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Consciousness — Life — Form
GA 89

26 May 1904

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Theosophische Kosmologie I

Theosophical Cosmology I

[ 1 ] Der Zyklus über die Grundelemente der Theosophie, den ich vor einiger Zeit angekündigt habe, wird erst später gehalten werden können, wenn vielleicht mehr Zuspruch sein wird. Ich habe diese Vorträge verschoben und mich entschlossen, die Donnerstage der nächsten Zeit damit auszufüllen, daß ich einiges entwickele über die Kosmologie, die Weltentwicklung, das heißt über die Lehre von der Entstehung der Welt und von der Bildung des Menschen innerhalb dieser Welt im theosophischen Sinne.

[ 1 ] The series on the basic elements of theosophy, which I announced some time ago, will not be held until later, when there may be more interest. I have postponed these lectures and decided to use the Thursdays in the near future to explore cosmology and the evolution of the world—that is, the theosophical doctrine of the origin of the world and the formation of humanity within it.

[ 2 ] Nun bin ich mir wohl bewußt, daß ich damit eines der allerschwierigsten Kapitel der theosophischen Lehre zu behandeln gedenke, und ich kann Ihnen ja wohl mitteilen, daß man in manchen unserer Logen beschlossen hat, dieses Kapitel vorläufig überhaupt nicht zu behandeln, weil es zu schwierig ist. Dennoch habe ich mich dazu entschlossen, weil ich glaube, daß mit den Andeutungen, die zu geben ich in der Lage bin, manchem doch gedient sein könnte. Wenn wir nun eine so schwierige Sache auch nicht gleich ganz durchdringen können, so werden wir doch immerhin Anregungen erhalten können, die uns zu späterer Zeit dazu dienen können, in diese Materie tiefer einzudringen.

[ 2 ] I am well aware that I am about to tackle one of the most difficult chapters of theosophical doctrine, and I can tell you that some of our lodges have decided not to address this chapter at all for the time being because it is too difficult. Nevertheless, I have decided to proceed because I believe that the insights I am able to offer might be of some benefit to many. Even if we cannot fully grasp such a difficult subject right away, we will at least be able to gain some inspiration that may help us delve deeper into this matter at a later time.

[ 3 ] Diejenigen, die schon längere Zeit in der theosophischen Bewegung stehen, werden wissen, daß die Fragen: Wie ist die Welt eigentlich entstanden? Wie hat sie sich allmählich bis zu dem Zeitpunkt heraufentwickelt, in welchem Wesen solcher Art, wie wir es sind, diese Welt bewohnen können? —, daß diese Fragen zu den allerersten gehören, die in der theosophischen Bewegung behandelt worden sind. Nicht nur eines der ersten Bücher, welche im Abendlande aufmerksam gemacht haben auf die uralten Weltanschauungen, die «Entschleierte Isis» von H. P. Blavatsky, hat solche Weltentstehungs- und -entwicklungsfragen behandelt, sondern auch das Buch, dem wir vielleicht den größten Teil unserer ältesten Anhänger verdanken, der «Esoterische Buddhismus» von Sinnett. Wie bildet sich ein Sonnensystem, wie die Planeten und die Sternengruppen? Wie hat unsere Erde sich entwickelt, welche Stufen hat sie durchgemacht und welche können ihr noch bevorstehen? Das sind Fragen, die in aller Breite in diesem «Esoterischen Buddhismus» behandelt werden. Dann erschien Ende der achtziger Jahre die «Geheimlehre» von Blavatsky, und sie behandelt im ersten Bande wieder die Frage: Wie hat sich das Weltsystem entwickelt? — und im zweiten Bande die Frage: Wie hat sich das Menschengeschlecht innerhalb unserer Erde entwickelt?

[ 3 ] Those who have been part of the Theosophical Movement for some time will know that the questions: “How did the world actually come into being?” How did it gradually evolve to the point where beings such as ourselves could inhabit this world?”—are among the very first questions to have been addressed within the Theosophical Movement. Not only one of the first books to draw attention in the West to the ancient worldviews—H. P. Blavatsky’s *Isis Unveiled*—has addressed such questions of the origin and evolution of the world, but also the book to which we perhaps owe the majority of our oldest followers: Sinnett’s *Esoteric Buddhism*. How does a solar system form, and how do planets and star clusters form? How has our Earth developed, what stages has it gone through, and what stages might still lie ahead? These are questions that are addressed in great depth in this *Esoteric Buddhism*. Then, at the end of the 1880s, Blavatsky’s *The Secret Doctrine* was published, and in its first volume it again addresses the question: How did the world system develop? — and in the second volume, the question: How has the human race developed within our Earth?

[ 4 ] Nun brauche ich nur auf einen einzigen Punkt hinzuweisen, um die ganze Schwierigkeit zu zeigen. Wenn Sie den ersten Band der «Geheimlehre» von Blavatsky aufschlagen, so werden Sie finden, daß dort ein gewisser Teil der Behauptungen, die in dem Sinnettschen «Buddhismus» stehen, als irrig bezeichnet und teilweise richtiggestellt werden. Von den theosophischen Schriftstellern waren diese Dinge zum Teil mißverstanden, zum Teil mißverständlich dargestellt worden. Frau Blavatsky hatte diese Anschauungen daher richtigzustellen. Sie sagte, daß in bezug auf die theosophische Kosmologie eine Art babylonischer Sprachverwirrung bestanden habe und daß sich die führenden Persönlichkeiten [der Theosophischen Gesellschaft] in diesen Fragen durchaus nicht gleich ausgekannt hätten.

[ 4 ] Now I need only point out a single issue to illustrate the full extent of the difficulty. If you open the first volume of Blavatsky’s *The Secret Doctrine*, you will find that a certain portion of the assertions contained in Sinnett’s *Buddhism* are there described as erroneous and, in part, corrected. These matters had been partly misunderstood and partly misrepresented by the Theosophical writers. Mrs. Blavatsky therefore had to set the record straight. She said that, with regard to Theosophical cosmology, there had been a kind of Babylonian confusion of tongues and that the leading figures [of the Theosophical Society] were by no means of the same mind on these matters.

[ 5 ] Sie alle wissen, daß die Lehren der «Secret Doctrine», der «Geheimlehre», von großen erhabenen Meistern mitgeteilt worden sind, die unserer Durchschnittsentwicklung weit vorausgeschritten sind. Es war ja schon vor der «Secret Doctrine» ein Buch erschienen, in dem Sinnett, der Verfasser des «Esoterischen Buddhismus», eine Reihe von Briefen eines Mahatmas veröffentlicht hat. Wir sehen daraus die Schwierigkeiten, welche dem Verständnis dieser Geheimlehre entgegenstehen, und wir verstehen, wie diejenigen, die, wie Sinnett und Blavatsky, beflissen waren, diese Lehren entgegenzunehmen, geradezu seufzten unter der Schwierigkeit, die Lehren, die ihnen entgegengebracht wurden, zu verstehen. Oh, so sagte ein Lehrer, ihr, die ihr gewohnt seid, zu begreifen mit einem anderen Verstand, ihr könnt das, was wir zu sagen haben, nicht verstehen, obgleich ihr euch die größte Mühe macht, um es euch zum Verständnis zu bringen. — Wenn wir uns diese Aussage vorhalten, dann müssen uns die Schwierigkeiten vor Augen treten. Überall, wo über Kosmologie vorgetragen wurde, sind mißverständliche Ansichten entstanden. Nun, das ist wohl begründet, so daß ich um einige Nachsicht bitten darf, wenn ich nun versuche, einiges zu dieser Lehre beizutragen.

[ 5 ] You all know that the teachings of the *Secret Doctrine* were imparted by great and exalted Masters who are far ahead of our average level of development. Even before the *Secret Doctrine*, a book had been published in which Sinnett, the author of *Esoteric Buddhism*, published a series of letters from a Mahatma. From this we see the difficulties that stand in the way of understanding this Secret Doctrine, and we understand how those who, like Sinnett and Blavatsky, were eager to receive these teachings, literally groaned under the difficulty of comprehending the teachings presented to them. “Oh,” said one teacher, “you who are accustomed to thinking with a different kind of mind cannot understand what we have to say, even though you make the greatest effort to grasp it.”—When we bear this statement in mind, the difficulties must become apparent to us. Wherever lectures on cosmology have been given, misunderstandings have arisen. Well, this is well-founded, so I hope you will bear with me as I attempt to contribute something to this teaching.

[ 6 ] Nun möchte ich etwas vorausschicken, was die Stellung der theosophischen Kosmologie zu der heutigen Wissenschaft und ihren Methoden klarlegt. Es könnte ja jemand kommen und sagen: Seht die Fortschritte an, die unsere Astronomen gemacht haben; das verdanken wir den Fernrohren, den mathematischen und den photographischen Methoden, die uns zur Kenntnis von fernen Sternen geführt haben. — Die heutige Wissenschaft mit ihren sorgfältigen Methoden scheint — nach ihrer Meinung — einzig und allein Anspruch zu haben, etwas über die Entwicklung des Weltsystems auszumachen. Sie scheint ein Recht darauf zu haben, zu verpönen, was von andrer Seite über die Entwicklung und Entstehung des Weltsystems gesagt wird. Mancher Astronom wird uns einwenden: Was ihr Theosophen uns da sagt von Kosmologie, das sind ja uralte Lehren, die die Chaldäer oder die Vedenpriester gelehrt haben und die zum ältesten Weisheitsbestand des Menschengeschlechts gehören; aber was kann das für eine Bedeutung haben, was vor Jahrtausenden gesagt worden ist, da doch erst seit Kopernikus die Lehre der Astronomie eine einigermaßen sichere Gestalt erhalten hat. — Also, was im ersten Band der «Geheimlehre» von Blavatsky steht, scheint nur dasjenige zu stören, was uns die mit Fernrohren und so weiter bewaffneten Astronomen klarmachen. Aber der Theosoph muß gar nicht in irgendeinen Widerspruch kommen zu dem, was der Astronom behauptet. Das ist nicht nötig, obgleich es Theosophen gibt, die glauben, die heutige Astronomie bekämpfen zu müssen, um für die eigenen Lehren Platz zu bekommen. Ich weiß sehr gut, daß die führenden Geister der theosophischen Bewegung glauben, die Astronomen belehren zu können. Durch ein einfaches Beispiel wollen wir den Standpunkt der Theosophen gegenüber dem der Astronomen beleuchten.

[ 6 ] Now I would like to preface this with a few remarks that clarify the position of theosophical cosmology in relation to modern science and its methods. Someone might come along and say: Look at the progress our astronomers have made; we owe this to telescopes, mathematical methods, and photographic techniques, which have led us to knowledge of distant stars. — Modern science, with its meticulous methods, seems—in its own view—to have the sole right to determine anything about the evolution of the universe. It seems to have the right to dismiss what others say about the evolution and origin of the universe. Many an astronomer will object to us: “What you Theosophists tell us about cosmology are, after all, ancient teachings that were taught by the Chaldeans or the Vedic priests and that belong to the oldest body of wisdom of the human race; but what significance can there be in what was said millennia ago, since the science of astronomy has only taken on a reasonably certain form since Copernicus?” — Well, what is written in the first volume of Blavatsky’s *The Secret Doctrine* seems to conflict only with what astronomers, armed with telescopes and the like, have made clear to us. But the Theosophist need not at all find himself in any contradiction with what the astronomer asserts. That is not necessary, although there are Theosophists who believe they must oppose modern astronomy in order to make room for their own teachings. I know very well that the leading figures of the Theosophical Movement believe they can instruct the astronomers. Let us illustrate the Theosophists’ standpoint in relation to that of the astronomers with a simple example.

[ 7 ] Nehmen Sie einen Dichter, an dessen Werk wir uns erfreuen und erbauen. Dieser Dichter wird vielleicht in einer anderen Persönlichkeit einen Biographen finden, und dieser Biograph wird versuchen, uns das Seelisch-Geistige, das der Dichter in seinem Innern hat, begreiflich zu machen und zu erklären. Es gibt aber noch eine andere Betrachtungsmöglichkeit, das ist die physiologische, die naturwissenschaftliche. Nehmen wir an, ein Naturforscher studiert den Dichter. Er studiert natürlich nur die für ihn interessanten physiologischen und physiognomischen Verhältnisse des Dichters; er studiert ihn vom naturwissenschaftlichen Standpunkte aus, und was er sehen und mit dem naturwissenschaftlichen Verstande kombinieren kann, das wird er uns von dem Dichter sagen. Wir als Theosophen würden sagen, der Naturforscher beschreibt und erklärt den Dichter vom Standpunkt des physischen Planes. — Dieser Naturforscher wird Ihnen aber kein Sterbenswörtchen sagen über das, was wir die Biographie des Dichters nennen, über sein Seelisch-Geistiges. So haben wir zwei nebeneinanderlaufende Betrachtungsweisen, die aber durchaus nicht miteinander kollidieren müssen. Warum sollte nicht die naturwissenschaftliche Betrachtung stattfinden und daneben die geistig-seelische Betrachtung und jede in ihrer Art gelten? Das ist ja kein Eingriff des einen in das andere.

[ 7 ] Take a poet whose work we enjoy and find uplifting. This poet may find a biographer in another person, and this biographer will attempt to help us understand and explain the inner spiritual and emotional world that the poet carries within. But there is another way of looking at it: the physiological, scientific approach. Let us suppose a natural scientist studies the poet. Naturally, he studies only those physiological and physiognomic aspects of the poet that interest him; he studies him from a scientific standpoint, and whatever he can observe and synthesize using his scientific mind, that is what he will tell us about the poet. We, as Theosophists, would say that the natural scientist describes and explains the poet from the standpoint of the physical plane. — But this natural scientist will not say a single word to you about what we call the poet’s biography, about his soul and spirit. Thus, we have two parallel approaches, which, however, need not conflict with one another at all. Why shouldn’t the scientific perspective exist alongside the spiritual-psychic perspective, with each being valid in its own way? After all, this is not a case of one encroaching upon the other.

[ 8 ] So ist es auch mit der naturwissenschaftlichen Kosmologie, mit dem, was uns unsere Astronomen von dem Weltgebäude und von der Entwicklung des Weltsystems sagen. Sie werden das sagen, was sich den äußeren Sinnen erschließen kann. Daneben ist aber auch eine geistig-seelische Betrachtungsweise möglich, und wenn man das Weltgebäude so erfaßt, dann wird man nie mit der Astronomie kollidieren; beide Betrachtungsweisen werden sich im Gegenteil manchmal stützen, denn sie gehen nebeneinander her, sie sind unabhängig voneinander. Als die naturwissenschaftliche Gehirnphysiologie zum Beispiel noch lange nicht so weit war wie heute, waren doch schon Leute da, die Biographien bedeutender Geister lieferten. Der Astronom kann daher nicht einwenden, daß die okkulte Betrachtungsweise überholt und unmöglich sei, weil Kopernikus die Astronomie auf eine andere Basis gestellt hat. Die okkulten Quellen sind ja ganz andere; sie waren schon lange vorher da, bevor das Auge geschult war, den Himmel durch Fernrohre zu betrachten, und bevor die Photographie soweit war, um Sterne zu photographieren. Die kopernikanische Forschung hat etwas ganz anderes zu sagen als die okkulte Forschung; und die eine Kraft in der menschlichen Seele ist von der anderen durchaus nicht abhängig. Die Kraft, die uns über das Geistig-Seelische Aufschluß gibt, geht so weit zurück, daß kein Geschichtsschreiber uns sagen kann, wo eigentlich diese Art der Betrachtung des Weltgebäudes anfängt. Es ist nicht möglich, ausfindig zu machen, wie die führenden Geister zu diesen okkulten Anschauungen gekommen sind.

[ 8 ] The same is true of scientific cosmology—of what our astronomers tell us about the structure of the universe and the evolution of the solar system. They will describe what can be perceived by the external senses. However, a spiritual-psychic perspective is also possible, and if one grasps the structure of the world in this way, one will never come into conflict with astronomy; on the contrary, the two perspectives will sometimes support one another, for they run parallel to one another and are independent of one another. For example, when the scientific study of brain physiology was still far from as advanced as it is today, there were already people who wrote biographies of great minds. The astronomer cannot therefore object that the occult perspective is outdated and impossible simply because Copernicus placed astronomy on a different foundation. The occult sources are, after all, entirely different; they existed long before the eye was trained to observe the heavens through telescopes, and before photography had advanced enough to capture images of stars. Copernican research has something entirely different to say than occult research; and one force within the human soul is by no means dependent on the other. The power that provides us with insight into the spiritual and soul realm goes so far back that no historian can tell us where this way of viewing the structure of the world actually began. It is not possible to determine how the leading minds arrived at these occult views.

[ 9 ] Okkulte Schulen hat es auch in Europa schon vor der Begründung der Theosophischen Gesellschaft im Jahre 1875 gegeben. Allerdings wurde damals das Wissen, von dem wir heute in populärer Weise sprechen, nur in engen Zirkeln mitgeteilt. Es war ein strenges Gesetz, das Wissen nicht über den Bereich dieser Schulen hinaus wirken zu lassen. Wenn man eintreten wollte in eine Schule, so mußte man streng an sich arbeiten, bevor einem die ersten Wahrheiten übermittelt wurden. Man ging durchaus von der Ansicht aus, daß der Mensch sich erst reif machen muß zum Empfang dieser Wahrheiten. Es gab in den Schulen viele Grade, durch die man aufstieg, Prüfungsgrade; und wer als nicht reif genug erkannt wurde, mußte sich weiter vorbereiten. Wenn ich Ihnen diese Grade beschreiben wollte, so würde es Ihnen schwindeln vor der Strenge dieses Weges. Die Dinge über die Weltentwicklung wurden zu den allerwichtigsten gezählt, und erst auf den höchsten Stufen wurden sie den Menschen mitgeteilt. Im 17. Jahrhundert, das einen großen Einfluß auf die Kultur hatte, war dieses Wissen in den Händen der Rosenkreuzerbewegung. Diese ging ursprünglich von morgenländisch-orientalischem Wissen aus, und dieses Wissen wurde damals der europäischen Anhängerschaft in den verschiedensten Graden mitgeteilt. Am Ende des 18. und namentlich zum Beginn des 19. Jahrhunderts verschwanden diese okkulten Schulen aus der Kultur Europas und die letzten Rosenkreuzer zogen sich zurück nach dem Orient. Es war das Zeitalter, in welchem die Menschen die Lebensverhältnisse nach dem äußeren Wissen zu ordnen hatten; die Erfindung der Dampfmaschine, die naturwissenschaftliche Erforschung der Zellen und so weiter kamen herauf. Dabei hatte die okkulte Weisheit nichts mitzusprechen, und diejenigen, welche an der höchsten Spitze dieser Weisheit angelangt waren, die Höchstgraduierten, zogen sich zurück nach dem Orient. Es gab zwar auch später noch okkulte Schulen, doch die können uns jetzt wenig interessieren; ich muß sie aber erwähnen, weil Frau Blavatsky und Herr Sinnett, als ste das kosmologische Wissen aus den buddhistisch-tibetanischen Geheimschulen empfingen, dazumal an die Grundquellen gingen.

[ 9 ] Occult schools already existed in Europe before the Theosophical Society was founded in 1875. However, at that time, the knowledge we commonly refer to today was shared only within small, exclusive circles. There was a strict rule against allowing this knowledge to spread beyond the confines of these schools. If one wished to join a school, one had to work rigorously on oneself before the first truths were imparted. It was firmly believed that a person must first become ready to receive these truths. There were many levels within the schools through which one had to advance—examination levels—and anyone deemed not yet ready enough had to continue preparing. If I were to describe these levels to you, you would be overwhelmed by the rigor of this path. Matters concerning the evolution of the world were considered among the most important, and only at the highest levels were they communicated to people. In the 17th century, which had a great influence on culture, this knowledge was in the hands of the Rosicrucian movement. This movement originally drew upon Eastern and Oriental knowledge, and this knowledge was imparted to its European followers at various levels at that time. At the end of the 18th century and especially at the beginning of the 19th century, these occult schools disappeared from European culture, and the last Rosicrucians withdrew to the Orient. It was an age in which people had to organize their lives according to external knowledge; the invention of the steam engine, scientific research into cells, and so on were emerging. Occult wisdom had no say in this, and those who had reached the highest pinnacle of this wisdom—the highest-ranking initiates—withdrew to the Orient. Although there were still occult schools later on, they are of little interest to us now; however, I must mention them because Madame Blavatsky and Mr. Sinnett, when they received their cosmological knowledge from the Buddhist-Tibetan secret schools, went back to the original sources at that time.

[ 10 ] Eine lange geistige Entwicklung in Europa hat das europäische Gehirn, das europäische Denkvermögen so weit gebracht, daß für das Erfassen okkulter Wahrheiten Schwierigkeiten bestanden. Nur noch schwer wurden diese Wahrheiten begriffen. Als nun dieses erste Wissen über die theosophische Kosmologie teils durch den «Esoterischen Buddhismus» und teils durch die «Geheimlehre» in die Öffentlichkeit drang, da horchten die Anhänger der okkulten Schulen auf, und es schien ihnen verkehrt zu sein, daß die strenge Regel, nichts hinausdringen zu lassen über die Grenzen ihrer Schulen, gebrochen worden war. Die Anhänger der theosophischen Bewegung aber wußten, daß es notwendig war, etwas davon mitzuteilen. Die Wissenschaft des Westens konnte aber mit dem Gesagten nichts anfangen, denn niemand war imstande zu prüfen, was Frau Blavatsky und Sinnett geschrieben hatten. Namentlich wußte man nichts anzufangen mit jenem herrlichen kosmologischen Lied, das aus den sogenannten Dzyan-Strophen besteht und den beiden Bänden von Frau Blavatskys «Geheimlehre» vorangestellt ist. Diese Strophen, welche uns die Geschichte des Weltalls erzählen, wurden in bezug auf ihre Echtheit angezweifelt; kein Naturforscher konnte damit etwas anfangen; es schien zunächst allem ins Gesicht zu schlagen, was die europäischen Gelehrten wußten. Es gab einen Forscher, einen Orientalisten, den ich aufs höchste verehre, Max Müller, der in energischer Weise sich für die orientalischen Weisheiten einsetzte. Alles, was an orientalischer Weisheit ihm erreichbar war, ist von Max Müller den Europäern zugänglich gemacht worden. Aber weder Max Müller noch andere europäische Forscher wußten mit dem etwas anzufangen, was Frau Blavatsky verkündete. Es war damals nur die Rede,. das sei reine Phantasie, was in der «Geheimlehre» stehe. Die Gelehrten hatten nämlich in den Büchern der Inder nirgends etwas davon gefunden.

[ 10 ] A long spiritual evolution in Europe had brought the European mind and European intellectual capacity to a point where it was difficult to grasp occult truths. These truths were now only with great difficulty understood. When this initial knowledge of theosophical cosmology reached the public—partly through *Esoteric Buddhism* and partly through *The Secret Doctrine*—the followers of the occult schools took notice, and it seemed wrong to them that the strict rule of not allowing anything to leak beyond the boundaries of their schools had been broken. The followers of the Theosophical Movement, however, knew that it was necessary to share some of this knowledge. Western science, however, could make no sense of what had been said, for no one was able to verify what Madame Blavatsky and Sinnett had written. In particular, no one knew what to make of that magnificent cosmological hymn consisting of the so-called Dzyan Stanzas, which precedes the two volumes of Madame Blavatsky’s *The Secret Doctrine*. The authenticity of these stanzas, which recount the history of the universe, was called into question; no natural scientist could make sense of them; at first glance, they seemed to contradict everything European scholars knew. There was one scholar, an Orientalist whom I hold in the highest esteem, Max Müller, who vigorously championed Eastern wisdom. Everything he could access regarding Eastern wisdom was made available to Europeans by Max Müller. But neither Max Müller nor other European researchers knew what to make of what Madame Blavatsky proclaimed. At the time, the prevailing view was that what was written in *The Secret Doctrine* was pure fantasy. For the scholars had found no mention of it anywhere in the Indian texts.

[ 11 ] Frau Blavatsky sagte, daß da, wo sie ihre Geheimnisse her habe, noch große Schätze von alter Literatur lägen, daß jedoch das Allerwichtigste über diese Weisheiten vor den Augen der europäischen Gelehrten verborgen gehalten worden sei. Es wurde ja selbst das Wenige, was davon mitgeteilt werden konnte, wegen der europäischen Denkweise nicht einmal verstanden; es fehlten die Kommentare, die den Schlüssel zum Verständnis enthielten. Die.Bücher, die zeigten, wie die einzelnen Sätze aufgefaßt werden sollten, würden in sorgfältigster Weise von den unterrichteten eingeborenen Tibetanern verwahrt, wenigstens sagte das Frau Blavatsky. Aber auch andere Vorgeschrittene behaupten, daß durch diese Literatur auch geschichtlich bezeugt ist, daß es eine Urweisheit gegeben hat, welche in spirituellen, in geistigen Dingen weit erhaben war über alles dasjenige, was heute die Welt weiß. Die orientalischen Weisen sagen, daß diese Urweisheit in denjenigen Büchern gegeben ist, die sie sorgfältig verwahrt haben, und daß diese Urweisheit uns nicht überliefert worden ist von Menschen unseresgleichen, sondern daß sie von Wesen höherer Art herrührt, daß sie herrührt aus göttlichen Quellen. Von einer göttlichen Urweisheit sprechen die Orientalen. Nun sagte aber Max Müller in einer Vorlesung vor seinen Studenten, die Forschung mache es nicht möglich zu behaupten, daß es eine solche Urweisheit gegeben hat. Darauf sagte ein großer brahmanischer Sanskritgelehrter, als ihm dieses Urteil Max Müllers durch Frau Blavatsky zu Ohren gekommen war: Oh, wäre Max Müller ein Brahmane und könnte ich ihn führen zu einer Tempelstätte, da könnte er sich überzeugen, daß es eine uralte göttliche Weisheit gibt.

[ 11 ] Mrs. Blavatsky said that where she had obtained her secrets, there were still great treasures of ancient literature, but that the most important aspects of this wisdom had been kept hidden from European scholars. Even the little that could be communicated was not understood due to the European way of thinking; the commentaries containing the key to understanding were missing. The books that explained how the individual passages were to be interpreted were carefully preserved by the educated native Tibetans—at least, that is what Madame Blavatsky said. But other advanced thinkers also assert that this literature provides historical evidence that there once existed a primordial wisdom which, in spiritual and intellectual matters, was far superior to everything the world knows today. The Eastern sages say that this primordial wisdom is contained in the books they have carefully preserved, and that this primordial wisdom was not handed down to us by people like ourselves, but that it originates from beings of a higher order, that it originates from divine sources. The Orientals speak of a divine primordial wisdom. However, Max Müller stated in a lecture to his students that research does not allow us to assert that such primordial wisdom ever existed. Upon hearing of Max Müller’s judgment from Madame Blavatsky, a great Brahmin scholar of Sanskrit remarked: “Oh, if only Max Müller were a Brahmin and I could lead him to a temple, there he could convince himself that there is an ancient divine wisdom.”

[ 12 ] Diejenigen Dinge, die Blavatsky durch die Dzyan-Strophen mitteilt, sind zum Teil aus solchen verborgenen und von ihr erschlossenen Quellen mit geschöpft worden. Wenn Frau Blavatsky diese Strophen selbst erfunden hätte, dann stünden wir nur vor einem noch viel höheren Wunder.

[ 12 ] Some of the information that Blavatsky conveys through the Dzyan stanzas has been drawn from such hidden sources, which she herself uncovered. If Madame Blavatsky had invented these stanzas herself, then we would be faced with an even greater miracle.

[ 13 ] Wir sind aber nicht darauf angewiesen, die okkulten Mitteilungen über die Weltentstehung aus den alten Schriften zu nehmen. Es gibt im Menschen Kräfte, die ihn befähigen, die Wahrheiten selbst zu schauen und zu erforschen, wenn er diese Kräfte in der richtigen Weise ausbildet. Und was man auf diese Weise erfahren kann, das stimmt überein mit dem, was Frau Blavatsky aus dem Fernen Orient herüberbrachte. Es stellte sich heraus, daß auch in Europa die Okkultisten ein Wissen bewahrt haben, das von Generation zu Generation der Lehrer dem Schüler überlieferte und niemals Büchern anvertraut hat. Die Okkultisten konnten daher das, was Blavatsky in der «Geheimlehre» mitgeteilt hat, an ihrem eigenen Wissen prüfen, vor allen Dingen an demjenigen, das sie durch die eigenen Fähigkeiten erworben hatten. Auch derjenige, der auf europäische Weise geschult ist, kann sich dazu aufschwingen, das nachzuprüfen, was in Blavatskys «Geheimlehre» steht. Es ist auch nachgeprüft und bestätigt worden, aber es ist für die europäischen Okkultisten trotzdem schwer, sich damit zurechtzufinden. Nur eines sei erwähnt: Das europäische okkulte Wissen ist in ganz bestimmter Weise von christlichen und kabbalistischen Einflüssen bestimmt worden und hat daher einen einseitigen Charakter angenommen. Wenn man dies aber abrechnet und auf den Grund dieses Wissens zurückgeht, dann ist eine völlige Übereinstimmung mit dem möglich, was uns durch Frau Blavatsky erschlossen worden ist.

[ 13 ] However, we are not dependent on drawing occult insights into the origin of the world from the ancient writings. There are powers within human beings that enable them to perceive and explore these truths for themselves, provided they develop these powers in the proper way. And what can be experienced in this way corresponds to what Madame Blavatsky brought back from the Far East. It turned out that even in Europe, occultists had preserved a body of knowledge that was passed down from generation to generation from teacher to student and was never entrusted to books. The occultists were therefore able to verify what Blavatsky revealed in *The Secret Doctrine* against their own knowledge, above all against that which they had acquired through their own abilities. Even those trained in the European tradition can rise to the challenge of verifying what is written in Blavatsky’s *The Secret Doctrine*. It has indeed been verified and confirmed, but it is nevertheless difficult for European occultists to come to terms with it. Let me mention just one thing: European occult knowledge has been shaped in a very specific way by Christian and Kabbalistic influences and has therefore taken on a one-sided character. However, if one sets this aside and goes back to the very foundation of this knowledge, then complete agreement with what has been revealed to us by Madame Blavatsky is possible.

[ 14 ] Obwohl also eine Art Prüfung dessen möglich war, was Frau Blavatsky als Kosmologie uns gebracht hat, ist es schwierig, den Gelehrten verständlich zu machen, was damit gemeint ist, wenn aus dem okkulten Wissen heraus über die Weltentstehung gesprochen wird. Es ist natürlich erstaunlich, was die Gelehrten an Entzifferungen der alten Urkunden leisten, wie sie sich abmühen, babylonische Keilschriften und ägyptische Hieroglyphen zu entziffern; aber Max Müller selbst sagt, daß das, was sie aus diesen Inschriften gefunden haben, noch kein Bild über die Weltentstehungsgeschichte gibt. Wir sehen, wie die Gelehrten gewissermaßen an der Schale herumarbeiten, aber nicht zum Kern vordringen. Es soll nichts gesagt werden gegen die große Sorgfalt und die feine Mosaikarbeit der Gelehrten. Ich will nur hinweisen auf die Bücher, die erschienen sind anläßlich des Bibel-Babel-Streites. Das alles sind Mosaikarbeiten; aber die Gelehrten bleiben an der Schale haften. Man fühlt, daß sie keine Ahnung haben von den Wegen, die zum Schlüssel zu diesen Geheimnissen führen. Es ist so, wie wenn einer damit anfängt, ein fremdsprachiges Buch in seine Sprache zu übersetzen. Zunächst ist es unvollkommen. So ist es mit den Übersetzungen alter Schöpfungsmythen durch unsere heutigen Gelehrten. Es sind Verstümmelungen der uralten Weisheitslehren, wie sie uns in den Geheimschulen von Generation zu. Generation mitgeteilt worden sind. Nur diejenigen, welche bis zu einem gewissen Grade der Einweihung gekommen waren, konnten etwas darüber wissen. Am Schluß dieser Vorträge werde ich darauf nochmals zurückkommen.

[ 14 ] Although it was thus possible to examine to some extent what Madame Blavatsky presented to us as cosmology, it is difficult to make scholars understand what is meant when the origin of the world is discussed from the perspective of occult knowledge. It is, of course, astonishing what scholars accomplish in deciphering ancient documents, how they toil to decipher Babylonian cuneiform and Egyptian hieroglyphs; but Max Müller himself says that what they have discovered in these inscriptions still does not provide a picture of the history of the world’s creation. We see how scholars, so to speak, are tinkering with the shell but fail to penetrate to the core. This is not to detract from the great care and meticulous mosaic work of the scholars. I merely wish to point to the books that have been published in connection with the Bible-Babel controversy. All of these are works of mosaic; yet the scholars remain stuck on the shell. One senses that they have no idea of the paths that lead to the key to these mysteries. It is as if someone were to begin translating a book written in a foreign language into their own language. At first, it is imperfect. So it is with the translations of ancient creation myths by our modern scholars. They are truncated versions of the ancient teachings of wisdom, as they have been passed down to us from generation to generation in the secret schools. Only those who had reached a certain degree of initiation could know anything about them. At the end of these lectures, I will return to this topic once more.

[ 15 ] Eingeweihte sind es also, die durch eigene Erfahrung zu diesen Dingen kommen können. Sie werden fragen: Was ist eigentlich ein Eingeweihter; es wird in der Theosophie und in okkulten Gesellschaften so viel gesprochen von sogenannten Eingeweihten? — Ein Eingeweihter ist derjenige, der in hohem Grade Kräfte in sich entwickelt hat, die in jedem Menschen schlummern, die von ihm aber entwickelt werden können. Der Eingeweihte hat sie ausgebildet und sie bis zu einem solchen Grade sich angeeignet, daß er verstehen kann, welcher Art im Kosmos, im Weltgebäude die Kräfte sind, die für das in Betracht kommen, was ich auseinandersetzen will. Nun, Sie werden sagen: Es wird uns immer gesagt, daß es solche okkulten Kräfte gibt, die im Menschen schlummern, aber gewiß wird uns das nicht. — Das liegt nur an einem Mißverständnis. Nichts, gar nichts behauptet der Mystiker, der Okkultist, als was jeder Gelehrte auf seinem Felde auch behaupten kann. Denken Sie sich, jemand sagt Ihnen eine mathematische Wahrheit. Wenn Sie selbst niemals Mathematik gelernt haben, dann haben Sie nicht die Kenntnisse, um diese Wahrheit zu prüfen. Kein Mensch wird bestreiten, daß man zu der Beurteilung einer mathematischen Wahrheit die nötigen Fähigkeiten sich erst aneignen muß. Keine Autorität kann entscheiden über eine solche Wahrheit, nur der einzelne, der sie erfahren hat, kann allein darüber urteilen. So kann auch über eine okkulte Wahrheit nur derjenige entscheiden, der. eine solche Wahrheit selbst erfahren, selbst erlebt hat. Unsere heutigen Zeitgenossen verlangen aber von dem Okkultisten, er solle unmittelbar und für jeden Durchschnittsverstand das beweisen, was er zu sagen hat. Man beruft sich dabei auf den Satz: Was wahr ist, muß sich beweisen lassen, und jeder muß es einsehen können. — Der Okkultist behauptet aber nichts anderes, als was jeder andere Gelehrte auf seinem Gebiete auch behauptet, und er verlangt nichts, was nicht jeder Mathematiker auch verlangt.

[ 15 ] It is, then, the initiates who can come to understand these things through their own experience. You may ask: What, exactly, is an initiate? There is so much talk in theosophy and in occult societies about so-called initiates. — An initiate is one who has developed to a high degree the powers that lie dormant in every human being but can be developed by them. The initiate has cultivated these powers and mastered them to such an extent that he can understand the nature of the forces in the cosmos, in the structure of the world, that are relevant to what I wish to explain. Now, you might say: We are always told that such occult powers lie dormant within human beings, but this is certainly not a certainty for us. — That is merely due to a misunderstanding. The mystic, the occultist, claims nothing—absolutely nothing—that any scholar in his or her field might not also claim. Imagine someone tells you a mathematical truth. If you yourself have never studied mathematics, then you lack the knowledge to verify this truth. No one would dispute that one must first acquire the necessary skills to assess a mathematical truth. No authority can decide on such a truth; only the individual who has experienced it can judge it for themselves. Similarly, only the one who has personally experienced such an occult truth can decide on it. Yet our contemporaries demand that the occultist prove what he has to say immediately and in a way accessible to the average mind. They invoke the maxim: “What is true must be provable, and everyone must be able to understand it.” — Yet the occultist asserts nothing other than what every other scholar in his field also asserts, and he demands nothing that every mathematician does not also demand.

[ 16 ] Nun kann man fragen: Warum werden heute überhaupt okkulte Wahrheiten vorgetragen? Der Weg, den die bisherigen okkulten Schulen gegangen sind, war ja eben der, das Wissen in engen Kreisen zu bewahren. Diesen Weg gehen die Okkultisten der «Rechten» immer noch. Wer aber Erfahrung hat und die Zeichen unserer Zeit erkennt, der weiß, daß dies heute nicht mehr richtig ist. Und gerade diesem Umstand, daß dies heute nicht mehr richtig ist, verdankt die theosophische Weltbewegung ihre Entstehung. Was in der gegenwärtigen Zeit am meisten ausgebildet ist, das ist der Verstand. Unserem kombinierenden Denken, in Verbindung mit den Sinnen, verdanken wir die Erfolge in der Industrie und in der Technik. Dieser Verstand, diese Intellektualität hat im 19. Jahrhundert ihre größten Triumphe gefeiert. Das äußere, verstandesmäßige Denken ist noch niemals so beherrscht worden wie heute. Wenn ich sagte, daß die orientalischen Weisen eine Urweisheit besaßen, so haben sie diese in einer ganz anderen Form als in der Form des heutigen Denkens besessen. Auch die größten Meister des Orients hatten nicht diesen Scharfsinn des logischen Denkens, diese reine Logizität; sie hatten sie auch nicht nötig. Es war deshalb auch schwierig, sie zu verstehen. Sie hatten Intuition, inneres Schauen. Wahre Intuition wird nicht durch logisches Denken, nicht durch kombinierendes Denken erhalten, sondern eine Wahrheit steht unmittelbar vor dem Geiste des Betreffenden. Er weiß sie. Man braucht sie ihm nicht zu beweisen.

[ 16 ] One might ask: Why are occult truths even being presented today? After all, the path taken by previous occult schools was precisely that of preserving this knowledge within closed circles. The occultists of the “Right” still follow this path. But anyone with experience who recognizes the signs of our times knows that this is no longer the right approach today. And it is precisely this fact—that this is no longer the right approach today—to which the Theosophical World Movement owes its emergence. What is most highly developed in the present age is the intellect. We owe our successes in industry and technology to our combinatory thinking, in conjunction with the senses. This intellect, this intellectuality, celebrated its greatest triumphs in the 19th century. External, intellectual thinking has never been as dominant as it is today. When I said that the Eastern sages possessed primordial wisdom, they possessed it in a form entirely different from that of modern thinking. Even the greatest masters of the East did not possess this acuity of logical thinking, this pure logic; nor did they need it. That is why it was also difficult to understand them. They possessed intuition, inner vision. True intuition is not attained through logical thinking or through combinatorial reasoning; rather, a truth stands directly before the mind of the individual concerned. He knows it. There is no need to prove it to him.

[ 17 ] Jetzt haben die Lehrer der theosophischen Bewegung das Recht, einen gewissen Teil der okkulten Weisheit mitzuteilen. Wir haben das Recht, die Weisheit, die uns übermittelt wurde in der Form der Intuition, einzukleiden in die Gedankenformen des modernen Lebens. Der Gedanke ist eine Kraft wie die Elektrizität, eine Kraft wie die Dampfkraft, wie die Wärmekraft; und wer diese Gedanken aufnimmt, die innerhalb der theosophischen Bewegung vorgetragen werden, wer sich ihnen hingibt und ihnen nicht von vornherein mißtrauisch begegnet, in dem sind diese Gedanken eine Kraft. Die Zuhörer merken es zunächst nicht, der Same geht erst später auf. Kein theosophischer Lehrer verlangt etwas anderes, als daß ihm zugehört wird. Er verlangt nicht blinden Glauben, sondern nur Zuhören. Weder das gläubige Annehmen noch das ungläubige Abweisen ist der richtige Standpunkt. Der Zuhörer soll die Gedanken, die ihm mitgeteilt werden, nur nachdenken, frei von Glauben und Zweifel, frei von Ja und Nein. Er muß sich «neutral» einstellen und «probeweise» die Lehren im Geiste wirken lassen. Wer die theosophischen Gedanken so auf sich wirken läßt, der hat nicht nur Gedanken, sondern es ergießt sich in ihn eine spirituelle Kraft, die auf ihn wirkt und ihn befruchter.

[ 17 ] Now the teachers of the Theosophical Movement have the right to impart a certain portion of occult wisdom. We have the right to clothe the wisdom that has been transmitted to us in the form of intuition in the thought-forms of modern life. A thought is a force like electricity, a force like steam power, like thermal power; and for those who absorb these thoughts presented within the Theosophical Movement—those who devote themselves to them and do not approach them with suspicion from the outset—these thoughts become a force within them. The listeners do not notice it at first; the seed only sprouts later. No theosophical teacher demands anything other than to be listened to. He does not demand blind faith, but only that one listen. Neither accepting them on faith nor rejecting them out of disbelief is the correct stance. The listener should simply reflect on the ideas communicated to him, free from faith and doubt, free from “yes” and “no.” They must adopt a “neutral” attitude and allow the teachings to take effect in their mind “on a trial basis.” Those who allow theosophical ideas to take effect in this way do not merely have thoughts; rather, a spiritual power pours into them, acting upon them and enriching them.

[ 18 ] Weil die westeuropäische Kultur das Denken so weit ausgebildet hat, deshalb finden die Menschen am leichtesten Zugang durch das Denken. Auch die gläubigsten Kirchenchristen können sich heute keine Vorstellung mehr davon machen, in welcher Weise man früher geglaubt hat. Diese Quelle der Überzeugung fließt heute nicht mehr. Wir müssen unsere Gedanken heute ganz anders befruchten. Weil früher das Denken nicht gepflegt worden ist, deshalb konnten die spirituellen Mitteilungen nur in geheimen Schulen gegeben werden. Heute müssen wir uns mit dem Spirituellen an die Kraft des Gedankens wenden, dann entzünden wir die Gedanken so, daß sie in uns leben. Der spirituelle Redner spricht in ganz anderer Weise zu seinen Zuhörern als der gewöhnliche Redner. Er spricht so, daß eine Art spirituelles Fluidum, spirituelle Kräfte von ihm ausströmen. Der Zuhörer soll ohne ausgesprochenes Ja oder Nein einen Gedanken wie etwas ganz Objektives hinnehmen, mit diesem Gedanken leben, über ihn meditieren und ihn auf sich wirken lassen. Dann wird durch den Gedanken Kraft in uns angefacht werden.

[ 18 ] Because Western European culture has developed thinking to such an extent, people find it easiest to gain access through thought. Even the most devout churchgoers today can no longer imagine how people used to believe. That source of conviction no longer flows today. Today we must nourish our thoughts in a completely different way. Because thinking was not cultivated in the past, spiritual teachings could only be imparted in secret schools. Today, when it comes to the spiritual, we must turn to the power of thought; then we will ignite our thoughts so that they live within us. The spiritual speaker addresses his listeners in a completely different way than the ordinary speaker. He speaks in such a way that a kind of spiritual aura, spiritual forces, radiate from him. The listener is to accept a thought—without saying “yes” or “no”—as something entirely objective, to live with this thought, to meditate on it, and to allow it to take effect within himself. Then, through the thought, power will be kindled within us.

[ 19 ] Wir müssen heute die okkulten Wahrheiten über die Weltentstehung und Weltbildung in der Form europäischer Gedanken und moderner Wissenschaftlichkeit verkündigen. In dieser Richtung werden diese Vorträge handeln: von den Zuständen, welche der Bildung unserer Erde vorangegangen sind. Wir werden zurückgeführt in uralte Zeiten, wo sich aus grauestem Dämmerdunkel heraus diejenige Wesenheit gebildet hat, die dann zum Menschen geworden ist. Wir werden auf diejenige Stufe geführt, wo dieser Mensch empfangen worden ist von irdischen Kräften, wo er umgeben worden ist mit irdischer Materie, bis zu dem Punkte, wo er heute steht. Wir werden die vorirdische und die irdische Entwicklung unseres Weltgebäudes kennenlernen und sehen, wie die Theosophie uns einen Ausblick gibt auf die Zukunft, wir werden sehen, wohin unsere Weltentwicklung weitergeht. Alles das wollen wir zeigen, ohne daß wir uns den Vorstellungen der heutigen Astronomen entgegenstellen. Wir werden, wenn wir die in uns schlummernden Kräfte entwickeln, selbst das große Ziel einsehen, dem wir zusteuern: der Erringung kosmologischer Weisheit. Diese kosmologische Weisheit lassen Sie uns in den nächsten Stunden betrachten.

[ 19 ] Today we must proclaim the occult truths about the origin and formation of the world in the form of European thought and modern scientific inquiry. These lectures will address this very topic: the conditions that preceded the formation of our Earth. We will be taken back to ancient times, when, out of the deepest twilight, the being that would later become human took shape. We will be guided to the stage where this human being was conceived by earthly forces, where he was enveloped in earthly matter, up to the point where he stands today. We will come to know the pre-earthly and earthly development of our world structure and see how Theosophy offers us a glimpse into the future; we will see where the development of our world is headed. We wish to demonstrate all of this without contradicting the views of today’s astronomers. As we develop the powers that lie dormant within us, we ourselves will come to understand the great goal toward which we are heading: the attainment of cosmological wisdom. Let us consider this cosmological wisdom in the coming hours.