What was the Purpose of the Goetheanum and of Anthroposophy?
GA 84
22 April 1923, Dornach
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What was the purpose of the Goetheanum, and of Anthroposophy?, tr. SOL
6. Die menschliche Erkenntnisfähigkeit in der ätherischen Welt
6. Human Cognitive Abilities in the Etheric World
[ 1 ] In diesen letzten Tagen versuchte ich den Menschen hineinzustellen in das ganze Universum, so daß man auf der einen Seite die Gliederung des Menschen erkennt nach dem physischen Leib, dem ätherischen oder Bildekräfteleib, dem astralischen Leib und dem eigentlichen Ich, das von Erdenleben zu Erdenleben geht. Zugleich aber versuchte ich darauf hinzuweisen, wie die Glieder der menschlichen Wesenheit, jedes in anderer Weise, zusammenhängen mit dem Universum. So kann man sagen, hängt der physische Leib des Menschen zusammen mit alledem, was physisch-sinnliche irdische Welt ist. Dieser physische Leib des Menschen gehört also der physisch-sinnlichen Welt an. Wollen wir aber an den ätherischen oder Bildekräfteleib herangehen, dann müssen wir uns bewußt sein, daß dieser eigentlich einer ganz andersartigen Welt angehört, daß er derjenigen Welt angehört, die selbst ätherisch ist, und von der ich Ihnen gesagt habe, daß eigentlich der Mensch sie empfinden muß als aus den Weiten des Kosmos an sich herankommend. Wenn man also sich etwa vorstellt: Die Kräfte der Erde verbreiten sich von der Erde aus nach allen Seiten, und der Mensch lebt innerhalb dieser Kräfte, die die Kräfte der physischen Welt sind, dann müssen wir uns vorstellen, daß die ätherische Welt von allen Seiten, von der ganzen Kugelschale des Weltalls, des Kosmos ausgeht und gegen die physischen Kräfte, diesen also entgegenkommend, an den Menschen herantritt. Dadurch ist der Ätherleib des Menschen ja ganz anderen Gesetzmäßigkeiten unterworfen als der physische Leib. Und wiederum, wenn wir an den astralischen Leib des Menschen herangehen, dann finden wir diesen zusammenhängend mit Welten, die wir nun überhaupt in jenem Kosmos nicht antreffen, der im Physischen, der im Ätherischen beschlossen ist, in dem wir leben zwischen Geburt und Tod, sondern wir finden, daß wir mit unserem astralischen Leibe einer Welt angehören, die wir betreten zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.
[ 1 ] In recent days, I have tried to place the human being within the context of the entire universe, so that, on the one hand, one can recognize the structure of the human being as consisting of the physical body, the etheric or formative body, the astral body, and the true “I,” which passes from one earthly life to the next. At the same time, however, I have tried to point out how the various parts of the human being, each in its own way, are connected to the universe. Thus, one can say that the human physical body is connected to everything that constitutes the physical-sensory earthly world. This physical body of the human being therefore belongs to the physical-sensory world. But if we turn our attention to the etheric body, or body of formative forces, we must be aware that it actually belongs to a world of a completely different nature—that it belongs to the world that is itself etheric, and of which I have told you that human beings must actually perceive it as coming toward them from the vastness of the cosmos. So if one imagines, for example, that the forces of the Earth radiate outward from the Earth in all directions, and that the human being lives within these forces—which are the forces of the physical world—then we must imagine that the etheric world emanates from all sides, from the entire spherical shell of the universe, the cosmos, and approaches the human being, moving toward the physical forces and thus meeting them head-on. Consequently, the human etheric body is subject to entirely different laws than the physical body. And again, when we consider the human astral body, we find it connected to worlds that we do not encounter at all within that cosmos which is confined to the physical and etheric realms—in which we live between birth and death—but rather we find that with our astral body we belong to a world that we enter between death and a new birth.
[ 2 ] Und endlich mit dem Ich selbst gehört man einer Welt an, welche wie eine Strömung durch Welten durchgeht, die, wie zum Beispiel unsere Welt, wiederum dreigliedrig sind. Unsere Welt ist dreigliedrig: physisch, ätherisch, astralisch. Die Welt des Ich geht durch diese Welt hindurch und durch andere ähnliche dreigliedrige Welten. Sie ist also eine viel umfassendere Welt. Sie ist eine Welt, die wir überhaupt bezeichnen müssen als die Welt des Ewigen gegenüber dem Zeitlichen.
[ 2 ] And finally, with the “I” itself, one belongs to a world that flows through worlds which, like our world, for example, are in turn threefold. Our world is threefold: physical, etheric, and astral. The world of the “I” passes through this world and through other similar threefold worlds. It is therefore a much more comprehensive world. It is a world that we must describe as the world of the eternal as opposed to the temporal.
[ 3 ] Nun ist sie aber außerdem so, daß wir, wenn wir an diejenigen Wahrnehmungs- und Erkenntnisfähigkeiten des Menschen herantreten, welche uns bekanntmachen mit dem ätherischen oder Bildekräfteleib, dem astralischen Leib und dem Ich, daß wir dann eigentlich immer ganz andere Welten betreten. Wir müssen in die Sphäre des aktiven Denkens, des erlebten Denkens übertreten, wenn wir an unseren Ätherleib herankommen wollen. Wir müssen uns nur vorstellen, wie ja dann alles, was um uns als Welt ist, anders ist, als solange wir innerhalb der physisch-sinnlichen Welt sind. Vor allem nehmen sich die Dinge und Vorgänge, mit denen wir aus der physischen Welt bekannt sind, ganz anders aus in diesen höheren Welten. Wir haben ja nur die letzten Wirkungen an den Dingen und an den physischen Vorgängen in der physischen Welt um uns. Diese Dinge und diese Wirkungen sind aber in den höheren Welten begründet. Wir sehen also dann gewissermaßen dasjenige, was ursprünglicher ist von diesen Dingen, als das, was uns in der physischen Welt vorliegt. Aber abgesehen davon: Wenn wir in der physischen Welt sind, so haben wir ja zunächst jene Welt, die dem gewöhnlichen Bewußtsein gut bekannt ist, die Welt, in der der Mensch umgeben ist von den drei Naturreichen und von seinem eigenen Reiche; wenn wir aber aufsteigen zu denjenigen Erkenntniskräften — ich habe sie in meinen Büchern die imaginative Erkenntnis genannt —, durch die wir gewahrwerden unseren eigenen Äther- oder Bildekräfteleib, dann betreten wir eben die ätherische Welt. Und wenn wir uns so weit erkraftet haben, wenn wir uns innerlich so durchleuchtet haben, und uns gewissermaßen in dem zweiten Menschen, in dem Bildekräfteleib erleben, dann treten wir auch ein in die Welt, die sich uns wenigstens zunächst in ihren Bildern offenbart, in die Welt der Angeloi, Archangeloi, Archai.
[ 3 ] But the fact is that when we approach those human faculties of perception and cognition that familiarize us with the etheric body—or body of formative forces—the astral body, and the “I,” we are actually always entering entirely different worlds. We must enter the sphere of active thinking, of lived thinking, if we wish to approach our etheric body. We need only imagine how everything around us—the world as we know it—is different from when we are within the physical-sensory world. Above all, the things and processes with which we are familiar from the physical world appear quite differently in these higher worlds. After all, we perceive only the final effects of the things and physical processes in the physical world around us. These things and these effects, however, have their roots in the higher worlds. So we then see, in a sense, what is more primordial in these things than what presents itself to us in the physical world. But apart from that: When we are in the physical world, we first have that world which is well known to ordinary consciousness—the world in which human beings are surrounded by the three kingdoms of nature and by their own kingdom; but when we ascend to those powers of cognition—which I have called “imaginative cognition” in my books—through which we become aware of our own etheric or formative body, then we enter the etheric world. And when we have developed the strength to do so, when we have purified ourselves inwardly to such an extent, and experience ourselves, as it were, in the second human being, in the body of formative forces, then we also enter the world that reveals itself to us, at least initially, through its images—the world of the Angeloi, Archangeloi, and Archai.
[ 4 ] Es ist so, daß, wenn man gewissermaßen durchbricht in diejenige Weltsphäre, in der der Ätherleib oder Bildekräfteleib für uns ansichtig wird, dann innerhalb der flutenden Bilderwelt, in die man da eintritt, die Offenbarungen jener Wesenheiten erscheinen, die der dritten Hierarchie angehören: Angeloi, Archangeloi, Archai. Wir sind also da von Wesenheiten umgeben, die in der physisch-sinnlichen Welt nicht um uns sind. Die Art, wie wir von diesen Wesenheiten umgeben sind, ist eine solche, daß sie uns erscheint in den Qualitäten, möchte ich sagen, die auch hier in der Sinneswelt durch unsere Sinne uns gegeben sind.
[ 4 ] The fact is that when one, so to speak, breaks through into that sphere of the world where the etheric body or body of formative forces becomes visible to us, then within the surging world of images into which one enters, the manifestations of those beings belonging to the third hierarchy appear: Angels, Archangels, Archai. We are thus surrounded by beings who are not present around us in the physical-sensory world. The way in which we are surrounded by these beings is such that they appear to us in qualities—I would say—that are also given to us here in the sensory world through our senses.
[ 5 ] Aber hier in der Sinneswelt sind zum Beispiel die Farben so, daß sie über die Oberfläche der Dinge hingebreitet sind oder daß sie uns in einer bloß physischen Konfiguration, wie zum Beispiel am Regenbogen, erscheinen. Es sind ‚die Töne so, daß sie für uns zusammenhängend erscheinen mit diesen oder jenen Dingen der physisch-sinnlichen Welt. Es sind auch Wärme und Kälte zum Beispiel so, daß sie ‘von diesen oder jenen Dingen der physisch-sinnlichen Welt ausgehen. Betrachten wir diese Welt, in der uns die dritte Hierarchie erscheint, dann haben wir nicht an den Dingen haftende Farben, nicht von den Dingen her klingende Töne und so weiter, sondern wir haben, man kann nicht einmal sagen, durch den Raum, sondern in der Zeit flutende Farben, flutende Töne, vibrierendes Warmes und Kaltes. Das ist nicht über die Oberfläche der Dinge hingespannt; was farbig ist, sondern das fluktuiert, das wellt. Nur weiß man einfach durch diejenigen Kräfte, durch die man sich in diese Welten versetzt hat, daß ebenso, wie man in der physischen Welt hinter dem Farbigen etwas Materielles vermutet, daß, wenn man irgendeine flutende Farbenwolke, einen flutenden, man kann schon sagen, Farbenorganismus in dieser Welt erblickt, darinnen ein Geistig-Seelisches waltet und webt, das zur dritten Hierarchie gehört. In dem Augenblicke also, wo dem Menschen jenes Lebenstableau erscheint, von dem ich gesprochen habe, das anschaulich zeigt, wie in einem Momente überschaubar, was wir durchlebt haben seit unserer Geburt, in diesem Augenblick lebt auch in dieser Strömung unserer eigenen Lebensereignisse drinnen dasjenige, von dem man sagen kann: Innerhalb der von der Materie freigewordenen flutenden Farben-, Tonwelt und so weiter, lebt nun die dritte Hierarchie.
[ 5 ] But here in the sensory world, for example, colors are such that they are spread across the surface of things or that they appear to us in a purely physical configuration, such as in a rainbow. Sounds are such that they appear to us to be connected with this or that thing in the physical-sensory world. Heat and cold, for example, are also such that they ‘emanate from these or those things in the physical-sensory world.’ If we consider this world in which the third hierarchy appears to us, then we do not have colors adhering to things, nor sounds emanating from things, and so on; rather, we have—one cannot even say “through space”—but rather, colors flowing through time, flowing sounds, and vibrating warmth and cold. This is not stretched across the surface of things; what is colored fluctuates and undulates. But one simply knows, through the very forces by which one has transported oneself into these worlds, that just as one suspects something material lies behind the colors in the physical world, so too, when one beholds any surging cloud of color—a surging, one might even say, color organism—in this world, a spiritual-soul element reigns and weaves within it that belongs to the third hierarchy. So at the very moment when that tableau of life appears to the human being—the one I have spoken of, which vividly shows, in a single moment, the entirety of what we have lived through since our birth—at that very moment, within this flow of our own life events, there lives that which one can say: “Within the flowing world of colors, sounds, and so on—now freed from matter—the third hierarchy now lives.”
[ 6 ] Wenn wir uns dann durch die Kraft unseres Erkenntnisvermögens aufschwingen dazu, unseren eigenen astralischen Leib zu überblicken, also das, was von uns vorhanden war, ehe wir zum Erdendasein heruntergestiegen sind, was wir wiederum an uns tragen werden, wenn wir durch die Pforte des Todes geschritten sind, dann wissen wir: das ist eine weitere Welt, aber eine Welt, die wir auch nicht im Äther des Kosmos finden, die hinter dem Tor der Geburt und des Todes liegt. Es ist eine weitere Welt, die wir da betreten. Es ist die Welt des Astralischen.
[ 6 ] When we then, through the power of our cognitive faculties, rise to the point where we can survey our own astral body—that is, what existed of us before we descended into earthly existence, and what we will carry with us again once we have passed through the gate of death—then we know: this is another world—but one that we do not find in the ether of the cosmos, one that lies beyond the gate of birth and death. It is another world that we enter there. It is the astral world.
[ 7 ] Die Dinge fallen nicht genau zusammen mit dem, was ich in meiner «Theosophie» beschrieben habe; da ist die Sache von einem anderen Gesichtspunkte aus charakterisiert. Aber ebenso, wie wir die dritte Hierarchie treffen, wenn wir uns zu unserem Bildekräfteleib hinauf organisieren, ebenso treffen wir in dieser Welt, in der für uns ansichtig wird unser eigener astralischer Leib, die zweite Hierarchie: Exusiai, Kyriotetes, Dynamis. Und diese zweite Hierarchie erscheint uns jetzt für den wirklichen Anblick nicht in flutenden Farben, in flutenden Tönen, sondern sie erscheint uns so, daß sie uns einzelne Bedeutungen innerhalb des die Welt durchwellenden Logos verkündet und offenbart. Sie spricht zu uns.
[ 7 ] These things do not coincide exactly with what I have described in my *Theosophy*; there, the matter is characterized from a different perspective. But just as we encounter the third hierarchy when we organize ourselves upward into our body of formative forces, so too do we encounter the second hierarchy—Exusiai, Kyriotetes, Dynamis—in this world, where our own astral body becomes visible to us. And this second hierarchy now appears to us in actual vision not in flowing colors or flowing tones, but in such a way that it proclaims and reveals to us individual meanings within the Logos that permeates the world. It speaks to us.
[ 8 ] Will man andeuten, wie man sich zu diesen Welten verhalten kann nach Erlangung der entsprechenden Erkenntniskräfte, will man das so andeuten, daß man Worte, an die man gewöhnt ist, zu diesen Andeutungen verwendet, Worte, die natürlich dann nicht mehr ihre ursprüngliche Bedeutung für die Sinneswelt haben, aber aus denen man doch etwas entnehmen kann für dieses Verhältnis zu den höheren Welten, so muß man sagen: Für die Ätherwelt wird das innerlich lebendige Denken eine Art Tastorgan. Mit dem innerlich lebendigen Denken berühren wir diese flutende Farbenwelt und so weiter. Wir dürfen uns nicht vorstellen, daß das so ist, daß wir das Rot so ähnlich sehen, wie wir das Rot der Sinne sehen, das über die Dinge hingespannt ist, gewissermaßen mit einem Auge sehen, sondern wir spüren, berühren Rot und Gelb und so weiter. Wir berühren die Töne. So daß wir sagen können: In der Ätherwelt ist das lebendige Denken Berührung dessen, was in der Welt der dritten Hierarchie lebt.
[ 8 ] If one wishes to suggest how one might relate to these worlds after attaining the corresponding powers of insight—if one wishes to suggest this by using words to which one is accustomed, words that naturally no longer have their original meaning in relation to the sensory world, but from which one can nevertheless glean something about this relationship to the higher worlds—then one must say: In the etheric world, inner, living thought becomes a kind of tactile organ. Through inner, living thought, we touch this flowing world of colors and so on. We must not imagine that it is the case that we see red in a way similar to how we see the red of the senses—which is spread over things, as it were, with an eye—but rather we feel and touch red and yellow and so on. We touch the tones. So that we can say: In the etheric world, living thinking is the touching of that which lives in the world of the third hierarchy.
[ 9 ] Kommen wir dann in die Welt hinein, der unser eigener astralischer Leib gewissermaßen angehört, so können wir nicht mehr von dieser astralischen Welt sagen, daß wir sie nur berühren, sondern wir müssen sagen: Diese Welt verstehen wir als Offenbarung der Wesen der zweiten Hierarchie. Jede einzelne Äußerung verstehen wir als ein Glied, als einen Teil des Weltenlogos. Durch das tiefe Schweigen kommt die Sprache der Geistwesen. Also nach der Berührung die Sprache, die Mitteilung.
[ 9 ] When we then enter the world to which our own astral body, so to speak, belongs, we can no longer say of this astral world that we merely touch it; rather, we must say: We understand this world as a revelation of the beings of the second hierarchy. We understand every single expression as a link, as a part of the World Logos. Through the deep silence comes the language of the spiritual beings. Thus, after the contact comes the language, the communication.
[ 10 ] Und wenn wir uns in der Art, wie ich das gestern angedeutet habe, hindurchringen zum Erleben des Ich, das von Erdenleben zu Erdenleben geht, und dazwischen die anderen Leben durchmacht zwischen dem Tode und einer neuen Geburt jeweilig, dann betreten wir eine Welt, die die eigentliche Geistwelt ist, die höhere Geistwelt. In dieser Welt ist es ja zunächst so, daß wir in ein ganz besonderes Verhältnis zu unserem wahren Ich kommen. Dasjenige Ich, das wir hier erleben innerlich im Erdendasein zwischen Geburt und Tod, das ist ja an die physische Leiblichkeit gebunden. Das ist wahrnehmbar für uns, solange wir uns in der physischen Leiblichkeit erleben, und wir werden in einer gewissen Weise zur Selbstlosigkeit gezwungen, wenn wir aufsteigen in die Ätherwelt, in die astralische Welt. Da haben wir höchstens etwas wie eine Erinnerung dieses Erden-Ichs.
[ 10 ] And if, as I hinted at yesterday, we bring ourselves to experience the “I” that passes from one earthly life to the next, and in between goes through the other lives—between death and a new birth in each case—then we enter a world that is the true spiritual world, the higher spiritual world. In this world, we first and foremost enter into a very special relationship with our true “I.” That “I” which we experience inwardly here in earthly existence between birth and death is, after all, bound to the physical body. It is perceptible to us as long as we experience ourselves in the physical body, and we are, in a certain sense, compelled to selflessness when we ascend into the etheric world, into the astral world. There we have, at most, something like a memory of this earthly “I.”
[ 11 ] Aber wir finden dann das wahre Ich in der angedeuteten Weise, wie es von Erdenleben zu Erdenleben geht. Wir finden dieses wahre Ich so, daß es uns zunächst vorkommt wie ein ganz anderes Wesen. Wir sagen uns: Hier stehe ich innerhalb dieses Lebens zwischen Geburt und Tod im irdischen Dasein. Ich blicke zurück durch das Stück Ätherwelt, das mir erscheint, bis zu meiner Erdengeburt hin. Dann blicke ich weiter durch in Welten, in weite Gefilde, die eigentlich nur zettliches Dasein haben, wo vom Raume zu sprechen im Grunde genommen ein Unding ist; aber es erscheint mir wie eine weite Perspektive die Welt mit all ihrem Inhalt, wie sie um uns herum lebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Indem ich durch den Äther hindurchschaue, durch die Welt der dritten Hierarchie, indem ich durch das Astralische hindurchschaue, in dem ich war zwischen dem Tode und einer neuen Geburt wie in einer in der Offenbarung des Logos lebenden, wie sich selbst durch die Weltensprache offenbarenden übersinnlichen Welt, indem ich durch das alles hindurchschaue, schaue ich endlich hin zu einem zunächst weit von mir entfernten Wesen, zu demjenigen, was mein Lebensinhalt im vorigen Erdenleben war. Da erscheint mir zunächst die Sache so, daß ich mir sage: Ich stehe eben hier im irdischen Leben mit meinem jetzigen gespensterartigen Ich, und dann sehe ich weit zurück durch alles das hindurch, was ich eben bezeichnet habe, auf den Inhalt meines vorigen Erdenlebens. Aber ich schaue zugleich, wie der als sich loswindendes Ich durchgegangen war durch die Welten, durch die ich wie perspektivisch hindurchgeschaut habe, bis in mein gegenwärtiges Erdenleben herein. Ich schaue zunächst wirklich mein lebendes wahres Ich wie ein fremdes fernes Wesen. Und ich erkenne mich wieder in diesem mir zunächst erscheinenden gleichsam fremden Wesen.
[ 11 ] But we then discover the true self in the manner described, as it passes from one earthly life to the next. We discover this true self in such a way that it initially appears to us as a completely different being. We say to ourselves: Here I stand within this life, between birth and death, in earthly existence. I look back through the portion of the etheric world that appears to me, all the way back to my birth on Earth. Then I look further on into worlds, into vast realms that actually have only a spiritual existence, where speaking of space is, in essence, an absurdity; yet it appears to me as a vast perspective—the world with all its contents, as it lives around us between death and a new birth. As I look through the ether, through the world of the third hierarchy; as I look through the astral realm, in which I existed between death and a new birth—as if in a supersensible world living in the revelation of the Logos, revealing itself through the language of the worlds; as I look through all of this, I finally look toward a being that is at first far removed from me—toward that which was the substance of my life in my previous earthly existence. At first, the matter appears to me in such a way that I say to myself: I am standing right here in earthly life with my present, ghostly “I,” and then I look far back through everything I have just described, toward the substance of my previous earthly life. But at the same time, I see how that “I,” unravering itself, had passed through the worlds—through which I have looked as if in perspective—all the way into my present earthly life. At first, I truly see my living, true “I” as a strange, distant being. And I recognize myself again in this being that at first appears to me as, so to speak, a stranger.
[ 12 ] In diesem Satze müßte eigentlich jedes Wort ganz intensiv genommen werden, denn jedes einzelne Wort hat in diesem Satze eine ganz besondere Wichtigkeit. Zu dem ganzen Erleben gehört es, daß man sich aus der Wahrnehmung des eigenen Ich wie eines zunächst Fremden durchringt dazu, daß man sich sagt: Das, was dir da zunächst als Fremdes erschienen war, das bist du ja selbst. Dir ist es so erschienen, als ob in ferner Vergangenheit ein anderes Wesen gelebt hätte, aber du bist es ja selbst.
[ 12 ] Every word in this sentence should actually be taken very seriously, because each individual word has a very special significance in this sentence. Part of the whole experience is that, through the perception of one’s own “I” as something initially foreign, one brings oneself to say: What initially appeared to you as something foreign—that is, in fact, yourself. It seemed to you as if another being had lived in the distant past, but it is, in fact, yourself.
[ 13 ] Und dann wird man gewahr, wie dieses Selbst eben hergeströmt ist vom vorigen Erdendasein in dieses Erdenleben herein, wie es aber jetzt gewissermaßen in diesem Erdenleben zugedeckt ist, und nur erscheinen würde, wenn all die Ereignisse, die zwischen dem Einschlafen und Aufwachen vorkommen, vor die Menschenseele hintreten würden. Da drinnen webt und lebt weiter dasjenige, was aus dem vorigen Erdenleben, durch Astral- und Ätherwelt durchströmend, bis zu uns gelangt ist.
[ 13 ] And then one becomes aware of how this Self has just flowed in from the previous earthly existence into this earthly life, but how it is now, so to speak, veiled within this earthly life, and would only appear if all the events that occur between falling asleep and waking up were to come before the human soul. Within, that which has reached us from the previous earthly life—flowing through the astral and etheric worlds—continues to weave and live on.
[ 14 ] Sehen Sie, es liegt eine Welt von irdischen Widersprüchen und himmlischen Einklängen in diesem Sichdurchringen: Irdische Widersprüche so, daß man durch alles dasjenige, was man zunächst für das alltägliche Leben hier auf Erden hat, im Grunde genommen an dieses eigene wahre Ich nicht herangelangen kann. In diesem Erden-Ich lebt eigentlich nur das erste Rudiment der Liebe. Und schon dadurch ist dem Leben auf Erden ein Glanz verliehen, daß die Kraft der Liebe in dieses irdische Leben hereinstrahlt. Aber diese Liebe muß gesteigert werden. Diese Liebe muß so gesteigert werden, daß der Mensch fähig wird, durch die Steigerung der Liebe die Ätherwelt und die Astralwelt wahrzunehmen, und damit eigentlich dasjenige, was als sein Ich, als der Egoismus, als das Gegenteil der Liebe in ihm lebt, was im Leben als das Gegenteil der Liebe ihm die Möglichkeit gibt, als eigenes Ich sich zu empfinden innerhalb des Erdenlebens, das zu überwinden. Die Liebe muß so stark werden, daß man lernt, dieses Ich der Erde zu übersehen, es zu vergessen, nicht mehr achtend auf es hinzuschauen. Liebe ist das Aufgehen des eigenen Wesens in dem anderen. Das muß so stark sein, daß man des eigenen Ichs, wie es im irdischen Leibe lebt, nicht mehr achtet. Dann tritt der Widerspruch auf, daß man gerade durch Selbstlosigkeit, durch höchste Liebefähigkeit an das eigene wahre Ich herandringt, das in der Ferne der Zeiten dann uns entgegenleuchtet.
[ 14 ] You see, there lies a world of earthly contradictions and heavenly harmonies in this inner struggle: earthly contradictions such that, through everything one initially considers part of everyday life here on earth, one is fundamentally unable to reach one’s own true self. In this earthly “I,” only the first rudiment of love actually lives. And life on Earth is already imbued with a radiance simply because the power of love shines into this earthly existence. But this love must be intensified. This love must be intensified to such an extent that, through the intensification of love, a person becomes capable of perceiving the etheric world and the astral world—and thereby overcoming that which lives within them as their “I,” as egoism, as the opposite of love—that which, in life, as the opposite of love, gives them the ability to perceive themselves as a separate “I” within earthly life. Love must become so strong that one learns to overlook this earthly “I,” to forget it, and to no longer pay attention to it. Love is the merging of one’s own being into the other. This must be so strong that one no longer pays attention to one’s own “I” as it lives in the earthly body. Then the paradox arises that it is precisely through selflessness, through the highest capacity for love, that one approaches one’s own true “I,” which then shines out to meet us from the distant past.
[ 15 ] Man muß schon sein Erden-Ich verlieren, um sein wirkliches wahres Ich in der Anschauung zu bekommen. Und derjenige, der nicht diese Hingabe entwickeln würde, der kann eben an dieses wahre Ich nicht herankommen. Man möchte sagen: Das wahre Ich will nicht gesucht sein, wenn es erscheinen soll, wenn es sich offenbaren soll; und es verbirgt sich, wenn es gesucht wird. Denn es wird nur in der Liebe gefunden. Und Liebe ist Hingabe des eigenen Wesens an das fremde Wesen. Daher muß das wahre Ich wie ein fremdes Wesen gefunden werden.
[ 15 ] One must lose one’s earthly self in order to perceive one’s true self. And anyone who fails to develop this devotion simply cannot reach this true self. One might say: The true self does not wish to be sought when it is to appear, when it is to reveal itself; and it hides itself when it is sought. For it is found only in love. And love is the surrender of one’s own being to another being. Therefore, the true self must be found as if it were another being.
[ 16 ] Und in demselben Augenblicke, in dem man eintritt in dieses Ansichtigwerden des eigenen wahren Ichs, wird man zugleich ansichtig dessen, was nunmehr in einer weiteren Welt lebt, in der eigentlichen Geistwelt. Man trifft zusammen mit den Wesen der ersten Hierarchie: Seraphime, Cherubime, Throne.
[ 16 ] And at the very moment one enters into this realization of one’s own true self, one simultaneously becomes aware of what now lives in a broader world—the actual spiritual world. One encounters the beings of the first hierarchy: Seraphim, Cherubim, and Thrones.
[ 17 ] Und geradeso, wie man da sein Ich wiederfindet, von dem man eigentlich nur einen Abglanz hier im irdischen Leben hat, so findet man für die ganze Welt der irdischen Umgebung deren wahre Geistgestalt. Man muß auch diese irdische Welt verlieren für diese Erkenntnis, um deren wahre Ursprungswelt zugleich mit unserem wahren Ich zu finden.
[ 17 ] And just as one rediscovers one’s true self—of which one actually has only a reflection here in earthly life—so too does one discover the true spiritual form of the entire world of one’s earthly surroundings. One must also lose this earthly world in order to gain this insight, so as to find its true world of origin at the same time as our true self.
[ 18 ] So daß man sagen kann: Was sich in der Geistwelt offenbart, ist Wiedererkennen, Berührung, Sprache, Wiedererkennen, aber Wiedererkennen von etwas, das man eigentlich vorher nur im Abglanz, im Abbild kennengelernt hat.
[ 18 ] So one can say: What is revealed in the spiritual world is recognition, contact, language, recognition—but recognition of something that one had previously come to know only as a reflection, as an image.
[ 19 ] So lebt man sich, indem man den eigenen Menschen erlebt, mit der Erkenntnis des eigenen Menschen in die Totalität des Universums hinein. Und vollständig dargestellt ist diese Gliederung des Menschen im physischen Leib, Ätherleib, astralischen Leib und Ich eigentlich nur dann, wenn man zugleich schildert, wie diese einzelnen Glieder der Menschennatur mit den entsprechenden Welten des Universums zusammenhängen.
[ 19 ] In this way, by experiencing one’s own human nature and gaining insight into it, one lives one’s life within the totality of the universe. And this structure of the human being—comprising the physical body, the etheric body, the astral body, and the “I”—is only fully represented when one simultaneously describes how these individual aspects of human nature are connected to the corresponding worlds of the universe.
[ 20 ] Das, was ich eben jetzt dargestellt habe, das muß gut verstanden und durchschaut werden, wenn man auf dasjenige kommen will, was da zugrunde liegt, wenn man überhaupt an die Aufzählung dieser vier Glieder der menschlichen Natur herantritt. Das ist schon durchaus einer derjenigen Punkte, wo sich recht deutlich zeigt, daß der Mensch nicht nur anderes denken muß, wenn er zur Wahrheit der geistigen Welt aufsteigen will, sondern daß er in anderer Art denken muß. Er muß das ganze Denken, das eigentlich nur ein Bildhaft-Totes ist innerhalb der bloß sinnlich-physischen Anschauung, in ein Lebendiges überführen.
[ 20 ] What I have just described must be thoroughly understood and grasped if one wishes to arrive at what underlies it, if one is to approach the enumeration of these four aspects of human nature at all. This is certainly one of those points where it becomes quite clear that a person must not only think differently if they wish to ascend to the truth of the spiritual world, but that they must think in a different way altogether. They must transform the entire process of thinking—which is, in fact, merely a lifeless, pictorial construct within purely sensory-physical perception—into something living.
[ 21 ] Und da kann man aus der Kultur der Gegenwart, aus dem Geistesleben der Gegenwart etwas ganz Besonderes erleben, was einem zeigt, welche Hindernisse zu überwinden sind, wenn Anthroposophie in die Seele der Menschen einziehen soll.
[ 21 ] And there, within contemporary culture and the spiritual life of our time, one can experience something truly special that reveals the obstacles that must be overcome if anthroposophy is to find its way into people’s souls.
[ 22 ] Als meine «Geheimwissenschaft» erschienen war, da machte sich ein vielgenannter Philosoph der Gegenwart über diese Geheimwissenschaft her. Nun, dieser Philosoph der Gegenwart las zunächst das Kapitel, wo von der Gliederung der menschlichen Natur in physischen Leib, ätherischen Leib, astralischen Leib, Ich und so weiter die Rede ist. Diese «Geheimwissenschaft» haben auch viele naive Menschen gelesen, die aber gesunden Menschenverstand haben. Die konnten sich dabei doch etwas vorstellen, weil die Dinge immer mit dem gesunden Menschenverstand zu verfolgen sind, geradeso wie man ein Bild verstehen kann, auch wenn man kein Maler ist. Aber bei gar manchem, der in der Gegenwart eben ein vielgenannter Philosoph ist, hapert es wesentlich mehr mit dem Verstehen als bei dem naiven Menschenkind. Denn dieser vielgenannte Philosoph, der las nun: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib, Ich — ja, merkwürdig, was soll ich daraus machen? Was ist das alles? Physischer Leib, selbstverständlich; Ätherleib — nun ja, das kann ja sein; was im physischen Leib dichte Materie ist, das kann ja feinere Materie sein, aber es ist doch Materie. Also ist das doch ein willkürlicher Trennungsstrich zwischen dem physischen Leib und dem Ätherleib. Astralleib — man weiß etwas, sagte sich dieser vielgenannte Philosoph, von einer Seele, aber Astralleib? In der Seele ist Denken, Fühlen und Wollen. Das sind Funktionen des physischen Leibes. Hat man den physischen Leib begriffen, so hat man ja auch Denken, Fühlen und Wollen damit erfaßt. Und Ich — das ist ja nur die Zusammenfassung von alledem.
[ 22 ] When my *Secret Science* was published, a much-cited contemporary philosopher took it to task. Well, this contemporary philosopher first read the chapter that discusses the division of human nature into the physical body, the etheric body, the astral body, the “I,” and so on. Many naive people have also read this *Secret Science*, though they possess common sense. They were able to make sense of it because such things can always be understood through common sense, just as one can understand a painting even if one is not a painter. But for quite a few people—including a much-cited philosopher of our time—understanding is far more of a struggle than it is for the naive individual. For this much-cited philosopher, upon reading: physical body, etheric body, astral body, I—well, strange—what am I supposed to make of this? What is all this? Physical body, of course; etheric body—well, that may be true; what is dense matter in the physical body may well be finer matter, but it is still matter. So this is just an arbitrary dividing line between the physical body and the etheric body. Astral body—one knows something, said this oft-cited philosopher, about a soul, but an astral body? In the soul there is thinking, feeling, and willing. These are functions of the physical body. Once one has understood the physical body, one has thereby also grasped thinking, feeling, and willing. And the “I”—that is simply the synthesis of all of this.
[ 23 ] Und nun, sehen Sie, wie formulierte sich jetzt der kritische Gedanke dieses vielgenannten Philosophen? So formierte er sich: Er betrachtete dasjenige, was er da in der «Geheimwissenschaft» vor sich hatte, so wie man ungefähr auch einen Sessel betrachtet, und er sagte sich: Man kann ja auch den Sessel einteilen in die Beine, in den Sitz und in die Lehne, erster, zweiter, dritter Teil. So, glaubte er, kann ich nun auch den Menschen einteilen, wie man einen Sessel einteilt. Nun, da fand er: Das ist ja ganz schön zur Übersicht des Menschen, aber damit ist ja nichts besonders Neues gesagt — weil er eben meinte, wenn man den Menschen in diese vier Glieder einteile, dann sei es so, wie man einen Sessel einteilt.
[ 23 ] And now, see how this much-cited philosopher formulated his critical thought? This is how it took shape: He regarded what he had before him in “The Secret Science” much as one might regard an armchair, and he said to himself: One can, after all, divide the armchair into the legs, the seat, and the backrest—the first, second, and third parts. So, he believed, I can now also divide the human being, just as one divides an armchair. Well, he found that while this provided a nice overview of the human being, it didn’t really say anything particularly new—because he thought that if one divided the human being into these four parts, it would be just like dividing an armchair.
[ 24 ] Sehen Sie, in der Naturforschung ginge ja die Sache schon besser. Da könnte man nicht mehr so von bloßen Einteilungen sprechen. Denn wenn man Wasser hat, so zerlegt der Chemiker dieses Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff, \(H_2O\); der Naturforscher wird es nicht gelten lassen, daß man das Wasser bloß abstrakt in zwei Teile einteilt, in Wasserstoff und Sauerstoff. Das kann er nicht gelten lassen, denn er weiß, der Wasserstoff braucht nicht bloß an den Sauerstoff gebunden zu sein, wie im Wasser, sondern er kann an etwas ganz anderes, zum Beispiel wie in der Salzsäure, an das Chlor gebunden sein. Also der Wasserstoff, der im Wasser ist, ist nicht nur ein Stückchen, ein Teil von dem Wasser, sondern, wenn er aus dem Wasser heraußen ist, kann er ganz andere Verbindungen eingehen. Und wiederum der Sauerstoff, wenn er aus dem Wasser heraußen ist, kann ganz andere Verbindungen eingehen, kann an ganz andere Stoffe gebunden sein, zum Beispiel an das Kalzium im Kalk. Also, es kann der Wasserstoff fortgehen und mit Chlor zusammen Salzsäure werden, der Sauerstoff kann fortgehen, mit dem Kalzium zusammen Kalk werden. Da geht es nicht, daß man sagt, du hast das Wasser bloß abstrakt einzuteilen wie einen Sessel.
[ 24 ] You see, in the natural sciences, things would actually go more smoothly. There, one could no longer speak of mere classifications. For when one has water, the chemist breaks it down into hydrogen and oxygen, \(H_2O\); the natural scientist will not accept that water is merely divided abstractly into two parts, hydrogen and oxygen. He cannot accept that, because he knows that hydrogen does not have to be bound only to oxygen, as in water, but can be bound to something entirely different—for example, as in hydrochloric acid, to chlorine. So the hydrogen that is in water is not just a small part, a component of the water; rather, when it is removed from the water, it can form entirely different compounds. And likewise, the oxygen, when removed from the water, can form entirely different compounds and can be bound to entirely different substances—for example, to the calcium in lime. So, the hydrogen can separate and combine with chlorine to form hydrochloric acid, and the oxygen can separate and combine with calcium to form lime. You can’t just say that you have to classify water abstractly, like an armchair.
[ 25 ] Mit dem Menschen steht man auf einer noch höheren Stufe. Da hat man es nicht mit einer bloßen Einteilung zu tun, mit physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich, sondern da muß man sagen: Dasjenige, was des Menschen physischer Leib ist, das gehört zur Erde. Und wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht und zurückläßt seinen physischen Leichnam, dann geht der physische Leib zur Erde, der Ätherleib aber steigt zum Äther auf. Der astralische Leib aber geht von beiden weg in diejenigen Welten, wo die zweite Hierarchie drinnen ist. Und das Ich gehört wieder einer anderen Welt an, der Welt, in der die erste Hierarchie drinnen ist. Diese vier Glieder sind nicht Einteilungsglieder, diese vier Glieder gehören ganz verschiedenen Sphären des Weltenalls an. Mit der Einteilung ist zugleich auf das Wesen des Menschen hingewiesen. Da ist das auf einer weit höheren Stufe vorhanden, als dasjenige, was man schon auf dem Wege vom Sessel zum Wasser suchen muß.
[ 25 ] With human beings, we are on an even higher level. Here we are not dealing with a mere classification—physical body, etheric body, astral body, and I—but rather we must say: that which is the human being’s physical body belongs to the Earth. And when a human being passes through the gate of death and leaves behind his physical body, the physical body returns to the Earth, while the etheric body ascends into the ether. The astral body, however, departs from both and enters those worlds where the second hierarchy resides. And the I, in turn, belongs to yet another world—the world in which the first hierarchy resides. These four members are not merely categories of division; these four members belong to entirely different spheres of the universe. This classification simultaneously points to the very essence of the human being. This essence exists on a far higher level than that which one must already seek on the path from the chair to the water.


[ 26 ] Aber da ist nun natürlich innerhalb unserer gegenwärtigen Geistesentwickelung wiederum ein bedeutsames Hemmnis geschaffen, denn der vielgenannte Philosoph könnte lernen, schon bei der Chemie, daß man nicht immer nur von abstrakten Einteilungen zu reden hat, daß man das wohl beim Sessel tun kann, nicht aber beim Wasser. Aber die Philosophie des sogenannten Philosophen reichte eben nicht vom Sessel bis zum Wasser. Sie reichte nicht von der Auffassung der Lebenstrivialitäten, die nur in abstrakte Begriffe gebracht werden, bis in die Naturwissenschaft hinein. Und die Naturwissenschaft auf der andern Seite reicht wiederum nicht in die Philosophie herein. So daß der Chemiker heute überhaupt nicht nachdenkt über solche Dinge.
[ 26 ] But of course, within the current state of our intellectual development, this creates yet another significant obstacle, for the oft-mentioned philosopher might learn—even from chemistry—that one cannot always speak solely in terms of abstract classifications; that one may well do so when sitting in an armchair, but not when dealing with water. But the philosophy of the so-called philosopher simply did not extend from the armchair to water. It did not extend from the conception of life’s trivialities—which are reduced to abstract concepts—into the natural sciences. And the natural sciences, on the other hand, do not extend into philosophy. As a result, chemists today do not reflect on such things at all.
[ 27 ] Also in der Philosophie, die man von diesem Gesichtspunkte aus auch eine Sessel-Lehre nennen könnte, in dieser Philosophie herrscht noch nicht naturwissenschaftliches Denken. In der Chemie, in der Naturwissenschaft, da herrscht wiederum keine Philosophie. So sind die Bedingungen gar nicht vorhanden, gerade innerhalb der Gelehrtenwelt nicht vorhanden, um an die tiefere innere Wahrheit des Universums in seinem Zusammenhange mit dem Menschen heranzukommen.
[ 27 ] Thus, in philosophy—which, viewed from this perspective, could also be called “armchair philosophy”—scientific thinking does not yet prevail. In chemistry and the natural sciences, on the other hand, philosophy is absent. Thus, the conditions do not exist—especially within the scholarly world—to approach the deeper inner truth of the universe in its connection to humanity.
[ 28 ] Jener Mann, der sich kritisch so an die Sache herangemacht hat, hat mir ja auch den Aufsatz zunächst im Manuskript geschickt. Aber was soll man denn anfangen mit so etwas? Man kann mit so jemandem ja nicht diskutieren; ihm fehlen ja die allerersten Vorbedingungen. Ich habe ihn liegen lassen, den Aufsatz. Dann habe ich ihn wiedergefunden, eben gedruckt mit all den Fehlern, mit all dem Unsinn eigentlich, der da in dieser Sessel-Philosophie enthalten war. Das sind eben solche Schicksals-Tücken der Anthroposophie auf ihrem Wege. Und gesehen werden muß, wie die Lage ist zwischen der Anthroposophie und dem, was oftmals kritisch sich über sie hermacht. Es ist gerade auf dieser Seite zunächst nicht die geringste Möglichkeit des Verstehens vorhanden.
[ 28 ] That man, who approached the matter so critically, did, after all, send me the essay in manuscript form at first. But what is one supposed to do with something like that? You can’t really discuss anything with someone like that; he lacks the very basic prerequisites. I set the essay aside. Then I found it again, already in print with all the errors—and, really, all the nonsense—contained in that armchair philosophy. These are simply the twists of fate that anthroposophy encounters along its path. And one must see what the situation is between anthroposophy and what is often critically leveled against it. It is precisely on this side that there is initially not the slightest possibility of understanding.
[ 29 ] Und dieser, unter Philosophen heute vielgenannte Philosoph, gibt sogar gewisse Dinge zu, die so mehr an die gewöhnlichen Vorstellungen der heutigen Zivilisation erinnern. So zum Beispiel gibt er zu, daß es einstmals eine Atlantis gegeben hat, einen Kontinent zwischen Europa und Amerika, und daß da die alten Atlantier, daß da eine Vormenschheit gelebt hat. Nun findet sich in jenem Aufsatze von ihm die Hypothese — nicht genau mit denselben Worten ausgedrückt —: Wie kommt denn jemand dazu, heute noch, wo es nun doch eine ordentliche Physiologie, eine ordentliche Psychologie gibt, den Menschen so einzuteilen? — Natürlich teilt man ihn in der Anthroposophie nicht wie einen Sessel ein, aber er glaubt das. Das entstand für diesen in seiner Art ja ganz gewissenhaften Philosophen als eine Rätselfrage: Wie kommt einer dazu, solch eine Einteilung zu machen? Das ist ja etwas so Primitives gegenüber dem, was der heutige Philosoph hat! — Nun, der heutige Philosoph hat zwar nicht gerade besonders viel vom Gesichtspunkt der Wahrheit, aber er denkt, er habe ganz besonders viel. Ich habe vor zwei Tagen den verehrten Besuchern des Lehrerkurses einmal vorgeführt, wie man eigentlich das, was heute als sogenannte Psychoanalyse auftritt, aufzufassen hat.
[ 29 ] And this philosopher—whose name is frequently cited among philosophers today—even admits to certain things that are more in line with the common notions of today’s civilization. For example, he admits that there once was an Atlantis, a continent between Europe and America, and that the ancient Atlanteans—a pre-human civilization—lived there. Now, in that essay of his, there is a hypothesis—though not expressed in exactly those words—that goes: How does anyone come to classify human beings in this way today, when there is, after all, a well-established physiology and a well-established psychology? —Of course, in anthroposophy, one does not classify a human being as one would a chair, but he believes that. For this philosopher—who was, in his own way, quite conscientious—this presented a puzzling question: How does one come to make such a classification? It is, after all, something so primitive compared to what today’s philosopher has! —Well, today’s philosopher may not have particularly much from the standpoint of truth, but he thinks he has an awful lot. Two days ago, I demonstrated to the esteemed participants of the teachers’ course how one should actually understand what is known today as so-called psychoanalysis.
[ 30 ] Diese Psychoanalyse, ich möchte das auch hier wiederholen, hat nämlich das Eigentümliche, daß sie auf der einen Seite aus einer dilettantischen Physiologie hervorgeht, die nicht bis zum Geiste in der Seele heraufkommt, die unten stehenbleibt beim Leibe, und auf der andern Seite wiederum ausgeht von einer dilettantischen Psychologie. Die zwei kommen nicht zusammen. Und dadurch werden groteske Beziehungen aufgesucht zwischen dem, was man an Dilettantismus versucht in der Psychologie und dem, was man an Dilettantismus versucht in der Physiologie. Und der Dilettantismus ist ungeheuer groß und in beiden Fällen gleich groß. Der psychologische Dilettantismus ist bei den Psychiatern selber ebenso groß wie der physiologische Dilettantismus; wenn aber beide Größen gleich groß sind und zusammenarbeiten, so multipliziert es sich miteinander. Das ist der Dilettantismus im Quadrat, nach einer sehr einfachen Rechnung. So daß eigentlich die Psychoanalyse für eine wirkliche Anschauung eben der Dilettantismus im Quadrat ist, weil sie aus der Multiplikation des Dilettantismus mit Dilettantismus entsteht.
[ 30 ] This psychoanalysis—and I would like to repeat this here as well—has the peculiar characteristic that, on the one hand, it stems from an amateurish physiology that does not rise up to the spirit within the soul but remains stuck at the level of the body, and, on the other hand, it in turn proceeds from an amateurish psychology. The two do not come together. And as a result, grotesque connections are sought between what is attempted as dilettantism in psychology and what is attempted as dilettantism in physiology. And the dilettantism is immense and equally great in both cases. Psychological amateurism is just as widespread among psychiatrists themselves as physiological amateurism; but when both are equally widespread and work together, they multiply each other’s effects. That is dilettantism squared, according to a very simple calculation. So that, in fact, psychoanalysis, as a genuine worldview, is precisely dilettantism squared, because it arises from the multiplication of dilettantism by dilettantism.
[ 31 ] Da war für diesen vielgenannten Philosophen die Sache so: Er konnte sich nicht erklären, wie jemand heute dazu kommt, in so primitiver Weise, wie man einen Stuhl einteilt in drei Glieder, den Menschen in vier Glieder einzuteilen. Das konnte er sich nicht erklären. Daher stellte er die Hypothese auf, ich sei ein wiederauferstandener Atlantier. Das ist eigentlich ganz geistreich vom Standpunkte der Stuhl-Philosophie.
[ 31 ] For this much-cited philosopher, the situation was this: He could not understand how anyone today could come to divide human beings into four parts in such a primitive way—just as one might divide a chair into three parts. He could not fathom it. Therefore, he hypothesized that I was a resurrected Atlantean. That’s actually quite witty from the standpoint of “chair philosophy.”
[ 32 ] All diese Dinge aber weisen darauf hin, daß man eben tatsächlich, will man zur wahrhaftigen Anthroposophie herankommen, sich schon entschließen muß, einiges zu überwinden. Und zu dem, was zu überwinden ist, gehört zum Beispiel das Folgende: Man lernt das Seelische, das Geistige direkt erkennen und kann dann vom Seelischen und Geistigen außerhalb des Physischen sprechen. Man spricht nicht vom Seelischen und Geistigen durch irgendwelche Schlußfolgerungen, sondern man spricht vom Seelischen und Geistigen, weil man es eben in seiner Realität betrachtet. Heute kommen dann Leute, die schon nicht mehr anders können, als das Seelische als ein inneres Bedürfnis irgendwie zuzulassen. Aber sie sagen dann, man muß aus den Wirkungen des Physischen das Seelische erschließen.
[ 32 ] All these things, however, indicate that if one truly wishes to approach authentic anthroposophy, one must indeed resolve to overcome certain things. And among the things that must be overcome is, for example, the following: One learns to recognize the soul and the spirit directly and can then speak of the soul and the spirit as existing outside the physical. One does not speak of the soul and the spirit through some kind of deduction, but rather because one perceives them in their reality. Today, there are people who can no longer help but acknowledge the soul as an inner need in some way. But they then say that one must deduce the soul from the effects of the physical.
[ 33 ] Ich sagte ja, daß für manchen von den «erleuchteten» Anthroposophen das eine Wiederholung sein wird. Also es wiederholt sich so manches, was Sie schon wissen. Zum Beispiel, daß es heute naturphilosophierende Philosophen oder philosophierende Naturhistoriker gibt, die sagen: Da gibt es eine Pflanze, die Venusfliegenfalle. Sie hat eigentümlich gestaltete Blätter und Blüten. Wenn ein Insekt in die Nähe kommt, dann schließt sie sich. Die Venusfliegenfalle fängt dieses Insekt ab und zehrt es auf. — Ja, wenn man aus solchem äußerlichen Verhalten die Seele erschließen will, sagen will, die Pflanze habe auch eine Seele, dann kann ich Ihnen etwas nennen, was dann auch eine Seele haben muß. Das ist ein gewisses, sogar von Menschen zusammengestelltes Instrument. Man gibt etwas angeräucherten Speck hinein, und es hat eine Klappe daran, die zufällt, wenn eine Maus kommt, die durch den Speck angezogen wird und sich in dieses Instrument hineinbegibt. Wenn die Klappe zufällt, so ist es ganz dasselbe, wie bei der Venusfliegenfalle, bei der Pflanze. Man kann genau ebenso auf die Seele der Mausefalle schließen, wie jener LiteraturNaturphilosoph auf die Seele der Pflanzen schließt. Aus solchen Äußerlichkeiten lassen sich eben die Dinge durchaus nicht herleiten.
[ 33 ] I did say that for some of the “enlightened” anthroposophists, this will be a repetition. So, some things you already know will be repeated. For example, there are philosophers today who engage in natural philosophy—or natural historians who engage in philosophy—who say: There is a plant called the Venus flytrap. It has uniquely shaped leaves and flowers. When an insect comes near, it closes up. The Venus flytrap captures this insect and consumes it. — Yes, if one wants to infer the soul from such outward behavior—to claim that the plant also has a soul—then I can name something for you that must also have a soul. It is a certain instrument, even one constructed by humans. You put some smoked bacon inside it, and it has a trap that snaps shut when a mouse comes along, drawn by the bacon, and enters the device. When the trap snaps shut, it is exactly the same as with the Venus flytrap, the plant. One can infer the existence of a soul in the mousetrap just as that literary natural philosopher infers the existence of a soul in plants. Such external appearances simply do not allow us to deduce these things at all.
[ 34 ] Nun muß man sich aber klar sein darüber, daß hier etwas vorliegt, was überhaupt hinausgeht über die Vorstellungen vom gewöhnlichen Beweisen oder Widerlegen, die die Leute zumeist haben. Denn sehen Sie, lernt man von diesem wahren Gesichtspunkte aus den Menschen kennen, so erfährt man dasjenige, was als physische Natur sich äußert im Menschen; das wird im Erdenleben ein vollständiger Abdruck dessen, was der Mensch als geistiges Wesen ist. Und Sie können ebenso wahr, wie Sie im Siegellack das Eingravierte des Petschafts haben, im physischen Leib des Menschen überall den Abdruck finden von dem, was der Mensch geistig-seelisch ist. Was der Mensch geistig-seelisch ist, Sie können es überall nachweisen in den Windungen des Gehirnes. Und wenn Sie also sich stumpf machen wollen gegen die geistige Welt, so können Sie sagen: es ist ja alles im Physischen enthalten. Man kann, wenn man will, durchaus Materialist sein. Es fehlt einem gar nichts beim Menschen von der Natur. Man muß eben nicht nur pochen auf Beweise oder Widerlegungen nach gewöhnlichem Zuschnitt, wie sie in der Welt sonst gesucht werden, sondern man muß sich klar sein, daß man den Zug hin haben muß zum Geiste, daß man das Geistige als etwas Selbständiges erkennen muß. Dann wird man nicht leugnen, daß es ein Petschaft gibt, weil es den Abdruck im Siegellack gibt. Der Materialist sagt: Petschaft gibt’s nicht, das ist alles aus dem Siegellack heraus geworden. So kann er beweisen, daß ja im Petschaft auch nichts anderes ist: da steht Josef Müller, der steht im Siegellack; der ganze Mensch ist im Siegellack drinnen.
[ 34 ] Now, however, one must be clear that what we have here goes far beyond the notions of ordinary proof or refutation that people generally hold. For you see, when one comes to know human beings from this true perspective, one experiences that which manifests itself in human beings as physical nature; which, in earthly life, becomes a complete imprint of what the human being is as a spiritual being. And just as you can see the engraving of a seal in the sealing wax, so too can you find, everywhere in the human physical body, the imprint of what the human being is spiritually and soulfully. What the human being is spiritually and soulfully, you can demonstrate everywhere in the convolutions of the brain. And so, if you wish to close yourself off from the spiritual world, you can say: after all, everything is contained within the physical realm. One can, if one wishes, be a materialist through and through. Nothing is lacking in human nature. One must not merely insist on evidence or refutations of the conventional sort, as are otherwise sought in the world, but one must be clear that one must have a disposition toward the spirit, that one must recognize the spiritual as something independent. Then one will not deny that there is a seal, because there is an imprint in the sealing wax. The materialist says: There is no seal; it’s all just a result of the sealing wax. In this way, he can prove that there is indeed nothing else in the seal: it says “Josef Müller,” and that is what’s in the sealing wax; the whole person is contained within the sealing wax.
[ 35 ] Man kann Materialist sein, wenn man keine Möglichkeit hat, aus den Kräften der Seele, in der Selbsterfassung des Geistig-Seelischen, den Ausgangspunkt für den Weg zu finden ins Geistig-Seelische, ins Urbild hinein. Mit den groben Beweisen ist es ja nicht getan, denn Sie können den Materialismus beweisen, wenn Sie eben mit Ihren Beweisen in der physischen Welt bleiben. Das ist es, um was es sich handelt. Es muß eine innere menschliche Tat sein, sich vom Physischen in das Geistige hineinzufinden, nicht ein abstraktes Beweisen. Zur wahren Anthroposophie kommt man eben durch eine innere menschliche Tat, die aktiv das Erkennen weiterführt. Und alle Beweise-Plänkelei nützt nichts, denn bei dem, der mit seinen Beweisen in der physisch-sinnlichen Welt stehenbleibt, klappen alle Beweise zusammen, und Sie können einem Menschen, der eben nicht aus der Urkraft des menschlichen Eigenlebens heraus den Anfang des Weges in die geistige Welt findet, seine Beweise gar nicht widerlegen.
[ 35 ] One can be a materialist if one has no way of finding, through the powers of the soul—in the self-realization of the spiritual-soul—the starting point for the path into the spiritual-soul, into the archetype. Coarse proofs are not enough, for you can prove materialism if you simply remain within the physical world with your proofs. That is what this is all about. It must be an inner human act to find one’s way from the physical into the spiritual, not an abstract proof. True anthroposophy is attained precisely through an inner human act that actively advances knowledge. And all this squabbling over evidence is of no use, for those who remain confined to the physical-sensory world with their evidence will see all their evidence collapse, and you cannot refute the evidence of a person who does not find the beginning of the path into the spiritual world from within the primal force of their own human life.
[ 36 ] Diesen Tatbestand muß man einsehen. Man muß einsehen, daß es in des Menschen Freiheit gegeben ist, vom Physischen in das Geistige sich zu erheben, daß es nicht eine Tat der unfreien Beweise ist, sondern eine Tat des inneren menschlichen bewußten Erlebens, dieses Aufsteigen zu den geistigen Welten. Und wenn man das wirklich innerlich erfühlt, dann erst hat man das, was man braucht, um in der richtigen Weise die Stellung der Anthroposophie zu den bloß physischen Erkenntnisarten zu durchschauen.
[ 36 ] One must recognize this fact. One must recognize that human freedom includes the ability to rise from the physical to the spiritual, that this ascent to the spiritual worlds is not an act of unfree reasoning, but an act of inner, conscious human experience. And only when one truly feels this inwardly does one have what is needed to properly understand the relationship of anthroposophy to purely physical forms of knowledge.
[ 37 ] Das aber ist unserer Zeit so sehr notwendig. Wir können nicht von einer Philosophie, die mit Bezug auf ihre Analyse bloß anwendbar ist auf Stühle, verlangen, daß sie dasjenige, was menschenwürdig ist, wirklich begreift; sie kann nur begreifen, was sesselwürdig ist. Die Menschheit braucht aber heute das, was den Menschen zum Menschen selber hinführt, nicht bloß zu seinem Abdruck. In der Anschauung bietet der Abdruck alles, was im Urbilde in der geistigen Wesenheit drinnen ist, im Erleben aber nicht. Denn im Erleben muß der Mensch sich als geistseelisches Wesen finden. Dann findet er auch die Welt als geistseelisches Wesen. Daher ist im Grunde genommen aller Erkenntnisweg damit verbunden, daß man sich selber als das Bild des wahren Menschen erkennt.
[ 37 ] But that is so very necessary in our time. We cannot demand that a philosophy—which, in terms of its analysis, is applicable only to chairs—truly comprehend what is worthy of a human being; it can comprehend only what is worthy of a chair. But humanity today needs that which leads the human being to the human being itself, not merely to its image. In contemplation, the image offers everything that is contained in the archetype within the spiritual being, but not in experience. For in experience, the human being must find himself as a spiritual-soul being. Then he also finds the world as a spiritual-soul being. Therefore, fundamentally, every path of knowledge is connected with recognizing oneself as the image of the true human being.
[ 38 ] Steigt man in der Erhöhung der Liebe so weit in der Erkenntnis auf, daß einem zunächst das eigene Ich wie ein Fremdes erscheint und man es erst wiedererkennt, und steigt man so auf, daß man die Erdenwelt in der Umwelt wiedererkennt, dann steht man nicht bloß in einem abstrakten Erkenntnisprozeß drinnen, sondern in einem lebendigen Erkenntnisprozeß.
[ 38 ] If, in the ascent of love, one rises so far in knowledge that one’s own self initially appears as something foreign and one only recognizes it again later, and if one rises to the point of recognizing the earthly world in one’s surroundings, then one is not merely engaged in an abstract process of knowledge, but in a living process of knowledge.
[ 39 ] Und in diesem lebendigen Erkenntnisprozeß ist es, daß sich die Welt dem Menschen durch sein eigenes Wesen offenbart und daß sich das eigene Wesen des Menschen in dem Erleben der Welt draußen offenbart. Da wird wirklich der Mensch ein Wesen, das sich wiederfindet im ganzen Universum, denn, sich erkennend, lernt er die Welt erkennen, und die Welt erkennend, lernt er sich erkennen. Und im Wechselverhältnis zwischen Welt und Mensch enthüllt sich dasjenige, was dann den Menschen verbindet mit dem Göttlich-Geistigen, was den Menschen innerlich durchglüht mit der religiösen Stimmung aller wirklichen höheren Erkenntnis. Und wenn so sich abrundet zuletzt das ernste Erkennen in dem religiösen Erleben, dann wird der Glanz des Religiösen dem Erkennen verliehen, und dann wird die Durchsichtigkeit des Erkennens hinaufgehoben in das Gebiet, wo der Glaube zum Wissen wird durch seine eigene innere Erkenntniskraft. Es wird gefunden die Welt im Menschen, der Mensch in der Welt, durch den erkennenden Gang durch die Welt.
[ 39 ] And it is within this living process of cognition that the world reveals itself to human beings through their own nature, and that human beings’ own nature reveals itself through their experience of the external world. There, human beings truly become beings who find themselves within the entire universe; for, in recognizing themselves, they learn to recognize the world, and in recognizing the world, they learn to recognize themselves. And in the interplay between the world and human beings, that which connects human beings to the divine-spiritual is revealed—that which infuses them inwardly with the religious spirit of all true higher knowledge. And when, in this way, serious knowledge is finally brought to fulfillment in religious experience, then the radiance of the religious is bestowed upon knowledge, and the clarity of knowledge is raised into the realm where faith becomes knowledge through its own inner power of insight. The world is found within the human being, and the human being within the world, through the journey of knowledge through the world.
[ 40 ] Da wird Welt und Mensch zu dem einen allumfassenden kosmischen geistig-göttlichen Wesen vereinigt, in dem dann der Mensch sich und die Welt findet und dadurch erst auf steigt zu seiner wirklichen wahren Menschenwürde, die dann auch in sein religiöses, in sein sittliches Ethos wahrhaft übergehen kann und ihn zum vollen Menschen macht.
[ 40 ] There, the world and humanity are united into a single, all-encompassing, cosmic, spiritual-divine being, in which humanity then finds itself and the world, and thereby rises to its true, genuine human dignity—a dignity that can then truly be reflected in its religious and moral ethos, making it a fully realized human being.
[ 41 ] In der Ätherwelt durch das lebendige Denken: Berührung. In der Astralwelt durch das tiefe Schweigen: Sprache. In der Geistwelt: Wiedererkennen.
[ 41 ] In the etheric world, through living thought: touch. In the astral world, through deep silence: speech. In the spiritual world: recognition.

