How does one Develop an Understanding of the Spiritual World
The influx of spiritual impulses from the world of the deceased
GA 154
26 May 1914, Paris
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How Does one Develop an Understanding of the Spiritual World?, tr. SOL
6. Die Geisteswissenschaft als Zusammenfassung von Wissenschaft, Intelligenz und hellsichtiger Forschung
6. Spiritual Science as a Synthesis of Science, Intelligence, and Clairvoyant Research
[ 1 ] Sprechen möchte ich heute von dem Gesichtspunkte aus, daß wir in der Gegenwart in einer Zeit leben, in welcher die menschliche Entwickelung es notwendig macht, daß die Erkenntnis des geistigen Lebens sich auf ähnliche Grundlagen stelle, wie sich vor drei bis vier Jahrhunderten die Erkenntnis der äußeren Natur gestellt hat. Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, fühlt sich von dem Impuls durchdrungen, für den Geist und seine Erkenntnis etwas Ähnliches zu leisten, wie in ihrer Zeit für die Erkenntnis der äußeren Natur geleistet haben Persönlichkeiten wie Kopernikus, Galilei, Giordano Bruno. Derjenige, welcher sich von einem solchen Impuls durchdrungen fühlt, muß sich allerdings damit abfinden, daß in unserer Zeit die hier gemeinte Geisteswissenschaft Widerstände und Anfeindungen der gleichen Art erfährt, wie die angedeutete naturwissenschaftliche Erkenntnis und Vorstellungsart erfahren haben, und daß sich diese geisteswissenschaftliche Richtung ebenso langsam und unter ebensolchen Schwierigkeiten dem Kulturleben einverleiben wird, wie dies bei der anderen, ihr verwandten Richtung der Fall war.
[ 1 ] Today I would like to speak from the perspective that we are currently living in an age in which human development makes it necessary for our understanding of spiritual life to be based on principles similar to those upon which the understanding of external nature was founded three or four centuries ago. Spiritual Science, as understood here, feels driven by the impulse to achieve for the spirit and its understanding something similar to what figures such as Copernicus, Galileo, and Giordano Bruno achieved in their time for the understanding of external nature. Anyone who feels imbued with such an impulse must, however, accept that in our time the Spiritual Science referred to here encounters resistance and hostility of the same kind as the scientific understanding and mode of thought mentioned above did, and that this direction of Spiritual Science will be incorporated into cultural life just as slowly and amid just as many difficulties as was the case with the other, related direction.
[ 2 ] Um dasjenige auszuführen, was von diesem Gesichtspunkte aus zu sagen ist, muß ich allerdings den Ausgangspunkt nehmen davon, daß die Quellen der Erforschung des geistigen Lebens in einer Verrichtungsweise des menschlichen Geistes liegen, die heute noch in weitesten Kreisen unbekannt oder wenigstens unbeliebt ist. Dasjenige, was man hellsichtige Forschung nennt, ist durchaus die Grundlage jener Geisteswissenschaft, von deren Gesichtspunkt aus ich heute abend zu Ihnen sprechen möchte.
[ 2 ] In order to explain what needs to be said from this perspective, I must, however, start from the premise that the sources of research into spiritual life lie in a mode of activity of the human spirit that is still unknown—or at least unpopular—in the broadest circles today. What is called clairvoyant research is indeed the foundation of Spiritual Science from whose perspective I would like to speak to you this evening.
[ 3 ] Nicht nur dadurch, daß man Vorurteil über Vorurteil entgegenbringt demjenigen, was hellsichtige Forschung genannt werden kann, bringt man diese hellsichtige Forschung in Mißkredit. Auch der Umstand bringt sie in Mißkredit, daß mit dem Begriff, der Idee dieser hellsichtigen Forschung in der Gegenwart viel Mißbrauch getrieben wird. Deshalb will ich gleich von vornherein bemerken, daß ich allerdings nicht sprechen werde von dem Gesichtspunkt okkulter Erkenntnisse, wie sie so häufig heute scharlatanhaft angepriesen werden, sondern von jener hellsichtigen, okkulten Erkenntnis, zu der sich auch bekennen kann ein Mensch, der heute völlig auf dem Standpunkt ernster naturwissenschaftlicher Forschung steht und die Ergebnisse echter naturwissenschaftlicher Tatsächlichkeiten zur Grundlage seines Wissens macht. In bezug auf die innere Logik, in bezug auf die Art des Denkens, liegt die hier gemeinte Geisteswissenschaft durchaus in der Strömung darinnen, die durch die naturwissenschaftlichen Vorstellungen angeschlagen worden ist. In bezug auf das Gebiet, durch das Gebiet, das ihr obliegt, unterscheidet sie sich allerdings wesentlich von der Naturwissenschaft, denn die Naturwissenschaft bezieht sich auf das äußere Sinnesleben, auf die physischen Tatsachen der Umwelt, Geisteswissenschaft aber auf dasjenige Feld, das der Naturwissenschaft notwendigerweise verborgen bleiben muß, auf das Feld geistiger Erlebnisse und geistiger Wesenheiten. Deshalb ist es auch unmöglich, mit denjenigen menschlichen Fähigkeiten und Methoden, mit denen man in der Naturwissenschaft immer größere und größere Triumphe in den letzten Jahrhunderten gefeiert hat und in unserer Zeit feiert, das Feld der geistigen Tatsachen und geistigen Wesenheiten zu erforschen. Für die Erforschung der Natur werden in der Tat nur in Anspruch genommen diejenigen geistigen Kräfte und Fähigkeiten, die dem Menschen dadurch eigen sind, daß er in diese Welt in einer gewissen Weise hineingestellt ist und durch seine Mitmenschen in der normalen Weise für gewisse Fähigkeiten erzogen und angeleitet wird. Mit diesen angeborenen und anerzogenen Fähigkeiten, die vollständig ausreichen für die äußeren Wissenschaften, kann man keine Erkenntnisse für die geistige Welt gewinnen. Dazu ist notwendig, daß Fähigkeiten herausgeholt werden aus der menschlichen Seele, die im gewöhnlichen, im sogenannten normalen Menschenleben in den Tiefen des menschlichen Wesens gleichsam schlummern, ruhen, man könnte sagen, um einen wissenschaftlichen Ausdruck zu gebrauchen, latent sind. Alle die Anstrengungen und Methoden, die der Mensch sich auferlegt, um die äußere Tatsachenwelt zu durchforschen in der Weise, wie es ihm unmittelbar im Leben möglich ist, alle diese Anstrengungen verwendet er als Geistesforscher zunächst gar nicht zu einer Forschung, sondern dazu, die eigene Seele in eine solche Lage zu versetzen, daß die in ihr schlummernden Fähigkeiten und Kräfte für die spirituelle, für die geistige Welt zum Vorschein kommen, und erst nachdem sie durch die gewöhnlichen Menschenkräfte herausgeholt sind, für die Erkenntniskräfte der höheren Welt wirksam werden. Wir wenden zum Beispiel unsere Vorstellungen, die wir uns in der Seele bilden können, im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft an, um uns Erkenntnisse der Außenwelt zu verschaffen. Dies kann man als Geistesforscher zunächst nicht tun. Da muß man anwenden sein Vorstellungsleben zu solchen Anstrengungen, die ganz im Innenleben verlaufen und die den Erfolg bezwecken, ganz andere Fähigkeiten zu entwickeln, als im gewöhnlichen Leben da sind. Ich möchte, um mich über diesen Punkt völlig verständlich zu machen, zu einem Vergleich meine Zuflucht nehmen, nicht um dadurch zunächst etwas zu beweisen, sondern um zu verdeutlichen, was ich gesagt habe. Ich möchte sagen, die Übereinstimmung der Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, mit der naturwissenschaftlichen Vorstellungsart zeigt sich eben darin, daß diese Geisteswissenschaft versucht, durch eine Art geistiger Chemie einzudringen in die geistigen Welten. Wenn wir Wasser vor uns haben, so sieht man diesem Wasser nicht an, daß der Chemiker in die Lage kommt, dieses Wasser zu scheiden in Wasserstoff und Sauerstoff. Wasser ist flüssig, Wasser brennt nicht. Der Wasserstoff, den der Chemiker abscheidet, ist ein Gas, er brennt, er ist etwas ganz anderes. Das ist dasjenige, was ich zum Vergleich heranziehen möchte für einen Vorgang des geistigen Lebens, den ich gleich erörtern will. Wenn wir den Menschen im gewöhnlichen Leben vor uns haben, so haben wir in ihm vereinigt das Geistig-Seelische und das Leiblich-Physische, wie wir im Wasser vereinigt haben den Wasserstoff und den Sauerstoff. In dem, was ich nennen möchte «geistige Chemie», obliegt uns, das GeistigSeelische abzutrennen von dem Leiblich-Physischen, wie auf physischem Gebiet der Chemiker abtrennt den Wasserstoff vom Wasser. Und es ist nur begreiflich, daß man ebensowenig aus der Betrachtung des gewöhnlichen Menschen eine Anschauung gewinnen kann über das Wesen des Geistig-Seelischen, wie man durch Anschauung des Wassers eine Ansicht gewinnen kann über das Wesen des Wasserstoffes.
[ 3 ] It is not only by heaping prejudice upon prejudice against what might be called clairvoyant research that this research is brought into disrepute. It is also brought into disrepute by the fact that the concept, the very idea of this clairvoyant research, is currently being widely abused. Therefore, I wish to note right from the outset that I will certainly not be speaking from the standpoint of occult knowledge, as it is so often touted today in a charlatanish manner, but rather of that clairvoyant, occult knowledge to which even a person who today stands entirely on the ground of serious scientific research and makes the results of genuine scientific facts the foundation of their knowledge can profess to adhere. In terms of its inner logic and mode of thinking, the Spiritual Science referred to here is very much in the current established by scientific concepts. In terms of the field to which it pertains, however, it differs significantly from natural science, for natural science relates to the external sensory life, to the physical facts of the environment, whereas Spiritual Science relates to that field which must necessarily remain hidden from natural science—the field of spiritual experiences and spiritual beings. That is why it is also impossible to explore the realm of spiritual facts and spiritual beings using the human faculties and methods with which science has celebrated ever greater triumphs in recent centuries and continues to celebrate them in our time. For the study of nature, in fact, only those spiritual powers and abilities are utilized that are inherent in human beings by virtue of their being placed in this world in a certain way and being educated and guided by their fellow human beings in the normal manner to develop certain abilities. With these innate and acquired abilities, which are entirely sufficient for the external sciences, one cannot gain any insights into the spiritual world. For this, it is necessary to draw out from the human soul abilities that, in ordinary, so-called normal human life, lie as it were slumbering in the depths of the human being, resting—one might say, to use a scientific term—in a latent state. All the efforts and methods that a person imposes upon themselves to explore the external world of facts in the way that is immediately possible in life—all these efforts are not initially used by the spiritual researcher for research at all, but rather to place their own soul in such a state that the abilities and powers slumbering within it emerge for the spiritual world, and only after they have been brought forth through ordinary human powers do they become effective for the cognitive powers of the higher world. For example, in ordinary life and in ordinary science, we apply the mental images we can form in our souls to gain knowledge of the external world. As a spiritual researcher, one cannot do this at first. One must apply one’s imaginative life to efforts that take place entirely within the inner life and aim to develop abilities entirely different from those found in ordinary life. To make myself perfectly clear on this point, I would like to resort to a comparison, not to prove anything at first, but to clarify what I have said. I would like to say that the correspondence between Spiritual Science, as it is meant here, and the scientific mode of thinking is precisely evident in the fact that this Spiritual Science attempts to penetrate the spiritual worlds through a kind of spiritual chemistry. When we have water before us, we cannot tell by looking at it that the chemist is able to separate this water into hydrogen and oxygen. Water is a liquid; water does not burn. The hydrogen that the chemist separates is a gas; it burns; it is something entirely different. This is the comparison I would like to draw for a process of spiritual life that I shall discuss shortly. When we have a human being before us in ordinary life, we have united within them the spiritual-soul and the physical-bodily, just as we have united hydrogen and oxygen in water. In what I would like to call “spiritual chemistry,” it is our task to separate the spiritual-psychic from the physical-bodily, just as in the physical realm the chemist separates hydrogen from water. And it is only natural that one can gain no insight into the nature of the spiritual-soul aspect by observing the ordinary human being, just as one can gain no insight into the nature of hydrogen by observing water.
[ 4 ] Die Methoden, die angewendet werden, um wirklich in uns selbst — denn dieses geistige Experiment der geistigen Chemie können wir nur in uns selbst anstellen —, um das Geistig-Seelische in uns selbst von dem Physisch-Leiblichen zu scheiden, werden technisch bezeichnet als Konzentration und Meditation. Diese Meditation, diese Konzentration, sie sind nicht irgendwelche wunderbare geistige Verrichtungen. Sie sind nur aufs höchste gesteigerte geistige Verrichtungen, die auch in ihren niederen elementaren Graden im gewöhnlichen Leben vorkommen. Meditation ist eine ins Unbegrenzte gesteigerte Hingabe der Seele, wie wir sie etwa erleben in den schönsten Empfindungen des religiösen Lebens, und Konzentration ist eine ins Unbegrenzte gesteigerte Aufmerksamkeit, wie wir sie auch anwenden müssen in elementarer Weise im gewöhnlichen Leben. Im gewöhnlichen Leben bezeichnen wir als Aufmerksamkeit, wenn wir nicht schweifen lassen unsere Vorstellungen und unser Gefühlsleben in beliebiger Weise über die Gegenstände, die auf uns Eindruck machen, sondern wenn wir uns aufraffen, mit unserer Seele unser Interesse auf einen einzelnen Gegenstand besonders hinzulenken, ihn herauszuheben aus dem Feld unseres Wahrnehmens. Diese Aufmerksamkeit, sie kann ins Unbegrenzte gesteigert werden, namentlich dadurch, daß durch eine innere Willkür unserer Seele gewisse besondere Vorstellungen, welche durch die Geisteswissenschaft gegeben werden können, insofern sie besonders brauchbar sind, in den Mittelpunkt unseres Seelenlebens gerückt werden. Dadurch kann das ganze Seelenleben — mit Außerachtlassung alles übrigen, aller Sorgen und Bekümmernisse, aller Sinneseindrücke, aller Willensimpulse, aller Gefühle und alles Denkens —, kann der gesamte Umfang der Seelenkraft durch eine bestimmte Zeit hindurch einzig und allein auf diese, in den Mittelpunkt des Seelenlebens gerückten Vorstellungen gelenkt werden. Wir müssen dabei ins Auge fassen, daß es nicht darauf ankommt, die Seelenkraft auf den Inhalt desjenigen, was wir so in der Konzentration vor uns haben, zu lenken, sondern auf die Tätigkeit, auf die innere Aktivität und Verrichtung in der Entwickelung der Aufmerksamkeit, der Konzentrationsfähigkeit. Auf dieses Zusammennehmen, auf das Konzentrieren der Seelenkraft kommt es an. Und oftmaliges, je nach der individuellen Anlage des Menschen allerdings verschieden langes, oft monatelanges, jahrelanges, jahrzehntelanges Üben der Seele in dieser Konzentration, dieser konzentrativen Tätigkeit, ist notwendig, damit die Seele dazu kommt, innerlich sich zu erkraften, innerlich sich zu erraffen, um innerliche Kräfte zu entwickeln, die sonst schlummern in der Seele und die aus ihr hervorgeholt werden durch diese ins Unbegrenzte gesteigerte Aufmerksamkeit, durch die Konzentration. Und das dabei ganz besonders Notwendige ist, daß wir die Möglichkeit in der Seele heranentwickeln, zu fühlen, daß die Seele in der Tat durch die geschilderte innere Tätigkeit immer mehr und mehr dazu kommt, sich als geistig-seelisches Wesen loszureißen vom Physisch-Leiblichen. Dieses Losreißen, dieses geistig-chemische Abscheiden des Geistig-Seelischen vom Physisch-Leiblichen, geschieht in der Tat immer mehr und mehr mit der aufgewendeten Tätigkeit, die beschrieben worden ist. Ich kann in einem Vortrag, der kurz sein muß, nur dieses Prinzip der Konzentration andeuten. In aller Breite findet man ausgeführt die einzelnen Verrichtungen, die notwendig sind, um die Konzentration wirklich fruchtbar zu machen, in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», das ins Französische übersetzt ist unter dem Titel «L’Initiation».
[ 4 ] The methods used to truly look within ourselves—for this spiritual experiment in spiritual chemistry can only be conducted within ourselves—to separate the spiritual-psychic from the physical-bodily within ourselves are technically referred to as concentration and meditation. This meditation, this concentration, are not some kind of miraculous spiritual acts. They are merely spiritual acts heightened to the highest degree, which also occur in their lower, elementary forms in ordinary life. Meditation is a devotion of the soul heightened to the infinite, as we experience it, for example, in the most beautiful feelings of religious life, and concentration is attention heightened to the infinite, as we must also apply it in an elementary way in ordinary life. In ordinary life, we call it attention when we do not allow our mental images and our emotional life to wander at will over the objects that make an impression on us, but when we summon the will to direct our interest with our soul specifically toward a single object, to single it out from the field of our perception. This attention can be heightened to the infinite, namely by the fact that, through an inner act of will on the part of our soul, certain specific mental images—which can be provided by Spiritual Science insofar as they are particularly useful—are brought into the center of our soul life. In this way, the entire life of the soul—disregarding everything else, all worries and sorrows, all sensory impressions, all impulses of the will, all feelings, and all thinking—the entire scope of the soul’s power can be directed, for a certain period of time, solely and exclusively toward these mental images that have been brought into the center of the soul’s life. We must bear in mind that what matters is not directing the power of the soul toward the content of what we have before us in concentration, but toward the activity, the inner activity and work involved in the development of attention and the ability to concentrate. It is this gathering, this concentrating of the soul’s power, that matters. And frequent practice of the soul in this concentration—this concentrative activity—which, depending on the individual’s disposition, may vary in duration, often lasting months, years, or even decades, is necessary so that the soul may come to strengthen itself inwardly, to grasp itself inwardly, in order to develop inner powers that otherwise lie dormant in the soul and are brought forth from it through this attention heightened to the infinite, through concentration. And what is particularly necessary in this process is that we develop within the soul the capacity to feel that, through the inner activity described, the soul is indeed increasingly able to detach itself as a spiritual-soul being from the physical-bodily. This detachment, this spiritual-chemical separation of the spiritual-soul from the physical-bodily, does indeed occur more and more as a result of the activity described. In a lecture that must be brief, I can only hint at this principle of concentration. The individual practices necessary to make concentration truly fruitful are explained in full detail in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*, which has been translated into French under the title *L’Initiation*.
[ 5 ] Man gelangt durch Anwendung und Ausbildung der Methoden, die damit angedeutet sind, dazu, einen wirklichen inneren Sinn zu verbinden mit den Worten: Du erlebst dich jetzt als geistig-seelisches Wesen. Du bist in dir aktiv, ohne dich zu bedienen deiner Sinne, deiner Glieder. Du erlebst in dir, außerhalb deines Leibes. — Man hat einen gewissen fruchtbaren Punkt der Entwickelung erlangt, wenn man dazu gekommen ist, von außerhalb, von dem geistig-seelischen Erleben außerhalb des Leibes aus, die eigene Leiblichkeit, mit alledem, was in der physischen Welt an der eigenen Leiblichkeit hängt, außer sich, das heißt, außerhalb des Geistig-Seelischen wirklich anzuschauen, wirklich vor sich zu haben, wie man im physischen Leben einen Tisch, einen Stuhl vor sich hat. In der Regel kommt man zuerst dazu, auf diese Art die denkerischen Fähigkeiten, die Vorstellungsfähigkeit der Seele von den leiblichen Werkzeugen, nämlich von dem Nervensystem und dem Gehirn loszutrennen, so daß man lernt, im Denkerischen, im Vorstellungsmäßigen zu leben und sich dabei zu wissen außerhalb des Nervensystems und des Gehirns, die man sonst als Instrumente gebraucht im gewöhnlichen Leben, um zu denken, um vorzustellen.
[ 5 ] By applying and practicing the methods implied here, one comes to attach a true inner meaning to the words: You now experience yourself as a spiritual-soul being. You are active within yourself without making use of your senses or your limbs. You experience within yourself, outside your body. — One has reached a certain fruitful stage of development when one has come to view one’s own physicality—with all that in the physical world is connected to one’s own physicality—from the outside, from the spiritual-soul experience outside the body, to truly behold it outside of oneself—that is, outside the spiritual-soul realm—to truly have it before oneself, just as one has a table or a chair before oneself in physical life. As a rule, one first comes to separate in this way the soul’s powers of thought and mental images from the physical instruments—namely, the nervous system and the brain—so that one learns to live in the realm of thought and mental images while knowing oneself to be outside the nervous system and the brain, which one otherwise uses as instruments in ordinary life for thinking and creating mental images.
[ 6 ] Da ich nicht in Abstraktionen, sondern in konkreten geistigen Tatsachen sprechen möchte, sei das Folgende erwähnt. Die erste Erfahrung, die man machen kann bei dieser Entwickelung, ist in der Regel diese, daß man weiß: Du lebst denkend wie in der Umgebung deines eigenen Hauptes. Du webst und lebst, so wie du sonst, wenn du dich des Instrumentes des Gehirnes bedienst, in Gedanken lebst und webst, im Gedanklichen, aber du weißt ganz genau, dieses Leben und Weben im Gedanklichen ist jetzt außerhalb deines Hauptes. Und insbesondere jener Eindruck bleibt unvergeßlich — wenn man ihn einmal durchgemacht hat —, der Eindruck, den man empfängt davon, daß man, nachdem man eine Weile außerhalb des Hauptes sich verhalten hat, wiederum untertaucht in das Gehirn und das Nervensystem und nun fühlt, wie dieses Gehirn, dieses Nervensystem als Materielles Widerstand bieten, so daß man mit Gewalt untertauchen muß in das Physische mit dem, was aus dem Physischen zuerst heraus kam. Dieser Moment bleibt unvergeßlich, wenn ihn der Mensch einmal durchgemacht hat im Laufe seiner Entwickelung.
[ 6 ] Since I wish to speak not in abstractions but in concrete spiritual facts, let me mention the following. The first experience one can have in this development is, as a rule, the realization that one lives and thinks as if within the space surrounding one’s own head. You weave and live just as you otherwise do when you use the instrument of the brain to live and weave in thought, in the realm of thought; but you know quite precisely that this life and weaving in thought is now outside your head. And in particular, that impression remains unforgettable—once you have experienced it— the impression one receives from the fact that, after having existed for a while outside the head, one dives back into the brain and the nervous system and now feels how this brain, this nervous system, as material entities, offer resistance, so that one must force one’s way back into the physical with that which first emerged from the physical. This moment remains unforgettable once a person has experienced it in the course of their development.
[ 7 ] Loslösen kann man auf diese bisher geschilderte Weise von dem Physisch-Leiblichen nur die denkerische, die vorstellungsmäßige Tätigkeit, nicht aber das, was nun auch losgelöst werden muß zu wahrer Geistesforschung: die gefühlsmäßige Tätigkeit der Seele, die Tätigkeit im Willensimpuls der Seele. Um die gefühlsmäßige und die in Willensimpulsen verlaufende Tätigkeit der Seele loszulösen von dem PhysischLeiblichen, dazu ist notwendig die unbegrenzte Steigerung dessen, was man Hingabe nennen kann. Die beste Vorstellung von dieser gesteigerten Hingabe, die man Meditation nennt, bekommen wir, wenn wir zum Vergleich heranziehen das menschliche Leben im Schlafe. Die Sinnesorgane sind abgelegt im Schlafe, die Sinnestätigkeit ruht, die Glieder sind regungslos; der Mensch ist im Schlafe hingegeben dem allgemeinen Weltenlauf; er mischt nicht in den Verlauf dieses allgemeinen Weltenganges hinein dasjenige, was von seinem Ich, von seinem Denken, Fühlen und Wollen ausgeht. Er ist allerdings auch während dieser Schlafenstätigkeit unbewußt. Sein Bewußtsein hat sich aufgelöst in allgemeine Finsternis, in allgemeine Verdunkelung. Dasjenige nun, was der Schlaf durch die Notwendigkeit der allgemeinen Naturkraft für den Menschen herbeiführt, das muß für die Meditation willkürlich herbeigeführt werden, nur mit dem Unterschied, daß der Schlaf in Bewußtlosigkeit, diese gesteigerte Hingabe aber in gesteigerte Bewußtheit hineinführt. Durch Willkür muß es der Geistesforscher dahin bringen, daß alle seine Sinne schweigen; er muß ablenken können die Aufmerksamkeit aller Sinne von einem jeglichen Eindruck der Außenwelt. Er muß unterdrücken können, wie sie im Schlafe unterdrückt ist, die Tätigkeit der einzelnen Organe und der Glieder. Äußerlich, in bezug auf sein Leibliches, muß sich der Mensch verhalten lernen, wie er sich im Schlafe verhält, aber während er im Schlafe heruntersinkt zur Bewußtlosigkeit, erwacht er durch diese willkürliche, gesteigerte Hingabe in dem göttlich-geistigen Strom der Allkräfte. Er erwacht zu einer Bewußtheit, gegenüber der die alltägliche Bewußtheit ein Schlafen ist, wie sonst der Schlaf gegenüber der alltäglichen Bewußtheit. Wir gelangen, wenn wir genügend lange in Geduld und Ausdauer die Seele in der geschilderten Weise üben, dazu, eine andere innere Seelenfähigkeit wie geistig-chemisch loszulösen von der entsprechenden leiblich-physischen Tätigkeit. Wie wir durch die Konzentration die Denkkraft loslösen und sie dann nur im Geistig-Seelischen verlaufend haben, so lösen wir durch die Hingabe allmählich los diejenige Seelenkraft, die sonst in der menschlichen Sprache, im Gebrauch all der Werkzeuge, deren wir uns bedienen in der menschlichen Sprache, zur Anwendung kommt. Indem ich zu Ihnen spreche, wende ich eine geistig-seelische Kraft an. Diese geistig-seelische Kraft fließt, während ich hier physisch spreche, in die physischen Nerven und Sprachorgane hinein, gebraucht diese. Durch die genannten Übungen erlangt der Geistesforscher die Fähigkeit, durch vollständigen Stillstand des gesamten Sprachnerven-Apparates innerlich-seelisch dieselbe Kraft zu entfalten, ohne alle äußere Offenbarung dieser Kraft, die sonst durch die Sprache nach außen fließt. Man entdeckt dadurch in den Tiefen der Seele eine Fähigkeit, von der das äußere Leben sonst nichts weiß, weil diese Fähigkeit im gewöhnlichen Leben verbraucht wird im Sprechen und im Gebrauch der Sprachorgane, und die sonst, wenn sie nicht gebraucht wird zum Sprechen, eben ruht in den Tiefen der Seele. In der Geistesforschung wird sie heraufgeholt aus den Tiefen der Seele. Sie wird gleichsam geistig-chemisch losgelöst vom physischen Sprechen. Lernt man leben und weben in dieser verborgenen sprachschöpferischen Tätigkeit, dann lernt man erkennen dasjenige, was man mit einem vielleicht nicht ganz zutreffenden Wort die Wahrnehmung des inneren Wortes, des geistigen Wortes, nennen kann. In dem Augenblick, in dem man in die Lage kommt, sich dieser verborgenen Kraft zu bemächtigen, kommt man auch in die Lage, mit dem Denken und Fühlen, das sonst nur an der eigenen Persönlichkeit haftet, herauszudringen aus sich selbst und einzudringen in eine geistige Welt, so daß man wahrnehmen lernt: Außer dir nimmst du jetzt wahr Fühlen und Wollen, so wie du sie sonst nur in dir wahrgenommen hast. — Das heißt, man beginnt auf dem Gebiete des Geistigen wollende, fühlende Wesen kennenzulernen. Erst muß das eigene Wollen und Fühlen untertauchen in die geistigen Wesen, dann nimmt man die geistigen Wesen wahr.
[ 7 ] In the manner described so far, one can detach from the physical-bodily realm only the intellectual and imaginative activities of the soul, but not that which must also be detached for true spiritual research: the emotional activity of the soul, the activity in the soul’s volitional impulse. To detach the soul’s emotional activity and the activity occurring in the impulses of the will from the physical-bodily, it is necessary to infinitely intensify what one might call devotion. We gain the best mental image of this intensified devotion, which is called meditation, when we draw a comparison with human life during sleep. The sense organs are at rest during sleep, sensory activity is suspended, the limbs are motionless; in sleep, the human being is surrendered to the general course of the world; they do not interpose into the course of this general world process that which emanates from their ego, from their thinking, feeling, and willing. They are, however, also unconscious during this state of sleep. His consciousness has dissolved into general darkness, into general obscurity. Now, what sleep brings about for the human being through the necessity of the general force of nature must be brought about arbitrarily for meditation, with the sole difference that sleep leads into unconsciousness, whereas this heightened surrender leads into heightened consciousness. Through willful effort, the spiritual researcher must bring about a state in which all his senses are silent; he must be able to divert the attention of all his senses from every impression of the external world. He must be able to suppress, just as it is suppressed in sleep, the activity of the individual organs and limbs. Externally, in regard to his physical body, a person must learn to behave as he behaves in sleep; but while in sleep he sinks into unconsciousness, through this voluntary, heightened surrender he awakens in the divine-spiritual stream of the universal forces. He awakens to a consciousness in comparison to which everyday consciousness is a sleep, just as sleep is otherwise in comparison to everyday consciousness. If we train the soul in the manner described with sufficient patience and perseverance, we come to be able to detach another inner soul faculty—as it were, spiritually-chemically—from the corresponding physical-bodily activity. Just as we detach the power of thought through concentration and then have it flow solely in the spiritual-soul realm, so too do we gradually detach, through devotion, that soul power which is otherwise employed in human speech and in the use of all the tools we employ in human speech. As I speak to you, I am applying a spiritual-soul power. This spiritual-soul force flows, while I am speaking physically here, into the physical nerves and speech organs, making use of them. Through the exercises mentioned, the spiritual researcher acquires the ability to unfold the same force inwardly and soulfully through the complete stilling of the entire speech-nerve apparatus, without any outward manifestation of this force, which otherwise flows outward through speech. Through this, one discovers in the depths of the soul a capacity of which outer life is otherwise unaware, because this capacity is expended in ordinary life through speaking and the use of the speech organs, and otherwise, when not used for speaking, simply rests in the depths of the soul. In spiritual research, it is brought up from the depths of the soul. It is, as it were, spiritually and chemically detached from physical speech. If one learns to live and weave within this hidden, language-creating activity, then one learns to recognize that which one might call—using a term that is perhaps not entirely accurate—the perception of the inner word, the spiritual word. The moment one is able to take hold of this hidden power, one also becomes able to use the thinking and feeling that otherwise cling only to one’s own personality to step outside of oneself and enter a spiritual world, so that one learns to perceive: Outside of yourself, you now perceive feeling and willing, just as you have otherwise perceived them only within yourself. — That is to say, one begins to get to know willing, feeling beings in the spiritual realm. First, one’s own willing and feeling must submerge into the spiritual beings; then one perceives the spiritual beings.
[ 8 ] Halten wir fest, daß das Emanzipieren der Denkkraft vom Physisch-Leiblichen ein Anfang der hellsichtigen Betrachtung ist, daß die Loslösung des Denkens und Fühlens der Fortgang ist, dann wird begreiflich werden, daß wir wahrhaftige Erfahrungen, wahrhaftige Erlebnisse, die von Eindrücken anderer geistiger Wesen herrühren, nur dadurch erlangen können, daß wir mit unserer eigenen fühlenden, wollenden Seele aus unserem Leiblichen herausdringen und untertauchen in die geistige Welt, die rund um uns ist. Wie dieses Erleben in der geistigen Welt geschieht, das sei in einem konkreten Beispiel erläutert. Obwohl es bei den vielen Gegnerschaften, die Geisteswissenschaft in unserer Zeit noch hat, etwas gewagt ist, solche konkrete Beispiele anzuführen, so sei doch dieses Wagnis heute unternommen. Sie erlauben, daß dieses Beispiel angeführt werde aus der unmittelbar persönlichen Erfahrung, da ja diese Beispiele wohl diejenigen sind, die man am meisten beherrschen kann, weil man wirklich nur bei der persönlichen Erfahrung sozusagen in allen Einzelheiten unmittelbar dabei ist.
[ 8 ] If we bear in mind that the emancipation of the power of thought from the physical body is the beginning of clairvoyant perception, and that the detachment of thought and feeling is the next step, then it will become clear that we can only gain true experiences—true insights—that stem from the impressions of other spiritual beings only by stepping out of our physical body with our own feeling, willing soul and immersing ourselves in the spiritual world that surrounds us. How this experience in the spiritual world takes place will be explained using a concrete example. Although it is somewhat risky, given the many adversaries Spiritual Science still faces in our time, to cite such concrete examples, let this risk be taken today. You will allow this example to be drawn from immediate personal experience, since such examples are indeed those one can best master, for it is truly only through personal experience that one is, so to speak, directly present in all its details.
[ 9 ] Vor einiger Zeit hatte ich auf dem Gebiete meiner eigenen Arbeit gewisse Aufgaben zu lösen. Ich wußte ganz genau, diese spezielle, diese besondere Aufgabe konnte ich nicht lösen mit den Fähigkeiten, die mir nach meiner persönlichen Anlage unmittelbar in diesem Menschenleben zu haben möglich sind. Die Aufgabe bezog sich darauf, die Geistesbeschaffenheit eines bestimmten Zeitalters im Verlauf der Menschheitsentwickelung nach bestimmten Richtungen hin genauer zu erkennen, zu durchschauen. Ich wußte genau, welche Aufgabe ich mir zu stellen hatte, allein ich bemerkte: Wenn du deine Gedanken noch so anstrengst, sie haben nicht die Tragkraft, zu durchschauen das betreffende Gebiet. — Es ist genau so, wie wenn man etwas heben will und die physische Kraft nicht hat, das betreffende Gewicht aufzuheben. So kann man an einen Punkt kommen, wo die Gedanken nicht die Kraft haben, um irgendeine Aufgabe wirklich zu durchschauen, um eine Frage zu lösen. In diesem Falle befand ich mich. Ich versuchte, durch meine eigene Tätigkeit mir die Aufgabe gedanklich möglichst klar vor die Seele zu stellen und den lebendigen Willen zu entwickeln, auf irgendeine Art zur Lösung zu kommen. Ich versuchte zu empfinden, im Gefühl lebhaft zu empfinden die besondere Schattierung und Art des betreffenden Zeitalters, soweit ich es schon konnte. Ich versuchte zu fühlen seine Größe, seine Farbe, versuchte mich mit der ganzen Persönlichkeit in das Zeitalter hineinzuversetzen. Und bei genügender Wiederholung dieser inneren Seelentätigkeit konnte ich verspüren das Eindringen fremden Willens und fremden Fühlens in den eigenen Willen, in das eigene Fühlen. Ich wußte, daß in den eigenen Willen, in das eigene Fühlen so wahr fremdes Fühlen, fremdes Wollen eindrangen, wie man wissen kann, wenn man einem äußeren Gegenstand gegenübersteht, daß man durch seinen Blick diesen äußeren Gegenstand nicht selbst schafft, sondern daß der Gegenstand den Eindruck auf einen macht.
[ 9 ] Some time ago, I had certain tasks to accomplish in the context of my own work. I knew full well that I could not solve this specific, this particular task with the abilities that, given my personal disposition, are immediately available to me in this human life. The task involved more precisely recognizing and penetrating the spiritual nature of a specific era in the course of human development in certain directions. I knew exactly what task I had to set for myself, but I realized: No matter how hard you strain your thoughts, they do not have the capacity to penetrate the area in question. — It is exactly as if one wants to lift something but lacks the physical strength to lift the weight in question. Thus one can reach a point where the thoughts lack the strength to truly penetrate any task, to solve a problem. This was the situation I found myself in. I tried, through my own activity, to present the task as clearly as possible to my soul in thought and to develop the living will to arrive at a solution in some way. I tried to feel, to vividly sense in my feelings, the particular nuance and character of the era in question, as far as I was already able. I tried to feel its grandeur, its color; I tried to immerse my whole personality into that era. And through sufficient repetition of this inner soul activity, I could sense the penetration of a foreign will and foreign feeling into my own will, into my own feeling. I knew that foreign feelings and foreign wills penetrated my own will and my own feelings just as truly as one can know, when facing an external object, that one does not create this external object through one’s gaze, but that the object makes an impression upon one.
[ 10 ] Ich weiß sehr wohl, daß von dem Gesichtspunkte einer materialistischen Gesinnung aus jemand leicht sagen kann: Nun ja, so etwas ist eben eine Illusion, eine Täuschung. Der Betreffende weiß nicht, daß er eigentlich aus seiner Seele herausholt dasjenige, was er als einen fremden Einfluß empfindet. — Dasjenige, was notwendig ist, um auf diesem Gebiete sich keinen Illusionen, keinen Halluzinationen, keinen Phantasiegebilden hinzugeben, das ist wahrhaftige Selbsterkenntnis, ein Vordringen in der Selbsterkenntnis. Dann weiß man, was man kann und was man nicht kann, denn Selbsterkenntnis besteht vorzugsweise für den Geistesforscher darin, die Grenzen der eigenen Fähigkeit zu durchschauen. Wer solche Selbsterkenntnis in der Weise, wie sie in dem vorgenannten Buche angeführt ist, geübt hat, der kommt dazu, wirklich unterscheiden zu können dasjenige, was er in seinem eigenen Fühlen und Wollen, in seinem persönlichen Fühlen und Wollen vermag, und dasjenige, was in dieses persönliche Fühlen und Wollen von der geistigen Welt aus an fremdem Fühlen und Wollen hereindringt. Er kommt dazu, daß es ihm so absurd erscheinen würde, nicht unterscheiden zu können sein eigenes Fühlen und Wollen von fremdem Fühlen und Wollen, wie es ihm absurd erscheinen würde, wenn jemand sagte: Ich unterscheide nicht den Hunger vom Brot. — Wie jeder weiß, wo der Hunger aufhört und das Brot anfängt, wie man weiß, daß der Hunger das Brot nicht selbst erzeugt — obgleich es in sozialer Beziehung sehr zu wünschen wäre, daß es so sei —, so bringt es wahre Selbsterkenntnis dahin, unterscheiden zu können, worin gleichsam der Hunger des eigenen Fühlens und Wollens besteht, und was, wie dem Hunger das Brot, dem eigenen Fühlen und Wollen als fremdes Fühlen und Wollen entgegenkommt aus der geistigen Welt heraus, aus einer der physischen Welt unbekannten Welt heraus. Hat man so etwas herbeigeführt, wie das eben geschilderte Hereindringen fremden Fühlens und Wollens in das eigene Fühlen und Wollen, dann setzt sich im entsprechenden Augenblick dieses innere Zusammensein eigenen Fühlens und Wollens mit fremdem Fühlen und Wollen in entsprechender Weise fort. Und in meinem Fall erwies es sich, daß durch das innige Zusammengehen des eigenen Fühlens und Wollens mit dem als fremd erkannten Fühlen und Wollen nun die Gedanken befruchtet wurden und in meinem eigenen Vorstellen auftauchten — aber wie eine Gabe des fremden Fühlens und Wollens — die Gedanken, die das Problem lösten, das dahin ging, ein bestimmtes Zeitalter zu durchforschen, zu erkennen.
[ 10 ] I am well aware that, from a materialistic point of view, one might easily say: Well, something like that is simply an illusion, a delusion. The person in question does not realize that what he perceives as an external influence actually originates from within his own soul. — What is necessary in this realm to avoid succumbing to illusions, hallucinations, or figments of the imagination is true self-knowledge, a deepening of self-knowledge. Then one knows what one can and cannot do, for self-knowledge consists, for the spiritual researcher, primarily in seeing through the limits of one’s own abilities. Whoever has practiced such self-knowledge in the manner described in the aforementioned book comes to be able to truly distinguish between what they are capable of in their own feeling and willing—in their personal feeling and willing—and what, from the spiritual world, intrudes into this personal feeling and willing as foreign feeling and willing. They come to a point where it would seem just as absurd to them not to be able to distinguish their own feelings and will from foreign feelings and will as it would seem absurd if someone were to say: I do not distinguish hunger from bread. — Just as everyone knows where hunger ends and bread begins, just as one knows that hunger does not produce bread itself—although in social terms it would be highly desirable for that to be the case— true self-knowledge leads to the ability to distinguish what, as it were, constitutes the hunger of one’s own feelings and will, and what—just as bread meets hunger—comes to one’s own feelings and will as foreign feelings and will from the spiritual world, from a world unknown to the physical world. Once one has brought about something like the penetration of foreign feeling and will into one’s own feeling and will, as just described, then at the appropriate moment this inner coexistence of one’s own feeling and will with foreign feeling and will continues in a corresponding manner. And in my case, it turned out that through the intimate union of one’s own feelings and will with those recognized as foreign, thoughts were now fertilized and emerged in my own mental image—but as a gift from the foreign feelings and will—the thoughts that solved the problem of exploring and understanding a particular era.
[ 11 ] In einem solchen Verlauf tritt nun etwas auf in diesem geistigen Erleben, das in gewisser Weise entgegengesetzt ist einem ähnlichen Verlauf in der Außenwelt. Wenn wir in der Außenwelt einer anderen Persönlichkeit begegnen, uns mit ihr zusammensetzen, so sehen wir sie zuerst, wir sprechen mit ihr, tauschen mit ihr die Gedanken aus. Bei dem geistigen Erlebnis, wie ich es geschildert habe, tritt das Umgekehrte ein: Man betrachtet in sich Gedanken, man hat das Gefühl, daß man mit fremdem Fühlen und Wollen beisammen ist, und das baut sich auf zur Wahrnehmung fremder geistiger Individualität, der man nun gegenübersteht als einer wirklichen, aber einer nur im geistigen Feld vorhandenen fremden Individualität. Man lernt sie allmählich erkennen. Man geht also vom Umgekehrten aus wie im äußeren Leben, man nähert sich der Persönlichkeit, die man so im fremden Fühlen und Wollen erreicht. Durch das Zusammensein mit ihr erreicht man sie selbst.
[ 11 ] In such a process, something occurs within this spiritual experience that is, in a certain sense, the opposite of a similar process in the external world. When we encounter another person in the external world and sit down with them, we first see them, speak with them, and exchange thoughts with them. In the spiritual experience as I have described it, the opposite occurs: one contemplates thoughts within oneself, one has the feeling of being together with another’s feelings and will, and this builds up into the perception of another’s spiritual individuality, which one now faces as a real, yet foreign individuality existing only in the spiritual realm. One gradually learns to recognize it. One thus proceeds from the opposite, as in external life, approaching the personality one thus reaches through the other’s feelings and will. Through being together with it, one reaches the other person themselves.
[ 12 ] In dem geschilderten Fall ergab sich auf diesem Wege, daß das fremde Fühlen und Wollen, das befruchtend in die eigene Gedankenwelt einfloß, herrührte von einer Persönlichkeit, die mir gut bekannt war, und die vor etwas mehr als einem Jahr aus unserem Freundeskreis durch den Tod abgegangen ist. Und ich lernte erkennen, daß diese Persönlichkeit, die in verhältnismäßig jugendlichen Alter, in der Blüte der mittleren Lebensjahre verstorben ist, unverbrauchte Lebenskraft mit hinübergenommen hat in die geistigen Welten; und aus der Intensität der unverbrauchten Lebenskräfte rührte das Fühlen und Wollen her, das zusammensein konnte mit dem eigenen Fühlen und Wollen. Wir stellen uns vor, daß ein Mensch bis zu einem gewissen hohen Alter leben kann; er verbraucht bis zu diesem hohen Alter seine Lebenskraft. Stirbt er in verhältnismäßig jugendlichem Alter, so bleibt ihm die Kraft, die er hätte haben können, um ein höheres Lebensalter zu erreichen, gewissermaßen unverbraucht, und er kann sie von der geistigen Welt aus anwenden. In dem geschilderten Fall war es die durch einen frühen Tod unverbrauchte Lebenskraft, die durch das Verhältnis, in dem der Lebende zu dem Toten stand, die Möglichkeit herbeiführen konnte, daß der Lebende in die Lage kam, ein Problem zu lösen, zu dem er brauchte die Kraft des Toten, die Verbindung mit diesem Wesen, das ein Mensch war bis vor einem Jahr und dann durch den Tod in die geistige Welt eingegangen ist.
[ 12 ] In the case described, it turned out that the foreign feelings and desires that flowed fruitfully into my own world of thought originated from a person I knew well, who had passed away from our circle of friends a little over a year ago. And I came to realize that this person, who had died at a relatively young age, in the prime of middle age, had carried unspent life force with them into the spiritual worlds; and from the intensity of these unspent life forces arose the feelings and will that could harmonize with my own feelings and will. We have a mental image of a person living to a certain advanced age; they expend their life force up to that advanced age. If they die at a relatively young age, the strength they could have had to reach a greater age remains, so to speak, unspent, and they can apply it from the spiritual world. In the case described, it was the life force left unspent due to an early death that, through the relationship the living person had with the deceased, made it possible for the living person to solve a problem for which they needed the strength of the deceased—the connection with this being who was a human being until a year ago and then entered the spiritual world through death.
[ 13 ] Dasjenige, was vorhin genannt worden ist «die Fähigkeit des inneren Wortes», das führt zu solchen Offenbarungen der geistigen Welt, die, wie sich in diesem Falle gezeigt hat, in der Offenbarung eines verstorbenen Menschen besteht. Dieselbe Fähigkeit dieses inneren geistigen Wortes macht es uns zugleich möglich, hinauszuschauen über das persönliche Leben, das zwischen Geburt und Tod, oder sagen wir, Empfängnis und Tod eingeschlossen ist. Sie bewirkt, daß man in der Lage ist, das volle, in der Unendlichkeit der Zeiten sich ausdehnende menschliche Leben, das in wiederholten Erdenleben verläuft, zu durchschauen, und zu durchschauen das Leben derjenigen, denen man so nahegetreten ist, wie eben in diesem Falle dem geschilderten Toten.
[ 13 ] What was mentioned earlier as “the ability of the inner word” leads to such revelations of the spiritual world which, as has been shown in this case, consist in the revelation of a deceased person. This same ability of the inner spiritual word also enables us to look beyond the personal life that is confined between birth and death, or, let us say, conception and death. It enables one to perceive the full scope of human life, which extends into the infinity of time and unfolds through repeated earthly lives, and to perceive the lives of those to whom one has become so close, as in the case of the deceased described here.
[ 14 ] Lernt man durch die geschilderten seelischen Fähigkeiten den Menschen kennen, sei es den eigenen Menschen, sei es einen fremden Menschen, so ist das, was man kennenlernt, nicht bloß das physische Menschenleben, das zwischen Geburt und Tod eingeschlossen ist, sondern es ist der geistige Mensch, der sich selbst seinen Leib aufbaut, der lebt in wiederholten Erdenleben und zwischen Tod und neuer Geburt in einer geistigen Welt. Daraus wird es vielleicht ersichtlich sein, daß es in dem geschilderten Falle nun möglich war, weil der Tote als geistiges Wesen vor der eigenen Seele stand, etwas intimer hineinzuschauen in das geistig-seelische Wesen dieses Toten. Man lernt, wie gesagt, in umgekehrter Richtung kennen ein anderes Wesen, als wenn man es auf dem physischen Plan kennenlernt. Zuerst lernt man an dem, was man von ihm erfahren konnte, das geistige Zusammensein kennen, dann es selbst, aber auch als geistiges Wesen. Und es wird eine Wahrheit, was man nennen kann «den Eintritt in die geistige Welt». Um bei dem geschilderten Beispiel stehenzubleiben: es zeigte sich, daß die betreffende Persönlichkeit, die bekannt war dem Sprecher und seinen Freunden in diesem Leben, das in verhältnismäßig früher Jugend beschlossen worden ist, daß diese Persönlichkeit in einem früheren Erdenleben, einem Leben in den ersten christlichen Jahrhunderten, vieles aufgenommen hatte aus der damaligen christlichen Kultur, aber durch die Eingeschränktheit der Zeitkultur dazumal nicht alles verarbeiten konnte. Mit diesem Unverarbeiteten kam sie nun in dieses Leben hinein, dieses Unverarbeitete sprengte dieses Leben, blieb aber als Lebenskraft vorhanden, und die Gnade wurde dem mit der Persönlichkeit Verbundenen zuteil, gerade das Zeitalter nun zu durchschauen, von dem seine Aufgabe kam, das Zeitalter, in dem die betreffende Persönlichkeit in einem vorhergehenden Erdenleben gelebt hatte.
[ 14 ] If one comes to know a person through the spiritual faculties described—be it one’s own self or a stranger—what one comes to know is not merely the physical human life enclosed between birth and death, but rather the spiritual human being who builds his own body, who lives through repeated earthly lives and, between death and new birth, in a spiritual world. From this it may become apparent that in the case described, because the deceased stood before one’s own soul as a spiritual being, it was now possible to look somewhat more intimately into the spiritual-soul nature of this deceased person. As I said, one comes to know another being in the opposite direction than when one gets to know them on the physical plane. First, one comes to know, through what one has been able to learn about them, the spiritual togetherness; then one comes to know the being itself, but also as a spiritual being. And what one might call “the entry into the spiritual world” becomes a reality. To stick with the example described: it became apparent that the personality in question, who was known to the speaker and his friends in this life—a life that ended in relatively early youth—had, in a previous earthly life, a life in the first Christian centuries, absorbed much from the Christian culture of that time, but was unable to process it all due to the limitations of the culture of that era. With this unprocessed material, they now entered this life; this unprocessed material overwhelmed this life, yet remained present as a life force, and grace was bestowed upon those connected to the personality to now perceive precisely the era from which their task originated—the era in which the personality in question had lived in a previous earthly life.
[ 15 ] Mag ein großer Teil der Menschen der Gegenwart noch spotten über dasjenige, was eben jetzt geschildert worden ist, und über die Gesinnung, die in der geschilderten Weise in die geistige Welt hineinweist. Derjenige, der sich auf solchen Pfaden der geistigen Welt einigermaßen versucht hat, der weiß in einem solchen Falle, wo es ihm gelungen ist, dasjenige zu lösen, dasjenige zu erarbeiten, was er mit seiner Kraft nicht hatte erarbeiten können, daß ihm Wesen, und zwar ganz konkrete Wesen der geistigen Welt geholfen haben. Für ihn erweitert sich die Welt, weil er weiß, daß er dem Hunger nicht die Fähigkeit zuschreiben darf, das Brot zu erzeugen, weil er aus demselben Impuls weiß, wie in sein eigenes Vermögen die Kraft der Wesenheiten der geistigen Welt hineingedrungen ist. Wie sich so erweitert der geistige Blick des Menschen in das Feld der Toten hinein, so erweitert sich durch die Ausbildung der Methoden, die geschildert worden sind, der geistige Blick des Menschen über eine geistige Welt, die ebenso wirklich ist an konkreten Ereignissen und konkreten Wesenheiten, wie die physische Welt rings um uns herum wirklich ist.
[ 15 ] Even if a large portion of people today still scoff at what has just been described, and at the attitude that points toward the spiritual world in the manner described. Anyone who has to some extent ventured along such paths into the spiritual world knows, in such a case—when they have succeeded in solving or working out what they could not have achieved through their own strength—that beings, and indeed very concrete beings of the spiritual world, have helped them. For them, the world expands, because they know that they must not attribute to hunger the ability to produce bread, for from the same impulse they know how the power of the beings of the spiritual world has penetrated into their own capacity. Just as the spiritual vision of human beings expands into the realm of the dead, so too does the spiritual vision of human beings expand, through the training in the methods described, over a spiritual world that is just as real in its concrete events and concrete beings as the physical world around us is real.
[ 16 ] Es wird einem heute noch zuweilen verziehen, im Allgemeinen von der geistigen Welt zu sprechen; man gibt zu, daß es hinter der Sinneswelt eine geistige Welt gibt. Das aber wird einem weniger verziehen, wenn man in der angedeuteten Weise von konkreten Wesenheiten der geistigen Welt spricht, denen man gegenübertritt wie den Wesen des Mineral-, des Pflanzenreiches, des Tierreiches und des Menschenreiches in der physischen Welt. Derjenige aber, der nicht zurückscheut, wirklich die in der Seele schlummernden Kräfte auszubilden, der weiß, daß es ebensowenig richtig ist, im Allgemeinen von dem Geiste zu sprechen etwa wie in einem verschwommenen Pantheismus, wie es richtig wäre, über die Natur zu sprechen so, daß man über eine Wiese geht und sagt nicht, indem man die Pflanzenwelt, die Blumen — hier ein Stiefmütterchen, dort eine Tulpe und so weiter — anschaut: Dies sind Blumen, das ist eine Rose, das eine Tulpe, das ist Gras —, sondern man sagt: Das ist Natur und das ist Natur und das ist Natur, alles ist Natur, Natur, Natur. — Genauso ist es aber, wenn man in verschwommen pantheistischer Weise nur spricht von Geist, Geist, Geist. Wie wir in der konkreten Sinneswelt sprechen von den Einzelheiten, so lernt man die geistige Welt nur erkennen, wenn man die Möglichkeit sich verschafft, von den die geistige Welt bevölkernden einzelnen geistigen Wesenheiten und den Vorgängen, die sich zwischen diesen geistigen Wesenheiten abspielen, wirklich zu wissen.
[ 16 ] Even today, one is sometimes forgiven for speaking in general terms about the spiritual world; it is acknowledged that there is a spiritual world beyond the sensory world. But one is less forgiven when speaking, in the manner indicated, of concrete beings of the spiritual world whom one encounters just as one encounters the beings of the mineral, plant, animal, and human kingdoms in the physical world. But the person who does not shy away from truly developing the powers slumbering in the soul knows that it is just as incorrect to speak generally of the spirit—as in a vague form of pantheism—as it would be incorrect to speak of nature in such a way that one walks across a meadow and does not look at the plant world, the flowers—here a pansy, there a tulip, and so on—and say: These are flowers, that is a rose, that is a tulip, that is grass—but rather says: That is nature, and that is nature, and that is nature; everything is nature, nature, nature. —But it is exactly the same when, in a vague, pantheistic way, one speaks only of spirit, spirit, spirit. Just as we speak of particulars in the concrete sensory world, so one learns to recognize the spiritual world only by creating the opportunity to truly know the individual spiritual beings that inhabit the spiritual world and the processes that take place between these spiritual beings.
[ 17 ] Dasjenige, was am leichtesten und am bequemsten eingewandt wird gegen die mögliche Erkenntnis der geistigen Welt, das ist, daß man sagt, es widerspreche der Kraft eines wirklich intelligenten Verhaltens zur Außenwelt, wenn der Mensch sich einem solchen Phantasieren über die geistige Welt hingeben wolle. Allein man macht den Einwand, den man scheinbar mit Recht aus der Kraft der menschlichen Intelligenz herleitet, nur so lange, als man nicht die Wirksamkeit der Intelligenz, das heißt der Denkkraft des Menschen, durch geistige Forschung selbst erkennen lernt.
[ 17 ] The easiest and most convenient objection raised against the possibility of knowing the spiritual world is the claim that it contradicts the power of truly intelligent interaction with the external world for a person to indulge in such fantasies about the spiritual world. However, this objection—which is seemingly derived with good reason from the power of human intelligence—is raised only as long as one has not come to recognize the effectiveness of intelligence, that is, of the human power of thought, through spiritual research itself.
[ 18 ] Gehen wir noch einmal zu unserem Beispiel zurück: Stellen Sie sich einen Menschen vor, der hier auf der Erde gewisse Gedanken entwikkeln will, deren Entwickelung ihm als Aufgabe gestellt ist. Er lernt gegenübertreten einer geistigen Wesenheit, in diesem Falle einem verstorbenen Menschen. Diese Wesenheit sendet ihr durch die geistige Welt verändertes Denken — man möchte sagen denkendes Wollen, fühlendes Denken — herein in das eigene Denken und Fühlen. Da, in dem auf der Erde lebenden Menschen, entstehen erst die Gedanken, die intelligenten Gedanken, die der Tote hervorbringen will aus eigener Kraft heraus. Man lernt erkennen, daß von dem, was auf der Erde ist, der Tote Fühlen und Wollen hat, daß er andere Fähigkeiten hat, seelische Fähigkeiten, die sich auf der Erde nicht entwickeln, daß er aber den "Trieb als Toter hat, sein Denken und Fühlen mit menschlichen Gedanken zu verbinden. Daher verbindet er sich mit dem Erdenmenschen. Denn indem sein Denken, Fühlen und Wollen eindringen in den Menschen, werden Gedanken angeregt. Er erlebt sie mit, er konnte sie für sich allein nicht erleben. Dadurch wird die Kommunikation mit dem Erdenmenschen herbeigeführt. Allerdings ist ein solcher Verkehr mit einem geistigen Wesen und die Anregung der eigenen Gedanken nur möglich, wenn die Gedanken sich vorher in der früher geschilderten Weise emanzipiert haben von dem Nervensystem und von dem Gehirn, wenn sie außerhalb des Gehirns als Denktätigkeit sich entwickeln. Ein merkwürdiger Prozeß tritt ein: Indem man so das Denken emanzipiert von seinem Leiblichen, erlebt, fühlt man sich selbst so, wie wenn einem das eigene Denken entrissen würde, wie wenn es im Raume und in der Zeit sich ausweitete und ausbreitete. Das Denken, von dem wir sonst sagen: Es verläuft in uns —, identifiziert sich mit der umgebenden geistigen Welt, strömt in dieselbe hinein und erlangt gegenüber uns selbst eine Selbständigkeit, die wir vergleichen können mit der annähernden Selbständigkeit, die im physischen Leibe zum Beispiel das Auge hat, das als eine Art selbständiges Organ in seiner Höhle drinnensitzt. So ist das nun selbständige Denken zwar mit dem erhöhten Selbst verbunden, aber so selbständig, daß es wie das geistige Wahrnehmungsorgan für das Denken und Fühlen der anderen geistigen Wesenheiten wirkt, so wie das Auge für das Wahrnehmen der sinnlichen Farbe und des sinnlichen Lichtes wirkt. Man kommt allmählich dazu, zu sehen, daß sich das Denken, das sonst in der Intelligenz beschlossen ist, wie ein geistiges Wahrnehmungsorgan verselbständigt gegenüber unserer eigenen Wesenheit.
[ 18 ] Let us return to our example: Imagine a person who wishes to develop certain thoughts here on Earth, the development of which has been set as a task for them. They learn to face a spiritual being, in this case a deceased person. This being sends transformed thinking—one might say thinking will, feeling thought—through the spiritual world into their own thinking and feeling. It is there, within the person living on Earth, that the thoughts first arise—the intelligent thoughts that the deceased wishes to bring forth through their own power. One learns to recognize that, of all that is on Earth, the deceased has feelings and will; that he possesses other abilities—soul abilities—that do not develop on Earth; yet that, as a deceased being, he has the impulse to connect his thinking and feeling with human thoughts. Therefore, he connects with the earthly human being. For as his thinking, feeling, and will penetrate the human being, thoughts are stimulated. He experiences them along with them; he could not have experienced them on his own. This brings about communication with the earthly human being. However, such communication with a spiritual being and the stimulation of one’s own thoughts are only possible if the thoughts have previously emancipated themselves from the nervous system and the brain in the manner described earlier, if they develop outside the brain as a thinking activity. A remarkable process takes place: by experiencing thought thus emancipated from its physical aspect, one feels as if one’s own thinking were being snatched away, as if it were expanding and spreading out in space and time. Thinking, of which we otherwise say: “It takes place within us”—identifies with the surrounding spiritual world, flows into it, and attains an independence in relation to ourselves that we can compare to the approximate independence that, for example, the eye possesses within the physical body, sitting in its socket as a kind of independent organ. Thus, this now independent thinking is indeed connected to the higher self, but it is so independent that it functions as a spiritual organ of perception for the thinking and feeling of other spiritual beings, just as the eye functions for the perception of sensory color and sensory light. One gradually comes to see that thinking, which is otherwise contained within the intellect, becomes independent of our own being, like a spiritual organ of perception.
[ 19 ] Ich kann das, was ich eben dargestellt habe, auch in anderen Worten sagen. Dasjenige, was man wirklich subjektiv erlebt, das, was die Intelligenz umschließt, das äußere Denken, sind schattenhafte Wesenheiten, eben Gedankenwesenheiten, bloß Gedanken, die abbilden äußere Wesenheiten. Indem das Denken hellsichtig wird, sich absondert von Gehirn und Nervensystem, beginnt es, innere Regsamkeit, Eigenleben zu entwickeln und strömt als eigenes Erleben in die übrige geistige Welt hinaus. Die Fühlhörner des Denkens — ich muß es etwas grob ausdrücken —, des hellsichtig gewordenen Denkens, strecken wir hinaus in die geistige Welt, und sie nehmen im Untertauchen wahr das fühlende Wollen, das wollende Fühlen der anderen Wesen, die um uns sind auf dem geistigen Felde.
[ 19 ] I can also express what I have just described in other words. What one truly experiences subjectively—that which the intellect encompasses, external thinking—are shadowy entities, indeed thought-entities, mere thoughts that reflect external entities. As thinking becomes clairvoyant, separating itself from the brain and nervous system, it begins to develop inner activity, a life of its own, and flows out into the rest of the spiritual world as an experience in its own right. The feeling antennae of thinking—I must put it somewhat crudely—of thinking that has become clairvoyant, we extend into the spiritual world, and as they immerse themselves, they perceive the feeling will, the willing feeling of the other beings who are around us in the spiritual realm.
[ 20 ] Dasjenige, was gesagt worden ist über die notwendige Selbsterkenntnis auf dem Wege der geistigen Entwickelung — was ja begreiflich macht, daß Bescheidenheit selbstverständlich ist —, solcher Selbsterkenntnis wird gestattet sein, über dieses hellsichtig entwickelte Denken die folgenden Bemerkungen zu machen, und man wird diese Bemerkungen nicht als Unbescheidenheit hinnehmen. Indem innerhalb der hellsichtigen Entwickelung das Denken lebendig wird, Selbständigkeit gewinnt, gelangt es auch dazu, wirklich technisch sichere und präzise Handhabe werden zu können. Durch wahres Hellsehen wächst die Präzision, die Treffsicherheit, die logische Kraft des Denkens, es wächst die Möglichkeit, das Denken wirklich präziser und intimer den Sachen angepaßt anzuwenden. Dadurch kommt es, daß die Intelligenz durch das wahre Hellsehen praktischer ausgearbeitet wird, mehr durchorganisiert wird, und daß es dem Hellseher leicht ist, zu durchschauen die Tragweite der Forschungsergebnisse der gewöhnlichen Wissenschaft, während zu der gewöhnlichen Wissenschaft das plastizierte..... (Lücke im Text) der Intelligenz notwendig ist, daher es begreiflicherweise so ist, daß es der gewöhnlichen Wissenschaft unserer Tage nicht möglich ist, die Ergebnisse der hellsichtigen Forschung zu durchschauen. Wahrhaftig, die Dinge stehen so, daß derjenige, der wahres Hellsehen entwickelt hat, die ganze Bedeutung und Größe der Errungenschaften der Naturforschung durchschauen kann, und es kann in diesem Sinne nicht gesprochen werden von einer Gegnerschaft der Geisteswissenschaft gegenüber der gewöhnlichen Wissenschaft. Das Umgekehrte aber ist begreiflich. Erst die hellsichtige Entwickelung organisiert die Kraft der Intelligenz, macht sie innerlich selbständig, lebendig, durchschaubar. Daher entzieht sich der äußeren materialistischen Erkenntnis die Möglichkeit, hineinzudringen in jene Logik, welche die Gewißheit gibt: Hellsichtige Erkenntnis liefert wirklich die Anschauung der geistigen Welt. Andererseits wird gerade aus dem angeführten Beispiel hellsichtigen Erlebens mit dem charakterisierten Toten vielleicht einleuchtend sein, daß Intelligenz, daß Denken eine spezifische Eigenschaft ist der im physischen Leibe lebenden Seelen, der Erdenmenschen; denn der Tote hatte in unserem Falle selbst den Trieb, sich zu verbinden mit dem Erdenmenschen, damit das, was in ihm in ganz anderer, übersinnlicher Weise lebte, die Gestalt von intelligenten Gedanken annehmen könne. Der Tote dachte mit dem Lebenden zusammen seine Gedanken. Gleichsam im Kopfe des Lebenden steckte das Denken des Toten und das Denken des Lebenden miteinander. Das intelligente Denken ist vorzugsweise eine menschliche Eigenschaft. Dies sollte durch das Beispiel illustriert werden. Daher wird verständlich sein, daß durch die Kraft der Intelligenz, durch die Kraft des Denkens, die ja, weil sie spezifisch menschlich ist, im ureigensten Sinne im Erdenmenschen entwickelt werden muß, verstanden werden kann das Ergebnis der hellsichtigen Forschung auch von demjenigen, der selbst kein Hellseher ist. Aus meinen getanen Äußerungen geht hervor, daß das selbständig gewordene Denken gleichsam das geistige Auge wird für die Wahrnehmung der geistigen Außenwelt. Allerdings zeigt sich vor der hellsichtigen Forschung, die dieses geistige Auge zu dem, was hellsichtiges Denken ist, gebraucht, daß dieses geistige Auge ein aktives, ein tätiges ist, daß die geistigen Fühlhörner sich überall hin ausstrecken, während das physische Auge ein passives ist, das die Eindrücke passiv an sich herankommen läßt. Hat daher der Geistesforscher in seine Gedanken die Offenbarungen der geistigen Welt aufgenommen, dann leben sie in den Gedanken darinnen. Und versucht er dann dasjenige, was er sich bemüht hat, in seine lebenden Gedanken hineinzubringen, seinen Mitmenschen mitzuteilen, so ist es den Mitmenschen möglich, ihn zu verstehen, ihn zu begreifen, wenn sie sich diese Wege, ihn zu verstehen, nur nicht durch materialistische Vorurteile verlegen lassen.
[ 20 ] That which has been said about the necessary self-knowledge on the path of spiritual development—which, of course, makes it understandable that modesty is a given—such self-knowledge will be permitted to make the following remarks through this clairvoyantly developed thinking, and these remarks will not be taken as immodesty. As thinking becomes alive and gains independence within clairvoyant development, it also comes to be capable of truly technically reliable and precise application. Through true clairvoyance, the precision, accuracy, and logical power of thinking grow, and the possibility grows of applying thinking in a way that is truly more precise and more intimately attuned to things. Consequently, true clairvoyance refines the intellect in a more practical way, organizes it more thoroughly, and makes it easy for the clairvoyant to grasp the significance of the research findings of conventional science, whereas conventional science lacks the necessary... (gap in the text) of intelligence, which is why it is understandably the case that ordinary science of our day is unable to grasp the results of clairvoyant research. Truly, the situation is such that one who has developed true clairvoyance can grasp the full significance and magnitude of the achievements of natural science, and in this sense there can be no talk of an opposition between Spiritual Science and conventional science. The reverse, however, is understandable. It is only through clairvoyant development that the power of intelligence is organized, made inwardly independent, alive, and transparent. Therefore, external materialistic knowledge is unable to penetrate that logic which provides the certainty: clairvoyant knowledge truly provides a vision of the spiritual world. On the other hand, the example cited of clairvoyant experience with the deceased described above may make it clear that intelligence, that thinking, is a specific characteristic of souls living in physical bodies, of earthly human beings; for in our case the deceased himself had the impulse to connect with the earthly human being so that what lived within him in a wholly different, supersensory way might take the form of intelligent thoughts. The deceased thought his thoughts together with the living person. As it were, within the living person’s mind, the deceased’s thinking and the living person’s thinking were intertwined. Intelligent thinking is primarily a human characteristic. This should be illustrated by the example. It will therefore be understandable that through the power of intelligence, through the power of thinking—which, because it is specifically human, must be developed in the earthly human being in the truest sense—the results of clairvoyant research can be understood even by those who are not themselves clairvoyant. It follows from what I have said that thinking, once it has become independent, becomes, as it were, the spiritual eye for the perception of the spiritual outer world. However, it becomes evident to clairvoyant research—which employs this spiritual eye for what constitutes clairvoyant thinking—that this spiritual eye is an active, dynamic one, that its spiritual antennae extend in every direction, whereas the physical eye is a passive one that allows impressions to approach it passively. Therefore, once the spiritual researcher has taken the revelations of the spiritual world into his thoughts, they live within those thoughts. And if he then attempts to communicate to his fellow human beings what he has striven to bring into his living thoughts, it is possible for his fellow human beings to understand him, to grasp him, provided they do not allow materialistic prejudices to block these paths to understanding him.
[ 21 ] Es gibt in der menschlichen Seele etwas wie eine innere, gewöhnlich stumm bleibende Sprache, die sofort wie ein Echo ertönen muß, wenn die Begriffe an die Seele herankommen, die der Geistesforscher gewinnt dadurch, daß er sich anregen läßt in seinem Wollen und Fühlen von der geistigen Welt und deren Wesenheiten. Und wenn die Menschen der Gegenwart sich etwas mehr befaßt haben werden — die Menschen der Zukunft namentlich — mit den Impulsen der Geisteswissenschaft, so werden immer mehr und mehr verstummen die Einwände von der Art, daß man etwa sagt: Ja, man muß glauben dasjenige, was der Geistesforscher aus der geistigen Welt heraus mitteilt, denn man kann es nicht begreifen. — Man wird erfahren, daß die menschliche Intelligenz in der Tat fähig ist, wohl zu verstehen, wohl zu begreifen das, was mitgeteilt wird aus der geistigen Welt heraus, allerdings nur, wenn es von der Art ist, daß es durch richtige geistige Erlebnisse, durch wahre geistige Erforschung aus dieser geistigen Welt herausgeholt ist. Und man wird erkennen, daß es nicht richtig ist, wenn man sagt, man sei als Mensch nicht veranlagt, mit seiner Intelligenz zu durchschauen, zu begreifen die Offenbarungen aus der geistigen Welt, man müsse sie auf Autorität annehmen. Man wird vielmehr verstehen lernen, daß diesem Begreifen und Verstehen nur hinderlich sein kann, das, was man nennt: Vorurteile haben. Und man wird immer mehr dazu kommen, ebenso zu den Mitteilungen aus der geistigen Welt zu stehen, wie man etwa zu den Ergebnissen der modernen Astronomie, Biologie, Physik und Chemie steht, auch wenn man kein Astronom, kein Biologe oder Physiker oder Chemiker ist, und dennoch hinnimmt durch dasjenige, was man natürliches Wahrheitsgefühl, natürlichen Wahrheitssinn, was man eine stumme Sprache in der menschlichen Seele nennen kann, dasjenige, was die Wissenschaften verkünden aus der physischen Welt.
[ 21 ] There is something within the human soul akin to an inner language that usually remains silent, yet must resound immediately like an echo when the concepts—which the spiritual researcher gains by allowing his will and feelings to be inspired by the spiritual world and its beings—reach the soul. And when the people of the present—and especially the people of the future—have engaged more deeply with the impulses of Spiritual Science, objections of the sort that one might say, “Yes, one must believe what the spiritual researcher communicates from the spiritual world, for one cannot comprehend it,” will fall silent more and more. — People will come to realize that human intelligence is indeed capable of truly understanding and comprehending what is communicated from the spiritual world, though only if it has been drawn from that world through genuine spiritual experiences and true spiritual research. And one will recognize that it is not correct to say that, as a human being, one is not predisposed to see through and comprehend the revelations from the spiritual world with one’s intelligence, and that one must accept them on authority. Rather, one will come to understand that what is called “prejudice” can only hinder this comprehension and understanding. And one will increasingly come to regard the messages from the spiritual world in the same way as one regards, for example, the findings of modern astronomy, biology, physics, and chemistry—even if one is not an astronomer, biologist, physicist, or chemist, and yet accepts—through what one might call a natural sense of truth, a natural feeling for truth, or a silent language within the human soul—what the sciences proclaim from the physical world.
[ 22 ] Die Konkordanz zwischen Intelligenz und Hellsehen wird immer mehr und mehr hervortreten. Und dann wird man zugeben, daß man in der hellsichtigen Forschung wirklich etwas hat, was sich aus der gleichen Gesinnung heraus, aus der die wahre naturwissenschaftliche Forschung entspringt, erhebt in die Welt der geistigen Wesenheiten und geistigen Vorgänge. Wahrhaftig, der Moment wird eintreten in der modernen Kultur, der erinnern kann — und ich möchte sagen: für den Geistesforscher ist der Gedanke heute tröstlich, bei den vielen Gegnerschaften, die die Geisteswissenschaft heute noch findet —, der Moment wird eintreten, der erinnern kann an Giordano Bruno, der sich hinzustellen hatte vor seine Welt, hinaufblickend zum blauen Himmelsgewölbe, das die Menschen ja als das Wahrste für sie, als den Sinneseindruck kannten, der wahr sein mußte, der aber sagen mußte: Ihr seht das blaue Himmelsgewölbe nur aus dem Grunde, weil euer Sehvermögen bis dahin reicht. Ihr macht selbst diese Grenze, in Wahrheit aber breitet sich aus eine Unendlichkeit an Raumesweiten. Da droben die Grenzen, die ihr so genau seht, von denen euch der Sinnenschein so schön überzeugt, die macht ihr euch selbst durch die Beschränktheit eures Sehvermögens. — Man wird erkennen, daß der Geistesforscher sich heute und in Zukunft vor die Welt wird hinstellen müssen und sagen: Ebenso ist das Firmament da in bezug auf die Zeit, für die Zeit zwischen Geburt und Tod. Dieses zeitliche Firmament, man sieht es durch den Sinnenschein, man macht es aber in Wirklichkeit durch die Beschränktheit des menschlichen geistigen Schauvermögens, wie man früher machte das blaue Firmament des Raumes. Und wie jenseits des Raumesfirmamentes liegen unendliche Raumesweiten, so liegen jenseits des zeitlichen Firmamentes zwischen Geburt und Tod die zeitliche Unendlichkeit und eingebettet in sie die Unendlichkeit des eigenen geistigen Lebens, das Gemeinschaft hat mit dem übrigen geistigen Leben der Welt.
[ 22 ] The connection between intelligence and clairvoyance will become increasingly apparent. And then people will admit that clairvoyant research truly offers something that, arising from the same spirit as true scientific research, ascends into the world of spiritual beings and spiritual processes. Truly, a moment will come in modern culture that may remind us—and I would say: for the spiritual researcher, this thought is a comfort today, given the many adversaries that Spiritual Science still faces— the moment will come that can remind us of Giordano Bruno, who had to stand before his world, looking up at the blue vault of heaven, which people knew as the truest thing for them, as the sensory impression that had to be true, but who had to say: You see the blue vault of heaven only because your vision reaches that far. You yourselves create this boundary, but in truth an infinity of spatial expanses lies beyond. Up there, the boundaries you see so clearly—of which sensory perception so beautifully convinces you—are created by you yourselves through the limitations of your vision. —It will be recognized that the spiritual researcher, both today and in the future, will have to stand before the world and say: Likewise, the firmament exists in relation to time, for the time between birth and death. This temporal firmament—one sees it through the illusion of the senses, but in reality one creates it through the limitations of human spiritual vision, just as one once created the blue firmament of space. And just as beyond the firmament of space lie infinite expanses of space, so beyond the temporal firmament between birth and death lie temporal infinity and, embedded within it, the infinity of one’s own spiritual life, which is in communion with the rest of the world’s spiritual life.
[ 23 ] Kommen wird die Zeit, in der man einsehen wird, wie mit der hellsichtigen Forschung zugleich die Intelligenz sich vertieft und erkraftet in dem Menschen, und einsehen wird man, daß diese hellsichtige Forschung auch eine feinere und intimere Logik liefert. Vor solch besserem Urteil wird manches Urteil verstummen, das heute noch gegen Geisteswissenschaft — scheinbar mit Recht — erhoben wird, indem man sagt: Hat denn die Philosophie dieser oder jener Autoren nicht bewiesen, daß das menschliche Erkenntnisvermögen Grenzen hat? Und sind denn die Gründe, die die Philosophen für die Grenzen der Möglichkeit menschlicher Erkenntnis vorbringen, nicht schlagend? Sind sie nicht logisch? Will denn der Geistesforscher die schlagenden logischen Gründe dieser Philosophen für die Grenzen des möglichen Erkenntnisvermögens aus dem Felde schlagen? — Kommen wird die Zeit, wo man sich erheben wird über solche geringe Tragkraft und Treffsicherheit der menschlichen Logik, wo man zum Beispiel wissen wird, daß etwas richtig sein kann, unwiderleglich sein kann als Philosophie und doch durch das Leben völlig widerlegt wird. Es ist ja möglich und den Vergleich werden Sie treffend finden —, es wäre ja möglich gewesen, bevor ein Mikroskop, ein Teleskop erfunden war, daß jemand sehr scharfsinnig nachgewiesen hätte, das menschliche Auge könne niemals eine Zelle sehen. Die Gründe für diese Behauptung hätten schlagend, treffend, unwiderleglich sein können. Dennoch hat das menschliche Vermögen das Mikroskop, das Teleskop konstruiert, die die Schlagkraft des menschlichen Auges vergrößert haben. Das Leben ist hinausgeschritten über die unwiderleglichen Beweise der Philosophen. Ebenso wird das Leben nicht zu widerlegen brauchen die Gründe, die dieser oder jener Philosoph angibt. Sie können unwiderleglich sein, aber das Leben in seiner Wirklichkeit muß über sie hinausschreiten, indem es das Erkenntnisvermögen erkraftet, indem es durch geistige Instrumente erkraftet die geistige Erkenntnis.
[ 23 ] The time will come when people will realize how clairvoyant research simultaneously deepens and strengthens the human intellect, and they will realize that this clairvoyant research also provides a more subtle and intimate logic. In the face of such a better judgment, many of the objections raised today against Spiritual Science—seemingly with good reason—will fall silent, such as the claim: Has not the philosophy of this or that author proven that human cognitive capacity has limits? And are not the reasons put forward by philosophers for the limits of human knowledge compelling? Are they not logical? Does the spiritual researcher intend to refute these philosophers’ compelling logical reasons for the limits of the capacity for knowledge? — The time will come when we will rise above such limited scope and accuracy of human logic, when we will know, for example, that something can be correct, can be irrefutable as philosophy, and yet be completely refuted by life. It is indeed possible—and you will find the comparison apt—that before the invention of the microscope or the telescope, someone might have demonstrated with great acumen that the human eye could never see a cell. The reasons for this claim could have been compelling, apt, and irrefutable. Nevertheless, human ingenuity constructed the microscope and the telescope, which have magnified the power of the human eye. Life has gone beyond the irrefutable proofs of the philosophers. Likewise, life will not need to refute the reasons given by this or that philosopher. They may be irrefutable, but life in its reality must go beyond them by strengthening the faculty of cognition, by strengthening spiritual cognition through spiritual instruments.
[ 24 ] Daß diese Dinge heute nicht allgemein zugegeben werden, ist begreiflich bei dem Standpunkt der jetzigen Kultur und dem Glauben an die Unwiderleglichkeit der Beweise der Philosophen. Aber es wird eine höhere Logik geben in dem weiteren Verlauf der menschlichen Kultur als die, die in der Unwiderleglichkeit so mancher rein äußerlichen Philosophie besteht, eine höhere Logik des Lebens, das aber dann sein wird ein Leben im Geiste, eine Erkenntnis in geistiger Wissenschaft. Kommen wird die Zeit, in welcher man wahrhaftig nicht geringer schätzen wird die großen Verdienste für die Erforschung der äußeren Wissenschaft als heute, aber in der man erkennen wird, daß all das, was uns die herrlichen Errungenschaften der Naturwissenschaft gebracht haben, für das tiefere Leben der Menschen mehr Fragen liefert als Antworten. Derjenige, der hineinschaut in die einzelnen Zweige der modernen Wissenschaft, in Biologie, Astronomie und so weiter, der weiß, daß man am Ende dieser Wissenschaften steht. Denn geben einem diese Wissenschaften Antworten? Nein, sie werfen erst im richtigen Sinne die Fragen auf. Die Antworten aber werden kommen aus dem, was hinter dem ist, was äußere Wissenschaften erforschen können. Die Antworten werden kommen aus den Quellen der hellsichtigen Forschung.
[ 24 ] That these things are not generally acknowledged today is understandable given the current state of culture and the belief in the irrefutability of the philosophers’ evidence. But there will be a higher logic in the further course of human culture than that which consists in the irrefutability of so many purely external philosophies—a higher logic of life, which will then be a life in the spirit, a knowledge gained through spiritual science. The time will come when one will truly not value the great contributions to the exploration of external science any less than today, but in which one will recognize that all that the magnificent achievements of natural science have brought us provide more questions than answers for the deeper life of human beings. Anyone who looks into the individual branches of modern science—biology, astronomy, and so on—knows that we have reached the limits of these sciences. For do these sciences provide answers? No, they merely raise the questions in the proper sense. The answers, however, will come from what lies beyond what external sciences can investigate. The answers will come from the sources of clairvoyant research.
[ 25 ] Zusammenfassen darf ich das, was ich heute habe zu Ihnen sprechen wollen, in die Worte: Weiter ist die Welt als die bloße Sinneswelt, und der Geist steht hinter der Sinneswelt. Und für die Geistesforschung erschließt sich der Geist dem hellsichtigen Erkennen und macht die Sinneswelt, die uns in ihrer Herrlichkeit umgibt, erst in ihrer Göttlichkeit erkennbar für uns. Weit ist die Welt, und der Geist, er ist der notwendige andere Pol zur Sinneswelt. Und dasjenige, was der Mensch erstreben wird zur Erkenntnis der Gesamtwelt — so zeigt uns eine wirkliche Perspektive der menschlichen zukünftigen Kulturentwickelung —, es wird sein nicht einseitige Erforschung der Sinneswelt, nicht einseitige äußere Wissenschaft, wie heute viele glauben, sondern es wird sein ein Zusammenfassen von Wissenschaft, Intelligenz und hellsichtiger Forschung. Und in diesem Zusammenfluß werden die Menschen erst wahrhaftig sich selbst und ihren eigenen Geist verstehen und die Lösung der Welträtsel für die nächsten Zeitalter — immer nur in Beschränktheit können sie gelöst werden — erkennen und sich in dieser Erkenntnis erst befriedigt fühlen.
[ 25 ] I may summarize what I have sought to speak to you about today in these words: The world is broader than the mere sensory world, and the spirit lies behind the sensory world. And for spiritual research, the spirit reveals itself to clairvoyant perception and makes the sensory world, which surrounds us in all its splendor, recognizable to us only in its divinity. The world is vast, and the spirit is the necessary counterpart to the sensory world. And what humanity will strive for in order to gain knowledge of the entire world—as a true perspective on the future development of human culture shows us—will not be a one-sided exploration of the sensory world, nor a one-sided external science, as many believe today, but rather a synthesis of science, intelligence, and clairvoyant research. And in this convergence, human beings will truly come to understand themselves and their own spirit, and will recognize the solution to the world’s riddles for the coming ages—which can only ever be solved in a limited way—and will feel satisfied only through this understanding.
[ 26 ] Für denjenigen aber, der den wirklichen Impuls der Geisteswissenschaft in seiner Seele aufgenommen hat, ergibt sich durch einen geistigen Blick schon heute bei zahlreichen Seelen gerade aus dem Geistesieben der Gegenwart heraus die Sehnsucht und der schon vorhandene Trieb, über das unmittelbar Sinnliche in der Wissenschaft hinauszugehen und gerade durch Anstrengung der Kräfte, welche die sinnliche Wissenschaft in den letzten Jahrhunderten erzeugt hat, durch innere Verarbeitung dieser Kräfte die Seele zu erkraften, zu erstarken, um hinaufzuleben in die geistigen Welten, aus denen doch nur die wahre Befriedigung für die Menschenseele fließen kann.
[ 26 ] But for those who have taken the true impulse of Spiritual Science into their souls, a spiritual insight reveals even today, in the case of many souls, a longing and an already existing impulse arising directly from the spiritual straining of the present, to go beyond the immediately sensory in science and, precisely through the exertion of the forces that sensory science has generated over the past centuries—and through the inner assimilation of these forces—to strengthen the soul, to grow in power, so as to live upward into the spiritual worlds from which alone true satisfaction for the human soul can flow.
