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The Rudolf Steiner Archive

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Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
GA 85

4 März 1914, Stuttgart

17. Aufgabe und Ziel der Geisteswissenschaft und das geistige Suchen in der Gegenwart

[ 1 ] [Anfang fehlt.] [Man weiß um die] Begrenztheit der Sehkraft; [dieser Vergleich mit der Erkenntnis des Menschen ist zwar] scharfsinnig, aber unfruchtbar; [denn es ist] das Beste, die Augen zu bewaffnen. – Sind denn die menschlichen Seelenkräfte fähig, in das Gebiet des Geistes einzudringen, das hinter den Dingen liegt? [So kann man dem Geistesforscher einwenden.] Siehst du denn nicht ein, dass die Kant’schen Auseinandersetzungen über die Beschränktheit der menschlichen Erkenntniskraft ihren guten Grund haben? Ja, [ebenso] wie die über das menschliche Auge; [das] nicht hineindringen [kann] in den lebendigen Organismus aus Zellen. – Ganz richtig, [sagt der Geistesforscher], aber nichts anderes ist damit ausgesagt, als das, [dass es] wie [unser] Auge begrenzt [ist], aber [dass ebenso, wie man die Sehkraft mit Teleskop und Mikroskop erweitern kann], doch der Mensch eindringen kann in das geistige Gebiet.

[ 2 ] Die Fragestellung aus einer bloß richtigen in eine fruchtbare zu verwandeln, das ist die Aufgabe der Geisteswissenschaft. Sie gibt denen nicht unrecht, die von der Beschränktheit des menschlichen Erkenntnisvermögens sprechen, aber sie gibt die Mittel, [um es zu erweitern].

[ 3 ] Hast du auch versucht, mit deinen Gedanken, Gefühlen und Willensimpulsen zu leben? Unbegrenzte Steigerung der Aufmerksamkeit [ist möglich durch die Geisteswissenschaft]; [man kann] ein Eingeschränktes aus unserem Bewusstseinshorizont ins Auge fassen; davon [kommt] das Wort «Aufmerksamkeit». Dann [entwickelt man] durch Aufmerksamkeit-Schenken [ein] gutes Gedächtnis; denn ein gutes Gedächtnis ist die Frucht immer wieder und wieder erfolgter Stärkung unserer Aufmerksamkeit. Auch unser Bewusstsein hängt davon ab, wenn [es] immer unsere Kräfte der Seele konzentriert. Auch zur Steigerung des Ich [gelangt man]. Konzentration: [Es kommt] weniger [darauf an], was der Inhalt [ist], als [auf die] Anstrengungen. Wenn Wasser nicht [in seine Elemente] getrennt [ist], kann [man] nichts aussagen über die Natur des Wasserstoffs. Erst wenn [die] Seele «herausgestärkt » [ist] – dann erst, wenn man den Wasserstoff abgetrennt hat, kann man etwas aussagen über seine Natur. Erst wenn die Seele abgetrennt [ist], kann man etwas aussagen über das Seelisch-Geistige. Das Wasser ist nicht ein Monon, [es ist] Dualist.

[ 4 ] Richard Wahle [hat] alle Begriffe [abzuwerten] versucht. Goethe [hingegen hat die Haltung]: Mache dich zum Organ. Hingabe an das, was herankommt. Das kommt dann schon – wie das Licht zum Auge. Wahle [meint], alle Ideen [seien subjektiv]. Die Geisteswissenschaft [aber] gibt nicht eine neue Idee, sondern einen Weg. Geisteswissenschaft [schaut] mehr das Wie, Naturwissenschaft das Was. [So, wie man die] Uhr [ohne den] Uhrmacher [nicht denken kann]. Die Naturgesetze [allein führen] nicht zum Gott. Der Mensch [stammt im] Mikrokosmos aus der physischen Welt, [ist aber] auch geistig [im Makrokosmos] aus allen Wesenheiten und Kräften der geistigen Welt.