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Appendix to the Public Lectures
GA 85

23 August 1918, Dornach

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Appendix to the Public Lectures, tr. SOL
  1. Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge

24. Leseprobe zu Goethes «Klassischer Walpurgisnacht» II

24. Excerpt from Goethe's “Classical Walpurgis Night” II

[ 1 ] Nun wurde die Szene verlegt in das Ägäische Meer, in das sich der Peneios ergießt, an dessen beiden Ufern früher die Szene war. Auf den Klippen umhergelagert sind die Sirenen, die namentlich mit den Kräften des Mondenlichtes arbeiten. Gerade aus dieser Szene geht hervor, dass Goethe durchaus im Sinne hatte, dass die Sirenen eben in der Mehrzahl dasjenige sind, was dann im Norden die Lorelei geworden ist – in der Einzahl die Lorelei, die Sirenen in der Mehrzahl. Und sie arbeiten als Zauberwesen mit den Strahlen des Mondenlichtes. In der Szene hier, wo sie besonders wirksam arbeiten sollen, da steht der Mond mitten am Himmel im Zenit. Zu denken ist er natürlich eigentlich zwischen den übrigen Sternen. Die Sirenen haben außer dem, was sie sonst sind, zu ihrer Hauptbeschäftigung dieses: dass sie die Schiffer betören. Die Schiffer werden betört durch die Sirenen. Dadurch gehen die Schiffe unter und verlieren ihre Beute, ihren Inhalt. Dasjenige, was da die Schiffe als Beute, als Inhalt verlieren, das wird auf diese Weise gewissermaßen zugeschanzt den Nereiden und Tritonen und anderen Meerwesen. Also diese Nereiden und Tritonen und andere Meerwesen, die leben eigentlich von der Gunst der Sirenen. Die Sirenen betören die Schiffer, die Schiffe gehen unter, verlieren ihr Strandgut, und das sammeln dann die Nereiden und Tritonen.

[ 1 ] The scene has now been relocated to the Aegean Sea, into which the Peneios flows—the scene was formerly set on both banks of that river. Scattered about the cliffs are the sirens, who draw their power specifically from the moonlight. It is precisely from this scene that it becomes clear that Goethe certainly intended the Sirens—in the plural—to be what later became the Lorelei in the north—the Lorelei in the singular, the Sirens in the plural. And as magical beings, they work with the rays of moonlight. In this scene here, where they are meant to be particularly effective, the moon stands high in the sky at its zenith. Of course, one is supposed to imagine it actually situated among the other stars. In addition to what they are in general, the sirens have this as their main occupation: to beguile the sailors. The sailors are beguiled by the sirens. As a result, the ships sink and lose their cargo, their contents. What the ships lose as cargo and contents is, in a sense, passed on in this way to the Nereids, Tritons, and other sea creatures. So these Nereids, Tritons, and other sea creatures actually live off the favor of the sirens. The Sirens beguile the sailors; the ships sink, lose their cargo, and the Nereids and Tritons then gather it up.

[ 2 ] Die Nereiden sind die Töchter des Nereus, und Nereus ist eine Art Wassergottheit, eine Art ahrimanisches, wenigstens ahrimanisch gefärbtes göttliches Wesen, welches in alten Erdenzeiten eine andere Rolle hatte als in der Zeit, von der hier die Rede ist. In alten Erdenzeiten waren solche Wesen wie Nereus, Proteus und so weiter Wesen, welche dazumal den noch anders gearteten Elementen vorstanden. Also: Das Wasser in Urzeiten hatte andere Kräfte als das abstrakte Wasser, das heute das Meer erfüllt. Dadurch aber sind solche Geister im Kosmos, in der kosmischen Entwicklung, solche Geister, die früher dem mehr lebendigen Wasser vorgestanden haben, in Pension versetzt und haben andere Aufgaben in der Welt, in der kosmischen Evolution, sind – pensioniert. Aber sie haben dann ihre neuen Aufgaben. Sie hatten ihre richtigen Aufgaben in uralten Zeiten, als die Menschen nicht so waren, wie sie heute sind, als die Menschen noch auf einer geistigeren, das heißt, mehr ihrer Mondenstufe näheren Art standen.

[ 2 ] The Nereids are the daughters of Nereus, and Nereus is a kind of water deity, a kind of Ahrimanic—or at least Ahrimanically tinged—divine being who played a different role in ancient Earth eras than in the era under discussion here. In ancient earthly times, beings such as Nereus, Proteus, and so on were beings who presided over the elements, which were of a different nature back then. So: Water in primeval times possessed different powers than the abstract water that fills the oceans today. As a result, however, such spirits in the cosmos—in cosmic evolution—those spirits who once presided over the more living water—have been retired and now have other tasks in the world, in cosmic evolution; they are retired. But they then have their new tasks. They had their proper tasks in ancient times, when human beings were not as they are today, when they were still at a more spiritual stage—that is, closer to their lunar stage.

[ 3 ] Nun, da sehen wir namentlich zuerst die Sirenen, auf Klippen umhergelagert, dasjenige betonen, was eben ihre Aufgabe ist.

[ 3 ] Well, there we see, first and foremost, the sirens, scattered across the cliffs, emphasizing precisely what their role is.

SIRENEN (auf den Klippen umher gelagert flötend und singend):
Haben sonst bei nächtigem Grauen
Dich thessalische Zauberfrauen
Frevelhaft herabgezogen,
Blicke ruhig von dem Bogen
Deiner Nacht auf Zitterwogen
Mildeblitzend Glanzgewimmel
Und erleuchte das Getümmel,
Das sich aus den Wogen hebt.

SIRENS (camped out on the cliffs, whistling and singing):
Have you not, in the gloom of night,
Have the Thessalian sorceresses
Wickedly drawn you down,
Gaze calmly from the arch
Of your night upon the trembling waves
A swarm of gently flashing splendor
And illuminate the tumult,
That rises from the waves.

[ 4 ] Das ist alles an den Mond gerichtet.

[ 4 ] All of this is directed at the moon.

Dir zu jedem Dienst erbötig,
Schöne Luna, sei uns gnädig! (V 8034–8043)

Always ready to serve you,
Beautiful Luna, have mercy on us! (V 8034–8043)

[ 5 ] Also, das ist der Sirenengesang, den sie hier mehr für sich, man möchte sagen wiederholend, sirenenhaft-meditierend, erwähnen. Ihre eigentliche Aufgabe ist aber, die Schiffer zu betören.

[ 5 ] So, this is the song of the sirens, which they mention here more for their own sake—one might say, repetitively, in a siren-like, meditative way. Their actual purpose, however, is to beguile the sailors.

[ 6 ] Die Töchter des Nereus und der Doris – die Doriden – sind die Schwestern der Nereiden. Die Doriden sind mehr der Doris ähnlich gestaltet, die Nereiden mehr dem Vater – Nereus. Aber sie sind Geschwister. Die Nereiden sind frauenhafte dämonische Wesen, die sich ausstatten mit dem Strandgut, das die Sirenen erbeuten. Und die Tritonen, die sind fischähnliche Wesen, auf welchen die Nereiden reiten können, also sich mehr vorwärts bewegen können. Diese zusammen nun, Nereiden und Tritonen, antworten gewissermaßen auf den Sirenengesang:

[ 6 ] The daughters of Nereus and Doris—the Dorides—are the sisters of the Nereids. The Dorides resemble Doris more closely, while the Nereids resemble their father, Nereus, more closely. But they are siblings. The Nereids are feminine, demonic beings who adorn themselves with the flotsam captured by the Sirens. And the Tritons are fish-like creatures that the Nereids can ride, allowing them to move forward more easily. Together, the Nereids and Tritons respond, in a sense, to the Sirens’ song:

NEREIDEN UND TRITONEN (als Meerwunder):
Tönet laut in schärfern Tönen,
Die das breite Meer durchdröhnen,
Volk der Tiefe ruft fortan!
Vor des Sturmes grausen Schlünden
Wichen wir zu stillsten Gründen,
Holder Sang zieht uns heran.

NEREIDS AND TRITONS (as sea wonders):
Sound loudly in sharper tones,
That thunder through the vast sea,
The people of the depths now call out!
Before the storm’s dreadful chasms
We fled to the quietest depths,
A lovely song draws us near.

[ 7 ] Der Gesang der Sirenen zieht sie heran.

[ 7 ] The song of the sirens draws them in.

Seht! wie wir im Hochentzücken
Uns mit goldnen Ketten schmücken;
Auch zu Kron’ und Edelsteinen
Spang’ und Gürtelschmuck vereinen.
Alles das ist eure Frucht.
Schätze, scheiternd hier verschlungen,
Habt ihr uns herangesungen,
Ihr Dämonen unsrer Bucht.

Behold! How, in rapture,
We adorn ourselves with golden chains;
And combine crowns and gemstones
With clasps and belt ornaments.
All this is the fruit of your labor.
Treasures, swallowed up here as you perish,
You have sung to us,
You demons of our bay.

[ 8 ] Die Sirenen, die das hören, antworten darauf:

[ 8 ] The sirens who hear this reply:

SIRENEN:
Wissen’s wohl, in Meeresfrische
Glatt behagen sich die Fische,
Schwanken Lebens ohne Leid;
Doch! Ihr festlich regen Scharen,
Heute möchten wir erfahren,
Dass ihr mehr als Fische seid. (V 8044–8063)

SIRENS:
You know well that in the freshness of the sea
The fish are perfectly at ease,
Drifting through life without sorrow;
But! You festive, lively shoals,
Today we wish to learn
That you are more than just fish. (V 8044–8063)

[ 9 ] Also die Tritonen sollen mehr als Fische sein; sie sind eben doch zugleich zurückgebliebene Wesen aus früheren Zeiten, also alles ahrimanisch angehauchte Gestalten. Und sie sind ja diejenigen, die dadurch beweisen können, dass sie mehr als Fische sind, dass sie die Kabiren herholen. Das sind Götter und Göttinnen von Samothrake, die unter anderem auch die Aufgabe haben, die Fischer [und die] Schiffe, wenn sie in Gefahr sind, zu beschützen auf dem Meere. Wir werden noch von ihnen sprechen, denn sie treten ja auf. Die Kabiren haben wesentlich auch tiefere Aufgaben.

[ 9 ] So the Tritons are said to be more than just fish; they are, after all, beings left behind from earlier times—that is, figures imbued with Ahrimanic influences. And they are, in fact, the ones who can prove that they are more than just fish by summoning the Kabiri. These are gods and goddesses from Samothrace who, among other things, have the task of protecting fishermen [and] ships at sea when they are in danger. We will speak more about them later, for they do indeed make an appearance. The Kabiri also have significantly deeper tasks.

NEREIDEN UND TRITONEN:
Ehe wir hieher gekommen,
Haben wir’s zu Sinn genommen,
Schwestern, Brüder, jetzt geschwind!
Heut bedarf’s der kleinsten Reise,
Zum vollgültigsten Beweise:
Dass wir mehr als Fische sind. (V 8064–8069)
(entfernen sich)

NEREIDS AND TRITONS:
Before we came here,
We made up our minds,
Sisters, brothers, let’s hurry now!
Today we need to take the shortest journey,
To provide the most conclusive proof:
That we are more than just fish. (V 8064–8069)
(They depart)

[ 10 ] Nun entfernen sie sich, um ihre Mission auszuführen bezüglich der Kabiren. Die Sirenen bleiben zurück. Die Sirenen hocken überhaupt jetzt weiter da während der ganzen Szene.

[ 10 ] Now they leave to carry out their mission concerning the Cabiri. The Sirens stay behind. In fact, the Sirens remain crouched there throughout the entire scene.

SIRENEN:
Fort sind sie im Nu!
Nach Samothrake grade zu,
Verschwunden mit günstigem Wind.
Was denken sie zu vollführen
Im Reiche der hohen Kabiren?
Sind Götter! Wundersam eigen,
Die sich immerfort selbst erzeugen,
Und niemals wissen, was sie sind. (V 8070–8077)

SIRENS:
Gone in the blink of an eye!
Straight toward Samothrace,
Vanished on a favorable wind.
What do they intend to accomplish
In the realm of the lofty Cabiri?
They are gods! Wondrously unique,
Who ceaselessly generate themselves,
And never know what they are. (V 8070–8077)

[ 11 ] Also das sagen die Sirenen von den Kabiren. Es ist vielleicht am leichtesten nahezukommen so der Gesamtverfassung dieser Kabiren, wenn Sie denken an die Stelle in der Bibel, wo von den Elohim die Rede ist, die eigentlich erst, nachdem sie ihr Tagewerk geschaffen haben, sehen, dass es gut war, oder eigentlich, wie es dort steht, dass es schön war. Es ist natürlich für Menschen etwas schwer zu verstehen, weil Götter – gerade die Kabiren, um die es sich hier handelt –, nicht ein solches Bewusstsein haben wie Menschen oder wie gewisse spätere Götter. Sie sind Götter ersten Entstehens, die Kabiren, und sie gehen auf in diesem Entstehen. Daher sind sie von einer viel zu großen Lebendigkeit, als dass sie ein voll ausgebildetes Bewusstsein haben. Sie gehören auch zusammen in dieser Beziehung. Es sind in Samothrake vier solcher Kabirengötter. Eigentlich sind ihrer wohl acht; aber für Samothrake selbst kommen eigentlich nur die vier in Betracht. Und nun natürlich kann man sagen:

[ 11 ] That is what the Sirens say about the Cabiri. Perhaps the easiest way to grasp the overall nature of these Cabiri is to think of the passage in the Bible where the Elohim are mentioned—who, only after they had completed their day’s work, saw that it was good, or rather, as it says there, that it was beautiful. Of course, this is somewhat difficult for humans to understand, because gods—especially the Kabiri in question here—do not possess the same kind of consciousness as humans or as certain later gods. The Kabiri are gods of the very first creation, and they are absorbed into this act of creation. Therefore, they possess far too much vitality to have a fully developed consciousness. They also belong together in this respect. There are four such Kabir gods in Samothrace. Actually, there are probably eight of them; but for Samothrace itself, only the four are really relevant. And now, of course, one might say:

Wundersam eigen,
Die sich immerfort selbst erzeugen,
Und niemals wissen, was sie sind. (V 8075–8077)

Strangely unique,
They constantly create themselves,
And never know what they are. (V 8075–8077)

[ 12 ] Das kann man von den dreien, von den drei Hauptgöttern, die die Erzeugungsgötter sind, schon sagen: von Axieros, Axiokersos und Axiokersa. Von denen kann man schon sagen, dass sie nicht wissen, was sie sind. Aber so wenig diese drei zusammen wissen, was sie sind, so gut weiß der vierte für die drei. Also, wenn Sie sich denken, Sie bestehen aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich, und das Ich vollführt das Bewusstsein, so müssen Sie sich denken: Diese Kabiren sind vier. Während bei Ihnen diese vier Glieder zusammenhalten, sind aber diese Kabiren vier getrennte Wesen. Und Axieros ist physischer Leib, Axiokersos ist Ätherleib, Axiokersa ist Astralleib; die haben also kein Bewusstsein. Dagegen Kadmilos, der dem Ich Entsprechende, der denkt für alle drei. Also das ist das Eigentümliche dieser Götter, dass der vierte eigentlich ihr Bewusstsein zugleich ist.

[ 12 ] This can certainly be said of the three—the three principal gods who are the gods of creation: Axieros, Axiokersos, and Axiokersa. It can certainly be said of them that they do not know what they are. But just as little as these three together know what they are, so well does the fourth know for the three. So, if you imagine that you consist of a physical body, an etheric body, an astral body, and the “I,” and that the “I” performs consciousness, then you must realize: These Cabiri are four. Whereas in your case these four members hold together, these Cabiri are four separate beings. And Axieros is the physical body, Axiokersos is the etheric body, Axiokersa is the astral body; thus, they have no consciousness. Kadmilos, on the other hand—who corresponds to the “I”—thinks for all three. So this is the peculiarity of these gods: that the fourth is, in fact, their consciousness at the same time.

[ 13 ] Wenn Sie den einen Zyklus nehmen, wo ich von den Elohim gesprochen habe, ist es auch so ähnlich, dass eigentlich der siebente für die sechs denkt.

[ 13 ] If you take the one cycle where I spoke of the Elohim, it’s similar in that the seventh actually thinks for the six.

[ 14 ] Nun, nachdem die Sirenen auf dieses Geheimnis der Kabiren hingewiesen haben, wenden sie sich wiederum zu ihrer eigentlichen göttlichen Kraft, zum Mond:

[ 14 ] Now, after the Sirens have alluded to this secret of the Cabiri, they turn once again to their true divine power, the Moon:

SIRENEN:
Bleibe auf deinen Höhn,
Holde Luna, gnädig stehn;
Dass es nächtig verbleibe,
Uns der Tag nicht vertreibe! (V 8078–8081)

SIRENS:
Remain upon your heights,
Lovely Luna, stand graciously;
May it remain night,
And may the day not drive us away! (V 8078–8081)

[ 15 ] Also, sie sind Nachtgötter! Das ist ja klar. Nun kommt am Ufer der Bucht zu Thales, links, zu Homunkulus gewendet.

[ 15 ] So, they are gods of the night! That’s obvious. Now, on the shore of the bay, Thales approaches from the left, facing Homunkulus.

THALES (am Ufer zu Homunkulus):
Ich führte dich zum alten Nereus gern;
Zwar sind wir nicht von seiner Höhle fern,
Doch hat er einen harten Kopf,
Der widerwärtige Sauertopf.
Das ganze menschliche Geschlecht
Macht’s ihm, dem Griesgram, nimmer recht. (V 8082–8087)

THALES (on the shore, to Homunkulus):
I gladly led you to old Nereus;
Though we are not far from his cave,
He is stubborn,
That disagreeable curmudgeon.
The entire human race
Can never please him, that grouch. (V 8082–8087)

[ 16 ] Er liebt nämlich die Menschen nicht, Nereus – er hat früher, als die Menschen den Göttern noch näherstanden, wenn auch atavistisch geistiger, da hat er die Menschen gerner gehabt. Aber seit die Menschen zweibeinig geworden sind und diese wenig denkerische und wenig spirituelle Form angenommen haben, die sie jetzt haben, da haben sie sich die Liebe des Nereus mehr oder weniger verscherzt. Da stehen sie ihm und seinem alten Wasserelement ferner, daher liebt er sie nicht.

[ 16 ] For Nereus does not love humans—he used to have preferred them in the past, when humans were still closer to the gods, even if they were more atavistically spiritual. But ever since humans became bipedal and took on this form—which is neither very thoughtful nor very spiritual—that they have now, they have more or less forfeited Nereus’s love. They are now further removed from him and his ancient water element; that is why he does not love them.

Doch ist die Zukunft ihm entdeckt,
Dafür hat jedermann Respekt,
Und ehret ihn auf seinem Posten;
Auch hat er manchem wohlgetan. (V 8088–8091)

Yet the future is revealed to him,
For this, everyone respects him,
And honors him in his position;
He has also done many a good deed. (V 8088–8091)

[ 17 ] Nun, nicht wahr, der Thales, der übersetzt alles ins Philiströs-Bourgeoishafte. Aber der Homunkulus, der möchte doch entstehen, er möchte Körper haben zu seinem Elemente. Daher will er sich einlassen darauf.

[ 17 ] Well, isn’t that right, Thales, who translates everything into something philistine and bourgeois. But the homunculus—he wants to come into being; he wants to have a body as his element. That’s why he’s willing to go along with it.

HOMUNKULUS:
Probieren wir’s und klopfen an!
Nicht gleich wird’s Glas und Flamme kosten. (V 8092–8093)

HOMUNKULUS:
Let’s give it a try and knock!
It won’t cost us glass and flame right away. (V 8092–8093)

[ 18 ] Nereus tritt auf aus seiner Höhle, als ein etwas ahrimanisch angehauchter Geist; rechts.

[ 18 ] Nereus emerges from his cave as a spirit with a somewhat Ahrimanic air; on the right.

NEREUS:
Sind’s Menschenstimmen, die mein Ohr vernimmt?
Wie es mir gleich im tiefsten Herzen grimmt! (V 8094–8095)

NEREUS:
Are those human voices my ears perceive?
How my heart is suddenly filled with anger! (V 8094–8095)

[ 19 ] Also so, wie die Menschen Bauchgrimmen kriegen, wenn sie etwas nicht richtig Entsprechendes gehabt haben, so grimmt’s bei ihm im Herzen, wenn er von Menschen auch nur hört, weil die ihm zuwider sind.

[ 19 ] Just as people get a queasy feeling in their stomachs when they haven’t eaten something suitable, so his heart turns queasy when he even hears about people, because they repulse him.

Gebilde, strebsam Götter zu erreichen,
Und doch verdammt, sich immer selbst zu gleichen.
Seit alten Jahren konnt’ ich göttlich ruhn,
Doch trieb mich’s an, den Besten wohlzutun;
Und schaut’ ich dann zuletzt vollbrachte Taten,
So war es ganz, als hätt’ ich nicht geraten. (V 8096–8101)

A being striving to reach the gods,
And yet doomed to remain forever the same.
For many years I was able to rest in divine peace,
Yet I was driven to do good for the best;
And when I finally looked upon my accomplished deeds,
It was as if I had not succeeded at all. (V 8096–8101)

[ 20 ] Er ist sehr unzufrieden.

[ 20 ] He is very dissatisfied.

THALES:
Und doch, o Greis des Meers, vertraut man dir,
Du bist der Weise, treib’ uns nicht von hier!
Schau diese Flamme, menschenähnlich zwar,
Sie deinem Rat ergibt sich ganz und gar.

THALES:
And yet, O Elder of the Sea, we trust you,
You are the wise one—do not drive us away from here!
Behold this flame, though it resembles a human,
It yields entirely to your counsel.

NEREUS:
Was Rat! Hat Rat bei Menschen je gegolten?
Ein kluges Wort erstarrt im harten Ohr.
So oft auch Tat sich grimmig selbst gescholten,
Bleibt doch das Volk selbstwillig wie zuvor.
Wie hab’ ich Paris väterlich gewarnt,
Eh’ sein Gelüst ein fremdes Weib umgarnt.
Am griechischen Ufer stand er kühnlich da,
Ihm kündet’ ich, was ich im Geiste sah:
Die Lüfte qualmend, überströmend Rot,
Gebälke glühend, unten Mord und Tod:
Trojas Gerichtstag, rhythmisch festgebannt,
Jahrtausenden so schrecklich als gekannt.
Des Alten Wort dem Frechen schien’s ein Spiel,
Er folgte seiner Lust, und Ilion fiel –
Ein Riesenleichnam, starr nach langer Qual,
Des Pindus Adlern gar willkommnes Mahl.
Ulyssen auch! sagt’ ich ihm nicht voraus
Der Circe Listen, des Cyclopen Graus?
Das Zaudern sein, der Seinen leichten Sinn,
Und was nicht alles! bracht ihm das Gewinn?
Bis vielgeschaukelt ihn, doch spät genug,
Der Woge Gunst an gastlich Ufer trug.

NEREUS:
What advice! Has advice ever been heeded by mortals?
A wise word falls on deaf ears.
No matter how often action has harshly rebuked itself,
The people remain as headstrong as ever.
How fatherly I warned Paris,
Before his lust ensnared a foreign woman.
There he stood boldly on the Greek shore,
And I told him what I saw in my mind’s eye:
The skies smoldering, overflowing with red,
Glowing beams, murder and death below:
Troy’s Day of Judgment, rhythmically enshrined,
As terrible as it has been known for millennia.
To the insolent one, the old man’s words seemed a game,
He followed his desire, and Ilion fell—
A giant’s corpse, stiff from long torment,
A most welcome feast for the eagles of Pindus.
And Odysseus, too! Did I not foretell to him
Circe’s wiles, the Cyclops’ horror?
His hesitation, his lightheartedness,
And all the rest! Did any of it bring him gain?
Until, after many twists and turns, though late enough,
The favor of the waves carried him to a hospitable shore.

THALES:
Dem weisen Mann gibt solch Betragen Qual;
Der gute doch versucht es noch einmal.
Ein Quäntchen Danks wird, hoch ihn zu vergnügen,
Die Zentner Undanks völlig überwiegen.
Denn nichts Geringes haben wir zu flehn:
Der Knabe da wünscht weislich zu entstehn. (V 8102–8133)

THALES:
Such behavior causes the wise man anguish;
Yet the good man tries once more.
A mere scrap of gratitude, to delight him greatly,
Will completely outweigh the hundredweight of ingratitude.
For we have no small thing to beg for:
The boy there wishes to be born wise. (V 8102–8133)

[ 21 ] Man muss nur achtgeben, dass der Thales nicht aus der Rolle fällt. Er ist ja ein richtiger Philister gegenüber dem Nereus, nicht wahr, der ein großartiger Kerl eigentlich ist, wenn er auch etwas ahrimanisch angehaucht ist.

[ 21 ] You just have to make sure Thales doesn't step out of line. He's a real philistine compared to Nereus, isn't he? Nereus is actually a great guy, even if he does have a bit of an Ahrimanic streak.

NEREUS:
Verderbt mir nicht den seltensten Humor!
Ganz andres steht mir heute noch bevor.
Die Töchter hab’ ich alle herbeschieden,
Die Grazien des Meeres, die Doriden.
Nicht der Olymp, nicht euer Boden trägt
Ein schön Gebild das sich so zierlich regt.
Sie werfen sich, anmutigster Gebärde,
Vom Wasserdrachen auf Neptunus’ Pferde,
Dem Element aufs zarteste vereint,
Dass selbst der Schaum sie noch zu heben scheint.
Im Farbenspiel von Venus Muschelwagen
Kommt Galatee, die Schönste nun, getragen,
Die, seit sich Kypris von uns abgekehrt,
In Paphos wird als Göttin selbst verehrt. (V 8134–8147)

NEREUS:
Don’t spoil my rare sense of humor!
Something quite different still awaits me today.
I have summoned all my daughters here,
The Graces of the Sea, the Dorides.
Neither Olympus nor your land bears
a form so beautiful that moves so gracefully.
With the most graceful of gestures,
they leap from the water dragon onto Neptune’s horses,
united most tenderly with the element,
So that even the foam seems to lift them up.
In the play of colors from Venus’s shell chariot
Now Galatea, the fairest of all, is carried forth,
She who, ever since Kypris turned away from us,
Is worshiped as a goddess herself in Paphos. (V 8134–8147)

[ 22 ] Also Galatee ist die schönste von seinen Töchtern, die schönste der Doriden. Von ihr wird später gesagt, dass sie besonders der Mutter ähnlich sah. Also das, Kypris hat sich abgekehrt, die andere Meeresgöttin, und sie, [Galatee], wird als Göttin verehrt, ist also eine Art MeerAphrodite.

[ 22 ] So Galatea is the most beautiful of his daughters, the most beautiful of the Dorides. It is later said that she bore a particularly strong resemblance to her mother. So Kypris, the other sea goddess, has turned away, and she [Galatea] is worshipped as a goddess—she is, in a sense, a sea Aphrodite.

Und so besitzt die Holde lange schon
Als Erbin Tempelstadt und Wagenthron.
Hinweg! Es ziemt in Vaterfreudenstunde
Nicht Hass dem Herzen, Scheltwort nicht dem Munde.
Hinweg zu Proteus! Fragt den Wundermann:
Wie man entstehn und sich verwandeln kann. (V 8148–8153)
(entfernt sich gegen das Meer)

And so the fair one has long possessed
As heiress, Temple City and the Chariot Throne.
Away! In this hour of a father’s joy
There is no place for hatred in the heart, nor harsh words on the lips.
Away to Proteus! Ask the wondrous man:
How one can come into being and transform oneself. (V 8148–8153)
(walks away toward the sea)

[ 23 ] Er – [Nereus] – geht weiter gegen das Meer hinaus, weil er nun eben die Ankunft der Galatee erwartet.

[ 23 ] He—[Nereus]—continues out into the sea, because he is now expecting Galatea's arrival.

THALES:
Wir haben nichts durch diesen Schritt gewonnen,
Trifft man auch Proteus, gleich ist er zerronnen;
Und steht er euch, so sagt er nur zuletzt,
Was Staunen macht und in Verwirrung setzt.
Du bist einmal bedürftig solchen Rats,
Versuchen wir’s und wandlen unsres Pfads! (V 8154–8159)
(entfernen sich)

THALES:
We’ve gained nothing by taking this step,
Even if we were to encounter Proteus, he would vanish in an instant;
And if he stands before you, he will only say at the end,
What causes astonishment and throws you into confusion.
Since you are in need of such counsel,
Let us try it and change our course! (V 8154–8159)
(They depart)

[ 24 ] Die Sirenen oben auf den Felsen sind geblieben, und sie künden an, wie von weitem mit den Kabiren herankommen die Nereiden und Tritonen.

[ 24 ] The sirens atop the rocks have remained, and they announce how the Nereids and Tritons are approaching from afar with the Cabiri.

SIRENEN (oben auf den Felsen):
Was sehen wir von Weiten
Das Wellenreich durchgleiten?
Als wie nach Windes Regel
Anzögen weiße Segel,

SIRENS (perched on the cliffs):
What do we see in the distance
Gliding through the realm of the waves?
As if, guided by the wind’s command,
White sails were drawing near,

[ 25 ] Also: als wenn nach der Regel des Windes weiße Segel herankommen! Wir sehen es so, es schaut so aus, wie wenn nach der Regel des Windes weiße Segel heranzögen.

[ 25 ] In other words: as if white sails were approaching, carried by the wind! That’s how we see it; it looks as if white sails were approaching, carried by the wind.

So hell sind sie zu schauen,
Verklärte Meeresfrauen …

They are so bright to behold,
Transfigured mermaids …

[ 26 ] So hell sind diese Nereiden und Tritonen zu schauen.

[ 26 ] That is how bright these Nereids and Tritons appear.

Lasst uns herunterklimmen,
Vernehmt ihr doch die Stimmen. (V 8160–8167)

Let’s climb down,
since you can hear the voices. (V 8160–8167)

[ 27 ] Nereiden und Tritonen kommen an.

[ 27 ] The Nereids and Tritons arrive.

NEREIDEN UND TRITONEN:
Was wir auf Händen tragen
Soll allen euch behagen.
Chelonen’s Riesen-Schilde
Entglänzt ein streng Gebilde,
Sind Götter, die wir bringen;
Müsst hohe Lieder singen. (V 8168–8173)

NEREIDS AND TRITONS:
What we carry on our hands
May please you all.
On the giant shields of the Chelonids
A stern figure shines,
They are gods whom we bring;
You must sing lofty songs. (V 8168–8173)

[ 28 ] Also sie bringen auf einem großen Schilde diese Göttinnen, die aber ausschauen wie Töpfe. Sie sehen möglichst primitiv aus, diese Götter, die Kabiren. Man kann einfache, aber griechische, noch sehr aus der griechischen Urzeit herrührende primitive Töpfe formen, und das würden die Kabiren sein. Das ist die Gestalt dieser hohen Götter. Sie sind sehr klein, breit und putzig. Sie sind sehr hohe Götter, aber sie zeichnen sich durch ihre Zwerggestalt aus, sind eigentlich Götterzwerge, aber sehr mächtig, ganz mächtig. Daher, weil sie Entstehungsgötter sind, braucht man sie auch: Der Homunkulus möchte entstehen, daher braucht man sie. Natürlich konnte Goethe sich nicht etwa berufen auf die Naturwissenschaftler, die die Entstehung, nicht wahr, durch den Meeresschleim und so weiter, und so weiter annehmen, sondern er berief sich auf die Kabiren, auf die das Leben aus dem Elemente hervorrufenden Kabiren. Aber sie haben noch eine einfache Gestalt. Sie sind also hohe Götter, wichtige Götter, aber sie sind zwerghafte Götter.

[ 28 ] So they carry these goddesses on a large shield, though they look like pots. These gods, the Cabiri, look as primitive as possible. One could fashion simple, yet distinctly Greek, primitive pots—still very much reminiscent of Greek prehistory—and that would be what the Cabiri look like. That is the form of these high gods. They are very small, broad, and cute. They are very high gods, but they are characterized by their dwarf-like stature; they are actually divine dwarves, but very powerful—truly powerful. Therefore, because they are gods of creation, we need them: the homunculus wishes to come into being, so we need them. Of course, Goethe could not simply refer to the natural scientists who assume origin—through marine slime and so on, and so on—but rather he referred to the Cabiri, the Cabiri who bring life forth from the elements. But they still have a simple form. So they are high gods, important gods, but they are dwarf-like gods.

SIRENEN:
Klein von Gestalt,
Groß von Gewalt,
Der Scheiternden Retter,
Uralt verehrte Götter. (V 8174–8177)

SIRENS:
Small in stature,
Mighty in power,
Saviors of the doomed,
Gods revered since time immemorial. (V 8174–8177)

[ 29 ] «Der Scheiternden Retter», weil sie den Schiffern helfen, die das Meer durchfurchen, durchqueren müssen. Das ist insbesondere wichtig, nicht wahr. Den Schiffern sind sie eigentlich durch ihre Eigenschaft wichtig, die Kabiren. Durch ihre ganze Funktion im Weltenall sind sie eigentlich furchtlose Götter, das, was man couragierte Götter nennen kann. Nicht wahr, furchtsam wird man ja durch den Verstand, dadurch, dass einen der Verstand fortwährend auf Gefahren aufmerksam macht, dass er einen immerfort nachdenkerisch macht, und so weiter. Wenn man nicht durch den Verstand beirrt würde, würde man nicht furchtsam sein. Diese Kabiren – mit Ausnahme des vierten, des Kadmilos, nicht wahr, der ihr Bewusstsein darstellt –, sie sind, namentlich die drei, [sie] sind furchtlose Götter. Dadurch können sie auch die Beschützer der Schiffer sein.

[ 29 ] “The Failing Savior,” because they help the sailors who must plow through and cross the sea. That’s particularly important, isn’t it? To the sailors, the Kabirs are actually important because of their nature. Through their entire function in the cosmos, they are actually fearless gods—what one might call courageous gods. After all, isn’t it the mind that makes one fearful—by constantly drawing one’s attention to dangers, by making one perpetually pensive, and so on? If one were not misled by the mind, one would not be fearful. These Cabiri—with the exception of the fourth, Kadmilos, who represents their consciousness—namely the three of them, are fearless gods. This is why they can also be the protectors of sailors.

NEREIDEN UND TRITONEN:
Wir bringen die Kabiren,
Ein friedlich Fest zu führen;
Denn wo sie heilig walten,
Neptun wird freundlich schalten.

NEREIDS AND TRITONS:
We bring the Cabiri,
To hold a peaceful feast;
For where they reign in holiness,
Neptune will reign with kindness.

SIRENEN:
Wir stehen euch nach,
Wenn ein Schiff zerbrach,
Unwiderstehbar an Kraft
Schützt ihr die Mannschaft.

SIRENS:
We follow you,
When a ship is wrecked,
With irresistible power
You protect the crew.

NEREIDEN UND TRITONEN:
Drei haben wir mitgenommen,
Der Vierte wollte nicht kommen;
Er sagte, er sei der Rechte,
Der für sie alle dächte. (V 8178–8189)

NEREIDS AND TRITONS:
We took three with us,
The fourth did not want to come;
He said he was the right one,
The one who thought for them all. (V 8178–8189)

[ 30 ] Also der mit dem Bewusstsein wollte nicht kommen; sie haben nur die drei Unbewussten mitgebracht. [Die] Sirenen, sie betrachten diese ganze Anordnung ein wenig vom Standpunkte des kosmischen Humors aus.

[ 30 ] So the one with consciousness didn't want to come; they only brought the three unconscious ones. [The] sirens view this whole arrangement somewhat from the perspective of cosmic humor.

SIRENEN:
Ein Gott den andern Gott
Macht wohl zu Spott.
Ehrt ihr alle Gnaden,
Fürchtet jeden Schaden.

SIRENS:
One god mocks another god
And turns him into a laughingstock.
Honor all blessings,
Fear every misfortune.

[ 31 ] Die Götter arbeiten natürlich einander entgegen: Ein Gott macht wohl den anderen zum Spott.

[ 31 ] The gods, of course, work against one another: one god likely makes a mockery of the other.

NEREIDEN UND TRITONEN:
Sind eigentlich ihrer Sieben. (V 8190–8194)

NEREIDS AND TRITONS:
There are actually seven of them. (V 8190–8194)

[ 32 ] Im Ganzen sind’s eigentlich acht. Aber die acht, respektive sieben, die haben nur die Ägypter gekannt.

[ 32 ] There are actually eight in total. But only the Egyptians knew of these eight—or rather, seven.

SIRENEN:
Wo sind die drei geblieben?

SIRENS:
Where did the three of them go?

NEREIDEN UND TRITONEN:
Wir wüssten’s nicht zu sagen,
Sind im Olymp zu erfragen;
Dort wes’t auch wohl der Achte,
An den noch niemand dachte.
In Gnaden uns gewärtig,
Doch alle noch nicht fertig.

NEREIDS AND TRITONS:
We wouldn’t know how to say,
One must ask on Mount Olympus;
There is likely an eighth one as well,
Of whom no one has yet thought.
Graciously awaiting us,
But not all are ready yet.

Diese Unvergleichlichen
Wollen immer weiter,
Sehnsuchtsvolle Hungerleider
Nach dem Unerreichlichen. (V 8195–8205)

These Incomparable Ones
Always want to go further,
Longing, starving souls
For the unattainable. (V 8195–8205)

[ 33 ] Dieses «Hungerleider» hat keinen bösen Beigeschmack. Sie sind begierig nach der größten Vollkommenheit. Also sie haben die denkbar größte Begierde des Werdens, des Entstehens in sich, sind «Hungerleider nach dem Unerreichlichen».

[ 33 ] This “hunger” has no negative connotations. They are eager for the greatest perfection. Thus, they possess within themselves the greatest possible desire for becoming, for coming into being; they are “those who hunger for the unattainable.”

SIRENEN:
Wir sind gewohnt:
Wo es auch thront,
In Sonn’ und Mond
Hinzubeten, es lohnt. (V 8206–8209)

SIRENS:
We are accustomed:
Wherever it may reign,
To the sun and moon
To pray—it is worth it. (V 8206–8209)

[ 34 ] Also sie, [die Sirenen], wollen alles tun, was die Tritonen wollen.

[ 34 ] So they [the sirens] are willing to do whatever the tritons want.

NEREIDEN UND TRITONEN:
Wie unser Ruhm zum Höchsten prangt,
Dieses Fest anzuführen!

NEREIDS AND TRITONS:
How our glory shines most brightly,
To lead this celebration!

SIRENEN:
Die Helden des Altertums
Ermangeln des Ruhms,
Wo und wie er auch prangt;
Wenn sie das Goldne Vlies erlangt,
Ihr die Kabiren. (V 8210–8218)

SIRENS:
The heroes of antiquity
Lacking in glory,
Wherever and however it may shine;
When they obtain the Golden Fleece,
The Cabiri. (V 8210–8218)

[ 35 ] Das Goldne Vlies, nicht wahr, das ist also die Anschauung des Astralischen. Das singen zunächst die Sirenen. Und dann antworten Sirenen und Nereiden zusammen:

[ 35 ] The Golden Fleece—isn't that right?—that is the vision of the astral realm. First, the Sirens sing. And then the Sirens and Nereids answer together:

(wiederholt als Allgesang)
Wenn sie das Goldne Vlies erlangt.

(repeated as a chorus)
When they obtain the Golden Fleece.

[ 36 ] und jeder sagt:

[ 36 ] and everyone says:

Wir! Ihr! die Kabiren.

We! You! the Cabiri.

[ 37 ] Die Nereiden sagen:

[ 37 ] The Nereids say:

Wir!

We!

[ 38 ] Die Sirenen sagen:

[ 38 ] The sirens say:

Ihr! die Kabiren. (V 8217–8218)
(NEREIDEN und TRITONE ziehen vorüber.)

They! The Cabiri. (Lines 8217–8218)
(The NEREIDS and TRITONS pass by.)

[ 39 ] Nun ziehen die vorüber, Homunkulus schaut sie sich an:

[ 39 ] Now they pass by, and the homunculus watches them:

HOMUNKULUS:
Die Ungestalten seh’ ich an
Als irden-schlechte Töpfe,
Nun stoßen sich die Weisen dran
Und brechen harte Köpfe. (V 8219–8222)

HOMUNCULUS:
I look upon these misshapen beings
As earthenware pots of the worst kind,
Now the wise men bump into them
And break their hard heads. (V 8219–8222)

[ 40 ] Das sind die Gelehrten, nicht wahr, die nachdenken über diese Sache; sie bringen nichts heraus; denn dasjenige, was die äußere Wissenschaft über die Kabiren erforscht hat, das war ja zu Goethes Zeiten zwar noch nicht so dumm als heute, aber es war schon auch gehörig töricht.

[ 40 ] These are the scholars, aren’t they, who ponder this matter; they come up with nothing; for what external scholarship has uncovered about the Kabirs—admittedly, in Goethe’s time it wasn’t quite as foolish as it is today, but it was still quite foolish.

THALES:
Das ist es ja, was man begehrt,
Der Rost macht erst die Münze wert. (V 8223–8224)

THALES:
That is precisely what one desires,
It is the rust that makes the coin valuable. (V 8223–8224)

[ 41 ] Der könnte nun wirklich ein Universitätsprofessor und Theosoph sein, nicht wahr, der Thales! Es ist ganz klar, nicht wahr, dass er der Anschauung ist, dass der Rost erst die Münze wert macht. Also erst das Altertum, das Forschen, das macht dasjenige erst wert, was da geistig verehrt worden ist in alten Zeiten.

[ 41 ] He really could be a university professor and a theosophist, couldn’t he, Thales! It’s quite clear, isn’t it, that he holds the view that it is the rust that makes the coin valuable. So it is antiquity and research that give value to what was spiritually revered in ancient times.

[ 42 ] Den Proteus bemerkt man noch nicht ganz; man hört ihn erst sprechen; aber er hat alles das gehört.

[ 42 ] Proteus isn't quite noticeable yet; you don't hear him speak until later; but he has heard all of this.

PROTEUS (unbemerkt):
So etwas freut mich alten Fabler!
Je wunderlicher, desto respektabler.

PROTEUS (unnoticed):
That’s just the kind of thing that makes an old storyteller like me happy!
The more whimsical, the more respectable.

THALES:
Wo bist du, Proteus?

THALES:
Where are you, Proteus?

PROTEUS (Bauchrednerisch, bald nah, bald fern):
Hier! und hier! (V 8225–8227)

PROTEUS (ventriloquistic, now close, now far away):
Here! And here! (V 8225–8227)

[ 43 ] Da muss also jemand weiter weg stehen und jemand näher; und der eine sagt: «Hier!» – und der andere dort sagt: «Hier!» – Es tönt weit weg das eine Mal; er kann von zwei Orten sprechen.

[ 43 ] So one person has to stand farther away and the other closer; and one says, “Here!”—and the other, over there, says, “Here!”—It sounds far away one time; he can be referring to two places.

THALES:
Den alten Scherz verzeih’ ich dir;
Doch, einem Freund nicht eitle Worte!
Ich weiß, du sprichst vom falschen Orte.

THALES:
I’ll forgive you for that old joke;
But don’t speak empty words to a friend!
I know you’re talking about the wrong place.

PROTEUS (als aus der Ferne):
Leb’ wohl!

PROTEUS (as if from a distance):
Farewell!

THALES (leise zu Homunkulus):
Er ist ganz nah. Nun leuchte frisch!
Er ist neugierig wie ein Fisch;
Und wo er auch gestaltet stockt,
Durch Flammen wird er hergelockt.

THALES (quietly to Homunkulus):
He’s very close. Now shine brightly!
He’s as curious as a fish;
And no matter where he happens to be,
The flames will lure him here.

HOMUNKULUS:
Ergieß’ ich gleich des Lichtes Menge,
Bescheiden doch, dass ich das Glas nicht sprenge.

HOMUNKULUS:
Let me pour forth a flood of light,
Yet with restraint, lest I shatter the glass.

PROTEUS (in Gestalt einer Riesenschildkröte):
Was leuchtet so anmutig schön? (V 8228–8237)

PROTEUS (in the form of a giant turtle):
What is that, shining so gracefully and beautifully? (V 8228–8237)

[ 44 ] Proteus in Gestalt einer Riesenschildkröte: Ja, da muss er eben ein großes Dach haben, wodurch er die Gestalt einer Riesenschildkröte annimmt. Der Thales deutet an, wo er ist. Das ganze Dach muss er nachher hinunterfallen lassen, und er ist dann erst der Proteus. Also zunächst Proteus in Gestalt einer Riesenschildkröte:

[ 44 ] Proteus in the form of a giant turtle: Yes, he must have a large shell, through which he takes on the form of a giant turtle. Thales hints at where he is. He has to let the entire roof fall down afterward, and only then is he Proteus. So, first, Proteus in the form of a giant turtle:

[ 45 ] Was leuchtet so anmutig schön?

[ 45 ] What shines so gracefully and beautifully?

THALES (den Homunkulus verhüllend):
Gut! Wenn du Lust hast, kannst du’s näher sehn.
Die kleine Mühe lass dich nicht verdrießen
Und zeige dich auf menschlich beiden Füßen.
Mit unsern Gunsten sei’s, mit unserm Willen
Wer schauen will, was wir verhüllen. (V 8237–8242)

THALES (concealing the homunculus):
All right! If you’d like, you can take a closer look.
Don’t let this little effort dishearten you
And show yourself standing on both human feet.
Let it be by our grace, by our will
Whoever wishes to see what we conceal. (V 8237–8242)

[ 46 ] Nun lässt er – Proteus – die Schildkrötengestalt fallen und erscheint eigentlich als ein sehr schöner Mann, edel gestaltet.

[ 46 ] Now he—Proteus—sheds his turtle form and appears as a very handsome man, of noble bearing.

PROTEUS (edel gestaltet):
Weltweise Kniffe sind dir noch bewusst.

PROTEUS (elegantly designed):
You still remember the world's tricks.

THALES:
Gestalt zu wechseln bleibt noch deine Lust.
(hat den Homunkulus enthüllt)

THALES:
You still have the desire to change form.
(has revealed the homunculus)

[ 47 ] Er enthüllt jetzt den Homunkulus. Proteus links, erstaunt.

[ 47 ] He now reveals the homunculus. Proteus, on the left, looks astonished.

PROTEUS (erstaunt):
Ein leuchtend Zwerglein! Niemals noch gesehn!

PROTEUS (astonished):
A glowing little dwarf! Never seen anything like it!

[ 48 ] Thales rechts.

[ 48 ] Thales on the right.

THALES:
Es fragt um Rat und möchte gern entstehn.
Er ist, wie ich von ihm vernommen,
Gar wundersam nur halb zur Welt gekommen.
Ihm fehlt es nicht an geistigen Eigenschaften,
Doch gar zu sehr am greiflich Tüchtighaften.
Bis jetzt gibt ihm das Glas allein Gewicht,
Doch wär’ er gern zunächst verkörperlicht.

THALES:
He seeks advice and longs to come into being.
As I have heard from him,
He was born, quite wondrously, only half into the world.
He lacks nothing in intellectual qualities,
But all too much in tangible competence.
Until now, only the glass has given him substance,
But he would like to take on a physical form first.

PROTEUS:
Du bist ein wahrer Jungfern-Sohn,
Eh du sein solltest, bist du schon!
THALES (leise):
Auch scheint es mir von andrer Seite kritisch,
Er ist, mich dünkt, hermaphroditisch.

PROTEUS:
You are a true virgin’s son,
Even before you should be, you already are!
THALES (quietly):
It also seems to me, from another perspective,
He is, it seems to me, hermaphroditic.

PROTEUS:
Da muss es desto eher glücken;
So wie er anlangt, wird sich’s schicken.
Doch gilt es hier nicht viel Besinnen,
Im weiten Meere musst du anbeginnen!
Da fängt man erst im Kleinen an
Und freut sich, Kleinste zu verschlingen,
Man wächst so nach und nach heran,
Und bildet sich zu höherem Vollbringen. (V 8243–8264)

PROTEUS:
Then it must succeed all the more surely;
As soon as he arrives, things will fall into place.
But there’s no time for much reflection here,
In the vast sea you must begin!
There one begins small at first
And takes pleasure in devouring the smallest things,
You grow little by little,
And develop toward greater achievements. (V 8243–8264)

[ 49 ] Also er meint: er kann ruhig hermaphroditisch sein, solange er ein Geist ist. Wenn er unter den Menschen anlangt, so wird es schon sich differenzieren.

[ 49 ] So he says: he can certainly be hermaphroditic as long as he is a spirit. When he comes among humans, things will sort themselves out.

HOMUNKULUS:
Hier weht gar eine weiche Luft,
Es grunelt so, und mir behagt der Duft!

HOMUNKULUS:
There’s a gentle breeze blowing here,
It’s rumbling, and I love the scent!

PROTEUS:
Das glaub ich, allerliebster Junge!
Und weiterhin wird’s viel behäglicher,
Auf dieser schmalen Strandeszunge
Der Dunstkreis noch unsäglicher;
Da vorne sehen wir den Zug,
Der eben herschwebt, nah genug.
Kommt mit dahin!

PROTEUS:
I believe it, my dearest boy!
And it’s going to get even cozier,
On this narrow strip of beach
Where the haze is even more indescribable;
Up ahead we see the procession,
Which is just floating toward us, close enough.
Come along with us!

THALES:
Ich gehe mit.

THALES:
I'm coming with you.

HOMUNKULUS:
Dreifach merkwürdiger Geisterschritt! (V 8265–8274)

HOMUNKULUS:
A ghostly step three times over! (V 8265–8274)

[ 50 ] Da gehen sie also dem Zug entgegen, dem Zug der Telchinen. Die Telchinen sind auch solch ahrimanische Wesen; sie sind die Helfer der ersten Denkmalskünste, sie sind eigentlich diejenigen geistigen Wesenheiten, die die Formen der Menschen und der anderen Wesen bedingen – nicht das Leben, sondern die Formen. Dieser ganze Chor stürmt eigentlich jetzt heran. Die Telchinen von Rhodus, das sind also solche Erzzauberer, Erzgeister, die eben Formen gaben. Auf Hippokampen und Meerdrachen – Hippokampen, das sind also halb Fische und halb Pferde –, auf denen reiten sie daher als Meerdrachen. Den Dreizack Neptunens, den haben sie als Waffe. Nun kommen sie also an.

[ 50 ] So there they go, heading toward the procession—the procession of the Telchines. The Telchines are also such Ahrimanic beings; they are the helpers of the earliest monumental arts; they are, in fact, those spiritual beings who determine the forms of human beings and other beings—not their life, but their forms. This entire chorus is now actually rushing forward. The Telchines of Rhodes are, in other words, such arch-magicians, arch-spirits, who gave form. On hippocampi and sea dragons—hippocampi, that is, half-fish and half-horse—they ride forth as sea dragons. Neptune’s trident is their weapon. And now they are arriving.

TELCHINEN VON RHODUS (auf Hippokampen und Meerdrachen, Neptunens Dreizack handhabend):
Wir haben den Dreizack Neptunens geschmiedet,
Womit er die regesten Wellen begütet.
Entfaltet der Donn’rer die Wolken, die vollen,
Entgegnet Neptunus dem gräulichen Rollen;
Und wie auch von oben es zackig erblitzt,
Wird Woge nach Woge von unten gespritzt;
Und was auch dazwischen in Ängsten gerungen,
Wird, lange geschleudert, vom Tiefsten verschlungen;
Weshalb er uns heute den Zepter gereicht,
Nun schweben wir festlich, beruhigt und leicht. (V 8275–8284)

TELCHINES OF RHODES (riding seahorses and sea dragons, wielding Neptune’s trident):
We forged Neptune’s trident,
With which he soothes the most turbulent waves.
When the Thunderer unfurls the full clouds,
Neptune counters the grim roar;
And just as jagged lightning flashes from above,
Wave after wave is sent surging up from below;
And whatever struggles in anguish in between,
Is, after being hurled for a long time, swallowed by the depths;
Which is why he hands us the scepter today,
Now we float festively, calm and light. (V 8275–8284)

[ 51 ] Sie bringen nun das Sonnenhafte mit. – Nicht wahr, Sie müssen sich vorstellen, dass Goethe sehr mit der Natur gelebt hat, das heißt mit dem Geiste der Natur. Dasjenige, was sich also bis jetzt abgespielt hat an der Bucht des Ägäischen Meeres in der vorhergehenden Szene – hier ist ja ein Szenenwechsel, bevor die Telchinen kommen –, was sich vorher abgespielt hat, ist so von Mitternacht bis am Morgen. Also es ist jetzt, man könnte sagen Morgenrötestimmung, die da herankommt. Der Mond ist noch da, und alle Sterne sind noch da. Aber es ist jetzt Morgenrötestimmung, die da herankommt. – Also diese Entstehung, die der Homunkulus sucht, der Morgenrötestimmung zuschreibend: Das ist eigentlich Goethes Absicht.

[ 51 ] You are now bringing in the solar aspect. – You see, you have to imagine that Goethe lived very much in harmony with nature—that is, with the spirit of nature. So what has taken place so far on the Aegean coast in the previous scene—there’s a change of scene here, before the Telchines arrive—what happened before took place from midnight until morning. So now—one might say—a dawn-like atmosphere is approaching. The moon is still there, and all the stars are still there. But it is now a dawn-like atmosphere that is approaching. – So this emergence, which the homunculus seeks and attributes to the dawn-like atmosphere: that is actually Goethe’s intention.

SIRENEN:
Euch, dem Helios Geweihten,
Heiteren Tags Gebenedeiten,
Gruß zur Stunde, die bewegt
Lunas Hochverehrung regt! (V 8285–8288)

SIRENS:
To you, consecrated to Helios,
Blessed with sunny days,
Greetings at this hour that stirs
Our deep veneration for Luna! (V 8285–8288)

[ 52 ] Also der Mond neigt sich schon zum Untergange; die Sonne ist noch nicht aufgegangen; aber sie wird schon von den Sirenen gefeiert.

[ 52 ] So the moon is already setting; the sun has not yet risen; but it is already being celebrated by the sirens.

TELCHINEN:
Alllieblichste Göttin am Bogen da droben!
Du hörst mit Entzücken den Bruder beloben.

TELCHINES:
O most lovely goddess, there above the arch!
You listen with delight as your brother is praised.

[ 53 ] Also das sagen sie zu dem Mond, dass er den Sonnenbruder hört mit Entzücken loben.

[ 53 ] So they say of the moon that it listens with delight as the sun’s brother sings its praises.

Der seligen Rhodus verleihst du ein Ohr,
Dort steigt ihm ein ewiger Päan hervor.
Beginnt er den Tagslauf und ist es getan,
Er blickt uns mit feurigem Strahlenblick an.
Die Berge, die Städte, die Ufer, die Welle,
Gefallen dem Gotte, sind lieblich und helle.
Kein Nebel umschwebt uns, und schleicht er sich ein,
Ein Strahl und ein Lüftchen, die Insel ist rein!
Da schaut sich der Hohe in hundert Gebilden,
Als Jüngling, als Riesen, den großen, den milden.
Wir ersten, wir waren’s, die Göttergewalt
Aufstellten in würdiger Menschengestalt. (V 8289–8302)

You lend an ear to blessed Rhodus,
There an eternal paean rises up to him.
As the day begins and ends,
He gazes upon us with a fiery, radiant gaze.
The mountains, the cities, the shores, the waves,
Pleasing to the god, are lovely and bright.
No mist hovers around us, and if it creeps in,
A ray of light and a gentle breeze—the island is pure!
There the High One beholds himself in a hundred forms,
As a youth, as a giant—the great one, the gentle one.
We were the first; it was we who gave divine power
A dignified human form. (V 8289–8302)

[ 54 ] Also sie – [die Telchinen] – sind diejenigen, die die Formen gegeben haben. Die Göttergewalt haben sie aufgestellt in lieblichster Menschengestalt. Der Proteus will doch auf seine Aufgabe etwas eingehen:

[ 54 ] So they—[the Telchines]—are the ones who gave things their forms. They fashioned the power of the gods into the most lovely human form. Let Proteus say a few words about his task:

PROTEUS:
Lass du sie singen, lass sie prahlen!
Der Sonne heiligen Lebestrahlen
Sind tote Werke nur ein Spaß.
Das bildet, schmelzend, unverdrossen;
Und haben sie’s in Erz gegossen,
Dann denken sie, es wäre was.
Was ist’s zuletzt mit diesen Stolzen?
Die Götterbilder standen groß, –
Zerstörte sie ein Erdestoß;
Längst sind sie wieder eingeschmolzen.

PROTEUS:
Let them sing, let them boast!
To the sun’s sacred rays of life
Dead works are but a trifle.
They shape, melting, undaunted;
And once they’ve cast it in bronze,
Then they think it’s something.
What becomes of these proud ones in the end?
The statues of the gods stood tall, –
An earthquake destroyed them;
They have long since been melted down again.

Das Erdetreiben, wie’s auch sei,
Ist immer doch nur Plackerei;
Dem Leben frommt die Welle besser;
Dich trägt ins ewige Gewässer
Proteus-Delfin. (Er verwandelt sich.) Schon ist’s getan! (V 8303–8317)

The hustle and bustle of life, whatever it may be,
Is always just drudgery;
The wave serves life better;
The Proteus-Dolphin carries you
into the eternal waters. (He transforms.) It is already done! (V 8303–8317)

[ 55 ] Also: die Sonne leidet nicht die bloßen Formen; die Sonne will den Formen Leben, also das Ätherische, den Ätherleib hinzugeben.

[ 55 ] In other words: the sun does not merely endure the forms; the sun seeks to imbue the forms with life—that is, with the ethereal, the etheric body.

[ 56 ] Und nun verwandelt sich der Proteus wiederum; er nimmt eine Fischgestalt an:

[ 56 ] And now Proteus transforms himself once more; he takes on the form of a fish:

Schon ist’s getan!
Da soll es dir zum schönsten glücken:
Ich nehme dich auf meinen Rücken,
Vermähle dich dem Ozean. (V 8317–8320)

It’s already done!
May you find the greatest happiness:
I’ll carry you on my back,
And wed you to the ocean. (V 8317–8320)

[ 57 ] Der Homunkulus soll also im Wasser das Entstehen beginnen; er soll sich mit dem Elemente des Wassers vereinigen. Proteus nimmt ihn auf seinen Rücken und will, dass der Homunkulus sich eigentlich mit dem Wasserelemente vereinigt, um allmählich Mensch zu werden.

[ 57 ] The homunculus is thus said to begin its formation in water; it is to unite with the element of water. Proteus takes it onto his back and wants the homunculus to actually unite with the element of water in order to gradually become human.

THALES:
Gib nach dem löblichen Verlangen,
Von vorn die Schöpfung anzufangen!
Zu raschem Wirken sei bereit!
Da regst du dich nach ewigen Normen,
Durch tausend abertausend Formen,
Und bis zum Menschen hast du Zeit.

THALES:
Give in to that noble desire,
To begin creation anew!
Be ready to act swiftly!
For you are inspired by eternal principles,
Through a thousand and a thousand forms,
And you have time all the way to the creation of humankind.

[ 58 ] Homunkulus steigt hinauf auf den Proteus-Delfin.

[ 58 ] Homunkulus climbs onto the Proteus dolphin.

HOMUNKULUS
(besteigt den Proteus-Delfin)

HOMUNKULUS
(climbs onto the Proteus dolphin)

PROTEUS:
Komm geistig mit in feuchte Weite,
Da lebst du gleich in Läng’ und Breite,
Beliebig regest du dich hier;
Nur strebe nicht nach höhern Orten:
Denn bist du erst ein Mensch geworden,
Dann ist es völlig aus mit dir. (V 8321–8332)

PROTEUS:
Come with me in spirit to the watery expanse,
There you’ll live in both length and breadth,
You may move about here as you please;
Just do not strive for higher realms:
For once you have become human,
Then it is completely over for you. (V 8321–8332)

[ 59 ] Das habe ich ja nun schon öfter gesagt, dass es nicht «Orden» heißt, sondern «Orten», denn Homunkulus ist noch nicht so ein Mensch, der nach Orden strebt! Es ist nur von Goethe in frankfurterischem Deutsch diktiert worden, und der Schreiber hat ein weiches d geschrieben.

[ 59 ] I’ve said this many times before: it’s not “Orden” but “Orten,” because a homunculus isn’t yet the kind of person who strives for orders! It was simply dictated by Goethe in the Frankfurt dialect, and the scribe wrote a soft “d.”

[ 60 ] Thales ist nicht damit einverstanden. Nicht wahr, er will wie der richtige Bourgeois-Philister immer weiter, weiter streben.

[ 60 ] Thales doesn't agree with that. After all, like a true bourgeois philistine, he wants to keep striving further and further.

THALES:
Nachdem es kommt; ’s ist auch wohl fein,
Ein wackrer Mann zu seiner Zeit zu sein.

THALES:
Since it is to come, it is certainly fine,
To be a brave man in his time.

PROTEUS (zu Thales):
So einer wohl von deinem Schlag!
Das hält noch eine Weile nach;
Denn unter bleichen Geisterscharen
Seh’ ich dich schon seit vielen hundert Jahren. (V 8333–8338)

PROTEUS (to Thales):
You’re certainly one of your kind!
This will go on for a while yet;
For among the pale hosts of ghosts
I’ve been seeing you for many hundreds of years. (V 8333–8338)

[ 61 ] Nun, der Proteus durchschaut ihn schon!

[ 61 ] Well, Proteus sees right through him!

SIRENEN (auf dem Felsen):
Welch ein Ring von Wölkchen ründet
Um den Mond so reichen Kreis?
Tauben sind es, liebentzündet,
Fittiche wie Licht so weiß.
Paphos hat sie hergesendet,
Ihre brünstige Vogelschar;
Unser Fest, es ist vollendet,
Heitre Wonne voll und klar! (V 8339–8346)

SIRENS (on the rock):
What ring of little clouds forms
Such a rich circle around the moon?
They are doves, inflamed with love,
Their wings as white as light.
Paphos has sent them here,
her passionate flock of birds;
Our feast is complete,
full of bright and clear joy! (V 8339–8346)

[ 62 ] Also die ganze Erscheinung des Mondes, wie die Wolken sich um ihn gruppieren: Dass in diesem Elemente geistige Wesenheiten sind, das wird hier besonders betont. Goethe hat auf diese Stelle einen ganz besonderen Wert gelegt, weil er durch solche Dinge darauf hindeuten wollte, dass er nicht bloß eine Lufterscheinung sieht, sondern in der Lufterscheinung zugleich die Offenbarung eines tieferen Geistigen.

[ 62 ] So the entire appearance of the moon, the way the clouds cluster around it: the fact that there are spiritual beings within this element is particularly emphasized here. Goethe attached particular importance to this passage because, through such descriptions, he wanted to suggest that he was not merely observing an atmospheric phenomenon, but rather seeing in that phenomenon the revelation of a deeper spiritual reality.

NEREUS (zu Thales tretend):

NEREUS (approaching Thales):

[ 63 ] also er bespricht noch einmal das, was die Sirenen schon besprochen haben:

[ 63 ] So he goes over once again what the Sirens have already discussed:

Nennte wohl ein nächtiger Wandrer
Diesen Mondhof Lufterscheinung;
Doch wir Geister sind ganz andrer
Und der einzig richtigen Meinung.
Tauben sind es, die begleiten
Meiner Tochter Muschelfahrt,
Wunderflugs besondrer Art,
Angelernt vor alten Zeiten. (V 8347–8354)

A night wanderer might well call
This moonlit courtyard an atmospheric phenomenon;
But we spirits hold a very different
And the only correct opinion.
It is doves that accompany
My daughter’s journey with the shell,
A wondrous flight of a special kind,
Learned in times of old. (V 8347–8354)

[ 64 ] Also er verwahrt sich dagegen, dass man darin bloß eine Lufterscheinung sieht, also nicht bloß äußere Lufterscheinung, sondern Tauben, geistige Lufterscheinungen. – Eine Taube ist ja auch erschienen bei der Taufe des Christus. – Also Tauben, die den Mond umfliegen und die zuerst bei seiner Tochter Muschelfahrt erschienen sind.

[ 64 ] So he objects to the idea that these are merely atmospheric phenomena—not just external atmospheric phenomena, but doves, spiritual atmospheric phenomena. – After all, a dove also appeared at the baptism of Christ. – So, doves flying around the moon, which first appeared during his daughter’s “muschelfahrt.”

THALES:
Auch ich halte das fürs Beste,
Was dem wackern Mann gefällt,
Wenn im stillen, warmen Neste
Sich ein Heiliges lebend hält. (V 8355–8358)

THALES:
I, too, consider this the best course,
Whatever pleases that valiant man,
When, in a quiet, warm nest,
A sacred thing remains alive. (V 8355–8358)

[ 65 ] Nun kommen Psyllen und Marsen. Das sind eigentlich – beide Arten, sowohl Psyllen wie Marsen, sind eigentlich, man könnte sagen diejenigen geistigen Wesenheiten, welche die Schlangen beseelen und mit den Schlangen verwandt sind. Sie tragen her die anderen, das heißt, sie kommen auf Meerstieren und Meerkälbern und -widdern. Wieder sind sie diejenigen, die heranbringen mit der Morgenröte zu gleicher Zeit die Doriden und die schönste der Doriden, die Aphrodite des Meeres: Galatee. Dadurch also wird die ganze Kraft des Meeres herangetragen.

[ 65 ] Now come the Psylles and the Marses. These are, in fact—both kinds, the Psylles and the Marses alike—what one might call those spiritual beings that animate the serpents and are related to them. They carry the others here; that is, they arrive on sea beasts, sea calves, and sea rams. Once again, they are the ones who, at dawn, bring forth both the Dorians and the most beautiful of the Dorians, the Aphrodite of the sea: Galatea. Thus, the entire power of the sea is brought forth.

[ 66 ] Homunkulus, der vom Delfin in das Meer getragen ist, ausfließt in das Meer, er wird dadurch zum Menschen. Und der Mensch, der aus dem Meere ausfließt, das ist ja die Helena nachher.

[ 66 ] The homunculus, carried into the sea by the dolphin, flows out into the sea, thereby becoming human. And the human who flows out of the sea—that is, after all, Helena.

PSYLLEN UND MARSEN (auf Meerstieren, Meerkälbern und -widdern):
In Cyperns rauen Höhle-Grüften,
Vom Meergott nicht verschüttet,
Vom Seismos nicht zerrüttet,
Umweht von ewigen Lüften,
Und, wie in den ältesten Tagen,
In still-bewusstem Behagen
Bewahren wir Cypriens Wagen,
Und führen, beim Säuseln der Nächte,
Durch liebliches Wellengeflechte,
Unsichtbar dem neuen Geschlechte,
Die lieblichste Tochter heran. (V 8359–8378)

PSYLLA AND MARS (on sea-beasts, sea-calves, and sea-rams):
In Cyprus’s rugged cave-tombs,
Not buried by the sea god,
Not shattered by Seismos,
Swept by eternal breezes,
And, as in the earliest days,
In quiet, mindful contentment
We guard the Chariot of Cyprius,
And, to the murmur of the nights,
Through a lovely web of waves,
Invisible to the new generation,
We bring forth the loveliest daughter. (V 8359–8378)

[ 67 ] Also diese, die da die Galatee heranbringen, die herrschen auf Zypern. [In] Zypern war schon alles Mögliche, nicht wahr, Zypern ist ja ein Land, das von allem Möglichen beherrscht war. Sie scheuen weder den römischen Adler noch den geflügelten Leuen, die andere Herrschaft; weder das christliche Kreuz noch den türkischen Halbmond. Alles das hat ja Zypern beherrscht. Das fürchten sie alles nicht; sie fühlen sich als die richtigen Herrscher von Zypern, denen die Insel eigentlich gehört, und trotzdem da Christen und Türken und Heiden und Adler und Leu und alles Mögliche war, so üben sie hier ihre Herrschaft aus.

[ 67 ] So those who bring Galatea here—they rule over Cyprus. [In] Cyprus, there’s been all sorts of things, hasn’t there? Cyprus is, after all, a country that has been ruled by all sorts of powers. They fear neither the Roman eagle nor the winged lion, that other symbol of rule; neither the Christian cross nor the Turkish crescent. All of these have ruled Cyprus. They fear none of these things; they see themselves as the rightful rulers of Cyprus, to whom the island actually belongs, and even though there were Christians and Turks and pagans and eagles and lions and all sorts of things, they still exercise their rule here.

Wir leise Geschäftigen scheuen
Weder Adler noch geflügelten Leuen,
Weder Kreuz noch Mond,
Wie es oben wohnt und thront,
Sich wechselnd wägt und regt,
Sich vertreibt und totschlägt,
Saaten und Städte niederlegt.
Wir, so fortan,
Bringen die lieblichste Herrin heran.

We, who go about our business quietly, fear neither
eagles nor winged lions,
neither the cross nor the moon,
As it dwells and reigns on high,
Swaying and stirring in constant flux,
Dispelling and striking down,
Laying waste to crops and cities.
We, from this day forward,
Bring forth the loveliest mistress.

[ 68 ] SIRENEN:

[ 68 ] SIRENS:

[ 69 ] Oben.

[ 69 ] Top.

Leicht bewegt, in mäßiger Eile,
Um den Wagen, Kreis um Kreis,
Bald verschlungen, Zeil’ an Zeile,
Schlangenartig, reihenweis,
Naht euch, rüstige Nereiden,
Derbe Frau’n, gefällig wild,
Bringet, zärtliche Doriden,
Galateen, der Mutter Bild:
Ernst, den Göttern gleich zu schauen,
Würdiger Unsterblichkeit,
Doch wie holde Menschenfrauen,
Lockender Anmutigkeit. (V 8370–8390)

Moving lightly, with moderate haste,
Around the chariot, circle after circle,
Soon intertwining, line upon line,
Serpentine, in rows,
Draw near, vigorous Nereids,
Rugged women, pleasingly wild,
Bring, tender Dorides,
Galateans, the image of the mother:
Serious, to look like the gods,
Worthy of immortality,
Yet like lovely mortal women,
Alluring grace. (V 8370–8390)

[ 70 ] Also die Doriden sind schon Schwestern der Nereiden, aber sie, die Doriden, geraten mehr der Mutter nach:

[ 70 ] So the Dorides are indeed sisters of the Nereids, but they—the Dorides—resemble their mother more:

Bringet, zärtliche Doriden,
Galateen, der Mutter Bild:

Bring, tender Dorides,
the image of Galatea, the mother:

[ 71 ] Weil sie der Mutter so ähnlich ist, ist sie das Abbild der Mutter:

[ 71 ] Because she looks so much like her mother, she is her mother's spitting image:

Ernst, den Göttern gleich zu schauen,
Würdiger Unsterblichkeit,
Doch wie holde Menschenfrauen,
Lockender Anmutigkeit.

Ernst, with a countenance like that of the gods,
Worthy of immortality,
Yet as lovely as mortal women,
Alluring grace.

DORIDEN (im Chor an Nereus vorbeiziehend, sämtlich auf Delfinen):
Leih uns, Luna, Licht und Schatten,
Klarheit diesem Jugendflor!
Denn wir zeigen liebe Gatten
Unserm Vater bittend vor.
(zu Nereus)
Knaben sind’s, die wir gerettet,

THE DORIDS (passing Nereus in chorus, all riding dolphins):
Grant us, Luna, light and shadow,
Clarity to this youthful splendor!
For we present beloved spouses
To our father in supplication.
(to Nereus)
They are the boys we have rescued,

[ 72 ] Also die haben Schiffbruch gelitten, und die haben sie gerettet.

[ 72 ] So they were shipwrecked, and they were rescued.

Aus der Brandung grimmem Zahn,
Sie, auf Schilf und Moos gebettet,
Aufgewärmt zum Licht heran;
Die es nun mit heißen Küssen
Treulich uns verdanken müssen;
Schau die Holden günstig an!

From the surging waves, fierce and toothy,
They, bedded on reeds and moss,
Warm themselves toward the light;
Who must now, with passionate kisses,
Faithfully show us their gratitude;
Look kindly upon these fair ones!

NEREUS:
Hoch ist der Doppelgewinn zu schätzen:
Barmherzig sein, und sich zugleich ergötzen.

NEREUS:
This double gain is to be highly prized:
To be merciful, and at the same time to take delight.

DORIDEN:
Lobst du, Vater, unser Walten,
Gönnst uns wohl erworbene Lust,
Lass uns fest, unsterblich halten
Sie an ewiger Jugendbrust.

DORIDEN:
If you, Father, praise our deeds,
Grant us well-earned joy,
Let us hold fast, immortal,
To the bosom of eternal youth.

[ 73 ] Also sie wollen sich nicht mehr trennen von den Jünglingen, die sie gerettet haben.

[ 73 ] So they no longer want to be separated from the young men who saved them.

NEREUS:
Mög’t euch des schönen Fanges freuen,
Den Jüngling bildet euch als Mann;
Allein, ich könnte nicht verleihen,
Was Zeus allein gewähren kann. (V 8385–8411)

NEREUS:
Rejoice in this fine catch,
For the youth will become a man for you;
Yet I cannot grant
What only Zeus can bestow. (V 8385–8411)

[ 74 ] Also er, [Nereus], kann nicht ein Ewiges, Unsterbliches der Freundschaft einhauchen; das könnte nur Zeus, der der Seele Ewigkeit gibt; er, [Zeus], könnte auch der Freundschaft Unsterblichkeit geben. Aber sie, [die Doriden], haben nichts anderes zu geben als die Welle; das findet sich und trennt sich, wie die Welle sich findet und trennt. Das will er hervorheben.

[ 74 ] So he [Nereus] cannot breathe eternal, immortal life into friendship; only Zeus, who grants eternity to the soul, could do that; he [Zeus] could also grant immortality to friendship. But they [the Dorides] have nothing else to offer but the wave; it comes together and breaks apart, just as the wave comes together and breaks apart. That is what he wants to emphasize.

Die Welle, die euch wogt und schaukelt,
Lässt auch der Liebe nicht Bestand,
Und hat die Neigung ausgegaukelt,
So setzt gemächlich sie ans Land.

The wave that tosses and rocks you,
Does not let love endure,
And once it has played out its passion,
It gently sets you ashore.

DORIDEN:
Ihr, holde Knaben, seid uns wert;
Doch müssen wir traurig scheiden;
Wir haben ewige Treue begehrt,
Die Götter wollen’s nicht leiden.

DORIDES:
You, lovely youths, are dear to us;
Yet we must part with heavy hearts;
We longed for eternal fidelity,
But the gods will not allow it.

DIE JÜNGLINGE:
Wenn ihr uns nur so ferner labt,
Uns wackre Schiffer-Knaben;
Wir haben’s nie so gut gehabt
Und wollen’s nicht besser haben.

THE YOUNG MEN:
If only you’ll keep cheering us on from afar,
Us brave sailor boys;
We’ve never had it so good
And we wouldn’t want it any better.

[ 75 ] Nun nähert sich Galatee auf dem Muschelwagen.

[ 75 ] Now Galatea approaches on the shell-drawn chariot.

GALATEE
(auf dem Muschelwagen nähert sich)

GALATEE
(approaching on the shell-shaped cart)

NEREUS:
Du bist es, mein Liebchen!
GALATEE:
O Vater! das Glück!
Delfine, verweilet! mich fesselt der Blick.

NEREUS:
It’s you, my darling!
GALATEE:
Oh, Father! What joy!
Dolphins, stay a while! Your gaze captivates me.

NEREUS:
Vorüber schon, sie ziehen vorüber
In kreisenden Schwunges Bewegung!
Was kümmert sie die innre herzliche Regung!

NEREUS:
They’re already passing by, they’re sweeping past
In a swirling, sweeping motion!
What do they care about the heartfelt stirrings within!

[ 76 ] Also sie ziehen vorüber.

[ 76 ] So they pass by.

Ach! nähmen sie mich mit hinüber!
Doch ein einziger Blick ergötzt,
Dass er das ganze Jahr ersetzt. (V 8412–8431)

Oh! If only they would take me with them!
Yet a single glance brings such delight,
That it makes up for the whole year. (V 8412–8431)

[ 77 ] Er sieht ihr traurig nach.

[ 77 ] He watches her go, looking sad.

THALES:
Heil! Heil! aufs Neue!
Wie ich mich blühend freue,
Vom Schönen, Wahren durchdrungen …
Alles ist aus dem Wasser entsprungen!!
Alles wird durch das Wasser erhalten!
Ozean, gönn’ uns Dein ewiges Walten.
Wenn Du nicht Wolken sendetest,
Nicht reiche Bäche spendetest,
Hin und her nicht Flüsse wendetest,
Die Ströme nicht vollendetest:
Was wären Gebirge, was Ebnen und Welt?
Du bist’s, der das frischeste Leben erhält. (V 8432–8443)

THALES:
Hail! Hail! Once again!
How I rejoice in full bloom,
Imbued with beauty and truth …
Everything has sprung from the water!!
Everything is sustained by the water!
Ocean, grant us your eternal reign.
If you had not sent clouds,
Had not provided abundant streams,
Had not turned rivers to and fro,
Had not perfected the streams:
What would mountains, plains, and the world be?
It is you who sustain the freshest life. (V 8432–8443)

[ 78 ] Der [Thales] entwickelt also hier seine philiströse Theorie. Alles war so furchtbar schön, großartig; aber der abstrahiert, der sieht in allem nur seine abstrakten Theorien: «Alles ist aus dem Wasser entsprungen!» Er könnte ebenso gut sagen: Habe ich’s nicht schon lang gesagt?!

[ 78 ] So [Thales] develops his philistine theory here. Everything was so incredibly beautiful, magnificent; but he abstracts, seeing only his abstract theories in everything: “Everything sprang from water!” He might just as well have said: “Haven’t I been saying this for a long time?!”

[ 79 ] Alle, die da sind – das sind also alle die geistigen Wesenheiten, die Doriden, die Nereiden und so weiter: alle, alle:

[ 79 ] Everyone who is there—that is, all the spiritual beings, the Dorids, the Nereids, and so on: everyone, everyone:

ECHO
(Chorus der sämtlichen Kreise):
Du bist’s, dem das frischeste Leben entquellt.

ECHO
(Chorus of all the circles):
It is you from whom the freshest life springs.

NEREUS:
Sie kehren schwankend fern zurück,
Bringen nicht mehr Blick zu Blick;
In gedehnten Kettenkreisen,
Sich festgemäß zu erweisen,
Windet sich die unzählige Schar. (V 8444–8449)

NEREUS:
They return from afar, swaying,
No longer meeting each other’s gaze;
In broad, circular chains,
To prove their steadfastness,
The countless host winds its way. (V 8444–8449)

[ 80 ] Also sie drehen sich im Kreise; sie kommen zurück.

[ 80 ] So they go around in circles; they come back.

Aber Galateas Muschelthron
Seh’ ich schon und aber schon,
Er glänzt wie ein Stern
Durch die Menge;
Geliebtes leuchtet durchs Gedränge,
Auch noch so fern
Schimmert’s hell und klar,
Immer nah und wahr.

But Galatea’s shell throne
I see it already, and yet again,
It shines like a star
Through the crowd;
My beloved shines through the throng,
No matter how far away
It shimmers bright and clear,
Always near and true.

HOMUNKULUS:
In dieser holden Feuchte,
Was ich auch hier beleuchte,
Ist alles reizend schön.

HOMUNCULUS:
In this lovely dampness,
Whatever I illuminate here,
Everything is enchantingly beautiful.

PROTEUS:
In dieser Lebensfeuchte
Erglänzt erst deine Leuchte
Mit herrlichem Getön.

PROTEUS:
In this vitality
Your light first shines
With a magnificent glow.

NEREUS:
Welch neues Geheimnis in Mitte der Scharen
Will unseren Augen sich offenbaren?
Was flammt um die Muschel um Galatees Füße?
Bald lodert es mächtig, bald lieblich, bald süße,
Als wär es von Pulsen der Liebe gerührt.

NEREUS:
What new mystery in the midst of the multitudes
Is about to reveal itself to our eyes?
What is blazing around the shell at Galatea’s feet?
Now it blazes mightily, now gently, now sweetly,
As if stirred by the pulses of love.

THALES:
Homunkulus ist es, von Proteus verführt …
Es sind die Symptome des herrischen Sehnens,
Mir ahnet das Ächzen beängsteten Dröhnens;
Er wird sich zerschellen am glänzenden Thron;
Jetzt flammt es, nun blitzt es, ergießet sich schon. (V 8450–8473)

THALES:
It is the homunculus, seduced by Proteus …
These are the symptoms of imperious longing,
I sense the groaning of a fearful roar;
He will shatter against the gleaming throne;
Now it blazes, now it flashes, already pouring forth. (V 8450–8473)

[ 81 ] Da langt er an. Es wird ihm ganz – er weiß nicht wie …

[ 81 ] That’s where he ends up. He feels completely—he doesn’t know how …

SIRENEN:
Welch feuriges Wunder verklärt uns die Wellen,
Die gegeneinander sich funkelnd zerschellen?
So leuchtet’s und schwanket und hellet hinan:
Die Körper, sie glühen auf nächtlicher Bahn,
Und rings ist alles vom Feuer umronnen;
So herrsche denn Eros, der alles begonnen!
Heil dem Meere! Heil den Wogen!
Von dem heiligen Feuer umzogen;
Heil dem Wasser! Heil dem Feuer!
Heil dem seltnen Abenteuer!

SIRENS:
What fiery wonder transfigures the waves for us,
As they crash against one another, sparkling?
So it glows and sways and shines upward:
Their bodies glow along their nocturnal path,
And all around, everything is encircled by fire;
So let Eros reign, who started it all!
Hail to the sea! Hail to the waves!
Encircled by the sacred fire;
Hail to the water! Hail to the fire!
Hail to this rare adventure!

[ 82 ] Jetzt: All-alle, die verschiedenen Geister:

[ 82 ] Now: All—all the different spirits:

ALL-ALLE:
Heil den mildgewognen Lüften!
Heil geheimnisreichen Grüften!
Hochgefeiert seid allhier,
Element’ ihr alle vier! (V 8474–8487)

ALL-ALL:
Hail to the gentle breezes!
Hail to the mysterious tombs!
Here you are all celebrated,
all four elements! (V 8474–8487)

[ 83 ] Da zerschellt der Muschelwagen. Galatee geht im Meere auf. Das ist der aus dem Meere ersteigende Eros, die Liebe, die auf diese Weise die Helena gebiert. Aus dem Homunkulus, der sich an Galatees Muschelwagen zerschellt, und aus der Morgenröte heraus – mit der Galatee – wird dann die Helena. – Bei den letzten Zeilen ist Musik, weil die Sirenen mitsingen; es kann eurythmisch gehüpft werden.

[ 83 ] There the shell chariot shatters. Galatea rises from the sea. This is Eros emerging from the sea—love, which in this way gives birth to Helen. From the homunculus, which shatters against Galatea’s shell chariot, and from the dawn—along with Galatea—Helena is then born. – There is music in the final lines because the sirens sing along; one can hop along to the rhythm.