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Appendix to the Public Lectures
GA 85

9 October 1913, Bergen

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Appendix to the Public Lectures, tr. SOL
  1. Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge

16. Die Rätsel des Lebens

16. The Mysteries of Life

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Dass ich die Betrachtungen nicht in der Sprache des Landes [halten kann, bedaure ich sehr]; das ist mir eben nicht möglich, aber die Freunde, bei denen ich privat einige Vorträge zu halten habe, waren der Ansicht, dass ich den Vortrag in der deutschen Sprache halten dürfe.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! I deeply regret that I cannot deliver these remarks in the local language; it is simply not possible for me to do so, but the friends for whom I am giving a few private lectures felt that I should be allowed to deliver this lecture in German.

[ 2 ] Die Rätsel des Lebens! Die Art und Weise, wie die Betrachtung [dieser Rätsel] geschehen soll, ist verhältnismäßig noch jung. [Sie ist bis jetzt wohl außer dem] Kreis anthroposophischer Freunde hier in der Stadt [noch unbekannt]. Unbekannt und verhältnismäßig unbeliebt auch ist dasjenige noch, was ich zu sagen habe. … Wie vieles, vieles entgegnet werden kann gegen dasjenige, was ich zu sagen habe, [ist mir bewusst.] … In einer [so] kurzen Zeit kann ich nur Andeutungen über die wichtigen Fragen geben, und von dem Gesichtspunkte auch bitte ich, den Vortrag aufzunehmen. …

[ 2 ] The mysteries of life! The approach to contemplating [these mysteries] is still relatively new. [It is, for the most part, still unknown outside] the circle of anthroposophical friends here in the city. What I have to say is also still unknown and relatively unpopular. … [I am aware] of how many, many objections can be raised against what I have to say. … In such a short time, I can only offer hints regarding the important questions, and I ask that you listen to the lecture from this perspective. …

[ 3 ] Dass es im Leben Rätselfragen über Rätselfragen gibt, das empfindet ja jede Seele bei einigem Nachdenken … Die wichtigsten Rätselfragen des Lebens sind diejenigen, die uns im Leben täglich, ja stündlich entgegentreten. Mit einer Annäherung an die wichtigsten Rätsel, die, wenn sie [eine] Beantwortung [finden], auch die anderen beantworten, [möchte ich beginnen.] … Zwei sind der wichtigsten Lebensrätsel: … Das eine heißt «Tod» … Es fühlt die Menschenseele, dass, wenn darüber der Schleier etwas gelüftet werden kann, … es schließen die Menschen daran das Wort «Unsterblichkeit». Es steht damit alles Bedeutendste – alles [Wichtige] … [vor] unserer Seele.

[ 3 ] That life is full of riddles within riddles is something every soul comes to realize upon reflection … The most important riddles of life are those we encounter every day, indeed every hour. [I would like to begin] by approaching the most important mysteries—those which, if they [find] an answer, will also answer the others… Two are among the most important mysteries of life: … One is called “death”… The human soul senses that if the veil over it can be lifted even slightly… people associate the word “immortality” with it. Thus, everything of the greatest significance—everything [important] … [lies] before our soul.

[ 4 ] Ein anderes Rätsel ist des Menschen Schicksal. Es tritt ein Mensch in die Geburt, umgeben von sorgenden Händen, mit Anlagen und Talenten, und man hat den Eindruck, dass die Talente und Anlagen sich ausbilden können. … Der andere tritt so ins Leben, dass man sehen kann, dass er für das Leben wenig leisten wird. Beiden gegenüber fragen sich die Menschen: Warum? Seit Menschenseelen denken können, sind versucht worden Antworten [in] mannigfaltiger Weise auf die Schicksals-, auf die Todesfragen …

[ 4 ] Another mystery is the fate of human beings. A person is born, surrounded by caring hands, with innate abilities and talents, and one gets the impression that these talents and abilities can develop. … Another enters life in such a way that one can see he will accomplish little in life. Faced with both, people ask themselves: Why? Ever since human souls have been capable of thought, attempts have been made to find answers in manifold ways to the questions of fate and death …

[ 5 ] Eine bis zu drei Jahrhunderte währende naturwissenschaftliche Bildung [hat Folgendes mit sich gebracht]. Was die Geisteswissenschaft heute zu geben hat, wird noch nicht verstanden, weil man sie [für] in Gegnerschaft [stehend] hält zu der Naturwissenschaft. – Man kann das auch glauben, wenn man das hört, was ich heute sagen werde, aber nicht bei tieferer Einsicht. – Der Geistesforscher fühlt, dass auch die Seelenfragen eine neue Antwort erheischen durch die Naturwissenschaft. Er wird merken, dass der Mensch durch die Naturwissenschaft die Rätsel zu höheren, zu größeren [Rätseln] gemacht hat. – [Ebenso verhält es sich mit der Religion.] Was [einst] beseligender Glaube war, [wird durch Naturwissenschaft ebenso zum Rätsel].

[ 5 ] A scientific education spanning up to three centuries [has led to the following]. What the humanities have to offer today is not yet understood, because they are considered to be in opposition to the natural sciences. – One might believe that when hearing what I am about to say today, but not upon deeper reflection. – The scholar of the humanities senses that questions of the soul, too, demand a new answer through the natural sciences. He will realize that, through the natural sciences, humanity has transformed these mysteries into higher, greater [mysteries]. – [The same is true of religion.] What [once] was a source of spiritual joy [becomes just as much of a mystery through natural science].

[ 6 ] Vergleichen möchte ich das, was Naturwissenschaft gebracht hat, vergleichen möchte ich [es] mit den Früchten, die wir gebrauchen zur Aussaat. [Die meisten Früchte bauen wir zum Verzehr an.] Aber einzelne von unseren Früchten müssen wir ganz anders brauchen als die Früchte, die wir zum Essen brauchen; wir müssen sie hegen und pflegen zur Aussaat. – Manche der [geistig-seelischen] Früchte, die gehegt und gepflegt werden, [dienen] als Aussaat eines neuen Seelenlebens.

[ 6 ] I would like to compare what science has brought us; I would like to compare [it] to the fruits we use for sowing. [We grow most fruits for consumption.] But we must use some of our fruits in a completely different way than the fruits we eat; we must nurture and care for them for sowing. – Some of the [spiritual and soul-related] fruits that are nurtured and cared for [serve] as seeds for a new soul life.

[ 7 ] Mit keinen der genannten Anschauungen soll die Geisteswissenschaft in Gegensatz kommen – … [Es ist wie mit der] kopernikanischen Weltanschauung: [Die Leute] glaubten, ihr Ende müsse kommen, wenn sie das zugäben, [dass nicht die Sonne sich um die Erde dreht, sondern die Erde um die Sonne] … Wenn dasjenige, was hier zu sagen ist, [ähnlich aufgefasst wird], hat man [es] mit anderen Strömungen verwechselt. [Aber religiöse Menschen werden sich mit der neuen Lehre versöhnen, so wie sie mit der Lehre des Kopernikus gemacht haben.] … Wie sich in der Gegenwart die Geistesforschung hinstellt: … [Wir wollen es am Beispiel einer Pflanze zeigen.] Wenn wir eine Pflanze [vor uns] hinstellen und betrachten, was ihren Anfang mit ihrem Ende zusammenbringt, [dann können wir sagen]: … Wir sahen ihr Wachsen, ihr Gedeihen, wie daraus im nächsten Jahr eine neue Pflanze hervorgeht. Wir begreifen den Anfang im Hinsehen auf das Ende. … In ähnlicher Weise versucht sich der Geistesforscher beim Menschen. Er muss da aber nicht im Äußeren der Menschen seine Forschung suchen, sondern er muss im Inneren sein Forschen suchen … Hier begegnet er Missverständnissen.

[ 7 ] Spiritual science is not meant to conflict with any of the views mentioned—… [It is like the] Copernican worldview: [People] believed their world would come to an end if they admitted [that it is not the sun that revolves around the Earth, but the Earth that revolves around the sun] … If what is to be said here is [interpreted in a similar way], then it has been confused with other movements. [But religious people will come to terms with the new teaching, just as they did with Copernicus’s teaching.] … How spiritual research presents itself today: … [Let us illustrate this with the example of a plant.] If we place a plant [before us] and observe what connects its beginning with its end, [then we can say]: … We have seen it grow and flourish, and how a new plant emerges from it the following year. We understand the beginning by looking at the end. … In a similar way, the spiritual researcher applies this to human beings. However, he must not seek his research in people’s outward appearance, but rather within their inner being … Here he encounters misunderstandings.

[ 8 ] Lodge, der berühmte Physiker, … [und andere,] welche mit ähnlichen Forschungen suchen … wie Forscher der – der Sterne … Bei einigen ist man schon zu [Befragungen] gekommen. – Ich brauche nur auf das ominöse Wort «Spiritismus» hin[zu]weisen. Objektiv [fest]halten [will man das Geistige]. Es zeigt, wie die Menschen das Ewige in dem Zeitlichen suchen. Geistes- und Seelenexperimente. [Der Spiritismus zeigt den Drang, die ewige Welt des Geistes zu erforschen, aber er macht es durch äußere Experimente, darum irrt er.] … Dasjenige [aber], was Geisteswissenschaft anerkennt, verläuft in einem Experimente, das rein geistig-seelisch ist. Man kommt zu der viel besprochenen Frage: Was ist die Seele, was ist der Geist? …

[ 8 ] Lodge, the famous physicist, … [and others,] who are conducting similar research … like researchers of the—the stars … In some cases, they have already moved on to [questioning]. – I need only point to the ominous term “spiritism.” [They seek to] objectively [capture] [the spiritual]. It shows how people seek the eternal in the temporal. Experiments involving the spirit and the soul. [Spiritualism reveals the urge to explore the eternal world of the spirit, but it does so through external experiments, which is why it errs.] … That which spiritual science recognizes, however, takes place within an experiment that is purely spiritual and soul-related. This leads to the much-discussed question: What is the soul? What is the spirit? …

[ 9 ] [Das Ergebnis der Geisteswissenschaft ist, dass das Menschenleben nicht von Geburt und Tod eingeschlossen ist; in diesem physischen Leben sammeln sich und wirken weitreichende Kräfte. Die Seele sprengt im Tode die Schranken des physischen Lebens, sie erlangt ein geistiges Leben. Dies ist die Lösung der großen Rätsel Tod, Unsterblichkeit, Schicksal. Durch ihre Lösung fällt Licht auf das ganze Menschenleben. In jeder Seele liegt diesen Rätseln gegenüber verborgen ein: Warum?]

[ 9 ] [The conclusion of spiritual science is that human life is not confined to birth and death; far-reaching forces accumulate and take effect within this physical life. At death, the soul breaks through the barriers of physical life and attains a spiritual life. This is the solution to the great mysteries of death, immortality, and destiny. Through this solution, light is shed on the whole of human life. Hidden within every soul, in relation to these mysteries, lies the question: Why?]

[ 10 ] Wenn man sich darauf verlässt, [diese Lösung] zu erfahren … [und] nur wenn man dieses anerkennt, kommt man zu einer Anschauung; zu neuer Erfahrung dringt man erst vor, zu diesen Fragen. So erfährt man, dass sie – [die Seele] – mit dem Entstehen, mit dem Vergehen nichts zu tun [hat]. Wenn wir richten den Blick bei einer Pflanze auf ihr Wachstum, wie sie eine neue Pflanze bildet – … [eben]so richtet der Geistesforscher seinen seelischen Blick auf den Verlauf des Menschenlebens, und er sieht, wie im Stoff die geistigen Kräfte wirken, wie sie im Geistigen schon vor der Geburt da sind. … Wie dann das Menschenleben verläuft und seine geistigen Kräfte sich konzentrieren nach dem Tode hin, wie bei der Pflanze – so konzentrieren wir Keimeskräfte, die bleiben nach der Pforte des Todes. … [Nachdem die Seele] verlebt [hat eine Zeit] im rein geistigen Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, … [kehrt sie wieder].

[ 10 ] If one relies on experiencing [this solution] … [and] only by acknowledging this does one arrive at an insight; one only then advances to a new experience of these questions. Thus one learns that it—[the soul]—has nothing to do with coming into being or passing away [to do with] coming into being or passing away. Just as we direct our gaze to a plant’s growth, to how it forms a new plant—… [so] the spiritual researcher directs his spiritual gaze to the course of human life, and he sees how spiritual forces act within matter, how they are already present in the spiritual realm even before birth. … Just as human life unfolds and its spiritual forces concentrate toward death—as with the plant—so do we concentrate the germinative forces that remain beyond the threshold of death. … [After the soul] has spent [a time] in the purely spiritual life between death and a new birth, … [it returns].

[ 11 ] Wenn wir das Rätsel des Kindes betrachten und was sich im heranwachsenden Kinde von innen nach außen erarbeitet – [erkennen wir], was die ungeschickten Glieder geschickt macht. … [Darin zeigt sich: Es] hat sich im geistigen Leben zum Kerne umgebildet. Im Geistigen sammelt es die Keimeskräfte, und wenn für es die Zeit der Reife gekommen ist, zieht es (sich) hin zu Vater und Mutter – zum Geborenwerden. Wenn wir den Mensch befragt [haben], so sagen wir uns: Dasjenige, was sich in uns als Kern gestaltet hat, ist uns geblieben aus einem früheren Leben. … [Und wenn das Leben dem Ende zugeht], wenn die Haut [sich] runzelt, die Haare sich bleichen, so sehen wir nicht nur das Altern, sondern das Sich-Konzentrieren des Geistigen, das weiter wirkt durch die Pforte des Lebens zu einem neuen Leben.

[ 11 ] When we consider the mystery of the child and what develops within the growing child from the inside out—[we recognize] what transforms the clumsy limbs into skillful ones. … [This reveals that it] has been transformed into a core within the spiritual life. In the spiritual realm, it gathers the seed forces, and when the time of maturity has come for it, it draws toward its father and mother—toward being born. When we have reflected on the human being, we say to ourselves: That which has taken shape within us as a core has remained with us from a previous life. … [And when life draws to a close], when the skin wrinkles and the hair turns gray, we see not only aging but also the concentration of the spiritual, which continues to work through the gateway of life toward a new life.

[ 12 ] [Das sind scheinbar] Behauptungen, die unsinnig erscheinen können dem Menschen, der steht im jetzigen Bildungsleben. … [Aber sie ergeben sich der Geisteswissenschaft durch die] Steigerung des Seelenlebens. – Indem ich mich verständlich machen will, möchte ich ein Drittes erwähnen. – Im Leben nehmen wir das als nicht so rätselhaft hin, das Gewöhnte. – Der Tod, das Schicksal; es ist uns ungewohnt, was das Schicksal bringt. – Das Rätsel von Wachen und Schlafen. … Wie das Rätsel [von Leben und Tod] ist [Wachen und Schlafen]. Wachen [und Schlafen], das vergleicht man mit dem [Leben und dem] Tode. Wir müssen uns begnügen, nur andeutungsweise zu [er]arbeiten wegen der kurzen Zeit, was das Rätsel des Schlafes ist, wie wir die Finsternis fühlen und bewusstlos werden. … [Wir wissen], dass die Triebe einst ersterben können und dazu auch [das Bewusstsein], wenn Finsternis sich über die Seele breitet. [Aber im Schlafe hält ja das Leben nicht an.] – Die Geistesforschung zeigt, dass es wichtig [und richtig] ist, dass die Seele und das Geistige während des Schlafs den Körper verlassen. Sie kommt zu dem Resultat der Unabhängigkeit der Seele vom Körper. – Das, was der Schlaf beim Menschen erreicht, sucht der Geistesforscher durch Arbeit zu erreichen. Der Geistesforscher muss bewusst leben lernen in dem, was der Mensch im Schlaf unbewusst tut. Einfache Dinge sind es, die ich aufzuzählen habe. … [Man kann wohl sagen]: Das mag ein anderer glauben, dass man auf die Art in die geistige Welt hineinkommt, und doch ist es wahr: Meditation … Konzentration … [Kontemplation], [das ist der Weg]. Was der Geistesforscher [damit] anstrebt, ist, seinen Willen so zu beeinflussen, dass er das, was der Mensch unwillkürlich tut, willkürlich tut. Ebenso muss [er] jedem Eindruck der Sinnorgane Einhalt gebieten können. Wie man eine solche Hingabe und Stärkung des Willens erreicht – Sie finden es in meinem Buche: «Wie erlangt man …»; dass man sich [zum Beispiel] gewissen sinnbildlichen Vorstellungen hingibt. Alles, was wir im gewöhnlichen Leben erleben, das führt uns nicht zur Geistesforschung. Es führt das uns dazu, dass man sein Leben [durch sorgfältige Übung der Geisteskräfte] verwandelt. Man bildet sich eine Vorstellung, man soll eine Vorstellung, die man vollständig überschauen kann, in das Blickfeld stellen. Wer zum Beispiel sich das Licht vorstellt und dabei meditiert «Im Lichte lebet Weisheit», so, damit sie – [die Vorstellung] – nicht uns meistert, sondern dass wir sie meistern. Geduld gehört dazu, langes Festhalten der Vorstellung – und dann gar nichts denken. Wenn in entsagungsvollem innerem Leben es geübt wird, dass man die Denkkraft loslöst von allem Geschehenen, und [der Mensch] nur in der Denkkraft lebt, dann macht er etwas wie geistige Chemie. [So, wie] Wasser aus Wasserstoff und Sauerstoff [besteht, besteht der Mensch aus Leiblichem und Geistig-Seelischem]. Er löst dann das Geistig-Seelische heraus. – Wenn man sich hinauslebt, dann weiß man, dass man das nicht nur [allein] hervorgebracht hat – man weiß, dass der Geist dem Körper erst das Leben gegeben hat, dass der Geist sich loslöst vom Leben, um den Leib zu benutzen wieder beim Erwachen. Es kann sein, dass wir ohne Gefühl diese geistige Chemie machen. Man wird im Moment des Einschlafens bemerken können, dass zuweilen sich wie ein Nebel ausbreitet, wie die Glieder schwer werden, dann kommt etwas wie ein Ruck, der einen durchlebt wie ein Gefühl innerer Seligkeit über das, was man moralisch Gutes getan [hat]. Das Gefühl kann bei dem Geistesforscher herausgehen wie der Gedanke beim Einschlafen. Er fühlt, wie er den Leib und alle Verrichtungen des Leibes sich selbst überlässt. Er fühlt sein inneres Erleben außerhalb seines Leibes. Herztätigkeit. Der Mensch schaut zurück und schaut, das war [ich] … [Ich möchte auf ein] Erlebnis hinweisen, das sich auf hundertfache Weise ereignen kann. Es ist das Wesentliche, was der Mensch erlebt, erschütternd bei dem Ereignis – mitten am Tage oder auch im Schlaf. Es kommt wenig auf die [Situation] an. [Man kann es in die Worte fassen]: «Es ist, als wenn der Blitz in meinem Leibe eingeschlagen hat.» – Dann hat man erlebt [die] Selbstständigkeit des Leibes … Man weiß von diesem Momente an, was die Geistesforscher damit gemeint haben, wenn sie sagen, man tritt heran an die Pforte des Todes. Das, was in einem lebt, hat man kennengelernt – die Seele. Indem der Forscher die Seele vor sich hinstellt, zeigt die Seele die Kraft, dass sie nicht zugrunde gehen kann.

[ 12 ] [These are apparently] assertions that may seem nonsensical to someone immersed in today’s educational system. … [But they arise in spiritual science through the] intensification of the soul’s life. – In order to make myself understood, I would like to mention a third point. – In life, we accept what is familiar as not so mysterious. – Death, fate; what fate brings is unfamiliar to us. – The mystery of waking and sleeping. … Just as the mystery [of life and death] is [waking and sleeping]. Waking [and sleeping]—these are compared to [life and] death. We must content ourselves, due to the limited time, with only hinting at what the mystery of sleep is—how we feel the darkness and lose consciousness. … [We know] that the instincts can cease, and with them [consciousness], when darkness spreads over the soul. [But life does not continue during sleep.] – Spiritual research shows that it is important [and correct] for the soul and the spiritual to leave the body during sleep. It concludes that the soul is independent of the body. – What sleep accomplishes in human beings, the spiritual researcher seeks to achieve through work. The spiritual researcher must learn to live consciously in what a person does unconsciously during sleep. The things I have to list are simple. … [One might well say]: Others may believe that this is how one enters the spiritual world, and yet it is true: Meditation … concentration … [contemplation], [that is the path]. What the spiritual researcher strives for [through this] is to influence his will in such a way that he does voluntarily what a person does involuntarily. Likewise, [he] must be able to put a stop to every impression from the sense organs. How to achieve such devotion and strengthening of the will—you will find it in my book: “How Does One Attain …”; that one devotes oneself [for example] to certain symbolic images. Everything we experience in ordinary life does not lead us to spiritual research. It leads us to transform our lives [through careful exercise of the spiritual powers]. One forms an image; one should place an image that one can fully grasp within one’s field of vision. For example, if one imagines the light and meditates on the thought “Wisdom lives in the light,” this is so that [the image] does not master us, but rather that we master it. Patience is part of this, holding onto the image for a long time—and then thinking of nothing at all. When, in a life of self-denial and inner devotion, one practices detaching the power of thought from all that has happened, and [the human being] lives solely in the power of thought, then one engages in something like spiritual chemistry. [Just as] water consists of hydrogen and oxygen, [so the human being consists of the physical and the spiritual-psychic]. He then extracts the spiritual-soul aspect. — When one lives oneself out, one knows that one did not bring this about [alone]—one knows that the spirit first gave life to the body, that the spirit detaches itself from life in order to use the body again upon awakening. It may be that we perform this spiritual chemistry without feeling it. At the moment of falling asleep, one may notice that at times a kind of mist spreads, as the limbs grow heavy; then comes something like a jolt that courses through one like a feeling of inner bliss over what one has done that is morally good. For the spiritual researcher, this feeling can emerge just as a thought does when falling asleep. He feels himself surrendering the body and all its functions to itself. He feels his inner experience outside his body—the beating of the heart. The person looks back and realizes, “That was [me]…” [I would like to point out an] experience that can occur in a hundred different ways. It is the essence of what a person experiences—a shattering moment—whether in the middle of the day or even in sleep. The [situation] matters little. [One can put it in words]: “It is as if lightning had struck my body.” – Then one has experienced [the] independence of the body… From that moment on, one knows what spiritual researchers meant when they said that one approaches the gateway of death. One has come to know what lives within oneself—the soul. As the researcher places the soul before himself, the soul demonstrates the power that prevents it from perishing.

[ 13 ] Die Sprachkraft … [also] was uns die Organe schafft, mit denen wir sprechen – man kann loslösen diese Kraft. … Wenn [man durch Schweigsamkeit] diese innere Verrichtung prüfen kann, wie die Gebärde und die Geste – wenn man loslöst die Kraft des Sprechens und alles behält, was die Sprache hervorbringt, [dann erreicht man eine weitere Stufe der Geistesforschung]. Die Wissenschaft hat nachgewiesen, dass der Mensch nicht sprachlos denkt. [Wir] erleben das dann außerhalb unseres Leibes. Wer das innerlich erlebt, [der erfährt, wie sich sein Bewusstsein auf frühere Erdenleben erweitert]. … Stück für Stück wird durch geistige Chemie dasjenige losgebrannt, was von Leben zu Leben geht. Dasjenige, was der Mensch in seinen Träumen erlebt, hängt zusammen mit seinem Begierdeleben.

[ 13 ] The power of speech … [that is] what our organs of speech create for us—one can detach oneself from this power. … If [through silence] one can examine this inner process—such as gestures and body language—if one detaches the power of speech while retaining everything that language produces, [then one reaches a further stage of spiritual research]. Science has proven that humans do not think without language. [We] then experience this outside our bodies. Whoever experiences this inwardly [discovers how their consciousness expands to encompass previous earthly lives]. … Bit by bit, through spiritual chemistry, that which passes from life to life is burned away. What a person experiences in their dreams is connected to their life of desire.

[ 14 ] Zum Beispiel: Im Leben begegnet uns das Schicksal. Das Schicksal bringt uns Dinge, unter denen wir hart leiden; [dringen] wir aber in unser Schicksal von einem rein geistigen Standpunkt, dann sehen wir andres. Wir sehen, dass das vorgeburtliche Wünsche waren, die uns das Schicksal bringt. Wir bereiten unser Schicksal vor, indem wir uns sagen, unsere Seele musste dieses Schwere erleben. – Wir sind die Schmiede unseres eigenen Lebens. Irgendeine Geschicklichkeit ist in unserem vorigen Leben noch nicht entwickelt worden; bilden wir unsere Seele heran, dass sie das im neuen Leben dann nachholen kann … Es verwandelt sich das Bewusstsein einer unmoralischen Handlung (sie) in den Trieb, sie auszugleichen.

[ 14 ] For example: In life, we encounter fate. Fate brings us things that cause us great suffering; but if we examine our fate from a purely spiritual standpoint, we see something different. We see that these were pre-birth desires that fate brings to us. We prepare our destiny by telling ourselves that our soul had to experience this hardship. – We are the smiths of our own lives. Some skill has not yet been developed in our previous life; let us nurture our soul so that it can make up for this in the new life … The awareness of an immoral act is transformed into the impulse to make amends for it.

[ 15 ] Wer wirklich in der Seele ein früheres Erdenleben durchschaut, der ist gewissenhaft. Wenn man in ein solches Leben zurückschaut: In seinem 40. Lebensjahr lernt man erkennen, was man gebrauchen kann, kann aber die Erkenntnis nicht mehr gebrauchen. Am wenigsten kann man das Erkennen zum Renommieren gebrauchen. Man hat bei einem gewinnreichen Leben oft sehr gesündigt gegen Fähigkeiten, die man schon gehabt hat.

[ 15 ] Anyone who truly perceives a past earthly life in their soul is conscientious. When one looks back on such a life: At the age of 40, one learns to recognize what one can use, but can no longer make use of that insight. Least of all can one use this insight to seek fame. In a life filled with gain, one has often greatly sinned against abilities one already possessed.

[ 16 ] Nicht gleichsam wie in einer unendlichen Linie scheint uns die Ewigkeit, sondern indem sich Leben an Leben reiht. … Wenn uns Unglück trifft, so sagen wir uns als Beantwortung der Frage [nach dem Warum]: Wir haben Unglück gesucht während des Todes und einer neuen Geburt. [Den] Tod des Vaters empfindet der Sohn jung als Unglück, aber im Alter betrachtet er das von einem anderen Gesichtspunkt und sagt: Gott sei Dank – sonst wäre ich nicht der Charakter geworden, [der ich jetzt bin]. … Geisteswissenschaft löst uns diese Rätsel, indem sie uns gibt wie ein Lebenselixier … Wir werden heranleben im Leben. Die Begriffe, die uns die Geisteswissenschaft gibt, sie werden in uns lebendig. Unsterblichkeit wird uns gegeben nicht nur als Theorie, sondern als Lebenselixier. … Der Schmerz kann noch von der Warte des geistigen Anschauens zur inneren Kraft, zur inneren Beseligung werden. Geisteswissenschaft führt allmählich zum Erleben des Geistig-Seelischen. [Das Leben wird Vorbereitung zu neuem Leben. Zusammenfassend können wir sagen]:

[ 16 ] Eternity does not appear to us as if it were an infinite line, but rather as one life following another. … When misfortune befalls us, we answer the question [of “why”] by saying to ourselves: We sought misfortune during death and a new birth. As a young man, the son perceives his father’s death as misfortune, but in old age he views it from a different perspective and says: Thank God—otherwise I would not have become the person [I am now]. … Spiritual science solves these mysteries for us by giving us, as it were, an elixir of life … We will grow into life. The concepts that spiritual science gives us come alive within us. Immortality is given to us not merely as a theory, but as an elixir of life. … From the perspective of spiritual contemplation, pain can still be transformed into inner strength and inner bliss. Spiritual science gradually leads to the experience of the spiritual-soul life. [Life becomes a preparation for a new life. In summary, we can say]:

Es sprechen zu den Menschensinnen
Die Dinge in den Raumesweiten
[Sie wandeln sich im Zeitenlauf.
Erlebend dringt die Menschenseele
Durch Raumesweiten unbegrenzt,
und unbeirrt von Zeitenlauf
Ins Reich der Ewigkeiten ein.]

They speak to the human senses
The things in the vastness of space
[They change as time passes.
Through experience, the human soul
Penetrates the boundless expanse of space,
and, undeterred by the passage of time
Enters the realm of eternity.]