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The Occult Significance of the Bhagavad Gita
GA 146

29 May 1913, Helsinki

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Zweiter Vortrag

Zweiter Vortrag

[ 1 ] Wenn man sich in die okkulten Urkunden der verschiedenen Zeiten und Völker, das heißt in die wirklich okkulten Urkunden vertieft, so fällt einem unter anderm eines immer wieder und wiederum auf. Das ist etwas, worauf ich schon hinweisen konnte bei der Besprechung des Johannes-Evangeliums, worauf ich später hinweisen konnte bei der Besprechung des Markus-Evangeliums. Es ist die Tatsache, daß, wenn man tiefer in diese okkulten Urkunden eindringt, man immer mehr und mehr sich klar wird darüber, daß eigentlich diese okkulten Urkunden in einer wunderbaren, künstlerischen Komposition abgefaßt sind. Ich könnte nachweisen — und Sie können das nachlesen in dem Zyklus, den ich einstmals in Kassel gehalten habe, der ja auch gedruckt ist, über «Das Johannes-Evangelium im Verhältnis zu den drei anderen Evangelien, besonders zu dem Lukas-Evangelium» —, ich könnte zeigen, wie dieses Johannes-Evangelium, wenn man in die Tiefen dringt, eine wunderbare Komposition darstellt, eine wunderbare, künstlerisch dramatische Steigerung des Dargestellten zunächst bis zu einem Punkte herauf, dann wiederum von diesem Punkte aus wie eine Erneuerung der dramatischen Kraft bis zum Schlusse hin. Wunderbarste Steigerung dieser inneren, künstlerisch-dramatischen Komposition, die in dem Johannes-Evangelium dadurch zutage tritt, daß von sogenannten wunderbaren Taten oder von sogenannten Zeichen das Übersinnliche von Zeichen zu Zeichen dargestellt wird und von Zeichen zu Zeichen eine fortwährende Steigerung stattfindet bis zu jenem Zeichen, das uns entgegentritt in der Initiation des Lazarus. Die Art, wie uns dies entgegentritt, läßt uns ersehen, daß auf dem Grunde dieser okkulten Urkunden immer eine wunderbare künstlerische Schönheitskomposition überall zu finden ist. Ich konnte auch dasselbe nachweisen für die Gliederung und Komposition des Markus-Evangeliums. Wenn dann solche Urkunden auf ihre Schönheitskomposition hin, auf ihre dramatische Kraft hin angesehen werden, dann kann man wohl zu der Anschauung kommen, daß diese großen, okkulten Urkunden gar nicht anders sein können, als, indem sie wahr sind, zugleich im tiefsten Sinne künstlerisch schön komponiert. Zunächst sei auf diesen Umstand als auf eine Tatsache nur hingewiesen. Wir werden vielleicht im Verlaufe dieser Vorträge noch einmal auf diese Bemerkung zurückkommen.

[ 1 ] Wenn man sich in die okkulten Urkunden der verschiedenen Zeiten und Völker, das heißt in die wirklich okkulten Urkunden vertieft, so fällt einem unter anderm eines immer wieder und wiederum auf. Das ist etwas, worauf ich schon hinweisen konnte bei der Besprechung des Johannes-Evangeliums, worauf ich später hinweisen konnte bei der Besprechung des Markus-Evangeliums. Es ist die Tatsache, daß, wenn man tiefer in diese okkulten Urkunden eindringt, man immer mehr und mehr sich klar wird darüber, daß eigentlich diese okkulten Urkunden in einer wunderbaren, künstlerischen Komposition abgefaßt sind. Ich könnte nachweisen — und Sie können das nachlesen in dem Zyklus, den ich einstmals in Kassel gehalten habe, der ja auch gedruckt ist, über «Das Johannes-Evangelium im Verhältnis zu den drei anderen Evangelien, besonders zu dem Lukas-Evangelium» —, ich könnte zeigen, wie dieses Johannes-Evangelium, wenn man in die Tiefen dringt, eine wunderbare Komposition darstellt, eine wunderbare, künstlerisch dramatische Steigerung des Dargestellten zunächst bis zu einem Punkte herauf, dann wiederum von diesem Punkte aus wie eine Erneuerung der dramatischen Kraft bis zum Schlusse hin. Wunderbarste Steigerung dieser inneren, künstlerisch-dramatischen Komposition, die in dem Johannes-Evangelium dadurch zutage tritt, daß von sogenannten wunderbaren Taten oder von sogenannten Zeichen das Übersinnliche von Zeichen zu Zeichen dargestellt wird und von Zeichen zu Zeichen eine fortwährende Steigerung stattfindet bis zu jenem Zeichen, das uns entgegentritt in der Initiation des Lazarus. Die Art, wie uns dies entgegentritt, läßt uns ersehen, daß auf dem Grunde dieser okkulten Urkunden immer eine wunderbare künstlerische Schönheitskomposition überall zu finden ist. Ich konnte auch dasselbe nachweisen für die Gliederung und Komposition des Markus-Evangeliums. Wenn dann solche Urkunden auf ihre Schönheitskomposition hin, auf ihre dramatische Kraft hin angesehen werden, dann kann man wohl zu der Anschauung kommen, daß diese großen, okkulten Urkunden gar nicht anders sein können, als, indem sie wahr sind, zugleich im tiefsten Sinne künstlerisch schön komponiert. Zunächst sei auf diesen Umstand als auf eine Tatsache nur hingewiesen. Wir werden vielleicht im Verlaufe dieser Vorträge noch einmal auf diese Bemerkung zurückkommen.

[ 2 ] Das Merkwürdige ist nun, daß uns auch bei der Bhagavad Gita wiederum dasselbe entgegentritt, eine wunderbare Steigerung, man möchte sagen, eine verborgene künstlerische Schönheit, so daß, wenn auch gar nichts anderes wirken würde auf die Seele, die sich vertieft in diese Bhagavad Gita, wirken müßte diese wunderbare, künstlerische Komposition. Auf einige der Hauptpunkte sei zunächst aufmerksam gemacht — und ich werde mich heute beschränken auf die vier ersten Gesänge —, auf einige Hauptpunkte sei deshalb aufmerksam gemacht, weil diese Hauptpunkte zugleich betreffen die künstlerische Komposition der Bhagavad Gita und tiefe innere okkulte Wahrheiten.

[ 2 ] Das Merkwürdige ist nun, daß uns auch bei der Bhagavad Gita wiederum dasselbe entgegentritt, eine wunderbare Steigerung, man möchte sagen, eine verborgene künstlerische Schönheit, so daß, wenn auch gar nichts anderes wirken würde auf die Seele, die sich vertieft in diese Bhagavad Gita, wirken müßte diese wunderbare, künstlerische Komposition. Auf einige der Hauptpunkte sei zunächst aufmerksam gemacht — und ich werde mich heute beschränken auf die vier ersten Gesänge —, auf einige Hauptpunkte sei deshalb aufmerksam gemacht, weil diese Hauptpunkte zugleich betreffen die künstlerische Komposition der Bhagavad Gita und tiefe innere okkulte Wahrheiten.

[ 3 ] Zuerst tritt uns entgegen Arjuna. Im Angesicht des Blutvergießens, in das er eintreten soll, wird er schwach. Er sieht seine Blutsverwandten, alles dasjenige, was als Bruderkampf um ihn herum sich abspielen soll. Er bebt zurück, er will nicht gegen seine eigenen Blutsverwandten kämpfen. Und während er in dieser Stimmung ist, während ihn also Angst, Furcht, Schauder, ja ein Grauen befällt vor demjenigen, was da kommen soll, entpuppt sich ihm sein Wagenlenker als das Instrument, durch das Krishna, sagen wir zunächst der Gott, zu ihm spricht. Schon in diesem ersten Faktum wird erstens ein künstlerisches Spannungsmoment, dann aber auch ein tiefgründiges, okkultes Wahrheitsmoment angedeutet.

[ 3 ] Zuerst tritt uns entgegen Arjuna. Im Angesicht des Blutvergießens, in das er eintreten soll, wird er schwach. Er sieht seine Blutsverwandten, alles dasjenige, was als Bruderkampf um ihn herum sich abspielen soll. Er bebt zurück, er will nicht gegen seine eigenen Blutsverwandten kämpfen. Und während er in dieser Stimmung ist, während ihn also Angst, Furcht, Schauder, ja ein Grauen befällt vor demjenigen, was da kommen soll, entpuppt sich ihm sein Wagenlenker als das Instrument, durch das Krishna, sagen wir zunächst der Gott, zu ihm spricht. Schon in diesem ersten Faktum wird erstens ein künstlerisches Spannungsmoment, dann aber auch ein tiefgründiges, okkultes Wahrheitsmoment angedeutet.

[ 4 ] Derjenige, der in irgendeiner Weise den Weg findet hinein in die geistigen Welten, und wenn es auch nur wenige Schritte des Weges sind, ja selbst wenn das, was er erleben kann, nur eine Ahnung des Weges ist, der bemerkt die tiefe Bedeutung gerade dieses Momentes. Wir kommen in der Regel nicht in die geistigen Welten hinein, ohne daß wir durch eine tiefe Erschütterung unserer Seele schreiten. Etwas müssen wir erfahren in der Regel, etwas, das all unsere Kraft der Seele durchrüttelt, sie durchströmt in Gefühl und Empfindung. Gefühl und Empfindung, die sonst nur über viele Momente, über weite Zeitläufe des Lebens verteilt sind und deshalb nur schwach fortdauernd auf die Seele wirken, beim Eingang in die okkulten Welten drängen sie sich zusammen und durchwühlen und durchkraften die Seele in einem einzigen Moment, so daß man so etwas Erschütterndes erlebt, das der Furcht, der Angst, der Bestürzung, dem Zurückbeben vor irgend etwas, vielleicht auch dem Grauen verglichen werden kann. Das gehört einmal sozusagen zu dem Ausgangspunkte okkulter Entwickelung, zu dem Eintreten in die geistigen Welten. Daher muß ja auch so große Sorgfalt verwendet werden auf jene Ratschläge, die demjenigen gegeben werden müssen, der durch eine Schulung in die geistigen Welten eintreten will. Denn wer durch Schulung in die geistigen Welten eintreten will, der muß so vorbereitet werden, daß er die eben charakterisierte Erschütterung als seelisches Ereignis, als notwendiges Erlebnis so durchlebt, daß es nicht übergreift auf seine Leiblichkeit, auf seine Gesundheit, insofern das Leibliche mit einbegriffen ist, daß dieses nicht mit erschüttert werde. Das ist das Wesentliche, daß wir nicht in bezug auf das äußere, physische Leben in Erschütterungen kommen, daß wir ertragen lernen mit äußerem Gleichmut, mit äußerer Gelassenheit Erschütterungen der Seele. Dann aber dürfen auch die gewöhnlichen Seelenkräfte, die wir im Alltagsleben brauchen, unsere gewöhnliche Intellektualität, ja, selbst die für das Alltagsleben notwendigen Phantasiekräfte, die Kräfte des Empfindens, die Kräfte des Willens im alltäglichen Leben, auch sie dürfen nicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden. In viel tieferen Schichten muß vorgehen die Seelenerschütterung, die der Ausgangspunkt sein kann für das okkulte Leben, so daß der Mensch durch das äußere Leben geht, wie er immer gegangen ist, ohne daß irgend etwas ihm angemerkt wird in der äußeren physischen Welt, während er im Innern ganze Welten von Seelenerschütterungen durchlebt. Das heißt reif sein für die okkulte Entwickelung, so innerlich Erschütterndes erleben zu können, ohne das äußere Gleichmaß, die äußere Gelassenheit zu verlieren.

[ 4 ] Derjenige, der in irgendeiner Weise den Weg findet hinein in die geistigen Welten, und wenn es auch nur wenige Schritte des Weges sind, ja selbst wenn das, was er erleben kann, nur eine Ahnung des Weges ist, der bemerkt die tiefe Bedeutung gerade dieses Momentes. Wir kommen in der Regel nicht in die geistigen Welten hinein, ohne daß wir durch eine tiefe Erschütterung unserer Seele schreiten. Etwas müssen wir erfahren in der Regel, etwas, das all unsere Kraft der Seele durchrüttelt, sie durchströmt in Gefühl und Empfindung. Gefühl und Empfindung, die sonst nur über viele Momente, über weite Zeitläufe des Lebens verteilt sind und deshalb nur schwach fortdauernd auf die Seele wirken, beim Eingang in die okkulten Welten drängen sie sich zusammen und durchwühlen und durchkraften die Seele in einem einzigen Moment, so daß man so etwas Erschütterndes erlebt, das der Furcht, der Angst, der Bestürzung, dem Zurückbeben vor irgend etwas, vielleicht auch dem Grauen verglichen werden kann. Das gehört einmal sozusagen zu dem Ausgangspunkte okkulter Entwickelung, zu dem Eintreten in die geistigen Welten. Daher muß ja auch so große Sorgfalt verwendet werden auf jene Ratschläge, die demjenigen gegeben werden müssen, der durch eine Schulung in die geistigen Welten eintreten will. Denn wer durch Schulung in die geistigen Welten eintreten will, der muß so vorbereitet werden, daß er die eben charakterisierte Erschütterung als seelisches Ereignis, als notwendiges Erlebnis so durchlebt, daß es nicht übergreift auf seine Leiblichkeit, auf seine Gesundheit, insofern das Leibliche mit einbegriffen ist, daß dieses nicht mit erschüttert werde. Das ist das Wesentliche, daß wir nicht in bezug auf das äußere, physische Leben in Erschütterungen kommen, daß wir ertragen lernen mit äußerem Gleichmut, mit äußerer Gelassenheit Erschütterungen der Seele. Dann aber dürfen auch die gewöhnlichen Seelenkräfte, die wir im Alltagsleben brauchen, unsere gewöhnliche Intellektualität, ja, selbst die für das Alltagsleben notwendigen Phantasiekräfte, die Kräfte des Empfindens, die Kräfte des Willens im alltäglichen Leben, auch sie dürfen nicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden. In viel tieferen Schichten muß vorgehen die Seelenerschütterung, die der Ausgangspunkt sein kann für das okkulte Leben, so daß der Mensch durch das äußere Leben geht, wie er immer gegangen ist, ohne daß irgend etwas ihm angemerkt wird in der äußeren physischen Welt, während er im Innern ganze Welten von Seelenerschütterungen durchlebt. Das heißt reif sein für die okkulte Entwickelung, so innerlich Erschütterndes erleben zu können, ohne das äußere Gleichmaß, die äußere Gelassenheit zu verlieren.

[ 5 ] Dazu ist notwendig, daß der Mensch in der Zeit, in der er reif zu werden sich bestrebt für die okkulte Entwickelung, vor allem seine Interessenkreise erweitert, daß er von dem gewöhnlichen, alltäglichen Leben abkommt mit seinem Interessenkreise, von dem, woran man sonst vom Morgen bis zum Abend hängt, abkommt, und daß er zu Interessen gelangt, die sich auf dem großen Horizont der Welt bewegen. Denn wer nicht erleben kann das Erschütternde des Zweifels an aller Wahrheit, an aller Erkenntnis und allem Wissen, und dieses Erschütternde nicht erleben kann mit jener Stärke, in der sonst von dem Menschen nur empfunden werden die Interessen des alltäglichen Lebens, wer nicht mitfühlen kann mit dem Schicksal der ganzen Menschheit und diesem Schicksale der ganzen Menschheit nicht ein solches Interesse entgegenbringt, wie es im alltäglichen Leben entgegengebracht wird dem Schicksale, das einen selbst unmittelbar berührt, das vielleicht noch die nächsten Stammes-, Familien- und Volkszusammenhänge berührt, der ist im Grunde noch nicht ganz geeignet für eine okkulte Entwickelung. Daher ist ja auch die moderne Geisteswissenschaft, wenn sie in Ernst und Würde getrieben wird, die richtige Vorbereitung in unserer Zeit für eine wahrhafte, okkulte Entwickelung. Mögen die Menschen, die kein Interesse gewinnen können für dasjenige, was des Anthroposophen Blick verfolgt über Welten hin, über planetarische Schicksale, über Menschenrassen und Menschenepochen hin, mögen die Menschen mit den kleinen materiellen Interessen des heutigen Tages auch darüber spötteln: für denjenigen, der sich vorbereiten will in würdiger Weise für eine okkulte Entwickelung, ist dies die Vorbereitung, dieses Heraufheben des Blickes zu jenen Gipfelpunkten, wo die Interessen der Menschheit, der Erde, des ganzen planetarischen Systems ihm zu eigenen Interessen erwachsen. Denn wo die Interessen allmählich geschärft, erweitert werden durch das Studium der Geisteswissenschaft, das dann zum Begreifen der okkulten Wahrheiten führt, auch ohne okkulte Schulung, da ist die richtige Vorbereitung für einen okkulten Weg. Gewiß, in unserer Zeit gibt es viele Menschen — diejenigen, die in den Reihen der Intellektuellen stehen, sind es oftmals gar nicht, diejenigen, die scheinbar in einem einfachen Leben an einem einfachen Orte stehen, sind es gerade oftmals —, gewiß, es gibt viele Menschen, die heute, auf einfacher Stelle stehend, wie durch einen natürlichen Instinkt diese Interessen für die Gesamtmenschheit haben: und weil dies so ist, deshalb ist die Anthroposophie etwas so Zeitgemäßes.

[ 5 ] Dazu ist notwendig, daß der Mensch in der Zeit, in der er reif zu werden sich bestrebt für die okkulte Entwickelung, vor allem seine Interessenkreise erweitert, daß er von dem gewöhnlichen, alltäglichen Leben abkommt mit seinem Interessenkreise, von dem, woran man sonst vom Morgen bis zum Abend hängt, abkommt, und daß er zu Interessen gelangt, die sich auf dem großen Horizont der Welt bewegen. Denn wer nicht erleben kann das Erschütternde des Zweifels an aller Wahrheit, an aller Erkenntnis und allem Wissen, und dieses Erschütternde nicht erleben kann mit jener Stärke, in der sonst von dem Menschen nur empfunden werden die Interessen des alltäglichen Lebens, wer nicht mitfühlen kann mit dem Schicksal der ganzen Menschheit und diesem Schicksale der ganzen Menschheit nicht ein solches Interesse entgegenbringt, wie es im alltäglichen Leben entgegengebracht wird dem Schicksale, das einen selbst unmittelbar berührt, das vielleicht noch die nächsten Stammes-, Familien- und Volkszusammenhänge berührt, der ist im Grunde noch nicht ganz geeignet für eine okkulte Entwickelung. Daher ist ja auch die moderne Geisteswissenschaft, wenn sie in Ernst und Würde getrieben wird, die richtige Vorbereitung in unserer Zeit für eine wahrhafte, okkulte Entwickelung. Mögen die Menschen, die kein Interesse gewinnen können für dasjenige, was des Anthroposophen Blick verfolgt über Welten hin, über planetarische Schicksale, über Menschenrassen und Menschenepochen hin, mögen die Menschen mit den kleinen materiellen Interessen des heutigen Tages auch darüber spötteln: für denjenigen, der sich vorbereiten will in würdiger Weise für eine okkulte Entwickelung, ist dies die Vorbereitung, dieses Heraufheben des Blickes zu jenen Gipfelpunkten, wo die Interessen der Menschheit, der Erde, des ganzen planetarischen Systems ihm zu eigenen Interessen erwachsen. Denn wo die Interessen allmählich geschärft, erweitert werden durch das Studium der Geisteswissenschaft, das dann zum Begreifen der okkulten Wahrheiten führt, auch ohne okkulte Schulung, da ist die richtige Vorbereitung für einen okkulten Weg. Gewiß, in unserer Zeit gibt es viele Menschen — diejenigen, die in den Reihen der Intellektuellen stehen, sind es oftmals gar nicht, diejenigen, die scheinbar in einem einfachen Leben an einem einfachen Orte stehen, sind es gerade oftmals —, gewiß, es gibt viele Menschen, die heute, auf einfacher Stelle stehend, wie durch einen natürlichen Instinkt diese Interessen für die Gesamtmenschheit haben: und weil dies so ist, deshalb ist die Anthroposophie etwas so Zeitgemäßes.

[ 6 ] Erst muß man also dasjenige lernen, was wie eine gewaltige Erschütterung der Seele am Ausgangspunkte okkulten Erlebens stehen muß. Mit wunderbarer Wahrheit wird nun ein solcher Moment hingestellt an den Ausgangspunkt des Erlebens von Arjuna; nur daß er nicht durch eine Schulung geht, sondern hineingestellt wird durch sein Schicksal. Hineingestellt wird er in den Kampf, ohne daß er Notwendigkeit, Zweck, Ziel dieses Kampfes erkennen kann. Er sieht nur, daß Blutsverwandte gegen Blutsverwandte kämpfen wollen, und es kann im Innersten erschüttert werden eine solche Seele, die wie Arjuna sich sagt: Bruder gegen Bruder kämpft. Ist es dann nicht klar, daß alle Stammessitten schwanken, daß dann auch der Stamm dahinsiechen muß, daß er vernichtet werden muß, daß die Moralität des Stammes dahinsinkt? Dann müssen die Gesetze wanken, die nach dem ewigen Schicksal die Menschen in die Kasten hineinstellen, dann müssen die Gesetze der Kasteneinteiltung wanken, dann wankt der Mensch, wankt der Stamm, dann wankt das Gesetz, dann wankt die ganze Welt, die ganze Bedeutung des Menschentums. — Das ist sein Empfinden, es ist so, wie wenn der Boden sich ihm unter den Füßen hinwegziehen wollte, wie wenn ein Abgrund sich auftun wollte für all sein Empfinden. Ein solcher Mensch wie Arjuna hat es mit seinem Gefühle aufgenommen, was heute die Menschen nicht mehr wissen, was in alten Zeiten aber uralte Überlieferung und Lehre war: daß dasjenige, was sich fortpflanzt von Geschlecht zu Geschlecht, von Generation zu Generation in der Menschheit, gebunden ist an die Natur der Frau, während das individuell Persönliche, dasjenige, was den Einzelmenschen als Individualität herausreißt aus dem Zusammenhang des Blutes, der Generation, gebunden ist an die Natur des Mannes. Dasjenige, was den Menschen mehr hineinstellt in die Reihe der Generationen, was sich als gemeinsame Natur, als Artnatur des Menschen vererbt, das ist der Teil, den die Frau vererbt auf die Nachkommen. Dasjenige, was die Menschen zu einem Besonderen, Individuellen gestaltet, was sie herausreißt aus der Generationenreihe, das ist der Teil, den der Mann gibt. Muß nicht in die Gesetzmäßigkeit der Frauennatur, so sagt sich Arjuna, Übles hineinkommen, wenn Blut gegen Blut kämpfen muß?

[ 6 ] Erst muß man also dasjenige lernen, was wie eine gewaltige Erschütterung der Seele am Ausgangspunkte okkulten Erlebens stehen muß. Mit wunderbarer Wahrheit wird nun ein solcher Moment hingestellt an den Ausgangspunkt des Erlebens von Arjuna; nur daß er nicht durch eine Schulung geht, sondern hineingestellt wird durch sein Schicksal. Hineingestellt wird er in den Kampf, ohne daß er Notwendigkeit, Zweck, Ziel dieses Kampfes erkennen kann. Er sieht nur, daß Blutsverwandte gegen Blutsverwandte kämpfen wollen, und es kann im Innersten erschüttert werden eine solche Seele, die wie Arjuna sich sagt: Bruder gegen Bruder kämpft. Ist es dann nicht klar, daß alle Stammessitten schwanken, daß dann auch der Stamm dahinsiechen muß, daß er vernichtet werden muß, daß die Moralität des Stammes dahinsinkt? Dann müssen die Gesetze wanken, die nach dem ewigen Schicksal die Menschen in die Kasten hineinstellen, dann müssen die Gesetze der Kasteneinteiltung wanken, dann wankt der Mensch, wankt der Stamm, dann wankt das Gesetz, dann wankt die ganze Welt, die ganze Bedeutung des Menschentums. — Das ist sein Empfinden, es ist so, wie wenn der Boden sich ihm unter den Füßen hinwegziehen wollte, wie wenn ein Abgrund sich auftun wollte für all sein Empfinden. Ein solcher Mensch wie Arjuna hat es mit seinem Gefühle aufgenommen, was heute die Menschen nicht mehr wissen, was in alten Zeiten aber uralte Überlieferung und Lehre war: daß dasjenige, was sich fortpflanzt von Geschlecht zu Geschlecht, von Generation zu Generation in der Menschheit, gebunden ist an die Natur der Frau, während das individuell Persönliche, dasjenige, was den Einzelmenschen als Individualität herausreißt aus dem Zusammenhang des Blutes, der Generation, gebunden ist an die Natur des Mannes. Dasjenige, was den Menschen mehr hineinstellt in die Reihe der Generationen, was sich als gemeinsame Natur, als Artnatur des Menschen vererbt, das ist der Teil, den die Frau vererbt auf die Nachkommen. Dasjenige, was die Menschen zu einem Besonderen, Individuellen gestaltet, was sie herausreißt aus der Generationenreihe, das ist der Teil, den der Mann gibt. Muß nicht in die Gesetzmäßigkeit der Frauennatur, so sagt sich Arjuna, Übles hineinkommen, wenn Blut gegen Blut kämpfen muß?

[ 7 ] Und weiter: Eine andere Empfindung, ein anderes Gefühl, das aufgenommen hat Arjuna, das bei ihm zusammenhängt mit alle dem, was er als Heil der gesamten Menschheitsentwickelung empfindet, es ist das Gefühl: Die Ahnen, die Väter sind ehrwürdig, und ihre Seelen wachen über den nachfolgenden Geschlechtern, und ein hoher, heiliger Dienst ist es, den Manen, den heiligen Seelen der Ahnen zu opfern, Opferfeuer darzubringen. — Was aber muß Arjuna sehen? Statt daß Altäre vor ihm stehen, auf denen die Opferfeuer brennen für die Ahnen, fallen diejenigen sich gegenseitig an, die für die gemeinsamen Ahnen die Opferfeuer anzünden sollten. Kämpfend fallen sie sich an.

[ 7 ] Und weiter: Eine andere Empfindung, ein anderes Gefühl, das aufgenommen hat Arjuna, das bei ihm zusammenhängt mit alle dem, was er als Heil der gesamten Menschheitsentwickelung empfindet, es ist das Gefühl: Die Ahnen, die Väter sind ehrwürdig, und ihre Seelen wachen über den nachfolgenden Geschlechtern, und ein hoher, heiliger Dienst ist es, den Manen, den heiligen Seelen der Ahnen zu opfern, Opferfeuer darzubringen. — Was aber muß Arjuna sehen? Statt daß Altäre vor ihm stehen, auf denen die Opferfeuer brennen für die Ahnen, fallen diejenigen sich gegenseitig an, die für die gemeinsamen Ahnen die Opferfeuer anzünden sollten. Kämpfend fallen sie sich an.

[ 8 ] Wenn man verstehen will eine Seele, dann muß man sich in die Gedanken dieser Seele vertiefen, dann muß man noch mehr in die Empfindung dieser Seele sich hineinversetzen. Denn mit den Empfindungen hängt die Seele innig zusammen, innig zusammen mit dem, was ihr Leben ist. Und nun denke man den Kontrast, den unendlichen Kontrast zwischen dem, was Arjunas Empfindung sein sollte, und dem, was rings herum als blutiger Bruderkampf sich ausbreiten sollte. Das heißt, das Schicksal rüttelt an die Seele des Arjuna. Ein Ereignis tiefster Erschütterung findet statt, das für diese Seele so ist, wie wenn sich ihr der Boden unter den Füßen entzöge und sie in den schauerlichsten Abgrund hinunterblicken müßte. Solche Erschütterung ist Kraft der Seele, ruft die ersten Kräfte der Seele wach, solche Erschütterung bringt die Seele zum Schauen desjenigen, was sonst wie durch einen Schleier verborgen ist: der okkulten Wirklichkeit. Das ist gleich das bedeutsame Spannungsmoment in der Bhagavad Gita, daß uns nicht nur in abstrakter Weise, schulmäßig, pedantisch gewissermaßen ein Unterricht im Okkultismus entgegengebracht wird, sondern daß in höchster Weise künstlerisch uns dargestellt wird, wie aus dem Schicksal des Arjuna heraus sich entwickeln muß, was nun entsteht.

[ 8 ] Wenn man verstehen will eine Seele, dann muß man sich in die Gedanken dieser Seele vertiefen, dann muß man noch mehr in die Empfindung dieser Seele sich hineinversetzen. Denn mit den Empfindungen hängt die Seele innig zusammen, innig zusammen mit dem, was ihr Leben ist. Und nun denke man den Kontrast, den unendlichen Kontrast zwischen dem, was Arjunas Empfindung sein sollte, und dem, was rings herum als blutiger Bruderkampf sich ausbreiten sollte. Das heißt, das Schicksal rüttelt an die Seele des Arjuna. Ein Ereignis tiefster Erschütterung findet statt, das für diese Seele so ist, wie wenn sich ihr der Boden unter den Füßen entzöge und sie in den schauerlichsten Abgrund hinunterblicken müßte. Solche Erschütterung ist Kraft der Seele, ruft die ersten Kräfte der Seele wach, solche Erschütterung bringt die Seele zum Schauen desjenigen, was sonst wie durch einen Schleier verborgen ist: der okkulten Wirklichkeit. Das ist gleich das bedeutsame Spannungsmoment in der Bhagavad Gita, daß uns nicht nur in abstrakter Weise, schulmäßig, pedantisch gewissermaßen ein Unterricht im Okkultismus entgegengebracht wird, sondern daß in höchster Weise künstlerisch uns dargestellt wird, wie aus dem Schicksal des Arjuna heraus sich entwickeln muß, was nun entsteht.

[ 9 ] Und nun, nachdem es gerechtfertigt ist, daß die tieferen okkulten Kräfte in der Seele des Arjuna hervorkommen können, daß innerlich erschaut werden können diese Kräfte, da tritt ein, was jetzt für jeden, der schauen kann, selbstverständlich ist: sein Wagenlenker wird zum Instrument, durch das der Gott Krishna zu ihm spricht. Und nun merken wir in den vier ersten Gesängen drei Etappen, drei Stufen, jede folgende höher als die vorhergehende, jede folgende etwas Neues. Gleich in den vier ersten Gesängen eine wunderbare künstlerisch dramatische Steigerung, neben dem, daß diese Steigerung einer tiefen okkulten Wahrheit entspricht. Was ist das erste? Das erste ist eine Lehre, die im Grunde genommen, so wie sie gegeben wird, manchem abendländischen Menschen sogar trivial vorkommen könnte. Das sei ohne weiteres zugegeben. Ich bemerke in Parenthese, daß ich mit abendländisch oder westländisch — und gerade mit Rücksicht auf meine hiesigen lieben Freunde möchte ich dies sagen —, daß ich mit westländisch alles verstehe, was westlich von Ural, Wolga, Kaspischem Meer sogar und Kleinasien liegt, also ganz Europa selbstverständlich. Das Ostländische liegt im wesentlichen in Asien drüben. Natürlich gehört Amerika zu dem Westländischen.

[ 9 ] Und nun, nachdem es gerechtfertigt ist, daß die tieferen okkulten Kräfte in der Seele des Arjuna hervorkommen können, daß innerlich erschaut werden können diese Kräfte, da tritt ein, was jetzt für jeden, der schauen kann, selbstverständlich ist: sein Wagenlenker wird zum Instrument, durch das der Gott Krishna zu ihm spricht. Und nun merken wir in den vier ersten Gesängen drei Etappen, drei Stufen, jede folgende höher als die vorhergehende, jede folgende etwas Neues. Gleich in den vier ersten Gesängen eine wunderbare künstlerisch dramatische Steigerung, neben dem, daß diese Steigerung einer tiefen okkulten Wahrheit entspricht. Was ist das erste? Das erste ist eine Lehre, die im Grunde genommen, so wie sie gegeben wird, manchem abendländischen Menschen sogar trivial vorkommen könnte. Das sei ohne weiteres zugegeben. Ich bemerke in Parenthese, daß ich mit abendländisch oder westländisch — und gerade mit Rücksicht auf meine hiesigen lieben Freunde möchte ich dies sagen —, daß ich mit westländisch alles verstehe, was westlich von Ural, Wolga, Kaspischem Meer sogar und Kleinasien liegt, also ganz Europa selbstverständlich. Das Ostländische liegt im wesentlichen in Asien drüben. Natürlich gehört Amerika zu dem Westländischen.

[ 10 ] Da ist zunächst also eine merkwürdige, gerade für manches philosophische Gemüt, man könnte sagen, triviale Lehre. Was sagt denn zunächst Krishna dem Arjuna wie ein Wort der Anfeuerung zum Kampf? Siehe hinüber auf diejenigen, die durch euch getötet werden sollen, siehe auf diejenigen, die aus euren Reihen getötet werden sollen, siehe auf diejenigen, die getötet werden sollen, und auf diejenigen, die leben bleiben sollen, berücksichtige das eine: Was stirbt oder was am Leben bleibt bei den Feinden und bei euch, das ist die äußere physische Leiblichkeit. Der Geist ist ewig. Und wenn die Deinigen töten jene, die drüben in den anderen Reihen sind, dann töten sie ja nur den äußeren Leib, dann töten sie nicht den Geist, der ewig ist. Und diejenigen, die von euch getötet werden, sie werden nur dem Leibe nach getötet, der Geist aber geht von Verwandlung zu Verwandlung, von Inkarnation zu Inkarnation, er ist ewig. Das ewige, tiefste Wesen des Menschen berührt ihr gar nicht in diesem Kampf. Erhebe dich, Arjuna, zu dem Standpunkte des Geistes, und du wirst hinschauen können auf dasjenige, was nicht getötet werden kann, was am Leben bleibt. Du kannst dich deiner Pflicht opfern, du brauchst nicht zu schaudern, du brauchst nicht trostlos zu sein, da du das Wesentliche nicht tötest, wenn du die Feinde tötest.

[ 10 ] Da ist zunächst also eine merkwürdige, gerade für manches philosophische Gemüt, man könnte sagen, triviale Lehre. Was sagt denn zunächst Krishna dem Arjuna wie ein Wort der Anfeuerung zum Kampf? Siehe hinüber auf diejenigen, die durch euch getötet werden sollen, siehe auf diejenigen, die aus euren Reihen getötet werden sollen, siehe auf diejenigen, die getötet werden sollen, und auf diejenigen, die leben bleiben sollen, berücksichtige das eine: Was stirbt oder was am Leben bleibt bei den Feinden und bei euch, das ist die äußere physische Leiblichkeit. Der Geist ist ewig. Und wenn die Deinigen töten jene, die drüben in den anderen Reihen sind, dann töten sie ja nur den äußeren Leib, dann töten sie nicht den Geist, der ewig ist. Und diejenigen, die von euch getötet werden, sie werden nur dem Leibe nach getötet, der Geist aber geht von Verwandlung zu Verwandlung, von Inkarnation zu Inkarnation, er ist ewig. Das ewige, tiefste Wesen des Menschen berührt ihr gar nicht in diesem Kampf. Erhebe dich, Arjuna, zu dem Standpunkte des Geistes, und du wirst hinschauen können auf dasjenige, was nicht getötet werden kann, was am Leben bleibt. Du kannst dich deiner Pflicht opfern, du brauchst nicht zu schaudern, du brauchst nicht trostlos zu sein, da du das Wesentliche nicht tötest, wenn du die Feinde tötest.

[ 11 ] Zunächst ist dies in gewissem Sinne eine Trivialität, nur ist es eine Trivialität von ganz besonderer Art. Der Abendländer hat in vieler Beziehung ein recht kurzes Denken, ein recht kurzes Bewußtsein. Er bedenkt gar nicht, daß alles in Entwickelung ist. Davon zu sprechen, daß dasjenige, was ich eben jetzt als eine Unterweisung des Krishna ausgesprochen habe, davon zu sprechen, daß das trivial sei, das kommt etwa dem gleich, wie wenn jemand sagen würde: Ja, da verehrt man den Pythagoras als einen so großen Geist, aber seinen Lehrsatz kennt ja jeder Schulbub und jedes Schulmädchen. — Das wäre doch ein sehr törichtes Urteil, wenn man von dem Umstand, daß jeder Schulbub den Pythagoräischen Lehrsatz kennt, schließen würde, daß Pythagoras eben kein großer Mann gewesen sei, weil er den Pythagoräischen Lehrsatz gefunden hat. Da merkt man das Törichte nur; man merkt es aber nicht mehr, wenn man nicht empfindet, daß dasjenige, was heute alle westländischen Philosophen plappern können als Krishnaweisheit: von der Ewigkeit des Geistes, von der Unsterblichkeit des Geistes, daß das in der Zeit, als es Krishna verkündete, eine hohe Weisheit war.

[ 11 ] Zunächst ist dies in gewissem Sinne eine Trivialität, nur ist es eine Trivialität von ganz besonderer Art. Der Abendländer hat in vieler Beziehung ein recht kurzes Denken, ein recht kurzes Bewußtsein. Er bedenkt gar nicht, daß alles in Entwickelung ist. Davon zu sprechen, daß dasjenige, was ich eben jetzt als eine Unterweisung des Krishna ausgesprochen habe, davon zu sprechen, daß das trivial sei, das kommt etwa dem gleich, wie wenn jemand sagen würde: Ja, da verehrt man den Pythagoras als einen so großen Geist, aber seinen Lehrsatz kennt ja jeder Schulbub und jedes Schulmädchen. — Das wäre doch ein sehr törichtes Urteil, wenn man von dem Umstand, daß jeder Schulbub den Pythagoräischen Lehrsatz kennt, schließen würde, daß Pythagoras eben kein großer Mann gewesen sei, weil er den Pythagoräischen Lehrsatz gefunden hat. Da merkt man das Törichte nur; man merkt es aber nicht mehr, wenn man nicht empfindet, daß dasjenige, was heute alle westländischen Philosophen plappern können als Krishnaweisheit: von der Ewigkeit des Geistes, von der Unsterblichkeit des Geistes, daß das in der Zeit, als es Krishna verkündete, eine hohe Weisheit war.

[ 12 ] Solche Seelen wie Arjuna fühlten zwar: Blutsverwandte dürfen sich nicht bekämpfen, empfanden zwar noch das gemeinsame Blut in einer Mehrheit von Menschen, aber etwas völlig Neues, etwas, was ganz neu, epochal neu in seine Seele tönte, war der in abstrakten Worten, in Verstandesworten ausgesprochene Satz: Der Geist ist ewig — der Geist als dasjenige betrachtet, was gewöhnlich abstrakt im Zentrum des Menschen gedacht wird —, der Geist ist ewig und geht durch Verwandlungen hindurch, schreitet von Inkarnation zu Inkarnation. Im Konkreten glaubte jeder Mensch in der Umgebung des Arjuna an die Wiederverkörperung. In der Allgemeinheit, in der Abstraktheit, wie es Krishna lehrte, war es, besonders angesichts der Situation für Arjuna, etwas völlig Neues.

[ 12 ] Solche Seelen wie Arjuna fühlten zwar: Blutsverwandte dürfen sich nicht bekämpfen, empfanden zwar noch das gemeinsame Blut in einer Mehrheit von Menschen, aber etwas völlig Neues, etwas, was ganz neu, epochal neu in seine Seele tönte, war der in abstrakten Worten, in Verstandesworten ausgesprochene Satz: Der Geist ist ewig — der Geist als dasjenige betrachtet, was gewöhnlich abstrakt im Zentrum des Menschen gedacht wird —, der Geist ist ewig und geht durch Verwandlungen hindurch, schreitet von Inkarnation zu Inkarnation. Im Konkreten glaubte jeder Mensch in der Umgebung des Arjuna an die Wiederverkörperung. In der Allgemeinheit, in der Abstraktheit, wie es Krishna lehrte, war es, besonders angesichts der Situation für Arjuna, etwas völlig Neues.

[ 13 ] Das ist das eine, warum das, was eben ausgesprochen worden ist, eigentlich in einem ganz besonderen Sinne eine triviale Wahrheit genannt werden mußte. Es gilt aber auch noch in einem anderen Sinne. Dasjenige, was wir heute, selbst wenn wir populäre Wissenschaft treiben, als dem Menschen etwas ganz Natürliches ansehen, unser Denken, unser abstraktes Denken, das war ganz und gar nicht immer bei dem Menschen etwas Selbstverständliches und Natürliches. Es ist gut, wenn man, um so etwas zu charakterisieren, gleich zu den radikalen Fällen seine Zuflucht nimmt. Ihnen allen wird es sonderbar vorkommen, wenn man folgendes sagt: Für Sie alle ist es ein natürliches Faktum, zum Beispiel von einem Fisch zu sprechen. Bei primitiven Völkern ist das ganz und gar nicht ein natürliches Faktum. Primitive Völker kennen wohl Forellen, Lachse, Stockfische, Heringe, aber «Fisch» kennen sie nicht. Sie haben gar nicht das Wort «Fisch», weil sie bis zu solcher Abstraktheit, bis zu solcher Allgemeinheit mit dem Denken gar nicht gehen. Birkenbäume, Kirschenbäume, Orangenbäume, einzelne Bäume kennen sie, aber «Baum» kennen sie nicht. Dasjenige, was uns ganz natürlich ist, das Denken in allgemeinen Begriffen, das ist heute noch bei primitiven Völkern gar nicht etwas Natürliches.

[ 13 ] Das ist das eine, warum das, was eben ausgesprochen worden ist, eigentlich in einem ganz besonderen Sinne eine triviale Wahrheit genannt werden mußte. Es gilt aber auch noch in einem anderen Sinne. Dasjenige, was wir heute, selbst wenn wir populäre Wissenschaft treiben, als dem Menschen etwas ganz Natürliches ansehen, unser Denken, unser abstraktes Denken, das war ganz und gar nicht immer bei dem Menschen etwas Selbstverständliches und Natürliches. Es ist gut, wenn man, um so etwas zu charakterisieren, gleich zu den radikalen Fällen seine Zuflucht nimmt. Ihnen allen wird es sonderbar vorkommen, wenn man folgendes sagt: Für Sie alle ist es ein natürliches Faktum, zum Beispiel von einem Fisch zu sprechen. Bei primitiven Völkern ist das ganz und gar nicht ein natürliches Faktum. Primitive Völker kennen wohl Forellen, Lachse, Stockfische, Heringe, aber «Fisch» kennen sie nicht. Sie haben gar nicht das Wort «Fisch», weil sie bis zu solcher Abstraktheit, bis zu solcher Allgemeinheit mit dem Denken gar nicht gehen. Birkenbäume, Kirschenbäume, Orangenbäume, einzelne Bäume kennen sie, aber «Baum» kennen sie nicht. Dasjenige, was uns ganz natürlich ist, das Denken in allgemeinen Begriffen, das ist heute noch bei primitiven Völkern gar nicht etwas Natürliches.

[ 14 ] Wenn man sich dieses Faktum vor Augen führt, dann muß man sich klar sein, daß auch dasjenige, was man im heutigen Sinne «Denken in allgemeinen Begriffen» nennt, daß dieses besondere Denken erst im Laufe der Entwickelung in die Menschheit eingetreten ist. Ja, für denjenigen, der ein wenig darüber nachdenkt, warum Logik erst im alten Griechenland entstanden ist, könnte es gar nicht besonders auffällig sein, wenn gesagt wird aus okkulter Erkenntnis heraus, daß logisches Denken eigentlich überhaupt erst seit jener Zeit existiert, die nach der ursprünglichen Abfassung der Bhagavad Gita verflossen ist. Auf logisches Denken, auf Denken in Abstraktionen weist gewissermaßen als auf etwas Neues, was jetzt erst in die Menschheit eintreten soll, Krishna den Arjuna hin. Aber dieses Denken, das der Mensch so entwickelt, dieses Denken, das nimmt man zwar heute als etwas ganz Natürliches, aber man hat die schiefesten, unnatürlichsten Ansichten über dieses Denken. Und gerade die westländischen Philosophen haben über dieses Denken die allerschiefsten Anschauungen, denn man hält gewöhnlich dieses Denken für eine bloße Photographie der äußeren sinnlichen Wirklichkeit, man glaubt, die Begriffe, Ideen entstehen im Menschen, dieses ganze innere Denken überhaupt entstehe im Menschen von der physischen Außenwelt herein. Ganze Bibliotheken von philosophischen Werken sind geschrieben worden in der abendländischen Literatur, um nachzuweisen, daß dieses Denken eigentlich nichts anderes sei als etwas, was durch die physische Außenwelt angeregt entstanden sei. Wir erst leben in der Zeit, wo dieses Denken in der richtigen Weise gewürdigt werden kann.

[ 14 ] Wenn man sich dieses Faktum vor Augen führt, dann muß man sich klar sein, daß auch dasjenige, was man im heutigen Sinne «Denken in allgemeinen Begriffen» nennt, daß dieses besondere Denken erst im Laufe der Entwickelung in die Menschheit eingetreten ist. Ja, für denjenigen, der ein wenig darüber nachdenkt, warum Logik erst im alten Griechenland entstanden ist, könnte es gar nicht besonders auffällig sein, wenn gesagt wird aus okkulter Erkenntnis heraus, daß logisches Denken eigentlich überhaupt erst seit jener Zeit existiert, die nach der ursprünglichen Abfassung der Bhagavad Gita verflossen ist. Auf logisches Denken, auf Denken in Abstraktionen weist gewissermaßen als auf etwas Neues, was jetzt erst in die Menschheit eintreten soll, Krishna den Arjuna hin. Aber dieses Denken, das der Mensch so entwickelt, dieses Denken, das nimmt man zwar heute als etwas ganz Natürliches, aber man hat die schiefesten, unnatürlichsten Ansichten über dieses Denken. Und gerade die westländischen Philosophen haben über dieses Denken die allerschiefsten Anschauungen, denn man hält gewöhnlich dieses Denken für eine bloße Photographie der äußeren sinnlichen Wirklichkeit, man glaubt, die Begriffe, Ideen entstehen im Menschen, dieses ganze innere Denken überhaupt entstehe im Menschen von der physischen Außenwelt herein. Ganze Bibliotheken von philosophischen Werken sind geschrieben worden in der abendländischen Literatur, um nachzuweisen, daß dieses Denken eigentlich nichts anderes sei als etwas, was durch die physische Außenwelt angeregt entstanden sei. Wir erst leben in der Zeit, wo dieses Denken in der richtigen Weise gewürdigt werden kann.

[ 15 ] Hier komme ich auf einen Punkt zu sprechen, der ganz und gar wichtig ist gerade für diejenigen, die mit der eigenen Seele eine okkulte Entwickelung durchmachen wollen. Ich möchte wirklich alles versuchen, um gerade über dasjenige, was ich jetzt aussprechen will, Klarheit hervorzurufen. Gewiß, mittelalterliche Alchimisten haben gesagt — und ich kann heute nicht auseinandersetzen, was sie eigentlich damit gemeint haben —, sie haben gesagt, man könne aus allen Metallen Gold machen, Gold in so großer Menge, wie man will, nur muß man zunächst unbedingt ein Winziges an Gold haben. Ohne daß man das hat, kann man kein Gold machen. Aber wenn man ein Winzigstes an Gold hat, kann man beliebige Mengen Goldes machen. — So ist es nämlich, wenn auch nicht mit dem Gold machen, so ist es mit dem Hellsehen. Kein Mensch könnte eigentlich zu wirklichem Hellsehen kommen, wenn er nicht zunächst ein Winziges an Hellsehen in der Seele hätte. Wenn es wahr wäre, was ein allgemeiner Glaube ist, daß die Menschen, wie sie sind, nicht hellsichtig seien, dann könnten sie überhaupt nicht hellsichtig werden. Denn wie der Alchimist meint, daß man etwas Gold haben muß, um viele Mengen Goldes hervorzuzaubern, so muß man unbedingt etwas hellsehend schon sein, damit man dieses Hellsehen immer weiter und weiter ins Unbegrenzte hinein ausbilden kann.

[ 15 ] Hier komme ich auf einen Punkt zu sprechen, der ganz und gar wichtig ist gerade für diejenigen, die mit der eigenen Seele eine okkulte Entwickelung durchmachen wollen. Ich möchte wirklich alles versuchen, um gerade über dasjenige, was ich jetzt aussprechen will, Klarheit hervorzurufen. Gewiß, mittelalterliche Alchimisten haben gesagt — und ich kann heute nicht auseinandersetzen, was sie eigentlich damit gemeint haben —, sie haben gesagt, man könne aus allen Metallen Gold machen, Gold in so großer Menge, wie man will, nur muß man zunächst unbedingt ein Winziges an Gold haben. Ohne daß man das hat, kann man kein Gold machen. Aber wenn man ein Winzigstes an Gold hat, kann man beliebige Mengen Goldes machen. — So ist es nämlich, wenn auch nicht mit dem Gold machen, so ist es mit dem Hellsehen. Kein Mensch könnte eigentlich zu wirklichem Hellsehen kommen, wenn er nicht zunächst ein Winziges an Hellsehen in der Seele hätte. Wenn es wahr wäre, was ein allgemeiner Glaube ist, daß die Menschen, wie sie sind, nicht hellsichtig seien, dann könnten sie überhaupt nicht hellsichtig werden. Denn wie der Alchimist meint, daß man etwas Gold haben muß, um viele Mengen Goldes hervorzuzaubern, so muß man unbedingt etwas hellsehend schon sein, damit man dieses Hellsehen immer weiter und weiter ins Unbegrenzte hinein ausbilden kann.

[ 16 ] Nun könnten Sie ja die Alternative aufstellen und sagen: Also glaubst du, daß wir schon alle hellsichtig sind, wenn auch nur ein Winziges, oder daß diejenigen unter uns, die nicht hellsichtig sind, es auch nie werden können? — Sehen Sie, darauf kommt es an, daß man versteht, daß der erste Fall der Alternative richtig ist: Es gibt wirklich keinen unter Ihnen, der nicht — wenn er sich dessen auch nicht bewußt ist — diesen Ausgangspunkt hätte. Sie haben ihn alle. Keiner von Ihnen ist in der Not, weil Sie alle ein gewisses Quantum Hellsehen haben. Und was ist dieses Quantum? Das ist dasjenige, was gewöhnlich gar nicht als Hellsehen geschätzt wird.

[ 16 ] Nun könnten Sie ja die Alternative aufstellen und sagen: Also glaubst du, daß wir schon alle hellsichtig sind, wenn auch nur ein Winziges, oder daß diejenigen unter uns, die nicht hellsichtig sind, es auch nie werden können? — Sehen Sie, darauf kommt es an, daß man versteht, daß der erste Fall der Alternative richtig ist: Es gibt wirklich keinen unter Ihnen, der nicht — wenn er sich dessen auch nicht bewußt ist — diesen Ausgangspunkt hätte. Sie haben ihn alle. Keiner von Ihnen ist in der Not, weil Sie alle ein gewisses Quantum Hellsehen haben. Und was ist dieses Quantum? Das ist dasjenige, was gewöhnlich gar nicht als Hellsehen geschätzt wird.

[ 17 ] Verzeihen Sie einen etwas groben Vergleich: Wenn eine Perle am Wege liegt und ein Huhn findet sie, so schätzt das Huhn die Perle nicht besonders. Solche Hühner sind die modernen Menschen zumeist. Sie schätzen die Perle, die ganz offen daliegt, gar nicht, sie schätzen etwas ganz anderes, sie schätzen nämlich ihre Vorstellungen. Niemand könnte abstrakt denken, wirkliche Gedanken und Ideen haben, wenn er nicht hellsichtig wäre, denn in den gewöhnlichen Gedanken und Ideen ist die Perle der Hellsichtigkeit von allem Anfange an. Diese Gedanken und Ideen entstehen genau durch denselben Prozeß der Seele, durch den die höchsten Kräfte entstehen. Und es ist ungeheuer wichtig, daß man zunächst verstehen lernt, daß der Anfang der Hellsichtigkeit etwas ganz Alltägliches eigentlich ist: man muß nur die übersinnliche Natur der Begriffe und Ideen erfassen. Man muß sich klar sein, daß aus den übersinnlichen Welten die Begriffe und Ideen zu uns kommen, dann erst sieht man recht. Wenn ich Ihnen erzähle von Geistern der höheren Hierarchien, von den Seraphim, Cherubim, von den Thronen herunter bis zu den Archangelo: und Angeloi, so sind das Wesenheiten, die aus geistigen, höheren Welten zu der Menschenseele sprechen müssen. Aus eben diesen Welten kommen der Seele die Ideen und Begriffe, sie kommen geradezu in die Seele aus höheren Welten herein und nicht aus der Sinnenwelt.

[ 17 ] Verzeihen Sie einen etwas groben Vergleich: Wenn eine Perle am Wege liegt und ein Huhn findet sie, so schätzt das Huhn die Perle nicht besonders. Solche Hühner sind die modernen Menschen zumeist. Sie schätzen die Perle, die ganz offen daliegt, gar nicht, sie schätzen etwas ganz anderes, sie schätzen nämlich ihre Vorstellungen. Niemand könnte abstrakt denken, wirkliche Gedanken und Ideen haben, wenn er nicht hellsichtig wäre, denn in den gewöhnlichen Gedanken und Ideen ist die Perle der Hellsichtigkeit von allem Anfange an. Diese Gedanken und Ideen entstehen genau durch denselben Prozeß der Seele, durch den die höchsten Kräfte entstehen. Und es ist ungeheuer wichtig, daß man zunächst verstehen lernt, daß der Anfang der Hellsichtigkeit etwas ganz Alltägliches eigentlich ist: man muß nur die übersinnliche Natur der Begriffe und Ideen erfassen. Man muß sich klar sein, daß aus den übersinnlichen Welten die Begriffe und Ideen zu uns kommen, dann erst sieht man recht. Wenn ich Ihnen erzähle von Geistern der höheren Hierarchien, von den Seraphim, Cherubim, von den Thronen herunter bis zu den Archangelo: und Angeloi, so sind das Wesenheiten, die aus geistigen, höheren Welten zu der Menschenseele sprechen müssen. Aus eben diesen Welten kommen der Seele die Ideen und Begriffe, sie kommen geradezu in die Seele aus höheren Welten herein und nicht aus der Sinnenwelt.

[ 18 ] Es wurde als ein großes Wort eines großen Aufklärers gehalten, das dieser gesagt hat im 18. Jahrhundert: Mensch, erkühne dich, deiner Vernunft dich zu bedienen. — Heute muß ein größeres Wort in die Seelen klingen, das heißt: Mensch, erkühne dich, deine Begriffe und Ideen als die Anfänge deines Hellsehertums anzusprechen. — Das, was ich jetzt ausgesprochen habe, habe ich schon vor vielen Jahren ausgesprochen, ausgesprochen in aller Öffentlichkeit, nämlich in meinen Büchern «Wahrheit und Wissenschaft» und «Philosophie der Freiheit», wo ich gezeigt habe, daß die menschlichen Ideen aus übersinnlichem, geistigem Erkennen kommen. Man hat es dazumal nicht verstanden; das ist ja auch kein Wunder, denn diejenigen, die es hätten verstehen sollen, die gehörten, nun ja, halt zu den Hühnern. Wir müssen uns aber klar sein, daß in dem Augenblick, wo Krishna vor dem Arjuna steht, er ihm sozusagen zum ersten Male in der ganzen Menschheitsentwikkelung den Ausgangspunkt für die Erkenntnis der höheren Welten in der Durchdringung des abstrakten Urteilens gibt. Der Geist kann gesehen werden ganz in der Oberfläche der Verwandlungen innerhalb der äußeren Sinnenwelt. Die Leiber können sterben, der Geist, das Abstrakte, das Wesentliche ist ewig. Ganz in der Oberfläche der Erscheinungen kann das Geistige gesehen werden. Das ist es, was Krishna dem Arjuna als den Anfang eines neuen Hellsehertums des Menschen klar machen will.

[ 18 ] Es wurde als ein großes Wort eines großen Aufklärers gehalten, das dieser gesagt hat im 18. Jahrhundert: Mensch, erkühne dich, deiner Vernunft dich zu bedienen. — Heute muß ein größeres Wort in die Seelen klingen, das heißt: Mensch, erkühne dich, deine Begriffe und Ideen als die Anfänge deines Hellsehertums anzusprechen. — Das, was ich jetzt ausgesprochen habe, habe ich schon vor vielen Jahren ausgesprochen, ausgesprochen in aller Öffentlichkeit, nämlich in meinen Büchern «Wahrheit und Wissenschaft» und «Philosophie der Freiheit», wo ich gezeigt habe, daß die menschlichen Ideen aus übersinnlichem, geistigem Erkennen kommen. Man hat es dazumal nicht verstanden; das ist ja auch kein Wunder, denn diejenigen, die es hätten verstehen sollen, die gehörten, nun ja, halt zu den Hühnern. Wir müssen uns aber klar sein, daß in dem Augenblick, wo Krishna vor dem Arjuna steht, er ihm sozusagen zum ersten Male in der ganzen Menschheitsentwikkelung den Ausgangspunkt für die Erkenntnis der höheren Welten in der Durchdringung des abstrakten Urteilens gibt. Der Geist kann gesehen werden ganz in der Oberfläche der Verwandlungen innerhalb der äußeren Sinnenwelt. Die Leiber können sterben, der Geist, das Abstrakte, das Wesentliche ist ewig. Ganz in der Oberfläche der Erscheinungen kann das Geistige gesehen werden. Das ist es, was Krishna dem Arjuna als den Anfang eines neuen Hellsehertums des Menschen klar machen will.

[ 19 ] Für den heutigen Menschen ist eines notwendig, wenn er zu einer innerlich erlebten Wahrheit kommen will. Wenn er wirklich einmal innerlich Wahrheit erleben will, dann muß der Mensch einmal durchgemacht haben das Gefühl der Vergänglichkeit aller äußeren Verwandlungen, dann muß der Mensch die Stimmung der unendlichen Trauer, der unendlichen Tragik und das Frohlocken der Seligkeit zugleich erlebt haben, erlebt haben den Hauch, den Vergänglichkeit aus den Dingen ausströmt. Er muß sein Interesse haben fesseln können an diesen Hauch des Werdens, des Entstehens und der Vergänglichkeit der Sinnenwelt. Dann muß der Mensch, wenn er höchsten Schmerz und höchste Seligkeit an der Außenwelt hat empfinden können, einmal so recht allein gewesen sein, allein gewesen sein nur mit seinen Begriffen und Ideen; dann muß er einmal empfunden haben: Ja, in diesen Begriffen und Ideen, da fassest du doch das Weltengeheimnis, das Weltgeschehen an einem Zipfel — derselbe Ausdruck, den ich einstmals gebraucht habe in meiner «Philosophie der Freiheit». — Aber erleben muß man dieses, nicht bloß verstandesmäßig begreifen, und wenn man es erleben will, erlebt man es in völligster Einsamkeit.

[ 19 ] Für den heutigen Menschen ist eines notwendig, wenn er zu einer innerlich erlebten Wahrheit kommen will. Wenn er wirklich einmal innerlich Wahrheit erleben will, dann muß der Mensch einmal durchgemacht haben das Gefühl der Vergänglichkeit aller äußeren Verwandlungen, dann muß der Mensch die Stimmung der unendlichen Trauer, der unendlichen Tragik und das Frohlocken der Seligkeit zugleich erlebt haben, erlebt haben den Hauch, den Vergänglichkeit aus den Dingen ausströmt. Er muß sein Interesse haben fesseln können an diesen Hauch des Werdens, des Entstehens und der Vergänglichkeit der Sinnenwelt. Dann muß der Mensch, wenn er höchsten Schmerz und höchste Seligkeit an der Außenwelt hat empfinden können, einmal so recht allein gewesen sein, allein gewesen sein nur mit seinen Begriffen und Ideen; dann muß er einmal empfunden haben: Ja, in diesen Begriffen und Ideen, da fassest du doch das Weltengeheimnis, das Weltgeschehen an einem Zipfel — derselbe Ausdruck, den ich einstmals gebraucht habe in meiner «Philosophie der Freiheit». — Aber erleben muß man dieses, nicht bloß verstandesmäßig begreifen, und wenn man es erleben will, erlebt man es in völligster Einsamkeit.

[ 20 ] Und man hat dann noch ein Nebengefühl. Auf der einen Seite erlebt man die Grandiosität der Ideenwelt, die sich ausspannt über das All, auf der anderen Seite erlebt man mit der tiefsten Bitternis, daß man sich trennen muß von Raum und Zeit, wenn man mit seinen Begriffen und Ideen zusammensein will. Einsamkeit! Man erlebt die frostige Kälte. Und weiter enthüllt sich einem, daß die Ideenwelt sich jetzt wie in einem Punkte zusammengezogen hat, wie in einem Punkte dieser Einsamkeit. Man erlebt: Jetzt bist du mit ihr allein. — Man muß das erleben können. Man erlebt dann das Irrewerden an dieser Ideenwelt, ein Erlebnis, das einen tief aufwühlt in der Seele. Dann erlebt man es, daß man sich sagt: Vielleicht bist du das alles doch nur selber, vielleicht ist an diesen Gesetzen nur wahr, daß es lebt in dem Punkte deiner eigenen Einsamkeit. — Dann erlebt man, ins Unendliche vergrößert, alle Zweifel am Sein.

[ 20 ] Und man hat dann noch ein Nebengefühl. Auf der einen Seite erlebt man die Grandiosität der Ideenwelt, die sich ausspannt über das All, auf der anderen Seite erlebt man mit der tiefsten Bitternis, daß man sich trennen muß von Raum und Zeit, wenn man mit seinen Begriffen und Ideen zusammensein will. Einsamkeit! Man erlebt die frostige Kälte. Und weiter enthüllt sich einem, daß die Ideenwelt sich jetzt wie in einem Punkte zusammengezogen hat, wie in einem Punkte dieser Einsamkeit. Man erlebt: Jetzt bist du mit ihr allein. — Man muß das erleben können. Man erlebt dann das Irrewerden an dieser Ideenwelt, ein Erlebnis, das einen tief aufwühlt in der Seele. Dann erlebt man es, daß man sich sagt: Vielleicht bist du das alles doch nur selber, vielleicht ist an diesen Gesetzen nur wahr, daß es lebt in dem Punkte deiner eigenen Einsamkeit. — Dann erlebt man, ins Unendliche vergrößert, alle Zweifel am Sein.

[ 21 ] Wenn man dieses Erlebnis in seiner Ideenwelt hat, wenn sich aller Zweifel am Sein schmerzlich und bitter abgeladen hat auf die Seele, dann erst ist man im Grunde reif dazu, zu verstehen, wie es doch nicht die unendlichen Räume und die unendlichen Zeiten der physischen Welt sind, die einem die Ideen gegeben haben. Jetzt erst, nach dem bitteren Zweifel, öffnet man sich den Regionen des Spirituellen und weiß, daß der Zweifel berechtigt war, und wie er berechtigt war. Denn er mußte berechtigt sein, weil man geglaubt hat, daß die Ideen aus den Zeiten und Räumen in die Seele gekommen seien. Aber was empfindet man jetzt? Als was empfindet man die Ideenwelt, nachdem man sie erlebt hat aus den spirituellen Welten heraus? Jetzt fühlt man sich zum ersten Male inspiriert, jetzt beginnt man, während man früher wie einen Abgrund die unendliche Öde um sich ausgedehnt empfunden hat, jetzt beginnt man sich zu fühlen wie auf einem Felsen stehend, der aus dem Abgrunde emporwächst, und man fühlt sich so, daß man weiß: Jetzt bist du in Verbindung mit den geistigen Welten, diese und nicht die Sinnenwelt haben dich mit der Ideenwelt beschenkt. — Das ist eine nächste Etappe für die sich entwikkelnde Seele. Das ist diejenige Etappe, wo es beim Menschen beginnt mit dem, was heute schon eine triviale Wahrheit geworden ist, recht ernst zu werden. Daß man dieses Fühlen im Herzen trägt, das ist die Vorbereitung dazu, daß man überhaupt im richtigen Sinne empfindet, was jetzt, nach der gewaltigen, großen Erschütterung der Seele des Arjuna, von Krishna dem Arjuna als erste Wahrheit gegeben wird: die Wahrheit von dem ewigen Geiste, der in den Verwandlungen lebt. In Begriffen und Ideen wird zum abstrakten Verstande gesprochen, Krishna spricht zum Herzen des Arjuna, und was ganz trivial für den Verstand sein mag, ist etwas unendlich Tiefes, Erhabenes für das Herz.

[ 21 ] Wenn man dieses Erlebnis in seiner Ideenwelt hat, wenn sich aller Zweifel am Sein schmerzlich und bitter abgeladen hat auf die Seele, dann erst ist man im Grunde reif dazu, zu verstehen, wie es doch nicht die unendlichen Räume und die unendlichen Zeiten der physischen Welt sind, die einem die Ideen gegeben haben. Jetzt erst, nach dem bitteren Zweifel, öffnet man sich den Regionen des Spirituellen und weiß, daß der Zweifel berechtigt war, und wie er berechtigt war. Denn er mußte berechtigt sein, weil man geglaubt hat, daß die Ideen aus den Zeiten und Räumen in die Seele gekommen seien. Aber was empfindet man jetzt? Als was empfindet man die Ideenwelt, nachdem man sie erlebt hat aus den spirituellen Welten heraus? Jetzt fühlt man sich zum ersten Male inspiriert, jetzt beginnt man, während man früher wie einen Abgrund die unendliche Öde um sich ausgedehnt empfunden hat, jetzt beginnt man sich zu fühlen wie auf einem Felsen stehend, der aus dem Abgrunde emporwächst, und man fühlt sich so, daß man weiß: Jetzt bist du in Verbindung mit den geistigen Welten, diese und nicht die Sinnenwelt haben dich mit der Ideenwelt beschenkt. — Das ist eine nächste Etappe für die sich entwikkelnde Seele. Das ist diejenige Etappe, wo es beim Menschen beginnt mit dem, was heute schon eine triviale Wahrheit geworden ist, recht ernst zu werden. Daß man dieses Fühlen im Herzen trägt, das ist die Vorbereitung dazu, daß man überhaupt im richtigen Sinne empfindet, was jetzt, nach der gewaltigen, großen Erschütterung der Seele des Arjuna, von Krishna dem Arjuna als erste Wahrheit gegeben wird: die Wahrheit von dem ewigen Geiste, der in den Verwandlungen lebt. In Begriffen und Ideen wird zum abstrakten Verstande gesprochen, Krishna spricht zum Herzen des Arjuna, und was ganz trivial für den Verstand sein mag, ist etwas unendlich Tiefes, Erhabenes für das Herz.

[ 22 ] Wir sehen, wie sich die erste Etappe sogleich als etwas ergibt, was mit Notwendigkeit hervorgeht aus der tiefen Lebenserschütterung, die wir am Ausgangspunkte der Bhagavad Gita sehen. Und nun die nächste Etappe. Man spricht sehr leicht von demjenigen, was man oftmals dem Okkultismus gegenüber als Dogma bezeichnet, als etwas, was man auf Treu und Glauben hinnimmt und wie ein Evangelium verkündet. Um mich zu erklären, möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, daß es unendlich billig wäre, wenn jemand auftreten würde und sagen würde: Da hat einer eine «Geheimwissenschaft» veröffentlicht und spricht darin von einer Saturn-, Sonnen- und Mondentwickelung. Das kann man nicht kontrollieren, das kann man nur als Dogma hinnehmen. — Ich würde es begreifen, wenn so etwas gesagt würde, denn begreiflich ist so etwas aus der Oberflächlichkeit unserer Zeit heraus; denn oberflächlich ist unsere Zeit doch. Ja, es ist unter gewissen Voraussetzungen sogar wahr, aber nur unter der Voraussetzung, daß man aus dem Buche alle Seiten wegreißt, die dem Kapitel über die Saturnentwickelung zum Beispiel vorangehen. In dem Augenblick ist dieses Kapitel Dogma, wenn jemand mit diesem Kapitel das Buch beginnen würde. Würde direkt in diesem Buch bei der Saturnentwickelung begonnen, so wäre der Schreiber ein Dogmatiker. Wenn er aber voraussetzt die andern Kapitel, so ist er ganz und gar kein Dogmatiker, denn er zeigt, welchen Weg diese Seele durchzumachen hat, um zu solchen Anschauungen zu kommen. Darauf kommt es an. Es kommt darauf an, daß gezeigt wird, wie jede einzelne Seele, wenn sie sich in den Tiefen erfaßt, zu solchen Anschauungen kommen muß. Dadurch hört aller Dogmatusmus auf.

[ 22 ] Wir sehen, wie sich die erste Etappe sogleich als etwas ergibt, was mit Notwendigkeit hervorgeht aus der tiefen Lebenserschütterung, die wir am Ausgangspunkte der Bhagavad Gita sehen. Und nun die nächste Etappe. Man spricht sehr leicht von demjenigen, was man oftmals dem Okkultismus gegenüber als Dogma bezeichnet, als etwas, was man auf Treu und Glauben hinnimmt und wie ein Evangelium verkündet. Um mich zu erklären, möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, daß es unendlich billig wäre, wenn jemand auftreten würde und sagen würde: Da hat einer eine «Geheimwissenschaft» veröffentlicht und spricht darin von einer Saturn-, Sonnen- und Mondentwickelung. Das kann man nicht kontrollieren, das kann man nur als Dogma hinnehmen. — Ich würde es begreifen, wenn so etwas gesagt würde, denn begreiflich ist so etwas aus der Oberflächlichkeit unserer Zeit heraus; denn oberflächlich ist unsere Zeit doch. Ja, es ist unter gewissen Voraussetzungen sogar wahr, aber nur unter der Voraussetzung, daß man aus dem Buche alle Seiten wegreißt, die dem Kapitel über die Saturnentwickelung zum Beispiel vorangehen. In dem Augenblick ist dieses Kapitel Dogma, wenn jemand mit diesem Kapitel das Buch beginnen würde. Würde direkt in diesem Buch bei der Saturnentwickelung begonnen, so wäre der Schreiber ein Dogmatiker. Wenn er aber voraussetzt die andern Kapitel, so ist er ganz und gar kein Dogmatiker, denn er zeigt, welchen Weg diese Seele durchzumachen hat, um zu solchen Anschauungen zu kommen. Darauf kommt es an. Es kommt darauf an, daß gezeigt wird, wie jede einzelne Seele, wenn sie sich in den Tiefen erfaßt, zu solchen Anschauungen kommen muß. Dadurch hört aller Dogmatusmus auf.

[ 23 ] Man kann es daher als natürlich empfinden, daß Krishna dem Arjuna gegenüber, indem er ihn hineinführen will in die okkulte Welt und nachdem er ihm die Ideenwelt klar gemacht hat, ihm jetzt die nächste Stufe zeigt, zeigt, wie jede Seele, wenn sie den richtigen Ausgangspunkt findet, in die okkulten Welten kommen kann. Was muß also Krishna tun? Dazu muß Krishna allen Dogmatismus ablehnen. Und radikal lehnt er allen Dogmatismus ab. Ein hartes Wort finden wir sogleich bei dieser nächsten Stufe. Dasjenige, was den höchsten Menschen jener Zeiten durch Jahrhunderte hindurch heilig war, der Inhalt der Veden, wird radikal abgelehnt: Halte dich nicht an die Veden, halte dich nicht an das Vedawort, halte dich an Yoga. — Das heißt, halte dich an das Innere deiner eigenen Seele. Fassen wir ins Auge, was da gesagt werden soll.

[ 23 ] Man kann es daher als natürlich empfinden, daß Krishna dem Arjuna gegenüber, indem er ihn hineinführen will in die okkulte Welt und nachdem er ihm die Ideenwelt klar gemacht hat, ihm jetzt die nächste Stufe zeigt, zeigt, wie jede Seele, wenn sie den richtigen Ausgangspunkt findet, in die okkulten Welten kommen kann. Was muß also Krishna tun? Dazu muß Krishna allen Dogmatismus ablehnen. Und radikal lehnt er allen Dogmatismus ab. Ein hartes Wort finden wir sogleich bei dieser nächsten Stufe. Dasjenige, was den höchsten Menschen jener Zeiten durch Jahrhunderte hindurch heilig war, der Inhalt der Veden, wird radikal abgelehnt: Halte dich nicht an die Veden, halte dich nicht an das Vedawort, halte dich an Yoga. — Das heißt, halte dich an das Innere deiner eigenen Seele. Fassen wir ins Auge, was da gesagt werden soll.

[ 24 ] Die Veden enthalten im Sinne des Krishna nicht Unwahrheit, aber Krishna will nicht, daß Arjuna dasjenige, was in den Veden gegeben ist, dogmatisch hinnimmt wie die Vedenschüler, sondern Krishna will ihn heranerziehen, daß er von dem ursprünglichsten Entwickelungspunkt der Menschenseele ausgehe. Da muß alle dogmatische Weisheit beiseite gesetzt werden. Dann könnte Krishna etwa sprechen, wie beiseite — wir können uns ja vorstellen, daß Krishna zu sich beiseite spricht —, dann könnte er sich sagen: Und wenn Arjuna auch zuletzt zu all demselben kommen soll, was in den Veden steht, ich muß ihn ablenken von den Veden, denn er soll den eigenen Weg aus den Ursprüngen seiner Seele machen. — Von Krishna werden die Veden abgelehnt, gleichgültig, ob sie Wahrheit oder Unwahrheit enthalten. Denn vom Ursprünglichen der Seele soll Arjuna den Weg nehmen, er soll aus sich, aus einer inneren Eigenheit den Krishna kennenlernen. Für Arjuna muß vorausgesetzt werden, was vorausgesetzt werden kann, wenn man in die konkreten Wahrheiten der oberen übersinnlichen Welten wirklich eintreten kann. So daß also, nachdem Krishna den Arjuna aufmerksam gemacht hat auf etwas, was von diesem Zeitraum der Verkündung der Bhagavad Gita an, allgemein menschlich ist, nachdem er ihn darauf geführt hat, er ihn auch dahin führen muß, zu erkennen, was er bekommen soll durch den Yoga. Denn Yoga muß Arjuna erst durchmachen. Das ist die Steigerung zu einer nächsten Etappe hinauf.

[ 24 ] Die Veden enthalten im Sinne des Krishna nicht Unwahrheit, aber Krishna will nicht, daß Arjuna dasjenige, was in den Veden gegeben ist, dogmatisch hinnimmt wie die Vedenschüler, sondern Krishna will ihn heranerziehen, daß er von dem ursprünglichsten Entwickelungspunkt der Menschenseele ausgehe. Da muß alle dogmatische Weisheit beiseite gesetzt werden. Dann könnte Krishna etwa sprechen, wie beiseite — wir können uns ja vorstellen, daß Krishna zu sich beiseite spricht —, dann könnte er sich sagen: Und wenn Arjuna auch zuletzt zu all demselben kommen soll, was in den Veden steht, ich muß ihn ablenken von den Veden, denn er soll den eigenen Weg aus den Ursprüngen seiner Seele machen. — Von Krishna werden die Veden abgelehnt, gleichgültig, ob sie Wahrheit oder Unwahrheit enthalten. Denn vom Ursprünglichen der Seele soll Arjuna den Weg nehmen, er soll aus sich, aus einer inneren Eigenheit den Krishna kennenlernen. Für Arjuna muß vorausgesetzt werden, was vorausgesetzt werden kann, wenn man in die konkreten Wahrheiten der oberen übersinnlichen Welten wirklich eintreten kann. So daß also, nachdem Krishna den Arjuna aufmerksam gemacht hat auf etwas, was von diesem Zeitraum der Verkündung der Bhagavad Gita an, allgemein menschlich ist, nachdem er ihn darauf geführt hat, er ihn auch dahin führen muß, zu erkennen, was er bekommen soll durch den Yoga. Denn Yoga muß Arjuna erst durchmachen. Das ist die Steigerung zu einer nächsten Etappe hinauf.

[ 25 ] Wir sehen, wie — als zweite Stufe — mit wichtiger dramatischer Steigerung zu dem Allerindividuellsten hin die Bhagavad Gita weiterschreitet in diesen vier ersten Gesängen. Nun schildert Krishna dem Arjuna den Yogaweg — darüber werden wir morgen noch genauer zu sprechen haben —, er schildert diesen Weg, den Arjuna durchzumachen hat, um zu der nächsten Stufe heraufzukommen, von dem alltäglichen Hellsehen der Begriffe und Ideen zu dem, was nur durch Yoga erlangt werden kann. Die Begriffe und Ideen brauchen nur in das richtige Licht gestellt zu werden, zu Yoga muß er geführt werden. Das ist die zweite Stufe.

[ 25 ] Wir sehen, wie — als zweite Stufe — mit wichtiger dramatischer Steigerung zu dem Allerindividuellsten hin die Bhagavad Gita weiterschreitet in diesen vier ersten Gesängen. Nun schildert Krishna dem Arjuna den Yogaweg — darüber werden wir morgen noch genauer zu sprechen haben —, er schildert diesen Weg, den Arjuna durchzumachen hat, um zu der nächsten Stufe heraufzukommen, von dem alltäglichen Hellsehen der Begriffe und Ideen zu dem, was nur durch Yoga erlangt werden kann. Die Begriffe und Ideen brauchen nur in das richtige Licht gestellt zu werden, zu Yoga muß er geführt werden. Das ist die zweite Stufe.

[ 26 ] Die dritte Stufe: wiederum eine dramatische Steigerung, wiederum ein Aussprechen einer tiefen okkulten Wahrheit. Worin besteht diese dritte Stufe?

[ 26 ] Die dritte Stufe: wiederum eine dramatische Steigerung, wiederum ein Aussprechen einer tiefen okkulten Wahrheit. Worin besteht diese dritte Stufe?

[ 27 ] Nehmen wir an, jemand gehe wirklich einmal den Yogaweg. Wenn er das tut, dann kommt er dazu — diese Dinge werden wir noch genauer darstellen —, von seinem gewöhnlichen Bewußtsein zu einer höheren Bewußtseinsstufe hinaufzusteigen, zu derjenigen Bewußtseinsstufe, die nicht bloß das Ich umfaßt, welches zwischen Geburt und Tod liegt, sondern jenes Ich umfaßt, das von Inkarnation zu Inkarnation geht. In einem erweiterten Ich erkennt sich die Seele, in ein erweitertes Ich, in ein erweitertes Bewußtsein, wächst die Seele hinein. Die Seele macht einen Prozeß durch, der im Grunde auch alltäglich ist, aber der in der Alltäglichkeit eben nicht voll erlebt wird. Der Mensch schläft ja an jedem Abend ein. Dann erstirbt um ihn herum die Sinnenwelt, er wird für diese Sinnenwelt bewußtlos. Es ist nun eine Möglichkeit für die Seele, die Sinnenwelt wie beim Einschlafen verschwinden zu lassen, aber um in höheren Welten wie in einer Wirklichkeit zu leben. Da ersteigt der Mensch eine hohe Bewußtseinsstufe. Wenn der Mensch allmählich — und wir werden eben von dem Yoga und auch von modernen Übungen zu sprechen haben —, wenn der Mensch dazu gelangt, nicht mehr mit seinem Bewußtsein in sich zu leben, zu fühlen und zu wissen, sondern mit der ganzen Erde zu leben, zu fühlen und zu wissen, dann wächst er auf zu einer höheren Bewußtseinsstufe, wenn die gewöhnlichen Sinnesdinge für ihn verschwinden wie im Schlaf. Dazu aber ist notwendig, daß der Mensch sich zu identifizieren vermag mit seiner Planetenseele, mit der Erdenseele. Wir werden sehen, daß er das kann. Wir wissen, daß der Mensch nicht nur einschläft und aufwacht, sondern auf der anderen Seite erlebt auch noch andere Rhythmen der Erde: Winter, Sommer. Wenn der Mensch den Yogaweg geht oder moderne okkulte Übungen ausführt, dann kann er sich erheben über das gewöhnliche Bewußtsein, das die Zyklen Wachen und Schlafen, Winter und Sommer erlebt, dann kann er sich erheben, indem er lernt, sich selber von außen anzuschauen. Dann wird der Mensch gewahr, daß er auf sich zurückschauen kann so, wie er sonst auf die Dinge nach außen schaut. Jetzt betrachtet er auch die Dinge, die Zyklen im äußeren Leben. Dann sieht er abwechselnde Zustände. Er sieht, wie sein Leib, solange er außerhalb seiner selbst ist, eine Gestalt annimmt, welche gleicht der Erde mit ihrer Vegetation im Sommer. Was die materielle physische Wissenschaft als Nerven konstatiert, beginnt der Mensch dann wahrzunehmen wie ein Aufsprossen von etwas Pflanzlichem beim Einschlafen, und wenn er wieder in das alltägliche Bewußtsein sich zurückversetzt, dann fühlt er, wie dieses Pflanzliche wiederum zusammenschrumpft und das Instrument des Denkens, Fühlens und Wollens wird im tagwachen Bewußtsein des Menschen. Er fühlt sein Herausgehen und Wiederhineingehen in den Leib analog dem Wechsel von Winter und Sommer auf der Erde, und zwar fühlt er ein Sommerliches beim Einschlafen, ein Winterliches beim Aufwachen. Nicht etwa ist das Umgekehrte der Fall, wie man nach äußeren, oberflächlichen Begriffen leicht denken könnte. Er lernt aber von diesem Augenblicke an verstehen, was der Erdgeist ist, daß dieser im Sommer schläft und im Winter wacht, und nicht umgekehrt.

[ 27 ] Nehmen wir an, jemand gehe wirklich einmal den Yogaweg. Wenn er das tut, dann kommt er dazu — diese Dinge werden wir noch genauer darstellen —, von seinem gewöhnlichen Bewußtsein zu einer höheren Bewußtseinsstufe hinaufzusteigen, zu derjenigen Bewußtseinsstufe, die nicht bloß das Ich umfaßt, welches zwischen Geburt und Tod liegt, sondern jenes Ich umfaßt, das von Inkarnation zu Inkarnation geht. In einem erweiterten Ich erkennt sich die Seele, in ein erweitertes Ich, in ein erweitertes Bewußtsein, wächst die Seele hinein. Die Seele macht einen Prozeß durch, der im Grunde auch alltäglich ist, aber der in der Alltäglichkeit eben nicht voll erlebt wird. Der Mensch schläft ja an jedem Abend ein. Dann erstirbt um ihn herum die Sinnenwelt, er wird für diese Sinnenwelt bewußtlos. Es ist nun eine Möglichkeit für die Seele, die Sinnenwelt wie beim Einschlafen verschwinden zu lassen, aber um in höheren Welten wie in einer Wirklichkeit zu leben. Da ersteigt der Mensch eine hohe Bewußtseinsstufe. Wenn der Mensch allmählich — und wir werden eben von dem Yoga und auch von modernen Übungen zu sprechen haben —, wenn der Mensch dazu gelangt, nicht mehr mit seinem Bewußtsein in sich zu leben, zu fühlen und zu wissen, sondern mit der ganzen Erde zu leben, zu fühlen und zu wissen, dann wächst er auf zu einer höheren Bewußtseinsstufe, wenn die gewöhnlichen Sinnesdinge für ihn verschwinden wie im Schlaf. Dazu aber ist notwendig, daß der Mensch sich zu identifizieren vermag mit seiner Planetenseele, mit der Erdenseele. Wir werden sehen, daß er das kann. Wir wissen, daß der Mensch nicht nur einschläft und aufwacht, sondern auf der anderen Seite erlebt auch noch andere Rhythmen der Erde: Winter, Sommer. Wenn der Mensch den Yogaweg geht oder moderne okkulte Übungen ausführt, dann kann er sich erheben über das gewöhnliche Bewußtsein, das die Zyklen Wachen und Schlafen, Winter und Sommer erlebt, dann kann er sich erheben, indem er lernt, sich selber von außen anzuschauen. Dann wird der Mensch gewahr, daß er auf sich zurückschauen kann so, wie er sonst auf die Dinge nach außen schaut. Jetzt betrachtet er auch die Dinge, die Zyklen im äußeren Leben. Dann sieht er abwechselnde Zustände. Er sieht, wie sein Leib, solange er außerhalb seiner selbst ist, eine Gestalt annimmt, welche gleicht der Erde mit ihrer Vegetation im Sommer. Was die materielle physische Wissenschaft als Nerven konstatiert, beginnt der Mensch dann wahrzunehmen wie ein Aufsprossen von etwas Pflanzlichem beim Einschlafen, und wenn er wieder in das alltägliche Bewußtsein sich zurückversetzt, dann fühlt er, wie dieses Pflanzliche wiederum zusammenschrumpft und das Instrument des Denkens, Fühlens und Wollens wird im tagwachen Bewußtsein des Menschen. Er fühlt sein Herausgehen und Wiederhineingehen in den Leib analog dem Wechsel von Winter und Sommer auf der Erde, und zwar fühlt er ein Sommerliches beim Einschlafen, ein Winterliches beim Aufwachen. Nicht etwa ist das Umgekehrte der Fall, wie man nach äußeren, oberflächlichen Begriffen leicht denken könnte. Er lernt aber von diesem Augenblicke an verstehen, was der Erdgeist ist, daß dieser im Sommer schläft und im Winter wacht, und nicht umgekehrt.

[ 28 ] Das lernt der Mensch kennen, er lernt kennen das große Erlebnis, sich zu identifizieren mit dem Erdgeist. Er sagt sich von diesem Augenblicke an: Ich lebe nicht nur in meiner Haut, ich lebe, wie die Zelle in meinem Organismus, so ich im Organismus der Erde. Die Erde schläft im Sommer und wacht im Winter, wie ich schlafe und wache im Tageswechsel. Und wie die Zelle zu meinem Bewußtsein steht, so stehe ich zum Bewußtsein der Erde.

[ 28 ] Das lernt der Mensch kennen, er lernt kennen das große Erlebnis, sich zu identifizieren mit dem Erdgeist. Er sagt sich von diesem Augenblicke an: Ich lebe nicht nur in meiner Haut, ich lebe, wie die Zelle in meinem Organismus, so ich im Organismus der Erde. Die Erde schläft im Sommer und wacht im Winter, wie ich schlafe und wache im Tageswechsel. Und wie die Zelle zu meinem Bewußtsein steht, so stehe ich zum Bewußtsein der Erde.

[ 29 ] Der Yogaweg, namentlich im modernen Sinne, führt zu dieser Erweiterung des Bewußtseins, führt zu der Identifizierung unseres eigenen Wesens mit einem umfassenderen Wesen. Wir fühlen uns dann so mit der ganzen Erde verwoben. Aber indem wir das tun, fühlen wir uns nicht mehr als Menschen an eine bestimmte Zeit und an einen bestimmten Ort gefesselt, sondern wir fühlen unser Menschentum, wie es sich entwickelt hat vom Erdenursprung bis zum Erdenende. Wir fühlen die ganze unendliche Reihe unserer Entwickelungen durch die Erdenevolution hindurch. So schreitet Yoga weiter zu dem Sich—eins—Fühlen mit dem, was von Verkörperung zu Verkörperung, von Inkarnation zu Inkarnation in der Erdenentwickelung geht. Das muß die nächste, die dritte Stufe sein. Das ist es auch, was zu der schönen, künstlerischen Komposition der Bhagavad Gita führt, daß dieser erhabene Sang in seiner inneren künstlerischen, sich steigernden Komposition okkulte tiefe Wahrheiten spiegelt: erstens Unterweisung in den gewöhnlichen, dazumal alltäglichen Begriffen, zweitens Anleitung zum Yogaweg, drittens die Beschreibung der wunderbaren Ausbreitung des Horizontes über die ganze Erde hin, da wo Krishna vor Arjuna die Vorstellung entwickelt: Alles, was in deiner Seele lebt, hat oftmals gelebt, du weißt es nur nicht. Aber ich habe in mir dies Bewußtsein, wenn ich zurückschaue in die Verwandlungen, die ich durchlebte, und ich will dich heraufführen, damit du lernst dich fühlen, wie ich mich fühle. — Ein neues dramatisches Moment! Ebenso schön, wie auf der anderen Seite tief okkult wahr. Die Entwickelung der Menschheit vom Alltagsbewußtsein heraus, von der Perle am Wege, die nur erst bekannt sein muß, von der in der jeweiligen Zeit alltäglichen Gedanken— und Begriffswelt, bis herauf zur Überschau dessen, was in Wahrheit in uns ist und von Erdeninkarnation zu Erdeninkarnation lebt.

[ 29 ] Der Yogaweg, namentlich im modernen Sinne, führt zu dieser Erweiterung des Bewußtseins, führt zu der Identifizierung unseres eigenen Wesens mit einem umfassenderen Wesen. Wir fühlen uns dann so mit der ganzen Erde verwoben. Aber indem wir das tun, fühlen wir uns nicht mehr als Menschen an eine bestimmte Zeit und an einen bestimmten Ort gefesselt, sondern wir fühlen unser Menschentum, wie es sich entwickelt hat vom Erdenursprung bis zum Erdenende. Wir fühlen die ganze unendliche Reihe unserer Entwickelungen durch die Erdenevolution hindurch. So schreitet Yoga weiter zu dem Sich—eins—Fühlen mit dem, was von Verkörperung zu Verkörperung, von Inkarnation zu Inkarnation in der Erdenentwickelung geht. Das muß die nächste, die dritte Stufe sein. Das ist es auch, was zu der schönen, künstlerischen Komposition der Bhagavad Gita führt, daß dieser erhabene Sang in seiner inneren künstlerischen, sich steigernden Komposition okkulte tiefe Wahrheiten spiegelt: erstens Unterweisung in den gewöhnlichen, dazumal alltäglichen Begriffen, zweitens Anleitung zum Yogaweg, drittens die Beschreibung der wunderbaren Ausbreitung des Horizontes über die ganze Erde hin, da wo Krishna vor Arjuna die Vorstellung entwickelt: Alles, was in deiner Seele lebt, hat oftmals gelebt, du weißt es nur nicht. Aber ich habe in mir dies Bewußtsein, wenn ich zurückschaue in die Verwandlungen, die ich durchlebte, und ich will dich heraufführen, damit du lernst dich fühlen, wie ich mich fühle. — Ein neues dramatisches Moment! Ebenso schön, wie auf der anderen Seite tief okkult wahr. Die Entwickelung der Menschheit vom Alltagsbewußtsein heraus, von der Perle am Wege, die nur erst bekannt sein muß, von der in der jeweiligen Zeit alltäglichen Gedanken— und Begriffswelt, bis herauf zur Überschau dessen, was in Wahrheit in uns ist und von Erdeninkarnation zu Erdeninkarnation lebt.