Appendix to the Public Lectures
GA 85
21 January 1911, Karlsruhe
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Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
94. Von Moses bis Christus
94. Von Moses bis Christus
[ 1 ] «Von Moses bis Christus» war der Gegenstand eines Vortrags, den Dr. Rudolf Steiner, der bekannte Führer der neuen theosophischen Bewegung, am Samstagabend im hiesigen Zweig der Theosophischen Gesellschaft hielt. Wer von den übrigens recht zahlreichen Zuhörern in die unwissenschaftliche Wissenschaft, die sich von den übrigen Zweigen des Okkultismus durch den Namen Theosophie unterscheidet, noch nicht eingeweiht war, erhielt jedenfalls recht anregende und überraschende Ausblicke und vor allem einen Einblick in das Reich der für uns ins Unterbewusstsein getretenen Bewusstseinsart der alten Menschheit, wie es die Theosophie lehrt. Die ist, nach Steiner, die Geisteswissenschaft schlechthin, gegenüber den Tatsachen und Ereignissen der physischen Welt (unseren Naturwissenschaften) wie auch dem, was unser Verstand als an das Instrument des Gehirns gebunden zu tun imstande ist (unseren Geisteswissenschaften). Erst hinter diesem Verstande kommt, was man den lebendigen Geist nennen kann. In diesem Geiste ist z. B. die Geschichtsauffassung nicht eine Annahme von toten «leitenden Ideen und Begriffen», die man abstrahieren kann von den Tatsachen des geschichtlichen Werdens, sondern eines lebendigen Geistes, der sinnvoll wirkt wie der Mensch selbst. Unter solchen Einführungen zu Moses kommend, stellte der Redner den Fundamentalsatz auf: die Geisteswissenschaft (Theosophie) steht auf dem Boden, dass die menschliche Seelenverfassung im Laufe der Jahrtausende sich wesentlich geändert hat, dass es eine Entwicklung des menschlichen Bewusstseins gibt. Für uns Heutige gibt es zwischen Wachen und Schlafen nur den Traum. Diese vieldeutigen Traumbilder waren in einer früheren Zeit eindeutig sich beziehend auf eine übersinnliche Welt. Auf Kosten dieses hellsichtigen Bewusstseins der Vorzeit hat sich unser heutiges Gegenstandsbewusstsein entwickelt, das wieder einmal von einem Hellsichtigkeitsbewusstsein verdrängt werden wird. Dieses Bewusstsein, nicht unser heutiges gegenständliches, hat die alten, hauptsächlich mythologischen Urkunden geschaffen und nur mit einem solchen lassen sie sich deuten, nicht aber mit der philologisch-historischen Wissenschaft von heute. Und zwar erzählen die alten Erzähler, so die der Bibel, die äußeren Tatsachen und fügen in diese geschichtlichen Erzählungen die innerer Seelenvorgänge im Bilde äußerer Geschehnisse ein. Das ist die eine Voraussetzung der theosophischen Geschichtsauffassung. Die andere ist die, dass die verschiedenen Nationen je nach ihren Eigenschaften ihre besondere Aufgabe haben, die Völker zur menschlichen Gesamtkultur je ihren besonderen Beitrag zu liefern [haben]. Ihre Führer aber sind die Ausdrucksformen für diese Missionen. – Moses nun löste mit seinem Volke die alte Kultur mit dem alten Bewusstsein, dem hellsichtigen, instinktmäßigen, ab. In dem mit ihm gekommenen neuen Bewusstsein, dem gegenständlichen, an das Instrument des Verstandes gebundenen, leben wir noch heute. – Das sei aus dem Gerippe des Vortrages wiedergegeben. Hier mehr davon zu bringen erlaubt weder der Ort noch der Gegenstand, wenngleich gar mancher Gedanke daraus ob seiner Schönheit und seiner Größe der Wiedergabe wert wäre.
[ 1 ] «Von Moses bis Christus» war der Gegenstand eines Vortrags, den Dr. Rudolf Steiner, der bekannte Führer der neuen theosophischen Bewegung, am Samstagabend im hiesigen Zweig der Theosophischen Gesellschaft hielt. Wer von den übrigens recht zahlreichen Zuhörern in die unwissenschaftliche Wissenschaft, die sich von den übrigen Zweigen des Okkultismus durch den Namen Theosophie unterscheidet, noch nicht eingeweiht war, erhielt jedenfalls recht anregende und überraschende Ausblicke und vor allem einen Einblick in das Reich der für uns ins Unterbewusstsein getretenen Bewusstseinsart der alten Menschheit, wie es die Theosophie lehrt. Die ist, nach Steiner, die Geisteswissenschaft schlechthin, gegenüber den Tatsachen und Ereignissen der physischen Welt (unseren Naturwissenschaften) wie auch dem, was unser Verstand als an das Instrument des Gehirns gebunden zu tun imstande ist (unseren Geisteswissenschaften). Erst hinter diesem Verstande kommt, was man den lebendigen Geist nennen kann. In diesem Geiste ist z. B. die Geschichtsauffassung nicht eine Annahme von toten «leitenden Ideen und Begriffen», die man abstrahieren kann von den Tatsachen des geschichtlichen Werdens, sondern eines lebendigen Geistes, der sinnvoll wirkt wie der Mensch selbst. Unter solchen Einführungen zu Moses kommend, stellte der Redner den Fundamentalsatz auf: die Geisteswissenschaft (Theosophie) steht auf dem Boden, dass die menschliche Seelenverfassung im Laufe der Jahrtausende sich wesentlich geändert hat, dass es eine Entwicklung des menschlichen Bewusstseins gibt. Für uns Heutige gibt es zwischen Wachen und Schlafen nur den Traum. Diese vieldeutigen Traumbilder waren in einer früheren Zeit eindeutig sich beziehend auf eine übersinnliche Welt. Auf Kosten dieses hellsichtigen Bewusstseins der Vorzeit hat sich unser heutiges Gegenstandsbewusstsein entwickelt, das wieder einmal von einem Hellsichtigkeitsbewusstsein verdrängt werden wird. Dieses Bewusstsein, nicht unser heutiges gegenständliches, hat die alten, hauptsächlich mythologischen Urkunden geschaffen und nur mit einem solchen lassen sie sich deuten, nicht aber mit der philologisch-historischen Wissenschaft von heute. Und zwar erzählen die alten Erzähler, so die der Bibel, die äußeren Tatsachen und fügen in diese geschichtlichen Erzählungen die innerer Seelenvorgänge im Bilde äußerer Geschehnisse ein. Das ist die eine Voraussetzung der theosophischen Geschichtsauffassung. Die andere ist die, dass die verschiedenen Nationen je nach ihren Eigenschaften ihre besondere Aufgabe haben, die Völker zur menschlichen Gesamtkultur je ihren besonderen Beitrag zu liefern [haben]. Ihre Führer aber sind die Ausdrucksformen für diese Missionen. – Moses nun löste mit seinem Volke die alte Kultur mit dem alten Bewusstsein, dem hellsichtigen, instinktmäßigen, ab. In dem mit ihm gekommenen neuen Bewusstsein, dem gegenständlichen, an das Instrument des Verstandes gebundenen, leben wir noch heute. – Das sei aus dem Gerippe des Vortrages wiedergegeben. Hier mehr davon zu bringen erlaubt weder der Ort noch der Gegenstand, wenngleich gar mancher Gedanke daraus ob seiner Schönheit und seiner Größe der Wiedergabe wert wäre.
