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The Rudolf Steiner Archive

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The Spirit World's Impact on the Physical World
The Influence of the Dead on the World of the Living
GA 150

13 April 1913, Weimar

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2. Sinneserleben und Erleben der Welt der Verstorbenen

2. Sensory Experiences and Experiences of the World of the Deceased

[ 1 ] Wenn wir uns darauf besinnen, daß wir hier in der physischen Welt uns bekanntmachen mit dieser physischen Welt, so werden wir ja immer darauf kommen, daß wir in dieser Welt in erster Linie leben durch unsere physischen Sinne, durch den Verstand. Wir leben ja allerdings innerhalb dieser physischen Welt auch durch unser Seelenleben, durch die Gedanken, die in uns auftauchen, die uns bleiben in der Erinnerung, die unseren Gedächtnisschatz ausmachen, wir leben in dieser Welt durch die Gefühle und Willensimpulse. Es ist ganz begreiflich, daß es für den Menschen, der sich noch nicht tiefer mit geisteswissenschaftlichen Fragen befaßt hat, recht unwahrscheinlich ist, daß auch ein Erleben stattfinden kann, welches ganz anders gestaltet ist als das in der physischen Welt; denn es ist ja klar, der Mensch kennt die Welt zunächst nur durch das Denken, Fühlen und Wollen. Es gibt nun aber durch das, was wir die Initiation nennen, in der Welt eine ganz andere Form des Erlebens, die über die physische Welt hinausgeht. Im Grunde ist es dieselbe Art des Erlebens, wie wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, eintritt in jene Zeit, die zwischen Tod und neuer Geburt liegt.

[ 1 ] When we reflect on the fact that here in the physical world we are becoming acquainted with this physical world, we will inevitably come to the conclusion that in this world we live primarily through our physical senses and through our intellect. Of course, we also live within this physical world through our soul life, through the thoughts that arise within us, that remain in our memory, that make up our store of memories; we live in this world through our feelings and impulses of will. It is quite understandable that for a person who has not yet delved more deeply into questions of spiritual science, it seems quite improbable that an experience could take place that is shaped entirely differently from that in the physical world; for it is clear that human beings initially know the world only through thinking, feeling, and willing. However, through what we call initiation, there exists in the world a completely different form of experience that transcends the physical world. Essentially, it is the same kind of experience as when a person passes through the gate of death and enters that time that lies between death and a new birth.

[ 2 ] Nun muß man ja sagen, in den meisten Fällen ist dasjenige, was den Menschen überfällt, wenn er sich hier im physischen Leib eine Vorstellung machen soll von dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt, ein Auftreten in der Seele einer gewissen Angst vor dem Nichts. Machen wir uns klar, daß dieses Auftreten von Furcht ganz natürlich ist. Denn versuchen Sie einmal, sich rein physisch in die Lage zu versetzen, Sie wären recht schnell gegangen und wären an einen tiefen Abgrund gekommen. Dieser böte nichts anderes dar, als ein Ahnung, ein Gefühl: Sie können gar nicht wissen, was im nächsten Augenblick geschehen könnte, wenn Sie die Schritte fortsetzten. — Dieses Gefühl kann nur dann die Seele befallen, wenn der Mensch so schnell gelaufen ist, daß er sich nicht mehr aufhalten kann. Er sagt sich: Du mußt den nächsten Schritt machen. — Das Unbestimmte der Angst lebt in der Seele und dieses Gefühl würde sich nur vergleichen lassen mit dem Gefühl, das in der Tiefe der Seele immer vorhanden ist, aber nur nicht wahrgenommen wird, weil die Aufmerksamkeit auf die physische Welt gerichtet ist, dieses Gefühl, das ihm sagt: Was geschieht mit dir, wenn du alles verläßt, in das du hineingewöhnt bist? — Der Mensch braucht sich nur zu besinnen, daß so etwas unterbewußt in ihm leben kann, und es lebt auch da, was man aussprechen kann mit den Worten: Sehen und hören kannst du nicht, denn die Instrumente zu dieser Sinnenbetätigung sind dir genommen; denken kannst du auch nicht. — Diese Gefühle macht man sich nicht klar, aber sie sitzen in der Seele, und dasjenige, was der Mensch empfindet, ist eine Art Sich-Hinwegbetäuben über dieses Gefühl. Sobald es auftritt, wird irgend etwas anderes in die Seele hineingerufen, so daß das Gefühl nicht zum Bewußtsein kommen kann. Aber damit kann man auch nicht die richtige Vorbereitung treffen, man kann nicht den Schleier lüften, der hinter dem Tode liegt. Wir wollen uns heute aufklären darüber, wie zusammenhängt dieses unser Leben mit dem nach dem Tode.

[ 2 ] Now, it must be said that in most cases, what overwhelms a person when they try to form a mental picture, here in the physical body, of the life between death and rebirth, is a certain fear of nothingness arising in the soul. Let us realize that this feeling of fear is entirely natural. For try, just for a moment, to put yourself in a purely physical situation: imagine you were walking quite quickly and came to a deep abyss. This would offer nothing more than a premonition, a feeling: you have no way of knowing what might happen in the next moment if you were to continue walking. — This feeling can only take hold of the soul when a person has been walking so fast that they can no longer stop themselves. They tell themselves: You must take the next step. — The indeterminacy of fear lives in the soul, and this feeling could only be compared to the feeling that is always present in the depths of the soul but is simply not perceived because attention is directed toward the physical world—this feeling that tells them: What will happen to you if you leave everything you have grown accustomed to? — One need only reflect that something like this can live within him subconsciously, and there also lives what can be expressed with the words: You cannot see or hear, for the instruments for these sensory activities have been taken from you; nor can you think. — One does not make these feelings clear to oneself, but they sit in the soul, and what a person feels is a kind of numbing oneself away from this feeling. As soon as it arises, something else is called into the soul, so that the feeling cannot come into consciousness. But with that, one cannot make the proper preparation either; one cannot lift the veil that lies behind death. Today we want to shed light on how our life here is connected to the life after death.

[ 3 ] Wir sprechen mit Recht in der physischen Welt davon, daß wir sie wahrnehmen durch unsere Sinne. Der Mensch spricht, wenn er von den Sinnen spricht, eigentlich nur von den Sinnen, die zu gebrauchen sind in der physischen Welt. Sie sind nur zu gebrauchen in der physischen Welt, weil sie gebunden sind an die Werkzeuge, die uns beim Tode genommen werden. Als Sinne werden da immer nur die fünf Sinne aufgezählt: Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack und Gefühl. Diese sind aber alle nicht zu gebrauchen im entkörperten Zustand. Es ist notwendig, wenn man einen Übergang finden will, daß man vollständig aufzählen muß die menschlichen Sinne. Das, was der Mensch bei der Aufzählung verfehlt, ist, daß er sich selbst dabei vergißt. Er gehört aber doch zu der physischen Welt und er könnte sich hier nicht wahrnehmen, wenn er keine Sinne dafür hätte. Es sind zunächst wenige Sinne, durch die er sich selbst wahrnimmt: Der Gleichgewichtssinn, der Bewegungssinn und der Lebenssinn, doch sind sie ebenso wichtige Sinne wie die anderen Sinne, die äußeren Sinne. Was ist Lebenssinn? Sie können sich eine Vorstellung davon machen, wenn Sie in Betracht ziehen, den Unterschied zu fühlen zwischen Hunger und Sättigung. Wenn sich der Mensch nicht innerlich begriffe, so würde er nichts wissen von seiner eigenen Leiblichkeit, von Wohlbefinden oder Übelbefinden. Genauso wie man von dem Gesichtssinn spricht, so muß man von dem Lebenssinn sprechen.

[ 3 ] In the physical world, we rightly speak of perceiving it through our senses. When people speak of the senses, they are actually referring only to those senses that are usable in the physical world. They are usable only in the physical world because they are bound to the instruments that are taken from us at death. Only the five senses are ever listed as such: sight, hearing, smell, taste, and touch. However, none of these are of any use in the disembodied state. If one wishes to find a transition, it is necessary to list all human senses completely. What people overlook in this list is that they forget to include themselves. Yet they belong to the physical world, and they could not perceive themselves here if they had no senses for it. There are initially few senses through which they perceive themselves: the sense of balance, the sense of movement, and the sense of life; yet these are just as important as the other senses, the external senses. What is the sense of life? You can form an idea of it by considering the difference between hunger and satiety. If a person did not perceive themselves internally, they would know nothing of their own physicality, of well-being or ill-being. Just as one speaks of the sense of sight, so must one speak of the sense of life.

[ 4 ] Aber auch noch von einem anderen Sinn muß man sprechen. Wie unmöglich wäre es für den Menschen, sich zu fühlen, wenn er nicht empfände die Tätigkeit der Muskeln und Sehnen. Das ist ein Wahrnehmen der inneren Beweglichkeit. Es ist nur für den Menschen etwas getrübt, weil der Mensch sich in der physischen Welt mit seinen physischen Augen sieht. Das richtige Gefühl bekommt man von dem inneren Wahrnehmen, wenn man sich im Finsteren bewegt; da wird zum Beispiel die Wahrnehmung des Atmungsprozesses leichter klar.

[ 4 ] But we must also speak of another kind of sense. How impossible it would be for a person to feel anything if they did not perceive the activity of their muscles and tendons. This is a perception of inner mobility. For humans, this perception is somewhat clouded because we see ourselves in the physical world with our physical eyes. One gains a true sense of this inner perception when moving in the dark; there, for example, the perception of the breathing process becomes more readily clear.

[ 5 ] Dasjenige, was wir Gleichgewichtssinn nennen, brauchen wir sehr notwendig. Es ist zu beobachten bei Kindern, wenn sie gehen und stehen lernen; da fühlen sie sich nach und nach in den Sinn hinein. Wir müssen uns daran gewöhnen, zu empfinden, daß wir aufrechtgehen. Dieser Sinn hat sogar ein Organ; das sind die drei halbzirkelförmigen Bogengänge im Ohr, die senkrecht zueinander stehen. Sind sie verletzt, so fällt der Mensch um, und das mangelnde Gleichgewichtsgefühl mancher Menschen rührt davon her, daß der innere Orientierungssinn verletzt ist.

[ 5 ] We have a vital need for what we call our sense of balance. This can be observed in children as they learn to walk and stand; they gradually develop a feel for it. We must accustom ourselves to the sensation of walking upright. This sense even has a specific organ: the three semicircular canals in the ear, which are perpendicular to one another. If they are damaged, a person falls over, and the lack of balance experienced by some people stems from damage to this inner sense of orientation.

[ 6 ] Wenn wir weitergehen, so finden wir noch andere Sinne, durch die wir in uns eine Art Selbstwahrnehmung haben können, doch ist das schon schwieriger. Da müssen wir von einer gewissen Betrachtung ausgehen, die hinweist auf einen Bewußtseinszustand, der nicht mehr ganz normal ist. Er tritt auf in gewissen Träumen. Es kann im Bewußtsein einmal auftreten als Traum das Folgende: Ein Mensch hat furchtbaren Ärger, der Steuermann ist gekommen. Er träumt das in allen Einzelheiten, und es kann ein langes Traumgespinst sein. Es verwandelt sich und dann tritt Wagengerassel auf; die Feuerwehr fährt vorüber. Es ist Feuer ausgebrochen. ÄAußerlich ist nichts weiter vorgekommen, als der Ruf «Feuer». Dies Wort klingt leise an an das Wort «Steuer», und es ruft in der Seele durch den Ton den Übergang hervor von dem unmittelbar gehörten Ruf «Feuer», und das gebiert wiederum die Summe der ärgerlichen Vorstellungen des Traumes. Der Traum läuft furchtbar schnell ab. Die einzelnen Ereignisse denkt man sich in der Zeitlinie, und deshalb kommt einem der Traum so lang vor. Man sieht aus diesem Traum, welche große Bedeutung im Seelenleib das Tönen hat, namentlich dann, wenn es sich untermischt mit Vorstellungen, wenn das Wort hineinspielt. Wenn wir weitergehen in der Seelenforschung, so sehen wir, daß eigentlich etwas ganz anderes vorgeht. Nur wenn der Mensch tief schläft, merkt er die Dinge nicht. Es wäre auch etwas vorgegangen, wenn der Ruf «Feuer» gar nicht ertönt wäre, aber nun deckt der Ruf etwas zu und ruft das Wort «Steuer» hervor. Aus dem Nachklang des Wortes wird ein feiner Schleier gesponnen. Im Tagesleben ist der Schleier furchtbar dick, aber neben den Tagesvorstellungen gehen einher die feinen Seelenvorstellungen. Nur werden diese nicht wahrgenommen. In einem solchen Traumgesicht fassen wir das Weltgeschehen, wie es sich hinstellt vor unsere Seele, an einem Zipfel.

[ 6 ] If we go further, we find other senses through which we can have a kind of self-perception within ourselves, but this is already more difficult. Here we must start from a certain perspective that points to a state of consciousness that is no longer entirely normal. It occurs in certain dreams. The following may occur in consciousness as a dream: A person is terribly upset; the tax collector has come. He dreams this in every detail, and it can be a long dream sequence. It transforms, and then the rattle of a carriage is heard; the fire engine drives by. A fire has broken out. Externally, nothing more has happened than the cry of “Fire.” This word sounds faintly like the word “Steuer,” and through its tone it evokes in the soul the transition from the cry of “Fire” heard directly, and this in turn gives rise to the sum of the dream’s distressing images. The dream unfolds terribly quickly. One imagines the individual events in a timeline, and that is why the dream seems so long. From this dream, one sees what great significance sound has in the soul-body, especially when it intermingles with images, when the word comes into play. If we proceed further in soul research, we see that something quite different is actually taking place. Only when a person is in deep sleep do they not notice these things. Something would have happened even if the cry of “Fire!” had not sounded at all, but now the cry covers something up and brings forth the word “Tax.” A fine veil is spun from the echo of the word. In daily life, the veil is terribly thick, but alongside our daily perceptions go the subtle soul perceptions. Only these are not perceived. In such a dream vision, we grasp world events, as they present themselves before our soul, by a single thread.

[ 7 ] Wir haben dies Beispiel absichtlich gewählt, weil das Gehör, wie es nun in der jetzigen Menschheit eingerichtet ist, der den übersinnlichen Sinnen nächste Sinn ist. Wir stehen da hart an der Grenze der übersinnlichen Welt und könnten wir abstreifen die beiden Worte, so würden wir die wahren Seelenerlebnisse erfahren können.

[ 7 ] We have deliberately chosen this example because hearing, as it is currently constituted in humanity, is the sense closest to the supersensible senses. We stand right on the threshold of the supersensible world, and if we could set aside these two words, we would be able to experience true spiritual realities.

[ 8 ] An diesem Beispiel ist gut zu sehen, wie der Mensch vor der geistigen Welt steht. Aber die beiden Worte halten ihn zurück. Es ist wirklich so, daß die weitaus meisten unserer Träume durch Nachklänge des Gehörsinnes gesponnen werden, weil zwischen dem Hören und dem Denken ein innerer Sinn lebt, der für das heutige Leben ganz verkümmert ist. Wenn man sich hineingelebt hat in die geistige Welt, so tritt dieser Sinn in Tätigkeit. Zwischen dem Hören und dem Denken lebt dieser Sinn, der bewußt wird, wenn man Unhörbares hören kann, Wenn man die Empfindung für rhythmisch, melodisch Harmonisches erweckt hat... (Lücke im Text.)

[ 8 ] This example clearly illustrates how human beings stand before the spiritual world. But these two words hold them back. It is indeed true that the vast majority of our dreams are woven from echoes of the sense of hearing, because between hearing and thinking there exists an inner sense that has become completely atrophied in modern life. Once one has immersed oneself in the spiritual world, this sense becomes active. This sense lives between hearing and thinking; it becomes conscious when one can hear the inaudible, when one has awakened a sense for rhythmic, melodic harmony... (gap in the text.)

[ 9 ] Wenn man nicht vordringt zu einem Sinn, der nur Bedeutung hat für die physische Welt, so steht man vor einem Sinn der übersinnlichen Welt. In der physischen Welt hat dieser Sinn sich gespalten in Gehörund Vorstellungssinn. Er klingt an, wenn man zu einer Art von Selbstbewußtsein kommt. Am besten klingt er dann an, wenn man versucht, die Nachempfindung der Musik und Dichtung zu entwickeln. Es ist jedoch besser, von der anderen Seite vorzudringen. Im äußeren physischen Leben ist der Sinn verkümmert.

[ 9 ] If one does not proceed to a sense that is relevant only to the physical world, one is faced with a sense of the supersensible world. In the physical world, this sense has split into the sense of hearing and the sense of imagination. It resonates when one arrives at a kind of self-awareness. It resonates most strongly when one attempts to develop an appreciation of music and poetry. However, it is better to approach it from the other side. In external physical life, the sense has atrophied.

[ 10 ] Von da aus geht es immer weiter bis zu dem, was wir heute nennen: Der Mensch kommt zu der Ich-Vorstellung. Dieser Ich-Vorstellung gegenüber muß man aufrichtig sein. Die Menschen sprechen das Ich aus und haben in dem Aussprechen einen gewissen inneren Halt. Sie glauben mit Recht, in dem Ich-Aussprechen das Ich zu erfassen. Mit Recht ist das so. Es ist dies eine Art Vorbereitung zur Erfassung des wirklichen höheren Ich. Dieses Erfassen hat seine große Schwierigkeit, sonst würde nicht das ganze philosophische Streben darauf gerichtet sein, dahinterzukommen. Ich habe in meiner «Philosophie der Freiheit» dahin gestrebt, klarzumachen, wie man dahinter kommt. Alles das gehört zur Selbstwahrnehmung. Man muß es innerlich erfassen, wodurch man als Ich sich anspricht. Wir haben also Sinne, durch welche wir die äußere Welt erfassen, und solche, wodurch wir uns selbst erfassen, wenn wir das tonlose Tönen hören.

[ 10 ] From there, the journey continues on to what we call today: the human being arrives at the concept of the “I.” One must be sincere in relation to this concept of the “I.” People utter the word “I” and find a certain inner stability in doing so. They rightly believe that by uttering the word “I,” they are grasping the “I.” And rightly so. This is a kind of preparation for grasping the true higher “I.” Grasping this presents a great difficulty; otherwise, the entire philosophical endeavor would not be directed toward getting to the bottom of it. In my *Philosophy of Freedom*, I sought to clarify how one gets to the bottom of it. All of this belongs to self-perception. One must grasp inwardly that through which one addresses oneself as the “I.” We therefore have senses through which we perceive the external world, and those through which we perceive ourselves when we hear the soundless sound.

[ 11 ] Hier im Physischen sind besonders ausgebildet die bekannten fünf Sinne. Diese haben keine Bedeutung für den Initiierten in der geistigen Welt. Die anderen Sinne, durch die der Mensch zur Selbstwahrnehmung kommt, sind verkümmert. Sie haben eine große Bedeutung für den Menschen, wenn er durch die Pforte des Todes geht.

[ 11 ] Here in the physical world, the five familiar senses are particularly well-developed. These have no significance for the initiate in the spiritual world. The other senses, through which human beings come to self-awareness, have atrophied. They are of great importance to human beings when they pass through the gate of death.

[ 12 ] Das erste, was er braucht im Jenseits, ist der Sinn, der übergeht vom äußerlich Musikalischen zum innerlich Musikalischen. Für diesen Sinn ist das Vorhandensein des äußeren Gehörwerkzeuges nicht hinderlich. Heute ist nur der Sinn durch das Ohr totgeschlagen. In der physischen Welt kann man die Kraft des Sinnes wahrnehmen, wenn die Musiker komponieren. Der Sinn steht da hinter dem musikalischen Schaffen. Nach dem Tode wird er ein Sinn, durch den der Mensch auf seine ganze Umgebung hingewiesen wird. Musik erleben wir dann innerlich. Nach dem Tode wird der Sinn ein äußerer Sinn und man nimmt wahr eine Zeitlang nach dem Tode, was durch die Welt geht, denn die Welt ist durchzogen von rhythmisch-musikalisch Harmonischem. Ein Mensch, der nicht wahrnehmen würde dieses rhythmisch-musikalisch Harmonische, der würde sein wie ein Mensch in der physischen Welt, der das Unorganische nicht wahrnehmen könnte.

[ 12 ] The first thing he needs in the afterlife is the sense that transitions from the external musical to the internal musical. The presence of the external hearing organ is no obstacle to this sense. Today, this sense has been stifled by the ear. In the physical world, one can perceive the power of this sense when musicians compose. The sense stands behind the musical creation. After death, it becomes a sense through which the human being is attuned to their entire surroundings. We then experience music inwardly. After death, the sense becomes an external sense, and for a time after death one perceives what passes through the world, for the world is permeated by rhythmic-musical harmony. A person who could not perceive this rhythmic-musical harmony would be like a person in the physical world who could not perceive the inorganic.

[ 13 ] In meinem Buche «Theosophie», bei der Schilderung des Devachan, werden Sie finden, wie das gegenseitige Leben besteht im Ausbreiten des musikalisch-rhythmisch Harmonischen. In der Tat gliedert sich an das Obere und Untere das Vorwärts und das Rückwärts, während wir durch den Gleichgewichtssinn nur wissen, daß wir aufrechtgehen. Wir nehmen die Wesen wahr, die oben und unten, rechts und links sind. Also die inneren Sinne, die jetzt verkümmert sind, die breiten sich aus und vermitteln uns die geistige Welt. Dann geht über der Gleichgewichtssinn in den Harmonie- und Rhythmussinn, dann gliedert sich an der Sinn der Bewegung. Wenn wir befreit sind von dem ganzen Muskel- und Sehnenwerk, dann wird der Sinn, der sonst durch die Leiblichkeit konzentriert ist, sich ausbreiten und wir kommen zu der Möglichkeit, im Weltall überall so zu sein, wie wir durch den Bewegungssinn in unserem eigenen Leibe sind. Die Außenwelt ist in der geistigen Welt so, wie in der physischen Welt in uns eine Muskelbewegung vor sich geht. Wenn einem Kinde die Hand entgegengestreckt wird, so kommt dies dem Kinde zum Verständnis und es macht die Bewegung nach. In dem inneren Erleben der nachgemachten Bewegung erwacht der Bewegungssinn.

[ 13 ] In my book *Theosophy*, in the description of Devachan, you will find how mutual life consists in the unfolding of musical, rhythmic harmony. In fact, the upper and lower are joined by the forward and the backward, while through our sense of balance we know only that we are walking upright. We perceive the beings that are above and below, to the right and to the left. Thus the inner senses, which are now atrophied, expand and convey the spiritual world to us. Then the sense of balance transitions into the sense of harmony and rhythm, and the sense of movement follows. When we are freed from the entire muscular and tendinous system, the sense that is otherwise concentrated through physicality will expand, and we will gain the ability to be everywhere in the universe just as we are in our own body through the sense of movement. The external world is to the spiritual world what a muscular movement is to the physical world within us. When a hand is held out to a child, the child understands this and imitates the movement. In the inner experience of the imitated movement, the sense of movement awakens.

[ 14 ] Man wird mit der Zeit gründlich kuriert von manchen Lehren, die immer daran kranken, daß sie sagen: Wir leben ja in uns. In der übersinnlichen Welt gibt es aber keine Blutzirkulation.

[ 14 ] Over time, one becomes thoroughly disillusioned with certain teachings that are fundamentally flawed because they claim: “We live within ourselves.” But in the supersensible world, there is no blood circulation.

[ 15 ] Der innere Bewegungssinn wird ein ganz besonders wichtiger Sinn sein, wenn wir gestorben sind, der Lebenssinn wird uns wichtig — wenn er nicht in unangenehmer Weise in Anspruch genommen werden kann —, weil wir dann keine Kopfschmerzen mehr haben und kein Hungergefühl.

[ 15 ] Our inner sense of movement will become a particularly important sense after we die; our sense of life will become important to us—provided it is not exploited in an unpleasant way—because we will no longer have headaches or feel hungry.

[ 16 ] Diejenigen Sinne, welche hier verkümmert sind, werden ganz besonders angeregt, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen. Die eigene Leiblichkeit können wir nicht durch die eigene. Leiblichkeit wahrnehmen, das Auge kann sich nicht selber sehen und das Gehirn kann sich nicht selbst untersuchen; also das Organ, das etwas wahrnimmt, kann nicht dasselbe sein, das sich selbst wahrnimmt. So muß aus der Leiblichkeit herausgesondert werden das, was wir Lebenssinn genannt haben, und so nähert es sich dem Seelischen. Beim Gleichgewichtssinn ist es nicht so, daß er das Wahrnehmen vermittelt, sondern er drückt sich nur symbolisch in demselben aus.

[ 16 ] The senses that are atrophied here are particularly stimulated when we pass through the gate of death. We cannot perceive our own physicality through our own physicality; the eye cannot see itself, and the brain cannot examine itself; thus, the organ that perceives something cannot be the same one that perceives itself. Therefore, what we have called the sense of life must be separated from physicality, and in this way it approaches the spiritual. In the case of the sense of balance, it is not that it mediates perception, but rather that it expresses itself only symbolically within it.

[ 17 ] Diese Sinne sind eigentlich diejenigen, die durch ihre eigene Natur egoistisch sind, weil der Mensch durch sie sein Selbst wahrnimmt. Und das dürfen wir uns nicht verhehlen, daß das, was wir mit heraustragen aus dem Leben, der egoistischere Teil ist. Zunächst behalten wir also den egoistischeren Teil und daraus wird verständlich, daß der Mensch unmittelbar nach dem Tode übergeht in einen recht egoistischen Zustand. Wie das Kind seine Sinne mitbringt ins physische Dasein und sich erst gewöhnen muß an die physische sinnliche Welt, so muß der Mensch im entkörperten Zustand seine Sinne an die übersinnliche Welt gewöhnen. Das dauert nach dem Tode recht lange, und während er die Sinne gewöhnen lernt, bleibt ihm zunächst lediglich das, was hier in der physischen Welt ihn mit der Außenwelt zusammengebracht hat, als Erinnerung, und zwar als der unangenehmere Teil der Erinnerung. Die erste Erinnerung dauert nur wenige Tage, sie erscheint als Erinnerungstableau, das uns ja bekannt ist. Dann beginnt sie so zu werden, daß das, was hier ihr Innerstes ist, sich anknüpft in innerlicher Weise, so daß der Mensch sich daran gewöhnt innerlich zu durchsetzen alles, was er erlebt hat, denn die Möglichkeit, wahrzunehmen, hört ja auf.

[ 17 ] These senses are, in fact, inherently selfish by their very nature, because it is through them that a person perceives their own self. And we must not deny to ourselves that what we carry with us out of this life is the more selfish part. So, initially we retain the more selfish part, and from this it becomes clear that immediately after death, a person passes into a rather selfish state. Just as a child brings its senses into physical existence and must first become accustomed to the physical, sensory world, so too must a person, in the disembodied state, accustom their senses to the supersensory world. This takes quite a long time after death, and while they are learning to accustom their senses, all that remains for them at first is what here in the physical world brought them into contact with the external world, as a memory—and specifically as the more unpleasant part of that memory. The first memory lasts only a few days; it appears as a tableau of memories, which is familiar to us. Then it begins to take on a form in which its innermost essence connects in an inner way, so that the human being becomes accustomed to processing internally everything they have experienced, for the ability to perceive ceases.

[ 18 ] Ein konkreter Fall: In irgendeinem Lebensverhältnis haben wir zusammengelebt mit einem Menschen. Wir sterben hinweg, er bleibt zurück auf dem physischen Plan. Wir gewöhnen uns immer mehr daran, von dem Inneren etwas anderes zurückzubehalten als die Erinnerung. Wenn wir einen Toten betrachten, so sehen wir, daß er weiß, was wir mit ihm erlebt haben während seines Erdenlebens. Mit dem Tode reißt nun der Faden ab und jetzt kann die erschütternde Wahrnehmung gemacht werden, daß man Tote trifft, die einem mit den Mitteln der Mitteilung sagen: Da habe ich gelebt mit diesem oder jenem Menschen. Ich weiß, daß er fortlebt, ich weiß aber nur etwas von ihm bis zu meinem Tode. — Das ist ein großer Schmerz. Jetzt vermißt der Tote ihn. Darum jammern die Toten hauptsächlich nach denen, die sie geliebt haben und an die sie nicht heran können. Es muß bekannt werden, daß wir in dieser Beziehung den Toten wichtige Dienste leisten können, wenn wir ihnen entgegenkommen. Die äußeren Sinne sind den Toten genommen, es lebt in ihnen nur das, was sie gemeinschaftlich mit uns erlebt haben. Ja, das gewöhnliche Leben bietet eigentlich nichts, was die Sache anders machen könnte. Sie kann nur geändert werden, wenn Bande geknüpft werden zwischen dem Toten und dem Lebenden. Es ist für den Toten gewöhnlich so, als wenn wir zu den Toten hinaufsehen. (Lücke im Text.) Nun gibt es ein gemeinsames Bindeglied zwischen den Toten und den Lebenden: es ist das, was wir denken an übersinnlichen Gedanken. Das spirituelle Denken ist dieses Bindeglied. Ich darf betonen, daß man den Toten vorlesen kann über das, was von übersinnlichen Welten handelt. Wenn wir Zeit haben, setzen wir uns hin und gehen in Gedanken durch, was der Inhalt der Geisteswissenschaft ist und stellen uns dabei recht lebhaft vor, daß die Verstorbenen bei uns wären. Wir nehmen ihnen damit die Qual, daß sie denken, wir wären nicht da. Da haben wir innerhalb der anthroposophischen Bewegung recht schöne Resultate erzielt, dadurch daß wir in Gedanken an die Toten ihnen vorgelesen haben. Dadurch sind sie mit uns zusammen, und dessen bedürfen sie, danach sehnen sie sich. Es gibt zweierlei im Zusammenleben mit den Toten. Das erste ist dasjenige, was eben jetzt charakterisiert worden ist, das Entbehren der Menschen, mit denen man gelebt hat auf der Erde. Dem können wir abhelfen durch das Vorlesen. Wir sollen zusammensein mit den Toten und überbrücken die Daseinsverhältnisse. Was hat es nun für eine Bedeutung für die Toten, wenn wir ihnen Anthroposophie vorlesen, trotzdem sie bei Lebzeiten nichts davon haben wissen wollen? — wird oft gesagt. Doch das ist ein materialistischer Einwand, denn die Verhältnisse bleiben ja nicht dieselben. Es kann zum Beispiel der Fall beobachtet werden, daß zwei Brüder da sind. Der eine neigt der Geisteswissenschaft zu, während der andere gerade darüber immer wütender wird. Er redet sich immer mehr in die Wut hinein. Doch dies tut er nur aus dem Grunde, weil er sich betäuben will über die innere Sehnsucht nach Geisteswissenschaft. Im Leben kann man an ihn nicht gut heran, und es ist nicht gut, für die Anthroposophie zu agitieren. Im Tode zeigt sich nun das am meisten, was der Mensch ersehnt hat, und gerade solchen Seelen kann man das Allerbeste leisten, wenn man ihnen vorliest. Derjenige, der sich hier schon für Anthroposophie interessiert hat, wird sich auch dort immer mehr dafür interessieren. Dies ist das eine.

[ 18 ] A concrete example: In some relationship, we have lived together with another person. We pass away, and they remain behind on the physical plane. We become increasingly accustomed to retaining something other than mere memory from within. When we look at a deceased person, we see that they know what we experienced with them during their earthly life. With death, the thread is now severed, and we can have the shattering realization that we encounter the dead who tell us through the means of communication: “I lived with this or that person.” I know that he lives on, but I know of him only until my own death. — That is a great pain. Now the dead person misses him. That is why the dead mainly mourn for those they have loved and whom they cannot reach. It must be known that in this regard we can render important services to the dead if we reach out to them. The external senses have been taken from the dead; only what they experienced together with us lives on within them. Indeed, ordinary life offers nothing that could change this situation. It can only be altered if bonds are formed between the dead and the living. For the dead, it is usually as if we were looking up to them. (Gap in the text.) Now there is a common link between the dead and the living: it is what we think of as supersensible thoughts. Spiritual thinking is this link. I would like to emphasize that one can read aloud to the dead about what concerns the supersensible worlds. When we have time, we sit down and go through in our minds what the content of spiritual science is, vividly imagining that the departed are with us. In doing so, we relieve them of the torment of thinking that we are not there. We have achieved quite beautiful results within the anthroposophical movement by reading to the dead in our thoughts. In this way, they are with us, and that is what they need; that is what they long for. There are two aspects to living together with the dead. The first is what has just been described: the absence of the people with whom one lived on earth. We can remedy this by reading aloud. We are to be together with the dead and bridge the conditions of existence. What significance does it have for the dead, it is often asked, if we read anthroposophy to them, even though they wanted nothing to do with it during their lifetimes? — Yet this is a materialistic objection, for the circumstances do not remain the same. One can observe, for example, the case of two brothers. One is drawn to spiritual science, while the other becomes increasingly angry about it. He talks himself into a greater and greater rage. But he does this only because he wants to numb himself against his inner longing for spiritual science. In life, it is difficult to reach him, and it is not good to campaign for anthroposophy. In death, what a person has longed for is revealed most clearly, and it is precisely for such souls that one can do the very best by reading to them. The one who has already taken an interest in anthroposophy here will also become increasingly interested in it there. This is the first point.

[ 19 ] Das andere, was zu bedenken ist, gerade in unserer Zeit, ist, daß wir, wenn wir jeden Tag im Schlaf in die übersinnliche Welt eingehen, in demselben Reiche sind, wo die Toten sind. Nur wissen wir nach dem Aufwachen nichts mehr davon. Wie gehen nun die meisten Menschen in den Schlaf hinein? Man darf sagen, wenn sie die Schwelle des Schlafes überschritten haben, daß sie wenig Spirituelles mitgenommen haben. Diejenigen, die durch Genuß geistiger Getränke die nötige Bettschwere erlangt haben, bringen nicht viel Spirituelles hinein in die geistige Welt. Aber es gibt da viele Nuancen. So oft hört man: Ja, was nützt es denn, wenn man Geisteswissenschaft lernt und kann doch nicht hineinsehen in die geistigen Welten? — Ja, wenn man sich nur genügend damit beschäftigt, so nimmt man auch etwas mit hinein in den Schlaf. Denken Sie sich einmal eine schlafende Stadt, schlafende Menschen, so sind die Seelen entkörpert. Dasjenige, was die schlafenden Seelen darstellen für die geistige Welt, ist noch etwas anderes als das, was sie darstellen für die physische Welt. Für die Toten ist das etwas Ähnliches. Was wir den Toten geben und was sie ins Bewußtsein aufnehmen, das ist das, was sie für ihr Leben brauchen. Und wenn wir ihnen spirituelle Gedanken mitbringen, so haben sie Nahrung, wenn nicht, so haben sie Hunger, so daß der Satz ausgesprochen werden darf: Wir können dadurch, daß wir hier auf der Erde spirituelle Gedanken pflegen, den Toten Nahrung verschaffen. Wir können sie hungern lassen, wenn wir ihnen keine spirituellen Gedanken bringen. — Wenn die Fluren veröden, so bringen sie keine Früchte für die Nahrung der Menschen und die Menschen können verhungern. Die Toten können nun freilich nicht verhungern, sie können nur leiden, wenn das geistige Leben auf der Erde verödet.

[ 19 ] Another point to consider, especially in our time, is that when we enter the supersensible world every day in our sleep, we are in the same realm where the dead are. Only we remember nothing of it after waking up. How do most people enter sleep? It can be said that once they have crossed the threshold of sleep, they have taken little of the spiritual with them. Those who have attained the necessary drowsiness through the consumption of alcoholic beverages do not bring much of a spiritual nature into the spiritual world. But there are many nuances here. One often hears: “Well, what good is it to study spiritual science if one cannot see into the spiritual worlds?” — Yes, if one engages with it sufficiently, one does take something with them into sleep. Imagine a sleeping city, sleeping people—their souls are disembodied. What the sleeping souls represent for the spiritual world is something different from what they represent for the physical world. It is similar for the dead. What we give to the dead and what they take into their consciousness is what they need for their lives. And if we bring them spiritual thoughts, they have nourishment; if not, they are hungry, so that the following statement may be made: By cultivating spiritual thoughts here on Earth, we can provide nourishment for the dead. We can let them go hungry if we do not bring them spiritual thoughts. — When the fields lie fallow, they bear no fruit to feed the people, and the people may starve. The dead, of course, cannot starve; they can only suffer when spiritual life on Earth lies fallow.

[ 20 ] Die Sache ist so, daß hier auf der Erde die Wissenschaft verschiedenen Gesetzen über die Zusammenhänge folgt, und ein Ideal ist es, daß durch die Wissenschaft das Leben als solches naturwissenschaftlich erfaßt werden kann. Hier auf dem physischen Plan lernt man aber nicht das Leben kennen. Alle Gesetze beziehen sich zwar auf das Lebendige, aber man kann doch mit allem diesem Wissen nicht das Leben erforschen. Für die übersinnliche Welt kann man mit allem Forschen nicht den Tod kennenlernen. Für den, der die Dinge durchschaut, ist es unsinnig zu glauben, daß es in der übersinnlichen Welt einen Tod gibt. Zwar gibt es schlafartige Bewußtseinszustände und auch eine Sehnsucht nach dem Tode, ebenso wie wir das Leben begreifen möchten, aber einen Tod gibt es dort nicht. Man darf nicht glauben, daß man in der geistigen Welt zugrunde gehen könnte, auch sterben kann man dort nicht. Man kann auch sein Bewußtsein nicht vernichten, das was hier dem Sterben entspricht. Aber man kann ein Einsamer werden in der geistigen Welt.

[ 20 ] The fact is that here on Earth, science follows various laws governing relationships, and one ideal is that through science, life as such can be understood from a scientific perspective. Here on the physical plane, however, one does not come to know life. Although all laws pertain to the living, one cannot explore life with all this knowledge. As for the supersensible world, no amount of research can reveal death. For those who see through things, it is nonsensical to believe that there is death in the supersensible world. There are, admittedly, sleep-like states of consciousness and also a longing for death, just as we wish to comprehend life, but there is no death there. One must not believe that one could perish in the spiritual world; nor can one die there. Nor can one destroy one’s consciousness—that which corresponds to dying here. But one can become a loner in the spiritual world.

[ 21 ] Es handelt sich da um ein Nicht-Wahrnehmen-Können der physisch-sinnlichen Welt. Man weiß nur noch von sich selbst und nichts von anderen Wesen. Das ist es, was man die Leiden und Schmerzen des Kamaloka nennt. Das, was das menschliche Bewußtsein erweitert, ist das gesellige Leben nach dem Tode, und wir kommen in Geselligkeit auch mit den verschiedenen Wesen der übersinnlichen Welt.

[ 21 ] This refers to an inability to perceive the physical, sensory world. One is aware only of oneself and nothing of other beings. This is what is called the suffering and pain of Kamaloka. What expands human consciousness is social life after death, and we also come into contact with the various beings of the supersensible world.

[ 22 ] Ein Einwand, der noch gemacht werden kann, soll heute abend in Erfurt gelöst werden. Er besteht darin: Wie ist es denn, die Toten sind doch in der übersinnlichen Welt. Können sie denn etwas erfahren, wenn wir ihnen von den übersinnlichen Welten vorlesen? — Das, was wir ihnen nicht von der Erde aus geben, können sie nicht in der übersinnlichen Welt kennenlernen. Die Gedanken müssen von der Erde hinaufströmen. Anthroposophie wird nicht im Himmel gelehrt, sondern auf der Erde. Die Menschen sind nicht auf der Erde, um nur ein Jammertal kennenzulernen, sondern auch Anthroposophie. Es wird oft geglaubt, daß man Anthroposophie auch nach dem Tode kennenlernen könnte, doch das ist ein großer Irrtum. Was der Mensch auf der Erde erfahren hat, das muß er niederlegen in der geistigen Welt, nachdem er die Pforte des Todes durchschritten hat.

[ 22 ] An objection that may still be raised is to be addressed this evening in Erfurt. It goes like this: After all, the dead are in the supersensible world. Can they really experience anything when we read to them about the supersensible worlds? — They cannot come to know in the supersensible world what we do not give them from the earth. Thoughts must flow upward from the earth. Anthroposophy is not taught in heaven, but on earth. Human beings are not on earth merely to experience a vale of tears, but also to experience Anthroposophy. It is often believed that one could also come to know anthroposophy after death, but that is a great mistake. What a person has experienced on Earth, they must lay down in the spiritual world after they have passed through the gate of death.