Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Das esoterische Christentum und die
geistige Führung der Menschheit
GA 130

28 November 1911, Stuttgart

22. Die sieben Prinzipien des Makrokosmos und ihr Zusammenhang mit dem Menschen

[ 1 ] Der Makrokosmos, die große Welt, ist ebenso in Entwicklung begriffen wie der Mikrokosmos, der Mensch, die kleine Welt. Ebenso wie der Mensch muss er seine sieben Prinzipien entwickeln. Diese Prinzipien stellen die Gesamtheit der Hierarchien dar.

I. Seraphim, Cherubim, Throne
II. Kyriotetes, Dynamis, Exusiai
III. Archai, Archangeloi, Angeloi
IV. Menschensohn

[ 2 ] Die Entwicklungslinie der makrokosmischen Prinzipien ist die Folgende:

Erstes makrokosmisches Entwicklungsprinzip = Throne
Zweites makrokosmisches Entwicklungsprinzip = Cherubim
Drittes makrokosmisches Entwicklungsprinzip = Seraphim
Viertes makrokosmisches Entwicklungsprinzip = Christus

[ 3 ] oder grafisch:

Diagram 1
Diagram 1

[ 4 ] Bei der Erde sind unten mit 1, 2, 3 und so weiter die Wurzelrassen angezeigt. Also schematisch:

1. polarische Wurzelrasse - Wiederholung des Saturnprinzips: Throne
2. hyperboräische Wurzelrasse - Wiederholung des Sonnenprinzips: Cherubim
3. lemurische Wurzelrasse - Wiederholung des Mondprinzips: Seraphim
4. atlantische Wurzelrasse - Erdmitte: Christus
5. unsere Wurzelrasse - Weiterentwicklung
6. Vorausahnung der Jupiter-Entwicklung
7. Vorausahnung der Venus-Entwicklung

[ 5 ] Das Christus-Prinzip entwickelt sich also weiter durch die Jupiterzeit hindurch und ist voll entwickelt erst um die Mitte der sechsten, der Venus-Epoche.

[ 6 ] Von der Mitte der atlantischen Zeit an kann das Christus-Prinzip erst in den ersten Keimanfängen wirken. Beim Menschen geschieht das durch die Anlage des ersten Ich-Keims. Die erste direkte, wirkliche Einwirkung geschah in unserer Zeit in der Offenbarung auf dem Sinai, wo der Christus sich unter dem Jahve- oder Jehova-Namen dem Moses offenbarte. Dann geschah die direkte Verbindung des Christus mit der Erde durch die Jordantaufe und die drei Jahre in den Leibern des Jesus von Nazareth. Der Christus-Impuls ist also zugleich mit dem Ich-Impuls in die Menschheit eingeflossen. Christus bedeutet daher das makrokosmische Ich.

[ 7 ] Die Weiterentwicklung des fünften, sechsten und siebenten Prinzips auf der Erde kann also nur wie eine Art Vorahnung innerlich möglich sein. Es kann dem Menschen kein höherer Leib als der mit dem vierten makrokosmischen Prinzip aufgebaute physische Leib gegeben werden. Erst auf dem Jupiter erhalten wir den fünften und auf der Venus den sechsten Leib und so weiter. Es besteht daher gegenüber der griechisch-lateinischen Zeit im Menschen jetzt etwas wie ein innerer Widerspruch zwischen Geist, Seele und Leib, der immer mehr fühlbar werden wird, je weiter die Entwicklung fortschreitet. Diesen Widerspruch können namentlich sensitive Menschen heute schon spüren.

[ 8 ] Betrachten wir nun einmal von diesem Schema aus die Gegenwirkung der luziferischen Geister. Die luziferischen Geister entstammen ja einer höheren Hierarchie als der Mensch: der Hierarchie der Angeloi oder Engel, die aber mit ihrer Gesamtentwicklung auf dem Monde, wo sie ihre Menschheitsstufe durchmachten, nicht fertig geworden sind. Daher bleiben sie unfähig, nun in ihrer Weiterentwicklung den Anschluss an das vierte makrokosmische Prinzip zu finden. Dafür haben die luziferischen Geister aber auf dem Mond ihr viertes und fünftes Prinzip und so weiter schon sozusagen vorausahnend entwickelt, aber noch ohne das makrokosmische vierte Prinzip, ohne den Christus-Impuls, der ja noch nicht da war.

[ 9 ] Nehmen wir nun einmal die Entwicklung solcher luziferischer Geister, die es bis zum fünften Prinzip auf dem Monde gebracht haben. Diese wissen ja nichts über das vierte makrokosmische Prinzip hinaus, wissen also nichts vom Christus. Es ist das schwer in unserer Sprache auszudrücken. Man könnte etwa so sagen: Sie wenden sich wie höhnisch gegen die oberen Götter, die sich um die Entwicklung des Christus-Prinzips bemühen in der Menschheit, und rufen ihnen zu: Ihr könnt dem Menschen nur das vierte Prinzip geben; wir aber können ihm das fünfte Prinzip geben. - Das ist ja tatsächlich etwas Höheres, das sie, ebenso wie wir es jetzt in der fünften Wurzelrasse tun, wie vorausahnend mitgebracht haben. Es fehlt dem aber das makrokosmische vierte Prinzip, der Christus, von dem sie gar nichts wissen. Sie sind also schon in gewisser Weise wie frühreif, nehmen etwas voraus, aber nicht in Harmonie mit dem Kosmos. Die normale Entwicklung stellt daher den luziferischen Geistern gegenüber etwas «Einfacheres» vor, über das sie sich erhaben dünken. Und es werden Zeiten kommen, wo durch die Macht der höheren Prinzipien, des fünften oder gar sechsten Prinzips, die luziferischen Geister großen Einfluss auf die ihnen verfallende Menschheit haben werden.

[ 10 ] Können wir das nicht heute schon überall in seinen Anzeichen richtig empfinden? In Kunst und Wissenschaft und so weiter, überall tritt uns entgegen eine gewisse frühreife Höherentwicklung, der aber der innere Wahrheitskern, die Harmonie mit dem Ewigen zu fehlen scheint.

[ 11 ] Der Führer derjenigen Geister, die in dieser Weise sechs Prinzipien entwickelt haben, die also auf dem Monde bis dicht an die Vollendung herangekommen sind, ist der Antichrist, der dem Christus schon zum Verwechseln ähnlich sehen kann.

[ 12 ] Heute ist bereits der größte Teil der Menschheit diesem Einfluss der luziferischen Geister verfallen. Daher die Notwendigkeit, jetzt das zu fördern, was der Mensch auf der Erde nur als Innerliches empfangen kann durch die Meditation. Daher die Notwendigkeit der Theosophie.

[ 13 ] Zu Anfang unserer fünften Periode, also am Ende der griechischlateinischen Zeit, im dreizehnten Jahrhundert, war eine kurze Zeit lang die Menschheit ganz abgeschnitten vom hellscherischen Vermögen. Deshalb wurde damals eine große Konferenz der weisesten Menschen abgehalten, in dem Kollegium der Zwölf. Hiervon waren die ersten sieben die heiligen Rishis, von denen jeder je eine der sieben atlantischen Entwicklungsstufen in sich verkörpert hatte. Vier andere Weise hatten die ersten vier Unterrassen unserer Zeit: der Achte die indische, der Neunte die urpersische, der Zehnte die ägyptisch-chaldäische und der Elfte die griechisch-lateinische in sich verkörpert, der Zwölfte alles Folgende. Dann war unter ihnen ein Knabe, ein Dreizehnter, den nahmen sie in ihre Mitte und alle zwölf ließen in einer bestimmten Weise ihre Weisheit auf ihn einströmen. Der Körper des Knaben wurde dadurch ganz durchschimmernd. Er hatte schon längere Zeit gar keine Speise mehr zu sich genommen. Er lebte unter diesem mächtigen Einfluss nur kurze Zeit, konnte aber in dieser Zeit durch das, was er von allen gemeinsam aufgenommen hatte, der Lehrer dieser Zwölfe werden über die Dinge, die sie selber einzeln nicht umfassen konnten. Namentlich konnte er ihnen durch eigene Anschauung das paulinische Ereignis in höherem Sinne erklären. Er starb dann und wurde wiedergeboren im vierzehnten Jahrhundert als Christian Rosenkreutz. Er lebte dann hundert Jahre und ist seitdem nicht nur der Lehrer der zwölf Weisen, sondern der ganzen Menschheit. Er hat die Aufgabe, die Menschheit zu schützen gegen den luziferischen Einfluss.

[ 14 ] Diese luziferischen Einflüsse sind sehr groß und werden noch bedeutend wachsen. Aber man kann mit Recht von ihnen sagen: «Den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte.» Der luziferische Einfluss wird aber schon deutlicher werden in der nächsten Zeit.