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Appendix to the Public Lectures
GA 85

16 April 1914, Prague

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Appendix to the Public Lectures, tr. SOL
  1. Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge

19. Wie findet die Menschenseele ihre wahre Wesenheit?

19. How does the human soul find its true essence?

[ 1 ] Wie findet die Menschenseele ihre wahre Wesenheit? Es ist [dies] eine Frage, die sich im Grunde genommen jede fühlende Menschenseele, jede Menschenseele, die [sich] ihrer Würde und ihres Wesens in der Welt bewusst werden will, immer wiederum aufwerfen muss. Dennoch darf man glauben, wenn man das Geistesleben der Gegenwart und alles, was an die Seele herantreten kann, [überschaut], dass schon viele Seelen vorhanden sind und dass ihre Zahl immer größer werden wird, da das Geistesleben der Menschheit, wie es bisher war, nichts herausfindet, was die gesamten Fragen in einer befriedigenden Weise löst.

[ 1 ] How does the human soul find its true essence? This is a question that, fundamentally, every sentient human soul—every human soul that wishes to become aware of its dignity and its essence in the world—must ask itself again and again. Nevertheless, if one surveys the spiritual life of the present and everything that can speak to the soul, one may believe that there are already many such souls and that their number will continue to grow, since the spiritual life of humanity, as it has been until now, has not discovered anything that resolves all these questions in a satisfactory manner.

[ 2 ] Da stellt sich in das neuere Geistesleben hinein das, was von dem Gesichtspunkt dieser Weltanschauung aus Geisteswissenschaft genannt wird. Allein sie kann heute noch nicht appellieren an die Zustimmung und das Urteil weitester Kreise. Denn es scheint alles das, was durch die [Geistes]wissenschaft heraus[ge]arbeitet [wird], dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft entgegengesetzt zu sein, wie entgegengesetzt war der Kopernikanismus [deren früherem Stand]. Ebenso[wenig] widerspricht die Geisteswissenschaft, die in Wahrheit nichts ist als das echte Kind der Naturwissenschaft, allem, was die Menschheit nach den Denkgewohnheiten der gewöhnlichen Wissenschaft für wahr und wahrscheinlich einsehen kann.

[ 2 ] This is where what is called “spiritual science” from the perspective of this worldview enters into modern spiritual life. However, it cannot yet appeal to the approval and judgment of the broadest circles. For everything that is worked out through [spiritual] science seems to be opposed to the current state of science, just as Copernicanism was opposed to [its earlier state]. Likewise, spiritual science—which is, in truth, nothing other than the true child of natural science—does not contradict anything that humanity can recognize as true and probable according to the modes of thought of conventional science.

[ 3 ] Erst dadurch, dass man immer tiefer eindringt, erlangt man allmählich die Empfindung, dass man etwas für die Gegenwart [braucht], wie [man es] in dem Kopernikanismus für seine Zeit [hatte], was sich so einleben wird in das menschliche Geistesleben – und müsste es sich durch die engsten Felsspalten hindurcharbeiten. Denn so geht es mit der Entwicklung aller Wahrheit in der Entwicklung der Menschen. Daher: Nicht von einer Hoffnung, in weitesten Kreisen Zustimmung [zu finden], kann der Geistesforscher sprechen, sondern von der Hoffnung auf Wahrheit. Dasjenige muss für den, der in die ganze Stimmung der neueren Geisteswissenschaft eindringen will, eine für die Seele ausgemachte Empfindung sein, dass das äußere Leben – das Sinnesleben und [das] äußere Seelenleben – nicht zu jenen Quellen des Weltendaseins führen kann, durch welche die Seele ihre wahre Wesenheit ihr wirkliches Begründet-Sein in den Weltentiefen des Daseins fühlt. In einer gewissen Beziehung erweist sie sich auch dadurch als ein Kind der modernen Naturwissenschaften, dass sie mit dem Guten, Bedeutungsvollen derselben in jeder Beziehung in Übereinstimmung sich befindet, dass sie nicht das Bedürfnis hat, auch nur das Geringste dagegen einzuwenden.

[ 3 ] Only by delving ever deeper does one gradually gain the sense that one [needs] something for the present, just as [one had] in Copernicanism for its time, something that will take root in human spiritual life—even if it has to work its way through the narrowest crevices in the rock. For this is how the development of all truth unfolds in the development of humanity. Therefore: The spiritual researcher cannot speak of a hope of [finding] approval in the broadest circles, but rather of a hope for truth. For anyone who wishes to penetrate the entire spirit of modern spiritual science, it must be a profound feeling within the soul that external life—sensory life and external soul life—cannot lead to those sources of world existence through which the soul feels its true essence and its real grounding in the depths of existence. In a certain sense, it also proves itself to be a child of modern natural science in that it is in complete harmony with the good and significant aspects of the latter in every respect, and in that it feels no need to raise even the slightest objection to it.

[ 4 ] Gesagt kann werden, dass der, der sich erziehen lässt durch die Ideen und Vorstellungen, die schon heute bedeutend genug sind für das menschliche Seelenleben und immer bedeutender werden können, der wird [geführt] vor allen Dingen zu der ersten, empfindungsgemäßesten Empfindung, dass der Seele wahre Wesenheit nicht Anschauung werden kann durch Verarbeitung der äußeren Sinneseindrücke. Immer klarer wird es, dass mit dem Durchschreiten der Todespforte, mit dem Ablegen des menschlichen Leibes die Möglichkeit aufhört, irgendetwas zu [empfinden], was ihn umwebt, zu dem die Sinneswahrnehmung notwendig ist, oder [das] Denken, das an das Gehirn gebunden ist. Klar ist es, dass die Sinne – und die Möglichkeit, Sinnlich[es] zu beobachten –, aufhören muss, wenn die Seele in die Lage kommt, ein Leben zu führen, das nicht im Leibe ist.

[ 4 ] It can be said that whoever allows themselves to be educated by the ideas and concepts that are already significant enough for human spiritual life today—and that can become ever more significant—will be [led] above all to the first and most intuitive realization: that the soul’s true essence cannot be perceived through the processing of external sensory impressions. It is becoming ever clearer that, upon passing through the gate of death and shedding the human body, the possibility ceases to [perceive] anything that surrounds it—anything for which sensory perception is necessary, or [that] thinking bound to the brain. It is clear that the senses—and the ability to observe sensory phenomena—must cease when the soul is able to lead a life that is not within the body.

[ 5 ] Man nehme an, es könne eine Weltanschauung, die heute von vielen recht sehr ersehnt wird, mit äußeren Mitteln geistige Vorgänge sichtbar, hörbar usw. machen … ich deute an den Spiritismus …, und man könnte es dahin bringen, Geistesvorgänge zu fotografieren; diese könnte man ja doch nicht wahrnehmen nach dem Tode ohne dem Leben. Moderne Geisteswissenschaft zeigt die Wege, wie man dazu gelangen kann. Das Prin[zip]ielle soll auseinandergesetzt werden. Nun, die Möglichkeit liegt vor, etwas mit der menschlichen Seele zu bewirken, was genannt werden kann – eine geistige Chemie. [Diese] kann nur durch innere Lebenspraxis vorgenommen werden; innere Anstrengungen, Kraftentwicklungen der menschlichen Seele sind es, die jede Seele, die sich auf den Weg der Entwicklung begibt, zu vollbringen hat.

[ 5 ] Suppose there were a worldview—one that many people today long for quite intensely—that could use external means to make mental processes visible, audible, and so on… I am alluding to spiritualism… and suppose it were possible to photograph mental processes; after all, one could not perceive them after death without life. Modern spiritual science shows the ways in which this can be achieved. The fundamental [principle] must be explained. Now, the possibility exists to bring about something with the human soul that can be called—a spiritual chemistry. [This] can only be accomplished through inner spiritual practice; it is inner efforts and the development of the human soul’s powers that every soul embarking on the path of development must accomplish.

[ 6 ] [Das Erste auf diesem Weg ist] Aufmerksamkeit. Würde für die Dinge, [die] vorüberhuschen, [keine Aufmerksamkeit sein], so würde das bald vergessen sein. Wir müssen die inneren Seelenkräfte gleichsam [an]spannen auf eine Wesenheit, müssen Aufmerksamkeit und Interessen entfalten. Eine Frage nach dem Gedächtnis ist eine Frage nach der Aufmerksamkeit … [Man muss] Interesse entwickeln für das da Erlebte. Dadurch, dass man sich gewöhnt, immer wieder aufmerksam zu sein, schärft man die Gedächtniskraft.

[ 6 ] [The first step on this path is] attention. If there were [no attention] paid to the things [that] flit by, they would soon be forgotten. We must, as it were, focus our inner spiritual powers on a being; we must cultivate attention and interest. A question of memory is a question of attention … [One must] develop an interest in what one has experienced. By getting into the habit of being attentive time and again, one sharpens one’s memory.

[ 7 ] Zweitens: Wenn wir uns zurechtfinden wollen im Leben, ist [es notwendig], dass wir [in der Lage sind], eine genaue Überschau vornehmen zu können [dessen], was wir durchgemacht haben mit unserem Ich zusammen. [Es gibt] Fälle [wie denjenigen], wo ein Mensch sich eine Fahrkarte kauft, [ziellos herumfährt] und erst nach Wochen sich wiederfindet. [Keine solche] Durchlöcherung des Gedächtnisses kann zu [einer] Fortentwicklung des menschlichen Lebens führen.

[ 7 ] Second: If we want to find our way in life, it is [necessary] that we [be able] to take a clear look at [what] we have gone through together with our self. [There are] cases [such as this one] where a person buys a ticket, [travels aimlessly], and only rediscovers themselves weeks later. [No such] gaps in memory can lead to [the] further development of human life.

[ 8 ] Dieses, die wahre Aufmerksamkeitskraft systematisch ein wenig zu entwickeln, muss ins Unbegrenzte ausgedehnt werden, wenn der Geistesforscher [mit der] Konzentration der Seelenkräfte symbolische Vorstellungen in den Mittelpunkt des Bewusstseins rücken [soll]. Zu dem Eindringen ist auch etwas anderes notwendig als zum [alltäglichen] Seelenleben, denn das hört auf in seiner Wichtigkeit für das Seelenleben, das in die geistige Welten führen soll, und was nur wie zwischen den Linien des Lebens verläuft, [das] wird ungeheuer wichtig.

[ 8 ] This systematic cultivation of the true power of attention—even if only to a small degree—must be extended to the infinite if the spiritual researcher is to bring symbolic images into the center of consciousness [through] the concentration of the soul’s powers. This process of penetration also requires something different from [everyday] soul life, for the latter ceases to be important for the soul life that is to lead into the spiritual worlds, and what runs, as it were, between the lines of life becomes immensely important.

[ 9 ] Es kommt nicht darauf an, was man so ins Bewusstsein hebt, sondern dass man es immer wieder tut. [Ein] Uhrmacher macht Uhren, und wichtig ist es, dass er richtige Uhren verkauft, aber dadurch ist [auch] seine Fähigkeit immer mehr gesteigert worden. [Es ist wichtig], dass man achtet, dass man folgt dem Ausspruch: Steter Tropfen höhlt den Stein. Das ist es, was hilft; was wir uns dadurch aneignen, das führt zuletzt zu dem.

[ 9 ] It doesn't matter what you bring to mind, but rather that you do it again and again. [A] watchmaker makes watches, and while it is important that he sells good watches, this [also] serves to continually improve his skills. [It is important] to bear in mind the saying: “Constant dripping wears away the stone.” That is what helps; what we acquire through this ultimately leads to that.

[ 10 ] Wie [die] Aufmerksamkeit, so soll auch verstärkt werden ins Unbegrenzte die Hingabe, sodass sie in die Lage kommt, sich künstlich in den Zustand zu versetzen, der mit dem Schlafe zu vergleichen ist, und doch wieder ganz entgegengesetzt [ist]. Im Schlafe schweigen die Empfindungen und so weiter. Und das muss der Geistesforscher willkürlich herunterdämpfen, er muss die Sinnesempfindungen ausschalten, die Sorgen niederschlagen und so weiter, und [er muss] in der Negation des Willens stark werden und das Bewusstsein völlig aufrechterhalten. [Dahin kommt man], wenn man das jahrelang übt, die Hingabe, wobei es nicht auf den Inhalt, sondern auf das ankommt, worauf es ankommt, [das Üben].

[ 10 ] Just as [one’s] attention must be strengthened, so too must devotion be intensified to the infinite, so that one becomes capable of artificially inducing a state comparable to sleep, and yet entirely opposite to it. In sleep, sensations fall silent, and so on. And the spiritual researcher must arbitrarily dampen these; he must shut down sensory perceptions, suppress worries, and so on, and [he must] grow strong in the negation of the will while maintaining full consciousness. [One arrives at this] by practicing devotion for years—wherein what matters is not the content, but rather the practice itself.

[ 11 ] Die erste Übung [ist also] Konzentration, die zweite Meditation. Wie das Pendel an der Uhr, so müssen zu verschiedenen Zeiten die beiden Übungen ausgeführt werden, dann durchdringen sie die Seele mit Kräften, die schon da waren vorher und [die] jetzt aus den Tiefen der Seele heraufdringen und ganz etwas anderes aus ihr machen. Jetzt kommt die Zeit, wo die Seele empfindet: Jetzt erlebe ich mich in den geistigen Welten. Ein tief erschütternder Eindruck [ist das], verschieden, aber immer etwas deutlicher [als gewöhnliche Erlebnisse].

[ 11 ] The first exercise [is therefore] concentration; the second is meditation. Just as the pendulum of a clock, so too must these two exercises be performed at different times; then they permeate the soul with powers that were already there before and [which] now rise up from the depths of the soul and transform it into something entirely different. Now comes the moment when the soul feels: Now I am experiencing myself in the spiritual worlds. This is a deeply moving experience, different but always somewhat clearer [than ordinary experiences].

[ 12 ] Wenn solche Übungen von dem, der diese Forschung anstrebt, immer wiederum ausgeführt werden, kann bei Tag oder im Schlafen etwas eintreten, [das] nicht gefährlich [ist], wenn [man die] richtige Schulung [hat], aber [einen doch] erschüttert. Wie aufwachend im Schlafe … [Lücke], wie wenn im Hause [des Leibes], wie wenn es vom Blitz durchschlagen [wird]: Was dich umgibt, löst sich auf in den Elementen. Man weiß, was es heißt, außer dem Leibe zu sein. Man weiß, warum diejenigen, die es erlebt haben, sagen, sie seien herangedrungen bis zur Pforte des Todes. Nun weiß man: Es gibt eine Möglichkeit, die Seele herauszuziehen. Die Seele weiß, sie erlebt außerhalb des Leibes, doch ist es zunächst noch unklar. Dann erlebt man mit Klarheit, dass man wieder eintaucht in das physische Gehirn.

[ 12 ] If those who pursue this research repeatedly perform such exercises, something may occur during the day or while sleeping [that] is not dangerous if [one has] the proper training, but [still] unsettles [one]. Like waking up in sleep … [gap], as if inside the house [of the body], as if it were struck by lightning: What surrounds you dissolves into the elements. One knows what it means to be outside the body. One knows why those who have experienced it say they have reached the gates of death. Now one knows: There is a way to draw the soul out. The soul knows it is experiencing life outside the body, yet at first it is still unclear. Then one experiences with clarity that one is re-entering the physical brain.

[ 13 ] Wenn man dann weiter übt, merkt man, das man immer Weiteres erlebt; wenn wir durch die Hingabe allmählich dazu gelangen, auch anderer Seelenkräfte uns bewusst zu werden als diejenigen sind, die wir vorher hatten, [erleben wir], wie beim Einschlafen die äußere Sinneswelt abflutet, und [finden uns] in einer Welt, in der es anders aussieht als in der gewöhnliches Sinneswelt. Wie man in der Sinneswelt eine Stufenfolge von Reichen ansieht, so fühlt man diese Unterschiede. Aber andre Reiche gehen auf, [mit Wesenheiten], an deren Spitze nicht ich als Mensch stehe, sondern an deren unterster Stufe ich stehe. Die Menschenseele unterscheidet sich von ihnen dadurch, dass sie einen Teil ihres Lebens im physischen Leib zubringen muss.

[ 13 ] As one continues to practice, one notices that one experiences more and more; when, through devotion, we gradually come to become aware of soul forces other than those we had before, [we experience] how, as we fall asleep, the outer sensory world fades away, and [we find ourselves] in a world that looks different from the ordinary sensory world. Just as one perceives a succession of realms in the sensory world, so one senses these differences. But other realms open up, [inhabited by beings] at the head of which I, as a human being, do not stand, but at the lowest level of which I stand. The human soul differs from them in that it must spend part of its life in the physical body.

[ 14 ] Das wird heute noch recht schwer zu verstehen [sein]; im Alltagsleben vom Geistesleben zu sprechen, das erlauben einen schon die Menschen heute, aber wenn von Herausziehen [der] Wesenheit gesprochen wird, so wird es als die vollste Phantastik angesehen. Aber wer wirklich hineinsehen kann, der weiß, dass es gerade so ist, als wenn man einem Menschen die Welt zeigt und sagt: Alles ist Natur –, und ihm nicht die einzelnen [her]vortretenden Dinge erklärt. Man hat nicht das Gefühl, man schaut diese Wesenheiten an, es ist wie ein Sich-Wissen, [ein] unmittelbar im Leben der geistigen Welten und Kräfte Drinnenstehen: Man wird angeschaut von den Wesenheiten in der geistigen Welt und fühlt ihren Blick, sie sind da, man fühlt ihren Blick, man lernt erkennen ihre Lebenskräfte, die in einen hereindringen. Man fühlt etwas herankommen, was immer in den Untergründen der Seele ist, [man fühlt], dass man vor einer Gefahr steht, hingenommen zu werden, sich zu verlieren, [so], als wenn einem sein Selbst entrissen werden sollte, [man fühlt] die Gefahr einer geistigen Ohnmacht. Dieses ist Aufgabe der richtigen Schulung, die Seele so zu erstarken, dass man gewachsen ist diesem Moment. Entweder man verfällt [sonst] in einen Schlafzustand oder [man] wird zurückgerissen in die Sinneswelt. Bei der regelrechten Schulung kann … [Lücke].

[ 14 ] This is still quite difficult to understand today; people today do allow us to speak of spiritual life in everyday life, but when we speak of extracting the essence, it is regarded as the height of fantasy. But anyone who can truly see into it knows that it is exactly as if one were to show a person the world and say, “Everything is nature”—without explaining the individual things that stand out. One does not have the feeling of looking at these beings; it is like a sense of knowing, of standing directly within the life of the spiritual worlds and forces: One is looked upon by the beings in the spiritual world and feels their gaze; they are there; one feels their gaze; one learns to recognize their life forces as they penetrate into one. One senses something approaching that is always lurking in the depths of the soul; [one feels] that one faces the danger of being swept away, of losing oneself, [as if] one’s very self were to be snatched away; [one feels] the danger of spiritual powerlessness. This is the task of proper training: to strengthen the soul so that one is ready to face this moment. Otherwise, one either falls into a state of sleep or is pulled back into the sensory world. With proper training, one can … [gap].

[ 15 ] Dieses Gefühl des Verlustes seines Selbstes ist nicht ausgesprochen, aber immer in den Tiefen der menschlichen Seelen [vorhanden], die Angst hat die Seele, doch weiß sie nichts davon. Diese Angst wirkt so, dass sie die Seele zurückhält und mit einer materialistischen Gesinnung vordringt; diese Angst ist der wahre Grund, die die Menschen abhält, die Geisteswissenschaft anzuerkennen. Monisten sind nicht Materialisten aus dem Grunde, weil sie einsehen können, dass es keine geistige Welt gibt, sondern sie sind es aus Angst, beim Eindringen [in die geistige Welt] ihr Selbst zu verlieren. Sie haben Angst vor der Auflösung des Selbst, daher muss die Übung so sein, dass sie ihr Selbst zusammenhalten können.

[ 15 ] This sense of loss of one’s self is not explicitly stated, but it is always present in the depths of the human soul; the soul is afraid, yet it is unaware of it. This fear holds the soul back and causes it to adopt a materialistic mindset; this fear is the true reason that prevents people from acknowledging spiritual science. Monists are not materialists because they can see that there is no spiritual world, but rather because they fear losing their sense of self upon entering [the spiritual world]. They are afraid of the dissolution of the self; therefore, their practice must be such that they can hold their sense of self together.

[ 16 ] Hätte der Mensch diese Schulung in der Sinneswelt, so kann er dadurch ein Egoist werden, aber der Geistesforscher lernt unterscheiden das Leben diesseits und jenseits der Schwelle. Überschreiten wir die Schwelle, so muss das Selbst stärker sein. Die Seele dringt immer tiefer in die eigene Wesenheit ein. Und das verursacht wiederum etwas Ungewohntes. Immer mehr Vorstellungen tauchen auf, das bringt die Bilder der Phantastik. Was da im Innern presst und drückt, [das] empfindet der Mensch wie einen höchst gesteigerten Alpdruck, wie zu einem inneren Pressen des Vorstellungslebens, [eine] Furcht vor dem Ersticken, vor dem eigen[en] Selbst.

[ 16 ] If a person were to undergo this training in the sensory world, it could turn them into an egoist; but the spiritual researcher learns to distinguish between life on this side and beyond the threshold. When we cross the threshold, the Self must be stronger. The soul penetrates ever deeper into its own being. And that, in turn, gives rise to something unfamiliar. More and more images arise, bringing with them the imagery of fantasy. What presses and weighs down within is experienced by the individual as an intensely heightened sense of dread, as an inner pressure on the life of the imagination, a fear of suffocation, a fear of one’s own self.

[ 17 ] Diese Furcht ist etwas, was eine Hülle in einem selber [ist]. Wenn wir [in] diese Hülle vordringen, merken wir: Wir haben noch eine andere Seelenkraft entwickelt, die im gewöhnlichen Leben des Tages nur angedeutet ist, [wir haben] etwas entwickelt wie eine Vertiefung und Erstarkung der Gedächtniskraft. Die gewöhnliche [Gedächtniskraft] trägt uns bis zu einem bestimmten Zeitpunkt unseres Lebens, aber diesem Gedächtnis liegt eine Seelenkraft zugrunde, die im physischen Leib nur teilweise zum Ausdruck kommt.

[ 17 ] This fear is something that exists as a shell within oneself. When we penetrate this shell, we realize that we have developed yet another soul force, one that is only hinted at in ordinary daily life; we have developed something like a deepening and strengthening of the power of memory. Ordinary [memory] carries us to a certain point in our lives, but this memory is based on a soul force that is only partially expressed in the physical body.

[ 18 ] Was für das gewöhnliche Seelenleben die Hauptsache ist, dass wir eine Vorstellung heraufholen, dem liegt eine Erkraftung, ein Tätigsein zugrunde; das beachtet man nicht. Bei den Übungen kommt uns das Tätige zu Bewusstsein, wie eine innere Seelengewohnheit. Wie haben die Möglichkeit, nicht nur etwas zu erinnern, sondern die verstärkte Erinnerungskraft zu entfalten. Und dann bringen wir Ordnung in das, was im Innern wie ein Alpdruck auf uns gelastet hat. Wir lernen überschauen, was vor der Geburt da war. Das Zurückschauen auf frühere Erdenleben ist im gewöhnlichen Leben nicht vorhanden, weil das gewöhnliche [Leben] ein Passives ist. Was da erlebt worden ist, muss durch aktive Kraft immer wieder heraufgeholt werden, nicht so, dass wir nachgrübeln, dabei schwindet es gleich wieder wie ein flüchtiger Traum hinunter. Wir müssen eben jeden Augenblick tätig sein, um das in der Erinnerung zu erhalten. Dann kommt das wie ein Alpdruck herauf, und wir überschauen das, was in unserer Seele das Ewige ist, was durch die Geburt gegangen ist und was durch den Tod geht.

[ 18 ] What is essential to ordinary mental life—the act of summoning up an idea—is based on a process of energization, an active process; this is often overlooked. During the exercises, we become aware of this active process as an inner habit of the soul. We have the opportunity not only to recall something but also to develop a heightened power of memory. And then we bring order to what has weighed upon us internally like a nightmare. We learn to gain an overview of what existed before birth. Looking back on past earthly lives does not occur in ordinary life, because ordinary [life] is passive. What was experienced there must be brought to the surface again and again through active effort—not by simply brooding over it, for then it vanishes immediately like a fleeting dream. We must simply be active at every moment in order to preserve this in our memory. Then it rises up like a nightmare, and we gain an overview of what is eternal in our soul—what has passed through birth and what passes through death.

[ 19 ] Indem wir vertiefen die Dinge, durch die wir geschützt sind im gewöhnlichen Leben vor dem «Ertrinken », wenn wir die Selbstfurcht umwandeln, indem wir ihr entgegenstellen die erstarkte Gedächtniskraft, dann blicken wir auf die früheren Erdenleben, und dann löst sich heraus das Karma der Menschenseele.

[ 19 ] By delving deeper into the things that protect us in everyday life from “drowning”—by transforming our fear of the self through the strengthened power of memory—we look back on our past earthly lives, and the karma of the human soul is thereby resolved.

[ 20 ] Der Mensch ist ein Ergebnis dessen, was er auch werden kann. Was auf uns eingedrungen ist – man lernt erkennen, dass man mit dem innersten Wesen seiner Seele verknüpft ist mit allem, Freuden, Leiden Schmerz und so [weiter]. Was du bist, hängt immer mit diesem Schmerz zusammen. Das erweitert sich zu dem, dass man diesen Schmerz gemacht hat. Man lernt Kräfte kennen, die für gewöhnlich für die Seele nicht anwendbar sind, vor allen Dingen [eine] Seelenkraft, die wir in der gewöhnlichen Sprache nennen: Wir wollen oder fühlen etwas. Wer die charakterisierten Übungen hat auf sich wirken lassen, muss es nennen wollendes Fühlen, fühlendes Wollen. Das Eigenwesen dehnt sich darüber [hin]aus, [sodass] das, [was] man allmählich erlebt, wenn man so in die geistige Welt kommt, ist, dass man seine Seelenkraft nicht bloß als innerstes Eigentum fühlt, [sondern] sie geht hinaus und [ist so], als wenn man die Seelenkraft des Willens darüber ausgegossen [hätte]. Die Willenskraft wogt zurück. … [Größere Lücke]

[ 20 ] Human beings are the result of what they are capable of becoming. What has penetrated us—we come to recognize that, through the innermost essence of our soul, we are connected to everything: joys, sufferings, pain, and so [on]. Who you are is always connected to this pain. This expands into the realization that we have created this pain. One comes to know powers that are not usually accessible to the soul, above all [a] power of the soul that we describe in everyday language as: we want or feel something. Anyone who has allowed the described exercises to take effect on them must call it “willing feeling” or “feeling willing.” One’s own being expands beyond this, [so that] what one gradually experiences when entering the spiritual world in this way is that one does not merely feel one’s soul power as one’s innermost possession, [but] it reaches outward and [is as if] one had poured the soul power of the will over it. The power of the will surges back. … [Large gap]

[ 21 ] Wie sich die Druckkraft in Wärme verwandelt, [so] verwandelt sich das fühlende Wollen in die Kraft, den Erdenmenschen zu beleben. So lebt sich der Mensch durch die Geisteswelt hindurch, bis er die Notwendigkeit [fühlt], Ausgleich zu schaffen für die verflossenen Erdenleben. Man bekommt die Entwicklungstendenzen, das Urbild zu einem neuen Erdenleben zu gestalten. Wenn man eine Lüge gesagt hat, dann brennt die Wahrheit, und die Tendenz entsteht, die Unwahrheit auszugleichen. Wie das Verhältnis zwischen Sonne und Erde umgekehrt [worden] ist durch den Kopernikus, so wird umgekehrt die Anschauung, dass das Geistige aus dem Blute hervortritt. Nein, das Geistige ist es, das das Leibliche aus sich erstehen lässt. Folge des Geistigen ist das Leibliche.

[ 21 ] Just as compressive force is transformed into heat, [so] does sentient will be transformed into the power to animate the earthly human being. In this way, the human being lives through the spiritual world until he [feels] the need to create balance for his past earthly lives. One begins to perceive the developmental tendencies to shape the archetype of a new earthly life. When one has told a lie, the truth burns within, and the tendency arises to make amends for the untruth. Just as the relationship between the Sun and the Earth was reversed by Copernicus, so too is the view that the spiritual emerges from the blood reversed. No, it is the spiritual that brings the physical into being from within itself. The physical is a consequence of the spiritual.

[ 22 ] Es wäre traurig, wenn nur derjenige Bilder verstehen könnte, der sie malen kann; in jeder Seele lebt [beim Anblick eines Bildes] die Möglichkeit, es zu verstehen. So ist es mit den Wahrheiten der Geisteswissenschaft. [Um] die Wahrheiten aufzustellen, ist [es] nötig, dass die Seele durch «geistige Chemie» wirklich eintaucht. Wenn das aber die Wahrheiten zutage gefördert hat, ist jede Menschenseele fähig, diese Wahrheiten zu verstehen, und [es ist] durchaus begreiflich, dass immer wiederum in der Gegenwart das Urteil auftaucht: Das alles ist nur leere Phantasterei –; zu begreiflich ist das.

[ 22 ] It would be sad if only those who can paint were able to understand paintings; within every soul lies [upon seeing a painting] the potential to understand it. So it is with the truths of spiritual science. [In order] to establish these truths, it is necessary for the soul to truly immerse itself through “spiritual chemistry.” But once this has brought the truths to light, every human soul is capable of understanding them, and [it is] entirely understandable that the judgment repeatedly arises in the present: “All of this is just empty fantasy”—it is all too understandable.

[ 23 ] Woher kommt das? Das kann nur verstehen, wer das geistige Leben durchschaut. Es liegt nicht daran, dass die menschliche Natur so etwas nicht verstehen kann. Aber die Menschen haben sich gewisse Urteilsformen und Denkgewohnheiten angeeignet und das Urteil zum Vorurteil gemacht. Räumt man einmal alle Vorurteile fort, dann beginnt in jeder Seele eine Sprache zu sprechen, die nur unhörbar gemacht wird durch das, was wir uns angewöhnt haben, durch die äußere Weltanschauung. Es ist nur nötig, unbefangen zu werden und das innere Urteil erkraften zu lassen. [Es ist] nicht [so], als wenn sich das Urteil sträubte vor [der] Geistesforschung, nur das Vorurteil sträubt sich. Wird es einmal dahin kommen, dass so viel hinweggeräumt sein wird wie die Vorurteile gegen den Kopernikanismus, dann wird man verstehen, dass sich das wiederholen müsste auf dem geistigen Gebiet, wie es Giordano Bruno gegen die Richtung der blauen Schale [des Himmelsgewölbes], durch die die Welt begrenzt sei, [getan hat]. Heute sagt sich der Mensch: Die Grenze [der Welt] ist gar nicht vorhanden, sie ist nur eine Grenze des eigenen Anschauens, sie dehnt sich in unermessliche Weiten. Dass die Grenze nur die des eigenen Erkenntnisvermögens ist, das werden die Menschen einsehen müssen, dass man sich hinausdehnt jenseits der Grenze von Geburt und Tod.

[ 23 ] Where does this come from? Only those who understand spiritual life can grasp this. It is not that human nature is incapable of understanding such things. But people have adopted certain forms of judgment and habits of thought, turning judgment into prejudice. Once all prejudices are set aside, a language begins to speak within every soul—a language that is rendered inaudible only by what we have grown accustomed to, by our external worldview. All that is needed is to become open-minded and allow the inner judgment to take hold. [It is] not [as if] judgment itself were resistant to [the] study of the spirit; it is only prejudice that resists. Once we reach the point where as much has been cleared away as the prejudices against Copernicanism, then people will understand that this must be repeated in the spiritual realm, just as Giordano Bruno did against the notion of the “blue sphere” [of the celestial vault] by which the world was thought to be bounded. Today, people say to themselves: The boundary [of the world] does not exist at all; it is merely a limit of one’s own perception; it extends into immeasurable expanses. People will have to realize that this boundary is only that of their own capacity for knowledge, and that one extends beyond the boundary of birth and death.

[ 24 ] Das wird der Weg sein, wenn die menschliche Erkenntnis uns … [Lücke] [Man könnte einwenden]: Hast Du denn ganz Kant vergessen? Es gehört nicht sehr viel Scharfsinn dazu, [zu postulieren], dass das menschliche Erkenntnisvermögen doch nicht in die geistige Welt eindringen kann. Es wird der Geistesforscher behaupten, dass das alles unrichtig sei. – Nein, das wird er nicht; die Beweise für die Begrenztheit des menschlichen Erkenntnisvermögens können scharfsinnig, genial und richtig sein. Vergleich: Vor [der Erfindung von] Teleskop [und Mikroskop] und so weiter keine Zelle zu sehen, könnte [damals] richtig [gewesen] sein. Man hat eben die äußern Werkzeuge erfunden, die haben das Auge erweitert; so können die Beweise haarscharf sein, dass das menschliche Erkenntnisvermögen nicht richtig [war]. Auf die Beweise kommt es nicht an, sondern darauf, dass das, was bewiesen ist, dass das den viel höheren Tatsachen weichen müssen [wird], dass das Erkenntnisvermögen entwicklungsfähig ist, dass es erkraftet werden kann, und ihm innerlich die geistigen Mikroskope und so weiter erwachsen sind. Daher können die Menschen so viel gegen Geisteswissenschaft haben, weil sich so viel dagegen beweisen lässt, aber es kommt auf etwas ganz anderes an.

[ 24 ] That will be the path when human knowledge leads us … [gap] [One might object]: Have you completely forgotten Kant? It doesn’t take much insight to [postulate] that the human faculty of knowledge cannot, after all, penetrate the spiritual world. The researcher of the spirit will claim that all of this is incorrect. – No, he will not; the evidence for the limitations of human cognitive faculties can be astute, ingenious, and correct. Comparison: Before [the invention of] the telescope [and microscope] and so on, not being able to see a cell might [at that time] have [been] correct. It is simply that external tools have been invented which have expanded the eye’s range; thus, the evidence may be razor-sharp in showing that human cognitive faculties were not correct. What matters is not the evidence itself, but the fact that what has been proven must give way to much higher truths—that the capacity for knowledge is capable of development, that it can be strengthened, and that the inner spiritual microscopes and so on have grown within it. That is why people may have so much opposition to spiritual science—because so much can be used to prove against it—but what really matters is something entirely different.

[ 25 ] Weil aber die Menschen gerade auf das den Hauptwert gelegt [haben], was Geisteswissenschaft nicht verstehen kann, deshalb wird sie sich [nur] langsam einleben. Die Mittel, die geistige Welt zu erfühlen, erschöpfen sich allmählich, der Mensch wird brauchen neue Mittel. Immer [mehr] Menschenseelen werden aus einer inneren Sehnsucht heraus getrieben werden, nachzuforschen, ob das wirklich in der Seele ist, wovon der Geistesforscher sagt; dann wird das Vorurteil hinweggeräumt werden und die tiefe innere Sprache wird erwachen, und dann wird er immer mehr an Seelen sich zu wenden haben, die ihr Tiefstes in Tätigkeit setzen werden. Heute leben wir in einem Zyklus, wo jede Seele bis zu eine gewissen Grade Forscher werden kann. Was der Geistesforscher selber erlebt, [davon] kann man sich vorstellen, dass es die Seele beseligt, aber dass er erleben muss das, was sich sonst zwischen Tod und neuer Geburt erlebt, er muss es im Leben erleben, er muss sich klar sein darüber: Du musst in deinen Leib wieder zurückkehren, kannst nur im Leibe [weiterleben]. … [Lücke] Das verursacht Schmerzen, die zu den größten Schmerzen gehören, aber die um der Erkenntnis willen [erlitten werden], nicht aus der Begierde, etwas zu erfahren, sondern weil man weiß, indem man das Geistesleben der Gegenwart betrachtet: Die Menschheit hat es zu einem Punkt gebracht, in welchem Geistesforschung den Menschen das zu geben [hat], was sie brauchen, um sich immer weiterzuentwickeln.

[ 25 ] But because people have placed their primary value precisely on what spiritual science cannot understand, it will [only] slowly gain a foothold. The means of sensing the spiritual world are gradually being exhausted; people will need new means. More and more human souls will be driven by an inner longing to investigate whether what the spiritual researcher speaks of is truly within the soul; then prejudice will be dispelled and the deep inner voice will awaken, and then he will have to turn to more and more souls who will bring their deepest selves into action. Today we live in a cycle where every soul can become a researcher to a certain degree. One can imagine that what the spiritual researcher experiences himself brings bliss to the soul, but he must experience in this life what is otherwise experienced between death and rebirth; he must be clear about this: You must return to your body; you can only [continue to live] in the body. … [gap] This causes pain that ranks among the greatest pains, but it is endured for the sake of knowledge—not out of a desire to experience something, but because, by observing the spiritual life of the present, one knows: Humanity has reached a point where spiritual research has to give people what they need to continue developing further.

[ 26 ] Erstens lernt man erkennen das Verhältnis von Schlafen und Wachen, man lernt erkennen, dass beim Schlafen [dem Menschen] die Kräfte kommen, [das], was er braucht, während er sein Bewusstsein entwickelt, und dass das Wachen ein Ertöten des Lebens darstellt. Der Schlaf kann nur das [wieder]herstellen, was verbraucht war. Aber um sein inneres Leben auszugestalten, muss der Mensch einen Quell des Geisteslebens haben, der nicht aus den Erlebnissen des Schlafes herauskommen kann, sondern der Quell des Geisteslebens, der von dem Geistesforscher angeschaut wird mit dem Auge des Geistes, die Gründe, aus denen die Menschenseele schöpft zwischen Geburt und Tod. Wie in der Pflanze der Keim für die nächste Pflanze liegt, so leben wir schon durch das, was wir durch den Keim künftiger Leben in uns zu entwickeln haben. Wir sprechen von der Unsterblichkeit, die sich schon im Keime in diesem Leben zeigt.

[ 26 ] First, one learns to recognize the relationship between sleeping and waking; one learns to recognize that during sleep [a person] receives the strength—[that] which he needs—while developing his consciousness, and that waking represents a killing off of life. Sleep can only restore what has been depleted. But in order to shape his inner life, a person must have a source of spiritual life that cannot arise from the experiences of sleep; rather, it is the source of spiritual life that the spiritual researcher beholds with the eye of the spirit—the foundations from which the human soul draws between birth and death. Just as the seed for the next plant lies within the plant itself, so do we already live through what we are to develop within ourselves through the seed of future lives. We speak of immortality, which is already manifest in the seed within this life.

[ 27 ] [Schon] Goethe [wusste]: Man versteht das Erdenleben nur, wenn man [unleserlich] im [Lücke]. [Und so wollen wir auch mit Goethe schließen]: Diejenigen sind auch schon für dieses Leben tot, die nicht die Kraft haben, in ein anderes zu schauen.

[ 27 ] [Even] Goethe [knew]: One can only understand life on earth if one [illegible] in the [gap]. [And so let us also conclude with Goethe]: Those who do not have the strength to look into another life are already dead in this one.

Aus der Fragenbeantwortung

Question and Answer

Frage zum Verhältnis von Geisteswissenschaft und Religion.

Question about the relationship between the humanities and religion.

[ 28 ] Rudolf Steiner: Das Religiöse kann zwar angeregt werden durch die Geisteswissenschaft, aber muss mehr im Gefühlsmäßigen wurzeln. Viele sagen, das religiöse Leben sei in Gefahr durch sie … [Lücke]; das religiöse Leben hat sich immer mit … [große Lücke].

[ 28 ] Rudolf Steiner: Spiritual science can certainly stimulate religious feeling, but it must be rooted more deeply in the emotional realm. Many say that religious life is threatened by it … [gap]; religious life has always been connected with … [large gap].

[ 29 ] Der hat eine wenig stark ausgeprägte Leibesempfindung und wenig tragfähige Gottesvorstellungen, der glauben kann, dass mit Verkündung von Worten dasselbe gefördert werden kann … [Lücke].

[ 29 ] Anyone who believes that the same thing can be achieved simply by proclaiming words has a weak sense of the physical and a flimsy conception of God … [gap].

[ 30 ] [Nehmen wir als Vergleich die Entdeckung Amerikas durch] Kolumbus: [Wenn wir] ein neues Land entdecken, wir leben [aber noch] in dem alten; das [Reisen ins neue braucht] Mut; [im alten Land], da scheint die Sonne, wer weiß, ob sie dort scheinen wird? – So ist es mit der Einwendung, die von der Religion aus kommt; gegen die Einwände, gegen die … [Lücke]. Für den Geistesforscher ist die Gottesvorstellung so stark … [große Lücke].

[ 30 ] [Let’s take, as a comparison, the discovery of America by] Columbus: [When we] discover a new land, we [still] live in the old one; [traveling to the new one requires] courage; [in the old land], the sun shines—who knows if it will shine there? – So it is with the objection that arises from religion; against the objections, against the … [gap]. For the spiritual researcher, the concept of God is so strong … [large gap].

[ 31 ] Zwar, die alten religiösen Traditionen verlieren allmählich die Stärke über die Gemüter, daher [ist] ein neues Eindringen in die geistigen Welten notwendig. Im gegenwärtigen Zeitpunkt, an einem Umschwung, einem Übergang, kann [der Mensch] einsehen, worinnen der Übergang für seine Zeit liegt. Für heute [ist es] so, dass man sagen muss: Man wird durch das, was mit Recht, ja mit Notwendigkeit herbeigekommen ist in die menschliche Kultur, darauf hingewiesen, dass ein bestimmter Übergang gegenwärtig da ist. … [Lücke]

[ 31 ] It is true that the old religious traditions are gradually losing their hold on people’s minds; therefore, a new entry into the spiritual realms is necessary. At the present moment—a turning point, a transition—[human beings] can recognize what this transition means for their time. As things stand today, one must say: We are made aware—through what has rightly, indeed necessarily, come into human culture—that a certain transition is currently taking place. … [gap]

[ 32 ] Die Menschen ziehen heute tatsächlich nicht die Konsequenzen manches Dinges, [so]dass sie glauben, dass [es] auf dem Boden der Kultur des neuen Jahrhunderts erwachsen ist. Würden sie die Konsequenzen ziehen, so [ergäbe sich] Folgendes: Sie streben heute – die, [die] meinen, auf dem festen Boden der Wissenschaft zu stehen –, zu begreifen, dass das, was mit der menschlichen Seele geschieht, mit der gleichen Notwendigkeit geschieht wie die Naturereignisse; es lebt etwas, was den Menschen auffordert zu sagen: Im Menschen lebt etwas wie ein letztes Ergebnis der tierischen Entwicklung.

[ 32 ] People today do not, in fact, draw the conclusions from certain things, [so] that they believe [it] has arisen out of the culture of the new century. If they were to draw those conclusions, the following [would result]: Today, those who believe they stand on the firm ground of science strive to understand that what happens to the human soul occurs with the same inevitability as natural phenomena; there is something alive within them that compels them to say: Something lives within the human being as the ultimate result of animal evolution.

[ 33 ] Die Tragweite dieses Ausspruches machen die Menschen sich nicht klar. Wenn man die innere Kraft hätte, müsste man die Konsequenz ziehen, dass das Böse mit der gleichen Notwendigkeit geschieht wie das Gute. Erinnert wird man an die Versucherstimme, welche hingestellt wird an den Beginn des Menschen auf der Erde: «Ihr werdet sein wie Gott [und unterscheiden das Gute und das Böse].» (1 Mos 3,5) Sie war notwendig, weil der Mensch nur dadurch zum Bewusstsein seiner Freiheit kam.

[ 33 ] People do not fully grasp the implications of this statement. If one had the inner strength, one would have to conclude that evil occurs with the same inevitability as good. One is reminded of the tempter’s voice, which is placed at the very beginning of humanity’s existence on Earth: “You will be like God [and know good and evil].” (Genesis 3:5) It was necessary because only through it did humanity become aware of its freedom.

[ 34 ] Aber sie führte zu einer Art Anschauung, und wir stehen in der Gegenwart da, wenn die Konsequenz [gezogen wird]: «Ihr seid aus den Tieren, es unterscheidet euch nichts mehr von ihnen.» Damit [ist] der Übergang unserer Zeit [charakterisiert], über den wir hinauskommen müssen. «Ihr werdet sein aus den Tieren und nicht mehr unterscheiden können die Gründe des Guten und Bösen.» [Leerzeile]

[ 34 ] But it led to a certain perspective, and we find ourselves in the present when the conclusion [is drawn]: “You are of the animals; nothing distinguishes you from them anymore.” This [characterizes] the transition of our time, which we must move beyond. “You will be like animals and will no longer be able to distinguish between good and evil.” [Blank line]

[ 35 ] Geisteswissenschaft [ist] notwendig zur Aufrechterhaltung des wahren religiösen Lebens, aber [sie] tritt nicht auf wie eine Religion, weil sie [diese] nicht zu ihrer Verbreitungsform macht, sondern nur wirkt auf die freie innere Seelensprache, als etwas, was zu der freiesten, inneren Entschlussfähigkeit der Seelen spricht; [sie] wird dahin kommen, so zu sprechen, dass so ihr tiefstes inneres Verständnis entgegenkommen soll, und das erfordert eine andere Verbreitungsform als die bisherige.

[ 35 ] Spiritual science [is] necessary for the preservation of true religious life, but [it] does not present itself as a religion, because it does not make [religion] its means of dissemination, but rather acts upon the free inner language of the soul, as something that speaks to the soul’s freest, inner capacity for decision; [it] will come to speak in such a way as to meet the soul’s deepest inner understanding, and that requires a different form of dissemination than the one used thus far.