The Temple Legend and the Golden Legend
GA 93
23 October 1905, Berlin
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The Temple Legend and the Golden Legend, tr. SOL
19. Die Beziehung der okkulten Erkenntnisse zum alltäglichen Leben
19. The Relationship Between Occult Knowledge and Everyday Life
[ 1 ] Heute möchte ich einiges sagen, was als Fortsetzung mancher Fragen, die in diesen Tagen Ihnen vor die Seele getreten sind, gelten kann. Heute möchte ich manches ausführen, was vielleicht durch Bemerkungen in den vorhergehenden Tagen angeregt sein dürfte. Es ist so viel gesprochen worden über die Beziehungen des Okkultismus zur 'Theosophie, der Esoterik zur Theosophie und so weiter, aber noch nichts von der Beziehung der Theosophie zum alltäglichen Leben. Ich habe schon vor acht Tagen angedeutet, daß ich gerade über dieses 'Thema noch einige Worte sprechen möchte. Und zwar möchte ich heute einmal die Aufmerksamkeit auf weniger hohe Gesichtspunkte hinlenken, sondern davon sprechen, wie die okkulten Erkenntnisse in das Leben des Alltags unmittelbar hineinspielen und wie tatsächlich durch die theosophische Weltanschauung unser Blick nicht bloß über weite Zeiten und Räume hingelenkt wird, sondern wie wir auch durch die Begriffe des Okkultismus über die alltäglichsten Fragen einen ganz anderen Aufschluß gewinnen können, als das ohne solche Begriffe möglich wäre. Wir werden dann schen, wie irrtümlich die Meinung ist, der wir so oft begegnen, nämlich daß der Okkultismus etwas Unpraktisches und dem gewöhnlichen Alltagsleben ungemein Fernstehendes sei.
[ 1 ] Today I would like to say a few things that can be seen as a continuation of some questions that have come to mind for you in recent days. Today I would like to elaborate on a few points that may have been prompted by remarks made in the preceding days. So much has been said about the relationship between occultism and “theosophy,” between esotericism and theosophy, and so on, but nothing yet about the relationship between theosophy and everyday life. I already hinted eight days ago that I would like to say a few words specifically on this “topic.” And today, I would like to direct your attention not to lofty considerations, but rather to discuss how occult insights directly influence everyday life, and how, through the theosophical worldview, our gaze is not merely directed across vast expanses of time and space, but how, through the concepts of occultism, we can also gain a completely different understanding of the most mundane questions than would be possible without such concepts. We will then see how mistaken is the opinion we so often encounter—namely, that occultism is something impractical and utterly remote from ordinary everyday life.
[ 2 ] Und eine andere Frage werden wir noch berühren. Es ist die Frage: Wie kann derjenige, der es noch nicht dazu gebracht hat - was jedem Menschen in Zukunft aber beschieden sein wird -, Einblicke in die höheren Welten zu tun, wie kann er sich von dem Standpunkte, den jeder Mensch mit einer normalen Bildung einnimmt, die Überzeugung davon verschaffen, daß die theosophischen Lehren Wahrheit sind und die Bestrebungen der ’Theosophie eine wirkliche Berechtigung haben? Die Beweise brauchen durchaus nicht bloß aus der okkulten Beobachtung gewonnen zu sein, ja, sie können gar nicht eher daraus gewonnen werden, bevor sie nicht aus einem anderen Gebiete geholt sind, dem des alltäglichen Lebens. Das bereitet uns vor, uns auch die Überzeugung von den höheren Gebieten des Daseins zu verschaffen. Was sich immer zugetragen hat, das trägt sich auch heute noch zu in unserem alltäglichen Leben.
[ 2 ] And there is another question we will touch on. The question is: How can someone who has not yet managed to gain insight into the higher worlds—which, however, will be the lot of every human being in the future—how can such a person, from the standpoint held by anyone with a normal education, become convinced that the theosophical teachings are true and that the aspirations of “Theosophy” are genuinely justified? The evidence need not be derived solely from occult observation; indeed, it cannot be derived from it until it has first been drawn from another realm—that of everyday life. This prepares us to gain conviction regarding the higher realms of existence as well. Whatever has ever taken place continues to take place even today in our everyday lives.
[ 3 ] Wenn wir den Menschen zurückverfolgen bis in die frühesten Zeiten seines Entstehens, so finden wir, daß er seinen Ursprung aus einer viel feineren, geistigeren Materie genommen hat als die ist, aus der er heute besteht. Der heutige Mensch zeigt uns der Form nach in der Hauptsache drei Körper: den physischen Körper, den Äther- und den Astralkörper. Der Ätherkörper ist eine Art Urbild des physischen Körpers. Der Astralkörper, die aurische Hülle, die den Menschen umgibt und durchdringt, ist dasjenige Gebilde, in welchem sich das Gemütsleben, das Instinkt- und Leidenschaftsleben sowie jeder Gedanke Ausdruck verschafft. Aus dem noch undifferenzierten Astralkörper hat sich im Grunde genommen der ganze Mensch im Laufe der Zeit herausgebildet. Wenn wir genügend weit zurückgehen, bis zu frühen Urepochen der Menschheit, dann finden wir, daß die physische und ätherische Substanz, die den heutigen Menschen durchsetzt, aufgelöst ist in dem ursprünglichen Astralkörper des Menschen, wie ein Samenkorn in der Erde.
[ 3 ] If we trace human beings back to the earliest times of their origin, we find that they arose from a much finer, more spiritual substance than that of which they are composed today. In terms of form, modern human beings essentially consist of three bodies: the physical body, the etheric body, and the astral body. The etheric body is a kind of archetype of the physical body. The astral body—the auric sheath that surrounds and permeates the human being—is the structure through which emotional life, instinctual and passionate life, and every thought find expression. Essentially, the entire human being has emerged over time from the astral body, which was initially undifferentiated. If we go back far enough, to the early primeval epochs of humanity, we find that the physical and etheric substance that permeates modern humans is dissolved within the original astral body of humanity, like a seed in the earth.
[ 4 ] Der heutige Mensch ist sozusagen verdichtet aus der astralen Grundsubstanz. Dieser Vorgang findet heute noch alltäglich statt. Wenn zwei Menschen sich gegenüberstehen, so sind es zunächst die beiden Astralkörper, die sich gegenüberstehen in Liebe oder Haß, Wohlwollen oder Mißfallen, Zorn oder Güte, abstoßend oder anziehend. Das alles sind Erscheinungen, die sich zwischen den Astralkörpern abspielen. Der Verkehr zwischen den Menschen ist ein fortwährender Austausch von Zuständen und Verhältnissen der Astralkörper. Wenn ich einem anderen Menschen gegenüberstehe, dann erfährt mein physischer Körper keine große Veränderung, auch der Ätherkörper nicht, wohl aber der Astralkörper. Wenn ein Mensch zu mir etwas sagt, das haßerfüllt ist, so gehen die haßerfüllten Ströme in meinen Astralkörper ein und verändern denselben. Ich muß dasjenige, was von ihm ausströmt, in meinen eigenen Astralkörper aufnehmen, und dieser bekommt dann ganz andere Eigenschaften, je nachdem mir von dem anderen Liebe, Geduld oder Zorn und Ungeduld zuströmt.
[ 4 ] Modern human beings are, so to speak, condensed from the fundamental astral substance. This process still takes place every day. When two people face each other, it is first and foremost their astral bodies that face each other—in love or hate, goodwill or displeasure, anger or kindness, repulsion or attraction. All of these are phenomena that take place between the astral bodies. Interaction between people is a continuous exchange of states and relationships of the astral bodies. When I stand face to face with another person, my physical body does not undergo any significant change, nor does my etheric body; however, my astral body certainly does. When a person says something hateful to me, the hate-filled currents enter my astral body and alter it. I must absorb what radiates from him into my own astral body, and this body then takes on entirely different qualities, depending on whether love, patience, or anger and impatience flow toward me from the other person.
[ 5 ] Zwischen dem Erzieher und dem Kinde spielt sich etwas ganz Ähnliches ab. Es ist ein großer Unterschied, ob ein Erzieher liebevoll oder ob er ein engherziger Egoist ist. In dem kindlichen Astralkörper haben wir etwas, was anders aussieht als der Astralkörper des Erwachsenen. Der Astralkörper des Kindes ist licht und hell, er zeigt sich uns als etwas Jungfräuliches im Vergleich zu dem Astralkörper, wie er sich im Laufe des Lebens entwickelt. Was ist der Astralkörper des Kindes? Wie eine undifferenzierte Lichtwolke erscheint er, die erst nach und nach gestaltet wird. Es ist noch wenig in ihn eingegraben, was ihn mehr und mehr in sich bestimmt macht, so daß noch alles mögliche aus ihm geboren werden kann. Er wird geformt durch die Vorstellungen, die das Kind aus der Umgebung aufnimmt. Sie gehen in ihn ein und färben ihn und machen ihn anders.
[ 5 ] Something very similar takes place between the educator and the child. It makes a great difference whether an educator is loving or a narrow-minded egoist. The child’s astral body is different in appearance from that of an adult. The child’s astral body is light and bright; it appears to us as something virginal in comparison to the astral body as it develops over the course of a lifetime. What is the child’s astral body? It appears as an undifferentiated cloud of light that is only gradually taking shape. Very little has yet been imprinted upon it that would increasingly define it from within, so that all manner of things can still be born from it. It is shaped by the impressions the child absorbs from its surroundings. These impressions enter into it, color it, and transform it.
[ 6 ] Je nachdem, was für Vorstellungen das Kind aufnimmt, ob von materialistischen oder idealistischen Gesichtspunkten ausgehend, strömen andere Gebilde in den Astralkörper des Kindes ein und formen ihn. Es tritt dann immer mehr eine Erfüllung der Seele mit solchen Vorstellungen ein. Wenn das Kind lieblos behandelt wird, tritt das Echo dieser Lieblosigkeit im Astralkörper des Kindes in Erscheinung. Er schließt sich dann wie mit einer Haut gegen die Außenwelt ab. Das alles zeigt uns, daß tatsächlich ein fortwährendes Umbilden des Astralkörpers stattfindet und daß der Verkehr mit den Menschen auf dieses Umbilden einen großen Einfluß hat.
[ 6 ] Depending on the kinds of ideas the child absorbs—whether based on materialistic or idealistic perspectives—different forms flow into the child’s astral body and shape it. The soul then becomes increasingly filled with such ideas. If the child is treated without love, the echo of this lack of love manifests itself in the child’s astral body. The child then seals itself off from the outside world as if with a skin. All of this shows us that a continuous transformation of the astral body is indeed taking place and that interaction with other people has a major influence on this transformation.
[ 7 ] Das Kind hat also noch einen gleichförmigen, aber eine unendliche Fülle von Möglichkeiten enthaltenden Astralkörper. Nehmen Sie den Astralkörper eines Kindes an, der einem idealistischen Erzieher gegenübersteht, der selbst eine harmonische Seele hat und mit Hingabe in die Welt hineinblickt und empfänglich ist für deren Schönheit und Erhabenheit, einem Erzieher, der imstande ist, in sich selbst ein Abbild der Schönheit der Welt zu schaffen. Ein solcher Erzieher wird auch die Eigenschaft entwickeln, auf die Anlagen der kindlichen Seele einzugehen. Er bildet dann im Kinde weiche und empfängliche Gebilde aus und sendet in diese Ströme hinein, die von dem eigenen Astralstoff des Kindes aufgelöst werden. Ein solcher in sich selbst harmonisch gebildeter Erzieher sendet dem Kinde fortwährend harmonische Ströme zu. Wie selbstverständlich fließt dann die Charaktereigenschaft des Erziehers in das Kind über, und damit fließt auch über alle jene Weltharmonie, die er in Form der Schönheit aus der Umgebung entnommen hat. Was er Großes aufnimmt, als edler Mensch und guter Beobachter, das sendet er als Erzieher in die Natur des Kindes und bringt diese dadurch zu harmonischer Entwickelung.
[ 7 ] The child, then, still has an astral body that is uniform yet contains an infinite abundance of possibilities. Consider the astral body of a child standing before an idealistic educator who himself possesses a harmonious soul, gazes out into the world with devotion, and is receptive to its beauty and sublimity—an educator capable of creating within himself a reflection of the world’s beauty. Such an educator will also develop the ability to respond to the inclinations of the child’s soul. He then forms soft and receptive structures within the child and sends streams into them that are dissolved by the child’s own astral substance. An educator who is harmoniously formed within himself continuously sends harmonious streams to the child. The educator’s character traits then flow naturally into the child, and with them flows all the harmony of the world that the educator has drawn from the surroundings in the form of beauty. Whatever greatness the educator absorbs—as a noble person and keen observer—he or she sends into the child’s nature as an educator, thereby fostering the child’s harmonious development.
[ 8 ] Nehmen wir dagegen an, der Erzieher stehe dem Kinde als egoistischer, pedantischer Mensch gegenüber, als Mensch mit engen, eigensinnigen Vorstellungen und Begriffen. Diese Eigenschaften rufen in seinem eigenen Astralleibe Gebilde hervor, die ihn wie in einer festen Kruste eingeschlossen erscheinen lassen, ihn zu einem durch und durch festen, schwerbeweglichen Gebilde machen. Dann sendet er Strahlenströme aus, die fest in sich geschlossen sind, so daß es dem Astralkörper des Kindes unmöglich ist, sie aufzulösen. Sie verletzen höchstens wie ein Pfeil den Astralkörper des Kindes, können aber nicht aufgelöst werden und gehen einfach durch denselben hindurch.
[ 8 ] Let us assume, on the other hand, that the educator approaches the child as a selfish, pedantic person, as someone with narrow-minded, stubborn ideas and concepts. These qualities give rise to formations in his own astral body that make him appear as if enclosed in a solid crust, turning him into a thoroughly rigid, sluggish entity. He then emits streams of rays that are tightly closed in on themselves, so that it is impossible for the child’s astral body to dissolve them. At most, they pierce the child’s astral body like an arrow, but they cannot be dissolved and simply pass right through it.
[ 9 ] Oder nehmen Sie etwas noch Alltäglicheres an. Zwei Menschen sprechen miteinander. Man kann zwei solche Menschen sehr gut in bezug auf die Wirkungen ihrer Astralkörper aufeinander durch das gegenseitige Aufeinandereinsprechen beobachten.
[ 9 ] Or consider something even more commonplace. Two people are talking to each other. It is quite easy to observe the effects their astral bodies have on one another as they speak to each other.
[ 10 ] In der astralen Substanz, im Astralen bildet sich immer etwas Neues. Ich will Ihnen dies in folgender Weise begreiflich machen. Der Mensch baut durch seine Vorstellungen fortwährend Gebilde in den Astralkörper hinein. Diese zeigen sich in den mannigfaltigsten Formen. Die astrale Substanz, die zwischen den einzelnen Gebilden unbenützt bleibt, nennt man eine intermediäre Astralsubstanz, im Gegensatz zu derjenigen, die sich zu Gebilden gestaltet hat. Diese intermediäre Astralsubstanz ergänzt sich fortwährend aus der Astralsubstanz unserer Umgebung, strömt fortwährend ein und aus, wird fortwährend erneuert. Aber die Gebilde bleiben fest, die der Mensch durch die Art seiner Empfindungen, Gedanken und Willensentschlüsse ausgebildet hat.
[ 10 ] Something new is always forming in the astral substance, in the astral realm. I will explain this to you in the following way. Through their thoughts, human beings are constantly building structures into the astral body. These take on the most diverse forms. The astral substance that remains unused between the individual formations is called an intermediate astral substance, in contrast to that which has taken shape as formations. This intermediate astral substance is constantly replenished from the astral substance of our surroundings; it constantly flows in and out and is constantly renewed. But the formations that a person has created through the nature of their feelings, thoughts, and volitional decisions remain fixed.
[ 11 ] Nehmen wir also an, zwei Menschen stehen vor uns und führen ein gewöhnliches Gespräch miteinander. Der eine von ihnen hat starre, feste Begriffe ausgebildet, die auch sehr feste Gebilde in der Astralsubstanz erzeugt haben. Der andere spricht auf ihn ein und versucht, ihm etwas klarzumachen. Worauf beruht dieses einem anderen etwas klarzumachen? Es beruht darauf, daß er seinen eigenen Begriff in die astrale Substanz des anderen Menschen hineinsendet. Dieser Begriff, dieser Gedanke strömt dann zunächst in die fremde Astralsubstanz hinein. Dort muß er sich erst durch die Zwischensubstanz auflösen und sich entsprechend den bereits vorhandenen Formen wieder erzeugen und umgebildet werden.
[ 11 ] Let us suppose, then, that two people are standing before us, engaged in an ordinary conversation. One of them has formed rigid, fixed concepts that have also created very solid structures within the astral substance. The other responds to him and tries to make something clear to him. What is the basis for making something clear to another person? It is based on the fact that he sends his own concept into the other person’s astral substance. This concept, this thought, then first flows into the other person’s astral substance. There, it must first dissolve through the intermediate substance and be recreated and reshaped in accordance with the forms that already exist.
[ 12 ] Nehmen wir nun an, der eine versuche dem anderen etwas klarzumachen, zum Beispiel, was sich auf Reinkarnation bezieht. Der andere hat sich aber über Reinkarnation bereits einen festen Begriff gebildet. Nehmen wir an, er sei ein befangener Mensch und habe sich den Begriff gebildet, daß sie etwas Törichtes und Unsinniges sei. Dieser Gedanke hat in seiner Astralsubstanz geschwebt. Nun kommt der Gedanke des ersteren und löst sich in der intermediären Astralsubstanz des anderen auf, müßte sich aber in die bei ihm bereits bestehenden Gedankenformen umbilden können. Das geht aber nicht, weil sein Begriff zu starr, zu fest ist. Er kann den ihm zugesandten Gedanken nicht in seine Gedankenform umbilden, und deshalb versteht er ihn nicht.
[ 12 ] Let us now suppose that one person tries to explain something to another—for example, something related to reincarnation. The other person, however, has already formed a fixed notion about reincarnation. Let’s assume he is a prejudiced person and has formed the notion that reincarnation is something foolish and nonsensical. This thought has been floating in his astral substance. Now the first person’s thought arrives and dissolves into the other’s intermediate astral substance, but it would have to be able to transform itself into the thought forms already existing within him. However, this is not possible because his concept is too rigid, too fixed. He cannot transform the thought sent to him into his own thought form, and therefore he does not understand it.
[ 13 ] Je mehr sich ein Mensch die Beweglichkeit der Begriffe erhält, so daß diese immer von der sie umgebenden Zwischensubstanz aufgelöst werden können, desto mehr Verständnis wird er dem anderen Menschen entgegenbringen. Davon rührt es her, daß es so schwierig ist, akademisch gebildeten Leuten theosophisches Leben zu vermitteln. Die auf der Universität aufgenommenen Begriffe erzeugen starre, feste, in sich abgeschlossene Gebilde, die nicht leicht auflösbar sind. Mit solchen Gebilden erfüllt, kommt der Akademiker gewöhnlich zum theosophischen Vortrag und ist dann unfähig, theosophisches Leben zu erfassen. Ganz anders würde es sein, wenn er so erzogen wäre, daß er sich bei allen Begriffen sagte: Ja, es könnte möglicherweise auch anders sein, denn wir haben ja nur einen geringen Grad von Erfahrung, und manches, was wir jetzt für richtig halten, wird in der Zukunft noch korrigiert werden müssen. - Würde er das tun, dann wäre die Seele noch aufnahmefähig.
[ 13 ] The more a person preserves the flexibility of concepts—so that they can always be dissolved from the intermediate substance surrounding them—the more understanding they will show toward others. This is why it is so difficult to convey theosophical life to academically educated people. The concepts acquired at the university give rise to rigid, fixed, self-contained structures that are not easily dissolved. Filled with such structures, the academic typically attends a theosophical lecture and is then unable to grasp theosophical life. It would be quite different if he were educated in such a way that, when considering any concept, he would say to himself: “Yes, it could possibly be different, for we have only a limited degree of experience, and some things we now consider correct will have to be corrected in the future.”—If he were to do that, then his soul would still be receptive.
[ 14 ] Nehmen wir noch einen anderen Fall. Ein Mensch steht einem anderen mit Gefühlen der Verehrung gegenüber. Wie nimmt sich für den Beobachter, der mit astralen Sinnen begabt ist, die Verehrung aus? Verehrung heißt, solche Gedanken aussenden, welche sich in die Substanz des fremden Astralkörpers hineinsenken und sie gleichsam aufsaugen. Wenn Sie nämlich einen verehrenden Gedanken haben, so kommt dieser dadurch zum Ausdruck, daß Sie selbst die Verehrung als ausströmende Wärme dem anderen entgegenbringen. Diese von Ihnen ausströmende Wärme hat in der astralen Welt ihr Spiegelbild, das sich in bläulicher Farbe als die Gedankenform der Verehrung und Devotion zeigt. Das warme, verehrende Gefühl erzeugt eine Gedankenform, die bläulichen Charakter trägt.
[ 14 ] Let’s consider another case. One person feels reverence toward another. How does this reverence appear to an observer endowed with astral senses? Reverence means sending out thoughts that sink into the substance of the other person’s astral body and, as it were, absorb it. For when you have a thought of reverence, it is expressed by your own radiating this reverence as warmth toward the other person. This warmth radiating from you has its reflection in the astral world, which appears as a bluish color—the thought-form of reverence and devotion. The warm, reverent feeling creates a thought-form that has a bluish character.
[ 15 ] Was ist es aber, was bläulich erscheint? Das können Sie erkennen, wenn Sie in den unendlichen finsteren Weltenraum hinausschauen. Er erscheint Ihnen blau infolge der erleuchteten Atmosphäre. Ebenso erscheint Ihnen [im Astralen durch den Gedanken der Verehrung] etwas, was vorher finster ist und nun umleuchtet ist von dem warmen, hellen Gefühl der Verehrung, auch in dieser bläulichen Farbe. Man umschließt einen dunklen Raum mit dem Gefühl der Verehrung, und der dunkle Kern erscheint dann als bläulich, ähnlich wie Ihnen in der Flamme ein blauer Kern erscheint, der vom Licht umzogen ist. So ist es auch mit dem Verehrungsgedanken. Er ist ein von Wärme durchflossener leerer Raum. Sendet man den Gedanken der Verehrung einem anderen entgegen, so bietet man ihm dadurch die Gelegenheit, sein eigenes Wesen in diesen leeren Raum einströmen zu lassen. So spielt sich der Ausgleich zwischen dem Verehrenden und dem Verehrten ab.
[ 15 ] But what is it that appears bluish? You can see this when you look out into the infinite, dark expanse of space. It appears blue to you because of the luminous atmosphere. Likewise, [in the astral realm, through the thought of reverence], something that was previously dark and is now illuminated by the warm, bright feeling of reverence also appears to you in this bluish color. One envelops a dark space with the feeling of reverence, and the dark core then appears bluish, much like a blue core surrounded by light appears to you in a flame. So it is with the thought of reverence. It is an empty space permeated with warmth. When one sends the thought of reverence toward another, one thereby offers that person the opportunity to let their own being flow into this empty space. This is how the balance between the one who reveres and the one who is revered is established.
[ 16 ] Stehen Sie einem anderen dagegen gegenüber mit dem Gefühle des Neides, dann lebt in Ihnen eine andere Gedankenform, die Sie ihm entgegenbringen. Sie senden dann die rote Gedankenform des Egoismus, der Selbstliebe aus. Diese umschließt ihrerseits wieder eine andere Gedankenform, die voll ist von der Vorstellung des eigenen Selbstes, die vielleicht durch Ehrgeiz erzeugt wurde. Dieser drückt sich nicht in einem leeren Raum, in einem Hohlgebilde aus, sondern in einer ganz erfüllten Form, in die nichts mehr hinein kann. Sie ist rings umschlossen von dem Gefühl der Kälte und hat die entgegengesetzte Gedankenform, nämlich ringsherum einen bläulichen Kreis, in der Mitte einen roten Kern. Die Kälte der blauen Farbe stößt alles zurück, was hinein will, und die eitle rote Gedankenform bleibt wie sie ist. Sie nimmt nichts an. So steht der Neidische, der nicht verehren kann, dem anderen gegenüber.
[ 16 ] If, on the other hand, you face another person with feelings of envy, then another thought form lives within you, which you direct toward that person. You then emit the red thought-form of selfishness, of self-love. This, in turn, encloses yet another thought-form, one that is filled with the idea of one’s own self—an idea that may have been generated by ambition. This thought-form does not express itself in an empty space, in a hollow structure, but in a completely filled form into which nothing more can enter. It is surrounded by a feeling of coldness and has the opposite thought-form—namely, a bluish circle all around it, with a red core in the center. The coldness of the blue color repels everything that tries to enter, and the vain red thought-form remains as it is. It accepts nothing. Thus does the envious person, who is incapable of reverence, stand before the other.
[ 17 ] Sie sehen, was sich in unserem Astralleibe abspielt, ist nichts anderes als das Ergebnis des Alltagslebens. Was sich im Astralkörper abspielt, kann nur der sehen, der darauf trainiert ist. Aber die Wirkungen dieser Vorgänge im Astralkörper sind im Physischen fortwähend da, und von diesen kann sich jeder durch das Leben überzeugen. Jeder kann folgende Probe machen, indem er sich sagt: Ich lasse es ganz dahingestellt, ob die Mitteilungen des Okkultisten wahr oder falsch sind. Aber ich will sie unbefangen prüfen. Ich kann so leben, als ob diese Mitteilungen auf Richtigkeit beruhten. Ich kann mich dann meinen Mitmenschen gegenüber dementsprechend verhalten, und wenn ich das vorsichtig tue, dann werde ich ja sehen, ob das Leben mir in jedem einzelnen Falle bestätigt, was der Okkultist sagt. Und das Leben wird Ihnen das in jedem Fall bestätigen. Sie werden einen ungeheuren Gewinn davon haben.
[ 17 ] You see, what takes place in our astral body is nothing other than the result of everyday life. Only those who are trained to do so can see what takes place in the astral body. But the effects of these processes in the astral body are constantly present in the physical realm, and everyone can see this for themselves through their own life experience. Everyone can conduct the following test by saying to themselves: I’ll leave it entirely open as to whether the occultist’s statements are true or false. But I want to examine them with an open mind. I can live as if these statements were true. I can then behave accordingly toward my fellow human beings, and if I do so carefully, I will see whether life confirms what the occultist says in every single case. And life will confirm this to you in every case. You will derive immense benefit from it.
[ 18 ] Wer sich das durchdenkt und zum Beispiel sich als Erzieher nicht nur mit seinen pädagogischen Begriffen und Ideen durchdringt, und nicht nur durch das wirkt, was er sagt, sondern auch durch das, was er fühlt, empfindet und denkt, wer sich durchdringt mit dem Bewußtsein, daß zwei Astralkörper aufeinander einwirken und weiß, was bei dem Gegenüberstehen dieser Astralkörper vor sich geht, der weiß auch, daß er die Pflicht hat, sich immer besser und besser zu machen. In dem Grade, wie er besser wird, wirkt er auch besser auf die Anlagen des Kindes ein. Er tötet nicht die Anlagen, sondern holt sie heraus.
[ 18 ] Anyone who thinks this through—and, for example, as an educator, immerses themselves not only in pedagogical concepts and ideas, and who does not act solely through what they say, but also through what they feel, sense, and think—who is imbued with the awareness that two astral bodies interact with one another and knows what takes place when these astral bodies face each other—such a person also knows that they have a duty to improve themselves more and more. To the extent that he improves, he also has a more positive influence on the child’s innate abilities. He does not stifle these abilities, but rather brings them to the fore.
[ 19 ] Es bedeutet noch etwas ganz anderes, als nur zu wissen, daß es eine Wahrheit, eine Wirklichkeit ist, was uns durch die Verehrung eines anderen Menschen, der verehrungswürdig ist, entgegengebracht wird; es bedeutet noch etwas anderes, zu erleben: wenn wir unzählige solcher Gedankenformen, umhüllt von Wärme, anderen Menschen zusenden, so wachsen wir durch die Größe des anderen Menschen. Es ist das noch etwas ganz anderes, als solche Dinge nur äußerlich mit dem Verstande zu erfassen, als nur zu wissen, was sie darstellen. So lernen wir im Okkultismus das Leben mit größerem Ernst erfassen, lernen erkennen, daß das, was nicht handgreiflich ist, was nicht mit Sinnen wahrgenommen werden kann, doch eine Wirklichkeit hat. Wir lernen die ganze Tragweite und Bedeutung unserer seelischen Welt verstehen und würdigen.
[ 19 ] It means something entirely different from simply knowing that what is shown to us through the reverence of another person—one who is worthy of reverence—is a truth, a reality; it means something else entirely to experience it: when we send countless such thought-forms, enveloped in warmth, to other people, we grow through the greatness of the other person. This is something entirely different from merely grasping such things outwardly with the intellect, from merely knowing what they represent. Thus, in occultism, we learn to grasp life with greater seriousness; we learn to recognize that what is not tangible, what cannot be perceived by the senses, nevertheless has a reality. We learn to understand and appreciate the full scope and significance of our spiritual world.
[ 20 ] Es mag vielleicht der eine oder andere sagen, das sind ja schematische Umgestaltungen. Nein, das sind sie nicht! Wir müssen ganz anders durchdrungen werden von der Tragweite unserer Taten und von der Verantwortlichkeit, die uns das Leben auferlegt. Das alleralltäglichste Leben ist es, was auf diese Weise vom Okkultismus beeinflußt werden kann. Derjenige, der weiß, was infolge von Gedanken und Gefühlen in der unsichtbaren Welt erfolgt, der bringt es schließlich dahin, daß es ihm ebenso wichtig wird, einem anderen Menschen kein böses Gefühl entgegenzusenden, wie es ihm wichtig ist, ihn nicht mit Flintenkugeln zu traktieren. Er weiß, daß es ebenso schlimm ist für den astralen Menschen, einen Haßgedanken auf ihn zu werfen, wie es für den physischen Menschen schädlich ist, wenn ein Ziegelstein auf ihn geworfen wird.
[ 20 ] Some might say, “These are just schematic transformations.” No, they are not! We must be deeply imbued with a sense of the far-reaching consequences of our actions and the responsibility that life imposes upon us. It is the most ordinary, everyday life that can be influenced in this way by occultism. The person who knows what happens in the invisible world as a result of thoughts and feelings will eventually reach the point where it becomes just as important to him not to send a malicious thought toward another person as it is to him not to attack that person with gunshots. He knows that casting a thought of hatred at another person is just as harmful to the astral being as it is to the physical being to have a brick thrown at him.
[ 21 ] Verstehen kann man dies sehr bald; fühlen und erleben werden es diejenigen, welche in solchen Zusammenkünften sich zusammenfinden, wie es die theosophischen sind. Sie bringen dann daraus einen neuen Quell des Lebens mit. Sie können sich sagen, daß es für die anderen eine einfache Wirklichkeit gibt, für uns eine dreifache. Der andere fühlt die Wirklichkeiten nur aus der Sinnenwelt und denkt sich nichts Böses dabei, wenn er sagt: Gedanken sind zollfrei! - Wer aber durch die theosophische Weltanschauung durchgegangen ist, der kann nicht mehr sagen, Gedanken sind zollfrei, sondern der ist überzeugt, daß er dafür verantwortlich ist, was er den anderen Menschen gegenüber denkt und fühlt. Dieses Verantwortungsgefühl tragen Sie als schönste Frucht der theosophischen Weltanschauung in die Welt hinaus. Wenn wir auch noch Anfänger, Probierer sind, so wirken wir doch schon aus der verborgenen, okkulten Welt heraus in die sichtbare hinein. Wir verschönern und verbessern die Welt von den verborgenen Gebieten des Daseins aus.
[ 21 ] One can understand this very quickly; those who gather at meetings such as theosophical gatherings will feel and experience it. They then bring back from these gatherings a new source of life. They can tell themselves that for others there is a single reality, but for us there is a threefold one. The other person perceives realities only through the sensory world and thinks nothing of it when he says, “Thoughts are duty-free!”—But whoever has passed through the theosophical worldview can no longer say that thoughts are duty-free; rather, he is convinced that he is responsible for what he thinks and feels toward other people. You carry this sense of responsibility out into the world as the most beautiful fruit of the theosophical worldview. Even if we are still beginners, still experimenting, we are already working from the hidden, occult world into the visible one. We beautify and improve the world from the hidden realms of existence.
[ 22 ] Das ist die eine Seite, wie wir das Leben verstehen. Aber es gibt noch andere. Der Mensch lebt nicht allein als Individuum in der Welt, er gehört auch einer Familie, einem Stamm, einem Volk, also einer Gesamtheit an. Er ist eigentlich nur seinem physischen und seinem Ätherkörper nach so abgegrenzt. Ich habe schon gesagt, daß ein Astralkörper fließende Grenzen hat, daß die Zwischensubstanz fortwährend geneigt ist, Strömungen von außen aufzunehmen und sich zu erneuern. Wenn wir aber bedenken, daß wir einem Volk, einem Stamm, einer Familie angehören, dann bekommt die Sache noch einen weiteren Gesichtspunkt.
[ 22 ] That is one way we understand life. But there are others. Human beings do not live in the world solely as individuals; they also belong to a family, a tribe, a people—in other words, to a collective whole. In reality, they are defined as such only in terms of their physical and etheric bodies. I have already said that an astral body has fluid boundaries, that the intermediate substance is constantly inclined to absorb currents from the outside and to renew itself. But when we consider that we belong to a people, a tribe, or a family, the matter takes on yet another perspective.
[ 23 ] Wenn wir den Astralkörper des einzelnen Menschen betrachten, so unterscheidet sich fast jeder von dem Astralkörper des anderen der Grundfärbung nach. Er hat eine gewisse Schattierung, die sich nach außen als Temperament äußert. Das Temperament kommt also in einer gewissen Grundfarbe zum Ausdruck. Der Mensch steht auf diese Weise zu seiner ganzen Umgebung in Beziehung, indem sich der Charakter der Familie, des Stammes oder Volkes, denen er angehört, in der Grundfarbe ausprägt.
[ 23 ] When we consider the astral body of an individual human being, we find that almost every person’s astral body differs from that of others in its basic coloration. It has a certain nuance that manifests outwardly as temperament. The temperament is thus expressed through a certain basic color. In this way, a person relates to their entire environment, as the character of the family, tribe, or people to which they belong is reflected in this basic color.
[ 24 ] Man kann da als Okkultist interessante Beobachtungen machen, wenn man zum Beispiel eine Stadt wieder besucht, die man vielleicht vor zehn Jahren gesehen hat. Wenn man die jungfräulichen Astralkörper der Kinder betrachtet, so findet man, daß diese außer der persönlichen Grundfarbe noch eine andere Grundfarbe haben. Hat man nun bei dem ersten Besuch diese jungfräulichen Astralkörper der Kinder genau angeschaut und vergleicht sie mit denen jener Kinder, die nach zehn Jahren in der Stadt leben, so findet man, daß sich deren Aussehen verändert hat. Es gibt etwas in der menschlichen Individualität, das so fortschreitet wie die Entwickelung der Stadt, des Stammes oder Volkes. Das kommt davon her, daß die Strömungen von einem Kollektiv-Astralkörper, der mich von außen umgibt, fortwährend mit meinem eigenen in Wechselwirkung steht, der in diesem Kollektiv-Astralkörper lebt. Daher haben wir auch ein Volkstempetament, das sich in dem gemeinsamen Astralkörper des Volkes ausdrückt.
[ 24 ] As an occultist, one can make interesting observations there, for example, when revisiting a city that one may have seen ten years ago. When one observes the pristine astral bodies of the children, one finds that, in addition to their personal base color, they possess another base color. If, during the first visit, one had closely examined these pristine astral bodies of the children and compares them with those of the children who have been living in the city for ten years, one finds that their appearance has changed. There is something in human individuality that progresses in tandem with the development of the city, the tribe, or the people. This stems from the fact that the currents of a collective astral body—which surrounds me from the outside—are constantly interacting with my own, which lives within this collective astral body. This is why we also have a national temperament that is expressed in the collective astral body of the nation.
[ 25 ] Jedes Volk und jede andere Gemeinschaft hat einen solchen Astralkörper, und dieser strömt in die Astralkörper der einzelnen Menschen ein. Das ist der Grund, weshalb eine gewisse Disharmonie entstehen kann zwischen den einzelnen Menschen und der Aufgabe des ganzen Volkes. Es gehen nämlich nicht immer alle Entwickelungsanlagen in der Welt den gleichen Gang. Das Umfassendere eilt sehr häufig demjenigen voraus, was weniger umfassend ist.
[ 25 ] Every nation and every other community has such an astral body, and this flows into the astral bodies of individual human beings. This is why a certain disharmony can arise between individual human beings and the mission of the entire nation. For not all lines of development in the world follow the same course. The more comprehensive very often outpaces that which is less comprehensive.
[ 26 ] Betrachten wir zum Beispiel ein Volk. Ein Volk ist nicht ein beliebig in der Welt zusammengewürfeltes Gebilde, nicht etwas, was durch Zufall erzeugt wurde, sondern jedes Volk hat seine bestimmte Aufgabe im Entwickelungsgang der Menschheit. Wer ein Volk von einem höheren Gesichtspunkt aus betrachtet, der kann sich sagen, daß jedes Volk eine bestimmte Aufgabe hat und daß auch seinem Volke eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen obliegt. Er kann sich sagen: Ich gehöre diesem Volke an, so daß ich mit ihm der gemeinschaftlichen Volksaufgabe dienen muß, und ich kann ihr so dienen, weil in mir eine Astralität lebt, welche dem ganzen Volke angehört. Diese Bestimmung des Volkes ist auf dem Astralplane deutlich ausgedrückt, sie ist ein bestimmter Gedanke, etwas, das auf Planen, die höher sind als der Astralplan, lebt. Um die Gedanken der Weltordnung zu studieren, muß man über den astralen Plan hinaufsteigen zu dem mentalen Plane.
[ 26 ] Let us consider, for example, a people. A people is not a random collection of individuals thrown together in the world, nor is it something brought about by chance; rather, every people has its specific task in the course of human development. Anyone who views a people from a higher perspective can tell themselves that every people has a specific task and that their own people, too, are charged with fulfilling a specific task. They can say to themselves: I belong to this people, so I must serve the common task of the people alongside them, and I can serve it in this way because within me lives an astral quality that belongs to the entire people. This destiny of the people is clearly expressed on the astral plane; it is a specific thought, something that exists on planes higher than the astral plane. To study the thoughts of the world order, one must ascend beyond the astral plane to the mental plane.
[ 27 ] Die vierte Unterrasse zum Beispiel, aus der unsere Rasse hervorgegangen ist, entwickelte sich aus einem kleinen Kreise von Menschen in Asien und bildete sich zu der hebräisch-griechisch-lateinischen Rasse aus. Diese hatte die Aufgabe, die erste Mission des Christentums vom Völkerstandpunkte aus zu erfüllen. Der Gedanke dieser Rasse war der, das Christentum in seiner ersten Etappe über Europa und die angrenzenden Gebiete zu verbreiten. Das ist ein Völkergedanke.
[ 27 ] The fourth sub-race, for example, from which our race emerged, developed from a small group of people in Asia and evolved into the Hebrew-Greek-Latin race. This race had the task of fulfilling the first mission of Christianity from the perspective of the people. The purpose of this race was to spread Christianity in its initial phase throughout Europe and the neighboring regions. This is a concept rooted in the people.
[ 28 ] In früheren Zeiten galt der umfassende Gedanke von Reinkarnation und Karma. Dann trat ein Umschwung ein und die Menschen wurden in der Vorstellung erzogen, daß das eine physische Leben von Wichtigkeit sei. In der griechischen Kunst tritt das deutlich hervor, indem sie den Sinn für die äußere Form ausgebildet hat. Darin lag die Veredelung des physischen Planes für die äußeren Sinne. In dem römischen Volke kam dann das Recht zur Entwickelung, welches sich unmittelbar auf dem physischen Plan auslebt. Das Christentum endlich durchdringt dieses Recht mit einer Moral, so daß ein einziges Erdenleben eine solche Wichtigkeit erlangt, daß eine ganze Ewigkeit davon abhängig gemacht wird. Das ist ein einseitiger Gedanke, aber er war richtig und notwendig. Die katholischen Völker haben die Mission der Verbreitung des Christentums übernommen und sie nach dem Norden Europas getragen, wodurch die germanischen Völker eine neue Mission empfingen.
[ 28 ] In earlier times, the comprehensive concept of reincarnation and karma prevailed. Then a shift occurred, and people were raised to believe that this one physical life was of importance. This is clearly evident in Greek art, which developed a sense of external form. therein lay the refinement of the physical plane for the external senses. Among the Roman people, the concept of law then emerged, which manifests itself directly on the physical plane. Christianity, finally, imbues this right with a moral code, so that a single earthly life acquires such importance that an entire eternity is made dependent upon it. This is a one-sided idea, but it was correct and necessary. The Catholic peoples took on the mission of spreading Christianity and carried it to northern Europe, through which the Germanic peoples received a new mission.
[ 29 ] Wir sehen also, daß ein Volksgedanke lebt im ganzen Volke, und jeder einzelne gehört diesem Gedanken zu. Was früher auf dem Gebiete der plastischen Kunst an schönen Formen der Sinnenwelt in der griechischen Kunst ausgebildet worden ist, was als Recht ausgebildet und später zur Moralität vertieft wurde, das haben wir in unserer Zeit zum Nutzen der Bürger herausgebildet zum technischen Leben. Städte wurden gegründet, sie wuchsen und blühten und bildeten so eine eigene Kultur heraus, die Kultur des Bürgertums. Aus dieser ging dann eine Nützlichkeitsmoral hervor, die den Anstoß gab zur Entwickelung einer einseitigen Wissenschaft, die den Höhepunkt in unserer jetzigen Zeit erreicht haben dürfte.
[ 29 ] We see, then, that a national ideal lives on throughout the entire nation, and every individual is part of that ideal. What was once developed in Greek art—in the realm of the plastic arts—as beautiful forms of the sensory world, what was established as law and later deepened into morality, we have, in our time, developed into technical life for the benefit of the citizens. Cities were founded; they grew and flourished, thereby giving rise to a distinct culture—the culture of the bourgeoisie. From this emerged a utilitarian morality, which provided the impetus for the development of a one-sided science that has likely reached its peak in our present age.
[ 30 ] Hierin können wir das Wirken eines devachanischen Prinzips erkennen. Das ist das Umfassende bei diesen Veränderungen im Laufe der Entwickelung, das uns zeigt, in welcher Weise ein Volksgedanke wirkt. Wie dieser Gedanke zum Ausdruck kommt, das hängt von dem gemeinsamen Astralkörper des Volkes ab, von dem Volkstemperament. Die Kunst zum Beispiel wäre bei einem anderen Volke als dem griechischen in einer ganz anderen Weise zum Ausdruck gekommen.
[ 30 ] Here we can recognize the workings of a devachanic principle. This is the overarching factor in these changes throughout the course of evolution, which shows us how a national idea operates. How this idea is expressed depends on the collective astral body of the people, on the national temperament. Art, for example, would have found expression in a completely different way among a people other than the Greeks.
[ 31 ] Obgleich nun der Volksgedanke in jedem einzelnen lebt, so geht der einzelne doch nicht im Volksgedanken auf. Er bringt daneben noch seine Persönlichkeit zum Ausdruck. Hier zeigt sich uns nun etwas ganz Merkwürdiges und Eigentümliches. Leichter ist es zunächst für den Menschen, sich in die Gedankenwelt seines Volkes, in seine devachanische Bestimmung hineinzufinden, als den Ausgleich zwischen den eigenen Gefühlen und den Gefühlen dieses Volkes zu bewirken. Es ist das nicht so leicht, namentlich für solche, welche schon eine gewisse höhere Bildung und Gesittung errungen haben. Auf den niederen Entwickelungsstufen ist dieser Ausgleich der Gefühle zwischen Mensch und Volk eher möglich, weil da immer eine größere Einordnung des individuellen Empfindens in das allgemeine Volksempfinden stattfindet. Auf je niedrigerer Stufe der einzelne steht, um so stärker kommt das Volksempfinden, der Volksgedanke bei ihm zum Ausdruck, in ähnlicher Weise, wie das Tier ein Abdruck der Tiergattung ist.
[ 31 ] Although the collective consciousness lives within each individual, the individual does not merge into it. He also expresses his own personality alongside it. Here we see something quite remarkable and distinctive. At first, it is easier for a person to find their way into the world of thought of their people—into their devachanic destiny—than to achieve a balance between their own feelings and the feelings of that people. This is not so easy, especially for those who have already attained a certain level of higher education and refinement. At the lower stages of development, this balance of feelings between the individual and the people is more readily possible, because there is always a greater integration of individual sentiment into the general sentiment of the people. The lower the stage at which the individual stands, the more strongly the sentiment and thought of the people are expressed in him, in much the same way that an animal is an embodiment of the animal species.
[ 32 ] Wenn der Mensch sich aber entwickelt, so hebt er seinen eigenen Astralkörper heraus, er wird differenzierter, bestimmter. Und dann ist es möglich, daß sein Astralkörper diejenige Form der Mentalität aufzunehmen imstande ist, welche über der Stufe der Mentalität seines Volkes liegt. Wenn man das, was von dieser höheren Stufe herunterleuchtet, verstandesmäßig oder gedanklich erfaßt, so kann man leicht die Ideale ergreifen. Manchmal kommt es auch vor, daß die Gefühle des Astralkörpers eines Menschen nicht so weit entwickelt sind wie seine Gedanken. Die Gedanken eines Volkes können so mächtig auf die Gedanken eines einzelnen einwirken, daß sie ihn ergreifen, bevor er sich sonst genügend entwickelt hat.
[ 32 ] However, as a person develops, he elevates his own astral body; he becomes more differentiated and defined. And then it becomes possible for his astral body to take on a form of mentality that lies above the level of his people’s mentality. If one grasps what shines down from this higher level through reason or thought, one can easily embrace the ideals. Sometimes it also happens that the feelings of a person’s astral body are not as developed as their thoughts. The thoughts of a people can have such a powerful effect on the thoughts of an individual that they take hold of him before he has otherwise developed sufficiently.
[ 33 ] Individuen, bei denen dies zutrifft, sind ideale Schwärmer, sind die Märtyrer für den Fortschritt eines Volkes. Sie sind es deshalb, weil sie selbst dem vorauseilen, was ihr sonstiger Astralkörper tatsächlich ist, weil sie ihre ganze edlere Seele dem einen Ideale in selbstloser Weise zuwenden. Wenn solche Menschen dann mit Tod abgehen, dann tritt ihre unentwickelte Astralität mit um so größerer Stärke hervor; dann tritt das, was nicht in dem Ideale des Volkes war, in Wirkung, denn sie haben es in Zukunft nur mit ihrer eigenen Entwickelung zu tun. Wenn ein solcher Mensch, der im Leben ein großer und edler Idealist war, der sich dem Ideale seines Volkes gewidmet hat, gestorben ist, wird er übertönt von dem in ihm noch vorhandenen persönlichen Element. Dann treten die niedrigen Eigenschaften seines Astralkörpers ganz hervor. Nehmen Sie nun an, ein solches Menschenwesen ist zum Märtyrer geworden. Er hat Edles geschaffen, ist aber von seinem Volke mißhandelt worden, wie manchmal solche fortgeschrittenen Naturen mißhandelt werden. Dann wird er gewöhnlich zwar trotzdem während seines Lebens kühn und mutig seinem Ideale nachgehen, nicht nach rechts und nicht nach links schauen. Ist er aber gemartert oder gar getötet worden wegen seines Ideals, dann treten unmittelbar nach seinem ’Tode die Rachegedanken auf. In Kamaloka bleibt dann übrig, was er als Persönliches zurückgedrängt hatte.
[ 33 ] Individuals to whom this applies are idealists; they are the martyrs for the progress of a people. They are so because they themselves precede what their astral body actually is, because they devote their entire noble soul to that one ideal in a selfless manner. When such people then pass away, their undeveloped astral nature emerges with all the greater force; then that which was not part of the people’s ideal comes into play, for in the future they will be concerned only with their own development. When such a person—who was a great and noble idealist in life and who dedicated himself to the ideal of his people—has died, he is overwhelmed by the personal element still present within him. Then the base qualities of his astral body come fully to the fore. Now suppose such a human being has become a martyr. He has accomplished noble deeds but has been mistreated by his people, as such advanced souls are sometimes mistreated. Then, despite this, he will usually pursue his ideal boldly and courageously during his life, looking neither to the right nor to the left. But if he has been tortured or even killed because of his ideal, then thoughts of revenge arise immediately after his “death.” What remains in Kamaloka is what he had repressed as part of his personal self.
[ 34 ] Ein Volk, das auf diese Weise seine Idealisten behandelt, schafft sich schlimme Kräfte in Kamaloka, die auf das Volk zurückwirken. Rußland hat sich solche schlimmen Kräfte geschaffen. Seit Jahren hat es gewisse edle Persönlichkeiten mit der Knute mißhandelt. Die niedrigen Kräfte dieser Persönlichkeiten sind nun in Kamaloka wirksam als Feinde dessen, was in Rußland lebt, als Feinde derer, für die sie sich im Leben geopfert haben. Man konnte sehen, daß solche Märtyrer, die jüngst verstorben waren, jetzt kämpften auf Seite der Japaner gegen ihr eigenes Volk. Dies ist eine Tatsache, welche uns verständlich wird, wenn wir in die tiefer wirkenden Kräfte des Seelenlebens hineinsehen. Die Erscheinungen der Zukunft werden uns klar, wenn wir sie von diesem Standpunkte aus betrachten.
[ 34 ] A people that treats its idealists in this way creates evil forces in Kamaloka that rebound upon the people themselves. Russia has created such evil forces for itself. For years, it has mistreated certain noble individuals with the knout. The lower forces within these individuals are now active in Kamaloka as enemies of what lives in Russia, as enemies of those for whom they sacrificed themselves in life. It could be seen that such martyrs, who had recently passed away, were now fighting on the side of the Japanese against their own people. This is a fact that becomes understandable to us when we look into the deeper forces of the soul’s life. The events of the future become clear to us when we view them from this perspective.
[ 35 ] Wir leben als Mitglieder germanischer Völkerschaften, eingeschlossen im Osten von slawischen, im Westen von englisch-amerikanischen Völkerschaften. Beide, die amerikanischen und die slawischen Völkerschaften sind aufgehende Rassen, welche in der Zukunft ihren Zweck zu erfüllen haben, Rassen, die erst am Anfang ihres Volksgedankens stehen. Der Grundcharakter der slawischen Völker drückt sich aus in der spirituellen Veranlagung. Versuchen Sie die slawische Kultur zu verstehen, und Sie werden finden, daß sie zu einer spirituellen Kultur hinneigt, daß sich da etwas Spirituelles herauflebt. Diese slawischen Völker mußten sich zunächst mit den im Osten liegenden Volksstämmen auseinandersetzen, mit den Chinesen und Japanern. Das sind Überbleibsel früherer Völkerschaften der Atlantier, wie überhaupt alle Mongolen die Überreste der spätatlantischen Kultur sind. Sie haben Astralkörper, welche selbst schon zur Spiritualität neigen. Mit diesen haben sich die slawischen Völker auseinanderzusetzen.
[ 35 ] We live as members of Germanic peoples, surrounded by Slavic peoples to the east and Anglo-American peoples to the west. Both the American and Slavic peoples are rising races that are destined to fulfill their purpose in the future—races that are only at the beginning of their national consciousness. The fundamental character of the Slavic peoples is expressed in their spiritual disposition. Try to understand Slavic culture, and you will find that it tends toward a spiritual culture, that something spiritual is emerging there. These Slavic peoples first had to contend with the tribes to the east—the Chinese and the Japanese. These are remnants of earlier Atlantean peoples, just as all Mongols are remnants of late Atlantean culture. They possess astral bodies that themselves already tend toward spirituality. The Slavic peoples have had to contend with them.
[ 36 ] In Amerika haben wir etwas Ähnliches. Der Materialismus ist da auf die Spitze getrieben und radikal ausgebildet in allen Anschauungen des Volkes. Das führte in der neueren Epoche dazu, den Geist selbst in materieller Weise aufzufassen. Während bei den slawischen Völkern einzelne Persönlichkeiten auftreten, wie Tolstoi, die schön und groß, aus der spirituellen Seele heraus, die Entwickelung anzuregen versuchen, bemüht sich das amerikanische Volk, das Seelische und Geistige in materieller Weise zu fassen. Daher finden wir bei ihm einen stark materiellen Spiritualismus und Spiritismus. Der Geist wird bei ihnen in genau derselben Weise gesucht, wie sie nach physischen Wahrheiten suchen. Aber gerade in der Art des Suchens liegt der Unterschied. Versuchen Sie das Geistige mit Augen zu schauen, so wird es psychisch und diese psychische Seite hat sich in Amerika stark entwickelt.
[ 36 ] In America, we have something similar. Materialism there has been taken to extremes and has become deeply ingrained in all aspects of the people’s worldview. In recent times, this has led to a tendency to view the spirit itself in material terms. While among the Slavic peoples there emerge individual figures, such as Tolstoy, who—beautiful and great, drawing from the spiritual soul—attempt to stimulate development, the American people strive to grasp the soul and the spirit in a material way. Hence, we find among them a strongly materialistic form of spiritualism and spiritualism. They seek the spirit in exactly the same way that they seek physical truths. But it is precisely in the nature of this seeking that the difference lies. If you try to see the spiritual with your eyes, it becomes psychological, and this psychological aspect has developed strongly in America.
[ 37 ] Die amerikanischen Völker haben sich mit einem anderen Volkselement auseinanderzusetzen, das von der Atlantis herstammt und mit psychischen Anlagen begabt ist. Dieses Volkselement lebt in den Negervölkern. Die Art und Weise, wie diese beiden Völker zusammenwachsen, ist charakteristisch. Das Psychische hat sich mit dem Psychischen auseinanderzusetzen, das Spirituelle mit dem Spirituellen. So haben wir einen spirituellen Volksgedanken im Osten und einen psychischen im Westen.
[ 37 ] The American peoples must come to terms with another ethnic element that originates from Atlantis and is endowed with psychic faculties. This ethnic element lives among the Negro peoples. The way in which these two peoples are growing together is characteristic. The psychic must engage with the psychic, the spiritual with the spiritual. Thus, we have a spiritual national consciousness in the East and a psychic one in the West.
[ 38 ] Wir haben Wissenschaft und Kunst auf dem äußeren Plane erlebt, nun soll auch der Geist wieder emporgehoben werden. Das kann auf zweifache Art geschehen: entweder auf die spirituelle oder auf die psychische Weise. Die spirituelle Weise ist Fortschritt, die psychische ist Rückschlag.
[ 38 ] We have experienced science and art on the outer plane; now the spirit must also be lifted up again. This can happen in two ways: either through the spiritual path or through the psychological path. The spiritual path is progress; the psychological path is regression.
[ 39 ] Sie sehen, wie hier die Welt verständlich wird, wenn wir sie von der okkulten Grundlage aus betrachten. Wiederum braucht man nicht zu sagen, wir können uns von diesen Dingen nicht überzeugen. Man nehme nur das, was sich wirklich abspielt. Man wird probeweise zu der Überzeugung geführt werden, wenn man das psychische Weltbild und die psychische Forschung mit dem Weltbilde des Okkultismus vergleicht. Versuchen wir das Weltbild des Okkultismus zu verstehen, dann wird uns auch immer mehr die Erscheinungswelt begreiflich. Eine solche okkult-spirituelle Weltanschauung läßt uns keine Lücke im Begreifen der Welt. Daraus werden wir dann den Glauben an die okkulte Welt gewinnen, von der die Okkultisten berichten und durch diesen erziehen wir in uns ein Element, das uns höher heben wird. Das ist kein blinder Glaube, sondern ein probierender Glaube. Mit jedem Erfahrungszuwachs wird dieser Glaube stärker und berechtigter, immer fester und sicherer. Und wenn der Glaube diese Sicherheit in sich selbst erzeugt hat, erzeugt er auch die Anlage zum Wissen. Immer hat man probiert, bevor man zum Wissen aufgestiegen ist. Wer das Wissen haben will vor dem Forschen, gleicht dem, der die Frucht haben wollte vor dem Samen. Das Wissen soll von uns selbst erworben werden. Wüßten wir schon, so brauchten wir nicht zu forschen. Das, was den Forschern an Gewißheit und Sicherheit fehlt, muß die Gewißheit und Sicherheit des Glaubens ergänzen. So müssen sie zusammenwirken, und so werden sie zuletzt in Einheitlichkeit erzeugen, was uns als Einheitliches entgegentreten muß: die Frucht der Erfahrung, das Wissen.
[ 39 ] You can see how the world becomes comprehensible here when we view it from an occult perspective. Again, there is no need to say that we cannot convince ourselves of these things. One need only consider what is actually happening. One will gradually be led to this conviction by comparing the psychological worldview and psychological research with the occult worldview. If we try to understand the occult worldview, then the world of phenomena will also become increasingly comprehensible to us. Such an occult-spiritual worldview leaves no gaps in our understanding of the world. From this, we will then gain faith in the occult world of which the occultists speak, and through this faith we cultivate within ourselves an element that will elevate us to a higher plane. This is not blind faith, but faith born of experimentation. With every new experience, this faith grows stronger and more justified, ever firmer and more certain. And when faith has generated this certainty within itself, it also generates the capacity for knowledge. One has always tested things before ascending to knowledge. Anyone who wants knowledge before seeking it is like one who wanted the fruit before the seed. Knowledge must be acquired by ourselves. If we already knew, we would not need to seek. What researchers lack in certainty and assurance must be supplemented by the certainty and assurance of faith. Thus they must work together, and thus they will ultimately, in unity, produce what must present itself to us as a unified whole: the fruit of experience, knowledge.
[ 40 ] Hören wir die Okkultisten und sagen wir dazu weder ja noch nein. Betrachten wir es aber als Grundlage unseres eigenen Lebens und unserer Lebenshaltung; betrachten wir es so, als ob ihre Forschungen brauchbare Leiter für unser Leben wären, dann werden wir finden, daß sie uns Führer sein werden durch das Leben und zuletzt hinleiten zu einem inneren Wissen und einem Leben, das uns durchströmt, dann werden wir finden, daß sie uns Führer von Vertrauen sein werden zur Forschung, zur Befriedigung und zum harmonischen Leben in sich selbst.
[ 40 ] Let us listen to the occultists and say neither yes nor no to what they say. But let us regard it as the foundation of our own lives and our way of life; if we regard it as though their research were useful guides for our lives, then we will find that they will be our guides through life and ultimately lead us to an inner knowledge and a life that flows through us; then we will find that they will be trusted guides for us in our quest for fulfillment and a harmonious life within ourselves.
