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The Rudolf Steiner Archive

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Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
GA 85

8 Februar 1906, Berlin

4. Kunst und Theosophie

[ 1 ] Mancher glaubt, dass eine seelische Vertiefung hinwegsehen könnte von der Kunst: Das scheinbar abstrakt Geistige scheint dem Künstler etwas zu sein], was ihn hinwegführt von den Formen des Lebens und von der Freude, die nötig ist zum Schaffen. Kunst hat es zu tun mit den Schöpfungen der Phantasie; es ist die Frage], ob die, die] von einer hohen Wahrheitsbestimmung der Kunst gesprochen haben], nicht ihre Erkenntnis aus wahreren Quellen genommen haben]. – Goethe sah eine Offenbarung geheimer Naturgesetze. Ein Nachschaffen dessen, was die Natur selbst schafft, war Goethe die Kunst. Die Kunst erscheint ihm als die Rätsellöserin dessen, was in der Natur verborgen ist, eine notwendige elementare Kraft, die zu einem vollen Leben gar nicht entbehrt werden kann.

[ 2 ] Theosophie soll nicht sein eine Summe von Begriffen, sie wird sein eine Besinnung auf Quellen menschlichen Daseins, in denen es nicht abgesondert Religion, Wissenschaft und Kunst gibt. Zurück müssen wir gehen zu den Mysterienkulten. Die Geschichte liefert keine Kunde darüber, nur die intuitive Anschauung; Schulen waren es, in denen der Mensch sich zu hoher geistiger Anschauung erhob. Die Offenbarung Gottes im Stoffe erlebte der Mysterienschüler (Enthusiasmus: in Gott sein). Er erlebte Religion, Verbindung der menschlichen Seele mit ihrem Urquell. Es war Weisheit und Wissen zugleich. Und es war Kunst, denn es stand geistig vor ihm da, noch nicht in Formen, aber eine erhöhte Geisteskraft war] in der Anschauung, die Imagination. Den Gott galt es zu] erwecken in Gedanken, Gefühlen und Gestalten. Der Mensch ist ein Gott im Kleinen, und die Geschichte des leidenden, sterbenden, auferstandenen Gottes ist das Schicksal des Menschen im Großen. – Die Tragödie entstand daraus. Kunst war also] eine Seite der Mysterienwirklichkeit.

[ 3 ] Eine erstarrte, aber] künstlerisch gestaltete Weltanschauung sehen Sie in der Pyramide. Aus dem Auge der Sphinx blickt uns auch das gelöste Rätsel der Zukunft entgegen. – Es hat einen tieferen] Sinn, dass die alte Mysterienweisheit zur Kunst geworden ist. Alle Künste sind ein Spiegelbild des unsichtbaren Gottes. Erst musste der Mensch aufnehmen in sich die göttliche Welt, dann musste er sie gestalten in der Kraft. Die Eroberung der hörbaren, sichtbaren Welt. Ihre Veredelung. Das Göttliche hineinzulegen in den Stoff … [Mitschrift bricht ab]