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The Occult Significance of the Bhagavad Gita
GA 146

28 May 1913, Helsinki

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Erster Vortrag

Erster Vortrag

[ 1 ] Es ist etwas mehr als ein Jahr, daß ich hier an diesem Orte sprechen durfte über diejenigen Dinge, welche uns allen so tief im Herzen liegen, über diejenigen Dinge, von denen wir der Meinung sind, daß sie sich der menschlichen Erkenntnis in der Gegenwart einfügen müssen, weil von unserer Zeit an die menschlichen Seelen immer mehr und mehr fühlen werden, daß das Wissen um diese Dinge wirklich zu den Bedürfnissen, zu den tiefsten Sehnsuchten der Menschenseele gehört. Und mit einer tiefen Befriedigung begrüße ich Sie zum zweiten Male an diesem Orte, zugleich mit allen denjenigen, welche hier heraufgekommen sind, um in Ihrer Mitte zu zeigen, wie ihr Herz und ihre Seele mit unserer heiligen Sache über den ganzen Erdkreis hin verbunden sind.

[ 1 ] Es ist etwas mehr als ein Jahr, daß ich hier an diesem Orte sprechen durfte über diejenigen Dinge, welche uns allen so tief im Herzen liegen, über diejenigen Dinge, von denen wir der Meinung sind, daß sie sich der menschlichen Erkenntnis in der Gegenwart einfügen müssen, weil von unserer Zeit an die menschlichen Seelen immer mehr und mehr fühlen werden, daß das Wissen um diese Dinge wirklich zu den Bedürfnissen, zu den tiefsten Sehnsuchten der Menschenseele gehört. Und mit einer tiefen Befriedigung begrüße ich Sie zum zweiten Male an diesem Orte, zugleich mit allen denjenigen, welche hier heraufgekommen sind, um in Ihrer Mitte zu zeigen, wie ihr Herz und ihre Seele mit unserer heiligen Sache über den ganzen Erdkreis hin verbunden sind.

[ 2 ] Als ich das letzte Mal hier zu Ihnen sprechen durfte, da erhoben wir unseren geistigen Blick zu weiten Wanderungen in die Regionen des Weltenalls. Diesmal wird es unsere Aufgabe sein, mehr in den Regionen der irdischen Entwickelung uns aufzuhalten. Aber wir werden in solche Regionen uns zu vertiefen haben, welche uns nicht minder hinführen werden zu den Pforten der ewigen Offenbarung des Geistigen in der Welt. Wir werden über einen Gegenstand zu sprechen haben, der uns in der Zeit und in dem Raum scheinbar weit von dem Jetzt und von dem Hier hinwegführen wird, der uns aber darum nicht minder zu demjenigen führen wird, das im Jetzt und im Hier ebenso lebt wie in allen Zeiten und in allen Räumen, der uns führen wird in intimer Weise zu den Geheimnissen des Ewigen in allem Sein, der uns führen wird zu dem unaufhörlichen menschlichen Suchen nach den Quellen der Ewigkeit, nach denjenigen Quellen, innerhalb welcher auch der Heilsaft zu finden ist für alles, was die Menschen, seit sie Verständnis dafür gewonnen haben, die allgewaltige Liebe nennen. Denn wo wir auch versammelt sind, da sind wir versammelt im Namen des Strebens nach Weisheit und des Strebens nach Liebe, da sind wir versammelt in der Sehnsucht nach den Quellen dieser Liebe. Und dasjenige, was ausgebreitet ist und betrachtet werden kann im weiten Umkreis des ganzen kosmischen Alls, das kann auch betrachtet werden in der ringenden Menschenseele allüberall. Und das tritt uns dann ganz besonders entgegen, wenn wir den Blick hinwenden zu einer jener gewaltigen Kundgebungen dieses ringenden Menschengeistes, wie sie gegeben sind in solchen Leistungen menschlichen Lebens, von denen wir eine zugrunde legen den gegenwärtigen Betrachtungen. Sprechen wollen wir von einer der größten, der eindringlichsten Kundgebungen des menschlichen Geistes, von der uralten, aber in ihren Grundlagen gerade in unserer Zeit sich uns von erneuter Wichtigkeit erweisenden Bhagavad Gita.

[ 2 ] Als ich das letzte Mal hier zu Ihnen sprechen durfte, da erhoben wir unseren geistigen Blick zu weiten Wanderungen in die Regionen des Weltenalls. Diesmal wird es unsere Aufgabe sein, mehr in den Regionen der irdischen Entwickelung uns aufzuhalten. Aber wir werden in solche Regionen uns zu vertiefen haben, welche uns nicht minder hinführen werden zu den Pforten der ewigen Offenbarung des Geistigen in der Welt. Wir werden über einen Gegenstand zu sprechen haben, der uns in der Zeit und in dem Raum scheinbar weit von dem Jetzt und von dem Hier hinwegführen wird, der uns aber darum nicht minder zu demjenigen führen wird, das im Jetzt und im Hier ebenso lebt wie in allen Zeiten und in allen Räumen, der uns führen wird in intimer Weise zu den Geheimnissen des Ewigen in allem Sein, der uns führen wird zu dem unaufhörlichen menschlichen Suchen nach den Quellen der Ewigkeit, nach denjenigen Quellen, innerhalb welcher auch der Heilsaft zu finden ist für alles, was die Menschen, seit sie Verständnis dafür gewonnen haben, die allgewaltige Liebe nennen. Denn wo wir auch versammelt sind, da sind wir versammelt im Namen des Strebens nach Weisheit und des Strebens nach Liebe, da sind wir versammelt in der Sehnsucht nach den Quellen dieser Liebe. Und dasjenige, was ausgebreitet ist und betrachtet werden kann im weiten Umkreis des ganzen kosmischen Alls, das kann auch betrachtet werden in der ringenden Menschenseele allüberall. Und das tritt uns dann ganz besonders entgegen, wenn wir den Blick hinwenden zu einer jener gewaltigen Kundgebungen dieses ringenden Menschengeistes, wie sie gegeben sind in solchen Leistungen menschlichen Lebens, von denen wir eine zugrunde legen den gegenwärtigen Betrachtungen. Sprechen wollen wir von einer der größten, der eindringlichsten Kundgebungen des menschlichen Geistes, von der uralten, aber in ihren Grundlagen gerade in unserer Zeit sich uns von erneuter Wichtigkeit erweisenden Bhagavad Gita.

[ 3 ] Es ist noch nicht lange her, da haben die Völker Europas, die Völker des Westens überhaupt, noch wenig gewußt von dieser Bhagavad Gita. Erst heute, ein Jahrhundert lang, verbreitet sich im Westen der Ruhm dieser wunderbaren Dichtung und die Kenntnis dieses wunderbaren Sanges. Aber gerade das soll der Gegenstand dieses unseres Vortragszyklus diesmal sein, daß die Erkenntnis — nicht die bloße Kenntnis —, daß die Erkenntnis der wundervollen morgenländischen Gita im Grunde erst wird kommen können, wenn die Grundlagen dieses herrlichen Sanges sich immer mehr und mehr den Menschenseelen enthüllen werden, diejenigen Grundlagen, welche man die okkulten Grundlagen desselben nennen kann. Denn entsprungen ist dasjenige, was uns in der Bhagavad Gita entgegentritt, noch einem Zeitalter, von dem wir im Zusammenhange unserer geisteswissenschaftlichen Betrachtungen öfter schon gesprochen haben, entsprungen sind die gewaltigen Empfindungen, Gefühle und Ideen der Bhagavad Gita einem Zeitalter, in das noch hereingeleuchtet haben die Kundgebungen alten menschlichen Hellsehertums. Für denjenigen, der empfinden will, was Seite für Seite die Bhagavad Gita aushaucht, wenn sie zu uns spricht, für den gibt sich auch Seite für Seite etwas kund wie ein Hauch uralten Hellsehertums der Menschheit.

[ 3 ] Es ist noch nicht lange her, da haben die Völker Europas, die Völker des Westens überhaupt, noch wenig gewußt von dieser Bhagavad Gita. Erst heute, ein Jahrhundert lang, verbreitet sich im Westen der Ruhm dieser wunderbaren Dichtung und die Kenntnis dieses wunderbaren Sanges. Aber gerade das soll der Gegenstand dieses unseres Vortragszyklus diesmal sein, daß die Erkenntnis — nicht die bloße Kenntnis —, daß die Erkenntnis der wundervollen morgenländischen Gita im Grunde erst wird kommen können, wenn die Grundlagen dieses herrlichen Sanges sich immer mehr und mehr den Menschenseelen enthüllen werden, diejenigen Grundlagen, welche man die okkulten Grundlagen desselben nennen kann. Denn entsprungen ist dasjenige, was uns in der Bhagavad Gita entgegentritt, noch einem Zeitalter, von dem wir im Zusammenhange unserer geisteswissenschaftlichen Betrachtungen öfter schon gesprochen haben, entsprungen sind die gewaltigen Empfindungen, Gefühle und Ideen der Bhagavad Gita einem Zeitalter, in das noch hereingeleuchtet haben die Kundgebungen alten menschlichen Hellsehertums. Für denjenigen, der empfinden will, was Seite für Seite die Bhagavad Gita aushaucht, wenn sie zu uns spricht, für den gibt sich auch Seite für Seite etwas kund wie ein Hauch uralten Hellsehertums der Menschheit.

[ 4 ] Es war die erste Bekanntschaft der westlichen Welt mit der Bhagavad Gita in einem Zeitalter gekommen, in dem diese westliche Welt nur mehr geringes Verständnis hatte für die ursprünglichsten ersten hellsichtigen Quellen dieser Bhagavad Gita. Dennoch schlug dieses hohe Lied der Gottheit oder, besser gesagt, von dem Göttlichen, wie ein Blitz in diese abendländische Welt ein, so daß ein Mann Mitteleuropas dazumal, als er zuerst bekannt wurde mit dem wunderbaren morgenländischen Sang, unumwunden aussprach, er müsse sich glücklich preisen, noch den Zeitpunkt erlebt zu haben, an dem er hat bekannt werden können mit jenem Wunderbaren, das in der Bhagavad Gita ausgesprochen ist. Und dieser Mann war nicht einer, der unbekannt war mit dem Geistesleben der Menschheit in den Jahrhunderten, ja Jahrtausenden; dieser Mann war einer, der tief hineingeschaut hat in das Geistesleben der Völker: es war Wilhelm von Humboldt, der Bruder des berühmten Kosmos-Schreibers Humboldt. Auch andere Angehörige des Abendlandes, Menschen der verschiedensten Sprachgebiete, sie alle haben ähnlich empfunden. Wie bedeutsam aber wirkt doch dieses Empfinden, wenn man — es sei dieses einmal von dieser Seite her erwähnt — die Bhagavad Gita zunächst in ihren ersten Gesängen auf sich wirken läßt.

[ 4 ] Es war die erste Bekanntschaft der westlichen Welt mit der Bhagavad Gita in einem Zeitalter gekommen, in dem diese westliche Welt nur mehr geringes Verständnis hatte für die ursprünglichsten ersten hellsichtigen Quellen dieser Bhagavad Gita. Dennoch schlug dieses hohe Lied der Gottheit oder, besser gesagt, von dem Göttlichen, wie ein Blitz in diese abendländische Welt ein, so daß ein Mann Mitteleuropas dazumal, als er zuerst bekannt wurde mit dem wunderbaren morgenländischen Sang, unumwunden aussprach, er müsse sich glücklich preisen, noch den Zeitpunkt erlebt zu haben, an dem er hat bekannt werden können mit jenem Wunderbaren, das in der Bhagavad Gita ausgesprochen ist. Und dieser Mann war nicht einer, der unbekannt war mit dem Geistesleben der Menschheit in den Jahrhunderten, ja Jahrtausenden; dieser Mann war einer, der tief hineingeschaut hat in das Geistesleben der Völker: es war Wilhelm von Humboldt, der Bruder des berühmten Kosmos-Schreibers Humboldt. Auch andere Angehörige des Abendlandes, Menschen der verschiedensten Sprachgebiete, sie alle haben ähnlich empfunden. Wie bedeutsam aber wirkt doch dieses Empfinden, wenn man — es sei dieses einmal von dieser Seite her erwähnt — die Bhagavad Gita zunächst in ihren ersten Gesängen auf sich wirken läßt.

[ 5 ] Man muß vielleicht gerade in unserem Kreise doch wohl oft sich erst zur vollen Unbefangenheit durcharbeiten, weil ja, trotzdem die Bhagavad Gita im Abendlande seit so kurzer Zeit bekannt ist, der heilige Sturm, mit dem sie die Seelen ergriffen hat, so gewirkt hat, daß man von vornherein an sie herangeht mit dem Gefühl, etwas wie ein Heiliges vor sich zu haben und sich nicht mehr ganz klar macht, wovon eigentlich der Ausgangspunkt genommen wird. Es sei einmal, vielleicht sogar etwas grotesk nüchtern, zunächst dieser Ausgangspunkt vor unsere Seele hingestellt.

[ 5 ] Man muß vielleicht gerade in unserem Kreise doch wohl oft sich erst zur vollen Unbefangenheit durcharbeiten, weil ja, trotzdem die Bhagavad Gita im Abendlande seit so kurzer Zeit bekannt ist, der heilige Sturm, mit dem sie die Seelen ergriffen hat, so gewirkt hat, daß man von vornherein an sie herangeht mit dem Gefühl, etwas wie ein Heiliges vor sich zu haben und sich nicht mehr ganz klar macht, wovon eigentlich der Ausgangspunkt genommen wird. Es sei einmal, vielleicht sogar etwas grotesk nüchtern, zunächst dieser Ausgangspunkt vor unsere Seele hingestellt.

[ 6 ] Ein Gedicht stellt sich vor uns hin, das uns von den ersten Seiten an in den wildesten, stürmischsten Kampf hineinversetzt. Wir werden auf einen Schauplatz geführt, der kaum weniger wild als derjenige ist, in den uns Homer in der Ilias sogleich hineinversetzt. Ja, wir verfolgen weiter, wie dieser Schauplatz uns darstellt etwas, was eine der wichtigsten Persönlichkeiten, die da auftreten, ja vielleicht die wichtigste sogar, als einen Bruderkampf von vornherein empfindet, Arjuna. Vor uns tritt auf dieser Arjuna wie einer, dem vor dem Kampfe graut, denn er sieht drüben unter den Feinden seine Blutsverwandten. Der Bogen entsinkt ihm, indem er sich klar darüber wird, daß er eintreten soll in einen Kampf, in einen mörderischen Kampf mit Menschen, die abstammen von denselben Ahnen, von denen er sich selber herleitet, durch deren Adern das gleiche Blut fließt, wie es in den seinigen rinnt. Und wir fangen fast an mitzufühlen mit diesem Sinkenlassen des Bogens, mit diesem Zurückbeben vor dem furchtbaren Bruderkampf. Und aufsteigt vor unserem Blick der große geistige Lehrer dieses Arjuna, Krishna. Und eine großartige, eine erhabene Lehre wird uns von Krishna in den wundervollsten Farben so vorgeführt, daß dies alles als ein spiritueller Unterricht an Arjuna erscheint, der sein Schüler ist. Aber worauf will das alles zuletzt heraus? Das ist es, was man sich im Grunde genommen erst einmal nüchtern vor Augen führen muß, was man nicht übersehen darf. Worauf will das eigentlich heraus? Ja, es genügt eben nicht, wenn man bloß sich einläßt auf die große, heilig erscheinende Lehre, die Krishna dem Arjuna gibt. Auch die Umstände, in denen sie gegeben wird, müssen ins Auge gefaßt werden. Ins Auge müssen wir fassen, in welcher Situation Krishna den Arjuna auffordert, im Bruderkampf nicht zu bangen, aufzunehmen den Bogen und mit voller Kraft sich hineinzustürzen in den verheerenden Kampf. Das muß man sich auch vor Augen führen. Wie eine zunächst unverständliche geistige Lichtwolke tauchen mitten im Kampfe Krishnas Lehren auf, und sie gelten der Aufforderung, nicht zurückzubeben in diesem Kampfe, sondern darinnen zu stehen, die Pflicht zu tun in diesem Kampfe. Wenn man dies sich vor Augen führt, so verwandelt sich fast diese Lehre gewissermaßen durch den Rahmen. Aber dieser Rahmen führt ja weiter hinaus in das ganze Gewebe des «Mahabharata», des großen, gewaltigen Sanges, von dem wiederum die Bhagavad Gita ein Teil ist. Es führt uns die Lehre Krishnas heraus in die Stürme der Alltäglichkeit, in die wirren Stürme menschlicher Kämpfe, menschlichen Irrtums, irdischen Streites. Es erscheint uns fast diese Lehre wie eine Rechtfertigung dieser Stürme der menschlichen Kämpfe. Wenn wir dieses uns zunächst gewissermaßen nüchtern vor Augen führen, entstehen vielleicht doch noch ganz andere Fragen gegenüber der Bhagavad Gita, als diejenigen sind, die dann entstehen, wenn man in mancherlei, dem man ein Verständnis glaubt entgegenbringen zu können, etwas findet wie bei den gewöhnlichen menschlichen Werken. Und vielleicht ist es nötig hinzuweisen auf jenen Rahmen der Bhagavad Gita, um wirklich die welthistorische Bedeutung dieses grandiosen Sanges vor Augen führen zu können, und dann aufmerksam machen zu können auf dasjenige, wodurch uns die Bhagavad Gita immer mehr und mehr gerade in der Gegenwart von ganz besonderer Wichtigkeit werden kann.

[ 6 ] Ein Gedicht stellt sich vor uns hin, das uns von den ersten Seiten an in den wildesten, stürmischsten Kampf hineinversetzt. Wir werden auf einen Schauplatz geführt, der kaum weniger wild als derjenige ist, in den uns Homer in der Ilias sogleich hineinversetzt. Ja, wir verfolgen weiter, wie dieser Schauplatz uns darstellt etwas, was eine der wichtigsten Persönlichkeiten, die da auftreten, ja vielleicht die wichtigste sogar, als einen Bruderkampf von vornherein empfindet, Arjuna. Vor uns tritt auf dieser Arjuna wie einer, dem vor dem Kampfe graut, denn er sieht drüben unter den Feinden seine Blutsverwandten. Der Bogen entsinkt ihm, indem er sich klar darüber wird, daß er eintreten soll in einen Kampf, in einen mörderischen Kampf mit Menschen, die abstammen von denselben Ahnen, von denen er sich selber herleitet, durch deren Adern das gleiche Blut fließt, wie es in den seinigen rinnt. Und wir fangen fast an mitzufühlen mit diesem Sinkenlassen des Bogens, mit diesem Zurückbeben vor dem furchtbaren Bruderkampf. Und aufsteigt vor unserem Blick der große geistige Lehrer dieses Arjuna, Krishna. Und eine großartige, eine erhabene Lehre wird uns von Krishna in den wundervollsten Farben so vorgeführt, daß dies alles als ein spiritueller Unterricht an Arjuna erscheint, der sein Schüler ist. Aber worauf will das alles zuletzt heraus? Das ist es, was man sich im Grunde genommen erst einmal nüchtern vor Augen führen muß, was man nicht übersehen darf. Worauf will das eigentlich heraus? Ja, es genügt eben nicht, wenn man bloß sich einläßt auf die große, heilig erscheinende Lehre, die Krishna dem Arjuna gibt. Auch die Umstände, in denen sie gegeben wird, müssen ins Auge gefaßt werden. Ins Auge müssen wir fassen, in welcher Situation Krishna den Arjuna auffordert, im Bruderkampf nicht zu bangen, aufzunehmen den Bogen und mit voller Kraft sich hineinzustürzen in den verheerenden Kampf. Das muß man sich auch vor Augen führen. Wie eine zunächst unverständliche geistige Lichtwolke tauchen mitten im Kampfe Krishnas Lehren auf, und sie gelten der Aufforderung, nicht zurückzubeben in diesem Kampfe, sondern darinnen zu stehen, die Pflicht zu tun in diesem Kampfe. Wenn man dies sich vor Augen führt, so verwandelt sich fast diese Lehre gewissermaßen durch den Rahmen. Aber dieser Rahmen führt ja weiter hinaus in das ganze Gewebe des «Mahabharata», des großen, gewaltigen Sanges, von dem wiederum die Bhagavad Gita ein Teil ist. Es führt uns die Lehre Krishnas heraus in die Stürme der Alltäglichkeit, in die wirren Stürme menschlicher Kämpfe, menschlichen Irrtums, irdischen Streites. Es erscheint uns fast diese Lehre wie eine Rechtfertigung dieser Stürme der menschlichen Kämpfe. Wenn wir dieses uns zunächst gewissermaßen nüchtern vor Augen führen, entstehen vielleicht doch noch ganz andere Fragen gegenüber der Bhagavad Gita, als diejenigen sind, die dann entstehen, wenn man in mancherlei, dem man ein Verständnis glaubt entgegenbringen zu können, etwas findet wie bei den gewöhnlichen menschlichen Werken. Und vielleicht ist es nötig hinzuweisen auf jenen Rahmen der Bhagavad Gita, um wirklich die welthistorische Bedeutung dieses grandiosen Sanges vor Augen führen zu können, und dann aufmerksam machen zu können auf dasjenige, wodurch uns die Bhagavad Gita immer mehr und mehr gerade in der Gegenwart von ganz besonderer Wichtigkeit werden kann.

[ 7 ] Ich sagte schon: wie etwas völlig Neues kam in die westliche Welt die Bhagavad Gita hinein, fast auch wie völlig neu dasjenige, was an Gefühlen, Empfindungen und Gedanken der Bhagavad Gita zugrunde liegt. Was kannte denn im Grunde genommen das, was westländische Kultur ist, von morgenländischer Kultur bis in diese Zeit herein, in welche die Bekanntschaft mit der Bhagavad Gita fiel? Abgesehen von mancherlei gerade in dem letzten Jahrhundert bekannt gewordenen, sehr wenig! Abgesehen von gewissen geheim gebliebenen Bestrebungen, kannte die westliche Kultur gerade das nicht unmittelbar in seiner Bedeutung, was als Grundnerv, als wichtigster Impuls die ganze Bhagavad Gita durchzieht. Wenn man herankommt an solche Dinge wie die Bhagavad Gita, dann fühlt man, wie wenig eigentlich menschliche Sprache, menschliche Philosophie, menschliche Ideen, die dem Alltag gelten und ihn beherrschen und für ihn ja auch genügen, wie wenig dieselben ausreichend sind, um zu charakterisieren solche Spitzen, solche Gipfelpunkte des menschlichen Geisteslebens auf der Erde. Man braucht ja noch etwas ganz anderes als die gewöhnlichen Schilderungen, um das zum Ausdruck zu bringen, was uns entgegenleuchtet aus einer solchen Offenbarung des menschlichen Geistes.

[ 7 ] Ich sagte schon: wie etwas völlig Neues kam in die westliche Welt die Bhagavad Gita hinein, fast auch wie völlig neu dasjenige, was an Gefühlen, Empfindungen und Gedanken der Bhagavad Gita zugrunde liegt. Was kannte denn im Grunde genommen das, was westländische Kultur ist, von morgenländischer Kultur bis in diese Zeit herein, in welche die Bekanntschaft mit der Bhagavad Gita fiel? Abgesehen von mancherlei gerade in dem letzten Jahrhundert bekannt gewordenen, sehr wenig! Abgesehen von gewissen geheim gebliebenen Bestrebungen, kannte die westliche Kultur gerade das nicht unmittelbar in seiner Bedeutung, was als Grundnerv, als wichtigster Impuls die ganze Bhagavad Gita durchzieht. Wenn man herankommt an solche Dinge wie die Bhagavad Gita, dann fühlt man, wie wenig eigentlich menschliche Sprache, menschliche Philosophie, menschliche Ideen, die dem Alltag gelten und ihn beherrschen und für ihn ja auch genügen, wie wenig dieselben ausreichend sind, um zu charakterisieren solche Spitzen, solche Gipfelpunkte des menschlichen Geisteslebens auf der Erde. Man braucht ja noch etwas ganz anderes als die gewöhnlichen Schilderungen, um das zum Ausdruck zu bringen, was uns entgegenleuchtet aus einer solchen Offenbarung des menschlichen Geistes.

[ 8 ] Zwei Bilder möchte ich, damit sie eine Unterlage bilden für die weiteren Schilderungen, zunächst vor unsere Seelen hinstellen. Das eine Bild aus der Bhagavad Gita selber, das andere aus dem westländischen Geistesleben, und zwar so, daß es diesem westländischen Geistesleben verhältnismäßig nahe liegt, während das Bild, das wir aus der Bhagavad Gita selber nehmen wollen, vorläufig dem abendländischen Geistesleben recht fern zu liegen scheint. Jetzt sei ein Bild vor unsere Seele zunächst hingestellt, das wir in der Bhagavad Gita selber finden: So verläuft ja der große erhabene Gesang, daß uns geschildert wird, wie mitten in der Schlacht Krishna auftaucht und Weltengeheimnisse, gewaltige, große Lehren vor seinem Schüler Arjuna enthüllt. Dann überkommt diesen Schüler der Drang, gestaltenhaft, geistig gestaltet, diese Seele zu sehen, denjenigen wirklich zu erkennen, der so Erhabenes zu ihm spricht. Er bittet den Krishna, er möge sich ihm zeigen, so wie er sich ihm zeigen kann in seiner wahren Geistgestalt. Und da erscheint ihm denn Krishna und wir werden noch auf diese Schilderung zurückkommen —, da erscheint er in seiner Gestalt, die alles umfaßt, eine große, erhabene, herrliche Schönheit, eine Erhabenheit, die Weltgeheimnisse darstellt. Wir werden sehen, daß es weniges gibt auf der Welt, das herrlich ist gleich dieser Schilderung, wie sich die erhabene Geistgestalt des Lehrers dem Seherauge seines Schülers offenbart. Ausbreitet sich vor dem Auge Arjunas das wüste, wirre Kampfesfeld, auf dem viel Blut fließen soll, auf dem der Bruderkampf sich entwickeln soll. Entrückt soll werden von diesem wüsten, wirren Kampfesfeld die Seele des Schülers des Krishna, und erblicken soll die Seele dieses Schülers eine Welt, eintauchen soll sie in eine Welt, in der Krishna in seiner wahren Gestalt lebt, die entrückt ist allem Kampf, allem Streit, eine Welt hehrster, erhabenster Seligkeit, eine Welt, in der sich enthüllen die Geheimnisse des Daseins, eine Welt, entrückt der Alltäglichkeit, dem Kampf und Streit, eine Welt, der die Menschenseele ihrer innersten, eigensten Wesenheit nach eigentlich aber angehört. Von dieser Welt soll die Menschenseele wissen, wissen lernen soll sie von dieser Welt, und dann soll es ihr möglich werden, wiederum herabzusteigen, wieder einzugreifen in die wirren, wüsten Kämpfe der diesseitigen Welt. Wahrhaftig, wenn wir fühlend der Schilderung dieses Bildes folgen, dann sagen wir uns: Was geht denn eigentlich vor in der Seele des Arjuna? Wie ist sie denn, diese Seele? Sie steht mitten im Kampfgewühl, und zwar so, wie wenn dieses Kampfgewühl ihr aufgedrängt wäre. So fühlt sich diese Seele wie verwandt mit einer seligen Welt, in der es nicht gibt menschliches Leiden, menschlichen Kampf, menschliches Sterben. So sehnt sich diese Arjunaseele herauf in eine Welt des Ewigen, des Seligen. Aber mit einer Notwendigkeit, die sich nur ergeben kann aus dem Impuls des erhabenen Krishna, muß diese Seele niedergezwungen werden zu dem wüsten, wirren, alltäglichen Kampf. Sie will den Blick abwenden von diesem wirren, wüsten Kampf. Wie ein Fremdes, wie ein ihr ganz und gar nicht Verwandtes, so erscheint das Leben der Erde, wie es ringsherum ist, für diese Arjunaseele. Wir fühlen förmlich: Diese Seele ist noch eine solche, die sich in die oberen Welten hinaufsehnt, als ob sie mit den Göttern noch leben wollte, und das Leben der Menschen noch wie ein Fremdes, ein Unverwandtes, ein Unverständliches empfindet. Wahrhaftig, ein wunderbares Bild, das größte und erhabenste Momente enthält: ein Held, Arjuna, umgeben von anderen Helden, von Kämpferscharen, ein Held, der alles, was sich ihm vor Augen ausbreitet, wie ein Fremdes, Jenseitiges, Unverwandtes empfindet, der erst hingewiesen werden muß auf diese Welt durch einen Gott, und der nicht versteht die diesseitige Welt, ohne daß ein Gott sie ihm verständlich macht, Krishna.

[ 8 ] Zwei Bilder möchte ich, damit sie eine Unterlage bilden für die weiteren Schilderungen, zunächst vor unsere Seelen hinstellen. Das eine Bild aus der Bhagavad Gita selber, das andere aus dem westländischen Geistesleben, und zwar so, daß es diesem westländischen Geistesleben verhältnismäßig nahe liegt, während das Bild, das wir aus der Bhagavad Gita selber nehmen wollen, vorläufig dem abendländischen Geistesleben recht fern zu liegen scheint. Jetzt sei ein Bild vor unsere Seele zunächst hingestellt, das wir in der Bhagavad Gita selber finden: So verläuft ja der große erhabene Gesang, daß uns geschildert wird, wie mitten in der Schlacht Krishna auftaucht und Weltengeheimnisse, gewaltige, große Lehren vor seinem Schüler Arjuna enthüllt. Dann überkommt diesen Schüler der Drang, gestaltenhaft, geistig gestaltet, diese Seele zu sehen, denjenigen wirklich zu erkennen, der so Erhabenes zu ihm spricht. Er bittet den Krishna, er möge sich ihm zeigen, so wie er sich ihm zeigen kann in seiner wahren Geistgestalt. Und da erscheint ihm denn Krishna und wir werden noch auf diese Schilderung zurückkommen —, da erscheint er in seiner Gestalt, die alles umfaßt, eine große, erhabene, herrliche Schönheit, eine Erhabenheit, die Weltgeheimnisse darstellt. Wir werden sehen, daß es weniges gibt auf der Welt, das herrlich ist gleich dieser Schilderung, wie sich die erhabene Geistgestalt des Lehrers dem Seherauge seines Schülers offenbart. Ausbreitet sich vor dem Auge Arjunas das wüste, wirre Kampfesfeld, auf dem viel Blut fließen soll, auf dem der Bruderkampf sich entwickeln soll. Entrückt soll werden von diesem wüsten, wirren Kampfesfeld die Seele des Schülers des Krishna, und erblicken soll die Seele dieses Schülers eine Welt, eintauchen soll sie in eine Welt, in der Krishna in seiner wahren Gestalt lebt, die entrückt ist allem Kampf, allem Streit, eine Welt hehrster, erhabenster Seligkeit, eine Welt, in der sich enthüllen die Geheimnisse des Daseins, eine Welt, entrückt der Alltäglichkeit, dem Kampf und Streit, eine Welt, der die Menschenseele ihrer innersten, eigensten Wesenheit nach eigentlich aber angehört. Von dieser Welt soll die Menschenseele wissen, wissen lernen soll sie von dieser Welt, und dann soll es ihr möglich werden, wiederum herabzusteigen, wieder einzugreifen in die wirren, wüsten Kämpfe der diesseitigen Welt. Wahrhaftig, wenn wir fühlend der Schilderung dieses Bildes folgen, dann sagen wir uns: Was geht denn eigentlich vor in der Seele des Arjuna? Wie ist sie denn, diese Seele? Sie steht mitten im Kampfgewühl, und zwar so, wie wenn dieses Kampfgewühl ihr aufgedrängt wäre. So fühlt sich diese Seele wie verwandt mit einer seligen Welt, in der es nicht gibt menschliches Leiden, menschlichen Kampf, menschliches Sterben. So sehnt sich diese Arjunaseele herauf in eine Welt des Ewigen, des Seligen. Aber mit einer Notwendigkeit, die sich nur ergeben kann aus dem Impuls des erhabenen Krishna, muß diese Seele niedergezwungen werden zu dem wüsten, wirren, alltäglichen Kampf. Sie will den Blick abwenden von diesem wirren, wüsten Kampf. Wie ein Fremdes, wie ein ihr ganz und gar nicht Verwandtes, so erscheint das Leben der Erde, wie es ringsherum ist, für diese Arjunaseele. Wir fühlen förmlich: Diese Seele ist noch eine solche, die sich in die oberen Welten hinaufsehnt, als ob sie mit den Göttern noch leben wollte, und das Leben der Menschen noch wie ein Fremdes, ein Unverwandtes, ein Unverständliches empfindet. Wahrhaftig, ein wunderbares Bild, das größte und erhabenste Momente enthält: ein Held, Arjuna, umgeben von anderen Helden, von Kämpferscharen, ein Held, der alles, was sich ihm vor Augen ausbreitet, wie ein Fremdes, Jenseitiges, Unverwandtes empfindet, der erst hingewiesen werden muß auf diese Welt durch einen Gott, und der nicht versteht die diesseitige Welt, ohne daß ein Gott sie ihm verständlich macht, Krishna.

[ 9 ] Scheinbar recht paradox mag es klingen, aber ich weiß doch, daß diejenigen, die tiefer auf die Sache eingehen können, es verstehen werden, wenn ich das Folgende sage. Arjuna steht da vor uns wie eine Menschenseele, der erst verständlich gemacht werden soll das Diesseits der Welt, das Irdische der Welt. Und nun sollte die Bhagavad Gita in den westlichen Kulturländern wirken auf Menschen, die sehr wohl ein Verständnis haben für alles Irdische, die es im Materialismus so weit gebracht haben, daß sie ein sehr gutes Verständnis haben für alles Irdische, für alles Materielle. Verständlich werden sollte die Bhagavad Gita für Seelen, die durch eine tiefe Kluft geschieden sind von alle dem, was sich bei einer wahrhaftigen Betrachtung als die Arjunaseele darstellt. Alles das, wozu die Arjunaseele, die durch Krishna erst herangebändigt werden muß zum Irdischen, keinen Trieb zeigt, das scheint den Abendländern sehr verständlich zu sein. Die Schwierigkeit scheint darin zu liegen, sich zu erheben zu der Arjunaseele, zu jener Seele, der erst Verständnis beigebracht werden soll für alles das, wozu in den westlichen Ländern sehr viel Verständnis vorhanden ist: für das Sinnliche, für das Materiell-Irdische. Ein Gott, Krishna, muß dem Arjuna ein Verständnis beibringen für alles dasjenige, was uns als unsere Kultur umgibt. Wie leicht wird es in unserer Zeit, dem Menschen Verständnis beizubringen für dasjenige, was ihn umgibt. Dazu bedarf es keines Krishna. Man tut gut daran, einmal klar den Blick hinzuwenden auf die Abgründe, welche zwischen menschlichen Naturen liegen können, und nicht allzuleicht das Verständnis zu nehmen, das eine abendländische Seele gewinnen kann für eine Natur, wie sie Krishna oder Arjuna ist. Arjuna ist ein Mensch, aber ein so ganz anderer als die Menschen, die in der abendländischen Kultur nach und nach sich herangebildet haben.

[ 9 ] Scheinbar recht paradox mag es klingen, aber ich weiß doch, daß diejenigen, die tiefer auf die Sache eingehen können, es verstehen werden, wenn ich das Folgende sage. Arjuna steht da vor uns wie eine Menschenseele, der erst verständlich gemacht werden soll das Diesseits der Welt, das Irdische der Welt. Und nun sollte die Bhagavad Gita in den westlichen Kulturländern wirken auf Menschen, die sehr wohl ein Verständnis haben für alles Irdische, die es im Materialismus so weit gebracht haben, daß sie ein sehr gutes Verständnis haben für alles Irdische, für alles Materielle. Verständlich werden sollte die Bhagavad Gita für Seelen, die durch eine tiefe Kluft geschieden sind von alle dem, was sich bei einer wahrhaftigen Betrachtung als die Arjunaseele darstellt. Alles das, wozu die Arjunaseele, die durch Krishna erst herangebändigt werden muß zum Irdischen, keinen Trieb zeigt, das scheint den Abendländern sehr verständlich zu sein. Die Schwierigkeit scheint darin zu liegen, sich zu erheben zu der Arjunaseele, zu jener Seele, der erst Verständnis beigebracht werden soll für alles das, wozu in den westlichen Ländern sehr viel Verständnis vorhanden ist: für das Sinnliche, für das Materiell-Irdische. Ein Gott, Krishna, muß dem Arjuna ein Verständnis beibringen für alles dasjenige, was uns als unsere Kultur umgibt. Wie leicht wird es in unserer Zeit, dem Menschen Verständnis beizubringen für dasjenige, was ihn umgibt. Dazu bedarf es keines Krishna. Man tut gut daran, einmal klar den Blick hinzuwenden auf die Abgründe, welche zwischen menschlichen Naturen liegen können, und nicht allzuleicht das Verständnis zu nehmen, das eine abendländische Seele gewinnen kann für eine Natur, wie sie Krishna oder Arjuna ist. Arjuna ist ein Mensch, aber ein so ganz anderer als die Menschen, die in der abendländischen Kultur nach und nach sich herangebildet haben.

[ 10 ] Das ist das eine Bild, von dem ich sprechen will, denn Worte können nur wenig in diese Dinge hineinführen. Bilder, die wir erfassen wollen mit unseren Seelen, können das mehr, da sie nicht nur zum Verständnis sprechen, sondern zu dem, was ewig auf der Erde tiefer sein wird als alles Verständnis, zu der Empfindung und dem Gefühl.

[ 10 ] Das ist das eine Bild, von dem ich sprechen will, denn Worte können nur wenig in diese Dinge hineinführen. Bilder, die wir erfassen wollen mit unseren Seelen, können das mehr, da sie nicht nur zum Verständnis sprechen, sondern zu dem, was ewig auf der Erde tiefer sein wird als alles Verständnis, zu der Empfindung und dem Gefühl.

[ 11 ] Nun möchte ich ein anderes Bild hinstellen vor unsere Seelen, ein Bild, von dem ich nicht sagen will, daß es weniger erhaben sei als dieses Bild der Bhagavad Gita, das aber unendlich viel näher steht demjenigen, was westländische Kultur ist. Da gibt es ein erhabenes Bild, ein schönes, poetisches Bild, von dem der Westländer sogar weiß, und das für ihn viel bedeutet. Was meine ich damit eigentlich? Ein Bild habe ich hingestellt: die Erscheinung des Krishna vor dem Arjuna. Fragen wir nun: Wieviel in der westländischen Entwickelung stehende Menschen glauben an die Wirklichkeit dieses Bildes, glauben, daß einmal dieser Krishna vor Arjuna erschien und so gesprochen hat? Fragen wir einmal, wieviel westländische Seelen an die Wirklichkeit dieses Bildes glauben. — Allerdings stehen wir am Ausgangspunkte einer Weltanschauung, die es dahin bringen wird, daß das nicht nur ein Glaube, sondern ein Wissen sein wird. Aber wir stehen eben am Ausgangspunkte dieser Weltanschauung, am Ausgangspunkte der anthroposophischen Weltanschauung. Das andere Bild steht uns viel näher. Es liegt wirklich in ihm etwas, für das die westländische Kultur einen Sinn hat.

[ 11 ] Nun möchte ich ein anderes Bild hinstellen vor unsere Seelen, ein Bild, von dem ich nicht sagen will, daß es weniger erhaben sei als dieses Bild der Bhagavad Gita, das aber unendlich viel näher steht demjenigen, was westländische Kultur ist. Da gibt es ein erhabenes Bild, ein schönes, poetisches Bild, von dem der Westländer sogar weiß, und das für ihn viel bedeutet. Was meine ich damit eigentlich? Ein Bild habe ich hingestellt: die Erscheinung des Krishna vor dem Arjuna. Fragen wir nun: Wieviel in der westländischen Entwickelung stehende Menschen glauben an die Wirklichkeit dieses Bildes, glauben, daß einmal dieser Krishna vor Arjuna erschien und so gesprochen hat? Fragen wir einmal, wieviel westländische Seelen an die Wirklichkeit dieses Bildes glauben. — Allerdings stehen wir am Ausgangspunkte einer Weltanschauung, die es dahin bringen wird, daß das nicht nur ein Glaube, sondern ein Wissen sein wird. Aber wir stehen eben am Ausgangspunkte dieser Weltanschauung, am Ausgangspunkte der anthroposophischen Weltanschauung. Das andere Bild steht uns viel näher. Es liegt wirklich in ihm etwas, für das die westländische Kultur einen Sinn hat.

[ 12 ] Wir schauen hin einige Jahrhunderte vor der Begründung des Christentums auf eine Seele, die ein halbes Jahrtausend vor der Begründung des Christentums einer der größten Geister des Abendlandes in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen gezogen hat. Auf Sokrates schauen wir hin und schauen hin im Geiste auf den sterbenden Sokrates. Sokrates, der sterbende Sokrates, wie ihn Plato im Kreise der Schüler schildert in seinem berühmten Gespräch über die Unsterblichkeit der Seele. In diesem Bilde wird nur spärlich angedeutet das andere, das Jenseitige, dargestellt als der Dämon, der zu Sokrates spricht. Sokrates stehe vor uns in den Stunden, die vorangegangen sind seinem Hineingehen in die spirituellen Welten, umgeben von seinen Schülern. Er spricht im Angesichte des Todes von der Unsterblichkeit der Seele. Viele lesen dieses wunderbare Gespräch von der Unsterblichkeit, das Plato uns gegeben hat, um gerade diese Szene seines sterbenden Lehrers zu schildern. Aber es lesen heute die Menschen nur Worte, Begriffe und Ideen. Es gibt sogar Menschen — und sie sollen nicht getadelt werden — die sich gegenüber dieser herrlichen Schilderung Platos fragen nach den logischen Berechtigungen desjenigen, was der sterbende Sokrates seinen Schülern auseinandersetzt. Es sind das diejenigen Menschen, die nicht empfinden können, daß es mehr gibt für die Menschenseele, daß Wichtigeres, Bedeutungsvolleres als logische Beweise, als wissenschaftliche Auseinandersetzungen in unseren Seelen lebt. Lassen wir ganz dasjenige, was Sokrates über die Unsterblichkeit sagt, lassen wir den allergebildetsten, den allertiefsten, den allerfeinsten Menschen im Kreise seiner Schüler in einer anderen Situation das sagen, was Sokrates seinen Schülern sagt, lassen wir es ihn unter anderen Umständen sagen, ja lassen wir hundertmal mehr das, was dieser feinste, logischste, gebildetste Mensch sagt, besser logisch begründet sein, als dies bei Sokrates ist: und trotzdem hat es vielleicht einen hundertmal geringeren Wert! Dies wird man erst voll einsehen, wenn man beginnen wird gründlich zu verstehen, daß es etwas für die Menschenseele gibt, was mehr wert ist, wenn es auch unscheinbarer scheint, als die stichhaltigsten logischen Beweise. Wenn irgendein gebildeter, feiner Mensch in irgendeiner Stunde zu seinen Schülern von der Unsterblichkeit der Seele spricht, so kann das wohl sehr bedeutsam sein. Aber die eigentliche Bedeutung wird nicht enthüllt durch das, was gesagt wird — ich weiß, ich spreche jetzt etwas sehr Paradoxes aus, aber etwas sehr Wahres —, sondern es wirkt der Umstand mit, daß dieser Lehrer seinen Schülern etwas sagt, hinterher aber die gewöhnlichen Angelegenheiten seines Lebens weiter besorgt und seine Schüler auch. Sokrates sagt die Dinge seinen Schülern in der Stunde, die seinem Durchschreiten der Todespforte vorangeht. Er spricht die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele aus in dem Augenblicke, da in dem nächsten sich seine Seele von dem äußeren Leibe trennen wird. Es ist etwas anderes, in der Todesstunde, die nicht als unbestimmt vom Schicksal ihm entgegenkommt, zu den zurückbleibenden Schülern von der Unsterblichkeit zu sprechen, etwas anderes, nach diesem den gewöhnlichen Tagesgeschäften nachzugehen. Es ist etwas anderes, nach einem solchen Gespräche auch wirklich einzugehen in die Welten, die hinter der Todespforte liegen. Nicht die Worte des Sokrates sollen vorzugsweise auf uns wirken, die Situation soll es tun. Aber nehmen wir alle Stärke desjenigen, was eben versucht worden ist zu charakterisieren, nehmen wir all das, was uns in dem Gespräch des Sokrates zu seinen Schülern über die Unsterblichkeit wie ein Hauch entgegentritt, nehmen wir die ganze, unmittelbare Kraft dieses Bildes, was haben wir da vor uns? Die griechische Welt, die Welt der griechischen Alltäglichkeit haben wir vor uns, jene Welt, in der des Lebens Alltagskämpfe dazu geführt haben, den besten der Söhne des Landes mit dem Schierlingsbecher zu bedenken. Wir haben vor uns die letzten Erdenworte dieses edlen Griechen, die letzten Worte, die er nur dazu bestimmte, die Menschen, die um ihn herumstehen, dahin zu bringen, daß ihre Seelen glauben an dasjenige, von dem sie ein Wissen nicht mehr haben können, daß ihre Seelen glauben an das, was für sie ein Jenseits ist, an die geistige Welt. Daß ein Sokrates notwendig ist, um mit den stärksten Gründen, nämlich durch die Tat, Erdenseelen dazu zu bringen, daß sich für sie ein Ausblick ergibt in die spirituellen Welten, in denen die Seele lebt, wenn sie durch die Todespforte gegangen ist, das zaubert vor unsere Seele ein Bild hin, das westländischen Seelen wohl verständlich ist. Sokrateskultur ist westländischen Seelen wohl verständlich. Sokrates vor seinen Schülern stehend, die so unmittelbar vor der Wirklichkeit des Todes stehen: dieses Bild ist allerdings abendländischen Seelen verständlich. Wir begreifen abendländische Kultur nur dann recht, wenn wir wissen, daß sie in diesem Sinne doch sokratische Kultur durch die Jahrhunderte, durch die Jahrtausende war.

[ 12 ] Wir schauen hin einige Jahrhunderte vor der Begründung des Christentums auf eine Seele, die ein halbes Jahrtausend vor der Begründung des Christentums einer der größten Geister des Abendlandes in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen gezogen hat. Auf Sokrates schauen wir hin und schauen hin im Geiste auf den sterbenden Sokrates. Sokrates, der sterbende Sokrates, wie ihn Plato im Kreise der Schüler schildert in seinem berühmten Gespräch über die Unsterblichkeit der Seele. In diesem Bilde wird nur spärlich angedeutet das andere, das Jenseitige, dargestellt als der Dämon, der zu Sokrates spricht. Sokrates stehe vor uns in den Stunden, die vorangegangen sind seinem Hineingehen in die spirituellen Welten, umgeben von seinen Schülern. Er spricht im Angesichte des Todes von der Unsterblichkeit der Seele. Viele lesen dieses wunderbare Gespräch von der Unsterblichkeit, das Plato uns gegeben hat, um gerade diese Szene seines sterbenden Lehrers zu schildern. Aber es lesen heute die Menschen nur Worte, Begriffe und Ideen. Es gibt sogar Menschen — und sie sollen nicht getadelt werden — die sich gegenüber dieser herrlichen Schilderung Platos fragen nach den logischen Berechtigungen desjenigen, was der sterbende Sokrates seinen Schülern auseinandersetzt. Es sind das diejenigen Menschen, die nicht empfinden können, daß es mehr gibt für die Menschenseele, daß Wichtigeres, Bedeutungsvolleres als logische Beweise, als wissenschaftliche Auseinandersetzungen in unseren Seelen lebt. Lassen wir ganz dasjenige, was Sokrates über die Unsterblichkeit sagt, lassen wir den allergebildetsten, den allertiefsten, den allerfeinsten Menschen im Kreise seiner Schüler in einer anderen Situation das sagen, was Sokrates seinen Schülern sagt, lassen wir es ihn unter anderen Umständen sagen, ja lassen wir hundertmal mehr das, was dieser feinste, logischste, gebildetste Mensch sagt, besser logisch begründet sein, als dies bei Sokrates ist: und trotzdem hat es vielleicht einen hundertmal geringeren Wert! Dies wird man erst voll einsehen, wenn man beginnen wird gründlich zu verstehen, daß es etwas für die Menschenseele gibt, was mehr wert ist, wenn es auch unscheinbarer scheint, als die stichhaltigsten logischen Beweise. Wenn irgendein gebildeter, feiner Mensch in irgendeiner Stunde zu seinen Schülern von der Unsterblichkeit der Seele spricht, so kann das wohl sehr bedeutsam sein. Aber die eigentliche Bedeutung wird nicht enthüllt durch das, was gesagt wird — ich weiß, ich spreche jetzt etwas sehr Paradoxes aus, aber etwas sehr Wahres —, sondern es wirkt der Umstand mit, daß dieser Lehrer seinen Schülern etwas sagt, hinterher aber die gewöhnlichen Angelegenheiten seines Lebens weiter besorgt und seine Schüler auch. Sokrates sagt die Dinge seinen Schülern in der Stunde, die seinem Durchschreiten der Todespforte vorangeht. Er spricht die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele aus in dem Augenblicke, da in dem nächsten sich seine Seele von dem äußeren Leibe trennen wird. Es ist etwas anderes, in der Todesstunde, die nicht als unbestimmt vom Schicksal ihm entgegenkommt, zu den zurückbleibenden Schülern von der Unsterblichkeit zu sprechen, etwas anderes, nach diesem den gewöhnlichen Tagesgeschäften nachzugehen. Es ist etwas anderes, nach einem solchen Gespräche auch wirklich einzugehen in die Welten, die hinter der Todespforte liegen. Nicht die Worte des Sokrates sollen vorzugsweise auf uns wirken, die Situation soll es tun. Aber nehmen wir alle Stärke desjenigen, was eben versucht worden ist zu charakterisieren, nehmen wir all das, was uns in dem Gespräch des Sokrates zu seinen Schülern über die Unsterblichkeit wie ein Hauch entgegentritt, nehmen wir die ganze, unmittelbare Kraft dieses Bildes, was haben wir da vor uns? Die griechische Welt, die Welt der griechischen Alltäglichkeit haben wir vor uns, jene Welt, in der des Lebens Alltagskämpfe dazu geführt haben, den besten der Söhne des Landes mit dem Schierlingsbecher zu bedenken. Wir haben vor uns die letzten Erdenworte dieses edlen Griechen, die letzten Worte, die er nur dazu bestimmte, die Menschen, die um ihn herumstehen, dahin zu bringen, daß ihre Seelen glauben an dasjenige, von dem sie ein Wissen nicht mehr haben können, daß ihre Seelen glauben an das, was für sie ein Jenseits ist, an die geistige Welt. Daß ein Sokrates notwendig ist, um mit den stärksten Gründen, nämlich durch die Tat, Erdenseelen dazu zu bringen, daß sich für sie ein Ausblick ergibt in die spirituellen Welten, in denen die Seele lebt, wenn sie durch die Todespforte gegangen ist, das zaubert vor unsere Seele ein Bild hin, das westländischen Seelen wohl verständlich ist. Sokrateskultur ist westländischen Seelen wohl verständlich. Sokrates vor seinen Schülern stehend, die so unmittelbar vor der Wirklichkeit des Todes stehen: dieses Bild ist allerdings abendländischen Seelen verständlich. Wir begreifen abendländische Kultur nur dann recht, wenn wir wissen, daß sie in diesem Sinne doch sokratische Kultur durch die Jahrhunderte, durch die Jahrtausende war.

[ 13 ] Vergleichen wir aber einen der Schüler des Sokrates, der wahrhaftig keinen Zweifel haben konnte an demjenigen, was ihn umgab denn er war ja ein Grieche —, vergleichen wir, wie dieser eingeführt werden muß in die übersinnliche Welt, vergleichen wir das mit dem Schüler des Krishna, mit Arjuna, der gar keine Zweifel haben kann an der übersinnlichen Welt, der aber irre wird an seiner Verwandtschaft, an dem ganzen Bestande, ja, an der Möglichkeit fast der Sinnenwelt.

[ 13 ] Vergleichen wir aber einen der Schüler des Sokrates, der wahrhaftig keinen Zweifel haben konnte an demjenigen, was ihn umgab denn er war ja ein Grieche —, vergleichen wir, wie dieser eingeführt werden muß in die übersinnliche Welt, vergleichen wir das mit dem Schüler des Krishna, mit Arjuna, der gar keine Zweifel haben kann an der übersinnlichen Welt, der aber irre wird an seiner Verwandtschaft, an dem ganzen Bestande, ja, an der Möglichkeit fast der Sinnenwelt.

[ 14 ] Ich weiß sehr gut, daß historische Wissenschaft, philosophische Wissenschaft, alle möglichen Arten von Wissenschaften jetzt kommen können und mit scheinbar recht guten Gründen sagen könnten: Ja, aber schau doch nur hin, was da in der Bhagavad Gita steht, und was bei Plato steht. Man kann von alle dem ebensogut das Gegenteil beweisen, das Gegenteil von dem, was du eben ausgesprochen hast. — Aber ich weiß auch, daß diejenigen, die so sprechen, nicht empfinden wollen die tieferen, grandiosen Impulse, die auf der einen Seite jenem Bilde der Bhagavad Gita entlehnt sind, auf der anderen Seite dem Bilde des sterbenden Sokrates, wie Plato ihn schildert. Ein Abgrund liegt doch zwischen diesen zwei Welten bei alle dem, was man an Ähnlichkeit wiederum herausfinden könnte. Warum ist dieses so?

[ 14 ] Ich weiß sehr gut, daß historische Wissenschaft, philosophische Wissenschaft, alle möglichen Arten von Wissenschaften jetzt kommen können und mit scheinbar recht guten Gründen sagen könnten: Ja, aber schau doch nur hin, was da in der Bhagavad Gita steht, und was bei Plato steht. Man kann von alle dem ebensogut das Gegenteil beweisen, das Gegenteil von dem, was du eben ausgesprochen hast. — Aber ich weiß auch, daß diejenigen, die so sprechen, nicht empfinden wollen die tieferen, grandiosen Impulse, die auf der einen Seite jenem Bilde der Bhagavad Gita entlehnt sind, auf der anderen Seite dem Bilde des sterbenden Sokrates, wie Plato ihn schildert. Ein Abgrund liegt doch zwischen diesen zwei Welten bei alle dem, was man an Ähnlichkeit wiederum herausfinden könnte. Warum ist dieses so?

[ 15 ] Es ist so, weil die Bhagavad Gita am Ende des alten hellseherischen menschlichen Zeitalters steht, weil in der Bhagavad Gita etwas herauftönt zu uns, wie der letzte Nachklang alten menschlichen Hellsehertums; weil auf der anderen Seite in dem sterbenden Sokrates uns einer der ersten jener Menschen entgegentritt, die da rangen durch Jahrtausende mit jener menschlichen Erkenntnis, mit jenen menschlichen Ideen, Gedanken und Empfindungen, die wie herausgeworfen sind aus dem alten Hellsehertum, die sich entwickelten in der Zwischenzeit, da sie sich vorzubereiten hatten zu einem neuen Hellsehertum, dem wir heute zustreben durch die Verkündigung und Aufnahme dessen, was wir die anthroposophische Weltanschauung nennen. Es ist in einer gewissen Beziehung keine Kluft tiefer als diejenige, die sich auftut zwischen Arjuna, dem Krishnaschüler, und einem Sokratesschüler. Aber wir leben in einer Zeit, in welcher die menschlichen Seelen, nachdem sie jahrhundertelang in ihrem Laufe durch verschiedene Verwandlungen, durch ihre Inkarnationen hindurch gesucht haben das Leben in äußerer Erkenntnis, den Zusammenschluß wieder suchen mit den spirituellen Welten. Im Grunde genommen ist, daß Sie hier sitzen, der lebendigste Beweis, daß in Ihnen solche Seelen leben, die den Zusammenschluß suchen, jenen Zusammenschluß, der hinaufführen soll in erneuerter Weise die Seelen zu solchen Welten, die uns, wie in einer wunderbaren Offenbarung, entgegenklingen in demjenigen, was Krishna seinem Schüler Arjuna verkündet. Deshalb kann wie etwas, was tiefsten Sehnsuchten unserer Seelen entspricht, vieles zu uns klingen, was der Bhagavad Gita okkult zugrunde liegt.

[ 15 ] Es ist so, weil die Bhagavad Gita am Ende des alten hellseherischen menschlichen Zeitalters steht, weil in der Bhagavad Gita etwas herauftönt zu uns, wie der letzte Nachklang alten menschlichen Hellsehertums; weil auf der anderen Seite in dem sterbenden Sokrates uns einer der ersten jener Menschen entgegentritt, die da rangen durch Jahrtausende mit jener menschlichen Erkenntnis, mit jenen menschlichen Ideen, Gedanken und Empfindungen, die wie herausgeworfen sind aus dem alten Hellsehertum, die sich entwickelten in der Zwischenzeit, da sie sich vorzubereiten hatten zu einem neuen Hellsehertum, dem wir heute zustreben durch die Verkündigung und Aufnahme dessen, was wir die anthroposophische Weltanschauung nennen. Es ist in einer gewissen Beziehung keine Kluft tiefer als diejenige, die sich auftut zwischen Arjuna, dem Krishnaschüler, und einem Sokratesschüler. Aber wir leben in einer Zeit, in welcher die menschlichen Seelen, nachdem sie jahrhundertelang in ihrem Laufe durch verschiedene Verwandlungen, durch ihre Inkarnationen hindurch gesucht haben das Leben in äußerer Erkenntnis, den Zusammenschluß wieder suchen mit den spirituellen Welten. Im Grunde genommen ist, daß Sie hier sitzen, der lebendigste Beweis, daß in Ihnen solche Seelen leben, die den Zusammenschluß suchen, jenen Zusammenschluß, der hinaufführen soll in erneuerter Weise die Seelen zu solchen Welten, die uns, wie in einer wunderbaren Offenbarung, entgegenklingen in demjenigen, was Krishna seinem Schüler Arjuna verkündet. Deshalb kann wie etwas, was tiefsten Sehnsuchten unserer Seelen entspricht, vieles zu uns klingen, was der Bhagavad Gita okkult zugrunde liegt.

[ 16 ] In alten Zeiten war der Seele das Band vertraut, das sie verbindet mit dem Geistigen. Das Übersinnliche, das Jenseitige, das Spirituelle war ihr wohlvertraut. Am Ausgangspunkte einer Zeit stehen wir, in der die Menschenseele wieder sucht den Zugang, jetzt in erneuter Weise, zu den übersinnlichen, spirituellen Welten. Wie eine Aneiferung zu diesem Suchen muß es uns erscheinen, wenn wir uns sagen können, wie das, was wir suchen, ja schon einmal da war in einer gewissen Weise, die allerdings nicht mehr die unsrige sein kann, aber doch eben einmal da war. Und zwar werden wir in ganz besonders hohem Grade dieses, was schon einmal da war, in den Offenbarungen des heiligen Sanges des Morgenlandes finden, in den Offenbarungen der erhabenen Gita, von Krishna an seinen großen Schüler Arjuna gerichtet.

[ 16 ] In alten Zeiten war der Seele das Band vertraut, das sie verbindet mit dem Geistigen. Das Übersinnliche, das Jenseitige, das Spirituelle war ihr wohlvertraut. Am Ausgangspunkte einer Zeit stehen wir, in der die Menschenseele wieder sucht den Zugang, jetzt in erneuter Weise, zu den übersinnlichen, spirituellen Welten. Wie eine Aneiferung zu diesem Suchen muß es uns erscheinen, wenn wir uns sagen können, wie das, was wir suchen, ja schon einmal da war in einer gewissen Weise, die allerdings nicht mehr die unsrige sein kann, aber doch eben einmal da war. Und zwar werden wir in ganz besonders hohem Grade dieses, was schon einmal da war, in den Offenbarungen des heiligen Sanges des Morgenlandes finden, in den Offenbarungen der erhabenen Gita, von Krishna an seinen großen Schüler Arjuna gerichtet.

[ 17 ] Ja, bedeutungsvoll, wie in der Regel bei großen menschlichen Schöpfungen gleich die ersten Worte erscheinen — erscheinen uns die ersten Worte der Ilias, der Odyssee doch bedeutungsvoll —, so erscheinen auch bedeutungsvoll die ersten Worte der Bhagavad Gita. Erzählt wird dasjenige, was da dargestellt werden soll, von seinem Wagenlenker an den blinden König und das Haupt der Kurupartei, der eben im Bruderkampfe liegt mit der Pandavapartei. Ein blindes Oberhaupt! Dieses erscheint uns schon wie symbolisch. Die Menschen der alten Zeit hatten ja eben den Blick hinein in die geistigen Welten, sie lebten gleichsam mit ihrem ganzen Gemüte, mit ihrer ganzen Seele, mit Göttern und Geistern in Zusammenhang. Alles, was hier auf dem Erdkreise sie umgab, erschien ihnen nur unter fortwährendem Zusammenhange mit dem göttlich-geistigen Dasein. Dann kam eine andere Zeit. Und ebenso, wie uns Homer von der griechischen Sage als blind geschildert wird, so wird uns auch als blind geschildert das Haupt der Kurupartei, dem erzählt werden die Gespräche, die Krishna zu seinem Schüler spricht und die diesen Mann über dasjenige, was sich in der sinnlichen Welt abspielt, unterrichten. Ja, erzählt muß ihm sogar dasjenige werden, was hereinragt von der geistigen Welt in die sinnliche Welt hinein. Bedeutsam ist das Symbol, wie gegenüber einer unmittelbaren Umwelt blind waren die alten Menschen, deren Seelen hinaufreichten mit aller Erinnerung, mit allem geistigen Zusammenhange in uralte Zeiten. Sehend waren sie im Geiste, schauend in der Seele, diejenigen, die wie in höheren Bildern erleben konnten alles, was als geistige Geheimnisse lebte. Diejenigen, die in tieferem Sinne verstehen sollten, was sich in der Welt abspielt, die dieses verstehen sollten in seinem geistigen Zusammenhange, die werden uns in den alten Sagen und Sängen als blind dargestellt. So begegnen wir demselben Symbol ebenso bei dem griechischen Sänger Homer wie bei jener Gestalt, die uns gleich im Eingange der Bhagavad Gita entgegentritt. Und in welche Zeit werden wir hineingeführt? In die Zeit, die uns auch in anderer Art als die Zeit des Überganges der Urmenschheit in die gegenwärtige Menschheit öfters dargestellt worden ist. Warum aber wirkt auf Arjuna so stark der Umstand, daß der Bruderkampf stattfinden soll?

[ 17 ] Ja, bedeutungsvoll, wie in der Regel bei großen menschlichen Schöpfungen gleich die ersten Worte erscheinen — erscheinen uns die ersten Worte der Ilias, der Odyssee doch bedeutungsvoll —, so erscheinen auch bedeutungsvoll die ersten Worte der Bhagavad Gita. Erzählt wird dasjenige, was da dargestellt werden soll, von seinem Wagenlenker an den blinden König und das Haupt der Kurupartei, der eben im Bruderkampfe liegt mit der Pandavapartei. Ein blindes Oberhaupt! Dieses erscheint uns schon wie symbolisch. Die Menschen der alten Zeit hatten ja eben den Blick hinein in die geistigen Welten, sie lebten gleichsam mit ihrem ganzen Gemüte, mit ihrer ganzen Seele, mit Göttern und Geistern in Zusammenhang. Alles, was hier auf dem Erdkreise sie umgab, erschien ihnen nur unter fortwährendem Zusammenhange mit dem göttlich-geistigen Dasein. Dann kam eine andere Zeit. Und ebenso, wie uns Homer von der griechischen Sage als blind geschildert wird, so wird uns auch als blind geschildert das Haupt der Kurupartei, dem erzählt werden die Gespräche, die Krishna zu seinem Schüler spricht und die diesen Mann über dasjenige, was sich in der sinnlichen Welt abspielt, unterrichten. Ja, erzählt muß ihm sogar dasjenige werden, was hereinragt von der geistigen Welt in die sinnliche Welt hinein. Bedeutsam ist das Symbol, wie gegenüber einer unmittelbaren Umwelt blind waren die alten Menschen, deren Seelen hinaufreichten mit aller Erinnerung, mit allem geistigen Zusammenhange in uralte Zeiten. Sehend waren sie im Geiste, schauend in der Seele, diejenigen, die wie in höheren Bildern erleben konnten alles, was als geistige Geheimnisse lebte. Diejenigen, die in tieferem Sinne verstehen sollten, was sich in der Welt abspielt, die dieses verstehen sollten in seinem geistigen Zusammenhange, die werden uns in den alten Sagen und Sängen als blind dargestellt. So begegnen wir demselben Symbol ebenso bei dem griechischen Sänger Homer wie bei jener Gestalt, die uns gleich im Eingange der Bhagavad Gita entgegentritt. Und in welche Zeit werden wir hineingeführt? In die Zeit, die uns auch in anderer Art als die Zeit des Überganges der Urmenschheit in die gegenwärtige Menschheit öfters dargestellt worden ist. Warum aber wirkt auf Arjuna so stark der Umstand, daß der Bruderkampf stattfinden soll?

[ 18 ] Wir wissen es ja, daß das alte Hellsehen gewissermaßen gebunden war an den äußeren Blutzusammenhang. Blutzusammenhang, das Fließen des gleichen Blutes in den Adern einer Menschenschar, war in alten Zeiten mit Recht etwas heilig Verehrtes. Denn daran war gebunden das alte Wahrnehmen einer gewissen Gruppenseele. Die Menschen, die blutsverwandt sich nicht nur fühlten, sondern sich wußten, in denen lebte eigentlich noch nicht ein solches Ich wie im gegenwärtigen Menschen. Wo wir auch hinschauen, finden wir in den uralten Zeiten überall Zusammenhänge, in denen der einzelne Mensch sich gar nicht mit einem solchen Ich fühlte, wie es heute der Mensch tut, sondern als allein bestehend in der Gruppe, in einer Gemeinschaft, die die Gemeinschaft des Blutes darstellte. Was bedeutet dem Menschen heute Stammesseele, Nationalseele, Volksseele? Gewiß, manchmal ist diese Nationalseele zum Beispiel, oder Volksseele, Gegenstand größter Begeisterung, aber wir dürfen sagen: gegenüber dem menschlichen einzelnen Ich kommt sie doch nicht auf, diese Volksseele, diese Stammesseele. — Es mag ein harter Ausspruch sein, aber wahr ist er. Denn es ist so, daß der Mensch einstmals nicht zu sich «Ich» gesagt hat, sondern zu der Gruppe seines Stammes oder Volkes. Dieses Gefühl für Gruppenseelenhaftigkeit lebt aber noch in Arjuna, da er den Bruderkampf um sich wüten sieht. Er versteht noch nicht zu sich «Ich» zu sagen, er versteht es noch besser, jenes Gruppen-Ich zu fühlen, das sich in allen jenen Seelen äußerte. Das macht es, daß ihm so grauenvoll der Kampf ist, der um ihn tobt.

[ 18 ] Wir wissen es ja, daß das alte Hellsehen gewissermaßen gebunden war an den äußeren Blutzusammenhang. Blutzusammenhang, das Fließen des gleichen Blutes in den Adern einer Menschenschar, war in alten Zeiten mit Recht etwas heilig Verehrtes. Denn daran war gebunden das alte Wahrnehmen einer gewissen Gruppenseele. Die Menschen, die blutsverwandt sich nicht nur fühlten, sondern sich wußten, in denen lebte eigentlich noch nicht ein solches Ich wie im gegenwärtigen Menschen. Wo wir auch hinschauen, finden wir in den uralten Zeiten überall Zusammenhänge, in denen der einzelne Mensch sich gar nicht mit einem solchen Ich fühlte, wie es heute der Mensch tut, sondern als allein bestehend in der Gruppe, in einer Gemeinschaft, die die Gemeinschaft des Blutes darstellte. Was bedeutet dem Menschen heute Stammesseele, Nationalseele, Volksseele? Gewiß, manchmal ist diese Nationalseele zum Beispiel, oder Volksseele, Gegenstand größter Begeisterung, aber wir dürfen sagen: gegenüber dem menschlichen einzelnen Ich kommt sie doch nicht auf, diese Volksseele, diese Stammesseele. — Es mag ein harter Ausspruch sein, aber wahr ist er. Denn es ist so, daß der Mensch einstmals nicht zu sich «Ich» gesagt hat, sondern zu der Gruppe seines Stammes oder Volkes. Dieses Gefühl für Gruppenseelenhaftigkeit lebt aber noch in Arjuna, da er den Bruderkampf um sich wüten sieht. Er versteht noch nicht zu sich «Ich» zu sagen, er versteht es noch besser, jenes Gruppen-Ich zu fühlen, das sich in allen jenen Seelen äußerte. Das macht es, daß ihm so grauenvoll der Kampf ist, der um ihn tobt.

[ 19 ] Versetzen wir uns in diese Arjunaseele, so daß wir empfinden, daß da etwas wie ein Grauen lebt, daß sich da etwas morden will, was zusammengehört, eine Seele, die empfindet, was in allen Seelen lebt und was sich töten will. Versetzen wir uns in diese Arjunaseele, die empfindet, wie sich Brüder töten, in Stücke reißen wollen, die empfindet, wie wenn eine Seele empfinden würde, daß dasjenige, was doch zu ihr gehört, der Leib, in Stücke gerissen wird. So empfindet die Arjunaseele, wie wenn die Glieder eines Leibes, das Herz mit dem Haupte kämpfen würde, die linke Hand gegen die rechte Hand. Bedenken wir, daß diese Seele so dem Kampfe, der da stattfinden soll, gegenübersteht, daß dieser Kampf als ein Kampf gegen die eigene Leiblichkeit erscheint. Bedenken wir, was diese Seele fühlt in dem Augenblicke, wo sie den Bogen sinken läßt, wo der Kampf der Brüder ihr erscheint wie ein Kampf der rechten gegen die linke Hand des Menschen: dann fühlen wir die Stimmung des Einganges der Bhagavad Gita, dann fühlen wir — ich muß da etwas sagen, was wiederum scheinbar, aber nur scheinbar, paradox, grotesk sich hinstelli, was scheinbar gegen allerheiligste Empfindungen spricht —: Arjuna steht da, begreift noch nicht recht das Einzel-Ich, begreift aber das alte, das Gruppen-Ich, das sich ihm so unnatürlich im Kampfe darstellt. In dieser Stimmung tritt ihm gegenüber Krishna, der große Lehrer. — Wir müssen es einmal aussprechen, wie mit der größten Kunst, mit der unvergleichlichsten Kunst Krishna, der heilige Gott, dasteht dem Arjuna gegenüber, indem er dem Arjuna beibringt, was der Mensch sich abgewöhnen soll und wollen muß, wenn er im rechten Sinne in seiner Evolution aufsteigen will.

[ 19 ] Versetzen wir uns in diese Arjunaseele, so daß wir empfinden, daß da etwas wie ein Grauen lebt, daß sich da etwas morden will, was zusammengehört, eine Seele, die empfindet, was in allen Seelen lebt und was sich töten will. Versetzen wir uns in diese Arjunaseele, die empfindet, wie sich Brüder töten, in Stücke reißen wollen, die empfindet, wie wenn eine Seele empfinden würde, daß dasjenige, was doch zu ihr gehört, der Leib, in Stücke gerissen wird. So empfindet die Arjunaseele, wie wenn die Glieder eines Leibes, das Herz mit dem Haupte kämpfen würde, die linke Hand gegen die rechte Hand. Bedenken wir, daß diese Seele so dem Kampfe, der da stattfinden soll, gegenübersteht, daß dieser Kampf als ein Kampf gegen die eigene Leiblichkeit erscheint. Bedenken wir, was diese Seele fühlt in dem Augenblicke, wo sie den Bogen sinken läßt, wo der Kampf der Brüder ihr erscheint wie ein Kampf der rechten gegen die linke Hand des Menschen: dann fühlen wir die Stimmung des Einganges der Bhagavad Gita, dann fühlen wir — ich muß da etwas sagen, was wiederum scheinbar, aber nur scheinbar, paradox, grotesk sich hinstelli, was scheinbar gegen allerheiligste Empfindungen spricht —: Arjuna steht da, begreift noch nicht recht das Einzel-Ich, begreift aber das alte, das Gruppen-Ich, das sich ihm so unnatürlich im Kampfe darstellt. In dieser Stimmung tritt ihm gegenüber Krishna, der große Lehrer. — Wir müssen es einmal aussprechen, wie mit der größten Kunst, mit der unvergleichlichsten Kunst Krishna, der heilige Gott, dasteht dem Arjuna gegenüber, indem er dem Arjuna beibringt, was der Mensch sich abgewöhnen soll und wollen muß, wenn er im rechten Sinne in seiner Evolution aufsteigen will.

[ 20 ] Verfolgen wir diesen Krishna und seine Lehre weiter. Was sagt er denn eigentlich? Wovon spricht er? Von Ich und Ich und Ich und immer nur von Ich. Ich bin in der Erde, Ich bin im Wasser, Ich bin in der Luft, Ich bin im Feuer, Ich bin in allen Seelen, Ich bin in allen Lebensäußerungen, selbst noch im heiligen Aum, Ich bin der Wind, der durch die Wälder geht, Ich bin der wertvollste unter den Bergen, Ich bin unter den Flüssen der wertvollste, Ich bin der wertvollste der Menschen, Ich bin unter den Seligen der alte Seher Kapila. — Wahrhaftig, dieser Krishna sagt ja nichts geringeres, als: Ich erkenne nichts anderes an als mich selber, und ich lasse die Welt nur gelten, insofern sie Ich ist. — Ich und Ich und Ich und nichts anderes spricht aus den Lehren des Krishna.

[ 20 ] Verfolgen wir diesen Krishna und seine Lehre weiter. Was sagt er denn eigentlich? Wovon spricht er? Von Ich und Ich und Ich und immer nur von Ich. Ich bin in der Erde, Ich bin im Wasser, Ich bin in der Luft, Ich bin im Feuer, Ich bin in allen Seelen, Ich bin in allen Lebensäußerungen, selbst noch im heiligen Aum, Ich bin der Wind, der durch die Wälder geht, Ich bin der wertvollste unter den Bergen, Ich bin unter den Flüssen der wertvollste, Ich bin der wertvollste der Menschen, Ich bin unter den Seligen der alte Seher Kapila. — Wahrhaftig, dieser Krishna sagt ja nichts geringeres, als: Ich erkenne nichts anderes an als mich selber, und ich lasse die Welt nur gelten, insofern sie Ich ist. — Ich und Ich und Ich und nichts anderes spricht aus den Lehren des Krishna.

[ 21 ] Machen wir uns das einmal ganz unverblümt klar, wie Arjuna dasteht, der das Ich noch nicht begreift, der es aber begreifen soll, und wie ihm gleich einem umfassenden, universellen kosmischen Egoisten entgegentritt der Gott, der nichts gelten läßt als sich selber, und sogar verlangt, daß auch die anderen nichts gelten lassen als ihn selber, ja, daß man in allem, was in Erde, Wasser, Feuer, Luft, in allem, was auf der Erde lebt, ja in allem, was in der Dreiwelt lebt, nichts anderes sieht als ihn.

[ 21 ] Machen wir uns das einmal ganz unverblümt klar, wie Arjuna dasteht, der das Ich noch nicht begreift, der es aber begreifen soll, und wie ihm gleich einem umfassenden, universellen kosmischen Egoisten entgegentritt der Gott, der nichts gelten läßt als sich selber, und sogar verlangt, daß auch die anderen nichts gelten lassen als ihn selber, ja, daß man in allem, was in Erde, Wasser, Feuer, Luft, in allem, was auf der Erde lebt, ja in allem, was in der Dreiwelt lebt, nichts anderes sieht als ihn.

[ 22 ] Merkwürdig tritt uns entgegen, wie jemandem, der das Ich noch nicht begreifen kann, ein Wesen wie im Unterrichte entgegengeführt wird, das in Anspruch nimmt, nur als sein eigenes Selbst anerkannt zu werden. Wer im Lichte der Wahrheit dies sich ansehen will, lese die Bhagavad Gita durch und suche die Frage zu beantworten, mit welchem Worte man dasjenige, was der Krishna von sich sagt und wovon er verlangt, daß man es anerkennen soll, mit welchem Worte man das bezeichnen soll. Universeller Egoismus, das ist es, was aus Krishna spricht. Und so scheint uns denn, daß aus der erhabenen Gita allüberall der Refrain an unser geistiges Ohr tönt: Nur wenn ihr anerkennt, ihr Menschen, meinen allumfassenden Egoismus, dann ist Heil für euch.

[ 22 ] Merkwürdig tritt uns entgegen, wie jemandem, der das Ich noch nicht begreifen kann, ein Wesen wie im Unterrichte entgegengeführt wird, das in Anspruch nimmt, nur als sein eigenes Selbst anerkannt zu werden. Wer im Lichte der Wahrheit dies sich ansehen will, lese die Bhagavad Gita durch und suche die Frage zu beantworten, mit welchem Worte man dasjenige, was der Krishna von sich sagt und wovon er verlangt, daß man es anerkennen soll, mit welchem Worte man das bezeichnen soll. Universeller Egoismus, das ist es, was aus Krishna spricht. Und so scheint uns denn, daß aus der erhabenen Gita allüberall der Refrain an unser geistiges Ohr tönt: Nur wenn ihr anerkennt, ihr Menschen, meinen allumfassenden Egoismus, dann ist Heil für euch.

[ 23 ] Die größten Leistungen des menschlichen Geisteslebens geben uns immer Rätsel auf; nur dann sehen wir sie im rechten Lichte, wenn wir auch anerkennen und erkennen, daß sie uns die großen Rätsel aufgeben. Wahrhaftig, ein hartes Rätsel scheint uns aufgegeben zu sein, wenn wir jetzt vor der Aufgabe stehen, zu begreifen das, was wir nennen können eine erhabenste Lehre, verbunden mit der Verkündigung des universellen Egoismus. Nicht durch Logik, sondern in geschauten großen Widersprüchen des Lebens enthüllen sich uns die okkulten Geheimnisse. Es wird unsere Aufgabe sein, auch über jenes Merkwürdige hinweg innerhalb der Maya zu der Wahrheit zu kommen, so daß wir erkennen, was das eigentlich ist, was wir, wenn wir innerhalb der Maya sprechen, zu Recht einen universellen Egoismus nennen. Aus der Maya heraus müssen wir durch dieses Rätsel gelangen in die Wirklichkeit, in das Licht der Wahrheit. Wie es sich damit verhält, wie wir über dieses hinwegkommen werden in die Wirklichkeit, das soll die Aufgabe unserer nächsten Vorträge sein.

[ 23 ] Die größten Leistungen des menschlichen Geisteslebens geben uns immer Rätsel auf; nur dann sehen wir sie im rechten Lichte, wenn wir auch anerkennen und erkennen, daß sie uns die großen Rätsel aufgeben. Wahrhaftig, ein hartes Rätsel scheint uns aufgegeben zu sein, wenn wir jetzt vor der Aufgabe stehen, zu begreifen das, was wir nennen können eine erhabenste Lehre, verbunden mit der Verkündigung des universellen Egoismus. Nicht durch Logik, sondern in geschauten großen Widersprüchen des Lebens enthüllen sich uns die okkulten Geheimnisse. Es wird unsere Aufgabe sein, auch über jenes Merkwürdige hinweg innerhalb der Maya zu der Wahrheit zu kommen, so daß wir erkennen, was das eigentlich ist, was wir, wenn wir innerhalb der Maya sprechen, zu Recht einen universellen Egoismus nennen. Aus der Maya heraus müssen wir durch dieses Rätsel gelangen in die Wirklichkeit, in das Licht der Wahrheit. Wie es sich damit verhält, wie wir über dieses hinwegkommen werden in die Wirklichkeit, das soll die Aufgabe unserer nächsten Vorträge sein.