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The Rudolf Steiner Archive

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How does one Develop an Understanding of the Spiritual World
The influx of spiritual impulses from the world of the deceased
GA 154

26 May 1914, Paris

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6. Die Geisteswissenschaft als Zusammenfassung von Wissenschaft, Intelligenz und hellsichtiger Forschung

The Blessing of the Dead

[ 1 ] Sprechen möchte ich heute von dem Gesichtspunkte aus, daß wir in der Gegenwart in einer Zeit leben, in welcher die menschliche Entwickelung es notwendig macht, daß die Erkenntnis des geistigen Lebens sich auf ähnliche Grundlagen stelle, wie sich vor drei bis vier Jahrhunderten die Erkenntnis der äußeren Natur gestellt hat. Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, fühlt sich von dem Impuls durchdrungen, für den Geist und seine Erkenntnis etwas Ähnliches zu leisten, wie in ihrer Zeit für die Erkenntnis der äußeren Natur geleistet haben Persönlichkeiten wie Kopernikus, Galilei, Giordano Bruno. Derjenige, welcher sich von einem solchen Impuls durchdrungen fühlt, muß sich allerdings damit abfinden, daß in unserer Zeit die hier gemeinte Geisteswissenschaft Widerstände und Anfeindungen der gleichen Art erfährt, wie die angedeutete naturwissenschaftliche Erkenntnis und Vorstellungsart erfahren haben, und daß sich diese geisteswissenschaftliche Richtung ebenso langsam und unter ebensolchen Schwierigkeiten dem Kulturleben einverleiben wird, wie dies bei der anderen, ihr verwandten Richtung der Fall war.

[ 1 ] We have now reached a stage in human development where the study of spiritual matters must be based on the same foundations as the study of nature was three or four centuries ago.1At the beginning of this lecture, Rudolf Steiner apologized for giving the lecture in German rather than French. His comments were not recorded. Spiritual science intends to achieve similar things for knowledge of the spirit as Copernicus, Galileo, and Giordano Bruno did for the understanding of physical nature in their own time.2Nicolaus Copernicus, 1473–1543, Polish astronomer. Made astronomical observations of orbits of sun, moon, and planets. Gradually abandoned accepted Ptolemaic system of astronomy and worked out heliocentric system.

Galileo Galilei, 1564–1642, Italian astronomer and physicist. Advocated Copernican system. Instrumental in laying foundations of modern science.

Giordano Bruno, 1548–1600, Italian philosopher. A critic of Aristotelian logic and defender of Copernican cosmology, which he extended with notion of infinite universe. Arrested and burned at the stake by the Inquisition.
Of course, the systematic exploration of the spirit in our age encounters the same kind of resistance and hostility as the study and the concepts of the natural sciences did then. Spiritual science will be assimilated into our culture as slowly and with just as much difficulty as the natural sciences were.

[ 2 ] Um dasjenige auszuführen, was von diesem Gesichtspunkte aus zu sagen ist, muß ich allerdings den Ausgangspunkt nehmen davon, daß die Quellen der Erforschung des geistigen Lebens in einer Verrichtungsweise des menschlichen Geistes liegen, die heute noch in weitesten Kreisen unbekannt oder wenigstens unbeliebt ist. Dasjenige, was man hellsichtige Forschung nennt, ist durchaus die Grundlage jener Geisteswissenschaft, von deren Gesichtspunkt aus ich heute abend zu Ihnen sprechen möchte.

[ 2 ] We will investigate the spirit with processes of the human mind that are still unknown today, or at least unpopular with most people. Clairvoyant research, as we can call these processes, provides the foundation for spiritual science, and I am speaking to you today on that basis.

[ 3 ] Nicht nur dadurch, daß man Vorurteil über Vorurteil entgegenbringt demjenigen, was hellsichtige Forschung genannt werden kann, bringt man diese hellsichtige Forschung in Mißkredit. Auch der Umstand bringt sie in Mißkredit, daß mit dem Begriff, der Idee dieser hellsichtigen Forschung in der Gegenwart viel Mißbrauch getrieben wird. Deshalb will ich gleich von vornherein bemerken, daß ich allerdings nicht sprechen werde von dem Gesichtspunkt okkulter Erkenntnisse, wie sie so häufig heute scharlatanhaft angepriesen werden, sondern von jener hellsichtigen, okkulten Erkenntnis, zu der sich auch bekennen kann ein Mensch, der heute völlig auf dem Standpunkt ernster naturwissenschaftlicher Forschung steht und die Ergebnisse echter naturwissenschaftlicher Tatsächlichkeiten zur Grundlage seines Wissens macht. In bezug auf die innere Logik, in bezug auf die Art des Denkens, liegt die hier gemeinte Geisteswissenschaft durchaus in der Strömung darinnen, die durch die naturwissenschaftlichen Vorstellungen angeschlagen worden ist. In bezug auf das Gebiet, durch das Gebiet, das ihr obliegt, unterscheidet sie sich allerdings wesentlich von der Naturwissenschaft, denn die Naturwissenschaft bezieht sich auf das äußere Sinnesleben, auf die physischen Tatsachen der Umwelt, Geisteswissenschaft aber auf dasjenige Feld, das der Naturwissenschaft notwendigerweise verborgen bleiben muß, auf das Feld geistiger Erlebnisse und geistiger Wesenheiten. Deshalb ist es auch unmöglich, mit denjenigen menschlichen Fähigkeiten und Methoden, mit denen man in der Naturwissenschaft immer größere und größere Triumphe in den letzten Jahrhunderten gefeiert hat und in unserer Zeit feiert, das Feld der geistigen Tatsachen und geistigen Wesenheiten zu erforschen. Für die Erforschung der Natur werden in der Tat nur in Anspruch genommen diejenigen geistigen Kräfte und Fähigkeiten, die dem Menschen dadurch eigen sind, daß er in diese Welt in einer gewissen Weise hineingestellt ist und durch seine Mitmenschen in der normalen Weise für gewisse Fähigkeiten erzogen und angeleitet wird. Mit diesen angeborenen und anerzogenen Fähigkeiten, die vollständig ausreichen für die äußeren Wissenschaften, kann man keine Erkenntnisse für die geistige Welt gewinnen. Dazu ist notwendig, daß Fähigkeiten herausgeholt werden aus der menschlichen Seele, die im gewöhnlichen, im sogenannten normalen Menschenleben in den Tiefen des menschlichen Wesens gleichsam schlummern, ruhen, man könnte sagen, um einen wissenschaftlichen Ausdruck zu gebrauchen, latent sind. Alle die Anstrengungen und Methoden, die der Mensch sich auferlegt, um die äußere Tatsachenwelt zu durchforschen in der Weise, wie es ihm unmittelbar im Leben möglich ist, alle diese Anstrengungen verwendet er als Geistesforscher zunächst gar nicht zu einer Forschung, sondern dazu, die eigene Seele in eine solche Lage zu versetzen, daß die in ihr schlummernden Fähigkeiten und Kräfte für die spirituelle, für die geistige Welt zum Vorschein kommen, und erst nachdem sie durch die gewöhnlichen Menschenkräfte herausgeholt sind, für die Erkenntniskräfte der höheren Welt wirksam werden. Wir wenden zum Beispiel unsere Vorstellungen, die wir uns in der Seele bilden können, im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft an, um uns Erkenntnisse der Außenwelt zu verschaffen. Dies kann man als Geistesforscher zunächst nicht tun. Da muß man anwenden sein Vorstellungsleben zu solchen Anstrengungen, die ganz im Innenleben verlaufen und die den Erfolg bezwecken, ganz andere Fähigkeiten zu entwickeln, als im gewöhnlichen Leben da sind. Ich möchte, um mich über diesen Punkt völlig verständlich zu machen, zu einem Vergleich meine Zuflucht nehmen, nicht um dadurch zunächst etwas zu beweisen, sondern um zu verdeutlichen, was ich gesagt habe. Ich möchte sagen, die Übereinstimmung der Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, mit der naturwissenschaftlichen Vorstellungsart zeigt sich eben darin, daß diese Geisteswissenschaft versucht, durch eine Art geistiger Chemie einzudringen in die geistigen Welten. Wenn wir Wasser vor uns haben, so sieht man diesem Wasser nicht an, daß der Chemiker in die Lage kommt, dieses Wasser zu scheiden in Wasserstoff und Sauerstoff. Wasser ist flüssig, Wasser brennt nicht. Der Wasserstoff, den der Chemiker abscheidet, ist ein Gas, er brennt, er ist etwas ganz anderes. Das ist dasjenige, was ich zum Vergleich heranziehen möchte für einen Vorgang des geistigen Lebens, den ich gleich erörtern will. Wenn wir den Menschen im gewöhnlichen Leben vor uns haben, so haben wir in ihm vereinigt das Geistig-Seelische und das Leiblich-Physische, wie wir im Wasser vereinigt haben den Wasserstoff und den Sauerstoff. In dem, was ich nennen möchte «geistige Chemie», obliegt uns, das GeistigSeelische abzutrennen von dem Leiblich-Physischen, wie auf physischem Gebiet der Chemiker abtrennt den Wasserstoff vom Wasser. Und es ist nur begreiflich, daß man ebensowenig aus der Betrachtung des gewöhnlichen Menschen eine Anschauung gewinnen kann über das Wesen des Geistig-Seelischen, wie man durch Anschauung des Wassers eine Ansicht gewinnen kann über das Wesen des Wasserstoffes.

[ 3 ] Clairvoyant research is discredited by the countless prejudices people have against it, and also by the widespread misuse of the term “clairvoyant investigation.” That is why I want to say right now that I am not speaking from the standpoint of the occult knowledge so often promoted by charlatans these days, but based on the kind of clairvoyant, esoteric knowledge that can be supported even by people firmly grounded in serious research in the natural sciences who base their knowledge on genuine scientific facts. In terms of its inner logic, its mode of thinking, spiritual science belongs to the stream of modern thinking that includes the natural sciences. The two differ only in the areas they research. The natural sciences examine the world of nature, the physical phenomena around us, while spiritual science studies an area that must necessarily remain hidden to the natural sciences, namely, spiritual experience, and spiritual beings. It is impossible to investigate spiritual facts and spiritual beings with the same abilities and methods that have allowed the natural sciences to celebrate ever greater triumphs in the course of the last few centuries. To investigate nature, we use only those mental powers and abilities we have because of the way we are put into this world, and because other people have taught them to us. This combination of innate and acquired abilities is totally sufficient for the natural sciences, but it cannot provide knowledge of the spiritual world. For that we must use faculties that slumber, that are latent, to use a scientific term, in the depths of our soul during our everyday life. We do not immediately apply the methods and procedures used to explore the outer world in our investigations as spiritual researchers. Rather, we work with them on the abilities and forces in the depths of our soul to make them effective in the spiritual world. These capabilities help us to understand the higher worlds only when they have been drawn out by ordinary human efforts. For example, in everyday life and in conventional science, we learn about the external world through ideas we develop in our soul, but as researchers of the spirit, we first have to work with our thinking deep within us to develop abilities that are quite different from those we normally have. Spiritual science is basically in accord with the natural sciences, as we can see in its attempt to enter the spiritual world through spiritual chemistry. We cannot tell from the looks of it that water can be split into hydrogen and oxygen. Though water is liquid and does not burn, hydrogen is a combustible gas—clearly something quite different from water. We can use this as a metaphor for the spiritual process I am about to explain. People are a combination of soul-spiritual and material-physical elements, just as water is a combination of hydrogen and oxygen. In “spiritual chemistry,” we must separate the soul-spiritual from the material-physical elements just as water can be separated into hydrogen and oxygen. Clearly, just looking at people will tell us little about the nature of the soul-spiritual element.

[ 4 ] Die Methoden, die angewendet werden, um wirklich in uns selbst — denn dieses geistige Experiment der geistigen Chemie können wir nur in uns selbst anstellen —, um das Geistig-Seelische in uns selbst von dem Physisch-Leiblichen zu scheiden, werden technisch bezeichnet als Konzentration und Meditation. Diese Meditation, diese Konzentration, sie sind nicht irgendwelche wunderbare geistige Verrichtungen. Sie sind nur aufs höchste gesteigerte geistige Verrichtungen, die auch in ihren niederen elementaren Graden im gewöhnlichen Leben vorkommen. Meditation ist eine ins Unbegrenzte gesteigerte Hingabe der Seele, wie wir sie etwa erleben in den schönsten Empfindungen des religiösen Lebens, und Konzentration ist eine ins Unbegrenzte gesteigerte Aufmerksamkeit, wie wir sie auch anwenden müssen in elementarer Weise im gewöhnlichen Leben. Im gewöhnlichen Leben bezeichnen wir als Aufmerksamkeit, wenn wir nicht schweifen lassen unsere Vorstellungen und unser Gefühlsleben in beliebiger Weise über die Gegenstände, die auf uns Eindruck machen, sondern wenn wir uns aufraffen, mit unserer Seele unser Interesse auf einen einzelnen Gegenstand besonders hinzulenken, ihn herauszuheben aus dem Feld unseres Wahrnehmens. Diese Aufmerksamkeit, sie kann ins Unbegrenzte gesteigert werden, namentlich dadurch, daß durch eine innere Willkür unserer Seele gewisse besondere Vorstellungen, welche durch die Geisteswissenschaft gegeben werden können, insofern sie besonders brauchbar sind, in den Mittelpunkt unseres Seelenlebens gerückt werden. Dadurch kann das ganze Seelenleben — mit Außerachtlassung alles übrigen, aller Sorgen und Bekümmernisse, aller Sinneseindrücke, aller Willensimpulse, aller Gefühle und alles Denkens —, kann der gesamte Umfang der Seelenkraft durch eine bestimmte Zeit hindurch einzig und allein auf diese, in den Mittelpunkt des Seelenlebens gerückten Vorstellungen gelenkt werden. Wir müssen dabei ins Auge fassen, daß es nicht darauf ankommt, die Seelenkraft auf den Inhalt desjenigen, was wir so in der Konzentration vor uns haben, zu lenken, sondern auf die Tätigkeit, auf die innere Aktivität und Verrichtung in der Entwickelung der Aufmerksamkeit, der Konzentrationsfähigkeit. Auf dieses Zusammennehmen, auf das Konzentrieren der Seelenkraft kommt es an. Und oftmaliges, je nach der individuellen Anlage des Menschen allerdings verschieden langes, oft monatelanges, jahrelanges, jahrzehntelanges Üben der Seele in dieser Konzentration, dieser konzentrativen Tätigkeit, ist notwendig, damit die Seele dazu kommt, innerlich sich zu erkraften, innerlich sich zu erraffen, um innerliche Kräfte zu entwickeln, die sonst schlummern in der Seele und die aus ihr hervorgeholt werden durch diese ins Unbegrenzte gesteigerte Aufmerksamkeit, durch die Konzentration. Und das dabei ganz besonders Notwendige ist, daß wir die Möglichkeit in der Seele heranentwickeln, zu fühlen, daß die Seele in der Tat durch die geschilderte innere Tätigkeit immer mehr und mehr dazu kommt, sich als geistig-seelisches Wesen loszureißen vom Physisch-Leiblichen. Dieses Losreißen, dieses geistig-chemische Abscheiden des Geistig-Seelischen vom Physisch-Leiblichen, geschieht in der Tat immer mehr und mehr mit der aufgewendeten Tätigkeit, die beschrieben worden ist. Ich kann in einem Vortrag, der kurz sein muß, nur dieses Prinzip der Konzentration andeuten. In aller Breite findet man ausgeführt die einzelnen Verrichtungen, die notwendig sind, um die Konzentration wirklich fruchtbar zu machen, in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», das ins Französische übersetzt ist unter dem Titel «L’Initiation».

[ 4 ] The methods we use to separate the soul-spiritual from the material-physical in us—and this experiment of spiritual chemistry can be carried out only within us—are concentration and meditation. Meditation and concentration are not some kind of miraculous mental performance, but the highest level of mental processes whose lower, elementary levels we find also in our everyday life. Meditation is a devotion of the soul, raised to limitlessness, as we may experience in the most joyful religious feelings. Concentration is attentiveness, raised to limitlessness; we use it at a more basic level in ordinary life. By attentiveness in everyday life we mean not allowing our ideas and feelings to range freely over anything that catches our attention, but pulling ourselves together so that our soul focuses our interest on something specific, isolating it in our field of perception. There are no limits to how far this attentiveness can be increased, particularly by voluntarily focusing our soul on certain thoughts supplied by spiritual science. Ignoring everything else, all worries and upsets, sense impressions, will impulses, feeling, and thinking, we can center our inner forces completely on these thoughts for a certain amount of time. The content of what we are concentrating on is not as important as the inner activity and exercise of developing our attentiveness, our powers of concentration. Focusing, concentrating the forces of the soul in this way is crucial. And regular training, often involving months, years, or even decades, depending on individual predisposition, is necessary for the soul to become strong enough to develop inner forces. Qualities otherwise merely slumbering in the soul are now called up by this boundless enhancement of attentiveness, by concentration. In the process we must develop the capacity in our soul to feel that through this inner activity the soul is increasingly able to tear itself away from the physical body. Indeed, this tearing away, this separation of the soul and spirit from the physical-material element, will happen more and more often as we continue the activities I have described. In the limited scope of a lecture, I can only briefly outline this principle of concentration, but you will find detailed descriptions of the individual exercises in my book Knowledge of the Higher Worlds and Its Attainment, translated into French as L'Initiation..3Rudolf Steiner, Knowledge of the Higher Worlds and Its Attainment, repr., (Hudson, NY: Anthroposophic Press, 1986).

[ 5 ] Man gelangt durch Anwendung und Ausbildung der Methoden, die damit angedeutet sind, dazu, einen wirklichen inneren Sinn zu verbinden mit den Worten: Du erlebst dich jetzt als geistig-seelisches Wesen. Du bist in dir aktiv, ohne dich zu bedienen deiner Sinne, deiner Glieder. Du erlebst in dir, außerhalb deines Leibes. — Man hat einen gewissen fruchtbaren Punkt der Entwickelung erlangt, wenn man dazu gekommen ist, von außerhalb, von dem geistig-seelischen Erleben außerhalb des Leibes aus, die eigene Leiblichkeit, mit alledem, was in der physischen Welt an der eigenen Leiblichkeit hängt, außer sich, das heißt, außerhalb des Geistig-Seelischen wirklich anzuschauen, wirklich vor sich zu haben, wie man im physischen Leben einen Tisch, einen Stuhl vor sich hat. In der Regel kommt man zuerst dazu, auf diese Art die denkerischen Fähigkeiten, die Vorstellungsfähigkeit der Seele von den leiblichen Werkzeugen, nämlich von dem Nervensystem und dem Gehirn loszutrennen, so daß man lernt, im Denkerischen, im Vorstellungsmäßigen zu leben und sich dabei zu wissen außerhalb des Nervensystems und des Gehirns, die man sonst als Instrumente gebraucht im gewöhnlichen Leben, um zu denken, um vorzustellen.

[ 5 ] Through practicing these methods we will learn to understand the meaning of the sentences, I experience myself as a soul-spiritual being. I am active in myself without using my senses or my limbs. I have experiences independent of my body. We have made progress when we can perceive our own body with all its physical attributes as separate and independent of our soul and spirit, just as we see a table or a chair in physical life. This is how we can begin to separate the soul's ability to think and form ideas from its physical tools, namely, the nervous system and the brain. Thus, we learn to live in thinking and the forming of ideas, fully aware that we are outside the nervous system and the brain, the physical instruments we normally use for these processes.

[ 6 ] Da ich nicht in Abstraktionen, sondern in konkreten geistigen Tatsachen sprechen möchte, sei das Folgende erwähnt. Die erste Erfahrung, die man machen kann bei dieser Entwickelung, ist in der Regel diese, daß man weiß: Du lebst denkend wie in der Umgebung deines eigenen Hauptes. Du webst und lebst, so wie du sonst, wenn du dich des Instrumentes des Gehirnes bedienst, in Gedanken lebst und webst, im Gedanklichen, aber du weißt ganz genau, dieses Leben und Weben im Gedanklichen ist jetzt außerhalb deines Hauptes. Und insbesondere jener Eindruck bleibt unvergeßlich — wenn man ihn einmal durchgemacht hat —, der Eindruck, den man empfängt davon, daß man, nachdem man eine Weile außerhalb des Hauptes sich verhalten hat, wiederum untertaucht in das Gehirn und das Nervensystem und nun fühlt, wie dieses Gehirn, dieses Nervensystem als Materielles Widerstand bieten, so daß man mit Gewalt untertauchen muß in das Physische mit dem, was aus dem Physischen zuerst heraus kam. Dieser Moment bleibt unvergeßlich, wenn ihn der Mensch einmal durchgemacht hat im Laufe seiner Entwickelung.

[ 6 ] To put it more concretely, let me add that our first experience in this self-development is the realization that in thinking we live as though outside our head. We live in our weaving thoughts just as we do when we use our brain, but we know for sure that these thoughts are outside our head. The experience of immersing ourselves again in the brain and the nervous system after having been outside the head for some time remains indelibly with us. We feel the resistance of the substance of brain and nervous system such that the soul-spiritual that emerged from those physical organs needs to use force to reenter them. This is an unforgettable moment.

[ 7 ] Loslösen kann man auf diese bisher geschilderte Weise von dem Physisch-Leiblichen nur die denkerische, die vorstellungsmäßige Tätigkeit, nicht aber das, was nun auch losgelöst werden muß zu wahrer Geistesforschung: die gefühlsmäßige Tätigkeit der Seele, die Tätigkeit im Willensimpuls der Seele. Um die gefühlsmäßige und die in Willensimpulsen verlaufende Tätigkeit der Seele loszulösen von dem PhysischLeiblichen, dazu ist notwendig die unbegrenzte Steigerung dessen, was man Hingabe nennen kann. Die beste Vorstellung von dieser gesteigerten Hingabe, die man Meditation nennt, bekommen wir, wenn wir zum Vergleich heranziehen das menschliche Leben im Schlafe. Die Sinnesorgane sind abgelegt im Schlafe, die Sinnestätigkeit ruht, die Glieder sind regungslos; der Mensch ist im Schlafe hingegeben dem allgemeinen Weltenlauf; er mischt nicht in den Verlauf dieses allgemeinen Weltenganges hinein dasjenige, was von seinem Ich, von seinem Denken, Fühlen und Wollen ausgeht. Er ist allerdings auch während dieser Schlafenstätigkeit unbewußt. Sein Bewußtsein hat sich aufgelöst in allgemeine Finsternis, in allgemeine Verdunkelung. Dasjenige nun, was der Schlaf durch die Notwendigkeit der allgemeinen Naturkraft für den Menschen herbeiführt, das muß für die Meditation willkürlich herbeigeführt werden, nur mit dem Unterschied, daß der Schlaf in Bewußtlosigkeit, diese gesteigerte Hingabe aber in gesteigerte Bewußtheit hineinführt. Durch Willkür muß es der Geistesforscher dahin bringen, daß alle seine Sinne schweigen; er muß ablenken können die Aufmerksamkeit aller Sinne von einem jeglichen Eindruck der Außenwelt. Er muß unterdrücken können, wie sie im Schlafe unterdrückt ist, die Tätigkeit der einzelnen Organe und der Glieder. Äußerlich, in bezug auf sein Leibliches, muß sich der Mensch verhalten lernen, wie er sich im Schlafe verhält, aber während er im Schlafe heruntersinkt zur Bewußtlosigkeit, erwacht er durch diese willkürliche, gesteigerte Hingabe in dem göttlich-geistigen Strom der Allkräfte. Er erwacht zu einer Bewußtheit, gegenüber der die alltägliche Bewußtheit ein Schlafen ist, wie sonst der Schlaf gegenüber der alltäglichen Bewußtheit. Wir gelangen, wenn wir genügend lange in Geduld und Ausdauer die Seele in der geschilderten Weise üben, dazu, eine andere innere Seelenfähigkeit wie geistig-chemisch loszulösen von der entsprechenden leiblich-physischen Tätigkeit. Wie wir durch die Konzentration die Denkkraft loslösen und sie dann nur im Geistig-Seelischen verlaufend haben, so lösen wir durch die Hingabe allmählich los diejenige Seelenkraft, die sonst in der menschlichen Sprache, im Gebrauch all der Werkzeuge, deren wir uns bedienen in der menschlichen Sprache, zur Anwendung kommt. Indem ich zu Ihnen spreche, wende ich eine geistig-seelische Kraft an. Diese geistig-seelische Kraft fließt, während ich hier physisch spreche, in die physischen Nerven und Sprachorgane hinein, gebraucht diese. Durch die genannten Übungen erlangt der Geistesforscher die Fähigkeit, durch vollständigen Stillstand des gesamten Sprachnerven-Apparates innerlich-seelisch dieselbe Kraft zu entfalten, ohne alle äußere Offenbarung dieser Kraft, die sonst durch die Sprache nach außen fließt. Man entdeckt dadurch in den Tiefen der Seele eine Fähigkeit, von der das äußere Leben sonst nichts weiß, weil diese Fähigkeit im gewöhnlichen Leben verbraucht wird im Sprechen und im Gebrauch der Sprachorgane, und die sonst, wenn sie nicht gebraucht wird zum Sprechen, eben ruht in den Tiefen der Seele. In der Geistesforschung wird sie heraufgeholt aus den Tiefen der Seele. Sie wird gleichsam geistig-chemisch losgelöst vom physischen Sprechen. Lernt man leben und weben in dieser verborgenen sprachschöpferischen Tätigkeit, dann lernt man erkennen dasjenige, was man mit einem vielleicht nicht ganz zutreffenden Wort die Wahrnehmung des inneren Wortes, des geistigen Wortes, nennen kann. In dem Augenblick, in dem man in die Lage kommt, sich dieser verborgenen Kraft zu bemächtigen, kommt man auch in die Lage, mit dem Denken und Fühlen, das sonst nur an der eigenen Persönlichkeit haftet, herauszudringen aus sich selbst und einzudringen in eine geistige Welt, so daß man wahrnehmen lernt: Außer dir nimmst du jetzt wahr Fühlen und Wollen, so wie du sie sonst nur in dir wahrgenommen hast. — Das heißt, man beginnt auf dem Gebiete des Geistigen wollende, fühlende Wesen kennenzulernen. Erst muß das eigene Wollen und Fühlen untertauchen in die geistigen Wesen, dann nimmt man die geistigen Wesen wahr.

[ 7 ] The method I have described also allows us to release the feeling and will activities of the soul, which is necessary for true spiritual research. To achieve this, we must raise devotion to the infinite. This enhanced devotion, which is also called meditation, is similar to what happens when we sleep. The sense organs are laid aside in sleep; there is no activity of the senses, and the limbs are at rest. While we sleep, we are given over to the general course of the world without contributing anything through our I, thinking, feeling, and willing to the course of events. We are unconscious in sleep; our consciousness dissolves into general darkness and obscurity. In meditation, we must voluntarily create the state sleep causes as natural necessity. The only difference is that sleep leads to a loss of consciousness, but intensified devotion leads to an enhanced awareness. As spiritual researchers, we must be able to silence our senses at will. We must divert them from all impressions of the external world and suppress the activity of our organs and limbs as we do in sleep. In terms of our body, we have to behave just as in sleep. However, in sleep we sink into unconsciousness, but in enhanced devotion controlled by our will we awaken into the divine-spiritual stream of cosmic forces. To this level of consciousness we then reach, our everyday consciousness is what sleep is to our ordinary state of consciousness. If we persevere and patiently train our soul, we will be able to separate out, through a kind of spiritual chemistry, another soul capacity, namely, our thinking, so that it continues only in the soul-spiritual sphere. Similarly, through devotion we can gradually separate out that power of the soul we use in language, in speaking. As I am speaking to you now, I am using a soul-spiritual force that flows into my nerves and speech organs and uses them. Through the exercises described above, we can unfold this same power when the entire speech and nervous system are completely inactive. In this way, we discover in the depths of our soul a faculty we know nothing of in our everyday life, because it is employed in speech and the use of our speech organs. When we are not using this faculty, it lies dormant deep within our soul, but in spiritual research, it is drawn up and separated by spiritual chemistry, so to speak, from our physical speaking. If we learn to live in this weaving, hidden activity of language creation, we can recognize what we may call, perhaps inaccurately, the perception of the inner word, the spiritual word. As soon as we can control this hidden power, we can also detach our thinking and feeling from our personality, leave ourselves behind, and enter the spiritual world. Then we can perceive feeling and willing outside ourselves just as we did within us. We begin to know beings of will and feeling in the spiritual world, and we can perceive our own willing and feeling only when they are immersed in these beings.

[ 8 ] Halten wir fest, daß das Emanzipieren der Denkkraft vom Physisch-Leiblichen ein Anfang der hellsichtigen Betrachtung ist, daß die Loslösung des Denkens und Fühlens der Fortgang ist, dann wird begreiflich werden, daß wir wahrhaftige Erfahrungen, wahrhaftige Erlebnisse, die von Eindrücken anderer geistiger Wesen herrühren, nur dadurch erlangen können, daß wir mit unserer eigenen fühlenden, wollenden Seele aus unserem Leiblichen herausdringen und untertauchen in die geistige Welt, die rund um uns ist. Wie dieses Erleben in der geistigen Welt geschieht, das sei in einem konkreten Beispiel erläutert. Obwohl es bei den vielen Gegnerschaften, die Geisteswissenschaft in unserer Zeit noch hat, etwas gewagt ist, solche konkrete Beispiele anzuführen, so sei doch dieses Wagnis heute unternommen. Sie erlauben, daß dieses Beispiel angeführt werde aus der unmittelbar persönlichen Erfahrung, da ja diese Beispiele wohl diejenigen sind, die man am meisten beherrschen kann, weil man wirklich nur bei der persönlichen Erfahrung sozusagen in allen Einzelheiten unmittelbar dabei ist.

[ 8 ] Clairvoyant perception begins with the emancipation of the power of our thoughts from the physical body and continues with the freeing of our thinking and feeling. Clearly, then, we can know and truly experience encounters with other spiritual beings only by leaving our body and by immersing our own feeling and willing soul in the spiritual world. In view of the widespread opposition to spiritual science in our time, it is risky to give concrete examples; yet it is a risk I am willing to take. I am sure you will not mind that it is an example from my personal experience. After all, our own experiences are the examples we know best since they are the only ones where we are actually present for every detail.

[ 9 ] Vor einiger Zeit hatte ich auf dem Gebiete meiner eigenen Arbeit gewisse Aufgaben zu lösen. Ich wußte ganz genau, diese spezielle, diese besondere Aufgabe konnte ich nicht lösen mit den Fähigkeiten, die mir nach meiner persönlichen Anlage unmittelbar in diesem Menschenleben zu haben möglich sind. Die Aufgabe bezog sich darauf, die Geistesbeschaffenheit eines bestimmten Zeitalters im Verlauf der Menschheitsentwickelung nach bestimmten Richtungen hin genauer zu erkennen, zu durchschauen. Ich wußte genau, welche Aufgabe ich mir zu stellen hatte, allein ich bemerkte: Wenn du deine Gedanken noch so anstrengst, sie haben nicht die Tragkraft, zu durchschauen das betreffende Gebiet. — Es ist genau so, wie wenn man etwas heben will und die physische Kraft nicht hat, das betreffende Gewicht aufzuheben. So kann man an einen Punkt kommen, wo die Gedanken nicht die Kraft haben, um irgendeine Aufgabe wirklich zu durchschauen, um eine Frage zu lösen. In diesem Falle befand ich mich. Ich versuchte, durch meine eigene Tätigkeit mir die Aufgabe gedanklich möglichst klar vor die Seele zu stellen und den lebendigen Willen zu entwickeln, auf irgendeine Art zur Lösung zu kommen. Ich versuchte zu empfinden, im Gefühl lebhaft zu empfinden die besondere Schattierung und Art des betreffenden Zeitalters, soweit ich es schon konnte. Ich versuchte zu fühlen seine Größe, seine Farbe, versuchte mich mit der ganzen Persönlichkeit in das Zeitalter hineinzuversetzen. Und bei genügender Wiederholung dieser inneren Seelentätigkeit konnte ich verspüren das Eindringen fremden Willens und fremden Fühlens in den eigenen Willen, in das eigene Fühlen. Ich wußte, daß in den eigenen Willen, in das eigene Fühlen so wahr fremdes Fühlen, fremdes Wollen eindrangen, wie man wissen kann, wenn man einem äußeren Gegenstand gegenübersteht, daß man durch seinen Blick diesen äußeren Gegenstand nicht selbst schafft, sondern daß der Gegenstand den Eindruck auf einen macht.

[ 9 ] Some time ago I had to solve a problem in my work.4Steiner here refers to his investigation of events in the fourth century on the basis of spiritual science. He presented his insights in a lecture on May 9, 1914 (“Words of Remembrance for Oda Waller”) in Unsere Toten, vol. 261 in the Collected Works, (Dornach, Switzerland: Rudolf Steiner Verlag, 1963); lecture on May 26, 1914 (Chapter Four, in this volume); lecture of March 23, 1921, in Naturbeobachtung, Mathematik, wissenschaftliches Experiment und Erkenntnisergebnisse vom Gesichtpunkt der Anthroposophie, vol. 324 in the Collected Works, (Dornach, Switzerland: Rudolf Steiner Verlag, 1972). He also mentioned these investigations and their results in his lecture on August 31, 1923, in The Evolution of Consciousness, (London: Pharos Books, 1979); and in his lecture on April 5, 1924, in Karmic Relationships, vol. 5, (London: Rudolf Steiner Press, 1966). I knew very well that the capacities I can develop in accordance with my constitution in this life would not suffice to perform the task, which was to understand the mentality of a certain historical period. I knew exactly what questions I had to answer, but I also realized that no matter how much I exerted my thinking, my thoughts were not strong enough to gain insight into this problem. It was like wanting to lift a weight but lacking the strength to do so. I tried to define the issue as clearly as possible and to develop the active will to find a solution one way or another. As far as I could, I tried to feel vividly the particular qualities of that period. I tried to get a vivid sense of its greatness, its color, and to project myself completely into that period. After I had repeated this inner soul activity often enough, I could feel a foreign willing and feeling enter my own. I was as sure of its presence as I am that the external object I see is not created by my looking at it, but exists independent of me and makes an impression on me.

[ 10 ] Ich weiß sehr wohl, daß von dem Gesichtspunkte einer materialistischen Gesinnung aus jemand leicht sagen kann: Nun ja, so etwas ist eben eine Illusion, eine Täuschung. Der Betreffende weiß nicht, daß er eigentlich aus seiner Seele herausholt dasjenige, was er als einen fremden Einfluß empfindet. — Dasjenige, was notwendig ist, um auf diesem Gebiete sich keinen Illusionen, keinen Halluzinationen, keinen Phantasiegebilden hinzugeben, das ist wahrhaftige Selbsterkenntnis, ein Vordringen in der Selbsterkenntnis. Dann weiß man, was man kann und was man nicht kann, denn Selbsterkenntnis besteht vorzugsweise für den Geistesforscher darin, die Grenzen der eigenen Fähigkeit zu durchschauen. Wer solche Selbsterkenntnis in der Weise, wie sie in dem vorgenannten Buche angeführt ist, geübt hat, der kommt dazu, wirklich unterscheiden zu können dasjenige, was er in seinem eigenen Fühlen und Wollen, in seinem persönlichen Fühlen und Wollen vermag, und dasjenige, was in dieses persönliche Fühlen und Wollen von der geistigen Welt aus an fremdem Fühlen und Wollen hereindringt. Er kommt dazu, daß es ihm so absurd erscheinen würde, nicht unterscheiden zu können sein eigenes Fühlen und Wollen von fremdem Fühlen und Wollen, wie es ihm absurd erscheinen würde, wenn jemand sagte: Ich unterscheide nicht den Hunger vom Brot. — Wie jeder weiß, wo der Hunger aufhört und das Brot anfängt, wie man weiß, daß der Hunger das Brot nicht selbst erzeugt — obgleich es in sozialer Beziehung sehr zu wünschen wäre, daß es so sei —, so bringt es wahre Selbsterkenntnis dahin, unterscheiden zu können, worin gleichsam der Hunger des eigenen Fühlens und Wollens besteht, und was, wie dem Hunger das Brot, dem eigenen Fühlen und Wollen als fremdes Fühlen und Wollen entgegenkommt aus der geistigen Welt heraus, aus einer der physischen Welt unbekannten Welt heraus. Hat man so etwas herbeigeführt, wie das eben geschilderte Hereindringen fremden Fühlens und Wollens in das eigene Fühlen und Wollen, dann setzt sich im entsprechenden Augenblick dieses innere Zusammensein eigenen Fühlens und Wollens mit fremdem Fühlen und Wollen in entsprechender Weise fort. Und in meinem Fall erwies es sich, daß durch das innige Zusammengehen des eigenen Fühlens und Wollens mit dem als fremd erkannten Fühlen und Wollen nun die Gedanken befruchtet wurden und in meinem eigenen Vorstellen auftauchten — aber wie eine Gabe des fremden Fühlens und Wollens — die Gedanken, die das Problem lösten, das dahin ging, ein bestimmtes Zeitalter zu durchforschen, zu erkennen.

[ 10 ] From a materialistic point of view, people can easily object that this was nothing but an illusion, a deception, and that I did not know I was drawing out of my own soul what I thought were external influences. To avoid falling prey to illusion, hallucination, and fantasies in this field, we need true self-knowledge. Then we will begin to know what we can and cannot do. Self-knowledge, particularly for the researcher of the spirit, means knowing the limits of our abilities. We can train ourselves in self-knowledge in the way described in my above-mentioned book, and then we will be able to distinguish between our own feeling and will and the external feeling and will entering them from the spiritual world. We will reach the stage where not being able to tell the difference between our own feeling and willing and that from outside will seem as absurd as not being able to distinguish between hunger and bread. Everyone knows where hunger stops and bread begins; just as everyone knows that hunger itself does not make bread appear—desirable as this would be from a social standpoint. True self-knowledge enables us to differentiate between the hunger of our own feeling and willing and what comes to meet them from the spiritual world (as hunger is met with bread). Once the outside feeling and will have penetrated our own, the two will continue to exist in us side by side. In my case, the close relationship between my feeling and willing and what I recognized as external feeling and willing fertilized my thinking. As a result, thoughts appeared in my mind as gifts of the external feeling and willing and solved the original problem of investigating a certain historical epoch.

[ 11 ] In einem solchen Verlauf tritt nun etwas auf in diesem geistigen Erleben, das in gewisser Weise entgegengesetzt ist einem ähnlichen Verlauf in der Außenwelt. Wenn wir in der Außenwelt einer anderen Persönlichkeit begegnen, uns mit ihr zusammensetzen, so sehen wir sie zuerst, wir sprechen mit ihr, tauschen mit ihr die Gedanken aus. Bei dem geistigen Erlebnis, wie ich es geschildert habe, tritt das Umgekehrte ein: Man betrachtet in sich Gedanken, man hat das Gefühl, daß man mit fremdem Fühlen und Wollen beisammen ist, und das baut sich auf zur Wahrnehmung fremder geistiger Individualität, der man nun gegenübersteht als einer wirklichen, aber einer nur im geistigen Feld vorhandenen fremden Individualität. Man lernt sie allmählich erkennen. Man geht also vom Umgekehrten aus wie im äußeren Leben, man nähert sich der Persönlichkeit, die man so im fremden Fühlen und Wollen erreicht. Durch das Zusammensein mit ihr erreicht man sie selbst.

[ 11 ] What happens there in our spiritual experience runs counter to a similar process in the physical world. When we meet people in the physical world and get together with them, we first see them, then speak to them, and exchange ideas. The opposite happens in the spiritual experience I have described; there we observe thoughts in ourselves and have the feeling that a foreign feeling and will are present. Then we perceive a separate spiritual individuality as a real, separate being, but one that lives only in the spiritual world. Then, we gradually get to know this individuality in a reverse process to meeting someone in physical life. In the spiritual sphere, we approach the individual through the foreign feeling and willing we find within us, and get closer to the personality by being together with it.

[ 12 ] In dem geschilderten Fall ergab sich auf diesem Wege, daß das fremde Fühlen und Wollen, das befruchtend in die eigene Gedankenwelt einfloß, herrührte von einer Persönlichkeit, die mir gut bekannt war, und die vor etwas mehr als einem Jahr aus unserem Freundeskreis durch den Tod abgegangen ist. Und ich lernte erkennen, daß diese Persönlichkeit, die in verhältnismäßig jugendlichen Alter, in der Blüte der mittleren Lebensjahre verstorben ist, unverbrauchte Lebenskraft mit hinübergenommen hat in die geistigen Welten; und aus der Intensität der unverbrauchten Lebenskräfte rührte das Fühlen und Wollen her, das zusammensein konnte mit dem eigenen Fühlen und Wollen. Wir stellen uns vor, daß ein Mensch bis zu einem gewissen hohen Alter leben kann; er verbraucht bis zu diesem hohen Alter seine Lebenskraft. Stirbt er in verhältnismäßig jugendlichem Alter, so bleibt ihm die Kraft, die er hätte haben können, um ein höheres Lebensalter zu erreichen, gewissermaßen unverbraucht, und er kann sie von der geistigen Welt aus anwenden. In dem geschilderten Fall war es die durch einen frühen Tod unverbrauchte Lebenskraft, die durch das Verhältnis, in dem der Lebende zu dem Toten stand, die Möglichkeit herbeiführen konnte, daß der Lebende in die Lage kam, ein Problem zu lösen, zu dem er brauchte die Kraft des Toten, die Verbindung mit diesem Wesen, das ein Mensch war bis vor einem Jahr und dann durch den Tod in die geistige Welt eingegangen ist.

[ 12 ] I found out that in my case the foreign feeling and willing that fertilized my own thinking came from an individual I had known well and who had been torn from our circle of friends by her death a little more than a year ago.5Steiner here refers to Oda Waller, sister of Mieta Pyle-Waller (who took the role of Johannes Thomasius in the Mystery Drama performances in Munich). See also his lecture of May 9, 1914, in Unsere Toten. Oda Waller died in March 1913. She had died at a relatively early age, in her best mid-life years, and had taken unused life energy into the spiritual worlds. The feeling and willing that entered my own originated in the intensity of this unused life energy. Generally, people live to a ripe old age and use up their vitality during their lifetime. However, if they die relatively young, this strength remains as unused potential and is available to them in the spiritual world. These life forces that were not used in our friend's short life enabled me, because of our friendship, to solve a problem which required her strength.

[ 13 ] Dasjenige, was vorhin genannt worden ist «die Fähigkeit des inneren Wortes», das führt zu solchen Offenbarungen der geistigen Welt, die, wie sich in diesem Falle gezeigt hat, in der Offenbarung eines verstorbenen Menschen besteht. Dieselbe Fähigkeit dieses inneren geistigen Wortes macht es uns zugleich möglich, hinauszuschauen über das persönliche Leben, das zwischen Geburt und Tod, oder sagen wir, Empfängnis und Tod eingeschlossen ist. Sie bewirkt, daß man in der Lage ist, das volle, in der Unendlichkeit der Zeiten sich ausdehnende menschliche Leben, das in wiederholten Erdenleben verläuft, zu durchschauen, und zu durchschauen das Leben derjenigen, denen man so nahegetreten ist, wie eben in diesem Falle dem geschilderten Toten.

[ 13 ] What I earlier called “the capacity of the inner word” leads to such revelations of the spiritual world as this one of a dead person. At the same time, this capacity allows us to look beyond our life enclosed between birth and death, or between conception and death, and gain insight into human life extending into infinite periods of time through repeated earth lives. Then we can understand the life of those we were very close to, as I was to our dead friend.

[ 14 ] Lernt man durch die geschilderten seelischen Fähigkeiten den Menschen kennen, sei es den eigenen Menschen, sei es einen fremden Menschen, so ist das, was man kennenlernt, nicht bloß das physische Menschenleben, das zwischen Geburt und Tod eingeschlossen ist, sondern es ist der geistige Mensch, der sich selbst seinen Leib aufbaut, der lebt in wiederholten Erdenleben und zwischen Tod und neuer Geburt in einer geistigen Welt. Daraus wird es vielleicht ersichtlich sein, daß es in dem geschilderten Falle nun möglich war, weil der Tote als geistiges Wesen vor der eigenen Seele stand, etwas intimer hineinzuschauen in das geistig-seelische Wesen dieses Toten. Man lernt, wie gesagt, in umgekehrter Richtung kennen ein anderes Wesen, als wenn man es auf dem physischen Plan kennenlernt. Zuerst lernt man an dem, was man von ihm erfahren konnte, das geistige Zusammensein kennen, dann es selbst, aber auch als geistiges Wesen. Und es wird eine Wahrheit, was man nennen kann «den Eintritt in die geistige Welt». Um bei dem geschilderten Beispiel stehenzubleiben: es zeigte sich, daß die betreffende Persönlichkeit, die bekannt war dem Sprecher und seinen Freunden in diesem Leben, das in verhältnismäßig früher Jugend beschlossen worden ist, daß diese Persönlichkeit in einem früheren Erdenleben, einem Leben in den ersten christlichen Jahrhunderten, vieles aufgenommen hatte aus der damaligen christlichen Kultur, aber durch die Eingeschränktheit der Zeitkultur dazumal nicht alles verarbeiten konnte. Mit diesem Unverarbeiteten kam sie nun in dieses Leben hinein, dieses Unverarbeitete sprengte dieses Leben, blieb aber als Lebenskraft vorhanden, und die Gnade wurde dem mit der Persönlichkeit Verbundenen zuteil, gerade das Zeitalter nun zu durchschauen, von dem seine Aufgabe kam, das Zeitalter, in dem die betreffende Persönlichkeit in einem vorhergehenden Erdenleben gelebt hatte.

[ 14 ] As we get to know ourselves or another person through the soul faculties I have described, we discover not only the physical life between birth and death, but the spiritual human being who structures his own body, lives in repeated incarnations on earth, and between each death and new birth in the spiritual world. Now you will easily understand that I could gain deeper insight into the soul-spiritual being of our dead friend because she stood before my soul as a spiritual being. The process of getting to know another being in the spiritual world is the reverse of that in the physical realm. At first, we learn how to be together spiritually with the other being, and then we come to know the being itself as a spiritual being. And then entering the spiritual world becomes a reality. To return to our example, it became clear that during an earlier incarnation in the first Christian centuries, the friend whom we knew in her short life here had taken in much of that Christian culture. However, she had not been able to digest it all because of the restrictions of the time, and entered this life with the undigested material. It burst the confines of this incarnation, but remained present as life energy. And now through my connection with her, I was blessed with insight into the period my work was concerned with, the age in which our friend had lived in a past incarnation.

[ 15 ] Mag ein großer Teil der Menschen der Gegenwart noch spotten über dasjenige, was eben jetzt geschildert worden ist, und über die Gesinnung, die in der geschilderten Weise in die geistige Welt hineinweist. Derjenige, der sich auf solchen Pfaden der geistigen Welt einigermaßen versucht hat, der weiß in einem solchen Falle, wo es ihm gelungen ist, dasjenige zu lösen, dasjenige zu erarbeiten, was er mit seiner Kraft nicht hatte erarbeiten können, daß ihm Wesen, und zwar ganz konkrete Wesen der geistigen Welt geholfen haben. Für ihn erweitert sich die Welt, weil er weiß, daß er dem Hunger nicht die Fähigkeit zuschreiben darf, das Brot zu erzeugen, weil er aus demselben Impuls weiß, wie in sein eigenes Vermögen die Kraft der Wesenheiten der geistigen Welt hineingedrungen ist. Wie sich so erweitert der geistige Blick des Menschen in das Feld der Toten hinein, so erweitert sich durch die Ausbildung der Methoden, die geschildert worden sind, der geistige Blick des Menschen über eine geistige Welt, die ebenso wirklich ist an konkreten Ereignissen und konkreten Wesenheiten, wie die physische Welt rings um uns herum wirklich ist.

[ 15 ] It doesn't matter that many people in our age make fun of what I have just described and belittle an attitude that guides us thus into the spiritual world. If you have developed yourself along these paths, you know that when you accomplished something you could not possibly have done by yourself, it was because specific spiritual beings helped you. In addition, your view of the world will expand because you will know that you cannot expect hunger to produce bread, and because you know that the power of spiritual beings has entered into your own abilities. As our view into the sphere of the dead widens, our insight into the spiritual world also deepens through the methods I have described and finally encompasses concrete events and beings that are just as real as the physical world around us.

[ 16 ] Es wird einem heute noch zuweilen verziehen, im Allgemeinen von der geistigen Welt zu sprechen; man gibt zu, daß es hinter der Sinneswelt eine geistige Welt gibt. Das aber wird einem weniger verziehen, wenn man in der angedeuteten Weise von konkreten Wesenheiten der geistigen Welt spricht, denen man gegenübertritt wie den Wesen des Mineral-, des Pflanzenreiches, des Tierreiches und des Menschenreiches in der physischen Welt. Derjenige aber, der nicht zurückscheut, wirklich die in der Seele schlummernden Kräfte auszubilden, der weiß, daß es ebensowenig richtig ist, im Allgemeinen von dem Geiste zu sprechen etwa wie in einem verschwommenen Pantheismus, wie es richtig wäre, über die Natur zu sprechen so, daß man über eine Wiese geht und sagt nicht, indem man die Pflanzenwelt, die Blumen — hier ein Stiefmütterchen, dort eine Tulpe und so weiter — anschaut: Dies sind Blumen, das ist eine Rose, das eine Tulpe, das ist Gras —, sondern man sagt: Das ist Natur und das ist Natur und das ist Natur, alles ist Natur, Natur, Natur. — Genauso ist es aber, wenn man in verschwommen pantheistischer Weise nur spricht von Geist, Geist, Geist. Wie wir in der konkreten Sinneswelt sprechen von den Einzelheiten, so lernt man die geistige Welt nur erkennen, wenn man die Möglichkeit sich verschafft, von den die geistige Welt bevölkernden einzelnen geistigen Wesenheiten und den Vorgängen, die sich zwischen diesen geistigen Wesenheiten abspielen, wirklich zu wissen.

[ 16 ] People do not mind our talking about the spiritual world in general terms; they admit there is a spiritual realm behind the sensory one. But they are less tolerant if we talk about concrete beings in the spiritual world whom we perceive just as we do beings of the mineral, plant, animal, and human kingdoms. However, if we do not shy away from developing our slumbering soul forces, we find that it is just as wrong to talk about the spirit in general terms, or in vague pantheistic terms, as to speak about nature in general terms. For example, if walking across a meadow and looking at flowers, perhaps some day lilies here, violets there, and so on, we would point to them and not say their names but instead just “this is nature, that is nature, and there is nature; everything is nature and more nature”—that is no different from talking about spirit, spirit, and more spirit in a vaguely pantheistic way. We can understand the spiritual world only if we really know the individual beings living there and what happens between them.

[ 17 ] Dasjenige, was am leichtesten und am bequemsten eingewandt wird gegen die mögliche Erkenntnis der geistigen Welt, das ist, daß man sagt, es widerspreche der Kraft eines wirklich intelligenten Verhaltens zur Außenwelt, wenn der Mensch sich einem solchen Phantasieren über die geistige Welt hingeben wolle. Allein man macht den Einwand, den man scheinbar mit Recht aus der Kraft der menschlichen Intelligenz herleitet, nur so lange, als man nicht die Wirksamkeit der Intelligenz, das heißt der Denkkraft des Menschen, durch geistige Forschung selbst erkennen lernt.

[ 17 ] In objection to the possibility of knowing the spiritual world people often claim that harboring such fantasies about the realm of the spirit simply runs counter to intelligent behavior in the physical world. Although this conclusion seems justified on the basis of the capacities of human intelligence, it can be sustained only as long as one is ignorant of the extensive power of the intellect, that is, the power of human thinking, as we can know it through spiritual research.

[ 18 ] Gehen wir noch einmal zu unserem Beispiel zurück: Stellen Sie sich einen Menschen vor, der hier auf der Erde gewisse Gedanken entwikkeln will, deren Entwickelung ihm als Aufgabe gestellt ist. Er lernt gegenübertreten einer geistigen Wesenheit, in diesem Falle einem verstorbenen Menschen. Diese Wesenheit sendet ihr durch die geistige Welt verändertes Denken — man möchte sagen denkendes Wollen, fühlendes Denken — herein in das eigene Denken und Fühlen. Da, in dem auf der Erde lebenden Menschen, entstehen erst die Gedanken, die intelligenten Gedanken, die der Tote hervorbringen will aus eigener Kraft heraus. Man lernt erkennen, daß von dem, was auf der Erde ist, der Tote Fühlen und Wollen hat, daß er andere Fähigkeiten hat, seelische Fähigkeiten, die sich auf der Erde nicht entwickeln, daß er aber den "Trieb als Toter hat, sein Denken und Fühlen mit menschlichen Gedanken zu verbinden. Daher verbindet er sich mit dem Erdenmenschen. Denn indem sein Denken, Fühlen und Wollen eindringen in den Menschen, werden Gedanken angeregt. Er erlebt sie mit, er konnte sie für sich allein nicht erleben. Dadurch wird die Kommunikation mit dem Erdenmenschen herbeigeführt. Allerdings ist ein solcher Verkehr mit einem geistigen Wesen und die Anregung der eigenen Gedanken nur möglich, wenn die Gedanken sich vorher in der früher geschilderten Weise emanzipiert haben von dem Nervensystem und von dem Gehirn, wenn sie außerhalb des Gehirns als Denktätigkeit sich entwickeln. Ein merkwürdiger Prozeß tritt ein: Indem man so das Denken emanzipiert von seinem Leiblichen, erlebt, fühlt man sich selbst so, wie wenn einem das eigene Denken entrissen würde, wie wenn es im Raume und in der Zeit sich ausweitete und ausbreitete. Das Denken, von dem wir sonst sagen: Es verläuft in uns —, identifiziert sich mit der umgebenden geistigen Welt, strömt in dieselbe hinein und erlangt gegenüber uns selbst eine Selbständigkeit, die wir vergleichen können mit der annähernden Selbständigkeit, die im physischen Leibe zum Beispiel das Auge hat, das als eine Art selbständiges Organ in seiner Höhle drinnensitzt. So ist das nun selbständige Denken zwar mit dem erhöhten Selbst verbunden, aber so selbständig, daß es wie das geistige Wahrnehmungsorgan für das Denken und Fühlen der anderen geistigen Wesenheiten wirkt, so wie das Auge für das Wahrnehmen der sinnlichen Farbe und des sinnlichen Lichtes wirkt. Man kommt allmählich dazu, zu sehen, daß sich das Denken, das sonst in der Intelligenz beschlossen ist, wie ein geistiges Wahrnehmungsorgan verselbständigt gegenüber unserer eigenen Wesenheit.

[ 18 ] To return to our example, imagine someone has the task to develop certain ideas here on earth. He learns how to encounter a spiritual being, in this case, a dead person who adds his or her thinking—now modified by the spiritual world almost into willing that thinks and thinking that feels—to the human individual's thinking and feeling. The intelligent ideas the dead individual wants to produce emerge in the human being on earth. The deceased possesses feeling and willing, just as on earth, as well as other soul capacities not developed on earth. Therefore, the dead have the desire to connect their thinking and feeling with human thoughts. That is why they unite with the person on earth. As the thinking, feeling, and willing of the dead penetrate the living person, ideas are stimulated. Thus, the dead can experience these ideas, something they could not do on their own. That is why they communicate with human beings on earth. However, this communication and stimulation of ideas is possible only if our thinking has been freed from the nervous system and the brain, that is, if we have developed thinking independent of the brain. As we liberate our thinking from the body, we feel as though our thinking were snatched away from us, as though it expanded and spread out in space and time. Thinking, which we normally say takes place inside us, unites with the surrounding spiritual world, streams into it, and achieves a certain autonomy from us similar to the relative independence of the eyes, which are set in their sockets rather like autonomous organs. Thus, although our liberated thinking is connected with our higher self, it is so independent as to act as our spiritual organ of perception for the thoughts and feelings of other spiritual beings. Its function is thus similar to that of our eyes. Gradually, the thinking processes, normally limited by our intelligence, become independent from our being as spiritual organs of perception.

[ 19 ] Ich kann das, was ich eben dargestellt habe, auch in anderen Worten sagen. Dasjenige, was man wirklich subjektiv erlebt, das, was die Intelligenz umschließt, das äußere Denken, sind schattenhafte Wesenheiten, eben Gedankenwesenheiten, bloß Gedanken, die abbilden äußere Wesenheiten. Indem das Denken hellsichtig wird, sich absondert von Gehirn und Nervensystem, beginnt es, innere Regsamkeit, Eigenleben zu entwickeln und strömt als eigenes Erleben in die übrige geistige Welt hinaus. Die Fühlhörner des Denkens — ich muß es etwas grob ausdrücken —, des hellsichtig gewordenen Denkens, strecken wir hinaus in die geistige Welt, und sie nehmen im Untertauchen wahr das fühlende Wollen, das wollende Fühlen der anderen Wesen, die um uns sind auf dem geistigen Felde.

[ 19 ] To put it differently, what we experience subjectively, what is comprised by our intelligence, namely, our outer thinking, is nothing but shadowy entities, thought entities, mere ideas reflecting external things. When thinking becomes clairvoyant and separates from brain and nervous system, it begins to develop inner activity, a life of its own, and to stream out, as our own experience, into the spiritual world. In a sense, we send the tendrils of our clairvoyant thinking out into the spiritual realm and, as they become immersed in this world, they perceive the will that feels and feeling that wills of the other beings in that realm.

[ 20 ] Dasjenige, was gesagt worden ist über die notwendige Selbsterkenntnis auf dem Wege der geistigen Entwickelung — was ja begreiflich macht, daß Bescheidenheit selbstverständlich ist —, solcher Selbsterkenntnis wird gestattet sein, über dieses hellsichtig entwickelte Denken die folgenden Bemerkungen zu machen, und man wird diese Bemerkungen nicht als Unbescheidenheit hinnehmen. Indem innerhalb der hellsichtigen Entwickelung das Denken lebendig wird, Selbständigkeit gewinnt, gelangt es auch dazu, wirklich technisch sichere und präzise Handhabe werden zu können. Durch wahres Hellsehen wächst die Präzision, die Treffsicherheit, die logische Kraft des Denkens, es wächst die Möglichkeit, das Denken wirklich präziser und intimer den Sachen angepaßt anzuwenden. Dadurch kommt es, daß die Intelligenz durch das wahre Hellsehen praktischer ausgearbeitet wird, mehr durchorganisiert wird, und daß es dem Hellseher leicht ist, zu durchschauen die Tragweite der Forschungsergebnisse der gewöhnlichen Wissenschaft, während zu der gewöhnlichen Wissenschaft das plastizierte..... (Lücke im Text) der Intelligenz notwendig ist, daher es begreiflicherweise so ist, daß es der gewöhnlichen Wissenschaft unserer Tage nicht möglich ist, die Ergebnisse der hellsichtigen Forschung zu durchschauen. Wahrhaftig, die Dinge stehen so, daß derjenige, der wahres Hellsehen entwickelt hat, die ganze Bedeutung und Größe der Errungenschaften der Naturforschung durchschauen kann, und es kann in diesem Sinne nicht gesprochen werden von einer Gegnerschaft der Geisteswissenschaft gegenüber der gewöhnlichen Wissenschaft. Das Umgekehrte aber ist begreiflich. Erst die hellsichtige Entwickelung organisiert die Kraft der Intelligenz, macht sie innerlich selbständig, lebendig, durchschaubar. Daher entzieht sich der äußeren materialistischen Erkenntnis die Möglichkeit, hineinzudringen in jene Logik, welche die Gewißheit gibt: Hellsichtige Erkenntnis liefert wirklich die Anschauung der geistigen Welt. Andererseits wird gerade aus dem angeführten Beispiel hellsichtigen Erlebens mit dem charakterisierten Toten vielleicht einleuchtend sein, daß Intelligenz, daß Denken eine spezifische Eigenschaft ist der im physischen Leibe lebenden Seelen, der Erdenmenschen; denn der Tote hatte in unserem Falle selbst den Trieb, sich zu verbinden mit dem Erdenmenschen, damit das, was in ihm in ganz anderer, übersinnlicher Weise lebte, die Gestalt von intelligenten Gedanken annehmen könne. Der Tote dachte mit dem Lebenden zusammen seine Gedanken. Gleichsam im Kopfe des Lebenden steckte das Denken des Toten und das Denken des Lebenden miteinander. Das intelligente Denken ist vorzugsweise eine menschliche Eigenschaft. Dies sollte durch das Beispiel illustriert werden. Daher wird verständlich sein, daß durch die Kraft der Intelligenz, durch die Kraft des Denkens, die ja, weil sie spezifisch menschlich ist, im ureigensten Sinne im Erdenmenschen entwickelt werden muß, verstanden werden kann das Ergebnis der hellsichtigen Forschung auch von demjenigen, der selbst kein Hellseher ist. Aus meinen getanen Äußerungen geht hervor, daß das selbständig gewordene Denken gleichsam das geistige Auge wird für die Wahrnehmung der geistigen Außenwelt. Allerdings zeigt sich vor der hellsichtigen Forschung, die dieses geistige Auge zu dem, was hellsichtiges Denken ist, gebraucht, daß dieses geistige Auge ein aktives, ein tätiges ist, daß die geistigen Fühlhörner sich überall hin ausstrecken, während das physische Auge ein passives ist, das die Eindrücke passiv an sich herankommen läßt. Hat daher der Geistesforscher in seine Gedanken die Offenbarungen der geistigen Welt aufgenommen, dann leben sie in den Gedanken darinnen. Und versucht er dann dasjenige, was er sich bemüht hat, in seine lebenden Gedanken hineinzubringen, seinen Mitmenschen mitzuteilen, so ist es den Mitmenschen möglich, ihn zu verstehen, ihn zu begreifen, wenn sie sich diese Wege, ihn zu verstehen, nur nicht durch materialistische Vorurteile verlegen lassen.

[ 20 ] After what we have said about self-knowledge as a necessity on the path of spiritual development—and from this it follows that modesty is a must—allow me to comment on clairvoyant thinking, and please do not think me presumptuous for saying this. When we enliven our thinking through clairvoyant development, it becomes independent and also a very precise and useful tool. True clairvoyance increases the precision, accuracy, and logical power of our thinking. As a result, we can use it with more exactness and close adaptation to its subject; our intelligence becomes more practical and more thoroughly structured. Therefore, the clairvoyant can easily understand the scope of ordinary scientific research, whereas conventional science requires bringing out ... [text missing] of the mind. It is easy to see why modern natural science cannot comprehend the findings of clairvoyant research, but those who have developed true clairvoyance can comprehend the full significance of the achievements of the natural sciences. There can be no question, therefore, of spiritual science opposing conventional science; the other way around is more likely. Only clairvoyant development can organize the power of the mind, making it inwardly independent, alive, and comprehensible. That is why the materialistic way of thinking cannot penetrate to the logic that gives us the certainty that clairvoyant knowledge really does lead to perception of the spiritual world. The example of my clairvoyant experiences with a dead person shows that intelligence and thinking are specific qualities of souls living in a physical body, of human beings on earth. The deceased wanted to connect herself with a human being so that what lived in her in a completely different, super-sensible way could take the form of intelligent thoughts. The dead individual and the living person were thinking their thoughts together in the head of the latter, as it were. As specifically human qualities, intellect and thinking can be developed only in human beings on earth, and they allow even people who are not clairvoyant to understand the results of clairvoyant research. You see, our independent thinking becomes the spiritual eye, as it were, for the perception of the spiritual world. Supersensible research, which uses this spiritual eye for clairvoyant thinking, has found that this eye is active, that the spiritual feelers are put out in all directions, but our physical eyes only passively allow impressions to come to them. When we as spiritual researchers have taken the revelations of the super-sensible world into our thinking, they continue to live in our thoughts. We can then tell other people about what we have taken pains to bring into our living thought processes, and they can understand us if they do not allow materialistic prejudices to get in the way.

[ 21 ] Es gibt in der menschlichen Seele etwas wie eine innere, gewöhnlich stumm bleibende Sprache, die sofort wie ein Echo ertönen muß, wenn die Begriffe an die Seele herankommen, die der Geistesforscher gewinnt dadurch, daß er sich anregen läßt in seinem Wollen und Fühlen von der geistigen Welt und deren Wesenheiten. Und wenn die Menschen der Gegenwart sich etwas mehr befaßt haben werden — die Menschen der Zukunft namentlich — mit den Impulsen der Geisteswissenschaft, so werden immer mehr und mehr verstummen die Einwände von der Art, daß man etwa sagt: Ja, man muß glauben dasjenige, was der Geistesforscher aus der geistigen Welt heraus mitteilt, denn man kann es nicht begreifen. — Man wird erfahren, daß die menschliche Intelligenz in der Tat fähig ist, wohl zu verstehen, wohl zu begreifen das, was mitgeteilt wird aus der geistigen Welt heraus, allerdings nur, wenn es von der Art ist, daß es durch richtige geistige Erlebnisse, durch wahre geistige Erforschung aus dieser geistigen Welt herausgeholt ist. Und man wird erkennen, daß es nicht richtig ist, wenn man sagt, man sei als Mensch nicht veranlagt, mit seiner Intelligenz zu durchschauen, zu begreifen die Offenbarungen aus der geistigen Welt, man müsse sie auf Autorität annehmen. Man wird vielmehr verstehen lernen, daß diesem Begreifen und Verstehen nur hinderlich sein kann, das, was man nennt: Vorurteile haben. Und man wird immer mehr dazu kommen, ebenso zu den Mitteilungen aus der geistigen Welt zu stehen, wie man etwa zu den Ergebnissen der modernen Astronomie, Biologie, Physik und Chemie steht, auch wenn man kein Astronom, kein Biologe oder Physiker oder Chemiker ist, und dennoch hinnimmt durch dasjenige, was man natürliches Wahrheitsgefühl, natürlichen Wahrheitssinn, was man eine stumme Sprache in der menschlichen Seele nennen kann, dasjenige, was die Wissenschaften verkünden aus der physischen Welt.

[ 21 ] There is a sort of inner language in the human soul that normally remains silent. But when concepts enter the soul, which the spiritual researcher acquires by allowing his or her will and feeling to be stimulated by the spiritual world and its beings, this language responds immediately with an echoing sound. Careful and thorough study of spiritual science will gradually silence the objection that the spiritual researcher's reports of the realm of the spirit can only be believed because they cannot really be understood. People will see that human intelligence is indeed able to understand information from the spiritual world, but only if it is the result of true spiritual experiences and true spiritual research. They will realize that it is wrong to say human intelligence does not suffice to comprehend revelations from the spiritual world and that therefore they have to be accepted on authority. They will come to know that the only obstacle to such understanding is to have preconceived notions and prejudices. Eventually, people will treat information from the spiritual world as they treat the insights of, say, astronomy, biology, physics, and chemistry. That is, even if they are not astronomers, biologists, physicists, or chemists, they accept the scientists' findings about the physical world on the basis of a natural feeling for truth, which we may call a silent language of the soul.

[ 22 ] Die Konkordanz zwischen Intelligenz und Hellsehen wird immer mehr und mehr hervortreten. Und dann wird man zugeben, daß man in der hellsichtigen Forschung wirklich etwas hat, was sich aus der gleichen Gesinnung heraus, aus der die wahre naturwissenschaftliche Forschung entspringt, erhebt in die Welt der geistigen Wesenheiten und geistigen Vorgänge. Wahrhaftig, der Moment wird eintreten in der modernen Kultur, der erinnern kann — und ich möchte sagen: für den Geistesforscher ist der Gedanke heute tröstlich, bei den vielen Gegnerschaften, die die Geisteswissenschaft heute noch findet —, der Moment wird eintreten, der erinnern kann an Giordano Bruno, der sich hinzustellen hatte vor seine Welt, hinaufblickend zum blauen Himmelsgewölbe, das die Menschen ja als das Wahrste für sie, als den Sinneseindruck kannten, der wahr sein mußte, der aber sagen mußte: Ihr seht das blaue Himmelsgewölbe nur aus dem Grunde, weil euer Sehvermögen bis dahin reicht. Ihr macht selbst diese Grenze, in Wahrheit aber breitet sich aus eine Unendlichkeit an Raumesweiten. Da droben die Grenzen, die ihr so genau seht, von denen euch der Sinnenschein so schön überzeugt, die macht ihr euch selbst durch die Beschränktheit eures Sehvermögens. — Man wird erkennen, daß der Geistesforscher sich heute und in Zukunft vor die Welt wird hinstellen müssen und sagen: Ebenso ist das Firmament da in bezug auf die Zeit, für die Zeit zwischen Geburt und Tod. Dieses zeitliche Firmament, man sieht es durch den Sinnenschein, man macht es aber in Wirklichkeit durch die Beschränktheit des menschlichen geistigen Schauvermögens, wie man früher machte das blaue Firmament des Raumes. Und wie jenseits des Raumesfirmamentes liegen unendliche Raumesweiten, so liegen jenseits des zeitlichen Firmamentes zwischen Geburt und Tod die zeitliche Unendlichkeit und eingebettet in sie die Unendlichkeit des eigenen geistigen Lebens, das Gemeinschaft hat mit dem übrigen geistigen Leben der Welt.

[ 22 ] The harmony between intelligence and clairvoyance will become much more obvious, and then people will admit that clairvoyant research approaches the world of spiritual beings and processes with the same attitude that also motivates the natural sciences. In view of the considerable opposition to spiritual science, it will comfort us to know that our modern culture will eventually come to the point Giordano Bruno did. Looking up to the blue vault of the sky, which people then considered to exist exactly as they perceived it, Bruno declared that they saw the blue dome of the sky only because that was as far as their vision reached. They themselves in a way imposed that limit; in reality space extends into infinity. The limits people saw so clearly, based on the illusion of their senses, were created by the limitation of their vision. You see, now and in the future, the spiritual researcher will have to stand up before the world and say that there is also a firmament with regard to time, the time between birth and death. We perceive this firmament of time through the illusion of the senses. In fact, we create it ourselves because our spiritual vision is limited, just as in earlier times people “created” the blue firmament of space. Space extends endlessly beyond the blue dome of the sky, and time also continues infinitely beyond the boundaries of birth and death. Our own infinite spiritual life is embedded in this infinite time together with the rest of spiritual life in the world.

[ 23 ] Kommen wird die Zeit, in der man einsehen wird, wie mit der hellsichtigen Forschung zugleich die Intelligenz sich vertieft und erkraftet in dem Menschen, und einsehen wird man, daß diese hellsichtige Forschung auch eine feinere und intimere Logik liefert. Vor solch besserem Urteil wird manches Urteil verstummen, das heute noch gegen Geisteswissenschaft — scheinbar mit Recht — erhoben wird, indem man sagt: Hat denn die Philosophie dieser oder jener Autoren nicht bewiesen, daß das menschliche Erkenntnisvermögen Grenzen hat? Und sind denn die Gründe, die die Philosophen für die Grenzen der Möglichkeit menschlicher Erkenntnis vorbringen, nicht schlagend? Sind sie nicht logisch? Will denn der Geistesforscher die schlagenden logischen Gründe dieser Philosophen für die Grenzen des möglichen Erkenntnisvermögens aus dem Felde schlagen? — Kommen wird die Zeit, wo man sich erheben wird über solche geringe Tragkraft und Treffsicherheit der menschlichen Logik, wo man zum Beispiel wissen wird, daß etwas richtig sein kann, unwiderleglich sein kann als Philosophie und doch durch das Leben völlig widerlegt wird. Es ist ja möglich und den Vergleich werden Sie treffend finden —, es wäre ja möglich gewesen, bevor ein Mikroskop, ein Teleskop erfunden war, daß jemand sehr scharfsinnig nachgewiesen hätte, das menschliche Auge könne niemals eine Zelle sehen. Die Gründe für diese Behauptung hätten schlagend, treffend, unwiderleglich sein können. Dennoch hat das menschliche Vermögen das Mikroskop, das Teleskop konstruiert, die die Schlagkraft des menschlichen Auges vergrößert haben. Das Leben ist hinausgeschritten über die unwiderleglichen Beweise der Philosophen. Ebenso wird das Leben nicht zu widerlegen brauchen die Gründe, die dieser oder jener Philosoph angibt. Sie können unwiderleglich sein, aber das Leben in seiner Wirklichkeit muß über sie hinausschreiten, indem es das Erkenntnisvermögen erkraftet, indem es durch geistige Instrumente erkraftet die geistige Erkenntnis.

[ 23 ] The time will come when people will realize that clairvoyant research strengthens and deepens our intelligence, producing a more subtle and refined logic. Such improved understanding will silence many, seemingly justified, current opinions on spiritual science claiming that the philosophical writings of several authors prove that our cognitive and intellectual capacities are limited. After all, aren't the reasons these philosophers present to prove the limits of human cognition convincing? Are they not logical? How can researchers of spiritual science hope to refute these convincing, logical arguments for the limits of our capacity to know? The time will come when people will see the lack of substance and precision in such logic, when they will understand that something can be irrefutably correct as philosophical argument, and yet be completely refuted by life. After all, before the discovery of the microscope or the telescope people might very well have “irrefutably” proven that human eyes can never see a cell. Still, human ingenuity invented the microscope and the telescope, which increased the power of our eyes. Similarly, life has outdistanced the irrefutable proof of the philosophers. Life does not need to refute the arguments of this or that philosopher. Their proofs may be indisputable, but the reality of life must progress beyond them by strengthening our cognitive capacity and spiritual understanding through spiritual instruments.

[ 24 ] Daß diese Dinge heute nicht allgemein zugegeben werden, ist begreiflich bei dem Standpunkt der jetzigen Kultur und dem Glauben an die Unwiderleglichkeit der Beweise der Philosophen. Aber es wird eine höhere Logik geben in dem weiteren Verlauf der menschlichen Kultur als die, die in der Unwiderleglichkeit so mancher rein äußerlichen Philosophie besteht, eine höhere Logik des Lebens, das aber dann sein wird ein Leben im Geiste, eine Erkenntnis in geistiger Wissenschaft. Kommen wird die Zeit, in welcher man wahrhaftig nicht geringer schätzen wird die großen Verdienste für die Erforschung der äußeren Wissenschaft als heute, aber in der man erkennen wird, daß all das, was uns die herrlichen Errungenschaften der Naturwissenschaft gebracht haben, für das tiefere Leben der Menschen mehr Fragen liefert als Antworten. Derjenige, der hineinschaut in die einzelnen Zweige der modernen Wissenschaft, in Biologie, Astronomie und so weiter, der weiß, daß man am Ende dieser Wissenschaften steht. Denn geben einem diese Wissenschaften Antworten? Nein, sie werfen erst im richtigen Sinne die Fragen auf. Die Antworten aber werden kommen aus dem, was hinter dem ist, was äußere Wissenschaften erforschen können. Die Antworten werden kommen aus den Quellen der hellsichtigen Forschung.

[ 24 ] In the present state of our culture with its prevailing belief in the incontrovertibility of the philosophers' proofs, these things are not generally or readily accepted. However, as our culture continues to develop, it will reach a higher logic than the one supporting these proofs of purely external philosophy. This higher logic will be one of life, of life of the spirit, of insights based on spiritual science. A time will come when people, while still respecting the accomplishments and discoveries of the natural sciences as much as we do now, will nevertheless realize that for our inner life these marvelous achievements have brought more questions than answers. If you study biology, astronomy, and so on, you will see that they have reached their limits. Do these sciences provide answers? No, they are really only raising questions. The answers will come from what stands behind the subject matter of the natural sciences. The answers will come from the sources of clairvoyant research.

[ 25 ] Zusammenfassen darf ich das, was ich heute habe zu Ihnen sprechen wollen, in die Worte: Weiter ist die Welt als die bloße Sinneswelt, und der Geist steht hinter der Sinneswelt. Und für die Geistesforschung erschließt sich der Geist dem hellsichtigen Erkennen und macht die Sinneswelt, die uns in ihrer Herrlichkeit umgibt, erst in ihrer Göttlichkeit erkennbar für uns. Weit ist die Welt, und der Geist, er ist der notwendige andere Pol zur Sinneswelt. Und dasjenige, was der Mensch erstreben wird zur Erkenntnis der Gesamtwelt — so zeigt uns eine wirkliche Perspektive der menschlichen zukünftigen Kulturentwickelung —, es wird sein nicht einseitige Erforschung der Sinneswelt, nicht einseitige äußere Wissenschaft, wie heute viele glauben, sondern es wird sein ein Zusammenfassen von Wissenschaft, Intelligenz und hellsichtiger Forschung. Und in diesem Zusammenfluß werden die Menschen erst wahrhaftig sich selbst und ihren eigenen Geist verstehen und die Lösung der Welträtsel für die nächsten Zeitalter — immer nur in Beschränktheit können sie gelöst werden — erkennen und sich in dieser Erkenntnis erst befriedigt fühlen.

[ 25 ] To summarize, let me repeat that the world extends beyond the realm of the senses, and behind the sensory world we find spirit. In spiritual science, the spirit reveals itself to clairvoyant perception, and it is only then that we can see the divine nature of the magnificent sensory world around us. The world is vast, and the spirit is the necessary counterbalance to the physical world. A proper perspective on our future cultural development reveals that in trying to understand the world in its entirety, people will strive not for a one-sided exploration of the natural world, as many now assume. Instead, people will seek to unite science, intellect, and clairvoyant research. Only in this union will people truly come to understand themselves and their own spirit. Only then will they realize solutions to the world's future riddles, never to be solved completely, and feel satisfaction in that knowledge.

[ 26 ] Für denjenigen aber, der den wirklichen Impuls der Geisteswissenschaft in seiner Seele aufgenommen hat, ergibt sich durch einen geistigen Blick schon heute bei zahlreichen Seelen gerade aus dem Geistesieben der Gegenwart heraus die Sehnsucht und der schon vorhandene Trieb, über das unmittelbar Sinnliche in der Wissenschaft hinauszugehen und gerade durch Anstrengung der Kräfte, welche die sinnliche Wissenschaft in den letzten Jahrhunderten erzeugt hat, durch innere Verarbeitung dieser Kräfte die Seele zu erkraften, zu erstarken, um hinaufzuleben in die geistigen Welten, aus denen doch nur die wahre Befriedigung für die Menschenseele fließen kann.

[ 26 ] Those who have taken the true impulse of spiritual science to heart can sense even now in our culture the yearning and the latent urge in many souls to go beyond the immediate and sensory in science. Through use and inner assimilation of the capacities the sciences have created in recent centuries, these souls long to be strengthened so that they can live in the spiritual worlds from where alone can come true satisfaction for the human soul.