The Occult Significance of the Bhagavad Gita
GA 146
29 May 1913, Helsinki
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The Occult Significance of the Bhagavad Gita, tr. Bugby, et. al.
Zweiter Vortrag
Lecture Two
[ 1 ] Wenn man sich in die okkulten Urkunden der verschiedenen Zeiten und Völker, das heißt in die wirklich okkulten Urkunden vertieft, so fällt einem unter anderm eines immer wieder und wiederum auf. Das ist etwas, worauf ich schon hinweisen konnte bei der Besprechung des Johannes-Evangeliums, worauf ich später hinweisen konnte bei der Besprechung des Markus-Evangeliums. Es ist die Tatsache, daß, wenn man tiefer in diese okkulten Urkunden eindringt, man immer mehr und mehr sich klar wird darüber, daß eigentlich diese okkulten Urkunden in einer wunderbaren, künstlerischen Komposition abgefaßt sind. Ich könnte nachweisen — und Sie können das nachlesen in dem Zyklus, den ich einstmals in Kassel gehalten habe, der ja auch gedruckt ist, über «Das Johannes-Evangelium im Verhältnis zu den drei anderen Evangelien, besonders zu dem Lukas-Evangelium» —, ich könnte zeigen, wie dieses Johannes-Evangelium, wenn man in die Tiefen dringt, eine wunderbare Komposition darstellt, eine wunderbare, künstlerisch dramatische Steigerung des Dargestellten zunächst bis zu einem Punkte herauf, dann wiederum von diesem Punkte aus wie eine Erneuerung der dramatischen Kraft bis zum Schlusse hin. Wunderbarste Steigerung dieser inneren, künstlerisch-dramatischen Komposition, die in dem Johannes-Evangelium dadurch zutage tritt, daß von sogenannten wunderbaren Taten oder von sogenannten Zeichen das Übersinnliche von Zeichen zu Zeichen dargestellt wird und von Zeichen zu Zeichen eine fortwährende Steigerung stattfindet bis zu jenem Zeichen, das uns entgegentritt in der Initiation des Lazarus. Die Art, wie uns dies entgegentritt, läßt uns ersehen, daß auf dem Grunde dieser okkulten Urkunden immer eine wunderbare künstlerische Schönheitskomposition überall zu finden ist. Ich konnte auch dasselbe nachweisen für die Gliederung und Komposition des Markus-Evangeliums. Wenn dann solche Urkunden auf ihre Schönheitskomposition hin, auf ihre dramatische Kraft hin angesehen werden, dann kann man wohl zu der Anschauung kommen, daß diese großen, okkulten Urkunden gar nicht anders sein können, als, indem sie wahr sind, zugleich im tiefsten Sinne künstlerisch schön komponiert. Zunächst sei auf diesen Umstand als auf eine Tatsache nur hingewiesen. Wir werden vielleicht im Verlaufe dieser Vorträge noch einmal auf diese Bemerkung zurückkommen.
[ 1 ] The more deeply we penetrate into the occult records of the various ages and peoples, that is to say, into the truly occult records, the more we are struck by one feature of them which meets us again and again. I have already indicated it in discussing the Gospel of St. John, and again on a later occasion in speaking of the Gospel of St. Mark. I refer to the fact that on looking deeply into any such occult record it becomes ever clearer that it is really most wonderfully composed, that it forms an artistic whole. I could show, for instance, how St. John's Gospel, when we penetrate into its depths, reveals a wonderful, artistic composition. With remarkable dramatic power the story is carried up stage by stage to a great climax, and then continues from this point onward with a kind of renewal of dramatic power to the end. You can study this in the lectures I gave at Cassel on St. John's Gospel in relation to the three other Gospels, especially to that according to St. Luke. Most impressive is the gradual enhancement of the whole composition while the super-sensible is placed before us in the so-called miracles and signs; each working up in ever-increasing wonder to the sign that meets us in the initiation of Lazarus. It makes us realize how we can always find artistic beauty at the foundation of these occult records. I could show the same for the structure of St. Mark's Gospel. When we regard such records in their beauty of form and their dramatic power, we can indeed conclude that just because they are true such records cannot be other than artistically, beautifully composed, in the deepest sense of the word. For the moment we will only indicate this fact, as we may come back to it in the course of these lectures.
[ 2 ] Das Merkwürdige ist nun, daß uns auch bei der Bhagavad Gita wiederum dasselbe entgegentritt, eine wunderbare Steigerung, man möchte sagen, eine verborgene künstlerische Schönheit, so daß, wenn auch gar nichts anderes wirken würde auf die Seele, die sich vertieft in diese Bhagavad Gita, wirken müßte diese wunderbare, künstlerische Komposition. Auf einige der Hauptpunkte sei zunächst aufmerksam gemacht — und ich werde mich heute beschränken auf die vier ersten Gesänge —, auf einige Hauptpunkte sei deshalb aufmerksam gemacht, weil diese Hauptpunkte zugleich betreffen die künstlerische Komposition der Bhagavad Gita und tiefe innere okkulte Wahrheiten.
[ 2 ] Now it is remarkable that the same thing meets us again in the Bhagavad Gita. There is a wonderful intensification of the narrative, one might say, a hidden artistic beauty in the song, so that if nothing else were to touch the soul of one studying this sublime Gita, he still could not help being impressed by its marvelous composition. Let us begin by indicating a few of the outstanding points—and we will confine ourselves today to the first four discourses—because these points are important both for the artistic structure and the deep occult truths that it contains.
[ 3 ] Zuerst tritt uns entgegen Arjuna. Im Angesicht des Blutvergießens, in das er eintreten soll, wird er schwach. Er sieht seine Blutsverwandten, alles dasjenige, was als Bruderkampf um ihn herum sich abspielen soll. Er bebt zurück, er will nicht gegen seine eigenen Blutsverwandten kämpfen. Und während er in dieser Stimmung ist, während ihn also Angst, Furcht, Schauder, ja ein Grauen befällt vor demjenigen, was da kommen soll, entpuppt sich ihm sein Wagenlenker als das Instrument, durch das Krishna, sagen wir zunächst der Gott, zu ihm spricht. Schon in diesem ersten Faktum wird erstens ein künstlerisches Spannungsmoment, dann aber auch ein tiefgründiges, okkultes Wahrheitsmoment angedeutet.
[ 3 ] First of all Arjuna meets us. Facing the bloodshed in which he is to take part, he grows weak. He sees all that is to take place as a battle of brothers against brothers, his blood relations. He shrinks back. He will not fight against them. While fear and terror come over him and he is horror-stricken, his charioteer suddenly appears as the instrument through which Krishna, God, is to speak to him. Here in this first episode we already have a moment of great intensity and also an indication of deep occult truth.
[ 4 ] Derjenige, der in irgendeiner Weise den Weg findet hinein in die geistigen Welten, und wenn es auch nur wenige Schritte des Weges sind, ja selbst wenn das, was er erleben kann, nur eine Ahnung des Weges ist, der bemerkt die tiefe Bedeutung gerade dieses Momentes. Wir kommen in der Regel nicht in die geistigen Welten hinein, ohne daß wir durch eine tiefe Erschütterung unserer Seele schreiten. Etwas müssen wir erfahren in der Regel, etwas, das all unsere Kraft der Seele durchrüttelt, sie durchströmt in Gefühl und Empfindung. Gefühl und Empfindung, die sonst nur über viele Momente, über weite Zeitläufe des Lebens verteilt sind und deshalb nur schwach fortdauernd auf die Seele wirken, beim Eingang in die okkulten Welten drängen sie sich zusammen und durchwühlen und durchkraften die Seele in einem einzigen Moment, so daß man so etwas Erschütterndes erlebt, das der Furcht, der Angst, der Bestürzung, dem Zurückbeben vor irgend etwas, vielleicht auch dem Grauen verglichen werden kann. Das gehört einmal sozusagen zu dem Ausgangspunkte okkulter Entwickelung, zu dem Eintreten in die geistigen Welten. Daher muß ja auch so große Sorgfalt verwendet werden auf jene Ratschläge, die demjenigen gegeben werden müssen, der durch eine Schulung in die geistigen Welten eintreten will. Denn wer durch Schulung in die geistigen Welten eintreten will, der muß so vorbereitet werden, daß er die eben charakterisierte Erschütterung als seelisches Ereignis, als notwendiges Erlebnis so durchlebt, daß es nicht übergreift auf seine Leiblichkeit, auf seine Gesundheit, insofern das Leibliche mit einbegriffen ist, daß dieses nicht mit erschüttert werde. Das ist das Wesentliche, daß wir nicht in bezug auf das äußere, physische Leben in Erschütterungen kommen, daß wir ertragen lernen mit äußerem Gleichmut, mit äußerer Gelassenheit Erschütterungen der Seele. Dann aber dürfen auch die gewöhnlichen Seelenkräfte, die wir im Alltagsleben brauchen, unsere gewöhnliche Intellektualität, ja, selbst die für das Alltagsleben notwendigen Phantasiekräfte, die Kräfte des Empfindens, die Kräfte des Willens im alltäglichen Leben, auch sie dürfen nicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden. In viel tieferen Schichten muß vorgehen die Seelenerschütterung, die der Ausgangspunkt sein kann für das okkulte Leben, so daß der Mensch durch das äußere Leben geht, wie er immer gegangen ist, ohne daß irgend etwas ihm angemerkt wird in der äußeren physischen Welt, während er im Innern ganze Welten von Seelenerschütterungen durchlebt. Das heißt reif sein für die okkulte Entwickelung, so innerlich Erschütterndes erleben zu können, ohne das äußere Gleichmaß, die äußere Gelassenheit zu verlieren.
[ 4 ] Anyone who finds the way, by whatever path, into the spiritual worlds, even though he may have gone only a few steps—or even had only a dim presentiment of the way to be experienced—such a person will be aware of the deep significance of this moment. As a rule we cannot enter the spiritual worlds without passing through a deep upheaval in our souls. We have to experience something which disturbs and shakes all our forces, filling us with intense feeling. Emotions that are generally spread out over many moments, over long periods of living, whose permanent effect on the soul is therefore weaker—such feelings are concentrated in a single moment and storm through us with tremendous force when we enter the occult worlds. Then we experience a kind of inner shattering, which can indeed be compared to fear, terror and anxiety, as though we were shrinking back from something almost with horror. Such experiences belong to the initial stages of occult development, to entering the spiritual worlds. It is just for this reason that such great care must be taken to give the right advice to those who would enter the spiritual worlds through occult training. Such a person must be prepared so that he may experience this upheaval as a necessary event in his soul life without its encroaching on his bodily life and health, because his body must not suffer a like upheaval. That is the essential thing. We must learn to suffer the convulsions of our soul with outward equanimity and calm. This is true not only for our bodily processes. The soul forces we need for everyday living, our ordinary intellectual powers, even those of imagination, of feeling and will—these too must not be allowed to become unbalanced. The upheaval that may be the starting-point for occult life must take place in far deeper layers of the soul, so that we go through our external life as before, without anything being noticed in us outwardly, while within we may be living through whole worlds of shattering soul-experience. That is what it means to be ripe for occult development: To be able to experience such inward convulsions without losing one's outer balance and calm.
[ 5 ] Dazu ist notwendig, daß der Mensch in der Zeit, in der er reif zu werden sich bestrebt für die okkulte Entwickelung, vor allem seine Interessenkreise erweitert, daß er von dem gewöhnlichen, alltäglichen Leben abkommt mit seinem Interessenkreise, von dem, woran man sonst vom Morgen bis zum Abend hängt, abkommt, und daß er zu Interessen gelangt, die sich auf dem großen Horizont der Welt bewegen. Denn wer nicht erleben kann das Erschütternde des Zweifels an aller Wahrheit, an aller Erkenntnis und allem Wissen, und dieses Erschütternde nicht erleben kann mit jener Stärke, in der sonst von dem Menschen nur empfunden werden die Interessen des alltäglichen Lebens, wer nicht mitfühlen kann mit dem Schicksal der ganzen Menschheit und diesem Schicksale der ganzen Menschheit nicht ein solches Interesse entgegenbringt, wie es im alltäglichen Leben entgegengebracht wird dem Schicksale, das einen selbst unmittelbar berührt, das vielleicht noch die nächsten Stammes-, Familien- und Volkszusammenhänge berührt, der ist im Grunde noch nicht ganz geeignet für eine okkulte Entwickelung. Daher ist ja auch die moderne Geisteswissenschaft, wenn sie in Ernst und Würde getrieben wird, die richtige Vorbereitung in unserer Zeit für eine wahrhafte, okkulte Entwickelung. Mögen die Menschen, die kein Interesse gewinnen können für dasjenige, was des Anthroposophen Blick verfolgt über Welten hin, über planetarische Schicksale, über Menschenrassen und Menschenepochen hin, mögen die Menschen mit den kleinen materiellen Interessen des heutigen Tages auch darüber spötteln: für denjenigen, der sich vorbereiten will in würdiger Weise für eine okkulte Entwickelung, ist dies die Vorbereitung, dieses Heraufheben des Blickes zu jenen Gipfelpunkten, wo die Interessen der Menschheit, der Erde, des ganzen planetarischen Systems ihm zu eigenen Interessen erwachsen. Denn wo die Interessen allmählich geschärft, erweitert werden durch das Studium der Geisteswissenschaft, das dann zum Begreifen der okkulten Wahrheiten führt, auch ohne okkulte Schulung, da ist die richtige Vorbereitung für einen okkulten Weg. Gewiß, in unserer Zeit gibt es viele Menschen — diejenigen, die in den Reihen der Intellektuellen stehen, sind es oftmals gar nicht, diejenigen, die scheinbar in einem einfachen Leben an einem einfachen Orte stehen, sind es gerade oftmals —, gewiß, es gibt viele Menschen, die heute, auf einfacher Stelle stehend, wie durch einen natürlichen Instinkt diese Interessen für die Gesamtmenschheit haben: und weil dies so ist, deshalb ist die Anthroposophie etwas so Zeitgemäßes.
[ 5 ] To this end a person who is striving to become ripe for occult development must widen the circle of his interests beyond his everyday life. He must get away from that to which he is ordinarily attached from morning to night, and reach out to interests that move on the great horizon of the world. We must be able to undergo the experience of doubting all truth and all knowledge. We must have the power to do this with the same intensity of feeling people generally have only where their everyday interests are concerned. We must be able to feel with the destiny of all mankind, with as much interest as we usually feel in our own destiny, or perhaps in that of our nearest connections of family, nation, or race. If we cannot do this, we are not yet completely ready for occult development. For this reason modern anthroposophy, if pursued earnestly and worthily, is the right preparation in our age for a true occult development. Let those who are absorbed in the petty material interests of the immediate present, who cannot find sufficient interest to follow the anthroposophist in looking out over world and planetary destinies, over the historical epochs and races of mankind—let them scoff if they will! One who would prepare himself for an occult development must lift up his eyes to the heights where the interests of mankind, of the earth, of the whole planetary system become his own. When a person's interests are gradually sharpened and widened through the study of anthroposophy, which leads even without occult training to an understanding of occult truths, then he is being rightly prepared for an occult path. In our time there are many who have such interests for the whole of mankind. More often they are not to be found among the intellectuals but are people who appear to lead quite simple lives. Yes, there are many today who have a humble place in life and as if by natural instinct feel this interest in the whole of mankind. That is why anthroposophy is in such harmony with the spirit of our age.
[ 6 ] Erst muß man also dasjenige lernen, was wie eine gewaltige Erschütterung der Seele am Ausgangspunkte okkulten Erlebens stehen muß. Mit wunderbarer Wahrheit wird nun ein solcher Moment hingestellt an den Ausgangspunkt des Erlebens von Arjuna; nur daß er nicht durch eine Schulung geht, sondern hineingestellt wird durch sein Schicksal. Hineingestellt wird er in den Kampf, ohne daß er Notwendigkeit, Zweck, Ziel dieses Kampfes erkennen kann. Er sieht nur, daß Blutsverwandte gegen Blutsverwandte kämpfen wollen, und es kann im Innersten erschüttert werden eine solche Seele, die wie Arjuna sich sagt: Bruder gegen Bruder kämpft. Ist es dann nicht klar, daß alle Stammessitten schwanken, daß dann auch der Stamm dahinsiechen muß, daß er vernichtet werden muß, daß die Moralität des Stammes dahinsinkt? Dann müssen die Gesetze wanken, die nach dem ewigen Schicksal die Menschen in die Kasten hineinstellen, dann müssen die Gesetze der Kasteneinteiltung wanken, dann wankt der Mensch, wankt der Stamm, dann wankt das Gesetz, dann wankt die ganze Welt, die ganze Bedeutung des Menschentums. — Das ist sein Empfinden, es ist so, wie wenn der Boden sich ihm unter den Füßen hinwegziehen wollte, wie wenn ein Abgrund sich auftun wollte für all sein Empfinden. Ein solcher Mensch wie Arjuna hat es mit seinem Gefühle aufgenommen, was heute die Menschen nicht mehr wissen, was in alten Zeiten aber uralte Überlieferung und Lehre war: daß dasjenige, was sich fortpflanzt von Geschlecht zu Geschlecht, von Generation zu Generation in der Menschheit, gebunden ist an die Natur der Frau, während das individuell Persönliche, dasjenige, was den Einzelmenschen als Individualität herausreißt aus dem Zusammenhang des Blutes, der Generation, gebunden ist an die Natur des Mannes. Dasjenige, was den Menschen mehr hineinstellt in die Reihe der Generationen, was sich als gemeinsame Natur, als Artnatur des Menschen vererbt, das ist der Teil, den die Frau vererbt auf die Nachkommen. Dasjenige, was die Menschen zu einem Besonderen, Individuellen gestaltet, was sie herausreißt aus der Generationenreihe, das ist der Teil, den der Mann gibt. Muß nicht in die Gesetzmäßigkeit der Frauennatur, so sagt sich Arjuna, Übles hineinkommen, wenn Blut gegen Blut kämpfen muß?
[ 6 ] First, then, we must learn of the mighty upheaval of the soul that has to come at the beginning of occult experience. With wonderful truth the Bhagavad Gita sets such a moment of upheaval at the starting-point of Arjuna's experience, only he does not go through an occult training but is placed into this moment by his destiny. He is placed into the battle without being able to recognize its necessity, its purpose, or its aim. All he sees is that blood relations are about to fight against each other. Such a soul as Arjuna can be shaken by that to its innermost core, for he has to say to himself, “Brother fights against brother. Surely then all the tribal customs will be shaken and then the tribe itself will wither away and be destroyed, and all its morality fall into decay! Those laws will be shaken that in accordance with an eternal destiny place men into castes; and then will everything be imperiled—man himself, the law, the whole world. The whole significance of mankind will be in the balance.” Such is his feeling. It is as though the ground were about to sink from under his feet, as though an abyss were opening up before him. Arjuna was a man who had received into his feeling something that the man of today no longer knows, but that in those ancient times was a primeval teaching of tradition. He knew that what is handed on from generation to generation in mankind is bound up with the woman nature; while the individual, personal qualities whereby a man stands out from his blood connections and his family line are bound up with the man nature. What a man inherits as common, generic qualities is handed on to the descendants by the woman, whereas what forms him into a unique, individual being, tearing him out of the generic succession, is the part he receives from his father. “Must it not then have an evil effect on the laws that rule woman's nature,” says Arjuna to himself, “if blood fights against blood?”
[ 7 ] Und weiter: Eine andere Empfindung, ein anderes Gefühl, das aufgenommen hat Arjuna, das bei ihm zusammenhängt mit alle dem, was er als Heil der gesamten Menschheitsentwickelung empfindet, es ist das Gefühl: Die Ahnen, die Väter sind ehrwürdig, und ihre Seelen wachen über den nachfolgenden Geschlechtern, und ein hoher, heiliger Dienst ist es, den Manen, den heiligen Seelen der Ahnen zu opfern, Opferfeuer darzubringen. — Was aber muß Arjuna sehen? Statt daß Altäre vor ihm stehen, auf denen die Opferfeuer brennen für die Ahnen, fallen diejenigen sich gegenseitig an, die für die gemeinsamen Ahnen die Opferfeuer anzünden sollten. Kämpfend fallen sie sich an.
[ 7 ] There is another feeling that Arjuna has absorbed, on which for him the whole well-being of human evolution depends. He feels that the forefathers of the tribe, the ancestors, are worthy of honor. He feels that their souls watch over the succeeding generations. For him it is a sublime service to offer up fires of sacrifice to the Manes, to the holy souls of the ancestors. But now what must he see? Instead of altars with sacrificial fires burning on them for the ancestors, he sees those who should join in kindling such fires assailing one another in battle.
[ 8 ] Wenn man verstehen will eine Seele, dann muß man sich in die Gedanken dieser Seele vertiefen, dann muß man noch mehr in die Empfindung dieser Seele sich hineinversetzen. Denn mit den Empfindungen hängt die Seele innig zusammen, innig zusammen mit dem, was ihr Leben ist. Und nun denke man den Kontrast, den unendlichen Kontrast zwischen dem, was Arjunas Empfindung sein sollte, und dem, was rings herum als blutiger Bruderkampf sich ausbreiten sollte. Das heißt, das Schicksal rüttelt an die Seele des Arjuna. Ein Ereignis tiefster Erschütterung findet statt, das für diese Seele so ist, wie wenn sich ihr der Boden unter den Füßen entzöge und sie in den schauerlichsten Abgrund hinunterblicken müßte. Solche Erschütterung ist Kraft der Seele, ruft die ersten Kräfte der Seele wach, solche Erschütterung bringt die Seele zum Schauen desjenigen, was sonst wie durch einen Schleier verborgen ist: der okkulten Wirklichkeit. Das ist gleich das bedeutsame Spannungsmoment in der Bhagavad Gita, daß uns nicht nur in abstrakter Weise, schulmäßig, pedantisch gewissermaßen ein Unterricht im Okkultismus entgegengebracht wird, sondern daß in höchster Weise künstlerisch uns dargestellt wird, wie aus dem Schicksal des Arjuna heraus sich entwickeln muß, was nun entsteht.
[ 8 ] If we would understand a human soul we must penetrate into its thoughts. Above all we must enter deeply into its feelings because it is in feeling that the soul is intimately bound up with its very life. Now think of the great contrast between all that Arjuna would naturally feel, and the bloody battle of brother against brother that is actually about to take place. Destiny is hammering at Arjuna's soul, shaking it to its very depths. It is as though he had to gaze down into a terrible abyss. Such an upheaval awakens the forces of the soul and brings it to a vision of occult realities that at other times are hidden as behind a veil. That is what gives such dramatic intensity to the Bhagavad Gita. The ensuing discourse is thus placed before us with wonderful power, as developing of necessity out of Arjuna's destiny, instead of being given us merely as an academic, pedantic course of instruction in occultism.
[ 9 ] Und nun, nachdem es gerechtfertigt ist, daß die tieferen okkulten Kräfte in der Seele des Arjuna hervorkommen können, daß innerlich erschaut werden können diese Kräfte, da tritt ein, was jetzt für jeden, der schauen kann, selbstverständlich ist: sein Wagenlenker wird zum Instrument, durch das der Gott Krishna zu ihm spricht. Und nun merken wir in den vier ersten Gesängen drei Etappen, drei Stufen, jede folgende höher als die vorhergehende, jede folgende etwas Neues. Gleich in den vier ersten Gesängen eine wunderbare künstlerisch dramatische Steigerung, neben dem, daß diese Steigerung einer tiefen okkulten Wahrheit entspricht. Was ist das erste? Das erste ist eine Lehre, die im Grunde genommen, so wie sie gegeben wird, manchem abendländischen Menschen sogar trivial vorkommen könnte. Das sei ohne weiteres zugegeben. Ich bemerke in Parenthese, daß ich mit abendländisch oder westländisch — und gerade mit Rücksicht auf meine hiesigen lieben Freunde möchte ich dies sagen —, daß ich mit westländisch alles verstehe, was westlich von Ural, Wolga, Kaspischem Meer sogar und Kleinasien liegt, also ganz Europa selbstverständlich. Das Ostländische liegt im wesentlichen in Asien drüben. Natürlich gehört Amerika zu dem Westländischen.
[ 9 ] Now that Arjuna has been rightly prepared for the birth of the deeper forces of his soul, now that he can see these forces in inward vision, there happens what everyone who has the power to behold it will understand: His charioteer becomes the instrument through which the god Krishna speaks to him. In the first four discourses we observe three successive stages, each higher than the last, each one introducing something new. Here in these very first discourses we find an accent that is wonderful in its dramatic art, apart from the fact that it corresponds to a deep occult truth. The first stage is a teaching that might appear even trivial to many Westerners in its given form. Let us admit that at once. (Here I should like to remark, especially for the benefit of my dear friends here in Finland, that I mean by “Western” all that lies to the west of the Ural Mountains, the Volga, the Caspian Sea and Asia Minor—in fact the whole of Europe. What is to be called Eastern land belongs essentially in Asia. Of course, America too forms part of the West.)
[ 10 ] Da ist zunächst also eine merkwürdige, gerade für manches philosophische Gemüt, man könnte sagen, triviale Lehre. Was sagt denn zunächst Krishna dem Arjuna wie ein Wort der Anfeuerung zum Kampf? Siehe hinüber auf diejenigen, die durch euch getötet werden sollen, siehe auf diejenigen, die aus euren Reihen getötet werden sollen, siehe auf diejenigen, die getötet werden sollen, und auf diejenigen, die leben bleiben sollen, berücksichtige das eine: Was stirbt oder was am Leben bleibt bei den Feinden und bei euch, das ist die äußere physische Leiblichkeit. Der Geist ist ewig. Und wenn die Deinigen töten jene, die drüben in den anderen Reihen sind, dann töten sie ja nur den äußeren Leib, dann töten sie nicht den Geist, der ewig ist. Und diejenigen, die von euch getötet werden, sie werden nur dem Leibe nach getötet, der Geist aber geht von Verwandlung zu Verwandlung, von Inkarnation zu Inkarnation, er ist ewig. Das ewige, tiefste Wesen des Menschen berührt ihr gar nicht in diesem Kampf. Erhebe dich, Arjuna, zu dem Standpunkte des Geistes, und du wirst hinschauen können auf dasjenige, was nicht getötet werden kann, was am Leben bleibt. Du kannst dich deiner Pflicht opfern, du brauchst nicht zu schaudern, du brauchst nicht trostlos zu sein, da du das Wesentliche nicht tötest, wenn du die Feinde tötest.
[ 10 ] To begin with then we find a teaching that might easily appear trivial, especially to a philosophical mind. For what is the first thing that Krishna says to Arjuna as a word of exhortation for the battle? “Look there,” he says, “at those who are to be killed by you; those in your own ranks who are to be killed and those who are to remain behind, and consider well this one thing. What dies and what remains alive in your ranks and in those of the enemy is but the outer physical body. The spirit is eternal. If your warriors slay those in the ranks over there they are but slaying the outer body, they are not killing the spirit, which is eternal. The spirit goes from change to change, from incarnation to incarnation. It is eternal. This deepest being of man is not affected in this battle. Rise, Arjuna, rise to the spiritual standpoint, then you can go and give yourself up to your duty. You need not shudder nor be sad at heart, for in killing your enemies you are not killing their essential being.”
[ 11 ] Zunächst ist dies in gewissem Sinne eine Trivialität, nur ist es eine Trivialität von ganz besonderer Art. Der Abendländer hat in vieler Beziehung ein recht kurzes Denken, ein recht kurzes Bewußtsein. Er bedenkt gar nicht, daß alles in Entwickelung ist. Davon zu sprechen, daß dasjenige, was ich eben jetzt als eine Unterweisung des Krishna ausgesprochen habe, davon zu sprechen, daß das trivial sei, das kommt etwa dem gleich, wie wenn jemand sagen würde: Ja, da verehrt man den Pythagoras als einen so großen Geist, aber seinen Lehrsatz kennt ja jeder Schulbub und jedes Schulmädchen. — Das wäre doch ein sehr törichtes Urteil, wenn man von dem Umstand, daß jeder Schulbub den Pythagoräischen Lehrsatz kennt, schließen würde, daß Pythagoras eben kein großer Mann gewesen sei, weil er den Pythagoräischen Lehrsatz gefunden hat. Da merkt man das Törichte nur; man merkt es aber nicht mehr, wenn man nicht empfindet, daß dasjenige, was heute alle westländischen Philosophen plappern können als Krishnaweisheit: von der Ewigkeit des Geistes, von der Unsterblichkeit des Geistes, daß das in der Zeit, als es Krishna verkündete, eine hohe Weisheit war.
[ 11 ] Thus speaks Krishna, and at first hearing his words are in a sense trivial, though in a special way. In many respects the Westerner is short-sighted in his thinking and consciousness. He never stops to consider that everything is evolving. If he says that Krishna's exhortation, as I have expressed it, is trivial, it is as though one were to say, “Why do they honor Pythagoras as such a great man when every schoolboy and girl knows his theorem?” It would be stupid to conclude that Pythagoras was not a great man in having discovered his theorem just because every schoolboy understands it! We see how stupid this is, but we do not notice when we fail to realize that what any Western philosopher may repeat by rote as the wisdom of Krishna—that the spirit is eternal, immortal—was a sublime wisdom at the time Krishna revealed it.
[ 12 ] Solche Seelen wie Arjuna fühlten zwar: Blutsverwandte dürfen sich nicht bekämpfen, empfanden zwar noch das gemeinsame Blut in einer Mehrheit von Menschen, aber etwas völlig Neues, etwas, was ganz neu, epochal neu in seine Seele tönte, war der in abstrakten Worten, in Verstandesworten ausgesprochene Satz: Der Geist ist ewig — der Geist als dasjenige betrachtet, was gewöhnlich abstrakt im Zentrum des Menschen gedacht wird —, der Geist ist ewig und geht durch Verwandlungen hindurch, schreitet von Inkarnation zu Inkarnation. Im Konkreten glaubte jeder Mensch in der Umgebung des Arjuna an die Wiederverkörperung. In der Allgemeinheit, in der Abstraktheit, wie es Krishna lehrte, war es, besonders angesichts der Situation für Arjuna, etwas völlig Neues.
[ 12 ] Souls like Arjuna did indeed feel that blood-relations ought not to fight. They still felt the common blood that flowed in a group of people. To hear it said that “the spirit is eternal” (spirit in the sense of what is generally conceived, abstractly, as the center of man's being)—the spirit is eternal and undergoes transformations, passing from incarnation to incarnation—this stated in abstract and intellectual terms was something absolutely new and epoch-making in its newness when it resounded in Arjuna's soul through Krishna's words. All the people in Arjuna's environment believed definitely in reincarnation, but as Krishna taught it, as a general and abstract idea, it was new, especially in regard to Arjuna's situation.
[ 13 ] Das ist das eine, warum das, was eben ausgesprochen worden ist, eigentlich in einem ganz besonderen Sinne eine triviale Wahrheit genannt werden mußte. Es gilt aber auch noch in einem anderen Sinne. Dasjenige, was wir heute, selbst wenn wir populäre Wissenschaft treiben, als dem Menschen etwas ganz Natürliches ansehen, unser Denken, unser abstraktes Denken, das war ganz und gar nicht immer bei dem Menschen etwas Selbstverständliches und Natürliches. Es ist gut, wenn man, um so etwas zu charakterisieren, gleich zu den radikalen Fällen seine Zuflucht nimmt. Ihnen allen wird es sonderbar vorkommen, wenn man folgendes sagt: Für Sie alle ist es ein natürliches Faktum, zum Beispiel von einem Fisch zu sprechen. Bei primitiven Völkern ist das ganz und gar nicht ein natürliches Faktum. Primitive Völker kennen wohl Forellen, Lachse, Stockfische, Heringe, aber «Fisch» kennen sie nicht. Sie haben gar nicht das Wort «Fisch», weil sie bis zu solcher Abstraktheit, bis zu solcher Allgemeinheit mit dem Denken gar nicht gehen. Birkenbäume, Kirschenbäume, Orangenbäume, einzelne Bäume kennen sie, aber «Baum» kennen sie nicht. Dasjenige, was uns ganz natürlich ist, das Denken in allgemeinen Begriffen, das ist heute noch bei primitiven Völkern gar nicht etwas Natürliches.
[ 13 ] This is one reason why we had to say that such a truth can only be called “trivial” in a special sense. That holds true in another respect as well. Our abstract thought, which we use even in the pursuit of popular science, which we regard today as quite natural—this thinking activity was by no means always so natural and simple. In order to illustrate what I say, let me give you a radical example. You will think it strange that while for all of you it is quite natural to speak of a “fish,” it was by no means natural for primitive peoples to do so. Primitive peoples are acquainted with trout and salmon, cod and herring, but “fish” they do not know. They have no such word as “fish,” because their thought does not extend to such abstract generalization. They know individual trees, but “tree” they do not know. Thinking in such general concepts is by no means natural to primitive races even in the present time.
[ 14 ] Wenn man sich dieses Faktum vor Augen führt, dann muß man sich klar sein, daß auch dasjenige, was man im heutigen Sinne «Denken in allgemeinen Begriffen» nennt, daß dieses besondere Denken erst im Laufe der Entwickelung in die Menschheit eingetreten ist. Ja, für denjenigen, der ein wenig darüber nachdenkt, warum Logik erst im alten Griechenland entstanden ist, könnte es gar nicht besonders auffällig sein, wenn gesagt wird aus okkulter Erkenntnis heraus, daß logisches Denken eigentlich überhaupt erst seit jener Zeit existiert, die nach der ursprünglichen Abfassung der Bhagavad Gita verflossen ist. Auf logisches Denken, auf Denken in Abstraktionen weist gewissermaßen als auf etwas Neues, was jetzt erst in die Menschheit eintreten soll, Krishna den Arjuna hin. Aber dieses Denken, das der Mensch so entwickelt, dieses Denken, das nimmt man zwar heute als etwas ganz Natürliches, aber man hat die schiefesten, unnatürlichsten Ansichten über dieses Denken. Und gerade die westländischen Philosophen haben über dieses Denken die allerschiefsten Anschauungen, denn man hält gewöhnlich dieses Denken für eine bloße Photographie der äußeren sinnlichen Wirklichkeit, man glaubt, die Begriffe, Ideen entstehen im Menschen, dieses ganze innere Denken überhaupt entstehe im Menschen von der physischen Außenwelt herein. Ganze Bibliotheken von philosophischen Werken sind geschrieben worden in der abendländischen Literatur, um nachzuweisen, daß dieses Denken eigentlich nichts anderes sei als etwas, was durch die physische Außenwelt angeregt entstanden sei. Wir erst leben in der Zeit, wo dieses Denken in der richtigen Weise gewürdigt werden kann.
[ 14 ] This mode of thinking has indeed only entered humanity in the course of its evolution. In fact, one who considers why it was that logic first began in the time of ancient Greece, could scarcely be surprised when the statement is made on occult grounds that logical thinking has only existed since the period that followed the original composition of the Bhagavad Gita. Krishna impels Arjuna to logical thought, to thinking in abstractions, as if to a new thing that is only now to enter humanity. But this activity of thought that man has developed and takes quite for granted today, people have the most distorted and unnatural notions about. Western philosophers in particular have most distorted ideas about thought, for they generally take it to be merely a photographic reproduction of external sense reality. They imagine that concepts and ideas and the whole inner thinking of man simply arises in him out of the external physical world. While libraries of philosophical words have been written in the West to prove that thought is merely something having its origin in the stimulus of the external physical world, it is only in our time that thought will be valued for what it really is.
[ 15 ] Hier komme ich auf einen Punkt zu sprechen, der ganz und gar wichtig ist gerade für diejenigen, die mit der eigenen Seele eine okkulte Entwickelung durchmachen wollen. Ich möchte wirklich alles versuchen, um gerade über dasjenige, was ich jetzt aussprechen will, Klarheit hervorzurufen. Gewiß, mittelalterliche Alchimisten haben gesagt — und ich kann heute nicht auseinandersetzen, was sie eigentlich damit gemeint haben —, sie haben gesagt, man könne aus allen Metallen Gold machen, Gold in so großer Menge, wie man will, nur muß man zunächst unbedingt ein Winziges an Gold haben. Ohne daß man das hat, kann man kein Gold machen. Aber wenn man ein Winzigstes an Gold hat, kann man beliebige Mengen Goldes machen. — So ist es nämlich, wenn auch nicht mit dem Gold machen, so ist es mit dem Hellsehen. Kein Mensch könnte eigentlich zu wirklichem Hellsehen kommen, wenn er nicht zunächst ein Winziges an Hellsehen in der Seele hätte. Wenn es wahr wäre, was ein allgemeiner Glaube ist, daß die Menschen, wie sie sind, nicht hellsichtig seien, dann könnten sie überhaupt nicht hellsichtig werden. Denn wie der Alchimist meint, daß man etwas Gold haben muß, um viele Mengen Goldes hervorzuzaubern, so muß man unbedingt etwas hellsehend schon sein, damit man dieses Hellsehen immer weiter und weiter ins Unbegrenzte hinein ausbilden kann.
[ 15 ] Here I reach a point that is most important for those who would undergo an occult development in their own souls. I want to make every effort to get this point clear. The medieval alchemists used to say—I cannot now discuss what they really meant by it—that gold could be made from all metals, gold in any desired amount, but that one must first have a minute quantity of it. Without that one could not make gold. Whether or not this is true of gold, it is certainly true of clairvoyance. No man could actually attain clairvoyance if he did not have a tiny amount of it already in his soul. It is generally supposed that men as they are, are not clairvoyant. If that were true they could never become clairvoyant at all, because just as the alchemist thought that one must have a little gold to conjure forth large quantities, so must one already be a little clairvoyant in order to be able to develop and extend it more and more.
[ 16 ] Nun könnten Sie ja die Alternative aufstellen und sagen: Also glaubst du, daß wir schon alle hellsichtig sind, wenn auch nur ein Winziges, oder daß diejenigen unter uns, die nicht hellsichtig sind, es auch nie werden können? — Sehen Sie, darauf kommt es an, daß man versteht, daß der erste Fall der Alternative richtig ist: Es gibt wirklich keinen unter Ihnen, der nicht — wenn er sich dessen auch nicht bewußt ist — diesen Ausgangspunkt hätte. Sie haben ihn alle. Keiner von Ihnen ist in der Not, weil Sie alle ein gewisses Quantum Hellsehen haben. Und was ist dieses Quantum? Das ist dasjenige, was gewöhnlich gar nicht als Hellsehen geschätzt wird.
[ 16 ] Now you may see two alternatives here and ask, “Do you think then that we all are clairvoyant, if only slightly, or, do you think that those of us who are not clairvoyant can never become so?” This is just the point. It is most important to understand that there is really no one among you who does not have this starting-point of clairvoyance, though you may not be conscious of it. All of you have it. None of you is lacking in it. What is this that all possess? It is something not generally regarded or valued as clairvoyance.
[ 17 ] Verzeihen Sie einen etwas groben Vergleich: Wenn eine Perle am Wege liegt und ein Huhn findet sie, so schätzt das Huhn die Perle nicht besonders. Solche Hühner sind die modernen Menschen zumeist. Sie schätzen die Perle, die ganz offen daliegt, gar nicht, sie schätzen etwas ganz anderes, sie schätzen nämlich ihre Vorstellungen. Niemand könnte abstrakt denken, wirkliche Gedanken und Ideen haben, wenn er nicht hellsichtig wäre, denn in den gewöhnlichen Gedanken und Ideen ist die Perle der Hellsichtigkeit von allem Anfange an. Diese Gedanken und Ideen entstehen genau durch denselben Prozeß der Seele, durch den die höchsten Kräfte entstehen. Und es ist ungeheuer wichtig, daß man zunächst verstehen lernt, daß der Anfang der Hellsichtigkeit etwas ganz Alltägliches eigentlich ist: man muß nur die übersinnliche Natur der Begriffe und Ideen erfassen. Man muß sich klar sein, daß aus den übersinnlichen Welten die Begriffe und Ideen zu uns kommen, dann erst sieht man recht. Wenn ich Ihnen erzähle von Geistern der höheren Hierarchien, von den Seraphim, Cherubim, von den Thronen herunter bis zu den Archangelo: und Angeloi, so sind das Wesenheiten, die aus geistigen, höheren Welten zu der Menschenseele sprechen müssen. Aus eben diesen Welten kommen der Seele die Ideen und Begriffe, sie kommen geradezu in die Seele aus höheren Welten herein und nicht aus der Sinnenwelt.
[ 17 ] Let me make a rather crude comparison. If a pearl is lying in the roadway and a chicken finds it, the chicken does not value the pearl. Most men and women today are chickens in this respect. They do not value the pearl that lies there in full view before them. What they value is something quite different. They value their concepts and ideas, but no one could think abstractly, could have thoughts and ideas, if he were not clairvoyant. In our ordinary thinking the pearl of clairvoyance is contained from the start. Ideas arise in the soul through exactly the same process as what gives rise to its highest powers. It is immensely important to learn to understand that clairvoyance begins in something common and everyday. We only have to recognize the super-sensible nature of our concepts and ideas. We must realize that these come to us from the super-sensible worlds; only then can we look at the matter rightly. When I tell you of the higher hierarchies, of Seraphim and Cherubim and Thrones, right down to Archangels and Angels, these are beings who must speak to the human soul from higher spiritual worlds. It is from those worlds that concepts and ideas come into the human soul, not from the world of the senses.
[ 18 ] Es wurde als ein großes Wort eines großen Aufklärers gehalten, das dieser gesagt hat im 18. Jahrhundert: Mensch, erkühne dich, deiner Vernunft dich zu bedienen. — Heute muß ein größeres Wort in die Seelen klingen, das heißt: Mensch, erkühne dich, deine Begriffe und Ideen als die Anfänge deines Hellsehertums anzusprechen. — Das, was ich jetzt ausgesprochen habe, habe ich schon vor vielen Jahren ausgesprochen, ausgesprochen in aller Öffentlichkeit, nämlich in meinen Büchern «Wahrheit und Wissenschaft» und «Philosophie der Freiheit», wo ich gezeigt habe, daß die menschlichen Ideen aus übersinnlichem, geistigem Erkennen kommen. Man hat es dazumal nicht verstanden; das ist ja auch kein Wunder, denn diejenigen, die es hätten verstehen sollen, die gehörten, nun ja, halt zu den Hühnern. Wir müssen uns aber klar sein, daß in dem Augenblick, wo Krishna vor dem Arjuna steht, er ihm sozusagen zum ersten Male in der ganzen Menschheitsentwikkelung den Ausgangspunkt für die Erkenntnis der höheren Welten in der Durchdringung des abstrakten Urteilens gibt. Der Geist kann gesehen werden ganz in der Oberfläche der Verwandlungen innerhalb der äußeren Sinnenwelt. Die Leiber können sterben, der Geist, das Abstrakte, das Wesentliche ist ewig. Ganz in der Oberfläche der Erscheinungen kann das Geistige gesehen werden. Das ist es, was Krishna dem Arjuna als den Anfang eines neuen Hellsehertums des Menschen klar machen will.
[ 18 ] In the 18th century what was considered a great word was uttered by a pioneer of thinking, “O, Man, make bold to use thy power of reason!” Today a great word must resound in men's souls, “O, Man, make bold to claim thy concepts and ideas as the beginning of thy clairvoyance.” What I have just expressed I said many years ago, publicly in my books Truth and Science and The Philosophy of Freedom, where I showed that human ideas come from super-sensible, spiritual knowledge. It was not understood at the time, and no wonder, for those who should have understood it were—well, like the chickens! We must realize that at the moment when Krishna stands before Arjuna and gives him the power of abstract judgment, he is thereby giving him, for the first time in the whole of evolution, the starting-point for the knowledge of higher worlds. The spirit can be seen on the very surface of the changes that take place within the external world of sense. Bodies die; the spirit, the abstract, the essential being, is eternal. The spiritual can be seen playing on the surface of phenomena. This is what Krishna would reveal to Arjuna as the beginning of a new clairvoyance for men.
[ 19 ] Für den heutigen Menschen ist eines notwendig, wenn er zu einer innerlich erlebten Wahrheit kommen will. Wenn er wirklich einmal innerlich Wahrheit erleben will, dann muß der Mensch einmal durchgemacht haben das Gefühl der Vergänglichkeit aller äußeren Verwandlungen, dann muß der Mensch die Stimmung der unendlichen Trauer, der unendlichen Tragik und das Frohlocken der Seligkeit zugleich erlebt haben, erlebt haben den Hauch, den Vergänglichkeit aus den Dingen ausströmt. Er muß sein Interesse haben fesseln können an diesen Hauch des Werdens, des Entstehens und der Vergänglichkeit der Sinnenwelt. Dann muß der Mensch, wenn er höchsten Schmerz und höchste Seligkeit an der Außenwelt hat empfinden können, einmal so recht allein gewesen sein, allein gewesen sein nur mit seinen Begriffen und Ideen; dann muß er einmal empfunden haben: Ja, in diesen Begriffen und Ideen, da fassest du doch das Weltengeheimnis, das Weltgeschehen an einem Zipfel — derselbe Ausdruck, den ich einstmals gebraucht habe in meiner «Philosophie der Freiheit». — Aber erleben muß man dieses, nicht bloß verstandesmäßig begreifen, und wenn man es erleben will, erlebt man es in völligster Einsamkeit.
[ 19 ] One thing is necessary for men of today if they would attain to an inwardly-experienced truth. They must have once passed through the feeling of the fleeting nature of all outer transformations. They must have experienced the mood of infinite sadness, of infinite tragedy, and at the same time the exultation of joy. They must have felt the breath of the ephemeral that streams out from all things. They must have been able to fix their interest on this coming forth and passing away again, the transitoriness of the world of sense. Then, when they have been able to feel the deepest pain and the fullest delight in the external world, they must once have been absolutely alone—alone with their concepts and ideas. They must have had the feeling, “In these concepts I grasp the mystery of the worlds; I take hold of the outer edge of cosmic being,”—the very expression I once used in my The Philosophy of Freedom! This must be experienced, not merely understood intellectually, and if you would experience it, it must be in deepest loneliness.
[ 20 ] Und man hat dann noch ein Nebengefühl. Auf der einen Seite erlebt man die Grandiosität der Ideenwelt, die sich ausspannt über das All, auf der anderen Seite erlebt man mit der tiefsten Bitternis, daß man sich trennen muß von Raum und Zeit, wenn man mit seinen Begriffen und Ideen zusammensein will. Einsamkeit! Man erlebt die frostige Kälte. Und weiter enthüllt sich einem, daß die Ideenwelt sich jetzt wie in einem Punkte zusammengezogen hat, wie in einem Punkte dieser Einsamkeit. Man erlebt: Jetzt bist du mit ihr allein. — Man muß das erleben können. Man erlebt dann das Irrewerden an dieser Ideenwelt, ein Erlebnis, das einen tief aufwühlt in der Seele. Dann erlebt man es, daß man sich sagt: Vielleicht bist du das alles doch nur selber, vielleicht ist an diesen Gesetzen nur wahr, daß es lebt in dem Punkte deiner eigenen Einsamkeit. — Dann erlebt man, ins Unendliche vergrößert, alle Zweifel am Sein.
[ 20 ] Then you have another feeling. On the one hand you experience the majesty of the world of ideas that is spread out over the All. On the other hand you experience with the deepest bitterness that you have to separate yourself from space and time in order to be together with your concepts and ideas. Loneliness! It is the icy cold of loneliness. Furthermore, it comes to you that the world of ideas has now drawn together as in a single point of this loneliness. Now you say, I am alone with my world of ideas. You become utterly bewildered in your world of ideas, an experience that stirs you to the depths of your soul. At length you say to yourself, “Perhaps all this is only I myself; perhaps the only truth about these laws is that they exist in the point of my own loneliness.” Thus you experience, infinitely enhanced, utter doubt in all existence.
[ 21 ] Wenn man dieses Erlebnis in seiner Ideenwelt hat, wenn sich aller Zweifel am Sein schmerzlich und bitter abgeladen hat auf die Seele, dann erst ist man im Grunde reif dazu, zu verstehen, wie es doch nicht die unendlichen Räume und die unendlichen Zeiten der physischen Welt sind, die einem die Ideen gegeben haben. Jetzt erst, nach dem bitteren Zweifel, öffnet man sich den Regionen des Spirituellen und weiß, daß der Zweifel berechtigt war, und wie er berechtigt war. Denn er mußte berechtigt sein, weil man geglaubt hat, daß die Ideen aus den Zeiten und Räumen in die Seele gekommen seien. Aber was empfindet man jetzt? Als was empfindet man die Ideenwelt, nachdem man sie erlebt hat aus den spirituellen Welten heraus? Jetzt fühlt man sich zum ersten Male inspiriert, jetzt beginnt man, während man früher wie einen Abgrund die unendliche Öde um sich ausgedehnt empfunden hat, jetzt beginnt man sich zu fühlen wie auf einem Felsen stehend, der aus dem Abgrunde emporwächst, und man fühlt sich so, daß man weiß: Jetzt bist du in Verbindung mit den geistigen Welten, diese und nicht die Sinnenwelt haben dich mit der Ideenwelt beschenkt. — Das ist eine nächste Etappe für die sich entwikkelnde Seele. Das ist diejenige Etappe, wo es beim Menschen beginnt mit dem, was heute schon eine triviale Wahrheit geworden ist, recht ernst zu werden. Daß man dieses Fühlen im Herzen trägt, das ist die Vorbereitung dazu, daß man überhaupt im richtigen Sinne empfindet, was jetzt, nach der gewaltigen, großen Erschütterung der Seele des Arjuna, von Krishna dem Arjuna als erste Wahrheit gegeben wird: die Wahrheit von dem ewigen Geiste, der in den Verwandlungen lebt. In Begriffen und Ideen wird zum abstrakten Verstande gesprochen, Krishna spricht zum Herzen des Arjuna, und was ganz trivial für den Verstand sein mag, ist etwas unendlich Tiefes, Erhabenes für das Herz.
[ 21 ] When you have this experience in your world of ideas, when the full cup of doubt in all existence has been poured out with pain and bitterness over your soul, then only are you ripe to understand how, after all, it is not the infinite spaces and periods of time of the physical world from which your ideas have come. Now only, after the bitterness of doubt, you open yourself to the regions of the spiritual and know that your doubt was justified, and in what sense it was justified. For it had to be, since you imagined that the ideas had come into your soul from the times and spaces of the physical world. How do you now feel your world of ideas having experienced its origin in the spiritual worlds? Now for the first time you feel yourself inspired. Before, you were feeling the infinite void spread around you like a dark abyss. Now you begin to feel that you are standing on a rock that rises up out of the abyss. You know with certainty, “Now I am connected with the spiritual worlds. They, not the world of sense, have bestowed on me my world of ideas.” This is the next stage for the evolving soul. It is the stage where man begins to be deeply in earnest with what has today come to be a trivial, commonplace truth. To bear this feeling in your heart will prepare you to receive in a true way the first truth that Krishna gives to Arjuna after the mighty upheaval and convulsion in his soul: The truth of the eternal spirit living through outer transformations. To abstract understanding we speak in concepts and ideas. Krishna speaks to Arjuna's heart. What may be trivial and commonplace for the understanding is infinitely deep and sublime to the heart of man.
[ 22 ] Wir sehen, wie sich die erste Etappe sogleich als etwas ergibt, was mit Notwendigkeit hervorgeht aus der tiefen Lebenserschütterung, die wir am Ausgangspunkte der Bhagavad Gita sehen. Und nun die nächste Etappe. Man spricht sehr leicht von demjenigen, was man oftmals dem Okkultismus gegenüber als Dogma bezeichnet, als etwas, was man auf Treu und Glauben hinnimmt und wie ein Evangelium verkündet. Um mich zu erklären, möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, daß es unendlich billig wäre, wenn jemand auftreten würde und sagen würde: Da hat einer eine «Geheimwissenschaft» veröffentlicht und spricht darin von einer Saturn-, Sonnen- und Mondentwickelung. Das kann man nicht kontrollieren, das kann man nur als Dogma hinnehmen. — Ich würde es begreifen, wenn so etwas gesagt würde, denn begreiflich ist so etwas aus der Oberflächlichkeit unserer Zeit heraus; denn oberflächlich ist unsere Zeit doch. Ja, es ist unter gewissen Voraussetzungen sogar wahr, aber nur unter der Voraussetzung, daß man aus dem Buche alle Seiten wegreißt, die dem Kapitel über die Saturnentwickelung zum Beispiel vorangehen. In dem Augenblick ist dieses Kapitel Dogma, wenn jemand mit diesem Kapitel das Buch beginnen würde. Würde direkt in diesem Buch bei der Saturnentwickelung begonnen, so wäre der Schreiber ein Dogmatiker. Wenn er aber voraussetzt die andern Kapitel, so ist er ganz und gar kein Dogmatiker, denn er zeigt, welchen Weg diese Seele durchzumachen hat, um zu solchen Anschauungen zu kommen. Darauf kommt es an. Es kommt darauf an, daß gezeigt wird, wie jede einzelne Seele, wenn sie sich in den Tiefen erfaßt, zu solchen Anschauungen kommen muß. Dadurch hört aller Dogmatusmus auf.
[ 22 ] We see how the first stage shows itself at once as a necessary consequence of the deeply moving experience that is presented to us at the start of the Bhagavad Gita. Now the next stage. It is easy to speak of what is often called dogma in occultism—something that is accepted in blind faith and given out as gospel truth. Let me suggest to you that it would be quite simple for someone to come forward and say, “This fellow has published a book on Occult Science, speaking in it about Saturn, Sun and Moon evolutions, and there is no way of controlling these statements. They can only be accepted as dogma.” I could understand such a thing being said, because it corresponds to the superficial nature of our age; and there is no getting away from it, our age is superficial. Indeed, under certain conditions this objection would not be without foundation. It would be justified, for example, if you were to tear out of the book all the pages that precede the chapter on the Saturn evolution. If anyone were to begin reading the book at this chapter it would be nothing but dogma. If, however, the author prefaces it with the other chapters, he is by no means a dogmatist because he shows what paths the soul has to go through in order to reach such conceptions. That is the point, that it has been shown in the book how every individual man, if he reaches into the depths of his soul, is bound to come to such conceptions. Herein all dogmatism ceases.
[ 23 ] Man kann es daher als natürlich empfinden, daß Krishna dem Arjuna gegenüber, indem er ihn hineinführen will in die okkulte Welt und nachdem er ihm die Ideenwelt klar gemacht hat, ihm jetzt die nächste Stufe zeigt, zeigt, wie jede Seele, wenn sie den richtigen Ausgangspunkt findet, in die okkulten Welten kommen kann. Was muß also Krishna tun? Dazu muß Krishna allen Dogmatismus ablehnen. Und radikal lehnt er allen Dogmatismus ab. Ein hartes Wort finden wir sogleich bei dieser nächsten Stufe. Dasjenige, was den höchsten Menschen jener Zeiten durch Jahrhunderte hindurch heilig war, der Inhalt der Veden, wird radikal abgelehnt: Halte dich nicht an die Veden, halte dich nicht an das Vedawort, halte dich an Yoga. — Das heißt, halte dich an das Innere deiner eigenen Seele. Fassen wir ins Auge, was da gesagt werden soll.
[ 23 ] Thus we can feel it natural that Krishna, having brought Arjuna into the world of ideas and wishing to lead him on into the occult world, now goes on to show him the next stage, how every soul can reach that higher world if it finds the right starting-point. Krishna then must begin by rejecting every form of dogmatism, and he does so radically. Here we come up against a hard saying by Krishna. He absolutely rejects what for centuries had been most holy to the highest men of that age—the contents of the Vedas. He says, “Hold not to the Vedas, nor to the word of the Vedas. Hold fast to Yoga!” That is to say, “Hold fast to what is within thine own soul!”
[ 24 ] Die Veden enthalten im Sinne des Krishna nicht Unwahrheit, aber Krishna will nicht, daß Arjuna dasjenige, was in den Veden gegeben ist, dogmatisch hinnimmt wie die Vedenschüler, sondern Krishna will ihn heranerziehen, daß er von dem ursprünglichsten Entwickelungspunkt der Menschenseele ausgehe. Da muß alle dogmatische Weisheit beiseite gesetzt werden. Dann könnte Krishna etwa sprechen, wie beiseite — wir können uns ja vorstellen, daß Krishna zu sich beiseite spricht —, dann könnte er sich sagen: Und wenn Arjuna auch zuletzt zu all demselben kommen soll, was in den Veden steht, ich muß ihn ablenken von den Veden, denn er soll den eigenen Weg aus den Ursprüngen seiner Seele machen. — Von Krishna werden die Veden abgelehnt, gleichgültig, ob sie Wahrheit oder Unwahrheit enthalten. Denn vom Ursprünglichen der Seele soll Arjuna den Weg nehmen, er soll aus sich, aus einer inneren Eigenheit den Krishna kennenlernen. Für Arjuna muß vorausgesetzt werden, was vorausgesetzt werden kann, wenn man in die konkreten Wahrheiten der oberen übersinnlichen Welten wirklich eintreten kann. So daß also, nachdem Krishna den Arjuna aufmerksam gemacht hat auf etwas, was von diesem Zeitraum der Verkündung der Bhagavad Gita an, allgemein menschlich ist, nachdem er ihn darauf geführt hat, er ihn auch dahin führen muß, zu erkennen, was er bekommen soll durch den Yoga. Denn Yoga muß Arjuna erst durchmachen. Das ist die Steigerung zu einer nächsten Etappe hinauf.
[ 24 ] Let us grasp what Krishna means by this exhortation. He does not mean that the contents of the Vedas are untrue. He does not want Arjuna to accept what is given in the Vedas dogmatically as the disciples of the Veda teaching do. He wants to inspire him to take his start from the very first original point whence the human soul evolves. For this purpose all dogmatic wisdom must be laid aside. We can imagine Krishna saying to himself that even though Arjuna will in the end reach the very same wisdom that is contained in the Vedas, still he must be drawn away from them, for he must go his own way, beginning with the sources in his own soul. Krishna rejects the Vedas, whether their content is true or untrue. Arjuna's path must start from himself, through his own inwardness he must come to recognize Krishna. Arjuna must be assumed to have in himself what a man can and must have if he is really to enter into the concrete truths of the super-sensible worlds. Krishna has called Arjuna's attention to something that from then onward is a common attribute of humanity. Having led him to this point he must lead him further and bring him to recognize what he is to achieve through Yoga. Thus, Arjuna must first undergo Yoga. Here the poem rises to another level.
[ 25 ] Wir sehen, wie — als zweite Stufe — mit wichtiger dramatischer Steigerung zu dem Allerindividuellsten hin die Bhagavad Gita weiterschreitet in diesen vier ersten Gesängen. Nun schildert Krishna dem Arjuna den Yogaweg — darüber werden wir morgen noch genauer zu sprechen haben —, er schildert diesen Weg, den Arjuna durchzumachen hat, um zu der nächsten Stufe heraufzukommen, von dem alltäglichen Hellsehen der Begriffe und Ideen zu dem, was nur durch Yoga erlangt werden kann. Die Begriffe und Ideen brauchen nur in das richtige Licht gestellt zu werden, zu Yoga muß er geführt werden. Das ist die zweite Stufe.
[ 25 ] In this second stage we see how the Bhagavad Gita goes on through the first four discourses with ever-increasing dramatic impulse, coming at length to what is most individual of all. Krishna describes the path of Yoga to Arjuna. We shall speak of this more in detail tomorrow. He describes the path that Arjuna must take in order to pass from the everyday clairvoyance of concepts and ideas to what can only be attained through Yoga. Concepts only require to be placed in the right light; but Arjuna has to be guided to Yoga. This is the second stage.
[ 26 ] Die dritte Stufe: wiederum eine dramatische Steigerung, wiederum ein Aussprechen einer tiefen okkulten Wahrheit. Worin besteht diese dritte Stufe?
[ 26 ] The third stage shows once more an enhancement of dramatic power, and again comes the expression of a deep occult truth.
[ 27 ] Nehmen wir an, jemand gehe wirklich einmal den Yogaweg. Wenn er das tut, dann kommt er dazu — diese Dinge werden wir noch genauer darstellen —, von seinem gewöhnlichen Bewußtsein zu einer höheren Bewußtseinsstufe hinaufzusteigen, zu derjenigen Bewußtseinsstufe, die nicht bloß das Ich umfaßt, welches zwischen Geburt und Tod liegt, sondern jenes Ich umfaßt, das von Inkarnation zu Inkarnation geht. In einem erweiterten Ich erkennt sich die Seele, in ein erweitertes Ich, in ein erweitertes Bewußtsein, wächst die Seele hinein. Die Seele macht einen Prozeß durch, der im Grunde auch alltäglich ist, aber der in der Alltäglichkeit eben nicht voll erlebt wird. Der Mensch schläft ja an jedem Abend ein. Dann erstirbt um ihn herum die Sinnenwelt, er wird für diese Sinnenwelt bewußtlos. Es ist nun eine Möglichkeit für die Seele, die Sinnenwelt wie beim Einschlafen verschwinden zu lassen, aber um in höheren Welten wie in einer Wirklichkeit zu leben. Da ersteigt der Mensch eine hohe Bewußtseinsstufe. Wenn der Mensch allmählich — und wir werden eben von dem Yoga und auch von modernen Übungen zu sprechen haben —, wenn der Mensch dazu gelangt, nicht mehr mit seinem Bewußtsein in sich zu leben, zu fühlen und zu wissen, sondern mit der ganzen Erde zu leben, zu fühlen und zu wissen, dann wächst er auf zu einer höheren Bewußtseinsstufe, wenn die gewöhnlichen Sinnesdinge für ihn verschwinden wie im Schlaf. Dazu aber ist notwendig, daß der Mensch sich zu identifizieren vermag mit seiner Planetenseele, mit der Erdenseele. Wir werden sehen, daß er das kann. Wir wissen, daß der Mensch nicht nur einschläft und aufwacht, sondern auf der anderen Seite erlebt auch noch andere Rhythmen der Erde: Winter, Sommer. Wenn der Mensch den Yogaweg geht oder moderne okkulte Übungen ausführt, dann kann er sich erheben über das gewöhnliche Bewußtsein, das die Zyklen Wachen und Schlafen, Winter und Sommer erlebt, dann kann er sich erheben, indem er lernt, sich selber von außen anzuschauen. Dann wird der Mensch gewahr, daß er auf sich zurückschauen kann so, wie er sonst auf die Dinge nach außen schaut. Jetzt betrachtet er auch die Dinge, die Zyklen im äußeren Leben. Dann sieht er abwechselnde Zustände. Er sieht, wie sein Leib, solange er außerhalb seiner selbst ist, eine Gestalt annimmt, welche gleicht der Erde mit ihrer Vegetation im Sommer. Was die materielle physische Wissenschaft als Nerven konstatiert, beginnt der Mensch dann wahrzunehmen wie ein Aufsprossen von etwas Pflanzlichem beim Einschlafen, und wenn er wieder in das alltägliche Bewußtsein sich zurückversetzt, dann fühlt er, wie dieses Pflanzliche wiederum zusammenschrumpft und das Instrument des Denkens, Fühlens und Wollens wird im tagwachen Bewußtsein des Menschen. Er fühlt sein Herausgehen und Wiederhineingehen in den Leib analog dem Wechsel von Winter und Sommer auf der Erde, und zwar fühlt er ein Sommerliches beim Einschlafen, ein Winterliches beim Aufwachen. Nicht etwa ist das Umgekehrte der Fall, wie man nach äußeren, oberflächlichen Begriffen leicht denken könnte. Er lernt aber von diesem Augenblicke an verstehen, was der Erdgeist ist, daß dieser im Sommer schläft und im Winter wacht, und nicht umgekehrt.
[ 27 ] Let us assume that someone really takes the Yoga path. He will rise at length from his ordinary consciousness to a higher state of consciousness, which includes not only the ego that lies between the limits of birth and death but what passes from one incarnation to the next. The soul wakens to know itself in an expanded ego. It grows into a wider consciousness. The soul goes through a process that is essentially an everyday process but that is not experienced fully in our everyday life because man goes to sleep every night. The sense world fades out around him and he becomes unconscious of it. Now for every human soul the possibility exists of letting this world of sense vanish from his consciousness as it does when he goes to sleep, and then to live in higher worlds as in an absolute reality. Thereby man rises to a high level of consciousness. We shall still have to speak of Yoga, and also of the modern exercises that make this possible. But when man gradually attains to where he no longer, consciously, lives and feels and knows in himself, but lives and feels and knows together with the whole earth, then he grows into a higher level of consciousness where the things of the sense world vanish for him as they do in sleep. However, before man can attain this level he must be able to identify himself with the soul of his planet, earth. We shall see that this is possible. We know that man not only experiences the rhythm of sleeping and waking but other rhythms of the earth as well—of summer and winter. When one follows the path of Yoga or goes through a modern occult training, he can lift himself above the ordinary consciousness that experiences the cycles of sleeping and waking, summer and winter. He can learn to look at himself from outside. He becomes aware of being able to look back at himself just as he ordinarily looks at things outside himself. Now he observes the things, the cycles in external life. He sees alternating conditions. He realizes how his body, so long as he is outside himself, takes on a form similar to that of the earth in summer with all its vegetation. What material science discovers and calls nerves he begins to perceive as a sprouting forth of something plant-like at the time of going to sleep, and when he returns again into everyday consciousness he feels how this plant-like life shrinks together again and becomes the instrument for thinking, feeling and willing in his waking consciousness. He feels his going out from the body and returning into it analogous to the alternation of summer and winter on the earth. In effect he feels something summer-like in going to sleep and something winter-like in waking up—not as one might imagine, the opposite way round. From this moment onward he learns to understand what the spirit of the earth is, and how it is asleep in summer and awake in winter, not vice versa.
[ 28 ] Das lernt der Mensch kennen, er lernt kennen das große Erlebnis, sich zu identifizieren mit dem Erdgeist. Er sagt sich von diesem Augenblicke an: Ich lebe nicht nur in meiner Haut, ich lebe, wie die Zelle in meinem Organismus, so ich im Organismus der Erde. Die Erde schläft im Sommer und wacht im Winter, wie ich schlafe und wache im Tageswechsel. Und wie die Zelle zu meinem Bewußtsein steht, so stehe ich zum Bewußtsein der Erde.
[ 28 ] He realizes the wonderful experience of identifying himself with the spirit of the earth. From this moment he says to himself, “I live not only inside my skin, but as a cell lives in my bodily organism so do I live in the organism of the earth. The earth is asleep in summer and awake in winter as I am asleep and awake in the alternation of night and day. And as the cell is to my consciousness, so am I to the consciousness of the earth.”
[ 29 ] Der Yogaweg, namentlich im modernen Sinne, führt zu dieser Erweiterung des Bewußtseins, führt zu der Identifizierung unseres eigenen Wesens mit einem umfassenderen Wesen. Wir fühlen uns dann so mit der ganzen Erde verwoben. Aber indem wir das tun, fühlen wir uns nicht mehr als Menschen an eine bestimmte Zeit und an einen bestimmten Ort gefesselt, sondern wir fühlen unser Menschentum, wie es sich entwickelt hat vom Erdenursprung bis zum Erdenende. Wir fühlen die ganze unendliche Reihe unserer Entwickelungen durch die Erdenevolution hindurch. So schreitet Yoga weiter zu dem Sich—eins—Fühlen mit dem, was von Verkörperung zu Verkörperung, von Inkarnation zu Inkarnation in der Erdenentwickelung geht. Das muß die nächste, die dritte Stufe sein. Das ist es auch, was zu der schönen, künstlerischen Komposition der Bhagavad Gita führt, daß dieser erhabene Sang in seiner inneren künstlerischen, sich steigernden Komposition okkulte tiefe Wahrheiten spiegelt: erstens Unterweisung in den gewöhnlichen, dazumal alltäglichen Begriffen, zweitens Anleitung zum Yogaweg, drittens die Beschreibung der wunderbaren Ausbreitung des Horizontes über die ganze Erde hin, da wo Krishna vor Arjuna die Vorstellung entwickelt: Alles, was in deiner Seele lebt, hat oftmals gelebt, du weißt es nur nicht. Aber ich habe in mir dies Bewußtsein, wenn ich zurückschaue in die Verwandlungen, die ich durchlebte, und ich will dich heraufführen, damit du lernst dich fühlen, wie ich mich fühle. — Ein neues dramatisches Moment! Ebenso schön, wie auf der anderen Seite tief okkult wahr. Die Entwickelung der Menschheit vom Alltagsbewußtsein heraus, von der Perle am Wege, die nur erst bekannt sein muß, von der in der jeweiligen Zeit alltäglichen Gedanken— und Begriffswelt, bis herauf zur Überschau dessen, was in Wahrheit in uns ist und von Erdeninkarnation zu Erdeninkarnation lebt.
[ 29 ] The path of Yoga, especially in its modern sense, leads to this expansion of consciousness, to the identification of our own being with a more comprehensive being. We feel ourselves interwoven with the whole earth. Then as men we no longer feel ourselves bound to a particular time and place, but we feel our humanity such as it has developed from the very beginning of the earth. We feel the age-long succession of our evolutions through the course of the evolution of the earth. Thus Yoga leads us on to feel our atonement with what goes from one incarnation to another in the earth's evolution. That is the third stage. This is the reason for the great beauty in the artistic composition of the Bhagavad Gita. In its climaxes, its inner artistic form, it reflects deep occult truths. Beginning with an instruction in the ordinary concepts of our thinking it goes on to an indication of the path of Yoga. Then at the third stage to a description of the marvelous expansion of man's horizon over the whole earth, where Krishna awakens in Arjuna the idea, “All that lives in your soul has lived often before, only you know nothing of it. But I have this consciousness in myself when I look back on all the transformations through which I have lived, and I will lead you up so that you may learn to feel yourself as I feel myself.” A new moment of dramatic force as beautiful as it is deeply and occultly true! Thus we come to see the evolution of mankind from out of its everyday consciousness, from the pearl in the roadway that only needs to be recognized, from the particular world of thoughts and concepts that are a matter of everyday life in any one age, up to the point from where we can look out over all that we really have in us, which lives on from incarnation to incarnation on the earth.
