielen kann; sie kann hinführen, diese Anthroposophie, nur dadurch — nach dem entgegengesetzten Prinzip der Forschung der Lebensrealität betrachtet —, nur dadurch, dass sie auf etwas hinweist, was sich überhaupt zunächst nicht als äußere Tatsache, auch nicht als innerliche Tatsache des Seelenlebens ergibt, was erst durch die Seele errungen werden muss.

[ 26 ] But it cannot point the way by—I might say—drawing attention to something that, like death, can unfold daily before every human being’s eyes; this anthroposophy can lead us only in this way—viewed according to the opposite principle of research into the reality of life—only by pointing to something that does not initially present itself as an external fact, nor even as an inner fact of soul life, but must first be attained by the soul.

[ 27 ] Der Tod — meine sehr verehrten Anwesenden — stellt sich uns freiwillig vor die Seele hin. Das Wesen der Unsterblichkeit müssen wir uns erst, wenn wir es erkennen wollen, erarbeiten. Darüber kann uns, wenigstens dem innersten Wesen nach, kein Wissen geschenkt werden.

[ 27 ] Death—my esteemed audience—voluntarily places itself before our souls. We must first work to understand the nature of immortality if we wish to recognize it. No knowledge of this can be bestowed upon us, at least not in its most intimate essence.

[ 28 ] Darum muss immer wieder und wiederum darauf hingewiesen werden, wie derjenige, der nun wissend verfolgen will den Weg zur Welt der Seele, des eigentlichen Wesens der Seele, dass derjenige diesen Weg nur verfolgen kann in innerer Aktivität, in innerer Arbeit. Das heißt, durch dasjenige, was ich auch hier öfter als Seelenübungen bezeichnet habe.

[ 28 ] That is why it must be emphasized time and again that anyone who now wishes to consciously pursue the path to the world of the soul—to the very essence of the soul—can only follow this path through inner activity, through inner work. That is, through what I have often referred to here as “soul exercises.”

[ 29 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, werden wir uns von dem Gesichtspunkte, von dem aus es für heute notwendig ist für dieses Thema, einen Begriff von diesen Seelenübungen machen können, wenn wir uns zunächst vergegenwärtigen, wie das menschliche Seelenleben in der Tat eine Einheit ist. Wir überblicken zunächst in uns selbst schauend dieses Seelenleben. Es wogt, möchte ich sagen auf und ab. Es drückt sich aus in Vorstellungen, durch die wir uns die äußere Welt vergegenwärtigen. Es drückt sich aus durch Gefühle, Empfindungen, es drückt sich aus durch Willensimpulse, die uns zu unseren Handlungen führen und die wir uns als ein Glied der sozialen Ordnung in der ganzen Welt aus der Seele heraus erscheinen lassen.

[ 29 ] Now, my esteemed audience, we will be able to form a concept of these spiritual exercises from the perspective necessary for today’s discussion of this topic if we first bring to mind how the human spiritual life is, in fact, a unity. Let us first survey this inner life by looking within ourselves. It ebbs and flows, I might say. It expresses itself in ideas through which we bring the outer world to mind. It expresses itself through feelings and sensations; it expresses itself through impulses of the will that lead us to our actions and that, as members of the social order, we bring forth from our souls into the whole world.

[ 30 ] Dass dasjenige, was da drinnen als Vorstellungen, als Gefühle, als Empfindungen, als Willensimpulse im Menschen wellt und webt, dass das mit den Mitteln der äußeren Naturwissenschaft, die hingewiesen wird auf dasjenige, was mit dem Tode erstirbt, nicht erforscht werden kann, das sehen heute viele Menschen, die nur unbefangen genug sind, hinblickend auf das, was diese Seele eigentlich ist, wie sie ganz anders ist als dasjenige, was der äußeren Sinnesbeobachtung und dem Experimente zugänglich ist. Und dann wenden sich solche Menschen von den wissenschaftlichen Betrachtungen ab, weil sie glauben, es kann nur Wissenschaft allein für die äußere Natur geben, und sie wenden sich dann gewissen — wie man es nennt — mystischen Bestrebungen zu.

[ 30 ] That which surges and weaves within a person—as ideas, feelings, sensations, and impulses of the will—cannot be explored by the methods of external natural science, which is limited to what perishes with death, —this is something many people today recognize, provided they are open-minded enough to consider what the soul actually is and how it differs entirely from what is accessible to external sensory observation and experimentation. And then such people turn away from scientific considerations, because they believe that science can exist only for external nature, and they then turn to certain—as they are called—mystical pursuits.

[ 31 ] Anthroposophie, wie sie hier gemeint ist, darf auch nicht verwechselt werden mit solcher Mystik, die nur in das Seelenleben, wie man sagt, durch Selbstversenkung hineinwill; denn Anthroposophie ist wirkliche Wissenschaft und weiß, wie man da, wenn man in das gewöhnliche, irdische — wenn ich mich so ausdrücken darf — Seelenwesen des Menschen gewissermaßen rückblickend hineinschaut, dass man großen Illusionen und großen Täuschungen sich hingeben kann.

[ 31 ] Anthroposophy, as it is understood here, must not be confused with that kind of mysticism which seeks only to enter into the life of the soul, as one might say, through self-absorption; for anthroposophy is a true science and knows that when one looks back, as it were, into the ordinary, earthly—if I may put it that way—soul nature of the human being, one can fall prey to great illusions and great deceptions.

[ 32 ] Anthroposophie gibt sich weniger Täuschungen hin, als ihre Gegner und ihre wohlwollenden Beurteiler eigentlich glauben! Man glaubt sehr häufig, Anthroposophie gebe sich hin denjenigen inneren Kräften, welche zu Illusionen, Halluzinationen, zu allerlei mediumhaften Dingen führen. Man beachtet nicht, dass die ganze Art und Weise, wie Anthroposophie ihre Forschungswege charakterisiert, dass diese ganze Art und Weise nach der genau entgegengesetzten Seite hingehen wie alles dasjenige, was irgendwie in die Illusion, in das Halluzinatorische, in die Vision und so weiter hineinführen kann. Dasjenige, um was es sich bei Anthroposophie handelt, das ist vor allen Dingen absolute Klarheit über das, was sich dem Menschen zunächst darbietet. Da wird derjenige, der unbefangen in das Innere wirklich hineinschaut, der eigentlich, ich möchte sagen die Anweisungen des Mystikers befolgt, der wird sehen, welch unsicheres Ding dieses Hineinschauen in das Innere ist, wie zum Beispiel Erinnerungen, die auf die frühere Jugend, die schon auf kindliche Erlebnisse hinweisen, wie diese Erinnerungen im späteren Lebensalter einfach auftauchen und wie man nicht wiedererkennt, dass dasjenige, was da als Gedanken auftaucht, eigentlich nur die Erinnerung, die Reminiszenz an irgendetwas vorher Erlebtes ist. Und würden diese Erinnerungen so auftauchen, dass sie unverändert sind, man würde bald erkennen, dass man es mit bloßen Erinnerungen zu tun hat. Aber in dem menschlichen Inneren werden ja die Vorstellungen von den äußeren Erlebnissen aufgenommen in das Gefühl, in die Willensimpulse, selbst in das Temperament, in die ganze menschliche Organisation, ich möchte sagen in das intime menschliche Gesundsein und Kranksein. Und nach Jahrzehnten können ja, in vollständig andere Gestalt umgewandelt, die Vorstellungen heraufkommen, die doch nichts anderes sind als dasjenige, was sich an der äußeren Beobachtung entzündet hat. Derjenige, der oftmals glaubt, ein Mystiker zu sein,

[ 32 ] Anthroposophy is less prone to delusions than its opponents and even its well-meaning critics actually believe! It is very often thought that anthroposophy succumbs to those inner forces that lead to illusions, hallucinations, and all sorts of mediumistic phenomena. People fail to realize that the entire way in which anthroposophy characterizes its methods of inquiry points in the exact opposite direction from anything that might in any way lead to illusion, hallucination, vision, and so on. What anthroposophy is all about is, above all, absolute clarity regarding what first presents itself to the human being. Anyone who looks into the inner world with an open mind—who, in fact, I would say, follows the mystic’s instructions—will see what an uncertain thing this looking inward is; for example, memories pointing back to early youth or even childhood experiences—how these memories simply surface in later life, and how one fails to recognize that what appears there as thoughts is actually nothing more than the memory, a reminiscence of something previously experienced. And if these memories were to surface in such a way that they remained unchanged, one would soon realize that one is dealing with mere memories. But within the human being, the impressions of external experiences are absorbed into feeling, into impulses of the will, even into temperament, into the entire human constitution—I would say into the innermost aspects of human health and illness. And after decades, these ideas can resurface, transformed into a completely different form, yet they are nothing other than what was originally sparked by external observation. The one who often believes himself to be a mystic,

[ 33 ] schaut in sein Inneres, bekommt solche Vorstellungen, sie erscheinen ihm so, als wären sie niemals der Außenwelt entlehnt, als kämen sie aus ewigen Untergründen des menschlichen Seelenlebens heraus, als könnte er unmittelbar erfahren aus solchen Vorstellungen, wie die Seele in göttlich-geistigen Welten, [im] Weltengrunde, im Ewigen zusammenhänge und dergleichen.

[ 33 ] looks within himself, has such visions; they appear to him as if they had never been borrowed from the outside world, as if they came from the eternal depths of human soul life, as if he could experience directly through such visions how the soul exists in divine-spiritual worlds, [in] the foundation of the world, in the Eternal, and so on.

[ 34 ] Wer unbefangen weiß, welche Metamorphosen, welche Verwandlungen Erinnerungen durchmachen können, der weiß auch, dass er sich an solche Selbstschau nicht halten kann. Und so erscheinen dem Unbefangenen auf der einen Seite die naturwissenschaftlichen Ergebnisse, die zeigen, wie ja die Seele im Erdenleben gebunden ist an das Leibliche, an jenes Leibliche, das ja den äußeren Naturkräften mit dem Tode übergeben wird; und auf der andern Seite erscheint dasjenige, was oftmals die nebulose, die nebelhafte Mystik darbietet, durch die man doch zu nichts anderem kommt als zum Heraufholen aus der Seele desjenigen, was man wiederum durch diese äußere Welt hereinbekommen hat, wenn auch so umgewandelt, dass man es nicht wiedererkennt, dass man es als angehörig einer ganz anderen Welt anschaut.

[ 34 ] Anyone who objectively understands the metamorphoses and transformations that memories can undergo also knows that he cannot cling to such self-reflection. And so, to the impartial observer, on the one hand there are the findings of the natural sciences, which show how the soul in earthly life is bound to the physical body—that very physical body which, upon death, is surrendered to the external forces of nature; and on the other hand, there is what is often presented by nebulous, hazy mysticism, through which one arrives at nothing other than the retrieval from the soul of that which one has in turn received from this external world—albeit so transformed that one does not recognize it, viewing it as belonging to an entirely different world.

[ 35 ] Gerade wenn sich der Mensch genügend vorbereitet hat, um zu erkennen, wie wenig ihm äußere Naturwissenschaft, wie wenig ihm auch Mystik geben kann, dann kommt er dazu, den Wert und die Bedeutung jener Seelenübungen zu erkennen, die einfach darinnen bestehen, dass wir das Seelenleben nicht bloß innerlich bebrüten oder anschauen, sondern es in innerliche Aktivität, in innerliche Tätigkeit bringen, sodass es etwas anderes wird, als es im alltäglichen Dasein ist.

[ 35 ] It is precisely when a person has prepared themselves sufficiently to recognize how little external natural science—and how little mysticism, too—can offer them, then they come to recognize the value and significance of those spiritual exercises that simply consist in not merely brooding over or contemplating the life of the soul inwardly, but in bringing it into inner activity, into inner work, so that it becomes something other than what it is in everyday life.

[ 36 ] Die Natur nimmt uns unseren Leib mit dem Tode; sie verleibt die Stoffe und Kräfte dieses Leibes ihrer eigenen Gesetzmäßigkeit ein. Dasjenige, was Anthroposophie will als den Weg nach dem entgegengesetzten Ziele hin, das ist die Hingabe der Seele zur Einverleibung an dasjenige, das der äußeren Natur entgegengesetzt ist, an den Geist. Wie mit dem äußeren physischen Tode der physische Leib der äußeren Natur übergeben wird, so — nun nicht in einem bloßen formalen Erkenntnisakte, sondern als eine innere Tatsache mit dem anthroposophischen Erkennen — die Seelen übergeben werden dem Geiste, damit sie mit dem Geiste sich vereinigen.

[ 36 ] Nature takes our body from us at death; it incorporates the substances and forces of this body into its own laws. What anthroposophy seeks as the path toward the opposite goal is the soul’s surrender to incorporation into that which is opposed to external nature—into the Spirit. Just as, with external physical death, the physical body is surrendered to external nature, so—not merely in a formal act of cognition, but as an inner reality through anthroposophical knowledge—the souls are surrendered to the Spirit, so that they may unite with the Spirit.

[ 37 ] Und so wie uns die Tatsache der menschlichen physischen Vernichtung mit dem Tode vor Augen tritt, tritt uns dann vor die Seele die Unsterblichkeit des Menschen dadurch, dass wir in anthroposophischer Erkenntnis vereinigen das Seelenleben mit demjenigen, was als Geistesleben, als Geisteswesen und Geistesweben der ganzen Welt zugrunde liegt.

[ 37 ] And just as the reality of human physical annihilation through death confronts us, so too does the immortality of the human being confront our soul—through the fact that, in anthroposophical knowledge, we unite the life of the soul with that which underlies the entire world as spiritual life, spiritual beings, and spiritual forces.

[ 38 ] Es ist dasjenige, was anthroposophische Erkenntnis anstrebt, geradezu als tatsächliches inneres Erlebnis das Entgegengesetzte von dem, was das Todesereignis für den physischen Menschen ist. Und ebenso, wie die Seele teilnimmt an den Vorgängen, die da unten in der physischen Leibesorganisation vor sich gehen, und wie diese physischen Prozesse in die Stimmung der Seele heraufspielen, auch wenn die Seele nichts von ihrem Wesen weiß, so ist es so, dass unsere Seele vereint ist — es zeigt sich eben derjenigen Erkenntnis, von der ich gleich weitersprechen werde —, dass unsere Seele vereint ist nach der anderen Seite mit dem Geiste, dass sie nach dieser Seite hin erst ihre Erlebnisse kennenlernt, indem sie Erkenntnis als Tatsache, als tatsächliches inneres Erlebnis anstrebt. Und diese tatsächliche Erkenntnis, sie kann dadurch errungen werden, dass der Mensch nach der einen Seite sein Denken durch innerliche Tätigkeit weiterentwickelt, als es im gewöhnlichen Leben ist, und dass er auf der anderen Seite den Willen weiterentwickelt, als er im gewöhnlichen Leben ist.

[ 38 ] It is precisely this—as an actual inner experience—that anthroposophical knowledge strives for: the very opposite of what the event of death is for the physical human being. And just as the soul participates in the processes taking place down there in the physical body, and just as these physical processes influence the soul’s mood—even when the soul is unaware of their nature—so it is that our soul is united — as is revealed precisely by the very insight I will speak of shortly — that our soul is united on the other side with the spirit, and that it comes to know its experiences on this side only by striving for insight as a fact, as an actual inner experience. And this actual knowledge can be attained by the human being, on the one hand, further developing their thinking through inner activity beyond what it is in ordinary life, and, on the other hand, further developing their will beyond what it is in ordinary life.

[ 39 ] Zwischen dem Willen und dem Denken liegt dann das Gemüt, das Gefühl mittendrin. Das kostbarste Kleinod des menschlichen Lebens, dieses Gefühl, dieses Gemüt. Wenn wir aber nach der einen Seite das Denken ausbilden, nach der anderen Seite den Willen, dann geht das Gemüt, das Gefühl mit und wird selbst etwas anderes.

[ 39 ] Between the will and thought lies the heart—feeling right in the middle. The most precious treasure of human life is this feeling, this heart. But if we develop thought on one side and the will on the other, then the heart—the feeling—goes along with it and becomes something else entirely.

[ 40 ] Damit wir uns — meine sehr verehrten Anwesenden — verständigen können über die Art und Weise, wie das Denken nach der einen Seite, der Wille nach der andern Seite ausgebildet wird, machen wir uns klar, dass die Seele trotzdem eben eine Einheit ist — in ihrem wogenden, webenden Leben eine Einheit ist —, trotzdem sie nach der einen Seite nach dem Denken, auf der anderen Seite nach dem Willen und in der Mitte nach dem Gefühl sich auslebt.

[ 40 ] So that we—my esteemed audience—may understand the way in which thinking is formed on the one hand and the will on the other, let us make it clear to ourselves that the soul is nevertheless a unity—a unity in its surging, weaving life— even though it expresses itself on one side through thinking, on the other through the will, and in the middle through feeling.

[ 41 ] Wir müssen, indem wir zum Beispiel die äußere Natur anschauen, zunächst unsere Sinne in Tätigkeit versetzen. Aber dasjenige, was wir durch unsere Sinne aufnehmen, das verarbeiten wir dann in unseren Gedanken. Würden wir dabei unseren Willen anwenden, so würden wir eine treue Naturerkenntnis nicht erhalten können. Wir würden nicht in der Lage sein, wenn wir den Willen, der uns im alltäglichen Leben durchzieht seelisch, wenn wir den in unser Denken über die Natur einfließen lassen würden. Wir würden Phantasiegebilde statt Naturgesetzen erhalten. Darauf kann sich gewissenhafte naturwissenschaftliche Methode nicht einlassen.

[ 41 ] For example, when we observe the external natural world, we must first engage our senses. But what we perceive through our senses, we then process in our thoughts. If we were to apply our will in this process, we would not be able to gain a true understanding of nature. We would not be able to do so if we were to allow the will—which permeates our everyday life on a psychological level—to influence our thinking about nature. We would end up with figments of the imagination instead of natural laws. A conscientious scientific method cannot accept this.

[ 42 ] Wir haben gerade an denjenigen Vorstellungen, denjenigen Gedanken, die an der äußeren Natur von uns entwickelt werden müssen, dasjenige in unserem Seelenleben, wo für das alltägliche und auch das gewöhnliche wissenschaftliche Leben der Wille zurücktritt und der Gedanke in einer gewissen Einseitigkeit erscheint, als bloßes Bild desjenigen, was äußerlich vorhanden ist, und wir haben auf der anderen Seite den eigentlichen Willen. Seien wir dem eigentlichen Willen gegenüber ehrlich. Nehmen wir einen einfachen Willensimpuls: Ich hebe meinen Arm, meine Hand. Zunächst habe ich die Absicht, dass an irgendeiner Stelle erwas gehoben werden soll. Und dann geht die Absicht, die ein Gedanke ist, in unterbewusste Tiefen hinunter, vereinigt sich in einer gewissen Weise mit dem Organismus. Wie das im Alltagsfalle nicht durchschaut wird, denn dasjenige, was [geschieht], ist erst wiederum Erlebnis, das wird wiederum klar; Anfang und Ende ist klar zu sehen. Was in der Mitte drinnen liegt, wie der Wille gewissermaßen hineinschießt in den Organismus und die Absicht zustande bringt, das ist so tief in das Unterbewusste hinuntergetaucht wie das Leben des Menschen vom Einschlafen bis zum Aufwachen.

[ 42 ] We have, on the one hand, those ideas and thoughts that must be developed from external nature—that aspect of our inner life where, in everyday life and even in ordinary scientific life, the will recedes and thought appears in a certain one-sidedness, as a mere image of what exists externally—and, on the other hand, we have the actual will. Let us be honest with ourselves regarding the actual will. Let us take a simple impulse of the will: I raise my arm, my hand. First, I have the intention that something should be lifted at some point. And then the intention—which is a thought—descends into the depths of the subconscious, uniting in a certain way with the organism. How this goes unnoticed in everyday life is because what [happens] is, in turn, an experience; that becomes clear again; the beginning and end can be clearly seen. What lies in the middle—how the will, so to speak, shoots into the organism and brings about the intention—is submerged so deeply into the subconscious as is human life from falling asleep to waking up.

[ 43 ] Man möchte sagen: Es ist ja in Bezug auf seinen Willen der Mensch auch durchaus beim Tagwachen schlafend. Von der Absicht, die Hand, den Arm zu heben, bis [zu] der Bemerkung der gehobenen Hand, des gehobenen Armes schläft im Grunde genommen das alltägliche Bewusstsein, schläft ein, indem der Willensimpuls in den Organismus schießt, und wacht erst wiederum auf, indem der Erfolg geschaut wird. Da tritt uns der Wille entgegen, nicht durchsetzt vom Gedanken. Aber dieser Wille ist — ich möchte sagen — etwas so Fremdes für unser Bewusstsein wie dasjenige, was da vorgeht um uns zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen.

[ 43 ] One might say: In terms of one’s will, a person is, in a sense, asleep even while awake. From the intention to raise the hand or arm to the moment of noticing the raised hand or arm, everyday consciousness is, in essence, asleep; it falls asleep as the impulse of the will shoots into the organism, and only awakens again when the result is perceived. There the will confronts us, unmediated by thought. But this will is—I would say—something as foreign to our consciousness as what takes place around us between falling asleep and waking up.

[ 44 ] Nun kann man nach beiden Seiten, sowohl nach der Seite des Gedankens, wie nach der Seite des Willens, die menschliche Seele weiterentwickeln, als sie im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft ist. Und was hat man da nach den zwei Seiten hin, nach der Gedankenseite und der Willensseite hin zu tun?

[ 44 ] Now, one can further develop the human soul in both directions—both in the realm of thought and in the realm of the will—beyond what it is in ordinary life and in ordinary science. And what must one do in these two realms, the realm of thought and the realm of the will?

[ 45 ] Ich sagte schon — meine sehr verehrten Anwesenden —, gegenüber dem Gedanken tritt der Wille zurück. Diejenigen Gedanken, die uns Klarheit über die Welt geben, diese Gedanken, sie lassen den Willen ganz und gar zurücktreten. Und diejenigen Willensimpulse, die im alltäglichen Leben sind, die lassen den Gedanken zurücktreten, wie ich eben ausgeführt habe.

[ 45 ] As I have already said—my esteemed audience—the will takes a back seat to thought. Those thoughts that give us clarity about the world—these thoughts cause the will to recede entirely. And those impulses of the will that are present in everyday life cause thought to recede, as I have just explained.

[ 46 ] Aber es lebt dennoch, sowohl im Gedanken, und zwar in den abstraktesten und in den konkretesten Gedanken, in allen Gedanken lebt immer ein Willensrest, er ist nur nicht bewusst. Und in jedem Willensimpuls lebt ein Gedanke. Der Gedanke fließt irgendwo hinein, erscheint dann wiederum in dem Ergebnis. Wenn wir nun in dem Gedanken den Willen, und in dem Willen den Gedanken suchen, dann üben wir die Seele nach den beiden Richtungen hin. Was heißt das, in dem Gedanken den Willen suchen? Man erreicht das, indem man ausübt dasjenige, was ich ja auch schon hier gerade öfter charakterisiert habe, indem man ausübt Meditation und Konzentration, denn das heißt das Ruhen der Seele auf gewissen Vorstellungen, die völlig überschaubar, klar wie mathematische Begriffe, vor die Seele gestellt werden.

[ 46 ] But it still lives on—both in thought, and indeed in the most abstract as well as the most concrete thoughts; in every thought there always lives a remnant of will, though it is simply not conscious. And in every impulse of will there lives a thought. The thought flows into something, then reappears in the result. If we now seek the will within the thought, and the thought within the will, then we train the soul in both directions. What does it mean to seek the will within the thought? One achieves this by practicing what I have already described here on several occasions—by practicing meditation and concentration, for this means the soul resting on certain ideas that are presented to it in a completely comprehensible way, as clear as mathematical concepts.

[ 47 ] In diesem oftmals jahrelangen Hingeben — es dauert für den einen Menschen weniger lang, für den andern länger, je nach den Anlagen —, in diesem Hingeben an durchschaubare Vorstellungen wird entwickelt eine Kraft des Denkens, wie dasjenige, was vom Willen dem gewöhnlichen Bewusstsein nicht gegenwärtig ist, wie das Willenselement im Denken, wie das eingreift in unseren Organismus, und zwar jetzt in unseren vollständigen Organismus, entdeckt man — während man sonst immer nur auf den Gedanken schaut —, entdeckt man innerhalb des Gedankenlebens das sonst sich verbergende Willensleben; dann kommt in das menschliche Bewusstsein das erste Element der übersinnlichen Erkenntnis hinein. Denn dasjenige, was da sich in unsere Gedanken — ich möchte sagen — hineinmischt, das ist jetzt nicht so, wie sonst das Gedankenleben blass und abstrakt ist, das bringt in das Gedankenleben etwas hinein, was so lebendig ist, so innerlich intensiv ist, wie wir sonst nur erleben an der äußeren Sinneswahrnehmung. Dasjenige, was wir sonst als blasses, abstraktes Gedankenleben innerlich haben, wird wirklich so bildhaft, so lebendig, indem das Willenswesen in ihm entdeckt wird, dass wir ein Nachbild der äußeren Sinneswahrnehmung in unserem Gedankenleben haben. Und diese Vorgänge gehen also so vor sich, dass völliges Bewusstsein — wie wir es in einem mathematischen Problem entwickeln oder wie wir es in einer geometrischen Aufgabe entwickeln — vorhanden ist bei allen Seelenübungen, die zu einem solchen, ich möchte sagen willensverhüllten Bilddenken führen.

[ 47 ] In this devotion—which often lasts for years (it takes less time for some people, longer for others, depending on their aptitudes)—in this devotion to transparent ideas, a power of thought is developed: the aspect of the will that is not present in ordinary consciousness, the element of will within thought, the way it intervenes in our organism, and indeed now into our entire organism—one discovers—whereas one otherwise always looks only at the thought itself—one discovers within the life of thought the life of the will that is otherwise hidden; then the first element of supersensory knowledge enters human consciousness. For what intermingles—so to speak—in our thoughts is not, as is usually the case, a pale and abstract thought life; rather, it introduces into the thought life something that is as vivid and as intensely inner as what we otherwise experience only through external sensory perception. What we otherwise experience inwardly as a pale, abstract life of thought becomes so vivid and lifelike—as the volitional being is discovered within it—that we have a reflection of external sensory perception in our life of thought. And these processes take place in such a way that complete consciousness—as we develop it in a mathematical problem or in a geometric exercise—is present in all soul exercises that lead to such, I would say, “will-veiled” pictorial thinking.

[ 48 ] Wer beobachtet dasjenige, was ich im Einzelnen geschildert habe für diese Konzentrations- und Meditationsübungen in meinen Büchern «Geheimwissenschaft» und «Wie erlangt man Erkenntnis der höheren Welten?», und in meinem Buche «Von Seelenrätseln» und in anderen Schriften, der wird schon sehen, wie unbegründet es ist, wenn behauptet wird, dass irgendein träumerisches Seelenleben hinführen soll zu demjenigen, was da als imaginatives Erkennen, als bildhaftes, erkennendes Innenleben geschildert wird, dass alle Vorgänge so sind, dass wir, ich möchte sagen — wenn ich mich des trivialen Ausdrucks bedienen darf — so nüchtern und so mit gesundem Menschenverstand uns nähern und zuletzt in Besitz setzen dieses imaginativen Denkens, wie wir uns nähern und in Besitz setzen der Lösung einer geometrischen Aufgabe. Man möchte sagen: Alles dasjenige, was zu der Erlangung einer solchen Erkenntnis getan werden muss, wird so ausgeübt, dass es gerechtfertigt werden kann vor der durchschaubarsten, vor der mathematischen Erkenntnis. Und eigentlich muss man sagen, dass es einen am meisten wundern kann, dass mit demjenigen, was das innerste Wesen anthroposophischer Forschungsmethode ist, nicht gerade Mathematiker sympathisieren. Denn die Seelentätigkeit, die ausgeübt wird beim anthroposophischen Forschen, sie ist im Grunde genommen dieselbe, die ausgeübt wird bei Mathematik, nur dass der Inhalt ein anderer ist, bei Mathematik ein formaler, bei dem, was als anthroposophische Forschungsmethode zu gelten hat, ein solcher, der in die Realität, in die Wirklichkeit hineinführt.

[ 48 ] Anyone who examines in detail what I have described regarding these concentration and meditation exercises in my books *Secret Science* and *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*, and in my book *On the Mysteries of the Soul* and in other writings, will see how unfounded it is to claim that some kind of dreamy inner life is supposed to lead to what is described there as imaginative cognition—as a pictorial, cognitive inner life—that all these processes are such that we, I would say—if I may use this trivial expression—we approach and ultimately take possession of this imaginative thinking just as soberly and with just as much common sense as we approach and take possession of the solution to a geometric problem. One might say: Everything that must be done to attain such knowledge is carried out in such a way that it can be justified before the most transparent form of knowledge—mathematical knowledge. And in fact, one must say that it is most surprising that mathematicians, of all people, do not sympathize with what constitutes the innermost essence of the anthroposophical research method. For the activity of the soul that is exercised in anthroposophical research is, in essence, the same as that exercised in mathematics, except that the content is different: in mathematics, it is formal, whereas in what is to be regarded as the anthroposophical research method, it is one that leads into reality, into the actual world.

[ 49 ] Und in der Tat: In eine ganz bestimmte Wirklichkeit werden wir hineingeführt, wenn wir also das Denken durch Meditation und Konzentration bis zur Erfassung des sonst unberücksichtigten Willenselementes kommen lassen. Denn da tritt uns eben das erste Ergebnis übersinnlicher Forschung, übersinnlicher Erkenntnis wirklich auf. Und das ist dasjenige, was ich genannt habe in meinen Büchern den Bildekräfteleib des Menschen.

[ 49 ] And indeed: We are led into a very specific reality when, through meditation and concentration, we allow our thinking to progress to the point of grasping the element of will that is otherwise overlooked. For it is precisely there that the first result of supersensory research, of supersensory knowledge, truly presents itself to us. And this is what I have called in my books the human form-force body.

[ 50 ] Wenn wir nämlich das Denken bis zu dieser Stufe, bis zu der Imagination gebracht haben, dann lernen wir leben, jetzt nicht in dem abstrakten Denken, sondern in einem solchen Denken, das eben innerlich viel realer ist als das abstrakte Denken. Jetzt lernen wir uns hineinleben in ein lebendiges, in ein wie Wirklichkeit hinströmendes und unsere Seele aufnehmendes Denken. Wir leben uns hinein in einen Gedankenorganismus. Und das erste Ergebnis tritt auf vor uns: Es ist das, was in einem großen Lebenstableau vor uns steht, dasjenige, was seit unserer Geburt gearbeitet hat, innerlich, unsern physischen Leib durchsetzend als ein Übersinnliches, eben der Bildekräfteleib.

[ 50 ] For when we have brought our thinking up to this level—to the level of imagination—we learn to live, not in abstract thinking, but in a kind of thinking that is, in fact, much more real inwardly than abstract thinking. Now we learn to immerse ourselves in a living thought process that flows toward reality and embraces our soul. We immerse ourselves in a thought organism. And the first result appears before us: it is what stands before us in a great tableau of life—that which has been at work since our birth, inwardly permeating our physical body as something supersensible—namely, the body of formative forces.

[ 51 ] Dieser Leib, von dem ich hier spreche, er ist nicht so wie der physische Leib bloß im Raume ausgebreitet, dieser Leib ist ein Zeitleib. So wie im physischen Raumesleib die einzelnen Organe aufeinander bezogen sind und in Wechselwirkung stehen, so sind die Zeitvorgänge von unserer Geburt bis zum Tode in diesem Bildekräfteleib eine große Einheit. Dasjenige, was der Bildekräfteleib vom, zum Beispiel, vom 45. Jahre bis zum 50. Jahre erlebt, steht in einem solchen Zusammenhange mit demjenigen, was zwischen dem 10. und 15. Jahre erlebt worden ist, wie — sagen wir — irgendeine Partie unseres Gehirns zur Partie des Herzens oder unseres Magens im physischen Leibe zusammenhängt. Einen Zeitleib haben wir, der uns angegliedert ist, der aber ein erkraftetes Denken darstellt, ein Denken, das zu gleicher Zeit Wachstumskräfte, sprießende und sprossende Wachstumskräfte in sich hat. Wir fühlen jetzt nicht nur dasjenige, was wir seit der Geburt hier auf der Erde innerlich durchlebt haben — wie den Strom der Erinnerung, aus dem das eine oder andere herauftaucht aus dem Gedächtnisse —, sondern wir fühlen, wie diese Erinnerungen nur die abstrakten oberen Wellen sind desjenigen, was unter der Oberfläche des gewöhnlichen Bewusstseins unseren Leib durchwebt und durchlebt, was lebt in unserem Stoffwechsel, [was ist in der] Herzbewegung, was lebt in unserer Tätigkeit, unserem Nervensystem, was aber da anschaulich wird als ein Geistleib, als ein übersinnlicher, ätherischer Leib.

[ 51 ] This body I am speaking of here is not, like the physical body, merely spread out in space; this body is a body of time. Just as the individual organs in the physical body are related to one another and interact, so too do the temporal processes from our birth to our death form a great unity within this body of formative forces. What the body of formative forces experiences, for example, from the age of 45 to the age of 50, is related to what was experienced between the ages of 10 and 15 in much the same way as—let us say—a certain part of our brain is related to the heart or our stomach in the physical body. We have a time-body that is connected to us, but which represents a vitalized thinking—a thinking that simultaneously contains growth forces, sprouting and budding growth forces. We now feel not only what we have inwardly experienced here on Earth since birth—such as the stream of memory from which one thing or another surfaces from our recollection—but we also feel how these memories are merely the abstract, higher waves of that which, beneath the surface of ordinary consciousness, interweaves with and permeates our body, that which lives in our metabolism, [what is in the] beating of the heart, what lives in our activity, our nervous system—but which becomes manifest there as a spiritual body, as a supersensible, ethereal body.

[ 52 ] Erkenntnisstufen früherer Epochen, die diese Dinge noch nicht so klar erkennen konnten, wie die heutige Anthroposophie das anstrebt, die aber eine Ahnung hatten aus dumpfem Hellsehen heraus, die wussten, dass ein solcher Bildekräfteleib vorhanden ist. Da nannte man ihn den Ätherleib oder Lebensleib. Ich möchte nicht, dass bei diesen Ausdrücken etwas anderes gedacht wird als dasjenige, was ich selber hier charakterisierte! Und so entdecken wir wie in einem großen Tableau dasjenige, was wir als eine Einheit sind, seitdem wir auf dieser Erde einen physischen Leib haben.

[ 52 ] The levels of understanding in earlier epochs, which were not yet able to perceive these things as clearly as modern anthroposophy strives to do, but which had a hunch based on a dim form of clairvoyance—they knew that such a body of formative forces existed. At that time, it was called the etheric body or the life body. I do not want these terms to be understood to mean anything other than what I myself have characterized here! And so, as in a grand tableau, we discover what we are as a unity ever since we have had a physical body on this Earth.

[ 53 ] Das erste Übersinnliche — meine sehr verehrten Anwesenden —, es ist noch nichts, was uns über unser Erdendasein hinausführt. Anthroposophie muss durchaus gewissenhaft stufenweise weitergehen, aber es ist Inhalt des Erdendaseins, das in uns selbst befindliche erste übersinnliche Element, dieser Bildekräfteleib, der der Zeit gemäß organisiert ist, wie unser physischer Leib dem Raume gemäß organisiert ist, charakterisiert ist.

[ 53 ] The first supersensible realm—my esteemed audience—is not yet anything that leads us beyond our earthly existence. Anthroposophy must certainly proceed conscientiously, step by step, but it is the very essence of earthly existence—the first supersensible element within us, this body of formative forces—that is characterized by its organization in accordance with time, just as our physical body is organized in accordance with space.

[ 54 ] Aber wir können weiterschreiten. Wir können eine nächste Übung, die sozusagen noch an das Denken, an die Meditation und Konzentration anknüpft, die aber gleichzeitig über sie hinausführt, vollziehen. Sie besteht darinnen, dass wir, nachdem wir uns zunächst angestrengt haben, unsere ganze Seelenaufmerksamkeit auf eine Vorstellung in Meditation zunächst zu wenden, sodass wir gar nichts von der übrigen Welt wahrnehmen, sondern die Seele nur auf diese eine Vorstellung wenden; dann erkraften wir die Seele durch diese Konzentration, wie wir sonst den Muskel erkraften, der immer wieder und wiederum eine Arbeit ausführt. So, durch dieses immer [wiederkommende] Konzentrieren und Meditieren erfassen [wir] irgendeinen Vorstellungskomplex, der leicht [überschaubar] ist, [(der] erkraftet das Seelenwesen; dass [wir] zu dem — was wir [eben] geschildert haben —, zu dem Auffassen des Willenselementes im Denken aufsteigen, dass es zur imaginativen Erkenntnis kommt. Obwohl immer bei dieser anthroposophischen Methode, ich möchte sagen der gesunde Menschenverstand dableibt, müssen wir doch sagen, dass etwas wie eine zweite Persönlichkeit sich hinstellt neben den Menschen, wie er gewöhnlich ist, die nun dasjenige erlebt, was ich geschildert habe, sagen wir zum Beispiel in imaginativer Erkenntnis.

[ 54 ] But we can move on. We can perform the next exercise, which, so to speak, builds on thinking, meditation, and concentration, yet at the same time takes us beyond them. It consists in the following: after we have first made an effort to direct our entire soul’s attention in meditation toward a single image—so that we perceive nothing at all of the rest of the world, but turn the soul solely toward this one image—we then strengthen the soul through this concentration, just as we would otherwise strengthen a muscle that performs a task over and over again. Thus, through this ever-recurring concentration and meditation, [we] grasp some imaginative complex that is easily comprehensible, [which] strengthens the soul; so that [we] ascend to what we have just described—to the apprehension of the element of will in thinking—and thus attain imaginative knowledge. Although common sense—I would say—always remains present in this anthroposophical method, we must nevertheless say that something like a second personality stands alongside the person as they usually are, and this second personality now experiences what I have described—let us say, for example, in imaginative insight.

[ 55 ] Das ist ja der Unterschied des anthroposophischen Erlebens von dem Erleben als Medium, dass derjenige, der als Medium erlebt, der Halluzinatorisches, der Visionen hat, er lebt sich mit seinem ganzen Ich, mit seiner ganzen Persönlichkeit in diese Zustände, die durchaus mit seiner leiblichen Entwicklung zusammenhängen, hinein. Er verliert dasjenige, was er sonst ist, aus dem Auge; er lebt nur in dem, was sich ihm vor die Seele stellt in abnormer Weise.

[ 55 ] The difference between the anthroposophical experience and the experience of a medium is that the person who experiences things as a medium—who has hallucinations and visions—immerses their entire self, their entire personality, into these states, which are closely connected to their physical development. They lose sight of who they otherwise are; they live only in what presents itself to their soul in an abnormal way.

[ 56 ] Derjenige, der sich hineinlebt in imaginative Erkenntnis und auch in die höheren Stufen desjenigen, was ich gleich zu schildern habe, der setzt eine zweite Persönlichkeit aus sich, den Betrachter des Übersinnlichen, aus sich heraus; aber er bleibt immer da, kontrollierend und kritisierend neben diesem Betrachter des Übersinnlichen, mit seinem gesunden Menschenverstand, so wie er im gewöhnlichen Leben ist.

[ 56 ] The person who immerses himself in imaginative insight and also in the higher stages of what I am about to describe projects a second personality from within himself—the observer of the supersensible—outward; but he always remains there, observing and evaluating alongside this observer of the supersensible, with his common sense, just as he is in ordinary life.

[ 57 ] Daher kann auch Anthroposophie jedem vorgetragen werden, sie kann mit dem gesunden Menschenverstand begriffen werden, weil auch in demjenigen, der ein anthroposophischer Forscher ist, dasjenige, was sich ihm darbietet an übersinnlichem Anschauen, erst mit dem, was er geblieben ist daneben, mit dem Träger des gesunden Menschenverstandes, kontrolliert und kritisiert werden muss. Aber es ist doch so, dass man dadurch, dass man sich erst konzentriert auf bestimmte Vorstellungen, dass man dadurch auch die Neigung erhält, die innerliche Neigung, diese Vorstellungen nun in der Seele zu behalten, diese Vorstellungen nicht wieder loszulassen. Es gehört eine größere Kraft als zum gewöhnlichen Vergessen dazu, solche Vorstellungen, die man zuerst mit aller Kraft, mit der stärksten Kraft der inneren Aufmerksamkeit zunächst in die Seele hereingestellt hat, nun wiederum aus der Seele herauszubringen.

[ 57 ] That is why anthroposophy can be presented to anyone; it can be understood through common sense, because even for an anthroposophical researcher, what presents itself to him in the form of supersensible perception must first be checked and critiqued by what remains alongside it—the faculty of common sense. But the fact is that by first concentrating on certain ideas, one also develops an inner inclination to retain these ideas in the soul—an inclination not to let them go. It takes a greater effort than ordinary forgetting to bring such ideas—which one has first brought into the soul with all one’s strength, with the strongest power of inner attention—back out of the soul again.

[ 58 ] Da ist die zweite Übung erreicht, die entwickeln muss Vorstellungen, auf die man sich scharf konzentriert hat, ich möchte sagen, die einen ganz hingenommen haben, die wieder herauszuschaffen. Sodass man, nachdem man sich konzentriert hat, ich möchte sagen, nachdem man sie meditiert hat, das hinzustellen, was ich leeres Bewusstsein nenne.

[ 58 ] This brings us to the second exercise, which involves bringing forth the mental images on which one has focused intently—I would say, the ones that have completely absorbed one—and bringing them back to the surface. So that, after one has concentrated—I would say, after one has meditated on them—one can arrive at what I call empty consciousness.

[ 59 ] Wenn man dieses leere Bewusstsein entwickelt, wenn man die Kraft zur Herstellung dieses leeren Bewusstseins entwickelt, anwendet eben, heraus aus dem Meditieren, Konzentrieren, dann ist nicht dieses Bewusstsein erfüllt von irgendwelchen Erinnerungen, oder von Eindrücken der äußeren Welt; es ist wirklich leer.

[ 59 ] When one develops this empty consciousness—when one develops and applies the power to bring about this empty consciousness, emerging from meditation and concentration—then this consciousness is not filled with any memories or impressions from the external world; it is truly empty.

[ 60 ] Dann aber, wenn dieses Bewusstsein leer ist, es bleibt nicht lange leer, denn die äußere Welt dringt herein, denn man hat sich dieses Bewusstsein zunächst selber hergestellt, man ist wachend ohne einen Inhalt. Der Inhalt kommt aber nach einiger Zeit — der uns sonst durch die Entwicklung kommt und mit dem gewöhnlichen Verstande verarbeitet wird —, das ist der Inhalt einer übersinnlichen, einer geistigen Welt. Und dadurch, dass man sich, nachdem man das imaginative Erkennen durch Meditation und Konzentration errungen hat, dass man dieses leere Bewusstsein hergestellt hat, dadurch erringt man sich die Einblicke in die geistige Welt, in die übersinnliche Welt, die uns ebenso umgibt, wie uns die sinnliche Welt umgibt. Jetzt lernt man: Hat man dieses — ich nenne es nun das initiierte Bewusstsein —, hat man dieses initiierte Bewusstsein errungen: Jetzt steht man drinnen überall in der geistigen Welt und daneben mit seinem gesunden Menschenverstand, seinen gesunden Sinnen — [so] hat man ebenso den Einblick in die physisch-sinnliche Welt, wie man ihn sonst als Erdenmensch hat.

[ 60 ] But then, when this consciousness is empty—and it does not remain empty for long, because the external world intrudes upon it—one has initially created this consciousness oneself; one is awake but without content. After some time, however, the content arrives—the content that would otherwise come to us through development and be processed by the ordinary intellect—and this is the content of a supersensible, spiritual world. And by having—after attaining imaginative cognition through meditation and concentration—established this empty consciousness, one thereby gains insights into the spiritual world, into the supersensible world, which surrounds us just as the sensory world does. Now one learns: Once one has attained this—I will now call it the “initiated consciousness”—once one has attained this initiated consciousness, one stands within the spiritual world in its entirety, and alongside it, with one’s sound common sense and healthy senses, one retains the same insight into the physical-sensory world as one otherwise has as an earthly human being.

[ 61 ] Dass diese Dinge sich nebeneinander entwickeln, ist das Wesentliche; dann wird der Mensch niemals in pathologische Zustände hineinkommen können, wenn er sich in solchen Forschungsmethoden bewegt. Aber man kann, wenn man herangeschult hat diese Kräfte, Meditationsvorstellungen, Konzentrationsvorstellungen zu unterdrücken, leeres Bewusstsein herstellen, kann auch dazu kommen, jenes Lebenstableau selbst zu unterdrücken, das unseren inneren Menschen, unseren Werdekräfteleib uns vor die Seele gerückt hat, wie er gewirkt hat, wie er gewebt hat in uns allen ein Übersinnliches, seit dem Beginn unseres Erdendaseins, wir können jetzt, wenn wir uns diese Kräfte angeeignet haben zur Herstellung des leeren Bewusstseins, wir können herausschaffen — wenn wir zunächst den Bildekräfteleib in das Bewusstsein hineingebracht haben —, wir können diesen Bildekräfteleib selber ausschalten. Wir erringen allmählich eine so starke Kraft, dass wir diese, unsere eigene geistige Welt nun auch ausschalten können, dass wir ihm gegenüber leeres Bewusstsein herstellen. Dann aber — meine sehr verehrten Anwesenden —, wenn wir diesem Leib gegenüber leeres Bewusstsein herstellen, dann erfüllt sich die menschliche Seele, das menschliche Bewusstsein, nicht bloß dieses jetzige leere Bewusstsein mit einem geistig-seelischen Inhalt aus der Umgebung, wie ich es eben beschrieben habe, sondern dann erfüllt sich dieses Bewusstsein des Menschen mit jenem geistig-seelischen Inhalt, der wir selbst waren, bevor wir heruntergestiegen sind aus der geistig-seelischen Welt und angenommen haben durch die Vererbung der Stoffe und Kräfte von unseren Eltern und Voreltern unseren physischen Leib. Das heißt: Wir gelangen zu der Anschauung desjenigen, was wir waren, bevor wir einen physischen Erdenleib angenommen haben. Das heißt, wir gelangen zu der Anschauung unseres Wesens vor der Geburt oder vor der Konzeption. Das ergibt sich in übersinnlicher Erkenntnis, der zweiten Stufe in der inspirierten Erkenntnis, die auf die Weise erlangt wird, wie ich es eben beschrieben habe.

[ 61 ] The essential point is that these things develop side by side; then a person will never be able to fall into pathological states if they engage in such methods of inquiry. But once one has trained these powers, to suppress meditative and concentrative images and create empty consciousness, one may also end up suppressing that very tableau of life which has placed our inner being—our body of formative forces—before our soul, showing how it has worked and woven a supersensible reality within all of us since the beginning of our earthly existence, we can now—once we have acquired these powers to create empty consciousness—we can remove—after first bringing the body of formative forces into consciousness—we can shut down this body of formative forces itself. We gradually attain such a powerful force that we can now also switch off this, our own spiritual world, so that we create empty consciousness in relation to it. But then—my esteemed audience—when we create empty consciousness in relation to this body, the human soul, the human consciousness, is not merely filled with this present empty consciousness and its spiritual -soul content from the environment, as I have just described, but rather this human consciousness is filled with that spiritual-soul content that we ourselves were before we descended from the spiritual-soul world and assumed our physical body through the inheritance of substances and forces from our parents and ancestors. This means: We come to perceive what we were before we took on a physical earthly body. That is, we come to perceive our being before birth or before conception. This arises through supersensible knowledge, the second stage of inspired knowledge, which is attained in the manner I have just described.

[ 62 ] Anthroposophie ist in der Lage, [nicht] irgendetwas aus der Phantasie hervorzuholen, auch nicht aus leichtgeschürzter Mystik, sondern Anthroposophie muss sich stufenweise die Sichten erobern, indem sie sich erst die Kraft dazu heranzieht in der menschlichen Anlage, die in das übersinnliche Dasein hineinführt. Man verleumdet Anthroposophie, wenn man sie bloß eine Philosophie nennt. Sie beruht nicht auf einer philosophischen Spekulation, sondern sie beruht auf einer Anschauung, die ebenso lebendig ist, wie nur je eine [sinnliche] Anschauung sein kann, die aber eben errungen werden muss, indem der Mensch die Kräfte, die in seiner Seele sonst nur schlummern, so ausbildet, wie ich sie im Prinzip angedeutet habe, und wie Sie die weiteren Ausführungen davon in den genannten Büchern finden können.

[ 62 ] Anthroposophy is not capable of conjuring up anything from the imagination, nor from a superficial mysticism; rather, anthroposophy must gradually gain its insights by first drawing upon the power within the human constitution that leads into the supersensible realm. Anthroposophy is slandered when it is merely called a philosophy. It is not based on philosophical speculation, but on a perception that is as vivid as any [sensory] perception can be, but which must be attained by the human being developing the powers that otherwise lie dormant in the soul, in the manner I have outlined in principle, and as you can find further elaborations of this in the books mentioned.

[ 63 ] Nun aber — meine sehr verehrten Anwesenden —, jetzt stellt sich dem Geistesforscher etwas ganz Besonderes vor die Seele. In dem Augenblick, wo er gewissermaßen sein Menschentum, sein Seelenwesen kennenlernt, wie es war vor dem Herabstieg auf die Erde, in diesem Momente, da tritt dem Menschen sein physischer Leib wie ein äußerer Gegenstand entgegen. Er lebt jetzt gewissermaßen mit seiner erst erzeugten Persönlichkeit gewissermaßen zurückversetzt in sein Dasein, bevor sein physischer Leib war. Er hat diesen physischen Leib jetzt wie etwas Äußeres vor sich. Und indem er diesen physischen Leib als etwas Äußeres vor sich hat, sieht er diesen physischen Leib an — das ist dasjenige, was berücksichtigt werden muss. Er sieht diesen physischen Leib nicht bloß etwa, wie er im gewöhnlichen Leben ist für die physische Anschauung, sondern er sieht diesen physischen Leib seinen inneren Organen nach, allerdings diese inneren Organe vergeistigt.

[ 63 ] But now—my esteemed audience—something quite extraordinary presents itself to the spiritual researcher’s soul. At the very moment when he, so to speak, comes to know his humanity, his soul-being, as it was before his descent to Earth—at that very moment—his physical body appears to him as an external object. He now lives, so to speak, with his newly formed personality, as if transported back to his existence before his physical body came into being. He now has this physical body before him as something external. And because he has this physical body before him as something external, he looks at this physical body—that is what must be taken into account. He does not merely see this physical body as it appears to physical perception in ordinary life, but he sees this physical body in terms of its internal organs, albeit with these internal organs spiritualized.

[ 64 ] Wenn Sie sich vorstellen das menschliche Herz, die menschliche Lunge, das menschliche Gehirn, die verschiedenen menschlichen Organe, nicht in physischer Beziehung mit physischen Konturen, sondern als Prozesse, als innerliche Tätigkeit, als aufsteigende Werde-, Wachstumsprozesse, als absteigende Vernichtungsprozesse, Todesprozesse, die ineinanderwirken, wenn Sie sich so den inneren menschlichen Organismus denken — aber eben nicht den Menschen als Ganzes, wie wir ihn sonst vor der physischen Anschauung haben, sondern auch physisch, aber das Physische in geistiger Übersetzung, möchte ich sagen, wenn Sie sich das vorstellen, so steht das jetzt vor dem Menschen in demselben Augenblicke, wo er schaut sein geistig-seelisches Dasein, wie es war, bevor er auf die Erde herabgestiegen ist.

[ 64 ] If you imagine the human heart, the human lungs, the human brain, the various human organs—not in physical terms with physical contours, but as processes, as inner activity, as ascending processes of becoming and growth, as descending processes of destruction and death that interact with one another—if you conceive of the inner human organism in this way — but not the human being as a whole, as we usually perceive him through physical observation, but rather physically, yet with the physical translated into the spiritual, so to speak—if you imagine this, then it stands before the human being at the very moment when he looks upon his spiritual-soul existence as it was before he descended to Earth.

[ 65 ] Ich scheue nicht zurück — meine sehr verehrten Anwesenden, weil die Dinge, von denen ich spreche, sichere geisteswissenschaftliche Forschungsresultate sind, und da ich einfach, selbstverständlich, ohne dass ich alle die Mittelglieder geben kann, die sich aber in den genannten Büchern durchaus finden, ich aber die Ergebnisse aufzählen will —, wenigstens auf einigen Gebieten dasjenige zu sagen, was dem heutigen Menschen dennoch durchaus paradox erscheinen muss, dasjenige, was nämlich auf der Stufe, die ich eben charakterisierte, vor den Menschen hinzustellen, in der folgenden Weise zu charakterisieren.

[ 65 ] I do not shy away—my esteemed audience—because the things I am speaking of are well-established findings of spiritual scientific research, and since I simply, of course, cannot provide all the intermediate steps—which can, however, certainly be found in the books mentioned— but I wish to list the results—at least in some areas, to say what must nevertheless seem thoroughly paradoxical to people today, namely, to present to people, at the stage I have just characterized, the following characterization.

[ 66 ] Bedenken Sie — meine sehr verehrten Anwesenden —, Sie schauen in Ihr Inneres hinein, Sie finden in Ihrem Inneren seelische Erinnerungen, Erinnerungen, die im Zusammenhang stehen mit Erlebnissen, und glauben, dasjenige sei erlebt, was im Innern Ihrer Seele als Vorstellungsleben, als empfindungsdurchdrungene Vorstellungen in bildhafter Art auftaucht. Sie können genau unterscheiden, ich möchte sagen die feine, zarte webende Art des Seelischen, das Sie erkennen; und Sie können es beziehen auf das robuste äußere Physische des Lebens, auf das es eben zu beziehen ist. Aber wie wäre es, wenn einmal das Folgende eintreten würde? Wenn plötzlich in der Seele etwas auftauchen würde, wovon Sie sich sagen: Ja, wo kommt denn das her? So etwas habe ich niemals erlebt. Sie werden nicht früher ruhen, bis Sie dasjenige, was da in Ihrer Seele aufgetaucht ist, was so auftritt wie eine Erinnerung, bis Sie das auf ein bestimmtes Erlebnis beziehen können, dann werden Sie ruhig sein. Und Sie beziehen immer dasjenige, was ein feines webendes, geistseelisches Weben im Innern ist, das beziehen Sie auf ein robustes Materielles in der Außenwelt, mit der Sie in Beziehung gestanden haben.

[ 66 ] Consider this—my esteemed audience— you look within yourselves; you find within your inner being spiritual memories—memories connected to experiences—and believe that what appears within your soul as a life of imagination, as images imbued with feeling, is something you have actually experienced. You can distinguish precisely—I would say the subtle, delicate, interwoven nature of the soul that you recognize—and you can relate it to the robust, external physical reality of life, to which it must indeed be related. But what if the following were to happen? What if something were to suddenly emerge in your soul, causing you to say to yourself: “Yes, where on earth did that come from? I’ve never experienced anything like that.” You will not rest until you can relate what has emerged in your soul—which appears like a memory—to a specific experience; only then will you be at peace. And you always relate that which is a subtle, weaving, spiritual-soul activity within to something robust and material in the external world with which you have been in relationship.

[ 67 ] Jetzt, der inspirierten Erkenntnis gegenüber, da ist es so, dass der Mensch vor seiner Seele stehen hat, ich möchte sagen das ganze Innere seines Organismus mit allen einzelnen Organen, mit den Kräften, die diese Organe zusammensetzen, Lunge, Leber, alles ist da; der Mensch durchschaut sie gerade als physisches Wesen innerlich. Nur erscheint ihm dieses Physische in der neueren Zeit geistiger durchsetzt, aber es ist die physische Organisation. Und das ist so, wie wenn wir lauter Erinnerungen hätten — damit können wir es vergleichen —, von denen wir nicht wissen, auf was sie sich beziehen. Aber wir können lernen, auf was sich das, was uns da in unserem eigenen Organismus entgegentritt, auf was sich das bezieht in der Außenwelt. Wir lernen nämlich, indem wir uns das leere Bewusstsein angeeignet haben, die Außenwelt in einer neuen Gestalt sehen.

[ 67 ] Now, when it comes to inspired insight, the situation is this: the human being stands before his own soul—I would say the entire inner being of his organism, with all its individual organs and the forces that compose these organs—lungs, liver, everything is there; the human being perceives them inwardly precisely as a physical being. It is just that, in more recent times, this physical aspect appears to him to be permeated by the spiritual, but it is the physical organization. And this is like having a multitude of memories—we can compare it to that—of which we do not know what they refer to. But we can learn what that which confronts us within our own organism refers to in the external world. For once we have acquired this empty consciousness, we learn to see the external world in a new form.

[ 68 ] Sehen Sie, meine sehr verehrten Anwesenden, durch unsere physische Anschauung, auch durch die physische Wissenschaft — Astronomie, Astrophysik, Astrochemie —, wir sehen die physische Sonne in einer mehr oder weniger genaueren oder ungenaueren Kontur. Das ist aber nicht das Vollständige der Sonne, so wie dasjenige, was wir mit physischen Augen sehen, nicht das Vollständige in dem Menschen ist. In dem Augenblicke, wo leeres Bewusstsein hergestellt ist, sehen wir ja außerdem, was sich dem äußeren Auge in der äußeren Wissenschaft darbietet, gewissermaßen ein Sonnenhaftes, das durch den ganzen uns zugänglichen Raum webt und west als Kraftgestaltung, das sich da physisch konzentriert, aber dass es sich ja verbreitet. Wir sehen in dem ganzen uns zugänglichen Raum ein Sonnenhaftes.

[ 68 ] You see, my esteemed audience, through our physical perception—and also through physical science—astronomy, astrophysics, astrochemistry—we see the physical sun with a contour that is more or less precise or imprecise. But that is not the whole of the sun, just as what we see with our physical eyes is not the whole of the human being. At the moment when empty consciousness is established, we also perceive—in addition to what presents itself to the outer eye in external science—something sun-like, so to speak, that weaves through the entire space accessible to us and exists as a force-formation; it concentrates physically there, yet it also spreads out. We perceive something sun-like throughout the entire space accessible to us.

[ 69 ] Und dieses Sonnenhafte, das erkannt wird erst durch das leere Bewusstsein in inspirierter Erkenntnis als ein lebendiges Wesen, dieses Sonnenhafte, das stellt sich in einer merkwürdigen Weise mit dem, was wir von uns selbst erkennen, zusammen, wenn wir einem Menschen gegenübertreten. Wir nehmen mit äußeren Sinnen seinen physischen Leib wahr. Dann ist gewissermaßen dasjenige, was sein physischer Leib ist als Ausbreitung, das ist zusammengefasst in seinem Seelischen. Wir müssen uns das Seelische wie ein Konzentriertes des räumlich Ausgedehnten vorstellen; indem wir in die äußere große Natur, in den Kosmos schauen, sind die Bedingungen entgegengesetzt. Da ist zum Beispiel das Leibliche der Sonne, das Zusammen-Konzentrierte, und das Geistige, das ist jetzt das weit im Raume Ausgedehnte. Aber wir nehmen es wahr. Wie wir den physischen Leib des Menschen mit den äußeren Sinnen als das weite Ausgedehnte wahrnehmen, und als das Konzentrierte nur in der Seele auffassen, so nehmen wir das mit der Sonne wahr als äußere Offenbarung; und wir nehmen wahr ein inneres konfiguriertes Leben und Weben durch den ganzen uns zugänglichen Raum, [ein] sich erstreckendes Kraftendes des Sonnenhaften. Wir verfolgen, wie es sich hineinlebt in das Mineralische, Pflanzliche, Tierische und auch in das physische Menschenleben. Wir fangen jetzt an, etwas Gewisses in unserem Herzen, in unserer Lunge, das wir erst geschaut haben durch inspirierte Erkenntnis, auf das Sonnenhafte zu beziehen.

[ 69 ] And this solar quality—which is recognized only through empty consciousness in inspired insight as a living being—this solar quality merges in a remarkable way with what we recognize in ourselves when we encounter another human being. We perceive their physical body with our external senses. Then, in a sense, what their physical body is—as an extension—is summarized in their soul. We must imagine the soul as a concentrated form of what is spatially extended; when we look out into the vast external nature, into the cosmos, the conditions are reversed. There, for example, is the physical aspect of the sun—that which is concentrated—and the spiritual aspect, which is now what is widely extended in space. But we perceive it. Just as we perceive the human physical body with our external senses as the vast, extended entity, and grasp it as the concentrated essence only in the soul, so we perceive this with the sun as an external manifestation; and we perceive an inner, structured life and weaving throughout the entire space accessible to us—an extending, forceful aspect of the solar nature. We observe how it permeates the mineral, plant, and animal realms, as well as human physical life. We now begin to relate something specific in our heart and in our lungs—which we have first perceived through inspired insight—to the solar principle.

[ 70 ] Und ebenso lernen wir das Geistige des Mondes, das Mondenhafte, erkennen, beziehen es auf etwas anderes. Wir lernen die sprießenden, sprossenden Kräfte in unserem Organismus kennen als das Sonnenhafte; wir lernen dasjenige, was Abbaukräfte sind, was Vernichtungskräfte sind, erkennen als das Mondenhafte. Wir lernen anderes im großen Kosmos auf das Innere beziehen.

[ 70 ] And in the same way, we learn to recognize the spiritual aspect of the moon—the lunar quality—and relate it to something else. We come to know the sprouting, budding forces in our organism as the solar aspect; we learn to recognize those forces that are forces of decay and destruction as the lunar aspect. We learn to relate other aspects of the great cosmos to our inner being.

[ 71 ] Nun, was lernen wir jetzt? Wir haben im gewöhnlichen Leben äußere Ereignisse robuster Natur, mit denen wir zusammenkommen; es sind die physischen Ereignisse. Sie spiegeln sich in unserem Denken, in unserem Empfinden gleichsam. Wir tragen das Geistige in uns. Äußerlich ist das robuste Physische. In Bezug auf dasjenige, was wir von dem Kosmos als Geistiges wahrnehmen, ist eben dieses Geistige da draußen, und in uns sind unsere physischen Organe. Wie unsere Vorstellungen, unsere Erinnerungsvorstellungen Abbilder sind des physischen Weltenalls, das wir erleben, so sind unsere physischen Organe — das zeigt ihre geistige Übersetzung, die wir kennenlernen — innerliche Abbilder, wenn ich jetzt den Ausdruck gebrauchen darf, physisch gewordene Abbilder desjenigen, was im großen Kosmos ausgebreitet ist. Wir lernen unsere Organe auf den großen Kosmos beziehen, auf den ganzen Kosmos beziehen, das heißt, auf den geistigen Inhalt des Kosmos. Wir wachsen mit den Rätseln unserer Seele in die Rätsel des Kosmos hinein, die wir äußerlich anschauen lernen.

[ 71 ] Well, what do we learn from this? In everyday life, we encounter external events of a robust nature; these are physical events. They are reflected, as it were, in our thinking and in our feelings. We carry the spiritual within us. Outwardly, there is the robust physical. In relation to what we perceive as spiritual from the cosmos, this very spiritual is out there, and within us are our physical organs. Just as our ideas and our memories are reflections of the physical universe we experience, so too are our physical organs—as their spiritual interpretation, which we are coming to know, reveals—inner reflections, if I may use the term, or reflections made physical of that which is spread out in the great cosmos. We learn to relate our organs to the great cosmos, to the entire cosmos—that is, to the spiritual content of the cosmos. We grow, through the mysteries of our soul, into the mysteries of the cosmos, which we learn to observe from the outside.

[ 72 ] Nun müssen wir zu den Gedankenübungen, und ich möchte sagen zu jenem Übergang von den Gedankenübungen zu etwas anderem — den ich charakterisiert habe in dem leeren Bewusstsein —, wir müssen hinzufügen die Willensübungen.

[ 72 ] Now we must turn to the mental exercises, and I would like to say that to that transition from the mental exercises to something else—which I have characterized as empty consciousness—we must add the exercises of the will.

[ 73 ] Eine einfachste Willensübung — meine sehr verehrten Anwesenden — kann noch mit dem Vorstellen und Denken vollzogen werden. Sie wird dadurch vollzogen, dass wir das ausführen, was ich Rückwärtsdenken nennen möchte. Es kann jeder in einer einfachen Weise diese Übungen ausführen, indem er abends sich die Ereignisse das Tages, rückwärts, in rückwärtiger Folge, vor die Seele führt, vor der Seele vorüberziehen lässt; zuerst dasjenige, was vor dem Schlafengehen war, dann etwas, was etwas vorher war, und so weiter zurück, bis zur Morgenzeit, in möglichst kleinen Partien. Man kann auch ein besonderes Interesse empfinden, man hat ein besonderes Interesse von dem Ereignis, man hat ein besonderes Interesse für die Vorgänge des fünften bis zum ersten rückerlebten [realen Vorgang]!

[ 73 ] The simplest exercise of the will—my esteemed audience—can still be performed through imagination and thought. It is carried out by doing what I would like to call “reverse thinking.” Anyone can perform these exercises in a simple way by recalling the events of the day in the evening—in reverse order—and letting them pass before one’s mind; first what happened before going to sleep, then something that happened a little earlier, and so on backward until morning, in as small segments as possible. One can also feel a special interest—one has a special interest in the event, one has a special interest in the events from the fifth to the first [real event] relived!

[ 74 ] Was wird denn erreicht durch solche realen Vorgänge? Es ist das, trotzdem es so aus dem Vorstellen entspringt, eine Willensübung. Wir überlassen uns sonst, indem wir vorstellen, der äußeren Folge der Tatsachen. Wir entwickeln unser Seelenleben an dem Faden der äußeren Vorgänge, der äußeren Tatsachen. Jetzt widersetzen wir uns mit unserem Vorstellen dem, was da als Folge der äußeren Tatsachen da ist. Wir kehren den Gedanken um. Dazu ist eine starke Kraft anzuwenden, eine starke Kraftanwendung notwendig, eine stärkere Kraft, als wir sie sonst anwenden. Der Wille rückt nach und nach aus unserem Denken heraus.

[ 74 ] What, then, is achieved through such real processes? It is—even though it arises from imagination—an exercise of the will. Otherwise, when we imagine, we leave ourselves at the mercy of the external sequence of events. We develop our inner life along the thread of external events, of external facts. Now, through our imagination, we resist what is there as a consequence of external facts. We reverse the thought. This requires the application of a strong force—a strong exertion of will—a force greater than we usually apply. The will gradually withdraws from our thinking.

[ 75 ] Wir können dann solche Willensübungen verstärken, wenn wir uns gewisse Gewohnheiten, die wir haben, nach und nach abgewöhnen, in andere verwandeln. Wenn wir noch weiter gehen; wenn wir uns zum Beispiel sagen in einem bestimmten Lebensalter: Du willst dir jetzt etwas angewöhnen, was für dich wie eine Temperament-Eigenschaft, wie eine ganz intime, innere, festsitzende Gewohnheit ist. Du wirst jahrelang brauchen, bis es etwas Selbstverständliches wird in [dir], aber du willst täglich arbeiten an dir. Wenn man so sich in die Hand nimmt, wenn man wirklich etwas, was aus dem Gedanken heraus entspringt, dann dem Willen einverleibt, dann wird der Wille etwas ganz anderes! Und dann tritt dasjenige ein — es ist scheinbar nur ein Vergleich, aber es stellt durchaus eine Wirklichkeit dar, meine sehr verehrten Anwesenden. Wodurch ist denn unser Auge hineinorganisiert in der Weise, wie es ist, sodass es zum Sehen dienen kann? Dadurch, dass sich die eigene Substanz des Auges nicht geltend macht, dass das Auge gewissermaßen selbstlos in unsern Organismus eingeschaltet ist. In dem Augenblicke, wo das Auge zum Beispiel in der Starkrankheit seine eigene Substanzialität geltend macht, können wir nicht mehr sehen! Das Sehen — und so ist es auch bei den anderen Sinnen —, das Wahrnehmen ist nur dadurch möglich, dass das Organ des Wahrnehmens seine eigene Materialität ausschaltet, dass es gewissermaßen selbstlos wird.

[ 75 ] We can strengthen these exercises of the will by gradually breaking certain habits we have and transforming them into others. If we go even further—if, for example, at a certain stage in life we tell ourselves: You now want to cultivate something that is, for you, like a trait of your temperament, like a very intimate, inner, deeply ingrained habit. It will take you years before it becomes second nature to [you], but you want to work on yourself every day. When you take matters into your own hands in this way—when you truly incorporate something that springs from thought into your will—then the will becomes something entirely different! And then this happens—it may seem like just a comparison, but it certainly represents a reality, my esteemed audience. How is our eye organized in such a way that it can serve the purpose of seeing? It is because the eye’s own substance does not assert itself; the eye is, so to speak, selflessly integrated into our organism. The moment the eye—for example, in the case of severe illness—asserts its own substantiality, we can no longer see! Seeing—and the same is true of the other senses—perception is possible only because the organ of perception sets aside its own materiality, becoming, so to speak, selfless.

[ 76 ] Nun werde ich gewiss nie behaupten — selbstverständlich nicht —, dass unser ganzer Organismus gegenüber dem gewöhnlichen Leben oder der gewöhnlichen Wissenschaft etwas Krankes sei. Aber dieser gewöhnliche Organismus, den wir im Erdenleben an uns tragen, er ist ja eingerichtet für das äußere alltägliche Leben, für das gewöhnliche, alltägliche Bewusstsein. Dafür ist er sehr gesund; nicht aber für das höhere Erleben, nicht aber für das Eindringen in die übersinnliche Welt. Da nimmt er sich aus wie ein starkrankes Auge und er wird im Gegenteil, möchte ich sagen noch undurchsichtiger, wenn wir bloß Gedankenübungen ausführen. Durch diese Gedankenübungen wird uns ja gerade dasjenige, was unser Herz, unsere Lunge ist, erst recht wie ein äußerer Gegenstand, undurchsichtig. Durch die Willensübungen kommt zu diesem Undurchsichtigwerden auf der anderen Seite ein Durchsichtigwerden hinzu. Es kommt, dass wir nach und nach wirklich wahrnehmen, was da geschieht zwischen der Absicht, den Arm, die Hand zu heben, und dem schließlichen Effekt. Dasjenige, was wie im Schlafe versenkt zwischen dem Gedanken und wieder dem Gedanken ist, dasjenige, was da als Wille in den Organismus hinuntergeht, das wird ergreifbar für die Wahrnehmung.

[ 76 ] Now, I will certainly never claim—of course not—that our entire organism is in some way diseased in relation to ordinary life or ordinary science. But this ordinary organism that we carry within us in our earthly life is, after all, designed for external, everyday life, for ordinary, everyday consciousness. For that, it is very healthy; but not for higher experience, not for penetrating the supersensible world. There it appears like a severely diseased eye, and, on the contrary, I would say, it becomes even more opaque when we merely perform mental exercises. Through these mental exercises, precisely that which is our heart and our lungs becomes, more than ever, like an external object—opaque. Through the exercises of the will, this opacity is counterbalanced, on the other hand, by a growing transparency. It happens that, little by little, we truly perceive what is taking place between the intention to raise the arm or hand and the final effect. That which lies submerged, as if in sleep, between the thought and the thought again—that which descends into the organism as will—becomes graspable to perception.

[ 77 ] Dadurch aber wird der Organismus — natürlich im geistig-seelischen Sinne, nicht so wie bei dem Auge, sondern im geistig-seelischen Sinne —, der ganze Organismus wird geistig-seelisch durchsichtig. Der Mensch wird geistig-seelisch ein einziges Sinnesorgan. So entwickelt der Mensch — ich möchte sagen — nach einer Seite hin die Undurchsichtigkeit, indem er seine Organe kennenlernt und diese auf den Kosmos beziehen lernt. Und auf der anderen Seite entwickelt er auch, indem er willkürlich von dem einen zu dem andern übergehen kann — darauf kommt es an —, die Durchsichtigkeit seines ganzen Organismus.

[ 77 ] But as a result, the organism—in the spiritual-soul sense, of course, not as with the eye, but in the spiritual-soul sense—the entire organism becomes spiritually and soulfully transparent. The human being becomes, in a spiritual and soulful sense, a single sense organ. Thus, the human being—I would say—develops opacity on one hand by getting to know his organs and learning to relate them to the cosmos. And on the other hand, by being able to move at will from one to the other—and that is what matters—he also develops the transparency of his entire organism.

[ 78 ] Und wenn er die Durchsichtigkeit seines Organismus entwickelt, dann — meine sehr verehrten Anwesenden — ist in höchstem Grade dasjenige im geistig-seelischen Sinne entwickelt, was sonst in der physischen Welt auftritt als die Entfaltung der Liebe, jener Liebe, die ja auch allen unseren wirklich freien Handlungen zugrunde liegt, wie ich es ja zusammengefasst habe für die moralische Welt — dargestellt in meiner «Philosophie der Freiheit» bereits im Beginn der Neunzigerjahre — und die dasjenige im geistigen Leben zeigt, was als Charakteristikum für die Ethik, für die Moral von Bedeutung ist. Ich habe diese besondere Hinneigung des Willens zu der Tätigkeit, die in Liebe sich entfaltet, eben da von seinem ethischen Gesichtspunkte geschildert; jetzt habe ich es zu schildern von dem Erkenntnisgesichtspunkte aus.

[ 78 ] And when he develops the transparency of his organism, then—my esteemed audience—that which otherwise appears in the physical world as the unfolding of love—that love which, after all, underlies all our truly free actions, as I have summarized for the moral world — as presented in my *Philosophy of Freedom* as early as the beginning of the 1890s — and which reveals in spiritual life what is significant as a characteristic of ethics and morality. I have described this particular inclination of the will toward the activity that unfolds in love from its ethical perspective; now I must describe it from the perspective of knowledge.

[ 79 ] Dadurch aber gelangt der Mensch dazu, nun wirklich frei zu werden mit seinem Willen von seinem physischen Organismus, wie er frei ist im Sehen von seinem Auge. Er schaut geistig-seelisch durch seinen physischen Organismus durch. Und er schaut in die geistig-seelische Welt hinein, dass er in ihr steht, wie er in der physischen durch seine Sinne steht auf physische Weise. Er lernt sich einleben in die intuitive Erkenntnis, die in der Realität des Geistigen nunmehr drinnensteht.

[ 79 ] Through this, however, the human being comes to become truly free with his will from his physical organism, just as he is free from his eye when he sees. He looks through his physical organism with his spirit and soul. And he looks into the spiritual-soul world, standing within it just as he stands within the physical world through his senses in a physical way. He learns to immerse himself in the intuitive knowledge that now lies within the reality of the spiritual.

[ 80 ] Nun, als das nächste Erlebnis tritt das Bild auf, der Bildinhalt desjenigen, was der Mensch dann wirklich erlebt, indem er durch die Pforte des Todes schreitet. Der Mensch wurde zuerst in dieser Stufenfolge von Erkenntnis, wie ich es Ihnen geschildert habe, unabhängig von seinem physischen Leib in Bezug auf sein Denken. Dadurch erlangt er Erkenntnis von seiner Wesenheit, wie sie war vor der Geburt, beziehungsweise vor der Empfängnis. Jetzt wird er mit seinem Willen frei von diesem Leib, indem der Leib durchsichtig geistig-seelisch wird, indem der Mensch in der geistig-seelischen Welt drinnensteht. Jetzt hat er die Bild-Erkenntnis von dem realen Vorgang, der sich im Tode vollzieht, wo der Leib nicht nur durchsichtig wird, sondern abgelegt wird, übergeben wird dem Element der Erde, und das Geistig-Seelische sich mit der geistig-seelischen Welt verbindet.

[ 80 ] Now, the next experience is the image—the content of the image—of what a person truly experiences as they pass through the gate of death. In this sequence of insights, as I have described it to you, the human being first became independent of his physical body in terms of his thinking. Through this, he gains insight into his being as it was before birth, or rather, before conception. Now, through his will, he becomes free from this body, as the body becomes transparent in a spiritual-soul aspect, and the human being stands within the spiritual-soul world. Now they have a visual understanding of the actual process that takes place at death, when the body not only becomes transparent but is shed, handed over to the element of earth, and the spiritual-soul aspect unites with the spiritual-soul world.

[ 81 ] Das hat sich durch das ganze Erdenleben vorbereitet, dass in einer Wechselbeziehung stand das, was wir erblicken durch Meditation, Konzentration und leeres Bewusstsein vom Vorgeburtlichen, oder dem vor der Empfängnis Liegenden, dass sich das verbindet mit dem, was da aus dem Willen herauftaucht. Wir lernen uns einleben, wie wir in die Willensnatur des Gedankens uns eingelebt haben, so lernen wir uns einleben in die Gedankennatur des Willens; Weltengedanken gehen uns auf, jetzt nicht subjektive Gedanken, sondern diejenigen Gedanken, die aus der Welt heraus wirken. Die Welt wird uns gedanklich durchschaubar, wenn wir uns so in intuitiver Erkenntnis hineinstellen in diese Welt. Das Ereignis des Todes tritt vor uns auf, aber die Ursachen enthaltend für ein wirkliches Wissen, das gewissenhaft herangebildet worden ist und das nur derjenige verwechseln kann mit alledem, was heute als Okkultismus und dergleichen auftritt, der nicht auf dasjenige eingeht, was immer wieder und wiederum geschildert wird als die gewissenhafte Methode, durch die der Mensch aufsteigen kann zu einer seelischen Erkenntnis, die wirklich ihn herantreten lässt an das Gebiet, wo die Seelenrätsel erlebt werden, wo aber auch diejenigen Erlebnisse herankommen, die in einem gewissen Sinne tatsächlich die Antwort auf diese Seelenrätsel sind. Denn wir treten ja im Leben ein in die Tatsachen.

[ 81 ] This has been prepared throughout our entire earthly life: what we perceive through meditation, concentration, and empty consciousness of the pre-birth period—or that which lies before conception—is in a reciprocal relationship with what emerges from the will. We learn to attune ourselves—just as we have attuned ourselves to the volitional nature of thought, so we learn to attune ourselves to the thought-nature of the will; cosmic thoughts open up to us—not subjective thoughts, but those thoughts that work from within the world. The world becomes intellectually transparent to us when we place ourselves within it in this way through intuitive insight. The event of death appears before us, but it contains the causes for a true knowledge that has been conscientiously cultivated—a knowledge that only someone who confuses it with all that what appears today as occultism and the like, who does not engage with what is described time and again as the conscientious method through which a human being can ascend to a spiritual insight that truly allows them to approach the realm where the mysteries of the soul are experienced—but where also those experiences arise that, in a certain sense, are actually the answer to these mysteries of the soul. For in life we do, after all, enter into the facts.

[ 82 ] Wir mussten hinweisen auf der einen Seite auf das Ereignis, auf die Tatsache des Todes. Da verlässt die Seele den Leib, verlässt den Leib, mit dem sie verbunden war während des Erdendaseins. Der Mensch verbindet sich mit der physisch-sinnlichen Welt in ihrer Gesetzmäßigkeit. Und nach der anderen Seite entwickelt der Mensch innerlich dasjenige, wodurch sich die Seele vereint mit dem Geistigen, wie ich es geschildert habe. Da vereint sich die Seele mit dem Geistigen, und sie erlebt, wie sie, nachdem sie sich vom Leibe gelöst hat, sich mit dem Geistigen als Einheit nach dem Tode weiterentwickelt, bis sie sich heranentwickelt hat bis zu der Geburt oder — sagen [wir] — Empfängnis hin in der geistig-seelischen Welt. Und wie wir unten wirksam haben Prozesse, die einfach hineingetragen werden aus der äußeren Naturgesetzmäßigkeit, die während des Erdenlebens in die Seele heraufspielen, ihre Verfassung, ihre Stimmung bewirken, ihr Glück und ihr Unglück — wie das sich vom Innern ankündigt, so weben sich jetzt diejenigen Prozesse, wo ineinanderwirken das vorgeburtliche und das nachtodliche Element. Ebenso, wie wir abhängig sind von unserm Leib, so sind wir abhängig von unserem Geistigen. Und wie dasjenige, was im Leibe unbewusst bleibt der Seele, bis sie es wissenschaftlich erforscht, so bleibt unbewusst der Seele dasjenige, was ihr aus dem Geistigen zuströmt, ihr die Stimmung, die Verfassung, ihr Glück und ihr Unglück gibt, für das die empfängliche Menschenseele überhaupt zugänglich ist.

[ 82 ] On the one hand, we had to point out the event, the fact of death. For then the soul leaves the body—leaves the body with which it was connected during its earthly existence. Human beings are connected to the physical-sensory world through its laws. And on the other hand, human beings develop within themselves that which unites the soul with the spiritual, as I have described. There the soul unites with the spiritual, and it experiences how, after detaching itself from the body, it continues to develop as a unity with the spiritual after death, until it has developed to the point of birth—or, as we say, conception—in the spiritual-soul world. And just as we have processes at work below that are simply carried in from the laws of external nature—processes that influence the soul during earthly life, determining its state, its mood, its happiness and its misfortune—just as this manifests from within, so now those processes unfold in which the pre-birth and post-death elements interact. Just as we are dependent on our body, so are we dependent on our spiritual nature. And just as that which remains unconscious in the body to the soul until it is scientifically investigated, so too does that which flows to the soul from the spiritual realm—giving it its mood, its state of mind, its happiness and its unhappiness—remain unconscious to the soul, for which the receptive human soul is fundamentally open.

[ 83 ] Dasjenige, was ganz als Analogon unbewusst im Geistigen erlebt wird, wie das Unbewusste im Leiblichen, das spielt für die Seele und ihre Selbstständigkeit eine solche Rolle wie das Leibliche und das, was an das Leibliche geknüpft ist. Dem Tod ist ja im Grunde genommen auch etwas anderes noch ähnlich, aber doch wieder in seiner Ähnlichkeit entgegengesetzt; mit unserem physischen Körper leben wir in der äußeren Welt. Indem wir diese äußere Welt fortwährend mit den Nahrungsmitteln aufnehmen, indem wir die Gesetze, die in der äußeren Welt sind, in uns weiterwirken lassen, indem wir uns auf der anderen Seite in die geistige Welt hineinleben, nehmen wir die geistigen Gesetzmäßigkeiten in uns auf. Und es berühren sich in uns die geistigen Gesetzmäßigkeiten, die physischen Gesetzmäßigkeiten.

[ 83 ] That which is experienced entirely as an analogue in the spiritual realm—just as the unconscious is in the physical realm—plays as significant a role for the soul and its independence as the physical realm and that which is connected to it. After all, there is essentially something else that is similar to death, yet at the same time its opposite in its very similarity; with our physical body, we live in the outer world. By continually taking in this outer world through food, by allowing the laws of the outer world to continue to work within us, and by, on the other hand, immersing ourselves in the spiritual world, we take the spiritual laws into ourselves. And within us, the spiritual laws and the physical laws come into contact.

[ 84 ] Aber was ist bezüglich der physischen Gesetzmäßigkeiten der Fall? Sie sind Leben, sie sind rhythmisches Leben, sie erneuern sich fortwährend. Wir müssen jeden Tag essen. Wenn ich etwas sehr Triviales sagen darf: Wir können uns nicht zufriedengeben damit, dass wir gestern oder vorgestern oder vorvorgestern gegessen haben und uns heute daran erinnern. Das ist beim äußeren Abstrakten, für das gewöhnliche Bewusstsein vorgesehene Wissen der Fall; wir nehmen nicht an, die Erinnerung an das Essen genüge uns.

[ 84 ] But what is the case with regard to the laws of physics? They are life; they are rhythmic life; they are constantly renewing themselves. We have to eat every day. If I may say something very trivial: We cannot be satisfied with the fact that we ate yesterday or the day before yesterday or the day before that and simply remember it today. That is the case with external, abstract knowledge intended for ordinary consciousness; we do not assume that the memory of eating is enough for us.

[ 85 ] Dasjenige, was wir aus anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft aufnehmen, das ist — allerdings auf geistigem Gebiete — etwas, was so ein rhythmisches Dasein für den Menschen haben muss wie sonst das physisch Äußere, das leiblich Verlaufende. Wir können uns nicht erinnern — und uns damit zufriedengeben — an dasjenige, was wir als Anthroposophie aufnehmen, wie wir es etwa in der Chemie oder in der äußeren Wissenschaft machen können.

[ 85 ] What we take in from anthroposophically oriented spiritual science is—albeit in the spiritual realm—something that must have for human beings the same rhythmic existence as, otherwise, the physical exterior, the bodily processes. We cannot simply recall—and be satisfied with that—what we take in as anthroposophy, as we might do, for example, in chemistry or in the external sciences.

[ 86 ] Derjenige, der selbst in höchste Gebiete des Anthroposophischen hinaufgestiegen ist, der fühlt: Er muss zu dem, was für ihn Vorstellung der höheren, der übersinnlichen Welt ist, mmer wieder zurückkehren; sonst entsteht etwas in ihm wie geistiges Hungern. Das ist ein ebenso Reales. Ja, man kann sich nicht mit den gewöhnlichen Erinnerungen zufriedengeben. Wir treten wiederum in ein Reales ein, indem wir dasjenige aufsuchen, was uns zeigt, wie die Seele mit dem geistigen Leben zusammenhängt.

[ 86 ] Those who have themselves ascended to the highest realms of anthroposophy feel that they must return again and again to what for them is the conception of the higher, supersensible world; otherwise, something like a spiritual hunger arises within them. This is just as real. Yes, one cannot be satisfied with ordinary memories. We enter once again into a realm of reality by seeking out that which shows us how the soul is connected to spiritual life.

[ 87 ] Das — meine sehr verehrten Anwesenden — ist dasjenige, was Anthroposophie zu sagen hat über Seelenrätsel, wenigstens der Anfang, möchte ich sagen. Ich musste ja nur in der kurzen Zeit eines Vortrages skizzieren, wie Anthroposophie hineintaucht in das Gebiet der Seelenrätsel, wie sie tatsächlich zeigt, nicht nur festhält an dem alltäglichen Leben, sondern wie sie hinausweist über Geburt und Tod, wie sie hinausweist in eine übersinnliche Welt, der die Seele mit ihrem ewigen Wesenskern so angehört, wie sie der physisch-sinnlichen Welt angehört mit ihrem Leiblichen. Der Mensch lernt, indem er die Tatsache des Todes ins Auge fasst, die Realität der anthroposophischen Erkenntnis durchschauen, und damit in den anthroposophischen Versuchen, oder sagen wir Anfang einer Seelenrätsel-Lösung, etwas zu erringen, was ihm eine wirklich, immer wieder und wieder notwendige geistige Nahrung wird.

[ 87 ] That—my esteemed audience—is what anthroposophy has to say about the mysteries of the soul; at least the beginning, I would say. In the short time allotted for this lecture, I could only sketch how anthroposophy delves into the realm of the mysteries of the soul, how it actually demonstrates—rather than merely clinging to everyday life—that it points beyond birth and death, into a supersensible world to which the soul, with its eternal core, belongs just as it belongs to the physical-sensory world through its physical body. By facing the fact of death, the human being learns to perceive the reality of anthroposophical knowledge and, through anthroposophical endeavors—or, let us say, the beginning of a solution to the mysteries of the soul—to attain something that becomes for him a true spiritual nourishment, necessary time and time again.

[ 88 ] Damit aber entsteht ein Wissen, das Lebendigkeit hat. Und Anthroposophie ist dadurch die Grundlage für ein Wissen, das Lebendigkeit hat, das nicht ein totes, für die bloße Erinnerung geltendes Wissen ist. Dadurch entsteht aber aus Anthroposophie auch dasjenige, was dem Leben etwas sein kann. Aber ich brauche nur auf das eine Gebiet hinzuweisen, auf die von Emil Molt in Stuttgart begründete, von mir geleitete Waldorfschule in Stuttgart, wo Unterricht erteilt wird, wo Erziehung gepflegt wird ganz im Sinne einer solchen Menschenerkenntnis, wie sie der Anschauung des ganzen, vollen Mensch auch schon im Kinde hervorgehen kann. Nicht suchen wir dies zu verwirklichen in der äußeren Übertragung einer Weltanschauung. Wir lehren nicht anthroposophische Weltanschauung. Für Kinder taugt sie nicht in der Gestalt, wie sie heute vorhanden ist. Aber dasjenige, was sich ergibt aus der anthroposophisch orientierten Weltanschauung für den Unterricht und die Erziehung, ist ein wirkliches Eingehen auf die kindliche Wesenheit, ist ein wirkliches Eingehen auf die wahre Wesenheit des Menschen.

[ 88 ] This, however, gives rise to a form of knowledge that is alive. And anthroposophy is thus the foundation for a form of knowledge that is alive—one that is not a dead form of knowledge valid only for mere recollection. Through this, anthroposophy also gives rise to that which can be of significance to life. But I need only point to one area: the Waldorf School in Stuttgart, founded by Emil Molt and directed by me, where instruction is provided and education is carried out entirely in the spirit of an understanding of the human being that can already emerge in the child through a view of the whole, complete human being. We do not seek to realize this through the external transmission of a worldview. We do not teach the anthroposophical worldview. In its current form, it is not suitable for children. But what emerges from the anthroposophically oriented worldview for teaching and education is a genuine engagement with the child’s being, a genuine engagement with the true nature of the human being.

[ 89 ] Was braucht man gerade in der heutigen Erziehung, die die Menschheit wird entwickeln müssen? Die Menschheit wird sich in einer ganz anderen Weise noch hineinstellen müssen in die großen Aufgaben des Lebens, als das heute schon der Fall ist. Die Menschheit wird sich noch in ganz anderer Weise hineinstellen müssen in die immer größer werdenden Aufgaben des Lebens in der Erziehung und dem Unterricht, als es die Menschen heute schon imstande sind.

[ 89 ] What, specifically, does education today—which humanity will have to develop—require? Humanity will have to approach the great tasks of life in a completely different way than is already the case today. Humanity will have to approach the ever-increasing challenges of life in education and teaching in a completely different way than people are capable of today.

[ 90 ] Und so viel man haben kann — meine sehr verehrten Anwesenden — gegen den Dornacher Bau, in ihm ist doch gezeigt, wie im Künstlerischen dasjenige sich auswirken kann, was sonst mit Worten als ein Weltanschauungsinhalt vorgeführt wird! Meine sehr verehrten Anwesenden! Ich möchte immer wieder den Vergleich gebrauchen: Nehmen Sie eine Nuss, und nehmen Sie ihre Schale. In der Nussschale, in ihren Biegungen und Krümmungen, da haben Sie dieselben Gesetze, dieselben Formbildungen wirksam wie in dem Nusskern selber. Die anthroposophische Weltanschauung macht es ebenso notwendig, wie es bei der Nuss notwendig ist, ihre äußere Schale dem Nusskern entsprechend zu bilden, irgendeine entsprechende äußere Umrahmung zu haben. Sie hätte nicht [bloß] eine äußere Hülle haben können. Es hätte nicht so äußerlich wirken können etwas, das nicht so wirkt, dass es innerliches Leben in sich trägt. Nicht irgendein Baumeister hätte vielleicht einen guten Bau aufführen können; das konnte nicht sein bei dem, was wir entwickeln als anthroposophisch orientierte Weltanschauung.

[ 90 ] And no matter how much one may object—ladies and gentlemen—to the Dornach building, it nevertheless demonstrates how, in the realm of art, that which is otherwise presented in words as the content of a worldview can take effect! Ladies and gentlemen! I would like to use this comparison again and again: Take a nut, and take its shell. In the nut shell, in its bends and curves, you find the same laws, the same formative forces at work as in the nut kernel itself. The anthroposophical worldview makes it just as necessary—as it is with the nut to form its outer shell in accordance with the kernel—to have some corresponding outer framework. It could not have had [merely] an outer shell. Something that does not carry inner life within itself could not have appeared so outwardly. Not just any architect could perhaps have erected a good building; that could not be the case with what we are developing as an anthroposophically oriented worldview.

[ 91 ] Was gewollt ist vom bloßen Leben zum guten Sehen, was als echte Formen, was als echte künstlerische Formen einem entgegentritt, entgegentritt im Malerischen, im Plastischen, es muss, trotzdem es künstlerisch bleibt, kein einziges Symbolum, keine einzige Allegorie enthalten, sondern alles ist ins Künstlerische ausgeflossen; es muss aber dasselbe auswirken, was sonst vom Goetheanum aus in Worten dargestellt wird. Dasjenige, was dort in Dornach auf der Bühne dargestellt wird, es ist nur ein anderes, in künstlerischer Weise Gesprochenes für dasjenige, was lebt, wenn es Wort werden will, um als Weltanschauungswort vor die Welt hinzutreten.

[ 91 ] What is intended—moving from mere life to true vision—what confronts us as genuine forms, as genuine artistic forms, whether in painting or in sculpture, must, even while remaining artistic, contain not a single symbol, not a single allegory; rather, everything has flowed into the artistic; yet it must have the same effect as what is otherwise presented in words at the Goetheanum. What is presented there on stage in Dornach is merely another way—expressed artistically—of conveying what lives within us when it seeks to become word, in order to step forth before the world as a word of worldview.

[ 92 ] Das aber, was so hineinführt in spirituelle, übersinnliche Welten, indem es ausgeht von einem ebenso klaren methodischen Denken und methodischen Forschen wie nur jemals eine äußere Wissenschaft, das, was so in das Übersinnliche hineinführt, das liefert nun nicht nur eine Grundlage für ein lebendiges Wissen, für eine lebendige Wissenschaft, nicht nur eine schöpferische Kraft für künstlerisches Gestalten, und künstlerisches Genießen.

[ 92 ] But that which leads us into spiritual, supersensible worlds—by proceeding from thinking and research that are just as clear and methodical as any external science—that which leads us into the supersensible—provides not only a foundation for living knowledge, for a living science, but also a creative force for artistic creation and artistic enjoyment.

[ 93 ] Man mag noch so viel haben gegen Dornach und seinen Stil — ich bin selbst der strengste Kritiker, man würde manche Sachen ein zweites Mal nicht wieder so bauen —, man lernt erst an der Praxis; aber darauf kommt es nicht an, sondern es kommt auf das Wollen an! Darauf kommt es an, dass man wirklich auch aus einer lebendigen Weltanschauung einem lebendigen Kunststil zustreben kann, sodass die äußere Umhüllung innerhalb der Welt wirkt nach denselben Gesetzen, wie die Nussschale nach der Nuss und wie der Nusskern auch eine äußerliche entsprechende Hülle hat. Wie äußerlich wäre irgendein alter Baustil gegenüber einer Weltanschauung, die jetzt herausgeboren wird aus dem unmittelbaren Drängen und unmittelbaren Sehnen der Gegenwartsmenschheit! Aber ein solches Streben muss zugleich hineinführen in die tiefsten Grundlagen des menschlichen Wesens.

[ 93 ] No matter how much one may object to Dornach and its style—I myself am its harshest critic; there are some things one would not build that way a second time—one only learns through practice; but that is not what matters; what matters is the will! What matters is that one can truly strive toward a living artistic style based on a living worldview, so that the outer shell within the world functions according to the same laws as the nut shell does for the nut, and just as the nut kernel also has a corresponding outer shell. How superficial any old architectural style would be in comparison to a worldview that is now being born out of the immediate urges and longings of contemporary humanity! But such a striving must at the same time lead into the deepest foundations of the human being.

[ 94 ] Das, was ich zuletzt erwähne, ist nicht das Letzte, und man sollte eigentlich glauben, dass diejenigen, die Ööffentliche Vertreter sind der Religionsbekenntnisse, nicht sehen würden irgendeine Gegnerschaft in der Anthroposophie, sondern geradezu eine Hilfe. Denn die Menschen sind nun einmal bis in das populärste Wissen hinein, bis in die einfachsten Gemüter hinein heute von demjenigen [geprägt], was die populäre Wissenschaft gibt. Und es muss dasjenige gemessen werden, was den Inhalt des Übersinnlichen darstellt, es muss gemessen werden an der Erziehung der Menschheit. Heute schon in der Schule wird nach den Denkgewohnheiten, Denkmethoden der äußeren Wissenschaft gearbeitet. Da wird immer mehr und mehr erschlagen auch der Zusammenhang des Menschen mit dem Übersinnlichen. Man wird immer mehr und mehr das religiöse Leben versinken lassen, wenn es nicht eine neue Grundlage erhielte, wenn es nicht erhielte die Stütze durch ein Wissen, durch ein beweisbares Wissen von der übersinnlichen Welt.

[ 94 ] What I mention last is not the least important point, and one would actually expect that those who are public representatives of religious denominations would not see any opposition in anthroposophy, but rather a source of help. For people today—even down to the most common knowledge and the simplest minds—are shaped by what popular science has to offer. And what constitutes the content of the supersensible must be measured against the education of humanity. Even in schools today, teaching is based on the habits and methods of thinking characteristic of external science. As a result, the connection between human beings and the supersensible world is being increasingly severed. Religious life will continue to decline unless it is given a new foundation, unless it receives support through knowledge—through verifiable knowledge of the supersensible world.

[ 95 ] Daher sollten die Vertreter der Religionsbekenntnisse hinschauen auf die Anthroposophie wie auf eine Helferin, die gerade dasjenige, was sie am meisten sollte stützen wollen, eben ihrerseits so stützen will, wie es die Menschheit der Gegenwart wird immer mehr und mehr gestützt sehen wollen. Derjenige ist wahrhaftig ein kleinmütiger Christ, der nicht einsieht, dass ihm sein Christentum erst richtig gestützt wird durch Anthroposophie in der Gegenwart; nicht mehr durch dasjenige, was sich traditionell fortpflanzt, sondern durch das lebendige Anschauen des Mysteriums von Golgatha, zu dem wir hinkommen, wenn wir übergehen von solcher Lösung der Seelenrätsel, wie wir sie heute vor unsere Seelen hingestellt haben, in die Tiefen des religiösen Lebens.

[ 95 ] Therefore, representatives of various religious denominations should view anthroposophy as a helper who seeks to support precisely what they themselves most wish to support—in the very way that contemporary humanity will increasingly want to see such support provided. Truly, a Christian is faint-hearted who fails to realize that his Christianity is only truly supported in the present day by anthroposophy; no longer through what is traditionally handed down, but through the living contemplation of the Mystery of Golgotha, to which we arrive when we move from such a solution to the mysteries of the soul—as we have set before our souls today—into the depths of religious life.

[ 96 ] Belebung des religiösen Empfindens, Denkens und Fühlens, das ist dasjenige, was als Drittes hervorgehen soll aus jener Weltanschauung, die sich als Anthroposophie vor die Welt hinstellt, die nicht bloß denken will, die innerlich mit allen Seelenkräften in dem Menschen lebendig werden will, die einen inneren, geistigen Menschen zu dem äußeren, leiblichen Menschen für das eigene Bewusstsein erfassbar machen will.

[ 96 ] Revitalization of religious sentiment, thought, and feeling—this is what is to emerge as the third aspect of that worldview which presents itself to the world as anthroposophy, a worldview that does not merely seek to think, but seeks to come alive inwardly through all the soul forces within the human being, and seeks to make the inner, spiritual human being perceptible to one’s own consciousness alongside the outer, physical human being.

[ 97 ] Dadurch aber wird Anthroposophie — so unvollkommen sie heute noch ist —, sie ist im Anfange, und ich bin der Erste, der die Unvollkommenheit zugesteht, ich bin aber auch derjenige, der alle diejenigen Kritiken, die heute geschrieben werden, selber schreiben könnte. Denn derjenige, der sich getraut, solche Dinge heute zu sagen vor der Welt, wie auch die Dinge, die heute vor Ihnen hier gesagt wurden, der weiß auch, was dagegen eingewendet werden kann, und er braucht nicht abzuwarten dasjenige, was von dieser oder jener Seite als ein Urteil auftritt, aus dem Bewusstsein, das noch nicht eingehen will auf die Anthroposophie. Neues wird ihm durchaus nicht entgegengebracht aus den Urteilen, die doch zumeist aus Unverständnis hervorgehen! Ich will das aus dem Grunde sagen, um zu zeigen, dass derjenige, der drinnensteht in der Anthroposophie, wie sie hier gemeint ist, nicht überrascht sein könnte von demjenigen, was einem da entgegentritt!

[ 97 ] But this is what makes anthroposophy—as imperfect as it still is today—it is in its infancy, and I am the first to admit its imperfections; yet I am also the one who could write all the critiques that are being written today myself. For anyone who dares to say such things to the world today—as well as the things that have been said here before you today—also knows what objections can be raised against them, and need not wait for judgments to emerge from this or that quarter, arising from a consciousness that is not yet willing to engage with anthroposophy. Nothing new is offered to him by these judgments, which, after all, mostly stem from a lack of understanding! I say this to show that anyone who is deeply immersed in anthroposophy, as it is understood here, cannot be surprised by what they encounter!

[ 98 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Wenn Bewusstsein, das nicht eingeht auf Anthroposophie, recht hätte, dann brauchte man keine Anthroposophie. Wenn Anthroposophie ohne Weiteres heute es allen recht machen könnte, dann brauchte sie gar nicht aufzutreten! Sie strebt nicht darnach, dass ihr ohne Weiteres heute recht gegeben wird, denn sie spricht zu viel tiefer in der Seele liegenden Kräften; und sie weiß doch: Auch bei denjenigen, die widersprechen sogar, sind diese sehnenden, treibenden Kräfte nach einer wissenschaftlichen, nach einer künstlerischen, nach einer religiösen Vertiefung vorhanden.

[ 98 ] Ladies and gentlemen! If a way of thinking that does not engage with anthroposophy were correct, then there would be no need for anthroposophy. If anthroposophy could simply please everyone today, then there would be no need for it to exist at all! It does not strive to be accepted without further ado today, for it speaks to forces lying much deeper within the soul; and yet it knows: even among those who disagree, these yearning, driving forces toward scientific, artistic, and religious deepening are present.

[ 99 ] Neue Wege werden auf allen drei Gebieten aufgesucht. Anthroposophie kennt die Schwächen, von denen das Heute noch behaftet ist. Sie möchte aber durchaus sein — lassen Sie mich das zum Schlusse noch aussprechen, sehr verehrte Anwesende, durch ihre besondere Forschungsmethode, durch das Leben, das sie in der Seele hervorruft infolge dieser Forschungsmethode, durch die Vertiefung, zu der sie Empfinden und Kunsterkenntnis im Menschen bringen kann —, sie möchte dadurch sein eine Grundlegung einer geistigen Wissenschaft. Sie möchte sein dasjenige, was den Menschen hinführt zu dem Schöpferischen des künstlerischen Schaffens und künstlerischer Gesinnung. Und sie möchte endlich sein dasjenige, was ausbildet innerlich einen starken, seelenhaften, geisterfüllten Träger auch des religiösen Lebens.

[ 99 ] New paths are being explored in all three areas. Anthroposophy is aware of the weaknesses that still plague the present day. But it certainly aspires—let me say this in conclusion, esteemed audience—through its unique method of research, through the life it awakens in the soul as a result of this method, and through the deepening it can bring to human feeling and artistic understanding—it aspires thereby to be the foundation of a spiritual science. It seeks to be that which leads human beings to the creative aspect of artistic creation and artistic sensibility. And finally, it seeks to be that which develops within the human being a strong, soulful, spirit-filled vessel for religious life as well.

[ 100 ] Wenn sie sich bemüht, nach diesen drei Richtungen hin zu arbeiten, dann darf sie vielleicht glauben, dass sie gerade im Sinne der bedeutsamsten heutigen Zeitforderungen arbeitet.

[ 100 ] If she strives to work toward these three goals, then perhaps she may believe that she is working in line with the most significant demands of our time.